Leonkoro Quartet Vorbilder
13. April 2026 19:30 Uhr Mittlerer Saal Kammermusik IV
Highlights 25–26 Karten und Infos: +43 (0) 732 77 52 30 brucknerhaus.at
Mi, 29. Apr 2026, 19:30 Mittlerer Saal
Isata Kanneh-Mason Die britische Pianistin Isata Kanneh-Mason verbindet Beethovens ›Mondschein‹- und ›Waldstein‹-Sonaten mit Ravels atemberaubend schwierigem Zyklus Gaspard de la nuit und neuen Werken von Dobrinka Tabakova.
Sa, 2. Mai 2026, 19:30 Isata Kanneh-Mason © K. Wielocha
Mittlerer Saal
Jean-Guihen Queyras & Alexander Melnikov Mit Jean-Guihen Queyras und Alexander Melnikov präsentiert ein absolutes Ausnahmeduo Werke für Violoncello und Klavier von Ludwig van Beethoven, Claude Debussy und Sergei Rachmaninoff.
Do, 28. Mai 2026, 19:30 Mittlerer Saal
Minetti Quartett trifft The Düsseldorf Düsterboys Was passiert, wenn das renommierte Minetti Quartett mit Werken des klassischen Streichquartettrepertoires auf Songs der Düsseldorf Düsterboys trifft?
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alla breve
Das Programm auf einen Blick
Wie ein roter Faden ziehen sich Vorbilder durch die Musikgeschichte der letzten Jahrhunderte. Zahlreiche Komponist:innen suchten in den Werken ihrer Vorgänger:innen Inspiration und Orientierung: Die niederländische Komponistin und Pianistin Henriëtte Bosmans – als ›Halbjüdin‹ während der deutschen Besetzung Hollands verfolgt und heute kaum noch bekannt – verarbeitet in ihrem 1927 entstandenen Streichquartett Einflüsse ihrer französischen Zeitgenossen Claude Debussy und Maurice Ravel. Dem zweiten Streichquartett von Felix Mendelssohn Bartholdy, seinem ersten ›vollgültigen‹ Quartett, das er im Alter von nur 18 Jahren schuf, hört man wiederum seine Nähe zu Beethoven deutlich an. Franz Schubert ließ sich schließlich zu seinem Streichquartett Nr. 14 d-Moll von seinem sieben Jahre zuvor entstandenen Kunstlied Der Tod und das Mädchen inspirieren.
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Programm & Besetzung Henriëtte Bosmans 1895–1952 Streichquartett // 1927 I Allegro molto moderato II Lento III Allegro molto
Felix Mendelssohn Bartholdy 1809–1847 Streichquartett Nr. 2 a-Moll op. 13 // 1827 I Adagio – Allegro vivace II Adagio non lento III Intermezzo: Allegretto con moto – Allegro di molto IV Presto – Adagio non lento // Pause //
Franz Schubert 1797–1828 Streichquartett Nr. 14 d-Moll D 810 ›Der Tod und das Mädchen‹ // 1824 I Allegro II Andante con moto III Scherzo. Allegro molto – Trio IV Presto – Prestissimo
Konzertende: ca. 21:30 Uhr
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Leonkoro Quartet Jonathan Schwarz Violine Emiri Kakiuchi Violine Mayu Konoe Viola Lukas Schwarz Violoncello
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Moderne Eleganz Henriëtte Bosmans // Streichquartett
Seit ihrer Geburt im Jahr 1895 war die niederländische Komponistin Henriëtte Bosmans von Musik umgeben: Ihr Vater Henrik Bosmans war Cellist im Amsterdamer Concertgebouw Orchestra, ihre Mutter Sara Benedicts eine bekannte Pianistin. Als Henriëtte Bosmans acht Monate alt war, verstarb ihr Vater. Sie wuchs deshalb bei ihrer Mutter auf, von der sie auch ersten Klavierunterricht erhielt. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter war eng, wenn auch nicht unkompliziert. Statt als Jugendliche die übliche Musikerinnenlaufbahn einzuschlagen und ans Konservatorium zu wechseln, blieb Bosmans Privatschülerin ihrer Mutter und widmete ihr ihre ersten Kompositionsversuche für Violine und Klavier. Wie viele Zeitgenossinnen konnte Bosmans nicht vom Komponieren allein leben. Auch ihre Karriere als Pianistin lief nur schleppend an. