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Leseprobe | Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand

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Urheberrechtlich geschütztes Material

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Alena Schröder Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel

Roman

Urheberrechtlich geschütztes Material

Prolog

Berlin, 1989

Evelyn Borowski hatte wenig Hoffnung für den jungen Mann, den man ihr in Zimmer 214 zur Seite gestellt hatte. Er hatte nicht, was es brauchte, um ein guter Arzt zu werden. Vor allem hatte er zu viel von etwas, was es definitiv nicht brauchte: Humor. Oder von dem, was junge Männer wie er für Humor hielten. So eine aufsässige Witzigkeit. Vielleicht half einem die auf dem Schulhof, wenn man Kohl hieß, wie der Kanzler. Aber hier waren sie ja nicht auf dem Schulhof. Die ganze Woche schon hatte sie ihn stoisch ertragen, es gab viel zu tun und da war man froh über jeden Freiwilligen, der junge Herr Kohl hatte sich genau wie sie gleich nach dem Mauerfall hier gemeldet. All die Menschen aus dem Osten, die jetzt rüberwollten, die nicht darauf vertrauen mochten, dass die Mauer für immer aufbliebe, die mussten hier im Notaufnahmelager Marienfelde in Westberlin registriert, versorgt, untergebracht, später dann weiterverteilt werden auf andere Bundesländer. Aber zuallererst mussten sie ärztlich untersucht werden, das war Punkt eins auf dem blassgelben Laufzettel. Dazu war Personal nötig, das im Schichtsystem den nicht abreißenden Strom von Menschen abfertigte. Und der Herr Kohl wartete gerade auf einen Medizinstudienplatz, Evelyn hingeab hinge Urheberrechtlich geschütztes Material

gen war Internistin im Ruhestand, seit einem Jahr pensioniert, nach Jahrzehnten im Klinikdienst.

Diese Woche waren sie für jede ihrer Schichten zusammen eingeteilt.

»Na, das passt doch mit uns beiden«, hatte Kohl gleich am ersten Morgen gesagt, als sie sich einander kurz vorgestellt hatten, und Evelyn war zusammengezuckt, einen Moment lang hatte sie befürchtet, er würde ihr gleich auf den Rücken klopfen. Was bildete der sich ein?

»Das wird sich zeigen«, hatte sie kühl geantwortet und seitdem nur noch das Nötigste mit ihm gesprochen, er war zum Protokollieren da, sie untersuchte die Neuankömmlinge.

Nur noch eine Wartenummer bis zum Ende ihrer Schicht.

Kohl öffnete die Tür des Arztzimmers zum Flur. »So, der Nächste bitte, Wartenummer 372, Sie sind die Letzte für heute, hereinspaziert!«

Es war ein langer Tag und Evelyn taten die Füße weh. Sie freute sich auf die Heimfahrt mit dem Bus und schließlich mit der U-Bahn zum Kaiserdamm, sie freute sich auf die schaukelnde Fahrt durch die große, dunkle Stadt und auf die Bettschwere, das wunderbare, erfüllende Gefühl am Ende eines echten Arbeitstages, das sie im letzten Jahr so vermisst hatte.

Nach ihrer Pensionierung hatte sie tagelang im Sessel gesessen und dann nachts nicht schlafen können – jetzt endlich gab es wieder etwas zu tun für sie. Evelyn hatte eine Aufgabe, sie konnte den weißen Kittel anziehen, das Stethoskop um den Hals legen und schon war sie wieder sie selbst. Es ging etwas Neues los. In der Stadt, im ganzen Land, aber auch für sie.

»So, willkommen in Westberlin, die Dame, Sie sind hier bei der Gesundheitsprüfung, mein Name ist Kohl, keine Sorge: nicht verwandt, nicht verschwägert. Das ist Frau Doktor Urheberrechtlich geschütztes Material

Borowski und jetzt verraten Sie mir erst mal Ihren Namen, bitte.«

»Marlen Engels«, antwortete die Frau. Sie musste ungefähr in Evelyns Alter sein, vielleicht ein bisschen jünger, Anfang sechzig. Sie war zierlich, trug die grauen Haare kinnlang mit einem geraden Pony und einen dunkelgrünen Strickpullover.

»Marlene wie Dietrich, ja?«

Kohl hatte das Formular für den Gesundheitspass in die elektrische Schreibmaschine gespannt.

»Dietrich?«, fragte die Frau mit verständnislosem Blick.

»Na, Marlene Dietrich, die Schauspielerin. Kennen Sie die nicht?« Kohl sprach nun besonders langsam, wie mit einem Kind. »Wegen der Schreibweise.«

»Marlen. Nicht Marlene. Nur ein e«, sagte die Frau.

