RICHARD WAGNER SÄMTLICHE BRIEFE BAND 28
RICHARD WAGNER · SÄMTLICHE BRIEFE 28
RICHARD WAGNER SÄMTLICHE BRIEFE herausgegeben im Auftrag der
Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth von
Martin Dürrer
Band 28
RICHARD WAGNER SÄMTLICHE BRIEFE Band 28 Briefe des Jahres 1876 herausgegeben von
Martin Dürrer
ARBEITSSTELLE Julius-Maximilians-Universität Würzburg Institut für Musikforschung Prof. Dr. Ulrich Konrad (Projektleiter) · Dr. Martin Dürrer (Editionsleiter) Dr. Sophia V. Fröhlich · Dr. Meihui Yu
MITGLIEDER DES BEIRATS Prof. Dr. Dieter Borchmeyer, Heidelberg / Prof. Dr. Werner Breig, Erlangen Prof. Dr. Sieghart Döhring, Thurnau / Dr. Sven Friedrich, Bayreuth Prof. Dr. Andreas Haug, Berlin / Prof. Dr. Norbert Oellers, Bonn Dr. Egon Voss, München / Eva Wagner-Pasquier, München Prof. Katharina Wagner, Bayreuth
FÖRDERUNG DURCH
Olfert und Dr. Constanze Landt
BV 428 ISBN 978-3-7651-0428-2 © 2026 by Breitkopf & Härtel, Wiesbaden Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: Marion Schröder, Wiesbaden Druck: Beltz Grafische Betriebe GmbH, Bad Langensalza Printed in Germany
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Inhaltsverzeichnis Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Benutzerhinweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Briefe 1. Lorenz von Düfflipp, 1. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . .
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2. Amalie Materna, 1. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . . . . .
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3. Theodor Muncker, 1. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . . .
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4. Josef Standthartner, 1. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . .
31
5. Georg Unger, 1. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . . . . . . .
31
6. Philipp Haas & Söhne, 2. Januar 1876 . . . . . . . . . . .
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7. Carl Brandt, 3. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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8. *Georg II. von Sachsen-Meiningen, 3. Januar 1876 . .
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9. Julius Hey, 3. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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10. Heinrich Porges, 3. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . . . . .
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11. Lilli Lehmann, 4. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . . . . . .
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12. Alfred Jachmann, 5. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . . . .
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13. Josef Standthartner, 6. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . .
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14. Georg Aloys Schmitt, 7. Januar 1876 . . . . . . . . . . . .
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15. Lorenz von Düfflipp, 10. Januar 1876 . . . . . . . . . . . .
41
16. Richard Peyton, 10. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . . . .
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17. Franz von Reichenberg, 10. Januar 1876 . . . . . . . . . .
43
18. Hans Richter, 10. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . . . . . .
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19. Alfred Jachmann, 12. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . . .
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20. Unbekannt, 13. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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21. Lorenz von Düfflipp, 14. Januar 1876 . . . . . . . . . . . .
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22. Franz Jauner, 15. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . . . . . .
47
23. Louis Brassin, 16. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . . . . . .
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24. Friedrich von Kurowsky, 17. Januar 1876 . . . . . . . . .
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25. Friedrich Feustel, 18. Januar 1876 . . . . . . . . . . . . . .
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Vorwort Das Jahr 1876 steht ganz im Zeichen der ersten Bayreuther Festspiele. Nach der öffentlichen Ankündigung im Spätsommer 1875 gibt es kein Zurück mehr, auch wenn die Lage des Unternehmens trotz eines Kredits aus der königlichen Kabinettskasse in München weiterhin prekär ist. Im Brief an Emil Heckel vom 4. Februar 1876 (Nr. 45) gesteht Wagner ein, dass seine Idee einer patronatgestützten Finanzierung eigentlich vollkommen gescheitert sei. Weniger als 500 der ursprünglich veranschlagten 1000 Patronatscheine sind zu diesem Zeitpunkt abgesetzt. Um der niedergeschlagenen Stimmung Wagners entgegenzuwirken, drängt seine Frau Cosima zur Wiederaufnahme der Arbeit an der Autobiografie Mein Leben.1 In den freien Stunden wird das Diktat des vierten Bandes bis zum 8. Februar intensiv vorangetrieben. Dann entscheidet Wagner sich, einen Kompositionsauftrag, der ihm im Dezember 1875 aus Amerika angetragen worden war, anzunehmen. Gewünscht wird eine Festmusik zur Eröffnung der Weltausstellung, die aus Anlass der Hundertjahrfeier der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 in Philadelphia stattfinden soll. Neben dem damit verbundenen Prestigegewinn sind es vor allem die in Aussicht stehenden 5000 Dollar Honorar, die Wagner reizen. Zwei im Vorjahr eingegangene Verpflichtungen haben eine längere Abwesenheit des Ehepaars Wagner von Bayreuth zur Folge. Zunächst dirigiert Wagner am 2. März in Wien eine Benefizvorstellung seines Lohengrin zugunsten des dortigen Opernchores. Direkt im Anschluss reist er nach Berlin, um die erste Einstudierung von Tristan und Isolde an der Königlichen Hofoper künstlerisch zu überwachen. Mitten im geschäftigen Trubel zwischen Theaterproben und der drängenden Arbeit an dem Festmarsch für Amerika trifft die Nachricht vom plötzlichen Tod Marie d’Agoults, der Mutter Cosima Wagners, aus Paris ein. Die Berliner Erstaufführung des Tristan wird ein Erfolg und bringt als Benefizvorstellung zudem noch einiges Geld in die leere Festspielkasse. Die Besetzung des Solistenensembles ist noch nicht so feststehend, wie man das nach den Vorproben des Sommers 1875 vielleicht erwarten würde. Gegen Ende des Jahres sucht Wagner bereits für kleinere Rollen neue Besetzungen, und mit dem Rücktritt Emil 1 Siehe ThK 3b.
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Vorwort
Scarias, dem Sänger des Hagen, verliert Wagner gleich zu Beginn des Jahres 1876 eine seiner wichtigsten Stützen. Die Gründe für die Veränderungen im Ensemble, die sich noch bis in die Zeit der Aufführungen als notwendig erweisen, sind vielfältig. Übertriebene Geldforderungen, Eheschließungen, Schwangerschaften, Erkrankungen und schlichte Überforderung lassen sich anführen.2 Die Freigabe mancher Künstler ist im Frühjahr immer noch nicht geklärt. Franz Jauner, der Direktor des Hofoperntheaters in Wien, nötigt Wagner das Aufführungsrecht für den Tristan und die Walküre ab, bevor er das gewünschte Gesangs- und Orchesterpersonal nach Bayreuth ziehen lässt. Die nervenaufreibenden Proben ab dem 3. Juni erweisen die Notwendigkeit weiterer Veränderungen im Ensemble. Nervenzusammenbrüche einiger enger Mitstreiter Wagners sind zu beklagen, und am Ende ist es noch ein halsloser Drache, der das angegriffene Nervenkostüm Wagners bis zum letzten Tag vor der Eröffnung strapaziert. Der äußere Glanz, insbesondere des ersten Aufführungszyklus vom 13. bis 17. August 1876, ist kaum zu überbieten. Der deutsche Kaiser, der bayerische König, etliche regierende Fürsten und internationale Prominenz aus Kunst, Politik und Wissenschaft besuchen Wagners Festspiele. Künstlerisch jedoch ist Wagner nicht zufrieden, wobei die gerade im ersten Zyklus unterlaufenen technischen Pannen wohl kaum eine Rolle spielen. Wagners ernüchterte Stimmung post festum lässt sich aus seinem Brief an Alexander von Schleinitz vom 13. Oktober (Nr. 299) gut herauslesen. Das Echo der Presse ist gemischt, jedenfalls nicht so einhellig ablehnend, wie Wagner in einigen Briefen und seinem späteren Rückblick auf die Festspiele glauben machen will. Allein die Tat an sich, die Beharrlichkeit, mit der Wagner sein Ziel gegen alle Widerstände erreicht hat, nötigt auch seinen Gegnern Respekt ab. Zwei Briefe Wagners von Anfang September (Nr. 268, 293) sind Zeugnisse des Beginns einer leidenschaftlichen Beziehung zu der französischen Schriftstellerin Judith Gautier, die Wagner als Ehrenpatronin zu den Festspielen hatte einladen lassen. Unter welchen Umständen diese Liebesaffäre, die Wagner in Briefen bis ins Jahr 1878 fortsetzt, mitten im Festspieltrubel ihren Anfang nehmen konnte, bleibt ein Rätsel. Das Vorhaben einer Italienreise nach den Festspielen erwähnt Wagner erstmals im Brief an Friedrich Nietzsche vom 23. Mai 2 Siehe ThK 2b.
