Diakun, Van Wauwe & Zürcher Kammerorchester
29. März 2026 11:00 Uhr Großer Saal
Sonntagsmatineen IV
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29. März 2026 11:00 Uhr Großer Saal
Sonntagsmatineen IV

Di, 14. Apr 2026, 19:30
Großer Saal
Steinaecker, Hagen & Bruckner Orchester Linz
Philipp von Steinaecker feiert sein BrucknerhausDebüt mit einem außergewöhnlichen Programm rund um Antonín Dvořáks berühmtes Violoncellokonzert, gespielt von Julia Hagen.
So, 19. Apr 2026, 11:00
Großer Saal
Anderszewski & Münchener
Kammerorchester
Wolfgang Amadé Mozarts dramatisches Klavierkonzert Nr. 24 und Sergei Prokofjews virtuose
Symphonie classique mit dem polnischen Ausnahmepianisten Piotr Anderszewski
So, 10. Mai 2026, 11:00
Großer Saal
Gaigg, Pashchenko & L’Orfeo Barockorchester
30 Jahre L’Orfeo Barockorchester
Zum 30jährigen Bestehen des L’Orfeo Barockorchesters hat Michi Gaigg ein prunkvolles Programm rund um Wolfgang Amadé Mozart und Joseph Haydn im Gepäck.
Karten und Infos: +43 (0) 732 77 52 30 brucknerhaus.at
Das Programm auf einen Blick
Das Zürcher Kammerorchester unter Marzena Diakun präsentiert gemeinsam mit Klarinettistin
Annelien Van Wauwe ein ausgefeiltes Programm, das Werke der polnischen und amerikanischen Moderne gegenüberstellt: Das Concerto für Streichorchester der polnischen Komponistin Grażyna Bacewicz besticht mit klaren Konturen und energetischem Puls. Die Papst Johannes II. gewidmete Ciaccona ihres Landsmanns Krzysztof Penderecki erklingt als Fortführung von und Gegenpol zu Johann Sebastian Bachs berühmter Ciaccona in dMoll, die knapp 300 Jahre zuvor entstand. Amerikanische Komponisten aus drei Generationen bestreiten wiederum die zweite Konzerthälfte: Hier treffen Bernsteins expressive Klarinettensonate in einer Bearbeitung für Soloinstrument, Streichorchester und Perkussion auf das meditative Company für Streichorchester von Philip Glass und das kontrastreiche Klarinettenkonzert von Aaron Copland.
Grażyna Bacewicz 1909–1969
Concerto für Streichorchester // 1848
I Allegro
II Andante
III Vivo
Krzysztof Penderecki 1933–2020
Ciaccona. In memoriam Giovanni Paolo II für Streichorchester // 2005
Johann Sebastian Bach 1685–1750
Ciaccona, V. Satz aus: Partita II für Violine solo dMoll BWV 1004 // ca. 1717
[Bearbeitung für Streichorchester]
// Pause //
Leonard Bernstein 1918–1990
Sonate für Klarinette und Klavier // 1941–42
[Bearbeitung für Klarinette, Streicher und Perkussion von Sid Ramin]
I Grazioso, un poco più mosso
II Andantino – Vivace e leggiero
Philip Glass * 1937
Company für Streichorchester // 1983
I = 96
II = 160
III = 96
IV = 160
Aaron Copland 1900–1990
Konzert für Klarinette und Streichorchester mit Harfe und Klavier // 1947–49
I Slowly and expressively –
II Rather fast
Konzertende: ca. 13:00 Uhr
Annelien Van Wauwe Klarinette
Zürcher Kammerorchester
Marzena Diakun Dirigentin
Mit freundlicher Unterstützung von
Grażyna Bacewicz // Concerto für Streichorchester
Die Komponistin Grażyna Bacewicz zählte im 20. Jahrhundert zu den künstlerischen Akteur:innen, die zeitgenössische polnische Musik auf der ganzen Welt bekannt machten. Nicht ohne Grund wurde sie von ihren Zeitgenoss:innen daher auch die ›First Lady‹ der polnischen Musik genannt. Im Jahr 1909 in Łódź geboren, verfolgte Bacewicz in ihrer Ausbildung zunächst zwei musikalische Talente zugleich: Am Warschauer Konservatorium studierte sie Komposition und Violine. Im Jahr 1932 ermöglichte ihr ein Stipendium die Reise nach Paris, wo sie an der École normale unter anderem bei Nadia Boulanger studierte. Kurz darauf wurde sie Konzertmeisterin des neu gegründeten Polish National Radio Symphony Orchestra und pendelte in Folge zwischen Paris und Warschau, zwischen Komposition und Geige, hin und her. Nach

