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Urheberrechtlich geschütztes Material
DIEGO LÓPEZ
STREET ART International
DIE WICHTIGSTEN
STREET ARTISTS AUS ALLER WELT
MIDAS
Urheberrechtlich geschütztes Material
Inhalt
Einleitung
»Ich werde die Welt in Brand
Wunderbare
AMERIKA
Nordamerika
Beau Stanton, USA
BKFoxx, USA
David Zinn, USA
Hoxxoh, USA
iHeart, KANADA
James Bullough, USA
Mina Hamada, USA
Remix Uno, MEXIKO
Revost13, MEXIKO
Stinkfish, MEXIKO
Trepo Parker, MEXIKO
Südamerika
Alex Senna, BRASILIEN
Apitatán, E CUADOR
Badsura, VENEZUELA
Cristóbal Persona, CHILE
Fiasco, PERU
Fio Silva, ARGENTINIEN
Kobra, BRASILIEN
Mabel Vicentef, ARGENTINIEN
Maximiliano Bagnasco, ARGENTINIEN
Medianeras, ARGENTINIEN
Otto Schade, CHILE
Zelva Uno, PERU
ASIEN & OZEANIEN
Bakeroner, TÜRKEI
Dizy, INDIEN
Fintan Magee, AUSTRALIEN
Satr, CHINA
Swods, INDONESIEN
Wild Drawing, INDONESIEN
EUROPA
Abys, FRANKREICH
Arsek & Erase, BULGARIEN
Aura Aerosole, DEUTSCHLAND
Belin, SPANIEN
Boa Mistura, SPANIEN
Bublegum, SPANIEN
BustArt, SCHWEIZ
C215, FRANKREICH
Cachetejack, SPANIEN
CAL, FRANKREICH
Christoph Florin (fka Low Bros), DEUTSCHLAND
Dados Punto Cero, SPANIEN
Dale Grimshaw, GROSSBRITANNIEN
Urheberrechtlich geschütztes Material
Deih, SPANIEN
Dina Saadi, RUSSLAND
Dridali, SPANIEN
Duke103, SPANIEN
Dulk, SPANIEN
El Rey de la Ruina, SPANIEN
El Xupet Negre, SPANIEN
Fabian Bane, SCHWEIZ
Fabio Petani, ITALIEN
Fanakapan, GROSSBRITANNIEN
Gera 1, GRIECHENLAND
Helio Bray, PORTUGAL
INO, GRIECHENLAND
Irapele, RUSSLAND
Isaac Malakkai, SPANIEN
Izzy Izvne, MOLDAU
Jacqueline de Montaigne, PORTUGAL
JPS, GROSSBRITANNIEN
Julien de Casabianca, FRANKREICH
Julieta XLF, SPANIEN
Kogaone, FRANKREICH
Leon Keer, NIEDERLANDE
Lidia Cao, SPANIEN
Lily Brick, SPANIEN
Lula Goce, SPANIEN
Manomatic, SPANIEN
Mr Dheo, PORTUGAL
Nicolas Barrome-Forgues, FRANKREICH
Nina Valkhoff, NIEDERLANDE
Nuno Viegas, PORTUGAL
Nychos, ÖSTERREICH
Pez, SPANIEN
PichiAvo, SPANIEN
RNST, FRANKREICH
Rocket01, GROSSBRITANNIEN
RoosArt, NIEDERLANDE
Sabotaje al Montaje, SPANIEN
Saker, SPANIEN
Shozy, RUSSLAND
Snyder, DEUTSCHLAND
Tabby, ÖSTERREICH
Tymon de Laat, NIEDERLANDE
Viktoria Veisbrut, RUSSLAND
Vittorio Valiante, ITALIEN
Index der Street Artists Fotonachweise
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Einleitung
Diego López
Die Geschichte von Graffiti und Street Art ist genau wie andere urbane Erzählungen eine Ansammlung von Geschichten, die irgendwann verschmelzen und größer werden, als sie in Wirklichkeit waren. Wahrscheinlich hatten die Menschen schon immer das Bedürfnis, sich an den Mauern ihrer Gemeinden zu verewigen – von den Höhlenmalereien über die Inschriften an den Häusern der antiken römischen und griechischen Städte bis hin zu den »Wänden« in den heutigen virtuellen Netzwerken.
