

Schnellporträts
Material 120g Papier A4 gefaltet oder Papier DIN A6, Bleistift 2-4B Zeitaufwand je 8 Minuten Personen allein, wechselnde Modelle weitere Materialien keine Schwierigkeitsgrad **, nach Übung X und Übung X *




VOR DEM START

Da diese Porträtzeichnung zeitlich ausgesprochen begrenzt ist, kann das Modell für genau 8 Minuten ohne große Anstrengung (und daher unbeweglich wie eine Statue…) stillsitzen und dir auf diese Weise Momente der Konzentration und den Flow der zügigen Wiedergabe ermöglichen. Setze dein Modell nicht weiter entfernt als einen Meter, aber auch nicht zu nah vor dich. Du wirst in dieser Übung als ganzheitlich erfasste Formen leichter abbilden als zu viele kleine Details.
Beginne mit den Augen, der Nase und den Mund und begrenze anfangs keinesfalls die Aussenkontur der Gesichtsfläche! Deine Zeichnung muss sich von innen heraus ausbreiten können. Konzentriere dich, denn du arbeitest ohne Radiergummi. Setze risikobereit Linie nach Linie. Halte die Zeit ein, und lasse dich von möglichen Entgleisungen keinesfalls irritieren! In dieser Zeichenübung setzt du auf Wiederholung. Du wirst sehen: nach und nach, von Zeichnung zu Zeichnung wirst du immer besser werden! Bleibe unbedingt bei der Größe einer Postkarte, jede größere Zeichnung würde zu lange dauern und zudem die Übertragung der Proportionen deutlich erschweren. Modell, Papier und Stift bereit?
LOS GEHT‘S!



2. Sobald du mit dem rechten Auge auf diese Weise abgeschlossen hast, gehen deine Beobachtung auf das linke Auge über. Glaube ja nicht, dieses Auge sei nur die „spiegelverkehrte“ Variante. Lass auch dieses Auge einen Moment auf dich wirken, vollziehe im Geiste die Grundform und vor allem den Ausdruck nach, und ziehe dann erst langsam und entschieden deine Linien.
4. Der Raum zwischen Nase und Oberlippe verdient gesonderte Aufmerksamkeit. Er ist meist größer als zunächst angenommen.
5. Für den Ausdruck des Mundes ist die Mittellinie in der Regel meist eine ausgesprochen markante Linie. Doch Vorsicht: Zu starke Umrandungen der Lippen hingegen verfremden ein Gesicht, der Mund wird überbetont und verliert schnell an Ähnlichkeit.


Außenraum // Innenraum // Portrait // ganze Figur // Gegenstand
Gehe immer zunächst nur in die Beobachtung und zeichne eine Linie erst dann, wenn sich vor deinem inneren Auge eine präzise Vorstellung von der ganzen Form entwickelt hat. Jedes Detail in Gesicht eines Menschen hat Ausdruck - und ist einzigartig!

6. Nun geht es weiter zur Kopfform! Hier darfst du gerne ein wenig übertreiben, denn ein sehr flächiges Gesicht hat einen grundsätzlich anderen Charakter als ein schmales, gar knochiges und längliches Gesicht mit markantem Kinn. Bei der Außenlinie der Haare ist das Blindzeichnen (S.X) das Mittel der Wahl, um schneller und dennoch sensibel die Zeichnung abzuschließen, das gilt auch für den Hals mit einem eventuellen Ausschnitt der Kleidung, Schulteransatz sowie eventuellem Schmuck.
1. Betrachte einen Moment nur das rechte Auge und lasse es auf dich wirken: schaut es traurig, amüsiert, starr, stechend oder sinnlich? Woran könnte dieser starke Ausdruck, der dich erfasst, denn genau liegen? Ist es der Anschnitt der Iris oder das starke Abfallen des Liedes, gar ein Schlupflied? Ergänze nun die Augenbraue - achte auf ihren Abstand und vor Allem auf ihren Neigungswinkel, sie bestimmt den Blick!
3. Ebenso gehst du mit der Nase weiter vor. Spielt die Nasenwurzel markant mit Augen und Augenhöhle? Scheint sie losgelöst deutlich abgekoppelt von Wangen und Blick nach unten in das Gesicht zu ragen? Wie dunkel und markant zeichnen sich überhaupt die Nasenflügel oder die Nasenspitze ab? Achtung: Die Nase ist oft genau das Sinnesorgan, was die allerwenigsten Linien zu zeichnen hergibt. Überzeichnet ähnelt sie schnell einer Art „Rüssel“!


