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Leseprobe | Street Art International

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Street Art International

© 2025

Midas Collection

Ein Imprint der Midas Verlag AG

ISBN 978-3-03876-322-2

1. Auflage

Übersetzung: Claudia Koch, Martina Panzer

Lektorat: Kathrin Lichtenberg

Layout: Ulrich Borstelmann

Art Director: Toni Cabré

Projektleitung: Gregory C. Zäch

Midas Verlag AG, Dunantstrasse 3, CH 8044 Zürich

Webseite: www.midas.ch, E-Mail: kontakt@midas.ch

Midas Büro Berlin, Mommsenstraße 43, D 10629 Berlin E-Mail: berlin@midasverlag.com (GPSR)

Englische Originalausgabe:

»Street Art & Graffiti Atlas«

© 2025 Hoaki Books, S.L.

Herausgeber: Diego López

© Text: Kevin Krell

© Bilder bei den Künstlerinnen und Künstlern

Printed in China

Die deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter www.dnb.de abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung der Texte und Bilder, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlages urheberrechtswidrig und strafbar.

Urheberrechtlich geschütztes Material

DIEGO LÓPEZ

STREET ART International

DIE WICHTIGSTEN

STREET ARTISTS AUS ALLER WELT

MIDAS

Urheberrechtlich geschütztes Material

Inhalt

Einleitung

»Ich werde die Welt in Brand

Wunderbare

AMERIKA

Nordamerika

Beau Stanton, USA

BKFoxx, USA

David Zinn, USA

Hoxxoh, USA

iHeart, KANADA

James Bullough, USA

Mina Hamada, USA

Remix Uno, MEXIKO

Revost13, MEXIKO

Stinkfish, MEXIKO

Trepo Parker, MEXIKO

Südamerika

Alex Senna, BRASILIEN

Apitatán, E CUADOR

Badsura, VENEZUELA

Cristóbal Persona, CHILE

Fiasco, PERU

Fio Silva, ARGENTINIEN

Kobra, BRASILIEN

Mabel Vicentef, ARGENTINIEN

Maximiliano Bagnasco, ARGENTINIEN

Medianeras, ARGENTINIEN

Otto Schade, CHILE

Zelva Uno, PERU

ASIEN & OZEANIEN

Bakeroner, TÜRKEI

Dizy, INDIEN

Fintan Magee, AUSTRALIEN

Satr, CHINA

Swods, INDONESIEN

Wild Drawing, INDONESIEN

EUROPA

Abys, FRANKREICH

Arsek & Erase, BULGARIEN

Aura Aerosole, DEUTSCHLAND

Belin, SPANIEN

Boa Mistura, SPANIEN

Bublegum, SPANIEN

BustArt, SCHWEIZ

C215, FRANKREICH

Cachetejack, SPANIEN

CAL, FRANKREICH

Christoph Florin (fka Low Bros), DEUTSCHLAND

Dados Punto Cero, SPANIEN

Dale Grimshaw, GROSSBRITANNIEN

Urheberrechtlich geschütztes Material

Deih, SPANIEN

Dina Saadi, RUSSLAND

Dridali, SPANIEN

Duke103, SPANIEN

Dulk, SPANIEN

El Rey de la Ruina, SPANIEN

El Xupet Negre, SPANIEN

Fabian Bane, SCHWEIZ

Fabio Petani, ITALIEN

Fanakapan, GROSSBRITANNIEN

Gera 1, GRIECHENLAND

Helio Bray, PORTUGAL

INO, GRIECHENLAND

Irapele, RUSSLAND

Isaac Malakkai, SPANIEN

Izzy Izvne, MOLDAU

Jacqueline de Montaigne, PORTUGAL

JPS, GROSSBRITANNIEN

Julien de Casabianca, FRANKREICH

Julieta XLF, SPANIEN

Kogaone, FRANKREICH

Leon Keer, NIEDERLANDE

Lidia Cao, SPANIEN

Lily Brick, SPANIEN

Lula Goce, SPANIEN

Manomatic, SPANIEN

Mr Dheo, PORTUGAL

Nicolas Barrome-Forgues, FRANKREICH

Nina Valkhoff, NIEDERLANDE

Nuno Viegas, PORTUGAL

Nychos, ÖSTERREICH

Pez, SPANIEN

PichiAvo, SPANIEN

RNST, FRANKREICH

Rocket01, GROSSBRITANNIEN

RoosArt, NIEDERLANDE

Sabotaje al Montaje, SPANIEN

Saker, SPANIEN

Shozy, RUSSLAND

Snyder, DEUTSCHLAND

Tabby, ÖSTERREICH

Tymon de Laat, NIEDERLANDE

Viktoria Veisbrut, RUSSLAND

Vittorio Valiante, ITALIEN

Index der Street Artists Fotonachweise

Urheberrechtlich geschütztes Material

Einleitung

Die Geschichte von Graffiti und Street Art ist genau wie andere urbane Erzählungen eine Ansammlung von Geschichten, die irgendwann verschmelzen und größer werden, als sie in Wirklichkeit waren. Wahrscheinlich hatten die Menschen schon immer das Bedürfnis, sich an den Mauern ihrer Gemeinden zu verewigen – von den Höhlenmalereien über die Inschriften an den Häusern der antiken römischen und griechischen Städte bis hin zu den »Wänden« in den heutigen virtuellen Netzwerken.

