I . Editionsrichtlinien
Musik:
Die Notenwerte und Taktvorzeichnungen entsprechen denen der Quelle, sofern nicht anders angegeben
Die Quellen weisen keine konsequente (Takt-)strichsetzung auf Die Taktstrichsetzung der Edition erfolgt nach heutigem Verständnis der originalen Takt- bzw Mensurangabe Originale Gliederungsstriche, die sich bei Staden und Franck und dort v a im B c finden, sind mit einem kleinen Strich über dem System gekennzeichnet Wo diese sich logisch ergeben, aber in der Quelle aus Platzmangel am Ende einer Zeile fortgelassen worden sind, werden sie in runden Klammern angegeben
Die durch die neue Taktstrichsetzung sich ergebenden Änderungen der Notenwerte, v a durch notwendig werdende Überbindungen, werden nicht eigens nachgewiesen
Im Gegensatz zu Staden, Franck und Berger verwendet Werlin unterschiedliche Takt- bzw . Mensurzeichen für den Tripeltakt . Nur im Fall unterschiedlicher Schreibungen in den Stimmen wird unter Anzeige in den Lesarten eine einheitliche Taktvorzeichnung gewählt .
Die Taktstriche sind für den kleinen Tripeltakt, der in der Quelle mit 3/2 oder 3 vorgezeichnet ist, in der Edition nach 3 Halben gesetzt, für den großen, der in der Quelle mit O 3/1 vorgezeichnet ist, folgen sie in der Edition nach drei ganzen Noten Im geraden, in den Quellen durchweg mit c vorgezeichneten Takt wird der Taktstrich in der Edition nach zwei Halben gesetzt Einzelheiten und Abweichungen sind den jeweiligen Kapiteln „Notation des Druckes“ und dem Lesartenverzeichnis zu entnehmen
Die Schlüssel werden dem modernen Gebrauch angepaßt Die originalen Schlüssel sind im Vorsatz wiedergegeben
Alle Herausgeberzusätze werden in eckigen Klammern angezeigt
Im Notentext bzw in der Generalbassbezifferung selbst erscheinen zwingend notwendige – ebenso geklammerte – Ergänzungen, z B ergänzte Akzidentien Über den Noten der Vokalstimmen gesetzte geklammerte Hinzufügungen sind Herausgebervorschläge Diese Zusätze gelten nur für die einzelne Note und direkte Wiederholungen
Die Geltungsdauer der Vorzeichen ist in alten Drucken nicht zweifelsfrei zu erkennen – in der Regel gelten sie nur für den betreffenden Ton Werlin, selten auch Berger, verwendet häufig Gruppen von vier zusammengehörenden Noten, in denen ein Vorzeichen vor der gleichen Note nur einmal erscheint, auch wenn der betreffende Ton nach i d R einem Zwischenton, seltener nach zwei Zwischentönen abermals erscheint (vgl Einleitung und Abbildungsteil, Nr 5) Die Edition geht stillschweigend von der weiteren Geltung des Vorzeichens aus
In der vorliegenden Edition gelten die Vorzeichen, wie heute allgemein üblich, für den ganzen Takt Das gilt auch für die Generalbassbezifferung Auflösungen oder Wiederholungen, die durch diese Regelung notwendig werden, werden stillschweigend ergänzt Zur Auflösung von Erniedrigungen in einem Stück, das in der Quelle als Generalvorzeichnung ein b verzeichnet, wird anstelle des Kreuzes das moderne Auflösungszeichen verwendet Dies gilt ebenfalls für die Generalbassbezifferung Abweichungen von der Quelle und problematische Lesarten werden in jedem Fall im Lesartenverzeichnis kommentiert
