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MarktImpulse 2/21

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2021 N°2

DE/AT 8,50 € CH 9,20  SFR

als Website er Wegweis

Kinoerfolg Roman Geiselhart aus Reutlingen fand Auszubildende mithilfe von Werbespots

Verspielte Architektur Kreative Spielplätze unter der Erde, in luftigen Höhen und mitten in der Stadt

Von Natur aus gut Wir alle sind viel besser, als wir glauben! Weshalb es sich menschlich – und wirtschaftlich – lohnt, das Gute nicht nur zu sehen, sondern auch zu säen

Online-­ für alle te von o b e g n a Brillux


Brillux TopGuard 280; mehr auf Seite 53


Cover: shutterstock.com (Bayanova Svetlana, irin-k, Nella, Dimedrol68, OSTILL is Franck Camhi, Butterfly Hunter, Serg64); Foto S. 03: Mirko Lehnen

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Ganz großes Kino Nachwuchssorgen? Die gehören im Reutlinger Malerbetrieb ANTON ­GEISELHART der Vergangenheit an. Seit Geschäftsführer Roman Geiselhart seine Auszu­bildenden mit gewitzten Kinospots akquiriert, hat Ausbildungsleiter Harald ­Roßmeißl (Foto) alle Hände voll zu tun, wenn er Techniken wie das Schablonieren lehrt. Mehr auf Seite 38


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INHALT

38 06 In schimmernder Rüstung Mikroaufnahme einer Goldwespe

08 Türkis Farbfakten

10 Von tierisch guten Menschen … und ziemlich menschlichen Tieren Schwerpunkt: Der Mensch ist gut

18 Gemeinsam für die Herzenssache Kurzporträts über ausgefallene Vereine

22 Abschied und Aufbruch Reportage Betrieb Schaumburg, Essen

28 Was macht für Sie einen guten Menschen aus? Betriebsumfrage

32 Illusionen zaubern Serie „Historisches Handwerkszeug“

34 Quartier der Wissenschaft Baustellenporträt CampusQuartier, Osnabrück

38 Maler sucht den Superstar Reportage Betrieb ANTON GEISELHART, Reutlingen

10 Schwerpunkt: Der Mensch ist gut


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48 46 So revolutionieren Sie Ihre Werbung

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Betrieb im Fokus

48 Spiel der Superlative Fotostrecke über kreative Spielplätze

58 Wegweisende Website 52 Sicherer, schneller, simpler Branchennews und -trends

Onlinewelt der Brillux Akademie

60 Gut geplant – Zeit gespart 54 „Alles auf eine Karte“ Interview mit Existenzgründer Emanuel Eduardo

56 „Papa, wir müssen ins Internet!“

Praxistipps aus der Brillux Akademie

62 Schulprojekt mit Perspektive „Deine Zukunft ist bunt“ – Betrieb trifft Schule

Was geht ab in Web und App?

66 Freundliche Floskel als besondere Botschaft

Editorial Eine Handvoll Blumensamen macht natürlich noch ­keinen Garten. Aber es ist der Beginn von etwas Größerem. ­Lassen Sie die beigefügten Körnchen also in Ihrem Betrieb aufblühen! Sie fungieren aber zugleich auch als Metapher: Denn wer Gutes sät, bringt das Beste in anderen zutage. Was ein klein wenig pathetisch klingt, ist auch eine G ­ eschäftsstrategie. Schon kleinste Verände­rungen lösen im Team eine positive Kettenreaktion aus. Und das wiederum macht das Arbeiten in Ihrem Betrieb noch schöner und produktiver.

Anblick


Foto: shutterstock.com (Tomatito)

06 MARKT IMPULSE  2021 N°2


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In schimmernder Rüstung G O L D W E S P E ( C H R Y S I D I D A E ) Fremdartig wirkt dieses Wesen, so als stamme es nicht von dieser Welt. Und doch lebt es mitten unter uns: Die Goldwespe schwirrt durch unsere Gärten, um Nektar und Pollen zu sammeln. Mit ihrer Größe von kaum fünf Millimetern bleibt sie dabei meist unbemerkt, allenfalls ein metallisches Aufblitzen im Sonnenlicht verrät sie. Die Nahaufnahme, für die Fotos aus dem Mikroskop geschichtet wurden, zeigt: Ihre Farbe changiert, je nach Blickwinkel, von Blaugrün und Violett bis hin zu Feuerrot und goldenen Schattierungen. Grund dafür ist die Struktur des Chitinpanzers, die das Licht bricht und reflektiert. Gefährlich ist die Wespe übrigens nicht: Sie besticht bloß mit ihrer Schönheit, stechen kann sie nicht.


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FARBE

Türkis Seltene Spezies: Der Türkis-Zwerggecko lebt auf einer Schraubenbaumart, die nur im Osten Tansanias wächst. Da die Geckos aufgrund ihrer Färbung – die Männchen sind türkis, die Weibchen bronzefarben – beliebte Haustiere sind, ist die Art vom Aussterben bedroht.

Karibischer Charme im Mittelmeer: Seit Jahrtausenden spült die Meeresströmung fein zermahlene Muschelschalen an den Strand der griechischen Insel Elafonisi vor der Küste Kretas. Das färbt den Sand rosa und verwandelt die türkisfarbene Lagune so zu einem der schönsten Bade­ plätze weltweit.

Smaragdgrün  GRÜNSPAN

Fotos: Shutterstock (Eric Isselee, DaLiu, Daria Volyanskaya, artform, Var-Var); Alamy (Viennaslide)

Pool, Meer, Himmel – Türkis ist die Ferien­ farbe schlechthin. Sie vereint anregendes Blau und beruhigendes Grün und steht für Gleichgewicht. Die Bezeichnung „Türkis“ entstand aus einem Irrtum: Die Menschen nannten das Mineral so, weil sie glaub­ ten, es würde in der Türkei abgebaut. Doch dort führte nur der Handelsweg entlang, ­ursprünglich stammt der Türkis aus Persien


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Das Mineral ist ein KupferAluminium-Phosphat, das ausschließlich zu Schmuck verarbeitet wird. Vor allem mächtige Männer hatten eine Vorliebe für Türkis: Der ­ägyptische Pharao Tutanch­ amun, die Herrscher im Reich der Azteken und die Könige der antiken chinesischen Shang-Dynastie trugen es.

Wie wollen wir wirklich wohnen? Der spanische Architekt Ricardo Bofill beantwortete diese Frage 1975 mit dem Apartmenthaus Walden 7. Das aus 18 rötlichen Türmen und sieben türkisen Innenhöfen bestehende Gebäude nahe Barcelona ist vor allem bekannt für den starken Zusammenhalt seiner über tausend Bewohner.

Bei ihrer Einweihung 1886 war Lady Liberty in eine matte rötliche Kupferfärbung gehüllt, die sich aufgrund der Oxidation über die Jahre verfärbte. Alle Vorschläge, die Patina zu überstreichen, wurden von den New Yorkern strikt abgelehnt. Also grüßt die Freiheitsstatue weiterhin im grünen Gewand.

Stilkarte zur Farbe Nordisches Petrol Warum nicht zur Abwechslung eine Wand in Türkis? Die Farbe lädt laut Farbpsychologen unseren Geist in Zeiten von Stress und Müdigkeit wieder auf und lindert sogar das Gefühl von Einsamkeit. Als Komplementärfarbe zu Rot und Violett steht sie zudem für innere Balance und Gleichgewicht sowie ­emo­tionale Kontrolle.

GRÜNBLAU

Eisgrün  Seegrün  Türkisgrün  A Q U A M A R I N   C y a n b l a u


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Homo sapiens

1. 2.


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1. Tauschfreudige Krebse 2. Fürsorgliche Vögel 3. Mütterliche Wespen

Von tierisch guten Menschen … Illustrationen: shutterstock.com (rudall30, Melok, Dn Br, IADA, Bodor Tivadar)

… und ziemlich menschlichen Tieren Egoistisch und nur am eigenen Vorwärtskommen interessiert: Diese Eigenschaften schreiben wir nicht nur dem ein oder an­ deren Tier zu, wir unterstellen sie gern auch dem Menschen. Und tun damit beiden Unrecht! Warum wir alle besser sind, als wir denken – und wie der Glaube an das Gute im Menschen Unternehmen noch erfolgreicher macht

4.

Schwerpunkt: Der Mensch ist gut

3.

4. Aufopferungsvolle Ameisen


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Polistinae Mütterliche Feldwespen Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen. Das gilt nicht nur bei den Menschen, sondern auch bei den Feldwespen. Hier bauen nicht miteinander verwandte Insekten gemeinsame Nester, in denen ein ausgewähltes Weibchen Junge produziert, die von all ihren kinderlosen Mitbewohner­innen gemeinsam aufgezogen werden.

E

insiedlerkrebs in der Karibik müsste man sein! Und das nicht nur, weil die Einsiedlerkrebse an schönen Stränden leben, sondern vor allem, weil sie so fair und freundlich miteinander umgehen. Zum Beispiel bei der Wohnungssuche: Da die Wassertiere aufgrund ihres Wachstums immer wieder ein neues Zuhause brauchen, richten sie regelmäßig eine Tauschbörse am Strand ein. Wird dann ein neues Schne­ ckenhaus an die Küste gespült, stellen sich die Krebse der Reihe nach auf. Dann wird geduldig anprobiert, bis jeder das passende Mobilheim gefunden hat. Man stelle sich so ein Vorgehen im umkämpften Immobili­ enmarkt einer deutschen Großstadt vor – undenkbar. Typisch egoistischer Mensch eben, könnte man da zynisch denken. Aber halt: Ist das wirklich so typisch für uns? Eben nicht! Die Spezies Mensch sei sogar viel eher zum „Homo socialis“ als zum „Homo oeco­ nomicus“ geboren und damit sehr viel mehr an sozialem Miteinander interessiert,

als uns das oft bewusst sei, erklärt Anne Böckler-Raettig, Psychologieprofessorin an der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover. Und dieses Verhalten ist uns bereits in die Wiege gelegt: Schon Säug­ linge im Alter von sechs Monaten haben eine Art moralischen Kompass und kennen scheinbar den Unterschied zwischen Gut und Böse. Das ergaben Studien der als „Babyerforscherin“ bekannten US -Psy­ chologieprofessorin Kiley Hamlin. Als sie Säuglingen ein Schauspiel mit Handpup­ pen vorführte, in dem es einen Hilfsbe­ reiten und einen Frechdachs gab, war das Ergebnis erstaunlich: Nahezu alle Testbabys griffen nach der kooperativen Figur. Unser Gerechtigkeitssinn entwickelt sich dann mit etwa sechs bis sieben Jahren, fanden Wissenschaftler/-innen der Universitäten Erfurt und Zürich heraus. Kindern in diesem Alter ist es enorm wichtig, dass jeder ihrer Spielkameraden gleich viel von einem Gut erhält. Was vielleicht der Grund dafür sein könnte, dass in einer Gummibärchentüte 84 Stück warten – und nicht 85. Das Gute bleibt Werden wir erwachsen, wird das Unter­ scheiden von Gut und Böse zwar etwas komplexer, aber eines bleibt den meisten von uns erhalten, weiß Anne BöcklerRaettig: „Wir Menschen sind so gepolt, dass – wenn uns die Umwelt nicht ganz hart reingrätscht – wir uns um andere küm­ mern.“ Die 39-Jährige forscht zu zwischen­ menschlichem Verhalten und ­besonders

„Wir leben in der reichsten, sichersten (...) Ära aller Zeiten.“ Rutger Bregman, Autor und Historiker


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„Wir wollen, dass es anderen gutgeht, (…) und wir fühlen uns besser, wenn wir füreinander einstehen.“ Anne Böckler-Raettig, Psychologieprofessorin

Anne Böckler-Raettig, 39, ist Professorin am Institut für Psychologie der Gottfried ­Wilhelm Leibniz Universität Hannover. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf den Prozessen des sozialen Verstehens wie Blick­ verarbeitung und prosozialem Verhalten

Porträtfoto: Daniel Peter Illustrationen: shutterstock.com (Bodor Tivadar (2x), Aurelija Diliute, IADA)

Besser, als wir glauben Und trotzdem haben wir mitunter ein schlechtes Bild von unserer eigenen Gat­ tung. Woher kommt das? „Wir haben einen wahnsinnig hohen Anspruch. Wir erwarten, dass ein guter Mensch immer, in jeder Situ­ ation und jedem gegenüber, auch gut und makellos ist. Unterläuft ihm mal ein Fehler, trennt er mal den Müll nicht oder motzt unter Stress seine Kinder an, dann fällt er schon aus dieser Kategorie“, beschreibt Anne Böckler-Raettig. „Trotz des positiven Effekts, den das Gutsein auf uns hat – weil wir unsere eigene Wirksamkeit erleben, po­ sitiv bestätigt werden und uns anderen ver­ bunden fühlen –, glauben wir oft nicht, dass andere Menschen ebenso „gut“ handeln“. Das liegt daran, dass der menschliche Blick für das Schlechte sensibler ist. Wir nehmen an, dass das Schlechte öfter auftritt, als dies real der Fall ist. Ein Automatismus, der auf allen Kontinenten zum Tragen kommt, was 2018 der schwedische Arzt und Zukunfts­ forscher Hans Rosling bewies. Für seine Studien stellte er Menschen aus 30 Ländern die Frage: „Glauben Sie, dass die Welt besser wird, schlimmer wird oder bleibt, wie sie ist?“ Stets urteilte eine Mehrheit

Schwerpunkt: Der Mensch ist gut

zu Prosozialität, also dem Verhalten, das wir an den Tag legen, wenn wir das Wohl­ ergehen eines anderen Menschen aus freien Stücken steigern wollen. Ihre simple wie schöne Erkenntnis lautet: „Wir wollen, dass es anderen gut geht, wir wollen ihnen helfen und wir fühlen uns besser, wenn wir füreinander einstehen.“

Camponotus cylindricus Aufopfernde Ameisen Bei dieser baumbewohnenden südostasiatischen Ameisenart steht der Schutz des eigenen Stammes über allem, sogar über dem eigenen Leben: Werden die Tiere von Feinden attackiert, explodieren die Mandeldrüsen der Arbeiterinnen und überziehen die Angreifer mit einem giftigen Sekret.


