Kunst+Material
Das Magazin von boesner

März/April 2026
Schutzgebühr 7, – EUR/CHF | ISSN 1868-7946



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Das Magazin von boesner

März/April 2026
Schutzgebühr 7, – EUR/CHF | ISSN 1868-7946




Liebe Leserin, lieber Leser,
seine Räume entwickeln ein magisches Eigenleben: Die zweidimensionale Welt der Architekturen von Simon Schubert fordert das Auge heraus, wenn es seine wie Traumszenarien anmutenden Interieurs durchmisst. Wohin geht es, wo enden die Räume, wo beginnen Spiegelungen? Schuberts Werke entstehen durch präzise Faltungen von Papier, auch durch Pigmentreibungen und immer durch das faszinierende Spiel von Licht und Schatten. Sie überzeugen als großer Wurf in ihrem ganzheitlichen Ansatz, im überschaubaren Format und mit minimalistischem Duktus. Prunktreppenhäuser, Raum-Enfiladen und Spiegelkabinette – mit jeder seiner Arbeiten entwickelt er sein künstlerisches Gedankengebäude weiter. Unser Autor Jörg Restorff hat den Künstler in seinem Atelier im Kölner Süden besucht.
Museumsbesuche gehören für viele von uns einfach dazu, denn es gibt immer etwas zu entdecken. Was bewegt die Zeitgenossen, und wie unterschiedlich gingen die Altmeister mit ihren Sujets um? Die großen Museen bieten mit ihren Sammlungen und Sonderausstellungen im Idealfall eine Antwort auf beide Fragen gleichzeitig. Dabei sind die Ausstellungshäuser beileibe nicht immer unumstritten gewesen, und Ihre Gebäude sind zum Teil selbst spektakuläre Kunst. In seinem Sonderthema beleuchtet Dieter Begemann die Wurzeln und die Erfolgsgeschichten der Institution Museum.
Künstlerische Vorbilder zu studieren bringt jedenfalls stets neue Impulse für das eigene Schaffen. Paula Modersohn-Becker und Constantin Brancusi etwa wurden im gleichen Jahr geboren, und beide haben die Kunst auf ihre persönliche Art und Weise revolutioniert: Brancusi mit seiner Reduktion der Skulptur auf die wesentliche Form, Modersohn-Becker nicht zuletzt mit ihrem souveränen Selbstakt anlässlich des sechsten Hochzeitstages. Beiden sind derzeit wichtige Ausstellungen gewidmet, die übrigens auch einen Blick in ihre Ateliers erlauben. Und last but not least gibt es in der Fondation Beyeler das Spätwerk von Paul Cézanne zu bestaunen, den Picasso als „Vater von uns allen“ sah.
Natürlich bietet die Frühlingsausgabe von Kunst+Material wie gewohnt viele inspirierende Themen und Bildstrecken: Ina Riepe hat sich für diese Ausgabe charmanten Porträts von Hunden gewidmet. Welche Vorzüge Casani Holzkörper mitbringen, zeigt sie auf den Seiten ihres Technik-Themas. Und natürlich dürfen auch in der neuen Ausgabe weder Tipps für interessante Bücher noch Hintergrundinformationen zur Materialverwendung in der Kunst fehlen.
Viel Spaß und Inspiration wünscht
Dr. Sabine Burbaum-Machert









6–19 Faszinierende Faltungen Simon Schubert zeichnet mit Licht und Schatten
Thema
20–31 Auf ins Museum! Geschichte einer (so ziemlich) erfolgreichen Idee
32–39 Dog|s
Persönlich
40–41 Verbindung schaffen Irene Ulrich gibt Artefakten neue Perspektiven
Hintergrund
42–45 Von Kreuzen, Heiligen und Drachen Figuren aus Holz
Technik
46–51 Kleine Welten
52–61 Bücher, Buchtipps 91 Kunst+Material im Abonnement
Labor
62–63 Lichtspiele
Ausstellungen
66–73 „Ich denke an nichts, wenn ich male, ich sehe Farben“ Paul Cézanne in der Fondation Beyeler
74–77 Im Laboratorium der Form Constantin Brancusi in der Neuen Nationalgalerie
78–83 „Ich bin Ich und hoffe, es immer mehr zu werden“ Zum 150. Geburtstag von Paula Modersohn-Becker
84–85 Der Eigenwert der Kunst „Shifting the Silence“ im Lenbachhaus München
86–90 Termine
92–93 Kurz notiert
94–95 Im Gespräch
96 Vorschau, Impressum
Titel: Simon Schubert, o. T. (gespiegelte Korridore) (Ausschnitt), 2022, 193 x 126 cm, Papier, gefaltet, Foto: Simon Schubert.
Er hat das Faltblatt zur Kunstform erhoben: Der Kölner Künstler Simon Schubert faltet und drückt Flachreliefs ins Papier. Auf diese Weise sowie in Form von Pigmentreibungen baut er im zweidimensionalen Medium architektonische Räume von ungemeiner Präzision und Subtilität. Mit vielbeachteten Ausstellungen in Leverkusen, Düsseldorf und Neuss hat Si mon Schubert in jüngster Zeit vermehrt Aufmerksamkeit auf sich gezogen – auch international: Als einer von drei Finalisten steht er jetzt im Finale des Prix Guerlain. Ende März wird der renommierte Preis für zeitgenössische Zeichenkunst in Paris vergeben.




Wer Simon Schubert in seinem Atelier im Kölner Süden besucht, wird von Samuel Beckett empfangen [2]. Am Eingang des nahe am Rhein gelegenen Backsteinhauses, das Schubert mit seiner Frau, der Künstlerin Cosima Hawemann, bewohnt, hängt ein Porträt des irischen Schriftstellers, das er 2008 verfertigte. Eine Arbeit, die in zweierlei Hinsicht besonders aufschlussreich ist für das, was den 1976 geborenen Künstler bewegt: mental wie stilistisch.
Als Simon Schubert in den frühen 2000er-Jahren während des Studiums an der Kunstakademie Düsseldorf als Assistent des Philosophen Paul Good arbeitete, beschäftigte er sich näher mit Samuel Beckett. Dessen „Theater des Absurden“, das die Literaturund Bühnenwelt des 20. Jahrhunderts tiefgreifend beeinflusst hat, wurde auch für den Akademiestudenten zu einer Quelle der Inspiration.
Auf Becketts radikale Reduktion reagierte Schubert mit einem Porträt, in dem die bildnerische Sprache gleichfalls radikal her-
untergedimmt ist. Allein durch die Faltung des Papiers modellierte der Künstler die Gesichtszüge des Schriftstellers, der im Dreiviertelprofil wiedergegeben ist. „Eine Zeichnung ohne Strich und Zeichenmaterial, bei der die Linien des Gesichts nur mit Licht und Schatten formuliert sind“, wie es der Künstler beschreibt. Das Beckett-Schlüsselwerk hat er seitdem in rund 30 Versionen wiederholt und variiert. Die Fassung im Flur seines Hauses ist eine davon.
Von Falten zu Faltungen: Obwohl Schubert die Physiognomie bloß durch wenige Einkerbungen des Papiers zum Vorschein gebracht hat, vermittelt sich ein lebendiges, nuancenreiches Bild des Schriftstellers mit den markanten Ohren und dem durchdringenden Blick. „Das erste Porträt“, erinnert sich der Künstler, „war sehr viel rudimentärer und fast expressiv. Es war aber die erste Faltung und von daher eine sehr wichtige Arbeit. Ich habe sie später meinem Philosophieprofessor Paul Good geschenkt, und sie hängt bei ihm in der Schweiz.“

Hauchdünn und haarscharf
Simon Schuberts Technik darf man mit Fug und Recht als hintergründig charakterisieren. Und zwar im übertragenen wie im buchstäblichen Sinn: Zunächst bringt er auf der Rückseite des Blattes eine hauchdünne und haarscharfe Zeichnung auf. Stets verwendet Schubert hochwertige Bögen mit einer Grammatur von 120 g/m², bevorzugt solche aus einer traditionsreichen, großen italienischen Papiermühle. „Von den klassischen künstlerischen Materialien ist ein Blatt Papier das Minimalistischste“, begründet der Künstler seine Vorliebe. „Aus mathematisch-geometrischen Überlegungen kommt es der perfekten Fläche gleich, die die ultimative Zweidimensionalität darstellt.“
Erst im zweiten Schritt nimmt er mit Spachteln – manche schmal, manche breit – sowie einem Falzbein die eigentlichen Faltungen vor. Was wir schließlich zu sehen bekommen, ist die Vorderseite, wo sich ein nur minimal hervortretendes Relief darbietet. Doch die eigentliche Arbeit, sie vollzieht sich hinter den Kulissen. Schon das ist eine besondere Herausforderung für den Künstler. Erschwerend kommt hinzu, dass bei diesem Prozedere alles beim ersten Anlauf sitzen muss: Für ungenaue Knicke gibt es keinen „Radiergummi“. Auch „Reuezüge“ scheiden aus.
Einleuchtend von daher, dass sich Schubert dem Papier „mehr vom Standpunkt eines Bildhauers“ annähert, wie der Künstler sagt. Womöglich ein verwegener Vergleich, dennoch sei er hier
[5] o. T. (gespiegelte Korridore), 2022, 193 x 126 cm, Papier, gefaltet.
gewagt: So wie Michelangelo im rohen Marmor bereits die vollendete Figur antizipierte und seine Arbeit als Befreiung dieser Form aus dem Stein betrachtete, so wirkt auch Becketts Gesichtssilhouette, als sei sie mit dem Büttenpapier verwachsen. Und gern hängt man der Vorstellung nach, Simon Schubert habe die dem Papier immanenten Gesichtszüge mit seiner Faltung lediglich zum Vorschein gebracht.
Großer Wurf im überschaubaren Format
Wie auch immer: Nach seinem Studium der Bildhauerei bei Irmin Kamp, das er 2004 abschloss, schlug der Künstler einen Weg ein, der ihn von der anfänglichen „Materialschlacht“ großer Skulpturen entfernte. Das Beckett-Porträt und die Entscheidung, Papier zu knicken, anstatt es zeichnerisch zu bearbeiten, dienten als Keimzelle einer Entwicklung hin zum Architektonischen, hin zu den verzweigten Räumen, die heute sein Werk prägen.
Durch präzise Papierfaltungen und das subtile Spiel mit Licht und Schatten lässt der Künstler eine zweidimensionale Welt der Architektur entstehen, die als großer Wurf im überschaubaren Format fasziniert. Schlösser und Kirchen hat der Künstler dabei ebenso ins Visier genommen wie diverse Museumsräume, das ehemalige Atelier von Joseph Beuys am Düsseldorfer Drakeplatz – und nicht zuletzt sein eigenes Wohnhaus im Kölner Bezirk Rodenkirchen.
In der Regel sind seine Papierarbeiten menschenleer. In ihrer gespenstischen Weiße gleichen sie Geisterhäusern. Deren Räume und Ausstattung entwickeln ein magisches Eigenleben. Mobil nur mit den Augen, so durchmisst man diese wie Traumszenarien wirkenden Interieurs. Beim imaginären Rundgang richtet man den Blick empor zu Decken und Gewölben, mustert auch die Bodenkacheln, die Schubert gern in Schachbrettform auslegt, tritt durch Türen, durchschreitet schier endlose Korridore, wandelt auf großzügigen Freitreppen majestätisch empor, zwängt sich steile Stiegen hinauf und gelangt in Spiegelkabinette, Bibliotheken oder Schlafzimmer.


Die Innenräume, die Schubert mit seinen Papierfaltungen flächig nachmodelliert, haben meist keine realen Vorbilder. Doch es gibt Ausnahmen. So hat er 2010 die kriegszerstörte spätgotische Erasmuskapelle im Berliner Stadtschloss im Medium der Kunst rekonstruiert [3]
Das brillante Schlingrippengewölbe aus den 1540er-Jahren gilt als Höhepunkt spätgotischer Steinmetzkunst. Der Künstler stellte sich der Herausforderung, die profilierten Steinrippen, die sich in verwegenen Windungen über- und unterschneiden, im Medium der Faltung nachzubilden – und er bestand diese Herausforderung mit Bravour.
In die Welt der Schlossarchitektur entführt auch o. T. (großes Treppenhaus) von 2024 [4]. Die grandios-repräsentativen Treppenhäuser des Barock üben auf Schubert eine besondere Anziehungskraft aus. Vielleicht kein Zufall, dass Schloss Augustusburg in Brühl mit dem Prunktreppenhaus von Balthasar Neumann bloß wenig mehr als zehn Kilometer von seinem Atelier entfernt liegt. Zwar vergegenwärtigt großes Treppenhaus in detaillierter Weise die zeremonielle Bühne für höfische Auftritte, wie sie das Barockzeitalter liebte. Doch von Pomp und Prachtentfaltung ist die menschenleer-minimalistische Darstellung weit entfernt. Vielmehr gibt Askese den Ton an.
Rätselhafte Räume, wunderliche Spiegelungen und langgedehnte Enfiladen fordern die Wahrnehmung in einem nahezu zwei Meter breiten Querformat von 2022 heraus (o. T. (gespiegelte Korridore) [5]). Obwohl die Komposition mit ihren Vertikalen, Horizontalen und perspektivischen Fluchtlinien ein penibles Ordnungssystem durchexerziert, eignet dem Ganzen etwas Traumverlorenes und Labyrinthisches. Leicht kann man sich darin mit den Blicken verlieren. Wo endet der reale Raum, wo beginnt dessen Spiegelung? Diese Frage stellt sich auch bei der Arbeit o. T. (Licht auf Spiegel und Bildern) [6]. In o. T. (Licht in Räumen) von 2023 [7] geraten wir in den Sog eines schier endlosen Korridors. Hier wird das wandernde Tageslicht zum eigentli-

chen Gestalter. Die Schattenfugen an den Falzkanten erzeugen eine dichte Atmosphäre und Plastizität.
Als Gegenpol zu den rein weißen Papierfaltungen lassen sich die Grafitreibungen ansehen – sie machen ebenfalls einen wichtigen Teil seines Œuvres aus. Leere Räume stehen auch hier im Vordergrund. Und auch hier verzichtet der Künstler auf eine Zeich-


nung im herkömmlichen Sinn. Um mit diesem Verfahren – tendenziell düstere – Räume zu erschaffen, verwendet Schubert vielmehr Pigmente, die er mit Küchenkrepp oder Filz in den Papierkörper einreibt [8][9][10]. Das Ergebnis: samtweiche, mitunter nebelartige Texturen – Leonardos Sfumato, eine Malweise „ohne Linien oder Grenzen, wie Rauch“, lässt grüßen.
Doch eignen sich die Grafitreibungen auch für dramatische Ef fekte. So beschwört das Blatt o. T. (brennendes Fenster 1) [11] das Inferno lodernder Flammen herauf. Paradoxerweise geschieht
das dadurch, dass Schubert das Feuer selbst nicht explizit wiedergibt, sondern die weißen Stellen des Blattes ausspart oder Grafit wieder abträgt.
Bei neueren Arbeiten (beispielsweise bei der 2025 entstandenen Serie Raumspiegel) kommen sogar Pigmente zum Einsatz, die während des Einreibens ihre Farbe verändern [12]. „Ein fast alchemistischer Prozess“, so Fritz Emslander, der im vergangenen Jahr eine Ausstellung von Simon Schubert in der Wiener Galerie Krobath kuratiert hat.

Darüber hinaus schuf Schubert Modelle fiktiver Häuser wie das grafitüberzogene Haus Ascher oder das keramische gebrannte Haus. Doch ist das Haus für ihn mehr als ein favorisiertes Motiv – es ist eine Metapher, mit der sein gesamtes Schaffen gemeint ist. „Fast alle Werke können als Teil dieses fiktiven, sich stetig erweiternden Gebäudes verstanden werden“, erklärt Simon Schubert. „Die Bilder sind Blicke in das Gebäude, Skulpturen und Figuren sind Teil des Interieurs und die begehbaren, installativen Falträume sind tatsächlich betretbare Räume dieses Gebäudes.“
Ein sich künstlerisch offenbarendes Gedankengebäude also, das mit jeder neuen Arbeit von Schubert expandiert. Und im Grunde als Seelenerkundung in eigener Sache aufzufassen ist – der Künstler selbst versteht „die Interieurs tatsächlich als psychische Innenräume, die auf Licht und Schatten reduziert sind“. Zugleich ordnet er seine Arbeiten in einen erweiterten, ja kosmologischen Kontext ein: „Wenn man den Ursprung des Lichts ein paar Schritte zurückdenkt über die Entstehung unseres Sonnensystems bis hin zum Urknall, ist es ein tröstlicher und verbindender Gedanke, dass das Licht durch physikalische Prozesse Bilder in uns erzeugt.“
Wann ist ein Mensch ein Mensch?
Besonders deutlich wurde dieser ganzheitliche Ansatz unlängst in Schuberts Ausstellung „Lichtlinien“, die bis Ende Januar in der Düsseldorfer Brunhilde Moll Stiftung zu sehen war. Im ehemaligen Atelier von Joseph Beuys am Drakeplatz 4 zeigte der Künstler unter anderem sein Selbstportrait (2015) – es war im vergangenen Jahr auch Teil der Wiener Ausstellung „The Manifold Self“ [13] Wohl eine der eigenwilligsten Selbstdarstellungen der Kunstgeschichte. Frei nach Herbert Grönemeyer gerät man vor dem Objekt ins grundsätzliche Grübeln: Wann ist ein Mensch ein Mensch?
In einer zierlichen Tischvitrine, deren gedrechselte Balusterbeine einen eigenartigen Kontrast zu dem sachlich-strengen Korpus bilden, befinden sich etliche Gaszylinder, Glasflaschen, Phiolen und Reagenzgläser. Deren Inhalt: die chemischen Elemente, aus denen ein menschlicher Körper besteht (von Kohlenstoff bis Schwefel). Dabei entsprechen die Mengen der abgefüllten Substanzen exakt den Anteilen, die Schubert durch Analyse von Körper und Gewicht für sich selbst ermittelt hat. Ein „Bausatz des Lebens“ – wohl nicht von ungefähr verweist diese Formulierung von Fritz Emslander auf die Sphäre des Bauweltlichen. Zugleich, paradox, lässt die Vitrinenform des Selbstportraits an einen gläsernen Sarg denken, ruft mithin Assoziationen an Memento mori und Tod hervor.
Obwohl Simon Schubert die Kunstakademie Düsseldorf erst drei Jahrzehnte nach der dortigen Lehrtätigkeit von Joseph Beuys besuchte, spielt der Künder des erweiterten Kunstbegriffs für ihn eine ganz besondere Rolle. „Für mich war er wie ein Türöffner –jemand, der mir klargemacht hat, dass man Kunst auch in eine ganz andere Richtung denken kann.“ So war es ihm ein Anliegen, dass seine allererste Skulptur zu den Exponaten der „Lichtlinien“-Ausstellung im einstigen Beuys-Atelier gehörte. „Der Gedankenschutzhelm stammt aus meinem ersten Jahr an der Akademie“, berichtet Schubert. „Ich habe meinen eigenen Kopf abgeformt, eine Konstruktion aus Hasendraht gefertigt und das Wachs schichtweise aufgebracht. Allein schon das Material bietet eine Verbindung zu Beuys – optisch erinnert der Helm ein bisschen an dessen Fettskulpturen. Für mich ist diese Arbeit ein Schlüsselwerk, weil sie den Sprung vom Tafelbild zur Skulptur markiert – wichtig auch, dass es sich um ein benutzbares Kunstwerk handelt.“
Im Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik, das zum Clemens Sels Museum Neuss gehört, zeigt der Künstler bis zum 12. April 2026 mit der Ausstellung „Untiefen des Raums“ Flagge. Dort hat er den Dialog mit der Architektur noch entschiedener, noch eindrucksvoller vorangetrieben. Auf die begehbare Architekturskulptur des dänischen Künstlers Per Kirkeby reagierte Schubert, indem er das Innere in einen „White Cube“ aus weißem gefaltetem Papier verwandelte. Mit über sieben Metern Länge handelt es sich um seine bislang größte Papierfaltung. Ein komplexes Konstrukt aus Fluren, Fluchten und verzerrten Perspektiven, das die Architektur des Museums spiegelt und illusionistisch erweitert [14]
Das Herzstück der Installation ist eine monumentale, begehbare Papierskulptur. Ein „Raum im Raum“, wie der Künstler ausführt. Das fünf Meter hohe Polyeder hat er mit Grafitpulver beschichtet. Weil Simon Schubert einen Hang zur Philosophie hat, geht man wohl nicht fehl in der Annahme, dass er sich mit diesem Objekt – zumindest von ferne – auf Platon bezieht. Schließlich hat der griechische Vordenker in seinem Dialog „Timaios“ die vier Elemente des Empedokles (Feuer, Wasser, Luft und Erde) in kühner Analogie geometrischen Polyedern zugeordnet.
Wer die „Untiefen des Raums“ zu Hause erkunden möchte, der kann eine auf 50 Exemplare limitierte und signierte Edition im Maßstab 1:20 vor Ort erwerben oder in der Kölner Galerie Martin Kudlek, die Schubert vertritt. Auf der Website des Clemens Sels Museums steht ein Schnittbogen des „DIY Polyeders“ sogar als PDF-Download zur Verfügung.

