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Leseprobe | Bauhaus aktiv

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Bauhaus aktiv 42 gestalterische Experimente und Übungen

E. A. Seemann


ein jeder mensch ist begabt jeder gesunde mensch hat ein tiefes vermögen, die in einem mensch-sein begründeten schöpferischen energien zur entfaltung zu bringen, wenn er ­seine arbeit innerlich bejaht. ursprünglich ist ein jeder begabt zur aufnahme und erarbeitung von sinnes­erlebnissen. jeder mensch ist ton- und farben-empfindlich, tast- und raum-sicher usw. das bedeutet, daß ­ursprünglich ein jeder mensch aller freuden der sinneserlebnisse teilhaftig werden kann [...]. László Moholy-Nagy


Lea Argirov Christin Deringer Anne Schneider Jutta Stein Frank Thinius Silke Wallstein

Die folgenden Übungen entstanden im Rahmen des Bauhaus ­Agenten Programms in Dessau und wurden für die vorliegende ­Publikation Bauhaus aktiv – 42 gestalterische Experimente und Übungen gesammelt. Diese Übungsanleitungen vermitteln das Bauhaus in seinen verschiedenen Facetten, seiner Historie und in seiner Aktualität. Die Übungen sollen inspirieren und zum Weiterdenken anregen, auch im Sinne der revolutionären Rolle der Ausbildung am historischen Bauhaus. Im Vorkurs, einem Unterrichtsformat am Bauhaus, wurden mit Übungen die Sinneserfahrungen gefördert und so die Grundlagen für Gestaltungskompetenzen der Studierenden gelegt. Mit diesem Übungsbuch wird das Bauhaus erlebbar und mit ihm ein besonderes Herangehen an das Lernen, Üben, Experimentieren als ein Spiel der Phantasie. Das Buch setzt auf die Kraft des ­Experiments und ermutigt zum Ausprobieren von Neuem. So kann das Buch für alle AKTIVEN nutzbar sein, aber auch als spielerisches Instrument in die Ausbildung im Schul- und Hochschulkontext, der Wissenschaftslandschaft oder im Bereich Ver­ mittlung einfließen. Die Übungen sind zielgruppenübergreifend angelegt in Bezug auf Alter und auf persönliche gestalterische Vorkenntnisse. Ihr spielerisch-experimenteller Charakter soll dazu anregen, sich im eigenen Tempo, Kontext und Interesse dem Bauhaus zu nähern und kreativ zu werden.

Illustration Doreen Ritzau

Die 42 Übungen sind in fünf Kategorien eingeteilt, können aber ­beliebig miteinander kombiniert werden. Viel Freude beim Entdecken und Probieren!

Bauhaus Agenten Programm: Von 2016 bis 2020 entwickelten und testeten an den drei Bauhaus-Standorten Bauhaus Agent:innen ­gemeinsam mit Schüler:innen, Pädagog:innen, Kurator:innen und Künstler:innen neue Wege und Formate der Vermittlung im Museum.


Inhalt

Raum + Bewegung + Wahrnehmung

Farbe + Licht + Wirkung

Form + Konstruktion + Bau

Sehen + Abbilden + Transformieren

Material + Objekt + Eigenschaft

Soundscape ­Klanglandschaft 10

Mit Licht malen 44

Bauhaus-Haikus 76

Lichtmodulator 48

Materialexperiment „­Kaugummi“ 80

Lebendige Standbilder 118

Ertasten von Oberflächen 150

Maskenfoto à la Gertrud Arndt 122

Textur, Faktur, Struktur 154

Ein Stück Bauhaus 126

Achtung, jetzt kommt ein Karton! 158

Wie hört sich dein ­Kühlschrank an? 128

Kontinuitäten und ­Kontraste 162

Zitronenassoziationen 132

Fotostudien 166

Rhythmusmaschine 14 Choreografie 18 Expedition 1 Das Los entscheidet 24 Expedition 2 Die Verfolgung 26 Expedition 3 Auf leisen oder lauten Sohlen 28 Stelle mit Freund:innen einen öffentlichen Raum her 30 Raumerlebnis 34 Einen Raum schenken 38

Detailverliebt 52 Farbkreis 54 ABC der Farben 58 Farbe im Quadrat 64 Farb- und Formtemperatur 68 Illusion räumlicher Durchdringung 72