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28,8 Mio. Menschen in Deutschland engagierten sich im Jahr 2019 ­ehrenamtlich (Fünfter Deutscher Freiwilligensurvey, BMFSFJ )

beim geringsten Anlass einstürzt, sei falsch, so Bregman. Gerade in herausfordernden Situationen können wir uns a ­ ufeinander verlassen. Diese These untermauern Wissenschaftler/-innen des Disaster ­Research Center in Delaware. Sie werteten fast 700 Feldstudien zu menschlichem Verhalten aus und kamen zum gleichen Ergebnis wie Buchautor Bregman, der sagt: „Gerade in schwierigen Situationen kommt das Beste von uns zum Vorschein. Statt in Panik zu geraten, handeln Menschen besonders im Katastrophenfall eher ruhig, großzügig und prosozial.“

von mehr als 50 Prozent: Es wird immer schlimmer. In Wirklichkeit ist es umgekehrt. Aber die wenigsten Menschen wissen das. Sie sind pessimistisch, lieben dramatische Nachrichten und übersehen deshalb syste­ matisch hoffnungsvolle Fakten, so Roslings Erkenntnis. Made in Hollywood Die These, dass wir in der reichsten und sichersten Ära aller Zeiten leben, vertritt auch Autor Rutger Bregman. In seinem Buch „Im Grunde gut“ plädiert der nieder­ ländische Aktivist für einen optimistischeren Blick auf uns alle, die Menschheit. Bregman hat verschiedene historische Gegebenhei­ ten recherchiert, mit denen er den Beweis für das Gute im Menschen erbringt. So skiz­ ziert er in seinem Buch die in Vergessenheit geratene Geschichte von sechs Jugendli­ chen, die 1965 auf einer als unbewohnbar geltenden Südseeinsel strandeten und bis zu ihrer Rettung dort 15 Monate freund­ schaftlich, einander unterstützend zusam­ menarbeiteten. Sie legten gemeinsam einen Gemüsegarten an, bauten ein Regenauf­ fangbecken und ein improvisiertes Fitness­ studio – anstatt sich wie im Romanklassiker „Herr der Fliegen“ von William Golding, der mit der gleichen Ausgangsszenerie operiert, gegenseitig umzubringen. Diese Annahme, die auch vielen Katastro­ phenfilmen zugrunde liegt, nämlich dass die Zivilisation eine dünne Fassade sei, die

Coenobita clypeatus Tauschfreudige Krebse Karibische Landeinsiedlerkrebse leben das Motto „Mein Haus ist dein Haus“: Wird ein schönes Schneckenhaus an den Strand gespült, stellen sich die Krebskumpel brav, der Größe nach sortiert, in eine Schlange, um es in Ruhe anzuprobieren. Passt es einem Krebs optimal, tauschen die anderen so lange ihre schmucken Mobilhäuser untereinander, bis alle ein passendes Eigenheim haben.


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„Unser Gehirn belohnt uns dafür, wenn wir Gutes tun.“ Anne Böckler-Raettig, Psychologieprofessorin

Illustrationen: shutterstock.com (Melok, Bodor Tivadar, dimitris, Dn Br)

Es braucht jedoch nicht immer gleich eine Katastrophe, damit wir füreinander ein­ stehen. Prosoziales Verhalten ist vielmehr ein fester Bestandteil unseres Alltags: Über 28,8 Millionen Menschen in Deutschland, das sind 39,7 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren, engagierten sich im Jahr 2019 aus freien Stücken und mit viel Herzblut ehrenamtlich, so das Ergebnis des Freiwil­ ligensurveys des Bundesfamilienministeri­ ums. Viele trainieren Kinder, lesen kranken Menschen im Hospiz vor, hören zu, enga­ gieren sich für Geflüchtete oder löschen Feuer. Ganze Bereiche des gesellschaftli­ chen Lebens – in Sportvereinen, Kultur, Na­ turschutz oder Feuerwehr – würden ohne die Freiwilligen, die Zeit und Arbeitskraft zum Wohle der Allgemeinheit einsetzen, nicht funktionieren. Wir sind wichtig für andere Für aufwendiges Engagement in der Freizeit fehlt Selbstständigen oft schlicht die Zeit. Dafür leisten Handwerker schon in ihrer Eigenschaft als Arbeitgeber einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag – wie wir in der Herbst-Ausgabe unter dem Titel „Gekommen, um zu bleiben“ aufzeigten. Betriebe auf dem Land nehmen häufig die Rolle eines „sozialen Integrators“ ein, indem sie vermeintlich abgehängte Jugendliche ausbilden und dank Arbeitsplätzen die Verödung ganzer Dörfer verhindern. Oder indem sie, wie Manfred Marxen (siehe S.  17), dafür kämpfen, dass dem ­Malerhandwerk

Fürsorgliche Vögel Der Graufischer ist ein afrikanischer Eisvogel, der in Uferbänken, etwa entlang des Nils, nistet. Da die brütenden Weibchen oft Opfer von Schlangen und Waranen werden, gibt es einen Männchenüberschuss. Heranwachsende Graufischer werden dann zu Pateneltern und unterstützen die Mütter bei der Aufzucht der Jungtiere, indem sie ihnen Fisch bringen und das Nest verteidigen.

nicht der Nachwuchs ausgeht. „Uns nütz­ lich zu machen, macht uns wahrhaftige Freude. Unser Gehirn belohnt uns dafür, wenn wir Gutes tun“, betont Anne Böck­ ler-Raettig. Und doch kann sich dieses innere Bedürfnis nur dann voll entfalten, wenn es auch die passende Umgebung vorfindet. Vor allem Führungskräfte können viel dafür tun, dass sich in ihrem Betrieb ein Klima der Prosozialität einstellt, von dem letztlich alle profieren. Die Exper­ tin hat deswegen auf der nächsten Seite drei Tipps für einen „guten“ Chef.

Rutger Bregman, 33, ist ein niederländischer Aktivist, Historiker und Autor. In seinem Buch vertritt er die These, dass der Mensch von Natur aus gut und auf Kooperation ausgerichtet sei. „Im Grunde gut“, Rowohlt, 480 Seiten, 24 €

Schwerpunkt: Der Mensch ist gut

Ceryle rudis


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Tipp 2 Bleiben Sie Teamplayer

Tipp 1 Unterstützen Sie die Unterstützer Ermuntern Sie Ihre Mitarbeiter/-innen, die sich für die Firmenkultur einsetzen, indem Sie zeigen, dass so ein Handeln erwünscht ist und von Ihnen wahrgenommen wird. Geben Sie Ihren Mitarbeitern Feedback, wenn Sie es gut finden, dass sie Feiern or­ ganisieren, den Aufenthaltsraum herrichten oder den Geburtstagskalender pflegen. Das sind keine Tätigkeiten, die „eigentlich in die Freizeit gehören“ oder „nichts wert sind“, sondern Aktionen, die Ihnen und Ihrem Unternehmen langfristig guttun. Denn: In einem Betrieb, in dem sich das Team untereinander offensichtlich wertschätzt, kündigen Kollegen seltener und gehen mo­ tivierter ihrer Arbeit nach.

Menschen, die sich als Team begreifen, sind hilfsberei­ ter. Spielen Sie niemanden gegeneinander aus, indem Sie nur die „Fleißigen“ loben. Zeigen Sie, dass Sie Ihre Leute als Gemeinschaft begreifen, die sich hilft und austauscht. Geben Sie allen die Gelegenheit, voneinan­ der zu lernen. Menschen helfen am ehesten, wenn sie sich kompetent und angesprochen fühlen. Überlegen Sie sich, wer wen unterstützen könnte, und sprechen Sie Einzelne direkt an. Wichtig: Machen Sie die Hilfe sichtbar und zelebrieren Sie Erfolge. Etwa, wenn die Auszubildende die Prüfung besteht, weil ihr alle Team­ mitglieder etwas beigebracht haben. Wenn Menschen spüren, was ihr Handeln bewirkt, hat das große Macht.

Seien Sie ein wahrhaft guter Chef

Tipp 3 „Wenn ich eine Atmosphäre des Miteinanders kultivieren möchte, dann darf ich es mir als Führungskraft auch nicht zu leicht machen“, so Böckler-Raettig. Menschen merken, wenn es lediglich bei markigen Worten bleibt: „Was Gutes anzufangen kostet uns etwas. Sei es Zeit, Geld oder auch Mut. Und das hat immer einen Wert und wird immer gesehen.“ Helfen Sie in Ihrer Freizeit einem Mitarbeiter oder geben Sie jemandem, der es nicht leicht hat, eine Chance mit einer Ausbildung. Weil prosoziales Verhalten nachweislich ansteckend ist und wir dieses besonders dann an den Tag legen, wenn es uns auch selbst zuteilwurde, starten Sie durch Ihr Vorgehen einen Engelskreis – das Gegenteil eines Teufelskreises. Menschen brauchen Mentoren, so die Psychologieprofessorin, um ihre soziale Seite zu entdecken und auch ausleben zu können. Denn die lösen, gerade bei Heranwachsenden, einen Anschub­ effekt aus: „Die Bereitschaft zum Helfen ist zwar ganz tief in uns verankert, aber bei der Form der Ausgestaltung spielen Vorbilder eine große Rolle.“ Und die wiederum finden wir in der Familie und im Freundeskreis, wir finden sie aber auch im Job. Wir können uns frei dafür entscheiden, Vorbildern zu folgen und selbst eines zu werden. Und diese Fähigkeit besitzt der – wenn auch vorbildlich freundliche – Einsiedlerkrebs nicht.

Porträtfoto: privat Illustration: shutterstock.com (rudall30)

Fordern Sie sich selbst


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„Ich habe ein Malerherz“

Herr Marxen, die Auszubildendenzahlen in Ihrer Region steigen. Weshalb? Wir haben einen sehr guten Zulauf an Auszubildenden hier oben im Norden, das stimmt. Das liegt zum einen sicherlich an unserer Akquise. Wir haben begriffen, dass sich die Zeiten geändert haben: Früher kamen die jungen Leute an die Betriebstür und fragten, ob sie eine Lehre beginnen dürfen. Heute sind wir diejenigen, die an die Tür klopfen. Wir müssen Werbung machen und direkt in die Schulen rein. Wir bieten dreitägige Kurzpraktika an, damit die Schüler/-innen in die reale Praxis rein­ schnuppern. Womit ich mir auch sehr viel Mühe gebe, sind Referate über den Beruf des Malers. Bevor das Schuljahr endet, halte ich die bei Abendterminen und beantworte interessierten Eltern und Jugendlichen alle Fragen zu dem Beruf. Das ist wichtig, wir brauchen Nachwuchs. Zum anderen glaube ich, dass sich unser toller Zusammen­ halt, die enge Betreuung der Azubis und unser guter Draht zu den Berufsschulen auszahlt. Ich telefoniere wöchentlich mit den zuständigen Lehrkräften in Schleswig und Flensburg. Ich bin also zu jeder Zeit über die Entwicklung aller Azubis informiert. Die sind bei uns nie nur eine Nummer: Ich kenne alle beim Namen und bin vom ersten Händeschütteln bis zum „Herzlichen Glück­ wunsch“ beim Gesellenbrief ganz nah dabei. Sie leiten die überbetriebliche Ausbildung. Was wird dort vermittelt? In diesen drei Wochen pro Lehrjahr lehren wir Techniken, die in den Firmen leider oft nicht mehr gemacht werden, die aber sowohl prüfungsrelevant sind als auch das Malerhandwerk ausmachen. Hier erklären wir spezielle Methoden wie Plot­ terarbeiten, stellen Schablonen her und arbeiten mit Intarsien, also beispielsweise

eine Bordüre in einer anderen Farbe heraus­ zuschneiden. Diese Fertigkeiten von früher lernt der Nachwuchs bei mir. Aber gleichzei­ tig, und das ist mir auch wichtig zu erwähnen, gehen wir mit der Zeit und der Entwicklung und nutzen moderne Technik. Deswegen arbeiten wir durchaus auch am Laptop – die Mischung macht es! Sie nehmen die Gesellenprüfung ab, leiten Leistungswettbewerbe und werben seit über zehn Jahren mit viel Leidenschaft für das Malerhandwerk. Was motiviert Sie? Ganz viele der Auszubildenden, denen ich damals die Prüfung abgenommen habe, sind mittlerweile ebenfalls im Vorstand der Malerinnung oder haben sich erfolgreich selbstständig gemacht. Daran merke ich, dass ich langsam alt werde! Im Ernst, da ist natürlich auch ganz viel Stolz dabei. Ich sehe, dass das, was ich tue, langfristig Früchte trägt. Wenn ehemalige Auszubildende einfach spontan auf einen Kaffee in der Malerschule vorbeikommen und erzählen, was aus ihnen geworden ist, berührt mich das. Da bin ich mit dem ganzem Herzen dabei. Ich sage gerne: Ich habe ein Malerherz, seit 1976 – da habe ich meine Ausbildung begonnen. Und so ein Malerherz braucht man definitiv, um diesen Job zu machen.

Manfred Marxen, 60, Gesellenprüfer und Ausbilder der Maler- und Lackier-Innung Flensburg-Schleswig. Er verantwortet den Bereich „Ausbildung“ der Innung und ist für die überbetriebliche Ausbildung an der innungseigenen Malerschule „Am Harnis“ in Flensburg zuständig

Schwerpunkt: Der Mensch ist gut

Manfred Marxen verantwortet die Abteilung „Ausbildung“ der Innung Flensburg-Schleswig. Seine Taktik, um die Jugend zu begeistern: alte Techniken, persönliches Engagement und große Herzlichkeit


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Gemeinsam für die Herzenssache „You’ll never walk alone“, diesen Song singen Fans in Fußballstadien auf der ganzen Welt. Die Botschaft taugt auch als Motto für die Vereinsidee: Menschen, die für eine Sache brennen, tun sich zusammen, um ihre Leiden­ schaft auszu­leben. Und Mitstreiter finden sich für die abwegigsten Ideen


Schwerpunkt: Der Mensch ist gut

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600.000 Vereine gibt es in Deutschland

Fotos: pexels (Matheus Bertelli); jugger.de; shutterstock.com (mhatzapa, Sahara Prince, Savvapanf Photo, artplay)

Quelle: „Zivilgesellschaft in Zahlen“ (ZiviZ GmbH)

Nahkampf um ­ einen Schaumstoffschädel Es mag nach einer wilden Prügelei aussehen, doch in Wirklichkeit ist Jugger ein Mannschaftssport, der ein wenig an Rugby erinnert. Und so funktioniert’s: Ein Team mit fünf Spielern versucht den Jugg – einen 30 Zentimeter langen und 12 Zentimeter breiten Spielball aus Schaumstoff, der an einen Hundeschädel erinnert – ins Torfeld des gegnerischen Teams zu bringen. Mit selbst gebastelten Stangen und Ketten halten sich die Rivalen in Schach. Weil die Waffen dick gepolstert sind, gibt’s hinterher höchstens blaue Flecken. Inspiriert wurde das vermeintliche Gemetzel vom Science-Fiction-Streifen „Jugger“. Lust bekommen? Der erste Verein wurde in Berlin gegründet, heute wird deutschlandweit zwischen Kiel und Konstanz gejuggert.

