MITEINANDER
IM KOPF
Wie Vereine Dörfer am Leben halten Eine Theaterautorin übers Leben und Schreiben
UNTERWEGS
Liebeserklärungen ans Fahrradfahren

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MITEINANDER
IM KOPF
Wie Vereine Dörfer am Leben halten Eine Theaterautorin übers Leben und Schreiben
UNTERWEGS
Liebeserklärungen ans Fahrradfahren

Ein Heft über Freiheit und das, was uns antreibt
DREI-GIPFEL-TOUR
PANORAMAWEG
BRIXNER HÖHENWEG
DOLOMITEN
HÖHENWEG 2
...UND VIELES MEHR!








WOODYWALK
LORGGEN
HOLZKUGELBAHNEN
SPIELPLÄTZE














PLOSEBOB MOUNTAINCARTS PLOSE LOOPING BRIXEN BIKEPARK




Mitarbeitende dieser Ausgabe
1 In dieser Ausgabe ist sie öfters anzutreffen: Valeria Dejaco. Die Brixnerin ist leidenschaftliche Fahrradfahrerin, weshalb sie es sich nicht nehmen ließ, die entsprechende Geschichte (S. 54) zu recherchieren und zu schreiben. Auch eines der Bilder der Fotostrecke (S. 70) stammt aus ihrem Familienarchiv. Übrigens: Valerius Dejaco, der Erbauer des Brixner Schwimmbades, war ihr Großonkel.
2 Mehr eintauchen ins Vereinsleben von Dörfern geht nicht. Drei Tage lang stürzte sich Fotograf Philipp Seyr in das Leben von Musikantinnen, Feuerwehrleuten, Rangglern. „Es ist schön, diesen Zusammenhalt zu dokumentieren“, sagt er. Er selbst war jahrelang Volkstänzer und spielt mit dem Gedanken, seine zwei Söhne zum Ranggeln anzumelden.
3 Ein bisschen wirkt es, als käme es von anderswo. Das blaue Tier aus Styropor posiert neben Comedian Jakob Messner – und gibt dabei doch nichts von sich preis. Sein Ursprung liegt im Hause Messner Windschnur: Vater Sepp, vielen als Musiker bekannt, hat es geschaffen, spontan, ohne große Absicht. Mit der Zeit ist es zu einem festen Teil der Familie geworden. Die Form erinnert an einen Steinbock. Und damit an eine Eigenschaft, die man den Windschnurs wohl nicht absprechen kann: eine gewisse Beharrlichkeit, den eigenen Weg zu gehen.
Cor. Il cuore. Das Herz. Das Herz der Dörfer und kleinen Städte sind die Vereine. Sie sind der Kitt, der alles zusammenhält. Sport, Kultur, Soziales. Ohne die Menschen, die sich in Gruppen engagieren, sich treffen, organisieren, auf die Beine stellen, machen, gemeinsam anpacken, funktioniert das alles nicht. Jeder kennt jeden. Jede hilft jeder. Niemand fällt durchs Raster. Zusammenleben heißt Begegnung, wer sich begegnet, versteht einander. Begegnungen schaffen Zusammenhalt, Kreativität, Lebensfreude, Zukunft. Vereine binden. Verbinden. Jung und Alt. Vereine sind nachhaltig. Lassen Dörfer und Städte leben. Ein Hoch aufs Vereinsleben!
Herzlich, Ihre Redaktion














6 Mensch und Natur Im Einklang leben
12 Neu und gut Wissenswertes aus der Umgebung
16 Drei Fragen an … den Comedian Jakob Messner
18 Mein Verein!
Was den Zusammenhalt der Dörfer ausmacht
28 Pilzkunde
Fünf zum Sammeln, zwei zum Meiden

54 Fahr Rad!
In die Pedale treten, Geschichten erzählen
Impressum
HERAUSGEBER
Brixen Tourismus Genossenschaft Tourismusgenossenschaft Gitschberg Jochtal Tourismusgenossenschaft Klausen, Barbian, Feldthurns und Villanders Tourismusgenossenschaft Natz-Schabs
KONTAKT info@cormagazine.com
REDAKTION Exlibris
exlibris.bz.it
PUBLISHING MANAGEMENT
Valeria Dejaco, Stefanie Unterthiner (Exlibris)
CHEFREDAKTION Lenz Koppelstätter
ART DIRECTION Philipp Putzer farbfabrik.it
AUTORINNEN UND AUTOREN
Valeria Dejaco, Lisa Maria Gasser, Daniela Kahler, Lenz Koppelstätter, Debora Longariva, Judith Niederwanger und Alexander Pichler (Roter Rucksack), Silvia Oberrauch, Susanne Pitro, Stefanie Unterthiner
FOTOS
Coverfoto: Geschichtsverein Brixen/Robert Recla; Amt für Film und Medien/ Meran Foto Tappeiner, Bestand Südtirol Tourismuswerbung (73, 75), Amt für Film und Medien/Elisabeth Fuchs-Hauffen, Bestand Südtirol Tourismuswerbung (70–72), Florian Andergassen (6, 80), Archeoparc Villanders (15), Archiv Familie Dejaco (78), Argento Artistry (4, 38–39, 67), Martin Bacher (80), Claudio Bonazio (13), Brandnamic (66–67), Burgerhof Meßner (50), Valeria Dejaco (3), Edition Raetia/Familie Tauber( 74), Claudia Fea (13), Manuel Ferrigato (10), Festung Franzensfeste (53), Alex Filz (63), Fly Südtirol (63), Gelatofestival World Masters (14), Geschichtsverein Brixen/Robert Recla (76–77), iconfield (54–62), iStock (28), Manuel Kottersteger (67), Mike Krüger (50), Michael Messner (68), Alex Moling (4, 61), Hannes Niederkofler (3, 14, 16), Helga Oberhofer (68), Valentina Passler (81), Michael Pezzei (14, 54–62), Günther Pichler (81), Désirée Plattner (46), Caroline Renzler (4, 30–37, 40–49, 51), Thomas Roetting (69), Roter Rocksack/Judith Niederwanger & Alexander Pichler (82), Thomas Schäfer (12), Philipp Seyr (3, 12, 18–27, 38–39), Shutterstock (67), Tourismusgenossenschaft Natz-Schabs/Michael Messner (68), Tschiedererhof (80), Marika Unterladstätter (68), Sarah Volgger (81), Gustav Willeit (8), Harald Wisthaler (63)
ILLUSTRATIONEN
Laura Neuhäuser (4, 64–65)
ÜBERSETZUNGEN UND LEKTORAT
Exlibris (Duccio Biasi, Valeria Dejaco, Helene Dorner, Alison Healey, Milena Macaluso, Charlotte Marston, Federica Romanini, Stefanie Unterthiner, The Word Artists)
DRUCK LONGO, Bozen
Mit freundlicher Unterstützung von:
30 Oben und unten Theaterautorin Miriam Unterthiner im Interview
38 Spektakuläre Orte
Das Mehrgenerationenhaus Guggenberg
40 Kraut & Friends
Über Zutaten, die seit der Kindheit faszinieren
50 Authentisch cool
Zu Besuch auf dem Burgerhof
52 Die Vermessung der Welt
Ein Museumsstück im Fokus
64 Arbeit mit Ausblick Workation im Selbstversuch
66 Lieblingsorte Im Winterlicht
70 Sommer, früher Wie das Schwimmen Teil des Alltags wurde
80 Schön und gut
Produkte aus der Umgebung
82 Stille Zeitzeugen
Die Geschichte hinter dem Lieblingsfoto

Panoramalandschaften, Gartenbau, vom Menschen vollbrachte Baukunst – wo wir im Einklang mit unserer Umgebung leben, spürt man den Sinn, die Wahrhaftigkeit, die Schönheit von etwas Großem und Ganzem.

Die Hände in der Erde, hier weiß man, woher es kommt: Das Hochplateau von Natz-Schabs, zwischen 750 und 980 Meter über dem Meer, steht für Vielfalt: Karotten, Salat, Äpfel, Erdbeeren. Nah und frisch, saisonal geerntet und verspeist, so schmeckt es am besten.


Ja, wo ist es denn jetzt? Man muss schon genau wissen, wo sich das 2024 eröffnete Boutique Hotel Badhaus in Brixen befindet, um es bestaunen zu können. Es versteckt sich und ist dann, einmal entdeckt, doch umwerfend präsent. Ein Haus, entworfen vom Architektenduo von Bergmeisterwolf, das wirkt. Klare Linien zwischen all dem Bischofsbarock. Von außen: Spuren von Brutalismus. Im Inneren: viel Kunst. Ein kleines, großes, verstecktes zeitgenössisches Meisterwerk aus Ton-Lehm-Ziegeln, Kupfer und Stahl.



Wandern im Herbst. Das Rascheln des Kastanienlaubes unter den Bergschuhen. Die Sonne, die mit müder Kraft vom Himmel scheint. Am Horizont: die markanten Spitzen der Geisler. Der Keschtnweg führt hoch über dem Eisacktal durch Kastanienhaine und Wiesen. Ein schöneres Panorama? Kaum vorstellbar.
Wissenswertes aus der Umgebung


2,8 t
MIT DIESER AUSGABE erscheint COR – The Local Magazine erstmals im kompakteren A4-Format. Die Umstellung verfolgt das Ziel, Papier effizienter zu nutzen und den Materialeinsatz insgesamt zu reduzieren. Durch das kleinere Format verringert sich das Gewicht pro Exemplar um rund 200 Gramm. Was auf den ersten Blick nach wenig aussieht, summiert sich über eine Auflage von 18.350 Exemplaren deutlich: Insgesamt können so zwischen 2,8 und 3,5 Tonnen CO2e (CO2Äquivalente) eingespart werden. Das entspricht in etwa dem jährlichen CO2-Ausstoß von ein bis zwei durchschnittlichen Autos oder zehn Flügen von München nach Rom und retour.
DER KIRCHERHOF IN ALBEINS trägt als erstes Restaurant von Brixen und Umgebung seit 2026 einen grünen Michelin-Stern für nachhaltige Gastronomie. Küchenchef ist seit 2020 Wolfgang Schmidl. In seiner Küche arbeitet er fast ausschließlich mit Produkten aus eigenem Anbau. Was nicht am Kircherhof zu finden ist, kommt aus der Nachbarschaft. „Vom Samen, den wir selbst eingraben, bis zum fertigen Gericht auf dem Teller“, beschreibt Schmidl seinen Ansatz. Dabei versucht er, die Zutaten möglichst vollständig zu verwenden. So etwa bei seinen Karottentortelli, gefüllt mit Pesto aus dem Grün der Rüben und serviert in Karottensud. Wie er zu Ideen findet? „Ich stell mich gern ins Feld und beobachte, was wächst. Ich schreibe ein Gericht nicht im Kopf, sondern schaue mir die Produkte an und finde dann den Weg.“
kircherhof.it

Der Neubau der Plosehütte, 2.486 Meter über dem Meer, entzückt mit freier Sicht auf den Peitlerkofel und die Geislerspitzen. Schlaflager? War einmal. Nun wird in kleinen Zimmern mit Bad übernachtet.

FÜR SKIFANS IST DIE EINKEHR in der Plosehütte ein liebgewonnener Ritus. Etwas Herzhaftes für den Magen, dann wieder rein in die Bindung – und von ganz oben auf dem Plosegipfel, auf 2.486 Meter Meereshöhe, wo der Blick in alle Himmelsrichtungen reicht, die neun Kilometer bis zur Talstation runterziehen, in einem Schwung und mit brennenden Waden. Seit 140 Jahren steht an dieser Stelle eine Hütte, 1887 vom Deutschen und Österreichischen Alpenverein als einfaches Schutzhaus errichtet. 1924 ging sie an den italienischen Alpenverein CAI über. Mehrfach wurde sie erweitert, besonders in den 1960er-Jahren, als mit den ersten Liften die touristische Entwicklung der Plose einsetzte.
Mit dem Neubau kommt nun ein weiteres Kapitel dazu. Den Gipfelblick rückten die Architekten Stefano Peluso und Claudio Paternoster in den Mittelpunkt, große Fenster rahmen die Sicht auf Peitlerkofel und Geislerspitzen. Statt im Schlaflager übernachtet man nun in kleineren Zimmern mit Bad. Die neuen Pächter, selbst Architekten, sind aus Turin auf die Plose gezogen: Fabrizio Marino kocht, Claudia Fea bewirtet die Gäste und organisiert den Betrieb. Auf den Tisch bringt das junge Paar einfache Gerichte: Minestrone, Gulaschsuppe, Knödel. Die schmecken auf dieser Höhe am besten.
plosehuette.com
Dialektbegriff
WENN ETWAS SCHIEFLÄUFT oder der Ärger plötzlich hochkocht, rutscht es schnell heraus: „Oschpele Muggn!“ Der erste Teil leitet sich ursprünglich von der Hostie ab, also aus dem kirchlichen Kontext. Wie bei vielen Fluchwörtern wurde der Begriff im Lauf der Zeit so verändert, dass sein Ursprung kaum mehr auffällt. Warum aber ausgerechnet die armen Mücken – „Muggn“ – zum Dampfablassen herhalten müssen, bleibt ein Rätsel. Fest steht nur: Der Ausruf gehört zur milderen Kategorie des Fluchens. Kein grobes Schimpfwort, eher ein Ventil für den Moment des Missmuts – und oft schon wieder vergessen, kaum ausgesprochen.