Grażyna Bacewicz, 1948
Grażyna Bacewicz // Concerto für Streichorchester
dem nationalsozialistischen Überfall auf Polen 1939 kehrte sie nach Warschau zurück, wo sie während des Zweiten Weltkriegs im Untergrund Konzerte organisierte, bei denen ihre Werke (häufig von ihr selbst) aufgeführt wurden. Nach Kriegsende nahm Bacewiczs Karriere als Komponistin an Fahrt auf: Obwohl sie im stalinistisch regierten Polen mit staatlicher Zensur zu kämpfen hatte, wurde sie als Mitglied und Vorsitzende des Polnischen Komponistenverbandes zu einer internationalen Botschafterin der polnischen Musik. Bacewicz besaß dabei eine scheinbar unstillbare Schaffenskraft: Bis zu ihrem Tod 1969 entstand ein Œuvre von über 200 Kompositionen. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Komposition für Streichinstrumente, für die Bacewicz ›von Haus aus‹ eine besondere Expertise und Leidenschaft besaß. Die überbordende, manchmal fast manisch wirkende Energie schlägt sich auch in der Musik des 1948 entstandenen Concerto für Streichorchester nieder, das zu den beliebtesten und am häufigsten aufgeführten Werken Bacewiczs zählt. Da die Komponistin sich bei diesem »modernen Brandenburgischen Konzert« (Stefan Kisielewski) an den formalen Grundprinzipien des Barocken Concerto grosso orientierte, wurde ihre Klangsprache häufig mit dem Neoklassizismus in Verbindung gebracht. Bacewicz selbst konnte allerdings mit diesem Etikett nur wenig anfangen. Für sie war der Bezug auf traditionelle Formmodelle nicht Koketterie oder künstlerisches Statement, sondern Selbstverständlichkeit: »Das Komponieren ist wie das Formen eines Steins, nicht wie das Übertragen von Klängen aus der Fantasie oder der Inspiration ... Es gibt ein Sprichwort: Ein Haus, das ohne Grundsätze gebaut wird, wird einstürzen.«
»Die Natur, die mir in ihrer Huld die Gabe der Komposition geschenkt hat, gab mir dazu etwas, das die Kultivierung dieser Gabe gestattet. Ich habe nämlich einen kleinen, unsichtbaren Motor, dank dessen ich in zehn Minuten mache, wofür andere eine Stunde brauchen: Dank seiner laufe ich, anstatt zu gehen, ich kann fünfzehn
Briefe in einer halben Stunde schreiben, sogar mein Puls geht bedeutend schneller als bei anderen, und ich wurde schon im siebenten Monat geboren.«
Grażyna Bacewicz
Krzysztof Penderecki // Ciaccona. In memoriam Giovanni Paolo II & Johann Sebastian Bach // Ciaccona d-Moll BWV 1004
Mit seiner Ciaccona, dem fünften Satz aus seiner zweiten Partita für Violine solo in dMoll, schuf Johann Sebastian Bach einen Meilenstein des Repertoires. Die Partita war von Anfang an als Teil eines insgesamt sechsteiligen Zyklus für Violine solo geplant, bestehend aus drei Sonaten und drei Partiten. Während sich die drei Sonaten durch große thematische und formale Einheitlichkeit auszeichnen, bilden die drei Partiten dazu insofern einen Kontrast als sie alle drei völlig voneinander verschieden sind. Die üblicherweise aus vier Tanzsätzen bestehende Form wird zum Beispiel bei der zweiten Partita in dMoll durch einen fünften Satz – die überbordende Ciaccona – völlig aus dem Gleichgewicht gebracht: Der knapp fünfzehnminütige Satz, der zur technisch anspruchsvollsten Literatur für Violine zählt und mittlerweile häufig als Solitär aufgeführt wird, ist genauso lang wie die vorherigen vier Sätze zusammen.
