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poschner, rondeau & bruckner orchester linz Frischer Wind

13. September 2026 18:00 Uhr Großer Saal


13. bis 30. Sep 2026

Mo, 14. Sep 2026, 19:30 Großer Saal

brad mehldau & kirill gerstein Musical Dialogues in Concert

Zwei herausragende Pianisten, zwei Instrumente, zwei musi­ kalische Welten – Klassik und Jazz – und ein Abend, an dem die Grenzen dazwischen miteinander verschmelzen

Mi, 16. Sep 2026, 19:30 Großer Saal

philipp von steinaecker, fleur barron & mahler academy orchestra Revolution Mahler!

Das aus Mitgliedern europäischer Spitzenorchester bestehende Mahler Academy Orchestra spielt Gustav Mahlers 9. Symphonie sowie dessen Kindertotenlieder auf Originalinstrumenten.

Mi, 30. Sep 2026, 19:30 Großer Saal

anja bihlmaier & bbc philharmonic orchestra Brahms’ Requiem

Johannes Brahms’ Deutsches Requiem kombiniert mit Lili Bou­langers Psaume 24 in einer internationalen Spitzen­besetzung rund um Anja Bihlmaier und das BBC Philharmonic Orchestra

brucknerfest.at


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alla breve Das Programm auf einen Blick

Gesänge von Nachtigall, Wachtel und Kuckuck, ein murmelnder Bach, Blitz und Donner, Hirtenweisen: Unter der Leitung von Markus Poschner bringt das Bruckner Orchester Linz mit Beethovens 6. Symphonie »Pastorale« die klingende Natur in den Konzertsaal. Der Naturliebhaber und begeisterte Spaziergänger Beethoven vertonte seine Eindrücke vom Landleben, die sich zuletzt zu einem prachtvollen Hymnus zu­ sammenfügen. Dabei steht die »Pastorale« in einer langen Tradition: Bereits in der Musik des Barock waren musikalische Hirtenszenen äußerst beliebt, was etwa Francis Poulenc in seinem 1928 vollendeten Concert champêtre (Ländlichen Konzert) für Cembalo und Orchester aufgriff: eine neoklassizistisch schim­ mernde Hommage an die französische Barockmusik. Der Cembalovirtuose Jean Rondeau interpretiert die­ ses spannungsvoll zwischen Alt und Neu pendelnde Werk, dessen pastoraler Stimmung mit Claude Debussys La Mer eine weitere berühmte klangmale­ rische Naturdarstellung entgegensteht, bei der man die salzige Meeresluft förmlich schmecken kann.


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programm & besetzung Ludwig van Beethoven 1770–1827 Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68 »Pastorale« // 1807–08 I Allegro ma non troppo. Angenehme, heitere Empfindungen, welche bei der Ankunft auf dem Lande im Menschen erwachen II Andante molto moto. Szene am Bach III Allegro. Lustiges Zusammensein der Landsleute – IV Allegro. Donner. Sturm – V Allegretto. Hirtengesang. Wohltätige, mit Dank an die Gottheit verbundene Gefühle nach dem Sturm // Pause //

Francis Poulenc 1899–1963 Concert champêtre FP 49 // 1927–28 I Adagio – Allegro molto II Andante. Mouvement de Siciliene III Finale. Presto


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Claude Debussy 1862–1918 La Mer. Drei symphonische Skizzen für Orchester L.109 // 1903–05, 1908 I Très lent. De l’aube à midi sur la mer (Von der Morgendämmerung bis zum Mittag auf dem Meer) II Allegro. Jeux de vagues (Spiel der Wellen) III Animé et tumultueux. Dialogue du vent et de la mer (Dialog zwischen Wind und Meer)

Konzerteinführung mit Andreas Meier und Markus Poschner um 17:15 Uhr im Mittleren Saal Konzertende: ca. 20:30 Uhr

Jean Rondeau Cembalo Bruckner Orchester Linz Markus Poschner Dirigent

Ein Mitschnitt des Konzerts ist am 30. Oktober 2026 um 19:30 Uhr in der Sendreihe Das Ö1 Konzert zu hören.