AUSLÖSER WAR DER NACHWUCHS. „Zeit wird plötzlich knapper, man muss sie sich gut einteilen“, sagt Matthias Klammer vom Biohof Marxenhof. Gleichzeitig fehlte im „Marxenladele“ Unterstützung. Die Idee eines Selbstbedienungsshops lag nahe. Klammer kannte ähnliche Konzepte, verglich verschiedene Systeme und entschied sich schließlich für „Lokbest“: benutzerfreundlich und eine überschaubare Investition.
Seit Mitte Juni vergangenen Jahres ist der Laden nun ohne Personal zugänglich – und läuft gut: „Anfangs war schon die Frage, ob das überhaupt jemand nutzt.“ Heute zeigt sich: Neben den Stammkundinnen und -kunden, die den persönlichen Austausch schätzen, kommen neue dazu. Vor allem jene, die flexibel einkaufen möchten, unabhängig von Öffnungszeiten.
Der Ablauf ist einfach, Registrierung per App, die Tür per QR-Code öffnen und der Einkauf beginnt. Im Angebot bleibt alles wie gewohnt, Obst, Gemüse und verarbeitete Produkte aus eigener Produktion. Geöffnet ist durchgehend von Montag bis Samstag, das Wochenende gehört dem Auffüllen – und der Familie. „Es war die richtige Entscheidung“, so Klammer, „und doch ersetzt das System nicht das, was den Hofladen eigentlich ausmacht: den direkten Kontakt.“

MIT EINEM KLEINEN HAUSHALTSGERÄT begann Lisi Stolz Eis zu machen. Für ihre Kinder. „Die Zutatenliste bei industriellen Produkten war mir zu lang und voller Komponenten, die ich nicht kannte.“ Sie besuchte einen Kurs in Bologna und kaufte sich ihre erste professionelle Eismaschine über E-Bay. Heute ist sie mehrfach ausgezeichnet und eine der besten Eismacherinnen Italiens.
Am denkmalgeschützten Ansitz Hubenbauer in Vahrn entstehen ihre Kreationen ausschließlich aus Früchten, Beeren und Kräutern aus eigenem Anbau. Deshalb kommt auch der Großhandel nicht in Frage: „Die Zutaten für 100 Kilogramm Lavendeleis könnte ich nicht mehr in meinem Garten pflücken. Außerdem will ich machen, was mir schmeckt.“ Welche ihre Lieblingssorte ist? „Einfache Fruchteissorten: Himbeere, schwarze Johannisbeere.“ Was ihr Eis von anderen abhebt? „Die Geschichte dahinter und die guten Produkte, die wir in Südtirol haben.“ So auch in ihrer Sorte „Die Schätze unserer Berge“, mit der sie beim Finale des Gelato Festival World Masters 2026 in Las Vegas antrat. Ein Eis mit Joghurt, Bierwürzevariegato, Apfel in Honig und Getreidecrumble, das mit einer Sondererwähnung für die gelungene Verbindung von Geschmack und Herkunft ausgezeichnet wurde.

hubenbauer.com
Wussten Sie, dass … Sie sich in Villanders ansehen können, wie Menschen vor Tausenden von Jahren wohnten?
GLEICH UNTERHALB DES DORFZENTRUMS öffnet sich am Plunacker ein neues Fenster in die Vergangenheit. Der Archeoparc Villanders beherbergt Überreste aus der Stein-, Kupfer-, Bronze- und Römerzeit. Besonders beeindruckend sind die gut erhaltenen Siedlungsspuren und Grabstätten. Zu den gefundenen Alltagsgegenständen zählen Steingeräte, Keramikreste, Fibeln, Kämme, ein Schlüssel und ein Schöpflöffel. Auch in der weiteren Umgebung, etwa in St. Valentin und auf der Villanderer Alm, belegen prähistorische Funde Kultstätten, Jagd und Bergbau. Die verschiedenen Funde zeigen, dass in der Gegend seit mindestens 7.000 Jahren Menschen leben. Die Rekonstruktionen typischer Gebäude und deren Ausstattung machen Siedlungsspuren aus drei Epochen greifbar. Die Bauten im Archeoparc stellen eine Behausung der Mittelsteinzeit, eine strohgedeckte Hütte der Jungsteinzeit und ein rätisches Haus dar – eine Bauweise, die sich im Alpenraum über viele Jahrhunderte hielt und den alten Bauernhäusern der Gegend nicht unähnlich ist.
archeo.bergwerk.it


Rekonstruktion typischer Gebäude und Siedlungsspuren aus drei Epochen: Seit mindestens 7.000 Jahren leben hier Menschen.
Vier Regionen, ein gemeinsamer Blick in die Zukunft: Gitschberg Jochtal, Brixen, Klausen und Natz-Schabs treten seit diesem Jahr zusammen unter der Marke „Brixen Südtirol – Dolomites Italy“ auf. Hinter der Kooperation steckt mehr als ein neuer Name: Es soll mehr Angebote und Projekte geben, um das gesamte Gebiet und seine Vielfalt intensiver erleben zu können, von den ersten Ausläufern der Dolomiten bis in die Orte des Eisacktals. Gleichzeitig liegt den lokalen Tourismusverantwortlichen viel daran, ihre Region dadurch nachhaltig und verantwortungsvoll weiterzuentwickeln – mit Blick auf Qualität statt Quantität. Und für eine lebenswerte Zukunft für Gäste und Locals. brixen-suedtirol.com
Interview
Jakob Messner, 28, der als Comedian auf Instagram
Südtiroler Alltag parodiert
Auf der Bühne stehen Sie schon seit Ihrer Kindheit. Wie hat alles begonnen? Ich war schon früh mit meinem Vater unterwegs und habe in seiner Band Schlagzeug gespielt. Kaum groß genug, um die Pedale zu erreichen, habe ich die Aufmerksamkeit genossen und ihm fast die Show gestohlen. Der Schritt zur Comedy kam eher zufällig: Aus Spaß habe ich einen hochnäsigen Bozner nachgemacht und auf Instagram hochgeladen. Das kam überraschend gut an – und das Video ging viral. Ein Jahr und über 100 Videos später bin ich heute Vollzeit-Comedian und Content-Creator.
Der Bozner Anwalt Maximilian Leander von Grafenstein, der Skilehrer Kufsteiner Klausi oder ein deutscher Tourist auf der Alm. Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Figuren? Ganz klar aus dem Alltag. Mich interessieren Menschen und Dynamiken, die man wiedererkennt – ob im Tal, auf der Hütte oder im Skigebiet. Oft reichen kurze Gesprächsfetzen und in meinem Kopf entstehen Dialoge und Figuren. Humor darf dabei zuspitzen, solange er positiv und niveauvoll bleibt. Für mich ist das Handwerk – und ich bin sehr genau, was das Ergebnis betrifft.
Auf Instagram sehen sich mittlerweile fast 30.000 Personen Ihre Videos an. Was macht das mit Ihnen? Es ist spannend zu sehen, wie meine Follower auf die Inhalte reagieren. Klickzahlen verlieren aber mit der Zeit an Greifbarkeit. Erfolg zeigt sich für mich, wenn ich merke, dass ich Menschen eine gute Zeit bereitet habe: ein gemeinsamer Abend auf der Live-Bühne, an dem man zusammen lacht, zum Beispiel. Zum Ausgleich zur ständigen Onlinepräsenz zieht es mich in die Natur: laufen entlang des Eisacks in Brixen oder Spaziergänge im Wald, am liebsten allein. Das erdet.




Ob im Tal, auf der Hütte oder im Skigebiet: Comedian Jakob Messner schöpft aus dem Südtiroler Alltag. Sein Ziel: Menschen eine gute Zeit bereiten.
+ Ein Künstlerhaushalt prägt – das gilt auch für Jakob Messner aus Gufidaun bei Klausen. Als Sohn von Musiker und Liedermacher-Legende Sepp Messner Windschnur lernt er schon früh Kreativität und Rampenlicht kennen. Von klein auf spielt er in der Musikkapelle Gufidaun, in die musikalischen Fußstapfen des Vaters zieht es ihn dennoch nicht. Seine Leidenschaft findet er in der Comedy, die er auf seinem Instagram-Account „windschnur_comedy“ teilt. Heute ist Jakob Messner Content-Creator, Podcaster und Comedian. Für ein einminütiges Video investiert er oft rund sieben Stunden Vorbereitung, erzählt er. 2025 tourte er erstmals mit seinem Programm „A kloaner Schlawiner“ durch Südtirol.
@windschnur_comedy



















Ob Musikkapelle, Feuerwehr oder beim Ranggeln . Das ehrenamtliche Miteinander ist eines der Geheimnisse eines funktionierenden Dorflebens im Eisacktal. Wo viel Arbeit und Spaß zusammenkommen, kommt Leben auf und wird ein soziales Auffangnetz gespannt


EEin Hof wie aus dem Bilderbuch, mitten im Ortskern des Dörfchens Schrambach. Ein üppiger Olivenbaum vor sauber verputztem altem Gemäuer, ornamentale Schnitzereien auf der patinierten Haustür, daneben eine von einer Pergola umrahmte Terrasse. Auf ihr wird am Schrotthof an diesem Novembersamstag bereits um neun Uhr aufgespielt. Querflöte, Klarinette, Trompete, Horn, Posaune und Tuba – schwungvoll blasen zehn Musikerinnen und Musiker in ihre Instrumente und eröffnen mit dem bekannten Konzertmarsch „Mein Heimatland“ einen langen Tag mit noch viel längerer Tradition.
Weinsammeln nennt sich der jährliche Fixtermin, an dem die MUSIKKAPELLE FELDTHURNS von Haus zu Haus zieht, um eine kleine Anerkennung für den Einsatz des zu Ende gehenden Jahres zu erhalten. Heute gibt es dafür eine Spendenbox. Viele Jahrzehnte lang wurde tatsächlich Wein gesammelt. Mit einer Gießkanne schütteten die Bauern Rot- wie Weißwein –und manchmal auch Essig – in ein großes Fass, das die Musiker auf einem Pferdewagen durch jene Fraktionen von Feldturns zogen, in denen Wein angebaut wurde. Das wilde Gepansche, das dabei herauskam, stillte nach den Musikproben den Durst
der Musiker. „Zum Glück war das vor meiner Zeit, denn ein solches Gesöff hätte ich nicht gerne getrunken“, sagt Johannes Helfer und schaut dankbar auf den feinen Bio-Weißwein, den Hausherrin Michaela Mayr der lustigen Runde nach dem traditionellen Auftakt des Weinsammelns auf dem ältesten Hof von Schrambach ausschenkt.
Seit zehn Jahren ist der Krankenpfleger mit der gegelten Igelfrisur Obmann der Musikkapelle Feldthurns; davor leitete er zwölf Jahre lang die Jugendkapelle, die wichtigste Nachwuchsschmiede des Vereins mit seiner 222-jährigen Geschichte. „Eine Musikkapelle gehört zu einem Südtiroler Dorf einfach dazu“, sagt Helfer. Ob Dorffeste, kirchliche Prozessionen und Erstkommunionsfeiern oder die alljährliche Cäcilienfeier zu Ehren der Schutzpatronin der Kirchenmusik: Rund 20 Auftritte und 80 Proben pro Jahr sind hier Programm. Unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit für die mehr als 60 Mitglieder der Musikkapelle – und erst recht ihren organisatorischen Leiter. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an die Musikkapelle denke“, sagt Helfer. Finanziellen Lohn gibt es dafür keinen. Honoriert werden die vielen Stunden Ehrenamt an einem Tag wie diesem – mit Geldscheinen in der Spendenbox und der greifbaren Anerkennung, die den Musikerinnen und Musikern auf jedem Hof entgegengebracht wird.
Ehrenamtliches Engagement gilt als unschätzbar wichtiger gesellschaftlicher Pfeiler und sozialer Kitt. Wer Belege dafür sucht, wird in Südtirol schnell fündig. Mit 30 Ehrenamtlichen pro 100 Einwohner steht die nördlichste Provinz Italiens traditionell an der Spitze von nationalen Non-Profit-Statistiken. Die eindeutig beliebteste Organisationsform? Der Verein. Weit mehr als 4.000 sind es laut Statistik. Sport, Kultur, Brauchtum, Bildung, Gesundheit, Soziales, Umwelt, Zivilschutz – überall tragen Vereine und ihre Mitglieder gesellschaftliche Anliegen voran, sorgen für Freizeitangebote, Unterhaltung, sozialen Zusammenhalt oder auch die Sicherheit der Bevölkerung.

„Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht zumindest an die Musikkapelle denke.“
Johannes Helfer
Einmal im Jahr zieht die Musikkapelle von Feldthurns musizierend und mit Spendenbox von Haus zu Haus – Weinsammeln nennt sich das.





Links
Schlauch legen, Atemschutzgerät schultern, Befehle bellen: 306 Freiwillige Feuerwehren gibt es in Südtirol, mit über 13.000 aktiven Mitgliedern.
Rechts
Wer bei der Feuerwehr ist, gilt als cool. Kaya Runggatscher ist eine von vier Feuerwehrfrauen in Milland.

Hilfe rund um die Uhr –ob bei Bränden, Unfällen, der Katze auf dem Baum.

