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Christoph Sietzen & Martin Riccabona

8. April 2026 19:30 Uhr

Großer Saal

Orgelrecitals II

Highlights im Frühling

Karten und Infos: +43 (0) 732 77 52 30 brucknerhaus.at

Mi, 29. Apr 2026, 19:30

Mittlerer Saal

Isata Kanneh-Mason

Die britische Pianistin Isata Kanneh-Mason verbindet Beethovens ›Mondschein‹- und ›Waldstein‹-Sonaten mit Ravels atemberaubend schwierigem Zyklus Gaspard de la nuit und neuen Werken von Dobrinka Tabakova.

Sa, 2. Mai 2026, 19:30

Mittlerer Saal

Jean-Guihen Queyras & Alexander Melnikov

Mit Jean-Guihen Queyras und Alexander Melnikov präsentiert ein absolutes Ausnahmeduo Werke für Violoncello und Klavier von Ludwig van Beethoven, Claude Debussy und Sergei Rachmaninoff.

Di, 2. Jun 2026, 19:30

Großer Saal

Sophie-Véronique Cauchefer-Choplin

Hitchcocks The Lodger

Die Titularorganistin von Saint-Sulpice in Paris SophieVéronique Cauchefer-Choplin improvisiert den Soundtrack zu Alfred Hitchcocks legendärem Stummfilm The Lodger (Der Mieter).

alla breve

Das Programm auf einen Blick

Während Perkussion häufig in Ensemblekonstellationen zu erleben ist, ist die Orgel eine weitaus seltenere Duo­Partnerin. Nichtsdestotrotz entstanden im 20. und 21. Jahrhundert einige Kompositionen für Orgel und Perkussion, zum Beispiel Andrea Tarrodis imposantes Poseidon aus dem Jahr 2021 oder Ground II von Thierry Escaich von 2007. Mit Klanggewalten ist zu rechnen, wie zum Beispiel in Sofia Gubaidulinas eindrucksvollem Werk Detto I von 1978, das die volle Bandbreite der klanglichen Möglichkeiten der Instrumente auslotet. Solowerke vervollständigen das Programm, darunter Maki Ishiis meditatives Thirteen Drums und Werke von französischen Komponisten wie Louis Vierne oder Jehan Alain, bis zum Abschluss eine Bearbeitung von Camille Saint­Saëns’ fulminantem Danse macabre für Orgel und Perkussion erklingt.

Programm & Besetzung

Thierry Escaich * 1965

Ground II für Orgel und Perkussion // 2007

Louis Vierne 1870–1937

Feux follets (Irrlichter), Nr. 4 aus:

24 Pièces de Fantaisie. Suite Nr. 2 op. 53 // 1926

Arvo Pärt * 1935

Variations for the Healing of Arinushka // 1977

[Arrangement von Christoph Sietzen]

Sofia Gubaidulina 1931–2025

Detto I. Sonate für Orgel und Perkussion // 1978

// Pause //

Andrea Tarrodi * 1981

Poseidon für Orgel und Perkussion // 2021

Maki Ishii 1936–2003

Thirteen Drums // 1985

Jehan Alain 1911–1940

Première Fantaisie // 1933

Deuxième Fantaisie // 1936

Camille Saint-Saëns 1835–1921

Danse macabre für Orgel und Perkussion op. 40 // 1872, rev. 1874

[Einrichtung nach der Fassung des Komponisten für zwei Klaviere]