»Geboren?«

»2. Mai 1931 in Demmin.«

»Ach, Demmin, das liegt an der Peene, was? Hat meine Mutter Verwandtschaft gehabt, hat da immer Pakete hingeschickt. Marlene von der Peene, is ja lustig.«

»Marlen. Nur ein e«, wiederholte die Frau, erschöpft, aber mit einer Klarheit in der Stimme, die Evelyn gefiel.

»Letzter Wohnort?«

»Güstrow.«

»Nehmen Sie regelmäßig Medikamente? Die Frau Doktor hier kann Ihnen alles aufschreiben, also auch was für die gute Laune.«

Kohls Augenzwinkern und sein verschwörerisches Kopfnicken in ihre Richtung gaben Evelyn den Rest, jetzt reichte es. Ehrenamt hin oder her, man musste sich auch nicht alles bieten lassen, weder sie als diensthabende Ärztin noch die armen

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Menschen, die alles zurückgelassen hatten, um im Westen neu anzufangen.

»Kohl, machen Sie Feierabend für heute.«

»Aber ich …«

»Sie können gehen. Gehen Sie nach Hause und gehen Sie in sich, auch was Ihren Ton betrifft. Ich übernehme Frau Engels allein, sie ist ja ohnehin die Letzte für heute.«

Der junge Mann ließ die Hände von der Schreibmaschine in seinen Schoß sinken, als habe er gegen erbitterte Widerstände sein Bestes gegeben und nun resigniert, stand schließlich auf, nahm seine Umhängetasche und seinen Parka und verschwand mit einem genuschelten »Schönen Feierabend!« durch die Tür.

Evelyn stellte sich der Frau nun noch einmal vor, maß ihren Blutdruck, schaute ihr in den Hals, horchte ihre Lunge ab, warf einen kurzen Blick auf ihren Scheitel, um Kopfläuse auszuschließen. Fragte nach Krankheiten und Medikationsbedarf, tippte alles in das von Kohl eingespannte Formular und sammelte Mut.

Es war sonst nicht ihre Art, sie fand es unprofessionell, ihren Patienten persönliche Fragen zu stellen, die nichts mit ihrer Krankengeschichte zu tun hatten und normalerweise blieb auch keine Zeit dafür, die Leute warteten stundenlang geduldig mit ihren Wartemarken und Laufzetteln in der Hand. Aber jetzt wartete niemand mehr im Flur. Und wer wusste schon, ob sie noch einmal eine solche Gelegenheit haben würde.

»Sie kommen aus Güstrow?«, fragte Evelyn und lächelte die Frau vorsichtig an. Eine dumme Frage, sie hatte es ja gerade selbst gesagt.

»Ja.«

»Wie ist es dort?« Noch eine dumme Frage. Urheberrechtlich geschütztes Material

»Schön. Gibt ein Schloss, den Dom. Viel Wasser in der Nähe.«

»Ich weiß«, sagte Evelyn und genierte sich schon. »Ich habe als Kind einige Jahre dort gelebt. Ich habe bislang noch nie jemanden getroffen, der auch von dort stammt. Deshalb …«

Die Frau sah Evelyn skeptisch an, als wollte sie erst abschätzen, worauf dieses Gespräch hinauslaufen könnte.

»Was machen Sie denn beruflich?«, fragte Evelyn weiter. »Also, nur aus Interesse, es ist eigentlich nicht wichtig …«

Die Frau schwieg, als müsste sie über die Antwort nachdenken.

»Ich bin Malerin«, sagte sie schließlich.

Evelyn hoffte, dass man ihr die leise Enttäuschung nicht anmerkte. Sie mochte die Frau und das passierte selten genug.

Dass ihr jemand grundlos sympathisch war. Vielleicht war es die Art gewesen, wie sie die Worte des impertinenten Herrn Kohl hatte an sich abtropfen lassen, ohne den kleinsten Anflug von Gefallsucht oder Unterwürfigkeit. Es war nur so eine Ahnung gewesen, die Evelyn hatte glauben lassen, sie hätte hier vielleicht eine Kollegin vor sich.

»Ich würde gern mal hinfahren, wenn sich die Situation ein wenig beruhigt hat«, sagte Evelyn. »Nach Güstrow. Ich hab es in so schöner Erinnerung. Wissen Sie zufällig … kennen Sie vielleicht das alte Forsthaus? Es liegt ein bisschen außerhalb, an einer Straße nach Osten raus. Da habe ich gelebt mit meiner Tante. Mein Großonkel war Revierförster, vor dem Krieg.«

Mein Gott, was mach ich hier, dachte Evelyn. Diese alberne Plauderei. Als bräuchte sie neue Freundinnen, als hätte sie hier nicht einfach eine Arbeit zu erledigen. Jetzt hielt sie diese arme Frau auf, die den ganzen Tag auf dem kalten Flur herumgestanden hatte mit ihrer Wartemarke und sich nachher in eines der Urheberrechtlich geschütztes Material

Notbetten in einem Mehrbettzimmer legen musste, nachdem sie ihre Heimat verlassen hatte. Wo sie offensichtlich nicht hatte bleiben wollen, trotz Dom, Schloss und Nähe zum Wasser.

