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TRAIL Magazin 1/2026

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DAS LAUFMAGAZIN NR.1 FÜR TRAILRUNNING

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2026

Januar Februar

NEWS & JOURNAL / MEINUNG / RECOVERYRUN / EVENT-RÜCKBLICK

TRAIL MAGAZIN

DEUTSCHLAND € 9,90 ÖSTERREICH € 9,20 SCHWEIZ SFR 13,50 LUXEMBURG € 9,70 ITALIEN € 11,30 SPANIEN € 11,30 FRANKREICH € 11,30

WWW.TRAIL-MAGAZIN.DE

Events Mallorca by UTMB le GTWS Finaa Gobi Ultr

Mentale Strategien

Krisen überstehen, aus dem Tief laufen, mit Freude auf dem Trail und Genuß neu entdecken!

Sardinien

Im CamperVan zu neuen Traumtrails

TRAIL GEAR »Warme Wintersachen

»Die Lieblingsprodukte der Redaktion »GPS-Sportuhren von 200-2000 Euro

»Kompaktkameras für Trail-Fotografen »Trailschuhe für Eis und Schnee

TYP

Alena Maria in ihrem zweiten Leben als Sportlerin

REISE

Ein wilder Trailtrip durch Georgien mit und ohne Startnummer

TIER

Interview TOM EVANS

Traildog Mavi feiert 2026 ihr Jubiläum am Berg

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WEISSENBACH AM LECH

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REUTTE

GRÄN

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START AND FINISH

PFRONTEN

DAS ETAPPENRENNEN AUF DEN SCHÖNSTEN TRAILS DER ALPEN 14–17 MAI 2026 4 ETAPPEN SOLO 4 ETAPPEN STAFFEL 2 ETAPPEN SOLO

103 KM / 7.241 HM 103 KM / 7.241 HM 51 KM / 3.620 HM

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TRAIL-TROPHY.COM


EDITORIAL

4 Menschen dieser Ausgabe

Liebe Leserinnen und Leser, wenn man auf das Jahr 2025 zurückblickt, erkennt man etwas, das sich nicht mehr übersehen lässt: Trailrunning und Ultratrail sind groß geworden. Manche behaupten, die Berge seien inzwischen überfüllt, die Wege verstopft, Wanderparkplätze zu eng und Startplätze sofort vergeben. Das ist richtig. Und doch auch wieder nicht. Wie so oft hängt es von der Perspektive ab. Es gibt Stimmen, die den UTMB kritisieren – zu teuer, zu laut, zu mächtig. Vielleicht stimmt das. Vielleicht auch nur ein Teil davon. Eine Recherche zählt rund 6000 Ultratrail-Veranstaltungen weltweit. Fünfzig davon tragen das Label »by UTMB«. Ein Monopol sieht anders aus. Unser Sport ist – trotz allem – ein freier Ort. Man kann ihn leise betreiben, fast unsichtbar, irgendwo in einem kleinen Seitental. Oder mitten im Geräusch einer Stadt, gemeinsam mit anderen. Man kann Schuhe für dreißig Euro kaufen oder für dreihundert. Das Entscheidende ist: Wir wählen selbst. Wer allerdings in Chamonix beim Finale des UTMB starten will, muss sich auf Regeln einlassen. Auf Strukturen. Auf Kosten. Und auf das, was sich nicht kaufen lässt: Training. Laufen, immer wieder, manchmal gegen die Uhr, manchmal gegen sich selbst. 2026 wird ein besonderes Jahr werden. Eines, in dem sich vieles ordnet. Manche werden den großen Weg wählen, andere einen stilleren, vielleicht persönlicheren. Beides hat seinen Platz. Wir vom TRAIL-Magazin würden gerne überall dort sein, wo sich diese Wege zeigen – beobachtend und aufmerksam.

Michael von Kunhardt

Michael von Kunhardt ist ehemaliger Hockeyspieler und mehrfacher Deutscher Meister. Heute zählt er zu den führenden Mentaltrainern, bekannt für seine klare, unaufgeregte Arbeitsweise. Das grosse Interview ab Seite 44.

Tom Evans

Der Brite hat nach Rückschlägen den UTMB endlich gewonnen. Mit militärischer Disziplin, intensiven Höhenmeter-Sessions und Fokus auf die mentale Stärke siegte er in diesem August mit fast unwirklicher Sicherheit auch für seinen neuen Sponsor Asics. Interview ab Seite 86.

Alena Maria Pantis

ist eine frühere Siebenkämpferin, die nach dem Ende ihrer Sportkarriere aus Griechenland nach Frankfurt zurückkehrte und im Trailrunning im Taunus ihren zentralen sportlichen Ausgleich fand. Seite 82

Nawid Wuttke

liebt Trailrunning bis ins Detail und bereist Georgien seit 2018. Er verbindet Bergläufe, persönliche Erfahrungen und feine Beobachtungen zu Natur, Kultur und zu Hunden, in seinem Text ab Seite 90. TRAIL-Herausgeber Denis Wischniewski spürt, wie sich die Trailrunning-Szene in ihrem Innersten zu teilen beginnt. Es ist nur ein feiner Riss, aber er ist da. Manchmal denkt er an die frühen Tage zurück, an dieses Gefühl von Aufbruch, als alles noch leicht und möglich schien. Doch die Zeit läuft nur in eine Richtung. Also versucht er, nicht stehen zu bleiben, sondern offen zu bleiben – pragmatisch, neugierig. Und vielleicht, denkt er, wird ihn die Zukunft ja wieder einmal auf eine gute Art überraschen.

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Latest News dieser Ausgabe! Von München raus in die Berge nach Garmisch-Partenkirchen: Die sechste Ausgabe der NIGHT OF THE TRAIL (präsentiert von TRAIL Magazin & Salomon) findet am 20. Februar statt und feier den Sport und seine Besten! Tickets ab jetzt erhältlich.


INHALT 18 Jahre Trail 2008 - 2026

STANDARDS EDITORIAL 3 INHALT 4 NEWS 16 MEINUNG 36 INSIDE OUTFIT 38 REISE SARDINIEN 30 MORALFRAGE 98

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6 FOTOREPORT

Zwischen Verlorensein und Erleben: In der Gobi begleitet Fotograf Ian Corless den Ultra Gobi 400 – ein Lauf an der Grenze des Menschlichen.

16 JOURNAL

Aktuelle Meldungen dieser Ausgabe: Denis´ Kolumne, Das macht mein Laufen reicher, neue Schuhe, Pro und Contra, Remi Bonnet, Winterlauf-Events ...

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DIESER KILIAN

Kilian Jornet sprengt Grenzen an der US-Westküste – und zeigt, dass wahre Freiheit leise ist: ein Projekt größer als jeder Gipfel.

30 CAMPER-LIFE

Der Autor hat die Kombinations aus Camping, Campervanlife und Trailrunning entdeckt und entschieden: Das wird niemals enden.

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80 82 LEISE. EHRLICH. Alena Maria Pantis beendet ihre Sportkarriere in Griechenland, zieht zurück nach Frankfurt und etabliert Trailrunning im Taunus als festen Bestandteil ihres Alltags.

40 EVENT

58 WINTER

44 MENTALES

68 LIEBLINGE

52 UHREN

76 TRAILDOG

56 KAMERAS

80 MALLORCA

Nirgendwo zeigt sich der neue Ernst des Trailrunning so klar wie in der Golden Trail Series: Sprinttempo, Marathonschmerz – am Lago di Ledro fällt die Entscheidung.

Gutes Laufen beginnt im Kopf: Zwischen Trail, Alltag und Kopfkino zeigt sich, warum Präsenz mehr zählt als Muskelkraft.

Sportuhren rasen dem Zeitgeist hinterher: Zwischen Garmin-Dominanz und grellen Newcomern stellt sich die Frage, was wirklich ein Upgrade ist.

Warum Kameras bleiben: Wenn Reportagen Tiefe brauchen, liefern echte Fotoapparate mehr Wärme, Charakter und Authentizität als jedes Smartphone.

Wie der Winter wird, bleibt ungewiss – sicher ist nur: Mit der richtigen Ausrüstung läuft es sich warm, selbst wenn’s eisig wird.

Eine Saison voller Höhen und Tiefen – und Gear, die still verlässlich bleibt. Unsere liebsten Teile 2025 im Überblick und im Detail.

Mavi, einst Marie: Die Hündin eines rastlosen Läufers erzählt von Trails, Wandel und einem Leben im Rhythmus der Schritte.

Nach Unwetter 2024 zeigt Mallorca by UTMB 2025 Stärke: neue Bedingungen, neue Spannung – und überraschende Sieger.

PodCast

Folge 100:

das große Jubiläum

Inside Out 38 Rezepte / Soul Food 74 Unperfekte Saison 92 Praxistest 94

86 EVANS

Der amtierende UTMB-Sieger im Interview über Disziplin, Training, seinen neuen Sponsor Asics und wie er in Chamonix siegen konnte.

90 GEORGIEN

Ein Zufall führt in den Kaukasus – wo Tal, Berg und ein Hund aus Reiseplänen Sehnsucht machen. Ein Ort, der einen findet.

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FOTOSTORY Gobi Ultra Text & Fotos: Ian Corless

s a n i h C e d l i w le e e S Es gibt nur wenige Orte auf der Erde, an denen man sich gleichzeitig völlig verloren und vollkommen lebendig fühlen kann. Die Wüste Gobi in Chinas Nordwesten ist einer davon. Und eben dort wird der Ultra Gobi 400 ausgetragen. Der Fotograf und Ultratrailabenteurer Ian Corless war vor Ort.


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Ruhe vor dem Sturm Jede Reise hat einen Anfang. Diese beginnt am Flughafen von Peking und führt uns per Shuttlebus immer westwärts nach Dunhuang, dem kulturellen Tor zur Wüste Gobi. Dort erwartet uns zunächst: Stille. Dunhuang, eine kleine Stadt in der Provinz Gansu, war einst eine wichtige Station auf der legendären Seidenstraße. Über mehr als zwei Jahrtausende war Dunhuang ein Treffpunkt von Imperien, Religionen, von globalem Handel. Heute ist sie die Schwelle zwischen der modernen Welt – und der Wildnis. Nachts breitet sich der Markt von Dunhuang auf den Straßen aus. Über den Imbissständen leuchten rote Laternenketten, Verkäufer rufen über zischende Grills und klappernde Woks hinweg. Rauch steigt in Bändern auf und trägt den Duft von Gewürzen durch die Nacht. Schüsseln mit handgezogenen Nudeln schwimmen in feuerroter Brühe. Spieße brutzeln über offenem Feuer. Melonen werden aufgeschnitten. Es ist laut, chaotisch, lebendig. All das spielt sich unter dem Wüstenhimmel ab.

Es ist das Eintauchen in eine uralte Landschaft. Einer Landschaft, der es ziemlich egal ist, wer du bist und was du bisher so auf den Trails erreicht hast.

Das, was jetzt kommt, ist mehr als ein Ultramarathon, es ist nicht einfach nur ein Rennen. Es ist das Eintauchen in eine uralte Landschaft. Einer Landschaft, der es ziemlich egal ist, wer du bist und was du bisher so auf den Trails erreicht hast. Ein Zeitlimit von 141 Stunden, kein Komfort und kaum Kontrolle stellen die Läufer und Läuferinnen den rauen Elementen der Wüste Gobi, wo die Geschichte unter dem Sand schlummert und jeder Schritt zum Kampf zwischen Ausdauer und Aufgabe werden kann. Es ist ein Mythos, es wird eine Erfahrung. Sie handelt von Sand, Sand und sehr viel Willenskraft. Nur 55 Athleten und Athletinnen wurden für 2025 ausgewählt. Sie suchen nicht den Ruhm, sondern etwas sehr viel Tieferes. Über gut 400 Kilometer navigierten sie sich per GPS durch eine der extremsten Umgebungen der Welt. Vor ihnen lagen windgepeitschte Berge, karge Wüsten und vergessene Relikte der Seidenstraße.

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Und wenn wir jetzt etwas mehr Zeit gehabt hätten, wir hätten bereits die Wüstendünen erkundet oder den Crescent Moon Lake besucht, wo buddhistische Grotten Geschichten in Sandstein meißeln. Von Dunhuang ist es nur ein Katzensprung nach Gobi Springs, dem Startpunkt des Rennens, einer außerirdisch anmutenden Wüstenlandschaft, in der Berge aus dem Nichts aufragen und die Luft voller Möglichkeiten ist. Die Läufer und Läuferinnen beziehen ihre luxuriösen Zelte, versehen jeweils mit einem personalisierten Namensschild aus Holz. Diese Liebe zum Detail wird mir während des Ultra Gobi 400 noch häufiger begegnen. Es folgen die Ausrüstungskontrolle, das Briefing, die Eröffnungszeremonie. Ehrfurcht liegt in der Luft. Alle ahnen, was ihnen bevorsteht. Das kameradschaftliche Miteinander ist echt, aber ebenso echt ist die Last, die auf allen Schultern liegt. Die Stille wird noch einmal stiller. Die Luft kühlt ab. Die Wüste kennt keine Gnade. Und alle scheinen das zu ahnen.


Über den Imbissständen leuchten rote Laternenketten, Verkäufer rufen über zischende Grills und klappernde Woks hinweg.

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FOTOSTORY Gobi Ultra

Ins Ungewisse Das Rennen beginnt um 21:30 Uhr mit einer übertrieben spektakulären Lightshow. Dann starten die Teilnehmer:innen in die Dunkelheit. Eine nach dem anderen, im Abstand von 15 Sekunden. Die Stirnlampen flackern wie kleine Leuchttürme in einem Meer aus Sand. Die erste Nacht und der erste Tag werden hart, 65 Kilometer bis zum nächsten Kontrollpunkt, einschließlich eines 1500 Meter hohen Anstiegs und dem folgenden Downhill, den ein Läufer schlicht als „Chaos” beschreibt. Keine Wege, nur raues Gelände: „Such dir dein eigenes Leid aus.” Doch trotz allem beeindruckt die Landschaft mit hoch aufragenden Klippen, sonnenverbrannten Felsen und einer Stille, die weit und ehrfürchtig ist. Wunderschön, brutal und größer, als man es sich hätte vorstellen können. „Ich wollte dieses Rennen gewinnen, aber ich hatte nicht vor, es von Anfang bis Ende zu dominieren“, sagt Cody Poskin aus den USA, der schließlich sogar den Streckenrekord brechen sollte: „Von kilometerlangen offenen Wüsten über Flussüberquerungen bis hin zu Bergpässen fühlte ich mich entspannt und hatte alles unter Kontrolle. Die Nacht wurde zum Tag, dann wieder zur Nacht, und eine Art Delirium hat eingesetzt.“ Etwa alle zehn Kilometer gibt es Wasser. Und zumeist alle 40 Kilometer eine der auch für die Sicherheit des Rennens wichtigen R-Stationen, eine temporäre Zuflucht, um zu essen, etwas zu schlafen, sich zu erfrischen und neue Energie zu tanken. Einige Läufer ruhen sich stundenlang aus, andere legen sich fünf Minuten hin und laufen dann weiter. Freiwillige bringen nicht nur Essen und Wasser, sondern auch kleine Geschenke: Steine mit Namen, Glücksbringer, handgemachte Zeichen der Ermutigung. Sie feuern mit einer Herzlichkeit an, die die Kälte durchdringt. Es gibt keinerlei Markierungen, nur einen GPS-Track und den Instinkt der Läufer:innen. Dabei ändert sich die Strecke jedes Jahr. Die Wüste Gobi ist lebendig. Berge verschieben sich. Flüsse verschwinden. Der Wind formt den Sand ständig neu. „Mein Track führt mich direkt unter Hunderten von Windkraftanlagen hindurch”, erinnert sich Cody Poskin, „der Tag wurde heiß, Müdigkeit setzte ein. Ich

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wanderte durch die Wüste und folgte kilometerweit einer geraden Linie.“ Entlang der Strecke liegen zwei UNESCO-Welterbestätten. Sie sind leicht zu übersehen, aber ihre Präsenz bleibt bestehen: Xuanquanzhi Posthouse, einst ein Nervenzentrum für Kuriere der Seidenstraße, und Suoyang City, eine riesige Geisterstadt, die im Sand begraben liegt. Brotherhood of the Trail Selbst für Cody Poskin verlief das Rennen vermutlich nicht reibungslos. Als das Ziel bereits in greifbarer Nähe war, stolperte er, kaum noch in der Lage zu sprechen, in eine der letzten Versorgungsstationen. Nach einem kurzen Nickerchen und einer Massage kehrte er auf die Strecke zurück und jagte dem dunklen Horizont hinterher. Er verirrte sich, kämpfte mit den Dünen, überquer-

Selbst für Cody Poskin verlief das Rennen vermutlich nicht reibungslos. Als das Ziel bereits in greifbarer Nähe war, stolperte er, kaum noch in der Lage zu sprechen

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te mitten in der Nacht Bäche. Am letzten Checkpoint belebten ihn Freiwillige mit Essen, Ermutigung und Zuversicht. Er kam nach 64 Stunden, 49 Minuten und 32 Sekunden ins Ziel. Hinter Cody Poskin spielten sich andere Geschichten ab. Jovica Spajić (Serbien) und Aaron Kubala (USA) schlossen sich bei Kilometer 161 zusammen und liefen 240 Kilometer gemeinsam. Sie teilten Essen, Schmerzen und die Navigation – sie waren unzertrennlich. „Als er in Schwierigkeiten war, war ich für ihn da“, sagte Spajić. „Jetzt habe ich einen neuen Bruder.“ Beiden ging es längst nicht mehr um ihre Platzierung. Es stand nicht die Rivalität im Vordergrund, sondern ihr Zusammenhalt. Unter dem Druck von Sange Sherpa auf Platz vier und einem Navigationsfehler in der Endphase des Ultra Gobi 400 trieben die beiden ihre müden Körper bis an ihre Grenzen. Aber sie überquerten gemeinsam die Ziellinie – ein Moment von tiefer Symbolik. So intensiv wie möglich Junyue Zheng aus Chengdu wiederum ist nicht nur eine Elite-Ultraläuferin, sie ist auch Brautkleid-Designerin und Restaurantbesitzerin. Und ja, sie trägt noch schnell Lippenstift auf, bevor sie


FOTOSTORY Gobi Abelone Ultra Lynge

die Ziellinie überquert: „Mit Lippenstift fühle ich mich stärker, kraftvoller, leistungsfähiger.” Die Chinesin war angetreten, um ihren Titel zu verteidigen. Was ihr auch gelang. Und was während ihrer 92-stündigen Reise doch in den Hintergrund getreten ist: „Was den Ultra Gobi so besonders macht, sind die Menschen und die Landschaft, irgendwann habe ich mich nur noch darauf konzentriert, die Erfahrung so intensiv wie möglich aufzusaugen.”

In der Nacht des Mittherbstfestes, während sich die Familien überall in China unter dem Vollmond versammeln, war Junyue Zheng allein in der Wüste, nur vom Mondlicht geleitet. Sie suchte nach Momenten und wurde dabei zur Königin der Wüste Gobi. Zu den herausragenden Finishern dieses Rennens gehört auch Lucy Schodell, die nach einem intensiven Kampf den zweiten Platz belegte. Fünf unerbittliche Tage kämpfte sie gemeinsam mit

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ihrem Freund und Laufkompagnon John William Carey gegen Müdigkeit, Zusammenbrüche und die psychischen Belastungen der Isolation. Sie wechselten sich in der Führung ab, motivierten sich gegenseitig und schafften den Spagat zwischen Tempo und purem Überlebenswillen. Und dann sind da noch die anderen, die stillen Kämpfer. Von 55 Startern und Starterinnen erreichten immerhin 50 das Ziel. Melissa Venabales, die erste

„Was den Ultra Gobi so besonders macht, sind die Menschen und die Landschaft, irgendwann habe ich mich nur noch darauf konzentriert." 13 1/26


FOTOSTORY Gobi Ultra

Der Ultra Gobi 400 verspricht keinen Erfolg. Jedenfalls nicht im Sinne eines UTMB oder des Berlin-Marathons.

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Frau aus Großbritannien überhaupt, die den Ultra Gobi 400 bewältigt hat, fasst es nach dem Rennen so zusammen: „Es sind so viele unterschiedliche Emotionen. Aber am eindrücklichsten ist die Schönheit dieses Rennens, ist die Schönheit der unglaublichen Landschaft.“ Der letzte Läufer, Wang Shouhui, schaffte es in 136 Stunden und 46 Minuten ins Ziel: „Ich verspüre ein leises Gefühl des Verlusts, nicht wegen meines durchwachsenen Ergebnisses, sondern weil ich diesen schönen Ort verlassen muss.“ Über das Warum Warum um die halbe Welt fliegen, um noch einmal 400 Kilometer durch eine Wüste ohne jedwede Wegführung zu laufen? Warum leiden? Weil man manchmal den Komfort hinter sich lassen muss, um zu einer neuen Klarheit zu finden. Man muss dorthin gehen, wo der Wind die Welt formt und die Stille einem zeigt, wer man ist. Man muss sich verirren, um sich daran zu erinnern, was wirklich zählt. Der Ultra Gobi 400 verspricht keinen Erfolg. Jedenfalls nicht im Sinne eines UTMB oder des BerlinMarathons. Er ist ein Spiegel, der von Bergen und Sternen gehalten wird. Was man damit macht, ist die eigentliche Herausforderung. Deshalb kommen sie alle zurück. Nicht um zu gewinnen. Sondern um sich lebendig zu fühlen. Um zu leiden und um gesehen zu werden. Um mit Sand in den Schuhen und Geschichten im Herzen nach Hause zu fahren. Letztendlich geht es nicht um die Zeit oder die Distanz. Es geht um eine Verwandlung. Eine Reise ins Innere einer Wüste wird zu einer Reise ins Innerste von uns selbst.

„Ich verspüre ein leises Gefühl des Verlusts, nicht wegen meines durchwachsenen Ergebnisses, sondern weil ich diesen schönen Ort verlassen muss.“

Weitere Informationen: Wer nun Lust bekommen sollte, auch mal 400 Kilometer durch die Wüste Gobi zu laufen oder sich einfach nur eine toll fotografierte Galerie der diesjährigen Sieger:innen und Platzierten anschauen möchte: www.ultragobiseries.com

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TICKER +++ Remi Bonnet stellt in Fouly einen neuen Weltrekord im Vertical K auf: 27 Minuten und 21 Sekunden

PAUSENUNEINSICHTIG Die Saison kennt keine Winterpause – wir stellen vier Trailrennen im Schnee vor!

Pitz Alpine Snow Trail: Premiere im Kulttal Im März 2026 wagt das Pitztal ein Experiment: Erstmals findet am Hochzeiger ein Trailrun im tiefen Winter statt. Drei Strecken, viele Höhenmeter und ein Kids Run sollen zeigen, ob Schneelaufen mehr kann als nur Nische sein. Das Tal, das sich mit großen Rennen längst einen Namen gemacht hat, probiert damit ein Format, das alpine Härte, Kulisse und Familienprogramm ohne Show verbindet – und den Winterlauf alltagstauglich machen könnte. 7. März 2026 / www.pitztal.com Vertical Up: Die Streif im Umkehrschluss Beim Vertical Up 2026 wird die Streif erneut zu einem brennenden Band aus Stirnlampen. 3,3 Kilometer, 860 Höhenmeter – bergauf, direkt durch die fall line. Jede und jeder kämpft gegen Eis, Steigung und das eigene Limit. Oben, atemlos, blickt man ins Tal und spürt diesen Moment, in dem man Schwerkraft und Zweifel kurz überwindet. 28. Februar 2026 / www.vertical-up.com Swiss Snow Walk & Run: Laufen, wo der Winter lebt Der Swiss Snow Walk & Run kehrt 2026 nach Arosa zurück – mit klarer Luft, Panorama und der besonderen Stimmung des Events. Halbmarathon, 12-km- und 6-kmStrecke führen über anspruchsvolle Schneetrails. Nach einem Jahr voller internationaler Begeisterung freut sich Arosa erneut auf alle, die die perfekt organisierte Winterherausforderung suchen. 10. Januar 2026 / www.snowwalkrun.ch Tarvisio Wintertrail: Elitesport mit Spikes Der Monte-Mangart-Wintertrail kommt 2026 in die Julischen Alpen zurück – rau, eindrucksvoll, direkt. Auf dem Programm: die klassische 20-km-Route, die kompakte 10-km-Distanz und ein kurzer Vertical. Schnee, steile Anstiege und weite Ausblicke machen das Rennen zu einem Erlebnis für alle, die am Berg das Echte suchen. 14./15. März 2026

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TICKER +++ Hannes Namberger bekommt für seinen Sieg beim Mallorca by UTMB 911 Index Punkte

PRO & CONTRA Wer läuft denn da durch Nacht und Wind … es ist der Erlkönig … aber nein, hier geht es um kein Gedicht von Goethe, sondern um die Frage, ob auf den Trails – so wie im Straßenlauf – nur mit offiziell erhältlichen Schuhen gelaufen werden sollte Pro Clemens Niedenthal Was läuft garantiert gut in den sozialmedialen Kanälen? Eine Grafik mit den Schuhen der Topplatzierten, etwa beim UTMB. Dumm nur, wenn da nur eine schwarz eingefärbte Silhouette zu sehen ist: Die Schuhe des Siegers Tom Evans und des Zweitplatzierten Ben Dhiman sowie der zweitplatzierten Frau Camille Bruyas waren nämlich (noch) gar nicht erhältlich Es handelte sich um Prototypen von Asics beziehungsweise Salomon. Unklar zudem, ob besagte Modelle in genau der beim UTMB gelaufenen Spezifikation überhaupt auf den Markt kommen werden. Vielleicht waren es auch auf die persönlichen Bedürfnisse eines Athleten oder einer Athletin abgestimmte Sonderabfertigungen. Im Straßenlauf wäre das unmöglich. Hier gibt es bei allen offiziellen Rennen von den Leichtathletikverbänden abgenickte Regeln. Ein Laufschuh darf eine Mittelsohlendicke von höchstens 36mm haben, er darf höchstens über eine (Carbon-) Platte verfügen. Vor allem muss jeder Läufer und jede Läuferin die Möglichkeit haben, selbst in diesem Schuh zu Laufen. Ich finde das gut – gerade in einem Sport wie dem Trailrunning, wo es zum Glück immer noch passiert, dass ein Amateur oder eine Amateurin plötzlich den Favoriten um die Nase läuft. Mit Schuhen, die sie oder er selbst bezahlt hat. Wenn dem schon so ist, sollte sie sich zumindest jeden Schuh kaufen können. Auch und gerade in den besten. Auch in denen des amtierenden UTMB-Siegers.