Das Licht- und Schattenreich, das Schubert in seinen Papierfaltungen und Grafitreibungen hervorzaubert, hat bei Kunsthistorikern und Journalisten etliche Assoziationen ausgelöst, die vornehmlich in der Zone des Mysteriösen und Abgründigen angesiedelt sind. Im Katalog der Werkübersicht „Schattenreich“, seiner bislang größten Ausstellung, gezeigt 2019 im Museum Morsbroich in Leverkusen, hat Amely Deiss für solche Querverbindungen und Wahlverwandtschaften eine schöne, poetische Formulierung gefunden: „Wir atmen Lynch ein und Magritte aus.
M. C. Escher läuft durchs Bild, Samuel Beckett und Edgar Allan Poe fahren auf dem Hochrad von links nach rechts und jonglieren dabei Sonne, Mond und Sterne.“
Von den verstörenden weißen Räumen in Stanley Kubricks „Odyssee im Weltraum“ über dessen Hotel-Horrorklassiker „The Shining“ bis hin zu David Lynchs surrealistischen Filmsets reicht diese Kette der Gedankenverknüpfungen. Eine Sichtweise, die durchaus im Einklang mit Simon Schuberts Kunstwollen steht: „Das Morbide oder besser das Unheimliche und Geheimnisvolle ist eigentlich Teil aller meiner Arbeiten und begründet sich viel-
Ausstellungsansicht „The

leicht auch in metaphysischen und physikalischen Überlegungen – und vermutlich auch mit einem persönlichen Interesse für das Unerklärliche.“
Freilich warnt er davor, seine Kunst als Erfüllungsgehilfen von etwas anderem zu vereinnahmen, sie mit (vermeintlich) korrespondierenden Ideen und Phänomen aus Philosophie, Literatur oder Film am Ende zu überfrachten: „Es geht mir nicht um die Illustration philosophischer Theorien – vielmehr beziehe ich daraus Ideen und Inspirationen, die sich mit anderen Einflüssen verbinden.“
„Es geht mir nicht um die Illustration philosophischer Theorien – vielmehr beziehe ich daraus Ideen und Inspirationen, die sich mit anderen Einfüssen verbinden.“
Simon Schubert
Ausstellungsansicht „The

Ausstellungsansicht „Untiefen des Raums“,
Dass Simon Schubert es nun in die Endrunde eines Preises für Zeichenkunst geschafft hat, obwohl er doch gar nicht zeichnet, das ist kurios – und verdient zugleich. Bekanntermaßen überschreiten zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler, die sich in diesem Medium ausdrücken, oft die Grenzen traditioneller Materialien und Techniken. Bisweilen wird gar als Beitrag zur Zeichnung etikettiert, was zutreffender dem performativen oder installativen Genre zugewiesen werden sollte. Anders bei Schubert, der zwar keine Striche und Linien mit dem Stift aufs Papier bringt, dessen Papierfaltungen und Grafitreibungen aber den Geist der Grafik atmen.
Die Pariser Sammlerfamilie Daniel und Florence Guerlain, die den Prix Guerlain 2006 aus der Taufe gehoben hat und die Auszeichnung jährlich vergibt, hat sich dem Credo verschrieben, Zeichnung sei „das Medium, das dem Gedanken am nächsten kommt“. Für Simon Schuberts Kunst, die ebenso geistreich wie sehenswert ist, trifft dieser Anspruch unbedingt zu. Nominiert für den Prix de dessin de la Fondation d'art contemporain Daniel et Florence Guerlain (so der vollständige Name) sind neben Schubert die französische Künstlerin Cathryn Boch und die niederländische Zeichnerin Renie Spoelstra. Der Gewinner erhält ein Preisgeld von 15.000 Euro, die beiden anderen Finalisten müssen sich mit je 5.000 Euro begnügen. Dass traditionell ein Werk des Siegers in die Sammlung des renommierten Centre Pompidou aufgenommen wird, verleiht der Ehrung zusätzlichen Reiz. Die Entscheidung fällt Ende März. Dürfte Simon Schubert, der Faltvirtuose, der Magier im Schattenreich der Zeichnung, das Goldtreppchen des Prix Guerlain besteigen, so wäre das – ohne den beiden Konkurrenten zu nahe treten zu wollen – hochverdient.#
Jörg Restorf
Simon Schubert
1976 geboren in Köln
1997–2004 Studium Freie Kunst / Bildhauerei bei Irmin Kamp an der Kunstakademie Düsseldorf
2001–2004 Assistent von Paul Good, Lehrstuhl für Philosophie an der Kunstakademie Düsseldorf
2018 „Durch endlose Flure“, Cuxhavener Kunstverein
2019 „Schattenreich“, Museum Morsbroich, Leverkusen
2022 „The Architecture of Shadows“, Galerie Martin Kudlek, Köln
2022 „Refexionen“, Galerie Thomas Modern, München
2022 „Lucide“, Villa Rudolf Zwirner, Berlin
2024 „Simon Schubert. Elementalraum“, Galerie Martin Kudlek, Köln
2025 „Simon Schubert. Das mannigfaltige Ich / The Manifold Self – curated by Fritz Emslander“, Galerie Krobath, Wien
2025 „Untiefen des Raums“, Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafk (Clemens Sels Museum), Neuss
2025 „Lichtlinien“, Brunhilde Moll Stiftung, Düsseldorf
November 2026
Neue Werke Simon Schubert
Galerie Martin Kudlek, Köln

Geschichte einer (so ziemlich) erfolgreichen Idee
„Ein Museum ist eine nicht gewinnorientierte, dauerhafte Institution im Dienst der Gesellschaft, die materielles und ideelles Erbe erforscht, bewahrt, interpretiert und ausstellt. Öffentlich zugänglich, barrierefrei und inklusiv, fördern Museen Diversität und Nachhaltigkeit. Sie arbeiten und kommunizieren ethisch, professionell und partizipativ mit Communities. Museen ermöglichen vielfältige Erfahrungen hinsichtlich Bildung, Freude, Reflexion und Wissensaustausch.“1
Klingt super, an alles scheint gedacht. Hier kann ja wirklich jeder und jede zufrieden sein, oder? Aber verblüffend, es mischen sich unüberhörbar auch schrille Töne in die allseitige Harmonie. Wie etwa diese:
„Wir wollen die Museen, die Bibliotheken und die Akademien jeder Art zerstören. (…) Museen: Friedhöfe! (…) Museen: öffentliche Schlafsäle, in denen man neben verhassten oder unbekannten Wesen schläft! Museen: absurde Schlachthöfe der Maler und Bildhauer, die sich gegenseitig, wild mit Farben und Linien entlang der umkämpften Ausstellungswände abschlachten!“2
Tatsächlich ziehen sich beide Positionen durch die Geschichte der Institution Museum, begeisterte Zustimmung wie extrem kritische Haltung. Die Anhänger haben die seit längerem stetig steigenden Besucherzahlen als Argument auf ihrer Seite, unter den Kritikern dagegen sind die Künstler besonders lautstark, wie obiges Zitat von Filippo Tommaso Marinetti (1876–1944) belegt. Also: Auf ins Museum oder weg mit dem Ding? Klarheit schaffen kann vielleicht ein Blick in die Geschichte dieser Einrichtung.
Die Ursprünge finden sich, wie so oft, bei den alten Griechen: Dort war ein Museion ein Ort, an dem die personifizierten Schutzgöttinnen der Künste verehrt wurden. Die kultische Handlung, etwa am berühmten Museion in Alexandria, einem der geistigen Zentren der Antike, ging oftmals einher mit forschender Gelehrsamkeit, denn, vergessen wir nicht, die antike Kultur und ihr Begriff von Kunst gründete auf den text- (oder auch musik-) basierten Fächern, nicht aber auf den als inferior angesehenen, handwerklich quasi kontaminierten Bereichen. Malerei, Zeichnung, Bildhauerei etc. konnten nicht so ohne Weiteres auf göttlichen
[1] Licht und Schatten im Portikus der Glyptothek in München, © Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek, Foto: Wolfram Kastl.

Beistand zählen! Logisch daher, dass mit Museion oft auch Bibliotheken gemeint waren, eine Begrifflichkeit, die sich noch weit in die Renaissance hinein findet. Nichtsdestoweniger allerdings sammelten Reiche und Herrschende Bildwerke der verschiedensten Gattungen, um ihre Häuser auszuschmücken und Besucher zu beeindrucken. Dergleichen private Prestigepflege hatte freilich mit unserem Begriff des Museums nichts zu tun, wozu ganz wesentlich der öffentliche Zugang zählt. Das moderne Konzept eines Museums als Institution, die für einschlägig interessiertes Publikum eine Sammlung von Kunstwerken bereithält, entsteht erst im 18. Jahrhundert, gelegentlich nach Sammlungsgebiet auf-
geteilt in spezifische Pinakotheken, die Bildersammlungen, und Glyptotheken für die Bildhauerei. Der Weg zum modernen Kunstmuseum aber führt historisch gesehen noch über einen Umweg.
Waren während des europäischen Mittelalters die Künste strikt funktionalisiert, im christlichen Kultus eingebunden, so ändert sich das an dessen Ausgang. Das Museion taucht wieder auf, meint aber in der Sprache der Humanisten, die jetzt den gesellschaftlichen Diskurs bestimmen, so etwas wie ein Studierzimmer, einen

möglicher Objekte aus den verschiedensten „Reichen“: Pflanzenwelt, Tierwelt, Mineralien, Erzeugnisse menschlichen Geschicks nebst Werkzeugen.3 Kunstwerke gehören dazu, solche aus der jeweiligen Gegenwart wie auch aus der Vergangenheit: Das Ganze ist hochgradig artifiziell, aber nicht historisch oder anders systematisch gedacht. Es ist ästhetisch oder besser: assoziativ, eine Art magisches Weltmodell. Die Wunderkammer ist eine Vorform des modernen Museums, aber immer noch mehr oder weniger exklusiv nur für Eingeweihte zugänglich. Das ändert sich im 18. Jahrhundert.
Aufklärung ist die neue Devise. Das Denken wird systematisch und, eine völlig neue Qualität, „hi storisch“: die Vorstellung, dass sich menschliches Leben in Geschichte abspielt, verschiedene historische Epochen aufeinander folgen – und dass man in dieser Abfolge etwas aufheben sollte. Die sprichwörtlich gewordene Vermessung der Welt nimmt ihren Lauf. Hier hat das Museum seinen Platz. Aber noch ein entscheidender Aspekt kommt hinzu, der der Wunderkammer wie auch der altgewohnten herrscherlichen Kunstsammlung, die nicht nur der privates ästhetisches Anliegen, sondern auch politisches Instrument ist, gefehlt hatte: die erzieherische Funktion. Sammlung, Schaustellung, Ordnung: In dieser so logischen Reihung ist allerdings notwendig auch der komplementäre Aspekt der Ausschließung indirekt enthalten: Was gezeigt und was eben nicht ge zeigt wird.
Mit dem aufklärerischen Konzept sind wir tatsächlich schon ganz nah am modernen Museum. Den Übergang demonstriert schließlich eine damals entstandene Institution, die heute noch zu den berühmtesten Museen der Welt zählt: Das Britische Museum in London. Es verweist mit seinem Ursprung noch in die Zeit des wilden Sammelns. Der Arzt und Naturwissenschaftler Sir Hans Sloane vermachte 1753 seine riesige private Sammlung von Büchern, Naturpräparaten und Kunstwerken dem Staat. So entstand eines der ersten öffentlichen Museen überhaupt.
Lese- und Schreibort. Das „Studiolo“ ist ein oft ziemlich kleiner Raum, voller Bücherregale die raumgewordene Idee der Konzentration. [2] Ausgestattet ist es mit Intarsien, Malerei oder auch gegenständlichen Studienobjekten aus der Welt der Natur, die der wissenschaftlichen Untersuchung wie der kontemplativen Reflexion dienen. In der Malerei findet sich ein solcher Raum in zahlreichen Darstellungen des Hieronymus im Gehäus. [3] Obschon eigentlich religiös ausgerichtet, also auf die Welt des Geistlichen und Geistigen, finden sich doch auffällige Requisiten jenseits der Bücher, getrocknete Früchte etwa. Es entwickeln sich nun die fürstlichen oder privaten Wunderkammern, Sammlungen aller [3] Albrecht Dürer, Hl. Hieronymus im Gehäus, Kupferstich, Foto: Wikimedia Commons.

Reichte zunächst ein umgenutztes Herrenhaus, wurde doch bald, angesichts der nun systematisch weitergeführten Sammlungstätigkeit, ein dezidierter Neubau nötig. Der eigens als Museum entworfene Komplex wurde 1846 am heutigen Standort eröffnet. Die Enlightenment Gallery im Seitenflügel [4] beschwört mit ihrem Arrangement von Literatur und antiken Fundstücken noch einmal die Atmosphäre des 18. Jahrhunderts herauf, indem Kennerschaft und ästhetische Lust zusammenkommen: römische Vasen sind nur partiell antik, verdanken ansonsten ihre Erscheinung aber der frei fantasierenden Kompilation (eines Piranesi etwa). Man könnte sagen, eine Ahnung der Wunderkammer mit ihrem Stich ins Fantastische ist zu verspüren … Kein Wunder, war der 1660 geborene Sloane ja tatsächlich noch ein Mensch des 17. Jahrhunderts gewesen. In diesen Räumen thematisiert das Britische Museum seine eigene Vorgeschichte, aus der in der Folgezeit ein umfassender, ja universalistischer Anspruch erwächst.
Die naturkundlichen Teile der Sammlung wurden irgendwann ausgelagert, so entstand das Museum of Natural History, die Druckwerke bildeten den Grundstock der British Library. Geblieben aber ist das stolze Motto des Hauses im Stadtteil Bloomsbury: „Collecting the world“! In einer Dauerausstellung von Millionen von Objekten wird die Kulturgeschichte der Menschheit präsentiert – für die Menschheit. Das Publikum reagierte begeistert und tut das bis heute: Regelmäßige Besucherzahlen von alljährlich bald 6 Millionen deuten auf die Stimmigkeit des Konzepts. Das aufklärerische Pathos hat freilich in der Zwischenzeit erhebliche Sprünge bekommen: Die Umstände der Erwerbung einzelner Sammlungsobjekte oder gar ganzer Komplexe sind durchaus kontrovers. Die im Britischen Museum gezeigten Giebelfriese des Parthenon etwa sind seit längerem Gegenstand hitziger Rückgabediskussionen, die hier nicht weiter diskutiert werden können. Eigentlich gehört ja zum Anspruch dieses Museums

(wie der allermeisten), dass Originale für die Entfaltung der Wirkung eines Kunstwerks – die berühmte Aura – unersetzlich seien, aber vielleicht sind hier doch Abgüsse eine Lösungsmöglichkeit …
Nationalgefühl führt bei den zahlreichen, im späteren 19. Jahrhundert errichteten Museumsbauten zur Bevorzugung eines gotischen oder romanischen Stils (beim erwähnten Museum of Natural History etwa oder beim Victoria & Albert Museum). Ähnliche Tendenzen finden sich auch in Deutschland, wobei der Streit der Richtungen bis zur Moderne nie ganz endgültig entschieden wird.
Wo wir schon von Anspruch reden: da wäre unbedingt noch einzugehen auf die Architektur des Londoner Museums. [5] Ein mehrflügeliger Bau mit einer gewaltigen Tempelfront in der Mitte und seitlichen Portiken: Ein Musterbeispiel des Klassizismus also, architektonischer Ausdruck des Bezugs aller europäischen Kultur auf die Antike. Ein genauerer Blick auf den Bauzeitraum ist da allerdings interessant, denn die Planungen begannen in den 1820er-Jahren und da galt obiges noch ganz fraglos. Das ändert sich aber wenig später: Ein sich nun schärfer definierendes [5] British Museum, Außenansicht Innenhof mit Forster-Überdachung, Foto: iStock/Michael Mulkens.
Beispiel München: Auf die Glyptothek [6] – sie verdankt ihren klassizistischen Stil natürlich auch dem Sammlungsthema, der antiken Plastik – folgt die Pinakothek [7], stilistisch irgendwo zwischen Romanik und Renaissance zu verorten. Auffällig, dass beide Bauten mit nur geringem zeitlichem Abstand errichtet wurden: die Glyptothek am Königsplatz 1816–30, die nahgelegene Gemäldegalerie 1826–36. Und: Beide stammen von ein- und demselben Baumeister, Leo von Klenze! Stilpluralismus ist das Motto


des 19. Jahrhunderts. Mit der Pinakothek, historische Bauform hin oder her, errichtete Klenze übrigens einen den technisch modernsten Museumsbauten seiner Zeit, was Belichtung und Erschließung anlangte.
Erschließung – das ist ja nicht nur die Zugänglichkeit im Baulich-Konkreten: Eingänge, Treppen, Säle etc. Sondern auch die zentrale Frage: Was wird gezeigt und wie? Denn, klarer Fall, in den meisten Museen kann allein aus Platzgründen nur ein recht kleiner Teil des gesamten Sammlungsbestandes zu einem gegebenen Zeitpunkt gezeigt werden. Nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl? Wer hat hier das Sagen? Darüber hinaus: In welcher Ordnung, in welcher Präsentationsform sind die Ausstellungsstücke in den Sälen zu sehen? Das wissenschaftliche Denken, das sich mit der Aufklärung eingebürgert hatte und in der Folge noch weithin differenzierte und systematisierte, führt zu immer weiter spezialisierten Museen und zum anderen, innerhalb eines Hauses, zur Ordnung der Bestände, nach logisch erscheinenden Prinzipien. Das ist, zum Beispiel bei den Kunstmuseen, die uns hier vordringlich interessieren, die Sortierung nach der Chronologie und, unter gelegentlicher Überschneidung, nach nationalen „Schulen“. Das erinnert durchaus an die Einführung der Taxonomie, der botanischen Klassifizierung, und tatsächlich, kein Zufall,
[6] oben: Die Glyptothek am Königsplatz ist Münchens ältestes öffentliches Museum und ein Meilenstein der klassizistischen Architektur von Leo von Klenze. Unten: In der Glyptothek stehen antike Marmorstatuen wie der „Knabe mit der Gans“ unter den monumentalen Ziegelgewölben,
© Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek, Fotos: Wolfram Kastl.

Sloane, der Stammvater des britischen Museums, stand in Korrespondenz mit deren Begründer Carl von Linné. Waren einst die Sammler der Kuriositätenkabinette auf das Merkwürdige, das Sensationelle scharf gewesen, so steht stehen jetzt die Objekte im Grunde gleichwertig nebeneinander als Belege einer Entwicklungsreihe. Wissenschaftliche Erkenntnisse und entsprechende systematische Organisation sind nun das Leitprinzip, das eigentlich keine Wertung kennen dürfte: Dem forschenden Archäologen ist ein Nachttopf im Prinzip nicht weniger wert als eine Königskrone, gibt er doch möglicherweise Zeugnis ab über die Ernährungsgewohnheiten einer Zeit. „Der wissenschaftliche Geist war bereit, die Welt zu erobern, eine Ordnung zu finden oder zu erfinden und ein Universum zu erträumen, in dem jedes Wunder sein lateinisch beschriftetes Etikett besaß“, so beschreibt der Historiker Philip Blom das angesagte Programm.4 In der pointierten Beschreibung wird aber auch deutlich, dass die Einführung der Ordnung zwar eine Art von Logik besaß, diese aber nicht die einzig mögliche Logik war. Denn natürlich waren auch die neuen, wissenschaftlich grundierten Museen darauf aus, ihre Säle möglichst mit bewunderten Spitzenwerken zu füllen. Nur, dass mit den Zeitläuften eben die Bewertung, was denn nun eigentlich ein ultimatives Meisterwerk sei, sich durchaus einmal kräftig verändern konnte.

[7] Alte Pinakothek, Eingangstür. Unten: Alte Pinakothek, Treppenaufgänge im Foyer, © Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, Fotos: Haydar Koyupinar.




Der Museumstypus Nationalmuseum, zu dem das Londoner Britische Museum gehört wie auch die National Gallery am gleichen Ort (oder auch das New Yorker Metropolitan Museum) unterstreichen ihre prinzipielle Offenheit für den interessierten Bürger oft durch kostenlosen Eintritt. Im Grunde wird an diesen Häusern das bis heute gültige Konzept des Museums schlechthin definiert: eine der allgemeinen Öffentlichkeit zugängliche, repräsentative Sammlung zu Kunst, Naturwissenschaft, Kultur oder Technik. Zum Kerngeschäft gehört neben Präsentation (und Konservierung) auch die Forschung und ihre Publikation sowie die Kooperation mit anderen Museen.
Eine „Freistätte für Kunst und Wissenschaft“ (so 1841 Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV.) sollte auch die Berliner Institution werden, die wir heute kurzweg als Museumsinsel kennen. Es war die Anerkennung von Kunst und Wissenschaft als legitime und (in gewissen Grenzen) selbständige gesellschaftliche Kraft, eine Auffassung, die sich auch räumlich ausdrückte in den vier Seiten des Lustgartens: Schloss, Zeughaus, Kirche, Museum. Schinkels (Altes) Museum, eröffnet 1831, ist mit seiner antikischen Säulenfront und seiner dem Pantheon nachempfundenen
[8] Neues Museum, [9] Alte Nationalgalerie, [10] Bode-Museum, Fotos: Museumsinsel Berlin, © Staatliche Museen zu Berlin/David von Becker. [11] Südflügel des Pergamonmuseums, rechte Seite James-Simon-Galerie, Museumsinsel Berlin, © Stiftung Preußischer Kulturbesitz/Stefan Müchler.
Kuppel ein Gründungsbau des deutschen Klassizismus, dennoch aber modern und funktional gedacht, schaut man etwa auf die Belichtung rückwärtiger Ausstellungssäle über zwei Innenhöfe. Die im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts in rascher Folge in diesem Raum entstandenen Einzelmuseen – das Neue Museum (Eröffnung 1859) [8], die Nationalgalerie (1876) [9], das BodeMuseum (1904) [10], schließlich 1930 das Pergamonmuseum [11], sind Beispiele für die zunehmende fachliche Ausdifferenzierung, die das wissenschaftliche Museumskonzept mit sich brachte. Das aber war in Berlin nicht immer so gewesen, denn anders als die erwähnten Museen in London und New York, von vornherein als öffentliche Museen, als kultureller Fokus der Zivilgesellschaft gemeint, war die Berliner Sammlung zunächst einmal eine königliche Angelegenheit. Insofern war sie nur einem sehr kleinen höfischen Kreis zugänglich und diente ansonsten, neben dem kultiviertem Privatvergnügen des jeweiligen Souveräns, vor allem als Mittel, diplomatisch Eindruck zu machen. Erst allmählich, in der Entwicklung eines bürgerlichen Nationalstaates, verschiebt sich Verantwortlichkeit und Ausrichtung.
Eine solche Verschiebung, ungleich abrupter jedoch, vollzog sich auch in Paris. Der Louvre [12], das in der Stadtmitte gelegene Königsschloss, beinhaltete selbstverständlich seit je auch Kunstbesitz, der als königliches Eigentum ähnliche Aufgaben innehatte, wie eben für Berlin skizziert. Die Revolution jedoch änderte das mit einem Federstrich: War es während des Umsturzes noch zur massenhaften Zerstörung von Kunstwerken gekommen, besinnen sich die Revolutionäre schnell eines Besseren. Genau ein Jahr nach Ende der Monarchie eröffnet im Louvre das „Zentrale Kunstmuseum der Republik“. Die Bestände stammen aus ehemaligen königlichem und aus konfisziertem Kirchenbesitz. Ein riesiger royaler Palast, der zum Inbegriff des modernen Kunstmuseums in öffentlicher Trägerschaft wurde. Gigantische Besucherzahlen auch hier: Auf über 70.000 Quadratmetern tummeln sich per anno heutzutage bald 10 Millionen (!) Besucher.
Was als ultimative Erfolgsgeschichte wahrgenommen werden kann, hat allerdings auch
Schattenseiten: Das Gedränge verhindert zuverlässig die konzentrierte Betrachtung einzelner Werke (und nicht nur der Mona Lisa). Ohnehin scheint sich der Sozialtypus des durchschnittlichen Besuchers verändert zu haben: Statt des bestrebten Bildungsbürgers, gar des elitären Connaisseurs von einst, nutzt der heutige Besucher offenbar Himmelfahrten wie Höllenstürze gern als geeigneten Hintergrund für fotografische Selbstporträts. Manche Museen schrecken nicht einmal davor zurück, schon an der Kasse Hinweisschilder zu platzieren, wo sich im Hause die optimale Selfie-Location findet … Vielleicht wäre hier eine Beobachtung zur neueren Museumsarchitektur passend: Während die älteren Bauten in der Regel stark aufgesockelt sind, was Gelegenheit zu eindrucksvollen Treppen bietet [11], sind die aktuellen meist ebenerdig betretbar. Kein mühsamer Aufstieg zur Bildung und zur Kunst also, diese sind vielmehr Teil von Jedermanns Leben. Die heute oft übliche Lautstärke in Museumsräumen spricht eine nicht zu überhörende Sprache …

Mitunter stellt sich die Frage, ob nicht manche moderne Museumsgebäude der dort ausgestellten Kunst die Schau stehlen.

