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Leseprobe Kosmos großer Entdecker | Huw Lewis-Jones, Kari Herbert

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KOSMOS GROSSER ENTDECKER


KOSMOS GROSSER ENTDECKER Leben, Skizzen und Notizen Huw Lewis-Jones | Kari Herbert Vorwort von Robert Macfarlane


Impressum

I N H A LT

08

VO R W O R T

Erstmals veröffentlicht in Großbritannien 2016 von Thames & Hudson Ltd, London Englischer Originaltitel: Explorers’ Sketchbooks. The Art of Discovery & Adventure

130

Sir Ghillean Prance 72

ADELA BRETON

76

WILLIAM BURCHELL

82

HOWARD CARTER

86

BRUCE CHATWIN

134 10

EINLEI T UNG DIESE SCHLICHTEN ZEILEN Huw Lewis-Jones  |   Kari Herbert

Übersetzung: Tracey J. Evans, München Lektorat: Ute Heek, München Produktion und Satz: Sieveking Verlag, München

1 40

144

JAMES COOK

88

L EBEN, SK IZZEN UND NOT IZEN

94

WILLIAM HEATON COOPER

THOR HEYERDAHL

WILLIAM HODGES HECTOR HOREAU ALEXANDER VON HUMBOLDT EINE ANDERE WELT Alan Bean

150

200

MERIWETHER LEWIS

UNENDLICHE SCHÖNHEIT

262

ABEL TASMAN

2 68

JOHN TURNBULL THOMSON

272

COLIN THUBRON

274

ALEXANDRINE TINNE

2 80

ZEICHEN SETZEN

Tony Foster

ED HILLARY

146

ISBN 978-3-944874-47-0 Printed in China

WUNDERBARE WÄLDER

132

Explorers’ Sketchbooks © 2016 Thames & Hudson Ltd, London Gestaltung: Sarah Praill © 2016 für die deutschsprachige Ausgabe Sieveking Verlag, München www.sieveking-verlag.de

68

Robert Macfarlane

204

EDWARD NORTON

2 10

HENRY OLDFIELD

2 14

JOHN LINTON PALMER

2 18

SYDNEY PARKINSON

Wade Davis

222

TITIAN RAMSAY PEALE

284

OLIVIA TONGE

228

ROBERT PEARY

2 88

NAOMI UEMURA

Auf dem Einband (Vorderseite, im Uhrzeigersinn von oben links): © Sven Hedin Foundation, im Museum für Ethnografie, Stockholm; Royal Geographical Society (mit IBG), London; akg images; The Trustees of the ­Natural History Museum, London; Bristol Museums, Galleries & Archives; (Rückseite): Herbert Ponting Schmutztitel: Charles Harrissons Schlittenlogbuch in phonetischer Kurzschrift aus der Antarktis, 1912. Seiten 2 – 3, im Uhrzeigersinn von oben links: Tierzeichnungen aus Philip Georg von Recks Tagebuch, 1730erJahre; Edward Norton, Skizze eines Bergkameraden, 1924; Hector Horeau, »Tempelansicht des Aufgangs mit Sphingen und des Pylons«, Wadi as-Subu, 1838; Ludwig Becker, Drosselkrähe, 1860; Seiten aus von Recks Tagebuch, 1730er-Jahre; Titian Ramsay Peale, Eisbär, 1830; Karte, gezeichnet von Ludwig Becker, 1860. Frontispiz: Feldtagebücher der Lewis-und-Clark-Expe­ dition, Seite 10: Eine Seite mit Seevögeln von Jan Brandes aus den 1780er-Jahren

22

ROALD AMUNDSEN

98

CHARLES DARWIN

154

C A R L VO N L I N N É

2 30

KNUD RASMUSSEN

2 90

GODFREY THOMAS VIGNE

24

JOHN JAMES AUDUBON

100

AMELIA EDWARDS

160

DAV I D L I V I N G S TO N E

2 34

PHILIP GEORG VON RECK

2 94

ALFRED RUSSEL WALLACE

28

JOHN AULDJO

102

CHARLES EVANS

164

G E O R G E LOW E

238

NICHOLAS ROERICH

2 98

JAMES WALLIS

2 42

UNVERZICHTBARE FREUNDE

300

JOHN WHITE

306

EDWARD WILSON

34

40

THOMAS BAINES

104

HENRY WALTER BATES

106

RANULPH FIENNES MARGARET FOUNTAINE

44

LUDWIG BECKER

108

VIVIAN FUCHS

48

WILLIAM BEEBE

110

EUGENE VON GUERARD

52

GERTRUDE BELL

114

ROBIN HANBURY-TENISON

56

FRANZ BOAS

116

168

CHRIS BONINGTON

122

SVEN HEDIN

62

JAN BRANDES

126

WALLY HERBERT

David Ainley

174

MARGARET MEE

246

ROBERT FALCON SCOTT

178

M A R I A S I BY L L A M E R I A N

2 50

ERNEST SHACKLETON

184

JA N M O R R I S

2 52

GEOFF SOMERS

3 14

AUTOREN UND GASTAUTOREN

186

E DWA R D L AW TO N M O S S

2 54

JOHN HANNING SPEKE

3 15

WEITERFÜHRENDE LEKTÜRE

F R I DT J O F N A N S E N

BILDNACHWEIS

2 58

FREYA STARK

3 18

190

3 18

DANK

194

MARIANNE NORTH

2 60

MARC AUREL STEIN

3 19

REGISTER

CHARLES TURNBULL HARRISSON

60

PRINZ MAXIMILIAN ZU WIED-NEUWIED

6

7


Odysseus ging auf große Fahrt, und Homer schrieb darüber. Zu entdecken und zu offenbaren – so geht jeder Künstler ans Werk. Ich denke, alle Kunst ist eine Art der Erkundung. R O B E R T J .  F L A H E R T Y, 1 9 4 9

EINLEITUNG

D

rei Millionen Meilen von der Erde entfernt, erhascht eine Raumsonde den

lich, die Hindernisse riesig. Aber Scott hatte eine Aufgabe – Informationen zu sam-

ersten Blick auf eine eisige Welt am Rande des Sonnensystems. Es ist der

meln, um dem Chaos der Leere, das vor ihm lag, einen Sinn abzuringen. Im langen

14. Juli 2015, und die Sonde ist fast zehn Jahre durchs All geflogen, um nun

antarktischen Winter, von der Welt abgeschnitten, kritzelte er nachts Notizen in sein

den Zwergplaneten Pluto in größtmöglicher Nähe zu passieren. Die Weltpresse hat

Tagebuch, während er und sein Team sich gen Süden manövrierten. Zu Hause war-

sich versammelt, als im Kontrollzentrum in Maryland die ersten Bilder eintreffen.

tete eine von ihrem Unterfangen begeisterte Generation gebannt auf Nachricht.