Die eng mit der Passacaglia verwandte Ciaccona kam ursprünglich um 1600 als anzüglicher Tanz von Spanien nach Italien. Zu Bachs Zeiten hatte die Form bereits eine lange Entwicklung durchlaufen – im deutschen Frühbarock verstand man darunter ein Instrumentalstück mit einem fixierten BassThema, das im Laufe der Komposition immer wieder variiert und diminuiert wird. Trotz der strukturellen Charakteristika der Ciaccona, die sich auch bei Bach wiederfinden, lässt sich dem Werk ein wirklich tänzerischer Gestus nicht zuschreiben, zu frei wird das Metrum vor allem zu Beginn geführt. Auch die Musikwissenschaftlerin Helga Thoene meldete Zweifel am tänzerischen Charakter der Ciaccona an: In ihrer Studie Tanz oder Tombeau? gelang es ihr, zahlreiche Choralzitate nachzuweisen, die sich im polyphonen Dickicht der Ciaccona verstecken. Die von Bach zitierten Choräle, die allesamt mit den Themen Tod Tombeau dem Gedächtnis eines:er Verstorbenen gewidmete Komposition

Krzysztof Penderecki // Ciaccona. In memoriam
und Auferstehung in Verbindung stehen, sind für Thoene Indizien dafür, dass es sich bei der Ciaccona um einen ›musikalischen Grabstein‹ für Bachs kurz zuvor verstorbene erste Ehefrau Maria Barbara Bach handelt.
Die Ciaccona besteht aus drei Teilen: Nach einem langsamen ersten Teil in Moll schließt sich ein tänzerischer Mittelteil in Dur an, bevor das Werk in Moll endet. Nach ihrer Komposition im Jahr 1720 – Bach lebte zu dieser Zeit im anhaltischen Köthen – geriet das Werk zunächst in Vergessenheit. Erst hundert Jahre später wurde es von Komponist:innen und Interpret:innen wiederentdeckt: Neben zahlreichen Orchestrierungen schrieb Johannes Brahms eine Fassung für Klavier, die ausschließlich mit der linken Hand gespielt wird, während Ferruccio Busoni ebenfalls eine Bearbeitung für Klavier schuf, die sich durch opulente Virtuosität auszeichnet.
»Die Chaconne ist mir eines der wunderbarsten, unbegreiflichsten Musikstücke. Auf ein System, für ein kleines Instrument schreibt der Mann eine ganze Welt von tiefsten Gedanken u. gewaltigsten Empfindungen. Wollte ich mir vorstellen ich hätte das Stück machen, empfangen können, ich weiß sicher die übergroße Aufregung u. Erschütterung hätte mich verrückt gemacht. Hat man nun keinen größten Geiger bei sich, so ist es wohl der schönste Genuß sie sich einfach im Geist tönen zu laßen.«
Johannes Brahms an Clara Schumann am 9. Juni 1877
Aber auch im 21. Jahrhundert wirkte das Werk nach: Eine zeitgenössische Interpretation der historischen Form stellt Krzysztof Pendereckis Ciaccona dar, die der polnische Komponist 2005 in Gedenken an den im selben Jahr verstorbenen Papst Johannes Paul II. schrieb. Schließlich integrierte er das Werk als instrumentales Zwischenspiel zwischen Agnus Dei und Sanctus in sein bereits 1984 entstandenes Polnisches Requiem. Seine Werke immer wieder zu überarbeiten, weiterzudenken und mit neuem Material anzureichern, war für Penderecki fester Bestandteil des künstlerischen Schaffensprozesses. Viele seiner Kompositionen blieben sein Leben lang ›work in
Krzysztof Penderecki // Ciaccona. In memoriam Giovanni Paolo II
progress‹. Von der Ciaccona, die ursprünglich für Streichorchester geschrieben wurde, entstanden daher in den Folgejahren zugleich zahlreiche Bearbeitungen für unterschiedliche kammermusikalische Besetzungen. So wie ihre barocken Vorbilder baut sich auch Pendereckis Ciaccona über einer einfachen chromatisch absteigenden Basslinie auf. Darüber entwickelt sich aus melodischen Seufzermotiven eine intensive Melodie in den hohen Streichern. Diese zugrundeliegende Formel wird im Verlauf des Werks insgesamt neunmal wiederholt und jedes Mal in Besetzung, Ausdruck und rhythmischer Gestaltung variiert, bis zum Schluss nur noch die unerbittliche Wiederholung des Bassfundaments zurück bleibt.