JUGGER Ort: Berlin Gründungsjahr: 1998 Motto: Die wollen doc nur spielen Website: jugger.de

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C-BASE Ort: Berlin

jahr: 1995 Gründungs r für die Motto: Labo gen or m Welt von base.org Website: c-

Wussten Sie, dass der Berliner Fernsehturm in Wahrheit die Antenne einer abgestürzten Raumstation ist? Mit großem Elan zelebriert der Verein c-base, der in exakt dieser „Antenne“ im Herzen Berlins zuhause ist, diese fantastische und nicht ganz ernst zu nehmende Erzählung. Die c-base ist ein Hackerspace – ein Treffpunkt für Computerfreaks, Bastler und Tüftler. Hier gibt es Workshops, Ausstellungen, Stammtische, Performances, Partys und vieles mehr. Wer Apps entwickeln, Roboter bauen oder Programmiersprachen lernen will, kann sich ausprobieren und Kontakte knüpfen. Übrigens auch mit Außerirdischen – die sind donnerstags ausdrücklich zum gemütlichen Beisammensein eingeladen.

In 90.000 Sportvereinen sind

27 Mio. Menschen aktiv

Quelle: Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)

Asphalt-Cowboys auf dem Bobbycar Für viele ist das Bobbycar das erste Auto des Lebens, manch einer bleibt dem Flitzer aber länger treu. Es gibt sogar Rennen für ­Erwachsene, organisiert vom Bobby-CarSport-Verband e.  V. Mit Motorradkluft, Protektoren und Helm stürzen sich Wagemutige von der Startrampe und düsen mit bis zu 100 km/h Hügel hinunter. Gebremst wird klassisch mit den Füßen. Ganz klar: Für diesen Sport braucht man starke Nerven. Bei der CO2-Bilanz haben die Bobbycar-Piloten auf jeden Fall die Nase vorn – denn Motoren sind laut Reglement verboten.

B O B B Y -C A R S P O R T -V E R B AN Ort: Kirchheim am Gründungsjahr

Neckar

: 2010 Motto: mit Karac ho ins Ziel Website: bobbyc arclub.com

D

Fotos: c-base e.  V. (2x); picture alliance / imageBROKER | STELLA; shutterstock.com (Sahara Prince, Savvapanf Photo, artplay); streetbunnycrew e.  V.; Porträt: Danielle Gluns

Spielplatz für Hacker


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Plüschkommando mit Herz

S T R E E T­ BUNNYC RE

W

Ort: Nürnb erg Gründungs jahr: 2013 Motto: mit Humor die Welt ein Stückc hen besser machen Website: st reetbunnyc rew.net

„Ein zweites Zuhause“ Deutschland gilt als Land der Vereine. ­Welche Funktionen erfüllen sie? Ganz wichtig ist: Vereine sind für viele ein zweites Zuhause. Man kennt sich, trifft sich regelmäßig und weiß, wo man hingehört. Immer wieder gründen sich neue Vereine, andere haben Nachwuchssorgen. Wie passt das zusammen? Vereine reagieren auf gesellschaftliche Ver­ änderungen. Manche Idee hat irgendwann ausgedient – Männergesangsvereine finden kaum noch Zuspruch, gegründet werden dagegen Vereine für Carsharing, Urban Gardening oder auch Schulfördervereine. Richtig schwierig ist es oft in ländlichen Gebieten, aus denen Menschen wegziehen. Dort finden sich kaum Mitstreiter. Hat sich die Vereinskultur verändert? Abgesehen von klassischen Sport- oder Gesangsvereinen wurden Vereine lange Zeit gedanklich in die Gartenzwerg- und Niedlichkeitsschublade gepackt. Das ist

aber vorbei. Viele Vereine sind heute sehr groß und haben als angeschlossene Organisationen gemeinnützige GmbHs gegründet. In Hamburg gibt es zum Beispiel einen Sport­ verein, der eine Kita betreibt. Vereine professionalisieren sich zusehends, auch weil die Bürokratie zugenommen hat. Mit Sponsoren oder der Verwaltung lief früher viel per Handschlag. Heute geht nichts ohne Formulare. Deshalb sind auch die Anforderungen an Vereinsvorstände immens gestiegen. Wegen Corona bleibt derzeit in vielen Vereinsheimen das Licht aus. Überstehen die Vereine die Krise? Bisher gibt es keine Austrittswelle. Aber ob sich die Men­ schen wirklich an ein Leben ohne Vereinsalltag gewöhnt haben oder ob ihnen die Einsamkeit doch so sehr auf den Keks geht, dass es wieder mehr Schub für Vereine gibt, wird die Zukunft zeigen.

Prof. Dr. Annette Zimmer, 66, ist Expertin für Vereine, sie forscht und lehrt an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

Schwerpunkt: Der Mensch ist gut

Nein, diese rosa Hasen feiern keinen Junggesellenabschied. Die Streetbunnycrew macht sich stark für Menschen, bei denen das Glück schon lange nicht mehr angeklopft hat. Die Motorradfahrer unterstützen Kinderund Jugendprojekte, Anlaufstellen für Obdachlose und Unfallopfer. Auf Ausfahrten und mit Info-Ständen werben die Bunnys in ihren Kostümen für die gute Sache. Sie machen sich gern zum Hasen – denn mit guter Laune lässt es sich viel besser Spenden sammeln. Lokale Gruppen gibt’s übrigens in verschiedenen Regionen Deutschlands.


Retterinnen des Familienunter­ nehmens: Jessica Schaumburg führt den Essener Malerbetrieb nun in dritter Generation weiter. Mutter Monika Schaumburg steht ihr dabei zur Seite

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Fotos: Daniel Elke

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Das Ende für den Malerbetrieb Schaumburg in Essen war längst besiegelt. Nach dem Tod des Vaters entschloss sich die Tochter, das Unternehmen doch weiterzuführen. Jessica Schaumburg hat nun eine Doppelrolle inne: als Chefin und als Auszubildende

W

enige Wochen nach dem Tod ihres Vaters saß Jessica Schaumburg in ihrer Kölner Wohnung und grübelte. Die studierte Wirtschaftspsychologin dachte an ihre Kindheit im Familienbetrieb und an die vielen Baustellen, die ihr als Abenteuerspielplatz gedient hatten. Sie erinnerte sich auch daran, dass sie als Jugendliche ernsthaft überlegt hatte, Innenarchitektur zu studieren. Der 27-Jährigen kam der Gedanke: „Ein eigener Malerbetrieb geht ja in eine ähnliche Richtung. Zudem gibt es keinen besseren Geruch als den von frisch gestrichener Farbe.“ Während Jessica Schaumburg diese Überlegungen anstellte, war der Verkauf des „Malerbetriebs Schaumburg“ an ein Unternehmen aus dem benachbarten Bochum längst beschlossene Sache. „Das hatte alles noch mein Vater in die Wege geleitet“, erklärt sie. Als Rolf Schaumburg mit über

70 Jahren in Rente gehen wollte, hatte er damit begonnen, seinen Betrieb Schritt für Schritt zu verkleinern. Ohne einen Nachfolger gefunden zu haben, ging es ihm vor allem darum, das Unternehmen vernünftig abzuwickeln. „Mein Mann hatte mal drei Sekretärinnen beschäftigt“, erinnert sich Jessica Schaumburgs Mutter Monika. „Am Ende war er sein eigener Sekretär.“ Doch bevor die Abwicklung endgültig vonstattengehen konnte, verstarb Rolf Schaumburg im Juni 2020 unerwartet im Alter von 73 Jahren. „Das war ein großer Schock für uns“, erzählt Jessica Schaumburg. Ihre Mutter nickt. Beide hatten sich bereits vor ihrem Verlust mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass ihr Familienname erst von den Kleintransportern und damit auch bald aus dem Gedächtnis der Kunden verschwinden würde. Nach 72 Jahren war das Ende des Familienunternehmens besiegelt. Doch für die Mitarbeiter hatte der ehemalige Chef vorgesorgt: Die fünf Kollegen sollten einen Arbeitsplatz in der Firma erhalten, die den Betrieb Schaumburg kaufen sollte. Doch es kam anders „Ich wollte, dass der Name weiterlebt“, erklärt Jessica Schaumburg. „Also habe ich mich entschieden, die Familientradition weiterzuführen.“ Nach diesem Entschluss

Schwerpunkt: Der Mensch ist gut

Abschied und Aufbruch


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seiner Aufsicht verlegt die Azubine jetzt Fußböden, schleift Oberflächen ab und klebt Tapeten an die Wand. „Und zwischendurch telefoniere ich dann noch mit dem Steuerberater“, sagt sie lachend. Es geht weiter Die Abschiedsgedanken sind längst der Aufbruchstimmung gewichen. Es geht weiter in Essen – mit der dritten Generation. Den Anfang machte Firmengründer Herbert Schaumburg: Er legte 1947 in Bremen die Meisterprüfung ab und machte sich im Jahr darauf in seiner Heimatstadt Essen als Maler selbstständig. Jessica Schaumburg kennt die Geschichten über ihren Opa nur aus Erzählungen, er starb 1968 an den Folgen einer Krebserkrankung. Zu diesem Zeitpunkt war sein Sohn Rolf Schaumburg bei der Bundeswehr verpflichtet. „Mein Vater hat dann einen Härtefallantrag gestellt, um den Dienst abbrechen zu können“, erklärt Jessica Schaumburg. Er übernahm kurzerhand den Betrieb, schloss in nur einem Jahr die Meisterschule ab und rettete so den Fortbestand des Familienunternehmens. Jessica Schaumburg hält inne. „Ich merke gerade, dass das damals so ähnlich wie bei mir gelaufen ist“, sagt die Geschäftsführerin. Sie blickt zu ihrer Mutter. „Ist dir das noch nicht aufgefallen?“, fragt Monika Schaum-

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„Es gibt keinen besseren Geruch als den von frisch gestrichener Farbe.“   Jessica Schaumburg, Geschäftsführerin und Auszubildende

musste es schnell gehen. Die 27-Jährige kündigte ihren Job bei einem Telekommunikationsunternehmen, machte die Vereinbarung mit der Bochumer Firma rückgängig und übernahm die Geschäfte des Malerbetriebs. Dafür betrat sie gleich zwei neue Welten: Sie wurde nicht nur plötzlich Chefin, sie wurde zeitgleich auch Auszubildende. „Ich wollte den Beruf von Grund auf erlernen“, so die Essenerin. Also begann sie gleich im Oktober 2020 die Ausbildung zur Malerin und Lackiererin. Seitdem pendelt Jessica Schaumburg zwischen Schreibtisch und Baustelle. Sie kann die Rollen gut voneinander trennen. Kehrt sie von einem geschäftlichen Termin zurück, hängt sie ihren dunklen Blazer an die Garderobe und schlüpft in den weißen Maleroverall. Auf der Baustelle trifft sie meist Wolfgang Kammstieß. Der Malermeister, 70, bringt ihr die Grundlagen des Handwerks bei. Statt sich in den Ruhestand zu verabschieden, übernahm er die Rolle des Mentors. Unter

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01 Kurze Kaffee­pause: Jessica Schaumburg nutzt die Zeit zwischen Geschäfts­termin und Fahrt zur Baustelle 02 Hochwertiges Design: Im renovierten Büro­gebäude des Maler­ betriebs können sich Kunden inspirieren lassen 03 Spaßvogel bei der ­Arbeit: Andreas Salomon liefert präzises Handwerk ab und sorgt zudem immer für gute Laune

Schwerpunkt: Der Mensch ist gut

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„Wir waren alle erleichtert, als sie die Entscheidung verkündet hat.“ Andreas Salomon, Geselle

burg und lächelt. Die spontane Entscheidung ihrer Tochter, den Betrieb zu übernehmen, hatte sie überrascht. „Damit hätte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet“, gibt die 63-Jährige zu. Ihre Tochter studierte in Köln, sammelte Auslandserfahrung im US Bundesstaat Vermont und im schottischen Edinburgh. Die heutige Chefin erinnerte sich jederzeit gern an ihr Zuhause und das damit verbundene Handwerk. Dennoch habe sie nie daran gedacht, das Unternehmen in ferner Zukunft zu übernehmen, so Jessica Schaumburg. Heute sind Mutter und Tochter glücklich, dass es weitergeht. Monika Schaumburg weiß aber auch um den Stress, den der Beruf mit sich bringt: „Das habe ich jahrzehntelang bei meinem Mann miterlebt. Der hat sogar Weihnachten noch an seinen Angeboten gesessen.“ Der Malermeister beschäftigte in den 1980erJahren zeitweise 50 Mitarbeiter. Er zog große Aufträge an Land, wie die Messe Essen. Auch außerhalb des Ruhrgebiets machte sich der „Malerbetrieb Schaumburg“ einen Namen. Damit die junge Unternehmerin

04 Erfahrene Kollegen: Andreas Salomon und Frank Oeser arbeiten schon jahrzehntelang für den Malerbetrieb Schaumburg

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Malerbetrieb Schaumburg Herbert Schaumburg gründete den „Malerbetrieb Schaumburg“ im Jahr 1948. Der Firmensitz befand sich zunächst im Essener Stadtteil Rüttenscheid. 1993 zog sein Sohn Rolf Schaumburg ins Südostviertel. Das Leistungsspektrum umfasst Maler- und Fassadenarbeiten, Trockenbau und Wärmedämmung und den Innenausbau von Immobilien, inklusive der Verlegung von Fußbodenbelägen. malerbetrieb-schaumburg.de

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01 Fundstück aus dem Lager: Die Warntafel stellte auch Jessica Schaumburgs Vater nach einem erledig­ ten Auftrag auf 02 Blick in die Zukunft: Monika Schaumburg ist glücklich darüber, dass ihre Tochter das Unternehmen übernommen hat 03 Essener Originale: Firmengründer Herbert Schaumburg (r.) war stadt­ bekannt. Sohn Rolf führte den Betrieb mit der glei­ chen Leidenschaft weiter

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„Mein Mann hat sogar Weihnachten noch an seinen Angeboten gesessen.“ Monika Schaumburg, Mitgeschäftsführerin

nicht ­ebenfalls unter dem Tannenbaum kalkulieren und Angebote schreiben muss, unterstützt Mitgeschäftsführerin Monika Schaumburg ihre Tochter, etwa bei der Buchhaltung. Es geht voran „Wir wollen wieder mehr Privatkunden für uns gewinnen“, verrät Jessica Schaumburg ihre Zukunftspläne. Sie möchte die Fähigkeiten des Teams einsetzen: Ihre Mitarbeiter beherrschen aufwendige Kalkspachteltechniken und erzeugen mit Wandlasuren facettenreiche Muster oder Reliefs. „Die Kollegen können eigentlich alles“, unterstreicht sie, „da spürt man die lange Erfahrung.“ Auf den Baustellen kann sich die Quereinsteigerin auf ihr Team verlassen. Malermeister Wolfgang Kammstieß ist, wie in all den Jahren zuvor, das Bindeglied zwischen Kunden und Geschäftsführung. „Der kennt im Lager nicht nur jede einzelne Schraube, er hat auch mehr als fünf Jahrzehnte Berufserfahrung. Davon profitieren wir ungemein“, so Jessica Schaumburg. Auch die vier Gesellen sind froh, dass es für sie in Essen weitergeht. „Wir waren alle erleichtert, als sie die Entscheidung verkündet hat“, sagt der 51-jährige Andreas Salomon, der seit 34 Jahren im Betrieb arbeitet.