Verkürzungen erfassen
Material 120g Papier Din A3, Bleistift 2B, Anspitzer Zeitaufwand Pro Runde ca 20 Minuten Personen allein Weitere Materialien starke Lichtquelle, weitere Zeichenmittel deiner Wahl Schwierigkeitsgrad ••
WENN DER VERSTAND MAL PAUSE HAT
HÜGELLANDSCHAFTEN, KLETTERPARTIEN UND SCHLITTENFAHRTEN
Besorge dir einen kleinen Sockel (vielleicht eine Dose, einen Schuhkarton oder einen Stapel Bücher) Auf diese erhöhte Fläche vor dir stellst du nun deinen Tonkopf. Betrachtest du ihn in Augenhöhe und drehst ihn hin und her, so wirst du spüren, dass jedes jede Perspektivänderung etwas Neues in dir auslöst. Lege das Tonportrait nun vorsichtig auf den Hinterkopf und fixiere es so, dass es nicht zur Seite umkippen kann. Drehst du den Sockel erneut, wechseln nun interessante Auf- mit Untersichten. Alle proportionalen Regeln geraten hier mit einem Mal aus den Fugen: Wie kannst du bei extremen Verkürzungen noch nachmessen, ob die Augen in der Mitte der Schädelhöhe liegen? Gar nicht. Ab jetzt bist du ganz auf die Beobachtung angewiesen. Aber keine Sorge, genau dadurch wird es in gewisser Weise wieder einfacher. Denn: in stark verfremdete Perspektiven kann sich der analytische Teil deines Denkens nicht mehr so ohne Weiteres einmischen (auch wenn er es, wie du noch sehen wirst, dennoch versucht) Nun heißt es ein weiteres Mal: ganz dem Auge trauen. Vergesse dafür am Besten zunächst alle Begrifflichkeiten wie Auge, Nase und Mund...
LOS GEHT'S

Mit gutem Licht wirst du in der kleinen Form vor dir eine Fülle an sich überschneidenden Linien beobachten können, eine Gesichtslandschaft, in der kleine Hügelpartien über- und ineinander fließen.






Außenraum // Innenraum // Portrait // ganze Figur // Gegenstand
VORSTELLUNGSKRÄFTE AUSLOTEN
Aus welcher Gedankenwelt heraus die Linie entsteht, die du beobachtest und erfasst, das ist ganz deine Sache. Später auf dem Papier spricht zu uns ausschließlich ihre Sensibilität, ihr Duktus, die Wirkung, die das Motiv auf uns hat. Also: nur Mut zum Experiment! Der große Vorteil dieser Methode ist es, dass du beim Zeichnen immer ein verlässliches Lot für unten und oben behältst, da Kraft der Imagination dein Körper dir seine Signale für Steigung und Gefälle quasi „gratis” für das Zeichnen zur Verfügung stellt.So irritierend diese Herangehensweise also für dich anfangs auch erscheinen mag: lässt sich deine Vorstellung ganz darauf ein, so wirst du die Effizienz dieses ungewöhnlichen Tools bald spüren - und nicht mehr missen wollen.



ERSTE RUNDE
Suche eine Partie, in der sich möglichst viele aneinandergrenzende Linien verdichten, meist findest du sie um die Nase herum. Dort beginnst du deine Zeichnung. Nehme die sanfte Hügellandschaft nun ganz genau unter die Lupe: Stelle dir vor, du bist - jetzt nicht lachen - verzaubert worden und plötzlich winzig klein. Nun bist du in diesem beobachteten Abschnitt mit einem ebenso winzigen Schlitten unterwegs: Also: Wie werden sich diese Hügel befahren lassen? Wie die Strecken, die du nun nach und nach begehen wirst, sich voneinander unterscheiden?
Übertrage die Linien nacheinander auf dein Blatt, und achte darauf, dass bei jeder von ihnen das Gefühl für den jeweiligen Schwierigkeitsgrad der Strecke spürbar bleibt: Jede noch so kleinste Bodenwelle, jeder Moment, ab dem dein Weg ein wenig abschüssiger wird, ist von dir wahrgenommen worden und lässt sich in der Zeichnung daher wiederfinden.Dasselbe gilt für senkrechte Herausforderungen: hier bist du kletternd unterwegs. Wo wird aus dem anfänglichen Spaziergang langsam ein beschwerlicherer Weg? Wo fangen kraftfordernde Felsen an – vielleicht versehen mit einem Vorsprung, auf dem sich eine Pause machen lässt? Wo beginnt ein Überhang und du musst dich schon gewissenhaft mit einem Seil sichern? Wo ist der Gipfel?