Marlen Engels sah Evelyn immer noch skeptisch, aber nicht unfreundlich an, während Evelyn den Stempel für die absolvierte Gesundheitsprüfung auf den Laufzettel drückte.

»Kann ich gehen?«, fragte sie.

Evelyn nickte.

Sie war schon fast zur Tür raus, als sich Marlen Engels doch noch einmal umdrehte.

»Ich kenne das Forsthaus, natürlich. Aber ich bin sehr müde jetzt. Vielleicht können wir ein anderes Mal darüber sprechen? Fröhliche Weihnachten.«

Dann schloss sie die Tür und Evelyn hörte noch ihre Schritte auf dem Linoleum im Flur, die langsam leiser wurden.

Fröhliche Weihnachten, dachte Evelyn. Es war noch ein wenig ungewohnt, diesen Feiertagen mit Freude entgegenzusehen, Evelyn hasste all die komplizierten, sentimentalen Empfindungen, die mit dem Fest einhergingen. Aber dies war das erste Weihnachtsfest mit ihrer Enkeltochter Hannah. Und mit einem Baby, das fröhlich glucksend auf einer Decke neben dem kleinen Weihnachtsbaum lag, den Evelyn besorgt hatte, ließ sich dieser Abend viel besser aushalten.

»Warum hast du die Frau nicht eingeladen für heute?«, fragte Evelyns Tochter Silvia, während sie die Kartoffeln für den Salat pellte. »Jetzt sitzt sie da in der Unterkunft in ihrem Mehrbettzimmer und kriegt Anstaltsfraß zum Fest. Und ihr hättet euch heute den ganzen Abend über Güstrow unterhalten können.«

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»Ach, ich weiß nicht. Ich kenn sie ja nicht, sie hätte das sicher merkwürdig gefunden«, sagte Evelyn. »Es wäre unprofessionell gewesen.«

Silvia lachte. »Nein, es wäre menschlich gewesen. Und wer weiß schon, was jetzt passiert. Ob die Grenzen wirklich offen bleiben und wie sich das alles noch entwickelt.«

Hannah, die auf dem Bauch liegend mit den Beinchen strampelte, spuckte einen Schwall Milch auf ihre Decke und Evelyn war ganz froh, dass Silvia davon abgelenkt wurde und sie nun das Thema wechseln konnten. Sie hasste es, wenn ihre Tochter recht hatte.

Ja, vielleicht wäre es schön gewesen, Marlen Engels einzuladen und mehr über deren Leben in Güstrow zu erfahren, Erinnerungen an die Stadt ihrer Kindheit auszutauschen.

Men als

Evelyn hatte in den vergangenen Wochen bei so vielen Menschen eine Erstuntersuchung durchgeführt und keiner von ihnen war ihr länger als zehn Minuten im Gedächtnis geblieben, keines der Schicksale hatte sie besonders berührt. An Marlen Engels allerdings dachte sie an den Feiertagen immer wieder. Und als sie zwischen den Jahren wieder zum Dienst in Marienfelde erschien, suchte sie nach ihr, konnte sie aber nicht mehr finden.

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Güstrow, 1945

Marlen verbrachte ihren vierzehnten Geburtstag in einer Schublade. Ganz sicher war sie sich nicht, ob heute tatsächlich der 2. Mai war. Sie bemühte sich, die letzten Tage abzuzählen. Wie oft sie geschlafen hatte. Oder es zumindest versucht hatte, in einer Kuhle an einen Baumstamm gelehnt, auf den feuchten, moosbewachsenen Brettern eines Jägerhochsitzes, unter einer Bootsplane in einem verfallenden Schuppen. War es ein Mittwoch gewesen, als ihre Mutter den Verstand verloren hatte? War das jetzt genau eine Woche her, dass sie weggelaufen war? Und wie lange lag sie hier nun schon im Dunkeln? Eine Stunde? Einen Tag? Sie spürte ihre Beine nicht mehr. Mit den Händen konnte sie ertasten, dass sie noch da waren, angewinkelt, die Knie an die Umhängetasche vor ihrem Bauch gepresst. Aber sie waren irgendwann eingeschlafen und jetzt hatte sie kein Gefühl mehr in ihnen und bewegen durfte sie sich auch nicht. Sie durfte nicht und sie konnte nicht. Es war anstrengend, eine so lange Zeit vollkommen regungslos zu bleiben und kein Geräusch zu machen. Sie zählte zu ihren Atemzügen, um sich zu beruhigen, bis zwei beim Einatmen, bis fünf beim Ausatmen. Wie beim Schwimmen, kurz ein, lang aus. Onkel Harald hatte es ihr beigebracht, noch bevor verloren hatte? regungs Ein

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sie ihn eingezogen hatten, die Mutter fand es unnötig, ein Mädchen muss nicht schwimmen, wenn sie erst schwimmen können, kriegt man sie gar nicht mehr aus dem Wasser, sie kriegt noch Schwimmhäute zwischen den Fingern.