Kunsthistoriker gehen davon aus, dass der Ursprung von Graffiti als urbane Kunstform um 1968 im amerikanischen Philadelphia liegt. Als Vorreiter gilt der bahnbrechende Cornbread, der von 1967 bis 1972 aktiv war. Schon bald schlossen sich unzählige junge Leute diesem urbanen Trend an und wetteiferten um das kunstvollste Graffiti, den originellsten Stil und sogar die gewagteste Location. So begann 1969 beispielsweise der legendäre Graffiti-Writer Tracy 168 im Alter von zwölf Jahren, seinen Namen auf Wände in seinem Viertel und auf Busse zu hinterlassen, später fand man seine Werke auch außerhalb seiner eigenen Gegend. Ähnliche Ideen hatte viele Jugendliche in den verschiedenen Vierteln New Yorks und es entwickelte sich eine immer größere Eigendynamik.

Bald wurden die Medien immer auf das aufmerksam, was sich auf den Straßen der Stadt abspielte. Sie nahmen wahr, wie sich die Graffiti-Künstler in der Stadt der Wolkenkratzer auf der Straße ausdrückten und es gab erste Interviews mit Graffiti-Künstlern, etwa 1971 in der New York Times mit TAKI 183, einem der Pioniere. Zwar bezeichnete die Zeitung ihn als Vorreiter der Bewegung, doch tatsächlich war er in dieser Zeit nur einer von wenigen Graffiti-Künstlern. TAKI 183 arbeitete als Kurier und hinterließ auf seinen Routen einfach überall seinen Namen. Das machte Graffiti bekannt und lud andere ein, es ihm nachzumachen.

Eine weitere bemerkenswerte Geschichte ist die der Fotojournalistin Martha Cooper. In den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren fotografierte sie auf ihren Streifzügen durch die Straßen von New York Jugendliche beim Spielen. Dabei weckte unter anderem die Tätigkeit der Graffiti-Künstler ihre Aufmerksamkeit. Sie hätte sich

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niemals vorstellen können, dass diese Bilder zu einem weltweiten Phänomen werden würden (in Interviews bezeichnete sie diese für eine lokale Modeerscheinung, die nicht von Dauer sein würde). Sie beschloss, Bücher über diese urbane Bewegung zu veröffentlichen – trotz zahlreicher Schwierigkeiten. So war die erste Hürde, dass die amerikanischen Behörden streng gegen Graffiti vorgingen. Ihre Fotografien bewirkten das Gegenteil und halfen, die Street Art auf der ganzen Welt bekannt zu machen. Heute gilt Martha Cooper als Wegbereiterin für die Dokumentation der Graffiti-Bewegung. Doch die Geschichte geht noch weiter.

Graffiti verschmolz mit der Hip-Hop-Bewegung, die für Jugendliche weltweit anzog, und verbreitete sich so immer weiter. Hip-Hop entwickelte sich unter jungen Afroamerikanern und Hispanics in den Straßen der New Yorker Bronx und wurde zur treibenden Kraft hinter Graffiti. Neben Graffiti sind die wichtigsten Elemente des HipHop der Discjockey, der die Musikstücke mixt, der MC oder Master of Ceremonies, der das als Rap bekannte Musikgenre vorträgt, und der Breakdance, die Form, in der der Rap getanzt wird.

Dieses Gesamtpaket aus Musik und Straßenperformance war ein wichtiger Impuls für die Verbreitung von Graffiti (daher der Name Graffiti-Hip-Hop). Zwar existierte Graffiti schon lange vor dem Hip-Hop. Doch über den Hip-Hop fasste die Graffiti vor allem dank Rap- und Breakdance-Festivals auch in anderen Ländern Fuß. In den Vereinigten Staaten verbreitete sich Graffiti durch den Hip-Hop im ganzen Land, von der Ostküste zur Westküste und von dort aus nach Lateinamerika, Japan und Europa sowie nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 auch in die Länder des ehemaligen Ostblocks.