Konzertende: ca. 21:30 Uhr

Christoph Sietzen Perkussion

Zu den Werken

Thierry Escaich // Ground II für Orgel

und Perkussion

Der 1965 in Nogent-sur-Marne bei Paris geborene Thierry Escaich begann im zarten Alter von sieben Jahren seine Karriere als Organist: Von einem Priester ermutigt, improvisierte er in der Kirche seines Geburtsortes die Musik zum Gottesdienst. Von Anfang an war Escaichs Zugang zum Musizieren autodidaktisch und von der Improvisation geprägt, durch die sich der junge Musiker seine eigenen Klangwelten erschuf. Orgelspiel und Komponieren gingen daher in seiner weiteren musikalischen Laufbahn stets miteinander einher: 1992 wurde Escaich Professor für Tonsatz und Improvisation am Pariser Konservatorium, 1997 Titularorganist der Pfarrkirche Saint-Étienne-du-Mont in Paris. Im Jahr 2024 wurde er zum Titularorganist der Kathedrale Notre-Dame de Paris ernannt. Zugleich profilierte sich Escaich aber auch als Komponist, wobei auch in seinem kompositorischen Schaffen die Orgel eine besondere Rolle einnimmt. Seit seinem 1. Orgelkonzert aus dem Jahr 1995 inszenierte Escaich immer wieder Begegnungen der Orgel mit verschiedenen Instrumenten oder Gesangsstimmen. So auch im 2007 entstandenen Ground II für Orgel und Perkussion, das Teil einer Serie von insgesamt sechs Werken für verschiedene Besetzungen ist. Escaich setzt sich darin mit dem barocken Formprinzip des ›Ground‹ auseinander: Ähnlich wie bei der Ciaccona oder der Passacaglia handelt es sich beim Ground um eine charakteristische Bassformel, die mehrfach wiederholt wird und so als Fundament für die Entfaltung der Oberstimmen dient. Das Besondere bei Escaich: Das Motiv des Grounds versteckt sich im Hintergrund, wird maximal angedeutet und ist dennoch in den Variationen, die es hervorbringt, allgegenwärtig.

Louis Vierne // Feux follets

Ebenfalls Titularorganist an Notre-Dame, wenn auch über 120 Jahre zuvor, war der im westfranzösischen Poitiers geborene Louis Vierne, der mit einer schweren Sehbehinderung zur Welt kam. Dies hinderte ihn jedoch nicht am Musizieren: Nachdem ihm eine Augenoperation zu geringer Sehfähigkeit verholfen hatte, lernte er am Pariser Institut für junge Blinde ab 1881 Klavier, Violine und Orgel. Später wurde er Privatschüler von César Franck, der auch eine Orgelklasse am Pariser Konservatorium unterrichtete. Dort wurde Vierne 1890 aufgenommen. Nach Francks Tod im selben Jahr studierte er bei dessen Nachfolger Charles-Marie Widor, der zugleich Organist in Saint-Sulpice war. 1892 ernannte Widor Vierne zu seinem dortigen Vertreter und zu seinem Lehrassistenten. Nach Abschluss seiner Studien am Konservatorium mit einem 1. Preis im Fach Orgel 1894 fertige Vierne erste eigene Kompositionen an. Er nahm außerdem privaten Kompositionsunterricht bei Widor. Auch wenn die Orgel in Viernes kompositorischem Schaffen

Louis Vierne // Feux
Louis Vierne, 1931

eine zentrale Rolle einnahm, beinhaltet sein vielseitiges Œuvre auch zahlreiche kammermusikalische und symphonische Werke. Zu Viernes bis heute am häufigsten aufgeführten Werken gehören die Fantasiestücke in vier Suiten op. 53, entstanden zwischen 1926 und 1927. Es handelt sich um Sammlungen von Charakterstücken, häufig mit außermusikalischem Bezug. So transportieren die Feux follets mit verspielten Sechzehntelfiguren und chromatischen Linien das bedrohliche erratische Flackern der titelgebenden Irrlichter, die den Wanderer von seinem Weg abbringen.

Arvo Pärt // Variations for the Healing of Arinushka

Ende der 1960er-Jahre befand sich der Komponist Arvo Pärt in einer existenziellen Krise: Seine Ehe war zerbrochen, er hatte mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und war zugleich auch künstlerisch auf der Suche. Pärt war es ein dringendes Anliegen, Musik zu komponieren, die Hörer:innen leicht zugänglich ist und zugleich eine logische, rationale Struktur besitzt. Die Lösung für diese künstlerische Herausforderung offenbarte sich ihm schließlich in der Musik des Mittelalters und der Renaissance. Aus intensivem Studium gregorianischer Choräle und kontrapunktischer Vokalpolyphonie entwickelte der Este seine eigene Klangsprache. In den 1970er-Jahren wagte Pärt schließlich einen Neubeginn: Nicht nur konvertierte er zum russisch-orthodoxen Bekenntnis und heiratete seine zweite Frau Nora, auch trat er 1976 erstmalig mit seinem Tintinnabuli-Stil (nach dem lateinischen Begriff ›tintinnabulum‹