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich daher hauptsächlich als Klavierlehrerin, auch wenn sie das Unterrichten nur wenig erfüllte. Bosmans träumte davon, zu komponieren und ihre eigenen Werke in den Konzertsaal zu bringen. Der Erfüllung dieses Traums kam sie durch die Bekanntschaft mit der neun Jahre jüngeren Cellistin Frieda Belinfante einen Schritt näher: Die beiden Frauen lebten und arbeiteten nicht nur zusammen, sondern führten auch eine Liebesbeziehung, die insgesamt sieben Jahre andauerte. Belinfante hielt Bosmans im Alltag den Rücken frei, nahm sie vor ihrer Mutter in Schutz und spielte unter anderem die Uraufführung von Bosmans 2. Cellokonzert, das sie der Cellistin gewidmet hatte. Während die Kammermusik für Bosmans Schaffen von Anfang an eine wichtige Rolle gespielt hatte, wandte sie sich während der Beziehung mit Belinfante kompositorisch vermehrt der Orchestermusik zu. 1920 und 1921 belegte sie unter anderem einen Theoriekurs bei Arnold Schönberg. Besonders prägend war für die Komponistin jedoch die dreijährige Unterrichtszeit bei Willem Pijper zwischen 1927 und 1930 – damals einer der renommiertesten Kompositionslehrer in den Niederlanden. War Bosmans
Henriëtte Bosmans // Streichquartett
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Henriëtte Bosmans, Fotografie von Jacob Merkelbach, 1917
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Henriëtte Bosmans // Streichquartett
zuvor stilistisch ganz der Spätromantik verpflichtet gewesen, fand sie mit Pijpers Unterstützung zu ihrer eigenen, elegant-avancierten Klangsprache, die im 1927 entstandenen Streichquartett zum ersten Mal Früchte trug. Das Thema des ersten Satzes wird in den ersten vier Takten als Frage-und-Antwort-Spiel eingeführt: Die lyrische Melodie der Bratsche, die nach zwei Takten auf einer Fermate endet, wird anschließend unisono im Tutti beantwortet und zugleich melodisch gespiegelt. Aus dieser zugrundeliegenden Formel werden alle drei Sätze abgeleitet: Während der erste Satz mit seinen ostinaten Begleitfiguren an die Streichquartette von französischen Komponisten wie Maurice Ravel oder Claude Debussy erinnert, stellt der zweite Satz eine Gratwanderung zwischen pastoraler Idylle und mysteriöser Verklärung dar. Durch den mitreißenden Schlusssatz zieht sich ein treibendes rhythmisches Kernmotiv, welches das energiegeladene erste Thema untermalt – nur kurz unterbrochen, von einem schwülen Mittelteil im Walzertakt, bevor das Werk mit einem schwungvollen Kehraus fulminant endet. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft – Bosmans Mutter war Jüdin, ihr Vater römisch-katholisch – war Bosmans während der deutschen Besatzung der Niederlande vom öffentlichen kulturellen Leben ausgeschlossen: Ab 1940 durften keine jüdischen Solist:innen mehr auftreten, ab Frühjahr 1941 wurden alle jüdischen Musiker:innen mit einem Auftrittsverbot belegt. Zwischen 1942 und 1945 konnte Bosmans lediglich im Rahmen von Untergrundkonzerten, ›schwarze Abende‹ genannt, auftreten. Nach dem Krieg verdiente sie sich unter anderem als Musikjournalistin ihren Lebensunterhalt. Bereits im Jahr 1950 starb sie im Alter von 56 Jahren an Magenkrebs. Obwohl Bosmans in einer 1941 erschienenen Übersicht noch zu den wichtigsten niederländischen Komponistinnen gezählt wurde, geriet ihr Werk nach Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst in Vergessenheit – ein Schicksal zahlreicher verfemter Komponist:innen. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde ihr Œuvre glücklicherweise wiederentdeckt und erklingt seitdem wieder häufiger im Konzertsaal.