Wie die 16 Wehrmänner der FREIWILLIGEN FEUERWEHR MILLAND , die einen eiskalten Samstagnachmittag vor einer Flüchtlingsunterkunft in Sarns bei Brixen verbringen. Aus dem Obergeschoss des Gebäudes dringt Rauch, davor wimmelt es von Wehrmännern. Jeder von ihnen scheint einen genauen Plan zu haben: Schlauch legen, Atemschutzgerät schultern, Befehle in ein Sprechfunkgerät bellen. Ein Kind wird auf einer Trage aus dem Haus getragen und vor dem Haus erstversorgt, im oberen Stock wird ein Fenster geöffnet. „Nun versucht man, mit einer Überdrückbelüftung den Rauch aus den Räumen zu drücken“, erklärt Klaus Schroffenegger. Als einer der Dienstältesten der Feuerwehr Milland registriert er bei diesem Probeeinsatz von drei benachbarten Feuerwehren jede Bewegung genau. Seit 1978 ist Schroffenegger eines von aktuell über 13.000 aktiven Mitgliedern der insgesamt 306 Freiwilligen Feuerwehren in Südtirol. Mehr als 30 Jahre arbeitete er zusätzlich bei Südtirols einziger Berufsfeuerwehr in Bozen. Auch nach seiner Pensionierung trennt sich Schroffenegger selten von seinem Pager, um für Einsätze in seiner Heimatgemeinde bereitzustehen. Warum? „In meinem Beruf war ich Beamter“, antwortet er, „doch hier, bei der Freiwilligen Feuerwehr, geht es um Hilfsbereitschaft, um Kameradschaft, um das eigene Dorf. Hier bin ich mit dem Herzen dabei.“
Tatsächlich spielt das Herz eine zentrale Rolle, um Menschen einer postmodernen Leistungsgesellschaft dazu zu bewegen, sich unentgeltlich für die Gemeinschaft zu engagieren. Individualisierung, Vereinsamung, soziale Fragmentierung – all das scheint im Besprechungsraum der Feuerwehrhalle von Milland mit ihren sechs blitzblank geputzten roten Wagen weit weg. Nach der Feuerwehrübung haben sich hier noch Jugendfeuerwehrleute und Feuerwehrfrauen zur Gruppe dazugesellt. Menschen unterschiedlichster Altersstufen und Bildungsschichten, die eine gemeinsame Passion eint. „Für mich ist die Feuerwehr weit mehr als eine Tätigkeit, sie steht für eine Haltung“, sagt Kommandant Christian Knollseisen. Er steht an der Spitze der fast militärisch organisierten Befehlskette, die es erlaubt, rund um die Uhr innerhalb weniger Minuten an Ort und Stelle zu sein – ob bei Großbränden, Unfällen, technischen Hilfeleistungen oder der Katze auf dem Baum. Der soziale Charakter des Vereins wirkt nicht nur nach außen, sondern auch nach innen und bietet seinen Mitgliedern ein Zugehörigkeitsgefühl, Freundschaften fürs Leben und Ansehen im eigenen Ort, so der Tenor des vielstimmigen Gesprächs.
„Wer bei der Feuerwehr ist, gilt als cool, sogar bei den Lehrkräften in der Schule“, erzählen Jugendfeuerwehrleute, die allesamt darauf hinfiebern, mit 17 Jahren in den aktiven Dienst eintreten zu können. Geschürt wird ihre Begeisterung auch beim alljährlichen dreitätigen Zeltlager, bei dem der Feuerwehrnachwuchs der ganzen Provinz in Wettbewerben gegeneinander antritt. Dafür trainiert werden sie von einer Frau: Kaya Runggatscher, eines von heute vier aktiven weiblichen Mitgliedern der 55-köpfigen Millander Feuerwehrtruppe. Als sie bei der Jugendfeuerwehr war, gab es noch keine Wehrfrauen.

Ein Dutzend Buben, die sich barfuß und in weißen Hosen und T-Shirt ringerähnliche Zweikämpfe liefern – die Ranggler von Terenten. Viele Jahrhunderte lang hatte auf den Höfen und in dem Dörfern derjenige das Sagen, der die meisten Gegner mit beiden Schultern auf den Boden zwingen konnte.

Sie und eine Kollegin brachten den Ausschuss dann dazu, das zu ändern. „Es gibt bei uns viele Arbeiten, die Frauen gleich gut oder sogar besser können als Männer“, sagt Runggatscher. „Und wenn ich einmal etwas von der Kraft her nicht schaffe, habe ich kein Problem, das auch einzuräumen.“
Das Vordringen von Frauen in traditionelle Männerhochburgen wie Musikkappellen und Feuerwehren ist nicht die einzige gesellschaftliche Veränderung, die auf Südtirols Vereinswelt einwirkt. Immer mehr junge Menschen ziehen aus den Dörfern in Ballungszentren oder die weite Welt. An der Zahl der Vereine hat diese schleichende Erosion bislang aber nichts geändert, zeigt sich in TERENTEN . Das sonnenverwöhnte 1.800-Seelen-Dorf auf einem Hochplateau des Pustertals hat an die 40 Vereine; allein der örtliche SPORTVEREIN hat sieben Sektionen. Eine davon besetzt an einem klaren Oktobernachmittag einen Grasplatz der großzügigen Sportarena. Ein Dutzend Buben liefert sich hier barfuß und in weißer Hose und T-Shirt ringerähnliche Zweikämpfe. „Aufstehen und nicht so lange am Boden bleiben, ihr werdet noch ganz nass“, ruft Bendikt Engl im schönsten Pusterer Dialekt in das Knäuel aus Armen und Beinen vor ihm. Der bärtige Mittdreißiger mit Brille hält als Trainer die uralte alpenländische Tradition des Ranggelns am Leben. Viele Jahrhunderte lang hatte auf den Höfen und in den Dörfern derjenige das Sagen, der mit klar geregelten Würfen und Grifftechniken die meisten Gegner mit beiden Schultern auf den Boden zwingen konnte. Auch heute kann man das Spektakel noch bei rund 25 Wettkämpfen in Südtirol, Tirol, Bayern und Salzburg erleben – darunter auf dem Sportplatz von Terenten, wo jeden Pfingstmontag rund 100 Ranggler aus dem gesamten Alpenraum gegeneinander antreten. Im restlichen Jahr wird hier mittlerweile vor allem von der Jugend geranggelt. Denn: Erwachsene wie Benedikt Engl finden nur mehr bei überregionalen Wettkämpfen ausreichend Gegner.
Rund 16 Nachwuchsranggler zählt der Verein aktuell. Um sie für die alte Tradition zu begeistern, bieten die Mitglieder jedes Jahr Probetrainings in Volksschulen an. Dazu kommen Kinder, in deren Familien Ranggeln bis heute einen hohen Stellenwert hat. „Spätestens mit 15 oder 16 Jahren scheiden die meisten aber aus, weil ihnen Schule oder Arbeit zu wenig Zeit lassen“, sagt Trainer Benedikt Engl. Bis dahin leisten die Terner Ranggler jedoch wertvolle Jugendarbeit. Gerade aufgrund der gemischten Jahrgänge lernen Kinder und Jugendliche aufeinander zu schauen und sich aneinander zu orientieren. „Der Zusammenhalt ist riesig, es gibt weniger Druck und Konkurrenz als bei anderen Sportarten und bei Wettbewerben freuen sich wirklich alle mit, wenn einer gewinnt“, sagt Johanna Lamprecht, Mutter eines jungen Rangglers und Schriftführerin des Vereins.
Sicher ist: Der Aufwand, die eigenen Mitglieder für den Vereinszweck und das Ehrenamt zu begeistern, ist gestiegen. „Man ist jeden Tag gefordert, am Ball zu bleiben, um die Motivation auf einem Niveau zu halten, auf dem alles funktioniert“, sagt Feuerwehrkommandant Christian Knollseisen. Neben guten Führungsqualitäten erfordert das auch
eine kontinuierliche Anpassung an die Zeit, an veränderte Bedürfnisse und Geschmäcker. Bei der Musikkapelle Feldthurns steht mittlerweile neben traditioneller Blasmusik auch zeitgenössische sowie rockige und poppige Literatur auf dem Programm. „Es braucht ein Repertoire, bei dem für alle etwas dabei ist – für die unterschiedlichen Generationen an Musikerinnen und Musikern und für das Publikum“, sagt Kapellmeister Albuin Meraner, der beim Weinsammeln mit einer weiteren Gruppe der Kapelle in Schrambach unterwegs ist. Konflikte zwischen den Generationen gäbe es in seiner Kapelle aber ohnehin „null“, unterstreicht der Kapellmeister. Der Schmäh, der hier rennt, sobald die Blasinstrumente abgesetzt werden, bezeugt, dass sein Rezept aufgeht. „Ohne Gemeinschaft kannst du musizieren und proben, wie viel du willst, und es wird nicht klappen“, ist Albuin Meraner überzeugt. „Erst wenn es Spaß macht und allen Freude bereitet, ist eine Kapelle leistungsfähig – und hat ein Verein Zukunft.“
Rund 16 Ranggler zählt der Verein in Terenten aktuell. Er leistet wertvolle Jugendarbeit und lässt die alte Tradition hochleben.
22 von 100 Südtirolerinnen und Südtirolern
engagieren sich in 5.730 Vereinen –darunter auch in besonderen Zusammenschlüssen wie dem Bonsai Club Brixen oder dem Vespa Club Brixen.




„Der Zusammenhalt ist riesig.“
Benedikt Engl

Gemeiner Steinpilz (Boletus edulis)
kräftiger, dickfleischiger Hut: jung halbkugelig, später polsterförmig, mit hellem Rand bildet Symbiosen mit Fichten, Kiefern und Buchen hellweiße Poren, später olivgelb; verfärbt sich bei Druck nicht – wichtig zur Unterscheidung vom ebenfalls essbaren Maronen-Röhrling milder, nussiger Geschmack, auch getrocknet aromatisch und sehr geschätzt begehrter Speisepilz im alten Rom; Kaiserin Agrippina vergiftete ein Steinpilzgericht, um ihren Mann Kaiser Claudius zu töten und ihrem Sohn Nero zum Thron zu verhelfen
Über 5.000 Pilzsorten gibt es in Südtirol. Hier fünf zum Sammeln –und zwei zum Meiden
Edel-Reizker (Lactarius deliciosus)

orangeroter, oft klebriger Hut mit festem Fleisch bei Verletzung tritt der charakteristische Milchsaft aus lebt meist in Symbiose mit Kiefern und bevorzugt eher trockene, nicht zu schattige Standorte sehr geschätzter Speisepilz, der beim Braten einen mild-süßlichen Geschmack entwickelt kein Grund zur Sorge: kann nach dem Verzehr den Harn rötlich färben

Gemeiner Riesenschirmling (Macrolepiota procera)
beeindruckender Hut, der sich von kugelig zu großem Schirm (10–30 cm) öffnet weiße bis cremefarbene Lamellen, markant: der wattige, verschiebbare Ring am Stiel, der ihn vom giftigen Pantherpilz unterscheidet liebt lichte Buchen- und Eichenwälder, Wiesen sowie Waldränder, aber keine Nässe nussiger Geschmack; in der Küche werden meist nur die Hüte verwendet, zum Beispiel paniert wie Schnitzel nicht roh verzehrbar, da er Stoffe enthält, die Magen und Darm reizen können umgangssprachlich auch „Parasol“ genannt, eine veraltete Bezeichnung für „Sonnenschirm“

Echter Pfifferling (Cantharellus cibarius)
leuchtet dotter- bis goldgelb, mit welligem, oft eingebogenem Hutrand frische Exemplare duften fruchtig, fast wie Aprikosen lebt in Symbiose mit Nadel- und Laubbäumen, besonders gern mit Fichten und Kiefern wächst bevorzugt an lichten, nur spärlich bewachsenen Stellen im Wald seit dem Altertum ein geschätzter Speisepilz, der unter anderem Eisen und Kalium enthält
Der Sanfte
Wiesenchampignon (Agaricus campestris)
weiß bis grauweiß, mit rund gewölbtem Hut Lamellen färben sich von Zartrosa zu Schokoladenbraun bevorzugt mäßig gedüngte Wiesen und Weiden oder grasige Plätze in Laubwäldern zeigt sich gern nach kräftigen Regenfällen gehört zur Familie der Champignonverwandten
Fliegenpilz (Amanita muscaria)
leuchtend roter Hut mit weißen Tupfen und weißen bis leicht gelblichen Lamel len wächst häufig unter Fichten und Birken wächst oft in der Nähe von Steinpilzen giftig: kann Rauschzu stände, Verwirrung, Sprachstörungen und starke Müdigkeit verursachen wurde besonders in den Schamanenkulturen in Sibirien rituell als Rauschmittel genutzt


Der Tödliche Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides)
hellgrüner bis olivbrauner, glatter Hut, bei Feuchtigkeit leicht klebrig lebt in Symbiose mit Laubbäumen und duftet süßlich, leicht nach Honig einer der giftigsten Pilze überhaupt, weshalb er im Englischen „death cap“ genannt wird besitzt eine knollenartige Basis, weiße Lamellen sowie einen weißen, hängenden Ring am Stiel nicht zu verwechseln mit Champignons, die keine Knolle haben und rosa-braune Lamellen

Zeiten: Gesammelt werden darf nur an geraden Tagen, jeweils von 7 bis 19 Uhr. Vorschrift: Wer nicht in der Gemeinde ansässig ist, muss sich eine Genehmigung besorgen.
Behandlung: Pilze gleich am Fundort grob reinigen und in einem offenen, gut belüfteten Behälter transportieren.
Ausrüstung: Rechen und Harken sind verboten. Haltbarkeit: Die gesammelten Pilze am besten frisch verarbeiten, ansonsten kühl lagern und rasch verwenden.