Überhaupt, diese Finger. Die sie nie ruhig halten konnte, die immer etwas zu tun brauchten. Sogar jetzt, versteckt in einer alten Holzkommode im Obergeschoss eines verlassenen Hauses, unter dem zerborstenen Dachstuhl, durch den die Morgensonne fiel. Marlens Finger betasteten den Schubladenboden, suchten nach Widerstand, nach Unebenheiten, nach Beschäftigung, ihr Fingernagel fand schließlich Halt, etwas Festes, das durch ein bisschen Fingernageldruck lose wurde, absplitterte, sich auflöste. Und da war noch mehr, ein ganzes Nest von splitternder, bröselnder Materie. Unmöglich, jetzt davon abzulassen. Denn je mehr Marlens Fingernagel am Schubladenboden herumpulen konnte, desto weniger konnte ihr Kopf die Bilder heraufbeschwören, die zu den Geräuschen aus dem Erdgeschoss passten.

Dabei hatte der Morgen so hoffnungsvoll begonnen. Das Haus mitten im Wald war Marlen im Morgengrauen wie ein Trugbild vorgekommen, geformt aus Hunger und Müdigkeit nach den Tagen und Nächten, in denen sie sich allein durchgeschlagen hatte, immer grob Richtung Westen. Vielleicht würde sie hier irgendetwas zu essen finden oder zumindest für eine Weile Unterschlupf, das Haus schien bis auf das Dach intakt zu sein und wirkte verlassen. Die Eingangstür war nicht verschlossen, und als sie in den modrig riechenden Flur trat und darauf wartete, dass sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnten, musste sie einen Schrei unterdrücken. Direkt hinter der Tür, mit dem Rücken an der Wand, stand jemand und starrte Marlen finster an. Eine Frau mit einem Beil in der Hand.

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»Gut, dann sind wir eben zwei«, sagte die Frau nach einer Weile und ließ das Beil sinken. Es klang missmutig, aber nicht feindselig. »Steh da nicht rum, komm und hilf mir wenigstens.«

Die Frau war groß und hager, mit langen dunklen Haaren und dunklen Augen. Wie eine Saatkrähe, dachte Marlen unwillkürlich. Es beruhigte sie, wenn sie in Fremden sofort eine Ähnlichkeit mit einem Tier erkennen konnte, es machte sie gleich weniger bedrohlich. Und die Krähenfrau hatte offenbar nicht vor, ihr etwas zu tun. Sie schien genau wie sie auf der Suche nach etwas Ess- oder anderweitig Verwertbarem zu sein.

»Den Förster hat’s erwischt«, sagte die Frau, als müsste Marlen wissen, von wem sie sprach. »Der kommt nicht wieder, aber wir müssen uns trotzdem beeilen.«

Marlen ging hinter der Frau her, durch ein verstaubtes Wohnzimmer in eine Küche, die schon länger nicht mehr benutzt worden war. Neben dem Herd war eine Vorratskammer und Marlen spürte, wie sich ihr Magen zusammenkrampfte bei der Vorstellung, dort etwas Essbares zu finden, aber die Kammer war leer. Die Frau fluchte leise, dann inspizierte sie den Boden der Kammer, nahm ihr kleines Beil, steckte die scharfe Seite in einen Spalt und stemmte eine der Holzdielen nach oben.

»Na bitte«, sagte sie, griff in das Loch und holte sechs rostige Fischkonserven zum Vorschein. »Eine für dich, fünf für mich.«

Sie saßen im Schneidersitz auf dem verdreckten Küchenboden, klaubten mit den Fingern die öligen Fischstücke aus den Büchsen und lauschten auf das Donnern der Artillerie.

»Geh lieber nach Hause, dauert nicht mehr lang«, sagte die Krähenfrau zu Marlen und Marlen zuckte mit den Schultern.

»Bist du nicht von hier?«

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»Aus Demmin.«

»Bist du von da gelaufen? Ganz allein?«

»Ja.«

»Waren sie da schon?«

»Wer?«

»Die Russen.«

Marlen zuckte wieder mit den Schultern. Die Russen waren noch nicht in Demmin gewesen, als sie sich losgerissen hatte und weggerannt war, aber im Kopf ihrer Mutter, da waren die Russen längst einmarschiert und hatten sie verrückt gemacht, so verrückt, dass sie lieber sterben und ihre beiden Kinder mitnehmen wollte, Feldsteine in den Rucksack und in die Peene, aber Marlen hatte ihre Schwimmhäute zwischen den Fingern, da starb es sich nicht so leicht.

