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TRAIL Magazin 6/2025

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NEWS & JOURNAL / MEINUNG / TRAILREKORDE / EVENT-RÜCKBLICK

TRAIL MAGAZIN

DAS LAUFMAGAZIN NR.1 FÜR TRAILRUNNING

06

2025

November Dezember

DEUTSCHLAND € 8,40 ÖSTERREICH € 9,20 SCHWEIZ SFR 13,50 LUXEMBURG € 9,70 ITALIEN € 11,30 SPANIEN € 11,30 FRANKREICH € 11,30

WWW.TRAIL-MAGAZIN.DE

UTMB

Praxis TEST en 4 Stirnlamp für alle Abenteuer

Das größte Trail-Event der Welt rund um den Mont Blanc! · Das Rennen der Elite · Die neuesten Produkte der Mega-Expo · Ein Kampf um das Finish!

FOTOREPORT

350 Km auf der MASSIV-Route in Norwegen

Training für 2026

Lerne von den Besten!

Laufen wie Ruth Croft, Tom Evans, Katharina Hartmuth und Vincent Bouillard

TALK

Gespräch mit dem australischen Trail-Star Lucy Bartholomew

WISSEN EVENT Dopingfälle: Wie Trailrunning zum Sündenfall wird und warum

20 Jahre Transalpine Run: Die Alpenüberquerung damals und heute

Interview RUTH CROFT


WINTER RUNNING


EDITORIAL

4 Menschen dieser Ausgabe

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Alle,

Isabelle Poletti

diese Ausgabe von TRAIL beendet einen wundervollen Trailrunning-Sommer und beweist auf vielfältige Weise, wie sehr der Sport im Bewusstsein fast aller Menschen in der Gesellschaft angekommen ist. Mein Onkel, 80 Jahre jung, Golfer, Bowling-Experte und Nordic Walker vor dem Herrn, Rentner, aber noch im sozialen Teilzeitjob, hat festgestellt, dass das, was sein Patenkind da tut, nun etwas ist, worüber man spricht. Trailrunning ist nämlich im Gemeindeblatt zum Thema geworden. Irgendwo auf den Wiesen hinter seiner Wohnung – er könnte vom Küchentisch aus die Läuferinnen und Läufer sehen – findet nämlich der dritte oder vierte Bolbergtrailrun statt. Das Dorf auf der Schwäbischen Alb ist nun um eine Sportart reicher. Mein Onkel wird als Zuschauer an der Strecke stehen. Ich bin mir da ziemlich sicher. Wenn der Bolbergtrailrun im Oktober stattgefunden hat, dann isser rum – der Sommer. Dann bleibt nur der Blick in diese Ausgabe, um nochmal zu erleben, was in letzter Zeit so alles los war: eine WM in den wilden Pyrenäen, eine Route in Norwegen (fast noch wilder), eine UTMB-Siegerin, die im Interview ziemlich wichtige und schöne Dinge erzählt, und ganz viele unterschiedliche Menschen in Trailschuhen, die verdeutlichen, dass im Laufsport die Grenzen, die wir sonst zu haben glauben, nicht existieren.

Die Tochter der UTMB-Mitbegründer Catherine und Michel übernimmt zunehmend wichtige Aufgaben in der Organisation des größten Trail-Events der Welt. Wir konnten ihr 10 Fragen dazu stellen. Seite 52

Nina Engelhard

Zweifache Weltmeisterin bei der WMTRC in Spanien! NIna Engelhard ist der absolute Superstar von Canfranc, siegte im Vertical und im Classic Run und hat uns im Gespräch mit Bescheidenheit begeistert. Seite 72

Mathias Pesch

kommt mit dem Trekkingrad, längst ohne Auto, obwohl er in der Branche arbeitet. 13 Kilometer fährt er täglich – außer dienstags und donnerstags, da läuft er. Es geht nicht um Siege, sondern ums Weiterlaufen im Alter. Seite 66

Viel Freude mit dieser Ausgabe Ruth Croft

Sie ist UTMB-Siegerin und nun die erste Frau, die OCC, CCC und die große Schleife gewinnen konnte. Im Interview lernen wir die Neuseeländerin als Person kennen, die Ziel-Applaus liebt, aber die absolute Ruhe braucht um zu gewinnen. Seite 80 TRAIL-Herausgeber Denis Wischniewski liebt diese Ausgabe ganz besonders – und staunt selbst darüber, wie sehr ihn auch nach 14 Jahren des "Heftchen-Machens" die laufenden Menschen noch immer entzücken.

Latest News dieser Ausgabe! Ach wie gut sich Denis Wischniewski jetzt fühlt – sein neues Büchlein ist endlich gedruckt und geht allen mit einem Trail-Magazin-CLUB-Abo kostenlos in den Briefkasten. Alle anderen können die Kurzgeschichten-Kollektion im Onlineshop bestellen.

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INHALT 17 Jahre Trail 2008 - 2025

STANDARDS EDITORIAL 3 INHALT 4 NEWS 16 PRODUKTE 22 INSIDE OUTFIT 38 REISE BORNHOLM 56 MORALFRAGE 98

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6 FOTOREPORT

364 Kilometer, 13.000 Höhenmeter, zehn Tage – Abelone Lyng zeigt auf dem DNT MASSIV TRAIL: Trailrunning heißt Abenteuer, Freiheit und Bergmagie.

16 JOURNAL

Aktuelle Meldungen dieser Ausgabe: Denis´ Kolumne, Das macht mein Laufen reicher, neue Schuhe, Pro und Contra, Interview mit Maude Mathys, ...

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MEIN UTMB

15 Jahre nach seinem ersten gescheiterten Versuch kehrt der TRAIL-Chefredakteur zum UTMB zurück. 42 Stunden, drei Länder, ein Ziel.

32 ULTRA EXPO

Der UTMB ist längst nicht nur mehr ein Rennen, sondern auch Messe, Szenetreff und Hotspot für neue Produkte. Harald Angerer hat die News für uns gejagt.

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80 40 TRAINING

Was können wir bitte von Ruth Croft, Tom Evans oder Katharina Hartmuth lernen? Eine Menge – weiss Coach Lars, auch wenn die Elite andere Ziele verfolgt ...

52 INTERVIEW

Seit den ersten UTMB-Tagen dabei, tritt Isabelle Poletti, Tochter der Gründer Catherine und Michel, nun in die Verantwortung. Im Interview spricht sie über Chamonix und den Mythos UTMB.

54 TEST

4 Stirnlampen von Petzl, Silva und Decathlon im Praxistest. Von günstig bis teuer und für alle Trails.

58 INTERVIEW

Lucy Bartholomew, Trailrunning-Ikone: Mit 15 ihr erster Ultra, heute Vorbild für viele – und zurück bei ihrem ursprünglichen „Warum“.

62 DOPING

Joyline Chepngeno wird positiv getestet – ein Schlag fürs Trailrunning, zugleich Mahnung und Chance für einen gerechteren, reiferen Sport.

66 PORTRÄT

70 TRAIL WM

WMTRC in Canfranc: Trail- und Berglauf-WM in spektakulärer Kulisse. Für das deutsche Team nach Innsbruck 2023 ein echter Leistungstest – mit gemischten Antworten.

74 REKORDE

Schnell, stark, krass – auf Trails werden immer wieder Rekorde gebrochen, die staunen lassen. Zehn dieser unglaublichen Leistungen stellen wir vor.

80 INTERVIEW

PodCast

Folge 93:

Flo Neuschwander

Produkte 22 Unperfekte Saison 65 Garmisch-Partenkirchen 69 Praxistest 94

Ruth Croft, UTMB-Siegerin aus Neuseeland, pendelt zwischen Meditation und Wettkampfrausch. Siege sind ihr wichtig – doch noch wichtiger ist das Gleichgewicht.

88 REPORT

Trailrunning boomt: 2025 strömten Profis und Hobbyläufer zu AlpenEvents und Fernabenteuern. Nie war klarer: Der Trail ist unser Stadion.

97 MEINUNG

84 EVENTS

Wie bleibt man mit Ende 50 ein glücklicher Läufer? Mathias Pesch zeigt es – mit einer simplen Philosophie: ein Schritt nach dem anderen.

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Seit 2004 elektrisiert der Transalpine Run die Szene – lange bevor Trailrunning ein Begriff war. In 20 Jahren hat er sich immer wieder neu erfunden.

Die besten Laufgeschichten entstehen oft unterwegs – auch dann, wenn scheinbar nichts passiert. Genau darin liegt ihre Wahrheit und Schönheit.


FOTOSTORY Abelone Lynge Text & Fotos: Ian Corless

So weit 364 Kilometer, knapp 13.000 Höhenmeter, zehn Tage durch vier norwegische Nationalparks – und das alles ohne Jagd auf Rekorde: Abelone Lyng zeigt, dass Trailrunning mehr ist als Hetzerei. Auf dem DNT MASSIV TRAIL verbindet sie echtes Abenteuer, Natur und Minimalismus zu einem Erlebnis voller Freiheit, Spaß und purer Bergmagie.

so gut


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A

Abelone Lyng und die Massiv-Route: Die spaßigste Zeit der Geschichte Man könnte zunehmend meinen, im Trailrunning ginge es nur noch um Geschwindigkeit. Ein Sport im permanenten All-out-Modus. Nicht so dieses Mal. Die norwegische Läuferin Abelone Lyng hat dem legendären DNT MASSIV TRAIL ihre persönliche Note verliehen: 364 Kilometer, knapp 13.000 Höhenmeter durch vier norwegische Nationalparks – Breheimen, Jotunheimen, Skarvheimen und Hardangervidda. In zehn Tagen lief Abelone schnell und leicht, ununterbrochen, allein und doch stets verbunden. Sie jagte keiner offiziellen FKT hinterher. Sie jagte dem hinterher, was sie später „lustigste Zeit der Geschichte“ nennen sollte.Die Route: Wild, abwechslungsreich, unvergesslich„Die DNT Massiv bot mir die Gelegenheit, vier recht unterschiedliche Bergregionen zu erkunden und Landschaften zu erleben, die sich mit jedem Schritt verändern“, erzählt Abelone Lyng. „In den ersten Abschnitten ging es um Schnee, Geröll, felsige Grate und Gletscherwan-

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derungen. Diese hochalpinen Landschaften erfordern Trittsicherheit und Respekt. Später, als ich die Hardangervidda überquerte, wurde die Umgebung entspannter: sanfte Moorlandschaften, flechtenbedeckte Tundra, weite Horizonte.“ Geübte Wanderer:innen bewältigen das Massiv in rund 20 Tagen. Abelone Lyng halbierte diese Zahl: zehn Tage ununterbrochene Bewegung, bei der sie Abschnitte miteinander verband, die normalerweise weit auseinanderliegen. „Ich bin gerne schnell unterwegs, mit leichtem Gepäck und minimaler Ausrüstung, aber nicht auf Kosten der Sicherheit. Ich bin schneller als die meisten, aber ich laufe nicht die ganze Zeit. In Breheimen, Jotunheimen und Skarvheimen erreichte ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 km/h. Das ist für Läufer:innen nicht beeindruckend, aber es bedeutet, dass ich zwei Etappen in der gleichen Zeit schaffe, die andere für eine brauchen. So hatte ich vielleicht nicht die Zeit, mittags entspannt in einer Hütte zu sitzen, aber es entspricht nicht meiner Vorstellung von einem Abenteuer.“ Das DNT-Massiv im Tourtagebuch: Gebiet: Breheimen, BreheimenNationalpark Route: Sota Sæter – Nørstedalseter – Sognefjellshytta 46,1 km | 2794 Höhenmeter Tag eins: „Der erste Anstieg, fast tausend Höhenmeter am Stück, gab den Ton an: Dieses Massiv ist nicht zum Spielen da. Oben beginnt dann das echte Gelände. Fels. Schnee. Noch mehr Fels. Noch mehr Schnee. Riesige Felder, die sich in die Ferne erstrecken. Meine Beine brennen, meine Lunge arbeitet auf Hochtouren und die Hitze – für Norwegen brutal! Aber dann diese Aussicht. Gletscher erstrecken sich bis zum Horizont. Wasserfälle glitzern wie Spiegel unter den Gipfeln. Und die Hütte, die man unbedingt besuchen sollte, hatte sogar einen eigenen natürlichen Whirlpool.“Tag zwei: „Beginnt mit stetigen Anstiegen, dann endlose Schneefelder. Und zum Schluss ein schlammiges Chaos. Ein brutales Auf und Ab, das einen immer wieder aufs Neue täuscht.“


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FOTOSTORY Abelone Lynge

Gebiet: Jotunheimen-Nationalpark-Route: Sognefjellshütte – Fannaråkhütte – Skogadalsbøen – Fondsbu – SlettningsbuLänge 66,1 km | 2796 Höhenmeter

Gebiet: Skarvheimen-Nationalpark-Route: Slettningsbu – Sulebu – Skarvheim – Bjordalsbu – Iungsdalshytta – Geiterygghytta – Finsehytta 86,6 km | 2007 Höhenmeter

Tag drei: „Erst ein gemütlicher Lauf hinauf zum Gletscher – in gemächlichem Tempo, zum Aufwärmen. Danach geht es über das Eis, seilversichert in der Gruppe. Es geht nur langsam voran, aber diese Gletscherlandschaft ist es wert. 400 Höhenmeter später gab es auf der Fannaråkenhütte keine Brötchen mehr! Also weiter, pures Trailrunning-Vergnügen den ganzen Weg hinunter zum Skogadalsbøen. Wohl eine meiner Lieblingshütten. Und es gab Brötchen!“ Tag vier: „Uradalen heißt nicht umsonst: ‚Tal der Felsen‘. Diese Etappe ist eine echte Herausforderung: Stein um Stein, elf brutale Kilometer unebenes, unerbittliches Gelände. Von Fondsbu nach Slettningsbu wird das Terrain abwechslungsreicher: Schotterpiste, wellige Singletrails, dann wartet knöcheltiefer Morast darauf, deine Willenskraft zu schwächen. Ich habe die Nacht in einer unbewirtschafteten Hütte verbracht und daran muss ich arbeiten. Ich schaffe es einfach nicht, genug zu essen, wenn ich auf mich selbst aufpassen muss.“

Tag fünf: „Ich bin ohne Frühstück losgelaufen – und dann war der Tank leer. Jeder neue Schritt fühlte sich schwerer an, jeder Anstieg steiler. Das Gelände war nicht gerade förderlich: Überall Steine, knöchelbrechend und unerbittlich. Dazu Schwärme von Fliegen – oder waren es Mücken? Es ging ums Überleben. Aber zum Glück übernachtete ich in einem kleinen Hotel statt in einem unbesetzten DNT: tolles Essen (war nötig), eine Dusche und ein gutes Bett.“Tag sechs: „Direkt geht es in den Anstieg, ohne Aufwärmen, ohne Gnade. Dann kommt die Belohnung: flowige Trails, wie geschaffen zum Fliegen. Aber man darf es sich nicht zu bequem machen. Die Felsen warten. Und sie lassen nicht locker. Helvetet macht seinem Namen alle Ehre: verwinkelte, zerklüftete Formationen, die aussehen, als hätte die Erde selbst den Verstand verloren. Es ist brutal, wunderschön und unvergesslich. Dann, wie auf Knopfdruck, stürzt man sich in ein üppig grünes Tal, das sich beim Abstieg zur Lungsdalshytta öffnet, mit brennenden Beinen und vollem Herzen, ein echter Ritt.“Tag sieben: „Meint es gut

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und zunächst sanft, mit schnellen Trails und guten, sauberen Schritten. Dann geht es bergauf. Sie ahnen es schon: Felsen, endlose Felsen. Die Strecke von der Lungsdalshytta zur Geiterygghytta ist die längste im MASSIV und sie zieht sich: rau, unerbittlich und unversöhnlich. Dann kommt Sankt Pål. Ein letzter brutaler Anstieg vor dem Abstieg nach Finse. Die Beine schmerzen, das Herz rast. Kein einziger leichter Kilometer.“ Gebiet: Hardangervidda, Skarvheimen Route: Finse – Krækkja – Stigstuv – Sandhaug – Litlos – Hellevassbu – Haukeliseter122,8 km | 2724 Höhenmeter Tag acht: „Die Hardangervidda öffnet sich und das Gelände wird sanfter. Ich hatte vor diesem Teilstück gerade aufgrund des geringen Schwierigkeitsgrades etwas Angst, doch mein müder Körper und mein müder Geist akzeptieren die sanfte Landschaft schnell. Zwischen

Tag zehn: „Rauf, runter, wieder rauf, die Berge schenken mir keinen Zentimeter. Jeder Schritt eine Prüfung.

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Finse und Krækkja gab es einige Felsen, aber bald wurde der Weg ebener und ich finde meinen Rhythmus. Sanfte Hügel, leichte Anstiege, Raum zum Atmen.“ Tag neun: „Mein Körper ist müde, aber er hat noch viel zu geben. Das Ziel in greifbarer Nähe, ist die Motivation wieder hoch. Der Tag beginnt in einer atemberaubenden, offenen Tundra, perfekt zum Laufen, mit weichen Pfaden, sandigen Abschnitten und weiten Sümpfen, die von Holzpfaden und Brücken durchquert wurden. Das letzte Drittel führte in felsiges, bergiges Gelände. Anstrengender, langsamer, aber unvergesslich. Ein Tag voller Emotionen. Wie werde ich mich wohl morgen fühlen?“ Tag zehn: „Rauf, runter, wieder rauf, die Berge schenken mir keinen Zentimeter. Jeder Schritt eine Prüfung. Die letzten Kilometer wollen nicht vergehen, eine grausame Strecke voller falscher Hoffnungen und versteckter Anstiege. Mit jeder Kurve denke ich, ich habe das Ziel erreicht, doch jeder Anstieg ist eine neue Lüge. Und dann, aus dem Nichts, liegt Haukeliseter vor mir. Ich hatte es geschafft! Kein Applaus, nur der Ruf eines heißen Brötchens. Hart verdient, noch warm, süßer als alles, was ich je gekannt habe.“ Platz ist in der kleinsten Hütte Abelone Lyng hatte Glück (Oder hat sie es sich vielleicht verdient?) mit dem Wetter. Während der gesamten Tour gab es weder Regen noch Stürme, sondern nur blauen Himmel und gleich-


FOTOSTORY Abelone Lynge

Helvetet macht seinem Namen alle Ehre: verwinkelte, zerklüftete Formationen, die aussehen, als hätte die Erde selbst den Verstand verloren.

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FOTOSTORY Abelone Trailrunning Lyngegoes Speed Abelone Lyng wanderte von Hütte zu Hütte, von Trail zu Trail, allein und doch eingebunden in die Orte, die sie durchquerte, und die Menschen, denen sie begegnete.

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mäßige Wärme. In einem solchen Gelände ist das fast unerhört. So wurde aus der Expedition, die möglicherweise eine zermürbende, nasse Plackerei geworden wäre, ein strahlendes Vergnügen. Die Hitze stellte zwar eine zusätzliche Herausforderung dar, ließ aber die Stimmung aufblühen. Ein solches Projekt wäre ohne das DNT-Hüttennetz, eine Kette von bewirtschafteten und unbewirtschafteten Berghütten entlang der Route, nicht durchführbar. Jeden Abend erreichte Abelone eine Hütte, die Folgendes bot: ein Bett, ein warmes Abendessen, ein Frühstück mit Lunchpaket und meistens auch eine Dusche oder Waschgelegenheit. „Es gibt nichts Schöneres, als nach einem langen Tag in den Bergen in einer Hütte anzukommen“, sagt die Ultra-Athletin, „das ist Berg-Luxus pur: Snacks warten, ein kaltes Getränk, eine heiße Schokolade, vielleicht sogar eine frische Waffel. Das Personal tut alles, damit man sich wie zu Hause fühlt. Und das Abendessen? Immer energiereich und aus regionalen Produkten.“ Zudem habe sie aus dem Gemeinschaftsgefühl in den Hütten viel positive Energie gezogen: „Alle sind aus demselben Grund hier: Sie leben für die Berge. Jeden Abend traf ich auf der MASSIV-Route andere Wanderer, die dieselben Anstiege, dasselbe Wetter, dieselben Höhen und Tiefen erlebt hatten. So kann man leichter neue Kraft tanken und am nächsten Tag gestärkt auf den Weg gehen.“ Zudem ermöglicht diese gute Infrastruktur es, sich mit relativ minimaler Aus-

Sprache des Staunens, der Stille und der Freude am Sein.“Abelone Lyngs zehn Tage auf der MASSIV-Route waren mehr als nur ein persönlicher Sieg. Es war eine Pilgerreise durch Norwegens vertikales Herz, angetrieben vom blauen Himmel und ihrer eigenen Entschlossenheit. Sie rannte nicht, um einen Stoppuhrrekord zu brechen. Ihre Tour wurde ein Fest voller Spaß, Verbundenheit, Ehrfurcht und Demut.

rüstung auf den Weg zu machen. „Mein einziger Luxus waren Ohrstöpsel für die Nacht und Kopfhörer zum Laufen und, falls nötig, zum Entspannen am Abend“, sagt Abelone Lyng. „Alles andere war entweder wichtig für die Sicherheit in den Bergen oder praktisch für den Notfall. Ich investiere in leichte Ausrüstung. Das ist zwar teurer, aber es macht Fastpacking viel angenehmer und ist das ganze Jahr über für andere Aktivitäten nützlich.“ Eine Botschaft für ein erfülltes LebenAbelone Lyng ist keine Profisportlerin mit einem unbegrenzten Zeitbudget. Sie ist eine berufstätige Mutter und muss ihre täglichen Pflichten unter eine Laufcap bekommen. Dennoch oder gerade deshalb versucht sie, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Ein intensives Solo-Abenteuer ist da ein Schlüssel zu, ja, innerer Zufriedenheit. „Funniest Known Time“ nennt sie ihren Lauf ohne Rekordanspruch: Es ist der Beweis, dass das normale Leben außergewöhnliche Träume nicht einschränken muss.Lebe jetzt. Und warte nicht, bis vermeintlich alle Rahmenbedingungen passen. Das Leben pausiert nicht, es passiert jetzt. Gleichgesinnte trifft man ohnehin unterwegs: „Diejenigen, die die Berge suchen, sprechen dieselbe Sprache wie ich: eine

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Abelone Lyng wanderte von Hütte zu Hütte, von Trail zu Trail, allein und doch eingebunden in die Orte, die sie durchquerte, und die Menschen, denen sie begegnete. Dies ist der ultimative Wanderurlaub mit minimaler Ausrüstung, maximalem Naturerlebnis, Gemeinschaft und Herausforderung. Zehn Tage, deren Fülle für ein ganzes Leben reicht.


NEWS&JOURNAL

TICKER +++ Für seinen Sieg bei der Weltmeisterschaft im Long Trail bekommt Jim Walmsley 970 ITRA Punkte

HANNES´ ERKENNTNISSE Dynafit-Profi Hannes Namberger hätte gerne einige Dinge über Trailrunning früher gewusst!

Dass der Sport mich und meine Familie zu den geilsten Orten der Welt bringt. Er eignet sich perfekt, um Sport und Reisen zu verbinden. Er süchtig macht.

Ein normaler Job/zweites Standbein ist die richtige Wahl, um die gewisse Lockerheit zu bringen.

Der beste Trailrunner Deutschlands heisst Hannes Namberger, lebt in Ruhpolding, läuft für Dynafit und gibt hier, ganz ehrlich zu, was er mal besser früher gewusst hätte.

Ein Trainer hilft dir, deine Ziele zu erreichen. Krafttraining ist unerlässlich. Ein Gel pro Stunde reicht nicht! Rad- oder Rollentraining ist ein Muss! Pausen (60 Tage) zwischen den (Ultra)Rennen sind wichtig. Das meine Lebensuhr nur 30 Ultras (>100km) auf höchstem Niveau zulässt. Flach laufen, reine Bergläufe, Crossläufe, Bahnläufe, Bergsteigen, Klettern machen dich zu einem besseren Trailrunner. Ein guter Physio, den man regelmäßig besucht, macht dich besser! Strava KOMs sagen nichts.

Bestehende Systeme, die funktionieren, aus Gier verbessern zu wollen. Nicht auf jeden Trainingstrend aufspringen. Der Supporter (meine Ida) in der VP hat das Sagen, und ich folge ihren Ansagen. Volumen ist alles. Beim Thema Ernährung, sehr viel testen um für sich die persönlich beste Lösung zu finden (jeder Körper ist anders) ein großes Team ist nicht zwingend notwendig um Bestleistungen zu bringen In Deutschland hast Du alle Möglichkeiten, um an die Weltspitze zu kommen

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Wer wagt gewinnt! Aus dem Trailschuh Mafate einen Hikingschuh machen, aus dem Klassiker Bondi einen Damen-Sneaker neu interprentieren. Das schaffen HOKA mit den neuen Modellen MAFATE X HIKE und MARY JANE. Mutig und gut. www.hoka.com


TICKER +++ Für ihren Sieg bei der Weltmeisterschaft im Long Trail bekommt Katie Schide 836 ITRA Punkte

PRO & CONTRA Sportuhr Längst ist die GPS-Sportuhr Statussymbol und für viele ein Begleiter am Handgelenk, der nie abgelegt wird. Unsere Redakteure haben unterschiedliche Ansichten zum Tragen der Multifunktionstools. Pro Denis Wischniewski Irgendwann, irgendwie hat es mich dann gekriegt. Ich wollte mein Leben lang eine Uhr tragen und habe es einfach nicht hinbekommen. Zur Konfirmation schenkte mir die Tante eine Uhr von Junghans. Etwas Elegantes. 1980er-Jahre-Edelpopkultur. Ich trug sie 14 Tage und dann lag sie in einer Schublade zwischen Mix-Tapes und Musikzeitschriften. Jahrzehnte später schenkte mir meine Mutter kurz vor ihrem Tod eine Uhr, die mir wirklich sehr gefiel. Aus dem Blickwinkel eines Designers ein Meisterwerk – eine Omega Speedmaster, die Moonwatch. Zeitlos. Ich trug sie zu entsprechenden Anlässen, bei meiner Hochzeit, bei Abendessen mit guten Freunden. Nun das Irgendwie – ich vergaß es irgendwann, sie zu tragen, und nun liegt sie schreinhaft in einer Schachtel. Schön find ich sie ja noch immer. Dann kam vor gut einem Jahr eine Sportuhr ins Haus. An ihr führte nach Jahren des Boykotts gegenüber solcher Technologie kein Weg mehr vorbei, denn sie war als „Tool“ sozusagen Pflicht im Rahmen einer Trainingsbetreuung. Ich trug sie fortan, ich zeichnete auf, ich übertrug all ihren Inhalt an meinen Trainer, auf eine Plattform. Sie zeigte mir den Fortschritt an, sie zeigte mir mein Versagen an und ich trug sie nun ständig, nicht als Uhr, aber weit mehr als meine Kontrollinstanz. Gegenüber der Junghans, die irgendwann zum Ende der Neuen Deutschen Welle auf einem Supermarktparkplatz-Flohmarkt-Klapptisch landete, habe ich heute ein schlechtes Gewissen.