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epischer fluss

Ludwig van Beethoven // Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68 »Pastorale«

»Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei«. Es ist immer dieses, meist nur dieses Zitat, das genannt wird, wenn von Ludwig van Beethovens 6. Symphonie F-Dur die Rede ist. Die schnell gefasste Schlussfolgerung: Beet­hoven habe mit seiner »Pastoral-Sinfonie«, wie »Im Walde Entzücken, wer kann alles ausdrücken! […] der Titel des Werkes auf der 1809 Leicht bei einem Bauern erschienenen Erstausgabe lautet, eine Wohnung gemiethet, alles andere, nur keine Programmum die Zeit gewiß wohlfeil. musik im Sinne plastischer Natur– Süße Stille des Waldes! – schilderung ge­schrieben. Und tatDer Wind, der beim sächlich betonte der Komponist zweiten schönen Tage diese Haltung in einem Brief an seischon eintrifft, kann mich nen Verleger Breit­kopf & Härtel im nicht in Wien halten, März desselben Jahres: »Der Titel da er mein Feind ist.« der Sinfonie in F ist: Pastoral-SinfoTagebucheintrag Ludwig nie oder Erinnerung an das Landvan Beethovens, 1815 leben, Mehr Aus­druck der Empfindung als Mahlerey«. In den umfangreichen Skizzen zur Symphonie finden sich außerdem Hinweise wie »Wer auch nur je eine Idee vom Landleben erhalten, kann sich ohne viele Ueberschriften selbst denken, was Uraufführung der Autor will« oder »Auch ohne Beschreibung wird Neben der 6. Sym­ phonie erklangen man das Ganze welches mehr Empfindung als unter Beethovens Tongemälde [ist] erkennen«. Den­noch hat BeetLeitung die 5. Sym­phonie, das 4. Kla­ hoven zuletzt nicht auf die erklären­den Übervier­konzert, eine schriften der einzelnen Sätze verzichtet und diese Arie, Teile der Messe C-Dur op. 86 sowie auch auf dem Programm der Urauffüh­rung am 22. die Chorfantasie Dezember 1808 explizit abgedruckt; dennoch hat op. 80 im Theater an der Wien er die imitierten Vogelstimmen im zweiten Satz


Ludwig van Beethoven // Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68 »Pastorale«

Ludwig van Beethoven, Porträt von Willibrord Joseph Mähler, 1804/05

mit den Überschriften »Nachtigall«, »Wachtel« und »Kuckuck« versehen. Tatsächlich ging es Beethoven nämlich nicht um eine rigide Ab­grenzung von deskriptiver Pro­ gramm­musik, sonst hätte er das Murmeln des Baches – in einer früheren Skizze findet sich der Ein­trag »je grösser der Bach je tiefer der Ton« –, das Zwitschern der Vögel, das Zusammenkommen der Musikanten, das Blitzen, Stürmen und Donnern und den gottes­fürch­tigen Hirten­gesang am Ende nicht derart konkret und plastisch in Tönen gemalt. Was er mit der Betonung der »Empfindung« anstelle der »Mahlerey« auszudrücken versuchte, war vielmehr die ideelle und klingen­de Transformation dieser durchaus bildhaften Naturdarstellungen von bloßen Abbildun­gen hin zu ästhetischen Archetypen. »Man überläßt es dem Zuhörer selbst die situationen auszufinden«, notierte er auf einem Skizzen­blatt und bezog sich dabei direkt und unmittelbar auf Friedrich Schil­ler, der in einer 1802 erschienenen Besprechung der Gedichte Friedrich Matthisons betont hatte: »Es gibt zweierley Wege, auf denen die unbesellte natur [sic] ein Symbol der mensch­lichen werden kann: entweder als Darstellung von Empfindungen oder als Darstellung von Ideen. Zwar sind Empfindungen, ihrem Inhalt nach, keine Darstellung fähig; aber ihrer Form nach sind sie es allerdings, und es existiert wirk­liche eine allgemein beliebte und wirksame Kunst, die eben kein anderes Objekt hat als eben diese Form der Empfindungen. Diese Kunst ist die

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Ludwig van Beethoven // Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68 »Pastorale«