Contra Denis Wischniewski Ich meine, es war Hannes Namberger, der neulich auf Mallorca triumphierte – und zwar in einem sagenumwobenen DynafitPrototypen. Das machte mich, zugegeben, neugierig. Ein ziemlich durchschaubarer Teil der Marketingstrategie: Man zeigt der Masse ein Stück vom großen Kuchen, in der Hoffnung, dass sie irgendwann das ganze Blech kaufen möchte. Nur: Selbst wenn ich den geheimen Hannes-Schuh in die Hände bekäme, meine Leistungsfähigkeit bliebe wohl auf dem gewohnt überschaubaren Niveau. Und das ist völlig in Ordnung. Die Elite – diese wenigen Menschen, die tatsächlich vom Laufen leben – darf sich gerne von ihren Ausstattern die neueste HighTech-Wolke an die Füße tackern lassen. Sie rennen schnell, viel und oft unter erheblichem Druck. Warum also sollten sie nicht jede technische Raffinesse ausschöpfen? Von einer ernsthaften Wettbewerbsverzerrung auf den Trails zu sprechen, erscheint mir ohnehin reichlich ambitioniert. Courtney gewinnt vermutlich auch dann, wenn sie barfuß läuft, und Remi hätte seinen neuen Vertical-Weltrekord vermutlich selbst in einem Schuh einer frühen Trailschuh-Epoche aufgestellt. Meistens ist es ja so: Alles, was wir eine Saison lang ehrfürchtig als „Prototyp“ aufspüren, hängt wenig später ganz profan im Handel. Deshalb: Keine neue Regel, bitte. Lassen wir – anders als in der Leichtathletik – möglichst viel offen. Es wird der Weiterentwicklung dieses Sports eher nutzen als schaden.

Kilian Jornet in seinem Schuhkeller (noch zu Salomon-Zeiten). Da waren sicher echte Prototypen dabei.

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NEWS&JOURNAL

TICKER +++ Der MOZART 100 by UTMB zieht 2026 von Salzburg nach Fuschl am See

DENIS’ KOLUMNE

Der März 1994 war einer dieser Monate, die sich weigern, eine Entscheidung zu treffen. Kein Winter mehr, aber auch noch kein Frühling. Die Luft grau, das Licht stumpf, die Stadt gedämpft. In dieser Zwischenzeit lief Johannes Grabowski jeden Nachmittag in das kleine Waldstück bei Bonn. Die Bäume standen wie stumme Zuschauer herum, mit Ästen, die sich in der Kälte zu Krallen verzogen. Johannes sah sie kaum. Er lief, weil er sonst stehen geblieben wäre, und stehen bleiben war das Einzige, was er gerade nicht mehr konnte. Der Hang, den er sich ausgesucht hatte, war weder besonders hoch noch besonders schön. Er war einfach da. Eine unbequeme Steigung, die seinen Atem jedes Mal zerschnitt. Oben hatte man diesen Blick über den Rhein, eine große, schweigende Fläche. Ein bisschen bis Bonn, ein bisschen Bundesgästehaus, ein bisschen Landschaft, die so tat, als könne sie einen trösten. Johannes starrte jedes Mal kurz in die Weite, suchte etwas dort draußen, das er nicht benennen konnte, und fand nichts. Er trug alte Wanderstiefel und eine graue Jogginghose, die mal zu ihm gehört hatte, als er noch jemand gewesen war, der sich auf Klassenfahrten freute. Ein schief hängender Gummibund, eine Erinnerung an ein Leben, das nicht mehr passte. Bergab rannte er, als wäre er vor etwas auf der Flucht, bergauf stemmte er sich gegen die Schwerkraft, als wollte er der Welt beweisen, dass er noch existierte. Diese Anstrengung war der einzige Moment des Tages, in dem sein Kopf nicht lauter war als alles andere. Vier Monate war er wieder in Deutschland. Vier Monate, in denen sein Leben ihn nicht zurücknahm. Die Ärztin, die seinen Rücken behandelt hatte – eine Frau mit der Ruhe eines Menschen, der schon längst akzeptiert hat, dass man nicht alles reparieren kann –, hatte es vorsichtig ausgesprochen: Der Rücken würde heilen. Aber das Gehirn, das könne anders sein. Vielleicht für immer. Johannes hatte genickt, aber das Gefühl gehabt, sie rede über jemanden, der zufällig denselben Namen trug. Er lebte mit seiner Freundin in einer Einliegerwohnung. Ihre Eltern waren freundlich, kultiviert, bemüht. Beide Lehrer. Weltverbesserer im Kleinen. Sie mochten Johannes, aber immer schwang da etwas mit, das er nicht greifen konnte: eine Mischung aus Fürsorge und Misstrauen, als sähen sie in ihm eine Maschine, die jeden Moment wieder anspringen und zerstören könnte, was sie „Normalität“ nannten. Sie verstanden nicht, warum er sich freiwillig gemeldet hatte. Warum jemand, der Geld hatte, Sicherheit und Optionen, ausgerechnet Krieg suchte. Er hatte keine Antwort darauf. Außer vielleicht, dass niemand versteht, was in einem jungen Mann passiert, der zu früh gelernt hat, dass Menschen verschwinden. Dass Eltern sterben. Dass Herkunft nicht schützt.

Vielleicht war der Krieg nur der nächste Raum, in dem das, was in ihm war, nicht aufgefallen wäre. Tagsüber funktionierte er. Meistens. Er saß am Frühstückstisch, hörte zu, nickte, griff manchmal nach einer Tasse, um ihr Gewicht zu spüren. Aber in seinem Kopf gab es Türen, die sich irgendwann selbst öffneten. Geräusche, die nur er hörte. Bilder, die sich ihm aufdrängten, egal ob jemand gerade über Politik sprach oder ob der Hund der Familie sich schüttelte und sein Halsband klirrte. Dann war Johannes plötzlich wieder dort: an Orten, die wie verbranntes Metall rochen, an Tagen, die niemand überlebt hatte. Er sah die Dinge wieder, so klar, dass ihm schwindlig wurde. Er sah Menschen, die nicht mehr da waren. Er schwieg viel. Er schwieg so sehr, dass seine Freundin manchmal vergaß, welche Stimme er hatte. Und wenn er weinte, tat er es still, als müsse er sich selbst dabei nicht stören. Tränen, die einfach liefen, ohne große Bewegungen. Das Gesicht still, die Schultern still, nur die Augen, die irgendwann überliefen, weil der Druck zu groß wurde. Die Läufe waren sein Ventil. Nicht, weil sie halfen – das taten sie selten –, sondern weil sie ihn für kurze, winzige Momente ins Jetzt zwangen. Der Körper kann nur eine bestimmte Menge Schmerz gleichzeitig tragen. Wenn die Lunge brennt, merkt man weniger, was im Kopf passiert. Das war ein Tauschgeschäft, mehr nicht. Manchmal, nachdem er oben angekommen war und der Wind ihm ins Gesicht schlug, hatte er diesen Sekundenbruchteil, in dem sich die Welt wieder scharf stellte. In dem der Rhein normal aussah, die Bäume normal rochen, sein Leben normal wirkte. Es dauerte selten länger als einen Atemzug. Aber es war genug, um am nächsten Tag wieder hinaufzulaufen. Und noch einen Tag. Und noch einen. Johannes lief, weil er glaubte, dass es irgendwo da draußen einen Moment geben musste, der ihn wieder ganz machte. Vielleicht oben auf einem Hügel, vielleicht mitten auf einem Waldweg, vielleicht in einem einzigen, tiefen Atemzug, in dem der Krieg keine Zähne mehr hatte. Bisher hatte er ihn nicht gefunden. Aber er lief weiter. Den Hang hinauf. Und wieder hinab. Als würde am Ende dieses Weges eine Antwort warten, die nur ihm bestimmt war.

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TICKER +++ SOLD OUT: Trailrunning-Camp mit Flo Neuschwander & Denis Wischniewski im Mai 2026 in Leogang

WAS MEIN LAUFEN REICHER MACHT... Wir haben unsere Community gefragt, was diese kleinen Momente beim Trailrunning sind, die es immer wieder zu etwas Besonderem machen ... Cornelia T.

Josef K.

Andy M.

Mary S.

Frederik K.

aus Regensburg

aus Magstadt

aus Leipzig

aus Freiburg

aus Graz

Mein erster Lauf nach über drei Monaten Verletzung. Die Sonne geht hinter unserem Haus auf, ein Storch fliegt oben am Himmel. Ja, es muss ein Storch sein. Nach 15 Minuten stelle ich fest – mein Knie tut nicht weh. Alles gut. Was will man mehr?

Ich war beruflich in Berlin und war überrascht, wie grün diese Stadt ist. Ich fuhr mit der S-Bahn hinaus in den Grunewald. Die Fahrt war fast genauso spannend wie der Trailrun: Ich saß neben einer Frau mit Papagei auf der Schulter, erlebte eine Verfolgungsjagd zwischen Leuten, die sich nicht sehr mochten, und entdeckte einen Filmschauspieler, dessen Name mir nicht einfallen wollte.

Mit meiner Familie schlendere ich durch ein bekanntes Möbelhaus mit gelbem Schriftzug. Wir hängen bei der Bettwäsche fest. Ein Mann in meinem Alter, etwas größer, etwas schlanker, spricht mich freundlich an: „Hey, du bist ein Trailrunner. Ich auch. Geilo.“ Das würde stimmen, aber wie er darauf kommt? „Die Schuhe. Die Schuhe.“

NovemberSchmuddelwetter. Ich entscheide mich für einen kurzen, aber intensiven Lauf. Kein Trail, einfach mitten durch die Stadt. Eine rote Ampel stoppt mich. Mist. Ich warte. Ich entdecke einen Aufkleber am Stromkasten: „Nett hier, aber waren Sie schon mal auf der Zugspitze?“ Ich erinnere mich, ein Film läuft in Sekunden ab.

Nach einem langen Samstag-Nachmittag Trailrun unter der Dusche: Während das heiße Wasser auf mich niederprasselt einen eiskalten Luftzug durch das offene Dachfenster zu spüren.

Der beste Skibergsteiger ist auch Weltrekordhalter in einer Trailrunning-Disziplin: Remi Bonnet ist der schnellste Mensch auf dem vertikalen Kilometer!

Remi macht da nicht mit Rémi Bonnet, einer der dominierenden Skibergsteiger des vergangenen Winters, wird im Februar nicht bei den Olympischen Spielen in Cortina d’Ampezzo starten. Der Schweizer verzichtet freiwillig – ein Schritt, der selbst in einer Sportart, die an Entsagung gewöhnt ist, überrascht. Bonnet begründet ihn nüchtern: Die olympischen Formate hätten mit seinem Verständnis des Sports wenig zu tun. Er bevorzugt lange, anspruchsvolle Aufstiege, Rennen, die im Hochgebirge beginnen und dort enden, wo die Luft dünn wird und Entscheidungen nicht im Sekunden-, sondern im Minutenbereich fallen. Olympia aber setzt auf Sprint und Mixed Relay, kurze, verdichtete Abläufe in künstlich angelegten Parcours. Es sind Formate, die medienfreundlich wirken sollen, aber die Essenz der Disziplin nur streifen. Für Bonnet wäre die Vorbereitung ein Akt der Selbstverleugnung gewesen: andere Trainingsreize, andere Prioritäten, ein anderes Gewicht. Er entscheidet sich dagegen – und damit für die Berge, wie er sie versteht. Sein Verzicht ist mehr als eine persönliche Wahl. Er markiert den Konflikt zwischen einem jungen, puristischen Sport und den Anforderungen eines globalen Spektakels.

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TICKER +++ THE NORTH FACE wird neuer Titelsponsor des Großglockner Ultratrails

501 VS. 005, EIN SUBJEKTIVER LANGZEITTEST. 149,95 Euro 6 mm Sprengung 316 Gramm (42)

Tom Wagner wurde mit Flo Grasel Zweiter beim PTL und hat für uns den NORDA 005 getestet – etwas länger als sonst!

Jeans brauchen eine Eingewöhnungsphase, um geschmeidig zu werden. Dann, wenn sie wirklich wie eine zweite Haut sind, sind sie bald kaputt. Das kennt man. So ist es doch auch mit Traillaufschuhen, oder? Ich trage keine Levis 501, aber generell gern Jeans. Neuerdings trage ich auch den Norda 005. Nordas Supershoe, der ohne Platte auskommt und trotzdem einer ist. Superleicht und genial. Genial unscheinbar. Genial schlicht. Einfach. Gut. Ein (1.) unzerstörbares Obermaterial (Dyneema Mesh), dann (2.) hundert Prozent TPEE-Schaum und (3.) eine Vibram-Mega-GripElite-Sohle. Stoff vom Feinsten also. Aber dennoch alles ganz schlicht: eine normale Schnürung über eine knappe und superdünne Lasche, die einfach funktioniert. Eine unscheinbare Ferse und eben einen – für meine Füße – genial breiten Vorfußbereich. Nicht Salomon oder NNormal, sondern schon fast Altra. Das für mich beeindruckendste Detail dieses 005er ist dieser TPEE-Schaum. Nachdem man die optimale Schnürung gefunden hat (nicht zu fest, nicht zu locker, die goldene Mitte eben), ist es ein pures Vergnügen, diese Teile über egal was zu jagen. Vom Straßenmarathon über den steinigen Lavaredo bis hin zum diesjährigen Schneematsch(Suffer)-Fest beim UTMB hat der Schuh heuer alles mitmachen dürfen. Vor allem aber: Er hat es bravourös geschafft. Dazu noch jede Menge 5AMClub-Trainingsläufe. Womit wir beim eigentlichen Thema angekommen wären: der Norda 005 im Langzeittest. So was ist subjektiv, aber nur zum Teil. Der 005 begleitet mich – um den Vergleich mit den Jeans zu bemühen – nun schon für etwa tausend Kilometer mit diesem feinen, angenehmen und bequemen Gefühl. Bis auf die schwindende Stollentiefe sieht man dem Schuh nichts an. Okay, die Außenwand des TPEE hat Kratzer und der Schuh ist nicht mehr so silbergrau wie zu Beginn, eher sturmgrau an einigen Stellen. Aber das war es dann auch schon. Keine kaputte Jeans in Sicht; nein, definitiv in weiter Ferne. Das Obermaterial hält vermutlich noch einmal 2000 Kilometer. Und was für immer bleibt, ist ein Laufgefühl, das einfach passt. Ein perfekter Bounce. Für lange, lange Zeit. Bei meinem Paar jedenfalls scheint da kein Ende in Sicht. Ich glaube, ich versuche, da nun eine neue Vibram-Sohle raufzubekommen, und dann ist auch klar, was im Wintergatsch und -matsch gelaufen wird: der Nord 005, sicher aber ohne eine Levis 501. Ein zweiter Dauertest folgt dann irgendwann im Spätsommer 2026. Ach ja, der Schuh ist teuer, wirklich. Aber man bekommt auch wirklich viel dafür. Für lange, lange Zeit und viele, viele Hunderte spaßige Kilometer. Kauftipp. Styletipp. Und ja, der macht sich auch zu Jeans sehr gut; aber dafür ist er mir dann doch wieder zu schade. Der gehört auf die Trails, so wie wir. Tom Wagner

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RAUS AUS DER STADT

Die 6. Night Of The Trail feiert den Sport erstmals in GarmischPartenkirchen und wechselt dorthin wo es bebt und lebt. Das Jahrestreffen der deutschsprachigen Trailrunning-Szene hat vier Buchstaben: NOFT. Die sechste NIGHT OF THE TRAIL verlässt am 20. und 21. Februar 2026 erstmals München und zieht nach Garmisch-Partenkirchen – ein Ortswechsel, der zunächst überrascht und dann vollkommen logisch wirkt. Denn die Stadt unter der Zugspitze ist längst mehr als Postkartenkulisse: Sie ist Trainingsrevier, Treffpunkt und Mythos. Hier findet der ZUT statt, hier lebt eine Community, die auf jedem Forstweg einen Singletrail entdeckt. Das Programm dieser besonderen Ausgabe bleibt nah an den Wurzeln und öffnet dennoch ein paar neue Türen. Herzstück des Abends sind wie immer die TRAIL-AWARDS, deren Siegerinnen durch die große Leserinnen-Umfrage bestimmt werden. Am Freitag zeigt sich live, wer sich „Trailrunner des Jahres“ nennen darf, welcher Newcomer die Bühne erobert und welche Marken 2026 den Nerv der Szene treffen. Es sind sechs Kategorien und sechs Augenblicke, in denen der Saal kurz den Atem anhält, bevor Jubel durch die Reihen geht. Bereits am Nachmittag lockt die EXPO: eine Vorschau auf die wichtigsten Produkte des kommenden Jahres – oft Mona-

te, bevor sie die Regale erreichen. Zwischen Ständen mischen sich Workshops, Lesungen und spontane Laufrunden; ein Ort, an dem man ebenso gut schlendern wie fachsimpeln kann. Nichts muss, alles kann. Wer will, verliert sich in Gesprächen mit Athletinnen und Athleten, die man sonst nur aus Portraits, Rennberichten oder einer Instagram-Story kennt. Und weil Trailrunning auch aus Erholung, Rhythmus und Respekt vor dem nächsten Tag besteht, verzichtet die NOFT bewusst auf eine ausufernde After-Awards-Party. Denn am Samstagmorgen steht der CommunityRun auf dem Plan – zwei Distanzen, begleitet von lokalen Heldinnen und Helden, die genau wissen, auf welchem Pfad das Licht zuerst über die Berge kippt. Ein Lauf, der weniger Event ist als eine stille Verabredung: gemeinsam in die neue Saison starten, Schritt für Schritt. Das vollständige, laufend aktualisierte Programm findet sich auf trail-magazin.de.Der Ticketverkauf läuft – 49,90 Euro für freien Eintritt, sämtliche Workshops, ein Abendbuffet und ein Bühnenprogramm, das deutlich mehr bietet, als vier Buchstaben versprechen.

AUFS OHR Wir laufen zu 99% ohne Musik und doch gehört gute Musik für uns zum Trailrunning. Kulturübergreifend. SAM FENDER People watching People Watching zeigt Sam Fender als präzisen Beobachter seiner nordenglischen Herkunft, der alltägliche Melancholie in klar gebautem, unaufgeregtem Indie-Rock verdichtet. Ein Album das lange nachhallen wird. KID KAPICHI There goes the neighbourhood There goes the neighbourhood von Kid Kapichi ist ein straffes, wütendes Album, das soziale Spannungen und Alltagsfrust in kantigen, direkt formulierten Post-Punk verdichtet. Zwischen Sleaford Mods, The Streets und einem Royal Blood-Erbe. HAYWIRE 617 Shirts vs. Skins ein fokusierter Schnappschuss aus Bostons Straßen: direkter, ungeschönter Hardcore, der Alltagsfrust und Lokalkolorit in kurze, scharfkantige Songs presst. Das ist moderner Hardcore mit eingängigen und dennoch harten Melodien. Machen da weiter wo Slapshot aufgehört hatten.

Wieso man ... einmal im Leben ... DIE HARZQUERUNG laufen muss. Innerhalb der vielen Diskussionen, ob nun grosse Events, der UTMB, der ZUT, der LUT noch den Esprit des ursprümglichen Trailrunnings transportieren, sei am Rande erwähnt, dass ein Ursprung eben jene Harzquerung ist. Seit 1980 vom Skiklub Wernigerode 1911 e.V. veranstaltet ist dieses Rennen bis heute eine herzliche und herzlich unaufgeregte Sache. Das Bier, die Wurst im Ziel, neue Freunde, alte Bekannte. Die Nachfrage ist jedoch auch hier sehr hoch. Ausgebucht! In nur 15 Tagen waren alle 1300 Startplätze vergeben.

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NEWS&JOURNAL

TICKER +++ Jeff Mogavero gewinnt den UTCT (Ultratrail Capetown) nur knapp vor Dmitry Mityaev

Nach oben offen Sternenpark dürfen sich in Deutschland Orte und Regionen nennen, an denen man aufgrund fehlender Luft- und Lichtverschmutzung einen freien Blick in den Nachthimmel hat. So wie auf der Wasserkuppe in der hessischen Rhön.

Ich seh' den Sternenhimmel Der Sternführer von Markus Westmoquette ist doppelt toll. Zum einen enthält er Lochkarten der wichtigsten Sternbilder, die man so per Taschen- oder Stirnlampe an eine Wand projizieren kann. Zum anderen ein Büchlein, das uns das Firmament ziemlich logisch erklärt. Im Buchhandel für 14,95 Euro.

Klare (Zeit-)Ansage

Die ehedem coolste Uhr dieses Planeten ist nun auch schon 42 Jahre alt. Noch cooler als eine Swatch sind die regelmäßig aufgelegten transparenten Modelle, die Clearly Gent etwa. Für 85 Euro liegt sie unter dem Weihnachtsbaum. www.swatch.com

Der Brühe wert

Bone Broth, klare Knochenbrühe also, sei gut für die Haut, das Immunsystem, die Knochen und Gelenke. Als Basis für eine gute Sauce sowieso. Diese hier kommt von einer kleinen Bio-Manufaktur in Thüringen, und ihr Inhaber Jörg Kinski trinkt jeden Morgen selbst eine kleine Tasse davon. www.j-kinski.de

Transparenzoffensive Der Verein Lobby Control sorgt sich um unsere Demokratie. Und recherchiert zu Lobbynetzwerken und problematischer Politikfinanzierung in Deutschland. Eine gute und wichtige Sache, für die es sich – es ist ja schließlich Weihnachten – zu spenden lohnt. www.lobbycontrol.de 5/2023 22 1/26 22


TICKER +++ Der Salomon Zugspitz Ultratrail ist ab 2026 ein Teil der by UTMB Serie

Ginsuche

Was den Briten der Gin ist, ist dem deutschen Spirituosenhandwerk der Doppelwacholder. Ein besonders guter – fein, floral und frisch – kommt von der Brennerlegende Gerhard Liebl aus Bad Kötzting und dem Berliner Freimeisterkollektiv. Macht sich auch gut als Doppelwacholder-Tonic. www.freimeisterkollektiv.de

NA KLAR!

Auch wir können nicht in die Glaskugel schauen, um zu wissen, was die Zukunft bringt. Aber wir wissen, irgendwann klärt sich die Sicht. Und es lohnt ja immer, genauer hinzuschauen, etwa in einen wolkenlosen Nachthimmel. Eine bunte Seite auf der Suche nach mehr Transparenz.

Ich sehe was, das du nicht siehst

Und zwar dank des Canon 10x30 IS II. Dieses Fernglas ist dank seines elektronischen Bildstabilisators ideal, um alles zu beobachten, was sich bewegt. Also Steinböcke, Steinadler oder die Läufer:innen eines Skyraces dort hinten auf dem Grat. Mit rund 440 Euro (Straßenpreis) ist es vielleicht nicht günstig, aber eine Anschaffung fürs Leben. www.canon.de

Kaltes klares Wasser

Die Thermosflaschen von Brita Larq sind nicht nur selbstreinigend. Sie behandeln auch hineingefüllte Flüssigkeiten mit Aktivkohle, ideal etwa, wenn man unterwegs nicht nur kristallklares Quellwasser findet. Der Filter reduziert PFAS, Chlor und unerwünschte Rückstände wie Pestizide, Herbizide und Hormone. Ab circa 50 Euro. www.brita.de

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DIESER

KILIAN

REPORT Kilian Jornet

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Text: Tom Stetter Fotos: Nick Danielson, Andy Cochrane

Kilian Jornet bricht Grenzen, von denen wir nicht einmal wagten zu träumen – und schenkt uns in einer lärmenden Welt das seltenste Gefühl überhaupt: Freiheit. Sein neues Projekt an der US-Westküste zeigt nicht nur Übermenschliches, sondern eine stille Botschaft, die größer ist als jeder Gipfel.

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MOMENTE REPORT UTMB Kilian Dieser JornetAusgabe

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Lief lange auf einem Podiumsplatz: Ida-Sophie Hegemann musste den TDS aufgrund einer Verletzung vorzeitig beenden.

Was wie ein Lebensprojekt klingt, waren für Kilian lediglich 31 Tage Arbeit. Laut seiner Aussage war er nach den ersten 20 Stunden nicht sicher, ob er diese Reise zu Ende bringen würde. Sein Körper fing aber zum Glück zügig an, sich an die Strapazen zu gewöhnen.

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Es ist nicht einfach, ein Mensch zu sein, der die Grenzen vorgibt. Fast unmöglich erscheint es in der heutigen Zeit, Grenzen frei von Neid und Eitelkeiten aufzuzeigen und diese in völliger Stille und mit einer stoischen Unaufgeregtheit zu durchbrechen. Eine schier unlösbare Aufgabe muss es sein, neue Superlative und Extreme zu finden, die noch nie ein Mensch gewagt hat, zu denken, geschweige denn zu träumen. Frei von jeglichem Krach und Wirbel um die eigene Person schenkte uns Kilian Jornet Burgada auch im Jahr 2026 ein Gefühl, das sehr rar geworden ist. Das Gefühl von Freiheit. Niemand kann sich vorstellen, wie sich Kilian gefühlt hat, als er im vergangenen Jahr alle 4000er der Alpen erobert hat. Keiner von uns war bei diesem Projekt dabei und doch fühlten sich alle, die ihm auf seinen sozialen Kanälen folgten, als ein Teil dieser irren Jornet-Show. Wir staunten nicht schlecht, als die Zahlen am Ende schwarz auf weiß zu lesen waren. 82 Gipfel, die 4000 Meter oder mehr in den Himmel ragen. Allein der technische Anspruch jedes einzelnen Berges hätte die meisten von uns in die Knie gezwungen. Nicht aber Kilian. Er sucht weiter nach seinem Endgegner und entführt uns ein Jahr nach den „Alpine Connections“ an die Westküste der Vereinigten Staaten. Die „States of Elevations“ befähigen Kilian nun endgültig, das Prädikat „Unerreichbar“ zu tragen. Kraft seiner Hände und Beine bekam das Wort „Ausdauersport“ eine nie dagewesene Qualität und Quantität. Zu Fuß und auf dem Rad ließ Kilian uns alle tagtäglich an seinem Weg durch den Wilden Westen teilhaben. Colorado, Utah, Arizona, Nevada, Kalifornien, Oregon und Washington. Der Spanier bestieg 72 +4000er. Er lief über 1000 Kilometer, radelte 4133 Kilometer und absolvierte dabei 123 045 teils waghalsige Höhenmeter. Was wie ein Lebensprojekt klingt, waren für Kilian lediglich 31 Tage Arbeit. Laut seiner Aussage war er nach den ersten 20 Stunden nicht sicher, ob er diese Reise zu Ende bringen würde. Sein Körper fing aber zum Glück zügig an, sich an die Strapazen zu gewöhnen. Allein in Colorado standen 56 Gipfel mit +4000 Metern auf dem Programm. Als Shakeout ging es 1400 Kilometer mit


MOMENTE REPORT KilianDieser JornetAusgabe

dem Bike durch die Wüste, Richtung Kalifornien. Was am Ende bleibt, ist ein Geschenk für die Ewigkeit. Ein Geschenk an jeden von uns. Etwas in einer Größe, in der es für alle Platz gibt, um sich dort wiederzufinden. Lange war ich mir selber nicht ganz sicher, ob all das, was Kilian so treibt, vielleicht nur dezent überdimensionierte NoNormal-Marketingkampagnen sind. Diesen Gedanken darf man aber getrost verwerfen. Ja! Es geht um Geld und Aufmerksamkeit. Seien wir aber doch mal ehrlich. Ohne ökonomischen Erfolg, ohne Reichweite und ohne diese wahnsinnigen Leistungen, die hinter der Marke Kilian Jornet stecken, wäre es nicht möglich, etwas zu bewirken. Ich würde mich sogar festlegen. Es geht nur um eine wertvolle Botschaft: „Wir alle haben nur diesen einen Planeten.“ Es war wohl nie die Suche nach einem Endgegner oder irgendwelchen Grenzen. Es ist ein klares Commitment an Mutter Erde.