Für das Team der New Horizon ist es ein historischer Moment: Ihr »Konzertflügel mit

DIESE SCHLICHTEN ZEILEN

Satellitenschüssel« – wie ihre Schöpfer die Sonde beschreiben – hat 150 Beobachtun-

Aber es war der Norweger Roald Amundsen, der die weite Leere des Südpols als Erster

gen von Pluto und Charon, einem seiner Monde, aufgezeichnet. Die ersten Früchte

erreichte, beschrieb und fotografierte. Erst über ein Jahr später erfuhr die Welt Scotts

dieser entdeckerischen Leistung wurden als kleine Datensignale durch die schwarze

Geschichte. Während Amundsen noch die Schlagzeilen beherrscht, versuchen sich

Leere des Raumes nach Hause geschickt.

er und seine Gefährten zu retten. Seine Schlittenlogbücher führt Scott in Skizzen­

Neue Welten offenbaren sich in Bildern. Diese elektronischen Skizzen zeigen uns

nen, unlinierten Blättern, in Leder gebunden. Ein Blizzard tobt und hält ihn und sein

etwas, was nie zuvor ein Mensch gesehen hat. Wir erfahren von Plutos gewaltigen

Team im Zelt gefangen. Zuletzt bleibt Scott allein. Alle seine Gefährten sind tot. Er

Gebirgsketten aus Eis, so hoch wie die Alpen, durchzogen von Graten und tiefen

weiß, Hilfe wird keine kommen. Er wartet auf das Ende. »Hätten wir überlebt, ich

HUW LEWIS-JONES | KARI HERBERT

büchern, die bequem in die Tasche passen, mit am Rand perforierten Seiten, dün-

Schluchten, entstanden durch uns noch unbekannte vulkanische Prozesse. Die

hätte eine Geschichte zu erzählen gehabt von der Kühnheit, der Ausdauer und dem

kleine Sonde fliegt weiter in den Kuipergürtel, eine gewaltige Scheibe aus Asteroiden

Mut meiner Gefährten, die das Herz jedes Engländers bewegt hätte«, schreibt er, kurz

und Brocken aus gefrorenem Gas. Wohin sie auch fliegt, macht die Raumsonde Fotos.

bevor er nicht mehr zu schreiben vermag. »Diese schlichten Zeilen und unsere toten

Wir warten auf weitere Bilder, vielleicht vergeblich. Steven Hawking schrieb in einer

Körper müssen [nun] die Geschichte erzählen.«

Grußbotschaft an das Team: »Diese neuen Erkenntnisse […] können zu einem besseren Verständnis der Entstehung des Sonnensystems beitragen. Wir forschen, weil wir

Acht Monate später findet man sie. Am Mittag des 12. November 1912, 18 Kilometer

Menschen sind und uns nach Wissen sehnen.«

südlich von einem Proviantlager, das ihre Rettung gewesen wäre, ist die Spitze ihres

Vor etwas mehr als hundert Jahren schleppte sich ein Entdecker einer anderen Ära

der Suchmannschaft das Zelt ausgraben, erkennen sie die Umrisse dreier Männer;

durch eine eisige Einöde, über die ebenfalls wenig bekannt war und von der es

auf dem Bodentuch liegt ein kleiner Stapel Briefe. Ein Zeitmesser, eine Fahne, Socken,

damals noch keine Karten gab – eine Landschaft, die der Oberfläche dieses fremden

ein paar Bücher. Mit einer Lampe aus Blech und einem Docht, aus den Fellhaaren

Planeten glich. Datenübertragung per Funk, Liveschaltung und Satelliten-Upload

eines Rentierstiefels hatten sie den wenigen Spiritus verbrannt, der ihnen geblieben

gab es für Robert Scott und seine Gefährten nicht. Ihre Rettung war unwahrschein-

war, bevor das Licht für immer erlosch. Später haben die Männer der Suchmannschaft

Zelts auszumachen, die Zeltwände verborgen unter Driftschnee. Als die Mitglieder

11


die Zeltstangen entfernt und das Zelt über den leblosen Körpern zusammensinken lassen, darüber einen Steinhügel und ein Kreuz aus Skiern errichtet.

und gelesen werden möge bei deiner Rückkehr«. Zu entdecken und zu offenbaren, zu beobachten und das dann zu zeigen: An diesen ureigensten Grundsätzen des Reisens hat sich wenig geändert. Auch als John White 1585 als Naturmaler auf Walter

Unter einem Schlafsack finden sie eine Brieftasche, darin ein kleines braunes Notiz-

Raleighs Fahrt in die Neue Welt anheuerte, begleiteten ihn solche Belehrungen. Seine

buch. Auf dem Umschlag stehen schlichte Anweisungen. Der Finder möge es lesen

Zeichnungen aus dem heutigen North Carolina sind die frühesten erhaltenen Dar-

und in die Heimat bringen. Die elf Männer der Suchmannschaft versammeln sich

stellungen der Pflanzenwelt und des Lebens der Ureinwohner Nordamerikas – ein

auf dem Eis und lauschen, wie in gedämpftem Ton erstmals verlesen wird, welcher

Dokument von unschätzbarem Wert. Anderen Künstlern der Zeit riet man, »alle selt-

Tragödie Scott und seine Begleiter zum Opfer gefallen sind. Ihr Bericht bestätigte

samen Vögel, Geschöpfe, Fische, Pflanzen, Kräuter, Bäume und Früchte« zu zeichnen.

Amundsens Leistung. Hier ist der Beweis, erbracht von den Männern, die das Unglück

Vor ihren Augen wurde die Welt größer.

getroffen hatte, seinen Sieg mit eigenen Augen zu sehen. Hier steht, in B ­ leistift ge­­ kritzelt, eine Botschaft der Toten an jene, die es wagen sollten, ihnen zu folgen.

Über die Jahre folgten viele, die die Grenzen des Furchterregenden und Unbekannten zurückdrängten. Die Gefahr war ihr ständiger Begleiter: James Cook wurde an einem

Ein ferner Planet und ein Zelt im Sturmwind – beides ein Widerhall des Forscher-

Strand niedergemetzelt; David Livingstone erlag der Ruhr und der Malaria; Knud

drangs. Ein ungewöhnlicher Auftakt? Und doch erzählen beide Geschichten vom

Rasmussen starb an einer Fleischvergiftung. Alexandrine Tinne stach man nieder

­Versuch, die Welt jenseits unserer eigenen Erfahrungswelt zu erkunden – von gro-

und ließ sie in der Wüste verbluten; ihre Leiche verschwand. Aber ihre Tagebücher

ßem Mut und vergeblichen Mühen, einer Abfolge von Fortschritten und Rückschlä­

leben weiter. Auch Sydney Parkinsons Skizzen, Naomi Uemuras Bergsteigertagebuch

gen, vom Wissen, das unter großen Opfern und Risiken erworben wurde; von tech-

oder Scotts »schlichte Zeilen« sind Zeichen auf Papier, die Leben überdauerten, die

nischer Findigkeit und menschlichem Leistungsvermögen. Reist man 200 Jahre

zu früh endeten.

zurück in eine Zeit vor der Erfindung von Fotografie und Film, als Feldforscher ihre Beobachtungen in Tagebüchern, Karten und Zeichnungen nach Hause trugen,

Obwohl manche, wie Joseph Conrad schrieb, von dem Geheimnis verschlungen wur-

zeugte manchmal nicht mehr vom Erfolg eines Unterfangens, als die Spuren, die

den, an dessen Enthüllung sie ihr Herz gehängt hatten, überlebten die meisten allen

Bleistift und Tinte davon hinterlassen hatten. Diese Zeilen enthielten Berichte über