Contra Clemens Niedenthal Der Redaktionskollege spricht in diesem Kommentar von Uhren, wo es doch eigentlich um Multisportuhren gehen sollte. Ich unterscheide da seit jeher hart. Und sorge mich um Lars Klingbeil, den Finanzminister mit der Garmin am Handgelenk, dessen Fitnesszustand sich doch augenscheinlich immer mehr dem des von ihm verwalteten Bundeshaushalts annähert. Wir lernen daraus: Eine Multisportuhr allein macht noch keine Form. Für mich ist sie im Gegenteil der Inbegriff für eine Haltung, die das Verwalten der eigenen Leistungsfähigkeit vor die eigene Leistungsfähigkeit stellt. Diese heilige Kuh der permanenten (Selbst-)Optimierbarkeit. Aber da ist natürlich genauso viel Falsches dran. Die diversen Trackfunktionen einer Multisportuhr sind für ein qualitatives Training vermutlich unverzichtbar. Auch ich habe eine, das Einsteigermodell von Coros, weil das aus diesem unprätentiösen Trinkbecherkunststoff ist und mit einem lässigen Klettverschlussband ausgeliefert wird. Ich benutze sie dennoch höchstens bei einem von fünf Läufen. Sogar Fahrtenspiele mache ich mit der mechanischen Stoppuhrfunktion meiner Schweizer Uhr, die ich tatsächlich immer trage. Mag sein, dass das dieser alte Distinktionsreflex aus meinen Indie-Pop-Tagen ist. Damals in den 1990ern, als es noch cool und sowieso möglich war, anders zu sein. Richtig aber ist, dass dieses Fallen aus der Welt, was ich am Laufen so sehr liebe, ohne Überwachungsapparat am Handgelenk einfach deutlich besser funktioniert. Denis mag jetzt Sportuhren , Kollege Clemens hingegen will den Überwachungsapparat einfach nicht.

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DENIS’ KOLUMNE Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Alle,

aus dem Leben des TRAIL-Chefredakteurs und darüber, warum sein Beruf so wenig mit dem seines Vaters und Großvaters zu tun hat und er doch jeden Tag damit konfrontiert ist. An meinen Großvater, den Vater meines Vaters, erinnere ich mich nur noch wenig. Er starb, als ich 13 war. Woran ich mich erinnere, sind die beiden Finger, die ihm fehlten, und die vielen unscharfen, für heutige Verhältnisse grauenvollen Tätowierungen. Tattoo sagte damals noch niemand. Die Finger, die ihm fehlten, waren die Konsequenz seines Broterwerbs. Er arbeitete, wie mein Vater später auch, als Werkzeugmacher an großen Maschinen, die frästen, pressten, stanzten. Harte Mechanik, Hitze, Öl, Lärm. Da muss es passiert sein, dass zuerst der eine, dann der zweite Finger in die Maschine geraten war. Weg waren sie. Ich mag ehrlich gesagt nicht daran denken, wie das so ist, also in just jenem Moment, in dem die Maschine zudrückt. Auch nicht an die Minuten, Stunden und Wochen danach.Mein Vater stand Jahre danach an ganz ähnlichen Maschinen. Jetzt waren sie etwas leiser und die Chance, darin Finger oder gar ganze Hände zu verlieren, war deutlich geringer geworden. Zur Mechanik kam clevere Elektronik, die das negierte. Die Firma, ein Unternehmen aus der Schweiz, war ganz sicher ein guter Arbeitgeber. 35-Stunden-Woche, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Sonderzahlung, eine Kantine. Und doch ganz viel Härte. Als Bub besuchte ich meinen Vater manchmal, holte ihn zum Feierabend ab, aber ich erinnere mich noch gut daran, wie fremd, ja unangenehm mir sein Arbeitsplatz immer blieb. Es war ein seelenloser Ort, es war im Winter kalt, im Sommer heiß. Es gab Automaten mit Limo und Cola und einen extra großen Parkplatz für den Chef und die Abteilungsleiter.Zweimal zwang mich mein Vater, in den Sommerferien an solch einer Maschine zu „jobben“. Drei Wochen lang stand ich ab sechs Uhr an einem Härtungsofen und schob Kisten voller Hartmetallfedern in einen Schacht. Ich bekam zum Stundenlohn eine sogenannte Schmutzzulage und war nach den halben Ferien so etwas wie reich. Ich kaufte mir vom Geld ein italienisches Rennrad und dazu noch US-amerikanische Sneakers.Mir war klar, dass ich nicht in die Fußstapfen meines Opas und Vaters treten will, nein, auch nicht könnte, wenn ich wollte. Ich wäre nicht hart genug gewesen und frage mich doch, wie ich jemals ein Ultratrailrunner werden konnte, wie ich dann ja doch so etwas wie Willen und Disziplin entwickeln konnte.Manchmal sitze ich am Rechner, schreibe meine Texte, recherchiere meine Themen, bereite mich auf feinsinnige Podcast-Gäste vor und denke an die beiden Finger des Großvaters. Was der denken würde? Was mir dann bewusst wird: Es ist gar nicht lange her, da war all das, was ich so anstelle, nicht denkbar. Niemand hätte so sein Geld verdienen können, zumindest niemand

„Normales“, wie ich es bin.Als ich dieser Tage in meiner alten Heimat zu Besuch war und am Rande der Schwäbischen Alb, am Albtrauf, lief, hatte ich an einer lichten Stelle freien Blick auf die Firma mit den Maschinen, dem Härtungsofen und dem Getränkeautomaten. Es gibt einen großen Neubau, einen Mitarbeiter-Garten, das Geschäft mit den Federn scheint gut zu gehen. Mir schien von da oben, vom Traumtrail aus, als ob der Laden nun mehr Seele hätte.

Jojo und der Watzmann 23 Kilometer, 2200 Höhenmeter, 3 Stunden, 52 Minuten, 58 Sekunden – Johanna Ehrenklau hat Ende September eine neue FKT am Watzmann aufgestellt. Damit unterbot sie die Bestzeit von Clara Carste aus dem Vorjahr um rund 20 Minuten. Gestartet ist sie nicht, wie geplant, um vier Uhr früh, sondern erst um sieben: Oben am Grat herrschten Minusgrade, Stahlseile und Felsen waren vereist. „Sicherheit ging immer vor“, sagt Ehrenklau, „aber es hat alles perfekt gepasst.“ Begleitet wurde sie spontan von Philipp Reiter und ihrem Teamkollegen Konstantin, ursprünglich wollte sie den Versuch "unsupported" laufen. Doch die Unterstützung beflügelte. Unerwartet lief es leicht, ohne Selbstzweifel, „ich habe mich einfach nur gefreut“. Selbst der technisch anspruchsvolle Downhill mit 40 Prozent Gefälle gelang – erstaunlich, wenn man bedenkt, dass sie erst seit einem Jahr in den Bergen lebt. „Vielleicht war das genau die Zeit, die ich gebraucht habe.“ Am Ende stand ein Rekord, der sowohl aus Training wie aus der puren Freude am Laufen geboren wurde.

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Das Jahr der NOOR VAN DER VEEEN Noor van der Veen gehört zu den neuen Gesichtern der Ultralaufszene. Die Niederländerin, ursprünglich im Bergsteigen zuhause, hat in kurzer Zeit bewiesen, dass sie ganze Rennen dominieren kann. Spätestens seit ihrem Sieg beim legendären Tor des Géants 2025, wo sie die 330 Kilometer und 24.000 Höhenmeter in 79 Stunden und 34 Minuten bewältigte, kennt man ihren Namen weit über die Szene hinaus. Doch schon zuvor hatte sie mit ihrem Fastest Known Time auf der Pyrenees Haute Route für Aufsehen gesorgt: In nur 10 Tagen, 11 Stunden und 38 Minuten durchquerte sie mit Teamunterstützung die Gebirgskette vom Atlantik bis ans Mittelmeer.

Foto: Philipp Reiter

NEWS&JOURNAL

TICKER +++ Für ihren Sieg bei der Weltmeisterschaft im Short Trail bekommt Tove Alexanderson 877 ITRA Punkte


TICKER +++ Trailrunning-Camp mit Flo Neuschwander & Denis Wischniewski im Mai 2026 in Leogang

WAS MEIN LAUFEN REICHER MACHT... Wir haben unsere Community gefragt, was diese kleinen Momente beim Trailrunning sind, die es immer wieder zu etwas Besonderem machen ... Norbert L. aus Wasserburg: Ich war noch auf der Arbeit als die Mail kam, dass das Packet von DHL an der Haustüre abgelegt wurde. Am Nachmittag riss ich es auf und fand im großen Karton eine etwas kleinere Schuhschachtel. Darin wiederum die neuen Trailschuhe, die ich sofort anzog und loslief – was ein Feeling! Perfekter Fit!

Jens M. aus Giesing: Am Wochenende lief ich kurz bevor ich wieder zu Hause ankam, über eine Wiese auf dem sonst Schafe weiden. Alle Schafen war weg, nur ein ganz Kleines jammerte und war mit allen vier Pfoten in einem Netzzaun verfangen, der sich bereits tief ins Fleisch schnitt. Ich befreite es, es rannte blökend davon und ich fühlte mich heldenhaft.

Maja L. aus Görlitz: Mein Mann und ich fuhren fast 16 Stunden bis an die Atlantikküste in Portugal. Wir kamen an, waren hundemüde und konnten nicht einschlafen. Also holten wir die Stirnlampen raus und liefen für zwei Stunden durch die Hügellandschaft an der Küste bei Porto. Sich nach der langen Sitzerei zu spüren, auszupowern war großartig.

Manfred B. aus Immenstadt Die ganze Familie am Kaffeetisch. Sonntag 16 Uhr. Meine Schwägerin hat Kuchen und Torte mitgebracht. Ich bin frisch geduscht und 25 Kilometer gelaufen. Sie balanciert mir ein Stück Schwarzwälderkirsch auf den Teller und sagt: "Warte, hier noch extra Schlagsahne! Du brauchst das heute!"

Ondrej Z. aus Bonn: Ich habe mich verlaufen und versuche in einer schmucken Reihenhaussiedlung wieder auf meinen ursprünglichen Track zu kommen und laufe ziemlich flott. An einer Garageneinfahrt steht ein kleines Mädchen bei ihrem Vater, der seine Autoreifen wechselt. "Papa, wieso rennt der Mann? Hat der was gestohlen?"

WAS IST DAS DENN? Caleb Olson, der US-Amerikaner, der phänomenal den Western States 100 gewonnen hatte, wurde nicht weniger durch diesen Sieg berühmt als sein Oberteil, das er an diesem Tag trug. Das neu entwickelte Longsleeve-Chassis aus Radical-AirFlow-Material setzt auf großzügige Passform und gezielt platzierte Luftkanäle, während größere Belüftungen unter den Armen und an den Armbeugen für maximale Bewegungsfreiheit, optimale Kühlung und weniger Reibung sorgen. Ein Hype wie einst um den Raumfahrtanzug der Apollo-Missionen, das Radical Air Flow LS gibt es ab 2026 für alle. www.nike.com

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TICKER +++ Mit 52: Jasmin Nunige (Adidas Terrex) gewinnt Kackcar by UTMB über 50 Kilometer

Wie sieht dein Training gerade aus? Sehr unterschiedlich. An einem Tag laufe ich tausend Höhenmeter rauf und wieder runter, am nächsten Tag zwanzig Kilometer flach auf der Straße. Und ich fahre viel Rad – das ist extrem wichtig für mich geworden.

Foto: Mathis Decroux

Maude Mathys im Ziel des legendären Sierre-Zinal, bei dem sie auf Platz 3 lief und seit 2012 den Streckenrekord hält.

"DAS WAR ES NOCH NICHT!" Sierre Zinal, Pikes Peak, Marathon Mont Blanc oder das GTWS Finale – MAUDE MATHYS hat nahezu alles in ihrem Sport gewonnen und ist mit 38 noch immer inmitten der Weltspitze. Im Interview erzählt sie uns aber auch von einer vergangenen Saison, die Höhen und Tiefen kannte. Hallo Maude, wie geht es dir? Es war eine ziemlich wilde Saison, die jetzt fast hinter mir liegt. Im Frühjahr war ich verletzt, dann wurde es besser. Im Juni hatte ich einen Fahrradunfall mit einem Auto – über einen Monat konnte ich nicht laufen. Dann kam Sierre-Zinal, das war richtig gut. Aber danach habe ich es mit dem Trainingsvolumen übertrieben, und schon war die nächste Verletzung da. Ständig rauf und runter. Deine Karriere ist lang und voller Erfolge. Wie bleibst du motiviert und hungrig? Gute Frage. Ich sage mir oft: »Okay, das war das letzte Jahr.« Und dann habe ich plötzlich wieder ein Ziel vor Augen und will mich testen. Das zieht mich sofort hinein. Ich will trainieren, mich vorbereiten. Heute nutze ich fast alle Disziplinen – Vertical, Up & Down, lange Distanzen, Marathon. Diese Vielfalt macht es spannend. So wird das Training nicht eintönig, sondern bleibt spielerisch.

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Mit dem Alter braucht der Körper mehr Erholung. Nervt das? Ja, das merke ich. Nach Wettkämpfen oder wenn ich im Training zu sehr über die Grenze gehe, kommen schnell Schmerzen oder kleine Verletzungen. Früher war das kein Problem: Zwei Tage Pause, und es war vorbei. Heute dauert es zwei Wochen. Und dann sind da die jungen Läuferinnen, die dich herausfordern. Motiviert dich das oder setzt es dich unter Druck? Mathys (lacht): Beides. Es ist frustrierend, wenn sie vor mir laufen – motivierend, wenn sie hinter mir bleiben. Dein Sport ist über die Jahre professioneller geworden. Spürst du das auch? Klar. Alles ist größer geworden. Afrikanische Athletinnen und Athleten sind dabei, sie heben das Niveau noch einmal an. Und Trailrunning könnte olympisch werden. Dein zweiter Lieblingssport, das Skibergsteigen, ist ja schon olympisch. Sollte Trailrunning folgen? Warum nicht? Für uns Athletinnen und Athleten wäre das großartig. Eine Kurzdistanz über drei oder vier Runden könnte man gut übertragen und medial aufbereiten.


GUTE HOFFNUNG

NORDA & SATISFY Cool kommt von Können: Satisfy The Rocker und Norda 001A. Dieser neue Schuh hat für Aufregung gesorgt. Zumindest bei jenen, die notorisch jedem Hype hinterherhecheln. Satisy, die Boutique-Running-Brand aus Paris, hat nun einen eigenen Trailschuh: The Rocker. Und der ist überraschend gut – und überraschend universell. Was Sinn macht, schließlich bleibt der laut Designer Jean-Marc Djian von um die Kurve driftenden RallyeAutos und Andy Warhols ikonischer Banane inspirierte The Rocker vorerst der einzige TrailSchuh von Satisfy. Wer dünne,

einlagige Obermaterialien mag (nicht zu groß kaufen!), findet einen lustbetonten Allrounder mit Vibram-Grip und einem ausgewogenen, durchaus animierenden Dämpfungsverhalten. Auch wenn dieser Rocker kein ausgewiesener Racer ist. Während Satisfy frisch ins Trailschuh-Game startet, hat Norda sein Urmodell 001 geupdatet. Der 001A besitzt nun eine TPE-infusierte, etwas reaktivere Mittelsohle, ohne dass er sich optisch verändert hätte. Preislich nehmen sich die Konkurrenten um den coolsten Schuh der Saison nichts: jeweils etwa 260 Euro.

Kaum ist die Weltmeisterschaft im spanischen Canfranc vorüber geht der Blick nach Südafrika zu den Austragungen 2027. Im kommenden Jahr wird die Trail-Welt ohne WM auskommen müssen, es bleibt bei der 2-Jahres-Taktung. Für Athletinnen und Athleten, für die Verbände, sicher gut, um seriös darauf vorbereitet zu sein. Mit Kapstadt findet die WMTRC eine wiederum perfekte Region um alle Disziplinen vom Vertical bis Longtrail auf entsprechend anspruchsvollen Strecken stattfinden zu lassen. Kapstadt gilt als TrailrunningMekka, hat eine riesige Community, hohes Interesse am Sport und nötiger Infrastruktur für mehrere hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Der Termin: 6. bis 10. Oktober 2027. Das wird vor allem die Elite freuen, die UTMB, CCC oder TDS laufen, denn zwischen den Highlights liegen rund 6 Wochen, die eventuelle Doppelstarts zumindest möglicher machen.

AUFS OHR Wir laufen zu 99% ohne Musik und doch gehört gute Musik für uns zum Trailrunning. Kulturübergreifend. THE BUOYS Lustre Als Vorband der New Yorker KultIndi-Truppe Nada Surf haben mich die Mädels von THE BUOYS aus Australien nicht nur live begeistert, sondern gar in einen seit Wochen anhaltenden Bann gezogen. Alles, was seit 2016 aufgenommen wurde, kenn ich nun. SKINHEAD It´s a beautiful day, What a ... Ich bin verknallt in diesen Sound! Oi! Punk trifft auf melodischen Hardcore und über allem liegt dieser urigagressive Skinhead-Gesang. Genial wie hier ein uraltes Genre ein neues Outfit bekommt und dadurch unique wird. Suchtgefahr, wenn man will. JENS LEKMAN Songs for... Wenn ich doch einmal heiraten würde, jetzt nach einem Vierteljahrhundert wilder Ehe, ich würde alles dafür geben, das Jens Lekman unser Hochzeitssinger wird. Und tatsächlich hat der schwedische Songwriter fast alles Stücke auf diesem Doppelalbum für Hochzeitspaare geschrieben, für die er in den vergangenen Jahren aufgetreten ist.

Wieso man ... 1000 Höhenmeter... laufen muss. Muss man nicht, aber ich empfehle es einmal am Stück zu tun. Dazu muss man natürlich in die Alpen oder zumindest in die Voralpen-Region und einen Berg um die 2000 Meter Höhe suchen. Dann geht der Spaß los! Ihr werdet an dieser Aufgabe gut 1,5-4 Stunden zu tun haben, euch wundern wie weit man von oben blicken kann, euch wundern wie sehr ihr beim Hochlaufen die Zeit vergesst! Ihr findet nach 200 der 1000 Höhenmeter einen Ryhthmus und eine eigene Atemtechnik. Wieviel das am Ende wirklich mit "Laufen" zu tun hat, sei dahingestellt und es ist auch egal. 1000 Höhenmeter am Stück nach oben zu laufen, zu hiken, ist für Trailrunners so etwas wie der Marathon für Straßenläufer. Es ist eine Aufgabe. Ganz oben ist die Lösung.

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NEWS&JOURNAL

TICKER +++ Ultratrail-Premiere: Jan Frodeno finisht den Nice Côte d’Azur 50k by UTMB auf Platz 15

Schmeicheln und streicheln Schon mal den Boston-Marathon gelaufen? Wir laufen lieber im Boston von Birkenstock, den es jetzt passend zur Jahreszeit auch fellgefüttert gibt: Den will man auch auf dem Sofa nicht ausziehen. www.birkenstock.com

Bindungsstark Kuschelig, leicht und praktisch: Die Stellar Blanket von Therm-a-Rest ist der perfekte Begleiter für Camping, Reisen oder zu Hause. Dank eraLoft-Isolierung hält sie dich warm, bleibt dabei leicht und kompakt im Packsack. Mit 191 x 142 cm bietet sie viel Platz und lässt sich per Druckknopf sogar mit weiteren Decken verbinden.

Inselbegabung

Worum man mal auf den Shetlandinseln laufen sollte? Um sich einen zu einhundert Prozent lokal gefertigten Pulli aus Shetlandwolle mitzubringen. Von Laurence J. Smith etwa, die Strickerei wird inzwischen von den Mitarbeiterinnen als Kollektiv geführt. Gibt es aber auch bei: www.fransboone.com Mit Ohren dran - für warme Ohren Die leichte Sommer-Meshcap ist im Schrank und nun hat diese Fleececap mit wahlweise ausklappbaren Ohrenwärmern ihre Saison. www.trail-magazin.de/produkt-kategorie/thy/

5/2023 22 6/25 22


KUSCHELIGES

TICKER +++ 3. Januar 2026: Saison-Auftakt beim Corsa della Bora mit neuer 57 k Runde, www.s1trail.com

Der Sommer war nass und kalt und manchmal sehr heiss! Der Winter könnte ähnlich wechselhaft werden und so stellen wir uns darauf ein, dass wir die Heizung schonen und uns etwas wärmer einpacken...lasst es uns kuschelig machen. BillionärsDing Aimé Leon Dore trifft The North Face: Heritage aus New York verschmilzt mit OutdoorIkonen. Nuptse in CasentinoWolle, Denali neu gedacht, FirefighterJacke als Hommage ans Archiv.

Farben kombiniert Leicht, wasserdicht, atmungsaktiv: Der adidasXPLORIC 2.5L Terrex Anorak mit CLIMAPROOF trotzt Regen und Wind, packt klein und sitzt locker – Tolle Farbwege.

Von Satisfy Leicht, atmungsaktiv, warm: FuzzFleece™ AD mit Polartec® Alpha® Direct isoliert selbst nass, trocknet blitzschnell und passt sich jeder Bewegung an.

Weich und würzig Was schmeckt besser als Käse? Richtig, geschmolzener Käse. Zumal, wenn er im schönsten Fondue-Set zubereitet wird, das die Welt jemals gesehen hat. Für wohlige Winterabende. www.mono.de

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MEIN UTMB Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme ist der Autor schon sehr müde und rund 37 Stunden unterwegs.

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Text: Denis Wischniewski Fotos: UTMB

15 Jahre nach seinem ersten, erfolglosen Versuch kehrt TRAILChefredakteur zurück zum größten Trailrennen der Welt. 42 Stunden lang läuft er um den Mont Blanc, durch drei Länder, zwei Nächte und einen ganzen Tag – und erlebt dabei fast alles, was die Gefühlswelt hergibt. Sein einziges Ziel von der ersten Minute an: Ankommen.

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MOMENTE REPORT UTMB Dieser Ausgabe

S

Seit dem Moment, an dem feststand, dass ich den UTMB laufen würde, war nichts mehr wie zuvor. Es klingt pathetisch, aber es ist die Wahrheit. Plötzlich verschoben sich Prioritäten, alles andere wurde kleiner, nebensächlicher. Über die Vorbereitung könnte ich ein ganzes Buch schreiben: über dieses ständige Ungewisse, ob das Training ausreicht, über die Wettkämpfe, die katastrophal liefen und die mich eher verunsicherten als bestätigten. Und über diesen einen, letzten langen Lauf um die Kampenwand, der so etwas wie ein Scharnier war – der Moment, in dem ich spürte, dass es vielleicht doch reichen könnte. Jetzt bin ich hier. Chamonix. Vier Tage bis zum Start. Wir beziehen ein Chalet in Argentière, Airbnb sei Dank. Auf den Fotos wirkte es groß und lichtdurchflutet, in Wirklichkeit sind die Räume eng, die Wände dünn und selbst die Küche hat etwas von einer Kajüte. Wir lachen darüber, machen Witze, aber eigentlich stört es mich. Ich wollte Ruhe, Platz, Kontrolle. Jetzt arrangiere ich mich mit dieser Enge. Vielleicht ist es auch das Richtige – ich kann mich nicht verlaufen, nicht ablenken, ich habe keinen Raum zum Ausweichen. Ich sage mir immer wieder: diesmal keine Fehler. Zu oft habe ich aus Bequemlichkeit oder falschem Stolz Dinge schleifen lassen. Diesmal nicht. Ich will aus dem, was da ist, das Maximum herausholen. Es ist keine große Form, eher mittelmäßig. Aber vielleicht reicht genau das, wenn man es ernst nimmt. Nun bin ich 52. Kein Talent mehr, aber Erfahrung. Fast zwanzig Jahre im Gelände, Nächte mit Stirnlampen, ungezählte Marathons, Ultras, Trails. Auf dem Gut-

Die UTMB-Rennen der Elite ... OCC 61 km / 3.400 Hm Etwas länger als sonst, technisch anspruchsvoll und ein echter Speed-Ultra der UTMB-Woche. Bei den Männern stürmte Jim Walmsley in 5:00:35 zum Sieg, nur rund 20 Sekunden vor Cristian Minoggio, während Andrzej Witek Dritter wurde. Minoggio, kurz vor dem Ziel noch in Führung machte es spannend, lief das Rennen seines Lebens und lieferte dem UTMB Spannung schlechthin. Großer Sport – auch im Livestream. Bei den Frauen siegte Joyline Chepngeno, doch ihr Ergebnis wurde später aufgrund von einer positiven Dopingprobe gestrichen. Die aktualisierte Rangliste nennt Miao Yao als Siegerin (5:35:13), gefolgt von Judith Wyder und Maude Mathys.

CCC 101 km / 6.050 Hm Der CCC, von Courmayeur nach Chamonix, wurde zur hochklassigen Schlammschlacht. Bei den Männern setzte sich Francesco Puppi durch (ca. 10:06:02), gefolgt von David Sinclair und Drew Holmen. Puppi enpfiehlt sich durch diesen Erfolg für künftige Rennen dieser Länge und auch für die 100 Meilen. Er ist nach Walmsley das kommende grosse Talent.

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habenkonto stehen diese Kilometer und sie wiegen mehr als jede Frische. Zumindest rede ich mir das ein. Ich war ja schon einmal hier. 2010. Mein erster UTMB. Ich war jung, euphorisch, sicher, dass mir nichts passieren würde. Und dann brach nach dreißig Kilometern das Rennen ab. Ein Hang war abgerutscht, es war zu gefährlich. Ich tat damals so, als sei ich enttäuscht, aber in Wahrheit war es ein Geschenk. Ich hätte es niemals ins Ziel geschafft, auch wenn ich jahrelang daran glaubte. Erst später, viel später, verstand ich, wie naiv ich war. Ich redete mir ein, ich hätte den damals noch unbekannten UTMB weit vorn beenden können. Heute lache ich über diesen Irrglauben, aber er erzählt viel über den Läufer, der ich einmal war. Meine Frau, Joachim und Sascha – meine beiden Supporter – sind bei mir. Sie überlassen mir das größte der sehr kleinen Zimmer. Drei Tage bis zum Start. Ich liege tagsüber im Bett, schaue den Livestream vom OCC, vom CCC. Ich schwanke zwischen Albernheit und Schweigen. Es überrascht mich, wie sehr mich dieses Rennen vereinnahmt. Der UTMB ist ein Magnet, er zieht alles in sich hinein. Der Hype, das Interesse – es färbt auf mich ab. Ich sage zu meiner Frau: „Einmal im Leben darf das sein.“ Sie sieht mich an, lächelt schief und sagt: „Ja. Aber danach bist du wieder normal.“ Doch in Chamonix ist nichts normal in diesen Tagen. Die Stadt verwandelt sich in eine Bühne, auf der 2500 Läuferinnen


und Läufer die Hauptrolle spielen. Man trägt Startnummern wie Orden, spricht in Zelten über Dropbags, Schuhe, Gels. Jeder Blick auf die Berge erinnert daran, dass man hier bald mehr als 170 Kilometer zurücklegen will. Ich füge mich ein, so gut ich kann. Wenn es ein Argument gibt, dass ich den UTMB diesmal schaffen könnte, dann ist es meine Lust. Ich habe Lust auf die Stunden, die Kälte, die Hitze, auf die Dunkelheit. Lust auf den Schmerz, auf die Krisen. Ich weiß, dass sie kommen, ich freue mich fast auf sie. Es klingt verrückt, aber ich habe dieses Rennen so lange im Kopf gehabt, dass ich nichts mehr fürchte. Joachim ist mein Chef-Supporter. Er ist der bessere Läufer. Das macht es leicht, ihm zu vertrauen. Er plant den UTMB in einer Excel-Tabelle, akribisch, fast pedantisch: Abschnitte, Kalorien, Szenarien. Jede Verpflegungsstation ist durchgerechnet. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Bisher bin ich Ultras gelaufen wie ein Improvisationskünstler. Dieses Mal sieht es aus wie ein Projekt. So ernst habe ich in Laufschuhen noch nie etwas genommen. Es macht mir fast Angst.

Lief lange auf einem Podiumsplatz: Ida-Sophie Hegemann musste den TDS aufgrund einer Verletzung vorzeitig beenden.