Wenn Prominenz andere Prominenz begleitet und versorgt: Dakota Jones (rechts) war auf einem Abschnitt dabei.

KILIAN in Zahlen & Fakten. Über Wochen hinweg sammelte Kilian Zahlen, die wie aus einer anderen Welt wirken. 5.145 Kilometer legte er insgesamt zurück, mehr als die Strecke von Europa nach Zentralasien. 488 Stunden war er in Bewegung, über 123.000 Höhenmeter ging es hinauf – mehr als dreizehnmal vom Meer bis zum Gipfel des Everest. Ein Fünftel davon lief er zu Fuß: 1.011 Kilometer, getragen von 81.620 Höhenmetern, die seine Beine brennen ließen. Den Rest bewältigte er auf dem Rad, weitere 4.133 Kilometer, ein eigener Kontinent aus Zeit und Schweiß. 72 „Fourteeners“ bestieg er, Berge über 4.200 Meter, die meisten Menschen nur aus Erzählungen kennen.

Tagen auf 29. Der Ruhepuls stieg von 43 auf 54 Schläge pro Minute – immer noch erstaunlich niedrig, aber spürbar geprägt von der Dauerbelastung. Schlaf? Sechs Stunden im Schnitt, an fünf Tagen gar keiner. Recovery Score? Oft nur sieben Prozent, siebzehnmal sogar null – und er lief trotzdem weiter.

Sein Körper reagierte wie eine präzise, überlastete Maschine: Die Herzratenvariabilität sank von 50 auf durchschnittlich 37 Millisekunden, an den härtesten

Am Ende bleibt weniger die Statistik als eine Erkenntnis: Diese Leistung sprengt jede Vorstellung davon, was ein Mensch aushalten kann.

Der beeindruckendste Abschnitt: ein einziger, ununterbrochener Lauf über 163 Kilometer, für den er 56 Stunden benötigte. Ein Herzschlagdurchschnitt von 107, ein Tempo von 15:41 Minuten pro Kilometer – langsam vielleicht, aber unaufhaltsam.

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trailHAUNTED

YOUTH www.thywear.com


REISE Campervanlife

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Text & Fotos: Denis Wischniewski

LEBEN Camping begleitet mich,

seit ich denken kann. Damals, als es Jugoslawien noch gab – bevor dieser Krieg kam, über den bis heute erstaunlich wenig gesprochen wird. Jeden Sommer fuhren wir an denselben Ort, auf dieselbe kroatische Insel, als würde dort jemand unsere Kindheit für uns aufbewahren. Es war wie ein zweites Leben: heiß, laut, staubig, nach Meer und Sonnencreme riechend. Alles spielte sich draußen

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REISE campervanlife

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Alles ist im Kreislauf: der Tag g e h t einfach d a h i n , o h n e Ärger, ohne Müssen ...

ab. Das Geld reichte, das Eis war billig und ich durfte so viel davon essen, wie ich wollte. Wenn es regnete, krochen wir in unser Zelt, das sich beim Aufbau fast so anfühlte wie der Rohbau eines Hauses. Nach den Ferien erzählten andere Kinder von Hotels und Buffets und ihrem ersten Flug. Ich wusste nicht, was ich mit solchen Geschichten anfangen sollte – und wollte es auch nicht. Für mich gab es nichts Schöneres als diesen Campingplatz mit dem kleinen Supermarkt, dem Fischrestaurant im Hafen und den nackten Leuten auf dem FKK-Felsen. Freiheit roch damals nach Algen, Grillrauch und dem warmen Plastik von Luftmatratzen. Es waren die späten Siebziger. Eine stille Welt, die irgendwann einfach verschwand. Meine Eltern hatten irgendwann andere Pläne. Keine Lust, keine Zeit. Hotels statt Zeltstangen. Jahrzehnte später dann die Rückkehr: ein echtes Wohnmobil, mit allem Komfort. Meine Mutter sagte: „Ich brauche im Urlaub ein anständiges Bett.“ Das war nicht überheblich gemeint. Nur ehrlich. Ich selbst campte auf Festivals. Im Fiat Panda, mit Einweggrill und Dosenbier. Die frische Luft war dabei das Gesündeste. Später kam das Trailrunning. Ich wollte dort schlafen, wo ich morgens laufen konnte – der Traum, direkt aus dem Bett auf den Trail zu treten. In München unmöglich. Also kaufte ich mir einen Camper. Eine ältere Dame in der Nachbarschaft nannte ihn „das hässliche, schwarze Monster“. Für mich war er das Gegenteil: eine rollende Wohnung. Küche, Bett, Standheizung. Ich fuhr freitagabends los, stellte mich auf einen Wanderparkplatz und stand samstags als Erster auf dem Gipfel. Das Monster war kaum länger als ein Kombi, aber es veränderte mein Leben. Der beste Kauf meines Lebens. Ein Luxus, ja – aber einer, der sich richtig anfühlte. In neun Jahren fuhr ich fast 300 000 Kilometer. Ich war mir bewusst, was für ein Privileg das war. Ich rollte durchs Land, lief hier und dort, traf fremde Menschen zum Laufen in Mittelgebirgen, deren Namen ich vorab googeln musste. Ich übernachtete

am Trail, direkt am Waldrand, auf Parkplätzen, die nur in Wanderführern existierten. Trailrunning, Wohnmobil, Reisen – das war eine enge Gleichung. Ein zweites Leben im Leben. Ich war ein Camper. Aber keiner von denen, die alles perfekt können. Mein Wagen stand oft schief, die Gasflasche war leer und meistens suchte ich doch eine Pizzeria. Manchmal parkte ich sogar vor einem Hotel. Ein Camper auf 85 Prozent. Vielleicht sogar nur auf 80. Dann kamen die letzten Flüge. Und sie fühlten sich nicht mehr gut an. Flughäfen machen mich nervös: dieses Warten, dieses Gedränge, diese Kontrollen. Mein Onkel war in den Sechzigern Geschäftsmann und flog um die Welt – damals hatte das noch etwas Aristokratisches. Heute ist es banal. Jeder fliegt. Jeder glaubt, irgendwohin zu müssen. Vielleicht habe ich wegen dieser Beliebigkeit das Camping nie aufgegeben. Weil es das Gegenteil ist: kein Sicherheitscheck, keine Anzeigetafel, keine Klimaanlage, die nach Flugzeug riecht. Nur ich, ein kleiner Platz, ein offenes Fenster, Meer oder Berge, ein bisschen

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REISE Campervanlife fünften Mal. Weil es perfekt ist. Im Oktober öffnet die Insel ein Tor zur Ruhe. Der große Trubel ist vorbei, die Strände dünn besiedelt, das Licht ein spätsommerliches Versprechen. Die Tage sind lang genug, die Mittage warm. Wenn man mich nach den schönsten Momenten meines Lebens fragen würde – viele liegen irgendwo in diesen Sardinien-Urlauben. Auch diesmal funktioniert alles wieder genauso: Wir haben einen 5,95-Meter-Camper. Wir fahren, wir halten, wir bleiben. Vom Bett aus blicken wir aufs Meer. Wir kochen, lesen, trinken literweise Kaffee. Ich laufe im Bergland, das sich bis an die Küste schmiegt. Wir fühlen uns frei. Wir lernen andere Camper:innen kennen, erzählen uns Lebensgeschichten und staunen über die eigene Offenheit. Vielleicht ist das die Magie des mobilen Wohnens: Man hat wenig Platz, aber viel Raum. Ich laufe vom Klappstuhl aus in die Berge. Fünf kleine Gipfel verbinde ich miteinander, wie Kinder Punkte verbinden. Es ist heißer als gedacht: 27 Grad. Zu Hause 5 Grad und Regen. Ich habe zu wenig Wasser, komme dehydriert zurück, ziehe mich aus und laufe nackt ins Meer. Kein Mensch da. Die Sonne trocknet, das Salz bleibt. Es ist nicht zu warm, nicht zu kalt, nicht zu laut, nicht zu still. Es ist die perfekte Zeit. Ein Jahr fällt von mir ab. Wir schlafen früh ein, mit dem letzten Licht um 19 Uhr. Wir sind im Takt.

Schmutz. Und das Gefühl, dass alles wieder einfach sein darf. Die Pause Dann machten wir eine Campingpause. Ein Fehler. Meine Frau und ich glaubten, wir seien rausgewachsen. Glaubten, all das auch von Hotels oder Ferienwohnungen aus erleben zu können. Ein Irrtum, der sich teuer anfühlte. Vier Jahre flogen wir, frühstückten uns durch irrwitzige Buffets, staunten über Kaffeevollautomaten mit Auswahlschaltern, die klingen wie Softwareupdates. Und ich dachte dabei oft an die kleine French Press auf einem wackeligen Klapptisch, der auf ein Meer oder einen Berggipfel blickt. Kurzum: Wir kauften wieder einen Camper. Um es wirtschaftlich zu tarnen, sagte ich: „Das ist eine Investition in die Rente.“ Meine Frau lachte und meinte: „Welche Rente? Du bist selbstständig und hyperaktiv.“ Damit war auch das geklärt.

Die kleinen Regeln In diesem Urlaub merken wir, wie routiniert wir geworden sind. Vielleicht sind wir doch Camper-Profis – oder zumindest Profis im Erkennen unserer eigenen Schwächen. Wir wissen: Ordnung ist alles. Ohne Akribie wird der Camper zum Schlachtfeld. Jedes Teil braucht seinen Platz. Der wichtigste Platz gehört dem Schlüssel. Punkt. Regel Nummer eins. Die Stirnlampe folgt als Nummer zwei. Ein Stellplatz muss überlegt gewählt werden: zu viel Sonne, zu viel Schatten, zu nah am Wasser (Moskitos sind Natur mit Zähnen). Und alles, was man von zu Hause kennt, multipliziert sich im Cam-

Wieder Sardinien Wohin im Oktober? Atlantik? Wunderschön, aber stürmisch. „Baden“ wäre dann nur noch ein theoretisches Konzept. Also: Sardinien. Wieder einmal. Zum

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Das lustige Campervan-Lexikon Aufbauen Am Anfang steht

immer der gute Vorsatz, „in Ruhe aufzubauen“. Ein schöner Gedanke, der ungefähr so realistisch ist wie ein leerer italienischer Strand im August. Wer nachts ankommt, sollte nur das Nötigste tun: Füße vertreten, Bier öffnen, kurz so tun, als hätte man sein Leben im Griff – den Rest erledigt der Morgen. Der kennt sowieso keine Gnade.

per: Abspülen sofort, Sportklamotten sofort trocknen, Chaos sofort bekämpfen. Vielleicht ist das, was Camping wirklich lehrt, sehr einfach: Alles wird enger – das Chaos wie auch das Glück. Das Fazit: Es ist gut, dass wir zurück sind. Zurück als Camper, zurück in einem Leben, das für uns das pure Glück ist. Trailrunning bedeutet für mich eben auch: mit diesem Mobil unterwegs zu sein, wenig planen zu müssen, der Sonne zu folgen, etwas abzubrechen, wenn es nicht passt, und weiterzufahren und immer so nah am Trail zu parken, dass wir zusammengehören. Für die kommenden sechs Jahre sind wir und das weiße Monster unzertrennbar. Dafür sorgt ja auch eine smarte Finanzierung, die man besser nicht unterbricht. Sich mit Geldhäusern anzulegen, könnte die große Freiheit doch nur unnötig eindämmen. Zur Not kündigen wir die Wohnung, Netflix, Prime, das Jahresabo der Hörzu und die Berufsunfähigkeitsversicherung, die im Zweifel eh nicht zahlt.

Stellplatz Ob wilder Spot

im Nirgendwo oder der Premium-Betonplatz für 28,50 Euro die Nacht – die Frage bleibt: Wo steht die Sonne und wem versperre ich jetzt gerade alles? Nichts ist demütigender, als mit verschlafenen Augen das frisch errichtete Mini-Imperium wieder einzureißen, nur weil man eine Feuerwehrzufahrt blockiert. Oder den Blick eines Ehepaares, das„ seit 32 Jahren genau HIER steht“.

Grauwassertank

Der Camping-Jekyll-und-Hyde: Erst harmlos, dann kippt er, plötzlich riecht dein Van wie ein Festivalsonntag. Deshalb: regelmäßig entleeren. Und ganz wichtig – Nudeln nie in der Spüle abgießen. Nudeln gehören ins WC. Klingt falsch, ist aber richtig.

Stromanschluss

Autarkie! Freiheit! Energieunabhängigkeit! – Alles prächtige Worte, bis die Powerbank im Tonfall einer müden Kindergartenpädagogin sagt: „Ich kann nicht mehr.“ Früher oder später krabbelt jeder Camper dem Stromkasten entgegen wie ein Häftling der Freiheit.

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Plane also realistisch. Oder lerne, mit 12 Prozent Akku zu leben.

Wildcampen Die

ultimative Freiheitserfahrung: irgendwo stehen, wo es still, schön und illegal ist. Alles wunderbar, bis der Polizist nachts auf die Motorhaube klopft und du kurz glaubst, du seist gerade auferstanden. Eine Nacht – okay. Danach ist es eine Frage: Bist du wirklich wild? Oder nur jemand, der gern wilde Instagram-Posts macht?

Pippi & Kakka Es

drückt? Willkommen im biologischen Realismus, Bruder Natur. Höfliche Menschen verrichten ihre Geschäfte in Toiletten: öffentlich, privat oder im eigenen chemischen Thron. Nur nicht an der Grenze der Zivilisation. Es sei denn, die Natur ist so abgelegen, dass selbst Füchse fragen: „Bro, was machst du hier?“

Kochfeld Ja, man kann im Van

kochen. Sogar richtig gut. Vorausgesetzt, man hat vorher geplant und rotiert nicht panisch zwischen zwei Gasflammen hin und her wie ein DJ mit Glutenintoleranz. Wer clever vorbereitet, isst wie ein König, nur halt auf 38 cm Arbeitsfläche.

Vorzeltteppich Eine

der größten Erfindungen seit dem Rad. Er verhindert, dass du die halbe Landschaft durch dein rollendes Zuhause schleppst. Ein Teppich, der dich davor bewahrt, im eigenen Dreck zu leben – also ungefähr das, was man sich auch im echten Leben wünschen würde.


MEINUNG Social Stars bilden Meinung.

Text: Denis Wischniewski Fotos: Milos Milencovic, Andi Frank

Leise Stars. Stille Helden. Lukas Ehrle und Piere-Emanuel Alexandre gehören zu den besten ihres Sports und

Ganz viel Rumhampeln 36 1/26


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Die Falschen bekommen Aufmerksamkeit Es wird sie irgendwann hart treffen. Da bin ich mir sicher. Spätestens dann, wenn es auffliegt – dieses dicke Auftragen, das Ignorieren von Fakten. Mich ärgert das. Aber um das zu verstehen, muss man wissen: Ich stamme aus einer längst vergessenen Zeit, in der Erfolg noch etwas war, das man sich erarbeitet hat. Talent, Fleiß, Durchhaltevermögen – das zählte. Klar, es gab immer Ausnahmen, aber im Großen und Ganzen galt: Wer leistet, wird gesehen. Heute ist es anders. Da gibt es eine Reihe von Trailrunnerinnen und Trailrunnern, die unfassbar stark sind, die Rennen gewinnen, Weltmeistertitel tragen, den Sport auf beeindruckende Weise leben – und dennoch fast unbemerkt bleiben. Gleichzeitig bekommen andere Aufmerksamkeit in einem Ausmaß, das man früher nur aus Boulevardblättern kannte. Ein bekannter Influencer postet, dass Danny Run der „krasseste Ultraläufer der Welt“ sei. Kann man so behaupten. Stimmt es? Nein. Und das ist das Problem. „Lass die Influencer doch labern“, höre ich manche sagen. Doch das ist naiv. Eine Lüge, einmal gepostet, zieht Kreise. Sie manifestiert sich als Wahrheit. Vor allem bei denen, die gerade erst in Ultrarunning oder Trailrunning einsteigen. Ich kann es ihnen nicht verdenken: Man klickt, man liket, man staunt. Aber es wäre so viel einfacher, wenn die Leute sich wieder Mühe gäben. Mühe machen – selbst als Influencerin oder Influencer, die oder der der Wahrheit vielleicht weniger verpflichtet scheint. Weniger dick auftragen, weniger Superlative, weniger Ibuprofen fürs Ego. Mein Problem sind nicht die Influencerinnen und Influencer an sich. Mein Problem ist, dass durch ihr Gezwitscher und Gekreische Aufmerksamkeit von den echten Leistungen abgezogen wird. Lukas Ehrle und seine Schwester Julia zum Beispiel – sie trainieren hart, laufen großartige Rennen, verzichten auf alles, was nur virtuell zählt. Und doch hat man sie kaum auf dem Radar. Keine Reels, kein Selfie-Content, kein medialer Glanz. Sie könnten es, vermutlich würde es sich lohnen. Aber sie wollen laufen. Sie wollen siegen. Einfach so. Und das ist herrlich, weil es so simpel, so ehrlich und analog wirkt. Vielleicht ist das die Botschaft: Es ist nicht die Bühne, die die Leistung ausmacht. Es ist die stille, konsequente Hingabe, das tägliche Training, das Leiden, das Staunen, das Wiederaufstehen. Und während die Welt sich von Klicks und Storys blenden lässt, laufen die wahren Heldinnen und Helden unbeirrt weiter – und gewinnen leise.

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MOMENTE TEST TrailschuheDieser Sommer Ausgabe 2025

Text: Clemens Niedenthal

Text: Denis Wischniewski

Unsere Stilkritik, diesmal mit zwei Retro-Looks, die tatsächlich von Gestern sind: vom allerersten Transalpine Run in 2006

Wir fragen ja immer mal wieder gern: Wo kommen wir eigentlich her? Uns Trailrunner:innen gibt dieses Bild vielleicht Auskunft. So ist man vor neunzehneinhalb Jahren also über die Alpen gelaufen. Irgendwie sportiv gekleidet. Und, ja, auch wetterfest. Und sogar ein paar genretypische Accessoires, Stichwort: Schnelle Brille, waren schon dabei.

Vielleicht erinnert sich die eine oder der andere noch an die Sportartikelkataloge der bereits historischen Laufsportmarke Rono. In diesen Katalogen wurden die Shorts, Shirts und eben Tights nicht fotografiert, sondern grafisch abgebildet. Da machte sich so ein Muster mit Farbblöcken gut. Schön war es schon damals nicht. Früher war also auch nicht alles besser.

Ist das nicht dieses YvesKlein-Blau aus der letztjährigen The-North-FaceKollektion. Nein, es ist das Löffler-Blau von 2006. Eine Wanderjacke, dazu eine farblich beinahe passende Hose. Different Shade von einer Farbe, grundsätzlich ist das ja ein ganz guter Stil. Für dieses Outfit aber gilt: Es ging wohl eher um die Funktionalität – funktional für damalige Verhältnisse.

Der Asics Gel Nimbus. Den kennen alle. Vor fünf Jahren war der beim großen Dad-Shoes-Ugly-Sneakers-Revival ganz vorne mit dabei. 2006 war es der Top-Notch-Laufschuh und laut Werbung sogar von führenden Orthopäden empfohlen. Grip hatte er keinen. Aber das scheint diesem furchtlosen Couple egal.

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Foto: Sportograf

INSIDE OUTFIT

Ein Rucksack. Kein Belt und auch keine Racevest. Ein Rucksack, den es vielleicht gratis für ein paar Treuepunkte an der örtlichen Tankstelle gab. Oder doch im Wanderbedarf. Ergonomischer Fit? Technologische Details? Ach wo! Es ging halt was rein und man konnte ihn aufsetzen. Was wollte man mehr.


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100 Seiten www.trail-magazin.de

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EVENT Golden Trails Series Finale

Text: Denis Wischniewski Fotos: Justin Galant

Nirgendwo zeigt sich der neue Ernst des Leistungssports Trailrunning so drastisch wie in der GOLDEN TRAIL WORLD SERIES. Die Rennen sind schnell wie ein Sprint, hart wie ein Marathon– lang genug zum Leiden, kurz genug, um permanent am Limit zu bleiben. Am Lago di Ledro stand der letzte Kampf der Weltbesten bevor.

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e u e n e i D e s s a l k r e b O

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EVENT Golden Trails Series Finale

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Der Mann, der die Serie zweimal gewann – und dabei wirkte, als hätte er es nur nebenbei erledigt Trentino, diese Region, an dem selbst die Berge aussehen, als hätten sie einen Imageberater, wurde am Wochenende zur Kulisse eines Sport-Spektakels. Elhousine Elazzaoui, Marokkaner, Minimalist der Jornet-Marke Nnormal und inzwischen so etwas wie der leise Seriengewinner des Trailrunning, holte sich erst den Prolog und dann – ach warum nicht – auch gleich den Gesamtsieg der Golden Trail World Series. „Historisch“, sagte er hinterher und lächelte, als hätte er gerade ein besonders schwieriges Sudoku gelöst. Der Rennverlauf wirkte wie ein dramaturgisch gut gelaunter Krimi: Erst jagten alle entlang des türkisfarbenen Ledro-Sees, dann setzte sich Paul Machoka aus Kenia an die Spitze und tat so, als würde er die anderen in ein Fitnessstudio führen, in dem er allein trainiert. Hinter ihm formierte sich eine Verfolgergruppe mit Patrick Kipngeno, Elazzaoui und zwei weiteren Auserwählten des elitemäßigen Trailrunning. Spätestens an der Cima Pari, wo man eigentlich kurz stehen bleiben möchte, um die Aussicht zu genießen, wurde es sehr eng: Machoka, Kipngeno, Elazzaoui – drei Männer, ein Grat, null Respekt vor der Schwerkraft. Auf dem Abstieg zog Machoka erneut los, vielleicht um zu zeigen, dass man Mut auch bergab buchstabieren kann. Elazzaoui blieb aber gewohnt gelassen. Er wusste: Für den Titel reicht’s auch ohne Drama. Dann überholte er Kipngeno doch – man hat ja seinen Stolz – und trottete Machoka hinterher, als wäre das alles reine Formsache. Fünf Kilometer vor dem Ziel entschied er sich dann, doch noch ein bisschen Geschichte zu schreiben. Ein kurzer Antritt auf dem welligen Terrain, ein

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paar elegante Schritte, und schon lief er als Tages- und Seriensieger am Ledro-See ein, als würde man eben noch schnell die Post holen. Kipngeno rettete sich auf Rang zwei, Machoka wurde Dritter und dürfte sich gefragt haben, wie oft ein Mensch eigentlich „historic“ sagen kann, bevor es ironisch klingt. Elazzaoui sammelte unterdessen die maximale Punktzahl – 1.000, vier Siege, perfekte Saison. Eine Bilanz wie aus einem Sportmärchen, nur ohne Feenstaub. Er selbst fasste es so zusammen: „Ich hatte Probleme in den Beinen. Aber ich habe es geschafft.“ Und, ja, man glaubt ihm jedes Wort. Und denkt gleichzeitig: Vielleicht sollten wir alle ein bisschen öfter so „Probleme in den Beinen“ haben. Der Kerl ist ein Held und er weiss es nicht. Die Frau, die erst Zweite wurde und trotzdem alles gewann Das Trentino glänzte wieder, diesmal dank Lauren Gregory, der Amerikanerin, die bergauf wirkt wie ein gut geöltes Metronom. Sie holte ihren zweiten Saisonsieg – und machte das so mühelos, als hätte jemand die Schwerkraft kurzfristig ausgeknipst.. Doch die eigentliche Königin des Tages war Madalina Florea. Die Rumänin führte das Feld früh an, als wollte sie demonstrieren, wie man einen 21-Kilometer-Berglauf mit Aussicht auf den Ledrosee stilvoll dominiert. Auf der Cima Pari rauschte Gregory dann vorbei, bergab so locker, als sei sie auf einer Shoppingmall statt einem Rennkurs unterwegs. Florea aber sicherte sich mit Tränen, Stolz und vielleicht einem mysteriösen Insektenstich den Gesamtsieg der Saison. Hinter ihr: Alonso, Krkoc und Osa – und ein Finale, das bewies, dass man manchmal auch als Zweite zur unantastbaren Ersten wird.


WISSEN Mentale Strategien Text: Clemens Niedenthal Fotos: Kelvin Trautman

MENTALE STRATEGIEN

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Beim Laufen stellt man sich erstaunliche Fragen: Wo bin ich eigentlich, wenn ich renne? Körperlich auf dem Trail, mental oft irgendwo zwischen Alltag und Kopfkino. Profis behaupten, man müsse im Moment sein, Mentalcoaches sprechen von „Körpergeist“. Klingt esoterisch, funktioniert aber: Wer Regen akzeptiert und Müdigkeit nicht bekämpft, läuft besser – sagen Erfahrung und die Athletinnen auf den nächsten Seiten. Diese Geschichte will nichts versprechen, außer der einen Frage: Warum gutes Laufen weniger in den Beinen, sondern vor allem im Kopf beginnt.

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Wo bin ich, wenn ich laufe? Also klar, ich bin auf dem Trail. Oder halt auf einem Trampelpfad in der Berliner Wuhlheide. Aber darum geht es gerade nicht. Wo bin ich mit meinen Gedanken, wo bin ich mit dem Kopf, wenn ich laufe? Bin ich gerade im Hier und Jetzt? Wer erfolgreich sein will, sagen wir beim UTMB, der oder die muss auf den Moment fit sein. Aber genauso muss jede Athletin, muss jeder Athlet auch im Moment sein, fokussiert auf den immer wieder nächsten Schritt. Das kann man und das muss man lernen, sagt unser

Interviewpartner auf den nächsten Seiten. Und drei Athletinnen – Katharina Hartmuth, Eva-Maria Sperger und Rosanna Buchauer – verraten zusätzlich ihre mentalen Strategien. Dabei will diese Geschichte bewusst keine Aufzählung vermeintlicher mentaler Tricks und Kniffe sein. Und erst recht kein „Du kannst alles schaffen“-Pamphlet. Stattdessen wollen wir ganz grundsätzlich danach forschen, warum erfolgreiches und mehr noch glückliches Laufen immer auch eine Kopfsache ist. Eine Kopfsache sein muss. Dennoch, ein paar konkrete Tipps möchten wir euch mit auf die Trails geben. Kleine mentale Strategien, die für die einen vielleicht neu sind – und die wir anderen allzu oft vergessen. Akzeptieren statt Rebellieren zum Beispiel. Wir können den Regen nicht wegverfluchen oder die Müdigkeit um Mitternacht während des ersten Ultratrails. Wer den Widerstand aufgibt, spart Energie. Oder die Salami-Taktik: Wenn die Kräfte schwinden, reicht die Motivation noch immer bis zur nächsten Kuppe, der kleinen Kapelle an der übernächsten Weggabelung oder dem Downhill, auf den man sich eh schon freut. Das Rennen also scheibchenweise zu denken, nimmt der Distanz den Schrecken.