Die preisgekrönte Theaterautorin Miriam Unterthiner trägt Menschen und Landschaften aus Erzählungen ihrer Kindertage auf die Bühne. Ein Gespräch

Die Autorin in der Sporthalle ihrer Kindheit und Jugend. Doch schon damals hat es sie weggezogen, raus aus dem Tal!


Frau Unterthiner, wollten Sie immer schon Texte auf die Bühne bringen? Mein erster Berufswunsch war Dichterin, dann Autorin. Wie ich darauf gekommen bin, weiß ich gar nicht. Schon in der Grundschule in Latzfons habe ich mich mit Literatur umgeben. Ich habe Bücher verschlungen – aber keinen Kontakt zu Leuten gehabt, die sie schaffen. Bücher gehörten für mich in die Bibliothek, außerhalb fanden sie nicht statt.
Was haben Sie gelesen? Als ich in die Mittelschule nach Klausen kam, begleitete mich meine Mutter Woche für Woche in die Stadtbibliothek. Dort durfte ich drei Bücher ausleihen – höchstens. Mit etwas Betteln auch vier oder fünf. Für meine Lektüre galt: je dramatischer oder tragischer, desto besser. An „Anna nahm Ecstasy“ erinnere ich mich gut.
Jede Woche eine Handvoll Bücher? Ich bin mit meinen Geschwistern Stefanie und Hannes am Rande des Bergdorfes aufgewachsen. Etwas abgelegen, am Hang. Wir hatten kaum Nachbarskinder, meine Außenwelt waren die Bücher.
Einer Ihrer Lieblingsplätze in Latzfons?
Die Bushaltestelle am Dorfrand. Mich hat es immer schon weggezogen, raus aus dem Tal. Latzfons ist noch etwas ursprünglicher, das ist schön. Ich liebe es, in der Natur, die hier so mächtig präsent ist, unterwegs zu sein. Und ich bin gerne in den Bergen – aber zu viel davon kann auch einengend sein. Ich mag die

Bewegung zwischen dem Weggehen und Zurückkehren. Deshalb würde ich sagen, ich lebe dazwischen, im Hin und Her.
Wann haben Sie das Schreiben entdeckt? Schreiben ist für mich etwas ganz Natürliches. Ich bin mit dem mündlichen Erzählen groß geworden. Meine Eltern und Großeltern haben sehr viel von früher erzählt. Abends, beim Schlafengehen oder bei Opa und Oma in der Stube ihres Bauernhofes: vom Alltag, von der Arbeit am Hof, vom Mähen und Hüten, vom Vieh. Das Schreiben war für mich die Weiterentwicklung dieser Erzählungen.
Im Sommer 2018 sind Sie nach Wien gezogen. Die Geschichten der Landschaften und Menschen, die Sie von klein auf kennen, haben Sie mitgenommen? Wo ich herkomme, prägt mich mehr, als mir meist bewusst ist. Als ich an meinem ersten Text saß, dachte ich, ich müsste möglichst viel erfinden, eine eigene Welt bauen. Das fühlte sich nicht ehrlich an, ohne Bezug zu mir selbst. Inzwischen beschäftige ich mich mit Orten und Geschichten, die mir vertraut sind.
Ihre erste Muttersprache war der Dialekt … Da fällt mir ein: In meinen ersten Tagen an der Oberschule in Brixen habe ich einmal „Schrattl“ gesagt – Knöpfe in den Haaren. Für mich ein völlig normales Wort, aber in der Stadt war ich damit eigenartig. Heute kann ich sagen, dass, je nachdem, wo ich bin, sich meine Sprache ändert.
Als wie vertraut oder fremd empfinden Sie das Hochdeutsch? Als ich in der Grundschule das erste Kind hochdeutscher Muttersprache kennengelernt habe, dachte ich: Oh, er redet wie Bücher! Ich war total fasziniert. Hochdeutsch ist schon was anderes, angefangen beim Satzbau. Heute möchte ich den Dialekt wieder mehr in die Literatur holen. Und ich denke nach wie vor im Dialekt, die Notizen zu meinen Texten verfasse ich im Dialekt – auch wenn die Textbesprechung in Hochdeutsch ist. Ganz automatisch.
„Wo ich herkomme, prägt mich mehr, als mir bewusst ist.“

Wo sitzen Sie meist zum Schreiben? Für mich ist es ganz wichtig, dass es möglichst leise zugeht: Je ruhiger das Umfeld, desto turbulenter kann der Text werden. Deshalb mag ich Schreibtische gerne. Genauso wie Öffis. Und im Zug funktioniert das Schreiben richtig gut. Wenn ich schreibe, habe ich oft die italienische Bahn im Kopf: das monoton ratternde „Dudum, du-dum, du-dum“. Das ist mein Rhythmus.
Und womit schreiben Sie gerne? Was ich am Computer verfasse, drucke ich aus. Auf dem Papier schreibe ich mit der Hand weiter, das tippe ich dann wieder in den Computer. Ein ständiger Wechsel – und sehr ineffizient, glaube ich. Aber ich brauche das Schreiben mit der Hand.
Gab es auf dem Weg zur Dramatikerin einen Schlüsselmoment? 2017 stand ich für einen Literaturwettbewerb erstmals im Theater, auf und hinter der Bühne. Diese mir unbekannte Welt hat mich gefesselt und neugierig gemacht. Anfangs hatte ich keine Ahnung vom Theatertext. Aus der Schule kannte ich „Faust“ – aber der schaut formal völlig anders aus als ein zeitgenössischer Text. Die klassische Beschreibung des Bühnenbilds und der Handlungen der Figuren gibt es in dieser Strenge nicht mehr zwingend. Heute darf ein Theatertext alles, das finde ich schön. Und es ist ein Text, der auch gelesen werden kann.
Worüber schreiben Sie am liebsten? Am meisten interessieren mich Stimmen, die nicht gehört werden, die nicht laut in der Öffentlichkeit stehen. Mir wird oft gesagt, dass ich mich mit meinem Schreiben im Kleinen bewege und dass ich gerne über ein Wort länger schreibe.



„In der Sporthalle fühle ich mich bis heute daheim.“
Woher kommt das? Vielleicht sorgen die Berge und ihre Enge für das Klein und das Genau, das mir nachgesagt wird. Sicher ist: Berge machen etwas mit dem Kopf.
Ihr mehrfach ausgezeichneter Text „Blutbrot“ greift die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Südtirol und im Eisacktal auf. Wie kam es dazu?
Ich höre lieber zu, als selbst zu reden. Dabei nehme ich unglaublich viel auf und sammle lange, bevor ich anfange zu schreiben. Als mein Opa in einem Nebensatz von Fluchtrouten und Schmugglerwegen erzählte, vergingen noch über zwei Jahre, bis ich mit dem Text begonnen habe. Er handelt von den Pfaden, die Nazis auf der Flucht durch Südtirol – mit Hilfe der Einheimischen – genommen haben, und wie sich die Geschichte in die Landschaft und unsere Körper eingeschrieben hat.
Wie der Titel verrät, spielt Brot in dem Werk eine wichtige Rolle. Backen Sie selbst? Tatsächlich habe ich für den Text exzessive Mengen Brot gebacken und mich viel mit Mehlen und Teigen befasst.
Setzen Sie sich für jeden Text so intensiv mit dem Thema auseinander? Wenn es geht, ja. Ich mag es, völlig in eine Welt einzutauchen, und es ist hilfreich. Im Text „Mundtot“ geht es um Sport. Dafür habe ich viel Ausbildungsliteratur für Trainer gelesen und meine Laufschuhe wieder angezogen. Wenn ich beschreibe, wie die Sportlerinnen laufen, muss ich selbst laufen – um mich zu erinnern, wie sich das anfühlt.
Den Sport, um den es geht, haben Sie als Heranwachsende selbst acht Jahre lang betrieben: Handball. Eigentlich gar nicht so lange. Aber ich war mindestens fünf Mal pro Woche in der Sporthalle. Deshalb fühlt es sich nach viel länger an. Und wohl deshalb fühle ich mich in der Halle bis heute daheim: Ich weiß nach all den Jahren immer noch, was in jedem Schrank steckt. Die Dinge verändern sich nicht schnell.
Was braucht es, damit Sie sagen: Hier fühle ich mich zu Hause? Es gibt mittlerweile einige Orte, an denen ich mich zu Hause fühle: Latzfons, Brixen, Innsbruck, Wien. Es werden eher mehr als weniger. Für mich hat dieses Gefühl mit Menschen zu tun, aber auch mit den Orten selbst – wenn ich Erinnerungen damit verbinde.
Ihre erste Erinnerung an Wien? Bevor ich an die Uni nach Innsbruck bin, war ich schon einmal in Wien. Aber nur eine halbe Woche,
Miriam Unterthiner (32) lebt und arbeitet meist in Wien. Die Dramatikerin und Autorin aus Latzfons bei Klausen studierte Philosophie und Germanistik in Innsbruck und Sprachkunst in Wien. 2022 nahm sie am Förderprogramm für Szenisches Schreiben des Grazer Drama Forums teil. Ihr Text „Blutbrot“ wurde 2025 mit dem Kleist-Förderpreis für neue Dramatik, dem Literaturpreis der Universität Innsbruck sowie dem Debütpreis des Österreichischen Buchpreises prämiert. Für „Mundtot“ wurde sie mit dem Hans-Gratzer-Preis 2025 ausgezeichnet.
ich bin sehr schnell wieder raus aus der Stadt. Sie war viel zu viel. Ich bin es gewohnt, geografisch in oben und unten zu denken: Von Latzfons fahre ich hinunter in die Stadt, von Brixen hinauf ins Dorf. In Wien, da gibt es rechts und links und halblinks – für mich eine mentale Überforderung.
Wie ist es, den eigenen Text auf der Bühne zu sehen? Ziemlich wild! Einerseits sehr schön, wenn ich sehe, der Text wurde für die Inszenierung weitergedacht, und die Reaktionen des Publikums beobachte. Zugleich auch fordernd, wenn das Publikum Stellen, die ich lustig fand, ganz ernst nimmt oder mir ein Wort auffällt, das ich im Nachhinein austauschen würde.
Bei Preisverleihungen, wie der zum Debütpreis des Österreichischen Buchpreises, stehen Sie selbst im Rampenlicht. Das ist jedes Mal eine zwiegespaltene Erfahrung. Mein Wohlfühlort ist der Schreibtisch. Dort verbringe ich Monate, Jahre. Plötzlich auf einer Bühne zu sein, strengt mich sehr an. Mir behagt auch vielmehr die Vorstellung, dass der Text einen Preis gekriegt hat – nicht ich. Andererseits: Auszeichnungen entgegenzunehmen, ist ein Privileg. Die Preisgelder erlauben mir, weiterzuschreiben. Das ist das Wichtigste für mich.

Sie können von Ihrer Literatur leben? Aktuell ja, auch dank der Preise. Das ist keine Selbstverständlichkeit und ich weiß nicht, was die Zukunft bringt. Aber ich möchte es mir so lange wie möglich bewahren, bei dem Meinem zu bleiben und nicht etwas füllen, was gefüllt werden möchte.

Wiederbelebtes
Gemäuer für gemeinschaftliches
Wohnen und Leben –in 45 Zimmern und sechs Apartments. Hier findet gelebte Begegnung von Alt und Jung statt.