Arvo Pärt, 2014

für Klingel, Schelle) in Erscheinung. In seinen TintinnabuliKompositionen arbeitet Pärt mit zwei Stimmen: Die erste Stimme, auch Tintinnabuli-Stimme genannt, besteht aus gebrochenen Dreiklängen, während sich darüber oder darunter eine Melodiestimme in kleinen Tonschritten bewegt. Variations for the Healing of Arinushka gehört zu den ersten Tintinnabuli-Werken Pärts. Für seine Tochter Ariina, die am Blinddarm operiert wurde, komponierte er sechs kurze Variationen für Klavier – drei in Moll, drei in Dur. Das schlichte zugrundeliegende Thema besteht aus Umspielungen einer simplen auf- und absteigenden Tonleiter, ausgehend vom Ton a. Durch geziel ten Einsatz des Pedals entfaltet sich aus dem minimalistischen Tonsatz ein vielfarbiges Spiel der Resonanzen, die auch in Christoph Sietzens Bearbeitung für Marimba solo eindrucksvoll zur Geltung kommen.

»Tintinnabulation ist ein Ort, den ich manchmal betrete, wenn ich nach Antworten suche – in meinem Leben, meiner Musik, meiner Arbeit. In meinen dunklen Stunden bin ich der Überzeugung, dass alles da draußen keine Bedeutung hat. Das Komplexe und Vielseitige verwirrt mich nur, und ich suche nach Einheit. Was ist es, dieses eine, und wie finde ich den Weg dorthin? Die Spuren des Vollkommenen erscheinen in vielerlei Weisen – und alles Unwichtige fällt einfach ab. So ist Tintinnabulation…. Die drei Noten eines Dreiklangs sind wie Glocken.«

Arvo Pärt

Die Komponistin Sofia Gubaidulina wurde 1931 als Tochter eines tatarischen Vermessungsingenieurs und einer russischen Lehrerin sowie als Enkelin eines muslimischen Mullahs geboren. Nach Studien in den Fächern Klavier und Komposition am Konservatorium in Kasan setzte sie ihre Ausbildung in Moskau fort. Dort hatte sie eine schicksalsreiche Begegnung mit Dmitri Schostakowitsch, der sie ermutigte,

Sofia Gubaidulina // Detto I

»Was mich aber insbesondere traf, waren seine Worte, als ich ging. ›Seien Sie Sie-selbst, haben Sie keine Angst, Sieselbst zu sein. Ich wünsche Ihnen, dass Sie auf ihrem eigenen falschen Weg weitergehen.‹ Ein Satz zur richtigen Zeit am richtigen Ort kann für einen jungen Menschen lebenswichtig sein, und ich bin Schostakowitsch für diese Worte unendlich dankbar. Ich brauchte sie gerade damals und fühlte mich dermaßen gestärkt, dass ich nichts mehr fürchtete. Jeder Fehlschlag, jede Kritik berührte mich nicht mehr und lief an mir ab, wie das Wasser am Rücken einer Ente. Ich war nun wirklich in der Lage, meinen eigenen Weg zu gehen.«

ihren eigenen künstlerischen Idealen zu folgen – auch wenn sie damit beim sowjetischen Regime in dieser Zeit bereits vermehrt auf Ablehnung stieß. Ihrem eigenen künstlerischen Weg blieb Gubaidulina daraufhin treu: Als das Kultusministerium der UdSSR sie 1965 nach üblichem Prozedere als freischaffende Komponistin dazu einlud, ein ›Bekenntniswerk‹ zum Staat zu komponieren, verweigerte sie sich. Folglich hatte sie zunehmend mit Schikanen wie sozialer Stigmatisierung, der Verhinderung von Aufführungen und verspäteter Drucklegung ihrer Werke zu kämpfen. In den 1970er-Jahren waren ihre Werke in der Sowjetunion sogar verboten, da sie nicht der ästhetischen Doktrin des Sozialistischen Realismus entsprachen. In dieser Phase der künstlerischen und sozialen Ausgrenzung entstand auch 1978 ihre Sonate Detto I für Orgel und Perkussion, in der Gubaidulina mit einer modernen Interpretation der Sonatenform experimentierte: »Detto I ist ein einsätziges Werk, bestehend aus drei breit angelegten Perioden, in denen jeweils statische Linien sich allmählich über-