Dann der Starttag. 16:15 Uhr, Chamonix, die Kirche im Zentrum. Ich stehe weit vorne. Neben mir Tom Wagner, jung, schnell, sympathisch. Wir sitzen auf dem Asphalt, Beine angewinkelt, reden über Gott und die Welt. Tom erkennt Instagram-Promis aus den USA, erklärt mir ihre Namen, ihre Geschichten. Ich nicke, tue so, als interessiere es mich. In Wahrheit starre ich in die Menge. 2500 Menschen, jeder mit einer Geschichte, jeder mit einem Grund, hier zu sein. Dann: Musik. „Imagine“. Worte über Frieden, über die 80 Nationen, die hier starten. Ich weine. Einfach so, ohne Vorwarnung. Und ich schäme mich nicht. Fünfzehn Sekunden vor dem Start: Regen. Es ist mir egal. UTMB bedeutet vor allem auch diesen Moment – das Auslaufen aus Chamonix, Schulter an Schulter, Tausende Zuschauer, die Straßenränder voll, ein Lärm, so dicht, dass man seinen eigenen Atem nicht hört. Es ist wie ein Tunnel, wie ein Traum. Der Regen wird stärker, wir sind alle sofort nass. Aber das spielt keine Rolle. Nach einer Stunde weiß ich wieder, wer ich bin. Was ich hier tue. Und dass es jetzt

Trotz Regen: Am Notre Dame de la Gorge war wieder die Fanmeile und viel Stimmung.

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MOMENTE REISE Ostseeküsten-Fernwanderweg Dieser Ausgabe Tom Evans konnte die

ernst wird. Les Contamines, nach knapp vier Stunden. Die erste große Verpflegung. Ein Oktoberfestzelt, voll wie an einem WiesnSamstag. Stimmengewirr, Schweiß, Suppe, Cola. Ich stolpere hinein, suche nach Joachim. Er winkt, zieht mich am Arm zu unserem Tisch. Alles vorbereitet, alles durchdacht: Flaschen gefüllt, Riegel ersetzt, Gels nachgelegt. Ein Boxenstopp wie in der Formel 1. Es dauert Minuten, nicht länger. Noch spiele ich den Profi, auch wenn mir klar ist, dass es am Ende nicht um Minuten, sondern um Stunden gehen wird. Draußen beginnt die Nacht. Die Fanmeile an „Notre Dame de la Gorge“ – Feuer, Trommeln, Schilder, Kinder, die klatschen. Man wird hineingepusht, fast getragen, als ginge es in eine Arena. Und dann wird es still. Der Weg schraubt sich hinauf, der erste lange Anstieg. Bald ist es stockdunkel. Ich schalte die Stirnlampe an, ein Lichtkegel im Schwarz, drumherum nur Schritte, Atemzüge.

beiden letzten Austragungen des UTMB nicht finishen – ein echter Fluch! Diesmal nur Segen und ein souveräner Sieg!

Am Col du Bonhomme, fast 2500 Meter hoch, wird es kalt. Aus Regen wird Schnee. Der Wind pfeift über die Kuppe. Ich fluche, meine Finger sind klamm, ich spüre, wie die Kälte in die Schuhe kriecht. Viele kommen hier schon in Schwierigkeiten, hocken frierend am Weg, greifen nach Jacken, nach Rettungsdecken. Ich habe Glück. Mein Körper funktioniert,

Bei den Damen lieferten sich Martyna Młynarczyk, Sylvia Nordskar und Anna Tarasova ein denkbar knappes Rennen – Młynarczyk siegte hauchdünn vor Nordskar. UTMB 174 km / 9.850 Hm Die Königsdistanz war geprägt von extremen Bedingungen: Regen, Schnee, Kälte und eine teilweise modifizierte Route. Bei den Männern triumphierte der Brite Tom Evans in 19:18:58,

nachdem er die letzten beiden Ausgaben hatte abbrechen müssen. Zweiter wurde Ben Dhiman (19:51:37), Dritter Josh Wade (20:05:06). Im Frauenrennen siegte Ruth Croft (Interview im Heft) in 22:56:23, unterstrich ihren Ruf als strategische Läuferin und wurde zur ersten Frau, die alle drei großen UTMB-Rennen (OCC,

CCC, UTMB) gewonnen hat. Camille Bruyas folgte in 23:28:48, Katharina Hartmuth wurde Dritte (24:16:39). Große Favoritinnen wie Courtney Dauwalter schwächelten in der zweiten Hälfte und rutschten aus den Podiumsplätze. Auch Topnamen wie François D’Haene beendeten das Rennen vorzeitig – D’Haene trat bei etwa Km 70 wegen Schmerzen ab.

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Deutsche beim UTMB – Höhen, Tiefen und ein Podium Die Deutschen haben beim UTMB schon ihre Geschichte geschrieben. Ganz am Anfang waren da Jens Lukas und Uli Calmbach, die dem Rennen in seiner Frühphase ihren Stempel aufdrückten – mit Platz 2 und 4. Danach wurde es einige Jahre still. Bis Hannes Namberger und Katharina Hartmuth auftauchten. Erst lief Hartmuth auf Rang 3 beim TDS, später eroberten beide die Top 10. Hartmuth sogar Platz 2 – und 2025 stand sie wieder auf dem Podium. Ohne Namberger, der 2026 nach einer Pause zurückkommt, schafft es aktuell kein deutscher Mann in die absolute Weltelite der 100 Meilen. Deshalb lag der Fokus diesmal auf Rosanna Buchauer (OCC) und Ida-Sophie Hegemann (TDS). Hegemann verzichtete bewusst auf den UTMB, um mit dem wilderen TDS Frieden zu schließen. Zuerst sah das vielversprechend aus, aber wegen einer Verletzung musste sie auch dieses Rennen vorzeitig beenden. Buchauer hingegen machte fast alles richtig: Sie startete vorsichtig und lief am Ende auf einen starken 11. Platz. Kimi Schreiber blieb mit Rang 20 leider hinter den eigenen Erwartungen zurück. Beim CCC überzeugte Patrick Ehrentaler mit Platz 22 und war nach seiner Chamonix-Premiere völlig zurecht zufrieden. Auch Lisa Wimmer und Lisa Münsterer zeigten ein starkes Rennen – Platz 26 und 27 über 100 Kilometer, genau das, was sie sich vorgenommen hatten. Das Highlight aus deutscher Sicht kam aber wieder von Katharina Hartmuth: Beim UTMB selbst lief sie hinter Ruth Croft und Camille Bruyas auf Rang 3. Hartmuth ist längst Profi und einer der Stars der internationalen Szene. Fast schon ein bisschen überraschend, aber eigentlich logisch: Susanne Zahlauer nutzte ihre Erfahrung und Ruhe, um Zwölfte zu werden. Und beim kürzesten Rennen, dem ETC über 16 Kilometer? Da konnte Lukas Ehrle seinen Sieg aus 2024 nicht wiederholen. Der Vize-Europameister im Berglauf kam diesmal als 24. ins Ziel – direkt vor seinem Teamkollegen Moritz auf der Heide.

Schwere Bedingungen in der ersten Nacht des UTMB: Kälte, Eisregen, Schnee und matschige Downhills.

UTMB-Siegerin Ruth Croft ist die erste Frau, die OCC, CCC und nun UTMB gewinnen konnte. Hat eine große Zukunft: Ben Dhiman wird Zweiter und empfiehlt sich für den Sieg in den nächsten Jahren.

ich halte durch. Doch es wird schlimmer. Col de la Seigne, 2516 Meter. Schnee liegt auf dem Boden, der Abstieg ist eisig, rutschig, die Muskeln schreien. Jeder Schritt eine Prüfung, für die Schuhe, für die Nerven. Ich höre nichts außer den eigenen Schritten und dem Knirschen. Dann Stille. Eine bittere, fast feindliche Stille. Ich laufe weiter. Vielleicht ist „laufen“ das falsche Wort. Ich stolpere, ich rutsche, ich dränge mich durch. Und irgendwann kippt etwas in mir. Der Ärger wird stumpf. Ich bin nicht mehr wütend, nicht mehr überrascht. Ich funktioniere. Ich denke nicht mehr darüber nach, wie viele Kilometer noch vor mir liegen. Ich bin drin. In diesem Modus, in dem man einfach weitermacht. Der Morgen. Ein Lichtstreifen am Horizont. Die Nacht legt sich ab wie ein böser

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Traum, die Kälte verschwindet langsam. Courmayeur taucht auf, Kilometer 84. Italien. Ein anderer Klang, ein anderes Licht, ein Geruch nach Espresso in den Straßen. Schon beim Einlaufen spüre ich ein warmes Gefühl – fast Heimat. Die Verpflegung in der Sporthalle ist riesig. Joachim wartet schon. Er arbeitet, als wäre ich ein Rennwagen. Er wäscht mir das Gesicht, reicht mir frische Kleidung: Socken, Mütze, Shirt. Alles neu, alles sauber. Ich setze mich hin, esse Suppe, Brot. Ich lächle. Zum ersten Mal seit Stunden. Irgendwie beginnt hier das Rennen von Neuem. Ich bin in der Zeit, weit weg von Cut-off-Ängsten. Der Kopf sortiert sich. Aber Freude? Spaß? Ich finde keine Antwort. Spaß ist kein Maßstab mehr. Flow auch nicht. Leiden schon gar nicht. Es ist eine Aufgabe geworden. Ein Job. Ich will ihn erledigen.


EVENT GGUT

Die Stunden nach Trient verschwimmen. Ich laufe weiter, obwohl der Körper längst nicht mehr will. Alles, was in Excel-Tabellen und Ernährungsplänen so sauber aussah, ist in der Praxis zusammengebrochen. Gels, Riegel, Zuckerbomben – alles abgehakt, alles unverträglich. Übrig bleiben Suppe, Brot, Cola. Eine einfache Ernährung für eine komplizierte Aufgabe. Ich taste mich weiter, Schritt für Schritt, durch die zweite Nacht. Die Siegerinnen und Sieger sind längst im Ziel, schlafen wahrscheinlich schon. Ich bin noch draußen, irgendwo im Dunkeln. Und ich weiß: Es wird nicht leichter.

Katharina Hartmuth: Längst ein Trail-Superstar und wieder auf dem Podium!

Ich verlasse Courmayeur am späten Vormittag. Die Sonne brennt, der Körper ist frisch eingekleidet, aber die Muskeln sind schwer. Vor mir liegt der lange Aufstieg zum Refuge Bertone, steil, staubig, in Serpentinen. Ich zwinge mich zum Hinsehen. „Sag mal, Denis, hast du eine Vollmeise? Schau verdammt noch mal hin!“ Ich sage es laut zu mir selbst, wie ein Befehl. Denn dieser Weg führt nicht nur durch Zahlen, sondern durch Landschaften, und ich will nicht am Ende feststellen, dass ich alles verpasst habe. Ich bleibe stehen, schaue ins Tal. Italien liegt unter mir, der Mont Blanc glänzt wie eine Drohung über allem. Und ich merke, dass es genau das ist, wofür ich trainiert habe – nicht nur für die Kilometer, sondern für die Augenblicke. Der Tag zieht sich, Schritt für Schritt Richtung Champex-Lac. Es wird schwerer, zäher. Die Kilometer scheinen nicht weniger zu werden. Ich laufe durch kleine Orte, die aussehen wie Bühnenbilder. In La Fouly – ein Traum. Ein Mann mäht den Rasen, ein anderer schneidet Bäume zurück. Alltag, während ich durchlaufe, mit Salz auf der Haut und Müdigkeit im Gesicht. Ich winke den beiden zu. Sie winken zurück, als sei es das Normalste der Welt. Aber es ist nicht normal. Nichts davon. Ich fühle mich wie in einer Zwischenwelt – halb Zuschauer, halb Läufer. Und Champex-Lac kommt nicht. Es hätte längst da sein müssen. Meine Uhr zeigt Kilometer an, die nicht stimmen können. Zwischen 116 und 126 liegen gefühlte Tage. Ich fluche. Ich verhandle mit

mir selbst. Noch eine Kurve, noch ein Anstieg, noch ein Schritt. Dann, endlich: Musik. Stimmen. Lichter. Champex-Lac. Kilometer 126. Ich bin hundemüde. Ich setze mich, esse Suppe, Brot, trinke Cola. Doch der Körper fordert Schlaf. Ein Zelt mit Feldbetten. Ich lege mich hin, eingewickelt in Wolldecken. Zwanzig Minuten. Aber ich komme nicht zur Ruhe. Ich kühle aus, friere, stehe wieder auf. Schlaf war ein Irrtum. Weiterlaufen. Die zweite Nacht beginnt. Ich bin erschöpft und das erste Mal droht mein Körper, die Kontrolle zu übernehmen. Mir fallen im Gehen die Augen zu. Ich setze mich auf Felsen, auf Baumstümpfe. Fünf Minuten, dann treibt mich die Kälte wieder hoch. Immer wieder. Es ist ein kleines Spiel mit der Erschöpfung: kurz nachgeben, sofort aufstehen. Ich verliere Zeit, verliere Energie. Ich wanke. Manchmal schlafe ich im Gehen ein. Ein paar Sekunden weg, dann wieder da. Läufer überholen mich, fragen: „Alles okay?“ Ich sage: „Ja.“ Es ist gelogen. Aber das Lügen kostet weniger Kraft als die Wahrheit. Trient. Endlich. Zwei Uhr morgens. Meine Frau wartet dort. Das größte Highlight des Rennens. Ich sehe sie und für einen Moment fühle ich mich gerettet. Sie will, dass ich schlafe. Sie bittet mich. Aber ich will weiter. Ich rede mir ein, dass es bald hell wird, dass der Schlaf nur alles schlimmer machen würde. Wir umarmen uns, sie sieht mir nach, wie ich wieder loslaufe.

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Vallorcine. Früher Morgen, ein kalter Sonntag Ende August. Die Sonne steht tief, der Himmel ist klar. Noch ein letzter Anstieg. Ich sehe den Berg vor mir und weiß in diesem Moment: Ich werde es schaffen. Das Wissen trägt mich, auch wenn die Muskeln müde sind. La Flégère. Die letzten Höhenmeter. Der Weg zieht sich, als wolle er mich noch einmal prüfen. Jeder Schritt ist schwer, der Atem flach, die Beine wie aus Stein. Ich brauche ewig für ein paar hundert Meter. Aber dann ist es geschafft. Nur noch hinunter nach Chamonix. Nur noch diese letzten Kilometer. Und plötzlich passiert es: Ich beginne wieder zu laufen. Erst langsam, unsicher, fast wie ein alter Mann. Dann schneller. Und dann so, dass es wieder nach Laufen aussieht. Die letzten Kilometer in den Ort hinein. Menschen stehen an den Straßen, klatschen, jubeln. Ein Lärm, wie ich ihn nicht erwartet habe. Ich bin über 34 Stunden auf den Beinen, aber jetzt fühle ich mich leicht. Fast fliegend. Als wären die Schmerzen nicht da. Als hätte es die Nächte nie gegeben. Ich laufe durch Chamonix, vorbei an Cafés, an der Kirche, wo alles begann. Die letzten beiden Kilometer sind ein Rausch. Ich lache, ich weine, gleichzeitig. Alles fällt ab. Im Ziel warten sie alle: meine Frau, Joachim, Sascha, Freunde. Tom, Silke, Luisa, Timon. Gute Menschen. Ich falle ihnen in die Arme, trinke ein Bier. Ein echtes, mit Alkohol. Es schmeckt nach Sommer, nach Freiheit, nach Leben. Ein später Sommertag in Chamonix. Und ich bin ein UTMB-Finisher.


Sarah, Glückwunsch zu deinem zwölften Platz beim TDS, in einem so langen und hochklassigen Rennen. Hattest du ein bestimmtes Ziel? Danke! Und ehrlich? Eigentlich nur, das Rennen zu finishen. Mit einer Zeit unter 29 Stunden hatte ich tatsächlich gar nicht gerechnet.

Sarah Napiwotzki vom Craft Elite Running Team, lief im Rahmen des UTMB den schweren TDS (Sur les Traces des Ducs de Savoie ) über 145 Kilometer und eroberte Rang 12 auf einer anspruchsvollen Strecke.

Warum lief es dann aber so gut? Ich habe mir keinen Druck gemacht und mir vorgenommen, das Rennen einfach zu genießen. Und ich hatte tollen Support: Nana, eine sehr gute Freundin, meine Schwester und mein Vater waren an jeder großen Aid-Station und auf der Strecke, dazu die ganzen Leute aus dem Craft Elite-Run-Team und meine Laufgruppe, die Bergziegen Heidelberg, die von zu Hause aus mitgefiebert haben. Zudem wusste ich, dass ich mental gut kämpfen kann. Ich versuche, mit einem Lächeln in die Rennen zu gehen, mich nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Der Anfang war echt anstrengend, aber nach gut 20 Kilometern war ich dann locked-in. Auch in der zweiten Nacht – ich bin fast im Laufen eingeschlafen – wäre ein DNF nie eine Option gewesen. Hinzu kam: Ich hatte körperlich keine größeren Probleme. Zu wissen, dass der Kopf mitspielt und der Körper einen durch solche Belastung tragen kann, ist schon bewundernswert. Der TDS steht ja ein wenig im Schatten der anderen Rennen, vor allem des UTMB, obwohl er fast genau so lang ist.

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Schade, dass der TDS so im Schatten steht. Die Strecke ist superschön und so abwechslungsreich. Zwischen Bourg SaintMaurice und La Gittaz habe ich tatsächlich mal angehalten und die Aussicht genossen, was ich eigentlich nie in einem Rennen mache. Auch die wirklich technischen Teile machen den TDS attraktiv, wobei er zumeist doch gut laufbar bleibt. Wie waren denn allgemein deine Eindrücke von der UTMB-Woche? Für mich war es das erste Mal in Chamonix und ich werde nächstes Jahr definitiv wieder dort sein. Die Stimmung ist bombe, alles dreht sich um Trailrunning. Zum Glück hatten wir, also das Craft Elite-Run-Team, unsere Unterkunft etwas außerhalb und konnten uns immer wieder zurückziehen und Kraft und Konzentration sammeln. Aber es ist ein ganz besonderes Flair, man trifft einfach so Jim Walmsley für ein Foto mitten in der Fußgängerzone. Danach habe ich gesagt: „Jetzt können wir fahren, ich habe alles.“ Selbst meine Schwester und mein Papa waren begeistert und die beiden haben mit Laufen eigentlich nichts am Hut.

Gab es Highlights während deines Rennens, Momente, die unvergesslich bleiben? Die Sonne ist langsam aufgegangen, es war recht frisch und ich kam den langen Downhill Richtung Bourg Saint-Maurice runter – das war ein Highlight nach der ersten langen Nacht. Natürlich bleibt der Zieleinlauf einer der Momente, die man nie vergisst. Leider war nicht so viel los, denn ich bin morgens um kurz vor 5 Uhr ins Ziel gelaufen, aber meine Leute waren dort, haben gejubelt und mich angefeuert und das hat mir gereicht.


UTMB Expo / Neue Produkte

Ultra Messe

Der UTMB in Chamonix ist nicht mehr nur ein sportliches Highlight im Trailrunning-Jahr. Auch für die Brands wird die Veranstaltung immer wichtiger und so nutzen die Unternehmen den UTMB, um ihre Neuheiten zu präsentieren. Mit dabei sind dann meist auch noch Trail-Legenden wie Anton Krupicka bei La Sportiva und Scott Jurek bei Brooks. Text & Fotos: Harald Angerer Der UTMB ist über die Jahre zu mehr als nur einem Ultra-Lauf geworden. Es zeigt sich immer mehr: Wer im Trailrunning mitmischen will, muss Ende August in Chamonix sein. Die Brands nutzen zudem den medialen Fokus, um Neuheiten zu präsentieren. Gelegentlich wird der eine oder andere Journalist sogar hinter den Stand oder zu einer ganz kleinen und feinen Präsentation gebeten und es werden Prototypen ausgepackt. So gewährte etwa Mount To Coast einen Blick in die weitere Zukunft und Coros einen in die nähere Zukunft. Sprechen dürfen wir darüber aber natürlich noch nicht. Aber wir dürfen über viele Neuheiten auch sprechen, wie ihr sie nebenstehend seht.

BROOKS Brooks steigt im kommenden Jahr mit dem Cascadia Elite auch in die Liga der „Trail-Superschuhe“ ein. Erstmals kommt eine Carbon-Platte zum Einsatz, die nur wie ein Ring um die Sohle herumläuft – sie gibt Stabilität. Für Dynamik soll die üppige DNA-Gold-Zwischensohle aus PEBA-Schaum sorgen. Abgerundet wird das Paket mit MATRYXObermaterial und der neuen Vibram-Elite-Sohle. Erhältlich ist der Schuh ab März 2026, der Preis steht noch nicht fest.

MOUNT TO COAST Vor zwei Jahren ist Mount to Coast mit Ultraschuhen für die Straße gestartet und hat sofort begeistert. Heuer ist die Brand auf dem Trail nachgezogen und hat mit dem T1 eine starke Premiere im Gelände abgeliefert. Beim UTMB haben sie mit dem H1 ihren ersten Hybridschuh für Trail und Straße präsentiert. Im ersten Test zeigte sich der H1 lauffreudig und sehr trailtauglich.

AMAZFIT Schon seit Längerem tummelt sich Amazfit im Fitnesstracker- und Fitnessuhren-Bereich herum. Mit der neuen T-Rex 3 Pro haben sie nun aber auch den Outdoor- und vor allem den Trailrunning-Bereich in den Fokus genommen. Die optische Nähe zur Fenix von Garmin ist da wohl kein Zufall. Die Amazfit T-Rex 3 Pro überrascht mit einem langlebigen Akku und einer riesigen Funktionsvielfalt. Das alles aber zu einem sehr tief angesetzten Preis von 399,00 Euro.

MERRELL Bereits länger hat die Firma Merrell Trailrunning als Wachstumsmarkt erkannt und hier auch in der Entwicklung einen Schwerpunkt gesetzt. Der Agility Peak ist der komfortable Allrounder in ihrer Produktpalette. In Chamonix wurde mit dem Agility Peak 6 eine Weiterentwicklung des Modells präsentiert. Er hat ein robusteres Upper und eine bessere Dämpfung bekommen.

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THE NORTH FACE Nicht mit neuen Schuhen wartete The North Face in Chamonix auf, aber wie schon in den vergangenen Jahren mit einer speziell designten limitierten Trailrunning-Kollektion. Wie schon im vergangenen Jahr mit dem speziellen Blau des Künstlers Yves Klein (IKB) fällt auch die neue Kollektion wieder auf. Die „Flora Alpina Summit Series“-Kollektion ist inspiriert von der Bergwelt des ChamonixTals. Die Kollektion mit dem auffälligen floralen Design umfasst alle Trailrunning-Produkte, vom Vectiv 3 Pro bis hin zur Laufweste.

HOKA Hoka schickte in Chamonix mit dem Rocket X Trail den lange erwarteten neuen Carbon-Racer auf die Trails. Wie es der Name schon andeutet, hat man die Basis vom Rocket-X-Straßenschuh genommen und ihn auf Trail getuned. Entstanden ist ein schneller Hybrid-Trail-Racer, mit dem Jim Walmsley auch gleich den CCC gewonnen hat. LA SPORTIVA Die Prodigio-Serie von La Sportiva ist sehr beliebt bei den Kunden. Nicht zuletzt der Prodigio Pro ist ein Verkaufsschlager. Da war es nur konsequent, dass die Italiener die Modellreihe um den Prodigio Max erweitert haben. Damit steigen sie auch in den Bereich des Maximalschuhs ein. Doch es wäre nicht La Sportiva, wenn der Schuh trotzdem Alpine-Trail-tauglich wäre.

ULU China drückt sehr stark in den Trailrunning-Markt, das war auch beim UTMB zu sehen. Ein Beispiel dafür ist die Marke Ulu Outdoor. Sie präsentierte in Chamonix das Modell Amak Low. Ein sehr robuster Trailrunning-Schuh, der auch im Winter auf Schnee gut funktionieren soll. Das Design des Schuhs ist auf jeden Fall auffällig.

KIPRUN 300 Weg vom Billigimage will Decathlon mit seinen Eigenmarken. Im Lauf- und Trailrunning wollen sich die Franzosen mit Kiprun mehr über Innovationen positionieren und nicht nur über den Preis. In Chamonix haben sie den Kiprun Race Ultra 2 präsentiert. Ein Schuh für lange Distanzen, aber nicht mit maximaler Sohle. Als erster Hersteller verwendet Kiprun das neue MATRYX-EVO-Obermaterial.

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ROSSIGNOL Der französische Skihersteller hat bereits im Vorjahr seine ersten Trailschuhe beim UTMB präsentiert. Für die Franzosen ist Trailrunning ein klarer Fokus im Sommer, daher betreiben sie auch viel Entwicklungsarbeit. Deshalb haben sie nun auch einen Ultraschuh präsentiert. Der Vercors ist mit breiterer Passform und mehr Dämpfung für Distanzen über 50 km entwickelt worden.


UTMB Fakten des UTMB 2025

Zahlen

22. Austragung

1 million menschen verfolgten ihre Favoriten/freunde über die UTMBLive-Plattform

44% frauenanteil beim ETC (15k/1200hm) 175 millionen video views (official social chAnnels)

2,600 volunteers 34 6/25


10,000 Läufer:innen

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menschen mit behinderung nahmen an einem der 8 wettbewerbe teil

600 Journalisten & Content creator

25% Frauen

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MEINUNG Freiheit Text: Tom Stetter

Warum wir uns mal richtig frei machen sollten 36 6/25


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Lass dir nicht den Spaß diktieren! Trailrunning ist ein Sport und im Sport geht es immer auch um Leistung. Profis, Semiprofis, Amateurinnen und Amateure … alle messen sich mit anderen und bewerten sich und ihre Leistungen anhand von Zahlen, Statistiken, Diagrammen, Kurven. Wir können mithilfe unserer Sportuhren und Apps den gesamten Alltag in Form von Daten analysieren. Ist dieses Verhalten ungesund oder professionell? Es beeinflusst auf jeden Fall unsere Selbstwahrnehmung zumindest in eine ambitionierte Richtung. Schrauben wir so unsere eigenen Ansprüche zu hoch, um ihnen gerecht zu werden, oder sind große Ziele auch gleichzeitig größere Motivation? Ich für meinen Teil empfinde heute die Freiheit als größten Antrieb! Das war aber nicht immer so. Der Wecker klingelt, ich stehe auf und ich mache mir eine Tasse Kaffee. Noch etwa zwei Stunden, bis mein Arbeitstag beginnt. Ich mache mir keinerlei Gedanken, was heute im Job ansteht. Meine Gedanken kreisen um Trailrunning. Kein Witz! Ich bin ein Freak … ein echter Trailnerd, wenn man so will. Ich liege da morgens um fünf auf meiner Yogamatte und versetze mich an bestimmte Ecken dieses Planeten. Ich stelle mir vor, wie ich dort laufe. Oft denke ich daran, wie ich in diese letzten 400 Meter eines ziemlich bekannten 100-Meilers einbiege, um dort auf der Bahn der Placer High School in Kalifornien ins Ziel zu rennen. Auf der Uhr sehe ich eine Zeit. Diese Zeit liegt definitiv weit unter 24 Stunden. Nicht, weil ich es mir erträume. Diese „unter 24 Stunden“ sind für mich gesetzt! Sollte es eines Tages so weit sein, dass ich dort in Olympic Valley am Start stehen darf, dann werde ich meine Seele für eine SUB 24 verkaufen. Ein Ziel, was aus rein sportlicher Sicht für mich machbar ist, aber sehr schmerzhaft sein wird. Ich würde sehr viel, wenn nicht sogar alles, in dieses Ziel investieren. So geht es mir leider sehr oft … oder sollte ich sagen „zum Glück“? Dieser eigene Anspruch treibt mich an. Ich halte ihn allerdings für sehr gefährlich. Manchmal lähmt er mich bereits Tage vor einem anstehenden Lauf. Auch jetzt, in diesem Moment, als ich diese Zeilen tippe. In zwei Tagen geht es zum Backyard. Ich habe dort große Ziele! Diese Ziele verderben mir seit gestern schon regelrecht die Vorfreude. Ich versuche, mich davon zu befreien. Ob es mir gelingen wird? Ich bin nicht sicher. Diese schwindende Freude kurz vor einem Rennen kenne ich sehr gut. Woher die kommt? Es ist mir egal, ob ich einen Trainingslauf oder einen Wettkampf absolviere. Ich möchte eine gute Leistung abrufen. Immer! Wenn es geht, möchte ich die an diesem Tag bestmögliche Leistung raushauen. Alles andere fühlt sich für mich nicht richtig an. Genau aus diesem Grund habe ich im letzten Jahr entschieden, mir eine Trainingssteuerung zu gönnen, die von außen kommt. Diese Steuerung wirkt auf mich wie eine Waage, die Zielstrebigkeit und Spaß in Balance hält. Es kostet mich immer wieder eine gehörige Portion Achtsamkeit und Reflexion, meinen Werten und Zahlen weniger Beachtung zu schenken. Ich kann aber so viel sagen: Es lohnt sich! Worauf ich hinaus möchte, sind dieser unheimliche Zug und dieser Druck, den wir uns selber aufbürden. Ich weiß, dass ich damit nicht allein bin. Ich kenne so viele Menschen, die sich völlig in diesem Leistungsuniversum verlieren. Denen geht jeglicher Spaß und jede Qualität des Trailrunnings verloren. Es ist von unschätzbarem Wert, sich hier und da freizumachen und einfach mal zu genießen. Dieser fantastische Sport ist es wert, ihn in all seinen Facetten zu inhalieren.