Bevor wir allzu sehr in kulturkonservative Trübsal verfallen, noch ein Blick auf einen anderen legendär berühmten Musenort, die Vatikanischen Museen. Einen Palast, aus dem ein Museum wurde, hatten wir beim Louvre gesehen. Das gilt in Rom auch, aber doch anders akzentuiert. Denn die französischen Könige sind ein Fall für die Geschichtsbücher, der Papst aber regiert und residiert noch – und zwar im vatikanischen Palast, einem Baukomplex, zu dem auch Museen gehören. Die grandiose Sammlung hatte ursprünglich die nämlichen diplomatischen Funktionen, die wir anderswo schon betrachtet haben. Etwas anderes kam hinzu: Die Päpste verstanden sich in Renaissance und Barock als berufene Nachfahren der römischen Kaiser – von daher waren die Ausgrabungen antiker Kunstwerke zu dieser Zeit und ihre Verbringung in den palasteigenen Museumskomplex eine Sache der handgreiflichen Legitimation. Exponate und Museumsbauten verschmelzen zum imposanten Gesamtwerk. Moderne Päpste sind nun zwar von diesem Anspruch abgerückt, ihr Museum aber ist auch heute kein bloß profanes. Die Sixtinische Kapelle beispielsweise, wo sich Michelangelos Fresken befinden, ist nicht nur Ort der Papstwahl, sondern eine in Nutzung befindliche päpstliche Kapelle. Im ak tuellen Museumsführer des Hauses findet sich eine bemerkenswerte Äußerung von Benedikt XVI., dem Vorvorgänger des derzeitigen Papstes: Aus der Tatsache, dass ein erheblicher Prozentsatz der heutigen Museumsbesucher nicht christlich sei (oder überhaupt irgendwie gläubig), ergebe sich, dass gerade deshalb das Museum „unter dem Gesichtspunkt der christlichen Botschaft (…) mit außerordentlicher Ver antwortung (…) betraut“ sei.5 Der barocke Vorgänger Benedikt XIV. freilich konnte – in der Inschrift über dem Eingang zum Museo Christiano – noch richtig aus dem Vollen schöpfen: „Ad augendum Urbis splendorem et asserendam religionis veritatem“!6 Also die Aufgabe der päpstlichen Kunstsammlungen, den Glanz der Stadt zu vermehren und die Wahrheit der Religion zu bestätigen …
Für den Glanz der Stadt erwiesen sich interessanterweise gerade die Kunstmuseen im 20. Jahrhundert auch auf profanem Boden als wirk-
mächtige Booster: weltliche Kathedralen, zu denen man pilgert. Das Guggenheim Museum in New York wurde mit dem markanten Rundbau von Frank Lloyd Wright (1959) selbst zum weltberühmten Markenartikel, bei dem die Exponate fast sekundär sind. Kritik, dass das Museumsgebäude der dort ausgestellten Kunst die Schau stehle, wurden gleichfalls in Bilbao [13] laut: Frank O. Gehrys (1997) wild gekurvter Bau ist selbst schon begehbare Skulptur – und braucht eigentlich keine Kunst mehr. Trotzdem oder gerade deshalb, die Besucher stehen Schlange.
Museen bewahren Geschichte und sind selbst Teil der Geschichte – und oft erzählen sie ganze Geschichten, kollektive und persönliche. Als Ausklang hier noch zwei (Lieblingsmuseen des Autors …), die das auf sehr besondere Weise tun. Eines in Berlin: Aus der Kriegsruine des Neuen Museums hat der Architekt Sir David Chipperfield mit großem Gespür und Taktgefühl ein 2009 wieder geöffnetes Haus gebaut, das seine historischen Wunden nicht versteckt. Im Gegenteil, die altägyptischen Sarkophage, die zerfallenen Wandbilder aus dem 19. Jahrhundert und die modernen Einbauten lassen im Konzert mit- und gegeneinander, ganz ohne modischen „Lost Place“-Schick, Geschichte spüren. Triumphzüge und Klagegesänge: berührend! Das andere noch einmal in London, unweit des Holborn Place: Dort hat der Architekt Sir John Soane (nicht verwechseln mit Sir Sloane, dem Gründer des Britischen Museums!), im frühen 19. Jahrhundert Malerei, Bildhauerei, Vasen, vor allem aber Architekturfragmente in lebenslanger Sammelobession in seinem privaten Wohnhaus zusammengetragen. In bedrängender, chaotischer Überfülle, durch Durchbrüche und Spiegel noch verstärkt, ist dieses Museum die Stein gewordene Antithese zu jeder museumspädagogischen Zähmung: wundervoll!
Wie auch immer, der Boom scheint allenthalben ungebrochen weiterzugehen. Die bestehenden Museen vermelden Besucherrekorde, umfassende Renovierungen (Centre Pompidou, Paris) sollen die Häuser attraktiver machen und zahlreiche Neueröffnungen buhlen ums Publikum: in Hamburg, Berlin, Rotterdam, Brüssel, Los Angeles oder Abu Dhabi. Es sind öffentlich getragene Einrichtungen, private (etwa das Museum of Narrative Arts des Regisseurs George Lucas in Los Angeles), unzählige Künstlermuseen oder neue Filialen internationaler Museumskonzerne wie etwa Guggenheim und Louvre in Abu Dhabi. Die probaten Rezepte von Sammlung mit attraktiven Sonderausstellungen und spektakulärer Ereignis-Architektur scheinen unverändert tragfähig. Dass sich durch die ganze Geschichte der Moderne eine sehr lautstarke Museumskritik zieht, vor allem seitens der Künstler (Marinetti zu Beginn unseres Aufsatzes ist nur eine Stimme von vielen), stört offenbar keinen: Am Ende landen sie doch alle im Museum.#
Dieter Begemann
1 Aktuelle Museumsdefinition auf der Website des deutschen Zweiges der ICOM, des International Council of Museums, Dezember 2025.
2 F. T. Marinetti: Manifest des Futurismus (1909), zit. nach: Wolfgang Asholt u. Werner Fähnders: Manifeste und Proklamationen der europäischen Avantgarde (1909–1938), Stuttgart (Metzler) 1995/2005, S. 5.
3 S. hierzu den Beitrag des Autors „Wunderlich und wunderbar! Von Kunst- und Wunderkammern“, Kunst & material September/Oktober 2015, S. 14 bis 25.
4 Philipp Blom: Sammelwunder, Sammelwahn. Szenen aus der Geschichte einer Leidenschaft, München (dtv) 2014, S. 149.
5 Die Vatikanischen Museen. Geschichte, Kunstwerke, Sammlungen, hrsg. Susanna Bertoldi, Rom (Edizioni Musei Vaticani), Rückumschlag.
6 Ebd., S. 5.
Überblicksdarstellung, besonders zur aktuellen Kulturpolitik: Owen Hopkins: Das Museum. Geschichte, Gegenwart, Zukunft, Zürich (Midas) 2022
Kulturgeschichtlich weiter gespannt: Philipp Blom: Sammelwunder, Sammelwahn. Szenen aus der Geschichte einer Leidenschaft, Deutscher Taschenbuch Verlag München 2014 (deutsche Erstveröffentlichung Frankfurt (Eichborn) 2004)

Charmant, zugewandt und überhaupt nicht nachtragend: Hunde gelten mit ihrer bedingungslosen Zuneigung und schwanzwedelnden Kommunikation nicht ohne Grund als die besten Freunde des Menschen. Kaum ein anderes Lebewesen kann eine so innige Beziehung zum „seinem“ Menschen entwickeln wie ein Hund (wenn man ihn lässt) – als Gefährte, ständiger Begleiter und als geliebtes Mitglied der Familie. Als aufmerksamer Wächter, Symbol von Treue und Beständigkeit und später als eingeständiges Individuum durchzieht die Darstellung von Hunden die Malereigeschichte, doch immer erzählt das Tier auch etwas über den Menschen an seiner Seite. David Hockney etwa
porträtiert gern seine geliebten Dackel Stanley und Boogie: Der britische Maler feiert sie in Malerei und Zeichnung – dösend im Körbchen, mit dem Schalk im Nacken oder bettelnder Miene. Dem sprichwörtlichen Hundeblick übrigens mag kaum je mand widerstehen (er beruht laut neuerer Forschungen auf einer evolutionär bedingten Stärkung des Augenbrauenmuskels). Hunde bringen mit Charakter, unfreiwilliger Situationskomik und unwiderstehlicher Mimik, mit ihrer guten Laune und ausdrucksvollen Haltung vieles mit, was ein vorzügliches Porträtmodell ausmacht. Nur: Das Stillsitzen fällt natürlich schwer ...



Als künstlerische Königsdisziplin fordert das Porträt Malerei und Zeichnung gleichermaßen heraus: Im Idealfall werden nicht allein die äußere Erscheinung und physiognomische Merkmale auf Leinwand oder Papier festgehalten, sondern auch Lebendigkeit und Wesenszüge des Modells. Das Porträt bekundet Respekt und versucht gleichzeitig, durch Neugier und Interesse kleinere (und größere) Geheimnisse zu erkunden – auch wenn die Kommunikation zwischen Dalmatiner und Dackel auf
der vorhergehenden Seite vermutlich nie ganz entschlüsselt werden kann.
Als Ganzfigur oder im Brustbild, im Profil oder en face – auch die Wahl der künstlerischen Mittel entscheidet über Aussage und Wirkung. Die drei Darstellungen oben erinnern fast an eine Reihe von Gesellschaftsporträts: Die Eleganz des weißen Labradors mit skeptischem Blick auf blauem Grund links ist in Acryl,

„Hunde sind unsere Verbindung zum Paradies. Sie kennen weder Sünde noch Eifersucht noch Unzufriedenheit. An einem herrlichen Nachmittag mit einem Hund auf einem Hügel zu sitzen heißt zurück zu sein im Garten Eden, als Nichtstun nicht Langeweile bedeutete sondern Frieden.“
der etwas eitel anmutende, auf jeden Fall aber vornehm-zurückhaltende Hund daneben ist in Öl auf Leinwand gemalt – Farbgebung, Grundierung und Duktus unterstreichen seine schmale Statur und Haltung perfekt. Die Geschmeidigkeit des Windhunds daneben kommt in Gouache auf Papier besonders zur Geltung. Etwas missmutig hingegen zeigt sich unten die französische Bulldogge, deren schwere Züge im Spiel von Höhungen und Tiefen in Tusche auf Papier erfasst sind.

Wer einen Hund länger beobachtet, ist fasziniert von seiner Beweglichkeit. Wenn er aus Langeweile oder purem Übermut seinen eigenen Schwanz jagt, sich gelangweilt (oder beschämt) mit der Hinterpfote am Ohr kratzt, im Schlaf rücklings mit den Pfoten in der Luft entspannt oder hakenschlagend einer Fährte folgt, ist der Hundefreund jedes Mal aufs Neue erstaunt von seiner Agilität. Geht es dann endlich ohne Leine in den Freilauf, gibt es für die Vierbeiner meist kein Halten mehr: Fast im Galopp und in ungeahnter Geschwindigkeit werden Bälle, Stöckchen oder auch Artgenossen im Spiel verfolgt. Hier setzen die Herausforderungen zeichnerisch-technischer Umsetzung an: Die skizzenhafte Erfassung von Bewegungsabläufen, die nichtkarikaturhafte Interpretation der Mimik, die Anatomie – und nicht zuletzt das Spannungsfeld zwischen Anpassung an den Menschen und unverstellter Freude am Dasein.
Diese Leichtigkeit des Seins wird im Porträt des aufmerksamen weißen Terriers durch duftige Aquarellfarbe auf Papier noch verstärkt. Die Bewegungsstudien wurden in Gouache auf Papier ausgeführt.








Oft zum deutlichen Unbehagen ihrer Besitzer pfeifen Hunde gern auf Konventionen: Wenn es um dringende Geschäfte geht, ein ausgiebiges Bad in der Pfütze oder lieber noch in einem Schlammloch, beim Buddeln am Strand, auf einer gepflegten Wiese und weit entfernt im Wald – verklebt-nasses Fell, schmutzige Schnauzen und verdreckte Pfoten gibt es zum Hundeglück inklusive. Von den scheinbar verstopften Ohren, durch die keine Rufe zu dringen scheinen, ganz zu schweigen … Doch ein ausgelasteter Hund ist meist ein glücklicher Hund – und müde noch dazu.#
Malerei, Realisation und Fotografe: Ina Riepe Text: Sabine Burbaum-Machert


Irene
Ulrich gibt Artefakten neue Perspektiven

Irene Ulrich, geboren in Zell im Wiesental, lebt und arbeitet in Merzhausen bei Freiburg im Breisgau. www.irene-ulrich-art.com, Instagram: irene.ulrich.art, alle Fotos: Irene Ulrich.
In meiner Erlebniswelt verknüpfen sich unterschiedliche (Kultur-)Welten und erzeugen neue Perspektiven. Sprache, Schrift und Musik sind die Inspirationsquellen für meine Werke, und ich eigne sie mir zunächst ohne Verwendungszweck an durch Notieren, Scribbeln, Sammeln von Artefakten. Ob auditiver oder visueller Impuls, die Umsetzung im Werk erfolgt immer in Mischtechnik. Dabei lege ich über lange Zeit im Arbeitsprozess ausschließlich Wert darauf, Farbe und Material auf den Bildträger aufzubringen und dabei kein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Ich arbeite oft im quadratischen Format auf Papier (Fabriano 300 g/m2) oder MDF-Malplatte und meist mit einer reduzierten Farbpalette.
In der Serie Die Sinnlichkeit von Rezepten wurden französische und deutsche handgeschriebene Rezepte als Collagematerial verwendet. Die Rezepte stammen zum einen aus einer auf dem Flohmarkt

gefundenen Kladde und zum anderen aus einem Büchlein aus der eigenen Familie.
Die mit Tinte handgeschriebenen Rezepte müssen vor dem Einkleben so präpariert werden, dass sie nicht schmieren. Dafür verwende ich Lukas Universalspray. Nach dem Trocknen werden die Collageteile und ggf. auch der Bildträger mit boesner-Dispersionsbinder mit dem Pinsel bestrichen und an der gewünschten Stelle platziert. Falls es sich beim Collageteil um ein dickeres
Papier handelt, nehme ich Impasto-Medium, das dann allerdings mit einer alten Kreditkarte oder einem Spachtel aufgetragen wird. Um die Collage zu glätten, lege ich Pergamentpapier auf und fahre mehrmals mit einem japanischen Handreiber darüber. Um sicherzugehen, dass das Papier später nicht von einer darüberliegenden Farbschicht unerwünscht eingefärbt wird, bringe ich nach dem Trocknen noch einmal eine Schicht Dispersionsbinder auf und fahre dann erst nach einer weiteren Trocknungsphase mit dem Farbprozess fort.#
Veau au blanc, Mischtechnik auf Papier auf Karton, 24 x 30 cm.

Holz ist ein Material, das in der Kunst vielfach Verwendung findet. Es ist einfach zu beschaffen, wächst nach, ist also in vielen Gegenden der Welt leicht verfügbar und es lässt sich gut bearbeiten. Allerdings kann es auch verrotten, verbrennen, vom Holzwurm befallen, aufgefressen und relativ leicht anders zerstört werden. In der Bildhauerei hat es somit gegenüber dem Stein ebenso viele Vor- wie Nachteile.
Doch Holz ist nicht gleich Holz. Welches Holz für Kunstwerke verwendet wird, richtet sich nach verschiedenen Kriterien. Es gibt nicht nur Unterschiede im Härtegrad des Holzes, sondern es spielt auch eine Rolle, in welcher Gegend das Holz Verwendung findet. Denn im Norden Europas wachsen andere Hölzer als im Süden, ebenso in den Ländern der anderen Kontinente.
Wann die ersten Figuren aus Holz entstanden, wissen wir nicht. Möglicherweise wurden bereits in prähistorischer Zeit hölzerne Wesen geschnitzt, ebenso wie sie aus Bein gefertigt wurden, das besser haltbar ist und von denen wenige Stücke auf uns gekommen sind. Doch Jahrtausende später haben sich dann in der trockenen Luft Ägyptens nicht nur Holztafeln als Bildträger erhalten, sondern auch Holzfiguren. In den meisten Fällen handelt es sich um Dienerfiguren, die als Grabbeigaben dienten.
Im antiken Griechenland sind uns aus den Schriften ebenfalls Holzfiguren überliefert, die dann allerdings durch solche aus Stein oder Metall verdrängt wurden. Erst im christlichen Abendland wurde die geschnitzte Figur wichtiger Bestandteil der sakralen Kunst, was auch darin begründet ist, dass Christus an einem hölzernen Kreuz den Opfertod starb. Das Kreuz und mit ihm das Holz erfuhren so eine Aufwertung.
Die Kruzifixe wurden schon deshalb häufig aus Holz hergestellt. So ist das berühmte Gerokreuz [1] im Kölner Dom aus einem großen
[1] Gerokreuz, Ende 10. Jahrhundert, Eichenholz, 288 x 40 x 4,5 cm (Längsbalken), 198 x 40 x 4,5 cm (Querbalken), 187 x 166 x 33 cm (Korpus), Köln, Dom, Kreuzkapelle, Foto: Wikimedia Commens.


Eichenstamm gefertigt. Insgesamt 2,88 Meter hoch, misst allein der Korpus 1,87 Meter, die Spannbreite der Arme 1,66 Meter und die maximale Tiefe 33 Zentimeter. Wahrscheinlich Ende des 10. Jahrhunderts entstanden, handelt es sich um eine der ersten Monumentalskulpturen des christlichen Abendlandes, die sich erhalten hat. Der goldene Strahlenkranz ist jedoch ebenso eine spätere Zufügung wie der Altar, in den sie eingebunden ist. Eine farbige Fassung hat es hingegen von Beginn an gegeben. Zu unterschiedlichen Zeiten wurden immer wieder neue Schichten aufgetragen, sieben verschiedene können heute nachgewiesen werden.
Das Gerokreuz steht am Anfang einer ganzen Reihe von Triumphkreuzen, die in den nächsten Jahrhunderten entstanden. Hinzu kamen Andachtsfiguren wie die Christus-Johannes-Gruppen, die vor allem um 1300 bis 1350 in Südwestdeutschland für Nonnenklöster hergestellt wurden. Ein Beispiel ist das im Bodenseegebiet

um 1310 entstandene Werk, das sich im Frauenkloster bei Sigmaringen befand [2].
Auf einer einfachen Bank sitzen zwei Figuren, der etwas größere Christus, an dessen Brust der kleinere jugendliche Johannes seinen Kopf anschmiegt. Christus hat einen Arm um ihn gelegt, seine Hand liegt sanft auf der Schulter des Lieblingsjüngers, die andere hält dessen Hand. Diese Gruppe wurde aus Abendmahlsdarstellungen herausgelöst, die sich nach dem Johannesevangelium richteten, in dem es heißt, dass der Lieblingsjünger Johannes an der Brust Jesu lag. In gemalter Form gab es solche Gruppen auch schon früher, als Skulpturen dienten sie zur Meditation, zur Hinwendung zu Gott. Der jugendliche und reine, also jungfräuliche Johannes wurde zu einer Identifikationsfigur speziell für Nonnen. So wie der schlafende Johannes an der Brust (dem Herzen) Gottes ruhte, so gelang es in meditativer Versenkung, die Gottesliebe sinnlich zu erfahren.
[2] Christus-Johannes-Gruppe, um 1310, Bodenseegebiet, Eichenholz, farbig gefasst, 89 x 47 x 31 cm, Berlin, Bode-Museum, Foto: Wikimedia Commens [3] Tilman Riemenschneider, Marienaltar, 1505–1510, Föhren- und Lindenholz, 920 x 368 x 44 cm, Creglingen, Herrgottskirche, Detail: vermutetes Selbstbildnis, Foto: Wikimedia Commens.