Ein Bau mit Geschichte: 1890 als mondäne Kuranstalt eröffnet und über Jahrzehnte ein Ort der Erholung, präsentiert sich das Guggenberg heute als innovativer Begegnungsort für Wohnen und Leben

Ein Viertel im Aufschwung
Im 19. Jahrhundert galt Stufels als wenig attraktiver Teil von Brixen. Verschiedene Gewerbe prägten das Viertel, darunter eine Gerberei, deren beißender Geruch weithin wahrnehmbar war. Außerdem treffen hier Rienz und Eisack aufeinander – damals eine riskante Lage für die Bischofsstadt, in der Überschwemmungen immer wieder Schäden verursachten. Nachdem Schutzmaßnahmen die Gefahr eindämmten, nutzte Otto von Guggenberg den Moment: Nahe am Wasser baute er einen alten Bauernhof zur Wasserheilanstalt um. Ein Schritt, der Stufels ein neues Gesicht gab und den Stadtteil dauerhaft veränderte.
Heilen mit Wasser
Ein Aufenthalt bei Sebastian Kneipp weckte bei Otto von Guggenberg das Interesse an dessen Heilmethoden. Als ausgebildeter Mediziner – er hatte in Wien studiert – erkannte er das Potenzial des ganzheitlichen Ansatzes. Mit großer Überzeugung investierte er sogar das gesamte Vermögen seiner Frau in den Aufbau der Wasserheilanstalt in Brixen. Die Entscheidung erwies sich als richtig: Über Jahrzehnte hinweg wurde Guggenberg mit Gesundheit, Ansehen und gesellschaftlichem Prestige verbunden.
Bekannt über Nacht
1890 öffnete das Kurhaus seine Tore. Große Bekanntheit erlangte das Guggenberg jedoch erst mehr als zehn Jahre später, als Erzherzog Karl – der spätere österreichische Kaiser – hier logierte und sich nach den Methoden von Kneipp behandeln ließ. Plötzlich reisten zahlreiche Adelige aus ganz Europa an, um sich in der ersten Kneipp-Anlage des Habsburgerreichs zu erholen.
Streng vertraulich
Anfänglich wurden die Gäste, die in der Kuranstalt Guggenberg logierten, noch stolz in der Brixener Chronik veröffentlicht. Doch bald zog Diskretion ein und das Haus war viele Jahrzehnte Refugium für Reiche und Berühmte aus aller Welt. Einige Namen sickerten im Nachgang dennoch durch: So soll der italienische Schriftsteller Umberto Eco mehrfach zu Gast gewesen sein; auch Schauspielerin Sofia Loren nächtigte hier. Nur bei Eros Ramazzotti erfuhren Fans von seinem Aufenthalt – und standen prompt vor seinem Fenster.
Pionier Otto
Nicht nur für die Kuranstalt war Otto von Guggenberg prägend. Als Bürgermeister setzte er sich entschieden für die Modernisierung der Stadt ein: Unter seiner Leitung wurden Straßen gebaut, die Kanalisation erweitert und ein modernes Krankenhaus errichtet. Seine Vision war es, aus dem damals als verschlafen und konservativ geltenden Brixen eine moderne Kur- und Gartenstadt zu formen. Das Ergebnis: In seiner Amtszeit kam der Tourismus in Schwung.
Neues Leben zieht ein
Nach 127 Jahren stellte das Kurhaus Guggenberg 2017 seinen Betrieb ein und blieb für mehrere Jahre leer. Seit Juli 2025 sind die Gemäuer wieder belebt: Das Guggenberg verbindet heute gemeinschaftliches Wohnen und Leben. In 45 Zimmern und sechs Apartments leben Menschen unterschiedlicher Generationen unter einem Dach. Co-Working-Spaces und geteilte Aufenthaltsbereiche schaffen Raum für Arbeit und Begegnung. Ein Treffpunkt für die Stadt: Das neue „Wohnzimmer“ Brixens soll allen offenstehen – für Yoga im Garten, einen Kaffee im Bistro Otto und alltäglichen Austausch.



Alte Rezepte, neue Kreationen. Mit Zutaten aus dem eigenen Garten, aus nahen Ställen. Eine Köchin und zwei Köche erzählen von der einen Zutat, die sie seit ihrer Kindheit schon fasziniert. Die ihnen Mutter, Vater, Großmutter ans Herz legten. Die sie in einem ihrer Lieblingsgerichte heute zelebrieren
Eine Köchin, zwei Köche, drei Zutaten: Elisabeth Lanz von der Gitschhütte am Gitschberg, Philipp Fallmerayer vom Brix 0.1 in Brixen und Alex Haselwanter vom Unterwirt in Gufidaun









Alex Haselwanter, UNTERWIRT in GUFIDAUN
Da steht er, lächelt und sagt, ja, er wisse schon, dass so viele junge Köche um die Welt reisten. Um Erfahrungen zu sammeln. Er aber wolle das nicht. Er habe das Kochen lieber von seinem Vater gelernt. „Ich bin ein Daheimhocker“, sagt Alex Haselwanter vom Unterwirt in Gufidaun und geht von der einen Stube in die andere, das dunkle Holz krächzt, er kommt mit ein paar Kochbüchern zurück. „Ich mag auch keine Blogs und keine YouTube-Videos“, fährt der 27-Jährige fort, „ich blättere lieber da drin.“ Nein, er ist nicht groß in die Welt hinaus, was aber nichts heißen mag. Er hat sich die Welt zu sich geholt. Seine Familie, er verkörpert die vierte Generation, ist immer eigene Wege gegangen. Auch schon, als das Gemäuer von anno 1370 noch ein typisches Landgasthaus war, in ihren Besitz gekommen durch einen Künstlervorfahren, Valentin Gallmetzer, ein Bildhauer, dessen Holzskulpturen, ein Winzer, ein Nachtwächter, noch heute über Stubentischen baumeln. Die Haselwanters, so heißt es im Dorf hoch über Klausen, hätten immer schon neue Ideen ins Dorf gebracht. Für die Gäste ein Schwimmbad in den Garten gebaut, das erste im Dorf. Noch bevor das Haus eine Heizung hatte.
Alex Haselwanter liebt fernöstliche Küche – und Südtiroler Gemüse. Am meisten liebt er Krautköpfe. „Kraut“, sagt er, „südtirolerischer geht’s nicht.“ Der junge Koch arbeitet 15 Stunden am Tag: Morgens geht’s zum Gemüsehändler runter ins Städtchen, das kaufen, was es im Garten nicht gibt. Im Garten gibt’s Porri, Radicchio, Pimientos de Padrón, aber vor allem: Krautköpfe. Grüne, weiße, rote, spitze. Tagsüber holt der Juniorchef sich Inspiration in den Kochbüchern, kreiert neue Gerichte. Die Karte wechselt alle drei Wochen.
Herumexperimentieren. So wie damals, als er sich dieses eine Gericht ausdachte, nach dem die Gäste, Tourist:innen und Einheimische, ihn immer noch und immer wieder fragen: würzige Hühnchenflügel auf saurem Krautsalat. Ein Mix aus Südtirol, Vietnam, Thailand, ein Hauch Korean Fried Chicken. Die Zutaten: das gehobelte Kraut, die Flügel, Frühlingszwiebel, der geröstete Sesam, das Olivenöl, der Reisessig, der Champagneressig, das Salz, der Zucker, der eingelegte Ingwer, die Geheimmarinade. Alex Haselwanters Fernost-Südtiroler-Welt.
unterwirtgufidaun.com



Elisabeth Lanz, GITSCHHÜTTE in GITSCHBERG
Aufgewachsen ist Elisabeth Lanz rund 1.400 Höhenmeter tiefer – und doch auf 770 Meter über dem Meer. Damals im Schabs war sie Bauernhofkind. Die Tochter half daheim mit. Am liebsten war sie bei den Hühnern, die tagsüber ums Haus und die Apfelreihen entlang gackerten. „Weil das so gechillte Tiere sind“, sagt die heute 37-Jährige, „gute Mitbewohner, die alles aufessen, was übrig bleibt.“ Sie holt eine Pfanne unter dem Herd hervor, öffnet den Kühlschrank. Abends, wenn das Bauernmädchen hungrig war, freute sie sich, wenn Oma ihren Apfelschmarrn zubereitete. Schmarrn, ob mit Äpfeln oder mit Nutella oder auch mal ohne Zucker, salzig, mit geschmolzenem Käse und Schinken, oder Kaiserschmarrn – Schmarrn, das ist Lanz’ Leibgericht. Eier sind ihre liebste Zutat. „Eier“, sagt sie, „mit ein paar Hühnern hat man sie jeden Tag – frisch gelegt.“ Und man könne so viel damit machen: Spiegelei, Rührei, Eiersalat. Eier im Supermarkt kaufen? Lanz lacht. Nein, das habe sie in ihrem ganzen Leben noch nie gemacht.
Köchin? Wollte sie immer schon werden. Auf der Landesberufsschule für das Gast- und Nahrungsmittelgewerbe kochte sie schon mal Gnocchi mit Tomatensoße für den gastierenden Giro-d’Italia-Tross, Speckknödel mit Gulasch für den Landeshauptmann. Sie macht den Herd an. Der Herd brummt. Traditionelle Kost ohne unnützen Schnickschnack, das hatte es ihr angetan. Seit zwölf Jahren arbeitet Elisabeth auf 2.210 Meter über dem Meer. Inmitten des Skigebiets von Gitschberg Jochtal. Als Köchin der Gitschhütte. Von der es heißt, dass es da am besten schmeckt. Und am allerbesten: der Kaiserschmarrn. „Dabei versuche ich, ihn ganz einfach zu machen“, sagt Lanz. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis. Draußen ziehen die Wolken über den Berghang, sie verdecken wie Wattebälle die rund 5.000 Gipfel, die man bei Sonnenschein sehen würde: Dolomiten, Rieserferner, Sarntaler, Stubaier, Zillertaler Alpen. In den Stuben ist es wohlig warm, an den holzvertäfelten Wänden hängen Hirschgeweihe, da stehen präparierte Murmeltiere, Füchse. Aus der Küche dampft es. An Rekordtagen gehen 1.000 Teller raus an die hungrige Skifahrer:innen. „1.022 waren es im vergangenem Winter einmal“, präzisiert die Köchin. Vollgas. Adrenalin. So gefällt es ihr. Die Pfanne auf dem Herd, ein paar Schüsselchen drumherum. Mise en place. Salz, Vanillezucker, Rum, Milch, Mehl. Eier, viele Eier. Von einem Bauern, einen Berghang weiter. Es brutzelt, es zischt. Das Eigelb formt sich zu dem, was entstehen soll. Flockig, leichter Kaiserschmarrn. Ein Stück Lebenserinnerung. Ein Stück Skihimmel.
gitschhuette.com



Philipp Fallmerayer, B rix 0.1 in BRIXEN
Mit den Tomaten stimmte alles. Mit denen aus Mutters Garten am Bauernhof in der Nähe von Brixen, auf dem Philipp Fallmerayer aufgewachsen ist. Sie bescherten ihm ein kulinarisches Glücksgefühl. Mit den Tomaten aus dem Supermarkt stimmte gar nichts. Viel Wasser, wenig Geschmack. Nein, so was wollte er nicht essen, hatte der Bauersjunge schon in frühen Jahren entschieden. Fallmerayer wurde Koch, reiste arbeitend um die Welt: Melbourne, Dubai, New York – schließlich war er als Souschef im Team von Südtirols bislang einzigem Drei-Sterne-Koch Norbert Niederkofler. Doch bald wollte er mehr. Sein eigenes Lokal. So eröffnete er gemeinsam mit seinem Kompagnon Ivo Messner vor rund zehn Jahren das Brix 0.1 im Süden der Bischofsstadt. In einem kleinen Park, an einem kleinen Teich. Marmortheke. Dampfende Töpfe, zischende Pfannen. Meterhohes Glas, geschwungene Messingummantelungen, völliger Kontrast zum Dombarock – cooler geht’s nicht. Der 37-Jährige ist mit einer Süditalienerin verheiratet. „Aus Sorrento“, sagt er, „sie hat mich gelehrt, dass Essen Kultur ist, mit dem ganzen Leben, mit einfach allem, zusammenhängt.“ Die beiden haben einen gemeinsamen kleinen Sohn. „Mit ihm ist mir klar geworden, dass gutes Essen, gute Ernährung, Handwerk und Küche, etwas vom Wichtigstem sind, das wir unseren Kindern mitgeben müssen.“
Fallmerayer hat vor drei Jahren zusätzlich zum Brix 0.1 den elterlichen Hof übernommen. Er hat immer schon das Gemüse von dort für das Restaurant genutzt. Nun soll es noch mehr werden. Auch zusätzliche Gewächshäuser will er errichten, damit die eigenen Karotten, Kartoffeln, Rote Beten, Brokkoli, Blumenkohl, Zucchini, Auberginen für mehr Monate reichen, beinahe für das ganze Jahr. Nun will er auch Tiere haben. Drei Ochsen für die Verarbeitung – mindestens. Und zwei Ponys sowie ein Lama – für Maximilian, den Kleinen. Seine größte Leidenschaft aber bleiben: die Tomaten, die er selbst als Kind so sehr liebte. 18 Sorten baut er an, darunter: Ochsenherz. Rote, gelbe, schwarze Piccadilly, Datterini. Am liebsten nutzt er sie allesamt für einen Salat gemeinsam mit einer Burrata aus Apulien, Olivenöl aus Apulien, Oregano aus Apulien, „pane pugliese“, Tropea-Zwiebeln aus Kalabrien und selbst gepresstem Tomatenwasser, das dem Gericht einen schmackhaften Mix aus matschig und knusprig verleiht. Pures Kindheitsglück.
brix01.com





Am Burgerhof oberhalb von Brixen verbinden Johannes Meßner und Katrin Hammann Landwirtschaft, Weingut und Buschenschank. Jede Flasche trägt ihre Handschrift – und erzählt von zweien, die Lust am Machen haben

DER WEG HINAUF IST STEIL, mit jeder Kurve öffnet sich die Aussicht. Oberhalb von Brixen, auf rund 750 Meter Höhe, befindet sich der Burgerhof: ein altes Bauernhaus, seit 1843 in Familienbesitz. Gegenüber liegt die Plose, aus dem Tal sind die Geräusche des Alltags nur noch gedämpft zu hören. Johannes Meßner kommt mit dem E-Bike den Hang hoch. Den Sohn hat er gerade in den Kindergarten gebracht. Rote North-Face-Jacke, grüner Hoodie, schwarze Vans. Er lächelt, führt in die getäfelten Holzstuben, deren Wände sich über die Jahre sichtbar verzogen haben, und schenkt ein Glas Souvignier Gris ein. „Ich bin kein Typ, der erklärt, wie Wein zu schmecken hat“, sagt er später. „Ich will wissen: Macht er Lust? Will ich noch einen Schluck?“
Der Burgerhof war immer Landwirtschaft. Trauben, Fleisch, Selbstversorgung. Meßner, 37, ist eines von vier Kindern, aufgewachsen mit viel Freiheit. Die Rollen im Betrieb waren klar: Mutter Anneliese, präsent nach außen, Vater Franz, der Arbeiter im Hintergrund. Anfang der 1980er-Jahre gehörten sie zu den ersten Biobauern Südtirols. „Spinner“ wurden sie zu Beginn genannt.
Heute entstehen auf 1,5 Hektar Lehmboden mit Granitgestein jährlich rund 14.000 Flaschen – Solaris, Johanniter, Souvignier Gris und Regent. Viele Reben standen schon, als Meßner einstieg, auch pilzwiderstandsfähige Sorten, sogenannte PIWI. Wobei er schnell relativiert: „Wir sagen heute eher pilztolerant.“ Ganz ohne Eingriff geht es nicht, aber mit weniger. Seinen Solaris spritzt er einmal im Jahr, Johanniter drei Mal. Ein klassischer Silvaner braucht im Vergleich bis zu zwölf Spritzungen.