Musik, und insofern also die Landschaftsmalerei und Land­schafts­poesie musikalisch wirkt, ist sie Darstellung des Emp­fin­dungs­ver­mö­ gens, mithin Nach­ahmung menschlicher Natur.« Die musikali­schen Natur­schilderungen Beethovens sind damit Impuls­geber für Empfindungen, Erfah­rungen, im Rahmen derer »Wälder, Bäume, Felsen den Wider­hall [geben], den der Mensch wünscht«, wie Beethoven im Mai 1810 an Therese Mal­fatti schrieb. Dahingehend schuf er mit seiner Sechsten wohl be­wusst ein Gegenstück zur zeitgleich kom­ponierten 5. Sym­pho­nie, deren mühevoll errungenem ›Durch Nacht zum Licht‹ als Aus­ druck mensch­lichen Strebens in all seiner Unzulänglichkeit hier eine orga­ni­sche, selbst in der Gewitter­szene nicht existentiell dramatische gött­liche Ordnung entgegentritt, deren ungewöhnliche, weil fünf­sätzige Form mehr Kreislauf als Ent­wicklung darstellt, mehr epi­schen Fluss als zielführende Entwicklung. Vielmehr sich entwickelnde Stimmungen als dialogisierende Themen malt schon der Kopfsatz, dessen Angenehme, heitere Empfindungen, welche bei der Ankunft auf dem Lande im Men­ schen erwachen Beethoven nicht zuletzt durch »Allmächtiger das Vermeiden allzu großer Kon­traste erreicht. im Walde Vielmehr verschränkt er das sanft sich entfaltenich bin selig de Hauptthema mit dem lyrischen Seitensatz zu glücklich im einen farbenreichen Klangtableau. Diesen GesWald jeder tus greift auch die im wiegenden 12/8-Takt und Baum spricht weitläufigen Harmoniewechseln strömende durch dich« Szene am Bach auf, deren solistisch hervortreLudwig van Beethoven tende Bläserstimmen ganz im Geiste der franin einem Skizzenbuch, 1815 zösischen Symphonie concertant stehen und


Ludwig van Beethoven // Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68 »Pastorale«

zuletzt sogar in einer Vogelruf-Kadenz be­stehend aus Nachtigall (Flöte),

Beginn der Pastorale in Beethovens Handschrift mit Hinweis an den Verlag am unteren Rand: »Die Deutschen Überschriften / schreiben sie alle in die erste Violin«, 1808

Wachtel (Oboe) und Kuckuck (Klari­nette) zu­sammen­finden. In diese Idylle hinein tritt die aus­ge­lassene Festmusik des Lusti­ gen Zusam­men­seins der Land­leute: Hier scheinen zwei zugleich liebe­voll imitierte und kunst­voll parodierte Bauernkapellen auf­einander zu treffen, die erste mit einem beschwingten ›Deutschen‹ im 3/4-Takt, die zwei­te mit einem derb aufstampfenden Bauerntanz im 2/4-Takt. Erst das heraufziehende Unwetter des vierten Satzes vertreibt die heitere Stim­mung: Das von tremolierendem Donnergrollen, zuckenden Blitzen im Sforzato des gesamten Orchesters und chromatisch niederprasseln­dem Regenschauer durchzogene Gewitter kommt näher und näher, entlädt sich mit gewaltiger Kraft und zieht schließlich weiter, während die Oboe eine zarte Melodie anstimmt, die nahtlos in den Hirtengesang des Finales überleitet. Nun scheinen Naturgesetz, Bilderflut ... ja gar die Zeit selbst aufgehoben, wenn Beethoven die Wohltätigen, mit Dank an die Gottheit verbundenen Gefühle nach dem Sturm in einer »Art imaginären riesigen Takt[es]« (Dietmar Holland) in Töne setzt. Andreas Meier