Vorwort
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(Nr. 194).3 Anfang September wird der Beschluss bekräftigt und die Abreise auf Mitte des Monats festgelegt. Drei Monate wird die Reise dauern, bis die durch das amerikanische Honorar gut gefüllte Reisekasse erschöpft ist, und der Verwaltungsrat, der sich inzwischen einen Überblick über das finanzielle Defizit der Festspiele verschafft hat, Wagner wiederholt zur Rückkehr mahnt. Reisebriefe und Erlebnisberichte, wie man sie aus früheren Jahren kennt, schreibt Wagner nicht aus Italien. An wen hätte er sie auch adressieren sollen? Wagner scheint gedanklich permanent mit den Fragen beschäftigt zu sein, die der Verlauf der Festspiele aufgeworfen hat. Als Cosima ihn am 29. Oktober darum bittet, die Biografie fortzusetzen, lehnt er ab: Sein „Qualhall“ komme ihm nicht aus dem Sinn.4 Die im Herbst 1876 geführte Auseinandersetzung mit dem Verwaltungsrat, insbesondere in der Korrespondenz mit Friedrich Feustel, zeigt, wie Idealität und Realitätssinn aufeinanderprallen. Feustel drängt auf die Wiederholung der Festspiele, um aus dem Kartenverkauf Einnahmen zu generieren, während Wagner unter solchen Umständen an Aufgabe und „Bankerott“ denkt. Gegen Ende des Jahres hat er sich wieder gefasst und beginnt eigene Perspektiven zu entwickeln. Alle als schädlich erkannten Einflüsse auf die Wirkung der Festspiele will er zukünftig ausschließen. Keine Presse, keine Kritiker, kein bezahlendes Theaterpublikum. Erste Pläne für einen neuen Patronatverein, eine eigene Zeitschrift und eine Stilbildungsschule in Bayreuth entstehen. Die Zusammensetzung des Briefkorpus spiegelt die Themen des Jahres wider. Hofrat Lorenz von Düfflipp steht mit 25 erhaltenen Briefen an der Spitze der Briefempfänger. Er ist nicht nur Vorstand der Königlichen Kabinettskasse, sondern vor allem Vermittler aller möglichen Anliegen Wagners, die er Ludwig II., wie Vermerke auf den Briefen zeigen, in der Regel persönlich „präsentiert“. Der König selbst erhält 10 Schreiben Wagners. Verwaltungsratschef Friedrich Feustel erhält 20 Briefe, sechs weitere gehen an dessen Schwiegersohn Adolf Groß, in denen es nicht nur um die Finanzen der Festspiele, sondern auch um die Verwaltung von Wagners Privatkonto geht. Die Sängerinnen und Sänger bilden die größte Korrespondenzgruppe, wobei sich Wagners besondere Wertschätzung für Lilli Lehmann in neun Briefen zeigt. Der Gesangspädagoge Julius Hey, der den Sänger Georg Unger auf seine Mammutaufgabe als 3 Siehe ThK 1b. 4 CWT, Bd. 2, S. 1011.
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Vorwort
Siegfried vorbereitet, erhält sogar 16 Briefe. Die schwierigen Verhandlungen mit Hofoperndirektor Jauner sind in 10 Briefen dokumentiert. Als Ergänzung zur Korrespondenz sind in den Anhang 2 des Editionsteils noch einige weitere, größtenteils von Wagners Hand stammende Dokumente aufgenommen worden, auf die in den Briefen und Kommentaren Bezug genommen wird. Der vorliegende Band enthält insgesamt 335 Briefnummern. Aufgrund von Hinweisen in der Korrespondenz oder anderen Quellen konnten 23 Briefe erschlossen werden. Von den 312 überlieferten Briefen sind 60 hier erstmals abgedruckt. Weitere 26 vollständig edierte Briefe waren bisher nur durch Angebote des Autografenhandels bekannt und damit praktisch unzugänglich. * Zahlreichen Bibliotheken und Archiven ist der Herausgeber für die freundliche Überlassung von Editionsvorlagen zu Dank verpflichtet: Stadtarchiv Aachen; Öffentliche Bibliothek der Universität Basel; Richard-Wagner-Museum mit Nationalarchiv und Forschungsstätte der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth; Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Akademiearchiv; Berlin, Geheimes Staatsarchiv – Preußischer Kulturbesitz; Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv; Chicago/IL, The Newberry Library; Landesbibliothek Coburg; Eisenach, Reuter-Wagner-Museum; Frankfurt/Main, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg; Universität zu Köln, Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Theaterwissenschaftliche Sammlung; Sächsisches Staatsarchiv Leipzig; Stadtgeschichtliches Museum Leipzig; Luzern, Zentral- und Hochschulbibliothek; Marchivum – Mannheims Archiv, Haus der Stadtgeschichte und Erinnerung; Thüringisches Staatsarchiv Meiningen; Morlanwelz [B], Musée Royal de Mariemont; München, Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Geheimes Hausarchiv; München, Bayerische Staatsbibliothek; Münchner Stadtbibliothek; New Haven/CT, Yale University, The Beinecke Rare Book and Manuscript Library; New York/NY, Columbia University in the City of New York, Rare Book and Manuscript Library; New York/NY, The New York Public Library; New York/NY, The New York Public Library for the Performing Arts; New York/NY, The Morgan Library; Paris, Bibliothèque nationale de France, Bibliothèque-Musée de l’Opéra; Paris, Bibliothèque nationale de France; Philadelphia/PA, The Historical
Vorwort
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Society of Pennsylvania; Princeton/NJ, University Libraries; Stockholm, Stiftelsen Musikkulturens Främjande; Tribschen/Luzern, Richard-Wagner-Museum; Washington/DC, The Library of Congress; Klassik Stiftung Weimar, Goethe- und Schiller-Archiv; Gesellschaft der Musikfreunde in Wien – Archiv, Bibliothek, Sammlungen; Wien, Österreichische Nationalbibliothek; Wien, Österreichisches Staatsarchiv – Haus-, Hof- und Staatsarchiv; Zentralbibliothek Zürich – Kantons-, Stadt- und Universitätsbibliothek. Herr Dr. Sven Friedrich hat als Direktor des Nationalarchivs der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth die Arbeiten in zuvorkommender Weise gefördert und den freien Zugang zu allen relevanten Materialien im Archiv gewährt. Frau Tanja Dobrick, M.A. stellte freundlicherweise Abbildungsvorlagen aus dem Bildarchiv zur Verfügung und erteilte, wie Herr Paul-Theodor Waltermann, Auskünfte zum Verbleib von Objekten. Infolge der jahrelangen engen Kooperation mit der inzwischen nicht mehr existierenden Arbeitsstelle der Richard Wagner Gesamtausgabe der Werke unter der Leitung von Herrn Dr. Egon Voss konnten auch in den vorliegenden Band einige Dokumente, die sonst unzugänglich geblieben wären, mit aufgenommen werden. Frau Laura Angerer, B.A. erteilte dankenswerterweise Auskünfte zu den digitalisierten Zeitungsbeständen der Österreichischen Nationalbibliothek (Portal ANNO) in Wien. Herzlicher Dank geht auch an die studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte der Briefausgabe, die an der Erstellung des Bandes beteiligt waren: Herr Hans Gebhardt, Frau Norma Jeising, Herr Stefan Kessemeier, Herr Malte Krosse, Frau Anne Schmid und Frau Judith Schumann. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag Breitkopf & Härtel gestaltete sich gewohnt angenehm und vertrauensvoll. Frau Regina Schwedes begleitete den Band redaktionell und besorgte eine genaue Durchsicht der Druckvorlage. Die Herstellung betreute Frau Lisa Conrad. Beiden sagt der Herausgeber herzlichen Dank. Schließlich sei hier des im Jahr 2015 verstorbenen Kollegen Herrn Dr. Andreas Mielke gedacht, der den Band ursprünglich in Angriff genommen hatte. Seine gründlichen Vorarbeiten konnten für die Edition gewinnbringend nutzbar gemacht werden. Erlangen, im Februar 2026
Martin Dürrer
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Benutzerhinweise Inhalt Inhalt der Ausgabe Sämtliche Briefe sind die von Richard Wagner geschriebenen Briefe. Die an Richard Wagner gerichteten Briefe werden, soweit erhalten und zugänglich, für die Kommentierung ausgewertet, sind aber nicht Gegenstand der Edition. Briefe im Sinne der Edition sind persönliche Mitteilungen, die an einzelne Personen oder an eine begrenzte Personengruppe gerichtet sind (etwa an die Mitglieder eines Orchesters). Zu den Briefen werden auch Telegramme, durch Boten beförderte Mitteilungen auf Zetteln usw. gerechnet, nicht aber Widmungen, Albumblätter, Quittungen, Verträge und ähnliche Schriftstücke. In der Edition werden auch Briefe ohne edierbaren Text berücksichtigt. Das sind einerseits Briefe, deren gegenwärtige oder einstige Existenz durch einen Briefumschlag belegt ist oder durch Nachweise anderer Art, die sich auf den Brief als physisches Objekt beziehen (z. B. in Bibliothekskatalogen oder Verkaufsangeboten), sowie andererseits Briefe, die nur durch Indizien – zumeist in der Korrespondenz selbst – bezeugt sind („erschlossene Briefe“). Briefe ohne edierbaren Text werden im Textteil an der ihnen nach dem Datum zukommenden Stelle durch eine Kopfleiste repräsentiert, wobei erschlossene Briefe durch Asteriskus (*) gekennzeichnet sind.