Widerständen zum Trotz. Oft bestand für sie das weitaus größere Risiko darin, die

wissenschaftliche Entdeckungen, Beschreibungen ferner Länder, neuer Arten oder

Heimat gar nicht erst zu verlassen. Ernest Shackletons Begründung für sein Wander-

Eindrücke, die zu einem tieferen Verständnis führen konnten. Der Inhalt dieser

leben, heißt es, war einfach: »Ich wählte für mich und meine Freunde das Leben statt

­Seiten besaß die Macht, die Welt zu verändern. Auch wenn sich die Welt technolo-

den Tod. Ich glaube, es liegt in unserer Natur, zu forschen, nach dem Unbekannten zu

gisch dramatisch weiterentwickelt hat, hat sich ein Ausrüstungsstück in den Taschen

greifen. Die einzige Niederlage wäre es, erst gar nicht zu forschen.« Für viele war das

der meisten Entdecker bis heute kaum verändert – das Tagebuch. Es ist das Medium,

Notizbuch kein Ort, um über Verzweiflung und Not, sondern über Momente reinen

in dem Aufzeichnungen überdauern, auch dann, wenn der Reisende selbst nicht

Glücks zu berichten: eine wunderbare Aussicht zu beschreiben, Denkwürdiges zu

mehr heimkehrt.

skizzieren – so wie man heute ein Foto macht, ein Bild, das bleibt; eine Ent­deckung,

Schon seit den frühesten Seereisen hielt man Forscher dazu an, sorgfältig Aufzeich-

guten Tagen geführt, Zeichnungen bei günstiger Witterung angefertigt, wenn der

die man darstellt und teilt. Offenkundig wurden viele dieser Tagebücher eher an Galilei konnte 1610 dank der Erfindung eines Teleskops Beobachtungen des Mondes anstellen, die ein völlig neues Verständnis des Planetensystems der Erde zuließ. Die Sehnsucht, in die Sterne zu schauen, oder über den nächsten Hügel hinweg, ist ein Impuls, den Entdecker über alle Jahrhunderte hinweg teilen.

12

EINLEITUNG

Dieses Komposit aus hoch aufgelösten Farbaufnahmen von Charon und Pluto, die von der NASA-Sonde New Horizons am 14 . Juli 2015 aufgezeichnet wurden, während sie Pluto passierte, zeigt das annähernd richtige Größenverhältnis, ihr tatsächlicher Abstand hingegen ist nicht maßstabsgerecht.

nungen zu machen. »Nimm Papier und Tinte mit«, lautete ein solcher Rat in den

Himmel klar und der Tagesmarsch vorüber war, das Teewasser im Feldkessel kochte

1580er-Jahren, »und führe ein fortlaufendes Tagebuch oder eine Chronik, Tag um

oder, wie bei William Burchell, wenn bei Sonnenuntergang ein Nilpferdsteak auf

Tag, von allen Dingen, die sich des Wissens wert erweisen sollen […] so dass es gezeigt

dem Feuer brutzelte.

13


Dieses visuelle Kompendium feiert viele abenteuerlustige und wissbegierige Reisende, deren Auswahl bewusst eklektisch ist. Berühmte Namen spielen genauso eine Rolle wie die von Persönlichkeiten, die es verdienen würden, besser bekannt zu sein. Einiges davon wird hier erstmals veröffentlicht. Von der Vergangenheit bis zur Gegenwart entdecken wir bemerkenswerte und unerschrockene Menschen, die ihr Leben damit zubrachten, in karge Einöden und reiche Regenwälder vorzudringen; Entdecker und Kartografen, Botaniker und Naturmaler, Pflanzenjäger, Ökologen und Anthropologen, Exzentriker und Visionäre, Männer und Frauen, die neugierig waren, nachsahen und aufzeichnen wollten, was jenseits des Horizonts lag. Von den Ufern des Amazonas bis ins Herz von Afrika, von Mayaruinen bis hin zu gewaltigen Gebirgsketten, von der mongolischen Hochebene zu den Eislandschaften im hohen Norden: Sie alle finden sich zwischen den Seiten kleiner Notizbücher, von Feldtagebüchern und Skizzenheften. Wir treffen auf viktorianische Forscher mit ihrer Passion für das Sammeln und Benennen von Organismen und kühne Abenteurer, die frei von dem Drang nach wissenschaftlicher Präzision umherstreiften, Amateure und Profis, Veteranen und Neulinge. Sie alle nutzten Notizbücher auf ihre Weise; für manche war das Führen eines Tagebuchs lebenslange Gewohnheit, Vergnügen und Trost, ein Erinnerungsschatz für ein Leben nach dem Abenteuer. Für andere war es eine tägliche Bürde. Und doch hielten die meisten durch, denn was hätten sie ohne das Tagebuch als Beweis für all ihre Mühen vorzuweisen gehabt? Küstenprofile, Skizzen von Erstkontakten, Detailbeobachtungen und Gedankenspaziergänge, Bedeutendes und Unbedeutendes, unentzifferbare Kritzeleien und akribisch dokumentierte, wichtige Entdeckungen – sie alle sind hier zu finden. Notiz­ bücher vom Gipfel des Everest, vom ersten Anblick des Südpols, die frühen Berichte von den Victoriafällen, aus dem Herzen der großen Wüsten und dem Inneren des Grabs von Tutanchamun. Hier finden sich die ersten Zeichnungen von Eisbergen,

Robert Scott in seinem »Arbeitszimmer« am 7. Oktober 1911 , fotografiert von Herbert Ponting. Er verbrachte seine Abende in der Hütte am Kap Evans mit der Lektüre von Büchern, plante die nächsten Etappen und schrieb T­ agebuch sowie Berichte und Briefe an seine Familie und Förderer in der Heimat. Seine Tagebücher sind zentral für die heutige Erinnerung an ihn.

John Spekes und James Grants Reiseroute von Sansibar an den Nil. Am 28 . Juli 1862 entdeckte Speke die Stelle, an der der Nil dem Victoriasee entspringt. Diese von Hand gezeichnete Karte lieferte den Beweis für seine Theorie.

15


J O H N JA M E S AU D U B O N  1785–1851 So rauh es auch ist […] Amerika wird immer mein Land bleiben. Ich schließe meine Augen nie, ohne Tausende von Meilen an unseren stattlichen Strömen entlangzureisen und unsere prächtigen Wälder zu durchqueren.

A

Audubon sandte 1862 diese kleine Skizze (oben), die ihn als ­u nerschrockenen Waldläufer zeigt, an einen Bewunderer. Gegenüber: Die Katzendrossel mit Ei wurde im Juni 1810 am Ohio gemalt. Der Karolinasittich entstand im Juni 1811 – das letzte frei lebende Exemplar wurde 1904 getötet; obwohl einige Tiere in Gefangenschaft überlebten, wurde die Art bald für ausgestorben erklärt.

24

udubon widmete sein Leben ganz der Darstellung

1803 – in dem Jahr, als Lewis und Clarke ihre Überlandex­

der Schönheit der Natur – mit dem Gewehr in

pedition des amerikanischen Kontinents vorbereiteten –

der einen und dem Zeichenkasten in der ande­

wurde Audubon 18 Jahre alt und fürchtete, wegen der Koa­

ren Hand. Heute wird er oft als Amerikas bedeutendster

litionskriege eingezogen zu werden. Sein Vater sandte ihn

Naturmaler gewürdigt. Sein Monumentalwerk Die Vögel

nach Amerika, um ihre Farm bei Philadelphia zu führen.