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»Ist es wahr?« Felix Mendelssohn Bartholdy // Streichquartett Nr. 2 a-Moll
Genau hundert Jahre vor Henriëtte Bosmans schrieb Felix Mendelssohn Bartholdy sein Streichquartett a-Moll im Alter von nur 18 Jahren. Trotz seines jungen Alters war Mendelssohn 1827 bereits ein erfahrener und versierter Komponist von Werken größeren und kleineren Formats. Sogar eine Oper, Die Hochzeit des Camacho, hatte er einige Monate vor Entstehung des Streichquartetts auf die Bühne gebracht – wenn auch nur mit wenig Erfolg. Da Mendelssohn schon früh mit dem Komponieren begonnen hatte, schätzte er später viele seiner Jugendwerke nicht als gut genug für eine Veröffentlichung ein. Sein Œuvre unterteilt sich daher in zwei Schaffensabschnitte: Die unveröffentlichten Frühwerke und die später von Mendelssohn autorisierten und publizierten Kompositionen. Schon als 12- und 13-Jähriger hatte Mendelssohn Streichersymphonien und ein Quartett geschrieben. Das Streichquartett a-Moll gilt jedoch als erstes ›vollgültiges‹ Streichquartett des Komponisten. Von der Nummerierung darf man sich nicht täuschen lassen: Das Streichquartett Nr. 2 a-Moll entstand zwei Jahre früher als das Streichquartett Nr. 1 Es-Dur. In seinem Streichquartett a-Moll beschäftigte Mendelssohn sich mit einem großen Vorbild: Nur wenige Monate vor Entstehung des Werks war Ludwig van Beethoven verstorben. Seine späten Streichquartette op. 130, 132, 133 und 135 hatte er kurz vor seinem Tod komponiert. Sie erschienen im Sommer 1827 zum ersten Mal im Druck und waren deshalb in aller Munde: Während Mendelssohns Vater und viele andere Persönlichkeiten des europäischen Musiklebens Beethovens Spätwerk für die musikalischen Irrwege eines Gehörlosen tat sich für den jungen Mendelssohn ein Kosmos in diesen Werken auf. Akribisch studierte er Beethovens Opera, bevor er sich an die Komposition seines eigenen Quartetts machte. In dem Werk tauchen daher immer wieder
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Felix Mendelssohn Bartholdy // Streichquartett Nr. 2 a-Moll
Titelblatt des Manuskripts von Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartett Nr. 2 a-Moll, auf dem das Thema aus seinem Lied Frage notiert ist
mehr oder weniger offensichtliche Beethoven-Zitate auf, mit denen Mendelssohn seine Bewunderung für das verstorbene Idol zum Ausdruck brachte. Später wurde ihm das gewissermaßen zum Verhängnis:
Felix Mendelssohn Bartholdy // Streichquartett Nr. 2 a-Moll
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Das Streichquartett a-Moll wurde als ›Gesellenstück‹ gesehen, in dem der junge Komponist den großen Meister imitiert. Dabei ist das Quartett weitaus mehr als eine oberflächliche Hommage: Mendelssohn trieb die motivische Geschlossenheit, die er an Beethovens Werken so bewunderte, bis auf die Spitze. Bei dem Werk handelt es sich laut dem Musikwissenschaftler Benedict Taylor um »[den] umfassendste[n] Versuch in zyklischer Form, sowohl von Mendelssohn als auch von jedem anderen Komponisten bis zu jener Zeit«. Dabei war Mendelssohn vor allem davon inspiriert, das gesamte motivische Material auf eine »Ist es wahr? Dass zugrundeliegende ›Wurzel‹ zurückzufühdu stets dort in dem ren: »Die Beziehung aller 4 oder 3 oder 2 Laubgang, an der oder 1 Stücken einer Sonate auf die andre Weinwand meiner und die Theile, so daß man durch das harrst? Und den bloße Anfangen durch die ganze Existenz Mondschein und die so eines Stückes schon das Geheimniß Sternlein auch nach wisse […] das muß in die Musik«, schrieb mir befragst?