EDITION BREITKOPF
MANDYCZEWSKI Kleine Kadenzen, Kanons und Präludien für Pianoforte Little Cadences, Canons, and Preludes for Pianoforte
EB 9355
EUSEBIUS MANDYCZEWSKI 1857–1929
KLEINE KADENZEN, KANONS UND PRÄLUDIEN FÜR PIANOFORTE LITTLE CADENCES, CANONS, AND PRELUDES FOR PIANOFORTE
herausgegeben von | edited by
Dietmar Friesenegger Erstausgabe | First Edition
Edition Breitkopf 9355 Printed in Germany
Abb. 1: Eusebius Mandyczewski, seine Tochter Virginia („Viki“) und seine Frau Albine (geb. von Vest). Fotografie, auf der Rückseite datiert mit „Mönichkirchen 1911“. Privatsammlung Christian Lambour. Abdruck mit freundlicher Genehmigung. Fig. 1: Eusebius Mandyczewski, his daughter Virginia (“Viki”), and his wife Albine (née von Vest). Photography, dated on reverse side “Mönichkirchen 1911.” Property of Christian Lambour. Printed with kind permission of the owner.
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Vorwort Ein musikalisch anspruchsvolles Geburtstagsgeschenk Ein äußerlich unscheinbares Notenbüchlein, das vor gut einhundert Jahren im Besitz eines zwölfjährigen Wiener Mädchens war, wird in der Universitätsbibliothek der westukrainischen Stadt Chernivtsi aufbewahrt. Auf den ersten Seiten finden sich verschiedene Eintragungen in einer Kinderschrift: „Du holde Kunst, in wie viel grauen Stunden ...“ – Franz von Schobers berühmtestes Gedicht eröffnet, quasi als Widmung, den Reigen; es folgen zwei Kinderlieder und schließlich, auf mehreren Seiten, zahlreiche Kadenzen mit Korrekturen. Danach weichen die kindlichen Bleistiftnotizen von unterschiedlicher Sorgfalt einer äußerst routinierten und exquisit schönen Federschrift, und statt Übungen aus dem musikalischen Alltag wird auf diesen Seiten etwas Nichtalltägliches festgehalten: 36 Miniaturen für Klavier in sämtlichen Ton arten des Quintenzirkels und einigen Kirchentonarten sowie zwei „durch alle Tonarten“ modulierende Präludien. Die Kompositionen stammen vom Vater des Mädchens, der ihnen einen Titel und eine Widmung voranstellte: „Kleine Kadenzen, Kanons u. Präludien für Pianoforte. Meiner lieben Viki zum 17. Dezember 1916. Eus. Mandyczewski.“ * Der Komponist und Musikwissenschaftler Eusebius Mandy czewski wurde 1857 im Czernowitzer Vorort Molodija in eine griechisch-orthodoxe Priesterfamilie hineingeboren. Czernowitz (heute Chernivtsi, Ukraine), das auch „Klein-Wien des Ostens“ oder „Jerusalem am Pruth“ genannt wurde, war damals die Hauptstadt des habsburgischen Kronlandes Bukowina und eine der kulturell vielfältigsten Städte in Ostmitteleuropa. Bereits in seiner Gymnasialzeit in Czernowitz beherrschte Mandyczewski, der rumänischer und ukrainischer Herkunft war, zahlreiche Sprachen. Seine früheste musikalische Ausbildung erhielt er beim lokalen Verein zur Förderung der Tonkunst in der Bukowina, unter anderem beim Sänger, Komponisten und Musiktheoretiker Heinrich Josef Vincent (1819–1901). Durch ihn wurde er auch zur Komposition seiner ersten größeren öffentlich aufgeführten Komposition angeregt, einer Kantate zum 25-jährigen Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph. Ab 1875 studierte Mandyczewski in Wien Germanistik, Kunstgeschichte und Musikwissenschaft (letztere bei Eduard Hanslick), und erhielt privaten Kontrapunktunterricht beim Mendelssohn-Schüler Gustav Nottebohm. Aus den frühen Wiener Jahren sind mehrere ambitionierte Kompositionen erhalten, unter anderem die 1. Liturgie (1880) und die Kantate Der Harmonie Gewalt (1882), beides Werke für die Musikinstitutionen seiner Heimatstadt. Von den späten 1870er-Jahren an war Mandyczewski auch als Dirigent zahlreicher Wiener Orchester und Chöre tätig, unter anderem bei der Wiener Singakademie und beim Orchesterverein der Gesellschaft