in den Weinkeller, Meßner öffnet die schwere Holztür. Ein moderner Zubau, der sich architektonisch schlicht an das alte Haus anschmiegt. Klare Linien, viel Beton. Hier drinnen ist es gleich ein paar Grad kühler. Mitten im Keller führt eine markante rote Stahltreppe nach oben, darunter eine fast mannshohe Amphore als stiller Mittelpunkt im Raum. Meßner stellt sich daneben, die Hände in den Jackentaschen.
Die Weinszene in Südtirol ist für ihn stark, aber sehr klassisch. Abwechslungsreiches Gebiet, kühles Klima, gut gemachte Weine. Viel Aufmerksamkeit gilt den bewährten Stilrichtungen, Naturweine oder PIWI spielen lediglich eine Nebenrolle, auch in der Sommelier-Ausbildung. Das verlangt oft mehr Erklärung. Viel wird daher direkt ab Hof verkauft.
Um genau diesem Segment mehr Sichtbarkeit zu geben, hat sich Meßner mit anderen Winzern zusammengeschlossen: Convinti heißt die neu gegründete Gemeinschaft von Weinbauern und Weinbäuerinnen, die aus Überzeugung einen eigenständigen Weg gehen – geprägt von biologischen und biodynamischen Methoden, vom Vertrauen in gesunde Böden und in die Zeit, die guter Wein braucht. In ihrer Haltung sind sie sich nah, und doch bringt jeder seinen eigenen Kopf in die Flasche. Konkurrenz? Sieht Meßner nicht. „Das ist ein handwerkliches Produkt. Wir können nur voneinander profitieren, wenn wir miteinander reden.“ Und: „Es ist Platz für alle da.“
Bernsteinfarben und strahlend im Glas präsentiert sich der Souvignier Gris vom Burgerhof Meßner Die pilzwiderstandsfähige Rebsorte wächst oberhalb von Brixen auf rund 700 Meter Meereshöhe an einem sonnigen Südosthang. In der Nase entfaltet der Wein ein kräftiges Aromenspiel: reife Aprikosen und dunkles Steinobst, begleitet von Zitrusnoten und einem Hauch orientalischer Gewürze. Am Gaumen zeigt er sich frisch, würzig und zugleich angenehm mild, mit einer feinen Struktur und lebendiger Frische.
Im Keller geht Meßner seinen eigenen Weg. Seine Weine brauchen Zeit, sind komplexer. Maischegärung und langer Schalenkontakt prägen seinen Stil: „Der Höhepunkt kommt später. Dafür hält er sich länger.“
Er selbst bezeichnet sich nicht als Verkoster aus dem Lehrbuch, einen, der Weine zerlegt. Wichtig sei das Gefühl. „Dass der Wein im Mund cool ist.“
Bei Hofführungen lässt er die Menschen einfach probieren. Ohne Prüfung, ohne Erwartung.
Vom alten Bauernhaus führen zwei Stufen hinab
Weingut, Buschenschank, Ferienwohnungen, Bauernhof. Der Burgerhof steht heute auf mehreren Standbeinen. Seit 2016 führt ihn Meßner gemeinsam mit seiner Partnerin Katrin Hammann, 39, Architektin. Ihre Handschrift ist es auch, die im Weinkeller und Verkostungsraum zu spüren ist. „Wachstum ist nicht unser Ziel“, sagt Hammann, „lieber authentisch bleiben.“ Gut arbeiten und leben mit dem, was sie haben. Das Klima mache es nicht einfacher. 2024 zerstörte ein Hagelsturm 70 Prozent der Ernte. Die Vielfalt im Betrieb gibt ihnen Sicherheit.
Was Glück ist? Meßner überlegt kurz. „Sich gut verstehen. Gesund sein. Dass man gemeinsam arbeitet – und die Dinge gemeinsam meistert.“
Die Trauben werden von Hand gelesen. Ein Teil des Weins reift im Holzfass, der andere verbringt – je nach Jahrgang – zwischen zwei und sechs Monate auf der Maische. Geschwefelt wird nur in geringen Mengen, abgefüllt erst nach zwei Jahren im Keller.
Ein charaktervoller Begleiter zu kräftigem Käse, Meeresgerichten oder Desserts.


+ 65.000 Quadratmeter und 2,6 Millionen Gulden – etwa 69 Millionen Euro – Baukosten: Die imposante Festung nördlich von Brixen war ein wahres Mammutprojekt der Habsburgermonarchie – und bei ihrer Eröffnung 1838 militärstrategisch gesehen bereits überholt. Lange diente sie als Depot, seit 2005 ist sie der Öffentlichkeit zugänglich. Heute ist die Festung Franzensfeste Austragungsort unterschiedlichster Ausstellungen und Veranstaltungen.
franzensfeste.info

Eine zehn mal zehn Zentimeter große, polierte Steinfläche verbirgt sich auf dem Felsen unter diesem Obelisken. Obelisk und Basis schützen die Oberfläche vor Umwelteinflüssen, nicht umsonst bezeichnet die Inschrift den Punkt als locus perennis, als „ewigen Ort“. Insgesamt sieben solche Marksteine errichtete das k. u. k. Militärgeographische Institut Ende des 19. Jahrhunderts. Von Maribor bis Budějovice, von Hermannstadt bis Franzensfeste – ganz Österreich-Ungarn sollte diese Punkte zur Orientierung verwenden können. Auf den Millimeter genau waren Position und Höhe bestimmt.
Nützlich war dieses „Präcisions-Nivellement“ für Straßen- und Eisenbahnbau, Tunnel und Dämme. Auch das Militär selbst, das die große Landvermessung organisiert hatte, brauchte präzise Karten. Nur so konnten etwa Truppenbewegungen zuverlässig geplant und koordiniert werden.
Das ehrgeizige Kartografieprojekt hatte 1873 begonnen und sorgte international für Aufsehen: detailliert, länderübergreifend, erstmals im metrischen System. Ganz ohne Satelliten schaffte die Vermessungstechnik des 19. Jahrhunderts es auch, die exakte Höhe zu bestimmen. Ein optisches Nivelliergerät und Messlatten ermöglichten es, Höhenunterschiede zwischen festen Messpunkten zu berechnen. So markiert die Basis des Obelisken in der Franzensfeste – den Standort wählte man, weil der Fels hier als sehr stabil angesehen wurde – 736,452 Meter über dem mittleren Meeresspiegel der Adria bei Triest. Eine Angabe, die auch nach heutigem Stand bis auf wenige Zentimeter genau stimmt.

Obelisk in der Franzensfeste
Datierung: 1889 Material: Granit Errichter: k. u. k. Militärgeographisches Institut Inschrift: Locus perennis diligentissimae cum libella librationis, quae est in Austria et Hungaria confecta, cum mensura graduum meridionalium et parallelorum, quam Europeam vocant. Erectum: MDCCCLXXXIX Übersetzung: Hauptfixpunkt des Precisions-Nivellement in Österreich-Ungarn, ausgeführt in Verbindung mit der europäischen Gradmessung. Errichtet 1889

Text — DANIELA KAHLER

Ob Stadtapotheker auf Liefertour, trainierende Mountainbike-Kinder, GravelbikeAbenteurerin oder Downhill-Hüttenwirt – wer in und um Brixen in die Pedale tritt, hat Geschichten zu erzählen. Von Reparaturen, Rennen, Reisespaß

Name: Greta und Jan Perathoner
Alter: 11 und 10
Beruf: Schülerin und Schüler
Fahrradtyp: Mountainbike
Unsere Fahrräder in drei
Wörtern: leicht, schnell, wendig Lieblingsstrecke in der Umgebung: von Lajen nach Albions, Fonteklaus und Gufidaun

Wir fahren nie los ohne Fahrradhandschuhe und Clipschuhe
Unser schönstes Fahrraderlebnis: die längste Familientour bisher, durch die Uinaschlucht in der Schweiz, mit vielen Höhenmetern und ausgesetzten Schiebepassagen
Bester Touren-Snack: Traubenzucker
Gerade eben sind Greta und Jan Perathoner auf ihren Mountainbikes von ihrem Dorf Lajen aus ins Tal nach Klausen runtergefahren – 600 Höhenmeter durch den Wald. „Das machen wir öfters, wenn wir zum Training fahren“, sagt Jan. Entlang des Eisacks liegt die Trainings- und Rennstrecke des Bikeclubs Klausen. Die Fahrräder scheinen viel zu groß für die Kinder, aber sie lenken sie souverän durch die Altstadtgassen und fahren auf den schmalen Trails am Flussufer wieder und wieder exakte Linien. Konzentrierter Blick, Mannschaftstrikots und Klickpedale: die beiden können es.
„Wir haben schon ganz früh Radfahren gelernt, mit drei Jahren waren wir auf dem Laufrad“, erzählt Greta. „Unser Opa ist ein begeisterter Mountainbiker und die ganze Familie fährt viel.“ Die Eltern schrieben Greta und Jan in den Bikeclub Klausen ein. Seither trainieren sie regelmäßig, starten bei Jugendrennen in ganz Südtirol – die Familie richtet die Sommerurlaube nach dem Rennkalender aus.
Am liebsten fahren die Geschwister in der Disziplin Crosscountry. „Da ist alles drin“, erklärt Greta. „Man fährt auf einer Strecke mehrere Runden, rauf und runter, über Treppen und Hindernisse. Nur runterfahren wäre langweilig.“ Vor dem Start sei er immer nervös, verrät Jan. Zweimal wurde er Südtiroler Landesmeister, einmal sogar Gesamtsieger der Saison über alle Alterskategorien. Greta wurde bei der Landesmeisterschaft Zweite, der Pokal steht in ihrem Zimmer.
Trainiert wird Technik ebenso wie Ausdauer. „Wir üben, wie man nach dem Hinfallen schnell wieder aufsteigt“, sagt Greta. Und wie man Treppen fährt. Beim ersten Versuch habe sie noch gebremst, weil die Stufen von oben so hoch aussahen. „Beim zweiten Mal habe ich mehr Anlauf genommen und bin direkt runter – seitdem habe ich keine Angst mehr.“
Ob sie lieber bergauf oder bergab fahren? „Aufwärts“, antworten beide ohne Zögern. „Runter geht’s von allein.“



Name: Johannes von Klebelsberg
Alter: 31
Beruf: Hüttenwirt
Fahrradtyp: Downhill-Bike
Mein Fahrrad in drei
Wörtern: perfekt, stylisch, schlicht
Lieblingsstrecke in der Umgebung: die DownhillLines im Brixen Bikepark Ich fahre nie los ohne … meine Jeans
Mein schönstes Fahrraderlebnis: Sieg bei der DownhillItalienmeisterschaft 2014 Bester Touren-Snack: Almkäse