Textteil Der Textteil enthält sämtliche überlieferten und erschlossenen Briefe von Richard Wagner in durchgehender chronologischer Reihenfolge. Mehrere am gleichen Tag geschriebene Briefe erscheinen in der alphabetischen Reihenfolge der Empfängernamen, falls die Schreibreihenfolge sich nicht eindeutig ermitteln lässt. Briefe, deren Niederschrift sich über mehrere Tage erstreckt hat, werden unter dem frühesten bekannten Datum eingeordnet. Briefe, deren Schreibdatum nur näherungsweise ermittelt werden kann, stehen in der Regel am Ende des in Frage kommenden Zeitraumes (Monat oder Jahr).
Benutzerhinweise
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Der Textteil enthält im Prinzip den reinen Brieftext. Als textbegleitende Orientierungshilfen werden hinzugefügt: – lebende Kolumnentitel am Kopf der Seite, die über die Nummer und das Datum des auf der jeweiligen Seite enthaltenen Briefes informieren – eine Kopfleiste über jedem einzelnen Brief, die Angaben über den Adressatennamen und -ort sowie Ort und Datum der Niederschrift enthält (Angaben aus Katalogen des Autographenhandels werden stillschweigend übernommen, sofern kein Zweifel an deren Zuverlässigkeit besteht) – eine Zeilenzählung für jeden Brieftext Im Falle von unvollständig oder gar nicht im Originaltext überlieferten Briefen wird auch auf Inhaltsangaben (auch fremdsprachige) und Übersetzungen zurückgegriffen. Erstere werden kursiv, letztere kursiv und in Anführungszeichen gesetzt. Zu den Briefen, die Wagner auf Französisch geschrieben hat, werden im Anhang des Textteils Übersetzungen gegeben. Für Notenbeispiele innerhalb von Briefen wird eine möglichst nahe am originalen Schriftbild bleibende Umschrift gegeben.
Prinzipien der Textkonstituierung Der Brieftext wird unter Wahrung von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Absatzgliederung des Originals (bzw. der Vorlage) wiedergegeben; jedoch werden Überstreichungen von Konsonanten als Verdoppelungszeichen stillschweigend aufgelöst. Einfache und doppelte Unterstreichungen werden als solche wiedergegeben. Die in den Rahmenteilen (Orts- und Datumsangabe, Unterschrift, Adresse) vorkommenden Über- und Unterstreichungen, Trennlinien, Schnörkel, Schrägstriche u. ä. werden in der Edition nicht berücksichtigt, es sei denn, sie sind als inhaltliche Hervorhebungen zu interpretieren. Zeichnungen werden in Faksimile wiedergegeben. Hat Wagner selbst Korrekturen vorgenommen, so ist für die Edition die korrigierte Fassung maßgeblich; sofern der Korrekturvorgang für den Inhalt relevant ist, wird auf ihn im Kommentar hingewiesen. Die originale Orts- und Datumsangabe gilt als Bestandteil des Textes und wird in der gegebenen Form ediert, auch wenn dies im Verhältnis zur normierten Kopfleiste zu Redundanzen oder Widersprüchen führt. Nicht zum Brieftext gehören Vermerke
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Benutzerhinweise
des Empfängers oder späterer Besitzer; über sie wird entsprechend ihrer Bedeutung im Kommentar berichtet. Der Brief soll als reiner Text gelesen und zitiert werden können. Der Text wird deshalb nicht durch Erläuterungen erweitert; auch auf diakritische Zeichen und Anmerkungsnummern innerhalb des Textes wird verzichtet. Editorische Einschaltungen in den Text erfolgen nur zur Kennzeichnung von Auslassungen („[...]“), die durch die Überlieferungssituation bedingt sind (Unvollständigkeit des Originals oder anderer Überlieferungsträger). Kleinere Textverluste durch Beschädigung des Originals, die sich mit hinreichender Sicherheit rekonstruieren lassen, werden im Editionstext ergänzt und im Kommentar dokumentiert. Der Grundsatz, die originale Rechtschreibung und Zeichensetzung zu bewahren, wird mit möglichst wenigen Ausnahmen durchgeführt. Berichtigt werden offensichtliche Schreibversehen, wie ausgelassene oder versehentlich doppelt geschriebene Worte, Verschreibungen (Dreden statt Dresden) usw. Zur Vermeidung von Verständnisschwierigkeiten wird die nicht immer konsequente Groß- und Kleinschreibung der Personalpronomina korrigiert. Die Emendationen werden nicht innerhalb des Brieftextes als solche bezeichnet, sondern im Abschnitt „Textkonstituierung“ des Kommentars nachgewiesen. Nicht verbessert werden dagegen Irrtümer des Briefschreibers in Bezug auf Fakten und Schreibweisen (insbesondere von Namen und Fremdwörtern). Auch Inkonsequenzen bzw. wechselnde Schreibweisen werden beibehalten. Es versteht sich von selbst, dass die Entscheidung, ob ein Versehen vorliegt oder ob Wagner tatsächlich so schreiben wollte, nicht in jedem Fall sicher zu treffen ist. Einige Abweichungen vom modernen Sprachgebrauch seien hier exemplarisch angeführt: – Alte Formen und Schreibweisen: Einzelnheiten, Spatziergang, vertrauenvoll, Weihnachtgeschenk. Es wird nicht konsequent wieder / wider unterschieden, z. B. Widerherstellung, Wiederwillen. – Getrennt- und Zusammenschreibung: Gasthof Leben, zusammen zu kommen. – Gelegentlich kommen ungewöhnliche Beugungen vor, so wird nach alle das folgende Adjektiv oft parallel gebeugt, z. B. alle gute Mächte. – Mengen- und Zeitangaben: ein gross Stück, ein halb Jahr.
Benutzerhinweise
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– Die Rektion einiger Verben entspricht nicht dem heutigen Gebrauch, z. B. ich versichere Dich, ich bedeute Dich. Die französisch geschriebenen Briefe Wagners werden grundsätzlich ohne editorische Eingriffe wiedergegeben, d. h. Irrtümer hinsichtlich Orthographie, Grammatik und Syntax bleiben unverändert stehen. Nur ganz offensichtliche Schreibversehen, wie z. B. ausgelassene oder doppelt geschriebene Worte, werden korrigiert und im Kommentar dokumentiert. Ist ein Brief nur im Konzeptstadium erhalten, so wird das Konzept innerhalb des Editionsteils an der ihm chronologisch zukommenden Stelle abgedruckt. Der Konzeptzustand des Textes wird in der Edition dokumentiert, d. h. Streichungen bzw. überschriebene Worte (in „ “) und Einschübe (in „\ /“) sind aus der Textwiedergabe zu erkennen. Besonderheiten von Telegrammtexten, die sich aus dem Übermittlungsvorgang oder dem technischen Übermittlungsverfahren ergeben (Groß- und Kleinschreibung, Interpunktion usw.), werden stillschweigend berichtigt bzw. an die Typographie der Sämtlichen Briefe angepasst. Ist die Redaktionsvorlage ein Druck, so werden dessen Hervorhebungen (Sperrung, Kursivdruck u. ä.) als Unterstreichung wiedergegeben, hervorgehobene Werktitel werden in Anführungszeichen gesetzt. Nicht übernommen werden dagegen Hervorhebungen in der Anrede und den Rahmenteilen (Orts- und Datumsangabe, Unterschrift, Adresse). Bei der Anrede und den Rahmenteilen wird gegebenenfalls eine den Schreibgewohnheiten Wagners entsprechende Absatzgliederung vorgenommen. Hiervon abweichende Verfahrensweisen werden im Kommentar vermerkt.
Kommentar Der Kommentar enthält sowohl Angaben zu den Einzelbriefen als auch Erläuterungen, die sich auf briefübergreifende Themen beziehen. Die letzteren werden zu Beginn des Kommentarteils in einem allgemeiner gehaltenen Abschnitt („Themenkommentar“) gegeben. Um den Einzelbriefkommentar zu entlasten, sind die Punkte ausgespart, die im Themenkommentar schon erläutert wurden; auf Querverweise wird verzichtet, sofern der Bezug auf das jeweilige Thema eindeutig ist.