Bei Werlin notiert die Quelle an einigen Stellen Warnakzidentien, z B ein Kreuz vor einem e in einem Stück mit b Vorzeichnung, was darauf hinweist, dass hier kein es gesungen werden soll, oder im B c . ein b über einem d oder a als Hinweis, dass ein Moll-Akkord gemeint ist Diese Warnakzidentien werden, wenn die Lesart eindeutig ist, nicht in die Edition aufgenommen, aber in den Lesarten verzeichnet . Ligaturen werden mit der Ligaturenklammer ⌐ ¬ bezeichnet, Schwärzung der Noten wird durch Kolorhaken ⌐– –¬ angezeigt
Die bei Werlin in der Quelle an einigen Stellen verwendeten Schwärzungen für eine Semibrevis und eine vorausgehende Minima werden in der Edition ebenso wie die anderen Schwärzungen mit Kolorhaken angezeigt Die Minima erscheint durch die Schwärzung wie eine Semiminima, ist aber als Minima zu lesen
In der Generalbassbezifferung fehlende Ziffern werden nur in zwingenden Fällen, und zwar in Klammern, ergänzt Fehler werden unter Anzeige im Lesartenverzeichnis bzw in eckigen Klammern korrigiert
Fehlende Akzidentien in der Generalbassbezifferung werden grundsätzlich in eckigen Klammern ergänzt; nicht berücksichtigt werden jedoch Durchgangsnoten in kleineren Notenwerten Die Quellen verzichten auf die Hinzufügung eines Vorzeichens in der B c -Bezifferung zur Erhöhung der Terz bei Quartvorhalten und vereinzelt auch anderen Alterationen
Generalbassziffern, die in der Quelle direkt hintereinander stehen, werden in der Edition musikalisch sinnvoll auf den Takt verteilt
In der Generalbassbezifferung wird einheitlich die Reihenfolge Zahl–Vorzeichen verwendet (wie in der Quelle bei Werlin, aber abweichend von Staden)
Der Werlin-Druck folgt der in der Zeit nicht ganz unüblichen Praxis, im B .c das b oder Kreuz, das auf die Erniedrigung oder Erhöhung der Terz des Akkordes hinweist, nicht über, sondern im Notensystem vor der Note, auf die es sich bezieht, zu notieren . Auch wenn es ausnahmsweise nicht an der Stelle steht, wo im Notensystem die Terz des Akkordes liegt (z B auf Höhe der Sekunde oder Quarte), geht die Edition davon aus, dass das Zeichen sich immer auf die Terz bezieht, denn alle anderen Alterationen sind mit Ziffern über dem System notiert (vgl Abbildungsteil, Nr 2) In der Edition werden alle Angaben über dem System notiert, wie es der verbreiteten Praxis entspricht
Falls in der Quelle eine Maxima am Schluss notiert ist, wird diese unter Anzeige im Lesartenverzeichnis in eine Longa verwandelt Schlusslongae bei Werlin werden in der Quelle häufig mit dem Hals links notiert; die Edition ändert zur gängigen Schreibweise
Die Quellen verwenden keine Balkensetzung; die Balkensetzung der Edition entspricht modernen Gepflogenheiten
Musikalische Angaben im Notenteil:
Angaben zur Gestalt der Stücke, die durch den Partitursatz von selbst ersichtlich sind, sind stillschweigend eliminiert, z B TacetAng aben oder andere Besetzungshinweise
Staden: Musicalische Friedensgesänge
Die Angaben zur Aufführung der einzelnen Stücke sind in den einzelnen Stimmbüchern nicht einheitlich verzeichnet, sondern ergänzen sich . Alle Abweichungen werden im Lesartenverzeichnis aufgeführt
Die Besetzungsangabe der drei Soloinstrumente lautet den Stimmbüchern gemäß grundsätzlich „Violine 1, Violine 2, Viola“ Alternative Besetzungen sind in der Überschrift der Stücke wiedergegeben Falls die einzelnen Stimmbücher verschiedene sich widersprechende Besetzungsangaben verzeichnen, wird die Besetzung der obersten Singstimme übernommen Die abweichenden Besetzungen in den anderen Stimmbüchern sind im Lesartenverzeichnis vermerkt
Werlin: Irenodiae