Krzysztof Penderecki, 2008

Leonard Bernstein // Sonate für Klarinette und Klavier
Zweimal war der amerikanische Dirigent und Komponist Leonard Bernstein im Brucknerhaus zu Gast: 1976 debütierte er zwei Jahre nach der feierlichen Eröffnung des Hauses mit der New York Philharmonic, 1978 fand in Linz die Österreichische Erstaufführung seiner Komposition
Songfest im Brucknerhaus statt, bei der Bernstein das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks dirigierte. Über dreißig Jahre zuvor befand sich die beeindruckende internationale Karriere der Musikerlegende noch in ihren Anfängen: Zur Entstehungszeit von Bernsteins
Sonate für Klarinette und Klavier zwischen 1940 und 1941 war der Anfang 20Jährige gerade dabei, seine Studien an der Harvard University und dem Curtis Institute of Music abzuschließen und seine ersten

Leonard Bernstein und Aaron Copland, 1945
Leonard Bernstein // Sonate für Klarinette und Klavier
Schritte als Dirigent zu wagen. Unterstützt wurde er dabei unter anderem von Aaron Copland: Bernstein hatte ihn zufällig 1937 bei einer Tanzvorführung kennengelernt. Copland lud den jüngeren Kollegen prompt zu seiner Geburtstagsfeier ein, die später am Abend stattfand. Dort beeindruckte Bernstein den Komponisten und seine Gäste mit seiner Interpretation von Coplands anspruchsvollen Variationen für Klavier. Von diesem Zeitpunkt an wurden die beiden nicht nur enge Freunde, Copland stand Bernstein auch mit Rat und Tat zur Seite und wurde zu seinem wichtigsten Mentor. Die Klarinettensonate scheint dabei den jugendlichen Enthusiasmus des jungen Bernstein widerzuspiegeln: Hier trifft ein ›Walking Bass‹ auf herzergreifende Melodien und vertrackte Rhythmen, die der Orchestrierung, die Sid Ramin im Auftrag des Klarinettisten Richard Stoltzman anfertigte, umso plastischer zur Geltung kommen. Kein Wunder, dass sich um die Drucklegung der Sonate gleich zwei Verlage rissen: »Der kleine [Verlag] Hargail Music Co. wollte die Klarinettensonate herausgeben. Aus beruflicher Höflichkeit zeigte ich sie zuerst Warner’s, und die haben mich umgehauen, weil sie sie liebten und darauf bestanden, sie zu verlegen. Ich war niedergeschlagen, da Hargail eine kommerzielle Aufnahme davon machen wollte. Jetzt bietet mir Hargail alle möglichen fantastischen Tantiemen an, wenn ich sie ihnen überlasse, und sagt, dass sie die Aufnahme trotzdem machen werden! Eine Herzensangelegenheit, wenn ich je eine gehört habe. [...] Die Angelegenheit hängt jetzt am seidenen Faden«, schrieb Bernstein 1943 an Aaron Copland. Schließlich bekam der große Musikverlag Warner’s den Zuschlag. Bei der Sonate handelte sich um die erste Komposition Bernsteins, die im Druck erschien.