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Benutzerhinweise
Der Kommentar für den Einzelbrief setzt sich aus folgenden Teilen zusammen: – Kopfleiste – Grundkommentar – Textkonstituierung – Erläuterungen Der Grundkommentar steht in einem auf die Kopfleiste folgenden Absatz ohne eigene Überschrift. Er enthält Angaben zu den Quellen und – soweit vorhanden – zu früheren Ausgaben. Hat sich im Rahmen der Textkonstituierung ergeben, dass Ausgaben unvollständig sind, so wird dies mitgeteilt; eine systematische Überprüfung findet nicht statt. Falls nötig, werden außerdem die Identität des Adressaten und das Schreibdatum diskutiert sowie weitere Angaben formeller Art gemacht (z. B. über Beilagen). Der Abschnitt „Textkonstituierung“ dokumentiert alle editorischen Entscheidungen bezüglich des vorgelegten Textes. Er ist erforderlich, wenn das Original Schreibversehen enthält, oder über andere Besonderheiten des Originals zu berichten ist, die aus dem Editionstext nicht unmittelbar zu erkennen sind. Wenn nicht oder nur teilweise nach dem Original ediert werden kann, so wird die Redaktionsvorlage genannt. Sind mehrere gleichrangige Überlieferungsträger vorhanden, wird die Auswahl begründet. Signifikante Abweichungen der anderen Quellen werden dokumentiert. Der Abschnitt „Erläuterungen“ gibt in kurzer Form Informationen zu einzelnen Stellen des Briefes, deren Bedeutung oder Bezug aus dem Text selbst nicht erkannt werden kann. Die kommentierte Stelle wird durch Zeilennummer und ein Stichwort (Lemma) bezeichnet. Durch die Erläuterungen sollen auch alle im Brief vorkommenden Personen identifizierbar und somit im Personenregister auffindbar sein, wo nähere Informationen gegeben werden. Die Register verweisen grundsätzlich auf die Briefnummer, wobei Zeilenangaben mit Schrägstrich angeschlossen werden. Das Kürzel „K“ weist auf den entsprechenden Einzelbriefkommentar. Nicht berücksichtigt werden die Autoren der zitierten Sekundärliteratur. Die ohne Fundstellennachweis verzeichneten Personen erscheinen nur als Adressaten. Die entsprechenden Briefnummern können im Adressatenregister nachgeschlagen werden.
Briefe
Nr. 1 / 1. Januar 1876
1.
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A N LORENZ VON D ÜFFLIPP IN M ÜNCHEN B AYREUTH , S AMSTAG , 1. JANUAR 1876
Lieber, verehrter Freund!
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Es ist in der letzten Stunde dieses Neujahrstages, dass es mich noch herzlich gemahnt, Ihnen ein Wort, einen Gruss von mir zukommen zu lassen! Ich gedenke mit grosser Rührung unseres letzten Zusammenseins in München. Seien Sie versichert, dass ich Sie wohl verstehe und zu schätzen weiss. Wir sind ja durch die Liebe zu dem Einen verbunden, der uns so schwer zu fassen bleibt! – Ich habe, seitdem ich Sie verliess, viel Aerger, aber doch auch manches Erfreuliche erfahren. Im Grunde sorgte ich in Wien wohl nur für meine Familie; künstlerisch hätte ich sonst viel lieber in München gewirkt. Allein, leider habe ich erfahren müssen, dass unser allergnädigster Herr auf meine persönliche Betheiligung an künstlerischen Ausführungen nicht viel giebt. – Meine Lage ist im Betreff der nun diessjährig versprochenen Festspiele, in Folge der letzten Nöthigungen gegenüber der Kabinetskasse, eine äusserst schwierige. Ohne einen anderweitigen Kredit können wir die letzten Vorarbeiten nicht stellen. Sorgen über Sorgen nehmen mich, und die treuen Herren meines Verwaltungsrathes ein. Doch halte ich noch an dem Vorhaben fest, und möchte ich mit diesen Klagen nicht Ihre Sorgen vermehrt haben! Nichts weiter wollte ich Ihnen sagen, als dass ich stets dankbar Ihrer eingedenk bin. Mögen in diesem neuen Jahr Ihre, uns Beide, und einen grossen Dritten, betreffenden Wünsche in möglichste Erfüllung gehen! Von Herzen grüsse ich, mit meiner theuren Frau, unsren guten, alten Freund, und bleibe Ihr Bayreuth. stets dankbar ergebener 1 Jan. 1876. Richard Wagner.
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2.
Nr. 2 / 1. Januar 1876
A N A MALIE M ATERNA IN W IEN B AYREUTH , S AMSTAG , 1. JANUAR 1876
Liebe geehrte Freundin!
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Ich erfahre, dass Scaria eine Beantwortung seiner Forderungen seitens meines Verwaltungsrathes veröffentlicht hat, in welchem leider eben diese Forderungen gänzlich falsch berichtet worden sind. Herr Scaria forderte für den Monat August 7500 Reichsmark, sowie für jeden Tag im Juli 250 Mark. – Sie wissen, wie hoch ich wahres Talent schätze, und dass ich gar keinen Preis für seine Leistungen kenne. Andererseits haben aber auch gerade Sie es sehr wohl verstanden, dass ich bei meiner so gewagten Unternehmung nur mit offenem Buch für alle Mitwirkende verfahren konnte, und demnach jedem der Künstler, welche mit wahrer Aufopferung sich mir zur Seite stellten, fast eine Beleidigung angethan haben würde, wenn ich einem Einzelnen, der sich aus Reihe und Glied stellte, mich unterwürfig gezeigt hätte. Ich theile Ihnen diess mit, um Sie – möglichen Falles – nicht an mir irre werden zu lassen. Auch hoffe ich, dass Freund Scaria durch die Vorstellungen, welche ich neuerdings ihm im Vertrauen gemacht habe, sich doch noch wird bestimmen lassen, sein richtiges Verhältniss zu mir in Beachtung zu ziehen. Wenn er sehr geneigt wäre, seine gegen mich begangene Uebereilung gut zu machen, würde er sich vielleicht veranlasst finden, jenen falschen Bericht, als habe man ihm in Bayreuth für 3 Monate 2000 fl. abgeschlagen, der Wahrheit gemäss zu corrigiren. – Ich hoffe noch immer das Beste! Und hoffe namentlich auf Ihre Treue, wie auf Ihre schöne, mir immer werther gewordene Begabung! Diesen Gruss zum Neujahr, welchen ich dem vortrefflichen Gemahle allerbestens von mir gleichfalls auszurichten bitte. – Auf baldiges Wiedersehen Ihr Bayreuth herzlich ergebener 1 Jan. 1876. Richard Wagner.
Nr. 5 / 1. Januar 1876
3.
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A N T HEODOR M UNCKER IN B AYREUTH B AYREUTH , S AMSTAG , 1. JANUAR 1876
Mit herzlichen Grüssen Zum Neujahr. Richard Wagner. Herrn Bürgermeister Muncker.
4.
A N J OSEF S TANDTHARTNER IN W IEN (T ELEGRAMM ) B AYREUTH , S AMSTAG , 1. JANUAR 1876
Theurer Freund! Ich bitte, berichtige Scaria 7500 Mark für Monat August [...]
5.
A N G EORG U NGER IN M ÜNCHEN B AYREUTH , S AMSTAG , 1. JANUAR 1876
Mein lieber Herr Unger!
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Damit ich an diesem Neujahrstage doch auch etwas Freundliches vornehme, schreibe ich Ihnen noch, am Schlusse des Tages, auf Ihren heute erhaltenen guten Brief. – Ich kann wohl sagen, dass ich, seit dem Abschlusse unserer Vorproben, nur Widerwärtiges erfahren habe. Ein tröstlicher Blick ist es dagegen, den ich auf Sie werfe. Sie stehen, mit Hey, in meinem Buch der Hoffnungen eingetragen. – Seit Schnorr’s Tode wusste ich, dass ich vereinsamt und auf ein Neues, Unbekanntes angewiesen war. Ich hoffte nicht, Dieses mir fertig entgegentreten zu sehen, sondern vermeinte immer, es mir erst herausbilden zu müssen. Um den Rechten zu erkennen, bedurfte es für mich nicht nur der guten und ausreichenden Begabung, sondern ich musste auf den Charakter, den höheren Ernst, Desjenigen rechnen können, den ich fortan als mir bestimmt erkennen sollte. – Nun machen Sie mir in beider Hinsicht grosse Freude! Haben Sie stets Vertrauen zu mir! Also – der Scherbarth ist vorläufig in die Ferne gerückt? Da nimmt er sich sehr gut aus! Lassen Sie ihn da, er wird uns kein gross Leid bringen. – Wie gern hätte ich Sie einmal wieder bei mir! Aber
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Nr. 5 / 1. Januar 1876
– Geduld! – Den Tristan gedenke ich mit Ihnen nächsten Spätherbst in Wien zu geben. Will unser himmlischer Hey ihn schon jetzt mit Ihnen studiren, so bitte ich nur darum, diess nicht eher zu tun, als bis Ihnen Siegfried bis in die kleinste Muskel festsitzt. Denn – – an Einem lernt man, was man spielend dann auf Alles überträgt: aber diess Eine muss vollkommen angeeignet sein! Haben Sie den Siegfried so inne, wie es sein muss, dann ist für Sie der Tristan nur eine Sache der Memorie. Aber in die Schmiedelehre könnten Sie immer gehen, und zwar mit Mime, der als „Schlosser“ in dem Handwerk schon etwas bewandert sein dürfte. – Möge Hey doch auch diesen Mime etwas mit vornehmen. Zuletzt fand es sich, dass er sich in seiner schwierigen Aufgabe noch nicht ordentlich zurecht gesetzt hatte. Er muss eine falsche Stimme annehmen, nur muss die Stimme selbst nicht falsch klingen. Es wäre gut, wenn er zunächst noch mit seinem natürlichen Ansatze (sagen wir: als lyrischer Tenor!) seinen schweren Part recht korrect heraussinge: ist er mit den ungeheuren Intonations-Schwierigkeiten ganz fertig, so möge er dann endlich auch, um der eigenthümlichen dramatischen Charakteristik gerecht zu werden, eben als Dramatiker, sein Organ in einem gewissen Sinne entstellen, d. h. es rauh und heiser erscheinen lassen. Aber hiermit muss er nicht anfangen, – und das war das Versehen bei den Vorproben; er sollte sogleich schon dramatisch fertig sein, – um uns Allen Spass zu machen. – Also? – Meinen guten Seidel halten Sie ja recht warm: ich glaube nicht, dass es viele Solche, wie ihn giebt. Ist er schwermuthvoll, so leeren Sie ihn ein paar mal beim Orlando Lasso! Eure ganze kleine Clique gefällt mir dort sehr wohl. Sie haben auch gute Gesichter! Es thut mir leid, dass mir eine temporäre Wirksamkeit in München so sonderbar – unmöglich geworden ist! – Wenn Sie übrigens einen vortrefflicheren Gesangslehrer und Menschen einmal kennen lernen, als es unser Hey ist, so melden Sie mir das! Ich möchte dann wissen, wie der aussieht! Denn unser herrlicher Hey ist bis jetzt wirklich in jeder Hinsicht mein Ideal! Möge er es nun glauben, oder nicht! Leben Sie wohl! Schönsten Gruss in die Schmiede! – Ich habe gute Einblicke, wie zu Euch nöthig! Glückliches Jahr 1876!