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das alte neu

Francis Poulenc // Concert champêtre

Eigentümlich zwischen Altem und Neu­em bewegt sich die künstleri­ sche Biografie der 1879 in Warschau ge­bo­renen Wanda Landowska. Zum einen setzte sie sich, nachdem sie 1903 erst­mals öffentlich mit einem Cembalo auf­getreten war, als Musi­kerin, For­sche­rin und Leh­rerin nach­haltig für die Auf­f üh­rung vor-klassi­scher Musik ein, die sie »in ihrer rei­nen, ursprünglichen Form kennen lernen« wollte, zum an­de­ ren kon­stru­ierte sie in Zusammen­arbeit mit der Firma Pleyel ihr ei­ge­ nes, gänzlich moderndes Cembaloinstru­ment, das mit gusseisernem Rahmen, sechs Registern und straff ge­»Als ihr Spiel beendet spannten Saiten mehr einem modernen war, begab sich das Flügel als einem barocken Instrument Seltsame, daß [Camille] glich und mit dem sie zahlreiche zeit­ Saint-Saëns, der nicht genössische Werke zur Uraufführung gern irgend jemanden brachte. Das bekannteste dieser Werke außer sich oder gar ist fraglos Francis Poulencs Concert neben sich gelten ließ, champêtre. Poulenc war der Cembalistin auf die Künstlerin zueilte 1923 anlässlich der Premiere von und ihr in sichtlicher Rüh­ Manuel de Fallas Oper El retablo del rung die Hand küßte, – Maese Pedro (Meister Pedros Puppen­ während ein Regen spiel) im Salon der Mäze­nin Winnaretta von Blumen vor dem Singer in Paris begegnet, deren kam­ Cembalo niederrieselte.« mer­musikalisch besetzte Partitur auch Richard Stein über Wanda einen Cembalopart enthält. Nach­dem Landowska in Die Musik, de Falla im unmittelbaren Anschluss Oktober 1924 ein Cembalokonzert für Landowska kom­poniert hatte, dessen Uraufführung am 5. November 1926 in Bar­ ce­lona stattfand, ließ sich auch Poulenc zu einem Werk für Cembalo und Orchester inspirieren. Anders als de Falla, der dem seinerzeit un­ge­wöhnlichen Soloinstrument ein Quintett bestehend aus Flöte, Oboe, Klarinette, Violine und Violoncello zur Seite stellte, wagte Poulenc


Francis Poulenc // Concert champêtre

Francis Poulenc und Wanda Landowska während der Arbeit am Concert champêtre, 1928

das klanglich komplexe Experiment, den trotz der klang­lichen Fülle von Landowskas Pleyel-Neubau eher filigranen, kam­mermusikalischen Klang des Cembalos mit einem vollen Symphonie­orchester zu kom­ binieren. Zum Titelzusatz ›champêtre‹ (›ländlich‹) – ließ er sich dabei von einem Besuch auf Landowskas Landsitz im nördlich von Paris ge­ legenen Saint-Leu-la-Forêt inspirieren, wo die Cembalistin seit 1925 lebte und ihre École de Musique Ancienne (Schule für Alte Musik)

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Francis Poulenc // Concert champêtre

ge­gründet hatte. »Ich schrieb das Concert champêtre zwischen Okto­ ber 1927 und September 1928, beziehungs­weise eine erste Version davon«, so Poulenc im Vorfeld der Urauf­f ührung am 3. Mai 1929 mit dem Orchestre Symphonique de Paris unter Pierre Monteux in Paris gegenüber dem Journalisten Lucien Chevallier. »Sie wissen, was für eine unglaubliche Künstlerin Wanda Landowska ist. Die Art und Weise, in der sie das Cembalo wiederbe­lebt oder, wenn Sie so wollen, er­ neuert hat, ist schlicht und einfach ein Wunder. Ich habe mit ihr an der ersten Version des Werkes ge­arbeitet und bin mit ihr Takt für Takt, Note für Note durchgegangen.« Ganz im Geiste barocker und klassischer Vorbilder eröffnet Poulenc den Kopfsatz mit einer majestätischen Intrada, deren idyllisch-länd­ licher Ton mit dem Einsatz des Soloinstruments allerdings sogleich hinterfragt wird: Spanungsvoll, listig-lauernd changiert das Cembalo zwischen Dur und Moll, lässt traditionelle Harmonik auf grelle Disso­ nanzen treffen und bereitet so das Feld für den Parforceritt des an­schließenden Allegro. Angepeitscht vom atemlos voranpreschenden Soloinstrument entfalten sich hier immer neue musikalische Szenerien vom leichtfüßigen Hauptthema über marschartige Rhythmen bis hin zu theatralen Elementen wie dem mit ›Tragique‹ überschrieben Ruf der Hörner im Mittelteil. Ganz anders der zweite Satz: Im sanften Sicilienne-Rhythmus wiegend versprüht die Musik neoklassizistischen Charme, der anfängliche warme g-Moll-Klang hellt sich im zweiten Thema zu lichtem As-Dur auf und türmt sich zuletzt gar zu impressio­ nistische Klangwogen auf. Ein virtuoses Bravourstück ist dagegen das anschließende Finale: Im Gewande der barocken Tanzform der Gigue im Stile Scarlattis oder Couperins durchschreitet Poulenc hier alle klanglichen und technischen Möglichkeiten des Cembalos und greift dabei nach und nach Themen des ersten Satzes auf, ehe das Werk unerwartet auf einem einsamen d-Moll-Akkord ausklingt: »Das dichte Laubwerk am Waldrand ist frei von menschlicher Präsenz, das Fest im Schlosspark ist vorbei« (Harry Halbreich). Andreas Meier