Jessica Schaumburg plant, ihr Team zu vergrößern und gleichzeitig zu verjüngen. Im August vergibt der „Malerbetrieb Schaumburg“ wieder einen Ausbildungsplatz. „Wir müssen in die Zukunft investieren“, erklärt die 27-Jährige. Sie schließt ihre Ausbildung im Herbst 2022 ab. Mit Abitur konnte sie von drei auf zwei Jahre verkürzen. „Eigentlich wollte ich das sogar in eineinhalb Jahren schaffen“, erzählt Jessica Schaumburg. Doch dazu hätte sie gesund bleiben müssen: Stattdessen kamen ihr zwei Knochenbrüche in die Quere. „Statt weiter Praxiserfahrungen zu sammeln, konnte ich in dieser Zeit wenigstens viel Theorie pauken“, sagt sie. Da es aufgrund der Corona-Pandemie kaum Präsenzunterricht an der Berufsschule gab, setzte Jessica Schaumburg auf digitales Lernen. Auch mit dem von Brillux entwickelten Lernstoff für Maler und Stuckateure in der App „Simple Club“: „Das hat mir echt geholfen.“ Erst Abitur und Studienabschluss, dann Ausbildung und Unternehmertum: Bei der Frage, was für sie als Nächstes kommen wird, fällt Jessica Schaumburgs Blick auf eine Wand in ihrem Büro. Dort hängen die Meisterbriefe ihres Großvaters und ihres Vaters. Jessica Schaumburg betrachtet die freie Stelle darunter und sagt: „Da wäre noch etwas Platz für meinen Meisterbrief.“

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Schwerpunkt: Der Mensch ist gut

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Was macht für Sie einen guten Menschen aus?

Fotos: Daniel Elke

Auch wenn keiner von uns so berühmt ist wie Mutter Teresa oder der DalaiLama, haben wir doch alle Nachbarn, Freunde oder Kollegen, die wir richtig gut finden. Wir fragten beim Team des Malerbetriebs Schaumburg nach, was ihm bei Menschen wichtig ist


Keine Lügen Ehrlichkeit kommt an erster Stelle. Wer nicht die Wahrheit sagt, hat bei mir schon verloren. Man muss doch sagen können, was man über einen denkt. In meiner Freizeit treffe ich häufig gute Menschen. Ich verbringe viel Zeit in einer Begegnungsstätte. Dort sind auch Menschen mit Behinderungen zu Gast. Wir machen dort gemeinsam Spiele und erzählen uns, was wir am Tag erlebt haben. Wie die Inklusion dort funktioniert, finde ich klasse.

Fasziniert von Michelle Obama Ein guter Mensch akzeptiert andere Meinungen. Er verhält sich uneigennützig und ist da, wenn es darauf ankommt. In diesem Zusammenhang fällt mir sofort Michelle Obama ein. Ihre Biografie habe ich verschlungen und war anschließend total fasziniert von ihr. Sie ist eine wahnsinnig gute Frau.

Andreas Balk, 57 Maler- und Lackierergeselle, seit 39 Jahren im Betrieb

Jessica Schaumburg, 27 Geschäftsführerin und Auszubildende, seit der Geburt im Betrieb

Lässt nach Feierabend gerne die Dartpfeile fliegen

Überrascht ihre Mutter mit spontanen Streichaktionen

Schwerpunkt: Der Mensch ist gut

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Sag es mit Erich Kästner! Hilfe bei Papierkram Der Bekannte, der sich im Verein engagiert, ist ein guter Mensch. Ebenso die junge Nachbarin, die in der Seniorenarbeit aktiv ist. Jetzt könnte ich noch viel mehr über selbstloses Verhalten und Hilfsbereitschaft erzählen. Ich lasse aber den Schriftsteller Erich Kästner für mich sprechen. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, lautet eine bekannte Zeile aus seinem Gedicht „Moral“. Wer das beherzigt, ist auf einem sehr guten Weg.

Ich muss da an einen guten Kumpel denken. Den sehe ich manchmal wochenlang nicht. Aber wenn ich seine Hilfe benötige, ist er da. Bei dem ganzen Papierkram für Behörden steige ich oft nicht durch. Er kennt sich da aus und gibt mir immer die richtigen Ratschläge. Ich kann mich dann revanchieren, wenn es um handwerkliche Sachen geht. Es ist aber auch schön, mit so einem guten Menschen einfach nur auf der Terrasse zu quatschen.

Lisa Klasen, 29 Social-Media-Managerin, seit einem Jahr im Betrieb

Frank Oeser, 60 Maler- und Lackierergeselle, seit 21 Jahren im Betrieb

Plündert gerne den Firmenkühlschrank

Der Schalke-Fan hat seinem Haus einen königsblauen Anstrich verpasst


Die Höflichkeitsformen beherrschen Ich stamme ja aus dem Ruhrpott. Hier in der Region leben viele Menschen, die geradeheraus sind. Das sind gute Typen, weil sie nicht verschweigen, was ihnen nicht passt. Ein guter Mensch sollte auch die Höflichkeitsformen beherrschen. Ich lege außerdem großen Wert darauf, dass man sich bei einer Begegnung freundlich „Guten Tag“ sagt. Ich denke gerade an einen Kunden aus Essen. Dem bin ich zum ersten Mal begegnet und er wollte direkt wissen, wie es mir geht. Das fand ich klasse. War echt ein Topmensch, auf den ich da getroffen bin.

Andreas Salomon, 51 Maler- und Lackierergeselle, seit 34 Jahren im Betrieb Hat immer einen Witz parat und für jedes Problem eine Lösung

Ohne Goldwaage Ich bin ja Anhängerin des Spruchs: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Wer sich an diese goldene Regel hält, hat die besten Voraussetzungen, um ein guter Mensch zu sein. Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit sind weitere Charaktereigenschaften, die mir dazu einfallen. Außerdem legt ein guter Mensch nicht jedes gesprochene Wort auf die Goldwaage.

Monika Schaumburg, 63 Mitgeschäftsführerin, seit 28 Jahren im Betrieb Chefköchin und gute Seele

Schwerpunkt: Der Mensch ist gut

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01 Das Maserieren mit dem Modler erfordert eine geschickte Handführung

Gestupft, nicht 02 gestrichen wird mit dem Plattpinsel aus Rindsborsten

03 Das Dachshaar des Vertreibers ist besonders weich, es wird deshalb auch für Rasierpinsel verwendet

„Für den schönen Schein wird die WurzelholzMaserung Schicht für Schicht aufgetragen.“

Für die Bierlasur werden Pigmente in abgestandenes Bier eingerührt, verschiedene Pinsel sorgen für die naturgetreue Wurzelholz-Maserung

Fotos: Conny Trumann

Michael Sommersell, Experte für Malergeschichte


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TEIL 6 HISTORISCHES HANDWERKSZEUG

DER PINSEL

Illusionen zaubern Der Pinsel gehört zu den ältesten Werkzeugen der Menschheit und schon die ersten Vorläufer haben große Ähnlichkeit mit den Pinseln von heute. In der Steinzeit haben Künstler Tierhaare und Federn zusammengebunden und in Röhrenknochen gesteckt. Noch immer werden als Pinselbesatz neben synthetischen Fasern auch Tierhaare und Borsten verwendet – von den seidigen Schweifhaaren des Eichhörnchens bis zu den festen Borsten des Schweins. Kunstvolle Holzmalerei Jede Borste, jedes Haar hat besondere Eigenschaften und eignet sich für einen bestimmten Zweck. Besonders gut lässt sich das an der Holzmalerei zeigen, mit der Maler vor allem im 19. Jahrhundert Edelhölzer imitierten. Fichte oder Kiefer verwandelten sich zum Beispiel mit der Technik der Bierlasur in Mahagoni oder Wurzelholz: „Mit Pinseln, Kämmen und Schwämmen lassen sich die typischen Maserungen erzeugen“, erklärt Michael Sommersell vom Hamburger Malermuseum. Die Pigmente werden in abgestandenes Bier eingerührt. Der hellste Farbton wird deckend gestrichen. Das Farbspiel entsteht, wenn der Maler die Lasuren aufträgt. Mit dem weichen DachshaarVertreiber lässt sich die Lasur ganz zart verwischen. Der extra breite Modler ist perfekt für die parallelen Strukturen. Die kurzen, harten Borsten von Rindern werden für den Plattpinsel genutzt. Er nimmt wenig Farbe auf, so lassen sich feine

Allein das Einritzen der Eichenstruktur mit Porenwalze und Nadel dauert mehrere Stunden

Strukturen stupfen: „Fingerfertigkeit und Kreativität sind gefragt. Früher gehörte die Bierlasur zum täglichen Tun, heute ist sie fast Kunsthandwerk.“ Für täuschend echtes Eichenholz haben Maler auch Nadeln und Walzen genutzt. Das günstige Holz bekommt eine dicke Farbschicht, im nächsten Schritt wird mit Nadel und Porenwalze die typische Struktur eingeritzt und abschließend eine Halböl-Lasur aufgetragen. „Diese Technik wurde zum Beispiel für Särge genutzt“, so der Experte. „Wohlhabende Bauern wollten – auch wenn das edle Holz knapp war – ihre letzte Ruhe im Eichensarg finden. Dafür haben Maler die hohe Kunst dieser Eichenimitation entwickelt.“ Damals und heute Heute haben Furniere die Holzmalerei weitgehend ersetzt. Gefragt sind die Techniken aber immer noch beim Restaurieren alter Möbel oder Türen. Dachshaar-Vertreiber, Modler und Plattpinsel gehören wie eh und je in jede Malerwerkstatt. Das Zentrum der deutschen Pinselherstellung ist übrigens in Franken, wo im 18. Jahrhundert die Geburtsstunde der Pinselmacher schlug. Vorher hatten Künstler und Maler ihre Werkzeuge selbst hergestellt. Wer tiefer in diese Kunst eintauchen möchte, erkundet das Deutsche Pinsel- und Bürstenmuseum in Bechhofen. Dort dreht sich alles um H ­ aare und Borsten – vom edlen Dachshaar-Vertreiber bis zur gewöhnlichen Spülbürste.