[4] [5]
Die Gruppen waren nicht besonders groß, was ihnen noch mehr Intimität verlieh und sie auch abgrenzte gegen die monumentalen Kreuze. Gleichzeitig entstanden die ersten Flügelaltäre. Aus ihnen entwickelten sich die großen Altarretabel mit geschnitztem Mittelteil. Die Flügel konnten bemalt sein oder aber ebenfalls geschnitzt. Ihre Hochzeit erlebten sie in der Zeit um 1500 im Europa nördlich der Alpen. Antwerpen war ein Zentrum, das Schnitzaltäre in großer Zahl exportierte, es gab aber auch berühmte Schnitzer im süddeutschen Raum wie Tilman Riemenschneider (um 1460–1531) oder Veit Stoß (1477–1533).
Eines dieser Retabel von Riemenschneider befindet sich in der Herrgottskirche im tauberfränkischen Creglingen.1 Es ist 9,20 Meter hoch und etwa 3,70 Meter breit. Der Altar in Form eines Schreins ist aus Föhrenholz geschnitzt, die Figuren aus Lindenholz. Der Muttergottes geweiht, ist in der Mitte die Himmelfahrt Mariens zu sehen, darüber die Krönung der Himmelskönigin und der Auferstandene Christus. Auf den Seitenflügeln befinden sich mit der Verkündigung, der Heimsuchung, der Geburt Christi und der Darbringung im Tempel vier Szenen aus dem Leben Mariens. In der Predella, also dem Altarsockel, sind zwei weitere Szenen dargestellt, die Anbetung der Könige und der Zwölfjährige Jesus im Tempel In der letzten Szene befindet sich unter den Schriftgelehrten ein
Mann, dem Riemenschneider wahrscheinlich seine Gesichtszüge verliehen hat [3]. Das Gesicht mit tiefen Falten um Nase und Mund und feineren Runzeln an Wange, Kinn und Hals ist von lockigen Haaren gerahmt, die unter einem Hut hervorquellen. Die Augen blicken ein wenig bekümmert. Erstaunlich ist die feine Ausführung, vor allem aber auch die fehlende farbige Fassung. Riemenschneider hat einige seiner Werke nicht farbig fassen lassen, dazu gehörte eben auch dieser Marienaltar und damit das vermutete Selbstbildnis.
Auch von Veit Stoß gibt es sowohl farbig gefasste Skulpturen als auch solche, bei denen das Holz mit seinen Strukturen erkennbar ist. Natürlich wurden diese „holzsichtigen“ Skulpturen lasiert, damit ihre Oberfläche weniger empfindlich war. Ein berühmtes Beispiel ist der Erzengel Raphael mit dem jungen Tobias 2 Vor allem die Figur des Erzengels mit dem in bewegten Faltenwürfen fallenden Mantel gilt als ein Meisterwerk der Holzbildhauerkunst nördlich der Alpen. Das teilweise so dünn wie Papier geschnittene Holz zeigt die hervorragenden Fähigkeiten dieses Künstlers.
Ein weiteres seiner Werke entstand in Zusammenarbeit mit dem anderen großen Nürnberger Künstler der Zeit, Albrecht Dürer (1471–1528). Dieser entwarf im Auftrag des Nürnberger Kaufmanns
[4] Albrecht Dürer, Entwurf für einen Drachenleuchter mit Rentiergeweih, 1520/22, Feder in Braun laviert, 168 x 213 mm, Konstanz, Städtische Wessenberg-Galerie, Foto: Wikimedia Commens. [5] Veit Stoß nach Albrecht Dürer, Drachenleuchter mit Rentiergeweih, 1522, Lindenholz und Rentiergeweih, teilweise farbig gefasst, 48 x 153 x 125 cm (Leuchtertüllen verloren), Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Foto: Wikimedia Commens.
und Bürgermeisters Anton II. Tucher (1458–1524) einen Drachenleuchter, in den ein 34-endiges Rentiergeweih integriert werden sollte [4]. Dieses seltene Geweih diente dem dreiköpfigen und doppelschwänzigen Drachen als gewaltige Flügel. Die Ausführung des Drachenleuchters für die Regimentsstube im Nürnberger Rathaus übernahm Veit Stoß. Die Kerzenleuchter, die sich auf den Köpfen und an den Schwänzen des Drachen befanden und die auf der Zeichnung Dürers zu sehen sind, sind verloren, der Drachen farbig gefasst.
In der darauffolgenden Zeit wurde das Holz weitgehend vom Stein abgelöst. Im Rokoko gab es dann noch einmal eine kurze Phase, in der die Holzskulptur eine herausragende Rolle spielte, wie zum Beispiel die Schutzengelgruppe von Ignaz Günther (1725–1775) zeigt, die er 1763 für die Münchner Dreifaltigkeitskirche schuf und die sich heute in der Bürgersaalkirche befindet.3 Im 177 Zentimeter hohen und 120 Zentimeter breiten, farbig gefassten Werk aus Lindenholz werden die Unterschiede zwischen der Spätgotik eines Veit Stoß und den etwa 250 Jahre später entstandenen Figuren deutlich, allein, was die Behandlung der Stoffe angeht. Doch auch die Nacktheit des Engels, seine androgyne Gestalt, wären in der Spätgotik nicht denkbar gewesen.
Erst über hundert Jahre später beschäftigten sich Künstler*innen wieder mit Holz als Material für Skulpturen, allerdings nicht immer als geschnitzte Figuren, sondern vor allem in verschiedenen anderen Erscheinungsformen.#
Susanna Partsch
1 https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1505_ bis_1508._In_diesem_Zeitraum_schuf_Tilman_ Riemenschneider_den_Marienaltar._01.jpg.
2 Veit Stoß, Der Erzengel Raphael mit dem jungen Tobias, 1516, Lindenholz, nicht gefasst, 99 x 82 x 40 cm, Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, https://commons.wikimedia.org/ wiki/File:Germanisches_Nationalmuseum,_ Veit_Stoss_(42258452864).jpg.
3 https://www.bildindex.de/document/obj20096421.


Das Impasto-Medium sorgt für markante Strukturen und verleiht Acrylfarben Fülle, Transparenz und Tiefe. Ob pur genutzt oder frei gemischt mit Farbe, Pigmenten, Sand oder Granulaten, erlaubt es pastose Aufträge und erö f net gren zenlose Spielräume für ausdrucksstarke Werke.


Casani Holzkörper sind als äußerst vielseitiges, modulares Produkt bekannt. Doch neben ihrer Funktionalität sind sie hervorragende Begleiter bei der Realisierung künstlerischer Ideen – und handfestes Material als Bühne für Ideen voller Poesie. Die unterschiedlichen Formate bilden ein ofenes System und lassen sie sich immer wieder neu arrangieren – als den Raum erobernde Bildträger, für Aufbewahrungsund Präsentationszwecke, für Collagen und Assemblagen oder als Rahmen für mit den Mitteln der Kunst inszenierte Erzählungen.



Casani Holzkörper bilden mit ihren verschiedenen Höhen (3, 6 und 9 cm) den idealen Rahmen für kleine und große Bilderzählungen. Ob eine französische Straßenszene, eine musikalische Darbietung oder die zärtliche Aufforderung „Bitte lächeln!“ an ein weinendes Mädchen: Bei diesen Beispielen verführt ein kunstvolles Spiel mit der Perspektive. Die Szene mit der Akkordeonspielerin und den fluchtenden Arkaden im Hintergrund profitiert vom neun Zentimeter breiten Rahmen zugunsten der räumlichen Wirkung. Im Pariser Café hingegen ist es ein illusionistischer Kunstgriff, der im flacheren Format die gewünschte optische Tiefe erzeugt.
Der Malgrund der Casani Holzkörper besteht aus Buchen-Sperrholz, die fachmännisch gezinkten Seitenteile aus unbehandeltem, glatt geschliffenem Buchenholz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Vor einer farbigen Fassung empfiehlt sich in jedem Fall eine ein- bis zweischichtige Grundierung mit fertigem oder selbstgemachtem Gesso (bei größeren Formaten sollte auch die Rückseite grundiert werden) sowie ein sorgfältiger Zwischenschliff mit Sandpapier.



Gerade in der Vielfalt der Formate, Größen und Verwendungszwecke liegt ein besonderer Reiz, da stets neue Inszenierungen möglich sind – als Einzelstück, im Zweier-, Vierer- oder vielfachen Bündnis, horizontal oder vertikal gereiht im Spiel der Ansichtsseiten und Forma te. Untereinander können die Holzkörper verschraubt oder auch bei kleinen Formaten mit Heißkleber verbunden werden.
Neben der Verwendung als Malgrund oder Rahmen für Collagen und Assemblagen bieten sich Casani Holzkörper auch ganz klassisch als Ordnungshelfer und für Aufbewahrungs- und Präsentationszwecke an. Für die quadratischen und rechteckigen Großformate von 20 x 80 cm bis hin zu 60 x 60 cm gibt es stabilisierende Mittelstege, die für eine willkommene Unterteilung sorgen, um Sammlungen, Souvenirs oder wechselnde Einzelstücke zu präsentieren.#
Malerei, Realisation und Fotografe: Ina Riepe Text: Sabine Burbaum-Machert

Diemut Schillings kreative Zeichenschule führt von den Grundlagen der Zeichnung zur eigenen Bildsprache und ist ein kompetenter Wegbegleiter für die Mappenvorbereitung



Die Zeichenkunst erscheint uns heute als eine elementare Kulturtechnik, doch spielt sie in Europa erst seit der Revolution des Buchdrucks im 16. Jahrhundert eine Rolle. Ist es da heute eigentlich noch zeitgemäß zu zeichnen? Also mit der Hand? Analog? Mit Stift, Pinsel oder Schere, mit Farbe und Papier? Angesichts bestehender digitaler Möglichkeiten und erwartbarer Entwicklungen? Diese Fragen stehen ganz am Anfang des Buches „Welten erschaffen auf Papier“ von Diemut Schilling.
Der Titel und die Tatsache, dass es sich dabei um eine Zeichenschule handelt, geben per se eine Antwort darauf. In seinem aufschlussreichen Vorwort verortet der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich die Publikation innnerhalb der Geschichte der Zeichnung und ihrer Vermittlung. Er stellt fest: „Diemut Schillings unglaublich reiches Kompendium an Zeichentechniken ist das denkbar beste Mittel gegen jeglichen visuellen Analphabetismus. Es hält nicht nur unerschöpflich viel Freude beim Entdecken eigener Möglichkeiten bereit, sondern es eignet sich nicht zuletzt dazu, auf durch und durch analoge Weise für das Leben im Digitalen gerüstet zu sein.“



„Warum zeichnen?“ Auch Diemut Schilling selbst thematisiert diese Frage. Analoges Zeichnen versteht die Künstlerin als „Stenografie der inneren Bilder“. Denn „die Hand ist das Fenster zum Geist“, zitiert sie ein Sprichwort. „Daran hat sich bis heute nichts geändert. Je niedriger die Hürden sind, die du überwinden musst, um deine inneren Bilder spontan zu Papier zu bringen, umso authentischer und einzigartiger werden sie für dich und andere in deiner Zeichnung sichtbar werden.“
Zeichnen ist faszinierend facettenreich. Mit jeder noch so kleinen Skizze entsteht auf dem Papier ein neuer und ganz individueller Kosmos. In 13 Kapiteln und auf 288 reich bebilderten Seiten lädt Diemut Schilling ein zu einer zeichnerischen Entdeckungsreise. Einer Reise zum künstlerischen Sehen, Experimentieren und Gestalten.
Dafür hat die Autorin sieben Routenvorschläge ausgearbeitet, die für den Einstieg in ihr Buch ganz unterschiedliche grundlegende persönliche Erfahrungen mit den Erwartungen an das Zeichnen berücksichtigen. In jedem Kapitel wird das benötigte Material
Abbildungen aus dem Buch, © Diemut Schilling/frechverlag 2024.
aufgeführt, ein Zeitaufwand für die Selbsteinschätzung benannt sowie ein Schwierigkeitsgrad. Auf dieser Basis lässt sich das Buch für Einsteiger*innen und Verspielte, für Gipfelstürmer*innen oder auch für Tiefseetauchende, als Zirkeltraining für Unsichere, als Outdoor-Route für Wetterfeste, als Klettersteig mit Passüberquerung (=Mappenabgabe) oder als „Mount-Rushmore“-Route (Schwerpunkt Porträt) durchwandern.
Auch Querfeldeinstürmer*innen wird Raum gegeben, und man kann das Buch ebenso gut chronologisch von vorne nach hinten erschließen. Dieser fantasievolle Ansatz macht Spaß und ist ungeheuer inspirierend. Man ahnt schon, dass es Diemut Schilling genau darum geht. Denn „gut zeichnen“ zu können bedeutet für sie nicht, so naturgetreu wie möglich technische Fertigkeiten zu trainieren. Dennoch kommt auch dieser Aspekt in der freudvoll konzipierten Lektüre nicht zu kurz! Licht, Raum, Farbe, Perspektive, Dimension, Landschaft, Porträt, Strichführung, Vorlagen und Zeichnungen ohne Stift zu erstellen – all das findet hier einen Platz und eröffnet einen nahezu hürdenfreien Zugang!
Für jedes Kapitel, für jeden Routenverlauf und für jede Station greift die Autorin auf ihre langjährige Lehrerfahrung, u.a. als Kunstprofessorin an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, zurück. Mit 36 erprobten Übungen zu künstlerischen Aufgabenstellungen und Techniken führt Diemut Schilling vom Erlernen des naturalistischen Zeichnens bis zur eigenen künstlerischen Ideenfindung und zeigt Schritt für Schritt, wie es gelingt, einen persönlichen zeichnerischen und gestalterischen Ausdruck sowie eine individuelle Bildsprache zu finden. Die Bandbreite und die Fülle an künstlerischen Umsetzungen verdeutlichen auch die zahlreichen Abbildungen und Illustrationen in dem Buch, die zu einem großen Teil von Alanus-Kunststudierenden stammen. Im letzten Kapitel des Buches vermitteln Einführungen in künstlerische Sichtweisen eine Fülle an Anregungen für eine erfolgreiche Mappe.
„Welten erschaffen auf Papier“ ist das Standardwerk für Neugierige, Fortgeschrittene und für alle, die ihr gestalterisches Wissen und Können auf ein neues Level bringen wollen. Es ist ein inspirierender Wegbegleiter hinein ins eigene künstlerische Arbeiten und für den kreativen Kunstunterricht an Schulen, Hochschulen und Akademien. Diemut Schillings Buch nimmt das Zeichnen als künstlerische Technik in all seinen Facetten ernst. Es vermittelt kompetent die technischen Grundlagen und zeigt in den Umsetzungsbeispielen fantasievolle Lösungen, die das individuelle kreative Potenzial wecken – ein großes (Lern-)Vergnügen!
Über die Autorin
Diemut Schilling ist Bildhauerin und Professorin für Zeichnung und Druckgrafik an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft. Sie lebt in Wuppertal und ist Mitglied im Rat für Kulturelle Bildung. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind seit vielen Jahren partizipative Projekte im öffentlichen Raum sowie die künstlerische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.#


Welten erschaffen auf Papier
Diemut Schilling, 288 S., durchg. illustr., geb., dt., frechverlag 2024, ISBN 9783735881489, EUR 39,00 (D), EUR 41,20 (A ), CHF 51,50 (CH)
Das Buch füllt übrigens eine Lücke auf dem Buchmarkt: Es eignet sich hervorragend als Mappenvorbereitung für alle Studiengänge, die eine künstlerische Mappe im Bewerbungsverfahren erforderlich machen!
„Die Linolschnittbibel“ würdigt eine grafsche Technik


Die Linolschnittbibel
Techniken – Experimente –Kultur(geschichte) – Protagonisten
Marco Gerke, 288 S. m. 317 Abb., 21 × 26,5 cm, geb., dt., VDG 2026, ISBN 9783897399952, EUR 68,00 (D), EUR 68,00 (A)
Wer hat nicht schon einmal in seinem Leben einen Linolschnitt angefertigt? Weil die Platten relativ einfach zu bearbeiten sind und zu schnellen Ergebnissen führen, ist diese grafische Technik vielerorts fester Bestandteil des Kunstunterrichts. Doch die wenigsten werden Linoleum bis zur Kunstreife bearbeitet haben. Zu Unrecht! Der Linolschnitt lädt ein zum Experiment! Das beweist die gerade erschienene „Linolschnittbibel“. Die Publikation unternimmt den Versuch, die reiche Linolschnitt-Kultur in ihrer gesamten Breite darzustellen – mit besonderem Fokus auf deren experimentelle Möglichkeiten.
Autor Marco Gerke leitet in seinem allumfassenden Kompendium zu Basistechniken an, gibt eine erschöpfende Übersicht zu Materialien und Instrumenten, die sich für die Arbeit eignen, und präsentiert eine umfangreiche Sammlung experimenteller Hochdrucktechniken. Die praktischen Aspekte werden ergänzt durch theoretische Überlegungen und Kulturgeschichtliches.
„Wieso eine reine Linolschnitt-Monographie?“ fragt der Autor zum Einstieg in sein Buch. Und stellt fest, dass der Linoldruck, obwohl an vielen Schulen gelehrt, „(…) lange Zeit in den meisten Publikationen zum Thema fast ausschließlich im Zusammenhang mit dem Holzschnitt, ja oft nur als dessen Anhängsel abgehandelt …“ wurde. Vieles von dem, was in seinem Buch „über den Linolschnitt zusammengetragen wurde, lässt sich auf den Holzschnitt übertragen“, stellt Marco Gerke fest. Er möchte die beiden Techniken mit seinem Buch zwar nicht kategorisch oder ideologisch abgrenzen. „Dennoch sind die Unterschiede zwischen Linol- und Holzschnitt so groß und die Ausdrucksmöglichkeiten beim Arbeiten mit Linoleum so zahlreich und eigen“, dass ihm eine ausführliche
gesonderte Betrachtung und Würdigung angemessen erscheint.
Die als klassisches Fachbuch aufgebaute Publikation behandelt Theorie und Praxis der Linolschnitttechnik in sieben ausführlich und übersichtlich gegliederten Kapiteln. Fotografien verdeutlichen einzelne Aspekte. So kommen nicht nur experimentierfreudige Praktiker auf ihre Kosten, sondern auch Rezipienten wie Kunsthistoriker, Sammler oder generell Kunstinteressierte: theoretische Fragen werden in der „Linolschnittbibel“ eingehend erörtert, etwa die Möglichkeiten und natürlichen Grenzen des Linoldrucks, aber auch die Rolle des Linolschnitts im Kunstgeschehen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wird beleuchtet.
Marco Gerkes „Linolschnittbibel“ würdigt diese druckgrafische Technik komplex, mit Sachverstand und in derzeit einzigartiger Weise. Sie richtet sich „in erster Linie an ambitionierte Anfänger und Fortgeschrittene, Künstler, Kunstlehrer, Dozenten und Kunstwissenschaftler, die den Linolschnitt in seiner ganzen Vielfalt erkunden und/ oder weitervermitteln, im Idealfall vielleicht sogar zu dessen Weiterentwicklung beitragen möchten.“ Ein Standardwerk zum Thema und ein praktisches Lehrbuch, das Wissen vermittelt, Neugierde weckt und zum Experiment inspiriert.#






Im Werk von Christian von Grumbkow sind Farbwelten im Wandel


Christian von Grumbkow, mit Texten von Thomas Hirsch u. Anne-Kathrin Reif, 160 S., durchg. farb. Abb., 24,6 x 30,5 cm, geb., dt., DruckVerlag Kettler 2025, ISBN 9783987412110, EUR 35,00 (D), EUR 36,00 (A)
Christian von Grumbkow verfolgt mit seiner Malerei ein Thema: Farbe. „Seine Werke entstehen meist aus dem Moment – und lösen mannigfaltige Emotionen aus“, schreibt Thomas Hirsch. Der Kunsthistoriker begleitet den Künstler bereits seit vielen Jahren und hat in der vor wenigen Monaten erschienenen Monografie „Farbwelten im Wandel“ eine Einordnung zur Bedeutung der Farbe in dessen Werk geschrieben. Das Buch versammelt Arbeiten des Künstlers aus den Jahren 1989 bis 2025, die im Spätsommer 2025 in einer retrospektiven Ausstellung im Museum Gut Altenkamp in Papenburg zu sehen waren.
„Farbe ist der Ausgangspunkt und ein Ziel der Malerei von Christian von Grumbkow. Er lässt sich auf sie ein und nimmt sich ihrer an. Er vermittelt sie als Ereignis an der Schwelle von Lesbarkeit und reiner Präsenz“, setzt Thomas Hirsch seine Beobachtungen gleich zu Beginn der Publikation fort.
Seit mehr als 40 Jahren widmet sich Christian von Grumbkow der Malerei und damit auch dem Wesen der Farbe. Seine Werke entstehen aus der materiellen Substanz der Farbe selbst, aus ihrer Leuchtkraft und ihrer Atmosphäre. Mal deckend bis hin zu pastos und mal hauchzart-lasierend bis zu nahezu transparent bringt der Maler sie auf Leinwand, Holz und Papier auf.
„Farben sind Sehdinge, nur sich selbst zeigende Phänomene; man kann sie nicht greifen, und sie stellen als bloße Farben auch nichts Greifbares dar“, hat der Künstler es einmal auf den Punkt gebracht. „Ich untersuche den Bereich zwischen konkret und abstrakt, indem ich die der Farbe innewohnenden Kräfte mobilisiere.“ Seine Bilder erzählen von der Gegenwärtigkeit der Farbe und ihrer Sinnlichkeit, von ihrer Materialität und ihrer suggestiven Kraft, von dem, was man nur sehen und empfinden kann.
*Christian von Grumbkow auf seiner Internetpräsenz.

So entstehen durch die Hand des Wuppertaler Künstlers Bildräume, die er als Möglichkeit versteht, sein Inneres sichtbar zu machen. „Ich male Landschaften. Doch damit sind keine naturalistischen Landschaften gemeint, sondern ich nenne das Seelenlandschaften“, hat Christian von Grumbkow in einem Interview erklärt.
Seine kontemplativen Gemälde lösen Assoziationen aus. Man meint Vertrautes zu erkennen, Szenarien aus der Natur, die sich bei längerer Betrachtung zu Spiegelungen, zu Hügelketten, zu den Gestaden eines Sees oder zu nächtlichen Reflexionen auf einer Wasseroberfläche verdichten – Momentaufnahmen, die sich mal als geschlossene Farbräume präsentieren, mal als übergangslos ineinander verlaufende horizontale Farbschichtungen. Über waagerechte und senkrechte Achsen kommt immer wieder Christian von Grumbkows Verbundenheit mit dem Sujet Landschaft zum Ausdruck.
Das Buch verfolgt das in chronologisch sortierten Werkgruppen, die seit 1989 entstanden sind. Für Christian von Grumbkow war damals, nach einem tiefgreifenden Schicksalsschlag, die Verwendung von Ölfarbe in seiner Malerei gleichbedeutend mit einem Neuanfang. Den Arbeiten, die in der Folge und bis heute entstanden sind, ist die Experimentierfreude des Künstlers abzulesen. Die Publikation schlägt in hochwertigen Reproduktionen den Bogen von frühen Übermalungen und der Auseinandersetzung mit den Farben Rot und Gelb über Verwischungen, Lichtmalerei und Transformationen zu dialogischen Arbeiten mit befreundeten Fotografen. Raumkonzepte mit mehrteiligen wandfüllenden Arbeiten für Unternehmen und Institutionen beschließen das Buch.
Ein umfassender Querschnitt durch das Werk Christian von Grumbkows, der seine Werk- und Schaffensphasen visuell eindrucksvoll und textlich fundiert begleitet.#
„Ist das Kunst? Muss ich das gut fnden?“, „Kunst? Verstehe ich nicht!“, „Ich kann nicht malen!“, ... – Wer hat solche oder ähnliche Sätze nicht schon einmal gehört? Sie sich vielleicht sogar selbst sagen hören?