der Musikfreunde. Entscheidend für Mandyczewskis weiteren Werdegang war die Begegnung mit Johannes Brahms. Dokumentiert ist zunächst Brahms’ Einsatz für den jungen Kompositionsstudenten, den er 1879 in einem Schreiben an das österreichische Unterrichtsministerium als ersten der beiden von ihm empfohlenen Kandidaten für ein k. k. Künstlerstipendium nannte und über den er sich wie folgt äußerte: „Eusebius Mandyczewski aus Czernowitz, dessen vorliegende Lieder und Chöre nicht nur gegen Früheres einen bedeutenden, sichern Fortschritt zeigen, sondern ein beachtenswerthes, echtes Talent bekunden.“1 „Mandy“ wurde bald ein enger Vertrau-
ter von Brahms, und Letzterer zog ihn einerseits für so triviale Aufgaben wie das Besorgen von Notenpapier heran, andererseits auch als Ratgeber, mit dem der berühmte Komponist detaillierte kompositorische und editorische Fragen erörterte. Mandyczewski schlug indes eine andere berufliche Karriere ein als ursprünglich geplant: Nicht das Komponieren oder praktische Musizieren wurde sein Brotberuf, sondern die 1887 aufgenommene Tätigkeit als Archivar der Gesellschaft der Musikfreunde, zu der ab 1896 eine Lehrtätigkeit für Musikgeschichte, Instrumentenkunde und Kontrapunkt am Konservatorium der Gesellschaft hinzukam, sowie privater Kontrapunktunterricht. Zu seinen Schülerinnen und Schülern zählten Hans Gál, Leone Sinigaglia, Ludwig Rottenberg, Elsa Wellner, Viorica Ursuleac, George Szell und Karl Böhm. Herausragende Bedeutung hat seine Arbeit als Herausgeber bei den ersten – bei Breitkopf & Härtel erschienenen – Gesamtausgaben der Werke von Haydn, Schubert und Brahms. Das Komponieren blieb nun zumeist zwei Bereichen vorbehalten: privaten Anlässen sowie Auftragskompositionen für seine Heimatstadt. So schrieb Mandyczewski einige Werke für den Chor seiner Frau Albine, ein rumänisches Vaudeville für den 70. Geburtstag seines Vaters und ein Singspiel für Kinder nach einem Text seiner Schwester Ecaterina („Kathi“), die Musiklehrerin und später Direktorin an einer Czernowitzer Mädchenschule war. Für ihren Schulchor entstanden auch zahlreiche Kompositionen zu Texten in rumänischer, ukrainischer und deutscher Sprache. Auch sein monumentalstes Werk, die Kantate Im Buchenland (1888/89), komponierte er für Czernowitz – eine Art Oratorium, in dem allegorische Figuren das Kronland Bukowina besingen. Die einzige mehrsätzige Gattung, die Mandyczewski regelmäßig bediente, war die Liturgie: Er komponierte insgesamt 12 Liturgien auf Rumänisch, Kirchenslawisch und Altgriechisch für die orthodoxe Kirche, von denen vier kurz vor seinem Tod 1929 verlegt wurden. Als Mandyczewski in einem Sanatorium in Sulz im Wienerwald verstarb, wurden zahlreiche Nachrufe auf ihn in europäischen Musikmetropolen geschrieben. Er war zum Inbegriff des musikalischen Universalgelehrten geworden, wie eine Passage aus Stefan Zweigs Erzählung Buchmendel – erschienen in Mandyczewskis Todesjahr – eindrucksvoll illustriert. Wer Rat über Bücher wollte, der wandte sich an Mendel, den Protagonisten der Geschichte, „so wie man, wenn man über ein Musikblatt Rat holen wollte, zu Eusebius Mandyczewski in die Gesellschaft der Musikfreunde ging, der mit grauem Käppchen freundlich inmitten seiner Akten und Noten saß und mit dem ersten aufschauenden Blick die schwierigsten Probleme lächelnd löste [...].“2 Als Komponist geriet er hingegen fast völlig in Vergessenheit. Das lag einerseits daran, dass ihm – trotz sehr beachtlicher Anfangserfolge – in Wien nie der große Durchbruch gelungen war. In den 1880er-Jahren wurden mehrere Werke – insbesondere seine Lieder – sehr positiv rezensiert und seine beiden Variationszyklen für Klavier nach Themen von Händel sowie mehrere Liedzyklen und vokale Kammermusik verlegt. Danach spielten jedoch Aufführungen seiner Werke in Wien eine geringe Rolle. Andererseits wies das Musikleben von Czernowitz, wo seine ambitioniertesten Chor- und Orchesterwerke uraufgeführt worden waren, aufgrund der radikalen politischen Umwälzungen im 20. Jahrhundert massive kulturelle Brüche auf, sodass dieses musikalische Erbe kaum aufgearbeitet wurde. Als der Verfasser des vorliegenden Textes bei seinen Dissertationsrecherchen 2016 in der Bibliothek von Chernivtsi die Manuskripte zu einigen der bedeutendsten Werke