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MOMENTE TEST TrailschuheDieser Sommer Ausgabe 2025

Text: Clemens Niedenthal

Text: Denis Wischniewski

INSIDE OUTFIT

Ein Bandana, als Stirnband und nicht als Halstuch getragen. Wikipedia verortet das quadratische Tuch in der kalifornischen Gang-Kultur, wo es als mehr oder weniger subtiles Erkennungszeichen fungiert hat. Über Ice-T oder Tupac Shakur wurde es Teil der Popkultur. Trailrunning ist also Pop? Sozusagen.

Was trägt denn bitte Alena Maria Pantis beim UTMB? Unsere nicht ganz ernst gemeinte, aber rundum begeisterte Stilkritik

Alena Maria Pantis war einmal professionelle Siebenkämpferin. Inzwischen läuft die 41-jährige Frankfurterin auf den Trails. Zuhause im Taunus oder auch mal in den Savoyer Alpen, selbst wenn gerade nicht UTMB-Woche ist. Auch wenn ihr distinguierter Stil etwas anderes erzählen könnte, Pantis ist keine, die sich in den Mittelpunkt schiebt. Ihr InstagramReadme: „Run silent. Run deep“.

Die Cargo-Tight, sozusagen das Upgrade der seit drei, vier Jahren zurückgekehrten kurzen Lauftight. Die Cargo-Tight bietet Stauraum für all die Statussymbole, die man bei Laufen so mit sich führen könnte. Wir vermuten eine Powerbank und eher keine Schachtel Zigaretten.

Das iPhone, die Vielzahl der Linsen zeigt an: offensichtlich ein ziemlich aktuelles Modell. Denn, ja unser Sport ist immer auf Sendung. Bei einem so epischen Moment wie dem Zieleinlauf in Chamonix können wir das unbedingt verstehen. Zum Glück hat ein Fotograf auch dieses rundum gelöste Lächeln festgehalten.

Foto: Sportograf

Tie-dye Laufshorts, hierzulande seit den späten 1960er-Jahren auch als „Batik“ bekannt. Ursprünglich eine Textiltechnik aus Indonesien, hat eine ganze Generation zuhause im Badezimmer gebatikt. Macht man heute nicht mehr selbst, die Boutique-RunningMarke Satisfy übernimmt diesen Aufwand gerne.

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Ab 22. August 100 Seiten www.trail-magazin.de

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EVENT Crossing TRAINING VonBavaria Profis lernen / Maximiliansweg

L Le e rr n ne e

Text: Lars Schweizer

Was macht die Besten wirklich besser? Tom Evans, Katharina Hartmuth, Ruth Croft und Vincent Bouillard haben den UTMB geprägt – nicht durch Geheimrezepte, sondern durch Prinzipien, die jeder anwenden kann: muskuläre Ausdauer, kluge Taktik, bewusste Erholung. Ihr Training wirkt extrem, doch die Strategien lassen sich leicht übersetzen – vom Mont Blanc bis zum Feierabendtrail.

v o n d e n B E S T E N Wenn wir an die Trainingsroutinen von Weltklasse-Athletinnen und -Athleten denken, wirkt das oft wie eine eigene Welt: unzählige Stunden auf den Trails, schier endlose Höhenmeter, eiserne Disziplin. Was für Tom Evans, Katharina Hartmuth, Ruth Croft oder Vincent Bouillard selbstverständlich ist, klingt für Freizeitsportlerinnen und -sportler fast unerreichbar. Doch hinter den Erfolgen beim UTMB steckt mehr als nur extremes Training. Es sind Prinzipien, Strategien und kleine Details, die sich auch im Alltag umsetzen lassen – egal, ob man auf den Mont Blanc zielt oder auf den nächsten Trail-Halbmarathon. Wer genauer hinschaut, kann von den Besten lernen.

Tom Evans – Der Perfektionist Der Brite Tom Evans hat sich mit seinem Triumph beim UTMB 2025 endgültig in die Geschichtsbücher des Trailrunnings eingetragen. 2023 und 2024 musste er das Rennen frühzeitig beenden, doch zwei Jahre später stand er als Champion in Chamonix ganz oben. Dieser Sieg war kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis eines präzise geplanten, wissenschaftlich fundierten Trainingsansatzes. Evans’ Stärke liegt nicht nur in seiner physischen Leistungsfähigkeit, sondern vor allem in seiner Fähigkeit, Trainingsprinzipien konsequent anzuwenden und auf seinen Körper zuzuschneiden. Muskuläre Ausdauer statt nur Kondition

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Häufig wird Ausdauer mit „Kondition“ gleichgesetzt – also mit der Fähigkeit, lange Zeit eine bestimmte Herzfrequenz oder Geschwindigkeit aufrechtzuerhalten. Doch bei einem Rennen wie dem UTMB spielt noch ein anderer Faktor eine entscheidende Rolle: die muskuläre Ausdauer. Gemeint ist damit die Fähigkeit der Muskulatur, über viele Stunden hinweg wiederholten Belastungen standzuhalten, ohne ihre Leistungsfähigkeit drastisch zu verlieren. Während das Herz-Kreislauf-System relativ schnell Anpassungen zeigt, dauert es deutlich länger, bis auch Muskeln, Sehnen und Gelenke diese Resistenz gegen Ermüdung entwickeln. Um genau diese Fähigkeit zu trainieren,


K a t h a r i n a T O M

R U T H

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TRAINING Von Profis lernen setzt Evans regelmäßig auf Bergintervalle mit Zusatzgewicht im Rucksack. Die zusätzliche Last provoziert frühzeitige Ermüdung in der Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur, was den Trainingseffekt verstärkt. Dadurch lernt der Körper, auch unter fortschreitender Ermüdung effizient zu arbeiten. Für Hobbyläuferinnen und Hobbyläufer bedeutet das nicht, dass sie sofort mit 10 kg Gepäck trainieren sollten, aber kurze Bergläufe oder gezielte Krafteinheiten können die gleiche Basis schaffen. Schwellentraining für Konstanz im Tempo Ein weiterer Baustein seines Erfolges ist das sogenannte Schwellentraining. Damit ist Training in einem Intensitätsbereich gemeint, in dem sich der Körper an der „Laktatschwelle“ befindet. Das ist jener Punkt, an dem die Muskulatur gerade noch so viel Laktat abbauen kann, wie gebildet wird. Wird die Schwelle überschritten, steigt der Laktatspiegel stark an und die Muskeln ermüden schneller. Evans integriert Läufe knapp unterhalb und an dieser Schwelle in seinen Plan. Dadurch verbessert er die Fähigkeit, hohe Tempi über lange Zeit konstant zu halten. Genau das war beim UTMB 2025 sichtbar: Während viele Konkurrenten nach stundenlangen Anstiegen Tempoeinbrüche hinnehmen mussten, konnte Evans ein gleichmäßiges, effizientes Tempo halten. Für Freizeitsportlerinnen und -sportler reicht es schon, ein- bis zweimal pro Woche etwas schneller als das normale Wohlfühltempo zu laufen – das trainiert die gleiche physiologische Anpassung.

Evans integriert Läufe knapp unterhalb und an dieser Schwelle in seinen Plan. Dadurch verbessert er die Fähigkeit, hohe Tempi über lange Zeit konstant zu halten. Genau das war beim UTMB 2025 sichtbar

wertvolle Zeit und Energie, wenn er dazu gezwungen wird. Regeneration als vierte Disziplin Neben Laufen, Krafttraining und mentaler Vorbereitung betrachtet Evans die Regeneration als gleichwertige Trainingsdisziplin. Schlaf ist für ihn unverhandelbar, ebenso wie eine auf den Trainingsrhythmus abgestimmte Ernährung. Unter Regeneration versteht man nicht bloß passive Ruhe, sondern auch aktive Maßnahmen wie lockeres Auslaufen, Mobility-Übungen oder Yoga, die den Körper schneller wieder belastbar machen.

Hiking als strategische Waffe Ein oft unterschätzter Teil des Trainings: Gehen. Bei langen Ultratrails verbringen auch die Profis mehrere Stunden wandernd, vor allem in steilen Anstiegen. Evans nimmt das Hiking deshalb sehr ernst und trainiert gezielt mit Stöcken, bewusst großen Schritten und gleichmäßigem Rhythmus. Das Ziel ist nicht nur, Kraft zu sparen, sondern das Gehen zu einer zweiten, effizienten Fortbewegungsart zu machen. Wer im Training nie geht, verliert im Rennen

Was man mitnehmen kann • Muskuläre Ermüdung spielt eine große Rolle im (Ultra-)Traillaufen. Krafttraining und Bergläufe sind wertvolle Ergänzungen. • Schwellentraining einbauen: Ab

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und zu schneller laufen, als es bequem wäre – das verbessert die Leistungsfähigkeit nachhaltig. • Hiking üben: Wer Hiking trainiert, ist auch beim Trailrun effizienter. • Erholung ernst nehmen: Nur wer dem Körper Zeit zum Anpassen gibt, wird langfristig besser. Tom Evans’ UTMB-Sieg zeigt eindrucksvoll: Es sind nicht einzelne Heldentaten im Training, die zum Erfolg führen, sondern eine clevere, langfristige Strategie. Genau das können auch Hobbyläuferinnen und -läufer für sich nutzen – nicht in denselben Dimensionen, aber mit derselben Haltung.

Katharina Hartmuth – Die Frau für die langen Kanten Mit ihrem zweiten Platz beim UTMB 2023 hat Katharina Hartmuth endgültig bewiesen, dass sie zur Weltspitze

gehört. Ihr Weg dorthin ist geprägt von Vielseitigkeit, klugem Training und der auffälligen Fähigkeit, auf der zweiten Rennhälfte stärker zu werden. Vielseitigkeit durch Alternativsport Ein zentrales Merkmal ihres Trainings ist die Integration von Alternativsportarten. Radfahren und Schwimmen sind feste Bestandteile ihres Alltags. Verletzungsbedingt musste sie zuletzt häufiger auf das Rad ausweichen – was sich langfristig als Vorteil erwies. Radtraining liefert enorme Reize für das HerzKreislauf-System, ohne die Gelenke so stark zu belasten wie das Laufen. In der Trainingswissenschaft spricht man von Crosstraining: unterschiedliche Sportarten, die denselben Energiestoffwechsel ansprechen und so Ausdauer verbessern, ohne die orthopädische Belastung zu erhöhen. Für Freizeitsportlerinnen und -sportler ist das eine wertvolle Lektion: Wer verletzt oder überlastet ist, kann seine Fitness durch Radfahren oder Schwimmen erhalten und sogar ausbauen. Nachtläufe und Ermüdungsresistenz Hartmuth trainiert regelmäßig bei Dunkelheit und über viele Stunden. Solche Nachtläufe bereiten sie nicht nur physisch, sondern auch psychisch auf den UTMB vor, bei dem große Teile des Rennens nachts stattfinden. Die Trainingswissenschaft spricht hier von spezifischer Adaptation: Der Körper passt sich genau jenen Bedingungen an, die im Wettkampf gefordert sind. Gleichzeitig entwickelt sie eine außergewöhnliche Ermüdungsresistenz – die Fähigkeit, auch nach vielen Stunden Belastung stabil zu bleiben.

Sie startet kontrolliert, lässt andere ziehen und baut ihre Stärken auf der zweiten Hälfte aus. Dadurch verhindert sie, dass Energiespeicher zu früh geleert werden. 43 6/25

Rennstrategie: Geduld am Anfang, Stärke am Ende Auffällig bei Hartmuths Rennen ist ihre Taktik. Sie startet kontrolliert, lässt andere ziehen und baut ihre Stärken auf der zweiten Hälfte aus. Dadurch verhindert sie, dass Energiespeicher zu früh geleert werden. Physiologisch bedeutet das: Die Glykogenspeicher bleiben länger verfügbar, die Muskeln ermüden später und stehen dann auch noch zur Verfügung, wenn andere Mitläuferinnen und Mitläufer schon „gegen die Wand“ laufen. Für Hobbysportlerinnen


TRAINING Von Profis lernen und Hobbysportler ist das ein einfach übertragbares Prinzip: Wer zu Beginn eines Rennens geduldig bleibt, kann am Ende deutlich mehr leisten. Kontinuität über Jahre Hartmuths Stärke ist nicht das Resultat einzelner harter Einheiten, sondern jahrelanger Beständigkeit. Ob durch Laufen, Radfahren oder Schwimmen – über die Zeit hat sie ein enormes Fundament aufgebaut. In der Sportwissenschaft wird dies als kumulative Belastung beschrieben: Erst durch langfristige, kontinuierliche Reize entsteht die Fähigkeit, extreme Distanzen erfolgreich zu meistern. Was Freizeitsportlerinnen und Freizeitsportler lernen können • Crosstraining nutzen: Radfahren und Schwimmen entlasten Gelenke und ergänzen das Lauftraining. • Ermüdungsresistenz trainieren: Lange Einheiten, auch mal abends oder bei Müdigkeit, stärken Körper und Kopf. • Rennen geduldig angehen: Wer Kräfte einteilt, ist am Ende schneller. • Langfristigkeit zählt: Kontinuität über Jahre schlägt kurzfristige Intensität.

Ruth Croft – Die Vielseitige Ruth Croft ist eine Athletin, die ihre Stärke aus einer seltenen Mischung aus Vielseitigkeit, Selbstwahrnehmung und gezieltem Training zieht. Ihr Sieg beim UTMB 2025 war das Resultat jahrelanger Arbeit, kluger Anpassungen und einer besonderen Fähigkeit, Belastungen differenziert zu steuern. Geschwindigkeit bewahren, Ausdauer stärken Während im Ultratrail die reine Geschwindigkeit selten entscheidet, achtet Croft darauf, ihre „Speed Reserve“ nicht zu verlieren. Das bedeutet, dass sie neben langen Anstiegen und Ausdauereinheiten gezielt Temporeize setzt, um die Fähigkeit zu erhalten, auch im hohen Bereich ökonomisch zu laufen.

Trainingswissenschaftlich betrachtet schützt dieses Prinzip vor der „Verlangsamung“ durch monotones Langlaufen und sorgt für eine bessere Bewegungsökonomie. Training mit Gefühl statt nur mit Zahlen Ein zentrales Merkmal von Crofts Vorbereitung ist ihre Rückmeldung im Training. Coach Scott Johnston betont, wie sehr er sich auf ihr subjektives Feedback verlässt: Nicht allein die Daten aus Uhr oder Herzfrequenz entscheiden, sondern Crofts Einschätzung, wie sich Beine und Körper anfühlen. Dieses Prinzip – in der Wissenschaft als RPE (Rate of Perceived Exertion) bekannt – ist ein anerkannter Indikator für die Belastungssteuerung. Steile Laufband-Einheiten Ein wichtiger Baustein in Crofts Programm sind gezielte Läufe auf dem Laufband mit großer Steigung. Diese Sessions werden oft dann angesetzt, wenn die Beine bereits müde sind. Der Effekt: Die Muskulatur wird spezifisch an die Bedingungen von langen, steilen Anstiegen wie beim UTMB angepasst. Solche Einheiten fördern die muskuläre Ermüdungsresistenz – die Fähigkeit, trotz fortschreitender Erschöpfung weiterhin effizient Kraft zu produzieren. Effizienz durch Technik und Hilfsmittel Croft nutzt im Rennen Stöcke nicht nur bergauf, sondern auch in technischen Passagen, um Energie zu sparen und die Belastung gleichmäßiger zu verteilen. Damit entlastet sie die Beinmuskulatur und verschiebt den Energieverbrauch teilweise auf den Oberkörper. Was wir lernen können • Abwechslung im Training: Auch Temporeize setzen, nicht nur lange Einheiten.

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• Körperwahrnehmung schulen: Nicht allein nach der Uhr trainieren, sondern auf Signale wie Müdigkeit oder Schweregefühl hören. • Spezifisch trainieren: Lange Anstiege oder Laufband-Sessions sind wertvoll, um sich gezielt auf Höhenmeter vorzubereiten. • Hilfsmittel nutzen: Stöcke können auch für Hobbyläuferinnen und Hobbyläufer ein Gamechanger in langen Anstiegen sein.

Vincent Bouillard – Der Überraschungssieger Als Vincent Bouillard 2024 den UTMB in 19:54:23 Stunden gewann, war das eine kleine Sensation. Der Franzose stand bis dahin nicht im Rampenlicht, hatte keinen klassischen Sponsorenvertrag und arbeitete in Vollzeit als Product Engineer bei Hoka. Sein Erfolg machte deutlich, dass auch Athletinnen und Athleten mit Beruf neben dem Sport in der Weltspitze bestehen können – wenn Training und Alltag klug miteinander verbunden werden. Struktur trotz Vollzeitjob Bouillard trainiert nicht in riesigen Umfängen, sondern setzt auf klare Schwerpunkte. Typisch sind ein bis zwei intensive Einheiten pro Woche, meist Intervalle im Bereich von acht bis zwanzig Minuten. Diese Form von Training verbessert die Leistungsfähigkeit an der Schwelle – das heißt in dem Bereich, in dem der Körper gerade noch mit dem anfallenden Laktat klarkommt. Ergänzung durch Rad und Kraft Um zusätzliche Belastung zu schaffen, ohne die Beine ständig zu überlasten, integriert Bouillard regelmäßig Radtrai-


Bouillard trainiert nicht in riesigen Umfängen, sondern setzt auf klare Schwerpunkte. Typisch sind ein bis zwei intensive Einheiten pro Woche, meist Intervalle im Bereich von acht bis zwanzig Minuten. ning. Dieses Crosstraining vergrößert das Gesamtvolumen, schont aber Gelenke und Muskulatur. Ergänzend setzt er auf Kraft- und Dehneinheiten, um Verletzungen vorzubeugen und die Stabilität zu verbessern. Aerobe Basis durch Zone 2 Ein wesentlicher Teil seines Plans besteht aus Läufen im Zone-2-Bereich. Damit ist jener Intensitätsbereich gemeint, in dem man sich noch problemlos unterhalten kann – physiologisch also überwiegend Fettverbrennung statt Kohlenhydratverbrauch. Diese Einheiten bilden das Fundament für lange Rennen wie den UTMB, weil sie die Energiesysteme des Körpers effizient trainieren.

Steuerung über Trainingsbelastung Bouillard nutzt Metriken wie die Training Load, um sein Training zu steuern. Dabei werden Intensität und Dauer der Einheiten zu einer Gesamtbelastung zusammengefasst, die über die Woche hinweg steigen soll, ohne den Körper zu überfordern. Flexibilität als Schlüssel Besonders bemerkenswert: Bouillard hält sein Training bewusst flexibel. Wenn Termine oder Arbeit es erfordern, verschiebt er Einheiten oder verändert den Umfang. Anstatt starr an einem Plan festzuhalten, passt er sein Training dem Alltag an – ein Ansatz, von dem auch viele Freizeitsportlerinnen und Freizeitsportler profitieren können. Was wir lernen können • Qualität schlägt Quantität: Auch weniger, dafür gezielte Einheiten bringen Fortschritt. • Crosstraining nutzen: Radfahren oder andere Alternativsportarten entlasten und ergänzen das Laufen. • Grundlagenausdauer pflegen: Lockeres Zone-2-Training ist das Fundament für jede Distanz. • Belastung steuern: Metriken wie

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Trainingsbelastung oder subjektives Gefühl helfen, Überlastung zu vermeiden. • Flexibel bleiben: Training muss ins Leben passen – nicht umgekehrt. Fazit – Lernen von den Besten Tom Evans, Katharina Hartmuth, Ruth Croft und Vincent Bouillard haben gezeigt, dass es viele Wege an die Weltspitze gibt. Evans überzeugt mit akribischer Struktur und strategischem Training, Hartmuth mit Vielseitigkeit und Geduld, Croft mit Abwechslung und Selbstwahrnehmung, Bouillard mit Effizienz und Alltagstauglichkeit. Hinter allen Erfolgen steckt kein Geheimnis, sondern das konsequente Umsetzen wissenschaftlich fundierter Prinzipien: muskuläre Ausdauer, intelligente Belastungssteuerung, spezifische Anpassung an Rennbedingungen und die Fähigkeit, den eigenen Körper zu verstehen. Für Freizeitsportlerinnen und Freizeitsportler bedeutet das: Man muss nicht wie ein Profi trainieren, um von den Profis zu profitieren. Wer Geduld hat, auf Qualität achtet, Erholung ernst nimmt und Training in den Alltag integriert, wird seine eigenen „UTMB-Momente“ erleben. Die Routinen der Besten mögen weit entfernt wirken – doch die Prinzipien dahinter sind für alle greifbar.


MOMENT DER AUSGABE Dynafit Transalpine Run

Mein Helm und ich!

»Ein Nichtmitführen der Ausrüstung resp. Bekleidung wird mit Disqualifikation geahndet.« So steht es auf der Homepage des Dynafit Transalpine Run – und ja, das betrifft auf manchen Etappen sogar den Helm. Ein Helm? Beim Laufen? Klingt kurios, ist aber längst Alltag. Die Dinger sind federleicht, gut belüftet und so tragen die Läuferinnen und Läufer ihre Helme „behelmt“ bis ins Ziel, selbst wenn sie laut Reglement längst hätten abgenommen werden können. Unser Foto in dieser Ausgabe beweist eindrucksvoll: Helme machen Trailrunning nicht nur sicherer, sondern auch richtig gute Laune. Dass diese Pflicht Sinn ergibt, versteht sich von selbst. Die Alpen sind brüchig geworden, und was von oben kommt, ist längst nicht immer harmlos.

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47 6/25 Foto: Andi Frank


MOMENT DER AUSGABE Tor des Géants

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Flo Grasel ist der Messermann!

Foto: Roastmedia

Beim Zielinterview des legendären Tor des Géants – 335 Kilometer, 20.000 Höhenmeter, Nonstop durchs Aostatal – sagte der 44-Jährige nur: »Ich bin mit einem Messer zum Revolverduell gekommen.« Gemeint war: Er war nicht perfekt vorbereitet. Zuhause kranke Zwillinge, Stress im Job, wenig Ruhe fürs Training. Dazu fehlte eine klare Strategie, kein großes Support-Team – die Flasks musste er selbst auffüllen, kleine Pannen, die im Ultra schnell große Folgen haben. Und trotzdem: Platz zehn. Ein starkes Ergebnis für jemanden, der schon beim UTMB Neunter und beim PTL Zweiter war. Sein Fazit? »Ich habe den Drachen getroffen – und viel gelernt. Beim nächsten Mal komme ich mit einer richtigen Waffe.« Wir wollen ihn natürlich nochmal beim TOR sehen und sind gespannt was möglich ist, wenn er alle Sachen vorsortiert hat.

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MEINUNG Verfügbarkeiten Text: Denis Wischniewski

Warum wir nicht alles immer sofort bekommen sollen. 50 6/25


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Kluge Menschen sprechen immer öfter darüber: das Handy weglegen, den Rechner runterfahren, Screentime reduzieren. Wir reden vom Simple Life. Unser Hirn braucht Ruhe. Stille. Wir haben uns ja längst daran gewöhnt, alle Informationen in Echtzeit zu erhalten. Damit geht auch einher, dass wir ja alles gerne immer sofort, unmittelbar hätten. Ein Klick und es liegt an der Haustüre, ein Klick und es springt von Rot nach Grün. Im Laufsport läuft das nicht. Man bekommt nicht alles sofort und nicht sofort, was man will. Das fängt beim Startplatz an. UTMB? Von wegen einfach auf die Homepage und anmelden. Nein, nein. Geduld du musst haben. Western States 100? Geduld, nicht nur Geld, du musst haben. Viel Geduld. Jahre. Das haben wir verlernt. Einen Ultratrail wie den UTMB unter Umständen erst drei oder vier Jahre nach der Entscheidung, ihn laufen zu wollen, auch laufen zu dürfen, macht aus diesem Event etwas Besonderes. In unserem Sport muss nicht alles vom einen auf das andere Jahr geschehen. Es ist wunderbar, die Position des Beobachtenden einzunehmen und erst etwas später selbst loszulegen. Es macht uns demütig und besser.

»Als die Schuhe dann bei mir ankamen lief das Nachfolgemodell schon über spanische Instagram-Kanäle.« Dass wir längst nicht jeden Trailschuh bekommen, den wir gerne hätten, ist ein Normalzustand geworden. Was wollte ich ein bestimmtes S-Lab-Modell und am Ende blieb mir nur, den Schuh an den Füßen von Ryan Sandes in einem YouTube-Video zu sehen. Als die Schuhe dann bei mir ankamen, lief das Nachfolgemodell schon über spanische Instagram-Kanäle. Aber: In jener Zeit, in der dieser Traumschuh nicht bei mir ankam, lief ich auch ganz gut besohlt durch die Gegend. Wenig überraschend – ich lief nicht barfuß. Das vielleicht beste Beispiel für fabelhafte Unverfügbarkeit ist die Situation auf der Berghütte. Die Almhütte. Geöffnet, wenn das Vieh aufgetrieben wurde, geschlossen ab Herbst nach dem Almabtrieb. Es gibt in aller Regel das, was auf der Hütte produziert werden kann. Kuchen, Käsebrot, Suppe. Mal Erbsensuppe, mal Kaspress. Keine Torten, kein frittiertes Schnitzel, keine Pommes. Es ist ein übersichtliches Menü und wenn der Tag fortgeschritten ist, kann es sein, dass von fünf Optionen nur noch zwei verfügbar sind – das hört sich dann so an: „Tut mir leid, heute haben wir nur noch Käsebrot.“ Das Wundervolle daran – dieses vorletzte Käsebrot schmeckt klasse und Bier gibt es immer. Unsere Zukunft liegt vielleicht mehr denn je im Zauber der Hin und Wieder Unverfügbarkeit, darin die Dinge in kleinen Rahmen zu denken und zu feiern. Eigentlich macht das sogar Sinn: Alle unsere großen Probleme lassen sich längst nicht mehr mit "der einen Riesen-Maßnahme" lösen, also bleiben doch nur noch die vielen kleinen Schritte, Versuche und Ideen übrig.