How to Art*
*für Leute, die von Kunst keine Ahnung haben
Kate Bryan, David Shrigley (Illustr.), 368 S. m. 30 farb. Illustr., 13,5 x 20,6 cm, geb., dt., Mosaik 2025, ISBN 9783442394562, EUR 22,00 (D), EUR 22,70 (A)
Das Bild der Kunst ist immer noch ein elitäres. Dabei haben wir als Kinder alle Kunst gemacht und sollten als Erwachsene einen genauso selbstverständlichen Zugang dazu haben wie wir Musik hören oder Essen genießen. Dafür treten Kunstexpertin Kate Bryan und Künstler David Shrigley mit ihrem Buch an, das mit viel Humor die Tür zur Welt der Kunst öffnet.
Der gerade erschienene Titel „How to Art“ nimmt der Kunst ihre elitären Anhaftungen, er demystifiziert bestimmte Aspekte der Kunst ohne ihr ihre Magie zu nehmen. In Bild und Text zeigt das Buch, wie man Kunst selbstverständlich begegnen kann, ohne Scheu, ohne Leistungsdruck und ohne Erwartungen erfüllen zu müssen. Mit Witz und manchmal auch respekt-
los erklärt die übersichtlich gegliederte Publikation in griffigen Unterkapiteln, wie man sich Kunstwerken nähert und sie versteht, Galeriebesuche und Gespräche über Kunst lässig meistert und wie man sich selbst an Kunst ausprobiert oder sie erwirbt.
Im handlichen Format und ausgestattet mit 25 bisher unveröffentlichten Kunstwerken David Shrigleys liefert es einen gelungenen Gegenentwurf zum elitären Image der Kunst und ermutigt mit den nötigen Insider-Tipps zu einem eigenen Blick auf alles, was die Kunst ausmacht. Denn in den Augen von Kate Bryan und David Shrigley soll Kunst vor allem eines: Spaß machen! Nur dann ist sie eine bereichernde Erfahrung für jede*n.
David Shrigley ist ein renommierter Maler, Bildhauer, Filmemacher und Fotograf. Er ist für seinen kindlichen Zeichenstil bekannt, mit dem er witzige, oft surreale Motive mit viel schwarzem Humor darstellt.
Kate Bryan ist Kunsthistorikerin, Moderatorin und Chefkuratorin der Sammlung des Soho House in London. Sie setzt sich für einen leichten Zugang zu Kunst ein und unterstützt Künstler*innen, dem elitären Wesen der Kunstwelt etwas entgegenzusetzen.#
Was, wenn dein Leben eine Leinwand wäre?
Und die Schichten von Farbe Schmerz und Glück?


Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
Alena Schröder, Roman, 352 S., geb. m. SU, dt., dtv 2026, ISBN 9783423285285, EUR 23,00 (D), EUR 23,70 (AT)
Güstrow, Mai 1945: Die 14-jährige Marlen liegt zusammengekauert in der Schublade einer Bauernkommode in einem verlassenen Forsthaus. Als sie sich endlich befreit, entdeckt sie dort eine alte, etwas unscheinbare Leinwand. Wilma, die Marlen geholfen hat, sich rechtzeitig vor den russischen Soldaten zu verstecken, nimmt die junge Waise bei sich auf. Denn Wilma hat ein Geheimnis, das sie zu zerstören droht.
Auf zwei Zeitebenen wird die bewegende Geschichte zweier Frauen erzählt, deren Leben durch eine unscheinbar wirkende Leinwand für immer verbunden ist.
Berlin, 2023: Hannah Borowski ist 34 Jahre alt und alles wäre gut, wenn nicht ihre beste Freundin Rubi plötzlich ausziehen würde. Und wenn nicht plötzlich Hannahs Vater wieder aufgetaucht wäre. Und was wurde aus der wertvollen Leinwand, die einst Hannahs Großmutter gehörte und die sich wie ein roter Faden durch ihr bisheriges Leben zieht?
Emotional, warmherzig, tiefgründig: Alena Schröder spürt in ihrem Roman der Frage nach, was wir unseren Eltern schulden und welches Erbe sie uns mitgeben.
Von Alena Schröder sind außerdem erschienen:
„Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ und „Bei euch ist es immer so unheimlich still“.
Über die Autorin
Alena Schröder, geboren 1979, arbeitet als freie Journalistin und Autorin in Berlin. Sie hat Geschichte, Politikwissenschaft und Lateinamerikanistik in Berlin und San Diego studiert und die Henri-Nannen-Schule besucht. Nach einigen Jahren in der „Brigitte“-Redaktion arbeitet sie heute frei u.a. als „Brigitte“Kolumnistin.#


Die Farben der Kunst Malpaletten aus fünf Jahrhunderten
Alexandra Loske, 256 S., 21,6 x 27,2 cm, geb., dt., Hatje Cantz 2024, ISBN9783775758161, EUR 44,00 (D), EUR 46,00 (A), CHF 57,50 (CH)
Die Mischpaletten und ihre Farben erzählen eindrücklich vom Entstehen eines Bildes. Das Buch versammelt Mischpaletten und Werke von mehr als 50 Künstler*innen.


Kunst kleben
Washi Tape Art Das Tutorial
Natascha Fix, Jörg Bockow, 144 S., zahlr. farb. Abb., 16 x 24 cm, kart., dt., Verlag Hermann Schmidt 2025, ISBN 9783874399135, EUR 25,00 (D), EUR 25,70 (A), CHF 34,00 (CH)
Die kreative Arbeit mit den bunten Washi Tapes garantiert schnell kleine Erfolgserlebnisse und bildet den idealen analogen Gegenpol zu einem von digitalen Tools dominerten Alltag.


Das Acryl-Praxisbuch
Anita Hörskens, 160 S., zahlr. farb. Abb., 20,5 x 24 cm, geb., dt., Edition Michael Fischer 2025, ISBN 9783745929553, EUR 24,00 (D), EUR 24,70 (A), CHF 32,90 (CH)
Die Autorin stellt alle wichtigen Informationen, begonnen beim Material, über Werkzeuge und Hilfsmittel bis zur Farbenlehre, anschaulich dar. Mal- und Strukturtechniken finden dabei ebenso ihren Platz wie Ausführungen zur Bildkomposition.


Renoir
Gilles Néret, 488 S., zahlr. farb. Abb., 15,6 x 21,7 cm, geb., dt., Taschen 2025, ISBN 9783836592062, EUR 25,00 (D), EUR 25,00 (A)
Pierre-Auguste Renoir gilt als einer der beliebtesten Maler der Kunstgeschichte. Mit brillanten Reproduktionen, einer vollständigen Chronologie sowie Fotos und Skizzen ist dies ein unverzichtbares Nachschlagewerk zu Renoirs Œuvre.


Architektur zeichnen
Bauwerke zeichnen und farbig illustrieren
Demi Lang, 214 S., 21,5 x 28,5 cm, Hardcover, dt., frechverlag 2025, ISBN 9783735882042, EUR 36,00 (D), EUR 37,10 (A), CHF 47,90 (CH)
Schritt für Schritt verschiedene Arten von Bauwerken zeichnen und alles Wichtige rund um Material, über die Skizzen bis hin zum Einsatz von Farben, erfahren.


Hen Na E – Seltsame Bilder Kriminalroman
Uketsu, 272 S., zahlr. s/w-Abb., 13,5 x 21,5 cm, geb. m. SU, dt., Lübbe 2025, ISBN 9783757701161, EUR 24,00 (D), EUR 24,70 (A)
Dieser Besteller aus Japan ist ein Krimi rund um Bilder, dessen mysteriöse Zusammenhänge nur erkennt, wer die Bilder und Grafiken versteht, die Uketsu dem Text beigefügt hat. Auf der Suche nach des Rätsels Lösung macht auch das Material einen Unterschied: Wachsmalstifte etwa sprechen eine andere Sprache als Kugelschreiber.


Kreuzschraffur mit Feder, Stift und Tusche
August Lamm, 176 S., durchg. illustriert, 19 x 24,5 cm, kart., dt., boesner GmbH holding + innovations 2023, ISBN 9783928003469, EUR 24,95 (D) , EUR 25,60 (A), CHF 29,30 (CH)
Die altmeisterliche Technik der Kreuzschraffur hat in den letzten Jahren ein kreatives Revival erlebt. Durch ihre zeitgemäße Vermittlungsmethode verleiht die renommierte Künstlerin und Illustratorin August Lamm ihrem umfassenden Handbuch Workshop-Charakter.


Miffy und die Kunst
Dick Bruna, 64 S., farb. illustr., 22 x 22 cm, geb., dt., Midas 2025, ISBN 9783038763185, EUR 18,00 (D), EUR 18,70 (A)
Begleite Miffy, den neugierigen Hasen, auf eine Reise durch die Welt der Kunst. Du triffst hier auf 24 Künstler*innen und wirst sehen, was sie zu ihrer Kunst inspiriert hat.


Die Frau als Mensch
Am Anfang der Geschichte
Ulli Lust , 256 S., durchg. farb. illustr., 19 x 26 cm, geb., dt., Reprodukt 2025, ISBN 9783956404450, EUR 29,00 (D), EUR 29,90 (A)
Ein Sachcomic über die Anfänge der Kunst und die Bedeutung der Empathie für das Überleben unserer Spezies: Rund um die archaisch-weiblichen Figurinen entfaltet sich eine vergessene Welt, in der die Heldenreise Gruppensache war.


The Joinery Compendium
Learning from Traditional Woodworking
Sascha Bauer, Daniel Pauli, 896 S., mehr als 6.000 Zeichnungen, 17 x 24 cm, Leinen, engl., Ruby Press 2024, ISBN 9783944074528, EUR 96,00 (D), EUR 98,70 (A)
Die einzigartige Sammlung von über 400 handwerklich hergestellten Holzverbindungen aus aller Welt gibt Einblicke in deren faszinierende Vielfalt, ihre Geschichte und Anwendung. Wertvolles Wissen und Inspiration.


Der Hahn erläutert unentwegt der Henne, wie man Eier legt
Feministische Tiergedichte
Ella Carina Werner, Juliane Pieper, 160 S., durchg. farb. illustr., 16 x 21 cm, geb., dt., Verlag Antje Kunstmann 2025, ISBN 9783956146251, EUR 22,00 (D), EUR 22,70 (A)
Feministische Themen sind wichtig und ernst – aber, das beweist dieses kongenial und farbenfroh illustrierte Buch, können auch sehr, sehr lustig sein!


The Complete Guide to Materials and Techniques
Louisa Taylor, 288 S., zahlr. farb. Abb., 23,5 x 26,5 cm, geb., engl., Chronicle Books, ISBN 9781452101620, EUR 19,95 (D), EUR 19,95 (A)
Mit mehr als 700 Farbfotos und -illustrationen ist die Keramikbibel der ultimative Leitfaden für professionell interessierte Keramiker.



Denk immer dran
Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs, das Pferd und der Sturm
Charlie Mackesy, 128 S., 16,5 x 21,5 cm, Leinen, dt., Penguin 2025, ISBN 9783328604648, EUR 25,00 (D), EUR 25,70 (A), CHF 34,50 (CH) Charlie Mackesys vier ungewöhnliche Freunde wandern wieder durch die Wildnis. Sie wissen nicht genau, wonach sie suchen. Sie wissen, dass das Leben schwierig sein kann, aber sie wissen auch, dass sie sich lieben und dass Kuchen meist die Antwort ist.

Farben der Freude Entdecken Sie Ihre Kreativität mit farbigen Skizzenbüchern
Katie Moody, 160 S., zahlr. farb. Abb., 17 x 23 cm, kart., dt., Midas Verlag 2025, ISBN 9783038763284, EUR 20,00 (D), EUR 20,70 (A), CHF 30,00 (CH)
Beginnen Sie Ihre kreative Reise mit diesem spannenden Leitfaden, um Ihre künstlerischen Fähigkeiten jeden Tag mit Ihrem Skizzenbuch zu entwickeln und die positive Kraft des Kunstschaffens für Ihr Leben zu verspüren.




Japanpapiere (Washi) eröfnen eine Welt fein nuancierter
Oberflächen: Die Auswahl der Papiersorten reicht von feinfaserig über dickfaserig bis leicht – viele mit einer charakteristischen Halbtransparenz, durch welche Licht und Farbe eine eigene Präsenz entfalten. Washi besteht hauptsächlich aus Rindenfasern von Kozo (Papiermaulbeere), Gampi (Seidelbast) und Mitsumata (Papierstrauch), die Struktur, Glanz und Saugfähigkeit prägen. So reagieren die Papiere differenziert auf Pastelle, Tinten oder Wasserfarben und erlauben feine Übergänge, präzise Nuancen und atmosphärische Tiefe.


Linke Seite: Casani Holzkörper, aus Buchenholz/Buchensperrholz, in 28 verschiedene Größen erhältlich (hier abgebildet: 20 x 20 cm, 3 cm tief).
Rechte Seite, Abbildung links oben: Lascaux Studio Künstler-Acrylfarbe, 4 Gebindegrößen, erhältlich in 57 Farbtönen; Abbildung links unten: boesner Öl Water Wasservermalbare Ölfarbe, 60 ml und 200 ml, verfügbar in 42 Farbtönen; Abbildung rechts: boesner Studio Gouache, in 500 ml und 1000 ml, verfügbar in 17 Farbtönen.



„Ich denke an nichts, wenn ich male, ich sehe Farben“
Paul Cézanne in der Fondation Beyeler


Voller Bewunderung nannte Picasso ihn den „Vater von uns allen“: Paul Cézanne (1839-1906) malte revolutionäre Bilder, die Generationen von Künstlerinnen und Künstlern bis heute inspirieren. In seinem Atelier in Südfrankreich brachte er mit meisterhaftem Gespür Licht, Farbe und Form in ein kraftvolles Spannungsverhältnis. Jetzt widmet die Fondation Beyeler dem Pionier der Moderne und zentralen Künstler ihrer Sammlung zum ersten Mal eine große Einzelausstellung. Mit rund 80 Werken konzentriert sich die Schau auf die letzte und bedeutendste Phase im Schaffen des französischen Malers und zeigt ihn in Hochform: Zu sehen sind geheimnisvolle Porträts, paradiesische Badende, Sehnsuchtslandschaften aus der Provence und sein Lieblingsgebirge – die Montagne Sainte-Victoire, die Cézanne in immer neuen Ansichten darstellte.
Paul Cézanne wurde am 19. Januar 1839 in Aix-en-Provence geboren. Sein Vater, Louis-Auguste Cézanne, arbeitete zuerst als Hutmacher, bevor er in der Folge zu einem vermögenden Bankier wurde. Elisabeth Aubert, seine Mutter, stammte aus Aix und war auch in der Hutmacherei tätig. Cézannes Eltern heirateten erst 1844, drei Jahre nach der Geburt ihrer Tochter Marie. Cézannes zweite Schwester Rose Honorine wurde 1854 geboren. Ab 1852
besuchte Cézanne das Collège Bourbon, wo er sich mit dem späteren Schriftsteller Émile Zola und dem zukünftigen Astronomen Jean-Baptistin Baille anfreundete. Die drei erkundeten die Umgebung von Aix und begeisterten sich für lateinische Literatur. 1857 schrieb er sich in der kostenlosen Zeichenschule von Aix ein. Als Zola zu seiner verwitweten Mutter nach Paris zog, ermutigte er den Freund, sich ihm anzuschließen, um sich der Malerei zu widmen. Doch auf Wunsch seines Vaters, der wollte, dass er das Familiengeschäft übernahm, studierte Paul Cézanne in Aix Jura. Unter der Bedingung, sein Jurastudium fortzusetzen, erhielt er nach drei Jahren 1861 die Erlaubnis, nach Paris zu ziehen. Schon bald darauf brach er jedoch sein Jurastudium ab. Doch als er an der Aufnahmeprüfung der École des Beaux-Arts scheiterte, kehrte er nach Aix zurück.
In den 1860er-Jahren hielt Cézanne sich mehrmals in Paris auf, wo er an der Académie Suisse Malerei studierte und im Louvre die Alten Meister kopierte. Er freundete sich mit anderen jungen Malern an: Antoine Guillemet, Frédéric Bazille, Alfred Sisley, Claude Monet, Camille Pissarro. Die Werke aus dieser Periode zeichnen sich durch eine dunkle Farbpalette, pastosen Farbauftrag
[1] Paul Cézanne in seinem Atelier in Les Lauves, Foto: Bernard Emile (1868–1941), Paris, Musée d’Orsay, © GrandPalaisRmn (Musée d’Orsay) / René-Gabriel Ojeda. [2] La Montagne Sainte-Victoire vue des Lauves (Die Montage Sainte-Victoire, von Les Lauves aus gesehen), 1904/05, Öl auf Leinwand, 63,8 x 81,6 cm, The Nelson-Atkins Museum of Art, Kansas City, Missouri, Ankauf William Rockhill Nelson Trust, Image courtesy of Nelson-Atkins Digital Production & Preservation.
in Spachteltechnik und bisweilen von Gewalt geprägte Sujets aus. In der Provence schuf er Wandgemälde im Salon des Anwesens Jas de Bouffan, das sein Vater 1859 in der Nähe von Aix erworben hatte. 1869 lernte der junge Künstler Hortense Fiquet aus der Franche-Comté kennen. In den folgenden Jahrzehnten schuf Cézanne rund dreißig Porträts von ihr. 1872 wurde der gemeinsame Sohn Paul geboren. Der Vater des Malers blieb lange Zeit über Cézannes Beziehung zu Hortense im Unklaren. Erst 1886, sechs Monate vor dessen Tod, heirateten die beiden.
Während des deutsch-französischen Krieges zog sich Cézanne in das kleine Dorf L’Estaque in der Nähe von Marseille zurück. Nach seiner Rückkehr nach Paris arbeitete er mit Pissarro in der Umgebung von Paris in Auvers-sur-Oise. Pissarro ermunterte ihn zur Freilichtmalerei und zur Beschäftigung mit den Lichtverhältnissen. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte Cézanne allmählich seinen eigenen künstlerischen Stil, der auf der genauen Beobachtung und einem „konstruktiven“ Aufbau aus nebeneinandergesetzten Farbflecken beruhte, um so gut wie möglich seine „farbliche Empfindung“ der Natur wiederzugeben.

1874 und 1877 nahm er an der ersten und dann der dritten Ausstellung der Impressionisten teil. Er blieb jedoch seinem persönlichen Stil treu und distanzierte sich von seinen Freunden. 1875 lernte er Victor Chocquet kennen, der ein enger Freund und sein erster Mäzen wurde. 1882 wurde er zum ersten und letzten Mal zum Salon zugelassen. Cézannes Vater hinterließ ihm 1886 ein ansehnliches Vermögen, und Cézanne ließ sich mit seiner Mutter und Schwester in Jas de Bouffan nieder, während seine Frau und sein Sohn in Aix lebten.
Anfang 1890 reiste der Maler in die FrancheComté und in die Schweiz, er lebte in der Provence und im Großraum Paris. Er schuf Porträts von Bauern und die Serie der Kartenspieler. Im selben Jahr entdeckte der Kunsthändler Ambroise Vollard den Maler und veranstaltete in seiner Pariser Galerie die erste Einzelausstellung. Die Werke des Künstlers aus Aix lösten heftige Re aktionen beim Publikum und den meisten Kunstkritikern aus, doch einige Kunstsammler wie Auguste Pellerin interessierten sich allmählich für seine Arbeit. Um die Jahrhundertwende erlangte Cézanne zunehmend Anerkennung, vor allem Maler der jungen Generation wie Émile Bernard oder Maurice Denis interessierten sich für ihn und besuchten ihn in der Provence.
Die teilweise posthum veröffentlichten Erinnerungen an diese Begegnungen trugen zur Entstehung eines regelrechten Mythos bei. Seine Werke wurden in Deutschland, in den Niederlanden, in London ausgestellt. 1904 wurde ihm im Salon d’Automne ein eigener Saal gewidmet. 1901 ließ Cézanne das Atelier des Lauves auf den Hügeln oberhalb von Aix-en-Provence bauen, von dem man Ausblick auf das Gebirge SainteVictoire hat. Auf der Suche nach Motiven streifte er unermüdlich durch die Umgebung von Aix. Zu seinen Lieblingsmotiven zählte das Gebirge Sainte-Victoire, der Steinbruch Bibémus, die Gegend um Le Tholonet, le Château-Noir oder das Tal des Arc. In seinem Atelier entstanden zahlreiche Stillleben, einige Porträts wie das des Gärtners Vallier sowie Kompositionen von Ba denden in der Natur.
Durch seine Diabetes-Erkrankung war Cézanne sehr geschwächt und lebte zurückgezogen, doch

er arbeitete bis zu seinem Lebensende und hinterließ zahlreiche unvollendete Gemälde. Im Oktober 1906 geriet er beim Malen in freier Natur in ein Unwetter. Er starb 67-jährig wenige Tage später am 23. Oktober.
Kommerziellen Erfolg hatte Cézanne erst in den letzten Lebensjahren und die Anerkennung folgte erst kurz vor und vor allem nach seinem Tod. Zu Lebzeiten war er ein Künstler für Künstler: Andere impressionistische Künstler wie Monet, Degas und Pissaro schätzten und kauften seine Bilder. Kaum ein Künstler seiner Zeit war einflussreicher für die folgenden Generationen, von Matisse und Picasso über Mondrian und Giacometti bis zu zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern.
Dänemark und den USA ermöglicht es die Ausstellung in der Fondation Beyeler nun den Besucherinnen und Besuchern, das bahnbrechende Spätwerk des Malers zu erleben. Neben ikonischen Werken aus wichtigen öffentlichen Sammlungen wie dem Museum of Modern Art und dem Metropolitan Museum of Art, beide New York, dem Musée d’Orsay in Paris, dem Philadelphia Museum of Art, der National Gallery of Art in Washington und der Tate in London stammt die Hälfte der ausgestellten Gemälde aus privaten Sammlungen, wovon viele selten öffentlich zu sehen sind.
Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt die Zusammenführung von neun Ansichten der Montagne Sainte-Victoire sowie die gemeinsame Präsentation der beiden seltenen Kartenspieler: zum einen das bekannte Werk aus der Courtauld Gallery in London, zum anderen die ebenfalls legendären Kartenspieler aus dem Musée d’Orsay in Paris. Darüber hinaus sind 14 der viel gerühmten Früchtestillleben des Künstlers sowie acht herausragende Porträts
Anhand von 58 Ölgemälden und 21 Aquarellen aus renommierten institutionellen und privaten Sammlungen aus der Schweiz, Frankreich, Deutschland, England, Spanien, den Niederlanden, [4] Pommes et Oranges (Äpfel und Orangen), um 1899, Öl auf Leinwand, 74 × 93 cm, © GrandPalaisRMN (musée d'Orsay) / Hervé Lewandowski.