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des Komponisten erhielt, waren diese zwar längst katalogisiert, jedoch in den vorangegangenen Jahrzehnten kaum eingesehen, geschweige denn veröffentlicht oder aufgeführt worden. Mehrfach wurden in den letzten Jahrzehnten Initiativen ins Leben gerufen, Mandyczewskis Musik ihren verdienten Platz im Repertoire zuzuweisen. 1957 gab der rumänische Musikwissenschafter Liviu Rusu einen Sammelband mit Vokalwerken heraus. Seit den 1980er-Jahren machte Christian Lambour durch Ersteinspielungen von Mandyczewskis Variationszyklen nach Themen von Händel (LP, 1985), Werken für Klavier zu vier Händen und vokaler Kammermusik (CD, 2014) sowie einer kleinen Monographie auf den Komponisten aufmerksam. Dem 2017 gegründeten Mandyczewski-Festival in Chernivtsi blieb es vorbehalten, drei Kantaten sowie die lateinische Tattendorfer Messe erstmals seit einem Jahrhundert wiederaufzuführen und das Publikum mit Mandyczewskis kontrapunktischer Meisterschaft und seiner außergewöhnlichen Begabung für klangsinnliches vokales Komponieren vertraut zu machen.3 * Mandyczewskis Kleine Kadenzen, Kanons und Präludien für Pianoforte wurden am 2. September 2018 von den Pianisten Lilya Kholomeniuk und Christian Lambour in der Philharmonie von Chernivtsi öffentlich uraufgeführt. Erstmals kam ein Publikum in den Genuss der großen rhythmischen und metrischen Vielfalt der Stücke und konnte die kontrapunktische Meisterschaft dieser tonalen tour sans force sowie die Fähigkeit des Komponisten bewundern, eine lebendige Szene in zwei oder vier Takten zu malen. Mehr als ein Jahrhundert nach seiner Entstehung wurde ein privates pädagogisches Kompendium – zuvor war es wohl einer einzi-
gen Person vorbehalten, Virginia Mandyczewski, im Familienkreis Viki genannt, die eine außergewöhnlich begabte Klavierschülerin gewesen sein dürfte – zu einem Konzertstück. * Die Ausgabe folgt dem autographen Manuskript, das nur in einer Quelle, dem erwähnten Notenbüchlein, vorliegt. Mein besonderer Dank gilt Mykhajlo Zushman, Natalie Panchuk, Oxana Sitchkar-Tsymbaliuk, Valentyna Dushhak und Stella Malanchuk von der Bibliothek der Jurij-Fedkowitsch-Universität in Chernivtsi für die Bereitstellung des Manuskripts und für ihre Hilfe mit Recherchematerialien; Johannes Volker Schmidt und Christian Lambour für ihre Kommentare zur deutschen sowie Annette Richards, David Josephson und David Miller für ihre Hinweise zur englischen Fassung des Essays; und Ivanka Andreitsiv, Pavlo Pivtorak und Sergij Osatschuk für ihre fortwährende Unterstützung meiner Recherchen. Ithaca (New York), Frühjahr 2020
Dietmar Friesenegger
1 Johannes Behr, Johannes Brahms – Vom Ratgeber zum Kompositionslehrer. Eine Untersuchung in Fallstudien. Schweizer Beiträge zur Musikforschung, Bd. 6, Kassel: Bärenreiter 2007, S. 121. 2 Stefan Zweig, Buchmendel, in: Neue Freie Presse, 1. November 1929, S. 16. 3 Die folgenden Werke sind mittlerweile erschienen: Tattendorfer Messe, Kantate zur Fünfzigjahrfeier der griechisch-orientalischen Oberrealschule in Czernowitz, Im Buchenland und Der Alpenjäger (hg. von Dietmar Friesenegger, Chernivtsi: Knyhy XXI, 2017–2019).
