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PB 15168 – Rachmaninow, Vocalise

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Rachmaninow

– VOCALISE

für Sopran und Orchester cis-moll for Soprano and Orchestra in C sharp minor op. 34 Nr. 14

Partitur Score

PB 15168

Breitkopf & Härtel

Partitur-Bibliothek

SERGEJ RACHMANINOW

1873–1943

VOCALISE

für Sopran und Orchester cis-moll

for Soprano and Orchestra in C sharp minor

op. 34 Nr. 14

herausgegeben von | edited by Dominik Rahmer

Partitur-Bibliothek 15168

Printed in Germany

Vorwort

Sergej W. Rachmaninow (1873–1943) ist heute vor allem für seine Klaviermusik bekannt, er hat jedoch auch ein umfangreiches Vokalwerk hinterlassen. Neben Opern und Chorwerken zog es ihn immer wieder zur Liedgattung; zwischen 1893 und 1916 erschienen sieben Sammlungen mit insgesamt 71 Liedern im Druck. Mit Vorliebe griff Rachmaninow dabei auf Texte russischer Dichter zurück, doch ausgerechnet sein einziges Lied ohne Worte wurde zu seinem größten Erfolg: die Vocalise op. 34 Nr. 14 für hohe Stimme und Klavier, die er 1915 als nachträgliches Schlussstück zu der bereits 1912 entstandenen Liedersammlung op. 34 verfasste. Rachmaninow komponierte die Vocalise für die Sängerin Antonina W. Neschdanowa (1873–1950), der er das Stück auch widmete. Neschdanowa gehörte zu den führenden russischen Opernsängerinnen ihrer Zeit; als gefeierter Koloratursopran am Moskauer Bolschoj-Theater sang sie die großen Hauptrollen ihres Fachs, etwa in Don Giovanni, Die Zauberflöte, Der Barbier von Sevilla, Eugen Onegin, Rigoletto, La Traviata und La Bohème

Die Gestaltung der Vokalpartie der Vocalise nahm der Komponist dabei in enger Zusammenarbeit mit Neschdanowa vor. Eine erste vorläufige Fassung, datiert auf den 1. April 1915, steht noch in es-moll und enthält kaum Angaben zu Phrasierung und Dynamik; in diesem Autograph finden sich etliche kleine Änderungen der Gesangslinie sowie Atemzeichen, die Neschdanowas Anregungen widerspiegeln. Ebenso dürfte Rachmaninows Randnotiz „cis mol“ auf den Wunsch der Sängerin zurückgehen, das sehr hoch liegende und bis zum Spitzenton es3 reichende Stück einen Ganzton tiefer zu setzen. Auch der Klavierpart weicht substanziell von der späteren Gestalt ab. Das Autograph der nun fertig ausgearbeiteten Fassung in cis-moll stammt vom 21. September 1915 und diente als Stichvorlage für die Erstausgabe, die noch im gleichen Jahr in Moskau erschien.

Neschdanowa beschrieb in ihren Erinnerungen den Entstehungsprozess folgendermaßen: „Er brachte seine ‚Vocalise‘ vor dem Druck zu mir und spielte sie mir häufig vor. Für eine bequemere Ausführung überdachten wir beide gemeinsam Details und setzten Atemzeichen zwischen die Phrasen. Während er mit mir probte, nahm er mehrmals an einigen Stellen rasch Änderungen vor, da ihm jedes Mal irgendeine andere Harmonie, eine neue Modulation oder Nuance einfiel. Anschließend, nachdem die ‚Vocalise‘ orchestriert worden war, sang ich sie zum ersten Mal mit dem Orchester unter der Leitung des Dirigenten S. A. Koussevitzky“ (im Original auf Russisch; zitiert nach: Antonina Vasil’evna Neždanova. Materialy i issledovanija, hrsg. von Vera A. Vasina-Grossman, Moskau 1967, S. 172).