Amerikas, gedruckt auf Doppel-Elefanten-Folio – den

Auch dort verbrachte Audubon seine Zeit meist in Wäl­

größten Papierbogen jener Zeit –, war ein außerordent­

dern, beim Jagen, Präparieren und Zeichnen von Vögeln.

liches Unterfangen. Auf seinen 435 Stichen porträtierte er

Als viele seiner Geschäfte im Bankrott endeten, wandte er

1 065 Vögel, die 489 Arten angehören, lebensgroß und in

sich seiner »großen Idee« zu: einem g ­ ewaltigen Buch über

ihrer natürlichen Umgebung.

die Vögel Amerikas. Seine Freunde hielten den Plan für

Seine Begeisterung für die Naturbeobachtung und

aussichtslos und drängten ihn, diesen aufzugeben, seine

die Malerei ließen Audubon Jahre auf Reisen verbringen,

Skizzen zu verkaufen und nach Frankreich heimzukehren.

ob zu Fuß, zu Pferd, per Kanu oder Ruderboot, auf Scho­

Audubon aber ließ sich nicht beirren.

nern und Dampfschiffen. Er war in den Wäldern und auf

Diese Bilder sind einige von Audubons frühesten

mächtigen Flüssen, von den schwülen Florida Keys bis

Aquarellen. Arbeiten aus der Zeit vor 1803 sind nicht er­­

in den Norden Labradors unterwegs. Die faszinierende

halten, für gewöhnlich vernichtete er seine Entwürfe. In

Wildnis war ihm die Strapazen wert. Für Audubon war die

seinem Frühwerk ist bereits sichtbar, was den späteren

naturgetreue Darstellung einer neuen Vogelart so wichtig

Künstler auszeichnen sollte: die lebendigen Farben zeu­

wie das Kartografieren eines fremden Landes.

gen von wachsender Meisterschaft und einem Auge für

Jean-Jacques Audubon kam in Santo Domingo als Sohn

komplexe Details. Später drängte es Audubon, die Schön­

eines begüterten französischen Kapitäns und Plantagen­

heit der im Schwinden begriffenen Wildnis festzuhalten.

besitzers und dessen Geliebter Jeanne Rabine zur Welt.

Er nahm die fortschreitende Verstädterung wahr, und der

Nach ihrem frühen Tod wuchs er in Frankreich in der

Waldläufer spürte, dass die Natur verwundbarer wurde.

Obhut seiner Stiefmutter auf, die sein lebhaftes Interesse

Auch wenn sein Ruf als Künstler nach seinem Tod rasch

an Natur, Kunst und Musik förderte. Fast täglich zog es ihn,

wuchs, wurde ihm zu Lebzeiten wenig Anerkennung

statt in die Schule, hinaus. Abends füllten Vogelnester,

zuteil. In eines seiner vielen Tagebücher schrieb er: »Die

Eier, Blumen und Kiesel seinen Picknickkorb.

Zeit wird die Wahrheit an den Tag bringen.«


Selten habe ich größeres Vergnügen empfunden, als wenn […] ich mich, nachdem ich mein Boot den ganzen Tag lang, von Myriaden von Insekten geplagt, meilenweit unter brennender Sonne über eine matschige Ebene geschoben und mich gemüht habe, einen Reiher einer mir bisher unbekannten Art zu beschaffen, und dann meine Anstrengungen endlich von Erfolg gekrönt wurden. Und wie reich werden dann die Mühen des Naturforschers belohnt, wenn er, nachdem er die wildesten und misstrauischsten Vögel in ihren entlegenen und fast unzugänglichen Nistgebieten beobachtet hat, von seinen Reisen zurückkehrt und einem geneigten Publikum von seinen Abenteuern berichten darf.

Rechts: Audubon führte Listen zu den Zeichnungen von Vögeln, die er nach der Natur angefertigt hatte, und hielt darin auch genau die Größe der Vögel fest. Diese Maße waren für sein Meisterwerk Die Vögel Amerikas von grundlegender Bedeutung. Audubon sollte einer der bedeutendsten Naturforscher und -maler Amerikas werden. Diese Zeichnungen von ihm – einige der frühesten, die erhalten sind – zeugen von seinem sich entfaltenden Talent. Der Säbelschnäbler entstand bei Nantes in Frankreich vermutlich um 1806 . Das Weibchen des Gürtelfischers mit Detailzeichnungen des Gefieders (gegenüber) malte er im Juli 1808 an den Stromschnellen des Ohio.

26

JOHN JAME S AUDUBON


Eine auf Auldjos Skizzen basierende Serie von Lithografien, in denen er die Vulkaneruptionen oft aus solcher Nähe festhielt, dass er die starke Hitze spürte. Er fügte sich der Darstellung selbst hinzu, mal zeichnend oder als Augenzeuge.

32

JOHN AULDJO

Gegenüber: Eine Karte des Vesuv, auf der historisch verbriefte Lavaströme von Ausbrüchen verzeichnet wurden – eine bahnbrechend neue Art, geografische Informationen und Naturphänomene zu ­v isualisieren. Auldjos illustrierte Berichte verlockten Reisende, den Vesuv selbst zu besuchen.


F R A N Z B OA S  1858–1942 Ich ging heute hinaus genau wie ein Eskimo mit meiner Harpune und allem Zubehör und saß so geduldig wie sie am Wasser […] wie Du sehen kannst, bin ich jetzt wirklich gerade wie ein Eskimo.

E

s war bei den Inuit am Cumberland Sound, in der Baffinbucht, wo der 25-jährige deutsche Geograf Franz Boas eine Eingebung hatte, die nicht nur

seine eigene Laufbahn prägen, sondern auch weitrei-

chende Folgen für eine ganze wissenschaftliche Disziplin haben sollte. Boas traf Ende August 1883 ein und errichtete sein Basislager bei einer schottischen Walfangstation auf der Insel Kekerten. Von dort ging er mit den Inuit auf Hundeschlitten und Booten auf Reisen und dokumentierte deren Lebensweise. Ein Jahr lang tauchte er tief in ihre Kultur ein, trug ihre Kleidung, aß, was sie aßen, und lebte in Schneehäusern; er erlernte ihre Sprache, teilte ihre Bräuche und lauschte ihren Legenden. Als Boas zurückkehrte, stand für ihn fest, dass die Anthropologie eines völlig neuen Ansatzes bedurfte. Als in seinem Fach angesehener Forscher trat er für den »Vier-Felder-Ansatz« ein – eine Methodologie, die Archäologie, Linguistik, biologische Anthropologie und Kulturanthropologie verknüpft – und für eine umfassende Forschung, Feldforschung und volkskundliche Studien steht. Boas war ein Gegner von Rassismus und Faschismus, emigrierte in die USA und lehrte Anthropologie an der Columbia University. Obwohl er später Feldforschung bei den Kwakiutl in Britisch Kolumbien betrieb, ließ er sich nie wieder so tief auf eine Kultur ein. Aber sein ganzheit­licher Ansatz im Studium menschlichen Verhaltens machte ihn als »Vater der modernen Anthropologie« berühmt.