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Auch eine gute Rennvorbereitung ist, ja, eine mentale Strategie. Wer sich genau mit den kritischen Streckenabschnitten beschäftigt hat, wird sie im Rennen ruhiger meistern. Mit weniger Stress im Kopf – den Stress hat der Körper schon genug. Überhaupt zeigt es sich auch bei den großen und ganz großen Rennen. Oft gewinnen die, wie zuletzt Ruth Croft beim diesjährigen UTMB, die in den Jahren zuvor schon dicht dran waren an einem Triumph. Erfahrung gibt Sicherheit und Selbstvertrauen. Womit wir bei einem Begriff sind, der Michael von Kunhardt besonders wichtig ist: Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Von Kunhardt ist Mentalcoach und war selbst einmal Leistungssportler. Mit ihm haben wir uns also darüber unterhalten, was der Kopf so alles machen könnte, wenn sich der Körper so richtig anstrengt. Und warum wir beide als ein Team denken müssen. „Körpergeist“ sagt Michael von Kunhardt dazu. Und rät zur Gelassenheit. Aber auch zur Konzentration. Womit wir wieder beim Beginn dieser Einleitung sind: Wo bin ich, wenn ich laufe? Wenn es wirklich gut werden soll, so Michael von Kunhardt, dann bin ich ganz bei mir selbst. Aber es gibt ja eigentlich auch keinen Grund, irgendwo anders zu sein.


WISSEN Mentale Strategien Michael von Kunhardt ist die Marathondistanz ein paar Mal unter vier Stunden gelaufen. Nach einer Karriere als Hockeyspieler, unter anderem war er mehrmals Deutscher Meister mit dem Limburger HC, war das sein Ankommen in der Welt des Hobbysports. Beruflich ist Michael von Kunhardt einer der erfolgreichsten Mentaltrainer im deutschen Sprachraum. Klar und deutlich seine Abgrenzung zur „Tschaka-Du-kannst-alles-schaffen“-Rhetorik mancher seiner Mitbewerber. Michael von Kunhardt hört lieber erst einmal zu. Und er schreibt lesenswerte Bücher, zuletzt „Die Magie des Flows“, verfasst gemeinsam mit Skirennläuferin Lizz Görgl. Den Flow suchen wir ja alle auf den Trails. Im Januar wird er auch in einem Podcast des Trailmagazins zu Gast sein. www.vonkunhardt.de

Michael, wir haben gerade beschlossen, beim sportlichen Du zu bleiben, also: Wie bist du Mentaltrainer geworden? Wieso reizt dich gerade die geistige Dimension der körperlichen Aktivität? Ich komme ja selbst aus dem Leistungssport, war mehrmals Deutscher Meister mit meinem damaligen Verein, dem Limburger Hockey Club. Auch als Jugendspieler war das bereits eine erfolgreiche, aber auch intensive Zeit. Und ich weiß noch genau, dass ich damals bereits gemerkt habe, wie wichtig es ist, sich auf den Punkt zu fokussieren. Eine ganz individuelle Erfahrung hatte ich mit etwa 13 Jahren. Ich weiß noch, wie ich zu meiner Mutter gesagt habe: „Du, ich habe da was.“ Und sie hat nur flapsig geantwortet: „Ja, du hast einen Knall.“ Aber ich habe ihr da schon erzählt, dass ich das Gefühl hätte, mich gut auf Menschen einlassen zu können, so eine Begabung, mein Gegenüber zu antizipieren. Das sind perfekte Voraussetzungen für eine spätere Karriere als Profisportler, oder? Ach wo, natürlich habe auch ich die ganzen Fehler selbst gemacht. Habe etwa mit einer entzündeten Achillessehne so lange weitergespielt und weitertrainiert, bis sie dann gerissen ist. Aber natürlich waren das damals in den 1990er-Jahren auch noch andere Zeiten. Mentale Strategien und überhaupt ein ganzheitlicher Blick auf das Training, damit fing es gerade erst an. Und es war – zumal als Leistungssportler – noch verpönt, über Schwächen zu reden oder Schwäche zu zeigen. Immerhin warst du familiär vorbelastet. Dein Onkel Gert von Kunhardt ist Arzt und Gesundheitscoach und hat – für uns als Laufmagazin interessant – das „Joggeln“ erfunden.

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Er war damals einer der ersten Präventologen in Deutschland, genau. Also ein Arzt, der sich darum kümmert, dass man gar nicht erst krank wird. Diese direkte Verbindung von Körper und Geist, quasi der Körpergeist, das habe ich von meinem Onkel gelernt, mens sana in corpore sano – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Und was war „Joggeln“ noch einmal genau? Ein Kofferwort aus Bummeln und Joggen, lange bevor es so etwas wie Nordic Walking

a n i r a h Kaatrtmuth H


Facetten und Kriterien. Deshalb gehe ich jetzt erst einmal ein paar Schritte zurück an einen Punkt, an dem wir noch gar nicht losgelaufen sind. Was ist mentale Stärke also überhaupt? Ganz zentral für eine mentale Stärke ist, wortwörtlich, Selbstbewusstsein. Nur setzen wir Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen häufig synonym. Damit geht es schon mal los.

gab. Ein Gesundheitssport abseits eines Leistungsgedankens. Damals ging es darum, die Gesellschaft in ihrer Gänze überhaupt wieder in Bewegung zu bringen.

die Uhr in den Alpen unterwegs – das ist ja etwas, wo jeder Zuhörer und jede Zuhörerin die mentale Dimension dieses Sports sofort vor Augen hat.

Kommen wir von Joggeln zum Laufsport, genauer zum Trailrunning. Ist dir unser Sport überhaupt schon einmal während deiner beruflichen Arbeit begegnet? Gerade eben erst, auf einem von mir veranstalteten Symposion. Dort hat ein Teilnehmer den Tor des Géants einen Impulsvortrag gehalten. Über mehrere Tage und mehrere hundert Kilometer rund um

Tatsächlich ist das aber schon ein erstes Missverständnis. Die kurzen Rennen, Skyraces bis hin zur Marathondistanz, werden über die Athletik, die Physis entschieden, so heißt es oft. Die langen Dinger werden zur Kopfsache. Dabei geht das mit dem Mindset vermutlich schon früher los? Mentale Stärke hat ganz verschiedene

„Meine stärkste Motivation ist, mir die Frage zu stellen: Warum mache ich das? Was ist mein Why? Ich mache diesen Sport, weil er mir viel Spaß macht, weil er mich erfüllt. Das ist in jedem Rennen so, auch wenn es sich gerade vielleicht nicht so anfühlt. Aber das ist ja auch ein Grund, warum ich laufe. Diese permanente Frage: Kann ich das schaffen? Also, hey, das ist jetzt die Challenge, da muss ich durch. Die Rennen mit vielen dieser vielleicht kritischen Situationen geben mir im Nachhinein ja auch so viel mehr.“ 47 1/26

Was also ist Selbstbewusstsein, was Selbstvertrauen? Selbstbewusstsein bedeutet, dass ich mir selbst bewusst bin. Was kann ich? Was kann ich nicht? Wo sind meine Stärken, wo meine Schwächen? Wie kann ich meine Potenziale nutzen? Selbstvertrauen hingegen ist das Vertrauen, sich richtig zu entscheiden und in konkreten Situationen, etwa während eines Ultratrails, auch die persönlich richtigen Lösungen zu finden. Wenn ich dieses Selbstvertrauen habe, dann kann ich eigentlich recht entspannt loslegen. Es heißt wohlgemerkt nicht, dass nun alles ein Zuckerschlecken wird, im Gegenteil. Aber ich weiß, dass ich einen geeigneten Werkzeugkoffer mit mir herumtrage. Wie kann ich mich aufrichten? Wie den Spannungsbogen aufrechthalten? Wie auf mögliche Rückschläge reagieren? Ich kenne nun aber Leute, die es für eine gute Strategie halten, ihr Selbstbewusstsein zu dopen. Sie machen sich im Kopf ein bisschen besser, als sie sind. Und siehe da: Der Körper zieht mit. Guter Punkt. Grundsätzlich ist es nämlich immer gut, an eine Sache mutig heranzugehen. Es hilft, sich ein bisschen zu überschätzen. Wer sich hingegen chronisch unterschätzt, kommt wahrscheinlich nicht wirklich vom Fleck. Diesbezüglich gibt es übrigens einen frappanten Unterschied zwischen Männern und Frauen. Aus meiner beruflichen Praxis kann ich sagen, dass sich drei Viertel der Sportler überschätzen, während zwei von drei Sportlerinnen dazu tendieren, ihre Leistungsfähigkeit geringer


WISSEN Mentale Strategien einzuschätzen, als sie tatsächlich ist. Männer trauen sich grundsätzlich erst einmal eine größere Herausforderung zu. Das deckt sich mit unseren Erfahrungen. Wenn Männer ins Trailrunning einsteigen, muss es oft im ersten Jahr eine Ultradistanz sein. Und das kann man evolutionsbiologisch erklären. Männer haben gejagt, haben Kriege geführt – dieser größte Schwachsinn der Menschengeschichte wurde ja auch von Männern erfunden. Sportveranstaltungen mit einem Bewertungssystem gibt es für Männer seit 3800 Jahren und für Frauen seit gerade einmal 120 Jahren. Für mich als Mentalcoach heißt das nicht, dass Männer irgendetwas besser können. Es heißt aber, dass ich mit Männern mit anderen Schwerpunkten und Fragestellungen arbeite als mit Frauen. Was du Selbstvertrauen nennst, ist der Prozess, Erfahrungswissen abzurufen. Ich habe etwas erlebt, habe eine Situation gemeistert und kann mich fortan darauf berufen und daraus Stärke ziehen. Aber was passiert da überhaupt? Wie speichert das Gehirn diese Erfahrungen? Ich spreche da von der Methode des dritten Auges. Wenn ich mich mit meinen Klienten – seien es nun Sportler oder Sportlerinnen oder auch Menschen aus der Wirtschaft – in eine solche Situation begebe, merken sie schnell, wie sehr sie emotional beschlagnahmt und eigentlich nicht in der Lage sind, eine Erfahrung rational zu verarbeiten. Also bitte

ich sie, einmal aus sich herauszutreten und sich selbst von außen, von oben zu betrachten, mit dem dritten Auge eben. Wir sind ja alle auch gut darin, anderen Menschen Ratschläge zu geben, scheitern aber häufig genug an uns selbst. Eben, weil uns dieser neutrale Blick von außen fehlt. Ich erinnere mich an einen Ultratrail, 50 Meilen an der schwedischen Schärenküste. Die ersten 50 Kilometer war ich wirklich gut dabei. Ich war im Flow, alles super. Dann der Klassiker: Ich habe die Energiezufuhr vernachlässigt und irgendwann ging nichts mehr runter. Also sieben Kilometer gewandert. Rational wusste ich, jetzt an der Verpflegung eine Suppe, vielleicht eine Viertelstunde ins Gras legen und dann renkt sich nicht nur der Magen ein. Aber mein Kopf sagte: Ach, lassen wir es gut sein. Was hilft da durchzuhalten? Gegenfrage: Willst du überhaupt durchhalten? Wäre es nicht auch eine Option zu sagen: Hey, das hat bis hierhin so viel Spaß gemacht, das war es jetzt für heute? Was ist denn das größte Ziel im Leben? Das größte Ziel im Leben ist es, uns selbst glücklich zu machen. Bevor wir jetzt also über mentale Strategien reden, so einen Tiefpunkt durchzustehen, ist es mir wichtig zu betonen, dass Aufhören – und ich sage jetzt nicht Aufgeben – immer auch eine Option sein darf. Das finde ich jetzt sehr sympathisch, auch wenn ich in diesem autobiografischen Beispiel durchgehalten habe. Kommen wir also zum Thema Resilienz, Misserfolgstoleranz und Aufstehstrategien. Gerne, da habe ich eine Geschichte, die ich immer auch auf der Bühne erzähle: der Djokovic-Effekt.

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Djokovic-Effekt? Novak Djokovic, die Nummer Eins der Tenniswelt, hatte bis 2015 schon alle wichtigen Turniere mehrfach gewonnen. Nur die French Open nicht, da war immer Rafael Nadal im Weg. Diesmal aber schafft er es, er schlägt Nadal spektakulär im Viertelfinale, um dann im Finale völlig überraschend gegen den Schweizer Stan Wawrinka zu verlieren. Diesmal war Djokovic haushoher Favorit – und scheitert also schon wieder. Jetzt kommt der Teil mit der Misserfolgstoleranz? Keine drei Wochen nach den French Open beginnt bereits das Turnier von Wimbledon. Novak Djokovic schafft es wieder ins Finale. Er trifft dort auf Roger Federer, der in diesem Spiel wirklich ein herausragendes Tennis zeigt. Aber wie geht es aus? Djokovic gewinnt. Und das, obwohl Federer so brillant spielt und er selbst nur ein paar Wochen vorher in Paris noch so krachend gescheitert war. Und was daran ist nun der Djokovic-Effekt? Ein englischer Journalist hat Novak Djokovic direkt nach dem Wimbledon-Sieg gefragt, wie das denn sein könne? Warum war er so kurz nach dieser epischen Niederlage von Paris wieder auf den Punkt fokussiert? Djokovics Antwort: Die Niederlage von Paris habe ihm buchstäblich das Herz herausgerissen. Aber wenn man scheitert, wenn man verliert, wenn etwas misslingt, hat man die Dinge hinter sich zu lassen. Und das gelingt Novak Djokovic offensichtlich herausragend gut. Ein mental starker Mensch schaut schon wieder nach vorn, während ein anderer vielleicht noch immer nach den Fehlern sucht und über die eigene Fehlbarkeit grübelt. In einer Karriere im Profisport, die vielleicht zehn oder fünfzehn Jahre dauert, ist die Fähigkeit, nach Misserfolgen schnell zu intervenieren und gegenzusteuern, eine entscheidende Qualität … … weil nicht die eine Niederlage

„Ich baue bewusst kleine, kontrollierte Härten im Training ein, also Trainingseinheiten in der Kälte oder bei Hitze, lange, wirklich lange monotone Einheiten auf der Rennradrolle oder Läufe alleine in der Nacht oder bei Nebel. Ich trainiere damit meine Toleranz gegenüber Unbehagen, nicht nur meiner Physis. Dieses Prinzip des ‚deliberate Discomfort‘ bewirkt, dass solche Situationen später im Rennen dann bereits vertrauter sind und unerwartete Situationen oder Komplikationen weniger mentalen Stress auslösen. Zudem versuche ich, im Wettkampf selbst nicht an Prognosen, an eine im Vorhinein anvisierte Zeit oder eine etwaige Platzierung zu denken. Stattdessen trainiere ich: radikale Präsenz. Nur dieser Schritt, dieser Atemzug, dieser eine Moment. Das gibt mir enorme Sicherheit und Stabilität.“

r e g r e p Eva S


WISSEN Mentale Strategien „Ich versuche, schon im Training Wettkampfsituationen zu simulieren, etwa bei harten Intervallen, um dann im Wettkampf darauf gefasst zu sein, wie mein Kopf und mein Körper reagieren. Kurz gesagt geht es darum, mich nicht vom Kopf fremdsteuern zu lassen, sondern meinen Geist aktiv zu lenken. Was heißt das ganz konkret? Ich antizipiere bereits im Vorfeld, wie ich mich bei Kilometer 60 oder 70 fühlen werde. Ich weiß also

bereits, irgendwann wird es richtig hart. Weil ich es aber schon weiß, macht mir das im Kopf weniger Stress. Denn Stress hat der Körper ja schon genug.“

das Problem ist oder ein – um in unserem Sport zu bleiben – abgebrochenes Rennen, sondern das anschließende Grübeln nach den Ursachen, die Selbstzweifel und eine damit einhergehende Verunsicherung? Womit wir wieder beim Selbstbewusstsein und beim Selbstvertrauen wären. Und beim dritten Auge. Ich würde in dieser Situation versuchen, mich von außen zu betrachten und zu rekapitulieren, was ich in meinem Hobby schon alles erreicht habe und welchem Erfahrungsschatz ich vertrauen kann. Mit der notwendigen Distanz kann ich später immer noch analysieren, was in diesem spezifischen Moment nun also falsch gelaufen ist.

mit einem Mentaltrainer zu arbeiten? Jedem Sportler, jeder Sportlerin, eigentlich jedem Menschen. Das sage ich jetzt nicht, weil davon eventuell mein Geschäft profitieren könnte. Es geht in meinen Coachings auch nicht darum, ein vermeintliches Problem zu wuppen. Das ist weder eine PsychologenCouch noch so ein „Tschakka!“-Unsinn. Es geht darum, Möglichkeiten und Talente zu identifizieren, die bis dato noch nicht entdeckt worden sind. Und auch darum, die eigenen Bewertungsmechanismen noch einmal kritisch zu überprüfen. Alle erfolgreichen Spitzensportler und Spitzensportlerinnen arbeiten heute auch mental.

Wem würdest du empfehlen,

r e u a h c Bu a n n a Ros

Was wäre ein grundsätzlicher Ratschlag, den du unseren

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Leser:innen zum Abschluss noch mitgeben möchtest? Mein aktuelles Buch heißt ja „Die Magie des Flows“. Meine Co-Autorin, die Ski-AlpinDoppelweltmeisterin Lizz Görgl, und ich haben uns auf die Suche nach dem Flow gemacht, du hattest den Begriff ja vorhin auch schon erwähnt. Wir haben geschrieben, dass man den Flow dann bekommen kann, wenn man sich zu einhundert Prozent auf die Handlung konzentriert und zu einhundert Prozent aus dem Ego rausgeht. Mache ich das jetzt aus Eitelkeit? Mache ich es, um Anerkennung zu bekommen? Oder mache ich es, weil es sich insgesamt richtig und stimmig anfühlt? Das ist etwas, was ich euren Leser:innen gerne mitgeben möchte. Es geht um mich, um meine Wünsche, Träume und Gefühle. Es geht nicht um die anderen.


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Wem die MOMENT TEST Sportuhren DER AUSGABE Tor des Géants

Sportuhren altern schneller als ihre Besitzer. Während Garmin den Markt dominiert, drängen Suunto, Coros und Polar mit grellen Displays und Satellitennotrufen zurück ins Licht. Der Takt beschleunigt sich – und mit ihm die Frage, ob man ein Upgrade braucht oder nur dem nächsten Versprechen hinterherjagt. Wohl nur die Allerwenigsten sind ohne unterwegs: Sportuhren gehören nicht nur im Trailrunning zur Grundausstattung. Und in fast keinem Bereich unseres Sports geht die Entwicklung so rasch voran. Noch hat man die beste Uhr am Handgelenk und schon wenige Monate später ist sie alt. Ganz so schlimm ist es nicht, aber es fühlt sich fast so an. Aber wie ist der aktuelle Stand? Welche Uhren sind die Must-haves? Lohnt sich ein Upgrade der alten Uhr? Der Sportuhrenmarkt wird klar von Garmin dominiert, doch vor allem im Trailrunning können sich ein paar Underdogs und Hidden Champions immer wieder ins Rampenlicht spielen. Hier ist natürlich Suunto zu nennen. Mit ihrer Ambit haben sie den Trailmarkt dominiert und Maßstäbe gesetzt. Die Innovationen blieben dann allerdings etwas aus und so sind die Finnen etwas zurückgefallen. Das hat sich allerdings in jüngster Zeit verändert und heuer hat Suunto noch einmal richtig nachgelegt. Die Race und die Vertical hatten die Finnen auf den richtigen Weg zurückgeführt, beide Modelle haben nun ein Update bekommen. Race 2 und Vertical 2 heißen die neuen und sie sind ein Beispiel für eine neue Generation an Sportuhren. Mit einem farbintensiven und hell leuchtenden AMOLED-Display und trotzdem guter Akkulaufzeit. Coros zählt zu den Underdogs. Der Hersteller hat sich mit langen Akkulaufzeiten einen guten Namen gemacht, besonders bei Ultraläuferinnen und -läufern. Im Herbst hat Coros gleich mehrere Neuheiten auf den Markt gebracht: die Apex 4 und die Pace 4. Beide sind für Trailrunnerinnen und Trailrunner geeignet, wobei die Apex die robuste Outdoor-Watch ist und die Pace die leichte, schlanke Laufuhr. Coros hat sich beim Thema AMOLED noch nicht ganz festgelegt. Früher mal Nummer eins, inzwischen allerdings auch bei den Underdogs angekommen, ist Polar. Wobei sie mit der Grit X2 ein spannendes Lebenszeichen abliefern. Dennoch ist das AMOLED-Display klar im Trend, wie auch Sprachfunktionen. Das heißt, man kann mit immer mehr Uhren telefonieren, meist mit, aber auch ohne verbundenes Handy. Hier setzt Garmin mit der Fenix 8 Pro gerade Maßstäbe. Dank LTE- und Satellitenkommunikation können nicht nur überall Notrufe abgesetzt werden, man kann auch überall telefonieren oder Nachrichten empfangen oder senden. Im Hinblick auf das Display gibt Garmin einen Blick in die Zukunft mit einem MicroLED-Bildschirm bei einer der Fenix-8-Pro-Varianten. So vielfältig die Funktionen und Features sind, so breit gestreut sind auch die Preise, die von 269 Euro für die Coros Pace 4 bis 1.999 Euro für die Garmin Fenix 8 Pro MicroLED reichen.

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Suunto Race 2 499,00 Euro Die Race war die erste AMOLED-Uhr von Suunto und läutete damit eine neue Ära bei den Finnen ein. Bei der Race 2 gibt es hauptsächlich Hardware-Updates: ein größeres, brillanteres 1,5-Zoll-AMOLEDDisplay, ein flacheres Gehäuse (12,5 mm), einen neuen HR-Sensor, einen schnelleren Prozessor und eine längere Akkulaufzeit (bis 50 Std. im GPS-Modus). Zudem wurde der Ladeanschluss verbessert. Neu sind Funktionen wie ClimbGuidance, ZoneSense zur Echtzeitanalyse der Trainingsintensität, Voice-Feedback und erweiterte SensorKonnektivität. Die Kartennavigation mit Dualband-GNSS ist präzise. Mit SuuntoPlus können die Funktionen der Uhr erweitert werden, sie sind aber auf zwei limitiert. Designmäßig ist die Race 2 (ab 499 Euro) der Inbegriff für eine moderne Sportuhr. Fazit: Starkes Hardware-Update mit Topdisplay und solidem Akku, aber Schwächen bei der Pulsmessung bleiben.


e Stunde Text: Harald Angerer

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TEST Sportuhren

Suunto Vertical 2 599,00 Euro

Coros Apex 4 499,99 Euro

Coros Pace 4 248,00 Euro

Mit der Vertical 2 wechselt Suunto bei dem beliebten Modell von MIP- zu AMOLED-Displays. Gleich wie bei der Race 2 ist ein 1,5-Zoll-LTPO-Panel mit brillanten Farben und 2000 Nits Helligkeit verbaut – ohne Einbußen bei der Akkulaufzeit (bis 65 Std. GPS, 20 Tage Smartwatch). Neu sind LEDTaschenlampe, flacherer HR-Sensor, schnellerer Prozessor, Snap-in-Ladekabel und bessere Sensor-Konnektivität. Die Uhr bietet 115 Sportmodi, präzise Dualband-GNSSNavigation, ZoneSense-HRV-Analyse und ClimbGuidance. Auch wenn die Uhren von Suunto nicht mehr aus Finnland kommen, überzeugen sie in der Verarbeitung. Positiv ist zudem, dass endlich der OHR-Sensor zuverlässig funktioniert. Fazit: Die Vertical 2 ist robust, hochwertig und technisch auf Augenhöhe mit der Konkurrenz – das AMOLED-Display war die richtige Entscheidung.

Die neue Coros Apex 4 ist eine leichte Outdoor-Sportuhr mit Titan-Lünette, Saphirglas und MIP-Display (1,3 Zoll). Sie bietet lange Akkulaufzeiten mit bis zu 65 Std. im All-Systems-GPS-Modus (24 Tage Smartwatch), das war auch der Grund von Coros, auf AMOLED zu verzichten. Zudem Dualfrequenz-GNSS, 115 Sportmodi, Kartennavigation, neuer HR-Sensor, Telefonie per Uhr in Verbindung mit einem Handy, Lautsprecher/ Mikrofon, Wetter-Widget, Tiefenmesser und POI-Datenbank. Die Bedienung erfolgt über drei Tasten und Touchscreen, das Menü ist aufgeräumt. Sowohl die OHR-Messung als auch das GPS sind zuverlässig, aber nicht perfekt. Die Coros-App überzeugt mit Trainingsplanung, Auswertung und Integration zu Strava & TrainingsPeaks. Leider wirkt das MIP-Display kontrastarm. Fazit: solide Uhr mit guter Akkuleistung, umfangreichen Funktionen, aber wenig überzeugendem Display.

Leicht und günstig, so präsentiert sich die Coros Pace 4. Mit nur 32 g Gewicht ist sie besonders leicht und 11,8 mm Bauhöhe machen sie klein und angenehm zu tragen. Bei der Pace setzt Coros dann doch wieder auf einen 1,2 Zoll großen AMOLED-Touchscreen (390 × 390 Pixel) mit kräftigen Farben und hohem Kontrast. Der Dual-Frequenz-GNSS und ein verbesserter Herzfrequenzsensor sollen präzise Daten liefern, das tun sie aber leider nicht immer. Weitere Funktionen sind ein virtueller Pacer, individuelle Trainingspläne, Recovery-Analysen und integrierte Navigation über Breadcrumbs und Wegpunkte. Bei der Pace 4 verzichtet Coros auf eine Karte. Mit bis zu 19 Tagen Akkulaufzeit im Smartwatch-Modus und 41 Stunden bei GPS-Einsatz übertrifft sie allerdings viele Konkurrenten. Fazit: Für Läuferinnen und Läufer, die weniger im rauen Gelände unterwegs sind und Wert auf Leichtigkeit und Preis-Leistung legen, ist die Pace 4 eine gute Wahl.