Unser Experte Michael Sommersell, 61, ist Maler und (ö. b. u. v.) Sachverstän­diger in Hamburg und bewahrt im Deutschen Maler- und Lackierermuseum die Geschichte des Handwerks malermuseum.de


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Quartier der Wissenschaft Hoher Komfort zu niedrigen Preisen: Das war das Ziel des Studentenwerks Osnabrück, als es das CampusQuartier in Auftrag gab. Die Fassade, ausgeführt vom Malermeister­ betrieb Gering aus Hunteburg, besticht durch ihre Band­ breite an Farben, Formen und Materialien

Bernd Wrampelmeyer, H Gering ­Malermeisterbetrieb GmbH, Hunteburg 30 Kilometer von Osnabrück liegt Hunteburg. Hier machte sich Malermeister Heinrich Gering 1949 selbstständig und baute seinen Betrieb auf. 1981 übernahm Herr Norbert Gering die Leitung. 2010 verkaufte Norbert Gering den Betrieb an zwei langjährige Mitarbeiter. Mittlerweile führt Sven Weber (o.) den Betrieb in alleiniger Verantwortung. Er beschäftigt derzeit 40 Fachkräfte und fünf Auszubildende. Herr Wrampelmeyer (u.) ist seit 1993 im Betrieb und die letzten Jahre als Projektleiter tätig gering.de/malerbetrieb 01

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er wissen will, wie der sprichwörtliche Hase in der Wissenschaft läuft, ist in Osnabrück an der richtigen Adresse. Hier kann man an Universität oder Hochschu­ le zum Beispiel Ingenieurswissenschaft, Physik oder Musik studieren. Wer dafür in die niedersächsische Großstadt ziehen möchte und eine passende Bleibe sucht, sollte wissen, wo die Hase läuft. Denn keine 300 Meter von jenem Seitenarm der Ems entfernt verläuft parallel zum Flusslauf die Natruper Straße. Dort befindet sich mit der Hausnummer 160 seit vier Jahren das größ­ te und modernste Studentenwohnheim von Osnabrück. Entworfen vom ortsansässigen Architektenbüro PLAN.CONCEPT wurde die Anlage „Bei den Linden“ im Juni 2017,


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„Das Besondere waren die ständig wechselnden Übergänge.“ Bernd Wrampelmeyer, Projektleiter

nach eineinhalbjähriger Bauzeit, eröffnet. Seither lassen die einzelnen Gebäude schon von weitem erkennen, dass hier die Zukunft von Forschung und Lehre in ihrer ganzen Vielfalt ein Zuhause gefunden hat. Rund um einen lichten Innenhof, in dessen Zentrum einige hundertjährige Linden in den Himmel ragen, bieten vier paarweise zusammenhängende Gebäude im Passiv­ hausstandard Wohnraum für 178 Studieren­ de. Die Fassade strahlt Modernität, Komfort und Vielfalt aus, indem sie mit Klinkerriem­ chen, Putz, Fassadenplatten und farbigen Akzenten liebevoll gestaltet wurde. Bei Wind und Wetter Zu den angrenzenden Straßen hin präsen­ tieren sich die Gebäude mit zwei bzw. drei Stockwerken samt Staffelgeschoss. Dahinter

grenzt ein flacherer Anbau mit Laubengän­ gen an den Innenhof, den man mit Wiese, Bänken und Freizeitmöglichkeiten schon als kleinen Park bezeichnen könnte. Die hellen, Vitalität ausstrahlenden Fassaden wurden vom Hunteburger Traditionsbe­ trieb Gering realisiert, unter der Leitung von Bernd Wrampelmeyer. Der Vorabeiter erinnert sich auch noch vier Jahre später an die besonderen Herausforderungen dieses Projektes. Wrampelmeyer und sein Team trotzten als Fassaden-Spezialisten dort Wind und Wetter. „Zu fast 80 Prozent arbeiten wir draußen“, erzählt er am Telefon in einer der wenigen ruhigen Minuten, die ihm seine ak­ tuelle Baustelle lässt. Direkt an der Strand­ promenade auf der Nordseeinsel Borkum frischt er gerade die im viktorianischen Stil gehaltene Fassade eines mondänen Hotels,

01 Der im KfW-40-­ Passivhausstandard entworfene Gebäudekomplex unterbietet die Vorgaben der Energie­ einsparverordnung um bis zu 60 Prozent 02 Von der Natruper Straße 160 ist die Hochschule Osnabrück nur eine Bushaltestelle entfernt – oder zwei Minuten mit dem Fahrrad


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„Alle Übergänge mussten im Detail perfekt geplant werden.“ Joachim Klimke, Technischer Berater bei Brillux

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01 Im Schatten alter Linden lädt der Innenhof zur Entspannung und zum fächerübergreifenden Austausch ein 02 Die Fassaden kombinieren Klinkerriemchen, Putz und in Gelb- oder Grüntönen gestaltete WDVS -Platten 03 Hier gibt es Einzelapartments und Wohnungen, zum Teil behindertengerecht, für WGs und Familien 04 Die Erd­geschosse sind Waschküchen, Abstellräumen und Parkplätzen für Autos und Fahrräder vorbehalten

Baujahr 1878, auf. Ästhetisch könnte das strahlende Weiß des Strandhotels vom mo­ dernen Studentenwohnheim kaum weiter entfernt sein. Und so wird das Interview für den Malergesellen in mehrfacher Hinsicht zur Zeitreise. Schicht für Schicht „Sieben Monate waren wir damals vor Ort“, erinnert sich Bernd Wrampelmeyer an diese Zeit. „Im Durchschnitt waren zwölf Mann mit der Wärmedämmung beschäftigt. Waren die auf ihrem Abschnitt fertig, folgte sogleich das zweite Team mit vier bis sechs Mann und brachte die Klinkerriemchen auf.“ Die verschiedenen Etagen stellten die Handwerker vor Herausforderungen: Weil das Erdgeschoss hauptsächlich für PKW Stellplätze, Technik- und Fahrradräume

konzipiert worden ist, waren hier die Außenwände dämm­ technisch anders zu behandeln als die darüberliegenden beheizbaren Wohneinheiten. Entsprechend erforderten die vielen Schnittstellen eine flexible, immer wieder den örtlichen Gegebenheiten anzupassende Planung. Um Wärmebrücken zu vermeiden und dem energetischen Anspruch gerecht zu werden, war zudem eine besonders exakte Ausführung gefordert. „Konkret ging es“, so Wram­ pelmeyer, „um äußerst korrekte Verklebung bzw. Armierung der Dämmstoffflächen. Auch die jeweils unterschiedlichen Dübel und deren Längen mussten berücksichtigt werden.“ Leben und lernen Die Schlussbeschichtung der Fassaden sorgt für Abwechs­ lung und gleichzeitig für einen harmonischen Gesamt­ eindruck. Die verputzten Flächen erhielten zunächst mit Silicon-Putz und Fassadenfarbe eine möglichst wetterfeste und schmutzabweisende Beschichtung. Anschließend wurden sie zum einen entweder mit keramischen Klinker­


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„Im Mittelpunkt unserer Architektur steht der Mensch.“ Afra Creutz, Geschäftsführerin bei PLAN.CONCEPT

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riemchen oder mit vorgehängten und hinterlüfteten farbigen Fassadentafeln aus Faserzement verkleidet. Zum ande­ ren setzten Flächen mit verschiedenen leuchtenden Grün- und Gelbfarbtönen einen dritten markanten Akzent. Dass die vielfältig als WG , Einzelapartment und Familienwohnung nutzbaren Wohneinhei­ ten der Anlage bereits vor ihrer offiziellen Eröffnung ausgebucht waren, mag daran liegen, dass „Bei den Linden“ nur wenige Gehminuten vom Campus der Universität errichtet wurde. Zu diesem Erfolg hat aber auch beigetragen, was hier auf den ersten Blick zu sehen ist: Die Verbindung von Lebensqualität und optimalen Lernbedin­ gungen, zum Ausdruck gebracht von ein­ wandfreier Fassadengestaltung. Und das ist keine Wissenschaft, sondern Handwerk.

Beteiligte und Services Bauherr: Studentenwerk ­Osnabrück Ausführender Betrieb: H Gering Malermeisterbetrieb GmbH, ­Hunteburg Verkaufsberatung: Michael ­Hobbold, Brillux Osnabrück Technische Beratung: Joachim Klimke, Brillux Osnabrück Materialien: WDV -System MW Top (MW Top Dämmplatten 3586), WDV System EPS (EPS Prime Dämmplatten 3870), Evocryl 200, Universal-Fassadenfarbe 903, Silicon-Putz KR 3650, Silicon-­Fassadenfarbe 918, Deckfarbe 871


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Maler sucht den Superstar Was macht man, wenn einem der Nachwuchs ausgeht? Ganz großes Kino, dachte sich Roman Geiselhart aus Reutlingen. Und rief kurzerhand den Nachwuchs zu einem Casting auf, um ein Werbe­video zu drehen

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Fotos: Mirko Lehnen Ausschnitte Film: ANTON GEISELHART GMBH & CO. KG

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lles begann 2016 mit einer Krisensitzung nach Feierabend. Roman Geiselhart saß mit seinem kaufmännischen Leiter Stefan Hüttl zusammen und sprach mit ihm über die aktuellste Baustelle: das Thema Ausbildung. Die zwei Kollegen zogen Bilanz und stellten ernüchtert fest, dass nicht nur jedes Jahr weniger Bewerbungen auf ihren Schreibtischen landeten, sondern auch weniger gute. Sie kamen zu dem Schluss, dass ihre bisherigen Maßnahmen sich selbst überholt hatten: Broschüren und Zeitungsinserate brachten längst nicht mehr die gewünschte Wirkung. „Wir waren offenbar nicht mehr attraktiv genug für junge Leute“, gibt Roman Geiselhart zu. Doch der Geschäftsführer des Malerbetriebs ANTON GEISELHART aus dem schwäbischen Reutlingen jammerte nach dieser Erkenntnis nicht. Er suchte stattdessen nach einer Möglichkeit, den Nachwuchs auf einem anderen Weg zu erreichen. Geiselhart wählte die große Leinwand: „Wir haben uns dafür entschieden, hochwertige Videoclips zu produzieren, die in den Kinos der Region laufen sollten“, erzählt Geiselhart. Zunächst


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01 Am Filmset: 2016 entstand in Reutlingen die Produktion „Anton Geiselhart sucht den AzubiSuperstar“ bit.ly/3h4tU5m

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02 Macher mit Megafon: Im Arbeitsalltag ist Roman Geiselhart weniger ein Lautsprecher, sondern vertraut seinen Meistern


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„Wir renovieren die Küche oder das Wohnzimmer mit gleicher Leiden­schaft wie öffentliche Bauten, Büround Industriekomplexe.“ Stefan Hüttl, kaufmännischer Leiter

überlegte er, in den kurzen Filmen eigene Mitarbeiter auftreten zu lassen. Doch dann entstand spontan die Idee zu einem professionellen Casting. „Wir haben Werbung an den Schulen gemacht und die Jugendlichen in unsere Werkshalle eingeladen“, erklärt Stefan Hüttl. Die erste Maler-Castingshow war geboren. Das Format nannten sie „ANTON GEISELHART sucht den Azubi-Superstar“ – in Anlehnung an den RTL -Dauerbrenner „Deutschland sucht den Superstar“. Roman Geiselhart gehörte zur Jury und suchte die Schauspieler/-innen mit aus. „Das hat riesigen Spaß gemacht“, erinnert sich der 52-Jährige. „Die 30 Bewerber hatten die Aufgabe, entweder einen Star-WarsDialog vorzusprechen oder 30 Sekunden in die Kamera lächeln – das ist gar nicht so leicht!“ Vier Jugendliche schafften es, neben weiteren Hobbyschauspielern, in die 30-sekündigen Videos. In einem der Clips bekritzelt etwa ein Teenager die Wohnzimmerwand im Elternhaus und schiebt es frech seiner kleinen Schwester in die Schuhe. So wollte er erreichen, dass die von ihm

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01 In der 1906 erbauten Ziegelhalle wurden einst Webstühle hergestellt. Seit 1984 ist hier der Maler­ betrieb ANTON GEISELHART ansässig 03 02 Nicht nur bei der Arbeit leisten alle Teamarbeit, auch beim Kickern in der Mittagspause geht‘s fair zu 03 Selbst ist der Chef: Roman Geiselhart (r.) macht für seinen kaufmännischen Leiter Stefan Hüttl und Isabel Heimberger aus der Marketingabteilung den Barista 04 Malermeister Sergej Krusmann hat auch im Büro den Überblick dank seiner Assistentin Manuela Kübler


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­ ngehimmelte Maler-Auszubildende die a Stelle übermalen würde. Kurz darauf steht dann sein Schwarm mit Pinsel und Farbeimer im Wohnzimmer. Dann kommt der augenzwinkernde Slogan: „Es gibt leichtere Wege, unsere Auszubildenden kennenzulernen. Bewirb dich für eine Ausbildung bei ANTON GEISELHART.“ Die Kampagne wurde Schulhofthema in der Region und brachte Erfolg in mehrfacher Hinsicht: Durch die Clip-Offensive stieg nicht nur, wie erhofft, die Nachfrage bei den Lehrstellen. „Auch die Qualität der Bewerbungen war besser“, betont der 48-jährige Stefan Hüttl.

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„Wenn es der Kunde wünscht, können wir ihm sogar ein ganzes Haus bauen.“ Roman Geiselhart, Geschäftsführer

Erst die Pflicht, dann die Kunst Neue Wege zu gehen, nicht alles nach Schema F zu machen, das gehört bei den Geiselharts mittlerweile zur Tradition. Auch Roman Geiselharts Großvater Anton kam erst über Umwege zu seinem eigenen Geschäft. Ursprünglich hatte der Firmengründer einen ganz anderen Plan. „Seine Leidenschaft galt der Kunst“, so Roman Geiselhart. Sein Großvater besuchte nach

der Ausbildung die Kunstgewerbeschule und Akademie in Stuttgart und stellte mit 18 Jahren seine ersten Gemälde aus. Später bildete er sich an der Kunstgewerbeschule in Zürich fort und arbeitete als Bühnenbildmaler am Stadttheater Winterthur. Geld brachten diese Touren nicht ein. Im Gegenteil. Also entschied er sich, die Kunst vorübergehend ruhen zu lassen. Anton Geiselhart machte zunächst 1933 in Reutlingen seinen Meister. Ein Jahr später gründete er in der Stadt eine Malerwerkstatt mit zwei Gesellen und einem Lehrling. Das Unternehmen wuchs rasant. Anton Geiselhart konnte es sich leisten, das Tagesgeschäft in die Hände seiner Mitarbeiter zu geben. „Das hat ihm die Freiheit gegeben, sich wieder seiner geliebten Kunst zu widmen“, berichtet sein Enkel, „und seinen Reisen. Er malte gern in Frankreich und auf Kreta.“ Vertrauen ist bei den Geiselharts zur Gewohnheit geworden. Auch Roman Geiselhart verlässt sich voll und ganz auf sein Führungspersonal. „In die tägliche Arbeit mische ich mich kaum ein. Die Meister führen ihre Bereiche vollkommen eigenständig.“ Für ihn zeichnet sich ein moderner Betrieb nicht nur durch eine flache Hierarchie aus, sondern auch durch gute Aufstiegschancen: Sieben Handwerksmeister arbeiten aktuell in seinem Unternehmen. „Die meisten sind Eigengewächse,


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die hier ihre Ausbildung gemacht und sich später für höhere Aufgaben qualifiziert haben“, sagt der Chef. Urgesteine und Jungspunde Roman Geiselhart entschied sich früh, dass er das Familienunternehmen fortführen will. „Für mich kam nie etwas anderes infrage“, sagt der Geschäftsführer, der seit 1999 in der Verantwortung steht. Dennoch war ihm daran gelegen, sein Wissen, auch über das Malerhandwerk hinaus, zu erweitern. Bevor er mit 31 Jahren übernahm, studierte er an der Fachhochschule Biberach und schloss einen Bau-Studiengang als Diplom-Fachwirt ab. Heute ist der Betrieb des zweifachen Vaters breit aufgestellt: Er beschäftigt Spezialist/-innen aus dem Bereich Trockenbau, Gerüstbau, Stuckateurhandwerk, Betoninstandsetzung, Bodenbeschichtung, Wärmedämmung und Markierungsarbeiten; im Bereich Sondertechniken wird beispielsweise mit Marmorputz und Vergoldung gearbeitet. Und für Elektroinstallationen oder den sanitären Bereich gibt es Kooperationspartner. „Wenn es der Kunde wünscht, können wir ihm sogar ein ganzes Haus bauen“, fasst Roman Geiselhart lachend zusammen. Und Geschäftsleiter Stefan Hüttl ergänzt: „Wir renovieren die Küche oder das Wohnzimmer mit gleicher Leiden­schaft wie öffentliche Bauten, Büround Industriekomplexe. Es gibt für jeden Kunden die passenden Handwerker und die Meister wissen, wo sie ihre Leute am besten einsetzen können. Die einen bevorzugen eher den feinen Pinselstrich, andere laufen in großen Hallen zur Höchstform auf.“