56

Oben und gegenüber: Boas legte mit den Inuit per Boot und Hunde­ gespann rund 4 000 Kilometer zurück. Er zeichnete Karten der Küsten­ linie, hielt einheimische Ortsnamen und Siedlungsgebiete fest.

Nachfolgende Seiten: Als Boas bei der Anreise wochenlang zwischen Eisschollen an Bord festsaß, griff er zu Pinsel und Stift, um sich in jene neue Welt zu vertiefen. Dabei entstanden diese Eisberge.


58

FR ANZ BOA S


64

JAN BR ANDE S


Notizbücher sind ein wesentlicher Bestandteil meiner Expeditionsausrüstung. Andere Dinge sind natürlich in praktischer Hinsicht wichtig, […] jedes Utensil könnte im Urwald den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Aber wenn es darum geht, einen echten Beitrag zum Wissen zu leisten, dann sind es die sorgfältigen Notizen im Tagebuch, die Dich überleben.

M

an könnte sagen, mein Entdeckerleben begann mit einer Paranuss. Die-

Botanical Garden, und sie veränderte mein Leben. Unberührter Regenwald – zwei der

ser Baum, der über den Baldachin des Regenwalds hinausragt, steht oft

schönsten Wörter, die ich mir denken kann. Es ist, als durchschreite man eine Kathe-

im Umkreis von Hunderten von Metern allein. Ich wollte den Kreislauf

drale. Ich war überwältigt von der Vielfalt und der Ehrfurcht gebietenden Größe

seines Lebens besser verstehen. Also packte ich meinen Rucksack und ging los. Als

und Gestalt der hoch aufragenden Bäume. Jeder Tag hielt für mich – den Neuling im

junge Botaniker stürzten wir uns ins Unbekannte; wir hatten unsere Notizbücher

Wald – neue Freuden bereit.

und ein klares Ziel vor Augen: zu dokumentieren, zu beobachten und neue Erkenntnisse heimzubringen. Unsere Neugier gab uns auf Schritt und Tritt neue Kraft. Meine

Aus einer auf ein Jahr befristeten Stelle als Postdoktorand wurde eine 25-jährige

Tagebücher füllte ich mit allen erdenklichen Schnipseln an Beobachtungsdaten, und

Laufbahn in New York, in der ich auch das Projecto Flora Amazonica leitete, ein

doch gab es immer noch mehr zu entdecken.

W U N D E R B A R E WÄ L D E R

brasilianisch-amerikanisches Programm zur Erforschung der Pflanzenwelt am Amazonas. Auf einer unvergesslichen Reise 1971 durchwanderte mein Team 275 Kilome-

SIR GHILLEAN PRANCE

Pflanzen und Pilze zählen in der heutigen Zeit zu den letzten großen Forschungs­

ter Wald. Wir schliefen in Hängematten, begegneten Anakondas, sammelten Proben

gebieten, bei denen noch vieles unerforscht ist – eine zerbrechliche Welt im unmittel­

und dokumentierten, wie indigene Völker einheimische Pflanzen als Lebensmittel,

baren menschlichen Umfeld und uns doch noch so fremd. Unser Planet ist die Heimat

als Halluzinogene und als Gift für ihre Pfeile verwenden. Allein auf dieser Reise sam-

von mehr als acht Millionen Tier- und Pflanzenarten, die jede für sich ums Überleben

melten wir 700 Pflanzen- und Pilzproben, darunter viele der Wissenschaft bis dahin

kämpft. Doch seit unserem Aufstieg als Spezies haben wir Menschen unser Bestes

noch unbekannte Arten.

gegeben, die Pflanzen um uns herum zu nutzen und zu missbrauchen. Wir haben sie ausgegraben, abgeschnitten, beschädigt und entartet. Heute tun wir das in größerem

Heute, Jahrzehnte später, habe ich Hunderte neuer Arten entdeckt und klassifiziert,

Ausmaß als je zuvor, aber weder wir noch irgendwelche Tiere können ohne Pflanzen

und – was noch befriedigender ist – ich sehe eine neue Generation von Studenten,

überleben. Unser grünes Erbe wird verschleudert. Für mich ist das Wahnsinn!

die unser Studienprogramm in Tropenbotanik in Manaus, im Herzen des Amazonasbeckens, absolvieren. Ich habe dort geholfen, das erste Graduiertenprogramm am

Ein Notizbuch mit Beschreibungen von Bäumen, die Prance auf einer Forschungsreise sah. Darin enthalten sind unter anderem Angaben zu deren Höhe, zur Farbe und Beschaffenheit der Rinde und des Holzes, zum Geruch sowie einige gepresste Blätter.

Wie bin ich dazu gekommen? Nun, ich habe die Natur immer geliebt. Ich kann mich

Amazonas aufzubauen. Heute gehen unsere Absolventen auf eigene Expeditionen

an keine Zeit erinnern, in der sie nicht Teil meines Lebens war. Mein Interesse galt

und führen unsere naturschützerische Arbeit mit Engagement, Neugier, Begeiste-

vor allem der Tropenbotanik, und meinen Doktor in Forstwirtschaft erwarb ich an

rung und ihrem an einer heimischen Universität erworbenen Wissen fort.

der Universität von Oxford. Dort machte ich meine ersten Schritte in ein Leben voller Regenwaldreisen, als ich Samen im Gewächshaus heranzog. 1963 schloss ich

Den Amazonas zu erkunden bedeutet, Risiken und Strapazen auf sich zu nehmen.

mich einer Expedition zum Wilhelminagebirge an, die durch die dichten Wälder im

Man braucht Ausdauer und muss auch zu unangenehmer und anstrengender Arbeit

Inland von Surinam führte. Mit dieser Reise begann meine Arbeit für den New York

bereit sein. Die Arbeit als Feldforscher findet nicht nur draußen statt; auch lange

69


Stunden in der Bibliothek und im Labor gehören dazu. Menschen stellen sich den

Der Regenwald hat uns längst alle erreicht – von den Reifen an unserem Auto und

Regenwald oft als einen höchst gefährlichen Ort vor: Flüsse voller Piranhas, Gift-

der Schokolade, die wir so lieben, bis hin zum Kaffee, den wir täglich trinken, oder

schlangen, Wolken von Moskitos und Skorpione und Spinnen, die von den Bäumen

den Medikamenten, die wir einnehmen. Darum brauchen wir alle ein besseres Ver-

fallen. Aber meine lästigste Verletzung war ein Riss der Achillessehne, den ich mir

ständnis für das empfindliche Gleichgewicht dieses Ökosystems. Wo wir auch hin-

beim Samba-Tanzen als Führer einer Gruppe reicher Ökotouristen in Brasilien zuzog –

sehen, überall entdecken wir komplexe Wechselbeziehungen: wie Skarabäen riesige

für mich eine eher ungewöhnliche Situation. Im Wald hingegen fühle ich mich zu

Wasserlilien bestäuben oder wie sich die Paranuss vermehrt. Eine Orchidee, eine

Hause. Ich habe bei 16 verschiedenen Indiostämmen gelebt, und es gibt nichts, was

Biene, ein Aguti und einheimische Nusssammler, sie alle sind in wechselseitiger

mich dort wirklich stören würde, obwohl ich gern zugebe, dass beißende Schwärme

Abhängigkeit eng verbunden. Zerstört man ein Bindeglied, bricht das System zusam-

von Feuerameisen höchst schmerzhaft sein können.