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Garmin Fenix 8 Pro MicroLED 2000,00 Euro

Garmin Forerunner 970 749,00 Euro

Polar Grit X2 379,00 Euro

Die Garmin Fenix 8 Pro MicroLED ist das neue Topmodell der Fenix-Serie – mit LTE, Satellitenkommunikation und erstmals einem MicroLED-Display. Optisch bleibt sie der Vorgängerin treu, bietet aber deutlich mehr Helligkeit, kräftige Farben und eine moderne Benutzeroberfläche. Telefonie, Nachrichten und Notfall-SOS funktionieren jetzt direkt über die Uhr – allerdings nur mit Abo. Das MicroLED-Display gilt als Zukunftstechnologie, zeigt brillante Farben und ist auch bei Sonne perfekt ablesbar. Enttäuschend ist jedoch die Akkulaufzeit: Im Always-on-Modus hält sie nur rund 16 Stunden, im Smart-Modus zehn Tage. GPS, Pulssensor und Navigation sind wie gewohnt präzise und auch die Gesundheitsfunktionen sind umfangreich. Fazit: technologisch beeindruckend und funktionsreich, aber extrem teuer (ca. 2000 Euro) und mit schwächerer Laufzeit als die AMOLED-Version.

Die Garmin Forerunner 970 löst die 965 ab und rückt mit neuen Features und stärkerer Hardware näher an die Fenix-Serie heran. Auffälligstes Upgrade ist das extrem helle AMOLED-Display, dazu kommen EKG-Funktion, LED-Taschenlampe, Lautsprecher, Mikrofon und neue Laufmetriken wie „Running Tolerance“, die auch Downhills in die Belastungsanalyse einbezieht – besonders spannend für Trailrunnerinnen und Trailrunner. Das GPS arbeitet dank Multi-BandGPS gewohnt präzise und der neue Gen5OHR-Sensor misst sehr zuverlässig. Auch Navigation, Health-Tracking und Bedienung überzeugen. Dafür ist die Forerunner mit 749 Euro aber auch deutlich teurer geworden. Fazit: Eine technisch und funktional überragende Sportuhr mit brillantem Display – leichter als die Fenix 8, aber nicht mehr ganz das Preis-Leistungs-Wunder des Vorgängers.

Die Polar Grit X2 richtet sich klar an Trailrunnerinnen und Trailrunner sowie Outdoor-Sportlerinnen und -Sportler und kombiniert ein helles 1,28-Zoll-AMOLEDDisplay mit Saphirglas, Dualband-GPS und robustem 810H-Standard. Neu sind schnellere Performance, Karten, EKG, vertikale Geschwindigkeit und ein verbesserter OHR-Sensor, der auch valide Daten liefert. Besonders trailrelevant: präzise Navigation mit Karten, Turn-by-Turn (via Komoot), HillSplitter sowie Running Power. Spannend ist auch die FuelWise-Funktion. Sie berechnet Energiebedarf und erinnert ganz individuell an Trinken und Essen, Training Load Pro bewertet muskuläre und kardiovaskuläre Belastung. Nicht ganz mithalten kann Polar in Sachen Akku, der schafft 25 Stunden im Multiband-GPS. Fazit: Trotz kompakter Bauweise bietet die Grit X2 starke Messwerte, gutes Tracking und ein attraktives Preis-Funktions-Verhältnis.

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REISE SpreewaldFotoapparate für Trailrunner PRODUKTE

Kompakt Klasse

Braucht man noch einen Fotoapparat? Diese Frage stellt sich mit jeder neuen iPhone-Generation. Aber, nein, nicht mehr mit jedem neuen TRAIL-Magazin. Denn gerade in der Produktion von Fotostrecken oder groß angelegten Reportagen zeigt sich, dass die aufwendig gearbeitete Optik einer guten Kamera den digitalen Tricksereien eines Smartphones doch ziemlich überlegen ist. Und das interessanterweise ausgerechnet im eher subjektiven Look and Feel der Bilder. Mehr Wärme, mehr Charakter, mehr Authentizität. Was wir zudem festgestellt haben: Die gleiche Aufnahme, von einem Berg hinunter auf die bunten Dächer eines Küstendorfs, wirkt – aufgenommen mit der auf dieser Seite vorgestellten Sony RX-1 R und einem aktuellen iPhone – auf den ersten Blick ähnlich überzeugend. Während aber die Kamera das Patchwork der Dächer und Gassen authentisch abbildet, denkt sich das KI-gestützte Smartphone munter etwas aus. Dort, wo Objektiv und Chip konstruktionsbedingt an ihre Grenzen

kommen, wird quasi eine Fotografie simuliert. So ungefähr, denkt sich das iPhone, könnte so ein Dorf doch aussehen. Wir vergleichen auf dieser Seite deshalb bewusst hochwertige und hochpreisige Kameras und Konzepte. Günstiger nämlich wird ein wirkliches Upgrade zu einer hochwertigen Handykamera nicht. Und wir vergleichen Kameras, die noch in den Laufrucksack passen. Oder sogar während des Laufens in die Hand.

Ergon om tipp ie

NIKON Z7II

Minim a tipp l

Keine Kompaktkamera, aber ein notwendiger Vergleich. Denn spiegellose Systemkameras mit Vollformatsensor bieten nicht nur die Möglichkeit, Objektive zu wechseln. Sie liegen schon aufgrund ihrer Größe besser und ergonomischer in der Hand. Zumal im Eifer des Trailgeschehens. Als kompakte Lösung während des Laufens bieten alle Hersteller inzwischen Pancake-Objektive, zumeist als (moderate) Weitwinkel. Wir könnten jetzt erwähnen, dass die Nikon Z7 II über einen Vollformatsensor mit rund 45 Megapixeln verfügt und dass ihr Autofokus fast zu jenem von Canon aufgeschlossen hat. Zum Preis: Kamera und Objektiv liegen zusammen bei rund 2.300 Euro, von Canon oder Sony gäbe es Alternativen.

RICOH GR IV

Eine Kamera für Leute, die in den Schuhen von Topo Athletic oder X-Bionic über die Trails laufen. Kurz: für alle, die ein Faible für Exoten haben. Für etwa 1.400 Euro (die Vorgängergeneration kostet nur gut 1.000 Euro) gibt es eine wirklich kleine und vor allem recht flache Kamera, deren Herz absolut fürs Fotografieren schlägt. Das 18,3-mm-Weitwinkelobjektiv (entspricht 28 mm Vollformat) löst mit 25,7 Megapixeln hervorragend auf. Interessant für Outdoor-Abenteuer ist auch der überarbeitete Bildstabilisator, gerade bei kritischen Lichtverhältnissen. Zudem überzeugt die Geschwindigkeit des Autofokus, genauso wie die Geschwindigkeit der Software-Updates mit wirklich sinnvollen Features.

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Text: Clemens Niedenthal

Repor ta tipp ge

SONY RX1R

Nicht einmal 500 Gramm schwer ist die Sony RX-1 R – eine der kleinsten Digitalkameras mit einem Vollformatsensor. Die Optik ist fest verbaut und hat eine fixe Brennweite: 35 mm sind der klassische Blickwinkel einer Reportagekamera. In den Beobachtungen am (Trail-)Wegesrand liegen denn auch ihre Stärken. Wobei der Autofokus spätestens in der neuesten Generation auch Sportfotografie kann. 61 Megapixel reichen, um Plakatwände zu bedrucken. Mal schnell eine:n Läufer:in ranzoomen geht – Stichwort Festbrennweite – allerdings nicht. Der Preis ist Verhandlungssache. Die aktuelle RX-1 R III liegt bei ca. 4.500 Euro, Modelle der ersten Generation sind gebraucht für knapp 1.000 Euro zu haben.

Vlog tipp

CANON POWERSHOT V1

Canons Antwort auf die Sony RX-1 R. Und doch auch wieder nicht. Denn einerseits verfügt die mit 22 Megapixeln ebenfalls großzügig auflösende Powershot V1 auch über einen großen, aber eben (noch) nicht über einen Vollformatsensor. Der gelernte Look einer klassischen Reportagekamera wird also nicht erreicht. Dafür verfügt die Canon über ein Zoom-Objektiv, das vom extremen Weitwinkel bis zur Normalbrennweite reicht (umgerechnet auf Kleinbild 16–50 mm) und so prädestiniert für Videos (Vlogging!), aber auch für epische Bergpanoramen ist. Für einen Straßenpreis von aktuell knapp 900 Euro ist sie aber wohl die spannendste unter den kompakten Digitalkameras diesseits der Vollformatklasse.

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SPEZIAL Winterrunning

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Text: Denis Wischniewski Fotos: Philipp Reiter, Jimmy Hyland

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Wer weiss schon wie dieser Winter werden wird – in Hamburg vermutlich anders als in Freiburg und dort anders als bei Innsbruck. Egal – es wird kühl, manchmal eiskalt und wir werden mehr Freude am Laufen haben, wenn wir es uns warm machen. Mit diesen Produkten klappt das ziemlich gut ...

Bitte versteht mich nicht falsch. Ich mag den Winter. Er ist eine Jahreszeit. Er kommt etwas zu früh und bleibt etwas zu lange. Wie Besuch, dem man Kaffee und Kuchen serviert, um dann so lange sitzenzubleiben, bis es Abendbrot gibt. Alles kein Problem, wenn man den Kühlschrank voll hat. So ähnlich ist das dann mit dem Winter, der hier bei uns in der Gegend am 25. November mit Wucht kam. Minusgrade und Schneefall bis in tiefe Lagen. Deshalb brauche ich nun mehrere Lagen, um beim Laufen warm zu bleiben. Im Winter auch weiterhin regelmäßig zu laufen, ist, wie ich finde, eine weit größere Challenge als im Frühjahr, Sommer oder Herbst. Da wird es einem leicht gemacht und nun muss man sich mit ein paar Dingen wirklich beschäftigen: Was ziehe ich an? Habe ich alles dabei? Noch eine Lage? Trinken? Hart sein wie ein Danny? Kurze Hose einfach anlassen? Wir haben uns umgesehen und neue Produkte gefunden, die ziemlich gut im Winter funktionieren. Zunächst Winter-Trailschuhe, die auf Eis und Schnee zupacken, Bekleidung, die winddicht, wasserabweisend und überraschend atmungsaktiv ist. Wo wir früher einfach immer irgendwann zu wenig oder zu viel anhatten, überzeugen die nachfolgenden WINTERSACHEN vor allem durch ihre Vielseitigkeit und den universellen Einsatzbereich.

Ein paar richtig gute Tipps für das Laufen wenn es eiskalt ist Nimm eine zweite Mütze/Beanie mit

Als Vielschwitzer ist bei langen und intensiven Winter-Longruns meine Mütze irgendwann nass. Dann ist ihre Wärmeleistung, vor allem nach einer gewollten oder ungewollten Pause, nicht mehr so gut wie zu Beginn. Mit einer zweiten, trockenen Beanie macht das Weiterlaufen mehr Spaß.

Kaufe dir endlich Merinowolle-Socken

Im Sommer lief ich fast alles in sehr dünnen Polyester-Socken. Herrlich, wenn alles schnell trocknet und luftig ist. Im Winter hingegen liebe ich dicke Merinowolle-Socken, denn die halten meine Füsse auch warm, wenn sie nass geworden sind.

Das Sonnenloch nutzen, nutzen, nutzen

Im Winter sollte man spontan laufbereit sein! Sonne und Licht sind zum raren Gut geworden. Deshalb will ich es nicht verpassen, wenn tatsächlich mal, ein Sonnenloch entsteht. Also: sei bereit, habe die Wetterapp im Blick. Man würde sich doch ärgern, im Schatten zu laufen, wenn nur wenig später die Sonne lacht und man dabei unter der Dusche steht. Das mit dem Vitamin D hatte ich vergessen.

Traue dich: Laufe bei Nacht, bei Schnee

Der Winter fordert aber auch eine gute Portion Pragmatismus: Laufe immer dann, wenn es geht und auch, wenn Bedingungen nicht so sind, wie man sie sich wünscht. Der Tag ist kurz – laufe bei Nacht! Es hat viel Schnee – laufe auf Schnee! Wer hat gesagt, das Trailrunning keine Wintersportart ist? Ich höre nichts.

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SPEZIAL Winterrunning

149,95 Euro 8 mm Sprengung 280 Gramm

Salomon Genesis GTX Der Salomon Genesis GTX war so ein Schuh, bei dem ich schon beim Auspacken dachte: „Okay, der meint es ernst.“ Kein greller Race-Look, kein „schau mich an“–Vibe. Eher: robust, verlässlich, ein bisschen Understatement. Und genau das macht ihn sympathisch. Beim Reinschlüpfen sitzt er sofort stabil, ohne einzuengen. Dieses Obermaterial fühlt sich an wie: „Komm, wir gehen da jetzt einfach durch.“ Mit der GORE-TEX-Membran bleibt’s trocken, egal ob Regen, Matsch oder Schneematsch. Man merkt schnell, dass der Schuh für Tage gebaut ist, an denen das Wetter eigentlich sagt: „Bleib doch daheim.“ Auf dem Trail wirkt der Genesis GTX angenehm gedämpft, aber nicht schwammig. Das “Energy Foam“-Gefühl ist weich genug für lange Runden, aber immer noch so präzise, dass man Wurzeln und Steine kontrolliert wegsteckt. Die Sohle greift zuverlässig – egal ob matschige Serpentinen, nasser Waldboden oder loser Schotter. Man bekommt dieses „ich rutsche nicht weg“-Vertrauen, das man gerade an steilen Stellen dringend braucht. Was mir besonders gefällt: Der Schuh ist stabil, ohne schwer zu wirken. Man kann mit ihm locker mehrere Stunden draußen sein, ohne dass die Füße rebellieren. Die Sprengung bleibt angenehm unauffällig – man läuft einfach los, ohne nachdenken zu müssen. Klar, ein reiner Wettkampf- oder Speed-Schuh ist er nicht. Aber das will er auch nicht. Der Genesis GTX ist für alle Tage, an denen der Trail ruft – egal wie das Wetter aussieht oder wie technisch der Weg wird. Ein Schuh für Leute, die einfach raus wollen, ohne Drama, ohne Schnickschnack. Einer, auf den man sich verlassen kann, wenn der Rest des Tages chaotisch war.

249,95 Euro 4 mm Sprengung 340 Gramm

Salomon Winter Cross Spike Der Salomon Winter Cross Spike ist kein Schuh, der um Aufmerksamkeit bittet. Er wirkt eher wie ein Werkzeug, gebaut für Tage, an denen der Boden nicht mehr wirklich Boden ist. Beim Anziehen spürt man sofort diese funktionale Strenge: Die integrierte Gamasche schließt sauber ab, nichts flattert, nichts drückt. Es fühlt sich an, als würde der Schuh sagen: „Du läufst, ich kümmere mich um den Rest.“ Auf den ersten Metern zeigt sich, wofür er gemacht wurde. Die Karbidspikes greifen in vereiste Flächen, als sei das die normalste Sache der Welt. Wo andere Schuhe wegrutschen, bleibt der Winter Cross Spike ruhig, kontrolliert, fast unbeteiligt. Diese Gelassenheit überträgt sich. Man läuft plötzlich Strecken, die man bei Eis eigentlich meidet – und fragt sich, warum man das nicht schon früher getan hat. Die Dämpfung ist nüchtern, nicht weichgespült. Sie filtert harte Schläge heraus, ohne die Rückmeldung vom Untergrund zu schlucken. Für Winterbedingungen ist das genau richtig: genug Schutz, aber kein Verlust an Aufmerksamkeit. Auch überraschend: Trotz Spikes, Membran und Schutz wirkt der Schuh nicht schwerfällig. Er zwingt keinen Stil auf, er lässt dich einfach laufen. Natürlich ist er ein Spezialist. Auf trockenen Wegen wirkt er fast überqualifiziert, und im Frühling sollte man ihn wieder einpacken. Aber im Winter, wenn Kälte, Nässe und Glätte das Training bestimmen, passt er perfekt in diesen schmalen Moment zwischen Vernunft und Trotz. Ein Schuh, der nicht inspiriert – sondern ermöglicht. Und manchmal ist es genau das, was man braucht.

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150,00 Euro 8 mm Sprengung 349 Gramm

Adidas Terrex Agravic GTX Es gibt Schuhe, die beim ersten Anziehen kaum auffallen – kein großes Drama, kein „schau her“. Der Terrex Agravic GTX ist genau so einer: ruhig, unspektakulär, aber bereit für fast alles, was kommt. Schon nach ein paar Schritten merkt man, wie unkompliziert er sitzt. Stabil, ohne steif zu sein, sicher, ohne zu drücken. Das Obermaterial wirkt robust, bleibt aber flexibel, und die Gore-Tex-Schicht hält zuverlässig trocken, ohne dass man das ständig merkt. Einfach anziehen und los. Auf dem Trail zeigt die Continental-Sohle, warum sie so gefeiert wird: richtig guter Grip, ohne Showeffekt. Egal ob nasser Boden, Schotter oder matschige Stellen – der Schuh bleibt souverän. Die Dämpfung ist eher direkt, gibt ordentlich Rückmeldung und fühlt sich trotzdem komfortabel an. Der Agravic GTX ist kein Spezialist, sondern ein Allrounder, den man spontan greift, wenn man nicht lange überlegen will. Feierabendrunde, Wochenendtrail, Regenwetter – er passt immer. Und genau das macht ihn stark: Er ist kein Super-Held, aber ein verlässlicher Partner – einer, der dich nicht begeistert, sondern überzeugt. Ein Schuh, der es aufrichtig ehrlich meint, weil er funktioniert.

160,00 Euro 8 mm Sprengung 300 Gramm

Dynafit Ultra GTX sobald man reinschlüpft, merkt man: Der Schuh ist gebaut für lange Strecken, nicht für Show. Und ja, er kommt aus Vietnam, wo viele hochwertige Performance-Modelle gefertigt werden – sauber verarbeitet, stabil, absolut verlässlich. Schon beim Loslaufen fällt auf, wie leichtfüßig er ist. Die Passform sitzt angenehm eng, aber nicht einengend, eher wie ein ruhiger Rahmen um den Fuß. Das Obermaterial ist robust, bleibt dabei flexibel, und die Gore-Tex-Membran hält zuverlässig trocken, egal wie fies das Wetter wird. Man kann einfach raus, ohne groß nachzudenken. Die Sohle arbeitet präzise: guter Grip auf technischen Passagen, sicherer Halt auf nassen Wurzeln und genug Stabilität für längere Touren. Die Dämpfung ist ausgewogen – komfortabel, aber nicht schwammig, direkt, aber nicht hart. Ein Schuh, der das lange Laufen ernst nimmt. Und genau deshalb zeigt er im Winter seine besten Seiten: Regen, Schneematsch, gefrorene Waldwege, kalte Feierabendrunden – der Ultra GTX kommt mit all dem klar. Er fühlt sich an wie ein verlässlicher Trainingspartner, der jedes Wintertraining möglich macht, egal ob locker, lang oder schnell. Kurz gesagt: Wenn es draußen ungemütlich wird, wird dieser Schuh richtig gut. Ein echter Ganzjahres-Worker – aber im Winter fast unschlagbar.

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SPEZIAL Winterrunning

Pantoffel-Helden Die neuen GORE WEAR Outdoor Slipper kombinieren Leichtigkeit, robustes Material und wetterfesten Schutz. Sie bieten rutschfeste Sohlen, Einsätze aus Filt und hohen Komfort nach langen Läufen oder Touren – ideal für Hütten, Camping und Erholung unterwegs. 44 Euro

Puffer-Boots Wenn der Bergtag endet, beginnen die Nuptse Traction Chukka. Warm, sehr leicht und schnell angezogen bieten sie Halt auf Eis und Schnee. Ein Kordelzug hält die Wärme, die robuste Sohle die Spur. Perfekt für Post-Race, Kneipe, Sternennacht – bereit, wenn du es bist. 119 Euro

Erholungs-Decke Die GORE WEAR Wendedecke spendet dir leichte, komprimierbare Wärme für Training und Alltag. Eine Seite ist kuschelig, die andere schützt vor Wind und Feuchtigkeit. Schnell verstaubar, vielseitig einsetzbar – ideal für Läufer:innen, die nach dem Sport warm bleiben wollen. Achso: Wahnsinn das Teil! 99 Euro

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Waldrast

Nano nano

Eine Jacke für Skitouren und Wintertrails, die bewegt: ultraleichtes Moon Stretch für maximale Freiheit, Belüftung dort, wo’s brennt, und PrimaLoft® Active Evolve für gezielte Wärme. Partielle Winddichte, wasserabweisend, kapuzenstark. Für alle, die im Aufstieg alles geben. Von Maloja. 240,00 Euro

Warm, winddicht, wasserabweisend – das Nano Puff® Jacket von Patagonia erzeugt erstaunliche Wärme bei minimalem Gewicht. Gestopft mit PrimaLoft® Gold aus 100% recyceltem Material, fair produziert und hoch komprimierbar. Eine Jacke, die Verantwortung und Performance verbindet. 230,00 Euro

Der hält was er verspricht

Ganz leicht gestreift

Winter? Weiterlaufen. Der Blizzard GTX kombiniert GORETEX-Wetterschutz, wasserabweisende Gamasche und feste Spikes für maximalen Grip auf Eis und Schnee. Leicht, präzise, schnell geschnürt – perfekt für alle, die auch im tiefsten Winter nicht stoppen. Das ist der ultimative Winterlaufschuh, wenn es richtig Winter ist! 240,00 Euro

Baselayer oder Laufshirt? Das X-Alps Performance Wool 115 ist beides: weich, warm und schnell trocknend dank Merino-Mix. Mit längerem Schnitt, Daumenschlaufen und angenehmem Tragegefühl wird es zum Allround-Shirt für die kalten Monate – von Oktober bis März. 89,00 Euro von ODLO

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HINTERGRUND SPEZIAL Winterrunning Doping Nicht arm dran Warm, leicht, wendbar: Die Core Run Thermal Vest liefert PrimaLoft®Power für kalte Runs. Wind- und wasserabweisend, mit Reflexdetails und smarten Taschen bleibt sie verlässlich, wenn das Licht sinkt und das Wetter kippt. Eine Weste für jede Wintereinheit. 130,00 Euro von CEP

Patagonia, klar! Federleicht, elastisch, sehr atmungsaktiv: Der Nano-Air® Ultralight Hoody kennt genau die Wärme, die schnelle Trail-Tage brauchen. Komprimierbar, beweglich und gemacht für Tempo hält er den Körper im Wohlfühlbereich – fair gefertigt und bereit für jedes kühle Abenteuer. Klasse Jacke. Liebling! 270,00 Euro

Zieh ich nicht mehr wieder aus! Leicht, atmungsaktiv, bereit für jede Lage: Die Mountain Flex Hooded Jacket von SALOMON vereint Ripstop-Schutz, Stretch-Innenfutter und ClimateSync-Belüftung für trockenen Komfort bei Aufstieg, Abstieg und Alltag. Eine Thermo-Jacke, die deinen Komfortbereich erweitert. Ich laufe den Winter mit ihr durch – ein Baselayer darunter reicht! 182,00 Euro

Aclima

FleeceWool Polo Preis: 200 Euro WarmWool Roll Neck Preis: 115 Euro

Seit 1939 stellt Aclima aus Norwegen funktionelle Textilien aus Merinowolle her. Ursprünglich für Fischer und Draußenarbeitende. 2025 können wir sagen: Besser macht das keine andere Merinomarke. Das WarmWoll Roll Neck ist der ultimative Baselayer für winterliche und sehr winterliche Läufe. Passform, Griff, Tragekomfort top. Das FleeceWoll Polo, eigentlich ein Pullover, ist ein Traum in weich, wenn auch zum Laufen fast immer zu warm. Aber man kann ja danach noch ein bisschen draußensitzen.

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Von Black Diamond Leicht, warm, wandelbar: Die Deploy Wind Hood Gloves aus atmungsaktivem Fleece für Speedwork in der Kälte – plus ultraleichte Kapuze gegen Wind und Nässe. Mit Grip, Nasenwischer, Reflektoren und Touchscreen-Kompatibilität sind sie bereit für jede BergSession, das ganze Jahr. 49,99 Euro

CRAFT und günstig! Leicht, warm, entspannt: Die SubZ Light Jacket kombiniert wind- und wasserabweisendes Polyester mit dünner PrimaLoft-Isolierung und softem Jerseyfutter. Kapuze, Reflexdetails und lockerer Fit machen sie zur vielseitigen Begleiterin – fürs harte Training und den Alltag bei Kälte. 129,00 Euro UNSER TOP-TIPP!

Von oben bis unten High-Tech für lange Distanzen: X-BIONIC Xceed® nutzt HygroDiffuser® und VectorSphere®, um Feuchtigkeit aktiv abzuleiten und Wärme zu regulieren. Nahtlos, belüftet, geruchskontrolliert – maximale Atmungsaktivität und dauerhafter Komfort für jede Laufstrecke.

Ne echte BLIZ Vielseitig, leicht, klar: Die P003 ist die AllroundSportbrille für jede Disziplin. Mit modernem Unisex-Design, zwei Größen und leistungsstarker Glastechnologie mag sie perfekte Sicht und zuverlässigen Halt – egal ob Trail, Straße oder Multisport-Challenge. 89,00 Euro

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SPEZIAL Winterrunning Duck Bill als warme Version Warm, wetterfest, trailbereit: Die Wintermütze von Patagonia bringt wasserabweisende Krone mit atmungsaktivem Fleece an Seiten und Ohren zusammen. Knautschfester Schirm, verstellbarer Sitz, Platz für den Zopf – fair gefertigt und perfekt, wenn der Trail auch im tiefen Winter ruft. 49,90 Euro

Seit fast 150 Jahren

Eindrucksvoll ISPO-prämiert und wetterfest: Die Dual Dry Performance Knit Jacket von ODLO trotzt Regen, Wind und Kälte mit OCTA-Isolierung, verklebten Nähten und wasserdichtem Zipper. Ultraleicht, kapuzenstark und gemacht für Läufe, die trotz Sturm stattfinden. Lauf – egal, was kommt. 299,00 Euro

Seit 1877 steht Helly Hansen für Wärme, Schutz und Verlässlichkeit bei jedem Wetter. Das riesige Portfolio zeigt: Hier findet Jede*r die passende Ausrüstung – hochwertig, funktional und mit einem stimmigen Preis-Leistungsverhältnis. Perfekt für Outdoor-Abenteuer.


Hybrides

GORE WEAR Socken Darauf haben wir gewartet: halb Socke, halb Slipper – und ganz Komfort: Das weiche Fleecefutter verwöhnt müde Füße nach langen Tagen. Warm, gemütlich, unkompliziert – die perfekte kleine Auszeit zum Reinschlüpfen.

Leicht, elastisch, innovativ: Die Light Shell Hose von SALOMON vereint schützende Layer, gezielte Atmungsaktivität und einen optimierten Schnitt mit artikuliertem Knie und eng anliegender Wade. Ideal für Winterläufe, Wanderungen und Tourentage – maximale Mobilität bei jedem Schritt. 129,00 Euro

Trägt man das jetzt so? Eine jahreszeitliche Stilkritik am Rande der Trails

Die Hybridmütze

Mein Großvater war Waldarbeiter und hatte genau so eine Mütze. Na ja, nicht ganz. Seine war außen aus Cord und innen aus Lammfell. Und beim Waldarbeiten vermutlich praktischer als jene Strickmützen, die meine Großmutter jeden Winter im Akkord gestrickt hat. Wenn sie nicht gerade am Sockenstricken war. Doch zurück zur Hybridmütze. Gibt es die nicht vor allem deshalb, weil diese coolen jungen Marken wie Ciele oder Våga auch für den Winter ein Geschäftsmodell haben? Wir haben es ausprobiert. Unser Fazit ist klar: Jein. Denn irgendwie lässt sich eine Strickoder Synthetikmütze dann doch in feineren Abstufungen über die Ohren ziehen als die wiederum an Schlappohren eines Cockerspaniels erinnernden Textillappen einer solchen HybridLaufkappe. Hier geht nur ganz oder gar nicht.