»Warner’s hat mir einen Fünfjahresvertrag vorgelegt! [...] Es sieht so aus, als würde ich mein Leben wegschreiben. Aber er ergänzt mein kleines altes Gehalt um einen beträchtlichen wöchentlichen Vorschuss auf zukünftige mythische Tantiemen, der jedes Jahr steigt.«
Leonard Bernstein an Aaron Copland im Frühjahr 1943
Philip Glass // Company
Der irische Schriftsteller Samuel Beckett ist mit seinen absurden Theaterstücken wie Warten auf Godot oder Endspiel in die Geschichte eingegangen. In seiner Novelle Company aus dem Jahr 1979 liegt ein Mann im Dunkeln auf dem Rücken und reflektiert über sein Leben und das Paradox des menschlichen Bewusstseins: Wo ist zwischen Körper, Verstand und Seele das wahre ›Selbst‹ verortet? Damit spielt Company auf die existenzielle Krise der Moderne an, in der die Menschen Gott für tot erklärt haben und nun mit der zufälligen Geworfenheit des Lebens hadern. 1983 wollte der amerikanische Schauspieler und Regisseur Frederick Neumann eine Bühnenadaption der Erzählung realisieren und reiste dazu nach Paris, um Beckett höchstpersönlich um Erlaubnis zu bitten. Der reagierte skeptisch: Immerhin spielt die gesamte Handlung der Novelle in völliger Finsternis. Aber er gab Neumann sein Placet –auch einer neu komponierten Schauspielmusik stimmte der Autor zu.
Neumann vergab daraufhin den Kompositionsauftrag an den amerikanischen Komponisten Philip Glass: 1937 in Baltimore geboren, hatte dieser Mathematik und Philosophie an der University of Chicago und Klavier an der Juilliard School of Music in New York studiert. Mit einem Stipendium ging er im Anschluss 1964 nach Paris, wo er zwei Jahre lang Kompositionsstudent bei der französischen Komponistin Nadia Boulanger war – einer der einflussreichsten Pädagoginnen des 20. Jahrhunderts. Zeitgleich begann Glass, Schauspielmusiken für das Ensemble seiner Ehefrau JoAnne Akalaitis zu komponieren, darunter ein Werk für zwei Saxofone zu Samuel Becketts Stück Play. Diese frühen Werke prägten Glass’ Selbstverständnis als Komponist nachhaltig: Er versteht sich seitdem in erster Linie als ›Theaterkomponist‹. Mit seiner bis heute erfolgreichsten Oper Einstein on the Beach wurde Philip Glass 1976 schlagartig weltbekannt. Trotzdem hatte er nach wie vor Schwierig

keiten, seine Familie zu ernähren. Er gründete deshalb mit seinem Komponistenkollegen Steve Reich ein Umzugsunternehmen, bei dem beide auch als Möbelpacker tätig waren. Später verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Klempner, wie er 2001 in einem Interview erzählte: »Ich sollte einen Geschirrspüler in einem Loft in SoHo anschließen. Während der Arbeit hörte ich plötzlich ein Geräusch und schaute auf, nur um Robert Hughes, den Kunstkritiker des Time Magazine vor mir zu sehen, der mich ungläubig anstarrte: ›Aber Sie sind Philip Glass! Was machen Sie hier?‹ Es war offensichtlich, dass ich seinen Geschirrspüler installierte und ich teilte ihm mit, dass ich bald fertig sein würde. ›Aber Sie sind ein Künstler‹, protestierte er. Ich erklärte, dass ich zwar ein Künstler war, aber manchmal auch ein Klempner und dass er gehen und mich in Ruhe meine Arbeit fertigmachen lassen sollte.«
Zur Entstehungszeit von Company zu Beginn der 1980erJahre erlangte Philip Glass als Komponist von Filmmusik erstmals auch außerhalb der Klassikszene Popularität. Für die vierteilige Musik zum avantgardistischen BeckettStück wählte er eine StreichquartettBesetzung. Während der Theateraufführung wurde das Werk vom Band abgespielt, später fand es als Glass’ Streichquartett Nr. 2 den Weg in den Konzertsaal: »Mir gefiel die Idee, das Medium des Streichquartetts zu nutzen, das sowohl eine introspektive als auch eine leidenschaftliche Qualität besitzt, die gut zum Text passt. Beckett wählte vier Stellen in seinem Werk aus, die er als ›sozusagen Zwischenräume‹ bezeichnete. Es überrascht nicht, dass sich diese vier kurzen Sätze als thematisch zusammenhängendes Werk herausgestellt haben, das nun als mein Streichquartett Nr. 2 ein Eigenleben entwickelt hat« (Philip Glass).