Sofia Gubaidulina, 1981

einanderschichten und schließlich gleichsam einer Lösung zugeführt werden. Jede dieser Perioden ist wiederum dreiteilig und lässt sich als nicht-traditionelle Sonatenform interpretieren, bei der die Idee der sich addierenden Horizontallinien den Hauptsatz bildet, während vertikale, akkordische Dreiklänge den Seitensatz darstellen. Der Schlussteil führt die ›Lösung‹ dieser Gegensätze mit Hilfe sonorer GlissandoCluster der Orgel bzw. tremolierender Glockenbündel herbei. Somit treten kontrastierende Satztypen (linear – akkordisch – glissando) an die Stelle eines thematischen Kontrastes, der die traditionelle Sonatenform bestimmt.« (Sofia Gubaidulina)

Orgel und Perkussion

Im Auftrag der Kölner Philharmonie, der Bamberger Symphoniker, der Philharmonie Luxembourg und des Wiener Konzerthauses schrieb die schwedische Komponistin Andrea Tarrodi Poseidon für Orgel und Schlagzeug, das 2022 von Christoph Sietzen und Christian Schmitt in Köln uraufgeführt wurde. Die 1981 in Stockholm geborene Komponistin studierte an der Musikhochschule in Piteå bei Jan Sandström und an der Königlichen Musikhochschule Stockholm bei Pär Lindgren, Jesper Nordin und Marie Samuelsson. Mit ihrem Werk Zephyros für Orchester gewann Tarrodi 2010 den ersten Preis beim Uppsala-Komponistenwettbewerb. Bereits hier zeichnet sich eine Vorliebe für Sujets aus der griechischen Mythologie ab, die Tarrodis mittlerweile umfangreiches Œuvre, das von Opern bis zu elektroakustischen Kompositionen reicht, durchziehen. Aber auch Eindrücke aus der Natur verarbeitet Tarrodi in ihren Werken, zum Beispiel in ihrer Symphony in Fire, Water, Earth & Air oder ihrem Orchesterwerk Liguria. Beide Einflüsse vereint auch Poseidon in sich, benannt nach dem Gott des Meeres. Mit klanglichen Einflüssen aus der Minimal Music ist das Werk mit seinen an- und abschwellenden Klängen stets im Fluss.

Andrea Tarrodi // Poseidon für
Andrea Tarrodi // Poseidon für Orgel und Perkussion

Maki Ishii // Thirteen Drums

Ein echter Klassiker des Repertoires für Solo-Perkussion ist Thirteen Drums des japanischen Komponisten Maki Ishii. Der 1936 geborene Sohn eines Tanzlehrers begann seine musikalische Ausbildung 1948. Ende der 1950er Jahre ging er nach Berlin, um dort bei Komponisten wie Josef Rufer und Boris Blacher zu lernen. Nach seiner Rückkehr in die Heimat 1962 debütierte er in Tokio und war fortan als Dirigent und Komponist in Deutschland und Japan tätig. In seinem kompositorischen Schaffen verarbeitete Ishii sowohl Einflüsse der japanischen als auch der europäischen Kulturgeschichte. Dabei interessierte er sich besonders für die Gestaltung und Wahrnehmung von musikalischer Zeit –ein zentrales Thema ästhetischer Debatten in der Musik der 1950erund 1960er-Jahre. Ishiis Gestaltung von musikalischer Zeit in seinen Werken zeichnet sich durch komplexe Überlagerungen verschiedener temporaler Schichten aus, die sowohl statisch als auch dynamisch sein können. Inspiriert wurde er dazu von den rituellen Gesängen Shōmyō und Gagaku. Aus der Gleichzeitigkeit von statischen und dynamischen Schichten, Ordnung und Unordnung entwickelt Thirteen Drums so einen hypnotischen Sog: »Mein Ziel bei der Komposition dieses Werks war es, die Aufmerksamkeit wieder auf die dynamische Faszination von Trommeln der Kategorie der Membranophone zu lenken. Ich habe mich für diese Instrumentenkombination entschieden, um eine klare Wahrnehmung des Zusammenspiels und der Entwicklung zweier musikalischer Elemente zu ermöglichen: Erstens einer einfachen rhythmischen Folge aus zwölf Sechzehntelschlägen und zweitens eines unbestimmten Rhythmus, der in den dreizehnten Schlag eingreift.« (Maki Ishii)