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01 Perfektion bis ins kleinste Detail: Martin Bahmeds feiner ­Pinselstrich verschönert ein Treppen­geländer 02 Lernen heißt machen: Ausbildungsleiter Harald Roßmeißl schabloniert unter den Adleraugen der Azubis, bevor sie selbst an der Reihe sind 03 Firmengründer Anton Geiselhart war Handwerker im doppelten Sinne: Er strich Wände und malte Gemälde


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„Ich habe gemerkt, dass der Malerbetrieb ANTON GEISELHART eben genau das passende Unter­ nehmen für mich ist.“ Martin Bahmed, Vorarbeiter und Betriebsratsvorsitzender

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Roman Geiselhart, Geschäftsführer

Das Stärken entfaltet und weiterentwickelt werden können, ist einer der Gründe, warum viele im Betrieb bleiben. Wenn die Handwerkskammer Jubiläen ehrt, erhalten regelmäßig Mitarbeiter/-innen aus Reutlingen gerahmte Urkunden. Nicht selten ist eine Auszeichnung für 40 Jahre Betriebszugehörigkeit dabei. „Bei uns ist Fluktuation ein Fremdwort“, erklärt Roman Geiselhart, der aktuell Obermeister bei der Handwerkskammer Reutlingen ist. Er freut sich über Urgesteine in seinem Team wie die Brüder Wilfried und Jürgen Schellig. Die zwei führen ebenfalls eine Tradition fort: Bereits ihr Vater und ihr Großvater arbeiteten schon für Familie Geiselhart. Festgehalten werde hier jedoch niemand, so der Chef. Es komme vor, dass jemand das Unternehmen verlasse. So wie der 45-jährige Martin Bahmed, der nach seiner Ausbildung zum Maler und Lackierer entschied, einen anderen Betrieb kennenlernen zu wollen. Doch bald stand er wieder auf der Matte. „Ich habe gemerkt“, sagt der Vorarbeiter und Betriebsratsvorsitzende, „dass der Malerbetrieb Geiselhart eben genau das passende Unternehmen für mich ist.“ So ähnlich könnte es auch Ibrahim Jallow, 25, und Gerry Tesfamichael, 33, ergehen. Die

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Fotos: Mirko Lehnen; Foto oben rechts: Ralph Koch, Reutlingen

„Bei uns ist Fluktua­tion ein Fremdwort.“

beiden kamen erst vor einigen Jahren nach Deutschland: Jallow stammt aus Gambia, Tesfamichael aus Eritrea. Die beiden sind mittlerweile in ihrem dritten Ausbildungsjahr. Dass sie Probleme aufgrund der Sprachbarriere haben, ist für Roman Geiselhart kein Hindernis. Er stellt ihnen für die Berufsschule pragmatisch einen Nachhilfelehrer an die Seite. Ihre Baustelle in der Theorie machen die beiden in der Praxis wett: Ihre Vorarbeiter sind von ihrer Arbeit begeistert. Mittlerweile beschäftigt das Familienunternehmen 21 Auszubildende. Maler- und Lackierer/-innen sind dabei, aber auch Stuckateur/-innen, Gerüstbauer/-innen und Bürokaufleute. Das Casting und der humorvolle Kinospot haben ihren Zweck erfüllt. Ja, tun es bis heute. Angelehnt an Geiselharts Werbeslogan passt in diesem Falle wohl: Es gibt leichtere Wege, um an Auszubildende zu kommen. Aber nur wenige, die jahrelang und so nachhaltig funktionieren.


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01 Jetzt bloß nicht zittern: Gerry Tesfamichael restauriert unter Aufsicht seines Meisters eine Heiligenfigur 02 Arlindo Pio do Amaral Gourgel ist einer von 120 Mitarbeitern und seit 13 Jahren im Betrieb. Seine Spezialgebiete sind Bodenbeschichtungen und die Betoninstandsetzung 03 Die Arbeitsteilung funktioniert: Während Dejan Cabrja abklebt, gibt Marc Haag den Wänden den letzten Feinschliff 04 Michael Richter sieht rot: Der technische Leiter hält die Farbmusterkarten an die Wand, während die Kundin den passenden Ton auswählt

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Unternehmen und Stiftung 1934 gründet Anton Geiselhart die Malerwerkstatt in Reutlingen. 1971 übernimmt Hansjörg Geiselhart die Geschäfte. 1984 verlegt er den Firmensitz in den Süden von Reutlingen. Seit 1999 steht in Roman Geiselhart die dritte Generation in der Verantwortung. Zum Unternehmen gehören 120 Mitarbeiter sowie 21 Auszubildende. Das Werk des Firmengründers halten seine Nachkommen weiter in Ehren. In einem ehemaligen Bauernhaus in Münsingen-Gundelfingen können Besucher die Gemälde des Künstlers aus den verschiedenen Schaffensepochen besichtigen. Das Museum betreibt die Stiftung Anton Geiselhart, die zwei Ausstellungen im Jahr veranstaltet. anton-geiselhart.de stiftung-anton-geiselhart.de


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Betrieb im

Fokus

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Auch wenn Sie viele verschiedene Dienstleistungen anbieten, sollte Ihr Betrieb nicht wie ein Gemischtwarenladen wirken. Suchen Sie sich ein Gebiet, auf dem Sie der Spezialist sind. Richten Sie sich entsprechend aus: Wissen Sie um alle Neuheiten, Techniken und Produkte? So entkommen Sie der Preisfalle und müssen als Experte nicht ständig Ihren Preis rechtfertigen!

Finden Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal und kommunizieren Sie es an Ihre Kunden!

Foto Buchcover: depositphot.com

Spezialisieren Sie sich !

Der Beste zu sein, behauptet jeder. Werden Sie konkreter: Sind Sie besonders kreativ, schnell, haben Sie außergewöhnliche Öffnungszeiten? Was finden Kunden bei Ihnen, was sie bei der Konkurrenz nicht ­bekommen? Erarbeiten Sie sich diesen Mehrwert und stellen Sie ihn in den Mittelpunkt Ihrer Werbestrategie!


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G

IHRER EBEN SIE

FIRMA

T H C I S E G EIN Je authentisc her und persönli cher Ihr Betrieb wirk t, desto größer ist das Vertrauen der Kund en in ihn !

Kunden möchten wissen, wer in ihr Haus kommt. Und sie möchten, dass derjenige sympathisch ist. Zeigen Sie sich und Ihre Mitarbeiter auf Ihrer Website und in den sozialen Netzwerken. Geben Sie Einblicke in Ihre Werte und Ihren Betrieb, zum Beispiel indem Sie Mitarbeiterjubiläen auf Ihrer Seite zelebrieren. Das macht Sie nahbar und fördert gleichzeitig positive Mundpropaganda.

WIEDERHOLUNG MUSS SEIN! WIEDERHOLUNG MUSS SEIN! WIEDERHOLUNG MUSS SEIN! WIEDERHOLUNG MUSS SEIN! Erfolgreiche Werbung ist mehr Marathon als Sprint. Wiederholen Sie Ihre Werbebotschaft kontinuierlich mittels Internet, Briefen, Flyern, Telefonaten oder lokaler Presse­arbeit, denn nur so setzt sie sich in den Köpfen Ihrer Kunden fest. Einmalige Instagram-Posts, Newsletter oder ab und an ein wenig Außenwerbung führen nicht zum Erfolg. Hier lautet die Devise: dranbleiben!

Rufen Sie sich immer wieder in Erinnerung. Durch ständig e Präsenz eines Firmennamens oder Logos erhöhen Sie Ihren Bekanntheitsgrad.

ÜBERZEUGEN SIE DURCH ZEUGEN sser Fremdlob ist be ssen als Eigenlob ! La ch si Sie andere für werben !

Haben Sie Kunden, die mit Ihrer Arbeit sehr zufrieden waren? Dann fragen Sie nach, ob Sie mit deren Lob auf Ihrer Website und auf Social Media werben dürfen. Versuchen Sie so viel Feedback wie möglich zu erhalten, auch um die eigene Leistung besser einschätzen zu können.

Das Buch zur Seite

Werbung wirkt – man muss nur wissen wie! In diesem komprimierten Ratgeber gibt Medienberater Ben Kaiser Tipps, wie Sie auch ohne Marketing-Studium Ihren Betrieb bekannter und somit auch erfolgreicher machen. Revolutioniere deine Werbung, Ben Kaiser, Experten Gruppe Verlag, 120 Seiten, 11,99 €


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AARHUS, DÄNEMARK

Auf Adlerschwingen schweben Freundschaft mit einem sieben Meter hohen russischen Bären schließen, von Eisscholle zu Eisscholle springen, das Innere eines Vulkans erforschen oder sich von riesigen Adlerschwingen tragen lassen: All das ist auf dem Vorplatz des Dokk 1, eines Kulturzentrums, im dänischen Aarhus möglich. Das monumentale Design des Spielplatzes „The Globe“, der Globus, stammt von einer dänischen Spielplatzbaufirma mit dem passenden Namen Monstrum, deren Gründer zuvor als Szenenbildner am Theater tätig waren. Monstrums Credo lautet: „Ein guter Spielplatz animiert zum Spielen, lässt Raum für Inspiration und lädt zum Träumen ein.“ monstrum.dk/en

GWYNEDD, WALES

Wo früher Bergleute mühevoll Schiefer abbauten, wird heute gehüpft, gerutscht und der Höhenangst getrotzt: Im Norden von Wales befindet sich der erste unterirdische Spielplatz der Welt. Um zu ihm zu gelangen, fährt man zunächst mit einem historischen Bergarbeiterzug 30 Meter unter die Erde. Dann erreicht man „Bounce Below“ (heißt übersetzt so viel wie Hüpfen in der Tiefe): einen Stollen, doppelt so groß wie die Londoner St. Paul’s Cathedral. Auf mehreren Ebenen und über eine Höhe von 52 Metern ziehen sich gewaltige Sprungnetze, die durch Rutschen und Stege miteinander verknüpft sind und die von bunten Strahlern ausgeleuchtet werden. Trotz sportlichem Springspaß sollte man sich für die Höhlen warm anziehen: Im Stollen herrschen nur acht Grad Celsius. Einen Eindruck von Bounce Below kann man sich hier verschaffen: youtu.be/Uyy0000fqY0

Fotos: MONSTRUM Design (Per Borch), Zip World

Durch Höhlen hüpfen


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Spiel der Superlative Spielplätze – kaum ein Ort gehört so exklusiv den Kindern mit ihrer grenzenlosen Fantasie. Ob unter der Erde, in luftigen Höhen oder mitten in der Stadt: Diese Projekte beweisen, dass auch ­Architekt/-innen über spielerische Vorstellungskraft verfügen – obwohl sie längst erwachsen sind


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HAKONE, JAPAN

Bunte Häkelwaren kennen Kinder hierzulande höchstens als Wollschlauch aus ihrer kleinen Strickliesel. Deutlich mehr Action bietet der Spielplatz „Woods of net“ (deutsch: Wälder des Netzes) in Hakone, westlich von Tokio. Dieser Raum für Kinder ist das Werk der Textilkünstlerin Toshiko Horiuchi MacAdam. Er befindet sich im Inneren eines Holzpavillons, der aus 580 aufeinandergeschichteten und verkeilten Holzbalken besteht. Als MacAdam ihre Textilwerke in den 90er-Jahren in einer Kunstgalerie ausstellte, wurde sie von zwei Kindern gefragt, ob ihre Kunst nicht auch als Hängematte tauge. Sie ließ es die Kinder testen und die Idee für die Häkelspielplätze war geboren. Die sind mittlerweile weltweit zu finden und entstehen fast ausschließlich in Handarbeit. Wie aufwendig die Produktion der Netzspielplätze ist, kann man in diesem Kurzvideo erahnen: youtu.be/5-cfYu_dj38

VALENCIA, SPANIEN

Riesen bezwingen Wie sich Gulliver wohl fühlte, als er an Armen und Beinen gefesselt am Strand von Liliput erwachte und freche Winzlinge auf ihm herumturnten? Über die Gedanken von Jonathan Swifts Titelheld aus dem gleichnamigen Abenteuerroman weiß man auch nach dem Besuch des Parque Gulliver im Zentrum von Valencia nichts Genaueres. Wohl aber über die Aussicht, die die Winzlinge genießen durften: Ein 70 Meter großer Gulliver lädt im Spielplatz Parque Gulliver zum Klettern, Rutschen und Erforschen ein. Da die wahren Ausmaße des seit 1990 hier liegenden Riesen nur aus der Luft zu erkennen und zu begreifen sind, befindet sich in Gullivers Hut ein maßstabgetreues Modell des Parks. Eine Installation des Fotografen Andrés Pardo zeigt den Parque Gulliver aus Miniatursicht: youtu.be/YBXsqSBSuWI

Fotos: Alamy Stock Foto (John Lander), wibitsports.com, MONSTRUM Design (Per Borch), shutterstock.com (IURII BURIAK)

Im Netz verstricken


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BRAČ, KROATIEN

Über Wasser hopsen Ein entspannter Tag am Meer ist schon eine tolle Sache. Ein spannender Tag auf dem Meer ist noch besser: In den Wasserparks der Bocholter Firma Wibit Sports kann man auf Hüpfburgen herumspringen oder über eine Riesenrutsche ins Nass gleiten. Die Spiel­ module aus Nordrhein-Westfalen können nicht nur schwimmen, sie sind auch frei konfigurierbar und lassen sich sogar zu Wörtern zusammensetzen. So auch beim offiziell größten Wasserpark der Welt, der den Schriftzug „Indonesia“ bildet und in einer Bucht auf Bali liegt. Das Interesse an den gummiquietschbunten Wasserspielplätzen steigt stetig: Allein an der kroatischen Küste wie hier auf der Insel Brač gibt es bereits 27 dieser Parcours. Wie ein Wassersportpark entsteht, erfährt man auf dem Youtube-Kanal der Herstellers: youtube.com/user/wibit300