Preface A Musical Challenge as Birthday Present A small, outwardly unassuming musical notebook, which one hundred years ago was the property of a twelve-year-old girl in Vienna, is kept at the University Library of the Western Ukrainian city of Chernivtsi. On its first few pages we find entries in a child’s handwriting: Franz von Schober’s most famous poem as a dedicatory opening (“You noble art, in how many grey hours …”), two children’s songs, and several pages of harmonic cadences with occasional corrections. Thereafter the child’s jottings in varying degrees of carefulness give way to an exquisite, artful script, and instead of exercises from the daily musical routine, something exceptional has been preserved on these pages: thirty-six miniatures for piano in all keys of the circle of fifths and in church modes, as well as two preludes that modulate “through all keys”. A title and dedication by the girl’s father precede the compositions: “Little cadences, canons and preludes for pianoforte. For my dear Viki for December 17, 1916. Eus. Mandyczewski.” * The composer and scholar Eusebius Mandyczewski was born in 1857 in Molodija, a village just outside Czernowitz (today Cher nivtsi), into the family of an Eastern Orthodox priest. Czernowitz, the “Little Vienna of the East” or “Jerusalem on Pruth,” was at that time the capital of the Habsburg Crown Land of Bukovina and a
city of extraordinary cultural, linguistic, and religious diversity; already as a high school student, Mandyczewski, who was of Romanian and Ukrainian descent, mastered numerous languages. He received his early musical training at the local Society for the Promotion of Music in Bukovina. There, his teacher Heinrich Josef Vincent (1819–1901), a singer, composer, and music theorist, encouraged him to compose his first larger piece to be performed in public, a cantata for the twenty-fifth anniversary of Emperor Franz Josef’s ascendance to the throne. In 1875 Mandyczewski enrolled in courses in musicology (with Eduard Hanslick), German literature and art history at the University of Vienna and he took counterpoint lessons with Gustav Nottebohm, a Mendelssohn student. His early Viennese years saw several ambitious compositions, among them the First Litur gy (1880) and the cantata Der Harmonie Gewalt (The Power of Harmony, 1882), both composed for institutions in his home city. From the late 1870s Mandyczewski worked as the conductor of several choirs and orchestras in Vienna, among them the Wiener Singakademie and the Orchesterverein der Gesellschaft der Musikfreunde. Decisive for Mandyczewski’s career was his encounter with Johannes Brahms. In 1879 the famous composer recommended him for a stipend to the Austrian Ministry of Education, describing him as follows: “Eusebius Mandyczewski from Czernowitz, whose
8 songs and choirs here submitted not only show a considerable, reliable progress compared to past compositions, but also testify to a real, noteworthy talent.”1 “Mandy” soon became Brahms’s close confidant, and the latter both entrusted the former with trivial assignments such as the purchase of music paper and consulted with him on detailed compositional and editorial matters. Mandyczewski chose a career different from the one he had originally had in mind, earning a living neither as a composer nor as a performer but from 1887 as chief archivist at Vienna’s Gesellschaft der Musikfreunde. He also gave private counterpoint lessons and from 1896 taught music history, organology and counterpoint at the Conservatory of the Musikfreunde. Hans Gál, Leone Sinigaglia, Ludwig Rottenberg, Elsa Wellner, Viorica Ursuleac, George Szell and Karl Böhm numbered among his students. Of particular importance was his work as editor of the first complete editions of the music of Haydn, Schubert, and Brahms at Breitkopf and Härtel. Composing played an important secondary role in Mandy czewski’s life, mainly in two domains: private occasions and commissions from Czernowitz. He composed several choral pieces for his wife Albine’s choir, a Vaudeville in Romanian for his father’s seventieth birthday, and a Singspiel for children to a text by his sister Ecaterina (“Kathi”), who was a music teacher and later the headmaster of a girls’ school in Czernowitz. For her school choir, he wrote numerous pieces to texts in Romanian, Ukrainian, and German. His most monumental composition for Czernowitz was the cantata Im Buchenland (In Bukowina, 1888–9), an oratorio in which allegorical characters praise his homeland. The only multi-movement genre that remained significant for him throughout his career was the Liturgy; he wrote twelve Eastern Orthodox liturgies in Romanian, Church Slavonic, and Greek, four of them published in the year of his death, 1929. Mandyczewski’s death in a sanatorium outside Vienna elicited obituaries across Europe. He had become the epitome of the musical savant, as a passage from Stefan Zweig’s short story Buchmendel illustrates: for advice regarding books, one consulted with the story’s hero, Mendel, “just as one went