Die Farben in der Kunst entdecken ... spielen ... verstehen ...
Prestel München · London · New York
Silke Vry
2
INhalt 5
Willkommen
52 Grün
6
Schwarz und Weiß
58 Gespenster tanzen Ringelreih’n
14 Rot
60 Kompliment, Mr. Newton!
24 Den Farben auf der Spur
62 Farben verrückt!
28 Blau
64 Orange
36 Kalt oder warm?
68 Wo sind die Farben in der Nacht?
38 Nah und fern
70 Violett
40 Gelb
72 Rosa
46 Wer hat Angst vor Rot, Gelb, Blau?
76 Hör mal, die schönen Farben!
48 Hell-Dunkel-Kontrast
78 Braun
50 Punkt, Punkt ...
80 Gold
... kein Komma, kein Strich 84 Die Kunstwerke in diesem Buch 86 Lösungen 89 Vorlagen und Anleitungen folge diesen HInweisen
3
Willkommen in der Galerie der Farben! Engel sind weiß und Teufel sind schwarz, die Liebe ist rot und Briefkästen sind gelb, bei Rot bleibt man an der Ampel stehen, bei Beerdigungen trägt man Schwarz, Drachen sind grün, wer kaum auffällt, ist eine „graue Maus“, Brautkleider sind meistens weiß und wer immer schwarzsieht, dem fehlt die „rosarote Brille“!
Warum ist das so? Warum sind in unserer Vorstellung Engel nicht grün? Und Teufel und Drachen nicht rosarot? Wieso heiratet kaum eine Braut in Grau? Und weshalb ist kein Briefkasten schwarz?
Wer sich auf eine Entdeckungsreise zu den Farben machen will, muss zurückreisen: mehrere Jahrhunderte oder auch nur wenige Jahre in die Vergangenheit. Zu den großen Meistern und Kennern der Farbe: den Malern und ihren Bildern.
Kommst du mit? 5
Schwarz und weiss Welche Farbe hat der Anfang?
Am Anfang war es auf der Erde noch ganz „wüst“ und leer. Und es war finster, ganz furchtbar dunkel: So ungefähr stellten sich unzählige Menschen schon vor ewigen Zeiten die Entstehung der Welt vor. Nicht gerade einladend, oder? Und welche Farbe würde man zu sehen bekommen, würde man mit seiner Zeitreisemaschine genau zu diesem Zeitpunkt auf der Erde landen? Na klar, Schwarz! Eigentlich
Wo ist Schwarz?
lies nach auf seite 86
Jeder Mensch hat an seinem Körper zwei Stellen, die so schwarz sind, wie sie nicht schwärzer sein
keine Farbe, sondern Dunkelheit! Totale
könnten! ( Nein, nicht deine Füße! )
Finsternis! Noch keine Sonne, kein Mond
Sie sind so schwarz, weil kein Licht
und kein einziger Stern am Himmel. Also
bis zu ihnen dringt. Manchmal
nichts, was die Dunkelheit auch nur ein
erscheinen sie rot, also so, wie sie
ganz klein wenig hätte aufhellen können!
eigentlich auch sind, was man aber
Wie trostlos!
normalerweise nicht sehen kann. Wovon ist die Rede?
Schwarz war auch die schlimmste Strafe, die einen Menschen mit dem Tod treffen konnte: die Hölle, ein schwarzes Loch, das jedes Licht auffraß wie ein schwarzes Ungeheuer, ein Ort ohne jeden Hoffnungsschimmer. Gibt’s was Schlimmeres?
7
Schwarze Katzen schwarze Schatten In schwarzen Schatten, die die Menschen wie lebendige Wesen verfolgen, können böse Mächte wirksam werden, so dachte man früher. Unheimlich! Was taten die Maler? Sie ignorierten die Schatten und verbannten – so gut es ging – Schwarz aus ihren Bildern. Fällt dir etwas auf, wenn du dieses Bild genau betrachtest? lies nach auf seite 86
Weißt du, was es bedeutet, wenn jemand schwarzfährt, wartet bis er schwarz wird, schwarzsieht, auf dem Schwarzmarkt tätig ist, schwarzmalt, schwarzarbeitet, den Schwarzen Peter zieht, sich schwarzärgert, das schwarze Schaf ist oder einer schwarzen Katze über den Weg läuft? So viel steht fest: Es bedeutet nichts Gutes! lies nach auf seite 86
In Schwarz steckt mehr als du denkst!
Experiment
Du brauchst dazu: einen schwarzen Filzstift, ein Glas Wasser, eine Stricknadel o. ä., eine Wäscheklammer. Schneide einen Papierstreifen von Seite 89 ab. Male das markierte Feld schwarz aus. Fülle das Glas mit Wasser und lege die Stricknadel darüber. Hänge den Papierstreifen über die Stricknadel und befestige ihn mit der Wäscheklammer. Achte darauf, dass das Wasser das Papier, nicht aber den schwarzen Fleck berührt. Das Wasser zieht nun im Papierstreifen nach oben. Warte ab, was passiert!
8
Schwarz ist bunt! Schwarz war und blieb ernst: Pastoren und Richter tragen bis heute von Berufs wegen Schwarz. Und doch blieb Schwarz nicht nur die Farbe des Todes und der Trauer, sondern wurde erstmals im 16. Jahrhundert richtig modern!
Wollten Maler schwarz gekleidete Menschen malen, so war das eine riesige Herausforderung: Wie kann ein Bild schwarz sein, aber dennoch nicht trist wirken, sondern voller Leben und strahlend? Dass es funktioniert, kannst du links sehen.
Nicht weniger als 27 unterschiedliche schwarze FarbtÜne sind auf diesem Gemälde von Frans Hals zu sehen.
9
Wie viele kannst du unterscheiden?
Was weiSSt du .. uber WeiSS? Das Gegenteil von Schwarz? Na klar: Weiß. Hielt man jahrhundertelang Schwarz für die Farbe der Hölle und des Bösen, so sah man Weiß als das genaue Gegenteil an: als das
strahlend helle Licht einer besseren Welt. Auch Engel erhielten zum Zeichen ihrer himmlischen Abstammung weiße Gewänder.
Im 19. Jahrhundert dachte man, dass alles in der bewunderten antiken Kunst weiß gewesen sei: Gebäude, Statuen und auch Kleidung. Was man nicht wusste: Von den Statuen und Tempeln war im Lauf der Jahrtausende die quietschbunte Farbe abgebröckelt. Übrig geblieben war nur der weiße Marmor. Ein Missverständnis, das etwas Unglaubliches zur Folge hatte: Weiß wurde zur Modefarbe!
Kein bisschen langweilig ... Vielleicht hast du schon einmal jemanden
Schwarz und Weiß genügen, um die Welt um
sagen hören: „Schwarz und Weiß sind gar
uns herum wiedererkennbar abzubilden. Und
keine Farben!“ Rein physikalisch betrachtet
kommt sogar noch Grau dazu, würde jemand,
ist das richtig, denn Schwarz ist die Abwesen-
der die Farben nie kennengelernt hat, nichts
heit von Licht und Weiß das Gegenteil, alles
vermissen.
klar? Ein Maler jedoch wird dir etwas anderes sagen: „Farben sind das, was in meinen
Farbtuben ist!“ Und Schwarz und Weiß gibt es natürlich auch in Tuben!
lies nach auf seite 86 Auch für kleine Augenverwirrspiele sind Schwarz und Weiß zu haben: Auf jeder dieser Abbildungen siehst du schwarze und weiße und jeweils zwei graue Felder. Welches der beiden grauen Felder erkennst du als das hellere?
11