Die Uraufführung der Vocalise fand am 25. Januar 1916 im Moskauer Neslobin-Theater im Rahmen eines Orchesterkonzerts unter der Leitung von Serge A. Koussevitzky statt (vgl. Vospominanija o Rachmaninove, hrsg. von Zarui A. Apetjan, Moskau 51988, Bd. 2, S. 477). Neschdanowas oben zitierte Erinnerungen belegen, dass hierbei die Vocalise nicht (wie oft irrtümlich zu lesen) in der Klavierfassung, sondern in der vom Komponisten zwischenzeitlich erstellten orchestrierten Fassung gespielt wurde. Der im Publikum sitzende Rachmaninow betrat erst anschließend als „Überraschungsgast“ die Bühne und begleitete die Sängerin bei einigen seiner Lieder am Klavier (vgl. Viktor A. Juzefovič, Sergej Kusevickij, Bd. 1: Russkie gody, Moskau 2004, S. 331). In einer etwas anderen Form war die Vocalise übrigens bereits am 7. Dezember 1915 öffentlich zu hören, und zwar in einer Bearbei-

tung für Kontrabass (!) und Orchester durch Koussevitzky, der auch den Solopart übernahm (vgl. Juzefovič, Kusevickij, S. 331). Es ist anzunehmen, dass Koussevitzky dafür die bereits existierende Orchestrierung von Rachmaninow verwendete und lediglich den Solopart einrichtete (und das Stück dabei vermutlich in eine günstigere Tonart transponierte – in der Library of Congress in Washington ist ein Manuskript aus seinem Nachlass erhalten, das die Vocalise in einer Fassung für „Solo“ und Klavier in h-moll wiedergibt).

Die Vocalise errang rasch große Beliebtheit, was sich auch an den zahllosen Arrangements des Vokalparts für ein Soloinstrument zeigt. Bereits parallel zur Erstausgabe erschienen 1915 bei Rachmaninows Hauptverleger A. Gutheil Fassungen für Klarinette, Violine bzw. Violoncello und Klavier, später auch für viele andere Besetzungen, die jedoch allesamt nicht von Rachmaninow stammen. Nur zwei Bearbeitungen gehen auf den Autor selbst zurück: die erwähnte Fassung für Gesang und Orchester von 1915/16 (unsere Edition PB 15168) sowie eine Fassung für Orchester allein (erschienen 1919), in der 16 bis 20 Soloviolinen den Gesangspart übernehmen (unsere Edition PB 15167). Den Plan zu einer reinen Orchesterfassung ohne Gesang scheint Rachmaninow schon sehr früh verfolgt zu haben; so schrieb er 1918 dem befreundeten Dirigenten Modest I. Altschuler: „Am besten hat mir Deine Idee gefallen, die ‚Vocalise‘ im Stile des Air von Bach zu interpretieren. Das stimmt, und ich habe auch schon daran gedacht. Man müsste die Melodie von einigen Geigern im Unisono spielen lassen. […] Ich erinnere mich nicht mehr, in welcher Stadt ich auf diese Weise die ‚Vocalise‘ gehört habe, die (im Arrangement von [Michail] Press) von zehn Geigern unisono gespielt wurde. Es klang hervorragend, und ich war sehr zufrieden. Probiere das doch auch einmal aus, nur transponiere sie nach e-moll“ (im Original auf Russisch; zitiert nach: Literaturnoe nasledie, Bd. 2, hrsg. von Zarui A. Apetjan, Moskau 1980, S. 105).

Diese Idee setzte Rachmaninow kurz darauf selbst in die Tat um, denn bereits im Jahr darauf erschien bei Breitkopf & Härtel die Erstausgabe seiner eigenen Orchesterfassung. Wie in seinem Brief angesprochen, wählte er hierfür die streicherfreundlichere Tonart e-moll, die zugleich eine kleine Terz höher liegt als die Vokalfassung und somit den Solopart in den hohen Geigen brillanter herausstellt. Bemerkenswert ist, dass der Komponist sich nicht mit einer bloßen Transposition seiner Fassung für Sopran und Orchester begnügte, sondern eine komplett neue Orchestrierung vornahm, in der auch die Bläser etwas stärker zur Geltung kommen als zuvor. Eine weitere Neuerung ist die Hinzunahme eines Englischhorns, dem zu Beginn einige solistische Takte anvertraut werden. Die früheste nachweisbare Aufführung dieser Orchesterfassung fand am 7. April 1920 in New York unter der Leitung von Walter Damrosch statt (vgl. Literaturnoe nasledie, Bd. 3, S. 447). 1929 entstand auch eine Schallplattenaufnahme für das Label Victor mit dem Philadelphia Orchestra, geleitet vom Komponisten persönlich.