Auf der Rodenecker-Lüsner Alm beginnt es zu herbsteln: warmes Licht, trockene Wege, weite Sicht. Hier oben betreibt Johannes von Klebelsberg die Starkenfeldhütte. Noch vor wenigen Jahren krachte er als Downhill-Weltcupfahrer steile Trails hinunter, statt Knödel und Käsevariationen zu servieren.
„Mit dem Rennfahren habe ich als Kind begonnen“, erzählt er. „Meinem Bruder und mir fiel ein Flyer über ein Mountainbikerennen in die Hände, und wir waren sofort begeistert.“ Vom Crosscountry wechselte er mit 16 zum Downhill, „weil mir die Atmosphäre da viel besser gefallen hat“. Weniger Konkurrenzdenken, mehr Lässigkeit. Und immer neue Rennerfolge. Von Saison zu Saison trainierte er intensiver, wurde schneller, zweimal war er GesamtItalienmeister, bis 2020 startete er im Weltcup.
Vor einem Rennen kaufte er spontan eine Jeans und fuhr damit, was ihm den Spitznamen „Denim Destroyer“ einbrachte. „Ich galt eben als Spinner“, sagt er. Die ungewöhnliche Radhose wurde zu seinem Markenzeichen, er gründete ein Label, das technische Jeans für Sportler wie ihn herstellt.
Heute ist das Leben des radelnden Wirts anders getaktet. Er hat zwei kleine Kinder, führt neben der Hütte auf der Rodenecker-Lüsner Alm noch zwei weitere Lokale und hat 30 Angestellte. „Die Starkenfeldhütte zu übernehmen, war ein Herzenswunsch“, sagt er. In der Natur arbeiten, über der Waldgrenze: eine romantische Vorstellung. „Ja – aber die Realität ist viel harte Arbeit.“ Die Freizeit ist deshalb deutlich knapper geworden. Aber manchmal schmeißt er sich noch auf sein Downhill-Rad, am liebsten bei schönem Wetter und Herbststimmung auf der Alm: „Sobald ich auf diesem Bike sitze, ist der WettkampfEhrgeiz sofort wieder da. Auch wenn die Fitness nicht mehr dieselbe ist.“
Die Nachmittagssonne wärmt die Weingüter rund um Kloster Neustift, ein Abschnitt des Eisacktal-Radwegs zieht sich wie ein helles Band durch die Reben. Sarah Bernardi lehnt ihr hellblaues Gravelbike an eine Trockensteinmauer. Der klapprige Gepäckträger mit Satteltaschen passt nicht recht zum schnittigen Rad. „Ich werde oft ausgelacht wegen des Teils“, sagt sie und streicht darüber, „aber ich kann mich davon nicht trennen – es war mit mir schon in ganz Asien unterwegs.“ Jahrelang zog es Bernardi jeden Sommer in den Osten: Türkei, Tadschikistan, Kirgisistan, Georgien, Armenien, Iran, Kurdistan, Indien. „Radfahren ist die ideale Reisegeschwindigkeit“, sagt sie, „du riechst und hörst alles, kannst mit Menschen reden – und kommst trotzdem voran.“
Ihr erstes selbst verdientes Geld investierte sie als Teenagerin in ein pastellgelbes Damenrad, später finanzierte sie ihr Studium als Radreiseleiterin in Sardinien, Umbrien und der Toskana. Wettkämpfe haben sie nie gereizt. Sie hat keinen Account auf Strava, sie misst nicht, wie viele Kilometer und Höhenmeter sie pro Jahr fährt oder wie lang sie auf einen Pass hoch braucht. „Meistens brauche ich sowieso länger als alle anderen“, sagt Bernardi, „weil ich ständig stehen bleibe – zum Fotografieren, zum Quatschen. Ich fahre gern gemütlich, mit mir kann jede radeln gehen.“
„Manche machen Yoga, ich gehe alleine Radfahren, wenn ich meditieren will“, so die Fahrradabenteurerin. Gleichzeitig liebt sie die Gemeinschaft. Besonders unter Frauen: lange Wochenenden mit Freundinnen, große Community-Rides, gemeinsame Ausfahrten mit einem Glas Wein zwischendurch und anschließendem Bad im See. „Starke Frauen gemeinsam auf Fahrrädern – da entsteht eine spannende, inspirierende Dynamik.“ Dann fehlt für Bernardi nicht mehr viel zum perfekten Tag auf dem Rad: „Warmes Wetter, viele Höhenmeter, sicher heimkommen und ein Eis mit drei Kugeln.“



Name: Sarah Bernardi
Alter: 50
Beruf: Life und Business Coach, Markenbotschafterin eines Radbekleidungslabels für Frauen
Fahrradtyp: Gravelbike
Mein Fahrrad in drei
Wörtern: Freiheit, Spaß, Fernweh
Lieblingsstrecke in der Umgebung: meine Trainingsrunde über Bozen, Ritten, Barbian und den Eisacktal-Radweg
Ich fahre nie los ohne … buntes tibetisches Stein-Armband
Mein schönstes Fahrraderlebnis: Als ich in Indien den höchsten befahrbaren Pass der Welt bezwungen habe, auf 5.600 Meter Meereshöhe, und mir dachte: „Wow – ich kann alles.“
Bester Touren-Snack: getrocknete Kakis

Name: Florian Peer Alter: 48
Beruf: Apotheker Fahrradtyp: E-Lastenrad
Mein Fahrrad in drei
Wörtern: praktisch, groß, stark Lieblingsstrecke in der Umgebung: Die Radwege in Brixen – die sind super! Ich fahre nie los ohne … Reserveschlauch
Mein schönstes Fahrraderlebnis: Das Holz fürs Herz-JesuFeuer in Mellaun den Berg hinaufgebracht – die Scheite hinten im Anhänger.
Bester Tourensnack: Gummibärchen

Die Blicke der Passanten folgen ihm, während er an einem sonnigen Vormittag durch die Brixner Altstadt radelt. Immer wieder grüßt ihn jemand im Vorbeigehen. Florian Peers Familie führt schon seit 1787 die gleichnamige Stadtapotheke in der Adlerbrückengasse, die Wurzeln reichen bis 1602 zurück.
Das Fahrrad fällt auf: blitzblau, mit großer Sitzfläche hinten und einer eigens angefertigten Kühlbox für Medikamente auf dem vorderen Gepäckträger. Das E-Bike dient Peer und seinem Team, um vor allem ältere Menschen in der Stadt mit Medikamenten zu beliefern. „Wir wollten den Lieferdienst möglichst nachhaltig anbieten“, sagt er. „Für längere Strecken nutzen wir den Elektro-Lieferwagen, für kürzere eben das E-Bike.“
Mit dem Lastenrad war es Liebe auf den ersten Blick – oder fast. „Es wurde falsch zusammengebaut geliefert, bei der ersten Fahrt hatte ich plötzlich den Lenker in der Hand“, sagt Peer. Seither macht es aber alles mit: schwere Kisten mit Steinen für den Garten, zwei Erwachsene auf der Sitzbank. „Wenn sie sich ein bisschen reinfalten, geht das ganz easy!“
Was sich verändert, wenn man per E-Bike ausliefert? „Ich erlebe die Stadt viel näher“, so der radelnde Apotheker. „Auf dem Rad bin ich draußen bei den Menschen, der Natur. Und wenn ich damit schnell was liefere, fühlt sich das an wie ein Stück Freizeit mitten im Arbeitstag.“

17. BIS ZUM 20. SEPTEMBER 2026 feiert in Brixen erstmals die bike festa Südtirol Premiere. Vier Tage lang zeigt sich das Fahrrad in der Stadt und auf den Strecken rundum in all seinen Facetten. Im historischen Zentrum lassen sich neue Modelle testen, Workshops bringen Radfans zusammen, und geführte Touren führen entlang des Eisacks, durch die Weinberge und in Richtung Dolomiten. Testrouten gibt es für jedes Level, für Kinder außerdem eigene Parcours.
Das Programm verteilt sich auf vier Erlebniswelten: brand festa mit neuen Bikes und Trends, ride festa mit Touren und Testfahrten, people festa mit Begegnungen in der Bike-Community sowie gusto festa mit regionaler Kulinarik.
bikefesta.com


Text — SILVIA OBERRAUCH
Illustration — LAURA NEUHÄUSER
To-do-Liste mit Bergpanorama, Onlinemeeting zwischen Wanderung und Saunaaufguss: Workation klingt nach idealer Balance. Was passiert, wenn der Arbeitsplatz jede Menge Annehmlichkeiten bietet? Wird die Pflicht zum reinen Genuss – oder vermisst man was? Ein Selbstversuch zwischen Yogamatte und Laptop



ir Südtirolerinnen und Südtiroler wohnen dort, wo andere Urlaub machen. Leider arbeiten aber auch wir die meiste Zeit. Also: Warum nicht das Notwendige mit dem Angenehmen verbinden, wenn man schon in der Idylle lebt, frage ich mich – und mache mich auf die Suche nach Hotels mit Smartworking-Facilities. 245 Workation-taugliche Unterkünfte listet das Buchungsportal. Mein Favorit ist mit allem Pipapo ausgestattet: Frühstücksbuffet, Wäscheservice, Sauna. Ich entscheide mich für das Pfunderer Tal, ein mir unbekanntes Seitental mit jeder Menge Gipfel.
Meiner Arbeitgeberin und den Kolleginnen kündige ich vorab meine Pläne an, lasse mir das Placet geben und vereinbare für meinen zehntägigen Aufenthalt verkürzte Arbeitstage. Beherzt packe ich die Koffer, verstaue Bergschuhe und Bildschirm, Ladekabel und Liebesroman – und freue mich darauf, meinem Alltag zu entfliehen. Beim Einchecken ins Hotel lasse ich meinen Blick in die Ferne schweifen, die Berge sind zum Greifen nah. Zuerst versuche ich, meinen neuen Alltag zu strukturieren: Die geführte Sonnenaufgangswanderung lässt sich mit meinen Arbeitszeiten vereinbaren, den geplanten Call am Morgen nach der Weinverkostung verschiebe nach hinten. Nichts lenkt mich ab, zunächst bin ich hochproduktiv. Onlinemeetings schiebe ich zwischen straffender Gesichtsbehandlung und aktivierender Yogastunde, zum Aufguss schaffe ich es allerdings zweimal nur auf den letzten Drücker. Die Grenzen verschwimmen zusehends. Die Tage scheinen perfekt, Workation: die Lösung für alles.
Doch nach einigen Tagen, als sich mein Aufenthalt schon wieder zum Ende neigt, ertappe mich wiederholt dabei, wie ich nicht enden wollende Mails an meine Kolleginnen verfasse. Ich gebe Anekdoten aus meinem Hotelalltag zum Besten: Warum das Pärchen aus Holland der Knödelvariation nichts abgewinnen kann und ich wiederum der Ausrüstung meiner Mitwanderer. Ich habe offensichtlich Redebedarf. Ich fühle mich, ja, einsam. Ich vermisse tatsächlich den mir sonst oft so öde erscheinenden Büroalltag. Den Ratscher beim Kaffee, das kollektive Augenrollen über irrwitzige Anfragen, den kurzen Austausch auf dem Gang. Dem Zimmermädchen biete ich freudestrahlend eine Tasse Tee an, die sie entgeistert, aber höflich ablehnt. Nach einem Guten-Morgen-Flow verwickle ich den Yogalehrer in ein Gespräch: Vor meinen Meetings sei ich immer so nervös, ob die Wechselatmung helfen könne, ob er Erfahrung damit hätte. Einen verständnislosen Blick später verlasse ich hastig den Raum.
Als ich schließlich meine Koffer für die Heimreise packe, überkommt mich Vorfreude auf mein kreatives Umfeld, auf meinen bequemen Bürostuhl – sogar die Büropflanze vermisse ich. Ich bin wohlgenährt, die Haut ist rosig, ich fühle mich fit, aber zehn Tage reichen mir vollkommen. Workation ist eine schöne Abwechslung, die Spaß macht – und interessanterweise auch wieder Lust auf den Büroalltag.

In der kalten Jahreszeit formt die tief stehende Sonne die Landschaft neu. Schatten werden länger, Konturen schärfer –Lieblingsorte erscheinen plötzlich anders


Wenn in Brixen die Dämmerung einsetzt, zeigt der Domplatz seine stärksten Kontraste. Über dem Dom liegt ein tiefblauer Winterhimmel, die beiden barocken Türme zeichnen sich klar davor ab. Während des Weihnachtsmarktes hüllt sich der Platz in eine besondere Atmosphäre: Traditionelle Holzhütten, geschmückte Bäume und funkelnde Lichterketten prägen das Bild. Zwischen den historischen Fassaden entsteht so eine festliche Stimmung.
brixen.org/weihnachten
②
Vom Parkplatz in Meransen führt der Weg zunächst durch einen verschneiten Fichten- und Lärchenwald. Zwischen dunklen Stämmen und weißen Schneeflächen entsteht ein Spiel aus Sonne und Schatten: Sonnenstrahlen dringen durch die Äste, manche Stellen leuchten auf, andere bleiben im bläulichen Halbschatten. Nach wenigen Minuten öffnet sich die Landschaft und der Blick fällt auf das weite Altfasstal, das sich still in Richtung der umliegenden Berge zieht. Ein gut begehbarer Weg, der sich sowohl zum Winterwandern als auch für eine Tour mit Schneeschuhen eignet.

Im Winter geht die Sonne früh unter – gerade das macht eine Abendwanderung so besonders. Während der Weg langsam bergauf führt, verändert sich das Licht von Minute zu Minute. Das Weiß der Landschaft wird sanfter, der Himmel färbt sich von Blau zu Apricot und Orange, und feine Pastelltöne legen sich über die Gipfel. Für einen kurzen Moment scheint die Bergwelt zu glühen. Ein stilles Naturschauspiel. Tipp: Einen besonders schönen Blick bietet der Weg zum Berghotel Schlemmer mit Start an der Bergstation der Kabinenbahn Plose.



Wenn in Natz der Advent beginnt, wird der Dorfplatz von vielen kleinen Lichtern erfüllt. Leuchtende Christbäume und sanfter Kerzenschein, dazu eine Tasse Tee oder Glühwein in der Hand, die wärmt. An vier Freitagen im Dezember lädt das „s’Adventliachtl“ dazu ein, einen Moment innezuhalten. Kurz vor Weihnachten wird es noch einmal besonders stimmungsvoll: beim Adventskonzert am 23. Dezember in der Pfarrkirche von Natz.
⑤ Weißer und goldener Schimmer
Auf der Rodenecker-Lüsner Alm prägt die Sonne auch im Winter die Landschaft. Das Hochplateau ist offen und weit, die Wege verlaufen sanft über die verschneiten Flächen. Dazwischen stehen einzelne Lärchen, deren Stämme und Zweige warm leuchten – goldgelb, manchmal fast rötlich. Wer über das Plateau wandert, erlebt Winter in seiner hellsten Form: klare Fernblicke und eine beeindruckende Weite.