Die Stimmbezeichnungen sind nicht immer mit den Bezeichnungen der Stimmbücher identisch (im Stimmbuch des Altus heißt die Stimme des ersten Stückes „Cantus secundus“, im Stimmbuch des Bassus heißt das 11 Stück „Cantus Tertius“) In den Lesarten wird die Stimmbezeichnung verwendet, nicht die Bezeichnung des Stimmbuches Eine Übersicht über die Verteilung der Stimmen auf die Stimmbücher gibt die Statistik
In der Quelle steht die Tempoangabe, da es sich um Stimmbuchnotation handelt, i d R sinnvollerweise beim jeweiligen Stimmeneinsatz In der Edition wird die Angabe mit dem Einsatz der ersten Stimme des Abschnittes verbunden und nur über der Akkolade notiert
Anstelle der Tempobezeichnung „allegro“ verwendet die Quelle an einigen Stellen „allegio“ Die Edition verwendet einheitlich den modernen Begriff unter Angabe in den Lesarten
Liedtext im Notenteil:
Die Überschriften der einzelnen Stücke sind bei Sologesängen von der jeweiligen Singstimme übernommen Bei Stücken mit mehreren Singstimmen sind sie von der obersten Stimme übernommen; abweichende Überschriften in anderen Singstimmen sind in den Lesarten angemerkt
Die Virgel wird durch das moderne Komma ersetzt, in seltenen Fällen durch Punkt, was in den Lesarten nachgewiesen wird
Textergänzungen, für die in der Quelle ein idem-Zeichen (ij) steht, sind kursiv wiedergegeben Auch dort, wo ohne idem-Zeichen von Textwiederholung auszugehen ist, steht dieser Text in Kursivdruck
Die Interpunktion wird wie in der Quelle belassen Zur Sinnverdeutlichung wird an einigen Stellen vorsichtig an die moderne Schreibweise angepasst, was in den Lesarten vermerkt ist
Bei Wort- und Satzgliedwiederholungen wird stillschweigend ein Komma ergänzt
Die Quellen schreiben den ersten Buchstaben nach der Initiale häufig groß, was die Edition nicht übernimmt
Unterschiedliche Schrifttypen für deutsche und lateinische Wörter werden vereinheitlicht
Unterschiedliche Schreibweisen in den einzelnen Stimmbüchern werden vorsichtig vereinheitlicht, in der Regel in Richtung heutiger Schreibweise Die Varianten sind in den Lesarten verzeichnet
Bei Nomina Sacra werden die Großbuchstaben, wie in der Quelle notiert, belassen
Die originale Schreibweise wird mit folgenden Ausnahmen beibehalten:
Alle Abbreviaturen werden stillschweigend aufgelöst (z B un zu und, dz zu daß)
Die Graphie folgender Konsonanten und Diphtonge, die für die Aussprache keine Bedeutung haben, ist stillschweigend der heutigen Schreibung angepaßt: mb und mp zu m bzw mm, ew zu eu, aw zu au U-v und i-j sind stillschweigend ausgeglichen
Die originale Umlautschreibung mit übergestelltem kleinen e wird stillschweigend modernisiert
Unterschiedliche Schreibweisen der s-Laute werden stillschweigend vereinheitlicht
Substantive werden generell groß geschrieben Substantivierte Verben (z B streiten, morden, kriegen) bleiben der Quelle gemäß klein geschrieben
In wenigen Einzelfällen wurde, wo es dem Herausgeber sinnvoll erschien, vorsichtig an moderne Orthographie angeglichen, was in den Lesarten verzeichnet ist
Eindeutige Druckfehler der Orthographie werden korrigiert und in den Lesarten verzeichnet
Die in der Quelle verwendeten Trennzeichen werden entsprechend ihrer unterschiedlichen Funktion unterschiedlich behandelt:
Die originalen doppelten Trennstriche (=) sind stillschweigend in einfache (-) verwandelt
Trennzeichen als Worttrenner am Zeilenende werden nicht übernommen .