und Selbstporträts zu sehen. Mit La pierre à moudre au parc du Château Noir (La meule) / (Der Mühlstein im Park des Château Noir (Der Mühlstein), 1892–1894, wird zudem ein bedeutendes Werk aus Philadelphia präsentiert, das noch nie zuvor nach Europa ausgeliehen wurde.
Ein besonderes Ereignis bildet die erstmalige Gegenüberstellung zweier Aquarellfassungen des Knaben mit der roten Weste. Gezeigt werden zudem mehrere Arbeiten, die seit Jahrzehnten nicht mehr ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wurden, darunter das um 1895 geschaffene Portrait de Paul Cézanne (Bildnis Paul Cézanne) Gezeigt wird zudem eine Vielzahl der bewusst offen belassenen Gemälde, bei denen der Künstler Teile der Leinwand unbemalt ließ, sowie über 30 Landschaftsbilder der Provence.
Zeitlich setzt die Ausstellung in der Mitte der 1880er-Jahre ein: Cézanne hatte sich von der Auseinandersetzung mit dem Impressionismus emanzipiert und zu dem Stil gefunden, der ihn zu einer
Schlüsselfigur der Moderne macht. Sein radikaler Neuanfang der Kunst befreite die Malerei von traditionellen Konventionen wie der Zentralperspektive oder der Darstellung der Anatomie. Cézannes erklärtes Ziel war es, nicht mehr die Natur abzubilden, sondern den Vorgang des Malens von Motiven der Natur in seinen Werken zu analysieren und anschaulich zu machen.
Aus dieser neuen künstlerischen Freiheit heraus wandte sich Cézanne verstärkt jenen Motiven zu, die sein weiteres Schaffen bestimmen sollten, allen voran die Landschaft seiner provenzalischen Heimat. Gerade dort fand er jenes Experimentierfeld, auf dem er seine Vorstellungen von einer erneuerten Malerei weiterentwickeln und entfalten konnte. In seinem Werk war die Landschaft der Provence weit mehr als eine malerische Kulisse; sie wurde zum Herzstück einer neuen, modernen Bildsprache. Mit seinen Ansichten der Montagne Sainte-Victoire und der Wälder im südlichen Licht prägte Cézanne nicht nur die Entwicklung der Kunst, sondern auch die Art und Weise, wie die Region bis heute wahrgenommen wird. Seine Bilder machten die Provence zu einem Sehnsuchtsort, in dem Natur, Stille und zeitlose Schönheit miteinander verschmelzen. Indem er die Landschaft in kraftvolle Farben übersetzte, verlieh er ihr eine ikonische Ausstrahlung, die weit über die Malerei hinauswirkt. Für heutige Betrachterinnen und Betrachter offenbart sich in seinen Provence-Motiven sowohl die Wurzel der Moderne als auch jener magische Zauber, dem die Region ihre ungebrochene Anziehungskraft verdankt.
Die Montagne Sainte-Victoire ließ dabei den Künstler nicht los. Immer wieder stellte er seine Staffelei vor den Bergen auf, weil er in ihm ein ideales Testfeld für seine zentrale künstlerische Frage erblickte: Wie kann man die Welt so malen, wie man sie wirklich erlebt? Für Cézanne bedeutete das, die Natur nicht einfach abzubilden, sondern ihre Klarheit, ihre Farben und ihre Stimmungen sichtbar zu machen – Kunst als Parallele zur Natur. Zwischen den 1880er-Jahren und seinem Tod malte er die Montagne SainteVictoire etwa 30 Mal in Öl und fertigte zahlreiche Aquarelle an. Sieben Ölgemälde und zwei Aquarelle mit Ansichten des Gebirges sind in der Ausstellung der Fondation Beyeler vereint zu sehen.
An der Montagne Sainte-Victoire erprobte Cézanne seine Technik, Bilder auf der Leinwand zu konstruieren. Er malte keine Objekte, wie er sie kannte, sondern das, was er unmittelbar sah: reine Farbempfindungen („sensations colorantes“), die er mit farbigen Pinselstrichen („taches colorées“) auf die Leinwand übertrug. So untersuchte er, wie Formen allein durch Farbe entstehen können. Seine schier unerschöpflichen Versionen waren weniger Ausdruck eines hartnäckigen Forschungsgeists als vielmehr konsequente Annäherungen an dieses Sehen. Cézanne wollte die beständige Kraft des Motivs und die flüchtigen Eindrücke des Augenblicks in Einklang bringen. Es war ein Versuch,
[5] Le Garçon au Gilet rouge (Der Knabe mit der roten Weste), 1888–1890, Öl auf Leinwand, 79,5 x 64 cm, Sammlung Emil Bührle, Dauerleihgabe im Kunsthaus Zürich.

der später Künstler wie Picasso oder Braque entscheidend beeinflussen sollte.
Ein weiteres zentrales Motiv der Ausstellung sind die Badenden, ein Thema, das Paul Cézanne immer wieder aufgriff und variierte, indem er das Verhältnis zwischen Mensch und Natur auslotete. Anstatt idealisierte Figuren darzustellen, verwob er Körper und Landschaft so eng miteinander, dass die Badenden in den Rhythmus der Bäume übergehen, die Kurven des Flussufers aufnehmen oder gleichsam wie Pflanzen aus dem Boden wachsen. Diese stille Verschmelzung verleiht den Szenen ihre besondere Spannung: Die Figuren sind präsent und gleichzeitig kurz davor, im Gelände aufzugehen. Cézannes Badende verbinden die klassische Tradition der Aktmalerei mit einem modernen Verständnis von Form und Raum.
Auch in den Stillleben zeigt sich sein unermüdliches Bestreben, die sichtbare Welt in eine beinahe zeitlose Ordnung zu überführen. Was auf den ersten Blick als schlichtes Arrangement aus
[6] Groupe de Baigneuses (Gruppe von Badenden), um 1895, Öl auf Leinwand, 47 x 77 cm, Ordrupgaard, Kopenhagen, Foto: Anders Sune Berg. Äpfeln, Birnen, Orangen, Krügen, Karaffen, Broten und sorgfältig drapierten Tüchern erscheint, entpuppt sich als Bühne für eine eingehende Erkundung von Form, Farbe und Gleichgewicht. Indem er Früchte zu kompakten Farbkörpern verdichtete, Tücher wie bewegte Landschaften modellierte und an geschlossenen Gefäßen das subtile Spiel von Licht und Schatten ergründete, verwandelte er gewöhnliche Gegenstände in tragende Elemente einer neuen Bildarchitektur. Seine Stillleben sind keine Momentaufnahmen, sondern durchdachte Konstruktionen, in denen jedes Objekt Gewicht, Volumen und Raumwirkung erhält und in denen anschaulich wird, wie Cézanne im Kleinen jenes Streben nach innerer Ordnung verfolgte, das ihn auch in der großen Natur faszinierte.
Neben seinen Stillleben mit Früchten und Gefäßen widmet sich die Ausstellung auch Cézannes Auseinandersetzung mit dem Motiv des Totenkopfs, das eine existenzielle Dimension seines Schaffens widerspiegelt. Anders als die Arrangements von Obst
„Bisweilen stelle ich mir die Farben
als lebendige
Gedanken vor, Wesen reiner
Vernunft, mit denen ich mich auseinandersetzen kann.“
Paul Cézanne

[7]
und Tüchern ist der Totenkopf kein rein dekoratives Objekt, sondern ein Symbol fur Vergänglichkeit und die Grundfragen der menschlichen Existenz. Der Schädel wird zu einer konzentrierten Form, dessen Gewicht, Schatten und Kontur die gleiche Aufmerksamkeit zuteil wird wie bei den Gegenständen seiner Stillleben. In diesen Gemälden verschmilzt die materielle Realität des Gegenstands mit einer Reflexion über Zeit, Sterblichkeit und die bleibende Struktur der Welt.
Die von Ulf Küster kuratierte Ausstellung in der Fondation Beyeler zeigt eindrücklich, wie Cézanne die Strukturen seiner Bilder sichtbar macht und damit die Betrachtenden einlädt, sich mit seinem Malprozess auseinanderzusetzen und daran zu partizipieren. Insbesondere betrifft das die Werke, die unvollendet erscheinen. In ihnen nahm sich der Künstler die Freiheit, Teile der Leinwand unbemalt zu lassen, und gerade im Unvollendeten erzielte er eine neue Harmonie. Diese Kompositionen kennzeichnet eine
Art offenes Ende, das den aktiv Betrachtenden die Möglichkeit gewährt, sie in ihrer Vorstellung gedanklich selbst weiterzumalen und zu vervollständigen.
Angeregt davon, wird den Besuchenden am Ende des Ausstellungsrundgangs die Gelegenheit geboten, die von Cézanne zur Meisterschaft geführte Aquarelltechnik selbst zu erproben. Die Einrichtung eines Ateliers im Museumsraum zielt darauf ab, das vom Künstler entwickelte Verfahren nicht nur visuell, sondern auch praktisch erlebbar zu machen.
Den Abschluss der Ausstellung bildet der Kurzfilm „Cézanne on art“, 2025 von Albert Oehlen, einem der bedeutendsten zeitgenössischen Maler, und dem renommierten Regisseur Oliver Hirschbiegel, bekannt für internationale Filmproduktionen. Der Film bezieht seine Inspiration aus den Gesprächen zwischen Cézanne und seinem Freund, dem Schriftsteller Joachim Gasquet
[7] La Montagne Sainte-Victoire vue des Lauves (Die Montagne Sainte-Victoire, von Les Lauves aus gesehen), um 1904, Öl auf Leinwand, 54 x 65 cm, Privatsammlung, Derbyshire, Foto: Christie’s Images / Bridgeman Images. [8] Nature morte avec Crâne et Chandelier, (Stillleben mit Totenkopf und Leuchter), um 1900, Öl auf Leinwand, 61 x 50 cm, Staatsgalerie Stuttgart, erworben 1955, Foto: bpk / Staatsgalerie Stuttgart.

[8]
und verbindet Kunst, Philosophie und Landschaft zu einer atmosphärischen Annäherung an den Künstler. In den Hauptrollen sind Sean O’Brien, Sam Riley und Nichole Galicia zu sehen. Gedreht an den Originalschauplätzen der Montagne Sainte-Victoire und im Steinbruch von Bibémus, fängt der Film das Licht und die faszinierende Atmosphäre jener Landschaft ein, die Cézannes Malerei prägte. In der Fondation Beyeler feiert er seine Premiere.
Direktor Sam Keller und Kurator Ulf Küster sehen in der Schau die ideale Ausstellung, um die bevorstehende Erweiterung des Hauses vorzubereiten. „Paul Cezanne war ein Künstler, der die Tradition der europäischen Malerei ebenso wie die Landschaft seiner Heimat, die Provence, wertschätzte“, schreiben sie im Katalog. „Seine radikale Weiterentwicklung der Kunst hat diese zu einzigartigen Höhepunkten geführt und ihr enorme neue Potenziale eröffnet. Damit ist Cezanne auch eine Inspiration für die Weiterentwicklung unserer Institution.“#
Bis 25. Mai 2026
Cezanne


Cezanne
Ulf Küster für die Fondation Beyeler (Hrsg.), Gestaltung von Melanie Mues, Mues Design, London, Zeichnungen von Sarah Weishaupt, Hardcover, dt., 200 S. mit 107 Abb., 23 x 27 cm, Hatje Cantz, ISBN 9783775762298
Zum Weiterlesen
Cézanne A–Z
James Rubin, Hardcover, dt., 144 S. mit 40 Abb., 10 x 10 cm, Hatje Cantz, ISBN 9783775749121
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Fondation Beyeler
Baselstrasse 101, 4125 Riehen Tel. +41-61-6459700 www.fondationbeyeler.ch
Constantin Brancusi in der Neuen Nationalgalerie

Constantin Brancusi (1876–1957) gilt als Begründer der modernen Skulptur. Nach akademischen Anfängen in Rumänien fand der Bildhauer um 1907 in Paris zu einem eigenen Stil: Seine organischen, bis auf das Wesentliche reduzierten Skulpturen machen ihn zum Vorreiter der skulpturalen Abstraktion im frühen 20. Jahrhundert. Brancusis stetige Suche nach einem künstlerischen Ideal manifestiert sich in den formalen Variationen weniger Motive und dem Spiel mit wechselnden Materialien und Oberflächen. Teilweise über Jahrzehnte hinweg entwickelte er seine Themen weiter, was oftmals mit einer zunehmenden Abstraktion einherging. Das Fragmentarische und eine radikale Vereinfachung der Form sind zentrale Elemente seiner Kunst. Anlässlich des 150. Geburtstages von Constantin Brancusi zeigt die Neue Nationalgalerie Berlin in Kooperation mit dem Centre Pompidou Paris vom 20. März bis zum 9. August 2026 nun eine groß angelegte Einzelausstellung des Bildhauers. Mit mehr als 150 Arbeiten ist dies die erste umfassende Werkschau des Ausnahmekünstlers seit über 50 Jahren in Deutschland.
[1] Selbstporträt im Atelier, um 1934, Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Dist.GrandPalaisRmn, © Succession Brancusi, All rights reserved / VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Constantin Brancusi.
Constantin Brancusi wurde 1876 in Hobita (Rumänien) geboren und studierte zunächst an der Kunstgewerbeschule in Craiova, bevor er die Kunstakademie in Bukarest besuchte. Nach seinem Militärdienst brach er 1903 nach Paris auf. Sein Weg führte über Stationen in Wien, München und Langres, bis er schließlich im Sommer 1904 Paris erreichte, wo er zeitlebens arbeiten sollte. Zunächst sicherte er sich seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheits arbei ten, dann erhielt der junge Bildhauer 1905 die Zulassung für die École nationale supérieure des beaux-arts in Paris. Bis 1907 besuchte er die Bildhauerklasse von Antonin Mercié. Schon 1906 stellte er in Ausstellungen des Salons aus und lernte Auguste Rodin kennen. Nach einer kurzen Zusammenarbeit mit Rodin bezog er schließlich 1908 sein eigenes Atelier in der Rue de Montparnasse, wo er acht Jahre lang arbeitete. In dieser Zeit etablierte Brancusi sich in der Kunstszene, pflegte gute Kontakte zu seinen Kolleg*innen, verkehrte in Treffpunkten von Künstlern und Schriftstellern und war eng mit Henri Matisse, Fernand Léger, Marcel Duchamp, Henri Rousseau

Auguste Rodin wurde auf den jungen
Bildhauer aufmerksam, und Brancusi arbeitete auch in seinem Atelier.
Allerdings blieb er dort nicht lange, denn, so sagte er: „Nichts wächst im Schatten großer Bäume.“
[2] Dessin d'après „La jeune fille au miroir“, 1916–1930, Tinte auf Kartonpapier, Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Philippe Migeat/Dist. GrandPalaisRmn, © Succession Brancusi, All rights reserved / VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Constantin Brancusi.


La Muse endormie, 1910, Bronze, Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Philippe Migeat/Dist. GrandPalaisRmn, © Succession Brancusi, All rights reserved / VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Constantin Brancusi. [4] Léda, 1926, Polierte Bronze (Sandguss), Neusilber, Foto: Centre Pompidou, MNAMCCI/Georges Meguerditchian/Dist. GrandPalaisRmn, © Succession Brancusi, All rights reserved / VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Constantin Brancusi. und Amedeo Modigliani befreundet. Im Februar 1913 zeigt er bei der großen Armory Show in New York vier Skulpturen, die im Anschluss auch in Chicago und Boston zu sehen waren. Im selben Jahr bestritt er seine erste Einzelausstellung in der Galerie des Fotografen und Galeristen Alfred Stieglitz in der New Yorker Fifth Avenue. 1916 mietete Brancusi ein zweites, geräumigeres Atelier in der Impasse Ronsin Nr. 8.
„Betrachtet meine Skulpturen, bis ihr sie seht. Diejenigen, die Gott am nächsten sind, haben sie gesehen.“
Constantin Brancusi
Ab den 1920er-Jahren präsentierte Brancusi seine Werke vorrangig dort: Das Atelier in der Impasse Ronsin war für ihn nicht nur Arbeitsstätte, sondern gleichermaßen Ausstellungs- und Lebensraum. Er sah es als besten Ort zur Präsentation seiner Werke, die er mit farbigen Vorhängen und ausgeklügelter Beleuchtung zwischen selbst gefertigten Möbeln in Szene setzte – vom rohen Materialblock bis hin zur fertigen Skulptur und mit ihren Sockeln, denen er besondere Bedeutung im Rahmen des Werkes zumaß. Auch bereits verkaufte Stücke wurden in Form einer Gipsversion gezeigt – so blieben sie in der Werkstatt präsent. Als Brancusi 1957 starb, bekamen der französische Staat und somit das Musée National d’Art Moderne in Paris den Inhalt seines Ateliers mitsamt der Bildhauerwerkzeuge und vieler seiner bedeutendsten Skulpturen aus seinem Nachlass. 1997 wurde das Atelier von dem Architekten Renzo Piano neben dem Centre Pompidou rekonstruiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Das Atelier-Ensemble gilt als Schlüssel zum Verständnis seines Werkes, als Laboratorium der Form und unmittelbares Zeugnis seines Schaffensprozesses. Die Berliner Ausstellung zeigt neben seinen berühmten Hauptwerken wie Schlummernde Muse, Der Kuss, Vogel im Raum oder die Unendliche Säule jetzt erstmals außerhalb von Paris eine Teilrekonstruktion seines Ateliers. Als Herzstück der Retrospektive zeigt der Atelierraum Brancusis Werkzeuge, Möbel und Kunstwerke – ergänzt durch eine umfangreiche Auswahl an historischen Objekten, Dokumenten, Fotografien und Filmen, die gleich einer illustrierten Biografie von Arbeit und Leben des Bildhauers erzählen.
Mit über 150 Skulpturen, Fotografien, Zeichnungen, Filmen und bisher kaum gesehenen Archivmaterialien aus dem Centre Pompidou wie aus weiteren privaten und öffentlichen internationalen Sammlungen präsentiert die Ausstellung den bisher umfangreichsten Überblick uber das vielseitige Schaffen eines der bedeutendsten Bildhauer*innen des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung wurde ermöglicht durch die FREUNDE der Nationalgalerie und steht unter der gemeinsamen Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dem Präsidenten der Französischen Republik Emmanuel Macron.#
Mit über 150 Skulpturen, Fotografen, Zeichnungen, Filmen und bisher kaum gesehenen Archivmaterialien präsentiert die Ausstellung den bisher umfangreichsten Überblick über das Schafen des Bildhauers.
Bis 9. August 2026 Brancusi



Constantin Brancusi Klaus Biesenbach, Maike Steinkamp / Neue Nationalgalerie (Hrsg.), dt./engl., Hardcover, 240 S. m. 94 Farbabb., Distanz Verlag, ISBN 9783954768257
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Neue Nationalgalerie
Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin Besucherdienste Tel. +49-(0)30266424242 www.smb.museum

„Ich
Zum 150. Geburtstag von Paula Modersohn-Becker
Eine junge Frau, 1876 in Dresden geboren und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Bremen, London, Berlin, Worpswede und vor allem Paris künstlerisch sozialisiert, wurde eine der auch international erfolgreichsten Malerinnen des 20. Jahrhunderts. Wie kam es dazu, dass aus Paula Becker die Künstlerin Paula Modersohn-Becker wurde – und letztlich als Kunstfigur „Paula“ auch in gewissem Sinne eine Projektionsfläche, die bis heute in Literatur, Film und Kunst umfassend rezipiert wird? Diesen Fragen geht die große Jubiläumsausstellung „Becoming Paula“ zum 150. Geburtstag von Paula Modersohn-Becker nach, die parallel auf Leben, Werk und Rezeption blickt und bis Mitte September im Paula Modersohn-Becker-Museum in Bremen zu sehen ist.
Der Blick auf ihr Lebenswerk ist voller Höhepunkte: Bereits 1906 stellte Paula Modersohn-Becker die Kunstgeschichte mit ihrem Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag auf den Kopf – dem ersten Selbstakt einer Malerin. Das Gemälde wurde erst nach ihrem Tod öffentlich gezeigt. 1927 wurde ihr posthum das erste Museum weltweit für eine Malerin gewidmet. Heute wird Paula Modersohn-Becker als wichtigste deutsche Malerin des frühen 20. Jahrhunderts gefeiert, als „Pionierin der Moderne“, „Deutschlands Picasso“ (FAZ 2007) und „trailblazing artist“ (The New York Times 2024). Dabei blieben ihr nur rund zehn Jahre, um ein Werk von nahezu 750 Bildern und über 1400 Zeichnungen zu schaffen.

[1] Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag, 1906, Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen, © Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen. [2] Fotografie von Paula Modersohn-Becker, um 1905, Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen © Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen.