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REISE 10 FRAGEN SpreewaldAN ... Isabelle Poletti

»Der UTMB ist kein Geschäft – er ist eine Lebensaufgabe« Von links nach rechts: Isabelle mit ihren Eltern Michel und Catherine.

Sie kennt den UTMB seit der ersten Stunde – jetzt übernimmt Isabelle Poletti, Tochter der Gründer Catherine und Michel, eine Schlüsselrolle beim größten TrailrunningEvent der Welt. Im Gespräch beantwortet sie zehn Fragen zu Chamonix und dem Mythos UTMB. Ist der HOKA UTMB Mont Blanc für Sie ein Beruf oder eher eine Lebensaufgabe? Beides. Der UTMB ist ein Vollzeitjob, der höchste Professionalität verlangt – Logistik, Sicherheit, Mobilität, Koordination. Aber er ist auch eine Herzensangelegenheit, eine lebenslange Verpflichtung. Es geht nicht nur darum, ein Rennen zu organisieren, sondern darum, einen Treffpunkt zu schaffen, an dem sich Athletinnen und Athleten, Freiwillige, Zuschauerinnen und Zuschauer und die lokalen Gemeinden aus aller Welt begegnen. Viele Menschen glauben, beim UTMB fließe das große Geld und am Ende werde man reich. Stimmt das? Diese Vorstellung ist ein Mythos. Natürlich hat das Event eine wirtschaftliche Dimension: Es bringt Hotels, Restaurants und lokalen Dienstleistern Umsätze. Aber wir investieren jedes Jahr über 600.000 Euro allein

in umweltfreundliche Mobilität und Shuttlebusse, um den Autoverkehr zu begrenzen – unser größter Budgetposten. Wir finanzieren Live-Übertragungen, temporäre Infrastrukturen und die Unterbringung und Verpflegung von Tausenden Freiwilligen. Fast alle Einnahmen fließen zurück in das Rennen, die Region und seine Nachhaltigkeit. Für uns sind Finanzen kein Selbstzweck, sondern Mittel, um Werte zu schaffen – nicht um uns persönlich zu bereichern.

liste – wie sehr schadet so etwas dem Sport und dem UTMB? Wir setzen alles daran, den TrailrunningSport sauber zu halten. Wir investieren viel in Tests, folgen strikt den World-AthleticsRegeln und setzen Sperren um. Ebenso wichtig ist Aufklärung, denn gerade junge Athletinnen und Athleten kennen manchmal die komplexen Regularien nicht. Trailrunning ist nach wie vor eine sehr saubere Sportart und wir werden alles tun, damit das so bleibt.

War die Ausgabe 2025 wieder ein historischer UTMB? Wir denken nicht in historischen Momenten, sondern in kontinuierlicher Verbesserung. Jedes Jahr heben wir Organisation, Sicherheit, Nachhaltigkeit und das Erlebnis für die Läuferinnen und Läufer auf ein neues Level. 2025 war ein weiterer Schritt nach vorn.

Muss sich der UTMB weiterentwickeln – oder geht es eher darum, das Erreichte zu bewahren? Beides. Unsere Kernwerte – Respekt vor den Bergen, Solidarität, Fürsorge für die Athletinnen und Athleten, Partnerschaft mit den Gemeinden, Botschaften von Frieden und Freundschaft – bleiben unverändert. Was sich ändert, ist die Art, wie wir diese Werte angesichts neuer ökologischer, technologischer und gesellschaftlicher Heraus-

Der Dopingfall um Joyline Chepngeno und die neue Rang-

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forderungen umsetzen. Wir wollen in Qualität wachsen, nicht in Quantität.

»Jenseits von Nachhaltigkeit und Erbe geht es mir darum, Momente von Freude und Gemeinschaft zu schaffen – gerade in einer Welt, die oft von schlechten Nachrichten geprägt ist.

Was treibt Sie persönlich beim UTMB an? Ich will, dass der UTMB ein weltweites Vorbild für verantwortungsvolle, inspirierende Bergsport-Events bleibt. Jenseits von Nachhaltigkeit und Erbe geht es mir darum, Momente von Freude und Gemeinschaft zu schaffen – gerade in einer Welt, die oft von schlechten Nachrichten geprägt ist. Wir möchten Botschaften von Frieden, Einheit und Hoffnung verbreiten und zeigen, dass Sport uns zu einem besseren Miteinander inspirieren kann.

Ausrüstung bleiben die Bedingungen akzeptabel. Wir haben die Strecke leicht angepasst und die Situation eng überwacht. Am Ende gab es keine Unfälle und nicht mehr Ausstiege als üblich – das bestätigte unsere Entscheidung. Vor zehn Jahren haben wir ähnliche Prozesse gehabt, aber heute sind die Daten und die Expertise deutlich besser.

Haben Sie manchmal Angst vor der Größe des Events? Angst nicht, Verantwortung ja. Die Zahl der Läuferinnen und Läufer ist seit Jahren konstant, gewachsen sind Sichtbarkeit und Reputation. Das verpflichtet uns, Vertrauen zu rechtfertigen und unsere Werte zu leben. Diese Größe gibt uns auch die Chance, starke Botschaften zu transportieren und hohe Standards zu setzen – dieser Aufgabe stellen wir uns mit größtem Ernst.

Wann haben Chamonix und die umliegenden Regionen ihre Grenzen erreicht? Es gibt keinen exakten Zeitpunkt, aber klar ist: Outdoor-Events und Tourismus haben den Druck in den letzten Jahren erhöht. Die Zahl der Läuferinnen und Läufer beim UTMB ist seit Jahren konstant – und wir wollen nicht weiter wachsen. Unsere Verantwortung liegt in einem sorgfältigen Management aller Beteiligten, gemeinsam mit den lokalen Behörden. In der ersten Nacht war das Wetter rau. Warum haben Sie das Rennen nicht abgebrochen? Hätten Sie vor zehn Jahren anders entschieden? Die Entscheidung basierte auf präziser Analyse der Wetter- und Sicherheitskriterien zusammen mit Expertinnen und Experten. Alle Indikatoren zeigten: Mit der richtigen

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trail

haunted

youth


EVENTS TEST Stirnlampen Sommer-Highlights 2025

Lichtquellen PETZL NAO RL

170 Euro n 1500 Lume

Mit der NAO® RL bringt Petzl® eine Stirnlampe auf den Markt, die wie gemacht ist für Trail- und Ultraläufer. Gerade einmal 145 Gramm leicht, liefert sie beeindruckende 1500 Lumen – genug, um auch anspruchsvollste Nachtläufe sicher zu meistern. Das komfortable, reflektierende Kopfband sitzt stabil, die Akkuladung am Hinterkopf sorgt für eine ausgewogene Gewichtsverteilung. Herzstück ist die REACTIVE LIGHTING®-Technologie: Ein Sensor passt die Leuchtkraft automatisch an die Umgebungshelligkeit an. So verlängert sich die Akkulaufzeit, während manuelle Eingriffe überflüssig werden. Drei Leuchtstufen – von maximaler Power bis zur längsten Laufzeit – bieten Flexibilität für jede Situation. Ein rotes Rücklicht erhöht die Sichtbarkeit, der Akku lässt sich per USB-C laden und sogar als Powerbank nutzen. Robust, ergonomisch und wetterfest (IPX4) – die NAO® RL ist ein starkes Statement im Segment der High-End-Stirnlampen.

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Erst wenn es dunkel wird, zeigt die Stirnlampe, was sie kann. Kaum ein Ausrüstungsstück muss so kompromisslos zuverlässig sein. Wir haben vier Modelle ausgewählt, die uns in langen Nächten treu den Weg erhellt haben.

SILVA Seek 450

40 Euro n 450 Lume

SILVA

FREE 1200S

199 Euro n 1200 Lume

Die Seek 450 Recharge ist eine StirnDie Free 1200 S ist gemacht für alle, die lampe für Alltag und Abenteuer – vom draußen gern das Maximum wollen – ob nächtlichen Hundespaziergang bis zur beim Skilanglauf oder beim Trailrunning. Gipfeltour. Mit 450 Lumen, drei HelligMit 1.200 Lumen bringt sie ordentlich keitsstufen und einem Rotlichtmodus Licht ins Dunkel und bleibt dank kabelfür Nachtsicht bietet sie verlässliche losem Design super flexibel. Der komBeleuchtung in jeder Situation. Das pakte Akku (24,1 Wh) sitzt bequem am kompakte, leichte Design besteht aus Kopf, stört nicht und hält lange durch. recycelten Materialien und passt in jede Praktisch: Im Uphill kannst du in den Tasche. Besonders praktisch: Das runde 80-Lumen-Modus wechseln und den Akku Lampenmodul lässt sich vom schmalen bei Kälte nah am Körper tragen – so ver25-mm-Kopfband abnehmen und flexibel längerst du die Laufzeit. Richtig stark an Ausrüstung befestigen. Dank Silva ist die modulare Bauweise: Lampenköpfe, Intelligent Light kombiniert die Seek 450 Akkus und Halterungen sind austauscheinen fokussierten Fernlichtstrahl mit bar, sodass du deine Lampe jederzeit breitem Nahlicht – ideal für Orientierung anpassen kannst – vom Helm über die und Trittsicherheit. Ein integrierter Stirn bis ans Bike. Die Silva Free Serie ist 1350-mAh-Li-Po-Akku sorgt für Ausdie erste modulare Stirnlampen-Familie dauer und ist per USB-C aufladbar. Mit überhaupt Die gezielte Beeinflussung der und wurde dafür mit dem ISPO Sperrfunktion gegen unbeabsichtigtes VLamax durch Training –Award etwa 2023 ausgezeichnet. Mit Intelligent Intervalle, Krafttraining Einschalten undüber IPX5-Wetterschutz zeigt Light und Airflow-Technologie hast du oder extensive Grundlageneindie Seek 450 Recharge, dass Nachhaltigklare Sicht, weniger Kopfbewegungen und heiten – ist einzuwichtiger Hebel keit, Komfort und Leistung perfekt volle Power, egal wie schnell du unterwegs sammengehen. für die Leistungsentwicklung bist. im Trailrunning.

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Mehr Produkttests & Reviews www.youtube.de/ trailmagazin2021

FORCLAZ HL900 USB V3

45 Euro n 600 Lume

Die HL900 USB V3 ist eine Stirnlampe für alle, die vielfältig nachts draußen unterwegs sind – ob beim Trailrunning, Wandern, Camping oder einfach bei Reparaturen im Dunkeln. Mit 600 Lumen macht sie die Nacht zum Tag und bleibt dabei angenehm leicht (ca. 80 g). Der Akku ist wiederaufladbar, kann aber bei Bedarf auch mit Batterien betrieben werden – praktisch, wenn’s länger dauert oder keine Steckdose in der Nähe ist. Verschiedene Leuchtmodi und ein verstellbarer Neigungswinkel sorgen dafür, dass du immer genau das Licht hast, das du brauchst. Das Design ist robust, wasserabweisend (IPX4) und sitzt bequem am Kopf. Bis zu 20 Stunden Leuchtdauer machen die Lampe zu einem verlässlichen Begleiter, egal ob auf dem Trail, am Zeltplatz oder beim Abstieg vom Gipfel. Kurz: Die HL900 USB V3 ist mehr als nur Licht – sie ist ein günstiger Begleiter für viele Abenteuer und erstaunlich leistungsstark.


REISE Bornholm

Runde

Text & Fotos: Clemens Niedenthal

Dass Bornholm die Lieblingsinsel eines TRAIL-Redakteurs ist, haben wir vor drei Jahren schon in einer großen Reisereportage erzählt. Jetzt war Clemens Niedenthal wieder dort, für einen Etappenlauf auf dem Küstenwanderweg Kyststi

Fünf gute Gründe für den Kyststi, den 119 Kilometer langen Küstenwanderweg auf Bornholm: Die Lage, denn aus dem Norden Deutschlands ist es bis Bornholm nicht weit. Wenn man ohne Auto anreist, ist auch die Fähre ab Sassnitz auf Rügen richtig günstig. Die Logik der Strecke: eine Runde um die Insel, immer nah am Wasser, gelegentlich steht man mit einem Fuß schon drin. Die abwechslungsreiche Topografie: von fluffigen, federnden Waldböden und den elegischen Sandstränden im Süden über das von Felsen durchsetzte Auf und Ab an der Ostküste bis zu den kupierten, teils ausgesetzten Passagen an der Nordspitze, dort, wo immer im Mai auch der Salomon Hammer Trail (25 K bis 50 M) ausgetragen wird. Die gute Infrastruktur: Wer ein festes Quartier, etwa ein Sommerhaus, bevorzugt, kommt mit dem Linienbus unkompliziert zu den Etappenstart- und Zielorten. Zuletzt ist da noch die lokale Laufszene. Tejn IF, der Verein hinter dem Hammer Trail, veranstaltet etwa zwei wöchentliche Traillauftreffs (mittwochs und samstags).

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S


Entspannt gewandert, teilen sich die 119 Kilometer des Kyststi in sieben Tagestappen auf. Ich habe auf meinen Läufen im August einen Schweden getroffen, der den Weg in Vorbereitung auf eine Ironman-Distanz in zwei Tagen gelaufen ist. Um noch genügend vom großartigen Flair der Insel mitzubekommen (kulinarisch, kulturell, landschaftlich sowieso), sollte man für das persönliche Kyststi-Abenteuer drei-

Sache einhalb Trailtage und vielleicht noch zwei, drei weitere Tage auf der Insel einplanen. Und man sollte vom Fährhafen der Inselhauptstadt Rönne mit dem Uhrzeigersinn starten. Am Nachmittag nach der Ankunft und eventuell dem Bezug der Unterkunft

(falls man nicht ohnehin immer an den Etappenzielorten nächtigt) folgt man dem Küstenweg in nördlicher Richtung bis in das kleine Fischerstädtchen Hasle, zwölf weitgehend flache Küstenkilometer, um die Insel kennenzulernen, noch nicht aber ihr herrliches Terrain. Dafür ist der zweite Tag da, der uns, oft auf den Pfaden des Hammer Trail, einmal um den Norden der Insel führt. Über Stock und Stein, über in die Felsen gemauerte Treppen, durch die skurrilen Formationen eines ehemaligen Granitsteinbruchs und durch kleine Fischerdörfchen. Länger rasten sollte man in Sandvig an der Nordspitze der Insel (und später noch mal für die Sauna am Hafen zurückkommen). Die Etappe endet in Tejn (29 Kilometer) oder Gudhjem (39 Kilometer). Der dritte Tag führt – stets laufbar, aber oft felsig – die Ostküste hinunter, Mittagspause in Svaneke oder Nexö. Mich erinnert dieser Abschnitt immer wieder an die Küsten in Cornwall oder Wales. Am letzten Lauftag geht es über weite Sandstrände und fluffige, bemooste Waldböden zurück nach Rönne. So ergeben sich nicht nur recht symmetrische Tagesetappen, sondern auch drei Läufe mit unterschiedlichem, immer ausdrucksstark nordischem Charakter. Wer komplett autonom unterwegs sein möchte, auf den wartet unterwegs ein gutes Dutzend Shelter, also Biwakhütten. Alle wichtigen Infos zum Kyststi www.bornholm.info/de/kuestenwanderweg/

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INTERVIEW Lucy Bartholomew Text: Denis Wischniewski

L U C Y

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Mit 15 lief Lucy Bartholomew ihren ersten Ultratrail, heute ist sie 29 – und längst eine der prägendsten Stimmen im internationalen Trailrunning. Sie gilt als Vorbild für viele junge Frauen, hat aber selbst lernen müssen, mit Krisen umzugehen. Im Gespräch erzählt die Australierin, warum sie sich trotz früher Erfolge immer noch wie eine Schülerin fühlt, wieso sie nach einer UTMBTopplatzierung „zum Spaß“ einen Ironman absolvierte, und weshalb sie nach all den Jahren wieder zu ihrem ursprünglichen „Warum“ zurückgefunden hat. Lucy, du bist mit deinen 29 Jahren schon beinahe eine alte Häsin im Trailrunning. Deinen ersten Ultratrail bist du mit 15 Jahren gelaufen? Wie kam es dazu? Oh ja, ich scheine diesen Sport schon lange zu betreiben, aber ehrlich: Ich fühle mich immer noch wie eine Schülerin! Mein Vater hatte sich irgendwann entschieden, die Straßen hinter sich zu lassen und über die Marathondistanz hinauszugehen. Ich hörte von den coolen Orten, die er auf seinen Trailläufen erreichte, und wollte unbedingt mitmachen! Die ganze Familie hat sich mit ihm auf seine ersten 100 km vorbereitet. Als ich ihn dann ins Ziel kommen sah, wusste ich: „Das will ich auch!“ Anfangen ist das eine. Warum bist du über all die Jahre dabeigeblieben? Ich bin einfach ein neugieriger Mensch und die Vielfalt des Trailrunnings in Bezug auf Gelände, Distanz und Herausforderungen fordert mich immer wieder neu. Ich habe

mich nie auf eine einzige Wettkampfart beschränkt, nehme an Berg-, Küsten-, Mehrtages-, Kurz- und Langstreckenrennen teil – also bleibt es unterhaltsam. Australien ist für uns in Europa unglaublich weit weg. Wie ist der Sport dort? Gibt es einen Australian Way of Trailrunning? Die australische Community ist etwas Besonderes. Sie hat sicherlich nicht die Tradition und Tiefe wie in Europa oder den USA, aber sie fühlt sich sehr natürlich und gesund an. Australien ist bekannt für seine Leidenschaft für alle Sportarten und wir unterstützen alle, die erfolgreich sein wollen. Ich glaube, die australische Umgebung hat mich wirklich stark gemacht: das raue Gelände, die Hitze und die unglaublichen Distanzen. Australien ist auch auf eine eigene Art unglaublich schön. Viele junge Frauen haben deinetwegen mit dem Trailrunning angefangen .

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Ich bin jedes Mal unglaublich glücklich, wenn mir eine Frau erzählt, welchen Einfluss ich auf ihren Weg zum Laufen hatte. Ich möchte ein Vorbild sein und andere inspirieren, mit allen meinen Erfolgen, aber auch mit den Krisen und Tälern, durch die ich gegangen bin. Du sprichst deine Krisen an. Was hast du aus den Zeiten gelernt, in denen es plötzlich nicht mehr so lief? Ich musste meinen Weg mehrmals korrigieren, hatte aber Glück, ein Umfeld und auch Sponsoren zu haben, die mir die notwendige Zeit gegeben haben, Veränderungen vorzunehmen und auf die Entwicklung zu vertrauen. Ich war diese Teenagerin mit einer Leidenschaft fürs Laufen und plötzlich war ich, in unserer kleinen Trailrunning-Blase zumindest, eine Art Star. Ich wurde schon in jungen Jahren beobachtet und das war sicher nicht immer leicht. Aber das Geschenk, aus dieser Leidenschaft einen Beruf machen zu können, ist noch immer das größte, das ich


INTERVIEW Lucy Bartholomew diesen zehn Jahren habe ich vielleicht den Weg verloren und bin mehr für Belohnungen und Auszeichnungen gelaufen. Aber ich habe diese Veränderung in meinem „Warum“ bemerkt und bin zu dem eigentlichen Grund zurückgekehrt, warum ich jeden Tag aufstehe und laufe.

Aber ich habe diese Veränderung in meinem „Warum“ bemerkt und bin zu dem eigentlichen Grund zurückgekehrt, warum ich jeden Tag aufstehe und laufe.

Zurückgekehrt bist du stärker und vor allem ausgeglichener denn je. Hast du konkrete Ziele, was Wettkämpfe angeht? Natürlich. Ich bin noch lange nicht fertig und habe noch viele Ziele. Ich will mich eines Tages für den Hardrock 100 qualifizieren und zum Western States muss ich definitiv auch noch mal zurück. Die USA und ihre Laufkultur reizen mich, vielleicht schon im nächsten oder übernächsten Jahr.

in meinem Leben bekommen habe. Läufst du heute anders als vor zehn Jahren? Mehr für dich selbst? Ich laufe aus den gleichen Gründen wie vor zehn Jahren. Ich bin schon immer gelaufen, um Orte zu erkunden, meinen Geist und Körper herauszufordern und eine Verbindung zu meiner Umgebung und zu den Menschen aufzubauen. Irgendwann in

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Vor zwei Jahren hast du etwas ziemlich Verrücktes gemacht: Du bist direkt nach deinem zehnten Platz beim UTMB nach Hawaii geflogen, um erfolgreich den Ironman zu absolvieren. Eine tolle Herausforderung, oh ja. Bei den Ironman-Weltmeisterschaften und beim UTMB dabei zu sein, der sich ja wie eine Ultratrail-Weltmeisterschaft anfühlt, war schon fantastisch. Als ich mich jeweils für das Event qualifiziert hatte, sagte ich aus dem Bauch heraus sofort „Ja!“. Dann habe ich in den Kalender geschaut und festgestellt, dass die Termine zeitlich eng beieinanderliegen. Da der UTMB mein oberstes Ziel war, konnte ich im ersten Rennen richtig Gas geben und bin dann ganz entspannt nach Hawaii gereist – Triathlon ist nicht mein Beruf, also ging es mir wirklich darum, Spaß zu haben und Teil dieses historischen Rennens zu sein. Verdienst du deinen Lebensunterhalt mit Sport? Wie würdest du deinen Job beschreiben?


Ja, ich lebe von der Unterstützung meiner Sponsoren. Mein Job besteht also darin, sportliche Leistungen zu bringen und in den sozialen Medien Geschichten zu erzählen. Ich liebe beides.

an Orte, die du nur erkennst, wenn du sie gehst! Laufen ist harte Arbeit und offenbart deinen wahren Charakter. Ich liebe diese Reise, die man mit jedem Lauf unternimmt.

Hat jemand, der für viele eine Art Idol ist, selbst Idole? Absolut! Ich habe viele Idole in verschiedenen Bereichen und aus verschiedenen Gründen. Ich habe immer zu Emelie Forsberg aufgeschaut, die sich damals als Teamkollegin bei Salomon um die kleine Lucy gekümmert hat. Ich bewundere Stephanie Gilmore im Surfen für ihre Wildheit, meinen Vater, der mich ständig inspiriert, und so viele mehr.

Deine Karriere war auch von Verletzungen geprägt. Kannst du das Gefühl beschreiben, nach langer Pause wieder laufen zu können? Eigentlich hatte ich nicht viele physische Verletzungen, die mich vom Sport abgehalten haben. Aber ich hatte mit einem Burn-out zu kämpfen, das ich mir letztlich selbst eingebrockt hatte, durch den hohen Druck und den Versuch, einen müden Körper zu lange am Laufen zu halten. Das war definitiv ein Learning, Pausen zu akzeptieren, zumal ich eigentlich recht gut merke, wann mir das Laufen keinen Spaß mehr bringt und ich mal innehalten sollte. Das hat die älter gewordene Lucy der jungen Lucy voraus. Darüber hinaus bin ich meinem Körper sehr dankbar, dass er offenbar robust genug ist, um den üb-

Du sprichst oft davon, dass du beim Laufen vor allem neue Orte entdecken willst – was findest du an neuen Orten? Deine Füße können dich an unglaublich schöne Orte bringen, die du mit dem Auto gar nicht erreichen könntest. Aber Laufen bringt dich auch mental und spirituell

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lichen Übermüdungsverletzungen aus dem Weg zu gehen. Reden wir noch über Training – wie gut bist du auf einen Wettkampf vorbereitet? Erlaubst du dir auch mal, mit zu 90 Prozent aufgefüllten Tanks in ein Rennen zu starten, oder brauchst du immer die Gewissheit, bei 100 Prozent Fitness zu sein? Manchmal nutze ich die Wettkampfsituation auch, um mir die Extraportion Fitness zu holen, und starte also unter meinem normalen Niveau. Das kann mental anstrengend sein, aber ich finde es eine tolle Art, das nächste Level zu erreichen. Wichtig ist nur, dass man die eigenen Erwartungen an ein Rennen auch dieser Ausgangssituation anpasst. Was überrascht dich immer wieder an dir selbst? Ich bin immer wieder überrascht, was mein Körper leisten, wie er sich anpassen und dabei wachsen kann. Ich liebe ihn!


HINTERGRUND Doping

Am Start des OCC von Emotionen getroffen, aber noch nicht des Dopings überführt: Joyline Chepngeno.

Doping auf dem Vormarsch

Joyline Chepngeno wurde positiv getestet und ist der nächste Dopingfall im Trailrunning. Es mag ein Fall sein, der exemplarisch aufzeigt, wie sich der Sport verändert und wie jeder Dopingtest gleichzeitig eine „Watschn“ sein kann, sicher aber eine Wachstumschance bedeutet.

Text: Egon Theiner Die Ortschaft Keringet ist 175 Kilometer oder dreieinhalb Stunden mit dem Auto von Iten entfernt. Erstere ist Geburtsort, zweitere immer wieder Trainingsstätte von Joyline Chepngeno. Die Kenianerin ist der jüngste Dopingfall im internationalen Trailrunningsport. Die 27-jährige Afrikanerin wurde nach ihrem Triumph beim Klassiker Sierre-Zinal

in der Schweiz einer Dopingkontrolle unterzogen und positiv auf Triamcinolonacetonid (ein injizierbares Kortikoid) getestet. In einer konzertierten Aktion veröffentlichten mehrere Institutionen, begonnen bei der Athletics Integrity Unit, quasi zeitgleich die Nachricht über diesen Dopingfall. Salomon trennte sich von der Sportlerin am selben Tag und 24 Stunden später war Chepngeno auch ihren Sieg bei den UTMB Finals los. Die Organisatoren korrigierten das Ergebnis des OCC (Orsières-Champex-Chamonix, 61 km/3400 Hm) und sprachen den Sieg Yao Miao aus China zu.