Trennzeichen als Worttrenner innerhalb einer Zeile, die zur Darstellung einer über mehrere Töne gehaltenen Silbe verwendet werden, werden nicht übernommen .
Trennzeichen als Kennzeichnung von Komposita werden wiedergegeben . Trennzeichen, die nicht eindeutig als Kompositum oder als Zeichen für eine Ligatur erkennbar sind, werden beibehalten
Werlin: Irenodiae
Die Varianten in der Schreibweise einzelner Wörter sind in den Lesarten verzeichnet Die zuletzt genannte Variante ist die der Edition Zweifelsfälle sind in die Lesarten aufgenommen Wenn die Schreibung eines Stückes durchgehend eine andere als die heutige ist, wird der Quelle gefolgt Das hat zur Folge, dass Wörter in verschiedenen Stücken unterschiedlich geschrieben werden
Das zentrale Wort „Friede“ wird immer in moderner Rechtschreibung notiert
Die Stücke tragen in der Quelle keine Überschrift Sie sind in der Edition nach den Textanfängen hinzugefügt
In der Quelle wird nach Ausrufezeichen und Fragezeichen meistens klein weitergeschrieben In der Edition wird stillschweigend die moderne Rechtschreibung verwendet
In der Quelle wird nach einer Virgel in einigen Fällen groß weitergeschrieben In der Edition wird, wenn es sich aus der Satzbedeutung ergibt, die Virgel stillschweigend als ein Punkt aufgefasst
Die Quelle schreibt den häufig vorkommenden Ausruf „O“ durchgehend groß, auch nach einer Virgel In der Edition wird je nach Kontext Groß- oder Kleinschreibung verwendet
Die Quelle trennt den Übergang in die neue Taktart in der Regel mit Virgel und Kleinschreibung . Die Edition verwendet Punkt und Großschreibung unter Angabe in den Lesarten, wenn musikalisch ein neuer Abschnitt erkennbar ist und durch die Trennung vollständige Sätze verbleiben bzw entstehen
Die B c .-Stimme verzeichnet an bestimmten, textlich oder musikalisch sinnfälligen Stellen Textincipits zur Orientierung, die in der Edition und auch in den Lesarten nur bei signifikanten Abweichungen nachgewiesen werden
Text im Textanhang:
Die originale Schreibweise wird mit folgenden Ausnahmen beibehalten:
Die originale Umlautschreibung mit übergestelltem kleinen e ist modernisiert
Unterschiedliche Schreibweisen der s-Laute werden stillschweigend vereinheitlicht
Unterschiedliche Schreibweisen in den einzelnen Stimmen werden sinnvoll vereinheitlicht, in der Regel nach der obersten Stimme Abweichungen werden in den Lesarten angegeben Die Zeilenumbrüche entsprechen nicht denen des Originals, sondern sind an den vorhandenen Reimen orientiert bzw nach Sinneinheiten vorgenommen
Doppelte Trennstriche werden durch einfache ersetzt
Den bei Staden verwendeten Schrifttypen Fraktur und Antiqua werden in der Abschrift ebenfalls zwei unterschiedliche Schrifttypen zugewiesen (Antiqua wird kursiv wiedergegeben) Die unterschiedlichen Schriftgrößen werden nicht berücksichtigt
Die Virgel und ihre Setzung wird beibehalten
Abbreviaturen werden stillschweigend aufgelöst (z B un zu und, dz zu daß)
Abkürzungsverzeichnis
A Altus
B Bassus
B C (B c ) Bassus Continuus (Basso Continuo; Bassus Generalis ad Organum)
Bar Bariton
C Cantus
St Stimme
Str Strophe
T Tenor
Vl Violine
Vln Violone
I Primus
II Secundus
III . Tertius
IV. Quartus
V Quintus