Das daunige T-Shirt

Maschenware

Ja, das Teil sieht aus wie aus dem Fetischbedarf. Oder dem Berliner Berghain, wobei ich im Berghain schon Jahre nicht mehr war. Im vergangenen Winter war ich aber auf dem Brocken. Mein WoolknitBaselayer von Aclima war da ziemlich fantastisch. Erstens sammelt sich in den Maschen Luft und die hält bekanntlich warm. Zweitens wird das Teil bei Anstrengung nicht so nass wie ein „normaler“ Merino-Baselayer.

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Erinnert ihr euch noch an die cropped Daunenjacken von The North Face? Bis zum untersten Rippenbogen mollig warm und dann quasi bauchfrei? Dieses Idun 2.0 Daunenshirt von Klättermusen ist mehr als nur ein FashionItem. Es taugt auch zum Trailrunning. Voraussetzung: Es ist wirklich kalt und man ist nicht allzu speedy unterwegs. Auch top: das geringe Packmaß.


PRODUKTE Die Lieblingsprodukte 2025 der Redaktion

Text & Fotos: Clemens Niedenthal, Tom Stetter, Moni Stetter, Harald Angerer, Denis Wischniewski

Herzens Sachen Eine lange Saison, viele Anstiege, eben soviele Downhills und eine Ausrüstung, die alles einfach so mitmacht – ohne Probleme, fast unbemerkt. Unsere liebsten Teile 2025 stellen wir hier vor.

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Clemens Niedentahl Reise & Report TRAIL Leinen und Seide

Hier geht es um kein Produkt. Sondern um eine Erkenntnis. Neuerdings laufe ich in Naturmaterialien sehr, sehr gerne. Bei meinen beiden längeren Projekten im Sommer habe ich etwa die kühlende Wirkung von Leinen entdeckt. Und statt eines Buffs, wähle ich bei Temperaturen über 20 Grad schon länger ein Bandana aus Seide. Ist jetzt sicher kein Performance-Outfit für auf Anschalg gelaufene 20K, aber für lange warme Tage herrlich. Ach ja, das Leinenhemd ist von Closed, und das Bandana schon uralt, zerfranst und von Acne.

Odlo Dual Knit Dry Performance Jacke

Preis: 299 Euro Eine Sache habe ich an meinem Chefredakteur lange nicht verstanden. Wie kann man nur folierte Jacken als Wärmeschutz tragen? Ich habe das immer strickt getrennt. Oberteile (aus Polartec zum Beispiel) zur Isolation und Membranjacken gegen Wind und vor allem Regen. Bis ich dieses Teil mit dem umständlichen Namen in die Hände bekam: eine angenehm dünne, atmungsaktive Folie, aber etwa am Oberkörper zusätzlich wattiert, also isoliert. Dazu ein Schnitt, der den Lagenlook erlaubt und dennoch atheltisch genug sitzt. In den nächsten Monaten hab ich die sicher immer dabei.

"Wie kann man nur folierte Jacken als Wärmeschutz tragen? Ich habe das immer strickt getrennt."

Norda 005

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Preis: 305 Euro Zugegeben, der Schuh wird in diesem Heft schon von Tom Wagner ausgiebig gefeiert. Und er ist damit sogar den UTMB gelaufen. Ich immerhin einmal rund um Bornholm. Zum Schockverliebtsein hat auch das gereicht. Der agile, ausdauernde und herrlich agile TPEE-Mittelsohlenschaum und vor allem dieser absolut unaufgeregte Auftritt. Schlichte Optik, keine nach Aufmerksamkeit schreienden Details, reduziert, clever, funktional. Zum ersten Mal, seit ich laufe, gibt es da diesen einen Schuh, den ich für jedes Terrain und jede Distanz am liebsten nehme.

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PRODUKTE Die Lieblingsprodukte 2025 der Redaktion

Harald Angerer Test & Events

Suunto Race 2

Seit August habe ich eine fixe Begleiterin auf den Trails und das ist die Suunto Race 2. Die Finnen haben es mit der Uhr geschafft, mich wieder auf ihre Seite zu holen. Besonders begeistert mich an der Uhr das 1,5 Zoll große AMOLED-Display mit knackigen Farben. Es ist auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut abzulesen. Dazu kommen noch eine sehr zuverlässige Navigation und ein für mich völlig ausreichender Funktionsumfang. Die Uhr arbeitet zuverlässig und in Kombination mit der Suunto-App lassen sich die Daten einfach aus- und bewerten. Dabei hilft auch der integrierte Suunto-Coach. Ein großer Pluspunkt ist auch die ZoneSense-Funktion. Diese ermittelt in Echtzeit, ob du dich im aeroben, anaeroben oder VO2-Max-Bereich befindest – unabhängig von statischen Pulswerten. Die Akkulaufzeit mit gut 42 Stunden ist für mich ebenfalls ausreichend. Sollte ich mal mehr brauchen, kann ich das ganz einfach beim Loslaufen ändern. Was Suunto mit der Race 2 noch zeigt, ist, wie eine moderne Sportuhr heutzutage aussehen kann. Trotz großem Display und ausreichend Akku ist die Uhr schlank und sieht mit dem fast rahmenlosen Display richtig gut aus und wirkt nicht wie ein Klotz am Arm.

"Mit dem Ultra 3 trauen sie sich aber erstmals an einen wirklich gut gedämpften Ultraschuh und das ist voll aufgegangen. "

VJ Ultra 3

Ja, die Finnen haben es mir heuer offensichtlich angetan. Auch mein zweites Lieblingsprodukt kommt aus dem hohen Norden. Der Ultra 3 von VJ Sport aus Finnland konnte mich heuer richtig begeistern. VJ Sport ist eine recht junge Firma, die sich aus dem Orientierungslauf heraus entwickelt hat. Schon in den vergangenen Jahren waren sie mit Schuhen mit unglaublich viel Grip aufgefallen. Mit dem Ultra 3 trauen sie sich aber erstmals an einen wirklich gut gedämpften Ultraschuh und das ist voll aufgegangen. Der verwendete, stickstoffangereicherte Dämpfungsschaum ist komfortabel,

elastisch und reaktiv. Gepaart mit einer Rocker-Bauweise versprüht der Ultra 3 große Lauffreude. Dazu kommt noch der aus meiner Sicht beste Gummi am Markt. Die Sohle klebt förmlich am Boden. Abgerundet wird das Ganze noch von einer richtig guten Passform. Er hat eine Art Footshape, aber nicht ganz so extrem wie Altra, und ist straff, aber bequem gepolstert. Auch wenn der Schuh Ultra heißt, ist er für mich der spannendste Allrounder aktuell am Markt. Er lässt sich sowohl auf der schnellen, technischen Hausrunde als auch beim Longrun laufen und es macht immer Spaß mit ihm.

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Denis Wischniewski Herausgeber TRAIL La Sportiva Prodigio Pro

In diesem Heft tritt der Prodigio Pro mehrfach in Erscheinung – und jedes Mal überzeugend. Im Langzeittest auf Seite 94 schildere ich, wie zuverlässig er mich über die 100 Meilen des UTMB getragen hat. Hier jedoch soll er als eines meiner beiden Favoriten vorgestellt werden. Der Grund ist schlicht: Er verdient es. Der Prodigio Pro ist für mich ein Schuh, der verschiedene Disziplinen mit bemerkenswerter Lässigkeit vereint. Seine spürbar dämpfende Mittelsohle, der komfortable Sitz und die nahezu stoische Stabilität qualifizieren ihn für große Distanzen, alpines Terrain und im Grunde für sämtliche Trainingsläufe. Man könnte ihn ohne Weiteres als Allrounder empfehlen – als Einstiegsmodell ebenso wie als Geheimtipp für alle, die einen Ultratrail in den Alpen nicht nur finishen, sondern gewinnen wollen. Rückblickend hat mich besonders seine Robustheit beeindruckt. Es existieren Alternativen mit ähnlichen Datenblättern, doch kein anderes Modell hat eine derart ruppige Saison so klaglos überstanden wie dieser italienische Vertreter. Das ist bemerkenswert. Zudem gefällt mir seine klassische Schnürung, die sauber integrierte Gaitor-Lösung und die hauseigene Außensohle, die dem Vergleich mit Vibram nicht ausweicht, sondern ihn souverän besteht.

Klar, Smartwatch-Features sind eher Minimalprogramm – aber die Uhr will auch gar nicht „Lifestyle“ sein. Suunto Race S

Die Suunto Race S hat mich echt positiv überrascht. Klein, leicht, fast unsichtbar – genau so mag ich’s beim Laufen. Das AMOLEDDisplay knallt richtig: hell, scharf, immer gut ablesbar. Und das GPS? Ziemlich spot-on. Meine Trailrunden waren im Tracking fast perfekt nachgezeichnet. Die Navigation ist simpel, aber macht ihren Job. Nur der Karten-Download nervt, der dauert gefühlt eine Ewigkeit. Der neue Herzfrequenzsensor misst deutlich besser als frühere Suunto-Modelle, auch wenn er bei schnellen Sprints manchmal kurz hinterherhinkt. Der Akku hält angenehm lange: ein paar Trainingssessions, Ultratrails ohne Laden sind locker drin. Klar, Smartwatch-Features sind eher Minimalprogramm – aber die Uhr will auch gar nicht “Lifestyle“ sein. Für mich ist sie genau das Richtige: eine unkomplizierte, robuste Sportuhr, die nicht nervt, sondern einfach funktioniert. Perfekt für alle, die raus wollen, laufen wollen und keinen Bock auf TechnikOverkill haben.

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PRODUKTE Die Lieblingsprodukte 2025 der Redaktion

Moni Stetter Redaktion "Egal ob Training oder Wettkampf. Ich habe ihn liebevoll „Bauchladen“ getauft, weil ich in ihm all meine Riegel und Gels verstaue. "

THY-Belt:

Mittlerweile gibt es unzählige von ihnen. Laufgürtel! Jede Marke hat so ihr eigenes Konzept, wenn es um diese praktischen Helferlein geht. Ich habe einige probiert. Die meisten sind ganz okay. Wirklich praktikabel waren sie aber alle nicht. Entweder schlackern die Sachen im Gürtel umher oder es reibt und drückt. Der perfekte Belt für mich war dann am Ende der THY-Belt. Ich weiß! Das klingt nach nicht ganz so subtiler Werbung für meine Company. Es ist aber tatsächlich eine ehrliche Zweisamkeit zwischen mir und diesem THY-Belt geworden. Ich trage ihn bei annähernd jedem Lauf. Egal ob Training oder Wettkampf. Ich habe ihn liebevoll „Bauchladen“ getauft, weil ich in ihm all meine Riegel und Gels verstaue.

Powerbar Fuel Gel 30 und Powerbar Blackline Fuel 90 Drink:

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Lange habe ich gebraucht, um mich überhaupt an Sportnahrung zu gewöhnen. Mir ist schon klar … wenn ich Leistung bringen möchte, müssen die Carbs rein. Aber es darf bitte auch ein wenig schmecken! Powerbar hat meinen Wunsch erhört und mit den Fuel Gels und dem Blackline Fuel Drinkmix zwei Produkte an den Start gebracht, die mich in diesem Jahr durch all meine Rennen getragen haben. Der Geschmack, die Konsistenz und die Bereitstellung von Energie passen für mich perfekt und ich kann die nötigen Mengen problemlos zu mir nehmen.

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Tom Stetter Redaktion & Podcast Pacemaker Nutrition:

Was sind für mich die Attribute, die ein wirklich großartiges Sportgetränk ausmachen? Da kommen als Erstes die Menge und die Art der Kohlenhydrate. Die Mischung aus Glucose und Fructose muss passen, um auch eine gute Verträglichkeit und Energieverfügbarkeit gewährleisten zu können. Kommen wir zur Löslichkeit. Wie schlimm ist es bitte, wenn sich am Boden der Flask ein sich nie auflösender weißer Zuckerball befindet? Nicht mit Pacemaker. Das Zeug löst sich superschnell und einfach auf. Das macht es gerade in Rennen oder an der Wasserquelle am Berg sehr einfach und angenehm. Kein ewiges Rumgeschüttel und Geklebe mehr. Auch geschmacklich haben mich die zwei Flavors überzeugt. Völlig unaufdringlich und geschmeidig fließt der Drinkmix die Kehle runter.

"Leider geht mit dem Aus von GoreBekleidung 2026 eine Ära zu Ende. Also habe ich mich bis zum Ende meiner Laufkarriere mit Unterhemden eingedeckt." Gore Windstopper Baselayer Sleeveless:

Wenn ich nur ein Kleidungsstück aus meinem Schrank behalten dürfte, wäre es dieser unfassbare Baselayer. Seitdem ich laufe, trage ich – egal zu welcher Jahreszeit und egal bei welcher Temperatur – ein GoreWindstopper-Unterhemd. Ich mag es nicht, wenn das verschwitzte Laufshirt ungefiltert auf der Haut klebt. So fing ich eben an, zwischen mir und dem Shirt ein Unterhemd zu tragen. Heute geht es nicht mehr ohne. Im Sommer nur mit diesem Baselayer und im Winter als wärmende erste Schicht. Das Teil ist an Vielseitigkeit nicht zu überbieten. Leider geht mit dem Aus von Gore-Bekleidung 2026 eine Ära zu Ende. Also habe ich mich bis zum Ende meiner Laufkarriere mit Unterhemden eingedeckt.

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GUTES ESSEN Soulfood Rezepte by TOM the baker Text & Fotos: Tom Stetter

Gut essen, um bessere Trailrunnerinnen und Trailrunner zu werden

Mit Leib

und Seele

Die vermeintlich wichtigen Dinge sind nicht mehr die, die sie mal waren. Heute fehlen Zeit, Gespür und Fingerspitzengefühl. Alles Sachen, die untrennbar mit Genuss zusammenhän-

gen! Wir brauchen sie sowohl für die Lauferei als auch für das leibliche und seelische Wohl. Auch wenn es sich in dieser schnelllebigen Welt befremdlich anfühlt: Sich Zeit zu nehmen für das Gute, ist die Essenz des Lebens.

So möchten wir dich einladen, ein paar leckere Rezepte nachzumachen. Selbst gemacht und garantiert richtig lecker und gesund. Gönn dir diesen Luxus und zaubere für dich und deine Lieben einen echten Genussmoment.

Nuss-Schnecken mit Tonkastreusel: Die Mengen von Teig, Nussfüllung und Streusel sind genau aufeinander abgestimmt. Deine Nussfüllung: Bring den Haferdrink zum Kochen und rühre alle Zutaten hinein. Decke die Füllung mit Folie ab und stelle sie über Nacht zum Durchziehen in den Kühlschrank. Stelle die Nussfüllung einen Tag, bevor du die Nuss-Schnecken machen möchtest, her. Es kann sein, dass du die Festigkeit der Nussfüllung vor dem Aufstreichen auf den Teig etwas mit kaltem Haferdrink anpassen musst. Die Füllung sollte geschmeidig und nicht zu flüssig sein (am besten etwas fester als Nutella). 500 g gemahlene Haselnüsse (können für 4–6 Minuten bei 180 °C angeröstet werden) 250 g Haferdrink 250 g Rohrohrzucker 2 Teelöffel Kakao ¾ Teelöffel Zimt Prise Salz Dein Tonkastreusel: Vermenge die Margarine und den Zucker zu einer

glatten Masse. Der Zucker sollte weitgehend aufgelöst sein. Wichtig ist, dass du die Margarine kalt verarbeitest. Gib nun eine gute Prise Salz, eine ganze geriebene Tonkabohne und das Mehl hinzu. Vermenge alles so lange behutsam miteinander, bis ein schöner Streusel entsteht. Der fertige Streusel sollte eine Nacht im Kühlschrank ruhen. 125 g Rohrohrzucker 250 g Margarine (Alsan-Butteralternative eignet sich sehr gut) 375 g Dinkelmehl Type 630 eine geriebene Tonkabohne Prise Salz Dein Hefeteig: Gib alle Zutaten bis auf die Margarine in eine Rührschüssel. Lass alles vorsichtig für 5 Minuten vermengen. Gib nun die Margarine hinzu und lass den Teig anschließend 8–10 Minuten intensiv kneten. Gib deinen Teig für etwa 2–4 Stunden in den Kühlschrank. Rolle den Teig mit einem Rollholz und etwas Mehl aus. Der Hefeteig sollte eine Stärke von etwa 2–4 mm haben. Streiche nun deine Nussfüllung auf den Teig, rolle ihn auf und schneide nun etwa 5 cm dicke Schnecken runter. Lege eine große Auflaufform oder

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ein Backblech mit Papier aus und gib die Schnecken mit ca. 2 cm Abstand zueinander auf das Blech oder in die Form. Verteile den Tonkastreusel auf den Schnecken, decke sie mit einer Folie ab und stelle sie für 6–12 Stunden in den Kühlschrank. Lass deinen Ofen für 30 Minuten auf 180 °C vorheizen. Gib deine Nuss-Schnecken in den Ofen, drehe die Temperatur auf 160 °C zurück und backe sie für etwa 25–30 Minuten, bis sie goldgelb sind. Wenn du nicht sicher bist, ob sie durch sind, stecke ein Thermometer hinein. Die Kerntemperatur der Schnecken sollte bei 86–90 °C liegen. Kleiner Tipp: Wenn deine Schnecken zu schnell zu dunkel werden, dann bedecke sie im Ofen mit einem Backpapier. 600 g Weizenmehl Type 550 400 g Dinkelmehl Type 630 550 g kalter Haferdrink 120 g Rohrohrzucker 20 g Hefe 24 g Salz 120 g Margarine (Alsan-Butteralternative eignet sich sehr gut) Abrieb einer Biozitrone Goldene Milch: Sie ist nicht nur gesund, sondern auch verdammt lecker. Kleiner Tipp. Du kannst deine Goldene Milch auch als Proteinboost nutzen und in die warme Milch dein gängiges Proteinpulver hineinmischen. Stelle einen Topf auf den Herd und gib alle Zutaten hinein. Den Haferdrink und die Gewürze zum Sieden bringen (etwa 85 °C), nicht kochen lassen. Die Goldene Milch in eine Tasse oder ein Glas geben und einen Anisstern und eine Zimtstange hineinlegen. Am besten warm genießen. 500 ml Haferdrink (alternativ Mandeldrink) ½ Teelöffel Kurkuma ¼ Teelöffel Zimt Abrieb einer halben Biozitrone ein kleines Stückchen Ingwer (etwa 5–10 g) eine Tonkabohne (muss mit einer Reibe in die Milch gerieben werden) Kardamom und Safran nach Bedarf und Geschmack Baba Ganouche mit Fladenbrot:

tige dunkle Farbe haben. In der Zwischenzeit gibst du alle restlichen Zutaten bis auf Koriander in einen Mixer oder in eine hohe Schüssel, in der du das alles vermixt. Sobald die Auberginen wachsweich und dunkel sind, gibst du sie zu den anderen Zutaten und mixt alles zu einer homogenen Masse. Du kannst das Baba Ganouche auch etwas stückig lassen. Nun kannst du den frischen Koriander unterheben. In einer sauberen Schüssel hält das Baba Ganouche nun im Kühlschrank 2–4 Tage. 4 mittelgroße Auberginen 150 g Tahini (Sesammus) 50 g Olivenöl ¼ Teelöffel gemahlener Kreuzkümmel ½ frische Chilischote Saft und Abrieb einer Biozitrone Salz nach eigenem Geschmack ½ Bund frischer Koriander (alternativ Petersilie glatt) Das Fladenbrot: Gib alle Zutaten in eine Rührschüssel und lass den Teig langsam mischen, sodass sich die Zutaten zu einem Teig vermengen. Anschließend knetest du deinen Teig nochmal etwa 8–10 Minuten intensiver, bis er glatt und geschmeidig ist. Lege den Fladenbrotteig in eine leicht geölte Schüssel und decke sie mit Folie ab. Stelle den Teig für 12–24 Stunden in deinen Kühlschrank. Lege vor dem Backen ein Backblech mit Backpapier aus. Bemehle den Teig mit wenig Mehl oder Weizengrieß und stürze ihn behutsam auf das Backpapier. Verreibe etwas Olivenöl auf der Oberfläche des Teiges und drücke den Teig vorsichtig mit deinen Fingerspitzen in die Breite. Er muss nicht perfekt rund sein. Dein Fladenbrot kann ruhig ungleichmäßig und rustikal sein. Für den Geschmackskick kannst du den Teig mit etwas Sesam und Schwarzkümmel bestreuen. Das gibt ein klasse Aroma. Dein Ofen sollte 30 Minuten bei 250 °C vorheizen. Gib dein Blech in den Ofen und backe dein Fladenbrot, bis es goldgelb ist (ca. 20–25 Minuten). 250 g Weizenmehl Type 550 250 g Dinkelmehl Type 630 325 g kaltes Wasser (am besten stellst du das Wasser über Nacht in den Kühlschrank) 12 g Salz 4 g Frischhefe 25 g Olivenöl Die Teigmenge ist ideal für ein ganzes Backblech.

Eine nahöstliche Spezialität mit reichlich gesunden Fetten und Proteinen, die jeder, der sie nicht kennt, lieben wird. Zusammen mit dem selbst gebackenen Fladenbrot ist das Baba Ganouche eine irre leckere und vollwertige Mahlzeit. Das Baba Ganouche: Schneide deine Auberginen in der Mitte durch und lege sie mit der Schale nach oben auf ein Backblech mit Papier. Schneide die Oberfläche rautenförmig ein und gare sie für 20–30 Minuten im Ofen bei 220 °C. Die Auberginen dürfen ruhig eine kräf-

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PORTRÄT TRAILDOG MAVI Text & Fotos: Denis Wischniewski

Einfach mal Schnauze halten.

Mein Name war Marie. In Spanien nannten sie mich so. Dann kam Deutschland, und plötzlich hieß ich Mavi – „das passt besser“, sagten sie. Ich gehörte einem Mann, der immer rannte. Morgens, abends, manchmal mitten in der Nacht. Und ich rannte mit. Dies ist meine Geschichte. Die Geschichte von Mavi, einer Hündin, die Trails kennt.

Ü

Über Laufsport und Trailrunning könnte ich euch da draußen so einiges erzählen. Ihr glaubt vielleicht vieles, was euch Denis sagt – aber besser wissen tu ich es. Ich habe es schließlich erlebt. Mehr als er. Meistens lief ich weiter als er, oft voraus, manchmal zurück. Ich fand die richtigen Abzweige, und ja, so war das wirklich. Seit 2017 bin ich eine echte Läuferin. Eine Bergläuferin. Eine Skyrunnerin. Sogar ein paar Ultradistanzen habe ich in den Pfoten. Einmal bin ich in einem Stück um den Tegernsee gelaufen – dazu später mehr. Das war ziemlich verrückt, ich war ja noch blutjung. Ich bin in Spanien aufgewachsen. An viel erinnere ich nicht mehr. Später erfuhr ich, dass ich ein Straßenhund gewesen war. Ich streunte herum, ohne festes Zuhause. Ich hatte Geschwister, die sich kümmerten, aber wenn es ums Fressen ging, wurden sie böse, hinterhältig sogar. Ich erinnere mich in Splittern: Hitze, Staub, große Lastwagen, die so dicht an mir vorbeirasten, dass mir die Ohren flatterten. Und dieser Hunger, der nie wegging. Am Ende ging es nur ums Fressen. Und meistens bekam ich keins. Dann wurde ich eingefangen und kam in ein Tierheim. Es war besser dort, ich bekam Futter, aber ich vermisste die Freiheit. Und meine Geschwister, deren Hinterlist ich erstaunlich schnell vergaß. Danach ging alles schnell. Ein kleiner Bus brachte mich und andere Hunde weg – weg vom Ort, weg vom Tierheim. Sie steckten mich in eine Box, es wurde dunkel, und die anderen heulten und bellten. Sie hatten Angst. Ich eigentlich nicht. Erst als es laut wurde und kalt, ließ ich einfach laufen und plötzlich hatte ich doch Angst. Später sagten sie, wir seien im Bauch eines großen Flugzeugs

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Er lief mit mir um den Tegernsee. 55 Kilometer. Er sagte zu mir, ich wäre jetzt der ULTRADOG, aber ich wollte nur mein Fressen, denn es war schon spät.