Musst du hier und da den Schlitten eher mühsam bergauf ziehen? Kippt die eine oder andere vergnügliche Rodelpartie gar in eine "Todesfahrt"?
Wiederholung ist alles Schraffur besteht nun mal aus unzähligen Linien auf dem Papier. Sei also verschwenderisch mit deinen Strichen. Fülle neugierig Blatt um Blatt, deine Aufmerksamkeit richtest du dabei immer auf die Stiftspitze. Beobachte den permanenten Wandel des Ausdrucks deiner Linien - anspitzen nicht vergessen!
In der Schraffur wird es besonders deutlich: Die Verknüpfung zwischen Hirn und Hand entzieht sich sprachlicher Abkürzungen durchs „Verstehen“. Das Tun zählt! Ein Beispiel: Versuche mal in Worten zu beschreiben, wie du als Kind das Fahrradfahren gelernt hast. Du wirst schnell feststellen, dass dieser komplexe Bewegungsablauf größere Herausforderungen an die Körperbeherrschung stellt als an die Sprache! Als Kind hast du für das Erlernen dieser Bewegungen intuitiv die begeisterte Wiederholung genutzt. Versuche diese Konzentrationsfähigkeit zu reaktivieren, und deine Schraffur wird sich sehr schnell erfolgreich weiterentwickeln.
3. DER DUKTUS DER LINIEN
GESCHWINDIGKEIT UND AUSDRUCK, DAUER: 7 MINUTEN
Bist du dir der Geschwindigkeit bewusst, mit der du Linien zeichnest?
Beginne mit Tempo: Kleine Fähnchen von Dick nach Dünn zeigen die Vehemenz deiner Strichführung, sie sprechen eine zügige, fast erregte Sprache. Harter Anfang, die Hand mit Stift fliegt mit heftiger Linie anschließend beherzt nach ober rechts.
Nun alles mal langsam, Strich nach Strich nach Strich … Eine stehende Schraffur ist derart ebenmäßig, dass man gar nicht mehr erkennt, ob sie von rechts nach links oder von links nach rechts gezogen wurde, sie strahlt enorme Ruhe aus. Bei dieser Übung findest du intuitiv den Stil, der dir ganz persönlich zusagt. Erspüre daher genauer deine Vorlieben für einen langsameren oder schnelleren Duktus des Striches, indem du deine Variationen mit unterschiedlichen Längen und Abständen kombinierst.

Achte bei dieser Runde besonders auf die Fernwirkung von Linien. Auch mit sehr großzügigen Gesten und einem sattem Strich lassen sich Zeichnungen erstellen, die von Weitem ausgesprochen präzise wirken. Steh auf und betrachte dein Blatt aus einem anderen Abstand und Blickwinkel.







Versuchungen

4. DIE SETZUNG DER LINIEN
DAUER: 7 MINUTEN
Beherrschst du den Anfang deiner Linien? Beginnen sie auch genau dort, wo du sie beginnen lassen möchtest? Diese Präzision ist äußerst wichtig, denn unbeholfenes Flattern vom Linienstart in Kombination mit vorgezeichneten Umrissen schwächt schnell den Ausdruck. Verzichtest du in deiner Zeichnung hingegen auf Umrandungen, beginnen die Formen, sich allein durch die Schraffür zu definieren.