Eine detaillierte Beschreibung der zahlreichen Quellen zur Vocalise findet sich im Kritischen Bericht der vorliegenden Ausgabe. Herausgeber und Verlag danken den dort genannten Bibliotheken und Archiven für die freundlich zur Verfügung gestellten Quellenkopien.

München, Frühjahr 2026 Dominik Rahmer

Preface

Sergei V. Rachmaninoff (1873–1943) is best known today for his piano music, but he also left behind an extensive body of vocal works. In addition to operas and choral works, he frequently turned to the genre of songs. Between 1893 and 1916, seven collections containing a total of 71 songs were published. Though Rachmaninoff preferred using texts by Russian poets, his greatest success was a wordless song: the Vocalise, op. 34 no. 14 for high voice and piano. He composed it in 1915 as a supplemental final piece for his 1912 collection of songs, op. 34. He composed the Vocalise for the singer Antonina V. Neshdanova (1873–1950), to whom it is also dedicated. Neshdanova was one of the leading Russian opera singers of her time. As a celebrated coloratura soprano at the Bolshoi Theater in Moscow, she performed leading roles in operas such as Don Giovanni, The Magic Flute, The Barber of Seville, Eugene Onegin, Rigoletto, La Traviata and La Bohème Rachmaninoff collaborated closely with Neshdanova to refine the vocal part of the Vocalise. The first, preliminary version dated 1 April 1915 was still in E-flat minor and lacked detailed information about phrasing and dynamics. This autograph contains minor adjustments to the vocal line and breathing cues based on Neshdanova’s suggestions. Rachmaninoff’s marginal note, “C-sharp minor,” likely resulted from the singer’s request to lower the very high piece, which reaches up to the high note EJ3, by a whole tone. The piano part also differs substantially from the later version. The autograph of the then completed version in C-sharp minor, dated 21 September 1915, served as the engraver’s model for the first edition, which was published in Moscow that same year.

In her memoirs, Neshdanowa described the creative process as follows: “He brought his ‘Vocalise’ to me before it was printed and played it for me often. To make it easier to perform, we both thought through the details together and inserted breath cues between the phrases. While rehearsing with me, he made several quick changes, as he kept coming up with different harmonies, new modulations and nuances. Then, after the ‘Vocalise’ had been orchestrated, I sang it for the first time with the orchestra, conducted by S. A. Koussevitzky” (in the original in Russian language; quoted from: Antonina Vasil’evna Neždanova. Materialy i issledovanija, edited by Vera A. Vasina-Grossman, Moscow 1967, p. 172).

The premiere of the Vocalise took place on 25 January 1916 at the Neslobin Theatre in Moscow as part of an orchestral concert conducted by Serge A. Koussevitzky (cf. Vospominanija o Rachmaninove, ed. by Zarui A. Apetjan, Moscow 51988, vol. 2, p. 477). Neshdanova’s recollections quoted above prove that here the Vocalise was not played in the piano version (as is often mistakenly stated), but in the orchestrated version that the composer had created in the meantime. Only afterwards did Rachmaninoff, who had been sitting in the audience, take the stage as a “surprise guest” and accompany the singer on the piano for some of his songs (cf. Viktor A. Juzefovič, Sergej Kusevickij, vol. 1: Russkie gody, Moscow, 2004, p. 331). Incidentally, a slightly different version of the Vocalise had already been performed in public on

7 December 1915 in an arrangement for double bass (!) and orchestra by Koussevitzky, who also played the solo part (cf. Juzefovič, Kusevickij, p. 331). It is likely that Koussevitzky used Rachmaninoff’s existing orchestration and merely arranged the solo part (probably transposing the piece into a more favorable key. The Library of Congress in Washington holds a manuscript from Koussevitzky’s estate that reproduces the Vocalise in a version for “solo” and piano in B minor).