men. Wir haben unsere spirituelle Beziehung zur Erde und die Wertschätzung für den Wald an sich verloren. Naturschutz ist, wie die Umwelt, eine Frage von Gleichheit

Um dort zu überleben, muss man entschlossen und einfallsreich sein. Einmal, als wir

und Gerechtigkeit.

das Ende eines Flusses erreicht hatten und sein Einzugsgebiet durchqueren wollten, erkrankte ich an Malaria. Drei Tage lief ich durch unerforschten Regenwald, ehe ich

Besser kann ich den Grund, warum ich mein Leben dem Studium der Pflanzen

Hilfe fand. Schon früh lernte ich, Bootsmotoren zu reparieren. Es wäre unangenehm,

gewidmet habe, nicht beschreiben. Wir alle müssen uns nach Möglichkeit bemühen,

im Kanu einen Wasserfall hinabzustürzen, nur weil der Motor versagt hat. Aber es

den Amazonas und die wunderbaren Menschen, deren Zukunft von diesem Wald

gibt auch perfekte Momente: ein bislang unbekanntes Tierverhalten zu beobach-

abhängt, zu schützen. Dazu kann auch so Unscheinbares dienen, wie die kleinen

ten oder eine nicht klassifizierte Pflanzenart zu entdecken. Eine meiner schönsten

Zeichen in einem Notizbuch, denn aus Feldbeobachtungen werden Entdeckungen.

Erfahrungen in jüngster Zeit war es, meine noch jungen Enkel in den Regenwald mit-

Auf jeder Expedition nahm ich mir die Zeit, in meinen Tagebüchern Beobachtungen

zunehmen und das Staunen in ihren Augen leuchten zu sehen, als sie einen Jaguar

zu notieren: Farben, Kontexte, Begegnungen, Bilder und Laute zu umschreiben und

erblickten.

Listen über Listen von Daten zu erstellen. Tief im Regenwald ist es eine Herausforderung, sie sicher und trocken aufzubewahren. Wieder zu Hause, bei der Arbeit an einer

Wenn wir diesen Planeten künftigen Generationen in gutem Zustand übergeben

Sammlung, beim Schreiben eines Aufsatzes oder eines Buches, wäre ich ohne sie

wollen, müssen wir schnell und bedacht handeln. Wir verlieren Arten durch mensch-

verloren. Jede neue Entdeckung vertieft das Verständnis und erhöht die Wertschät-

liche Aktivität, und doch begreifen wir noch immer nicht das Ausmaß dieses Verlusts.

zung. Es gibt noch so vieles in nächster Nähe zu erforschen. Wir blicken über den

Neueren Studien zufolge sind ganze 86 Prozent aller Pflanzen und Tiere auf dem

Mond hinaus zum Mars und haben doch noch nicht annähernd alle Arten von Tie-

Land und 91 Prozent der Meeresarten noch nicht erfasst. In den ersten zehn Jahren

ren, Pflanzen und Pilzen katalogisiert, mit denen wir diesen schönen Planeten teilen.

meiner Forschungsarbeit im Amazonasbecken hatte ich das Glück, von Umwelt­ fragen unbelastet forschen und reisen zu können. Aber je besser ich die komplexen Bestäubungsmechanismen durch Fledermäuse, Käfer, Vögel und Schmetterlinge und die Art und Weise, wie sich Pflanzen gegen die Horden von blattfressenden Räubern verteidigen, verstand, desto klarer wurde mir, wie fragil das Gewebe des Lebens hier ist. In den 1970er-Jahren wandelte sich die Lage am Amazonas dramatisch. Groß angelegte Erschließungsprojekte führten zur massiven Zerstörung des Waldes, und man begann mit dem Straßenbau der Transamazônica.

Eine Collage aus Sammelbüchern, Fotos, frühen Notizbüchern, Kontaktabzügen und getrockneten Pflanzenproben. Obwohl die Schrift kaum entzifferbar scheint, sind diese Feldnotizen und Sammelbücher für mich von unschätzbarem Wert.

71


M A R G A R E T F O U N TA I N E  1862–1940 Das Reisen bereitet mir das größte Vergnügen. Ich mag die Idee, mich auf der Welt herumzutreiben und mich mit den Sitten und Gebräuchen der Menschen vertraut zu machen.

E

in kleiner Kreis von Menschen versammelte sich

helm aus Kork, und um den Hals baumelte ein Kompass,

1978 feierlich im Kellerarchiv des Castle Museums

an einer dicken, schwarzen Kette. Obwohl sie keine natur­

in Norwich, um eine alte, seit 1940 versiegelte

wissenschaftliche Ausbildung hatte, berichtete sie im

Kiste zu öffnen. Darin fanden sich zwölf schwere Bände

Entomologist über ihre Studien in Kleinasien, Algerien,

mit Tagebüchern, die über sechs Jahrzehnte lang täglich

Costa Rica, den Philippinen und Griechenland.

geführt worden waren, sowie Mahagoni-Kästen mit rund

Neben Tagebüchern, Skizzenbüchern und Schmet­

22 000 Schmetterlingsexemplaren. Auf den Tagebuch­

terlingsnetz trug Fountaine stets einen Flachmann mit

seiten fanden sich die außergewöhnlichen Abenteuer der

Brandy bei sich – wenn es mal wieder hart auf hart kam.

Schmetterlingsforscherin Margaret Fountaine, die ihr

Mutig sprang sie einmal aus einem Zug, ehe dieser ent­

Leben auf der unermüdlichen Suche nach Schmetterlin­

gleiste; sie überquerte in Tennisschuhen einen Gletscher

gen und kühnen Männern zubrachte.

und entging mehrfach nur knapp dem Tod durch Malaria.

Fountaine verließ England mit 29 Jahren, ohne kla­

Erdbeben, Tropenstürme, auch Begegnungen mit Löwen

reres Ziel als das, ihr gebrochenes Herz zu heilen. Ein

und Giftschlangen ließen sie unbeeindruckt. Einer ihrer

wohlhabender Onkel ermöglichte ihr ein finanziell unab­

besten Momente war, als sie sich ein Gläschen mit einem

hängiges Leben, und sie wollte ihr Vermögen darauf ver­

berüchtigten Banditen in den korsischen Bergen gönnte.

wenden, die Welt zu bereisen. In der Schweiz entdeckte sie

»Eine reine und edel gesinnte Frau umgibt ein unmittel­

ihre Liebe zu Schmetterlingen – fortan verbrachte sie ihr

barer und besonderer Schutz, den kein noch so gemeiner

Leben als unerschrockene Schmetterlingsjägerin.

Mann durchbrechen kann«, schrieb sie später.