Nr. 7 / 3. Januar 1876
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Es soll Ihnen lohnen! 60
Bayreuth 1 Januar 1876.
Ihr herzlich ergebener Richard Wagner.
Und Fischer?? Telegraphist immer noch?? Ei! Ei! Was sagen dazu die Dilettanten?!
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6.
A N P HILIPP H AAS & S ÖHNE IN W IEN B AYREUTH , S ONNTAG , 2. JANUAR 1876
Geehrtester Herr!
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Ich bereue, mit einer so grossen Quantität von dem breiten Möbelstoffe (vert de mer) mich versehen zu haben, da, wie ich erst hier ersah, die Farbe zu dem Zwecke, für welchen ich ihn bestimmt hatte, nicht recht passen will. Ist es Ihnen recht, wenn ich einen geringeren Bedarf davon hier abschneide, oder ziehen Sie es vor, dass ich Ihnen das ganze Stück zurückschicke, – was vielleicht der Zollersparniss wegen nöthig sein dürfte. In diesem letzteren Betreff erbitte ich mir eben Ihre Weisungen, da ich den Stoff bereits hier stark verzollen musste. Wann darf ich den mit Herrn Nader verabredeten und in Bestellung gegebenen Stoff (15 mètres) erwarten? Mit der Bitte auch diesem geehrten alten Freunde mich bestens zu empfehlen, verbleibe ich für Ihre grossen Gefälligkeiten stets verbunden Ihr Bayreuth sehr ergebener 2 Jan. 1876. Richard Wagner.
7.
A N C ARL B RANDT IN DARMSTADT B AYREUTH , M ONTAG , 3. JANUAR 1876
Mein theurer Freund! Ich bedaure sehr, so lange nichts von Ihnen zu hören! Keine andere Besorgniss treibt mich hierzu, als – weil es für mich eben so
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Themenkommentar 1. Reisen und Aufenthalte a) Wien und Berlin: Lohengrin und Tristan Im Spätherbst 1875 hatte Wagner sich für mehrere Wochen in Wien aufgehalten, um am dortigen Hofoperntheater mustergültige Neuinszenierungen seiner Opern Tannhäuser und Lohengrin zu erarbeiten.1 Dabei fungierte Wagner als künstlerischer Leiter, während Hofkapellmeister Hans Richter die Aufführungen dirigierte. Wagners erste Reise des Jahres 1876 war Folge eines Hofoperndirektor Franz Jauner gegebenen Versprechens, nach dem Jahreswechsel selbst eine Benefizaufführung des Lohengrin in Wien dirigiren zu wollen. Schon wenige Tage nach seiner Rückkehr nach Bayreuth erhielt er ein auf den 19. Dezember 1875 datiertes Dankschreiben des Wiener Hofopernchors, der Begünstigter des Vorhabens sein sollte: „Noch auf das Mächtigste angeregt durch Ihre unvergeßliche Anwesenheit, – noch erfüllt von freudigstem Stolze über die Worte rückhaltloser Anerkennung aus Ihrem Munde, die der Mitwirkung des gefertigten Chorpersonals in der, unter Ihren Augen, hochverehrter Meister, stattgehabten Aufführung des ‚Lohengrin‘ zu Teil geworden, erhält dasselbe durch seinen verehrten Direktor Jauner die auf das Freudigste überraschende Nachricht von der hochherzigen Zusicherung, daß Sie, hochverehrter Meister, zu Gunsten des gefertigten Chorpersonals Ende dieser Opernsaison eine Aufführung Ihres unvergänglichen ‚Lohengrin‘ selbst zu leiten, die Gewogenheit haben werden.“2 Mit Brief vom 3. Januar 1876 schlug Jauner Wagner vor, die Benefizvorstellung auf den 29. Februar 1876, also ganz an das Ende der deutschen Opernsaison am Hofoperntheater in Wien zu legen. Dieser Termin erwies sich als günstig für die Kombination mit einem weiteren Aufführungsvorhaben, das Wagners Anwesenheit erforderte. Die in Berlin geplante Erstaufführung von Tristan und Isolde, der Wagner im Herbst 1875 unter der Bedingung, die letz-
1 Siehe SBr 27, ThK 3. 2 Bayreuth NA, IV B 7 - 1.
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Themenkommentar
ten Proben persönlich überwachen zu wollen,3 zugestimmt hatte, sollte im Lauf des März stattfinden. Angesichts der herannahenden Festspielproben ist es verständlich, dass Wagner die Termine beider Vorhaben möglichst eng zusammenlegen wollte. Im Januar kam er auf die Idee, den kurzen Aufenthalt in Wien zugleich zu einer Audition der Schluss-Szene des dritten SiegfriedAktes im privaten Kreis mit dem Sänger Georg Unger und der designierten Brünnhilde, Amalie Materna, zu benutzen. Zweck der Veranstaltung sollte es sein, sich selbst und den Wiener Freunden die Fortschritte des Sängers, der sich seit Monaten ohne Engagement und auf Kosten des Festspielunternehmens einzig auf die Partie des Siegfried vorbereitete, vorzuführen (Nr. 30, 42). Der Auftritt sollte wohl auch als Empfehlung für ein zukünftiges Engagement des Sängers am Hofoperntheater nach den Festspielen dienen (Nr. 77). Am 11. Februar wandte Wagner sich direkt an Unger und beorderte ihn, wiederum „auf Kosten der Unternehmung“, nach Wien.4 Mit dieser Idee stieß Wagner allerdings auf den entschiedenen Widerstand seines Verwaltungsrates Friedrich Feustel. Dieser wusste kaum, wie er die Anfang Juni in Bayreuth erwarteten Sänger und Musiker der Festspiele bezahlen sollte, und sperrte sich dagegen, die Kosten des Vorhabens aus der Patronatskasse zu erstatten. Wagner wollte daraufhin nicht nur die Audition, sondern die ganze Wiener Reise absagen (Nr. 62), da er auch mit dem in Aussicht gestellten Ertrag der Lohengrin-Benefizvorstellung unzufrieden war (Nr. 60). Doch Franz Jauner wusste die Bedenken Wagners mit dem Telegrammwechsel vom 24./25. Februar (Nr. 63) auszuräumen, sodass schließlich der 29. Februar als Abreisetag nach Wien festgesetzt wurde. An diesem Tag fuhren Richard und Cosima Wagner um 13.30 Uhr zunächst über Neuenmarkt und Oberkotzau nach Eger, wo sie laut Fahrplan um 17.40 Uhr eintrafen.5 Dort gab es allerdings keinen Anschluss mehr nach Wien. Die zuvor eingeholten Erkundi3 Siehe SBr 27, Nr. 315, 327–329. 4 Nr. 52. Darin erscheint die Reise nach Wien um 10 Tage vorverlegt (geplante Ankunft am 19. Februar). Aus welchem Grund es zu dieser vorübergehenden Terminverlegung – so auch im Brief an Hans Richter vom 10. Februar (Nr. 49) – gekommen war, konnte nicht ermittelt werden. 5 Siehe J. Chr. Hacker, Neuer Eisenbahn- und Postenfahrten-Plan für Bayern, München 1875, S. 4 und S. 23/24.