Paula Modersohn-Becker.
London – Berlin – Worpswede – Paris


Frank Schmidt (Hrsg.), Beiträge von R. Duckwitz, S. Ewald, H. Hans, F. Schmidt, W. Werner, Schweizer Klappenbroschur, 96 S. mit 70 Abb. in Farbe, 24 x 33 cm, Hirmer Verlag, ISBN 9783777447766
Das Paula Modersohn-Becker Museum besitzt zusammen mit der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung die weltweit umfangreichste öffentliche Sammlung ihrer Werke. Die Jubiläumsausstellung zeigt, wie die Malerin schon in ihrer Studienzeit ihren eigenen, freien und selbstständigen künstlerischen Weg ging und diesen bis zu ihrem frühen Tod im Jahr 1907 konsequent verfolgte. Neben ihrem weitgehend unbekannten Frühwerk und den berühmten Bildern ihrer letzten Lebensjahre rückt die Schau erstmals auch die Rezeption der Malerin im 20. und 21. Jahrhundert in den Fokus.
Der Weg durch das Paula Modersohn-Becker Museum nimmt die Besuchenden mit „auf eine Zeitreise von 1892 bis 1907, die entlang ihrer enigmatischsten und berührendsten Bilder und Zeichnungen führt“, so Museumsdirektor Frank Schmidt in der Einführung zum Ausstellungskatalog. „In der Ausstellung (…) vermischen sich Außen- und Innensicht, überlagern sich die Bilder mit den vielen Blicken auf ihr Werk bis heute.“ Ein Überblick über die Geschichte ihres kurzen Lebens zeigt eine junge Frau, die unbeirrt ihren Weg verfolgte und auch von ihren Zeitgenos-
[3] Kinder mit Laternen vor Haus, um 1901, Kunsthandel Wolfgang Werner Bremen/Berlin © Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen.

sen mitunter nie ganz zu ergründen war, wie ihre Schwester Herma formulierte: „Sie liebte ihre Einsamkeit und Ungestörtheit. Und ihr Geheimnis, das irgendwie immer um sie war.“
Am 8. Februar 1876 wird Minna Hermine Paula Becker als drittes von sieben Kindern in Dresden geboren. 1888 übersiedelt ihre Familie nach Bremen, ab 1892 erhält die junge Frau ersten Zeichenunterricht. Zunächst besucht Paula Becker auf Wunsch des Vaters das Lehrerinnenseminar in Bremen, doch ab 1896 absolviert sie eine eineinhalbjährige Ausbildung im „Verein der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen zu Berlin“, das sie erfolgreich
abschließt. 1897 tritt sie in die Malklasse von Jeanna Bauck ein und besucht zum ersten Mal Worpswede: Sie entschließt sich spontan, den Sommer dort zu verbringen. Dort lernt Paula Becker Otto Modersohn kennen und übersiedelt 1898 nach Worpswede. Nach vernichtender Kritik an einigen Studien, die sie 1899 in der Bremer Kunsthalle ausgestellt hat, reist die junge Malerin in der Silvesternacht 1900 nach Paris. Sie zeichnet und malt in der privaten Académie Colarossi und betreibt Studien im Louvre, wo sie erstmals Werke von Paul Cézanne sieht, die sie tief beeindrucken. Am 25. Mai 1901 heiratet sie Otto Modersohn. Weitere Aufenthalte in Paris folgen, und schließlich trennt sie sich im
[4] Brustbild eines Mädchens in der Sonne vor weiter Landschaft, 1897, Privatsammlung, © Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen.

„Und nun weiß ich gar nicht wie ich mich unterschreiben soll.
Ich bin nicht Modersohn und ich bin
auch nicht mehr Paula Becker, Ich bin Ich, und hoffe es immer mehr zu werden.“
Paula Modersohn-Becker 1906 in einem Brief aus Paris an Rainer Maria Rilke
Februar 1906 von ihrem Ehemann und fährt erneut nach Paris, um dort als Künstlerin zu leben. Im Herbst versöhnt sie sich wieder mit Otto Modersohn, der den Winter 1906/07 mit ihr in Paris verbringt. Ende März 1907 kehrt die Künstlerin nach Worpswede zurück, wo am 2. November ihre Tochter Mathilde geboren wird. Am 20. November 1907 stirbt Paula Modersohn-Becker an einer Embolie.
Die Bremer Ausstellung bietet mit rund 80 Gemälden und Papierarbeiten aus der Museumssammlung, den reichen Beständen der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung sowie selten gezeigten Arbeiten aus Privatbesitz und Leihgaben weiterer Institutionen einen
fulminanten Einblick in die Facetten dieser einzigartigen Künstlerinnenbiografie. Die Schau stellt dem heutigen Blick auf die Künstlerin ihren Werdegang entgegen. So erschließt das erste Kapitel Paula Modersohn-Beckers persönliches und professionelles Netzwerk – mit Porträts u.a. von Clara Rilke-Westhoff, Rainer Maria Rilke, Martha Vogeler, Lee Hoetger oder der Schwester Herma. Darauf folgen Studienarbeiten und frühe Werke, die in London und Berlin entstanden. An ihnen wird nicht nur die Auseinandersetzung der jungen Malerin mit ihren Lehrern und maßgeblichen Künstlern ihrer Zeit deutlich; vielmehr bieten sie darüber hinaus bereits eine Vorschau auf die späten Arbeiten. Denn bereits hier blitzen die Eigenart, die Eigenständigkeit und das Talent dieser unabhängigen und eigenwilligen Frau auf. Werke aus verschiedenen Privatsammlungen machen ihr kaum gezeigtes Frühwerk zu einer Entdeckung – so hat man Paula ModersohnBecker bislang nicht gesehen.
Natürlich folgt die Ausstellung der Künstlerin auch nach Worpswede, wo sie unter Korrektur von Fritz Mackensen arbeitet. Hier wird der Akt zu dem zentralen Bildthema, das die Malerin bis zu ihrem frühen Tod beschäftigen wird. Dabei gelangt Modersohn-Becker zu ungewöhnlichen, unverstellten und direkten Bildfindungen. In den nächsten Räumen sind die berühmten Bilder von 1906/07 zu sehen, mit denen sie Teil der damaligen Pariser Avantgarde wird. Paula Modersohn-Becker war sich der Bedeutung ihrer Werke durchaus bewusst. Auf einem Briefkuvert skizzierte sie ihr Pariser Atelier, an dessen Wänden drei ihrer Hauptwerke hängen. Sie werden in der Ausstellung in einer Rekonstruktion des Zimmers gezeigt.
Wie prägend die Kunst von Paula ModersohnBecker für Künstlerinnen und Künstler im 20. und 21. Jahrhundert werden sollte, wird in der Ausstellung ebenfalls veranschaulicht. Bis heute ist diese Faszination ungebrochen, wie Beiträge von Georg Baselitz, Chantal Joffe und weiteren Künstlerinnen und Künstlern eindrucksvoll zeigen. „Becoming Paula“ ist der Auftakt zum zweijährigen Jubiläumsprogramm des Paula ModersohnBecker Museums, das 2027 sein 100-jähriges Bestehen feiert.#
Bis 13. September 2026
Becoming Paula. London – Berlin – Worpswede – Paris
Paula Modersohn-Becker Museum Bremen
Museen Böttcherstraße Stiftungs-GmbH
Böttcherstraße 6–10, 28195 Bremen
Tel. +49-(0)421-33882-36 www.museen-böttcherstrasse.de
150 Jahre Paula Modersohn-Becker in Bremen und Worpswede
Bremen und Worpswede waren entscheidende Stationen ihrer Lebensreise. Zum 150.Geburtstag von Paula Modersohn-Becker ehren weitere Museen in beiden Orten die Künstlerin 2026 mit großen Ausstellungsprojekten. Programm-Infos zu allen Ausstellungsorten: paula150.de.
Bis 1. November 2026
Impuls Paula. Zum 150. Geburtstag von Paula Modersohn-Becker
Barkenhoff, Heinrich-Vogeler-Museum
Ostendorfer Straße 10, 27726 Worpsweder
Große Kunstschau
Lindenallee 5, 27726 Worpswede
Haus im Schluh, Heinrich-Vogeler-Sammlung
Im Schluh 35–37, 27726 Worpswede
Worpsweder Kunsthalle Bergstraße 17, 27726 Worpswede www.worpswede-museen.de
150 Jahre Paula Modersohn-Becker In der Sammlungsausstellung „Remix“
Kunsthalle Bremen Am Wall 207, 28195 Bremen www.kunsthalle-bremen.de
Bis 31. Mai 2026
Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch: Die großen Fragen des Lebens Albertinum
Georg-Treu-Platz, 01067 Dresden Tel. +49-(0)351-49142000 www.albertinum.skd.museum


„Shifting the Silence“ im Lenbachhaus München
Es ist ein komplexes Unterfangen, Werke der bildenden Kunst vollständig in Worte zu fassen und erfahrbar zu machen. Eine Versprachlichung, also eine Übersetzung von Kunstwerken und ästhetischen Erfahrungen in Worte und in Sprache, stellt in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung dar: Sprache ist nicht nur ein Mittel zur Verständigung, sie ist zugleich begrenzt und manchmal sogar hinderlich, wenn es darum geht, vielschichtige Eindrücke und Wahrnehmung zu vermitteln.
Etel Adnan (1925–2021) war als Dichterin, Philosophin und Malerin eine Grenzgängerin zwischen Sprache, Bild und Raum. Geboren in Beirut, wuchs sie in einem vielsprachigen, kulturell offenen Umfeld auf und studierte Philosophie in Paris und an verschiedenen Universitäten in den USA (darunter Berkeley und Harvard) und lebte lange Zeit in Sausalito bei San Francisco. In ihrem letzten, 2021 erschienenen Buch „Shifting the Silence“(in deutscher Übersetzung als „Die Stille verschieben“ 2022 posthum erschienen) schlug sie vor, diese Stille zu „verschieben“ – also die Grenzen des Sagbaren zu erweitern und das Poetische der vielen Ausdrucksformen der Künste nicht zu rationalisieren, sondern vielmehr als Eigenwert anzunehmen. Erkennbar am Ende ihres Lebens verfasst, reflektiert Etel Adnan in ihrem Buch melancholisch, poetisch und sehr persönlich die großen Themen des Lebens. Alltagsbeobachtungen, Gefühle, Anekdoten oder Erinnerungen definieren in kurzen Prosastücken die Erzählung, die


aber keiner Linearität folgt. Die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod schafft eine ernste, philosophische Tiefe. Zugleich feiert Etel Adnan aber die Schönheit des Lebens, was als eine politische Gegenwehr gegen gesellschaftliches Verstummen verstanden werden kann – es der Text einer Malerin, deren künstlerische Karriere als Schriftstellerin und Philosophin begann.
Diesen Gedanken Etel Adnans ist der Titel der Ausstellung „Shifting the Silence. Die Stille verschieben“ im Lenbachhaus München gewidmet. Die Schau möchte sich das zentrale Anliegen von „Shifting the Silence“ zu eigen machen – sie möchte Assoziationen eröffnen, um die Kunstwerke als ein offenes Interpretationsmuster zu begleiten und zu erhellen. Zu sehen sind zum Frühjahr 2027 insgesamt 39 Werke, darunter Gemälde, Installationen und Skulpturen von Etel Adnan, Saâdane Afif, Nevin Aladağ, Harold Ancart, Tolia Astakhishvili, Leilah Babirye, Cana Bilir-Meier, Mel Bochner, Thea Djordjadze, Simone Fattal, Amy Feldman, Dan Flavin, Isa Genzken, Adrian Ghenie, Zvi Goldstein, Sheela Gowda, Giorgio Griffa, Philipp Gufler, Samia Halaby, Candida Höfer, Jenny Holzer, KAYA, Alexander Kluge, Jiří Kovanda, Goshka Macuga, Nick Mauss, Rosemary Mayer, Małgorzata Mirga-Tas, Roméo Mivekannin, Matt Mullican, Marcel Odenbach, Roman Ondak, Anri Sala, Curtis Talwst Santiago, Spomenko Škrbić, Sung Tieu, Gülbin Ünlü, Nicole Wermers und Issy Wood.#
Luisenstraße 33, 80333 München Tel. +49-(0)89-23396933 www.lenbachhaus.de [3]
Bis Frühjahr 2027
Shifting the Silence
Die Stille verschieben
Kontakt
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
[3] Ausstellungsansicht „Shifting the Silence. Die Stille verschieben“, Sheela Gowda, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, 2025 © Sheela Gowda, Foto: Lukas Schramm, Lenbachhaus. [4] Sung Tieu, Read Me Wear Me Fear Me, Cultural Appropriation (in the GDR), 2025, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Courtesy of the artist and Trautwein Herleth, Berlin.

Alexandra Averbach, Aurora, 2025, Öl auf Leinwand, 122 x 97 cm, Plus One Gallery, London, © Alexandra Averbach, courtesy Plus One Gallery, London, 2026, Foto: Plus One Gallery, London.
Bis 2. August 2026
Wettstreit mit der Wirklichkeit. 60 Jahre Fotorealismus
Museum Frieder Burda www.museum-frieder-burda.de

Jurij Korolev, Kosmonauten, 1982, Öl auf Leinwand, 195 x 315 cm, © Jurij Korolev / Courtesy: Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen, Leihgabe der Peter und Irene Ludwig Stiftung
Bis 25. April 2026 Zerreißprobe. Kunst zwischen Politik und Gesellschaft
Neue Nationalgalerie www.smb.museum
Baden-Baden
Museum Frieder Burda
Lichtentaler Allee 8b, 76530 Baden-Baden
Tel. +49-(0)7221-398980
www.museum-frieder-burda.de
Bis 2. August 2026: Wettstreit mit der Wirklichkeit. 60 Jahre Fotorealismus.
Berlin
Gemäldegalerie
Matthäikirchplatz, 10785 Berlin
Tel. +49-(0)30-266424242
www.smb.museum
Bis 8. März 2026: Das alles bin ich! Die Schenkung Christoph Müller III. Vom Reisen und Zuhause sein. Bis 6. April 2026: Hommage an Vittore Carpaccio. Ein restauriertes Meisterwerk und die Malerei Venedigs um 1500. Bis 31. Mai 2026: Gallery Looks. Modeinszenierungen in der Gemäldegalerie. Bis 31. Mai 2026: Fashion x Craft: Echoes of Tomorrow.
Hamburger Bahnhof –
Nationalgalerie der Gegenwart
Invalidenstraße 50–51, 10557 Berlin
Tel. +49-(0)30-266424242
www.smb.museum
Bis 29. März 2026: Nationalgalerie. Eine Sammlung für das 21. Jahrhundert. Bis 3. Mai 2026: Annika Kahrs. Of Score. Bis 31. Mai 2026: Petrit Halilaj. An Opera Out of Time. Bis 26. Juli 2026: Museum in Bewegung. Eine Sammlung für das 21. Jahrhundert. Bis 13. September 2026: Saâdane Aff. Five Preludes. Bis 13. September 2026: Giulia Andreani. Sabotage. 27. März 2026 bis 3. Januar 2027: Shilpa Gupta. What Still Holds.
für Fotografe
Jebensstraße 2, 10623 Berlin Tel. +49-(0)30-266424242 www.smb.museum
17. April bis 4. Oktober 2026: Neue Frau. Neues Sehen. Die Bauhaus-Fotografnnen.
Neue Nationalgalerie
Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin
Tel. +49-(0)30-266424242 www.smb.museum
Bis 25. April 2026: Zerreißprobe. Kunst zwischen Politik und Gesellschaft. Bis September 2026: Gerhard Richter. 100 Werke für Berlin. Sammlung der Nationalgalerie 1945–2000. 20. März bis 9. August 2026: Brancusi. 24. April 2026 bis 3. Januar 2027: Ruin und Rausch. Berlin 1910–19.30.
Bonn
Kunstmuseum Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 2, 53113 Bonn
Tel. +49-(0)228-776260 www.kunstmuseum-bonn.de
Bis 22. März 2026: Ausgezeichnet#9: Felix Schramm. Stipendiat:innen der Stiftung Kunstfonds. Bis 12. April 2026: Kerstin Brätsch. M TAATEM. Bis 17. Mai 2026: Rune Mields. Zum 90. Geburtstag. Bis 19. September 2027: Menschen und Geschichten. Die Sammlung der Klassischen Moderne – August Macke und die Rheinischen Expressionisten. 22. März bis 1. November 2026: Versammlung der Tiere. Ein kooperativer Malraum. 26. März bis 16. August 2026: Dorothea von StettenKunstpreis 2026. Tohé Commaret – Sarah Anaïs Desbenoit – Pol Tabouret. 28. April bis 31. Dezember 2026: Zoom in. Hito Steyerl: Animal Spirits. 30. April bis 1. November 2026: Aki Inomata. Mit-Werden.
Bremen
Kunsthalle Bremen
Am Wall 207, 28195 Bremen
Tel. +49-421-32908-0 www.kunsthalle-bremen.de
14. März bis 5. Juli 2026: Natur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom. 14. März bis 5. Juli 2026: Nerly in Venedig. Von Gondeln und Palästen. Bis auf Weiteres: Remix. Photographie – Fiktion und Wahrheit.
Neues Museum Weserburg Bremen
Teerhof 20, 28199 Bremen
Tel. +49-(0)421-59839-0 www.weserburg.de
Bis 15. März 2026: Cold as Ice. Kälte in Kunst und Gesellschaft. Bis 10. Mai 2026: Julika
Rudelius. The Emperor’s New Mall. Bis 4. Oktober 2026: Die Tödliche Doris. 2. Mai bis 4. Oktober 2026: Anys Reimann. Mirrorball.
Dresden
Albertinum
Tzschirnerplatz 2, 01067 Dresden Tel.+49-(0)351-49142000 www.albertinum.skd.museum
Bis 12. April 2026: 20 Jahre Gerhard Richter Archiv. Werke, Materialien, Kuriosa. Bis 31. Mai 2026: Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch. Die großen Fragen des Lebens. Bis 31. Mai 2026: Focus Albertinum: Am ofenen Meer. Nordische Seestücke des 19. Jahrhunderts.
Düsseldorf
Kunstsammlung
Nordrhein-Westfalen K 20
Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf
Tel. +49-(0)211-8381130 www.kunstsammlung.de
28. März bis 2. August 2026: Anne Truitt. Pionierin der Minimal Art. Bis auf Weiteres: Raus ins Museum! Rein in Deine Sammlung. Meisterwerke von Etel Adnan bis Andy Warhol.
Kunstsammlung
Nordrhein-Westfalen K 21
Ständehausstraße 1, 40217 Düsseldorf
Tel. +49-(0)211-8381204 www.kunstsammlung.de
Bis 19. April 2026: Grund und Boden. Wie wir miteinander leben. Bis 30. August 2026: Tadáskía. Preisträgerin K21 Global Art Award.
Kunstpalast
Ehrenhof 4–5, 40479 Düsseldorf
Tel. +49-(0)211-8996260 www.kunstpalast.de
Bis 8. März 2026: Die geheime Macht der Düfte. Bis 22. März 2026: Das fünfte Element. Werke aus der Sammlung Kemp. Bis 25. Mai 2026: Community. Fotografe und Gemeinschaft. 12. März bis 9. August 2026: Monet –Cézanne – Matisse. The Scharf Collection. 17. Bis 26. April 2026: Palastblühen. 30. April bis 7. Juni 2026: Die Kleine. Kunstwettbewerb für Grundschulen.


Ausstellungsansicht „Beckmann“, Foto: Städel Museum, Norbert Miguletz
Bis 15. März 2026 Beckmann
Städel Museum www.staedelmuseum.de

Raumansicht „Wie Bilder erzählen“ Foto: BStGS, Haydar Koyupinar
Bis 5. Juli 2026
Wie Bilder erzählen.
Storytelling von Albrecht Altdorfer bis Peter Paul Rubens
Alte Pinakothek www.pinakothek.de
Duisburg
Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum
Friedrich-Wilhelm-Straße 40 47049 Duisburg, Tel. +49-(0)203-2832630 www.lehmbruckmuseum.de
Bis 1. Mai 2026: Plastik Fantastik. 18. April bis 30. August 2026: Anish Kapoor. WilhelmLehmbruck-Preisträger der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland.
Emden
Kunsthalle in Emden
Hinter dem Rahmen 13, 26721 Emden
Tel. +49-(0)4921-97500
www.kunsthalle-emden.de
Bis 12. April 2026: Armin Mueller-Stahl. Nacht und Tag auf der Erde. 21. März bis 2. August 2026: Am Hafen. Die Sammlung der Kunsthalle Emden begegnet Bodo Olthoff. Ab 26. April 2026: Bilder, die wir lieben. 40 Jahre. Kunsthalle Emden.
Frankfurt
Städel Museum
Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt
Tel. +49-(0)69-6050980
www.staedelmuseum.de
Bis 15. März 2026: Beckmann. Bis 12. April 2026: Asta Gröting. Ein Wolf, Primaten und eine Atemkurve. 19. März bis 5. Juli 2026: Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat.
Hamburg
Hamburger Kunsthalle
Glockengießerwall, 20095 Hamburg
Tel. +49-(0)40-428131-200
www.hamburger-kunsthalle.de
Bis 29. März 2026: Kunst um 1800. Eine Ausstellung über Ausstellungen. Bis 12. April 2026: Ho Tzu Nyen. Time & The Tiger. Bis 31. Mai 2026: Impressionismus. Deutsch-Französische Begegnungen. Bis 7. Juni 2026: For Your Eyes Only. Miniaturen der Romantik. Bis 18. Oktober 2026: Isa Mona Lisa. 27. März bis 30. August 2026: Maria Lassnig und Edvard Munch. Mal f uss = Lebens f uss. 24. April 2026 bis 11. April 2027: Skulptural. Die neuen Galerien.
Hannover
Sprengel Museum Hannover
Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover
Tel. +49-(0)511-168-43875
www.sprengel-museum.de
Bis 10. Mai 2026: Gabriela Jolowicz. Holzschnitte. 11. April bis 5. Juli 2026: Horst Antes. Eine Sammlung. 18. April bis 5. Juli 2026: Sprengel@Feinkunst.
Köln Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln
Tel. +49-(0)221-221-26165
www.museum-ludwig.de
Bis 22. März 2026: Smile! Wie das Lächeln in die Fotografe kam. 14. März bis 2. August 2026: Yayoi Kusama. Bis 8. November 2026: Hier und Jetzt im Museum Ludwig. De/ Collecting Memories from Turtle Island.
München
Alte Pinakothek
Barer Straße 27, 80333 München
Tel. +49-(0)89-23805-216
www.pinakothek.de
Bis 29. März 2026: Alte Meister in Bewegung. Sammlungspräsentation. Bis 5. Juli 2026: Wie Bilder erzählen: Storytelling von Albrecht Altdorfer bis Peter Paul Rubens. Bis 31. Dezember 2026: Von Turner bis van Gogh. Meisterwerke der Neuen Pinakothek in der Alten Pinakothek.
Haus der Kunst
Prinzregentenstraße 1, 80538 München
Tel. +49-(0)89-21127-113 www.hausderkunst.de
Bis 22. März 2026: Cyprien Gaillard. Wassermusik. Bis 12. Mai 2026: Tune Installation | Beni Brachtel. Attack Decay Sustain. Bis 17. Mai 2026: Sandra Vásquez de la Horra. Soy Energia. Bis 31. Mai 2026: Für Kinder. Kunstgeschichten seit 1968. Bis 31. Mai 2026: Koo Jeong A. Haus der Magnet. Bis 31. Mai 2026: Ei Arakawa-Nash. Please Draw Freely. Bis 31. Dezember 2026: Ausstellung der Ausstellungen.
Pinakothek der Moderne
Barer Straße 40, 80333 München
Tel. +49-(0)89-23805-360 www.pinakothek.de
Bis 12. April 2026: Sweeter than Honey. Ein Panorama der Written Art. Bis 31. Mai 2026: Refexion. Licht – Spiegel – Transparenz. Bis 30. August 2026: Mix & Match. Die Sammlung neu entdecken.
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Luisenstraße 33, 80333 München
Tel.+49-(0)89-23396933 www.lenbachhaus.de
Bis 12. April 2026: Iman Issa. Lass uns spielen. Bis Sommer 2026: Shifting the Silence. Die Stille verschieben. Gegenwartskunst im Lenbachhaus. Bis Frühjahr 2027: Was zu verschwinden droht, wird Bild. Mensch – Natur – Kunst. 10. März bis Frühjahr 2028: Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter. 24. März bis 19. Juli 2026: Franz Wanner. Eingestellte Gegenwarten. 12. Mai bis 27. September 2026: Ein Ferngespräch. Szenen aus der Weimarer Republik.
Potsdam Museum Barberini
Alter Markt, Humboldtstraße 5–6 14467 Potsdam, Tel. +49-(0)331-236014-499 www.museum-barberini.de
Bis 7. Juni 2026: Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland.
Stuttgart
Kunstmuseum Stuttgart
Kleiner Schlossplatz 1, 70173 Stuttgart Tel. +49-(0)711-2162188 www.kunstmuseum-stuttgart.de
Bis 12. April 2026: Joseph Kosuth. „Non autem memoria“. Bis 12. April 2026: Hans-Molfenter-Preis 2025. Bis 12. April 2026: Vom Werk zum Display. Bis 12. April 2026: Anita Berber. „Orchideen“. Bis 12. April 2026: Romane Holderried Kaesdorf. Haltung bewahren. Bis 12. April 2026: 20 Jahre Frischzelle. Bis 12. April 2026: Prägungen und Entfaltungen.
Staatsgalerie Stuttgart
Konrad-Adenauer-Straße 30–32 70173 Stuttgart, Tel. +49-(0)711-47040-0 www.staatsgalerie.de
Bis 7. Juni 2026: Dokumentarfotografe Förderpreise 15 der Wüstenrot Stiftung. 17. April bis 30. August 2026: Generation 1700. Zeichnen an der Königlichen Akademie in Paris.
Vitra Design Museum
Charles-Eames-Str. 1, 79576 Weil am Rhein Tel. +49-(0)7621-7023200 www.design-museum.de
Bis 10. Mai 2026: Science Fiction Design. Vom Space Age zum Metaverse. 14. März bis 6. September 2026: Hella Jongerius: Whispering Things. 23. Mai 2026 bis 9. Mai 2027: Verner Panton. Form, Farbe, Raum.
Wuppertal
Von der Heydt-Museum
Turmhof 8, 42103 Wuppertal
Tel.+49-(0)202-563-6231 ww.von-der-heydt-museum.de
22. März bis 30. August 2026: Sachlich –magisch – visionär.
Frankreich
Paris
Musée du Louvre
Rue de Rivoli, 75001 Paris
Tel. +33-(0)1-40205050, www.louvre.fr
Bis 22. Juni 2026: Cyprus at the Louvre. 8. April bis 20. Juli 2026: Martin Schongauer. The beautiful immortal. 15. April bis 20. Juli 2026: Michelangelo and Rodin. Living bodies.
Musée de l’Orangerie
Jardin des Tuileries
Place de la Concorde, 75001 Paris
Tel. +33-(0)1-44504300 www.musee-orangerie.fr
25. März bis 20. Juli 2026: Henri Rousseau. The ambition of painting. 25. März bis 24. August 2026: Alexandre Lenoir. By force of cir cumstances.