to Eusebius Mandyczewski at the Gesellschaft der Musikfreunde when one wanted advice about a sheet of music, who, wearing a grey skullcap, sat in the midst of his files and scores and, on first looking up, solved the most difficult problems with a smile ….”2 As a composer, however, Mandyczewski would fall into oblivion. In Vienna, he had never achieved a decisive breakthrough in that realm, despite respectable initial successes. In the 1880s several of his compositions – especially his songs – received favorable reviews, and this decade saw the publication of his two cycles of piano variations on themes by Handel, as well as several song cycles and works of vocal chamber music were published. Subsequently, performances of his works in Vienna were few and far between. His legacy as a composer was further hampered by events in Czernowitz, where his most ambitious choral and orchestral works had been premiered: the city suffered from radical political upheavals throughout the twentieth century, which resulted in an almost complete discontinuity in its cultural life. The manuscripts
of several major works in the library in Chernivtsi had been barely inspected and never published or performed when I came upon them in 2016. Several initiatives in recent decades have attempted to secure a place in the repertory for Mandyczewski’s music. In 1957, the Romanian musicologist Liviu Rusu published a collection of his vocal music. Christian Lambour has drawn attention to the composer through his recordings, first of the cycles of variations on themes by Handel (LP, 1985), and then of works for piano four-hands and vocal chamber music (CD, 2014), as well as a small monograph (2014). The Mandyczewski Festival in Chernivtsi, founded in 2017, mounted performances of the composer’s superb cantatas and the beautiful Latin Mass for Tattendorf for the first time in a century.3 * Mandyczewski’s Little Cadences, Canons, and Preludes for Pianoforte received their first public performance on September 2, 2018, with Lilya Kholomeniuk and Christian Lambour taking the stage of the Philharmonic Hall in Chernivtsi. An audience could finally delight in the great rhythmic and metric variety as well as contrapuntal mastery of this tonal tour sans force, and witness the composer’s ability to paint a vivid scene in a matter of two or four measures. More than a century after its composition, a private pedagogical compendium was turned into a concert piece; previously it had been reserved for a single person, the composer’s daughter, Virginia (“Viki”) Mandyczewski, who must have been an unusually talented piano student. * The present edition follows closely the composer’s manuscript which survives in only one source, the aforementioned notebook. I would like to thank Mykhajlo Zushman, Natalie Panchuk, Oxana Sitchkar-Tsymbaliuk, Valentyna Dushhak, and Stella Malanchuk from the library of the Yuriy-Fedkovych-University in Chernivtsi for furnishing the manuscript and for advice with research materials; Johannes Volker Schmidt and Christian Lambour for reading the German draft of this essay; Annette Richards, David Josephson, and David Miller for reading its English version; and Ivanka Andreitsiv, Pavlo Pivtorak, and Sergij Osatschuk for their support throughout my project. Ithaca, NY, Spring 2020
Dietmar Friesenegger
1 Johannes Behr, Johannes Brahms – Vom Ratgeber zum Kompositionslehrer. Eine Untersuchung in Fallstudien. Schweizer Beiträge zur Musikforschung, vol. 6, Kassel, Bärenreiter 2007, p. 121. 2 Stefan Zweig, Buchmendel, in: Neue Freie Presse, November 1, 1929, p. 16 (author’s translation). 3 The following pieces have meanwhile appeared in print: Tattendorfer Messe (Mass for Tattendorf), Kantate zur Fünfzigjahrfeier der griechischorientalischen Oberrealschule in Czernowitz (Cantata for the Fiftieth Anniversary of the Eastern Orthodox High School in Czernowitz), Im Buchenland (In Bukovina), and Der Alpenjäger (The Alpine Hunter) (edited by Dietmar Friesenegger, Chernivtsi: Knyhy XXI, 2017–9).
Meiner lieben Viki zum 17. Dezember 1916 To my dear Viki for December 17, 1916
Kleine Kadenzen, Kanons und Präludien für Pianoforte Little Cadences, Canons, and Preludes for Pianoforte Eusebius Mandyczewski herausgegeben von Dietmar Friesenegger
[1.] C-dur | C major
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[2.] a-moll | A minor
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[3.] F-dur | F major Mäßig
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[24.] es-moll | E flat minor Langsam und ernst
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Sample page [25.] Fis-dur | F sharp major
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[34.] Mixolydisch | Mixolydian Einfach und ruhig
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[35.] Aeolisch | Aeolian Ernst
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[36.] Ionisch | Ionian Einfach und sehr gebunden
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2. Schluss | The End Gemessen
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