Themenkommentar
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gungen waren unzutreffend, wie die Wagners festellen mussten.6 Nach der ungeplanten Übernachtung in Eger konnten sie am nächsten Morgen um 7.20 Uhr die Reise fortsetzen und kamen um 20.25 Uhr am Wiener Staatsbahnhof an.7 Viele interessante Details zum Aufenthalt des Ehepaars Wagner in Wien und zu der Lohengrin-Aufführung enthält das Tagebuch Hans Richters: „1. März (Mittwoch) Abends 8–9 Uhr kam der Meister mit Frau nach Wien. Ohne vorher eine Probe abzuhalten dirigierte er [am] 2. März (Donnerst.) den ‚Lohengrin‘ zum Besten unseres vortrefflichen Chorpersonals. Die Aufführung war, einige Schwankungen abgerechnet, ausgezeichnet. Hinter der Szene dirigierten zur größeren Sicherheit der Chordirektor Pfeffer und ich. Stürmischer Empfang bei jedesmaligem Erscheinen im Orchester. Der Meister verzichtete auf jede Entschädigung, selbst auf seine Tantieme. Diese großherzige Tat ist um so höher anzuschlagen, als8 der Meister sich bei seiner jüngsten Anwesenheit in Wien (Nov.-Dez.) aus freiem Willen anbot, für den Chor, der ihm in der Aufführung des ‚Lohengrin‘ so viel Freude gemacht hatte, dieses Benefiz zu dirigieren. Der Meister war die ganze Zeit über sehr gut gelaunt. Am 3. März (Freitag) besuchte uns der Meister und sprach sich mir gegenüber günstig über das Aussehen meines Töchterchens aus. Nachmittags 4 Uhr Diner im Hotel Sacher, von Dir. Jauner veranstaltet, der übrigens alle Ursache hat, dem Meister für seine Rede nach der Vorstellung dankbar zu sein.“9 Die Aufführung dirigierte Wagner aus dem Exemplar der Partitur, das er Hans Richter am 31. März 1870 geschenkt hatte, nachdem dieser das Werk erfolgreich in Brüssel dirigiert hatte. Ein handschriftlicher Eintrag Richters in der Partitur erinnert an die Benefizvorstellung in Wien:
6 Siehe CWT, Bd. 2, S. 973. 7 Verbindung nach Kursbuch für die K. Württemb. Verkehrsanstalten ..., Stuttgart, Nr. 27 (Oktober 1875), S. 42. 8 Korrektur in der Vorlage; laut Vorlage im Original „da“. 9 Zitiert nach Tagebuch Hans Richters (Auszüge, Typoskript-Abschrift Bayreuth NA, Nachlass Otto Strobel). – Weitere interessante Details finden sich in einem Tagebucheintrag Felix Mottls. Siehe Krienitz, Mottls Tagebuchaufzeichnungen, S. 190–192.
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Themenkommentar
„Aus dieser Partitur dirigierte der Meister den 2. März 1876 die Benefice-Vorstellung des Chorpersonals; einziger Strich auf S. 375. Die Theaterpartitur war so verschmiert, daß ich es geraten fand, ihm den Anblick des Schmutzexemplares zu ersparen. Obiger Strich wurde auf Wunsch der Direction (auch Baron Hof(f)manns – wenn ich nicht irre) mit Rücksicht auf die Empfindlichkeit der transleithanischen Staatshälfte gemacht.“10 Am Abend des 3. März verließen Richard und Cosima Wagner Wien wieder, um direkt nach Berlin weiterzureisen. Den Abschied am Bahnhof hielt Richter mit wenigen Worten in seinem Tagebuch fest: „Abends 9 Uhr fuhren beide mit der Nord-West-Bahn nach Berlin. Ein großer Teil des Chors versammelte sich am Bahnhofe. Auf Wunsch des Meisters sangen wir den ‚Wach’ auf‘Chor. Er ging und klang in dem hohen Warte-Saal vortrefflich. Der Meister war zu Tränen gerührt. Herzlicher Abschied. – Jedes Chor-Mitglied erhielt 35 fl. als Benefiz-Anteil.“ Für die Weiterfahrt von Wien nach Berlin nutzte das Ehepaar Wagner eine erst kurz zuvor neu eingerichtete Schlafwagenverbindung der Österreichischen Nordwestbahn, deren Wagen laut einem Pressebericht mit „größtem Comfort“11 ausgestattet waren. Die Abfahrt in Wien erfolgte laut Fahrplan um 21 Uhr, die Ankunft in Berlin war um 13.35 Uhr am folgenden Tag.12 * In Berlin stiegen Wagner und seine Frau im Thiergarten-Hotel am Potsdamer Platz 1 ab.13 Wagner hatte dort bereits in den Jahren 10 Tagebuch Hans Richters, Kommentar von Otto Strobel (wie Anm. 9). – Gestrichen wurden 22 Takte (ab: „O König hör’!“), die Lohengrins Weissagung des Sieges Heinrich des Voglers über die eingefallenen Ungarn in der 3. Szene des 3. Aktes enthalten. „Transleithanien“ war der inoffizielle Name des ungarischen Teils der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. 11 Ein bebilderter Bericht über die neuesten Schlafwagen der Nordwestbahn erschien in der Leipziger Illustrirten Zeitung, Nr. 1684 vom 9. Oktober 1875, S. 286. 12 Angabe nach Berichten in der Tagespresse zum Fahrplanwechsel am 15. Oktober 1875, siehe z. B. Leitmeritzer Wochenblatt vom 13. Oktober 1875, S. 2. 13 Das Hotel lag zwischen der Bellevue Straße und der Königgrätzer Straße.
Themenkommentar
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1871 bis 1875 einige Male gewohnt. Auch wenn die Erstaufführung von Tristan und Isolde am Königlich Preußischen Hoftheater der Hauptzweck der Reise nach Berlin war, blieb die Sorge um die Festspiele Wagners ständiger Begleiter in der Reichshauptstadt. Schon bei der Begrüßung durch die gemeinsame Freundin Marie von Schleinitz, Ehefrau des preußischen Ministers des königlichen Hauses, Alexander von Schleinitz, und eifrige Förderin des Bayreuther Unternehmens, drehte sich das Gespräch um das „Benehmen“ Otto von Bismarcks gegenüber Bayreuth. Wagner hatte den deutschen Reichskanzler Ende Dezember nochmals um finanzielle Unterstützung für Bayreuth angegangen, wollte dann aber den aus Berlin vorgeschlagenen Weg zur Erreichung dieses Ziels über den deutschen Reichstag nicht beschreiten.14 In Berlin setzte Wagner auch seine Bemühungen fort, die noch bestehenden Lücken in seinem Sängerensemble für die Festspiele zu schließen. Am 5. März besuchte er eine Vorstellung von Glucks Armide in der Hofoper, um die Sängerin Vilma von Voggenhuber, die mit der Partie der Isolde in der Berliner Tristan-Inszenierung betraut war, auf der Bühne zu erleben.15 Am nächsten Tag stellte sich der junge schwedische Bassist Johannes Elmblad vor,16 der bei Julius Stockhausen, damals Chorleiter am Stern’schen Konservatorium, studierte. Und tags darauf traf Wagner den Bassisten Josef Kögel vom Hamburger Stadttheater, den er zum Vorsingen nach Berlin eingeladen hatte und schließlich für die Partie des Hagen – als Ersatz für den ausgeschiedenen Emil Scaria – verpflichtete.17 Den Kostümbildner des Festspielunternehmens, Emil Doepler, suchte das Ehepaar Wagner in den ersten Tagen seines Aufenthalts auf, um sich die für den Ring entworfenen Kostüme vorführen zu lassen. Dabei zeigt sich in Cosimas durchaus positiver Beurteilung bereits der Keim des Zweifels, der wenige Monate später in Bayreuth zum offenen Konflikt mit Doepler führen sollte.18 14 Siehe Nr. 15 K/9. 15 Siehe CWT, Bd. 2, S. 974. – Wagner wollte die Sängerin wenig später als Ersatz für die schwangere Therese Vogl nach Bayreuth berufen. Sie musste aber aus demselben Grund absagen. Siehe Nr. *104 K. 16 Siehe CWT, Bd. 2, S. 975. – Der Schwede spielte noch länger eine Rolle in der Besetzungsfrage. Siehe Nr. 128 K/11–12, 17–18. 17 Siehe CWT, Bd. 2, S. 975. Anfang Juli verließ Kögel die Proben in Bayreuth wegen einer Erkrankung und Wagner musste wieder Ersatz finden. Siehe Nr. 240 K/5. 18 Siehe Nr. 245 K und ThK 2b.
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Kommentar zu den einzelnen Briefen 1.