Besonders diese Übung verführt zu sofortigen dekorativen Anwendungen: Hier ein Herzchen, da ein Ornament, dort eine Pyramidenlandschaft. Das macht Spaß und übt sicherlich ebenso auch den Strich. Aber zu viel Aufmerksamkeit auf ein kleines sofortiges „Ergebnis" raubt auch die notwendige Konzentration auf den Strich, da sie sich auf Formenideen und Gestaltungskriterien verlagert und du den „Flow" des rein beobachtenden Übens verlässt. Verschiebe jedwede Anwendung bewusst auf später, und übe zunächst ausschließlich anhand der Kugel. Tonleitern sind wirklich keine inspirierende Melodien … und doch bereitest du mit ihnen Fähigkeiten vor für spätere, große Symphonien! Weniger ist in dieser Übung unschlagbar mehr. Mehr an präziser Erfahrung.
Erschaffe nur durch Schraffur den Umriss einer Kugel - und das ohne jede Vorzeichnung. Dafür konzentriere dich auf die präzise Setzung jeder einzelnen Linie:
Der Beginn einer jeden Linie ist hier immer Teil der perfekten Form und muss daher exakt sitzen! Das gilt auch für den Schatten im Hintergrund, denn er definiert minutiös die Lichtseite der Kugel.
Spürst Du, wie jeder Linie bei dieser Variante eine enorme Bedeutung zukommt?
Entwickle die Form zuallererst in deiner Vorstellung.
Halte dafür einen Moment inne. Hast du sie klar vor deinem inneren Auge?
Dann erst setzt du die Linie. So werden aus vagen nebulösen Erscheinungen
Strich für Strich feste Formen! Kombiniere diese Variante der Liniensetzung anschließend mit Variationen in Längen und Abständen sowie einem unterschiedlichen Ausdruck.
Urheberrechtlich geschütztes Material
Draußen zeichnen
Material 120g-Papier DIN A5 und größer, Bleistift 2B bis 6B, Anspitzer, Radiergummi Zeitaufwand min. 10-120 Minuten, aber auch ein ganzer Nachmittag Personen gut allein, auch zu zweit und in der Gruppe Weitere Materialien Falthocker oder Sitzunterlage, zur Erweiterung: Fineliner, Tusche, Wachskreiden Schwierigkeitsgrad ••
VOR DEM START
SICH DAS SEHEN ANSCHAUEN
VIER TOOLS FÜR RAUMTIEFE
Der Außenraum ist oft kein ruhiger Ort, um zu zeichnen. Mitten im Trubel geht schnell die Konzentration verloren. Doch bereits mit ein, zwei kompositorischen Linien sind Entscheidungen gefallen, die sich wesentlich auf die Raumtiefe der Zeichnung auswirken werden. Daher hilft dir ein guter Überblick über die „Grammatik" des Bildraumes, ganz gelassen und gezielt die richtige Bildsprache für deine zeichnerischen Ziele zu finden. Hier daher ein kleiner Moment für die Theorie, dann gehst du zum jeweiligen Thema gleich in die Zeichnung. LOS GEHT'S!
1. DER HORIZONT
ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE
Wohin möchtest du den Blick lenken? Auf wuchtige, hautnahe Realität, den Boden, auf dem du stehst? Oder möchtest du lieber in luftige Fernen schweifen? Viel Weite ins Bild hineinlassen?

Linien und Flächen unterhalb eines hohen Horizontes werden als Vordergrund wahrgenommen. Je stärker die Aufsicht, desto erdgebundener wirken die Formen.
ERSTE RUNDE
Experimentiere mit der Position deines Bildhorizontes, indem du dasselbe Motiv mit zwei unterschiedlichen Horizonthöhen zeichnest.
Genieße den Kontrast der dabei entstehenden unterschiedlichen Raumwirkung. Überlasse künftig in deiner Zeichnung die Höhe des Horizontes nie dem Zufall.
2. DIE LOGIK GLEICHER FORMEN
PRINZIP STAFFELUNG
Rhythmische Wiederholungen finden sich recht häufig im Außenraum: Großzügige Alleen mit altem Baumbestand, Feldränder, gesäumt von Zaunpfählen, Laternen entlang des Straßenverlaufs ….
Sich ähnelnde Formen, die zum Horizont hin immer kleiner werden, interpretieren wir nicht als unterschiedliche groß: Wir nehmen indessen an, ihre realen Maße seien identisch, nur nähme ihre Entfernung zu uns immer weiter zu.
Eine tiefe Horizontlinie suggeriert Ferne. Der weite Himmel über dir weckt das Gefühl von Erhabenheit, Objekte im Vordergrund geraten in dieser Perspektive in extreme Untersicht. Siehe auch Übung S X





ZWEITE RUNDE
Genau diese Sehgewohnheit nutzt du nun aktiv für deine Zeichnung: Durch bewusst eingesetzte Staffelungen ähnlicher Formen, die zum Horizont hin Schritt für Schritt kleiner werden, erzeugst du unmittelbar die Illusion räumlicher Tiefe.