Zeitgleich mit Graffiti entstanden die so genannten PostGraffiti, manche davon bereits in den Anfangszeiten des Graffiti in den späten 1960er-Jahren. Zu voller Entfaltung fand diese Kunstform in den 1980er-Jahren. Post-Graffiti, Neo-Graffiti oder Street Art umfasst das gesamte Spektrum unabhängiger urbaner Kunst, die kein Graffiti ist. Es geht um Wandmalerei, bei der nicht die Signatur der wichtigste Aspekt des Werks ist. Sie kann illegal oder legal sein und ist von ihrem Wesen her eher flüchtig. PostGraffiti wird von Graffiti beeinflusst; es ist keine Weiterentwicklung von Graffiti, sondern eine Folge davon. Dabei

ist Graffiti nie verschwunden, sondern beide Richtungen erfreuen sich großer Beliebtheit.

Auch der Muralismus positioniert sich zwischen dem eher kommerziellen künstlerischen Ausdruck und dem, der unser Denken herausfordern will. Urbane Kunst und Muralismus verkörpern die Vitalität einer Stadt. Sie unterbrechen die Tristesse, das Grau des Betons. Sie verändern unsere Sicht auf die Stadt und sogar auf unsere Existenz, regen uns zum Nachdenken an und rütteln unser Inneres auf.

Heute werden Graffiti, Street Art und Wandmalerei in den Städten zunehmend geschätzt und als urbane Ausdrucksformen respektiert. Zahlreiche Festivals sind ihnen gewidmet. Obwohl die Werke nicht als Touristenattraktion gelten, suchen viele Reisende in den Straßen der besuchten Städte nach urbaner Kunst als kulturellem Spiegelbild der Einwohner.

Mich selbst fasziniert das enorme Talent, das in den Straßen existiert. Daher schlug mir der Herausgeber dieses Buches vor, eine Auswahl der besten Graffitikünstler, Urban Artists und Wandmaler der Welt aus meiner bescheidenen und subjektiven Sicht zusammenzustellen. In diesem Buch finden sich Street Artists, die ich aufgrund ihres unverwechselbaren Stils, ihres kometenhaften Aufstiegs, ihres innovativen Charakters und ihres immer wieder erstaunlichen Einfallsreichtums zur Nachahmung empfehlen würde. Dabei gibt es natürlich noch viele weitere große Künstler, die in diesem Buch nicht aufgeführt sind. Dies ist nur eine kleine Auswahl, sozusagen die Spitze des Eisbergs.

Ich möchte den Schriftsteller George R. R. Martin zitieren: »Ein Leser lebt tausend Leben, bevor er stirbt. Wer nie liest, lebt nur einmal.« Dieses Buch erweitert unsere eigene Geschichte um Dutzende andere. Hinzu kommen die Leidenschaften, Träume, Herausforderungen und Schwierigkeiten von Künstlern, die die Straßen als Leinwand wählten und aus dem Grau der Stadt ein Freiluft-Kunstmuseum zauberten. Und nun, liebe Leserin, lieber Leser, vermischt sich Ihre Geschichte mit der unsrigen und wird damit noch größer.

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Beau Stanton USA

1 Aqua Vitae, Nashville, Tennessee, USA.
2 Canicule, Paris, Frankreich.
»Ich möchte das Gebäude besser hinterlassen, als ich es vorgefunden habe; ich will den Betrachter zum Nachdenken anregen, ein Gespräch anfangen und ihn dann weitermachen lassen.«