Getrieben von Fernweh, reiste Fountaine durch Euro­

Groß, attraktiv, doch zurückhaltend, warf sich Foun­

­pa, brach nach Nordafrika auf und bereiste bald die ab­­

taine von einer verhängnisvollen Liebesgeschichte in die

gelegensten Gegenden jedes Kontinents, meist nur in

nächste, bis sie Khalil Neimy traf, einen (wie sie später

Begleitung eines Führers oder Übersetzers. Kein Ziel war

herausfand) verheirateten Syrer, der fast drei Jahrzehnte

ihr zu wild oder gefährlich. Unkonventionell war auch

ihr ständiger Begleiter blieb. Gemeinsam trugen sie eine

ihr bevorzugtes Outfit für die Schmetterlingsjagd: ein

der weltweit schönsten Schmetterlingssammlungen zu­­

kariertes Männerbaumwollhemd, ein Baumwollrock mit aufgenähten Extrataschen, Baumwollhandschuhe mit ab­­ geschnittenen Daumen und Fingerspitzen, ein Tropen­

10 6

Oben: Fountaines wunderschön illustrierte Zeichenbücher sind in Seide gebunden. Gegenüber: Diese Seite ist Larven und Puppen gewidmet, die sie 1908 /09 in Südafrika dokumentierte.

sammen. Als Neimy starb, reiste Fountaine weiter. Sie starb mit 78 Jahren auf einer staubigen Straße in Trinidad, das Schmetterlingsnetz fest in der Hand.


A L E X A N D E R VO N H U M B O L DT  1769–1859 Ein Mann kann sich nicht einfach hinsetzen und weinen – er muss handeln.

I

n einer Zeit, in der weite Teile der Welt noch völlig

Peru, in Ecuador, Kolumbien und Mexiko. Sie kletterten

unerforscht waren, bereiste Alexander von Humboldt

auf Berge, zeichneten Landkarten, fingen Zitteraale, aßen

entlegene Regionen, um so viele Eindrücke wie nur

Schlamm, pressten Pflanzen, entdeckten Inkaruinen und

möglich zu sammeln. Seine Ideen veränderten unsere

das Blau des Himmels. Sie sammelten Vogelkot, beob-

Sicht der Welt. Er war unerschrocken, ehrgeizig und

achteten die Sterne und verpackten Gesteine – nichts

unglaublich talentiert – der Inbegriff des »Universalwis-

war zu groß oder zu klein, um ihrem Forscherauge zu

senschaftlers«, ein Sohn der Aufklärung, der zum ange-

entgehen. Sie legten zu Fuß, zu Pferd und im Kanu mehr

sehensten wissenschaftlichen Kopf seiner Zeit wurde. Er

als 9 650 Kilometer zurück. Die abenteuerliche Reise war

gilt als Vater der modernen Ökologie und war der Erste,

nicht selten gefährlich, dauerte fünf Jahre und kostete

der zur weltweiten Zusammenarbeit bei der Sammlung

Humboldt ein Drittel seines Vermögens. Das Ergebnis

wissenschaftlicher Daten aufrief.

aber war eine Sammlung von über 60 000 Proben und

Der gebürtige Berliner besaß gute Kontakte und eine

14 4

einem unermesslichen Schatz an Aufzeichnungen.

unstillbare Neugier. Zunächst reiste er 1790 mit Georg

Ihre Auswertung, Zusammenfassung und Veröffent-

Forster, der als junger Naturforscher mit Cook unterwegs

lichung, der Humboldt ein ganzes Leben widmen sollte,

gewesen war, nach England, um Joseph Banks aufzusu-

geriet selbst zu einer endlosen Erkundungsreise. Er sagte

chen, der ihnen Zugang zu den Wundern seiner Pflan-

stets, er wolle Ideen sammeln, nicht Objekte. Humboldts

zensammlung gewährte. 1796 schied Humboldt aus dem

Hauptwerk Kosmos, das wohl ambitionierteste wissen-

Staatsdienst aus und wandte sich der Planung einer gro-

schaftliche Werk, das je veröffentlicht wurde, sollte alles,

ßen Forschungsreise zu. Der französische Botaniker Aimé

was er gesehen, gelesen und sich vorgestellt hatte, zu

Bonpland und er erwirkten beim König von Spanien Pas-

einem »Entwurf einer physischen Weltbeschreibung«

sierscheine, die ihnen erlaubten, die spanischen Kolonien

zusammenfassen. Dem Werk, das einen wesentlichen Bei-

in Südamerika zu bereisen. 1799 überquerten sie den

trag zu fast allen Naturwissenschaften leistete, widmete

Atlantik und ließen sich den Orinoko hinaufrudern. Mit

er über 25 Jahre: Der erste Band erschien, als er 76 Jahre

Skizzenbüchern und Messinstrumenten bewaffnet, dran-

alt war, der fünfte und letzte Band war fast vollendet, als

gen sie in Tropenwälder vor, die nie zuvor ein Westeuro-

Humboldt kurz vor seinem 90. Geburtstag 1859 starb. Dar-

päer betreten hatte. Die beiden erkundeten die Küste von

win schrieb später, Humboldt sei »der größte Forschungs-

Venezuela, den Amazonas und Landstriche des heutigen

reisende, der je gelebt hat«, gewesen.

Humboldts Expeditionstagebücher (oben) sind eng beschrieben und gespickt mit kleinen Feldzeichnungen, Berechnungstabellen und Beobachtungen. Sein berühmt gewordener Profilquerschnitt des Vulkans Chimborazo in Ecuador (gegenüber) gilt als beispielhaft für seine Sicht einer geografisch geordneten Ökologie, in diesem Fall dem Vorkommen unterschiedlicher Pflanzen auf verschiedenen Höhenzonen.


M A R I A S I BY L L A M E R I A N  1647–1717 Ich würde Sie bitten, so gütig zu sein, mir keine toten Kreaturen mehr zu schicken, da ich keine Verwendung für sie habe.

S

chon mit 13 Jahren sammelte Maria Sibylla Merian

Natur zu studieren. Mit 52 Jahren segelte sie mit Dorothea

die Stadien ihrer Verwandlung zu beobachten und

in die holländische Kolonie Surinam, um die Fauna und

diese zu zeichnen. Vielleicht ein seltsamer Zeitvertreib

Flora dieses »heißen, feuchten Landes« festzuhalten. Im

für ein junges Mädchen, aber ihr war ein unkonventio-

Gepäck hatte sie Skizzen- und Notizbücher, Pigmente,

nelles Leben beschieden. Merian lebte in einer Zeit, in der

Farbbeigaben und ihr Lieblingspergament carta non

der Aberglaube noch weitverbreitet war. Während sie in

nata – die Haut von ungeborenen Lämmern –, das Farben

Frankfurt Raupen studierte, verbrannte man in anderen

wie kein anderes Medium bewahrte. Zwei Jahre sammel-

Städten Frauen als Hexen. Als sie zu malen anfing, glaubte

ten und fütterten die Frauen Exemplare und beobachte-

man noch, Insekten seien Ausgeburten des Teufels, her-

ten deren Verwandlungen. Die Arbeitsbedingungen im

vorgebracht von verdorbenem Fleisch und faulendem

tropischen Regenwald waren ungleich schwieriger als im

Obst. Nur wenige konnten oder wollten sich überwinden,

gemäßigten Europa, trotzdem machte Merian zu jedem

genau hinzusehen, um sich eines Besseren belehren zu

Bild eine Fülle von Notizen. Peinlich genau hielt sie Ver-

lassen. Merian war eine Ausnahme: Aus kindlicher Neu-

haltensweisen und Lebensräume der Arten fest und be­­

gier wurde eine lebenslange Faszination.

mühte sich, nicht nur die einheimischen Namen von

Obwohl sie bereits mit 18 Jahren heiratete, blieb Merian ausgesprochen unabhängig. Sie behielt ihren

178

Sie sehnte sich danach, deren Verhalten und Farben in der

alle Raupen, derer sie habhaft werden konnte, um

Pflanzen, Früchten und Insekten zu erfahren, sondern auch mehr über deren praktischen Nutzen.