VIBORG, DÄNEMARK

Burgen erstürmen Balancieren durch den Bauch eines Wildschweins, Ritter spielen auf der Zugbrücke und im Bergfried, schaukeln auf dem Katapult: In dieses mittelalterliche Szenario, inklusive überdimensionalen Schwerts, hölzernen Wolfs und Höhle, kann man auf dem Spielplatz in den Wäldern rund um die dänische Stadt Viborg eintauchen. Der Spielplatz, der ebenfalls die Design-Handschrift von Monstrum (siehe Seite 48) trägt, ist eingebettet in eines der schönsten Naturschutzgebiete Jütlands. Innerhalb eines Kultur- und Bauprojekts wird die Ruine der Burg Hald restauriert, einschließlich der Wehranlagen und Wassergräben. Dort entlangzuspazieren, mitten durch 800 Jahre Geschichte, katapultiert auch die Großen zurück in der Zeit. Die beeindruckende Schönheit Jütlands und die Ruine der Burg Halt sieht man in diesen Drohnenaufnahmen: youtu.be/VbJN_p2oYUc


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MELDUNGEN

Egal, ob eine hohe Widerstands­ fähigkeit, die Verarbeitung bei widrigen Wetterbedingungen oder eine vielfältigere Auswahl der Oberputze – die neuen Armierungsmassen bilden ein größtmögliches Einsatz­ spektrum ab

Sicherer, schneller, simpler Beim Thema Wärmedämmung sind es die Details, die über den Erfolg entscheiden. Das ­W DV -System Qju erhält dafür Verstärkung durch die Qjusion Armierungsmassen. Die Produkte Qjusion Mineral, Organic und Hybrid überzeugen durch ihre effiziente Verarbeitung, dank der sich Dämmvorhaben schnell, einfach und sicher umsetzen lassen – auch bei widrigen Wetter­ bedingungen. Qjusion Mineral überzeugt dabei mit einer langen Verarbeitungszeit von vier Stunden, während Qjusion Organic mit einer direkten Verarbeitung ohne Ummischen punktet. Qjusion Hybrid hingegen vereint die besten Eigenschaften mineralischer und organischer Armierungsmassen und kann bereits nach zwei bis vier Tagen überarbeitet werden. brillux.de/qju


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Guter Look dank neuen Lacken brillux.de/holzbeschichtungen

Alles in Balance Um ungleichmäßig abgewitterte Hölzer im Außenbereich wieder gleichmäßig erstrahlen zu lassen, gibt es eine Lösung: Die lösemittelbasierte Holzfarbe SolvoGuard 885 ist für die Bearbeitung solcher Flächen ideal. Die Farbe auf Alkydharz-Bais bewahrt die charakteristische, ästhetische Holzstruktur und ermöglicht eine gleichmäßige und angenehme Verarbeitung. Zugleich schützt ­SolvoGuard 885 vor äußeren Witterungseinflüssen und Pilzbefall.

Für Gesundheit und Umwelt Im Zuge der Erweiterung des Holzbeschichtungssortiments wurde auch die Lacryl Holzlasur 235 optimiert. Unter dem neuen Namen Grenodecor 236 findet sich jetzt eine Lasur mit deutlich matterem Glanzgrad, bei der Wohngesundheit und Umweltschutz im Vordergrund stehen. Grenodecor 236 ist emissions- und geruchsarm und mit dem Blauen Engel zertifiziert.

Neue Hybrid-Kombi Mit der neuen Premium-Lasur TopGuard 280 ­behalten Laub- und Nadelhölzer lange ihre attrak­ tive ­Optik. Dank der neuen Hybrid-Technologie, die A ­ lkyd- und Acrylat-Bindemittel kombiniert, weist die Lasur eine lange Offenzeit auf und sorgt für ansatzfreies Arbeiten. Zugleich trocknet die Lasur zügig.


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Ist mit seinem Wechsel in die Selbstständigkeit in seinem Traumberuf angekommen: Malermeister Emanuel Eduardo manufaktur-ee.de

„Alles auf eine Karte“

Herr Eduardo, Sie waren elf Jahre im Vertrieb tätig, bevor Sie den Sprung in die Selbstständigkeit wagten. Warum dieser Tausch? Diese Idee entwickelte sich, nachdem unsere Tochter auf die Welt kam. Ich habe während meiner Elternzeit viel Zeit auf diversen Baustellen von Freunden verbracht und dort geholfen. Dabei habe ich mich daran erinnert, wie viel Spaß mir diese kreative Arbeit des Gestaltens, des lösungsorientierten Denkens und des Konzeptentwickelns wirklich macht. Da wurde mir klar: Ich mache das jetzt! Ich setzte alles auf eine Karte, gründete einen Betrieb und ging „all in“, wie man so schön beim Poker sagt. Sie haben für Ihren Start das Brillux ­Existenzgründerpaket genutzt. Warum? Durch meine Arbeit im Vertrieb kenne ich wahnsinnig viele Malerbetriebe, vom EinMann-Unternehmen bis zum 50 Mitarbeiter starken. Und ich weiß, wie unterschiedlich alle, auch im Hinblick auf ihre Außendarstellung, aufgestellt sind. Ich habe den Eindruck, dass viele ihre gute Arbeit zu wenig zeigen. Dabei leben wir Handwerker doch

davon, dass Leute uns kennen. Mein Motto ist „Angenehm anders als alle anderen“ und das wollte ich in meinem Außenauftritt rüberbringen. Ich habe zwei sehr gute Freunde, die witzigerweise beide für Brillux arbeiten. Und beide haben mich bei der Entscheidung, mich selbstständig zu machen, sehr unterstützt und auch vom Existenzgründerpaket überzeugt. Mir war wichtig, dass mein Auftritt in allen Bereichen sehr hochwertig ist und einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. Ich habe mich deshalb ganz bewusst für einen dunkelgrauen Firmenwagen, die entsprechende Arbeitskleidung und das zeitlose Gold in meinem Logo entschieden. Die Umsetzung hat sehr gut geklappt – von der Visitenkarte über die Geschäftspapiere bis hin zum Auto. Welche Kundschaft wollen Sie damit ansprechen? Mir ist es vor allem wichtig, einen Zugang zu den Menschen zu finden, die sich mit ihrer Entscheidung für eine Veränderung sehr schwertun. Und das sind sehr viele. Die versuche ich im ersten Schritt mit meiner klaren Außendarstellung abzuholen: Für meine Website habe ich ein Video gedreht, in dem ich meinen Werdegang erzähle. So erkennen die Menschen direkt, wer ich bin, welche Werte mir wichtig sind und was ich mit meinem Unternehmen verkörpern möchte (siehe dazu auch Seite 56). Im zweiten Schritt überzeuge ich Interessierte inhaltlich: Ich nehme mir viel Zeit, um mit ihnen gemeinsam ein Konzept zu entwickeln, das die Licht-, Decken- und Bodenbeschaffenheit genauso miteinbezieht wie die vorhandenen Möbel. Sagt mein Kunde nach dem Auftrag dann „Ich habe nicht nur einen Maler beauftragt, sondern jemanden, der mich komplett beraten hat“, habe ich mein Ziel erreicht.

Kontakt Tel. +49 251 7188-759 marketingunterstuetzung@brillux.de

Porträtfoto: Emanuel Eduardo

Emanuel Eduardo, 34, beriet jahrelang als Verkaufs­berater Malerbetriebe zu neuen ­Produkten und Techniken. 2020 wechselte er die Seite und machte sich mit seiner ­Manufaktur selbstständig. Wie der Maler­ meister, auch mithilfe des Existenzgründer­ pakets, den Neustart anging


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01 Geschäfts­ ausstattung

02 Website

03 Broschüre

04 Fahrzeugbeschriftung

01 Dank des goldenen, geschwungenen „E“ hat das Logo der Manufaktur einen hohen Wiedererkennungswert 02 Auf seiner Website überzeugt der Malermeister mit aussagekräftigen Referenzen und einem Vorstellungsvideo 03 Mit einer hochwertigen Broschüre gibt Emanuel Eduardo einen Einblick in seine Arbeit und will so noch unsichere potenzielle Kunden überzeugen 04 Das Motto des Betriebs zieht sich durch alle Bereiche der Außendarstellung. So ist „Angenehm anders als alle anderen“ auch die Botschaft des Firmenfahrzeugs


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#ONLINE Von der Raufasertapete über die frisch gestrichene Hausfassade bis zum Rennflaggenmuster auf dem Garagenboden: All diese Aufgaben gehören zum Maleralltag. Und genau diese Vielfalt bildet Maler Carsten Reez auch auf seinem InstagramAccount ab

„Papa, wir müssen ins Internet!“ Wenn man Carsten Reez fragt, was heute den Charme seines Familienbetriebs ausmacht, dann kommt der Malermeister aus Solingen ins Schwärmen: „Meine Arbeit ist mein Traumberuf, aber seitdem meine Söhne im Betrieb sind, macht es mir so viel Spaß wie schon lange nicht mehr. Ich gucke nicht mehr auf die Uhr und nehme mir mehr Zeit, um mir Gedanken über den Betrieb abseits des Arbeitsalltags zu machen.“ Etwa darüber, ob man als etablierter Betrieb wirklich im Internet vertreten sein muss. Aber unbedingt, fanden seine zwei Söhne, die beide Anfang zwanzig sind. Die Brüder überzeugten ihren Vater, es mit einem Instagram-Account zu versuchen. In den investiert Carsten Reez jetzt täglich rund 30 Minuten. Sein Motto dabei lautet: „Wir wollten nicht nur das Schöne zeigen, sondern vor allem so authentisch wie möglich sein.“ Und das kommt an: Schon fünf Aufträge habe er über die Plattform bekommen, so Reez. „Da waren tolle, kreative Sachen dabei.“ malerbetrieb-reez.de

Fotos: Instagram @malerbetriebreez; Monika Gross; Emanuel Eduardo; shutterstock.com (rassco, masmas)

Instagram @malerbetriebreez


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PRAXISTIPP

Film (geht) ab! Fast alle Handwerksbetriebe in Deutschland haben laut Digitalverband Bitkom eine eigene Website. Um positiv herauszustechen, ist ein Video ein immer beliebteres Tool. Sie müssen dafür aber nicht gleich zum nächsten Steven Spielberg werden: Ihre Kunden sollen vor allem einen (guten) Eindruck von Ihnen und Ihrer Persönlichkeit bekommen. Malermeister Emanuel Eduardo (siehe S. 54) aus Filderstadt beispielsweise erklärt in einem Clip seinen Werdegang. Sein Erfolgsrezept: Der 34-Jährige erzählt mit viel Humor und überzeugender Authentizität.

brillux.de/lernwelt

Fachbegriffe-Training D wie Dekontaminierbarkeit, F wie Fluatieren, I wie Imprägnieren: Alle Fachbezeichnungen von A bis Z können mit dem FachbegriffeTraining der Brillux Lernwelt geübt werden. In den zehnminütigen E-Learning-Kursen, die man als registrierter „Mein-Brillux“ Kunde kostenlos nutzen kann, erfährt man alles über die einzelnen Themen. Und kann mit diesem Wissen anschließend bei Kunden glänzen. Abrufbar sind die Trainings über alle mobilen Endgeräte und via Desktop.

Hörbare Expertise Ein Gespräch unter Gleichgesinnten ist eine gute Inspirationsquelle für die eigene Weiterentwicklung. Und das geht nun auch digital: Dank der neuen Audio-App Clubhouse kann man live netzwerken, Gesprächen lauschen und mitdiskutieren. Für Handwerker ist die App ein praktisches Instrument, um Fachwissen zu teilen, sich Ratschläge zu holen und nützliche Hinweise zum Unternehmensauftritt zu erhalten. Tipp: Da die Datenschutzregelung komplex ist, bitte Adressbuch nicht freigeben!

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7,9 Mrd. € Diese Summe wurde in Deutschland 2020 in digitale Werbung investiert. Tendenz steigend. Dabei nimmt die Suchmaschinenwerbung etwa die Hälfte des digitalen Werbeumsatzes ein. Quelle: Statista Advertising & Media Outlooks

Und Sie? Sind Sie mit Ihrem Betrieb auch auf Insta­gram aktiv? Nutzen Sie vielleicht sogar TikTok? Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihre Social-Media-Präsenz vor­stellen! Sprechen Sie gerne Ihren Verkaufsberater an oder melden Sie sich direkt: marketingunterstuetzung@brillux.de


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Wegweisende Website Das Spektrum und die Maßnahmen der Brillux Akademie wachsen stetig weiter. Ein neuer Websitebereich führt jetzt noch schneller und bedarfsorientiert zum passenden Angebot

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achwuchs gewinnen, Nachwuchs fördern, Fachkräfte entwickeln – das Angebot der Brillux Akademie umfasst immer mehr Bereiche und Themen, welche stetig wachsen und weiterentwickelt werden. Das umfangreiche Angebot stellt besonders Einsteiger/-innen vor die Aufgabe, sich das passende Angebot zu den jeweiligen Bedürfnissen herauszusuchen. Dieser Herausforderung begegnet Brillux jetzt mit einer neuen, noch übersichtlicheren Einstiegsseite: brillux.de/akademiefuerbetriebe

Tipps, Clips und Tricks Sie wollen Azubis vor Ort gewinnen? Sie wollen Ihren Gesellen in seiner Ausbilderrolle stärken? Gezielte Fragen nach Ihrem Anliegen weisen Ihnen den Weg durch die Vielzahl der Informationen und stellen sicher, dass jede/-r die passende Unterstützung erhält. Für ein besseres Verständnis sorgt ein neues Erklärvideo, das die aktuellen Herausforderungen skizziert und die umfangreichen Unterstützungs­ angebote übersichtlich vorstellt. Neben den zentralen Elementen des Angebots aus „Deine Zukunft ist bunt“, Ausbildungspartnerschaft und den Weiterbildungsangeboten für Fachkräfte enthält die OnlineSeite noch ein weiteres „Schmankerl“: Besucher erhalten hier einen Einblick in das Herzstück der Weiterbildungsaktivitäten bei Brillux – den Brillux Campus mit dem Gästehaus B-Wohnen.