Aaron Copland // Klarinettenkonzert
Seine Zeitgenoss:innen nannten ihn den ›Dean of American Music‹: Mit seiner einzigartigen Klangsprache, die bewusst zugänglich, tonal und von zahlreichen Einflüssen aus der Unterhaltungsmusik geprägt war, wurden Aaron Coplands Kompositionen im 20. Jahrhundert zu Referenzwerken eines ›amerikanischen Stils‹. Die offenen, sich langsam transformierenden Harmonien in seiner Musik brachte man mit den weiten Landschaften Nordamerikas und dem amerikanischen Pioniergeist in Verbindung. Der 1900 in Brooklyn, New York geborene Copland stammte aus einer Familie litauischer Einwanderer:innen. Seine große Schwester Laurine führte ihn nicht nur an das Klavierspielen heran, sondern machte ihn auch mit Ragtime und Opern vertraut. Erste eigene Melodien erfand Copland bereits mit sieben Jahren, kleine Kompositionen schrieb er mit Zwölf.
Zwischen 1917 und 1921 nahm Copland Kompositionsunterricht bei Rubin Goldmark sowie Klavierunterricht bei Victor Wittgenstein und Clarence Adler. Künstlerisch prägend sollte allerdings der Sommer 1921 für den jungen Musiker werden, den er in Europa verbrachte: Am neu gegründeten Conservatoire Américain in Fontainebleau bei Paris lernte er bei Paul Vidal Komposition und Albert Wolff Dirigieren. So machte er die Bekanntschaft mit der französischen Komponistin und Musikpädagogin Nadia Boulanger, die in den folgenden Jahren seine wichtigste Lehrerin und Mentorin werden sollte. Ihr hatte er auch seine erste amerikanische Uraufführung zu verdanken: Coplands Orgelsymphonie wurde 1924 mit Boulanger als Solistin vom New York Symphony Orchestra unter Walter Damrosch und dem Boston Symphony Orchestra unter Sergei Koussevitzky gegeben – der Beginn einer intensiven Zusammenarbeit und Freundschaft mit Letzterem. Um 1940 gelang Copland schließlich der Durchbruch: Für sein Ballett Appalachian Spring –
Aaron Copland // Klarinettenkonzert

bis heute eine der meistaufgeführten Kompositionen Coplands – gewann er 1943/44 einen PulitzerPreis, 1949 wurde er mit einem Oscar für seine Musik zum Film The Heiress ausgezeichnet. In der Zwischenzeit, von 1947–49, arbeitete er unter anderem an einem Konzert für Klarinette und Orchester, das niemand Geringerer als der Klarinettist und ›King of Swing‹ Benny Goodman bei ihm in Auftrag gegeben hatte. Da sich die goldene Ära des Swings ab 1940 ihrem Ende zuneigte und der Big Band Jazz, mit dem Goodman berühmt geworden war, langsam aus der Mode kam, wandte sich der Musiker dem klassischen Repertoire zu. In Copland, der ohnehin dafür bekannt war, JazzElemente in seine Werke zu integrieren, fand er dazu den perfekten künstlerischen Partner: »Ich stellte keine Anforderungen an das, was Copland schreiben sollte. Er hatte völlig freie Hand, mit der Ausnahme, dass ich das
Copland // Klarinettenkonzert

Aaron Copland (links) und Nadia Boulanger, 1945
Werk zwei Jahre lang exklusiv spielen sollte. Ich habe zweitausend Dollar bezahlt, und das ist richtiges Geld. Zu dieser Zeit gab es nicht allzu viele amerikanische Komponisten, aus denen man auswählen konnte... Wir hatten nie große Probleme, abgesehen von einem kleinen Streit über die Stelle vor der Kadenz, wo er eine Wiederholung einer Phrase geschrieben hatte. Ich setzte mich hartnäckig dafür ein, sie wegzulassen – es handelte sich um die Stelle, wo die Bratsche als Echo einsetzt, um der Klarinette einen Hinweis zu geben. Aber ich glaube, Aaron hat sie schließlich weggelassen«.