PORTRÄT TRAILDOG MAVI gewesen, das von Spanien nach Deutschland flog. Wie auch immer – ich landete in einem schönen Niedrigenergiehaus am Ammersee, bei einer sehr netten Frau. Sehen konnte ich sie kaum, weil zwölf größere Hunde ständig den Weg zu ihr versperrten. Eine Deutsche Dogge passte auf mich auf. Es war eine wilde Zeit, ein wilder Haufen. Und trotzdem fühlte es sich wie Familie an. Bis eines Abends die Tür aufging und die beiden hereinkamen. Sie sahen mich lange an. Ich sagte kurz Hallo. Und ich hörte ihn sagen: „Die ist doch süß!“ Oh je. Na gut. Ein paar Tage später holte er mich ab. Ich wollte nicht. Und dann doch, weil ich dachte, dass ein eigenes Leben vielleicht keine schlechte Idee wäre. Die alte Hundecrew löste sich ohnehin langsam auf. Die Frau sagte noch einen Satz, den ich nie vergessen werde: „Die passt wunderbar zu Ihnen – mit der können Sie laufen bis ans Ende der Welt.“ Ich fragte mich, was er wohl vorhatte. Ich mache einen Sprung: Ich bekam einen eigenen Korb, dann in jedem Zimmer einen, später einen in seinem Büro und sogar in seinem Auto. Er war inzwischen mein Herrchen, sie mein Frauchen. Sie wollte das zuerst nicht sein, aber das gab sich schnell. Sie verliebte sich in mich. Kurz vor meinem ersten Geburtstag schaute er mir tief in die Mandelaugen, strich über meinen Kopf und flüsterte: „Jetzt gehen wir laufen. Jetzt probieren wir es aus.“ In seiner Stimme lag diese seltsame Ernsthaftigkeit, wie kurz vor einer Einschulung oder vor etwas, das man nicht in Worte fassen kann. Er rannte, ich lief nebenher. Dann machte er die Leine ab – und ich war weg. Die neue, unbekannte Freiheit. Ich rannte, so schnell ich konnte. Er rief meinen Namen. MAAAAAVIIII! MAAAAAAVIIIIIII! Ich hörte es, ignorierte es, und irgendwann wurde es leiser. Das zog sich eine Weile so hin. Wir liefen, er löste die Leine, ich verschwand. Er wurde sauer. Ich kam zurück. Er schimpfte. Und irgendwann schimpfte er nicht mehr. Jemand hatte ihm gesagt, er müsse mich loben, wenn

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ich zurückkäme. Paradox, ich weiß. So wurde ich ein Laufhund. Er nahm mich täglich mit – meist in den Wald, oft in die Berge. Der Ablauf war immer ähnlich: Wir wanderten steil nach oben, so lange, bis der Weg endete. Am Kreuz machten wir Pause. Ich bekam ein kleines Stück von einem seltsam künstlich schmeckenden Energieriegel, weil er meine Leckerlis vergessen hatte. Und dann rannten wir denselben Weg – oder einen anderen – wie die Verrückten hinunter. Wir überholten fast alle. Manchmal jodelte er. Um ehrlich zu sein, mochte ich den Weg nach oben lieber. Als ich fast zwei Jahre alt war, hatte ich das Laufen voll drauf. Er fuhr mit


auch. Es war irre. Ich rannte vor, zurück, wieder vor. Eine Frau sagte zu ihm, ich sei ein Wahnsinn, weil ich ja viel mehr als dreißig Kilometer laufen würde. Er meinte nur: „Ja, bestimmt fünfzig.“ Und dann war da noch mein erster Ultra. Wir liefen um den Tegernsee. Also oben rum, nicht unten am Wasser. Unten wäre besser gewesen, es war heiß. Wir liefen und liefen, bis er plötzlich stehenblieb, mich auf die Schnauze küsste und stolz sagte: „Wir sind jetzt Ultra! Wir haben fünfzig Kilometer!“ Als wir nach sechs Stunden wieder am Wohnmobil ankamen, gingen wir baden. Ich hasse Wasser. Berge liebe ich, und schmale Trails. Im kommenden Juni werde ich zehn. Es war ein wilder Ritt bisher. Wir liefen in Frankreich, in Italien, am Meer, auf einer Insel, auf einer anderen Insel ... Vor fünf Jahren zogen wir aus München raus in die Chiemgauer Alpen. Jetzt lebe ich ziemlich entspannt gegenüber von einem Bauernhof. Gute Gerüche dort. Ich bin ein bisschen im Vorruhestand, aber zwanzig Kilometer und tausend Höhenmeter gehen eigentlich immer. In der Nachbarschaft gibt es ein paar Rüden, alle jünger als ich – aber die stecke ich locker in die Tasche. Mein Herrchen sagt, ich sei fit. Für mein Alter sowieso. Sie sagen, ich sei fast siebzig. Das verstehe ich nicht. Aber ist auch egal. Hauptsache es läuft.

einem schwarzen Wohnmobil herum, traf sich mit anderen Läufern, und ich war immer dabei. In einer kargen Gegend, die sie „Harz“ nannten, erlebte ich meinen ersten richtigen Trailrun. Als ich aus meinem Korb sprang, stand ich zwischen fast vierhundert Beinen, die allesamt aussahen wie seine. Irgendwann sagte mein Herrchen: „Schön, schön. Schön, dass alle da sind. Und jetzt geht’s los. Dreißig Kilometer, okay?“ Alle nickten. Alle liefen los. Ich

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EVENT Mallorca by UTMB

Jetzt aber!

Text: Denis Wischniewski Fotos: Peakpixelcafe

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2024 versank die Premiere im Unwetter, 2025 folgte die Antwort: neue Bedingungen, neue Spannung, neue Sieger. Mallorca by UTMB startete seinen zweiten Versuch – und überraschte.

Er ist einer der weltbesten Trailrunner auf langen, schweren Strecken: Hannes Namberger ist Sieger des Mallorca by UTMB 2025!

Die Premiere des Mallorca by UTMB im Jahr 2024 stand unter ungünstigen Vorzeichen. Über dem spanischen Festland führte ein außergewöhnlich heftiges Unwetter zu Überschwemmungen und Todesopfern. In dieser Lage wurden auf Mallorca fast alle Distanzen kurzfristig abgesagt. Viele Teilnehmende bezeichneten die Entscheidung als folgerichtig, andere kritisierten eine unklare Kommunikation. Angesichts der Ereignisse auf dem Festland rückte das sportliche Geschehen jedoch zwangsläufig in den Hintergrund. Die Sicherheit der Athletinnen und Athleten blieb das zentrale Kriterium. Ein Jahr später, im November 2025, startete der Veranstalter einen zweiten Anlauf. Unter idealen Wetterbedingungen präsentierten sich die Strecken anspruchsvoll: technisch, steil und mit stark wechselndem Profil, das kaum einen gleichmäßigen Rhythmus zuließ. Im Fokus stand aus deutscher Sicht Hannes Namberger. Der Dynafit-Athlet aus Ruhpolding wählte nach einer Saison ohne UTMB in Chamonix einen späten Saisonhöhepunkt und ging als Favorit ins Rennen. Ein junger Franzose, Théo Detienne, setzte ihn über weite Teile des Rennens unter Druck und wählte dabei eine unkonventionelle, wechselnde Laufstrategie. Namberger blieb dennoch kontrolliert und ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. Am finalen Anstieg setzte er die Stöcke ein, erhöhte das Tempo und konnte sich entscheidend absetzen. Nach 13:37:31 Stunden gewann er die 138-Kilometer-Distanz und trug sich als erster Sieger des SDT in die Ergebnisliste ein. Der Erfolg reiht sich ein in seine bisherigen Siege bei internationalen Rennen wie dem Lavaredo Ultratrail, dem MIUT und dem Eiger Ultra. Auch auf den weiteren Distanzen gab es starke deutschsprachige Ergebnisse. Sonja Kinna gewann den 104 Kilometer langen CPS souverän und verwies dabei eine britische und eine spanische Athletin auf die Plätze. Der Südtiroler Tobias Geiser setzte sich beim CPS der Männer durch und erreichte das Ziel am Hafen von Sóller in 09:37:31 Stunden.

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PORTRÄT Alena Maria Pantis Text: Clemens Niedenthal Fotos: Alena Maria Pantis privat

Leise. Tief.

MARIA PANTIS KÖNNTE MAN VON INSTAGRAM KENNEN. @RUN.SILENT_RUN.DEEP HEISST IHR ACCOUNT, AN DEM HÄNGENBLEIBT, WER SICH INTENSIV UND VON GANZEM HERZEN MIT TRAILRUNNING BESCHÄFTIGT. WAS AUCH DARAN LIEGT, DASS IHN DIE FRANKFURTERIN ALS EINE ART TAGEBUCH FÜHRT. UND DASS SIE GANZ BESTIMMT KEINE INFLUENCERIN SEIN WILL. ALENA

Sie wisse aus eigener Erfahrung, sagt Alena Maria Pantis, „dass du dir auch in der UTMB-Woche in Chamonix einen Trail raussuchen kannst, auf dem du komplett alleine bist.“ Sie hat diesen Trail gesucht und gefunden. Und schon sind wir mittendrin in der nur auf den ersten Blick paradoxen Welt einer Athletin, die augenscheinlich zu den Coolen gehört. Was ja allzu gerne mit den Lauten verwechselt wird. Laut aber ist Alena Maria Pantis in keiner Weise. Gestartet ist sie bereits beim Lavaredo und nun schon zweimal beim Ultra-Trail du Mont-Blanc. Ausgestattet oder zumindest gelegentlich unterstützt wird sie von den Boutique-Running-Marken Norda und Satisfy. Dazu diese sehr eigene Bildsprache, das Grün der Wälder, das Grau der Berge. Oft abstrakt und doch gerade dadurch sehr konkret. @run.silent_run.deep heißt ihr InstagramAccount. Das könnte jetzt auch pathetisch klingen, aber genau das sind ihre Posts garantiert nie. Gerade hat Alena Maria Pantis einen der raren Einladungslinks für das Speed Project bekommen. Und sich sofort angemeldet. Ein Sololauf von Los Angeles nach Las Vegas, roundabout 500 Kilometer. Der mediale Wahnsinn, die Selbstdarstellungspirouetten, die das Speed Project immer begleiten, sind ihre Welt vielleicht nicht. Aber einsam und alleine durch den Staub Kaliforniens und Nevadas zu laufen, das kann sich die 42-Jährige schon sehr gut vorstellen. „Ich bin definitiv ein Loner, wie man im Amerikanischen sagt. Ich bin nicht der allerkommunikativste Mensch. Andererseits spreche ich gerade auf Instagram sehr offen über Themen, die andere vielleicht nicht teilen würden. Für mich ist das eine Art Tagebuch und ein Teil meines Selbstfindungsprozesses. Im Real Life bin ich zurückhaltend, eher schüchtern. Über meine Insta-Bubble bin ich aber mit wenigen Menschen sehr eng vernetzt. So habe ich Willa und Nick

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Martire, die Gründer:innen von Norda, kennengelernt, mit denen ich seit vier Jahren wirklich gut befreundet bin.“ Das Griechische. Das Deutsche Rückspultaste. Wo kommt diese Alena Maria Pantis eigentlich her? Geboren bei Frankfurt, der Vater Grieche, die

Mutter Deutsche, beginnt sie schon als Kind intensiv mit der Leichtathletik. Als Jugendliche fährt sie nach der Schule direkt zu ihrem Trainer. Sie wird Profisportlerin, Siebenkämpferin. Zieht mit 18 Jahren nach Athen, startet fortan für Griechenland. Träumt von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen.

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2012 ist Schluss mit dem Leistungssport. Eine Nierenbeckenentzündung, in deren Folge eine Antibiotikabehandlung nötig geworden ist. Und ein Riss der Achillessehne – das stand ja kleingedruckt irgendwo unter den möglichen Nebenwirkungen. Zuerst das linke Bein, ausgerechnet ihr Sprungbein.


PORTRÄT Alena Maria Pantis Später auch noch das rechte. Alena Pantis bleibt in Athen, bleibt in einem Land, das gerade in die Finanzkrise taumelt. Ein Job in einem Callcenter, für drei Euro die Stunde. „Ich hatte mir ja nie Gedanken darüber gemacht, was ich neben dem Siebenkampf noch machen wollte oder sollte.“ Sie beginnt zu rauchen, fast eine Schachtel am Tag. „In Griechenland rauchen ja eh fast alle.“ Das Leben ist prekär und andererseits doch auch ziemlich okay. „Wenn ich das heute erzähle, klingt das beinahe dramatisch, aber irgendwie war der Alltag in Athen ja für alle ähnlich, wir hatten alle die gleichen Probleme.“ Das Griechische. Das Deutsche. „Ich habe lange selbst gedacht“, sagt Alena Maria Pantis, „dass diese Unterschiede keine Rolle mehr spielen. Schließlich sind schon meine Großeltern ins RheinMain-Gebiet gekommen. Es ist doch alles ein globalisiertes Europa. Aber wenn ich jetzt zwischen beiden Ländern pendele, merke ich, dass das nicht stimmt. Und dass auch ich diese beiden verschiedenen Prägungen in mir habe.“ Oft, das klingt heraus, ist ihr die griechische Seite sympathischer. Der Taunus als Seelenort 2018 dann die Rückkehr nach Frankfurt. Wieder Frankfurt. Wegen der Familie, den Eltern, dem Bruder, den Nichten, vor allem der Großmutter. Gemeinsam mit ihrer damaligen Lebensgefährtin. Sie bleibt bei ihrem alten Arbeitgeber, hat eine Leitungsfunktion in einem Shop von Apple im Main-TaunusCenter. Damals, Ende der 1960er-Jahre Deutschlands erstes Einkaufscenter auf der grünen Wiese. Zwei Jahre später dann der grüne Wald. „Am 25. November 2020, also vor fast exakt fünf Jahren, war ich zum

»ES IST DOCH ALLES EIN GLOBALISIERTES EUROPA. ABER WENN ICH JETZT ZWISCHEN BEIDEN LÄNDERN PENDELE, MERKE ICH, DASS DAS NICHT STIMMT. «

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ersten Mal auf den Trails im Taunus. Ich habe die Connection zur Natur gesucht und darüber eine Connection zu meiner gerade verstorbenen Oma. Aber klar, ich komme aus dem Leistungssport, ich will nicht einfach nur so rumlaufen. Ich will schon irgendwo hingehen und mich austesten. Also habe ich mich dann bei irgendeinem Rennen angemeldet.“ Es wurde der Mozart 100. Alena und die Trails, war das also eine Liebe auf den ersten Blick? „Von wegen, die Trails waren erstmal komplett crazy für mich, gerade das Bergauflaufen“, erinnert sie sich, „ich habe gedacht, was ist das denn für ein Scheiß? Du kommst nicht voran, deine Pace geht kaputt. Wieso machen die Leute sowas zum Spaß? Aber wenn man einmal Leistungssport gemacht hat und gerade aus einer sechsjährigen Sportpause kommt, dann stellen sich ja zum Glück schnell Fortschritte ein.“ Die Fortschritte sollten sich noch schneller einstellen. Im Internet findet Alena Maria Pantis einen Trainingsplan für die Ultradistanzen. Und damit, sich durch hartes und härteres Training zu kämpfen, kennt sie sich ja aus: „Mein damaliger Jugendtrainer kam aus Rumänien. Der hat immer gesagt: Hey, der Schmerz, das ist dein Problem. Diese Härte gegen mich selbst ist in mir drin, definitiv. Auch wenn ich rational weiß, dass das nicht immer gesund ist. Ich habe Husten, ich fühle mich nicht richtig gut – Intervalle schrubben, das mache ich dann trotzdem.“ Ihr Verhältnis zu Frankfurt? „Neutral.“ Alena Maria Pantis scheint nicht für die Großstadt gemacht, auch wenn sie fast immer in einer zuhause war. Und ihr Verhältnis zum Taunus? „Klar sind das nicht die Alpen und erst recht

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nicht Chamonix. Aber ich habe eine tiefe Connection zu den Wäldern dort. Ich liebe es, wenn es unterwegs stürmisch wird oder neblig. Ich höre dann schon von Weitem, wenn ein Windstoß kommt und durch die Bäume rauscht. Ich mag das Mystische, vielleicht sogar Gruselige. Ich habe mittlerweile auch gar kein Problem damit, im Taunus drei Stunden im Dunkeln zu rennen. Ich kenne jeden Weg, ich kenne jede Abzweigung, es ist einfach mein Seelenort. Alles ist ein bisschen weicher, ein bisschen leichter dort, auch wenn ich da während der langen Einheiten schon auch sehr leide.“ Von Ziegen träumen Also noch einmal: Warum eigentlich die Ultratrails? „Was mir am Allermeisten gibt“, sagt Alena Maria Pantis, „ist die Natur, die ich erleben darf, gerade in den Momenten, in denen ich irgendwo auf dem Berg hocke, heule und mir denke, dass es nicht mehr weitergeht. Wie soll ich diesen blöden Berg bloß hochkommen? Wenn nichts mehr da ist außer Erschöpfung und Verzweiflung – das erlebst du in keinem Stadtmarathon, dafür braucht es diese langen Distanzen.“ Auf die lange Distanz kann sich die heute 42-Jährige auch ein ganz anderes Leben vorstellen. „Ich habe so eine Exit-Strategie. Mit Anfang Fünfzig will ich eigentlich nach Griechenland verschwinden, in das Heimatdorf meines Vaters an der Westküste. Er lebt inzwischen auch wieder dort, unter vielleicht 50 anderen, zumeist alten Leuten. Da hole ich mir dann ein paar Ziegen, und wenn das mit dem Laufen nicht mehr funktioniert, fange ich halt mit dem Hiken an.“


INTERVIEW Tom Evans

Text/Aufzeichnung: Harald Angerer

STRUKTUR

UND Nach seinem Sieg beim UTMB spricht der britische Trailrunner über Training, mentale Stärke und den Wechsel zu ASICS.

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Frage: Tom, herzlichen Glückwunsch zu deinem Sieg beim UTMB. Was bedeutet dieser Erfolg für dich – besonders nach zwei DNFs dort? Für mich bedeutet das mehr als nur den Sieg selbst. Es ist die Summe aus Rückschlägen, harter Arbeit und dem Finden eines Weges. Das war mein größter Erfolg im Trailrunning – und mein persönlichster. Western States war schon besonders, aber UTMB ist etwas ganz anderes. Dort geht es um lange Nächte, extremes Gelände und das Gefühl der Erfüllung ist einfach größer. Für den Western States ist es für mich einfacher, zu trainieren. Ich habe durch meine bisherige Karriere bereits die Fähigkeiten für schnelles Laufen, während der UTMB mit mehr Anstiegen, bei denen man auch geht, viel schwieriger war. Das Gefühl der Erfüllung und Zufriedenheit ist daher nach dem


Disziplin UTMB-Sieg viel größer als bei jedem anderen Rennen. Musstest du dein Training speziell für den UTMB anpassen? Auf jeden Fall. Wir haben uns genau angesehen, welche Anforderungen das Rennen stellt. Bei Western States geht es vor allem um Tempo und effizientes Bergablaufen – beim UTMB braucht man ein viel breiteres Repertoire. Man muss also zum Beispiel das Wandern lernen, das ist wirklich wichtig. Das haben wir dieses Jahr viel mehr als in jedem anderen Jahr hinzugefügt. Ich habe also viel mehr Höhenmeter im Training zurückgelegt, nicht nur in den Wochen vor dem Rennen, sondern von September 2024 bis zum Rennen ein ganzes Jahr lang. Einfach viel mehr Höhenmeter. Ich glaube, ich habe durchschnittlich 7000 bis 8000 Höhenmeter pro Woche zurückgelegt. Wie sieht eine typische Trainingswoche für dich aus?

Montag ist meist ein leichter Tag. Dienstags steht ein intensives Bergtraining an – oft mit einer Gewichtsweste von rund 12,5 kg und etwa 2000 Höhenmetern. Danach folgen abends meist noch Bergläufe. Mittwochs trainiere ich lange Distanzen mit müden Beinen, etwa vier bis fünf Stunden. Donnerstag und Freitag sind lockere Einheiten, am Wochenende folgen ein härteres Training am Samstag und ein langer, ruhiger Lauf am Sonntag. Aber Training ist mehr als nur Laufen – Ernährung, Regeneration, Krafttraining und Beweglichkeit gehören genauso dazu. Dieses Jahr haben wir das besonders gut ausbalanciert. Ich finde, mein Programm wurde von meinem Trainer Scott Johnson und mir wirklich gut organisiert. Und dadurch konnten wir einfach alles aus dem Training herausholen, was wir brauchten. Dabei braucht man viel Struktur. Hilft dir dein militärischer Hintergrund? Ja, absolut. Struktur und Disziplin sind entscheidende Punkte. Im Trailrunning ist es leicht, nur das zu trainieren, was Spaß macht – etwa das „sexy Tempo“, also Zone 2. Das fühlt sich gut an, ist aber nicht immer das Richtige. Man muss auch mal langsamer oder schneller laufen. Struktur ohne Disziplin funktioniert nicht – man muss beides haben. Und mental? Du wirkst sehr fokussiert – wie trainierst du deine mentale Stärke? Ich trainiere sie genauso gezielt wie die körperliche Seite. Dieses Jahr bin ich mental anders herangegangen – weniger Druck, mehr Gelassenheit. Ich kannte die Strecke gut, habe viel visualisiert: Was passiert, wenn alles gut läuft, und was, wenn etwas schiefgeht? Wir haben sogar geübt, die Startatmosphäre zu simulieren, um ruhig zu bleiben – mit Musik und Jubel. Das Wichtigste, woran ich mit meinem Hochleistungstrainer David

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INTERVIEW Tom Evans Spindler in Bezug auf mentale Belastbarkeit gearbeitet habe, war, glücklich zu sein. Wenn ich glücklich bin, trainiere ich besser. Glück ist meine größte Energiequelle. Wenn der „Glückseimer“ voll ist, kann man im Rennen auch schwierige Phasen besser überstehen. Ich erinnere mich dann an schöne Momente – ob das nun meine Frau und meine Tochter waren oder die Freunde, die gekommen sind, einfach tolle Erinnerungen an den Sommer oder das Hören bestimmter Musik, die mir dieses Glück gegeben und ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Es konnte etwas so Einfaches sein wie der erste Tanz auf unserer Hochzeit. Das hatte ich auf meiner Playlist. Es ist nicht so, dass ich den Song liebe, aber es sind einfach die Erinnerungen, die einem dann in den Kopf kommen. Wenn der Song spielt, schwelgt man die nächsten fünf Minuten in Erinnerungen und denkt an die glücklichste Zeit seines Lebens zurück. Und bevor man sich versieht, lächelt man. Wie wichtig ist die Ausrüstung für dich?

Sie spielt eine riesige Rolle, besonders in diesem Jahr beim UTMB mit dem schlechten Wetter. Es war wirklich wichtig, seine Ausrüstung gut zu organisieren und sicherzustellen, dass man die richtigen Sachen dabeihatte. Deshalb habe ich sehr sorgfältig geplant und wir hatten viele verschiedene wasserdichte Jacken, wasserdichte Hosen und Handschuhe dabei. Das waren sozusagen die drei wichtigsten Dinge, bei denen ich wirklich gut organisiert sein musste. An jeder Versorgungsstation habe ich meine Jacke gewechselt. Als es gleich zu Beginn stark regnete, war ich der Erste mit Regenjacke – und das war die richtige Entscheidung. Mit ASICS habe ich jetzt einen Partner, der mir die besten Produkte bietet und perfekt auf meine Bedürfnisse eingeht. Du bist von Adidas Terrex zu ASICS gewechselt. Warum dieser Schritt? Der Wechsel war keine Entscheidung gegen Terrex – ich hatte dort eine großartige Zeit und bin dem Team sehr dankbar. Aber ich wollte mich weiterentwickeln und mit einer

Marke wachsen, die an meine Vision glaubt. ASICS bietet mir die Möglichkeit, aktiv an der Entwicklung mitzuwirken und die Zukunft des Trailrunnings mitzugestalten. Was mich besonders begeistert: ASICS denkt nicht nur in Leistung, sondern auch in mentaler Stärke – die Verbindung von Körper und Geist. Das ist der Kern des Trailrunnings. Ich weiß, dass viele überrascht waren, aber für mich war es die absolut richtige Entscheidung. Die kommenden Jahre mit neuen Produkten und Projekten werden sehr spannend. Arbeitest du auch an neuen Schuhen mit? Ja, ich bin in die Entwicklung eingebunden. Ich durfte bereits Prototypen testen und Feedback geben. Der finale Schuh kommt voraussichtlich im Sommer 2026 auf den Markt – zusammen mit neuer Bekleidung und Accessoires. Ich freue mich darauf, diese Produkte bald auf den Trails zu sehen. Danke, Tom – das war sehr spannend. Danke euch!


EVENT Ultra Trail Cape Town

Sunmaya Budha (kailas Fuga) ist Gesamtsiegerin der World Trail Majors 2025. Beim finalen Rennen in Kapstadt siegte der Deutsche Johannes Wingenfeld über die 55 Kilometer Distanz.

CALEB, BUDHA UND JOHANNES Die World Trail Majors Serie endet beim UTCT in Südafrika – ein junger Deutscher setzt dort deutliche Zeichen!

Am Ende dieses Trailrunning-Jahres stehen zwei Namen über allem: Caleb Olson und Sunmaya Budha. Beide laufen 2025, als hätten sie ein stilles Abkommen mit der Schwerkraft geschlossen. Olson gewinnt auf Gran Canaria und später in Australien, sammelt maximale Punkte – und sitzt beim Finale schon wieder zu Hause, während seine Konkurrenten in Kapstadt verzweifelt versuchen, ihn noch einzuholen. Vergeblich. Bei den Frauen gelingt Budha das spiegelbildliche Kunststück: Hongkong, Kapstadt, zwei Siege, dazu die entscheidende ITRA-Wertung, die sie im letzten Moment vor Man-Yee Cheung schiebt. Hinter den beiden: Miguel Arsénio und Joaquín López, bei den Frauen Cheung und Wenfei Xie – starke Namen in einer Saison, die von Rekorden und einem erstaunlich tiefen Feld geprägt war. Neu im Programm: Vietnam, Australien – und die Short Series, eine Art ultraschnelle kleine Schwester der großen Rennen. Hier dominieren Jianjian Yang und Fuzhao Xiang, die ihre Läufe mit einer Mischung aus Präzision und Leichtigkeit gewinnen, während dahinter Francisco Anguita, Robbie Simpson, Sylvia Nordskar und Ram Maya Budha um die Plätze kämpfen. 15.000 Teilnehmende, fast überall Streckenrekorde, und ein Finale, das erst auf den letzten Kilometern entschieden wird. Die World Trail Majors machen ernst: Sie sind nicht mehr irgendeine Serie – sie sind der Ort, an dem sich der Sport gerade neu erfindet.