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13.000 € für einen Sieg, vier Dollar für einen Tag Business as usual, möchte man meinen. Die Dopingsituation in der kenianischen Laufwelt ist eine Katastrophe. Die Überraschung, dass es eine weitere Sportlerin aus diesem Land getroffen hat, sei nicht allzu groß, analysiert eine Quelle von trailrunningworld.net vor Ort in Iten. Sie will namentlich nicht genannt werden. „Wir müssen uns vor Augen halten, dass ein normales Einkommen in Kenia zwischen 100 und 300 Dollar beträgt, dass es für einen Tag Arbeit auf den Feldern


drei oder vier Dollar gibt. Es mag im Trailrunning nicht, oder noch nicht, das große Geld zu holen sein, die Siegprämien (2000 € in der Schweiz, 13.000 € in Chamonix, Anm.) sind allemal verlockend. Dafür kann man schon auch ein Risiko in Kauf nehmen.“ Und weiter: „Es geht nicht einmal darum, die Athleten und Athletinnen zu kriminalisieren. Es sind zu viele Halunken unterwegs, die talentierte und schnelle, aber in den allermeisten Fällen wenig gebildete Personen mit großen Versprechungen und der Aussicht auf Ruhm und Ehre und Geld in ihr Fahrwasser und zum Doping bringen, um aus ihnen Profit zu schlagen.“ Wird jemand erwischt, passiert nicht viel – wie auch: Schlimmstenfalls kehren die Dopingsünderinnen und -sünder nach einigen Auslandsreisen zu ihrem vorherigen Leben zurück, bestenfalls haben sie Preis- und Sponsorengelder schon investiert, „in ein Stück Land, in zwei Kühe“. Und wer seine Familie, seinen Clan, seinen Stamm schon unterstützt hat, der wird ohnehin als Wohltäter weiter geschätzt, dann sind es die anderen, die einen Fehler gemacht haben. Doping folgt der Spur des Geldes Der Fall Joyline Chepngeno ist der nächste Dopingfall, der die Trailrunningwelt erschüttert. Erschüttert? Tut er dies wirklich? Oder ist Trailrunning eigentlich auf dem Weg, eine große und wichtige Realität im internationalen Sport zu werden? Wenn Doping der Spur des Geldes folgt, dann sind positive Dopingkontrollen Evidenz dafür, dass es auf den Trails immer mehr zu verdienen gibt. Spitzenathletinnen und -athleten können über Sponsorenverträge sechsstellige Beträge generieren, die Preisgelder werden auch immer höher – bei den World Mountain and Trail Running Championships (WMTRC) in Canfranc Pirineos in Spanien, die am 22. September beginnen, werden 100.000 Dollar ausgeschüttet. Keine Frage – da geht noch mehr. Ein Kenianer, der den Marathon in 2:07 Stunden läuft, ist ein Niemand, ein Mitteleuropäer, der dies schafft, würde mit Sponsorenverträgen überhäuft. Die Quelle in Iten sagt dazu: Große Marken investieren dort, wo großer Umsatz erzielt werden kann, und Afrika, siehe oben, gehört da nicht gerade dazu. Inso-

»Wir arbeiten hart daran, das Thema Doping in den Kopf aller zu bekommen und präsent zu halten, doch gleichzeitig weiß ich, dass wir den schlimmsten Fall nicht verhindern könnten.« fern wird Salomon an Joyline Chepngeno nicht finanziell ausgeblutet sein, ein kleinerer fünfstelliger Betrag könnte es wohl gewesen sein. run2gether against Doping Thomas Krejci – er darf genannt werden – ist gerade in Kals in Osttirol, wo er und sein Verein run2gether Laufkurse und Trainings für jedermann und jedefrau anbieten. Zu sagen, dass er ein Vereinsobmann sei, ist richtig und gleichzeitig nicht genug. Er ist Manager von einer Reihe der wichtigsten Trailrunnerinnen und Trailrunner der Szene. Sie kommen aus Kenia und heißen Patrick Kipngeno, Philemon Kiriago, Michael Selelo Saoli, respektive Zweiter, Dritter und Vierter in der Gesamtwertung der Golden Trails World Series vor dem großen Finale in der ersten Oktoberhälfte, und Philiaries Kisang ist Siebte in der Damenwertung. 2014 musste er eine Klarstellung publizieren, als eine Sportlerin seine Gruppe verließ – und unter neuer Führung ein paar Monate später positiv getestet wurde. Das war zu einer Zeit, in der Trailrunning begann, am Horizont der öffentlichen Wahrnehmung zu erscheinen. „Selbstverständlich ist Geld eine starke Antriebsfeder, wenn wir über Doping reden“, sagt Krejci. „Ob ich mir einen Fall

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wie diesen erwartet habe? Hm, erwartet, das ist ein großes Wort.“ Der Österreicher mag es nicht, über ein Dopingvergehen zu sprechen, das nur in Grundzügen bekannt ist und bei dem in alle Richtungen spekuliert werden könnte: Fehler der Betreuer? Fehler der Athletin? Bewusst? Ungewollt? So viele Fragen, so wenige Antworten. Deswegen spricht Thomas Krejci viel lieber über eine Situation, die er bis ins Detail kennt – über jene bei run2gether nämlich. „Wir thematisieren Doping seit über zehn Jahre schon“, erklärt er. „Bei uns im Team ist die Bekämpfung des Dopings omnipräsent. Wir bemühen uns, prophylaktisch zu arbeiten, reden mit den Sportlern und Sportlerinnen, setzen regelmäßige Aktivitäten, halten Seminare, verpflichten unsere Sportlerinnen und Sportler, jährlich einen vierteiligen E-Learning-Kurs zu absolvieren und jedes Modul positiv abzuschließen.“ Auch er unterstreicht den Umstand, dass sehr viele kenianische Athletinnen und Athleten wenig bis gar keine Schulbildung besitzen, dass gewisses Wissen nicht vorausgesetzt werden kann und dass ein größerer finanzieller Druck dann entsteht, wenn das Leben mit Preisgeldern finanziert werden soll. „Kenianer sind zudem leichtgläubig und vertrauen sehr schnell. Wenn wir die Produkte unserer Nahrungsergänzungs-Partner ausgeben, jene von Bix Nutrition und Eqology, dann sehe ich, wie sehr man uns vertraut und an uns glaubt. Wir könnten ihnen alles geben und es liegt an jedem und jeder, dieses Vertrauensverhältnis nicht zu missbrauchen.“ Die Hand ins Feuer würde Krejci dennoch nicht für eines seiner Teammitglieder legen. „Wir arbeiten hart daran, das Thema Doping in den Kopf aller zu bekommen und präsent zu halten, doch gleichzeitig weiß ich, dass wir den schlimmsten Fall nicht verhindern könnten. Wir reden von Einzelsportlerinnen und Einzelsportlern, die nicht immer im Camp sind, die mit anderen Personen zusammentreffen, Beeinflussungen von verschiedenen Seiten erleben. Als Trainer, Manager und Betreuer können wir sehr viel machen, aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.“ Er sagt dies im Wissen, dass ein Dopingfall bei run2gether verheerend


HINTERGRUND Doping

»Ich bin ein Befürworter sauberen Sports, ich würde alles dafür tun, einen Beitrag zu leisten.« Hannes Namberger

wäre und negative Konsequenzen hätte – und was für welche. Krejci: „Wir müssen im Trailrunning für jeden gemachten Dopingtest dankbar sein, jeder einzelne ist super – klar ist aber auch, dass jeder Test die Möglichkeit eines positiven Ergebnisses in sich trägt.“ Doch dann sagt der Mann, der das Gespräch mit den nationalen AntidopingAgenturen in Österreich (NADA) und Kenia (ADAK) suchte und auf deren Unterstützung bauen kann, bemerkenswerte Sätze wie: „Ich will im Team keinen, der dopt – da ist es mir lieber, dass er oder sie erwischt wird.“ Oder: „Es gibt nichts Schlimmeres, als einen Doper in der Mannschaft zu haben.“ Für Thomas Krejci ist klar, dass immer mehr Geld im Trailrunning auch immer mehr Gedankenkarusselle in Kraft setzt. Wie komme ich an die Kohle? Welche erlaubten und unerlaubten Mittel gibt es? Krejci wiederholt: „Es ist gut und richtig, dass Dopingfälle aufgedeckt werden.“ Namberger: „Bedauere, nicht im Testpool zu sein“ Die Verknüpfung von Geld und Doping mag auf den ersten Blick schlüssig wirken, doch einer, der sich mit dieser Gleichung nicht anfreundet, ist Deutschlands bester Ultratrail-Läufer. Hannes Namberger spricht darüber, dass Doping nicht nur im Spitzensport, wo Geld eine Triebfeder sein kann, sondern auch in vielen anderen sportlichen Realitäten eingesetzt wird: im Fitnessstudio, wo jüngere oder ältere Kraftlackl eine Abkürzung nehmen wollen, bei den Volksrennen im Radsport, wo es um

Ego, Ruhm und Ehre und eigentlich um nichts geht, bei Läufen auf der Straße oder im Gelände, wo es höchstens darum geht, die eigene PB zu drücken oder Nachbarn, Freunde oder Trainingspartner zu schlagen. Auf den Fall Joyline Chiptengeno will Namberger, der beim OCC erkrankt nicht teilnehmen konnte, nicht eingehen – die Probleme sitzen nämlich tiefer. „Wenn wir von Antidopingmaßnahmen im Trailrunning sprechen, dann geht es um die Gesamtsituation. Und diese stellt sich ernüchternd dar. Es gibt Kontrollen nach wichtigen Wettbewerben, Out-of-Competition-Tests werden keine gemacht. Dazu müsste ich im Antidoping-Testpool sein und ich würde mir nichts mehr wünschen, als in diesem aufzuscheinen.“ Trotz aller Einschränkungen, die die „Whereabout“-Liste mit sich bringt: „Ich bin ein Befürworter sauberen Sports, ich würde alles dafür tun, einen Beitrag zu leisten.“ Eher anzunehmen ist jedoch, dass Ultratrailrunnerinnen und Ultratrailrunner in den nächsten zehn, zwanzig Jahren keinen Einlass finden. Mit 13 Millionen Euro Budget hat die nationale Anti-Doping-Agentur Deutschlands im Vorjahr (2024) 12.100 Kontrollen durchgeführt und zwanzig Sanktionen ausgesprochen. „Trailrunnerinnen und Trailrunner werden in diesen Pool wohl erst aufgenommen, wenn der Sport olympisch ist“, sinniert Namberger. Das könnte 2032 der Fall sein, aber: „Dann ist eine Kurzdistanz im Programm und wir von den langen Distanzen sind weiterhin außen vor.“

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EVENT Nicht gut gelaufen Text: Tom Stetter

KNALL UND FALL Meine Saison 2025 war von Beginn an ein irres Auf und Ab. So fit wie nie war ich. Ich trainierte gut … sehr gut! Meine Fortschritte waren endlich auch in Zahlen messbar. Ich lief schneller, konstanter und insgesamt auf einem für mich tollen sportlichen Niveau. Der Haken: Zu oft patzte ich an den großen Tagen. Genau dann, wenn ich liefern wollte, konnte ich nicht laufen. Grippe, Infekt, eine entzündete Sehne oder Probleme mit der Kniekehle. Ein Potpourri an Gebrechen, die mich immer wieder stoppten – am Start, mitten im Rennen oder kurz davor. An einem Wochenende im September wollte ich es noch einmal wissen. Alles auf diese eine Karte. Ich meldete mich für den Julian Alps by UTMB. Kranjska Gora, ein kleiner Ort in Slowenien, ist die Heimat des Julian Alps Trails. Ein Paradies für Alpinisten, Wanderer und Trailrunner. Dort taucht man ein in eine friedliche, unberührte Bergwelt, die neben flowigen Trails und grünen Hängen auch extrem technisches Gelände bereithält. Slowenien ist, gerade im Sporttourismus, voll auf der Höhe der Zeit. Als Trailrunner fühlt man sich dort sofort zu Hause. Die Menschen wissen, worum es geht, und lassen sich anstecken. Am Freitagmittag feuerte ich die ersten Finisher des 50-Kilometer-Rennens an. Es war eine Freude, am Streckenrand zu stehen. Voll motiviert holte ich meine Startnummer. Pflichtausrüstung streng geprüft, Startnummer und Tracker

ausgehändigt. Jetzt keine Fehler mehr. Also aß ich, legte die Füße hoch und entspannte. Ein befremdliches Gefühl, so unproduktiv herumzuliegen. Rückblickend aber alles andere als ziellos – ich wollte mit frischen, starken Beinen am Start stehen. So kam es auch. Mit dem Shuttle zum Startbereich, topfit. Ich weiß nicht, wann ich mich zuletzt so stark am Startbogen gefühlt hab: lockere Beine, entspannter Magen, klarer Kopf und diese wahnsinnige Lust, 20 Stunden durch die Julischen Alpen zu rennen. Also los. Gemeinsam mit 599 anderen aus über 80 Nationen schossen wir viel zu schnell in die Nacht. Aber hey … das gehört dazu. „Am Ende knallt die Peitsche“, dachte ich und nahm Tempo raus. Locker, aber fokussiert, sammelte ich einen nach dem anderen ein. Der Kurs führte über Wiesen und Waldtrails. Nach sechs

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Kilometern passierte es. Der Knall kam nach 30 Minuten. Leider nicht die Peitsche, sondern meine Außenbänder. Außerhalb des Lichtkegels meiner Stirnlampe versteckte sich ein Stein oder eine Wurzel – und wurde mir zum Verhängnis. Ich wusste sofort, was passiert war. Noch nie hatte ich ein Band gerissen, aber die Schwere des Umknickens war sogar zu hören. Ein paar Hundert Meter weiter bekam ich einen Stuhl und einen Beutel Eis. Meine Augen glasig vor Trauer, mein Kopf gelähmt vor Frust. Verletzungen gehören dazu. So ist es und so wird es bleiben. Ein unverrückbarer Bestandteil unseres Sports, der so unfassbar wehtut. Ich ringe mit mir, einen Satz zu finden, der mit „Ein Gutes hat dieser Unfall …“ beginnt. Keine Chance. So etwas ist nur unnötig und schmerzvoll.


PORTRÄT Mathias Pesch Text & Fotos: Clemens Niedenthal

Weiter

laufen

Wie kann das gelingen, mit Ende 50 noch ein glücklicher Läufer zu sein? Ein Treffen mit Mathias Pesch und seiner sympathisch simplen Laufphilosophie: Ein Schritt nach dem anderen


„Wenn ich nicht mehr laufen kann, dann gehe ich eben. So halte ich es bei einem Ultra-Trail und hoffentlich auch mit meiner weiteren Karriere als Läufer.“ einfach noch immer läuft. Ganz leise. Ein Schritt nach dem anderen. So kam mir also Mathias in den Sinn. Schließlich haben wir eine gemeinsame Geschichte. Auf einem Event, dass ich einmal für Salomon veranstaltet hatte, schickte ich diesen Hobbyläufer 2016 zum ersten Mal auf die Trails. Wobei wir beide rückblickend daran zweifeln, ob diese Pfade im Insulaner, einem innerstädtischen Berliner Park, tatsächlich als Trail durchgehen würden. Ihren Zweck haben sie erfüllt. Aus dem Gelegenheitsläufer und ehemaligen Freizeitfußballer, der 1999 aus dem Rheingau nach Berlin gekommen war, wurde ein ambitionierter Trailläufer. Gut vernetzt in der Berliner Szene, ein bisschen bekannt im nationalen Trailgeschehen. Trotz seiner kommunikativen Art ist der 57-Jährige nämlich niemand, der sich in den Vordergrund schiebt. Er ist, auch im Privaten, eben ein Logistiker. Organisiert, packt an, ist gerne Teil einer Erzählung und kann anderen doch ihre Erfolge und ihre Bühne

M

Mathias Pesch kommt mit dem Trekkingrad zu unserem Treffen in diesem neuen, angesagten Café am Berliner Tiergarten. Riemenantrieb, Nabenschaltung und so unscheinbar, dass er das Rad selbst hier mitten in der Stadt nur ab- und nicht anschließen muss. Das erzählt schon einmal viel über diesen spätberufenen Läufer. Hängt sich auch halb Deutschland gerade seine Gravelbikes ins Wohnzimmer, der 57-jährige schätzt an seinem Rad vor allem die Verlässlichkeit und weniger den coolen Auftritt auf dem urbanen Trottoir. Ein Auto hat Mathias Pesch schon lange nicht mehr. Und das, obwohl er doch, als Logistiker, in der Automotive-Branche arbeitet. Die 13 Kilometer aus dem bürgerlich-aufgeräumten Südwesten der Stadt bis zu seinem Arbeitsplatz fährt er mit dem Rad. Außer dienstags. Und donnerstags. Dienstags und donnerstags rennt Mathias Pesch zur Arbeit. Und auch wieder zurück. Und um das Laufen soll es in diesem Text ja eigentlich gehen. Als ich auf die Idee kam, dieses Porträt zu schreiben, habe ich noch nicht gleich an Mathias gedacht. Ich hatte an ein Porträt über einen Läufer, über eine Läuferin gedacht, über die man auf den ersten Blick vielleicht kein Porträt schreiben würde. Ich wollte erzählen, wie das gelingen kann, ganz leise und scheinbar selbstverständlich, ein Läufer oder eine Läuferin zu bleiben. Im Alter. Oder zumindest dem, was unter Läufern und Läuferinnen schon ein durchaus fortgeschrittenes Alter ist. Aber ich wollte nicht von denen erzählen, die damals um die Podien gerannt sind und heute um die Altersklassensiege. Auch nicht von dramatischen biografischen Wendungen und nicht von jenen, die das Laufen geläutert hat. Ich wollte von einem erzählen, der

n e p l A der

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PORTRÄT Mathias Pesch gönnen: „Ich verstehe Leute nicht, die da nächtelang irgendwelche Strava-Profile auswerten, nur um dann zu mutmaßen, dass das mit so einer Vorbereitung doch nie was werden kann. Mensch, freut euch doch lieber mit allen, denen wirklich etwas Überraschendes geling.“ Also hat Mathias Pesch eine befreundete Läuferin in diesem Sommer auf ihrem ersten Ultra-Trail begleitet, über die 68 Kilometer des Leutasch-Trails im Rahmen des Zugspitz-Ultratrails: „Sie war sich am Abend vorher noch sicher, dass sie das niemals schafft.“ Hat sie aber doch. Mit Ruhe, Resilienz. Einen Schritt nach dem anderen. Ein paar Tage zuvor stand allerdings Mathias‘ eigener Start auf einmal auf der Kippe:„Schon vor dem diesjährigen ZUT hat sich mein Schienbeinkopf unangenehm bemerkbar gemacht. Und ich war drauf und dran, das Rennen abzusagen. Aber dann habe ich einen befreundeten Sportmediziner angerufen, Robert Margerie, der ja auch Streckenarzt beim Transalpine Run ist. Der meinte einfach: ‚Mensch Martin, wenn du nicht mehr rennen kannst, dann hikest du halt.‘ Vielleicht ist das eine gute Allegorie für mein weiteres Läuferleben. Wenn es irgendwann nicht mehr zum Laufen reicht, werde ich halt weiter gehen. Jeder, der es mal gemacht hat, weiß: Auch hochfrequentes Gehen kann echt anstrengend sein.“ Vielleicht ist das das Geheimnis eines langen Läuferlebens: Mathias lässt sich von seiner Lust leiten, aber nie von seinen Erwartungen: „Klar habe ich meine Garmin, ein Track auf der Uhr ist ja bei vielen Rennen auch verpflichtend. Aber ich habe da immer ein Buff drüber. Ich will gar nicht sehen, wie schnell ich bin oder wie viele Kilometer es noch sind.“ So hat er es beim Mozart 100 gehalten, beim Ultra-Trail Fränkische Schweiz und, in der Ebene, auch zweimal über die hundert Meilen auf dem Berliner Mauerweg.Nur die 100 Kilometer in Garmisch scheiterten im vergangenen Jahr an den beiden großen M’s, der Muskulatur und dem Magen. „Ich war mir direkt danach und auch Monate danach sicher: Das tuts du dir nicht mehr an. Aber jetzt sind mich gerade ein paar Freunde am Bequatschen. Wahrscheinlich werden es nächstes Jahr nochmal

„Klar habe ich meine Garmin, ein Track auf der Uhr ist ja bei vielen Rennen auch verpflichtend. Aber ich habe da immer ein Buff drüber. Ich will gar nicht sehen, wie schnell ich bin oder wie viele Kilometer es noch sind.“ die hundert Kilometer werden.“ Ein Schritt nach dem anderen. Der ZUT ist für Mathias Pflicht. Wegen der Community, die er auch als seine Community begreift. Auch wenn er anmerkt, dass sich die Stimmung in Garmisch doch auch gewandelt habe. Die vielen Marken, die Cheering Zonen, das ganze Social Media: „Da wird von Minute Eins so ein Hype inszeniert, dass viele gar nicht mehr merken, wie toll der ZUT bereits ganz ohne diesen Hype wäre.“ Ganz ohne Hype läuft Mathias weiterhin von seiner Wohnung zur Arbeit. Und, immer mittwochs und am Wochenende, auf den Trails im Berliner Grunewald Wenn denn der Schienbeinkopf endlich Ruhe gibt. Oder ist es doch der Meniskus? Er läuft über den Strand von St. Peter-Ording, wo er mit seiner Frau gerne Urlaub macht, abseits der Berge. Überhaupt, und auch das ist wichtig, könne er auch mal ganz ohne Laufen glücklich sein. Bei einem Spaziergang, einem guten Essen, einem Bier. Auch das erklärt vielleicht, warum Mathias Pesch als Läufer alt werden wird.

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ADVERTORIAL

Garmisch-Partenkirchen – Deutschlands Nr.1 für Trailrunning!

Trailrunning lebt von Kontrasten. Mal ist es das flowige Rollen über weiche Wiesenpfade, mal das fast kletterartige Laufen an einer steilen Felsflanke. Nirgendwo in Deutschland zeigt sich dieses Spannungsfeld so eindrucksvoll wie in Garmisch-Partenkirchen. Hier, am Fuß der Zugspitze, trifft alpine Wildnis auf gute Erreichbarkeit – und eine Community, die Trailrunning nicht nur betreibt, sondern jeden Tag lebt. Trails für alle Ob Einsteiger oder Profi, ob Flowtrail am Riessersee oder hochalpine Gratkante im Wetterstein – die Bandbreite ist enorm. Über 100 digital erfasste Routen bieten alles: schnelle Feierabendrunden, knackige Höhenmeter-Sessions oder ganze Ultra-Abenteuer. Wer klein anfangen will, läuft die 6-Kilometer-Runde am Kochelberg. Wer mehr will, nimmt den Jägersteig hinauf zum Kreuzeckhaus oder die Panoramatour zum Königsstand. Und wer es ganz groß denkt, steht irgendwann am Start des Zugspitz Ultratrails – 164 Kilometer, 5400 Höhenmeter, das größte Trailrunning-Event Deutschlands.

„Der ZUT kam zu uns, weil er in Grainau ein beeindruckendes Wachstum erlebte. Durch eine Ausnahmegenehmigung konnten wir damals ins Kongresshaus im Zentrum ausweichen – und das war rückblickend ein Glücksgriff. Die Atmosphäre mitten im Ort ist einzigartig, und genau das spüren die Läuferinnen und Läufer“, erzählt Simone Reiter, Projektleiterin Trailrunning bei GaPa Tourismus. Und sie blickt schon nach vorn: „Mit dem GaPa Trail haben wir seit 2023 unseren eigenen Heimatlauf, der jedes Jahr wächst. Für 2026 planen wir zusätzlich Trainingscamps und ein weiteres Event..“ Events mit Strahlkraft Der ZUT ist längst internationaler Fixpunkt: 5000 Läuferinnen und Läufer aus über 65 Nationen füllen jedes Jahr das Zentrum von Garmisch. Dazu kommen das Rab GaPa Trail Festival, der Transalpine Run und Community-Klas-

siker wie die Biermeile oder der wöchentliche Pub Run. Kein anderer Ort in Deutschland vereint Top-Events mit einer so lebendigen Szene und guter Stimmung. Community mit Herz Wer neu nach Garmisch-Partenkirchen zieht, findet bei den Nomads sofort Anschluss. Rund 30 Aktive bilden den Kern – eine offene Mischung aus Einheimischen und Zugezogenen, die eines verbindet: die Freude am gemeinsamen Laufen. Hier zählt nicht die Pace, sondern das Miteinander. Geschichten wie die von René Claußnitzer aus dem Erzgebirge oder Lisa Buddenberg aus Bielefeld zeigen, wie leicht man in dieser Szene ankommt. Alles, was Läufer brauchen Ein großer Vorteil: die Infrastruktur. Sport Conrad und WN Alpin sind Anlaufstellen für Ausrüstung und Treffpunkt für Läufer. Bergbahnen helfen beim Höhenmetertraining, und die direkte Zugverbindung von München bringt dich in 75 Minuten mitten ins Geschehen. Hotels und Unterkünfte haben sich längst auf Trailrunner eingestellt, vom Frühstück bis zum Late-Checkout nach langen Rennen. Ein Blick nach vorn Garmisch-Partenkirchen ruht sich nicht aus. Aktuell werden Läuferinnen und Läufer befragt, welche Angebote noch fehlen. Gemeinsam mit Partnern wie Plan B, Scott, Baboons und den Nomads soll Trailrunning hier nachhaltig wachsen – im Einklang mit Natur, Gästen und Einheimischen. Fazit Höchster Berg, größtes Event, lebendigste Community: Garmisch-Partenkirchen ist nicht nur ein TrailrunningHotspot, sondern Deutschlands unangefochtene Nr. 1. Wer einmal hier gelaufen ist, weiß: Diese Kombination aus alpinem Erlebnis, internationaler Strahlkraft und echter Willkommenskultur gibt es kein zweites Mal.

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REPORT World Trailrunning and Mountainrunning Championships Canfranc Text: Denis Wischniewski Fotos: WMTRC

Back to the roots?

WMTRC nennt sich die Weltmeisterschaft für Trailrunning und Berglauf und fand mit Canfranc in den spanischen Pyrenäen einen landschaftlich atemberaubenden Austragungsort. Für die deutsche DLV-Auswahl wurde es nach den Erfolgen 2023 in Innsbruck zur ultimativen Abfrage der Leistungsfähigkeit – die Antworten: Vielfältig.

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Nina Engelhard auf dem Weg zum Sieg des Verticals. Im Hintergrund die Finnin Susana Saapunk mit Abstand.

Vier Schlüsse, die wir aus der WM ziehen 1. Katie Schide, Jim Walmsley und Tove Alexandersson siegen mit Ansage Es gibt Favoritensiege. Und es gibt Favoritensiege. In den Pyrenäen gewannen in drei der vier Trailrennen – Long Trail Men und Woman, Short Trail Woman – nicht nur die jeweils am höchsten eingeschätzten Läuferinnen und Läufer. Katie Schide, Jim Walmsley und Tove Andersson siegten zudem in aller Deutlichkeit, wobei die Leistung der Schwedin noch einmal hervorzuheben ist: Nach knapp 45 Kilometern und gut fünf Stunden hatte sie gut 33 Minuten Vorsprung – und das nicht vor irgendwem, sondern vor der gewohnt starken Spanierin Sara Alonso. Nur zum Vergleich: Beim diesjährigen OCC in Chamonix hatte Jim Walmsley dem Zweitplatzierten Cristian Minoggio erst auf den Schlusskilometern ganze 20 Sekunden abgerungen. Walmsley war im Rahmen des UTMB bewusst diese für ihn kurze Distanz (56 K) gelaufen, auch als Vorbereitung für die WM. Der Außenwirkung einer Weltmeisterschaft tut es gut, die Stars der Szene auf dem Podium zu sehen. Drei, vier Favoriten mehr hätten dieser Trailrunning-WM, die eben nur vier Wochen nach dem UTMB terminiert worden ist, aber auch gutgetan. 2. Innenansichten und Außenansichten Das deutsche Team, die DLV-Auswahl, war natürlich erfolgreich – und auch nicht. Es gab die Siege von Julia Ehrle und Nina Engelhard, aber hinter diesen Triumphen keine Medaillen oder Topplatzierungen. Es gab – anders als 2023 in Innsbruck – nicht diese vorderen Plätze in der Breite der Mann-

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REISE Spreewald REPORT World Trailrunning and Mountainrunning Championships Canfranc schaft. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass fast alle Deutschen mit ihren Leistungen zufrieden sein dürfen. Ida-Sophie Hegemann lief einen ganz hervorragenden Long Trail, Manuel Hartweg lief als bester deutscher Mann über dieselbe Distanz vielleicht das Rennen seines Lebens. Auch Laura Hottenrott lieferte einen soliden Vertical in den Top 10 ab oder Moritz auf der Heide – in später Schaffensphase – einen mehr als nur beherzten Short Trail mit toller Renneinteilung. Das ist die Innenansicht. Von außen und nüchtern beurteilt war es zu wenig. Ja, dem Team fehlten Namberger, Hartmuth und Lukas Ehrle. 3. Das Format passt. Der Rahmen ist gefunden Berglauf und Trailrunning, kurze Strecken und der Ultratrail finden in dieser WMTRC-Woche zusammen, die Verbände funktionieren in ihrem Zusammenspiel und diese Weltmeisterschaft verbindet im Prinzip alle relevanten Disziplinen des Sports. Kritik an Grundsätzlichem ist zu Recht leise geworden. Anders als in Innsbruck war die Zugänglichkeit diesmal für die Öffentlichkeit schwerer. Schade. Was wir diesem Event in Zukunft wünschen, sind nämlich Publikum vor Ort und Stimmung an den Strecken. Bei dieser Austragung war es allzu oft nur im Zielbereich gut besucht. Auch der Livestream, der mit enormen Visits das Interesse am Format bewies, hatte zu Beginn und auch dazwischen immer wieder Qualitätsprobleme. Wir wollen keine verpixelten Handaufnahmen der Spitzengruppe, sondern glasklare Bilder, die uns bis ins Detail von zu Hause auf den Trail mitnehmen. Da ist Luft nach oben. 4. Der Mountain Classic verweist in eine Zukunft unseres Sports Das Beste kommt zum Schluss? Zumindest war der am Abschlusstag der WM ausgetragene Mountain Classic, ein 15 Kilometer langer Auf-und-ab-Sprint, ein wirkliches Spektakel. Nicht nur aufgrund der neuerlichen Goldmedaille für Nina Engelhard. Publikumsnah als 7,5 Kilometer langer Rundkurs inszeniert, der dann also zweimal absolviert werden musste, weist diese Disziplin in die wahrscheinlichste Zukunft des Trail-

NINA NUMMER EINS

Nina Engelhard hat es allen gezeigt und lief beim Eröffnungsrennen, dem Vertical, vom Start weg dem Sieg entgegen. Nun ist die 26 Jahre junge Hessin Weltmeisterin und bleibt im Interview bescheiden. Im Livestream sah das nach einem kraftvollen und kontrolliertem Rennen aus. War es so? Das kann ich so nicht bestätigen. Ab Kilometer 2 haben die Beine dicht gemacht und ich musste mich durchbeißen. Durch die vielen schmalem Serpentinen, den steilen Anstieg, habe ich einen guten Überblick gehabt was hinter mir los is. Ich hab ja fast den Atem der anderen Mädels gespürt. Das hat mich nach vorne getrieben, aber der äußere Eindruck hat da getäuscht – ich hatte richtig zu kämpfen und erst weit oben, als die Zuschauerreihen dichter wurden hat es mich total gepusht. Das Deutsche Team hatte sich so toll über die gesamte Strecke verteilt, dass ich immer auf jedem Abschnitt Unterstützung und Zuspruch hatte. Dein Rennen war der Auftakt einer WM verschiedener Verbände und Disziplinen. Wie erlebst du diese WM? Früher war eine Berglauf WM eine kleine für sich stattfindende Veranstaltung.