« er an den befreundeten Komponisten Adolf Fredrik Lindblad. Zu Mendelssohns großer Frustration blieb diese zyklische Geschlossenheit seines Werks vielen seiner Zeitgenossen zunächst verborgen. Gegenüber Lindblad klagte er: »Sieh meinen Jammer! Viele Leute haben es schon gehört; aber ist es schon einem einzigen [...] eingefallen, ein Ganzes darin zu sehen? Der eine lobt das Intermezzo, der andre das, der dritte jenes. Pfui über alle!« Bei dem in Mendelssohns Streichquartett verborgenen »Geheimniß« handelt es sich um ein Selbstzitat: Zu Pfingsten hatte er 1827 auf Gut Sacrow in Potsdam das schlichte Lied Frage komponiert, das mit einem eindringlichen punktierten Dreitonmotiv über dem Text »Ist es wahr?« beginnt. Als Mendelssohn Lindblad die Noten seines fertigen Streichquartetts zuschickte, legte er auch eine Abschrift des Lieds mit folgender Erklärung bei: »Das Lied, was ich dem Quartette beifüge, ist das Thema desselben. Du wirst es im ersten und letzten Stück mit seinen Noten, in allen vier Stücken mit seiner Empfindung sprechen hören«.
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Felix Mendelssohn Bartholdy // Streichquartett Nr. 2 a-Moll
Für die besondere zyklische Form von Mendelssohns Streichquartett übernimmt das Lied eine Schlüsselfunktion: Zu Beginn des Kopfsatzes und zum Schluss des Finalsatzes taucht es innerhalb einer langsamen Passage in der Tonart A-Dur auf, die das musikalische Geschehen in a-Moll einrahmt. Die Frage »Ist es wahr?« wird so zum Ausgangspunkt der folgenden thematischen (und emotionalen) Entwicklungen und erst in den letzten Takten der Coda beantwortet. Bei der Umsetzung dieser kompositorischen Idee griff der Komponist auf die Unterstützung seiner Schwester Fanny zurück: »Dir, Fanny, geb’ ich zu Überlegung, ob ich das Quartett nicht mit dem Liede a dur, ohne Coda, schließen soll? Einige sentimentale Floskeln [ergeben] sich von selbst. – Überleg’s und antworte!«, schrieb Mendelssohn im Sep»Ist es wahr? tember 1827, kurz vor Fertigstellung des Sprich! Was ich fühle, das begreift Finalsatzes, an seine Schwester. Zweifelsohnur, die es mitne bezog sich Mendelssohn mit dem Einsatz fühlt, und die treu des Fragemotivs auch auf Beethoven: Der mir ewig bleibt.« letzte Satz seines Streichquartetts op. 135 mit dem programmatischen Titel Der schwer gefasste Entschluss beginnt ebenfalls mit einem Dreitonmotiv, das mit dem Text »Muss es sein?« unterlegt ist. »Es muss sein!« heißt es jedoch bei Beethoven, während bei Mendelssohn zwischen Frage und Antwort circa 25 Minuten Musik dazwischenliegt, bei der man kaum glauben kann, dass sie von einem 18-jährigen komponiert wurde. Die biografischen Hintergründe des Streichquartetts passen jedoch zur Gefühlswelt eines jungen Erwachsenen: Das Lied Frage hatte Mendelssohn für die ein Jahr ältere Nachbarstochter Friederica Dorothea Elisabeth Pistor, genannt Betty, komponiert. Mendelssohn hatte Betty Pistor während einer Probe der Berliner Singakademie kennengelernt und sich Hals über Kopf in sie verliebt. Seine Liebe war allerdings zu heimlich, um erwidert zu werden: Jahre später gab Betty Pistor zu, dass sie von Mendelssohns Gefühlen und dem Entstehungshintergrund des Streichquartetts a-Moll überhaupt nichts gewusst hatte.