Ganz so reibungslos, wie Goodman den Entstehungsprozess des Konzertes schilderte, ging er aber scheinbar doch nicht vonstatten: Der Klarinettist hatte Probleme mit der anspruchsvollen Rhythmik und den ausgiebigen Passagen im hohen Register seines Instruments. In das Originalmanuskript der Kadenz, die die beiden Sätze des Konzerts nahtlos miteinander verbindet, trug Goodman neben zahlreichen Änderungsvorschlägen die Randnotiz ein: »1. Version – später überarbeitet – der Coda des Klarinettenkonzerts (zu schwierig für Benny Goodman)«. Trotz einiger Überarbeitungen, die Copland seinem Auftraggeber zuliebe umsetzte, schob Goodman die Uraufführung des Werks immer wieder auf. Erst kurz bevor die vereinbarten zwei Jahre abgelaufen waren, in denen exklusiv Goodman das Konzert spielen sollte, kam es endlich am 6. November 1950 zur Uraufführung.
Paula Schlüter
13. bis 30. Sep 2026
So, 13. Sep 2026, 18:00
Großer Saal
markus poschner, jean rondeau & bruckner orchester linz
Frischer Wind
Markus Poschner und Cembalostar Jean Rondeau bringen mit Francis Poulencs Concert champêtre die Natur in den Konzertsaal, eingerahmt von Claude Debussys La Mer und Ludwig van Beethovens berühmter 6. Symphonie »Pastorale«.
Mi, 16. Sep 2026, 19:30
Großer Saal
philipp
Revolution Mahler!
Das aus Mitgliedern europäischer Spitzenorchester bestehende Mahler Academy Orchestra spielt Gustav Mahlers 9. Symphonie sowie dessen Kindertotenlieder auf Originalinstrumenten.
Mi, 30. Sep 2026, 19:30
Großer Saal
anja bihlmaier, bbc singers & bbc philharmonic orchestra
Brahms’ Requiem
Johannes Brahms’ Deutsches Requiem kombiniert mit Lili Boulangers Psaume 24 in einer internationalen Spitzenbesetzung rund um Anja Bihlmaier und das BBC Philharmonic Orchestra brucknerfest.at


Klarinette
Die belgische Klarinettistin Annelien Van Wauwe, ehemalige BBC New Generation Artist, Gewinnerin des ARDMusikwettbewerbs und Preisträgerin des Borletti Buitoni Trust Award, ist bekannt für ihre gefühlvollen, intensiven und lyrischen Interpretationen. Bereits früh gewann sie internationale Wettbewerbe. Der 2. Preis beim ARDMusikwettbewerb 2012 (bei Nichtvergabe des 1. Preises) brachte ihr internationale Aufmerksamkeit.
2018 begann ihre Zusammenarbeit mit Pentatone. Ihr Debütalbum belle époque mit dem Orchestre National de Lille unter Alexandre Bloch erschien 2019 und wurde 2020 mit dem OPUS KLASSIK als beste Nachwuchskünstlerin ausgezeichnet. Es folgte die Aufnahme FLOW (2022) mit der NDR Radiophilharmonie unter Andrew Manze. Ein weiteres Album mit Werken von Copland und Finzi erscheint 2027.