Dass Berglauf und Trail nun kombiniert ist, ist natürlich super. Es ist jetzt eine ganze Woche in einem Team, man hat viel Kontakt, viel Austausch, bekommt viel von den anderen mit und hilft sich. Die Siegerehrung war ja etwas ausserhalb und da waren dann garnicht so viele Leute, aber als ich dann danach im Hotel den Speisesaal zum Abendessen betrat gab es eine Laola-Welle und viel Applaus, nicht nur von meinem Team sondern von allen die da waren. Das war sehr emotional und wunderschön. Da war mehr Stimmung als bei der offiziellen Ehrung. Ich bin Fan von diesem ganzen WMTRC-Konzept. Einst wurde der Deutsche Helmut Schießl Weltmeister im Long Distance Berglauf und wurde zu Hause im Allgäu auf einem Anhänger durch sein Dorf gezogen. Was erwartet dich zu Hause? Erstmal geht es für mich noch nicht nach Hause. Meine Eltern sind mit dem Wohnmobil hier und wir machen noch ganz gemütlich eine Woche lang Urlaub an der

Der zweite Streich: Sieg beim Classic Run. Nina ist Doppel-Weltmeisterin.

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Atlantikküste. Wir halten an wo es uns gefällt, mein Handy bleibt aus. Zu Hause geht dann direkt der Alltag los. Ich muss Montag zur Arbeit. Ich freue mich auf den Alltag und meine Läufe alleine bei uns im Wald.Ich mag meinen Rythmus und Ruhe und so eine Traktorfahrt wäre nichts für mich, da würde ich mich sogar weigern. Nun bist du Weltmeisterin (Anm. der Redaktion: Zweifache Weltmeisterin, denn Nina gewann am Abschlusstag auch das Classic-Race ) den größten Titel den man haben kann.Was kommt in Zukunft? Ich kann die Frage noch nicht beantworten. Ich brauch da noch etwas Zeit um es zu verarbeiten. Ich bin ja kein Profi und betreibe den Sport nur nebenbei. Das soll so auch bleiben.Ich sehe im Moment noch nicht, dass ich Sponsorenverträge will oder auf längere Distanzen wechseln mag. Im kommenden Jahr ist die EM in Slowenien, da will ich hin, denn mir gefällt die Landschaft dort sehr. (Das Interview wurde kurz nach dem ersten Sieg geführt)


Long-Trail-Sieg mit Ansage: Katie Schide hat nun alles gewonnen was es zu gewinnen gibt!

Unser Mann vor Ort: Marcel Geisler erkämpft Rang 89! Gratulation!

Die TopLeistungen der WM: Jim Walmsley siegt im Long Trail. Noch souveräner – Tove Alexanderson hat beim Short Trail satte 33 Minuten Vorsprung.

runnings oder eben Berglaufs als olympische Disziplin. Nah am Publikum, medienwirksam inszeniert. Wenn das jetzt zu viel Laktathusten ist und zu wenig Ultra-Resilienz, Ultra-Athletin Lucy Bartholomew führt in diesem Heft ja aus, dass der UTMB ohnehin immer die innoffizielle UltratrailWM bleiben wird. Wer hingegen für eine Vielfalt der Formate und damit auch der Trail-Momente eintritt, den muss dieses rasante und euphorische Rennen begeistert haben. Uns hat der Mountain Classic das unbedingt.

Toller Auftritt: Julia Ehrle wird Weltmeisterin im U20 Classic Run.

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MAGAZIN Rekorde auf Trails

10 unglaubliche

in Trailrunning-Schuhen Besonders schnell, ganz besonders ausdauernd oder irgendwie ganz stark. Ob bei Wettkämpfen, oder im Rahmen von Projekten – auf Trails passieren immer wieder unfassbare Rekorde, die uns staunen lassen. Wir haben 10 für Euch rausgesucht.

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Weltrekord Vertical K Keiner war seither schneller: Philipp Götschl, ein italienischer Skyrunner, stellte 2017 beim „Kilomètre vertical de Fully“ in der Schweiz einen Weltrekord im Vertical Kilometer auf. Er bewältigte die 1.000 Höhenmeter in 28 Minuten und 53 Sekunden und unterbot damit den bisherigen Rekord von Urban Zemmer um fast 50 Sekunden. Die Strecke im verträumten Örtchen Fully ist für Bestzeiten wie

gemacht: Es geht auf einer stillgelegten Seilbahntrasse gleichmässig aber steil hinauf zur Garettes (1.500 m ü. M.), durch Wälder und Weinberge. Die 1000 Höhenmeter verteilen sich somit auf nur 1920 Meter Länge. Die durchschnittliche Steigung beträgt 50%. Dieser Weltrekord wird noch lange halten und der Name Philipp Götschl in die Historie eingehen.

Russ Cook Nach, ja, 16.250 Kilometern war Tunesien reif für eine very britische Party. Das britische Post-Punk-Duo Soft Play war eigens aus Kent eingeflogen. Russ Cook hatte sich das Three-Lions-Shirt der englischen Nationalmannschaft übergestreift. Es gab Bier. Und die Erkenntnis, dass Ultrarunning gerade um eine ziemliche Type bereichert worden ist. The Hardest Geezer, wie Cook sich selbst nennt, war als erster Mensch vom Kap der Guten Hoffnung bis ans Mittelmeer gelaufen. Beinahe ein Jahr war er unterwegs und wurde dabei zu einer Integrationsfigur für alle, die auf der Suche nach einem etwas anderen Ultra-Athleten waren. Nach einem, der auf den ersten oder zweiten Blick nicht einmal als Athlet zu dechiffrieren ist.

es war einmal durch


REISE LE PILGRIMAGE MAGAZIN Rekorde auf Trails

UTMB-Rekord Es ist der größte aller Ultratrails. Der UTMB! Da verwundert es nicht, dass ein Streckenrekord entsprechend schwierig aufzustellen ist. Im Falle der Umrundung des Mont-Blanc-Massivs gibt es seit diesem Jahr wohl zwei Rekorde. Im Jahr 2023 lief kein Geringerer als Jim Walmsley die über 170 Kilometer und knapp 10.000 Höhenmeter in gerade mal 19:37:43 Std. Tom Evans lief in diesem Jahr zwar 20 Minuten schneller als Walmsley, jedoch mit einer Streckenänderung. Somit zählt diese Zeit nicht als Bestzeit. Die schnellste Frau rannte den Kurs in krassen 22:09:31 Std. Dieser Rekord gehört Katie Schide.

22:09:31

UTMB SCHNELLSTE ZEIT 19:37:43

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2100 Meilen 41 tage

Im August 2024 stellte die 33-Jährige US-Amerikanerin Tara Dower etwas an, das fast unmöglich klingt: Sie lief den Appalachian Trail, 3.536 Kilometer von Maine bis Georgia, in nur 40 Tagen, 18 Stunden und 6 Minuten. Ein Rekord. Eine „Fastest Known Time“, FKT, wie wir dazu sagen. Der Trail ist berüchtigt. Wurzeln, Steine, Wälder, Nebel. In Maine sind die ersten hundert Meilen so hart, dass viele Wanderer dort schon aufgeben. Tara Dower rannte diesen Abschnitt in sechs Tagen. Ihr Geheimnis war keine Zauberei, sondern akribische Planung. Ein Support-Team wartete an Straßen, reichte Essen, wechselte Schuhe, tröstete. „Pacers“ liefen neben ihr, hielten den Rhythmus. Schlaf? Drei, vier Stunden pro Nacht. Sie war oft siebzehn Stunden am Tag unterwegs. Müdigkeit wurde ein Halluzinogen: Bäume verwandelten sich in Gesichter, Stimmen kamen aus dem Wald. Und doch: Weiter, immer weiter. Am Ende schlug sie den alten Rekord von Karel Sabbe – und zwar um dreizehn Stunden. Dower übertraf nicht nur alle bisherigen Frauenzeiten, sondern auch die aller Männer. Es ist eine Geschichte von Ausdauer, Schmerz und Strategie. Aber auch eine Geschichte über Grenzen: Wo hört der Körper auf, wo beginnt der Wille? Tara Dower hat beides verschoben – und den Appalachian Trail neu geschrieben.

Backyard Boy Um einen Ultra zu finishen, sollte der Körper gut trainiert und die Tagesform entsprechend top sein. Für einen Backyard Ultra auf allerhöchstem Niveau reicht körperliche Fitness allerdings nicht. Backyard heißt 6,7 Kilometer, 60 Minuten Zeit und das Ganze im „Last one standing“-Format. Der Australier Phil Gore brachte es auf sage und schreibe 119 Runden. Das bedeutet 119 Stunden Laufen. Gore lief völlig surreale 798 Kilometer. Das ist weit weg von jeglicher Vorstellungskraft und somit ein mehr als würdiger Weltrekord.


MAGAZIN Rekorde auf Trails

Pol Makuri Redolad Garcia Wer zumindest hin und wieder mal bei internationalen Trailrennen unterwegs ist, hat Pol Makuri Redolad Garcia sicher schon kennengelernt. Nicht wegen seines eindrücklichen Laufstils, der 34-jährige Spanier hat von Geburt an eine halbseitige spastische Lähmung. Sondern wegen seiner ansteckenden positiven Energie, von der er genauso als RollhockeySpieler, Skilangläufer und paralympischer Athlet profitiert. Er hat Zegama gefinisht, den Oman-Desert-Marathon oder den OCC – und nicht nur für Menschen mit Handicap Grenzen verschoben.

ohne limit

Dimas ding Mathieu Blanchard kann fast alles laufen: Mathieu Blanchard bewältigte 2025 erstmals die 600 km des Yukon Arctic Ultra zu Fuß. Das Rennen im kanadischen Yukon gilt als eines der härtesten der Welt: Temperaturen bis -50 °C, Schneestürme und völlige Selbstversorgung. Blanchard zog einen Schlitten mit 30 kg Ausrüstung, kämpfte gegen Erschöpfung und Eis und erreichte nach 7 Tagen und 22 Stunden das Ziel in Faro – ein außergewöhnlicher Triumph der Ausdauer.

Everesting-Weltrekord Der Ütliberg am schönen Zürichsee. Er ist es, an dem sich ein völlig irrer Weltrekord zugetragen hat: der Everesting-Weltrekord. 8848 Meter in die Höhe. Immer und immer wieder. Der Ultra-CyclingSpezialist Nima Javaheri macht läuferisch gerade beim Backyard seit Jahren auf sich aufmerksam. Nun nahm sich Nima 2024 den Ütliberg unter die Füße. 148-mal ist er rauf und runter. 627 Kilometer und 55.000 Höhenmeter. Das Ganze absolvierte der Langstreckenspezialist in zehn Tagen. Während dieser Zeit lebte Nima in einem Wohnmobil am Fuße des Ütlibergs. Nima motivierte unzählige Menschen dazu, ihn mindestens auf einer Runde zu begleiten. Die gesamte Züricher Laufszene schien bei diesem Rekord dabei gewesen zu sein.

AM KÄLTESTEN

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FKT Haute Route Pyrenees Sie ist 731 Kilometer lang und umfasst 45.000 Höhenmeter. Die Grenze zwischen Frankreich, Andorra und Spanien, entlang der Pyrenäen. Die sogenannte Haute Route. Zimperlich ist Noor van der Veen nicht. Die Rekordhalterin über den 2000 Kilometer langen Alpenhauptkamm hat sich in diesem Jahr nun auch diese FKT geschnappt. Sie raste die gesamte Haute Route in gerade einmal 10 Tagen, 11 Stunden und Minuten. Die Schwierigkeit des Geländes macht diese FKT einmal mehr zu etwas ganz Besonderem. Noor van der Veen ist im Übrigen seit diesem Jahr auch eine von zwei Frauen, die den TOR330 unter 80 Stunden finishen konnten. Somit teilt sie sich diese magische Grenze mit Katharina Hartmuth.

Feiere kleine Dinge

hautE route Karel Sabbe hat aus dem Leiden eine Leidenschaft gemacht – niemand stürzt sich mit einer so ungeheuren Resilienz in alle noch so unmöglichen Aufgaben wie er. Aber mit dem Schmerz kennt sich der Barcley-Finisher und FKT-Experte ja aus, der Belgier ist von Beruf – Zahnarzt. Für sein bis dato größtes Abenteuer, die FKT auf dem Pacific Crest Trail durch die Bundesstaaten Washington, Oregon und Kalifornien, über die Gebirgskämme der Sierra Nevada und der Cascades, war der OnAthlet im Sommer 2023 46 Tage, 12 Stunden und 50 Minuten unterwegs. Im Schnitt war er täglich 95 Kilometer auf den Beinen. Warum er noch einmal sechs Tage schneller war als bei seiner ersten FKT von 2016, wollten wir damals von ihm wissen: „Ich habe gelernt, zu akzeptieren, da draußen einfach nur eine harte Zeit zu haben und Schmerzen als Teil des Erlebnisses zu akzeptieren. Damals, 2016, hing ich noch der Idealvorstellung irgendeines Flows nach, einer Leichtigkeit.“ Nein, leicht macht es sich Karel Sabbe tatsächlich nicht.

zahnarzt mit langem Atem 79 6/25


RUTH INTERVIEW Ruth Croft

Text: Denis Wischniewski, Clemens Niedenthal

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H

Sie läuft, um zu gewinnen – und um loszulassen. Ruth Croft, Neuseeländerin und frischgebackene Siegerin des UTMB, pendelt zwischen Extremen: wochenlanges Schweigen und Meditation in Indien, dann Trubel in Chamonix. Seit Jahren sammelt sie große Siege, doch im Gespräch zeigt sich, dass es ihr nicht nur um Bestzeiten geht, sondern um ein Gleichgewicht. Ein Gespräch über Rennen, Rast und die Kunst, im Laufen sich selbst zu begegnen.

Hallo Ruth, wir erreichen dich gerade in den USA, wobei du bis gestern noch in Indien warst – und das alles gut vier Wochen nach deinem UTMB-Sieg in Chamonix. Ganz schön was los bei dir, oder? Für die vergangenen beiden Wochen trifft das definitiv nicht zu. Ich war in Indien und habe zehn, manchmal zwölf Stunden am Tag meditiert, dazu noch zwei einfache Mahlzeiten, das war mein Leben. Keine Gespräche, kein Social Media, keine Kontakte hinaus in die Welt. Es war wunderbar. Bleiben wir beim UTMB, wo du im vergangenen Jahr noch Zweite geworden warst. Warum hat es gerade in diesem Jahr mit dem Sieg geklappt? Irgendwie ist das ein Muster bei mir. Es erinnert mich an Western States, wo ich ja auch 2021 zum ersten Mal war und ich im Jahr darauf dann gewonnen habe. Es braucht einfach seine Zeit, alle Puzzleteile zusammenzusetzen und ein Rennen vollständig zu verstehen. Gerade mental hilft es viel, genau zu wissen, worauf man sich da eingelassen hat. Mit der Sicherheit am Start zu stehen, den UTMB bereits zu kennen, hat mir viel geholfen. Wie fühlt sich so ein Moment an, ein Sieg beim wichtigsten Ultratrailevent der Welt? Was passiert danach so alles? Nicht dass uns das auch mal passieren könnte,

aber interessieren würde es uns schon. Es fühlt sich gut an, sehr gut. Aber ich denke, dass es wichtig ist, zumindest wichtig für mich, einen solchen Erfolg bereits im Moment zu reflektieren. Ich war 2015 zum ersten Mal in Chamonix. Da war ich Anfang 20, habe in Taiwan gelebt und es war mein erstes Rennen in den Alpen, überhaupt in Europa. Damals habe ich den CCC gewonnen und gewusst, dass ich irgendwann zurückkommen und auch den UTMB gewinnen will. Das hat dann zehn Jahre gebraucht. Eine ganz schöne Reise, oder? Was nach so einem Sieg passiert? Man gibt unzählige Interviews, umarmt unzählige Menschen. Aber mit dem Abstand von gut einem Monat kann ich doch sagen, dass ich der gleiche Mensch geblieben bin. Du hast dein Leben in vielen Teilen der Welt angesprochen. Du hast in Taiwan gelebt, auf Tasmanien, in den USA und in Europa. Welche Rolle spielt deine Heimat Neuseeland noch in deinem Leben und deinem Herzen? Wenn man unseren Sport professionell betreibt, dann sind die USA und Europa einfach die Ecken der Welt, wo – noch – alles passiert. Gerade die großen, kompetitiven Rennen. In Neuseeland fühlt sich Trailrunning noch immer an wie eine Graswurzelbewegung und gerade das liebe ich, wenn ich in meiner Heimat bin. Hinauszulaufen auf wilden, wunderschönen Trails und tatsächlich keine Menschenseele zu treffen. Dass wir mit dem Tarawera Ultra-Trail jetzt auch ein Rennen der UTMB World Series haben, ist dennoch eine große Chance. Es dockt Neuseeland gewissermaßen an die globale Trailwelt an. Wie fühlt sich das Leben von Ruth Croft an? Ist das der durchgetaktete Alltag einer Profi-

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INTERVIEW Ruth Croft Athletin oder eher ein cooler Mix aus Laufen, Reisen, die Welt entdecken? Mein Leben lässt sich in zwei Teile teilen, geografisch und atmosphärisch. Von März bis November lebe ich aktuell in Europa und dort ziemlich ausschließlich für den Sport. Das Training, die Trainingslager, die Rennen und, ja, alles ist sehr durchorganisiert und diszipliniert. In den anderen Monaten leben mein Mann und ich ein ziemlich gechilltes Leben auf Te Waipounamu, der neuseeländischen Südinsel. Klar laufe ich auch dort viel, aber mit einer anderen Energie. Wir treffen meine Familie und machen die Dinge, die ihr vermutlich auch in einem Neuseelandurlaub machen würdet. Wandern, Backpacking, Rafting, am Lagerfeuer sitzen. Mir tut diese Trennung gut und ich merke gerade in den ersten Wochen in Neuseeland, wie sich mein Kopf und mein Körper wieder resetten. Ich weiß, es ist ein ziemliches Privileg, so zu leben, weshalb ich in meinem Alltag auch zunehmend versuche, nicht noch mehr Flugmeilen zu sammeln. Jetzt, nach dem UTMB-Sieg, hast

du eigentlich alles erreicht, was unser Sport anzubieten hat. Hast du neue Ziele oder geht es am Ende gar nicht so sehr um den Triumph an sich als um die Arbeit an dir als Sportlerin? Ach, ich habe in den vergangenen Wochen schon genügend Vorschläge bekommen, was denn als Nächstes kommen könnte. Der Hardrock 100 zum Beispiel oder die Diagonale des Fous auf La Réunion. Aber ehrlich gesagt bleibt der UTMB doch das Rennen, das mich am meisten triggert. Ich glaube auch, dass ich die Runde um den Mont Blanc noch einmal gleichmäßiger und damit auch schneller absolvieren könnte. Das Gleiche gilt für Western States. 2022 habe ich in 17:21 Stunden gewonnen, der Streckenrekord von Courtney Dauwalter liegt fast zwei Stunden darunter. Auch da geht also noch was. Im Boxen ist es ja auch üblich, einen Titel zu verteidigen. Du kehrst also im kommenden Jahr nach Chamonix zurück? Vielleicht. Aber das werde ich im Frühjahr entscheiden. Die Rennen sind die richtigen,

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die es dir ermöglichen, das ohnehin immer harte Training dennoch leicht und lustvoll zu nehmen. Ich habe da einen ganz guten inneren Kompass, der mir sagt, ja, wann es der richtige Moment für eine Herausforderung ist.

»Die Rennen sind die richtigen, die es dir ermöglichen, das ohnehin immer harte Training dennoch leicht und lustvoll zu nehmen.«


»Er hatte nie ein Auto besessen und besitzt bis heute kein Mobiltelefon. Ich bin als Teeanger hin und wieder mit ihm gelaufen.« Wäre der Weltmeistertitel eine solche Herausforderung für dich? Hast du die TrailWM in Canfranc verfolgt? Von der WM habe ich überhaupt nichts mitbekommen. Ich habe ja, wie gesagt, den ganzen Tag lang meditiert. Auch generell habe ich zur Idee einer Weltmeisterschaft ein gespaltenes Verhältnis. Einige wenige Länder – Spanien, Frankreich, vielleicht noch Italien oder die USA – investieren Geld und Strukturen in ein starkes Team. Ich als Neuseeländerin wäre da ziemlich auf mich allein gestellt.

Gibt es da noch eine stille Leidenschaft im Leben der Ruth Croft? Etwas, worin du vielleicht richtig gut bist und wovon eigentlich niemand etwas weiß? Darüber haben wir ja schon gesprochen: das Meditieren. Auch wenn ich jetzt nicht sagen würde, dass ich darin richtig gut bin und ob „gut“ da überhaupt das passende Kriterium ist. Ich weiß aber, dass mir die Meditation sehr geholfen hat und dass sie neben dem Laufen meine zweite Säule ist. Jede Meditation ist ein tiefer, inniger Moment der Reflexion und es tut gerade in stressigen Passagen gut, Körper und Geist einmal loszulassen und ihnen diese Ruhe zu gönnen. Unabhängig davon, ob dieser Stress nun ein Hundertmeilenrennen ist oder ein Berg unbeantworteter E-Mails. Ich denke, dass das Meditieren mich zu einer ganzheitlicheren Sportlerin gemacht hat. Inzwischen gönne ich mir einen komplett trainingsfreien Monat im Jahr, in dem ich mich einzig auf diese mentale Reise konzentriere. Hat jemand wie du, zu dem Viele hinaufschauen, selbst Idole? Jetzt hätte ich fast vorschnell „nein“ gesagt. Aber einer fällt mir dann doch ein. Ich bin in Greymouth aufgewachsen, einer Kleinstadt an der Westküste der Südinsel. Von dort kommt auch Eddie Grey, Dritter der Crosslauf-Weltmeisterschaften von 1971 und in Neuseeland durchaus ein bekannter Name. Eddie ist sehr oldschool und auf eine gute Weise ein raubeiniger Typ. Er hat nie ein Auto besessen und besitzt bis heute kein Mobiltelefon. Ich bin als Teenager hin und wieder mit ihm gelaufen. Die Art und Weise, wie er sich aufs Wesentliche konzentriert hat, was für ihn vor allem das Laufen war, hat mich damals sehr fasziniert. Auf die Idee, dass das Laufen ein Lebensinhalt sein könnte, hat auch er mich gebracht. Noch heute muss ich immer an Eddie denken, wenn ich mir vergegenwärtige, was für eine simple und logische Sache unser Sport doch eigentlich ist.

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EVENT Rückblick

Spätsommer

EVENTS

Der Andrang auf Trail-Wettkämpfe reißt nicht ab. Auch in diesem Sommer kamen Elite und Breitensport bei Events in den Alpen, vor der Haustür und in der Ferne zusammen. Noch nie galt so sehr: Der Trail ist unser Stadion. Ein Rückblick auf die Highlights 2025

Kackcar by UTMB

ER KANNS DOCH! EIN DEBÜT VOLLER ÜBERRASCHUNGEN: ZUM ERSTEN MAL ZOG DER KACKAR BY UTMB IN DEN NORDOSTEN DER TÜRKEI – UND BRACHTE ANSPRUCHSVOLLE TRAILS MIT SICH. DER DEUTSCHE TERREX-ATHLET SVEN KOCH KÄMPFTE SICH AUF DER 50-KILOMETER-STRECKE AUF PLATZ ZWEI, KNAPP HINTER TEAMKOLLEGE COLE CAMPBELL. WECHSELHAFTES WETTER, FORDERNDE TECHNIK – UND AM ENDE EIN PODIUM.

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Grigne Skymarathon

IRIS IST CHEFIN

WER ALPINE HÄRTE SUCHT, FINDET SIE HIER: DER GRIGNE SKYMARATHON IST SKYRUNNING PUR. 3600 HÖHENMETER AUF MARATHONDISTANZ – TECHNISCHER WIRD ES KAUM. SCOTT-ATHLETIN IRIS PESSEY DIKTIERTE DAS TEMPO VON BEGINN AN UND SIEGTE NACH GUT SECHSEINHALB STUNDEN ÜBER SÜD- UND NORDGRIGNE. ZWEITE WURDE DIE BRITIN NATALIE BREADLE, DEREN ATTACKE KURZ VOR DEM ZIEL PESSEY SOUVERÄN ABFEDERTE.

Wildstrubl by UTMB

ENDLICH SONNE

ZUM VIERTEN MAL BRANNTEN DIE TRAILS ZWISCHEN WALLIS UND BERNER OBERLAND. CRANS MONTANA ZEIGTE SICH DIESMAL VON SEINER SOMMERLICHEN SEITE – UND 6500 STARTERINNEN UND STARTER FOLGTEN DEM RUF. ZWEI DEUTSCHE LÄUFERINNEN GLÄNZTEN BESONDERS: JULIA BLEASDALE GEWANN DIE 70 KILOMETER, CARLA MORGENROTH HOLTE SICH BRONZE ÜBER 25 KILOMETER.

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EVENT Rückblick

NICE CÔTE D'AZUR BY UTMB

KIMI VOR VANESSA

Viel schöner hätten sich Kimi Schreiber und Vanessa Schätzle den Saisonabschluss nicht vorstellen können. Parallel zur Weltmeisterschaft in Spanien liefen die beiden auf Platz 1 und 2 über die 50 Kilometer Distanz des zum nunmehr drittenmal ausgetragenen "Nizza-UTMB", wobei Kimi Schreiber mit 748 Index Punkten die klare Favoritin war, diese Rolle erfüllte und mit 15 Minuten Vorsprung vor Vanessa Schätzle gewann. Auf Rang 3 rundete die Französin Charlotte Mouchet das Podium ab. Auf der 100 Kilometer Distanz meldetet sich der Südtiroler Dani Jung auf großem Parkett zurück und wurde Dritter. Die Königsstrecke über 159 Kilometer und 8200 Höhenmeter, von Auron bis an die Uferpromenade von Nizza, gewannen der Franzose Paul Cornut Chauvinc und die Slovakin Michaela Lishakova, die ihre Konkurrentin Stephanie Chase souverän auf Platz 2 verwies.