Der französische Organist und Komponist Jehan Alain wurde 1911 in Saint-Germain-en-Laye geboren, einem kleinen Städtchen im Pariser Umland. Für die österreichische Geschichte hat der Ort eine besondere Bedeutung: Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde hier

der Vertrag von Saint-German abgeschlossen, der das Ende der Donaumonarchie besiegelte. Alain, der während der Kriegsjahre aufwuchs, erhielt zunächst Orgel- und Harmonielehreunterricht bei seinem Vater. Dieser war selbst Organist und hatte sich prompt eine Hausorgel mit vier Manualen und 43 Registern ins heimische Wohnzimmer gebaut. 1927 begann Alain ein Studium am Pariser Konservatorium. Während er in den Fächern Harmonielehre, Kontrapunkt und Orgel seine Studien mit Ersten Preisen abschloss, verließ er die Kompositionsklasse bei Paul Dukas ohne einen formalen Abschluss. Im Jahr 1935 heiratete Alain seine Jugendfreundin Madeleine Payan und wurde Organist an SaintNicolas in Maisons-Laffitte und an einer Pariser Synagoge. Zugleich unterrichtete er zahlreiche Privatschüler. Während Alains frühe Kompositionen sich hauptsächlich dem Klavier widmen, schrieb er ab 1934 vermehrt Orgelwerke und Kammermusik. Eine Zäsur in Alains Leben stellte der plötzliche Tod seiner Schwester Marie-Odile dar, die 1937 bei einem tragischen Bergunfall ums Leben kam. Seitdem quälten Alain Vorahnungen seines eigenen frühen Todes. Tragischerweise sollten diese sich bewahrheiten: Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde der Komponist zum Wehrdienst eingezogen. Am 20. Juni 1940 fiel er in der Schlacht von Saumur.

Mit der Première und Deuxième Fantaisie entstanden 1933 und 1936 zwei der populärsten Werke Alains. Der Première Fantaisie fügte der Komponist ein Zitat des persischen Dichters Omar Khayyam aus dem 11. Jahrhundert bei, wodurch die Komposition einen programmatischen Charakter erhält:

Alors au ciel lui même, je criai

Pour demander comment la destinée

Peut nous guider à travers les ténèbres

Et le ciel dit: »Suis ton aveugle instinct.«

Da rief ich zum Himmel selbst

Und fragte, wie das Schicksal

Uns durch die Finsternis führen kann

Und der Himmel sprach: »Folge deinem blinden Instinkt.«

Das Wechselspiel aus verzweifeltem Aufschrei und rätselhafter Antwort prägt dementsprechend auch die Musik der Première Fantaisie, in der ein Thema bis zu seiner völligen Verzerrung systematisch variiert wird. Zarter und introspektiver klingt währenddessen der Beginn der Deuxième Fantaisie, auch wenn sie sich wie ihr Vorgängerwerk durch avancierte Harmonik an den Grenzen der Tonalität auszeichnet. Mächtige Basslinien prägen ein hektisches Presto, bevor das Werk so mysteriös endet, wie es begonnen hat.

Camille Saint-Saëns // Danse macabre

Im Jahr 1872 hielt sich der französische Komponist Camille Saint-Saëns im marokkanischen Tanger auf: Um seine labile, von Tuberkulose bedrohte Gesundheit zu stärken, pflegte er regelmäßig Reisen nach Ägypten und Marokko zu unternehmen, wo ihm das Klima besser bekam. Im Hotel Fuentes komponierte er das Lied Danse macabre (Totentanz) nach dem sozialkritischen Gedicht Égalité, Fraternité von Henri Cazalis. Der Text handelt vom geheimen Stelldichein zweier Liebenden, die verschiedenen sozialen Schichten angehören. Das Treffen auf dem Friedhof bei Mitternacht gerät zu einem skurrilen Hexensabbat, bei dem der personifizierte Tod zum Tanz aufspielt: Im Schutz der Dunkelheit spielen Sitten oder Status keine Rolle, in ihrer Sterblichkeit sind alle Menschen gleich. Dabei enthält Cazalis’ Dichtung selbst ein charakteristisches musikalisches Element: Das lautmalerische »zig et zig et zig«, das sich durch das Gedicht zieht, steht für das repetitive Schrammeln der Geige und findet sich auch in Saint-Saëns Komposition wieder.