Feste Sehgewohnheiten
Oben, unten, nah, fern … Für das Überleben war es einst sehr wichtig, alles im Raum um uns herum blitzschnell erfassen und einschätzen zu können – das ist evolutionärer Teil unserer Biologie. Optische Irritationen können dabei heftigen Alarm im Körper auslösen: Höhenschwindel wird verursacht durch einen mangelnden Fixpunkt in nächster Nähe, Seekrankheit ist ein Konflikt zwischen Informationen des Auges und dem Gleichgewichtssinn im Innenohr. Unser Sehsinn liefert uns einerseits Bilder, die wir bewusst wahrnehmen, steuert aber ebenso ganz unterbewusst unsere Bewegungen. Träumen wir vom Laufen, dann zucken im Schlaf unsere Beine. Optische Gesetzmäßigkeiten im Realraum übertragen wir auf das Betrachten eines Bildes. Eine gute Kenntnis dieser Regeln kann also ausgesprochen nützlich sein!



EIN KLUGES DURCHEINANDER
Baue vor dir ein gut zu beobachtendes Spiel aus Formen und Zwischenräumen auf. Manchmal genügt es, dafür nur ein paar Möbel zusammenzurücken, und schon entsteht eine Fülle an Überschneidungen. Mache es dir für den Anfang nicht zu schwer - zumal bei einer bewussten Lichtsetzung auch interessante Schattenformen mit ins Spiel kommen! Und LOS GEHT'S
ERSTE RUNDE
Skizziere zuerst in den kleinen, vorgezeichneten Kästchen verschiedene Bildausschnitte. Nutze dafür den Sucher, halte ihn mit einer Hand vor ein Auge, während du das andere Auge zukneifst. Spiele für die Ausschnittsfindungen zunächst ganz bewusst mit dem Abstand von Auge und Sucher - was für ein Unterschied! Dann aber sollte der Abstand zum Sucher immer exakt gleich bleiben. Ist dir das Halten zu anstrengend, erfinde eine kreative Möglichkeit, ihn anderweitig zu fixieren (Siehe S. X). Nutze für den proportionalen Übertrag vom Sucher in die Vorskizzen ganz bewusst die kleinen, eingezeichneten Marker.
Beobachte, wo deine Formen am Rand des Suchers enden (hier: die orangefarbigen Kreise). Die Abstände helfen dir zusätzlich dabei, die Proportionen besser abzuschätzen.




ZWEITE RUNDE
Außenraum // Innenraum // Portrait // ganze Figur // Gegenstand
Betrachte deine Varianten. Entscheide dich für die überzeugendste Komposition und gehe über auf das ganze Blatt. Die kleine Skizze am Rande hilft dir jederzeit zur Orientierung auf der großen Fläche. Skizziere ein paar wenige und ganz leichte Linien vor und konzentriere dich dann ausschließlich auf das Abzeichnen der abstrakten Negativräume, ganz so, als hättest du eine Fläche wie in Übung X vor dir!
BEREIT FÜR EINE VERTIEFUNG?
Hast du eine lange Schnur? Vielleicht eine Kabeltrommel - oder einen Stoffballen, den du großzügig ausrollen kannst? Auch eine Küchenrolle täte es: Mithilfe markanter, bestenfalls sogar farbiger „Linien", die den Raum durch eigenwillige Verläufe optisch durchschneiden, fällt es deutlich leichter, die hier entstehenden Negativräume bewusst wahrzunehmen und abzuzeichnen. Auf diese Weise lässt sich unkompliziert ein neuer Blick auf dir Bekanntes inszenieren. Möchtest du über die reine Übung hinaus ins Experimentielle wechseln, so ist diese Vertiefung dafür ein humorvoller Einstieg.






Diemut Schilling
Diemut Schilling ist Universitätsdozentin im Fachbereich Mediendesign an der Universität Wuppertal und Mitglied des Rates für kulturelle Bildung. Seit 2011 Professorin an der Alanus Universität für Kunst und Gesellschaft.