The Vocalise quickly gained popularity, as evidenced by the numerous arrangements of the vocal part for solo instruments. Alongside the first edition, versions for the clarinet, violin, cello respectively with piano were already published in 1915 by Rachmaninoff’s primary publisher, A. Gutheil. Later, versions for many other instruments were published, though none were written by Rachmaninoff himself. Only two arrangements can be attributed to the composer: the aforementioned version for voice and orchestra from 1915/1916 (our edition PB 15168) and one version for orchestra alone (published in 1919), in which 16 to 20 solo violins take over the vocal part (our edition PB 15167). Rachmaninoff seems to have pursued the idea of a purely orchestral version without vocals from very early on. In 1918, he wrote to his friend, conductor Modest I. Altschuler: “I liked your idea of interpreting the Vocalise in the style of Bach’s ‘Air’ best. That’s right, and I’ve already thought about it. The melody would have to be played by several violinists in unison. […] I can no longer remember in which city I heard the Vocalise performed this way (an arrangement by [Mikhail] Press) with ten violinists playing in unison. It sounded wonderful, and I was very pleased. Why don’t you try that, too? Just transpose it to E minor” (in the original in Russian language, quoted from Literaturnoe nasledie, vol. 2, ed. by Zarui A. Apetjan, Moscow, 1980, p. 105).

Shortly afterwards, Rachmaninoff himself put this idea into practice, as the first edition of his own orchestral version was published by Breitkopf & Härtel the following year. As he mentioned in his letter, he chose the string-friendly key of E minor, a minor third higher than the vocal version, bringing out the solo part in the high violins more brilliantly. Notably, the composer did more than just transpose his version for soprano and orchestra. He created an entirely new orchestration, which gave more prominence to the wind instruments. Another innovation is the addition of an English horn, which is entrusted with a few solo phrases at the beginning. The earliest documented performance of this orchestral version took place on 7 April 1920 in New York, under the direction of Walter Damrosch (cf. Literaturnoe nasledie, vol. 3, p. 447). In 1929, the composer conducted a recording of the piece with the Philadelphia Orchestra for the Victor label.

Detailed information on the various sources of the Vocalise can be found in the “Kritischer Bericht” of this edition. The editor and the publisher would like to thank the staff of libraries and archives mentioned therein for providing copies of the sources.

Munich, Spring 2026

Dominik Rahmer

Orchesterbesetzung

2 Flöten

2 Oboen

2 Klarinetten

2 Fagotte

2 Hörner

Streicher

Orchestral Scoring

2 Flutes

2 Oboes

2 Clarinets

2 Bassoons

2 Horns

Strings

Aufführungsdauer

etwa 6 Minuten

Performing Time

approx. 6 minutes

Orchesterstimmen OB 15168 käuflich lieferbar | Orchestral parts OB 15168 available for sale

Fassung für Sopran und Klavier käuflich lieferbar | Version for soprano and piano available for sale (Dominik Rahmer)

Breitkopf & Härtel EB 11237 oder | or G. Henle Verlag HN 1237

Eine Gemeinschaftsproduktion von Breitkopf & Härtel, Wiesbaden und G. Henle Verlag, München

A coproduction of Breitkopf & Härtel, Wiesbaden and G. Henle Verlag, Munich

Lentamente

Flauto II I

Oboe II I

Clarinetto (A)II I

Fagotto II I

(F) II I

Contrabbasso

Lentamente

für Sopran und Orchester Vocalise cis-moll

Sergej Rachmaninow op. 34 Nr. 14

herausgegeben von Dominik Rahmer

Cor. (F)II

Partitur-Bibliothek 15168 ©2026 by Breitkopf & Härtel, Wiesbaden

and G. Henle Verlag, München

Cb.
Violoncello Viola
Corno

II I * Siehe Einzelanmerkungen im Kritischen Bericht.

* See “Einzelanmerkungen” in the “Kritischer Bericht.”

Cb.
Vc.
Va.
Canto
Cor.
Fg.
Cl.
Cb.
Vc.
Va.
Ob.

Leseprobe Sample page

Vc.

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