Malaysia by UTMB

AUSRUFEZEICHEN!

Der 26 Jahre junge Isländer Kristjan Chapman (Foto) feiert seinen bislang grössten Erfolg der Karriere. Die hat 2019 begonnen und beschert dem Kailas-Fuga-Profi nun erstmals einen Sieg bei einem Rennen der Weltserie. Zum Ende der 98 Kilometer musste er jedoch volle Pace laufen – der Chinese Xingzhi Bai lag nur 11 Minuten hinter ihm.

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Adamello Ultratrail

KRAUTLOHER SIEGT

EIN ULTRA IM WINTERKLEID: BEIM ADAMELLO ULTRA TRIUMPHIERTEN BELIANA HILBERT UND SIMON KRAUTLOHER. HILBERT BEWÄLTIGTE DIE 100 KILOMETER IN WENIGER ALS ELF STUNDEN. KRAUTLOHER, SCHON AM GROSSGLOCKNER EIN FINISHER UNTER NUR ACHT, UNTERSTRICH SEINE FORM UND GEWANN DIE 170 KILOMETER IN UNTER 22,5 STUNDEN. Tor des Géants

NEUER REKORD

DIE TOR DES GÉANTS IST LÄNGST LEGENDE: 330 KILOMETER, DIE IN WAHRHEIT 350 SIND, ÜBER 25.000 HÖHENMETER UND ABENTEUER, DAS SICH NICHT IN ZAHLEN FASSEN LÄSST. 2024 WAREN DIE BEDINGUNGEN PERFEKT – UND VICTOR RICHARD SETZTE EIN AUSRUFEZEICHEN: IN 66 STUNDEN, ACHT MINUTEN UND 22 SEKUNDEN PULVERISIERTE ER DEN BISHERIGEN REKORD.

Gorbeia Suzien

GUTES GELD EIN GEHEIMTIPP MIT BESONDEREM REIZ: DAS GORBEIA SUZIEN SKYRACE IM BASKENLAND LOCKT NICHT NUR MIT TECHNISCHER STRECKE (32 KILOMETER, 2400 HÖHENMETER), SONDERN AUCH MIT 7200 EURO PREISGELD. AITOR AJURIA UND LIDE URRESTARRAZU SICHERTEN SICH DIE SIEGE. EIN RENNEN, DAS MAN SICH MERKEN SOLLTE.

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REPORT Dynafit Transalpine Run

20 Mal berührt! Seit 2004 – Trailrunning war nicht erfunden – begeistert der Transalpine Run weit über Europa hinaus die Laufszene und hat sich in zwei Jahrzehnten mehrmals neu erfunden. Text: Denis Wischniewski Fotos: Andi Frank, Archiv Plan B


J 20 Jahre Transalpine Run – ein Stück Trailrunning-Geschichte Jedes Mal, wenn ich nicht beim Transalpine Run starte, denke ich: „Eigentlich hätte ich dabei sein müssen.“ Der TAR brennt sich ein – in Beine, Kopf, Herz. Wer einmal über die Alpen gelaufen ist, trägt dieses Erlebnis für immer mit sich herum. 2025 feierte die Veranstaltung ihre 20. Austragung – und ist damit die älteste TrailrunningVeranstaltung Deutschlands. Vorher gab es Bergläufe, Landschaftsläufe, aber die Idee, die Alpen im Rennformat zu überqueren, war neu. Verrückt. Und sie prägt bis heute. Die wilden Anfänge Die ersten Ausgaben Anfang der 2000er wirkten fast wie ein Experiment: professionell organisiert, aber mit Athletinnen und Athleten, die gleichzeitig Versuchskaninchen waren. Es gab keine spezielle Ausrüstung, keine „Trailrunning-Industrie“. Man trug Straßenlaufschuhe, Mountainbike-


REPORT Dynafit Transalpine Run


Rucksäcke oder Trinkblasen voller Apfelschorle. Sieger kamen aus England, Italien oder Frankreich, wo dieser Sport ein paar Jahre Vorsprung hatte. Profis aus Berglauf und Leichtathletik kämpften mit den Distanzen, waren aber fit genug, um zu gewinnen. Heute kennt kaum jemand die Namen der Pioniere: Angela Mudge, Dr. Miksch, Silvano Fedel. Philipp Reiter, damals noch ganz am Anfang, gewann hier zusammen mit Julien Chorier. Auch Hannes Namberger, Weltmeister Helmut Schießl oder Ida-Sophie Hegemann setzten beim TAR erste Spuren. Viele von ihnen sprangen hier ins kalte Wasser – und später in die große Welt des Trailrunnings. Vom Kult zum Klassiker Zwei Jahrzehnte später hat sich der TAR gewandelt. Dynafit als Titelsponsor bringt ein jüngeres, sportlicheres Gesicht. Neue Formate wie die Solo-Kategorie oder der RUN2 lockern das Event auf: Zwei Etappen, zwei Tage, ein Team. Wer will, kann so Trailrunning-Luft schnuppern – und Montags mit Finishermedaille wieder am Arbeitsplatz sitzen, während die anderen noch fünf Etappen vor sich haben. Das große Ganze Die Stars der Szene? Fehlen meist. Aber das spielt keine Rolle. Der TAR lebt von jenen, die gerade dabei sind. Jede Edition schreibt


REPORT Dynafit Transalpine Run neue Geschichten. 2025 erreichen 560 Läuferinnen und Läufer den Reschensee, 220 Kilometer und 13.500 Höhenmeter in den Beinen. Die Finisherquote: 88 Prozent. Das Gefühl: unbezahlbar. Und vielleicht ist das der wahre Kern dieses Rennens: Ob Profi oder Freizeitläufer, ob mit Straßenlaufschuhen in den Nullerjahren oder mit Hightech-Gear heute – der TAR bringt Menschen an ihre Grenzen, und darüber hinaus. Wer ihn einmal läuft, weiß: Es ist 100 Prozent Pflicht, diesen Klassiker mindestens einmal im Leben zu erleben.


I M P R E S S U M Salomon haben das Schnellschnürungssystem Quicklace etabliert und patentiert.

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VORSCHAU TRAIL 1/2026 AB DEM 16. DEZEMBER 2025 AM KIOSK Reise: Trailrunning in China Training: So planst du deine Saison 2026 Winter-Oufit: Trailrunning bei Eis und Schnee Tipps: Mentale Strategien der Elite-Runners


PRAXISTEST SUUNTO RACE 2 Evolution statt Revolution 90 Stunden max. Laufzeit Gewicht: 255 Gramm 1,28 Zoll Display, Preis 499,95 Euro

Mit der Race 2 bringt Suunto die Nachfolgerin der beliebten Race auf den Markt – zwei Jahre nach deren Einführung. Seitdem hat sich viel getan: Es gibt mittlerweile auch die kleine Race S, welche das ursprüngliche Modell bereits deutlich überholt hat. Die neue Race 2 orientiert sich optisch an dieser S-Version, wirkt schlanker und sportlicher, das erhöht klar den Tragekomfort. Der Durchmesser bleibt bei 49 mm, das Display wächst jedoch von 1,43 auf 1,5 Zoll und der AMOLED-Bildschirm sorgt für kräftige Farben und gestochen scharfe Darstellung. Er ist selbst bei starker und direkter Sonneneinstrahlung problemlos ablesbar. Dabei stehen zwei Modi stehen zur Wahl: Always-on und gestenbasiert, letzterer spart Akku, reagiert aber leicht verzögert. Apropos Akkulaufzeit: Im SmartwatchModus hält sie laut Suunto bis zu 16 Tage durch und im GPS-Betrieb erreicht sie bis zu 55 Stunden im präzisen Performance-Modus. Im Tests lag die reale Laufzeit bei rund 45 bis 50 Stunden mit aktivem Dualband-GPS – ein sehr guter Wert für eine AMOLED-Uhr. Auf Vertrautes setzt Suunto bei der Bedienung, sie erfolgt wie gewohnt über zwei Knöpfe, einen Drehknopf und den Touchscreen. Die Race 2 ist dünner geworden (12,5 mm vs. 13,3 mm), leichter, besitzt einen neuen optischen Herzfrequenzsensor und einen schnelleren Prozessor. Ein Mehrwert ist das neue magnetische Ladekabel, eine deutliche Verbesserung zur Vorgängerin. Die Uhr ist in Edelstahl (76g) oder Titan (65G) erhältlich. Bei der Software gibt es wenige, aber entscheidende Änderungen. So gibt es die Möglichkeit jetzt mehrere Sensoren desselben Typs zu koppeln und die ClimbGuidance-Funktion bringt eine Übersicht über Höhenprofile und bevorstehende Anstiege. Neu ist auch ZoneSense. Es wertet HRV-Daten dynamisch aus und zeigt diese in Echtzeit-

Trainingszonen an. Insgesamt stehen 115 Sportmodi zur Verfügung, zusätzlichen, individualisierte Modi lassen sich über die App anpassen. Weiterhin sind SuuntoPlus-Funktionen sind auf zwei limitiert, das soll sich aber ändern. Stark zeigt sich die Race 2 bei der Navigation. Sie nutzt ein Dualband-GNSSSystem für präzises Tracking, das mit den Multiband-Uhren durchaus mithalten kann. Karten lassen sich kostenlos per WLAN oder App auf die Uhr laden, Routen können direkt geplant oder aus Strava übertragen werden. Die Navigation selbst ist sehr einfach und übersichtlich. Natürlich bietet die Race 2 Schlaftracking und nächtliche HRVAufzeichnung. Sie liefert Hinweise zur Erholung und Fitness. Auch wenn der optischen Herzfrequenzsensor neu ist, bleibt hier weiter Luft nach oben. Es gibt leider noch immer Ausreißer in den Aufzeichnungen. Ein Pulsgurt ist daher zu empfehlen, schon allein, weil man damit die spannende ZoneSense Funktion nutzen kann. Suunto setzt bei der Race 2 also konsequent auf Weiterentwicklung und eine besonders starke Hardware. Die Race 2 bietet ein leichtes, dünnes Gehäuse mit brillantem 1,5-Zoll-Display, präzisem GPS und langer Akkulaufzeit. Die Software ist solide mit sinnvollen Verbesserungen. Kritikpunkte bleiben der OHRSensor und die Begrenzung der SuuntoPlus-Funktionen.

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SUUNTO WING 2

Die Suunto Wing 2 setzen neue Maßstäbe für Kopfhörer im Ausdauersport. Mit Open-EarKnochenschall-Technologie bleibt man stets mit der Umgebung verbunden und profitiert dennoch von ordentlichem Klang. Das stabile, leichte Titan-Design (35 g) ist nach IP66 wasser- und staubdicht, funktioniert in einem Temperaturbereich von –20 bis 60 °C und bietet bis zu 12 Stunden Laufzeit, erweiterbar auf 24 Stunden mit Powerbank. Intelligente LED-Leuchten erhöhen die Sichtbarkeit, während die Kopfbewegungssteuerung für intuitive Bedienung sorgt. In Kombination mit der Suunto-App und deiner Uhr erhältst du EchtzeitLeistungsfeedback direkt ins Ohr. Die WING 2 tragen sich zudem komfortabel – meinen UTMB-Test haben sie jedenfalls bestanden und der dauererte 42 Stunden. Preis: 169 Euro


DYNAFIT

Alpine 3L JKT Preis: 250,00 Euro

CRAFT XPLOR2 149,95 Euro 6 mm Sprengung 316 Gramm (42) Mit dem Xplor 2 bringt Craft nun die zweite Generation seines vielseitigsten PerformanceSchuhs. Die Idee geht wieder auf: ein Hybrid, so flexibel wie ein Gravelbike. Auf Asphalt rollt er wie ein Straßenlaufschuh, auf Schotter greift er wie ein Trailschuh. Möglich macht das eine Außensohle, die in Kooperation mit dem italienischen Reifenhersteller Vittoria entstand – ihre Fischschuppen-Struktur erinnert an MTB-Bikeprofile und sorgt für erstaunlich viel Grip in losem Gelände. Hinzu kommt das überarbeitete 2-lagige MeshObermaterial, atmungsaktiv, stabil und zu 50 Prozent aus recycelten Fasern gefertigt. Unter der Motorhaube arbeitet Px Foam™, eine Zwischensohle, die 20 Prozent leichter ist als klassisches EVA und mit federnder Energierückgabe überzeugt. Nachhaltig ist auch die Herstellung: ohne chemische Vernetzer, vollständig wiederverwertbar. Toll. Im Testlauf zeigt sich: Der Xplor 2 läuft geschmeidig, dämpft homogen und bleibt auch auf längeren Distanzen komfortabel. Craft setzt auf den „Endurance Fit“ – schmale Ferse, fester Mittelfuß, breiter Vorfuß – was für Stabilität und gleichzeitig natürliche Bewegungsfreiheit sorgt. Mit 316 Gramm ist der Schuh kein Leichtgewicht, doch er vermittelt Sicherheit. Ein Update für Läuferinnen und Läufer, die keinen klaren Asphaltoder Trail-Favoriten suchen, sondern beides. Ein Schuh für Übergänge – von der Stadt, am Fluss entlang bis in die Berge.

SUUNTO VERTICAL 2 Ab 599 Euro Mit der neuen Suunto Vertical 2 setzt die Traditionsmarke erneut Maßstäbe für Outdoor-Abenteuer. Die Uhr kombiniert ein helles 1,5-Zoll-AMOLED-Display mit beeindruckender Akkulaufzeit von bis zu 65 Stunden GPS-Tracking und 20 Tagen im Alltagsmodus. Ein neu entwickelter optischer Herzfrequenzsensor liefert präzisere Messungen, unterstützt Training und Regeneration und wird ergänzt durch HRV-Tracking. Der schnellere Prozessor sorgt für flüssige Bedienung und macht die Uhr fit für zukünftige Updates. Besonders praktisch: die integrierte LED-Taschenlampe mit Rotlicht- und SOS-Modus. Für Orientierung sorgen kostenlose Offline-Karten direkt auf der Uhr, ergänzt durch die Climb Guidance mit Echtzeit-Höhenprofilen. Über 115 Sportmodi, Wetterwarnungen, Suunto Coach sowie vielfältige Anpassungsmöglichkeiten machen die Vertical 2 zum idealen Begleiter – ob auf den höchsten Gipfeln oder im Alltag. Erhältlich ab 30. September 2025 in Edelstahl oder Titan.

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Die Dynafit Alpine 3L Hardshelljacke überzeugt durch konsequenten Wetterschutz und funktionale Details für Trailrunner. Das dreilagige Dynashell Alpine Eco Light Gewebe mit 20.000 mm Wassersäule schützt zuverlässig vor Regen und Wind, bleibt zugleich atmungsaktiv. Dank ergonomischer Passform ist volle Bewegungsfreiheit gewährleistet. Praktisch ist das ZipOver-Rucksack-System, mit dem die Jacke am Rücken erweitert und über dem Rucksack getragen werden kann – ein Pluspunkt bei langen Touren im alpinen Gelände. Verschweißte Nähte, elastische Kapuze, Bündchen und Saum erhöhen den Wetterschutz, während Belüftungsöffnungen unter den Armen das Klimamanagement unterstützen. Reflektierende Elemente verbessern die Sichtbarkeit. Die Jacke lässt sich platzsparend in der Kapuze verstauen und eignet sich damit sowohl für den Trainingseinsatz als auch für Wettkämpfe bei widrigen Bedingungen. Eine leichte, zuverlässige Hardshell für alle Einsätze und Rennen. Dynafit weiß wie so was geht! Klasse Teil.


PRAXISTEST EINFACH MACHEN!

löst sich alles problemlos, bei höheren Dosierungen braucht das Pulver etwas Geduld. Die Moleküle sind groß, setzen sich zuerst als Brei ab. Mit kräftigem Schütteln löst sich aber alles. Klingt banal, wird im Rennen allerdings zur echten Disziplin.

SUNN Nutrition Preis: 32,90 Euro (1 kg)

Nicht lang reden – einfach machen Drei Namen, die in der TrailrunningSzene längst einen Klang haben: Melanie Miklos, Constantin Leinekugel und Marcel Höche. Alle drei laufen auf hohem Niveau, alle drei waren unzufrieden mit dem, was der Markt an Sportnahrung hergibt. Also gründeten sie SUNN.Nutrition – und entwickelten ihr eigenes Pulver. Keine überzuckerten Drinks, keine halbherzigen Lösungen, sondern ein Mix, der halten soll, was er verspricht. Herzstück sind zwei Varianten: HighCarb und Ultra HighCarb. Beide kombinieren Cluster Dextrin – einen hochverzweigten, schnell verdaulichen Kohlenhydratbaustein – mit Fruktose. Der Clou: Unser Körper nutzt unterschiedliche Transportwege für Glukose und Fruktose. Kombiniert man beide, lässt sich mehr Energie pro Stunde aufnehmen – und Magenprobleme werden unwahrscheinlicher. Der Unterschied der beiden Pulver liegt im Mischungsverhältnis: klassisch 2:1 beim HighCarb, deutlich fruktoselastiger beim Ultra HighCarb für extreme Belastungen. So weit die Theorie. Aber funktioniert

das auch, wenn es wirklich darauf ankommt? Wir wollten es wissen und haben den Mix nicht beim Feierabendlauf getestet, sondern auf der Langstrecke. 110 Kilometer, 5000 Höhenmeter – die Sorte Belastung, bei der man sonst früher oder später jedes Pulver verflucht. Schon im Training fiel auf: Der Geschmack ist angenehm frisch, fast limonadenartig, mit einem Hauch Minze. Keine klebrige Süße, kein Zuckerschock. Auch nach Stunden bleibt er trinkbar – ein Detail, das im Ultra den Unterschied machen kann. Bis 40 Gramm pro Flask

Der Wettkampftest brachte Licht und Schatten. Positiv: konstante Energie, keine Magenprobleme, kein Leistungseinbruch, selbst nach 15 Stunden. Negativ: Wer das Pulver an Verpflegungspunkten mischt, muss mit längerer Lösungszeit kämpfen. Wer vorbereitet ist, kommt klar – alle anderen verlieren Minuten. Unser Trick: Flasks schon vor der VP teilweise leeren, Pulver rein, unterwegs kneten, dann an der Station mit Wasser auffüllen. So klappt’s ohne Stress. Unterm Strich liefert SUNN genau das, was es verspricht: stabile Energie, magenfreundlich und geschmacklich angenehm. Für ambitionierte Läufer und Ultras ist das ein starkes Argument. Wer die Dosierung vorher übt, wird belohnt – mit einem Drink, der nicht nervt, sondern trägt. Fazit: SUNN.Nutrition trifft den Nerv der Szene. Frisch, stabil, effizient – und eine echte Alternative zu den üblichen Zuckerbomben. Von: Joachim Jutz

SALOMON AERO BLAZE GRVL GTX Preis: 160 Euro Gewicht: 283g (42,5) Sprengung: 8mm

Gravel also. Ach, nee: Grvl. Das sagen sie bei Salomon ja neuerdings, wenn sie uns auf die Feld-, Forstoder Panoramawege schicken. Macht theoretisch Sinn, zumal sich die wirklichen Trailschuhe ja zunehmend auch in eher laufbare und wirklich alpine Modelle unterscheiden. Ganz praktisch hat aber jeder und jede von uns sicher schon die Erfahrung gemacht, dass es Trailschuhe gibt, die sogar bei schnellen Intervallen auf der Bahn herrlich funktionieren. Warum also noch eine weitere (Marketing-) Kategorie? Aber vielleicht geht es darum gar nicht. Dem Aero Blaze Grvl geht es einfach darum, jene Menschen abzuholen, die sich vielleicht nicht allzu viele Gedanken um das Laufen machen wollen. Und das mit einem möglichst universellen Laufgefühl. Merklich gedämpft, aber doch hinreichend stabil und halbwegs energetisch. Komfortabel-bequem, aber mit einem von Salomon gewöhnten seriösen Sitz. Mit ausdauernden Rouleur-Qualitäten, aber Extra-Grip, falls man doch mal auf eine nasse Wurzel tritt. Wir hören also heraus: Es ist ein Schuh für Einsteigerinnen und Gelegenheitsläufer, genauso aber für die entspannten Runden, die ja auch zu jeder noch so motovierten Trainingswoche gehören. Ob man dann eine Gore-Tex-Membran sucht – Geschmackssache. Im Aero Blaze Grvl ist diese aber unmerklich verarbeitet und fällt zudem kaum ins Gewicht. Tatsächlich macht Kilometersammeln im Herbst mit trockenen Füssen ja noch mehr Spaß. Eher schmale, aber durchaus adaptive Passform.

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Text: Clemens Niedenthal

Ottonormalläufer Die besten und wahrsten Geschichten über das Laufen findet man unterwegs. Auch, möchte ich hinzufügen, wenn es auf den ersten Blick gar nichts zu erzählen gibt. Ottonormalläufer

N

Neulich habe ich jemanden kennengelernt. Beim Laufen. Ich lief durch die Berliner Königsheide. Ein innerstädtisches Wäldchen, das seinem Namen nur bedingt gerecht wird und dennoch, oder gerade deswegen, eines meiner liebsten Alltagslaufreviere ist. Jedenfalls habe ich in der Königsheide jemanden kennengelernt. Nennen wir ihn Otto. Otto lief auf einem der vielen kleinen Trampelpfade, die sich halt ergeben, wenn eine Millionenstadt ein kleines Waldstück für diese wie jene Vergnüglichkeiten nutzt, vor mir her. Schuhe von Brooks, Patagonia-Shorts, ein einfarbiges Laufshirt

und ein Oberlippenbart, dem anzusehen war, dass da über seiner Oberlippe noch nicht allzu lange Haare wachsen dürfen. Otto ist keiner, der die Trends erfindet oder auch nur allzu früh findet, aber die Moden und überhaupt die Sache mit dem Zeitgeist machen ihm schon ein wenig Spaß. Er hat vermutlich auch ein Gravelbike und er isst gerne mal Sushi. Nur habe ich Otto bisher immer nur beim Laufen gesehen. In seiner Kreisstadt in der niedersächsischen Provinz war Otto mal eine Größe bei den Jusos. Aber in Berlin gab es dann viel mehr Jusos und überhaupt sind die Jusos ja nicht mehr so groß. Otto wurde kein Politiker, sondern Beamter im politischen Betrieb. Da die beiden Kinder ja auch größer werden, ist er mit Mitte 30 gerade aus der Kreuzberger Zweieinhalbzimmerwohnung in den kleinbürgerlichen Süden von Neukölln gezogen. Früher hat er mal Handball gespielt. Und sich irgendwann während des Studiums für einen Halbmarathon angemeldet. Seitdem läuft er zwei- oder dreimal in der Woche. Inzwischen ungern auf As-

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phalt und selten mehr als 15 oder 17 Kilometer. Er hat sich einen Trailrucksack gekauft und Laufschuhe mit etwas mehr Profil. Im Urlaub, so erzählt er, fiele ihm das Laufen leichter, da sei er oft schon morgens mit dem Sonnenaufgang unterwegs. Mal sage er Trailrunning dazu, mal Waldlauf oder einfach nur Laufen. Das hänge von den Menschen ab, denen er vom Laufen erzähle. An der Zuspitze, beim ZUT, ist er vor zwei Jahren über die kurze Distanz gestartet. In diesem Jahr wäre er gerne wieder in Garmisch, aber das hätte leider aufgrund der späten Berliner Schulferien nicht funktioniert. Den Namen Kilian Jornet habe er schon einmal gehört. Ein paar Mal habe ich Otto wiedergesehen. Ich hatte ihm von einem Lauftreff erzählt, bei dem ich, immer dienstagabends, auch gelegentlich bin. Beim letzten gemeinsamen Lauf habe ich ihm erzählt, dass ich eine Kolumne über ihn schreiben werde. Aber da gäbe es doch gar nichts zu erzählen, hat er dann gesagt. Eben, habe ich nur geantwortet.


MORALFRAGE Laufen weil es da ist

WOVOR LÄUFT PETER EIGENTLICH WEG? Peter ist Single. Mal wieder. Er hat viel Zeit. Also läuft er gerne – und oft. Er sollte sich und seinem Körper mal Ruhe gönnen. Aber dann kommt die Langeweile. Oder eine Leere?

Liebe Redaktion, ich laufe leidenschaftlich gerne – und manchmal vielleicht zu viel. Job und Laufen füllen mein Leben, für anderes bleibt kaum Raum. Vielleicht ist mir das gerade auch ganz recht. Ende vergangenen Jahres ging mal wieder eine Beziehung auseinander, da hat mich das Laufen ziemlich gut abgelenkt. Nun mehren sich aber die Zipperlein. Eine entzündete Patellasehne zwingt mich zum Innehalten und, ehrlich, mir geht es damit nicht sonderlich gut. Ich fühle mich leer und ausgebrannt und frage mich zunehmend, ob das nicht auch etwas mit meinem Sport zu tun hat … Peter aus Ingolstadt

Lieber Peter, selbst wenn du nicht in einem Beruf arbeitest, für den die Gewerkschaften damals eine 35-Stunden-Woche erkämpft haben, ist eine Ferndiagnose doch relativ einfach: Ja, du läufst zu viel. Und ja, du läufst vor manchen Dingen weg. Zumindest aber flüchtest du vor dir selbst. Zumal du nicht einmal von den Zielen sprichst, die du dir mit dem Laufen setzt: ein tolles Event, eine Leistungssteigerung, einfach eine gute Zeit, am besten noch mit anderen Läufer:innen. Du läufst, damit du nicht nicht läufst. Damit machst du dir das Laufen und womöglich auch deinen Körper irgendwann kaputt. Wir in der Redaktion sind keine Küchentischpsychologen und wären bei ernsthaften mentalen Problemen bis hin zu depressiven Verstimmungen die falschen Ansprechpartner. Ich habe aber das Gefühl, dass du dich ganz gut kennst und gerade auch sehr gut hinterfragst. Frage dich also, was du im Leben willst, in deinem Job, vor allem von deinem Sport. Wir alle kennen und lieben diese Läufe, in denen es nur darum geht, einmal Abstand zu gewinnen. Um als glücklicher Läufer alt zu werden, muss dieser Sport aber mit positiven Erlebnissen und Zielen gefüllt werden. Er muss etwas bleiben, was man gerne macht – und nicht aus purer Gewohnheit. In deinem Fall rate ich dir zu einer Laufpause und du wirst merken, du läufst bald wieder los – und zwar aus Lust und Laune.

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PULSAR 4 Innovation that shapes the future of sport.


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Aktives Abonnement erforderlich; LTE-Netzabdeckung und Satellitenverbindung sind nicht in allen Ländern verfügbar. In Ländern, in denen diese verfügbar sind, kann die Abdeckung je nach Region variieren und durch Gebäude, Bäume und Witterungsbedingungen beeinträchtigt werden. Informiere dich auf Garmin.com/fenix8procoverage, welche Dienste in deiner Region – oder in Ländern, in die du möglicherweise reist – verfügbar sind; in einigen Ländern ist die Nutzung von Satelliten-Kommunikationsgeräten gesetzlich eingeschränkt oder verboten. Es liegt in der Verantwortung des Nutzenden, sich über alle geltenden Gesetze in den Regionen, in denen das Produkt verwendet werden soll, zu informieren und diese einzuhalten.


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