A N LORENZ VON D ÜFFLIPP, 1. JANUAR 1876
ORIGINAL: Verbleib unbekannt; Fotokopie: Bayreuth NA, I B b, Nr. 77. – AUSGABEN: Röckl, Bd. 2, S. 141–142. – WBV 7318. TEXTKONSTITUIERUNG Original: 25 mit mein. ERLÄUTERUNGEN Beantwortet am 12. Januar 1876 (Röckl, Bd. 2, S. 142). 5–6 Zusammenseins in München] Am 31. Oktober 1875 hatte Wagner Düfflipp auf der Reise nach Wien in München getroffen (siehe CWT, Bd. 2, S. 946). Siehe auch den Brief an Düfflipp vom selben Tag (SBr 27, Nr. 350). Die Resultate der Besprechung hatte Wagner Friedrich Feustel mit seinem Brief vom 4. November 1875 (SBr 27, Nr. 355) mitgeteilt. 7 dem Einen] Ludwig II. von Bayern. 10–11 sorgte ich in Wien wohl nur für meine Familie] Zu der Reise siehe SBr 27, ThK 3b und c. 13–14 Betheiligung an künstlerischen Ausführungen] Wagner hatte dem König mit den Briefen an Düfflipp vom 5. und 17. März 1875 (SBr 27, Nr. 107, 110) eine Privataudition von Bruchstücken aus der Götterdämmerung in München angeboten. Die Stücke waren von Wagner für die Wiener Konzerte vom 1. und 14. März 1875 eingerichtet worden (siehe SBr 27, ThK 1a). Anhaltendes Unwohlsein des Königs war der Grund für die Absage des Vorhabens (siehe SBr 27, Nr. 110 K/6). Wagners Nachfrage im Brief an Hermann Levi vom 9. Oktober 1875 (SBr 27, Nr. 334) führte nicht zu einer Wiederaufnahme des Vorhabens. 15–16 diessjährig versprochenen Festspiele] Der ursprünglich angekündigte Festspieltermin Sommer 1873 hatte immer wieder verschoben werden müssen. Seit April 1874 stand fest, dass die Aufführungen erst im August 1876 möglich sein würden. Wagners öffentliche Ankündigung der Termine und Einladung zur Förderung des Unternehmens datiert vom 28. August 1875 (WBV A 452; in SSD unter dem Titel Ankündigung der Festspiele für 1876, Bd. 16, S. 153–154). Siehe SBr 27, Nr. 292 K/1, 2, 8. 16–17 Nöthigungen gegenüber der Kabinetskasse] Ludwig II. hatte dem Festspielunternehmen nach langem Zögern zu Anfang des Jahres 1874 einen Kredit über 100 000 Taler aus seiner Kabinettskasse gewährt. Die strengen Rückzahlungskonditionen hatten das Unternehmen schon bald wieder vor finanzielle Probleme gestellt. Siehe dazu den Überblickskommentar SBr 27, ThK 2k. 17 anderweitigen Kredit] Alle Versuche, von anderer Seite einen Kredit zu erhalten – zu nennen ist insbesondere ein Appell des
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Kommentar
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21 23–25
2.
Verwaltungsrates an den deutschen Kaiser Wilhelm I. –, waren erfolglos geblieben. Siehe den Überblick SBr 27, ThK 2k. Herren meines Verwaltungsrathes] Der Bankier Friedrich Feustel, Bürgermeister Theodor Muncker und der Jurist Ferdinand Kaefferlein bildeten seit der Gründung am 1. Februar 1872 den Verwaltungsrat der Bayreuther Festspiele. Auf der Bayreuther Delegiertenkonferenz der Patrone am 15. Mai 1876 wurde beschlossen, das Gremium zu verstärken, „um den jetzigen Verwaltungsrath theilweise von seiner immensen Geschäftslast zu befreien“ (Bayreuther Tagblatt vom 18. Mai 1876, hier zitiert nach dem Exemplar des Separatabdrucks Mannheim Marchivum, NL Heckel, Nr. 311). Gewählt wurden Maximilian von Baligand, Emil Heckel und Adolf Groß, der seinem Schwiegervater Friedrich Feustel schon länger bei der Administration des Festspielunternehmens geholfen hatte. Ihre Sorgen] In seiner Antwort vom 12. Januar 1876 beschreibt Düfflipp die prekäre Lage der königlichen Kabinettskasse ganz offen. Siehe Nr. 15 K/39–41. Mögen ... Wünsche in ... Erfüllung gehen!] Bezieht sich vermutlich auf einen nicht überlieferten Neujahrsgruß des Adressaten. Der „Dritte“ ist Ludwig II.
A N A MALIE M ATERNA , 1. JANUAR 1876
ORIGINAL: letzter Nachweis: University Archives, Aukt. 4. 5. 2022, Nr. 244. – ABSCHRIFT: Bayreuth NA, I B g 28, Nr. 10. – AUSGABEN: Br Materna, Tl. 2; Br Künstler, Nr. 133 (S. 154–156); University Archives (Faks.). – WBV 7319. TEXTKONSTITUIERUNG Redaktionsvorlage: University Archives (Faks.). ERLÄUTERUNGEN 2–3 Beantwortung ... veröffentlicht hat] Zum Verwaltungsrat siehe Nr. 1 K/19–20. – Die Veröffentlichung, auf die Wagner Bezug nimmt, war in der Wiener Zeitung Die Presse erschienen (vgl. Nr. 13/14). Sie konnte nicht ermittelt werden. Einige Ausgaben der Zeitung aus der letzten Dezemberwoche 1875 fehlen im Exemplar der ÖNB in Wien. Ein offenbar ähnlicher Bericht, ohne konkrete Zahlen zu nennen, war am 29. Dezember im Fremden-Blatt erschienen (Zitat bei Nr. 28 K/58–59). Siehe zur Scaria-Affäre Nr. 4 K/2. 11 wahrer Aufopferung] Überliefert ist eine Aufstellung von Wagners Hand, mit Ergänzungen von Anton Seidl, die die Entschädigungszahlungen an die Sänger für die Vorproben des Sommers 1875 auflistet (Bayreuth NA, B II g II, Nr. 2). Einige der mitwirkenden Künstler – das waren Franz Betz, Albert Niemann, Lilli
Briefe Januar 1876
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und Marie Lehmann, Minna Lammert und Mathilde Weckerlin – hatten ganz auf eine Aufwandsentschädigung verzichtet. An Entschädigungen sind aufgeführt für Emil Scaria (15. Juli bis 15. August) 1000 Gulden (= 666 Taler), Eugen Gura 500 Taler. Die anderen Entschädigungen beziehen sich auf die gesamte Probenzeit von 1. Juli bis zum 15. August oder sind zeitlich nicht näher bestimmt: Amalie Materna 1350 Gulden (= 900 Taler), Friederike Sadler-Grün 450 Taler, Albert Eilers 135 Taler, Franz von Reichenberg 300 Taler, Auguste von Müller 150 Taler, Johanna König 150 Taler, Marie Ehrenfest 150 Taler, Louise Jaide 300 Taler, Georg Unger 300 Taler, Marie Haupt 150 Taler, Max Schlosser 300 Taler, Josef Niering 135 Taler. Vorstellungen, welche ich ... ihm ... gemacht habe] Brief vom 30. Dezember 1875 (SBr 27, Nr. 389). Gemahle] Der Schauspieler Karl Friedrich.
A N T HEODOR M UNCKER , 1. JANUAR 1876 (?)
ALLGEMEINES: Geschrieben auf Visitenkarte. – ORIGINAL: Verbleib unbekannt. – ZUM DATUM: Datierung nach Br Muncker („wahrscheinlich vom 1. Januar 1876“). – AUSGABEN: Br Muncker, S. 217. – WBV 7320. TEXTKONSTITUIERUNG Redaktionsvorlage: Br Muncker (Aufdruck der Visitenkarte kursiv). ERLÄUTERUNGEN Zu dem Stück konnte nichts weiter ermittelt werden.
4.