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das meer in der musik Claude Debussy // La Mer

»Meine alte Liebe, das Meer, ist immer unschätzbar und schön«, schrieb Claude Debussy einmal. Es verwundert daher nicht, dass er dieser Liebe auch eine Komposition widmete, die er im Sommer 1903 in Burgund, also weitab vom Meer, begann. Wie Wolfgang Dömling in seinem Buch Claude Debussy. La Mer zeigt, schrieb Debussy in einem Brief an André Messager: »Sie wußten vielleicht nicht, daß ich für die schöne Laufbahn eines Seemanns ausersehen war, und daß nur die Zufälle des Daseins mich auf eine andere Bahn geführt haben.« De­ bussy verarbeitete in seinem neuen Werk Erinnerungen an die Kind­ heit am Mittelmeer, in Cannes und Fiumicino, und am Atlantik, in Arca­ chon. Die Darstellung von Eindrücken, die Stimmung und Atmo­sphäre eines Augenblicks ist ein Merkmal der Musik des Impressionismus. Bereits im September 1903 teilte er seinem Verleger Jacques Durand Titel und Inhalt des neuen Werkes mit: »[…] Was würden Sie dazu sagen: La Mer, drei symphonische Skizzen für Orchester. I. Schöne See an den ›Iles Sanguinaires‹ – II. Spiel der Wellen III. Der Wind läßt das Meer tanzen. Ich arbeite daran auf Grund zahlloser Erinnerungen, und ich versuche, hier damit fertig zu werden […]« Jedes Jahr verbrachte Debussy seine Ferien am Meer, bei »dem un­ end­lichen Lärm des Meeres, das uns gebieterisch ermahnt, unsere Zeit nicht zu verlieren«. Im Sommer 1904 instrumentierte Debussy das Werk in Dieppe und auf Jersey. Aus Dieppe schrieb er seinem Verleger: »Ich hätte gerne La Mer hier beendet; aber ich muß die


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Instrumentierung noch vollenden, die stürmisch und wechselhaft ist wie ... das Meer!« La Mer könnte auch als dreisätzige Symphonie be­zeichnet werden, auch wenn es Debussy selbst nicht so genannt hat. Jeder Satz schildert einen anderen Aspekt des Meeres. Im ersten Teil – Von der Morgendämmerung bis zum Mittag auf dem Meer – ent­ faltet sich in 30 Takten der Klang. Danach suggeriert eine in den Strei­ chern liegende Begleitfigur eine Art Bewegung, das Murmeln und sanfte Kräuseln des Wassers, darüber erhebt sich eine wellenförmige Arabeske, die schließlich durch den Einsatz von Blechblasinstrumen­ ten in eine überraschende Apotheose mündet. Ein reiches Instrumen­ tarium, neben Streichern sowie Holz- und Blechbläsern auch zwei Harfen, Schlagwerk, Becken und Tamtam, ein großer Gong, charak­ terisiert das Werk. Der zweite Satz – Spiel der Wellen – lässt die schaumende Gischt und das Schaukeln der Wellen erahnen. Der dritte Satz – Darstellung des Dialogs zwischen Wind und Meer – mit der Tem­ po­bezeichnung ›Animé et tumultueux‹, also ›lebhaft und stürmisch‹, verbindet ein von Trom­peten vorgetragenes Zitat aus dem ersten Satz mit einem lyrischen Thema in den Holzbläsern (Oboe, Englischhorn und Fagott). Diese Überlagerung ent­ wickelt eine ungestüme und leidenschaftliche Atmo­sphäre, die das glit­ zernde Spiel der Wellen und das Heulen des Win­ des veranschaulichen soll.