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REPORT Georgien 2018 fragte mich meine Frau spontan, ob wir nicht einmal in Georgien Urlaub machen sollten. Mein erster Impuls war abwartend bis ablehnend. Nun, inzwischen waren wir sieben Mal in Georgien, haben unseren zweiten georgischen Hund adoptiert. Und von allen Orten, die ich bis dato sehen durfte, ist das Land zwischen dem Kaukasus und dem Schwarzen Meer mein Sehnsuchtsort geworden. Ohne große Erwartungen kam ich 2018 also im Juta-Tal an. Auf 2.300 Metern öffnet sich ein stilles Hochtal: wilde Blumenwiesen, frei laufende Pferde, keine Geräusche und auch kaum Gerümpel einer von Menschen gemachten Zivilisation. Vor mir das Chaukhi-Massiv mit seinen bis zu 3.700 Meter hohen Gipfeln. Am nächsten Morgen laufe ich dort meinen ersten Trail. Ein schmaler Pfad führt bis zum Ende des Tals und dann steil hinauf zum Chaukhi-Pass auf 3.400 Meter. Oben liegen drei kleine Seen, um mich herum Fels und Stille. Einer jener seltenen Momente, in denen der Kopf still wird und Glück von innen kommt. Zwei Tage später sitzen wir in Stepantsminda am Fuß des Kazbeg. Die Wolken geben plötzlich den Blick frei auf die oberen Flanken dieses erloschenen Vulkans, über 5.000 Meter hoch. Ich weiß sofort: Da muss ich hoch. Auf den Hund gekommen Am nächsten Morgen laufe ich los. Auf Höhe der Gergeti-Kirche schließt sich mir ein Mischlingshund an – ohne zu betteln, erst recht ohne zu bellen, einfach aus Freude am Laufen. Gemeinsam erreichen wir ein Monument auf 3.000 Metern, wo sich der Blick auf die weiße Kuppel des Kazbeg öffnet. In den folgenden Jahren begleiten mich unzählige Hunde, und mir wird klar: Wenn je ein Hund – dann ein Georgier. Über die Organisation DOG Organization adoptieren wir später unsere Hündin, die mich nun schon über tausende Kilometer begleitet. 2020 gelingt mir die Besteigung des Kazbegs bis zum Gipfel. Durch Covid bin ich fast allein am Berg. Inspiriert von

DER SEHNSUCHT FOLGEN Kilian Jornet will ich nicht einfach nur hochsteigen, sondern laufend von ganz unten bis ganz oben und wieder zurück. Ab 3.650 Metern begleitet mich ein Bergführer, da kaum hundert Höhenmeter später die Spaltenzone beginnt. Wir sind schnell unterwegs, der Blick reicht bis zum Elbrus. Trotz der Anstrengung fühle ich eine tiefe Ruhe – eine Verbindung zu diesem Berg. Über meine Läufe in Georgien entstehen Freundschaften, besonders mit dem Tbilisi Running Club. So höre ich vom Kazbegi Skyrace, organisiert von Davit Jughashvili. Die 35-km-Strecke führt von 2.000 Metern auf 3.650 Meter, über einen Gletscher und dann hinunter auf 1.700 Meter, bevor es erneut fast auf 3.000 Meter geht. Fast 3.000 Höhenmeter – ein echtes Brett. Diese Landschaft beruhigt den Geist 2025 passt endlich alles. Am Wettkampftag ist es heiß, 30 Grad auf 2.000 Metern. Viele rennen los wie bei einem Parkrun. Ich sehe 14 km/h auf der Uhr,

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bergauf, Puls 180. Nach wenigen Kilometern hole ich zwei Kenianer ein. Einer lacht, als ich meinen Puls nenne: seiner ist 143, „just chilling out“. Auf 3.000 Metern kommt ein flacher Kilometer, der Kenianer fliegt davon. Ich bleibe bei meinem Tempo, der Puls bleibt hoch


Text: Nawid Wuttke

Ein spontaner Urlaubsvorschlag führt mich 2018 nach Georgien – ohne Erwartungen, ohne Plan. Doch ein stilles Hochtal, ein Berg und ein Hund verändern alles. Aus einem Zufall wird ein Sehnsuchtsort: der Kaukasus, seine Trails, seine Menschen. Und irgendwann verstehe ich: Nicht ich habe diesen Ort gesucht – er hat mich gefunden. – der Anstieg hat es in sich, fast 1.700 Höhenmeter alleine auf den ersten zehn Kilometern. Dann beginnt das größte Abenteuer: der Gletscher. Über mir der Berg, unter mir die 3.000er, keine Wolke am Himmel. Die ersten kommen mir entgegen, vorne ein Iraner, dann ein Schweizer, der bergab direkt durchs Geröll rennt, anstatt den Zickzack-Trail zu nehmen. Ich brauche länger auf dem Rückweg über den Gletscher; viele überholen mich. Ab hier ist die Strecke neu: Sie biegt rechts ab und führt über einen endlosen grasi-

gen Hang 1.300 Höhenmeter hinunter. Eine grüne Wiese, die in Wirklichkeit ein ganzes Tal füllt. Vorbei an Bächen laufe ich hinein in die Weite des Kaukasus. Die Landschaft beruhigt den Geist, während die Oberschenkel brennen. Um mich herum erwachsene Menschen, die wie Kinder den Hang hinunterspringen, lachend trotz der Anstrengung. An der nächsten Verpflegung gibt es die beste Wassermelone der Welt. Danach zwei Kilometer auf staubiger Piste – Hitze, Staub, Berge, sonst nichts. Es erinnert mich an die Western States.

Der zweite Anstieg ist pure Schönheit: ein schmaler, grasiger Trail, stetig bergauf, kniehohes Gras, uneben, aber ruhig. Ich gehe ihn locker, niedriger Puls, reine Freude. Auf 2.700 Metern erscheint wieder die weiße Kuppel des Kazbeg. Ein Greifvogel zieht seine Kreise. Ich war schon bei vielen Rennen – bei so einem jedoch noch nie. Oben am Pass nehme ich mir genügend Zeit, alles aufzusaugen. Dann folgen 1.000 Höhenmeter bergab mit Blick auf die Gergeti-Kirche und das Tal unter mir. Im Ziel erwarten mich meine Frau und Freunde aus Tiflis. Die Freude ist bei allen spürbar: Uns verbindet dieser wilde, schöne Tag am Berg. Georgien – wir kommen wieder. Derselbe Veranstalter hat auch den Mestia Ultra ins Leben gerufen. Auf Distanzen bis zu hundert Kilometern geht es hier durch die Wildnis direkt am Berg Ushba: www.traillab.ge Homepage des Tierheims, das georgische Hunde auch nach Deutschland vermittelt: www.dog.org.ge

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GLOSSE Ein Jahr für die Tonne

FÜR DIE TONNE

2025 war mein Jahr. Also theoretisch. Ich hatte große Pläne: Spartathlon, 100-Meilen-Index, Western States – das volle Programm der selbsternannten Ultrarunner-Elite. Bekommen habe ich stattdessen: Influenza, Erkältung, Sehnenentzündung, Außenbandriss und Corona wie ein schlechter Running Gag. Mein Laufrucksack ist leer, meine Einsichten dafür prall gefüllt. Vielleicht ist das die eigentliche Lektion eines Seuchenjahres: Man kann alles verlieren – außer der Fähigkeit, darüber zu klagen und es am Ende „Erfahrung“ zu nennen.

Text: Tom Stetter Fotos: Christian Penning Was wir aus einem echten Seuchenjahr lernen können. Ich bin jemand, der mit seinen Leiden nicht in den Vergleich gehen möchte. Ich möchte nicht in die Verlegenheit kommen und mit irgendwem um die Wette jammern. Ich will keine Argumente suchen müssen, warum es mir jetzt schlechter als allen anderen geht. Was sollte das auch bringen!? Es liegt mir auch fern, über andere Schicksale zu urteilen. So möchte auch ich nach Herzenslust klagen und meinen für mich unerträglichen Istzustand auch so benennen, wie ich ihn erlebe und fühle. Wir haben Mitte November. Dieses völlig wahnsinnige 2025 ist rum. Mir kommt es wie ein Wimpernschlag vor, als wir uns über die ersten größeren Rennen dieser Saison unterhalten haben. Wir

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I M P R E S S U M Salomon haben das Schnellschnürungssystem Quicklace etabliert und patentiert.

sind doch gerade erst in der Redaktion gesessen, um das Heft Nr. 3 zu besprechen, das im April kommt. In Wahrheit ist alles bereits passiert und ich sitze mit leeren Händen da. Keine WesternStates-Quali, kein 100-Meilen-Index und schon gar kein Spartathlon. Beim retrospektiven Bewundern meiner bescheidenen Laufkarriere waren die letzten elf Monate die mit Abstand frustrierendsten. Nachdem ich die letzten Jahre ziemlich unspektakulär und weitgehend frei von DNFs über die Trails geschippert bin, plante ich für 2025 Großes. Entsprechend meinen ambitionierten Zielen trainierte ich mit einer völlig neuen Motivation und einem echten Feuer. Das erste Mal konnte ich auch von wirklichem Training sprechen. Es liegt zumeist in der Natur der Sache, in einem solchen Prozess Fortschritte zu machen. So schritt ich voran. Ich erlief eine PB nach der anderen. Ein ehrliches und geiles Gefühl ist es, wenn man messbar stärker wird. Mein erstes großes Zwischenziel rückte näher. 100 Meilen in den Niederlanden. Das sollte meine Qualifikation für den Spartathlon werden. Nichts, aber auch gar nichts konnte mich davon abhalten, diese 160 Kilometer wegzuknallen … bis, ja bis ich eine Woche vor Start Bekanntschaft mit so einer echten Influenza gemacht habe. Was soll das? Ich bin doch unzerstörbar … oder? Es folgten eine weitere kleine Erkältung kurz vor einem 24-Stunden-Lauf, die Entzündung meiner Peronealsehne nur wenige Tage vor einem 100-MeilenTrail, ein frühzeitiges Aussteigen aus einem Backyard, das unschöne Reißen all meiner linken Außenbänder nach sage und schreibe 6 Kilometern eines 125-Kilometer-Rennens und zu guter Letzt diese fiese virale Kirsche auf einer Sahnetorte voller Rückschläge. Corona! Ich durfte nicht mal besagte Außenbänder auskurieren, bevor mich das Schicksal schon wieder in die Mangel nahm. Es hat gedauert, bis ich mich in einen

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Am Ende muss ich erkennen, dass es immer etwas Zählbares gibt, das man aus einem Laufjahr mitnimmt.

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Zustand der Reflexion begeben konnte. Zu unfair fand und finde ich das alles. Zur Analyse gehört es aber auch, fair zu sein. So stehen doch für mich persönlich sehr individuelle Erfolge auf dem Tableau. Ich durfte zweimal auf einem AK-Podium stehen, ich rannte zweimal in die Top 10 in Rennen, die weder vom Streckenprofil noch von meinen Möglichkeiten das hätten erwarten lassen. Das erste Mal rannte ich bei einer deutschen Meisterschaft über 50 Kilometer mit und ich gewann einen Backyard Ultra. Am Ende muss ich erkennen, dass es immer etwas Zählbares gibt, das man aus einem Laufjahr mitnimmt. Es fühlt sich fast schon entgiftend an, mit einer bereits gebrochenen Saison Frieden zu schließen. Auch wenn es nicht die Lorbeeren sind, die ich pflücken wollte. Mit leeren Händen stehe ich nicht da. Zufrieden bin ich dennoch nicht.

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PRAXISTEST LA SPORTIVA Prodigio Pro Langzeittest: 1200 Kilometer 6 mm Sprengung 256 Gramm 200,00 Euro

Ich habe lange gewartet. Sehr lange. Und irgendwann sogar aufgehört, wirklich daran zu glauben. Dass La Sportiva seit jeher zu meinen Lieblingsmarken zählt – ein bella Darling, wenn man so will –, sei hier nur am Rande erwähnt. Und dennoch fehlte mir all die Jahre dieser eine, der ultimative Trailschuh im Portfolio der Norditaliener. Den JACKAL trug ich einst über die 50 Kilometer des Lavaredo Ultra, solide, zuverlässig. Im MUTANT absolvierte ich einen von Regen und Schnee umklammerten ZUT über 100 Kilometer. Die harte Dämpfung nahm ich damals im Schneematsch kaum wahr. Beides gute Schuhe. Aber eben nicht der eine. Es dauerte bis 2025, bis ich ihn fand: den Prodigio Pro. Einen Schuh, der überraschend mühelos alle meine Bedürfnisse vereinte. Unser Beginn war fulminant, dann beiläufig – und schließlich ungezügelt. Im Mai veranstaltete ich einen Etappenlauf durch die Bayerischen Voralpen. Unterschiedliche Läuferinnen und Läufer stiegen auf einzelnen Strecken ein. Einer jedoch lief die komplette Woche durch: über 400 Kilometer, täglich rund 70 Kilometer, gespickt mit Höhenmetern und technischen Pfaden. Er trug den Prodigio Pro – und sprach auffällig oft von Grip, Komfort, Stabilität und, ja, von dieser „Hammer-Dämpfung“. Ich staunte. Und notierte das innerlich mit journalistischer Distanz. Dann kam der Sommer. Mein Training in Richtung UTMB verdichtete sich. Stundenlang war ich in den Bergen unterwegs, wechselte die Schuhmodelle häufig – denn anders als in früheren Jahren hatte ich meinen Ultratrailschuh noch nicht gefunden. Der Grund ist simpel: Es gibt zu viele gute Modelle. Unter

all den Juwelen das eine Kronjuwel herauszufiltern, ist kein leichtes Spiel. Dann kam die UTMB-Woche. Mein Höhepunkt. Die Teilnahme über 100 Meilen rund um den Mont Blanc: drei Länder, 10 000 Höhenmeter – und kein klarer Schuh. Am Tag vor dem Start wusste ich noch immer nicht, womit ich laufen würde. Ich machte mir durchdachte und absurde Pläne: Schuhwechsel in Courmayeur. Neue Einlegesohlen in Trient. Und dann kam alles anders. Der Prodigio Pro kam. Ich lief in ihm los. Und er funktionierte. Vom ersten Meter an. Im Regen. Später im Schnee. Im Downhill. Im Matsch. Auf blankem Fels. In Courmayeur, nach 84 Kilometern, die Frage: „Schuhwechsel, Denis?“ – „Nein. Ich lasse die an. Frische Socken, bitte.“ Die kurze Version: Ich lief die komplette Strecke, 42 Stunden, in diesem einen Schuh. Und er war perfekt. Ich liebe diese üppige und zugleich straffe Dämpfung. Das robuste Upper, das selbst nach einem Jahr keinerlei Spuren zeigt. Den präzisen Sitz. Und diesen Grip, der Vertrauen schenkt, wenn es steinig oder matschig wird. Viele stürzten links und rechts von mir – meiner hielt. Fazit: Ein Jahr im Prodigio Pro. Für mich ein Allrounder, ein Ultratrail-Profi – und ein extrem haltbarer Kollege. DW

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CEP

Wind von der Seite – perfektes Testwetter für die Pro Run 3L von CEP. Die können ja mehr als Kompressionssocken. Schon nach den ersten Metern merke ich, wie leise die Jacke ist, wie sie sich anpasst. Die Membran hält dicht, das Mesh atmet, während ich schwerer werde. In solchen Momenten entscheidet sich, ob ein Versprechen trägt. Diese Jacke tut es: Sie schützt, sie ist weich, sie ist auch anders als die Konkurrenz.. Und plötzlich sind selbst kalte Novemberrunden kein Gegner mehr, sondern etwas was man sehr gerne annimmt und wie ein perfektes Anspiel Volley im Tor versenkt. Obacht beim Preis – Perfekt hat eine Zahl. 360,00 Euro. Heftig.


BROOKS Ghost Trail

JOE NIMBLE

Gewicht: 299 Gramm (42,5) Sprengung: 8 mm Preis: 150 Euro Ein Trend geht um auf den Trails. Der Trend heißt Hybridschuh. Und ist vor allem ein Indiz dafür, dass die Grenzen, und vor allem die Abgrenzungen, flüchtig geworden sind. Gerade jene, die eben noch reine Asphaltläufer:innen waren, rennen plötzlich überall rum. Weshalb es fast wundert, dass ausgerechnet Brooks so lange mit einer Trailversion seiner Bestseller gewartet hat. Schließlich sind die US-Amerikaner gegenwärtig die meistverkaufte Marke im inhabergeführten Sporteinzelhandel. Vor allem Gelegenheitsläufer:innen schätzen den intuitiven Tragekomfort. Reingeschlüpft und wohlgefühlt – das funktioniert auch beim Ghost Trail. Ein stabiler, verlässlicher Sitz trifft auf ein unglaublich komfortables und weiches Upper und eine recht universelle Passform. Aber: Die auf den ersten Blick beim Hoka Speedgoat abgeguckte Ferse ist sehr tief geschnitten. Da kann nichts scheuern, allzu schmale Füße neigen jedoch zum Schlupf. Ausprobieren! Die mit einem Gasgemisch (Nitro infused) gepimpte EVA-Sohle ist nicht die softeste auf dem Markt. Doch gerade das steht dem Ghost Trail gut. In Verbindung mit einem leichten Rocker Shape und dem spürbaren Rebound ist es ein agiler Schuh für all jene, denen die neuen hyperkritischen Schäume zu weich und instabil sind. Bleibt der Grip. Der ist, wie gewohnt bei Brooks, zwar nicht der Beste der Branche, aber doch nahe dran. Fazit: Brooks tat gut daran, aus dem universellen und dynamischen Ghost den ersten Hybridschuh der Marke zu machen. Der Ghost macht Spaß und das erwarten gerade Einsteiger:innen ja auch von den ersten Läufen auf moderaten Trails. Für alle anderen gilt: Mehr Straßenlaufschuh – außer vielleicht für eine Halbmarathonbestzeit – braucht kein Mensch. Beim Update die Sprengung reduzieren und/oder das Upper am Knöchel etwas höher ziehen, dann wird der Ghost Trail ein noch einmal verbindlicherer Schuh. Viel Spaß und auch Sinn macht er schon jetzt. CN

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Trail Addict Flow Gewicht: 325 Gramm Sprengung: 4 mm Preis: 189 Euro

Die Laufschuhtochter des Bequemschuhunternehmens Bär hat einen Weg eingeschlagen, den wir schon bei Hoka oder Altra beobachtet haben: aus der Nische in die Mitte des Marktes. Joe-Nimble-Schuhe haben neuerdings eine Sprengung, wenn auch eine moderate. Und gedämpft sind sie auch. Der Trail Addict Flow soll (dank 20 000 eTPU-Kügelchen pro Sohle) sogar reaktionsfreudig und agil gedämpft sein. Nun, das kriegen andere Hersteller noch besser hin. Dafür ist er herrlich komfortabel und stabil. Man steht entspannt, fühlt sich richtiggehend verwurzelt, die Zehen haben unendlich viel Platz. Eine „Toe Pilot“ genannte Kunststoffgabel in der Mittelsohle soll für eine physiognomisch effiziente Kraftübertragung sorgen. Die Vibram-Litebase-Sohle ist in einer verschleißoptimierten Variante für lange Laufeinheiten mit vielen Asphaltpassagen verbaut. Wir warten den Langzeittest ab. Kurzum: ein Schuh für Fans und mehr noch für jene, die einen stabileren, breiteren und „fürsorglichen“ Schuh gerade für lange und ruhig gelaufene Einheiten suchen. CN


PRAXISTEST MOUNT TO COAST

H1 Preis: 169,95 Euro, Drop: 6 mm, 242 g Das erste Bild hat mich klassisch in die Irre geführt – natürlich hielt ich die Marke für amerikanisch. Der Name, der Look, das Storytelling: Alles wirkte wie aus dem Trailrunning-Labor irgendwo zwischen Colorado und Kalifornien. Die Athletinnen und Athleten, die Ultras gewinnen, taten ihr Übriges. Ein typisches USA-Ding, dachte ich. Nach ein paar Klicks war klar: Mount to Coast kommt aus China. Ebenso schnell wurde klar, warum diese schlichten, zugleich erstaunlich innovativen Schuhe derzeit für Gesprächsstoff sorgen. Erst verzichtete die Marke komplett auf Trailmodelle, dann kam ein Hybrid – und jetzt liegt der H1 vor uns. Ein Schuh, der uns mehr überraschte, als es ein Door-to-Trail-Modell eigentlich dürfte. Vielleicht ist er genau das: der perfekte Übergangsschuh, der seine Stärken auf unterschiedlichsten Untergründen ausspielt, als hätte er nie etwas anderes getan. Hochalpine Ambitionen hat er nicht und er will sie auch nicht haben. Doch auf echten Trails hat uns der H1 in sämtlichen Testläufen überzeugt.

Seinen größten Spaß hat er, sobald er laufen darf. Tempo, Distanz – dann zeigt das von BASF entwickelte Mittelsohlenmaterial, was es kann: ein sauberer Bounce, Vortrieb ohne Härte, Komfort ohne Trägheit. Aber alles beginnt – wie immer – beim Reinschlüpfen. Der Schuh sitzt sofort. Ein Hausschuhgefühl, weich, mit Raum für die Zehen, aber ohne Schwammigkeit. Vielleicht ist der H1 eine Kreuzung aus Salomons Gravel-Schuh und dem Design-Liebling Norda 005. Vielleicht ist er auch ein Blick in die Zukunft des Trailrunning-Schuhs, ohne je diese Rolle angestrebt zu haben. Die Details verraten viel: Das Schnürsystem kombiniert Klassik und Moderne. Für Mittel- und Vorfuß sorgt eine Schnellschnürung, um Ferse und Rist kümmern sich traditionelle Senkel. Eine einfache Idee, gut ausgeführt. Für wen, wofür und zu welchem Preis? Der H1 ist ein Chef für lange Distanzen, ein Allrounder, ein Trailschuh für fast alles – solange es nicht zu alpin wird. DW

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SHOKZ Open Run Pro2

Der Shokz OpenRun Pro 2 wirkt zunächst wie ein technisches Versprechen: mehr Sicherheit im Verkehr, ohne auf Klang zu verzichten. Im Praxiseinsatz überzeugt vor allem sein unaufdringlicher Charakter. Das leichte Bügelsystem liegt stabil am Kopf, ohne Druckstellen zu hinterlassen – selbst bei langen Läufen. Die Knochenschalltechnologie zeigt sich ausgereifter als bei früheren Modellen: Der Bass ist präsenter, Stimmen klingen klar, doch bleibt der typische „offene“ Klangcharakter bestehen. Wer akustische Isolation sucht, wird hier nicht fündig. Dafür punktet der OpenRun Pro 2 dort, wo klassische In-Ears scheitern: im Stadtverkehr, bei Wind, beim schnellen Blick über die Schulter. Die Akkulaufzeit von rund zwölf Stunden ist ultratauglich, die Schnellladung praktisch. Insgesamt ein Kopfhörer für Menschen, die Sicherheit höher gewichten als akustische Perfektion – und genau darin liegt seine Stärke. DW


Text: Denis Wischniewski

K

Kaum hatte die Ironman Group ihre Hände im Spiel, ging in der Trailrunning-Szene ein Feuerwerk aus Meinungen los, das man anderswo nur nach dem Vorrunden-Aus der Nationalelf kennt. Der Anmeldeprozess: ein dramaturgisches Meisterstück des Scheiterns. Server kollabiert, Bestätigungen im digitalen Nirwana, Startplätze in der Schwebe, Preise irgendwo zwischen „sportlich“ und „Satire“. Ärgerlich? Sicher. Grund, einzelne Menschen in Foren zu zerreißen? Auf gar keinen Fall. Dabei wäre etwas Gelassenheit angebracht, denn: Ein UTMB-Rennen in Deutschland ist eigentlich gut. Ein Ritterschlag, wenn man so will – nur eben ohne Rüstung, dafür mit Startnummer. Ob der ZUT dafür der Richtige war? Vermutlich ja. Ein „Sell-out“ sieht jedenfalls anders aus. Die Seele wurde nicht verkauft, höchstens neu etikettiert. Zur Einordnung: Von weltweit rund 5600 Trailrennen tragen nur etwa 50 das Label „by UTMB“. Wer da bereits Monopolgeschrei anstimmt, sollte vorher kurz Luft holen. Oder einen Blick auf seinen Puls werfen – wir sind ja Sportler. Und für alle, die bei Ironman und UTMB spontan moralische Ausschläge entwickeln, gibt es weiterhin die anderen Rennen. Die kleinen. Die liebevollen. Die mit Kuchentheke statt Expo-Area. Die mit Zeitmessung per Küchentimer oder Onkel Bernd, der seit Sonnenaufgang am Waldweg steht und Striche auf einem Klemmbrett macht. Dort läuft man nicht weniger. Man leidet, staunt, freundet sich an und finisht mit demselben Pathos wie am Mont Blanc – nur dass am Ende niemand „Prestige“ sagt, sondern „Willst du ein Radler?“ fragt. Wer 100 Meilen beim JUNUT übersteht, braucht jedenfalls keinen Zieleinlaufbogen mit LED. Der Schmerz ist der gleiche, das Glück genauso groß. Die kleinen Rennen sind der Kitt der

Kleine Dramen Grosse Rennen Es gibt in Deutschland Ereignisse, die zuverlässig die Emotionen zum Überkochen bringen: der Wechsel eines Fußballtrainers, die Preiserhöhung bei der Bahn – und neuerdings der Aufstieg des Zugspitz Ultratrails in die UTMB-Liga der ganz Großen.

Szene. Sie halten die Community zusammen, lassen Freundschaften wachsen und funktionieren ohne Sponsoren, Drohnenvideos und offizielle Hashtags. Sie sind die unscheinbaren Heldinnen des Sports, die nicht einmal schreien, wenn sie übersehen werden. Trotzdem laufen fast alle von uns gern beides. Die Kleinen für die Seele, die Großen für den Lebenslauf. Die Heimrennen für den Charme, die Flaggschiffe für das Gefühl, Teil eines

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größeren Systems zu sein, das wir zwar nicht ganz verstehen, aber irgendwie doch gut finden. Und vielleicht müssen wir einfach akzeptieren, dass man ein Rennen mit 5000 Leuten um die Zugspitze nicht mehr mit einem Excel-Sheet und einem Vereinsvorstand organisiert. Große Formate brauchen große Strukturen – auch wenn die uns manchmal so nahbar erscheinen wie ein Finanzamt auf Laufsandalen.


MORALFRAGE Doofköppe

MIT IDIOTEN LAUFEN

Margit ist hin und her gerissen. Sie findet 3 der insgesamt 6 in ihrer Trailrun-Gruppe richtig doof, den Rest hingegen sehr entzückend. Mitmachen oder alleine weiter laufen?

Liebe Redaktion, mal ehrlich: Bin ich empfindlich – oder ist meine Laufgruppe einfach anstrengender als jeder Hügel im Stadtpark? Wir sind sechs Leute, entstanden aus so einem lokalen Rennen. Mit dreien läuft’s super, richtig gute Vibes. Aber die anderen drei? Puh. Ein Mix aus Dummschwätzern, Allesbesserwissern und Leuten, die meine Meinung ungefähr so ernst nehmen wie ein Smartphone im Flugmodus. Jetzt steh ich da und frage mich: Soll ich den ganzen Zirkus einfach abhaken? Oder mal so richtig Klartext reden – noch deutlicher als bisher –, in der Hoffnung, dass sie beim nächsten Intervall nicht direkt wieder reinlabern? Sportliche Grüße (ein bisschen genervt, aber immer noch laufwillig) Margit

So kann es gehen: Mit denen da ist es ein Match, mit anderen in der Lauftreff-Gruppe gibt es Ärger.

Liebe Margit, Einige hier wissen es bereits: In meinem Hauptberuf bin ich Foodjournalist und Restaurantkritiker. In dieser Funktion habe ich mir gerade Gedanken darüber gemacht, wozu es ein Restaurant, wozu es ein Wirtshaus eigentlich braucht. Also gesamtgesellschaftlich betrachtet: Wir brauchen diese Orte, weil wir uns dort begegnen können. Sie sind, soziologisch gesprochen, ein dritter Ort, also weder das rein Private noch der öffentliche Raum. Im Wirtshaus finden Begegnungen über die Grenzen von Milieus, Lebensstilen oder – ein Begriff aus dem Laufsport – Altersklassen statt. Definiere deine Laufgruppe doch auch als einen solchen dritten Ort. Akzeptiere unterschiedliche Meinungen und Verhaltensweisen deiner Mitläufer:innen. Ja, mehr noch: Sieh es als Gewinn, diese Erfahrung – und, ja, auch diese Anstrengung – machen zu dürfen. Vereine, so heißt es zu Recht, sind Ankerpunkte unseres Gemeinwesens. Deine Laufgruppe ist ein solcher Verein. Was wiederum nicht heißt, dass du unliebsame Positionen oder ein breit ausgestelltes egoistisches Verhalten abnicken musst. Auch eine gesunde Streitkultur ist durchaus erlaubt, ja erwünscht. Und: Natürlich darfst du auch mal nur mit deinen Freund:innen laufen. Ein Lauftreff, und das haben manche der sich elitär gebenden Runcrews nicht verstanden, ist eine öffentlich ausgesprochene Einladung. Wer das anders sieht und anders will, verabredet sich eben privat.

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20./21. Februar 2026 in Garmisch-PartENKIRCHEN Infos und Tickets www.trail-magazin.de/noft2026

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