Kunsthistoriker gehen davon aus, dass der Ursprung von Graffiti als urbane Kunstform um 1968 im amerikanischen Philadelphia liegt. Als Vorreiter gilt der bahnbrechende Cornbread, der von 1967 bis 1972 aktiv war. Schon bald schlossen sich unzählige junge Leute diesem urbanen Trend an und wetteiferten um das kunstvollste Graffiti, den originellsten Stil und sogar die gewagteste Location. So begann 1969 beispielsweise der legendäre Graffiti-Writer Tracy 168 im Alter von zwölf Jahren, seinen Namen auf Wände in seinem Viertel und auf Busse zu hinterlassen, später fand man seine Werke auch außerhalb seiner eigenen Gegend. Ähnliche Ideen hatte viele Jugendliche in den verschiedenen Vierteln New Yorks und es entwickelte sich eine immer größere Eigendynamik.
Bald wurden die Medien immer auf das aufmerksam, was sich auf den Straßen der Stadt abspielte. Sie nahmen wahr, wie sich die Graffiti-Künstler in der Stadt der Wolkenkratzer auf der Straße ausdrückten und es gab erste Interviews mit Graffiti-Künstlern, etwa 1971 in der New York Times mit TAKI 183, einem der Pioniere. Zwar bezeichnete die Zeitung ihn als Vorreiter der Bewegung, doch tatsächlich war er in dieser Zeit nur einer von wenigen Graffiti-Künstlern. TAKI 183 arbeitete als Kurier und hinterließ auf seinen Routen einfach überall seinen Namen. Das machte Graffiti bekannt und lud andere ein, es ihm nachzumachen.
Eine weitere bemerkenswerte Geschichte ist die der Fotojournalistin Martha Cooper. In den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren fotografierte sie auf ihren Streifzügen durch die Straßen von New York Jugendliche beim Spielen. Dabei weckte unter anderem die Tätigkeit der Graffiti-Künstler ihre Aufmerksamkeit. Sie hätte sich
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niemals vorstellen können, dass diese Bilder zu einem weltweiten Phänomen werden würden (in Interviews bezeichnete sie diese für eine lokale Modeerscheinung, die nicht von Dauer sein würde). Sie beschloss, Bücher über diese urbane Bewegung zu veröffentlichen – trotz zahlreicher Schwierigkeiten. So war die erste Hürde, dass die amerikanischen Behörden streng gegen Graffiti vorgingen. Ihre Fotografien bewirkten das Gegenteil und halfen, die Street Art auf der ganzen Welt bekannt zu machen. Heute gilt Martha Cooper als Wegbereiterin für die Dokumentation der Graffiti-Bewegung. Doch die Geschichte geht noch weiter.
Graffiti verschmolz mit der Hip-Hop-Bewegung, die für Jugendliche weltweit anzog, und verbreitete sich so immer weiter. Hip-Hop entwickelte sich unter jungen Afroamerikanern und Hispanics in den Straßen der New Yorker Bronx und wurde zur treibenden Kraft hinter Graffiti. Neben Graffiti sind die wichtigsten Elemente des HipHop der Discjockey, der die Musikstücke mixt, der MC oder Master of Ceremonies, der das als Rap bekannte Musikgenre vorträgt, und der Breakdance, die Form, in der der Rap getanzt wird.
Dieses Gesamtpaket aus Musik und Straßenperformance war ein wichtiger Impuls für die Verbreitung von Graffiti (daher der Name Graffiti-Hip-Hop). Zwar existierte Graffiti schon lange vor dem Hip-Hop. Doch über den Hip-Hop fasste die Graffiti vor allem dank Rap- und Breakdance-Festivals auch in anderen Ländern Fuß. In den Vereinigten Staaten verbreitete sich Graffiti durch den Hip-Hop im ganzen Land, von der Ostküste zur Westküste und von dort aus nach Lateinamerika, Japan und Europa sowie nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 auch in die Länder des ehemaligen Ostblocks.