Sie trank gerade den letzten Schluck Öl aus der Büchse und die Krähenfrau packte die übrigen Konserven in einen Beutel, als sie Motorengeräusche hörten, das Knirschen von Reifen auf dem steinigen Vorplatz vor dem Haus, dann mehrere Männerstimmen. Die Krähenfrau erstarrte, ließ den Beutel sinken, schnappte ihr Beil und zog Marlen hinter sich her. Raus aus der Küche, die knarzende Treppe hoch auf der Suche nach einem Versteck. Oben waren zwei Räume mit je einem nackten Bettgestell, noch mehr Staub und einem alten Sessel. Und in einem der Zimmer, direkt unter dem zerborstenen Dach, eine große alte Holzkommode mit zwei Schubladen.

Die Krähenfrau zog die untere Schublade auf. »Los, rein da und keinen Mucks. Und wenn sie dich finden: Wehr dich nicht.«

Seitdem lag Marlen in der Schublade, sie atmete und pulte gegen das Gelächter und die dumpfen Schläge an, die aus dem Erdgeschoss zu ihr drangen, nachdem die Stimme der Frau verda Urheberrechtlich geschütztes Material

stummt war, die zuerst noch mit den Männern in einer fremden Sprache geredet hatte. Eine Weile hörte sie nur noch die Männer und schließlich wieder das Geräusch eines Motors, das Knirschen von Reifen und dann war es ganz und gar still.

Marlen dachte an ihren Geburtstag. Wie sie ihn früher gefeiert hatten, mit Mohnkuchen und Blumen von der Wiese vor dem Haus. Mit einem Geschenk, meistens einem Kleid, das die Mutter genäht hatte in den Wochen zuvor, und einem Buch, ausgesucht, sorgfältig in Papier eingeschlagen und per Post geschickt von der Großmutter in Rostock. Der Nachbar mit dem Beinstumpf, der sie jedes Jahr damit aufzog, dass sie noch immer so klein wie ein Kind war, dürr und flach wie ein Junge.

Gerade eben klein und dürr genug, um sich in einer Schublade verstecken zu können, dachte Marlen. Ob die Krähenfrau noch lebte?

Marlen schob einige Finger durch den Spalt, durch den das Licht drang, und versuchte, die Schublade von innen aufzuschieben. Erst bewegte sich gar nichts, dann vergrößerte sich der Spalt ein wenig. Schließlich hatte sie die Schublade so weit aufgeschoben, dass sie den Kopf heben und sich im Zimmer umsehen konnte. Marlen zwängte sich aus der Kommode und blinzelte in die Frühlingssonne, die durch den Dachstuhl fiel. Ihre Beine kribbelten, als das Blut zurücklief, sie befühlte ihre Arme, die leere Umhängetasche vor ihrem Bauch, in der sie in den letzten Tagen Beeren gesammelt hatte, ihren vor Anspannung und Erleichterung dröhnenden Kopf. Alles noch da. Und als sie einen Blick zurück in die Schublade warf, konnte sie endlich sehen, woran sie in den Stunden zuvor herumgepult hatte: Die Einlage aus alten Zeitungen war aufgerissen und darunter war ein kleines Bild zum Vorschein gekommen. Marlen zog die fransige Leinwand heraus, kaum größer als ein Schulheft. Sie Urheberrechtlich geschütztes Material

hatte an einer Stelle mit dem Fingernagel die Farbschicht zerkratzt, man erkannte noch eine Frau in einem blauen Kleid, die am Fenster einer Wohnstube stand. Da, wo ihr Kopf gewesen sein musste, waren allerdings kaum noch Konturen, als hätte eine Granate dem armen Mädchen den Kopf weggesprengt, während es am Fenster stehend auf etwas wartete. Auf Frieden. Eine Antwort. Bessere Zeiten.

Eine Freundin.

Tut mir leid, dachte Marlen. Ich mach’s wieder gut. Ich reparier dich. Sie steckte die kleine Leinwand in ihre Umhängetasche, atmete noch einmal kurz ein und sehr lange aus, sie war fast am Ufer. Dann stieg sie die Treppe hinunter ins Erdgeschoss, um nach der Krähenfrau zu sehen.

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Berlin, 2023

Wie kochte man eine Versöhnungssuppe? Hannah Borowski war sich nicht ganz sicher, aber sie war wild entschlossen. Sie hatte zwei Stoffbeutel dabei und das war ja schon mal ein Fortschritt. Dass sie die nicht vergessen hatte wie sonst und ihre beste Freundin Rubi sie nicht mit diesem vorwurfsvollen Augenrollen bedenken musste, wenn sie mit lauter Plastiktüten vom Markt zurück in die WG -Küche kam.