Offenbar ließ das 1872 entstandene Lied den Komponisten nicht so schnell wieder los: In den Folgejahren realisierte er verschiedene Arrangements des Werks, darunter eine Version für Orchester und Sologeige sowie eine Fassung für zwei Klaviere, die wiederum Ausgangspunkt der Bearbeitung für Orgel und Perkussion ist, welche am heutigen Abend erklingt. Zu Beginn verorten zwölf Tonwiederholungen als lautmalerische Glockenschläge die Szene zu Mitternacht. Mehrere

charakteristische Motive ziehen sich im Folgenden durch den Danse macabre: Eine rhythmisierte Abfolge von verminderter und reiner Quinte erklingt unmittelbar zu Beginn und leitet im weiteren Verlauf des Werks neue Formteile ein. In der Orchesterfassung wird dieses Motiv von einer verstimmten Solovioline übernommen. Daraufhin entspinnt sich der eigentliche Todestanz als virtuoser Walzer zwischen Orgel und Schlagwerk. Beide Instrumente treten dabei als gleichberechtigte Duopartner auf, das eingängige Thema wechselt kunstvoll die Stimmen und wird vom jeweils anderen virtuos begleitet. Erst bei Morgengrauen kehrt Ruhe ein: Der morgendliche Hahnenschrei befördert die tanzenden Skelette wieder zurück in ihre Gräber.

Camille
Tanz der Gerippe, Lithographie von Michael Wolgemut, 1439

13. bis 30. Sep 2026

Mi, 16. Sep 2026, 19:30

Großer Saal

philipp von steinaecker, fleur barron & mahler academy orchestra

Revolution Mahler!

Das aus Mitgliedern europäischer Spitzenorchester bestehende Mahler Academy Orchestra spielt Mahlers Neunte sowie dessen Kindertotenlieder auf Originalinstrumenten.

Mo, 28. Sep 2026, 19:30

Trendsporthalle Sportpark Lissfeld

christoph sietzen & motus percussion

Im Wasserfall

Georg Friedrich Haas’ Iguazú superior bringt mit rhythmischen Endlosspiralen den Klang südamerikanischer Wasserfälle in das einzigartige Setting der Trendsporthalle des Sportparks Lissfeld.

Mi, 30. Sep 2026, 19:30

Großer Saal

anja bihlmaier, bbc singers & bbc philharmonic orchestra

Brahms’ Requiem

Johannes Brahms’ Deutsches Requiem kombiniert mit Lili Boulangers Psaume 24 in einer internationalen Spitzenbesetzung rund um Anja Bihlmaier und das BBC Philharmonic Orchestra brucknerfest.at

Christoph Sietzen

Perkussion

Christoph Sietzen wird von den Medien als herausragendes Talent gepriesen – ein erfrischend natürlicher Musiker, der sich durch technische Meisterschaft und eine kraftvolle Bühnenpräsenz auszeichnet. Nach seinem Debüt bei den Salzburger Festspielen im Alter von 12 Jahren wurde er mit dem ICMA Young Artist Award ausgezeichnet und für die Saison 2017/18 zum ECHO Rising Star gekürt. 2019 erhielt er den OPUS KLASSIK als Newcomer des Jahres. Sietzen war in der Saison 2024/25 Porträtkünstler der Kölner Philharmonie und trat dort im Laufe der Saison mehrfach auf. Dazu gehörte auch eine Rückkehr zum WDRSinfonieorchester für Johannes Maria Stauds Konzert Whereas the Reality Trembles, das er zudem mit dem SWR-Sinfonieorchester und dem Bruckner Orchester Linz aufführte. Dies folgte auf die Weltpremiere mit dem Cleveland Orchestra und die österreichische Premiere mit den Wiener Symphonikern in der Saison 2023/24. Er gab kürzlich auch sein Debüt beim hr-Sinfonieorchester und bei der Kammerakademie Potsdam. In der Saison 2025/26 kehrt Sietzen zum Mozar teumorchester Salzburg für die Weltpremiere von Christian Josts neuem Schlagzeugkonzert Blade, zum Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit Stauds Konzert und zum Philharmonischen Orchester Bremerhaven mit Detlev Glanerts Schlagzeugkonzert zurück.Sietzen ist Mitglied des Marimba-Ensembles The Wave Quartet, das 2008 von Bogdan Bacanu gegründet wurde. Zu den kommenden Höhepunkten für das Quartett zählen die fortgesetzte Zusammenarbeit mit der Academy of Ancient Music für Auftritte in London und Cambridge sowie Auftritte beim Salzkammergut Festival und in der Kölner Philharmonie. Christoph Sietzen ist zudem Gründer des Ensembles Motus Percussion, das kürzlich Steve Reichs Drumming beim Heidelberger Frühling aufführte und in dieser Saison bei Wien Modern sowie beim Brucknerfest Linz auftreten wird. 2025 leitete Sietzen das künstlerische Team der Klangwolke Linz und verwandelte den Donaupark in eine der größten Open-Air-Bühnen Österreichs.