Mädchennamen und trug zum Unterhalt der Familie bei,

Eine Malariaerkrankung zwang Merian 1701 zur Rück-

unterrichtete Schülerinnen im Zeichnen, verkaufte Mal­

kehr in die Niederlande. Sie begann sofort mit den Arbei-

utensilien und Seidenmalereien. Nach der Trennung von

ten für Metamorphosis Insectorum Surinamensium. Das

ihrem Mann lebte sie mit den beiden Töchtern, Johanna

Buch, das zum Standardwerk wurde, stellt die Lebenszyk-

und Dorothea, in Amsterdam und arbeitete als wissen-

len von bis dahin unbekannten Pflanzen und lebensgro-

schaftliche Illustratorin. Dort studierte sie exotische

ßen Insekten dar. Die Inszenierung und der Detailreich-

Pflanzen, Schmetterlinge und Insekten, die Kaufleute

tum ihrer Arbeiten waren zu jener Zeit beispiellos. Aber

und Naturforscher überall in Amerika gesammelt hatten.

ihr größtes Vermächtnis war, uns daran zu erinnern, auch

Aber die verblichenen, schlecht konservierten Exemplare

die kleinsten aller Geschöpfe zu würdigen und niemals

waren ein trauriger Ersatz für lebende Motive.

Mädchen zu unterschätzen, die Raupen sammeln.

Zu Merians Zeit wurde ihre extreme beobachterische Gewissenhaftigkeit von vielen als wunderlich, ihre Werke sogar als »entomologische Karikaturen« abgetan. Heute wird ihr Œuvre in Sammlungen weltweit geschätzt. Oben ist eine Surinamkröte mit Nachwuchs auf dem Rücken zu sehen, eine pinkfarbene Pflanze und zwei Muscheln; gegenüber findet sich ein Kaiman mit einer Korallenrollschlange.


Merian wurde für ihre ungewöhnlichen Darstellungen faszinierender Naturphänomene bekannt: Sie malte Motten, die Eier legen, Raupen beim Verzehr ihrer Lieblingspflanzen, Schmetterlinge und Eidechsen, die ihre Zunge nach Nahrung s­ trecken. Sie zeichnete ganze Lebenszyklen einzelner Mottenarten. Diese genaue Naturbeobachtung und ihre künstlerische Dokumentation waren ihrer Zeit weit voraus und legten den Grundstein für die Arbeit späterer Naturphilosophen.

18 0

MARIA SIBYLL A MERIAN

181


In jenen Monaten war ein Stift mein Anker, ein Tagebuch mein Trost. Das Tagebuch

Auf dieser ersten langen Reise lebte ich in den Bergen von Kolumbien. Ich traf einen

war in vieler Hinsicht das Einzige, was mir Halt gab. Meine recht disziplinierten wis-

Schamanen der Kamsa. Was er zu mir sagte, habe ich nie vergessen. »In den ersten

senschaftlichen Notizbücher enthielten später detaillierte Berichte über botanische

Jahren deines Lebens«, sagte Pedro, »lebst du im Schatten der Vergangenheit, zu

Beobachtungen, ethnografische und geografische Beschreibungen. Aber die ersten

jung, um zu wissen, was zu tun ist. In deinen letzten Jahren entdeckst du, dass du zu

zwei Tagebücher – Collagen mit eingestreuten Einsichten, Ausbrüchen der Verwir-

alt bist, um die Welt zu verstehen, die von hinten auf dich zurollt. Dazwischen ist ein

rung und unverfälschter Ehrfurcht – waren das emotionale Schwafeln eines jungen

kleiner, schmaler Lichtstrahl, der dein Leben erleuchtet.«

Mannes auf der persönlichen Suche nach etwas. Wenn wir auf ein langes Leben zurückblicken und sehen, dass wir unsere EntscheiIch sollte Reisen später nicht als wissenschaftliche Untersuchung begreifen, sondern

dungen annehmen, dann gibt es wenig Anlass für Groll. Verbitterung erleben die, die

als Pilgerreise – jeder Schritt bringt uns dem Ziel näher, der kein Ort ist, sondern ein

ihre Entscheidungen bereuen. Die größte kreative Herausforderung ist der Kampf,

Geisteszustand, kein Ziel, sondern ein Weg der Erleuchtung und Befreiung, die das

Herr über sein Leben zu sein. Durch Reisen wurde ich Schriftsteller, und durch das

ultimative Ziel des Pilgers sind. Hemingway sagte, die wichtigste Vorbereitung für

Wunder, ein Schriftsteller zu sein, lernte ich Geduld, Kompromisse zu meiden und

einen Schriftsteller sei ein interessantes Leben, um etwas zu sagen zu haben, das die

dem Schicksal Zeit zu geben, mich zu finden. Alles das begann mit diesen ersten

Welt hören muss. Damals hatte ich nicht vor, Schriftsteller zu werden, aber ich wollte

Tagebüchern und dem Rat: »Wage Unbehagen für Erkenntnis«.

ein interessantes Leben führen. Im Lauf der Zeit habe ich einige Lektionen gelernt. Das Leben verläuft weder linear noch vorhersehbar. Man zieht sich einen Beruf nicht über wie einen Mantel. Er wächst organisch um uns herum – Schritt für Schritt, Wahl um Wahl, Erfahrung um Erfahrung. Alles summiert sich. Für keine Arbeit sind wir zu gut. Nichts ist Zeitverschwendung, es sei denn, wir machen es dazu. Ein alter Taxifahrer in Bogotá kann uns so viel lehren wie ein wandernder Sadhu in Indien oder ein mystischer Heiliger in der Sahara. Da draußen waren Zehntausende von Lehrern, von denen ich nicht einmal wusste, dass ich sie hatte. Unsere Arbeit ist nur eine Linse, durch die wir die Welt sehen und erleben, und auch das nur für eine Weile. Das Ziel ist es, das Leben selbst, den Akt des Lebendig-Seins, zur Berufung zu machen, wohl wissend, dass wir letztlich nichts planen oder vorhersehen können, dass es keinen Plan gibt, der den Ausgang von etwas so Komplexem wie einem menschlichen Leben vorhersagt. Wenn man für das Potenzial des Neuen, das Versprechen des Unvorstellbaren offenbleiben kann, dann wird Magie Wirklichkeit, und das Leben nimmt Gestalt an.

28 2

ZEICHEN SETZEN

Die Oberfläche der Erde ist ein gewaltiger Webstuhl, auf dem die Sonne das Tuch des Lebens webt. Als Entdecker habe ich immer die großen wundersamen Geschichten gesucht, die es in vielen Kulturen gibt und die uns etwas über die Erfahrung lehren, ein Mensch zu sein. Wenn wir in diesem Sinne mit offenen Augen und offenem Geist reisen, wird es immer etwas zu entdecken geben.


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Leseprobe Kosmos großer Entdecker | Huw Lewis-Jones, Kari Herbert by boesner - Issuu