Spiel mit Klischees: Postkarten als humorvolle Werbung


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Auf einen Blick! Dank der übersicht­ lichen Optik finden Interessierte für jedes Anliegen das maßge­ schneiderte Angebot

Bewegte Erklärung Ein illustriertes Erklärvideo und eigens produzierte Videoclips verdeutlichen den Mehrwert der Brillux Inhalte aus „Deine Zukunft ist bunt“ und „Akademie“


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„Die Unterlagen ermöglichen eine Ausbildung auf hohem Niveau.“ Laura Stegemann, Brillux Akademie

Mit der Sammlung von Vorlagen, Mustern und Checklisten erhalten Betriebe ein praktisches Werkzeug, um die Ausbildungszeit erfolg­ reich zu gestalten

Werden Sie Ausbildungspartner Mit einer Brillux Ausbildungspartnerschaft erhalten Sie Zugriff auf die Lernprogramme der Brillux Akademie und Ausbildungsextras. Davon profitieren Sie in vielfacher Hinsicht: So werden Sie für Auszubildende attraktiver und können mit fähigem Nachwuchs auch bei Ihren Kunden glänzen. Voraussetzung für eine Partnerschaft ist die Registrierung bei der Brillux Nachwuchs­ initiative „Deine Zukunft ist bunt“.

„Die Vorlagen wurden nah am betrieblichen Alltag entwickelt.“ Katharina Hemker, Malermeisterin und Technische Referentin Brillux Akademie


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Gut geplant – Zeit gespart Auszubilden macht Spaß – und kostet Zeit. Dank der Muster und Vorlagen von „Meine Ausbildung“ können Chefs sich aufs Wesentliche, die Praxis, konzentrieren

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ertschätzung ist neben der Vermittlung von Kompetenz einer der wichtigsten Aspekte, die ein Betrieb seinen Auszubildenden vermitteln kann. Dazu gehört auch, den Nachwuchs bereits vor Ausbildungsbeginn schriftlich zu begrüßen und ihm alle Details für den ersten Arbeitstag mitzuteilen. Das zeigt nicht nur Interesse, es baut bei den Jugendlichen auch Ängste vor dem Start ab. Doch administrative Arbeiten wie das Anschreiben zum Ausbildungsbeginn, die Anmeldung zur Berufsschule oder der Beurteilungsbogen für das Mitarbeitergespräch kosten Zeit. Mit Hilfe des neuen Service

Weil sich junge Menschen heute ihren Ausbildungs­ betrieb aussuchen können, ist die Ausbildungs­ qualität sehr wichtig. Und die beinhaltet auch eine gute Organisation. Alle Infos zu „Meine Ausbildung“ finden Sie hier: brillux.de/meine-ausbildung

„Meine Ausbildung“ kann man die Organisationsdauer zukünftig auf ein Minimum reduzieren. Alle Vorlagen und Werkzeuge zur Optimierung der Ausbildungsqualität bietet Brillux seinen Ausbildungspartnerbetrieben kostenlos zum Download. „Der gesamte Ablauf – vom Vorstellungsgespräch über die Azubibegleitung bis hin zum Ausbildungsende – kann mit diesen Unterlagen in hoher Ausbildungsqualität gestaltet werden“, erklärt Laura Stegemann von der Brillux Akademie, die gemeinsam mit der Technischen Referentin und Brillux Malermeisterin Katharina Hemker die Vorlagen entwickelt hat. Beiden war vor allem die Praxistauglichkeit und der Nutzen für Betriebe und Azubis besonders wichtig. Auch für Unternehmen in Österreich und der Schweiz stehen die Unterlagen mit den entsprechenden länderspezifischen Ausfertigungen zum schnellen und einfachen Download auf der Website bereit.


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Schulprojekt mit Perspektive Um sich für eine Ausbildung zu entscheiden, braucht es vor allem praktische Einblicke in den künftigen Beruf. Mit dem Projekt „Betrieb trifft Schule“ erhalten Jugendliche einen Einblick ins Maler- und Stuckateurhandwerk

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AlexanderCoppelGesamtschule

ei Malermeister Stefan Müller lief die Suche nach Auszubildenden in den vergangenen Jahren eher „klassisch“ ab: „Erst habe ich im Freundes- und Bekanntenkreis gefragt, dann eine Anzeige geschaltet und mich im Anschluss ans Arbeitsamt gewandt“, erzählt der 58-Jährige. Mit dem Ergebnis war der Solinger jedoch nicht mehr zufrieden: „Obwohl ich am liebsten pro Lehrjahr drei junge Leute ausbilden wollte, habe ich die Plätze oft nicht besetzen können. Manchmal trudelten Bewerbungen auch erst zum Ende des Sommers ein – im September ist Ausbildungsbeginn. Da hatte ich das Gefühl, ich

bin jetzt die Notlösung. Das hat sich dann leider oft bestätigt: Gerade diese Jugendlichen haben oft nicht durchgehalten.“ Neuer Weg, neue Auszubildende Für die Suche nach den Auszubildenden des Ausbildungsjahres 2021/2022 wählte Stefan Müller einen anderen Weg und wurde mit einem positiven Ergebnis belohnt: Emily Schönemann und Sophie Stein aus Solingen haben ihren Vertrag bereits Ende April bei ihm unterschrieben. „Ich freue mich schon total auf die Ausbildung“, sagte Sophie Stein am Tag der Vertragsunterzeichnung. Dass die 16-Jährige jetzt mit so viel Enthusiasmus ihrer Malerausbildung entgegenfiebert, obwohl sie ihre Zukunft noch im vergangenen Jahr „eher im sozialen Bereich“ sah, ist Resultat des zweitägigen Workshops, der im Herbst 2020 in den Räumen der Alexander-Coppel-Gesamtschule stattfand. „Betrieb trifft Schule“ ist ein Projekt der Brillux Nachwuchsinitiative „Deine Zukunft ist bunt“. Hier gestalten Maler- und Stuckateurbetriebe gemeinsam mit einem Team aus

Icons: nounproject (Jean-Philippe Cabaroc, b farias, Angelo Troiano, Edward Boatman)

BETRIEB TRIFFT SCHULE


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AUSBILDUNG IM MALER- UND STUCKATEURHANDWERK

01 Die große Wand im Techniktrakt der Alexander-Coppel-­ Gesamtschule wurde von acht Schülerinnen und Schülern des 10. Jahrgangs neu gestaltet 02 Zwei Tage lang arbeitete das Team an der Wand. Das Ergebnis erfüllte alle Teilnehmenden mit Stolz 03 Inspiration und ­Motivation: Ein Schild erinnert an das Projekt „Betrieb trifft Schule“

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„Da ist in kürzester Zeit eine tolle Wandgestaltung entstanden …“ Suse Pless, Lehrerin

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„Auszubildende, die sich für den Beruf begeistern, haben ein ganz anderes Durchhaltevermögen.“ Stefan Müller, Malermeister

Schülern eine Wand oder einen Klassenraum und ermöglichen so den Jugendlichen praktische Einblicke in den Maler- und Stuckateurberuf. Die Materialien für das Projekt werden dabei von Brillux gestellt. Das Schulprojekt läuft seit vergangenem Jahr, bundesweit haben sich über 200 Handwerksbetriebe und Schulen angemeldet. Praktika als Praxistest Die Alexander-Coppel-Gesamtschule ist nicht nur die älteste Gesamtschule Solingens, sie ist vor allem für ihren Technikbereich bekannt und somit prädestiniert für die Azubisuche: Als einzige Schule des bergischen Städtedreiecks Wuppertal, Remscheid und Solingen bietet sie Technik als Abitur- und Leistungsfach an. Im Schultrakt „­Technik“, in dem täglich viele

der 1.350 Jugendlichen entlanglaufen, ziert jetzt ein grafisches Trapezmuster in Gelb, Orange und Rot die Wand, angebracht von Emily Schönemann, Sophie Stein und sechs ihrer Klassenkameraden. Wie entwickelt man ein Muster? Was muss man beim Abkleben der Flächen beachten? Worauf beim Auftragen der Farbe? Nicht nur diese praktischen Fragen konnten alle am Ende des zweitägigen Projekts beantworten – dank der fachkundigen Anleitung des Malerteams um Malermeister Müller und dessen Gesellin Joelle Stamm, selbst früher Schülerin an der Schule. Sie bekamen auch ein Gefühl für die Frage nach der eigenen Zukunft: Kann ich mir vorstellen, diese Arbeiten ein Leben lang auszuführen? Für Emily Schönemann und Sophie Stein lautete die Antwort: Ja. „Das macht mir Spaß. Und das ist mir im Beruf sehr wichtig. Sonst ergibt es keinen Sinn, als Malerin eine Ausbildung zu starten“, ist Emily Schönemann überzeugt. Ihr und ihren Klassenkameraden machte die Gestaltung der Schulwand so viel Freude, dass sie sogar freiwillig an den folgenden Wochenenden in die Schule kamen, um noch eine weitere

Icons: nounproject (Nociconist, b farias, Angelo Troiano, Edward Boatman); Porträtfotos: Malermeister Stefan Müller GmbH, privat

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AUSBILDUNG IM MALER- UND STUCKATEURHANDWERK

01 Während des Projekts entwickelten die Schüler/-innen so viel Freude an der Arbeit, dass sie sich spontan entschieden noch eine zweite Wand zu gestalten 02 Gesellin Joelle Stamm (l.), selbst früher Schülerin der Schule, unterstützte das Projekt 03 Zufriedenheit auf allen Seiten: Malermeister Müller und seine zukünftige Auszubildende Sophie Stein bei der Unterzeichnung des Ausbildungsvertrags 03

Betrieb trifft Schule

Wand mit einem aufgemalten 3D-Drucker und dem Wort „Technik“ zu bemalen. Eine Win-win-Situation Spaß ist schön, aber nicht alles, weiß Malermeister Müller. Er wollte den jungen Frauen zeigen, dass neben den gestalterischen Tätigkeiten noch andere Arbeiten zum Malerhandwerk gehören. Dafür lud er die beiden zu einem dreiwöchigen Praktikum ein. „Beide haben sich gut eingefunden und mir signalisiert: Wir möchten das gerne machen. Ich habe den Eindruck gehabt, beide wollen den Beruf unbedingt erlernen“, so Müller. Das Resultat des Projekts: zwei neu gestaltete Wände und zwei Ausbildungsverträge. Das freut die betreuende Lehrerin Suse Pless sehr: „Alle waren sehr motiviert und ich glaube, die Schüler/-innen hätten einfach immer weitergemacht, wenn wir sie nicht ausgebremst hätten. Das war sehr schön zu erleben. Dass jetzt zwei Schülerinnen mit diesen Ausbildungsplätzen eine Perspektive bekommen haben, ist eine Win-win-­Situation. Das freut mich riesig für alle Beteiligten.“

Das Projekt startete 2020 unter dem Dach der Nachwuchsinitiative „Deine Zukunft ist bunt“. Das Ziel: Schulen und Malerbzw. Stuckateurbetriebe zusammenzubringen und potenziellen Auszubildenden einen Einblick in den Beruf des Malers und Stuckateurs zu ermöglichen. Betrieben, die am Projekt teilnehmen möchten, vermittelt Brillux den Kontakt zu interessierten Schulen. Die Materialien werden von Brillux bereitgestellt. Bundesweit haben sich bereits über 200 Handwerksbetriebe zum Schulprojekt angemeldet. brillux.de/betrieb-trifft-schule

„Das macht mir Spaß. Und das ist mir im Beruf am wichtigsten.“ Emily Schönemann, Schülerin


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ANBLICK

Impressum Herausgeber Brillux GmbH & Co. KG Weseler Straße 401 48163 Münster Tel. +49 251 7188-759 Fax +49 251 7188-53395 brillux.de Kontaktadresse Brillux Marketingservice brillux.de/service marketingunterstuetzung@ brillux.de Redaktion und Gestaltung formba – Editorial und Design, Billrothstraße 77, 22767 Hamburg, formba.de

Freundliche Floskel als besondere Botschaft Manchmal sind es kleine Dinge, die uns zu Großem inspirieren. So erging es auch Steffi Lynn Tsai: Als die Illustratorin aus einem Café Essen mitnahm, las sie auf der Tüte den Satz „Have a nice day!“ – „Hab einen schönen Tag!“. Tsai nahm die Floskel wörtlich – und hatte einen tollen Tag. Dank dieses Erlebnisses wurde die Botschaft ihr Markenzeichen. Mittlerweile kann man sie nicht nur auf dieser Hausfassade in Jackson, Michigan, bewundern, der Satz ziert auch Socken, Pullis und Plakattafeln. „Ich wollte daran erinnern, dass es in Ordnung ist, gestresst zu sein und einen harten Tag zu haben. Atme durch, hab einen schönen Tag. Morgen kommt ein neuer“, so Tsai. Die Entstehung des Murals kann man im Zeitraffer auf Instagram verfolgen. bit.ly/2PatHSz

Erscheinungsweise 4x jährlich, ISSN 1610-6822 Nachdrucke, auch auszugsweise, oder andere Formen der Verviel­fältigung bedürfen der ausdrück­lichen Geneh­ migung von Brillux.

Foto: Clay McAndrews / Bright Wall Festival

Autoren: Wiebe Bökemeier, Andrea Guthaus, Denis de Haas, Ralf ­Krämer, Sarah Schönewolf


„Erfolg ist nicht der Schlüssel zum Glück. Glück ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn du liebst, was du tust, wirst du erfolgreich sein.“

Albert Schweitzer (1875–1965), deutsch-französischer Arzt, Philosoph und Friedensnobelpreisträger

Thema in der nächsten Ausgabe: Leidenschaft im Handwerk


36309/232/14,6/0621 8826.0010.9081

Schneller, sauberer und sicherer. Armieren wird dann zum Vorteil, wenn es einfach keinen Nachteil gibt. Ob mit Qjusion Hybrid, Organic oder Mineral – der Erfolg ist auf Ihrer Seite. Genau das ist Qjusion. www.brillux.de/qju


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