Felix Mendelssohn Bartholdy // Streichquartett Nr. 2 a-Moll
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Felix Mendelssohn Bartholdy, Aquarell von James Warren Childe, 1830
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Der Tod und das Mädchen Franz Schubert // Streichquartett Nr. 14 d-Moll
Im Jahr 1817 vertonte Franz Schubert ein Gedicht von Matthias Claudius mit dem Titel Der Tod und das Mädchen: In dem dialogisch angelegten Text tritt der Tod als Verführer einer jungen Frau auf. Diese Allegorie der Vergänglichkeit war seit dem 16. Jahrhundert ein bekanntes Motiv in verschiedenen Kunstformen. Der bereits in Claudius’ Gedicht angelegte Gegensatz von der ruhigen, nahezu friedlichen Bestimmtheit des Todes und der ängstlichen Hektik des Mädchens spiegelt sich in Schuberts Kunstlied in zwei musikalischen Sphären wider: Die Musik des Mädchens folgt keiner klaren Periode, steht in Moll, zeichnet sich durch einen schnellen unregelmäßigen Rhythmus und eine impulsive Melodik aus. Im Gegensatz dazu tritt der Tod im gleichmäPavane ßigen Rhythmus der Pavane auf, die häufig als Trauer- und Schreittanz der Beerdigungsmusik verwendet wurde. Beginnend in d-Moll, Renaissance mit dem Rhythmus endend in D-Dur, trägt der Tod in diesem Fall ein freundliches Gesicht. Diese sanfte Unerbittlichkeit des Todes griff Schubert sieben Jahre später im zweiten Satz seines Streichquartetts Nr. 14 auf, wenn auch mit weniger friedlichem Ausgang: Die Einleitung des Liedes wird hier als Trauermarsch in g-Moll zum Thema von insgesamt fünf Variationen. Ausgehend von diesem bedeutungsschweren Selbstzitat scheint sich so die gesamte Komposition als Schuberts verzweifeltes Ringen mit der eigenen Sterblichkeit zu offenbaren: In den ersten Takten des Kopfsatzes erklingt ein fatalistisches Triolenmotiv, das sich fortan durch das gesamte musikalische Gefüge zieht. Das harmonische Geschehen ist dabei von größtmöglicher Unruhe geprägt: Die ersten 40 Takten modulieren in zehn verschiedene Tonarten, bevor das Triolenthema erneut mit erschütternder Wucht wiederholt wird. Als Gegenpol entfaltet sich
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Franz Schubert // Streichquartett Nr. 14 d-Moll
Das Mädchen:
Vorüber! ach, vorüber! Geh, wilder Knochenmann! Ich bin noch jung, geh Lieber! Und rühre mich nicht an. Der Tod:
Gib deine Hand, du schön und zart Gebild! Bin Freund, und komme nicht zu strafen. Sei gutes Muts! Ich bin nicht wild, Sollst sanft in meinen Armen schlafen!