Zeitgleich mit Graffiti entstanden die so genannten PostGraffiti, manche davon bereits in den Anfangszeiten des Graffiti in den späten 1960er-Jahren. Zu voller Entfaltung fand diese Kunstform in den 1980er-Jahren. Post-Graffiti, Neo-Graffiti oder Street Art umfasst das gesamte Spektrum unabhängiger urbaner Kunst, die kein Graffiti ist. Es geht um Wandmalerei, bei der nicht die Signatur der wichtigste Aspekt des Werks ist. Sie kann illegal oder legal sein und ist von ihrem Wesen her eher flüchtig. PostGraffiti wird von Graffiti beeinflusst; es ist keine Weiterentwicklung von Graffiti, sondern eine Folge davon. Dabei
ist Graffiti nie verschwunden, sondern beide Richtungen erfreuen sich großer Beliebtheit.
Auch der Muralismus positioniert sich zwischen dem eher kommerziellen künstlerischen Ausdruck und dem, der unser Denken herausfordern will. Urbane Kunst und Muralismus verkörpern die Vitalität einer Stadt. Sie unterbrechen die Tristesse, das Grau des Betons. Sie verändern unsere Sicht auf die Stadt und sogar auf unsere Existenz, regen uns zum Nachdenken an und rütteln unser Inneres auf.
Heute werden Graffiti, Street Art und Wandmalerei in den Städten zunehmend geschätzt und als urbane Ausdrucksformen respektiert. Zahlreiche Festivals sind ihnen gewidmet. Obwohl die Werke nicht als Touristenattraktion gelten, suchen viele Reisende in den Straßen der besuchten Städte nach urbaner Kunst als kulturellem Spiegelbild der Einwohner.
Mich selbst fasziniert das enorme Talent, das in den Straßen existiert. Daher schlug mir der Herausgeber dieses Buches vor, eine Auswahl der besten Graffitikünstler, Urban Artists und Wandmaler der Welt aus meiner bescheidenen und subjektiven Sicht zusammenzustellen. In diesem Buch finden sich Street Artists, die ich aufgrund ihres unverwechselbaren Stils, ihres kometenhaften Aufstiegs, ihres innovativen Charakters und ihres immer wieder erstaunlichen Einfallsreichtums zur Nachahmung empfehlen würde. Dabei gibt es natürlich noch viele weitere große Künstler, die in diesem Buch nicht aufgeführt sind. Dies ist nur eine kleine Auswahl, sozusagen die Spitze des Eisbergs.
Ich möchte den Schriftsteller George R. R. Martin zitieren: »Ein Leser lebt tausend Leben, bevor er stirbt. Wer nie liest, lebt nur einmal.« Dieses Buch erweitert unsere eigene Geschichte um Dutzende andere. Hinzu kommen die Leidenschaften, Träume, Herausforderungen und Schwierigkeiten von Künstlern, die die Straßen als Leinwand wählten und aus dem Grau der Stadt ein Freiluft-Kunstmuseum zauberten. Und nun, liebe Leserin, lieber Leser, vermischt sich Ihre Geschichte mit der unsrigen und wird damit noch größer.