Nein, diesmal würde sie alles richtig machen, sie würde einen veganen Eintopf kochen, mit viel Biogemüse, und sich für alles entschuldigen. Sie würde die richtigen Worte finden –nicht zu schmalzig, trotzdem von Herzen kommend, vielleicht mit einem Witz am Ende, der Rubi ihr berühmtes Ganzkörperlachen entlocken würde – und dann wäre alles wieder gut zwischen ihnen und Rubi würde vergessen, wie unpassend und feindselig Hannah gestern auf die großen Neuigkeiten reagiert hatte. Dass Rubi ausziehen würde. Weil sie mit ihrem Freund Max das passende alternative Wohnprojekt auf dem Land gefunden hatte.

Und weil sie schwanger war.

Konnte sie direkt wieder das Heulen anfangen, wenn sie darüber nachdachte. Hannah stapfte über den Kottbusser Ganzkörper Urheberrechtlich geschütztes Material

Damm und überquerte die Brücke über den Landwehrkanal, heute war Markt, und klar, die Leute an den Gemüseständen hatten hier in Kreuzberg schon Schlimmeres gesehen als eine vierunddreißigjährige Frau, die heulend Lauch und Süßkartoffeln einkaufte, aber es war trotzdem besser, sich mal zusammenzureißen. Das war doch der Lauf der Welt. Dass Menschen sich weiterentwickelten, in neue Lebensphasen aufbrachen, Kinder bekamen. Was hatte Hannah sich denn vorgestellt? Dass Rubi und sie nun für immer zusammenleben würden in ihrer Kreuzberger Dreizimmerwohnung? Dass sich nie etwas ändern würde, ab und zu mal irgendein Typ bei ihnen auftauchen, aber nie lang genug bleiben würde, um seine Zahnbürste im Bad zu platzieren?

Ja, vielleicht hatte Hannah sich das genau so vorgestellt. Dass Rubi der Mensch sein würde, der nicht einfach so verschwand aus ihrem Leben. Und dass Rubi nun ausgerechnet mit einem Lurch wie Max den nächsten Lebensabschnitt plante, tat besonders weh.

»Das nimmst du zurück!«, hatte Rubi gestern gesagt, mit einer Kälte, die Hannah noch nie an ihr bemerkt hatte. »Er ist kein Lurch. Das ist der erste anständige Typ seit Jahren und jetzt wird er der Vater meines Kindes. Komm mal klar, Hannah!«

»Komm mal klar, Hannah!«, hatte Hannah Rubi nachgeäfft und sich sofort dafür geschämt. »Nein, ich komm nicht klar! Ihr plant das seit Wochen hinter meinem Rücken. Ich höre heute zum ersten Mal, dass du aufs Land ziehen willst. In ein Wohnprojekt. Mit lauter anderen Leuten – und ich weiß von nichts und werde hier einfach vor vollendete Tatsachen gestellt? Und damit soll ich klarkommen?«

»Könntest dich ja auch einfach für mich freuen, verdammt

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noch mal. Ich bekomme ein Baby und du brüllst mich hier an und machst mir Vorwürfe.«

Und dann waren sie beide heulend und türenknallend in ihren Zimmern verschwunden. Heute Morgen war Rubi nicht in die Küche gekommen, aber Hannah hörte, dass sie telefonierte, vermutlich mit Max. Max.

So hießen die netten harmlosen Nachbarn aus Vorabendserien, die die Heldin trösteten, nachdem ihr ein schöner, aber fieser Chef das Herz gebrochen hatte. Max war so ein langweiliger, durchschnittlicher Typ, der passte überhaupt nicht zu Rubi, die so besonders und lebendig war.

Aber vielleicht hatte Rubi recht. Vielleicht musste sie einfach mal klarkommen und sich freuen für ihre Freundin, die nun Mutter werden würde. Sie konnten ja Freundinnen bleiben, sie würden Hannah sicher ab und zu zum Grillen in ihr Hausprojekt einladen und dann würde Rubi Hannah den Permakultur-Gemüsegarten zeigen und den Hühnerstall, die große Gemeinschaftsküche mit dem langen Holztisch, wo immer Feste gefeiert wurden und man zum Plenum zusammenkam. Und den Yogaraum im ausgebauten Dachboden, die Fallobstwiesen und die Marmeladenvorräte. Kotzen könnte Hannah, wenn sie sich das vorstellte. Aber es würde sich schon eine andere Mitbewohnerin finden oder vielleicht war Hannahs WG -Zeit jetzt einfach vorbei und sie würde sich auf ihren Job konzentrieren und eine Weile allein leben.

»Nimm den mal nicht, den Mangold.«

Der Gemüseverkäufer sah sie besorgt an.