Annelien Van Wauwe konzertierte mit führenden Orchestern wie dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Konzerthausorchester Berlin, der NDR Radiophilharmonie, dem Mozarteumorchester Salzburg, dem Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra, dem Antwerp Symphony Orchestra sowie zahlreichen BBCOrchestern. Sie tritt regelmäßig in renommierten Sälen wie der Berliner Philharmonie, dem Concertgebouw Amsterdam, der Wigmore Hall London und der Tonhalle Zürich auf und ist Gast bei Festivals wie dem Lucerne Festival oder dem SchleswigHolstein Musik Festival.
Zeitgenössische Musik ist ihr ein besonderes Anliegen. Werke wie Trojahns Sonata V oder Henderickx’ Klarinettenkonzert Sutra, inspiriert von Atem und Meditation, wurden ihr gewidmet. Als engagierte Kammermusikerin gründete sie 2019 das Ensemble Carousel. Neben ihrer Konzerttätigkeit ist sie eine gefragte Pädagogin und Professorin am Königlichen Konservatorium Den Haag.

Leidenschaftlich, virtuos, berührend und nahbar – so präsentiert sich das Zürcher Kammerorchester seit über 80 Jahren. Es wurde gegründet in den 1940erJahren vom damaligen Musikstudenten Edmond de Stoutz, der sich in seiner Freizeit regelmäßig mit Freunden zum Musizieren traf. Die geteilte Leidenschaft für das Kammermusikalische führte schließlich zur Gründung des Zürcher Kammerorchesters. 1945 kam es zum ersten öffentlichen Konzert. Heute zählt das ZKO zu den führenden Klangkörpern seiner Art. Sein Repertoire reicht von Barock über Klassik und Romantik bis zur Gegenwart und umfasst auch Kooperationen mit Jazz, Volksmusik und populärer Unterhaltung. Familienkonzer te, Vermittlungsarbeit und die Förderung junger Musiker:innen sind ebenso zentral wie die Zusammenarbeit mit internationalen Solist:innen. Seit 2016 folgt das Orchester mit Daniel Hope als Music Director dem Prinzip des ›Play & Conduct‹, bei dem der Solist das Ensemble leitet.

Dirigentin
Die polnische Dirigentin Marzena Diakun überzeugt mit Temperament, Sicherheit, Energie und der detaillierten Kraft ihres Taktstocks. Als mehrfache Preisträgerin internationaler Wettbewerbe widmet sie sich Werken von Beethoven, Brahms, Bruckner, Mahler, Rachmaninoff, Skrjabin und Schostakowitsch sowie polnischen Komponisten wie Penderecki, Lutosławski und Szymanowski. Ihre Interpretationen gelten als ausgewogen, fein nuanciert und tief empfunden. Ab 2026/27 wird sie Chefdirigentin des Staatsorchesters Rheinische Philharmonie Koblenz. In der Saison 2025/26 dirigiert sie unter anderem die Deutsche Radio Philharmonie, das Orchestre Philharmonique de Radio France sowie erstmals das Zürcher Kammerorchester. Weiters prägen ihre Einspielungen und ihr Engagement für Neue Musik, unter anderem mit ihrer Stiftung Per Musicam ad Futura, sowie ihre Professur in Wrocław ihr künstlerisches Profil.

Herausgeberin
Linzer Veranstaltungsgesellschaft mbH, Brucknerhaus Linz, Untere Donaulände 7, 4010 Linz
Künstlerischer Direktor
Norbert Trawöger
Programmplanung & Dramaturgie
Andreas Meier (Leitung), Paula Schlüter
Redaktion
Paula Schlüter
Grafik
Anett Lysann Kraml, Lukas Eckerstorfer
Abbildungen
Alamy (S. 6), gemeinfrei (S. 9, 11, 15 & 18), Library of Congress (S. 12), J. Van Autreve (S. 23), N. Lund (S. 24), M. Borggreve (S. 25)
Programm und Besetzungsänderungen vorbehalten
LIVA – Ein Mitglied der Unternehmensgruppe Stadt Linz
Wir danken für Ihren Besuch und wünschen Ihnen ein schönes Konzert!