Martin Riccabona

Orgel

Martin Riccabona wurde 1993 in Hall in Tirol geboren. Nach erster musikalischer Ausbildung in seiner Heimatstadt Innsbruck studierte er 2009–2021 Orgel und Cembalo in Linz, Hamburg, München und Wien unter anderem bei Brett Leighton, Wolfgang Zerer, Pieter van Dijk, Jörg Halubek, Bernhard Haas, Bernadetta Šuňavská, Augusta Campagne und Erich Traxler und schloss sämtliche Studien mit Auszeichnung beziehungsweise Höchstnote ab. Weitere wichtige Impulse erhielt er von Ben van Oosten (Orgel), Menno van Delft (Cembalo und Clavichord) sowie Magdalena Hasibeder, Rudolf Jungwirth und Patrick Ayrton (Improvisation). Er ist zweiter Preisträger der internationalen Orgelwettbewerbe in Brixen, Innsbruck und Alkmaar und gewann 2014 den Grand Prix d’ECHO in Freiberg.

Als Solist und Ensemblemusiker konzertiert er mit einem breit gefächerten Repertoire von der Renaissance bis zur Gegenwart in großen Teilen Europas, insbesondere auf bedeutenden historischen Orgeln. 2014 und 2021 war er Artist in Residence der Paul-Hofhaimer-Tage Radstadt. Sein Wirken ist in diversen Rundfunkbeiträgen sowie auf CD dokumentiert.

Seit 2018 ist er als Kustos der symphonischen Konzertsaalorgel mit dem Linzer Brucknerhaus verbunden, wo er ein reges Programm rund um das Instrument mitgestaltet. Als freier Berater bei Orgelbaumaßnahmen wird er im gesamten deutschsprachigen Raum hinzugezogen. 2019–23 war er Lehrer für Orgel, Cembalo und Cembalokorrepetition an der Musikschule der Stadt Linz, außerdem 2021–22 Lehrbeauftragter für Orgel und Generalbass an den Musikhochschulen von München und Linz. Seit März 2023 ist er Professor für Orgel an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik Bayreuth. Vortrags- und Unterrichtstätigkeit auf Meisterkursen und Symposien sowie Publikationen zu Orgelspiel und -musik runden sein Schaffen ab.

Impressum

Herausgeberin

Linzer Veranstaltungsgesellschaft mbH, Brucknerhaus Linz, Untere Donaulände 7, 4010 Linz

Künstlerischer Direktor

Norbert Trawöger

Programmplanung & Dramaturgie

Andreas Meier (Leitung), Paula Schlüter

Redaktion

Paula Schlüter

Grafik

Anett Lysann Kraml, Lukas Eckerstorfer

Abbildungen gemeinfrei (S. 7, 10 & 15), Birgit Püve (S. 8), S. Sietzen (S. 19), R. Winkler (S. 21)

Programm- und Besetzungsänderungen vorbehalten LIVA – Ein Mitglied der Unternehmensgruppe Stadt Linz

Wir danken für Ihren Besuch und wünschen Ihnen ein schönes Konzert!

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