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Beau Stanton USA
1 Aqua Vitae, Nashville, Tennessee, USA.
2 Canicule, Paris, Frankreich.
»Ich möchte das Gebäude besser hinterlassen, als ich es vorgefunden habe; ich will den Betrachter zum Nachdenken anregen, ein Gespräch anfangen und ihn dann weitermachen lassen.«
Beau Stanton war bis zu seinem Umzug nach New York im Jahr 2008 Ölmaler und Illustrator. Er wurde 1985 in Südkalifornien geboren und zog später an die Ostküste. Hier arbeitete er zunächst für einen etablierten Künstler namens Ron English und lernte neue Techniken und Vorgehensweisen kennen. Mit diesen Erfahrungen begann er einige Zeit, eigene Werke im öffentlichen Raum zu malen. Zu seinen frühesten Einflüssen gehörten Renaissance-Meister wie Leonardo Da Vinci, während er sich später für surrealistische Maler wie Magritte interessierte. Außerdem ist er stark vom Jugendstil und der klassischen architektonischen Ornamentik, den goldenen Schnitten in der Natur, dem industriellen Verfall und dem Meer beeinflusst. »Ich lasse mich immer von der Geschichte inspirieren«, sagt er, »die Beziehung des Menschen zur Natur, vergessene Schichten, unerwartete Farbharmonien, alte Ruinen, rostige Maschinen, maritime Utensilien und alte Landkarten.« Beau versucht, seinen Stil nicht zu streng zu definieren. Seine Arbeit soll sich entwickeln. Auf der Straße malt er mit Pinseln, Walzen, Sprühdosen und Airless-Spritzgeräten und allem, »was die Arbeit erledigt«. Bei seinen großformatigen Arbeiten versucht er, mit der Komposition und dem Inhalt des Bildes auf seine Umgebung zu reagieren. Dabei berücksichtigt er zunächst die einzigartigen architektonischen Eigenschaften, bevor er spezifische Verweise auf die Geschichte oder zeitgenössische Bezugspunkte in dem Gebiet einbaut, in dem er malt. Schließlich fasst er diese Elemente in einer digitalen Darstellung zusammen, die er beim Malen als Referenz verwendet. Beau will einfach etwas Schönes schaffen. »Ich möchte das Gebäude in einem besseren Zustand zurücklassen, als ich es vorgefunden habe.« Es geht ihm auch darum, den Betrachter zum Nachdenken anzuregen, ihn zu einem Gespräch zu inspirieren und »ihn dann weitermachen zu lassen«. Pro Jahr malt Beau zwischen acht und fünfzehn Wandbilder. Bei der Auswahl des Ortes
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kommt es ihm auf eine gute Oberfläche, einen interessanten Bereich und eine potenzielle Herausforderung an. Es sei gewöhnungsbedürftig gewesen, die Techniken der klassischen Ölmalerei in die Street Art zu übernehmen, räumt der Künstler ein. Eine weitere Herausforderung sei das Selbstvertrauen, etwas von Anfang bis Ende in der Öffentlichkeit zu schaffen. »Man muss sich daran gewöhnen, dass jeder den Prozess sehen kann, auch die unangenehmen Stellen.« Sein Rat an Künstler, die die Straße als Leinwand nutzen möchten: »Mache so viel Kunst wie möglich. Nur so findest du deinen Weg.«
3 Verdant Vessel, Buffalo, New York, USA.
4 An Onerous Embrace, für das Grenoble Street Art Fest, Grenoble, Frankreich.
Mina Hamada USA
»Genieße den Moment, das ist wichtig! Wenn du deine Freude daran mit den Leuten teilen kannst, die vorbeikommen, ist das sehr gut.
Deine Arbeit sollte ein Teil des Ortes sein.«
Mina Hamada begann 2010, etwa ein Jahr nach ihrem Umzug von Japan nach Barcelona, auf der Straße zu malen. Die in den 1980er-Jahren in den USA geborene Künstlerin nahm zunächst an einer »Live-Painting«-Show in einem besetzten Haus in Barcelona teil, bevor sie sich allmählich an die Straßenmalerei heranwagte. Anfangs genoss sie es einfach, Wände zu besprühen, dieses neue Gefühl zu erleben und Zeit mit Freunden zu verbringen. Mit der Zeit wurde es ihr jedoch immer wichtiger, die Welt zu erforschen und durch ihre Werke mit ihr zu kommunizieren. Mina lässt sich von ihrer Umgebung und den Dingen inspirieren, die sie während des Schaffensakts erlebt: »die Überraschung der Improvisation, Formen und Linien, die unbewusst entstehen, Farben, organische Formen, die Natur«. Ihren großformatigen Arbeiten geht die weitreichende Vision voraus, sich während des Prozesses an das Wandbild anzupassen und ihren Körper entsprechend zu bewegen. Mit der Arbeit auf der Straße möchte sie vor allem Teil der Gemeinschaft des Ortes sein und etwas Positives schaffen, das den Menschen, die ihr Werk sehen, Freude bereitet. Wie häufig sie auf der Straße malt, hänge von der Jahreszeit ab, sagt sie. »Manchmal male ich auf Reisen mehrere Wandbilder hintereinander, ein anderes Mal arbeite ich in meinem Atelier, was mir auch Spaß macht. Alles ist eine neue Erfahrung und manchmal schwierig, aber mithilfe meiner Familie und der Menschen um mich herum möchte ich weiterhin Kunst schaffen und positive Energie verbreiten.«