»Was? Warum nicht?«

»Der taugt nicht, schmeckt nach gar nichts, sieht nur schön aus. Den verkauf ich hier nur den Arschlöchern.« Urheberrechtlich geschütztes Material

»Vielleicht bin ich ja ein Arschloch«, sagte Hannah düster. »Glaub ich nicht.« Der Gemüseverkäufer klang unbeeindruckt. »Ich habe Sauerampfer und Löwenzahn da, probier lieber den.«

»Lieber Arschloch als Kaninchen. Kann ich jetzt bitte einfach den Mangold haben?«

Hannah war heute nicht in der Stimmung für die wöchentliche Schäkerei mit Malik. Jedes Mal hatte er irgendein Gemüse, das er Hannah lieber nicht verkaufen wollte. Wie konnte man seinen Beruf dermaßen verfehlen, dachte Hannah. Ein Verkäufer, der einer Kundin aktiv vom Kaufen abriet und dann die Hälfte seines Gemüses einfach gratis in Hannahs Beutel steckte. Was war das für ein Geschäftsmodell? Und warum war ihr schon wieder zum Heulen zumute?

Sie schlenderte noch ein wenig am Kanal entlang, um sich ein bisschen zu beruhigen und der schwachen Februarsonne eine Chance zu geben. In den Cafés sah sie plötzlich lauter verliebte Paare und junge Familien, Frauen mit Babys in bunten Tragetüchern, Väter, die mit Reiswaffeln hantierten. Wo waren die jetzt plötzlich alle hergekommen? Hatte sie die bislang nur nicht wahrgenommen? Hatten tatsächlich alle hier in den letzten Jahren Familien gegründet und während der Pandemie ihre Leben umgekrempelt? Sie kam sich plötzlich wie liegen gelassen vor. Als wäre sie eine Figur in einem Videospiel, in dem alle längst das nächste Level erreicht hatten, nur sie scheiterte immer und immer wieder an derselben Stelle.

Es war ein altbekanntes Gefühl. Festzustecken. Nicht weiterzukommen, nicht zu wissen, was der nächste Schritt sein könnte. Nur dass beim letzten Mal – vor ziemlich genau sieben Jahren – Rubi die Lösung gewesen war.

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Vor sieben Jahren war Rubi bei Hannah eingezogen, wie eine Arschbombe war sie mit ihren quietschbunten Haaren in Hannahs vergrübeltes Leben geplatzt und plötzlich schien alles leichter. Die Doktorarbeit einfach abzubrechen, die Affäre mit dem falschen Mann zu beenden. All die Sachen endlich loszulassen, die Hannah so lange umgetrieben hatten. Das Bild, nach dem sie gemeinsam gesucht hatten, das mutmaßliche Erbe ihrer Großmutter Evelyn: ein in den letzten Kriegsjahren aus Berlin herausgeschmuggeltes wertvolles Ölgemälde. Vielleicht sogar ein echter Vermeer, vor dem Zugriff der Nazis in Sicherheit gebracht. Evelyn war eine verschlossene Frau gewesen, die jede von Hannahs Fragen nach der Vergangenheit konsequent abgeblockt und erst kurz vor ihrem Tod etwas preisgegeben hatte, die flüchtige Erinnerung an einen Besuch in Berlin, wo man ihr etwas in den Koffer eingenäht und sie zurück zu ihrer Tante aufs Land geschickt habe, nach Güstrow. An die Tante, die das Bild für Evelyn verwahren sollte und dann kurz nach Kriegsende an Typhus gestorben sei. Und nun war das Bild verschollen, nichts weiter als eine Familienlegende und eine knappe Erwähnung in einer Wiedergutmachungsakte. Rubi war es gewesen, die Hannah damals dazu überredet hatte, dieser einen Spur nachzugehen, einen spontanen Ausflug nach Güstrow zu machen in Rubis altem Twingo, das alte Forsthaus zu suchen, in dem Hannahs Großmutter damals mit ihrer Tante gelebt hatte, und da mal auf dem Dachboden herumzustöbern. Um dann mit einem sensationell wertvollen Bild wieder heimzukommen.

Eine komplette Schnapsidee. Sie hatten gar nichts gefunden, das Haus gab es nicht mehr. Nur einander hatten sie gefunden, eine echte, innige Freundschaft, wie Hannah sie davor lange nicht mehr empfunden Urheberrechtlich geschütztes Material

hatte für jemanden. Sie hatten noch oft über das Bild gesprochen und Rubi hatte schließlich einen kleinen vergoldeten

Holzbilderrahmen in die Küche gehängt, den sie auf einem Flohmarkt gefunden hatte. In den Rahmen pinnten sie abwechselnd kleine Kritzeleien oder Postkarten, die sie sich gegenseitig geschickt hatten, und an manchen Abenden, wenn sie bis spät in der Küche saßen, Pistazien knackten und Dosenbier tranken, redeten sie über das verschollene Bild wie über einen theoretischen Lottogewinn.