⑥ Hoch über Klausen
Auf dem Heiligen Berg erhebt sich Kloster Säben weithin sichtbar über die Künstlerstadt. Wer den Weg hinaufsteigt, lässt Schritt für Schritt das Tal hinter sich. Unten hält sich im Winter oft noch Nebel, während hier oben bereits die Sonne die Mauern und hellen Steine wärmt. Seit dem 17. Jahrhundert prägt die Klosteranlage mit ihren Kirchen und Kapellen diesen markanten Felsen. Eine kühle Brise, der weite Blick im klaren Licht der kalten Jahreszeit: eine faszinierende Abgeschiedenheit.
klostersaeben.it




Von den ersten Becken in Brixen bis zum Sprung ins Nass vor Klosterkulisse: Historische Aufnahmen zeigen, wie Schwimmen Teil des Alltags wurde –Treffpunkt, Spielplatz und Versprechen von Freiheit.
Ein Sprung in die Anfänge der Badekultur
BADEN MIT AUSSICHT
Dasselbe Becken wie auf der vorherigen Seite zeigt sich hier aus anderer Perspektive – hoch oben am Hang über Barbian. 1967 ließ der Gasthof Bad Dreikirchen eines der ersten Schwimmbäder dieser Größe errichten. Von dort reicht der Blick über Wiesen und Höfe ins Eisacktal bis hin zum Sellastock. Es ist die Zeit der Sommerfrische: Vor allem deutsche Gäste, einige wenige Engländer, kommen herauf, um der Hitze zu entfliehen. Am Beckenrand sitzen auch junge Mitarbeiterinnen aus den umliegenden Dörfern. Zwischen internationalen Urlauberinnen, die mit den neuesten Badetrends längst vertraut waren, wagten sie – mit ihren traditionellen Zopffrisuren – ihre ersten Schwimmzüge. Für Mädchen aus dem Dorf war das ein hart erkämpftes Stück Freizeit und Freiheit.


EIN STÜCK STOFF NAMENS FREIHEIT
„Itsy, bitsy, teenie, weenie, yellow, polka dot bikini“ – was heute nach unbeschwerter Sommerlaune klingt, war eine textile Revolution. Auch in Brixen. Bei den ersten Schwimmversuchen Anfang der 1950er-Jahre trugen manche noch selbst gestrickte Badesachen, während wohlhabendere Familien bereits Badeanzüge aus Stoff besaßen. Doch allzu viel Haut durfte man im katholischen Brixen ohnehin nicht zeigen: Bis 1969 galt ein Bikiniverbot, ausgesprochen vom Bischof selbst. Frauen hatten im Badeanzug zu erscheinen – ganz anders als das Model auf diesem Werbefoto, das selbstbewusst im Zweiteiler vor den Türmen der Pfarrkirche und des Doms posiert.

DAS FREIBAD UND DIE KIRCHE
1971 eröffnete in Feldthurns das Schwimmbad – ein Ort für einen Sprung ins kühle Nass, Sonnen auf der Wiese und lange Nachmittage im Freien. Doch das Baden war nicht von allen im Dorf gern gesehen. Eine Zeitzeugin erzählt im Buch „Wilde Jahre“ (Paul Rösch, Patrick Rina, Edition Raetia, 2025), dass das Treiben auf der Liegewiese von der Kirche als anstößig angesehen wurde. So sah sich der Pfarrer gezwungen, die Prozessionen kurzerhand umzuleiten, damit die teilnehmenden Gläubigen keinen Blick auf die Badenden werfen mussten – oder konnten.
Ein Essay über Südtirols touristische Boomjahre: Mit Zeitzeugen, historischen Bildern und kritischem Blick zeigt das Buch von Edition Raetia Aufstieg und Schattenseiten des Wirtschaftswunders – von der Pionierzeit bis zu heutigen Herausforderungen. Erhältlich unter raetia.com

SONNENBADEN VOR KLOSTERKULISSE
Auf diesem Bild liegen zwei Welten dicht beieinander: unten die neue Lust am Sonnen, darüber die jahrhundertealte Stille des Klosters Säben. In den 1950er- und 60er-Jahren gehörte das Bräunen längst zum Badetag dazu – die zwei Frauen am Beckenrand des Klausner Schwimmbads zeigen es exemplarisch. Manche rieben die Haut mit Öl ein, um schneller braun zu werden, andere vertrauten auf die gute alte „Nivea“-Creme aus der blauen Dose als vermeintlichen Schutz. Die Anlage, 1930 erbaut, blieb bis 1994 an dieser Stelle, bevor sie einem Parkplatz weichen musste.


MUTPROBE AM SIEBENMETERTURM
Kantig ragt er in den Himmel, getragen von einem schmalen Betonpfeiler: der Siebenmeterturm des Brixner Schwimmbads. Drei Plattformen, klare Linien, ein schlichtes Geländer – Nachkriegsmoderne in ihrer selbstbewussten Form. Der Turm war nicht nur Spielgerät, sondern auch architektonisches Zeichen: Fortschritt, Technik, Höhe. Unten auf den gestuften Beckenrändern liegen Badegäste in der Sonne, während oben jemand nicht zu wissen scheint, ob er sich fürchtet oder freut. Im Zuge der Renovierung 2002 verschwand der Siebenmeterturm, denn er galt als zu gefährlich. Geblieben ist heute ein „Fünfer“ – die Mutprobe aber gehört weiterhin zum Sommer.
NASSES JUWEL SEINER ZEIT
Wo einst Ackerland war, wurde plötzlich geplanscht und gelacht. 1958 eröffnete am Nordrand von Brixen das erste tatsächliche Freibad der Stadt – ein Prestigeprojekt des damaligen Bürgermeisters Valerius Dejaco. Mit ihm hielt ein neuer Sommer Einzug in die Bischofsstadt. Technische Neuerungen, moderne Hygienestandards und großzügige Anlagen machten das Bad zu einem Juwel seiner Zeit – nicht nur für Brixen, sondern für ganz Südtirol. Beinahe fünf Jahrzehnte lang blieb es Treffpunkt der Brixnerinnen und Brixner. Erst 2002 entstand hier, am selben Ort, die neue Acquarena.


STARTSCHUSS FÜR DEN SCHWIMMSPORT
Konzentriert stehen die Athleten auf den Blöcken, bereit für den Sprung ins Wasser. Im Hintergrund drückt ein Junge energisch die Daumen. Die Szene stammt aus dem Jahr 1963 und zeigt einen Wettkampf im damals neuen Brixner Schwimmbad. Erst wenige Jahre zuvor, 1956, war die Sektion Schwimmen des SSV Brixen gegründet worden. Trainiert wurde anfangs noch in einem deutlich kleineren Becken im Kurhaus Guggenberg, wo sich das erste Bad der Stadt befand. Vereinsinterne Meisterschaften fanden sogar im Vahrner See statt – dass am Seegrund noch Granaten aus Kriegszeiten lagen, ahnte damals wohl niemand.
Sonnenpark Gitschberg
Erlebnispark Jochtal

Bergbahnen Gitschberg Jochtal
14. Mai – 7. November 2026
Täglich von 8:30 bis 16:45 Uhr
Entdeckt unsere Familienerlebnisse.


❶ Frucht trifft Gemüse
Süß, leicht erdig und mit kräftiger Farbe: Für den Apfel-Rohnensaft vom Tschiedererhof kombiniert Florian Jöchler Golden-Delicious-Äpfel mit Rohnen aus eigenem Anbau. Die natürliche Süße des Apfels verbindet sich dabei mit der milden, leicht erdigen Note der Rohne – ein überraschend ausgewogener Genuss. Die Rote Bete gilt zudem als reich an Vitamin C, Eisen und Kalium. Erhältlich ist der Saft im s’ladele am Tschiedererhof – ebenso wie die Sorten Apfel-Erdbeertraube und Apfel-Birne. Flasche zu 0,7 l, 3,40 Euro.
tschiedererhof.it



❷ Aus Fäden geformt
Was als Wunsch begann, eine eigene Lampe zu gestalten, wurde für Renate Rungger aus Feldthurns zur Leidenschaft. Ohne feste Vorstellung von Form oder Ergebnis entwickelte sie ihre Leuchten Schritt für Schritt – gehäkelt, geschichtet, immer wieder neu gedacht. Die Objekte von sonderLich.t werden individuell geplant und bestehen komplett aus Naturmaterialien. Sanfte Farben filtern das Licht und tauchen den Raum in eine ruhige Atmosphäre. Der passende Eisenrahmen wird in Zusammenarbeit mit einem lokalen Schmied hergestellt. Preis auf Anfrage.
sonderlicht.com
❸ Alpine Aromen Ein London Dry Gin, aber mit Aromen aus dem Eisacktal. Martin Rastner vom Knöspele in Brixen arbeitet seit Jahren mit klassischen Destillaten. Mit der neuen Brennereianlage begann er zu experimentieren. Wacholder und Zitronenthymian aus eigenem Anbau, dazu Zirbenzapfen aus den umliegenden Wäldern sowie frisches Quellwasser geben dem Eisack Valley Gin seinen Charakter. Am Gaumen zeigen sich harzige Noten, der wohltuende Duft der Zirbe und eine frische Zitrusnuance. Unkompliziert und vielseitig –ideal zum puren Genuss oder für Mixgetränke. Flasche zu 500 ml, 35,00 Euro.
knoespele.com




❹ Herbstliche Süße Ein traditionelles Roggenbrot mit Twist: Im Zwetschgenbrot der Bäckerei Niki Back spielt die in Barbian und Umgebung heimische Frucht die Hauptrolle. Dank der Lage entwickelt sie besonders intensive Aromen. Frisch im Herbst geerntet und sorgfältig verarbeitet, verleiht sie dem Brot seinen charakteristischen Geschmack und eine feine natürliche Süße. Auch gut: knusprige ZwetschgenbrotChips für zwischendurch.
niki-back.com
❺ Gipfel des Genusses


Ein großes Fenster gibt den Blick in die Backstube von Arke Pastry Studio in Brixen frei: Hier arbeiten Konditorin Susanne Cattoi und Designer Michi Kiem gemeinsam an Kreationen aus Patisserie und Viennoiserie. Eine davon: der Peitler. Die Idee zum Törtchen entstand bei einer Sonnenaufgangswanderung am Peitlerkofel. Nach diversen Prototypen und Materialtests in Zusammenarbeit mit dem NOI Techpark in Bozen erhielt der Kuchen seine endgültige Form, die seines Namensgebers. Wonach der Peitler schmeckt? Ein Schokomantel überzieht Buchweizenboden, Schokoladenmousse, Preiselbeermarmelade und Latschenkiefer-Karamell. Künftig sollen saisonale Varianten entstehen. Ab 8,00 Euro.
arke.bz.it
❻ Zarte Unikate
Eine berufliche Neuorientierung führte Sarah Volgger vom Büro an die Drehscheibe. In ihrer Werkstatt in Pfunders entstehen heute Becher, Tassen, Schüsseln und Teller – Gebrauchskeramik, gebrannt bei hohen Temperaturen, robust und spülmaschinenfest. Jedes Stück ist ein Unikat. Besonders die Glasuren machen den Reiz aus: Farben und Oberflächen verändern sich im Brennprozess und bringen immer neue Ergebnisse hervor. Auch individuelle Anfertigungen sind möglich. Tassen ab 34,00 Euro.
Die Südtiroler Fotoblogger Judith Niederwanger und Alexander Pichler erzählen die Geschichten hinter ihren Lieblingsfotos
An einem klaren Wintertag brachen wir in Terenten auf, um den Mühlenweg zu erkunden – eine gemütliche Rundwanderung entlang des Terner Bachs. Gleich zu Beginn führte der Weg durch schattige Wälder und über offene Wiesen, begleitet vom leisen Rauschen des Wassers. Nach und nach tauchten sie auf: die Kornmühlen, teils über 500 Jahre alt, am Wegrand gelegen und doch voller Geschichten aus dem bäuerlichen Alltag vergangener Zeiten.
Fünf dieser Mühlen liegen entlang der Strecke, jede ein Zeugnis traditioneller Getreideverarbeitung. Informations-
tafeln erzählen von ihrer Geschichte und der Kulturlandschaft, in die sie eingebettet sind. Und immer wieder öffnet sich der Blick – etwa hinüber zu den markanten Erdpyramiden, die zwischen Bäumen und Hängen hervorstechen.
Ausgangspunkt ist der Parkplatz im Dorfzentrum. Von dort führt die St.-Georgs-Straße zum Einstieg, dann folgt man der Beschilderung. Nach der Überquerung des Bachs schließt sich der Weg über Wiesen zurück ins Dorf – eine rund 4,5 Kilometer lange Wanderung, die sich in etwa eineinhalb Stunden bewältigen lässt.

Judith Niederwanger und Alexander Pichler betreiben gemeinsam das erfolgreiche Wander- und Fotoblog „Roter Rucksack“. Auf der gleichnamigen Facebookseite haben sie über 27.000 Fans, auf Instagram 24.000 Abonnenten. 2026 ist ihr drittes Buch erschienen: „Die schönsten Touren und Fotospots: Südtirol & Dolomiten“ (Raetia) bietet über 40 Routen und Fotomotive in Südtirol.
roterrucksack.com
17–40 mm @ 40 mm f/4,0
1/250 s
Aufgenommen am 18.01.2020 um 11:15 Uhr