Der Tod und die Frau, Ölgemälde von Hans Baldung, 1518–20
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Franz Schubert // Streichquartett Nr. 14 d-Moll
ein träumerisches Seitenthema, dessen Idylle immer wieder durch das Triolenmotiv unterbrochen und vereinnahmt wird. An dem Kontrast wird deutlich: Hier geht es um Lebensmut, Verzweiflung, Todesangst. Schubert komponierte das Streichquartett Nr. 14 im Frühjahr 1824 in einer Lebensphase, in der er sich mit seiner eigenen Vergänglichkeit drastisch konfrontiert sah: Im Winter 1822–23 hatte er sich mit Syphilis angesteckt, im Wiener Allgemeinen Krankenhaus ließ er im Jänner 1823 die für die Infektionskrankheit typischen Geschwüre behandeln. Schon damals dämmerte dem Komponisten, die Schwere seines Leidens: »Ob ich je wieder ganz gesund werde, bezweifle ich fast«, schrieb er im August 1823 an seinen besten Freund Franz von Schober. Die Diagnose führte dazu, dass Schubert sich obsessiv mit dem Tod befasste, was ihn in eine tiefe Depression stürzte. An seinen Freund Leopold Kupelwieser schrieb er im März 1824 während der Arbeit am Streichquartett Nr. 14: »[...], ich fühle mich als den unglücklichsten, elendsten Menschen auf der Welt. Denk Dir einen Menschen, dessen
»Keiner, der den Schmerz des Andern, und Keiner, der die Freude des Andern versteht! Man glaubt immer, zu einander zu gehen, und man geht immer nur neben einander. O Qual für den, der dieß erkennt« Franz Schubert im März 1824
Franz Schubert, Ölgemälde von Anton Depauly, 1827
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Franz Schubert // Streichquartett Nr. 14 d-Moll
Gesundheit nie mehr richtig werden will, u. der aus Verzweiflung darüber die Sache immer schlechter statt besser macht, denke Dir einen Menschen, sage ich, dessen glänzendsten Hoffnungen zu Nichte geworden sind, dem das Glück der Liebe u. Freundschaft nichts biethen als höchstens Schmerz, dem Begeisterung (wenigstens anregende) für das Schöne zu schwinden droht, und frage Dich, ob das nicht ein elender, unglücklicher Mensch ist?« Nach den fünf Variationen über das Thema aus Der Tod und das Mädchen, die sich leidenschaftlich steigern, bis sie in eine unwirkliche Dur-Idylle münden, kommt der dritte Satz mit seinen dramatischen Kontrasten zwischen Dur und Moll, Fortissimo und Pianissimo als kantiges Menuett daher: Eingerahmt von den unerbittlich stampfenden punktierten Rhythmen des Moll-Themas entfaltet sich im Trio ein entrücktes D-Dur, in dem die Sologeige rasante Begleitfiguren zu spielen hat – der »Tanz des Dämonen-Geigers« (Walter Willson Cobbett). Das kurze Scherzo nimmt so bereits Elemente des ›Totentanzes‹ vorweg, der sich im vierten Satz schließlich Bahn bricht: Schubert wählte hierfür den Rhythmus der Tarantella – ein wilder süditalienischer Volkstanz im 6/8-Takt, der traditionell zur Behandlung von Spinnenbissen eingesetzt wurde: Um das Gift aus dem Körper zu treiben, mussten die Gebissenen bis zur Erschöpfung tanzen. Seinem Tarantella-Thema gibt Schubert durch gezielt eingesetzte Vorschläge einen skurrilen, humpelnden Charakter. Ihm wird ein zweites, choralartiges Thema entgegengestellt, das Assoziationen zu einem weiteren Schubert-Lied weckt: In seiner bekannten Goethe-Vertonung Der Erlkönig reitet ein Vater mit seinem Kind durch die Nacht. Vom Erlkönig heimgesucht stirbt es in seinen Armen. Aus diesen beiden Themenfeldern – Tarantella-Triolen und Erlkönig-Choral – entfaltet sich im Folgenden ein hochkomplexes, dramatisches Gefüge, das schließlich in eine Coda im Prestissimo mündet. Nachdem hier zunächst ein triumphales D-Dur angetäuscht wird, endet das Werk ebenso tragisch wie tumultvoll in d-Moll. Paula Schlüter