Muster machen 84 Farbe und Raum 88 Rot, Gelb, Blau, Schwarz, Weiß, Grau 92 Turmbau 96 Schwebende Plastik 100 Beziehung statt Masse 104 Erbsen und Zahnstocher 108 Lautgedicht 112

Virtuelles Volumen 136 Feelings + Colored Faces 140 Klangformen 144

Das ist (k)ein Pinsel 168 Mobile 172


Raum + Bewegung + Wahr­ nehmung


„Alles Hörbare der ganzen Welt wird Material.“ Walter Ruttmann, 1929

Soundscape Klang11 landschaft >


„[...] nur in der Zusammenarbeit vieler kann die Lösung gefunden werden, die über das Individuelle hinausgeht.“ Walter Gropius, 1956

15

Rhythmusmaschine >


„Nicht umsonst sagte man damals, die ­ Bühne sei die Blume im Knopfloch des ­Bauhauses!“ Tut Schlemmer, 1961

19

Choreografie >


Expeditionen

„Eine aktive Linie, die sich frei ergeht, ein Spaziergang um seiner selbst willen, ohne Ziel.“ Paul Klee 1925

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Expedition 1 Das Los entscheidet

Spieler:innen ab 1 Person Zeit variabel

Material > Stadtplan > etwas Zeit >g utes Schuhwerk

Schon gewusst Der öffentliche Stadtraum bietet Menschen nicht nur ­vielfältige Handlungsspielräume, sondern macht die Stadt erst begeh- und erfahrbar. Beim Flanieren durch den bekannten Stadtraum öffnen sich ständig neue Wege. Der öffentliche Raum – verstanden als begehbarer und sinnlich erfahrbarer Raum – kann unsere Wahrnehmung schärfen und neue Zugänge zur gewohnten Umgebung schaffen. Übung Starte an einem Punkt deiner Wahl. Auch wenn du diese Expedition an einem bekannten Ort machst, nimm einen Stadtplan mit. Entscheide zum Beispiel durch Losverfahren, wohin dich deine Expedition führen soll. Das Los entscheidet außerdem an jeder größeren Straßenkreuzung, ob du den rechten oder den linken Weg einschlägst. Flaniere durch die Straßen, bis du auf eine Sackgasse triffst. Markiere im Anschluss an deinen Ausflug den Startpunkt und das Ziel im Stadtplan. Warst du schon einmal an diesem Ort? Was hast du unterwegs Neues entdeckt? Tipp Stell dir vor, dein Körper ist ein Zeichenwerkzeug. Du hinterlässt eine Linie, eine Spur auf deinem Weg. Mach dir anhand des Stadtplans kurze Notizen zu deiner ­Expedition. Wenn ihr als Gruppe unterwegs seid, tauscht euch über eure Erfahrungen aus.

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Expedition 2 Die Verfolgung

Spieler:innen ab 1 Person Zeit variabel Material > gutes Schuhwerk > etwas Mut

Schon gewusst Der öffentliche Stadtraum ist ein ästhetischer Erfahrungsraum. Menschen nehmen die Stadt unterschiedlich wahr, gehen unterschiedliche Wege. Deine Wahrnehmung der Umgebung ändert sich also, wenn du jemandem auf der Spur bist. Bei der Erkundung des Raums, bei jeder Expedition werden Erkenntnisse gewonnen und ­Erfahrungen gesammelt. Dabei können Empfindungen und Atmosphären beschrieben und archiviert werden. Die ästhetische Erfahrung ist eine Form der Empirie. Übung 1. Nimm ein öffentliches Verkehrsmittel in die Richtung deiner Wahl. Oder, wenn deine Stadt zu klein ist, gehe in ein Geschäft deiner Wahl, zum Beispiel in den Supermarkt, die Fleischerei oder den Blumenladen. Schau dich in Ruhe um. Wer ist mit dir an diesem Ort? 2. Wähle eine Person aus, die du verfolgen wirst. Sobald die Person das Fahrzeug oder das Geschäft verlässt, folgst du ihr. Verliere die Person nicht aus den Augen. Sei bei deiner Expedition jedoch keinesfalls aufdringlich. Dein Spaziergang endet, sobald die verfolgte Person ein Gebäude betritt. 3. Schau dich erneut in Ruhe um, orientiere dich. Wie hat es sich angefühlt, einer fremden Person nachzugehen? Fiel es dir schwer, dich auf ein unbekanntes Ziel einzu­lassen? Hattest du Freude daran? Dann wähle die nächste Person und ziehe weiter.