Claude Debussy, Fotografie von Nadar, 1908


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Debussy verwendete keine ausgeprägten Themen, es sollte die Natur selbst klingen. Die genaue Beobachtung von Licht und Schatten in der Natur stellte als erster Claude Monet auf der Leinwand dar. Debussy übertrug es in die Musik und wurde damit zu einem bedeutenden Ver­ treter des musikalischen Impressionismus. Allerdings ging es ihm nicht um eine Schilderung der Natur, son­ dern um einen Seelenzu­stand, ein Bild »Es ist kein Pointillismus von Erinnerungen und Emotionen. mehr, gleichwohl noch Debussy selbst äußerte sich kaum Impressionismus – durch zu seiner Musik. Die technische Neu­ die unveränderte Frische artigkeit des Werks von Debussy, die der Empfindungen, über­ Abkehr von der strengen Form, die setzt in Melodien und Überlagerung verschiedener Tonarten Harmonien, die in der und Rhythmen, zahlreiche metrische Welt einzig dastehen […]« sowie abrupte dynamische Wechsel Louis Laloy anlässlich der Uraufführung von La Mer mach­ten den zeitgenössischen Hörern Schwierigkeiten. Die erste Aufführung fand am 15. Oktober 1905 in einem Concert Lamoureux in Paris unter der Leitung von Camille Chevillard statt, war aber kein Erfolg. Chevillard war der Schwiegersohn von Charles La­moureux und hatte 1899 die Leitung der Konzerte übernommen. Nach Meinung der Freunde Debussys fand die eigentliche Urauffüh­ rung erst am 19. Jänner 1908 unter der Leitung des Komponisten selbst statt. Obwohl ihm als Dirigent die Erfahrung und nötige Gelassenheit fehlte, wurde seine Interpretation als authentisch bezeichnet. Das Musikalische Wochenblatt berichtete am 6. Februar 1908: »Zu einem Debussy-Skandal kam es im Pariser Colonne-Konzert vom 19. Januar. Zum allerersten Male erschien der Komponist der Oper ›Pelléas et Mélisande‹ in persona auf einem Pariser Dirigentenpodium. Dieser An­lass wurde zu einer Demonstration pro und contra benützt. Debussy dirigierte seine symphonischen Skizzen ›La Mer‹, eine ungemein inte­ ressant gearbeitete, tonmalerische Schilderung des Meeres in drei Sätzen. In den lauten Beifall der Majorität mengten sich ebenso laute Pfiffe einer überzeugt feindseligen Minorität. Debussy dankte ironisch lächelnd für diese ›zu liebenswürdige‹ Aufnahme seines Werkes.«


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Titelblatt des Erstdrucks von Claude Debussys La mer beim Verlag A. Durand & Fils, 1905

1905 erschien das Werk bei Jacques Durand, dem das Werk auch gewidmet ist, in Paris in Druck. Debussy wählte als Titelbild einen Ausschnitt aus dem Holzschnitt Die große Welle vor Kanagawa von Katsushika Hokusai. Das Titelblatt unterscheidet sich jedoch deutlich vom Original. Das Wasser ist nicht dunkelblau beziehungsweise preussischblau, sondern grün. Die Boote sind ebenso wenig zu sehen wie der Berg Fuji. Hokusai drückte in seinem Werk die Bedrohlichkeit des Meeres, das sein Land umgibt, aus, während für Debussy die Exo­ tik und auch Vertrautheit mit diesem Motiv im Vordergrund stand. Dr. Andrea Harrandt Wir danken Andrea Harrandt und der Österreichischen Nationalbibliothek für die Bereitstellung des Textes


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Biografien

jean rondeau Cembalo Jean Rondeau verbindet tiefen Respekt vor der Vergangenheit mit einem Programm, das Grenzen überschreitet, und steht so an der Spitze der Bewegung, die das Cembalo ins 21. Jahrhundert führt. In der Saison 2026–27 ist er Artist in Residence am Londoner Southbank Centre, wo er mehrere Projekte aufführen wird, darunter zwei seiner gewagtesten Programme: Sisyphus, ein improvisiertes Solo-Cembalo-Recital, und UNDR, ein gemeinsam mit dem Schlagzeuger Tancrède D. Kummer entwickeltes Format für Klavier und Schlagzeug. Beide Projekte stehen auch beim Interfinity-Festival in Basel auf dem Programm, mit dem Sisyphus-Projekt kehrt er in die Philharmonie de Paris sowie ins Centro Nacional de Difusión Musical in Madrid zurück. Zu den weiteren Höhepunkten der Saison zählen eine nordamerikanische Konzerttournee mit französischem Repertoire des 17. Jahrhunderts sowie Aufführungen von Poulencs Concert champêtre gemeinsam mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment, dem Prager Symphonieorchester und dem Bruckner Orchester Linz. Zu seinen zentralen Kooperationspartnern 26–27 zählen das Ricercar Ensemble, der Cellist Nicolas Altstaedt, der Lautenist Thomas Dunford und das Barockquartett NEVERMIND. Im November 2025 erschien Louis Couperin: The Complete Works (Warner/Erato): Rondeaus Projekt mit zehn CDs und einer DVD, das von The Arts Desk als »lebensbereichernde Veröffentlichung« bezeichnet wurde, brachte ihm einen Opus Klassik ein. Zu seinen früheren Alben zählen Gradus Ad Parnassum (2023), die Goldberg-Variationen (2022), Imagine (2015), Vertigo (2016), Dynastie: Bach Concertos (2017), Scarlatti: Sonatas (2018), Barricades (2020) und Melancholy Grace (2021). Rondeau studierte Cembalo am Conservatoire National Supérieur de Musique in Paris bei Blandine Verlet und anschließend an der Guildhall School in London; darüber hinaus studierte er Orgel, Klavier, Jazz, Improvisation und Dirigieren.