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Biografie
Leonkoro Quartet »Es ist nicht nur die Einsicht in Sehnsüchte und Verwerfungen menschlichen Begehrens, sondern auch das überragende Können, diese Einsichten klingend zu gestalten, die beim Leonkoro Quartet fassungslos macht.« – In der Rezension der Frankfurter Allgemeinen Zeitung findet das Spiel des 2019 in Berlin gegründeten Quartetts seine treffende Beschreibung. Zum Ensemble gehören die Brüder Jonathan und Lukas Schwarz an erster Violine und Cello, Emiri Kakiuchi und Mayu Konoe spielen zweite Violine und Bratsche. Leonkoro – Esperanto für ›Löwenherz‹ – spielt auf Astrid Lindgrens Kinderbuch an. Zwischen 2022 und 2025 erhielt das Leonkoro Quartet zahlreiche Auszeichnungen. Im März gewann es den Musikpreis der Jürgen-PontoStiftung, anschließend den 1. Preis und neun Sonderpreise beim Wettbewerb in der Wigmore Hall London. Es folgten der 1. Preis beim Concours in Bordeaux sowie Publikums- und Nachwuchspreis. Kurz darauf wurde es in das BBC Radio 3 New Generation Artists Programm (2022–24) aufgenommen, im November 2022 erhielt es den MERITO String Quartet Award. 2024 folgten der Young Talent Award des Concertgebouw Amsterdam, der Borletti-Buitoni Trust Award sowie der Tiemann-Ensemblepreis. 2025 kam der Lotto-Förderpreis des Rheingau Musik Festivals hinzu. Ab der Saison 2025/26 gestalten Leonkoro Quartet und Simply Quartet den Zyklus string. im Wiener Konzerthaus. Das Ensemble studierte bei Heime Müller in Lübeck sowie von 2020 bis 2025 bei Günter Pichler in Madrid; Mentoren waren unter anderem Eckart Runge, Gregor Sigl und Alfred Brendel. Das Debütalbum mit Werken von Ravel und Schumann (Mirare, 2023) wurde mit dem Choc de Classica ausgezeichnet. Seit 2024 steht das Quartett bei Alpha Classics unter Vertrag; 2026 erschien Out of Vienna mit Werken von Berg, Schulhoff und Webern. Internationale Debüts führten es unter anderem nach Kopenhagen, Helsinki, Washington, New York, Adelaide, Melbourne und Tokio.
Biografie
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13. bis 30. Sep 2026
So, 13. Sep 2026, 18:00 Großer Saal
markus poschner, jean rondeau & bruckner orchester linz Frischer Wind
Markus Poschner und Cembalostar Jean Rondeau bringen mit Francis Poulencs Concert champêtre die Natur in den Konzert saal, eingerahmt von Claude Debussys La Mer und Ludwig van Beethovens berühmter 6. Symphonie »Pastorale«.
Mi, 16. Sep 2026, 19:30 Großer Saal
philipp von steinaecker, fleur barron & mahler academy orchestra Revolution Mahler!
Das aus Mitgliedern europäischer Spitzenorchester bestehende Mahler Academy Orchestra spielt Gustav Mahlers 9. Symphonie sowie dessen Kindertotenlieder auf Originalinstrumenten.
Mi, 30. Sep 2026, 19:30 Großer Saal
anja bihlmaier, bbc singers & bbc philharmonic orchestra Brahms’ Requiem
Johannes Brahms’ Deutsches Requiem kombiniert mit Lili Boulangers Psaume 24 in einer internationalen Spitzenbesetzung rund um Anja Bihlmaier und das BBC Philharmonic Orchestra
brucknerfest.at
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Impressum Herausgeberin Linzer Veranstaltungsgesellschaft mbH, Brucknerhaus Linz, Untere Donaulände 7, 4010 Linz Künstlerischer Direktor Norbert Trawöger Programmplanung & Dramaturgie Andreas Meier (Leitung), Paula Schlüter Redaktion Paula Schlüter Grafik Anett Lysann Kraml, Lukas Eckerstorfer Abbildungen gemeinfrei (S. 7, 10, 13, 15 & 16), Co Merz (S. 19) Programm- und Besetzungsänderungen vorbehalten LIVA – Ein Mitglied der Unternehmensgruppe Stadt Linz
Wir danken für Ihren Besuch und wünschen Ihnen ein schönes Konzert!
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