Max Liebermann, Biergarten
„De Oude Vink“ bei Leiden, 1905, Öl auf Leinwand, 71 × 88 cm, Kunsthaus Zürich
Bis 7. Juni 2026
Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland
Museum Barberini www.museum-barberini.de

Carl Grossberg, Brückenkopf der Alten Mainbrücke, 1928, Öl auf Leinwand, 60 x 50 cm, Museum im Kulturspeicher Würzburg, Foto: Andreas Bestle
22. März bis 30. August 2026
Sachlich – magisch – visionär
Von der Heydt-Museum ww.von-der-heydt-museum.de

Leiko Ikemura, O. T., 1993, 42 × 29,2 cm, Kohle und Pastell auf Papier, © 2025 Leiko Ikemura, Foto: Lothar Schnepf, Köln
Bis 6. April 2026
Leiko Ikemura. Motherscape
Albertina www.albertina.at

Kerry James Marshall, Keeping the Culture, 2010, Öl auf Hartfaserplatte, 76,2 × 121,9 cm, Robert Taylor and Edith Cooper, © Kerry James Marshall, Foto: Private Collection Christie‘s Images/Bridgeman Images
Bis 16. August 2026
Kerry James Marshall. The Histories
Kunsthaus Zürich www.kunsthaus.ch
Wien
Albertina
Albertinaplatz 1, A–1010 Wien
Tel. +43-(0)1-53483-0, www.albertina.at
Bis 22. März 2026: Faszination Papier. Rembrandt bis Kiefer. Bis 6. April 2026: Leiko Ikemura. Motherscape. Bis 25. Mai 2026: Honoré Daumier. 12. März bis 28. Juni 2026: Care Matters. Eine Ausstellung der Sammlung Verbund. 17. April bis 16. August 2026: Richard Prince. 1. Mai bis 20. September 2026: Helga Philipp. Bewegungsräume.
MUMOK – Museum Moderner Kunst
Stiftung Ludwig Wien, MuseumsQuartier, Museumsplatz 1, A-1070 Wien,
Tel. +43-(0)1-525 00, www.mumok.at
Bis 6. April 2026: Die Welt von morgen wird eine weitere Gegenwart gewesen sein. Bis 19. April 2026: Claudia Pagès Rabal. Feudal Holes. Bis 3. Mai 2026: Nie endgültig. Das Museum im Wandel. Bis 10. Mai 2026: Mapping the 60s. Kunst-Geschichten aus den Sammlungen des mumok. Bis 17. Mai 2026: Tobias Pils. Shh. Bis auf Weiteres: Jongsuk Yoon. Kumgangsan.
Kunsthistorisches Museum Wien
Maria-Theresien-Platz, 1010 Wien
Tel. +43-(0)1-52524-0, www.khm.at
Bis 15. März 2026: Pieter Claesz: Stillleben. Bis 6. April 2026: Chinesische Kunst aus der Verbotenen Stadt. Bis 6. September 2026: Kopf & Kragen. Münzen machen Mode. 24. März bis 6. September 2026: Canaletto & Bellotto.
Schweiz
Basel
Kunsthalle Basel
Steinenberg 7, 4051 Basel
Tel +41-(0)61-2069900 www.kunsthallebasel.ch
Bis 12. April 2026: Diambe. Bees beings beans. Bis 17. Mai 2026: Dominique White. All great powers collapse from the centre. Bis 23. August 2026: Coumba Samba. Wild Wild Wall. 1. Mai bis 9. August 2026: Janiva Ellis.
Kunstmuseum Basel
St. Alban-Graben 16, 4010 Basel
Tel. +41-(0)61-2066262 www.kunstmuseumbasel.ch
Bis 28. März 2026: Geister. Bis 2. August 2026: The First Homosexuals. Die Entstehung neuer Identitäten, 1869–1939. Dem Übernatürlichen auf der Spur. 7. März bis 2. Mai 2026: Marc Bauer. Fear rage desire, still standing. 18. April bis 23. August 2026: Helen Frankenthaler.
Basel/Riehen
Fondation Beyeler
Baselstrasse 101, 4125 Riehen/Basel
Tel. +41-(0)61-6459700 www.fondationbeyeler.ch
Bis 26. April 2026: „Sensations“ 25. Januar bis 25. Mai 2026: Cezanne. 24. Mai bis 13. September 2026: Pierre Huyghe.
Zürich
Kunsthaus Zürich
Heimplatz 1, 8001 Zürich
Tel. +41-(0)44-2538484 www.kunsthaus.ch
Bis 8. März 2026: Lygia Clark. Retrospektive. Bis Sommer 2026: Wu Tsang. „La montaña invertida“. Bis 16. August 2026: Kerry James Marshall. The Histories. Bis Herbst 2026: Wolfgang Laib und die Sammlung des Kunsthaus Zürich. 6. März bis 31. Mai 2026: Félicien Rops. Laboratorium der Lüste. 17. April bis 23. August 2026: Marisol.
Ausstellungsstrasse 60, 8005 Zürich
Tel. +41-43-4466767 www.museum-gestaltung.ch
Bis 6. April 2026: Junge Grafk Schweiz! Bis 31. Mai 2026: More than Human – Design mit der Natur. 13. März bis 19. Juli 2026: Civilization – Unser Leben im Fokus. 17. April bis 29. November 2026: Bauen für die Macht.
Die Angaben beruhen auf den Informationen der Aussteller. Änderungen nach Redaktionsschluss vorbehalten.






Kunst+Material erscheint zweimonatlich in einer Auflage von 30.000 Exemplaren und bietet Einblicke in Ateliers und Arbeitsweisen von porträtierten Künstler*innen, stellt interessante Inhalte im Sonderthema vor, präsentiert aktuelle Ausstellungen und gibt neben News aus der Kunstwelt viele spannende Buchempfehlungen an die Hand. Neu und exklusiv gibt es inspirierende Bildstrecken zu Materialien und künstlerischen Techniken. Hintergrundstories aus der Feder von Expert*innen informieren über die unterschiedlichsten Materialien und ihre Geschichte, und auch Künstlerinnen und Künstler selbst kommen zu Wort und stellen ihr Lieblingsmaterial vor.#
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Itamar Gov, The Rhinoceros in the Room, 2026, Kunstmuseum Magdeburg, Foto: Hans-Wulf Kunze.
Ein überlebensgroßes, luftgefülltes Rhinozeros füllt mit neun Metern Höhe und sechzehn Meter Länge den gesamten Kirchenraum und versperrt den Blick auf die romanische Architektur. Aus allen Himmelsrichtungen erklingt Musik: Der in Berlin lebende israelisch/deutsche Künstler Itamar Gov hat die gewaltige interdisziplinäre Installation „The Rhinoceros in the Room oder: Ein Märchen von Banalität und Bösem“ für den mittelalterlichen Kirchenraum im Kunstmuseum Magdeburg geschaffen und ließ sich dabei von der Kunst- und Literaturgeschichte inspirieren. Spätestens seit Albrecht Dürer ist das Nashorn (Rhinozeros) als Sinnbild imperialer Macht eng mit Europa verbunden. Mit Horn und Panzerung zog das Relikt eines Urviechs die Blicke der Schaulustigen und mächtiger Potentaten auf sich. Doch der halbblinde Mehrtonner, dickhäutig und standsicher, ist aufgrund seiner sensiblen Natur auch eine Gefahr für den Menschen. Im Bühnenstück „Die Nashörner“ von Eugène Ionesco hingegen wird die Verwandlung der Menschen in Nashörner als Metapher für Konformität und Widerstand gelesen. Auf solcher Ambivalenz beruht die Installation des „Rhinozeros im Raum“, verbindet historische Ereignisse, philosophische Ideen und lokale Legenden und hinterfragt die fragilen Grenzen zwischen Fakt und Fiktion, Erinnerung und Vorstellung. #
Bis 5. Juli 2026
Itamar Gov – The Rhinoceros in the Room oder: Ein Märchen von Banalität und Bösem Kunstmuseum Magdeburg Kloster Unser Lieben Frauen
www.kunstmuseum-magdeburg.de
Der Kunstverein Künstlergilde Buslat e.V. fördert kulturelle Vielfalt mit Schwerpunkt Ausstellungen in allen Sparten der zeitgenössischen Bildenden Kunst und bietet Kunstschaffenden eine Plattform der Vernetzung und des interdisziplinären Dialogs unterschiedlicher künstlerischer Positionen und Kunstformen.
2026 schreibt die Künstlergilde Buslat erstmals einen Kunstwettbewerb für Kunstschaffende mit Wohnsitz in Baden-Württemberg aus. Die Ausschreibung umfasst die Bereiche Malerei/ Zeichnung/Grafik sowie Objekt/Skulptur. Zwei Preise in Höhe von jeweils 2.000 Euro werden für beide Bereich vergeben. Zum Jury-Team sind Gastjuroren aus dem Kunst-/Museumsbereich berufen.
Detaillierte Bewerbungsunterlagen sollen ab Mitte März 2026 auf der Homepage des Kunstverein Künstlergilde Buslat e.V. abrufbar sein. Mit aktuellem Blick auf die facettenreiche Kunstszene in Baden-Württemberg soll die Ausschreibung künftig im zweijährigen Turnus erfolgen.#
Inormationen:
https://kuenstlergilde-buslat.de

Geduld ist die wichtigste Eigenschaft, die Michel Munier auf seinen Streifzügen tief in die alten, moosbedeckten Wälder der Vogesen mitbringen muss. Mit Rucksack, Stock und einer warmen Jacke ausgestattet, zieht es ihn immer wieder tief hinein in die Stille des Waldes, zu einem ganz besonderen Ort: einer Tanne, die zu seinem Versteck geworden ist. Über achthundert Nächte hat er dort verbracht, lauschend, beobachtend – immer auf der Suche nach Füchsen, Rehen, Hirschen, Luchsen und dem geheimnisvollen König der Wälder: dem Auerhahn. Sein Sohn Vincent teilt die Faszination des Vaters seit sei nem zwölften Lebensjahr. Von ihm hat er gelernt, die Spuren der Tiere zu lesen, kennt die Plätze, an denen sie fressen, wo sie jagen, ihre Nester bauen und schlafen. Gemeinsam mit Vincents Sohn Simon begibt sich das Familien-Trio auf eine Reise in die atemberaubende Schönheit der Natur. Nach der mit einem César ausgezeichneten Natur-Doku „Der Schneeleopard“ gelingt es dem französischen Wild tierfotografen und Dokumentarfilmer Vincent Munier mit „Das Flüstern der Wälder“ nicht nur die visuelle Pracht, sondern auch die poetischen Klänge des Waldes einzufangen. Sein Film ist eine Ode an Flora und Fauna der Vogesen, ein Brückenschlag zwischen Vater, Sohn und Enkel, zwischen Mensch und Natur, Fotografie und Film, Tag und Nacht, zwischen Persönlichem und Universellem.#

Jetzt im Kino!
www.das-fluestern-der-waelder.pandora.film
Der kurze Weg zur Kunst


www.instagram.com/ boesner_deutschland/ www.facebook.com/ boesner/

www.boesner.com/ kunstportal
33 x in Deutschland und 1 x Versandservice
3 x in Österreich
4 x in der Schweiz
5 x in Frankreich
Die Bambusfeder, kunstvoll zugerichtet und beidseitig verwendbar, ist ein besonders variables, unmittelbar reagierendes Schreibund Zeichenwerkzeug.
Geschärft, gespalten und in variablen Schnittformen gestaltet – von spitz bis breit – trägt sie Tinte auf Papyrus, Pergament oder Papier und verwandelt jede Bewegung in expressive, charaktervolle Linien.#


Valentin Louis Georges Eugène
Marcel Proust, (1871–1922), französischer Schriftsteller, Kritiker und Intellektueller
Simon Schubert (*1976), Künstler aus Köln
Streng genommen fragt hier gar nicht Marcel Proust selbst – vielmehr hat der berühmte Schriftsteller, dessen Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ als einer der größten Romane der Weltliteratur gilt, dem berühmt gewordenen Fragebogen seinen Namen gegeben. Proust hat einen solchen Fragebogen wohl mindestens zweimal selbst beantwortet – um die Wende zum 20. Jahrhundert galt das Ausfüllen als beliebtes Gesellschaftsspiel in gehobenen Kreisen. Der erste Bogen, ausgefüllt vom heranwachsenden Proust während eines Festes, wurde posthum 1924 veröffentlicht. Den zweiten Fragebogen betitelte Proust mit „Marcel Proust par lui-même“ („Marcel Proust über sich selbst“). Die ursprünglich 33 Fragen wurden für Kunst+Material auf 29 reduziert – und bieten spannende und nachdenkliche Einblicke in die Gedankenund Gefühlswelt unserer Befragten.
Wo möchten Sie leben? Am Meer. Was ist für sie das vollkommene irdische Glück? Tiefgreifende Naturerfahrungen. Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten? Die meisten Fehler. Was ist für Sie das größte Unglück? Krankheit und Verlust meiner Liebsten. Ihre liebsten Romanhelden? Robinson in Michel Tourniers „Freitag oder im Schoß des Pazifik“, Vergil in der „Göttlichen Komödie“ von Dante Alighieri. Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte? Leonardo da Vinci. Ihr Lieblingsmaler? Edvard Munch. Ihr Lieblingsautor? Samuel Beckett. Ihr Lieblingskomponist? John Cage. Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Men schen am meisten? Humor, Verlässlichkeit. Ihre Lieblingstugend? Verlässlichkeit. Ihre Lieblingsbeschäftigung? Im Atelier arbeiten. Wer oder was hätten Sie gern sein mögen? Vielleicht ein Erfinder
oder Entdecker. Ihr Hauptcharakterzug? Gewissenhaftigkeit. Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten? Ihre Freundschaft. Ihr größter Fehler? Zuviel zu arbeiten. Ihr Traum vom Glück? Ein Atelier am Meer. Ihre Lieblingsfarbe? Petrolblau. Ihre Lieblingsblume? Agapanthus. Ihr Lieblingsvogel? Der Rabe. Ihre Helden der Wirklichkeit? Ärzte ohne Grenzen. Ihr Lieblingsname? Orpheus. Was verabscheuen Sie am meisten? Krieg und Gewalt. Welche geschichtlichen Gestalten verabscheuen Sie am meisten?
Adolf Hitler und seine Schergen. Welche Reform be wundern Sie am meisten? Grundgesetzreform, Frauenwahlrecht. Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen? Fliegen. Wie möchten Sie gern sterben? Schnell und schmerzarm. Ihre gegenwärtige Geistesverfassung? Agil. Ihr Motto? Alles hat seine Zeit.
„Kunst ist die Schöpfung parallel zur Natur.“
Paul Cézanne (1839–1906)
Wer’s weiß, gewinnt!
dt.-frz. Maler (Mati)
deutscher Künstler (Leon)
Kunststil des Mittelalters
weiches, formbares Material
dt. Cartoonist (Uli)
ital. Baumeister (Francesco)
Innenhof (lat.)
dt. Malerin (Friederike Julie)
USKünstler (Jeff)
japanischer Zeichentrickfilm deutscher Maler (Heinz) poröses Vulkangestein Kunstrichtung
japanischer Maler (Jiro)


1. Preis boesner-Einkaufsgutschein im Wert von 250 Euro
2. Preis boesner-Einkaufsgutschein im Wert von 50 Euro
3. Preis
Ein Buch „How to Art“ siehe S. 58.


So nehmen Sie teil: Bitte senden Sie das Lösungswort per E-Mail an: raetsel.zeitung@boesner.com oder per Postkarte an: boesner holding GmbH holding + innovations, Gewerkenstr. 2, 58456 Witten. Einsendeschluss ist der 30. April 2026.
1 5 6 7 8 9 3 2 4
Mitarbeiter von boesner sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Bei mehreren richtigen Einsendungen entscheidet das Los, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Keine Barauszahlung möglich. Die Lösung finden Sie in der nächsten Ausgabe.
Das Lösungswort des Preisrätsels aus Kunst+Material Januar/Februar 2026 ist: SANDSTEIN
Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt.
Herausgeber
boesner GmbH holding + innovations Gewerkenstr. 2, 58456 Witten
Tel. +49-(0)2302-97311-10
Fax +49-(0)2302-97311-48 info@boesner.com
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Redaktion
Dr. Sabine Burbaum-Machert redaktion@kunst-und-material.de
Satz und Grafische Gestaltung
Birgit Boesner, Hattingen mail@bboes.de
Anzeigen
Dr. Sabine Burbaum-Machert anzeigen@kunst-und-material.de Anzeigenpreisliste Nr. 19 vom 01.01.2026
Herstellung
Vogel Druck und Medienservice GmbH, Höchberg
Erscheinungsweise
zweimonatlich
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Verlag und Redaktion danken den Rechteinhabern für die Reproduktionsgenehmigungen. Nicht nachgewiesene Abbildungen entstammen dem Archiv des Verlags. Konnten trotz sorgfältigster Recherche Inhaber von Rechten nicht ermittelt werden, wird freundlich um Meldung gebeten.
ISSN 1868-7946

Louise Hollandine van de Palts, Selbstporträt (Ausschnitt), um 1650, Foto: MSK – Museum voor Schone Kunsten Gent.
Hintergrund
Der Himmel auf Erden
Unvergesslich!
Künstlerinnen im Goldenen Zeitalter
Wer an die niederländische und flämische Barockmalerei denkt, dem fallen zunächst Namen wie Rembrandt, Vermeer, Rubens oder Van Dyck ein. Dass im 17. Jahrhundert, oft als „Goldenes Zeitalter“ der niederländischen Malerei beschworen, Künstlerinnen einen wesentlichen Anteil an dieser Blütezeit hatten – diese Einsicht setzt sich erst in den letzten Jahren mehr und mehr durch. Mit seiner Ausstellung „Unvergesslich. Künstlerinnen von Antwerpen bis Amsterdam, 1600–1750“ lenkt das Museum der Schönen Künste Gent (MSK) den Blick auf mehr als 40 weibliche Kunstschaffende: Künstlerinnen, die seinerzeit auf dem Kunstmarkt durchaus erfolgreich waren, später aber teilweise in Vergessenheit gerieten. Judith Leyster, Rachel Ruysch, Michaelina Wautier oder Alida Withoos – ihnen und ihren ebenso unvergesslichen Mitstreiterinnen rollt das MSK den roten Teppich aus. Um mehr über diese Malerinnen zu erfahren, die von Antwerpen bis Amsterdam für künstlerische Glanzpunkte sorgten, hat unser Autor Jörg Restorff die Ausstellung in Gent besucht.
Das wertvolle Material Gold wurde wohl in allen Zeiten mit dem Göttlichen in Verbindung gebracht und so fand auch im christlichen Europa nördlich der Alpen das Gold Eingang in die sakrale Kunst. Dies zeigt bereits der Codex Aureus, eine Prachthandschrift mit purpurnen und goldenen Lettern. Später fanden sich Goldhintergründe bei den großen Altären. Susanna Partsch zeigt den Gebrauch des Goldes und sein allmähliches Verschwinden anhand einiger ausgesuchter Beispiele aus der Zeit vom 8. bis ins 15. Jahrhundert.
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