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Spieler:innen ab 1 Person

Muster machen

Zeit 30 – 120 min

Schon gewusst

Material > kariertes Papier (A4 oder A5) oder Folgeseiten > Stifte nach Wahl

Die Bauhausweberei war eine der erfolgreichsten Klassen am Bauhaus. Hier wurden Stoffe und Stoffmuster für den alltäglichen Gebrauch entwickelt und produziert. Es entstanden Vorhänge, Polsterstoffe und Teppiche, die bis heute weltweit bekannt sind. Bevor es an das Herstellen des Produkts ging, wurden zahlreiche Skizzen und Muster angefertigt. Noch heute arbeiten Textildesigner:innen mit dieser Methode. Übung Entwirf ein eigenes, ganz persönliches Muster. Nutze hierfür einen karierten Grund. Lass dich bei der Gestaltung vom historischen Bauhaus inspirieren. Wähle zum Beispiel eine begrenzte Farbpalette von maximal drei bis fünf Farben. Oder versuche, dein Muster nur durch die Grundformen des Kreises, des Dreiecks und des Quadrats entstehen zu lassen. Entdecke die Vielfalt in der einfachen Form. Die Kästchen auf dem karierten Papier helfen dir, eine Struktur für das Muster zu entwickeln. Vergiss nicht, deinem Entwurf einen Titel zu geben!

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Titel des Musters:

Titel des Musters:


„[...] das Sehen soll aktiv werden. Nicht nur passives Übersich-­ergehen-lassen, sondern selbst sehen, suchen, fühlen, ­erkennen, erleben.“ Josef Albers, 1963 89

Farbe und Raum

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Spieler:innen 2 Personen

Farbe und Raum

Zeit 10 – 15 min

Schon gewusst

Material > weißes Blatt Papier (A4) > Schere > Kleber (optional)

Vorkursleiter Josef Albers stellte in seinem Unterricht am Bauhaus die Materialeigenschaften unterschiedlicher Stoffe in den Vordergrund. Er ließ die Studierenden das Material auf verschiedene Art und Weise erforschen. Häufig waren seine Aufgaben dabei sehr frei formuliert. Manchmal stellte er eine Aufgabe, verließ den Raum und kam erst wieder zurück, wenn die Studierenden die Aufgabe erledigt hatten. Übung Sucht euch eine:n Partner:in. Denkt an eine bestimmte Farbe. Nehmt euch beide ein Blatt Papier (A4) und versucht, durch Falten, Schneiden und Kleben eure ­gedachte Farbe darzustellen. Ratet, welche Farbe der / die jeweils andere gestaltet hat. Einzige Bedingung: Ihr dürft keine Farbe verwenden.

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„Klangrhythmische Kompositionen als solche gab es schon lange davor in Form von Zungenbrechern. Deren Wert liegt in der elementaren phonetischen Kraft und ihrer urtümlichen Direktheit als Kitzel für Zunge und Ohr.“ László Moholy-Nagy, 1947

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Wie hört sich dein Kühlschrank an?

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„Kontraste: locker-fest, weich-hart, flockig-glatt, rauh-glatt, spitz-stumpf, glänzend-matt, faseriggleichmäßig, dichtlöcherig, wolkig-luftig.“ Johannes Itten, 1918

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Feelings + Colored Faces

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gestalten lernen wie am bauhaus – mit den mitteln von heute

978 3 86502 471 8

Viele Konzepte der heutigen Kunstdidaktik haben ihre Wurzeln im Bauhaus. An der legendären Kunstschule wurden völlig neue Übungen zur Gestaltung entwickelt: von Johannes Itten, Paul Klee, Wassily Kandinsky, László Moholy-Nagy und Josef Albers. Davon inspiriert versammelt das Buch 42 spiele­ rische Experimente für die heutige Zeit, die ohne großen Aufwand selbst durchgeführt werden können. — Mit dem Smartphone Klang- und Foto­ experimente machen? — Abenteuerliche Expeditionen durch die Stadt unternehmen? — Materialuntersuchungen an Kaugummi? Das Buch liefert konkrete Anleitungen und schlüssige Erklärungen, die die eigene Kreativität freisetzen. Eine ideale Materialsammlung für den Kunst­ unterricht, das Kunst- oder Architekturstudium, die Kunstvermittlung und die Museumspädagogik. Und natürlich für Bauhaus-Fans und alle, die kreativ sein wollen.


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