Biografien

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Biografien

bruckner orchester linz Das Bruckner Orchester Linz (BOL) zählt zu den führenden Klangkör­ pern Mitteleuropas, blickt auf eine mehr als 200-jährige Geschichte zurück und trägt seit der Saison 1966–67 den Namen des Genius Loci. Das BOL ist Botschafter Oberösterreichs und seines Namensgebers auf Konzert­podien weltweit und nimmt im Linzer Musiktheater seine Aufgaben als Orchester des Landestheaters wahr. Seit dem Amtsantritt von Markus Poschner als Chefdirigent vollzieht das BOL einen weithin beachteten Öffnungsprozess, der neue Formate generiert, unerwartete Orte aufsucht, in der Vermittlung überraschende Wege findet und vor allem für künstlerische Ereignisse in einer unnachahmlichen Dra­maturgie sorgt. Das BOL wurde beim Österreichischen Musiktheater­preis 2020 als ›Orchester des Jahres‹ und 2024 mit dem ICMA Special Achievement Award für die Gesamteinspielung der Bruckner-Sym­pho­nien unter Markus Poschner ausgezeichnet.


Biografien

markus poschner Dirigent Seit der Auszeichnung mit dem Deutschen Dirigentenpreis gastiert Markus Poschner bei Spitzenorchestern und Opernhäusern weltweit, darunter die Staatskapellen Berlin und Dresden, das DSO Berlin, die Bamberger und Wiener Symphoniker sowie das NHK Symphony Orchestra Tokyo. 2022 eröffnete er die Bayreuther Festspiele mit Tristan und Isolde. Ab 2026-27 ist der gebürtige Münchner Chefdirigent des ORF Radio-Symphonieorchesters Wien; 2025-26 übernimmt er diese Position beim Sinfonieorchester Basel. Ab 2027-28 wird er zudem Music Director der Utah Symphony. Von 2015 bis 2025 war er Chefdirigent des Orchestra della Svizzera italiana und gewann mit ihm 2018 und 2025 den ICMA. Für Offenbachs Maître Péronilla erhielt er 2021 den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik. Die Bruckner-Gesamtaufnahme mit dem Bruckner Orchester Linz wurde 2024 zudem mit dem ICMA Special Achievement Award ausgezeichnet.

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impressum Herausgeberin Linzer Veranstaltungsgesellschaft mbH, Brucknerhaus Linz, Untere Donaulände 7, 4010 Linz Künstlerischer Direktor Norbert Trawöger Programmplanung & Dramaturgie Andreas Meier (Leitung), Paula Schlüter Redaktion Andreas Meier Grafik Anett Lysann Kraml, Lukas Eckerstorfer Textauszug Österreichische Nationalbibliothek/Dr. Andrea Harrandt (S. 13-16) Abbildungen Wien Museum (S. 7), gemeinfrei (S. 8-9, 11 & 14), Österreichische Nationalbibliothek, Wien (S. 16), C. Vayssieres/Parlophone Records Limited (S. 19), R. Winkler (S. 20), K. Kikkas (S. 21) Programm- und Besetzungsänderungen vorbehalten LIVA – Ein Mitglied der Unternehmensgruppe Stadt Linz

Wir danken für Ihren Besuch und wünschen Ihnen ein schönes Konzert!


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