»Sag doch mal, wenn das aufgetaucht wäre, dieses superwertvolle Bild, und du hättest nie wieder Geldsorgen, alles wäre möglich und du könntest jedes Leben leben, was würdest du machen?«

Rubi liebte diese Frage, aber Hannah wusste nie so recht, was sie antworten sollte. Sie mochte ihr Leben zum ersten Mal seit langer Zeit. Sie wohnte gern mit Rubi zusammen in dieser Wohnung, sie fühlte sich zum ersten Mal, seit ihre Mutter und ihre Großmutter gestorben waren, nicht mehr allein und verloren. Sie hatte einen Job, der ihr Spaß machte, bei einer Menschenrechtsorganisation, für die sie Presseanfragen erledigte und Newsletter schrieb, ab und zu nahm sie einen gut riechenden Dreitagebart aus einer Kneipe mit nach Hause und schmiss ihn vor dem Frühstück wieder raus. Geldsorgen hatte sie keine, die Wohnung, in der sie wohnten, hatte ihre Großmutter ihr vererbt. Für Hannah hätte es ewig so weitergehen können. Und ja, vielleicht hatte sie nicht genau hingehört oder hinhören wollen, wenn Rubi die Frage für sich beantwortet hatte. Wie sie eigentlich leben wollte, welchen Traum sie sich erfüllen würde. Gut möglich, dass »mit vielen anderen aufs Land ziehen und Kinder bekommen« immer mal ein Thema gewesen war. Und dann fiel Hannah ein, dass der goldene Bilderrahmen schon sprochen

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seit Langem nicht mehr neu bestückt worden war. Da hing nun schon seit bestimmt zwei Monaten ein Foto, das Rubi mit ihrem Handy gemacht und am Drogerie-Automaten ausgedruckt hatte. Ein Foto von einem alten Scheunentor, an dem ein verrostetes Fahrrad lehnte, davor pickten zwei Hühner herum. Hannah hätte ahnen können, dass da was im Busch war.

Als Hannah die Wohnungstür aufschloss, die beiden Stoffbeutel voll mit Kartoffeln, Lauch, Mangold und Löwenzahn, hörte sie Rubi in der Küche herumkramen. Wenigstens konnte sie sicher sein, dass Max heute nicht auftauchen würde, der besuchte gerade seine Eltern in Hannover. Vermutlich, um ihnen zu erzählen, was Rubi Hannah gestern erzählt hatte. Ein Umzug, ein Baby, ein neues Leben draußen in Brandenburg. Rubi war dabei, Einkaufstüten auszupacken, als Hannah in die Küche kam.

»Hey.«

»Selber hey.«

»Tut mir leid wegen gestern.« Hannah spürte, dass ihre Stimme wackelte.

»Ja, tut mir auch leid«, sagte Rubi. »Ich war gerade einkaufen, ich wollte uns was kochen.«

»Ich auch«, sagte Hannah und streckte Rubi ihre beiden Beutel entgegen. Rubi zeigte auf den Küchentisch, wo ihre Einkaufsbeutel lagen. Daraus lugten Kartoffeln, Lauch und anderes Grünzeug hervor.

»Zwei Dumme, ein Gedanke«, sagte Hannah. »Wollte Malik dir auch keinen Mangold verkaufen?«

»Ja, der spinnt«, sagte Rubi. »So wie du.«

Und dann umarmten sie sich lange und Rubi schwor, dass sie nichts hinter Hannahs Rücken geplant hatten. Dass spontan jemand abgesprungen war im alternativen Wohnprojekt von Urheberrechtlich geschütztes Material

Max’ Freunden. Dass sie da einfach die Chance ergreifen mussten, weil man doch eh keine Wohnung finde in Berlin. Und dass sie schwanger sei, wisse sie erst seit ein paar Tagen. »Mann, Hannah, ich will doch, dass wir Freundinnen bleiben. Und dass du Tante wirst von dem kleinen Keks. Und der dann immer hier bei dir zu Besuch kommen kann, wenn es ihm mit seinen beiden Alten draußen auf dem Land zu öde wird.«

Tante Hannah. Sie war sich nicht sicher, ob ihr das gefiel. Es klang alt und einsam, es klang übrig geblieben, wie nach verpasster Chance. Aber vielleicht musste sie sich auch nur daran gewöhnen. Sie schälten zusammen die Kartoffeln, putzten den Arschlochmangold und Hannah bestand darauf, die Zwiebeln zu schneiden, damit sie sich unauffällig noch ein bisschen was rausweinen konnte. Einen kleinen puckernden Schmerz, von dem sie noch nicht wusste, ob er wirklich dem bevorstehenden Neubeginn galt. Oder ob sie nicht in Wahrheit neidisch war.

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»Eine

berührende Jahrhundertgeschichte.«

Auch als eBook

wieder zu sic

>Es hat mich mit Macht hineingezogen in eine Mutter-Tochter-Frauen-undFamilien-Geschichte, aus der man mit dem verträumten Gefühl ommt, man habe eine Zeitreise gemacht.<

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