A N J OSEF S TANDTHARTNER , 1. JANUAR 1876
ORIGINAL: Verbleib unbekannt. – ZUM DATUM: originales Datum nicht bekannt; die genaue Datierung ergibt sich aus dem Tagebucheintrag Cosima Wagners vom 1. Januar 1876: „R. erfährt, daß sie in den Zeitungen sagten, Herr Scaria habe 2000 Gulden für den ganzen Aufenthalt in Bayreuth verlangt und sei vom Verwaltungsrat abschlägig zurückgewiesen worden! R. fordert durch Standhartner Berichtigung“ (CWT, Bd. 2, S. 961). – AUSGABEN: Fremden-Blatt (Wien), Nr. 15 vom 16. Januar 1876, S. 12 (unvollst.), in der Rubrik Vom Theater. – WBV deest [Addenda N 389]. TEXTKONSTITUIERUNG Redaktionsvorlage: Fremden-Blatt. ERLÄUTERUNGEN 2 berichtige Scaria 7500 Mark] Wagner hatte Emil Scarias überzogene Entschädigungsforderung, von der er am 22. Dezember 1875 (CWT, Bd. 2, S. 954) erfuhr, durch den Verwaltungsrat zurückweisen lassen. Darauf schickte Scaria die ihm zugeteilte Par-
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Kommentar
tie des Hagen in der Götterdämmerung umgehend nach Bayreuth zurück. Wagner unternahm mit seinem Brief vom 30. Dezember 1875 (SBr 27, Nr. 389) noch einen Versöhnungsversuch, empörte sich aber zwei Tage später über eine Pressemeldung, in der Scarias zurückgewiesene Forderung, offenbar durch den Sänger selbst, mit 2000 Gulden für drei Monate (ca. 4000 Mark) deutlich niedriger angegeben worden war (siehe Nr. 2 K/2–3). Mit dem vorliegenden Telegramm wollte Wagner Standthartner veranlassen, die Zahlen öffentlich richtig zu stellen. Dieser verstand Wagners kryptisches Telegramm allerdings in einem anderen Sinne: „Proben, Vorbereitungen und Projekte traten jüngst vor einer lustigen Affaire zurück, welche in den Ernst, der jetzt im Operntheater auf allen Gemüthern lastet, eine recht willkommene Abwechslung brachte. Der ‚Meister‘, wie man Wagner bekanntlich im Operntheater titulirte, hatte nämlich ein drolliges Mißverständniß verursacht. Scaria schritt während der letzten Vorstellung der Oper ‚Fa u s t ‘ im Kostüm des Mephistopheles auf der Bühne umher, und sollte bald darauf sein Lied vom Golde ertönen lassen, als er die Botschaft erhielt, Dr. v. St, einer der ersten Aerzte Wiens, der intime Freund Wagner’s, wolle ihm den vom Kompositeur angewiesenen Betrag von 7500 Mark übergeben. Scaria, der eben den Bruch mit dem Verwaltungsrathe des Wagner-Unternehmens vollzogen, und die Partie, welche er in Baireuth singen sollte, dahin zurückgesandt hatte, stutzte nicht wenig ob dieser Botschaft, und beeilte sich, Herrn Dr. St. zu besuchen, damit sich der dunkle Fall aufkläre. Dr. St. wies ein Telegramm vor, welches er Tags zuvor von Wa g n e r aus Baireuth erhalten hatte und das lautete: ‚Theurer Freund! Ich bitte, berichtige Scaria 7500 Mark für Monat August.‘ Der Sänger mußte laut auflachen, als er die Depesche las, und Dr. v. St. herzhaft einstimmen, als er die Aufklärung erhielt. Wagner ersuchte, nachdem er die Kunde erhalten, daß das Zerwürfniß mit Scaria bekannt geworden sei, seinen Freund, die Journalmeldungen dahin richtig zu stellen, daß die Forderung des Sängers für seine Mitwirkung in Baireuth die obige Summe betragen würde, während Dr. v. St., der in die Konfliktsaffaire noch nicht eingeweiht war und die Journalmeldungen nicht gelesen hatte, die Depesche umsomehr in seinem Sinne auffassen mußte, als er manche der Angelegenheiten Wagner’s hier besorgt und eben die Tantièmen des Komponisten für denselben übernommen hatte“ (Fremden-Blatt, Nr. 15 vom 16. Januar 1876, S. 12). Wagner selbst klärte das Missverständnis in seinem Brief an Standthartner vom 6. Januar (Nr. 13) auf. Den Grund für Scarias übertrieben hohe Forderung erfuhr Wagner einen Monat später, als ein Gerichtsvollzieher sich in Wahnfried melden ließ. Zunächst erleichtert, sich nicht selbst mit einer Forderung konfrontiert zu sehen, stellte sich bei Ehepaar Wagner Erheiterung ein, als der
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Besucher die Verpfändung aller Einnahmen Scarias infolge hoher Verschuldung bekanntgab (siehe CWT, 7. Februar 1876, Bd. 2, S. 969). In seinem Brief an Scarias Frau vom 4. Juni 1876 (Nr. 211) hielt Wagner an seinem Standpunkt noch unversöhnlich fest. Am 10. Juli, wenige Tage nach der krankheitsbedingten Abreise des als Ersatz für Scaria engagierten Sängers Kögel, unternahm er notgedrungen einen letzten, wiederum vergeblichen Versuch, mit Scaria zu einem Ausgleich zu kommen (Nr. 233). An diesem letzten Vermittlungsversuch waren auch Felix Mottl (siehe Nr. 233 K/2) und der Schauspieler Karl Friedrich, der Ehemann der Sängerin Amalie Materna, beteiligt (siehe Nr. 240, 241). Die Partie übernahm schließlich Gustav Siehr, der Wagner mit seiner Leistung vollkommen zufriedenstellen konnte (siehe Nr. 270).
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A N G EORG U NGER , 1. JANUAR 1876
ORIGINAL: letzter Nachweis: Stargardt, Aukt.-Kat. 9. Oktober 1936, Nr. 92, mit Umschlag. – AUSGABEN: Rudolph Zenker, † Georg Unger, in: MWBl 18 (1887), S. 78–79, hier S. 79 (Ausz.); Br Unger, Nr. 3 (S. 707); Br Künstler, Nr. 134 (S. 156–159); Wagner-Kalender 1908 aus Anlass des 25. Todestages Richard Wagners, hrsg. von Martin Krause, Berlin-Charlottenburg 1908, nach S. 104 (Faks.). – WBV 7321. TEXTKONSTITUIERUNG Redaktionsvorlage: Wagner-Kalender 1908 (Faks.). – Vorlage: 56 wie zu nicht eindeutig lesbar, Br Unger und andere Drucke lesen wozu. ERLÄUTERUNGEN Antwort auf einen am selben Tag empfangenen Brief des Adressaten (erschlossen aus Z. 4). 5–6 Vorproben] Die Vorproben zu den Festspielen hatten im Sommer 1875 stattgefunden. Siehe SBr 27, ThK 2i. 7 mit Hey] Der Gesanglehrer Julius Hey. Siehe 91 K/17. 8 Schnorr’s Tode] Der Sänger Ludwig Schnorr von Carolsfeld war im Jahr 1865 kurz nach Uraufführung von Tristan und Isolde verstorben. 17 Scherbarth] Karl Scherbath, der Direktor des Düsseldorfer Stadttheaters, hatte Unger zum 1. September 1875 verpflichtet. Auf Wagners Wunsch brach Unger den Kontrakt, indem er die Stelle nicht antrat. Siehe SBr 27, Nr. 325 K/6–7. 19 Wie gern ... wieder bei mir!] Unger traf am 21. April zu den Proben in Bayreuth ein. Siehe ThK 2b. 20–21 Tristan ... in Wien] Aus dem Vorhaben wurde nichts. Tristan wurde in Wien erst am 4. Oktober 1883, also nach Wagners Tod, erstmals aufgeführt.
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Kommentar
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Seidel] Anton Seidl, der als Korrepetitor die Gesangsstudien von Unger bei Julius Hey in München begleitete. Orlando Lasso] Orlando di Lasso, Restaurant und Bierhaus am Platzl in München, benannt nach dem Komponisten. die Schmiede!] Scherzhaft für das Münchener Nibelungen-Team, das den Adressaten beim Studium der Partie des Siegfried unterstützte: Der Gesangslehrer Julius Hey und Wagners Assistenten Anton Seidl und Franz Fischer. Und Fischer?? Telegraphist immer noch??] Franz Fischer, der zu Wagners musikalischen Assistenten zählte, später Hofkapellmeister in München war. Die Anspielung könnte sich auf die Wortkargheit Fischers beziehen. Julius Hey berichtet, Wagner habe Fischer als „den geläufiger Rede abgeneigten Mann der musikalischen Tat“ bezeichnet (Hey, Vortragsmeister, S. 139–140). die Dilettanten?!] Konkreter Bezug nicht ermittelt; Wagners Assistenten erprobten ihre Fertigkeiten gelegentlich als Dirigenten und Chorleiter im Bayreuther Musik-Dilettanten-Verein.
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A N P HILIPP H AAS & S ÖHNE , 2. JANUAR 1876
ORIGINAL: New York CU RBML, Gen Ms Coll Wagner 54. – AUSGABEN: Baer & Co., Mitteilungen 9/4 (1911), Nr. 4297 (Ausz.). – WBV 7322. TEXTKONSTITUIERUNG Original: 4 für wechen / 13–14 verbleibe, ich. ERLÄUTERUNGEN Die erwähnten Bestellungen hatte Wagner vermutlich persönlich während seines längeren Aufenthaltes in Wien im November und Dezember 1875 aufgegeben.
7.
A N C ARL B RANDT, 3. JANUAR 1876
ORIGINAL: München BStB, Cgm. 8574 (I), Nr. 40, mit Umschlag. – ADRESSE: „Herrn Karl Brandt. | Grossherzogl. Hoftheater- | Maschinmeister [sic] | in | Darmstadt.“ – AUSGABEN: Br Bayreuth, Nr. 176 (S. 229–230). – WBV 7323.
TEXTKONSTITUIERUNG Original: 28 viel Geplagste. ERLÄUTERUNGEN 7 der Empfang auf Ihrer fertigen Bühne] Anspielung auf die erste Probe mit Orchester im Festspielhaus am 1. August 1875. 10–11 Betrügern, Wortbrüchigen und Lumpen] In diese Kategorie hatte Wagner vermutlich auch Emil Scaria eingeordnet (siehe Nr. 4 K/2). Mit Sicherheit darf der Berliner Verleger Adolph Fürstner
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RICHARD WAGNER SÄMTLICHE BRIEFE herausgegeben im Auftrag der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth Band 1 Band 2 Band 3 Band 4 Band 5 Band 6 Band 7 Band 8 Band 9
bis März 1842 April 1842 – Mai 1849 Mai 1849 – Mai 1851 Mai 1851 – Sept. 1852 Sept. 1852 – Januar 1854 Januar 1854 – Februar 1855 März 1855 – März 1856 April 1856 – Juli 1857 August 1857 – August 1858
Wissenschaftliche Neukonzeption von Werner Breig (1999) Band 10 August 1858 – März 1859 Band 11 April – Dezember 1859 Band 12 1860 Band 13 1861 Band 14 1862 Band 15 1863 Band 16 1864 Band 17 1865 Band 18 1866 Band 19 1867 Band 20 1868 Band 21 1869
Band 22 1870 Band 23 1871 Band 24 1872 Band 25 1873 Band 26 1874 Band 27 1875 Band 28 1876 9 783765 104282
Weitere Bände in Vorbereitung
ISBN 978-3-7651-0428-2
9 783765 104282 A 26
BV 428