Beau Stanton war bis zu seinem Umzug nach New York im Jahr 2008 Ölmaler und Illustrator. Er wurde 1985 in Südkalifornien geboren und zog später an die Ostküste. Hier arbeitete er zunächst für einen etablierten Künstler namens Ron English und lernte neue Techniken und Vorgehensweisen kennen. Mit diesen Erfahrungen begann er einige Zeit, eigene Werke im öffentlichen Raum zu malen. Zu seinen frühesten Einflüssen gehörten Renaissance-Meister wie Leonardo Da Vinci, während er sich später für surrealistische Maler wie Magritte interessierte. Außerdem ist er stark vom Jugendstil und der klassischen architektonischen Ornamentik, den goldenen Schnitten in der Natur, dem industriellen Verfall und dem Meer beeinflusst. »Ich lasse mich immer von der Geschichte inspirieren«, sagt er, »die Beziehung des Menschen zur Natur, vergessene Schichten, unerwartete Farbharmonien, alte Ruinen, rostige Maschinen, maritime Utensilien und alte Landkarten.« Beau versucht, seinen Stil nicht zu streng zu definieren. Seine Arbeit soll sich entwickeln. Auf der Straße malt er mit Pinseln, Walzen, Sprühdosen und Airless-Spritzgeräten und allem, »was die Arbeit erledigt«. Bei seinen großformatigen Arbeiten versucht er, mit der Komposition und dem Inhalt des Bildes auf seine Umgebung zu reagieren. Dabei berücksichtigt er zunächst die einzigartigen architektonischen Eigenschaften, bevor er spezifische Verweise auf die Geschichte oder zeitgenössische Bezugspunkte in dem Gebiet einbaut, in dem er malt. Schließlich fasst er diese Elemente in einer digitalen Darstellung zusammen, die er beim Malen als Referenz verwendet. Beau will einfach etwas Schönes schaffen. »Ich möchte das Gebäude in einem besseren Zustand zurücklassen, als ich es vorgefunden habe.« Es geht ihm auch darum, den Betrachter zum Nachdenken anzuregen, ihn zu einem Gespräch zu inspirieren und »ihn dann weitermachen zu lassen«. Pro Jahr malt Beau zwischen acht und fünfzehn Wandbilder. Bei der Auswahl des Ortes

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kommt es ihm auf eine gute Oberfläche, einen interessanten Bereich und eine potenzielle Herausforderung an. Es sei gewöhnungsbedürftig gewesen, die Techniken der klassischen Ölmalerei in die Street Art zu übernehmen, räumt der Künstler ein. Eine weitere Herausforderung sei das Selbstvertrauen, etwas von Anfang bis Ende in der Öffentlichkeit zu schaffen. »Man muss sich daran gewöhnen, dass jeder den Prozess sehen kann, auch die unangenehmen Stellen.« Sein Rat an Künstler, die die Straße als Leinwand nutzen möchten: »Mache so viel Kunst wie möglich. Nur so findest du deinen Weg.«

3 Verdant Vessel, Buffalo, New York, USA.

4 An Onerous Embrace, für das Grenoble Street Art Fest, Grenoble, Frankreich.

Mina Hamada USA

»Genieße den Moment, das ist wichtig! Wenn du deine Freude daran mit den Leuten teilen kannst, die vorbeikommen, ist das sehr gut.
Deine Arbeit sollte ein Teil des Ortes sein.«

Mina Hamada begann 2010, etwa ein Jahr nach ihrem Umzug von Japan nach Barcelona, auf der Straße zu malen. Die in den 1980er-Jahren in den USA geborene Künstlerin nahm zunächst an einer »Live-Painting«-Show in einem besetzten Haus in Barcelona teil, bevor sie sich allmählich an die Straßenmalerei heranwagte. Anfangs genoss sie es einfach, Wände zu besprühen, dieses neue Gefühl zu erleben und Zeit mit Freunden zu verbringen. Mit der Zeit wurde es ihr jedoch immer wichtiger, die Welt zu erforschen und durch ihre Werke mit ihr zu kommunizieren. Mina lässt sich von ihrer Umgebung und den Dingen inspirieren, die sie während des Schaffensakts erlebt: »die Überraschung der Improvisation, Formen und Linien, die unbewusst entstehen, Farben, organische Formen, die Natur«. Ihren großformatigen Arbeiten geht die weitreichende Vision voraus, sich während des Prozesses an das Wandbild anzupassen und ihren Körper entsprechend zu bewegen. Mit der Arbeit auf der Straße möchte sie vor allem Teil der Gemeinschaft des Ortes sein und etwas Positives schaffen, das den Menschen, die ihr Werk sehen, Freude bereitet. Wie häufig sie auf der Straße malt, hänge von der Jahreszeit ab, sagt sie. »Manchmal male ich auf Reisen mehrere Wandbilder hintereinander, ein anderes Mal arbeite ich in meinem Atelier, was mir auch Spaß macht. Alles ist eine neue Erfahrung und manchmal schwierig, aber mithilfe meiner Familie und der Menschen um mich herum möchte ich weiterhin Kunst schaffen und positive Energie verbreiten.«

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MINA HAMADA 39
1 Ohne Titel, Granollers, Barcelona, Spanien.
2 Jardín de los sueños, Mérida, Spanien.

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