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Karosserie Journal 01. 2026

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> LACK UND KAROSSERIE: ERSTZERTIFIZIERUNG DELLENTECHNIKER 2026

> TECHNIK: KONZEPT DER BUNDESINNUNG FÜR ENTBÜROKRATISIERUNG

> AUSBILDUNG: NEUER SCHWERPUNKTLEHRBERUF FAHRZEUGTECHNIK

Erhöhung der Nebenkostenpauschale und der Höchstgrenze des Kleinmaterials beschlossen.

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Konzept „Ein Fahrzeug – ein Datensatz“ für Entbürokratisierung und Kostenersparnis.

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Foto: 4rad Werbeagentur

Mst. Manfred Kubik Bundesinnungsmeister-Stv.

IHRE INTERESSENVERTRETUNG FÜR SIE IM EINSATZ

Die Mitarbeiter und Funktionäre der WKO sind in aller Munde, doch darüber, was sie wirklich leisten, wird selten gesprochen. Jene, die keinen Einblick in die Arbeit der Wirtschaftskammer haben, ärgern sich über den Zahlschein, wissen aber kaum, welche Aufgaben im Hintergrund erledigt werden.

Die Interessenvertretung ist in alle Gesetzgebungsprozesse eingebunden, die österreichische Unternehmen betreffen, sowohl regional als auch auf EU-Ebene. Natürlich stossen die Mitarbeiter der WKO an ihre Grenzen, wenn die Politik Entscheidungen trifft, wie beispielsweise bei der geplanten Änderung der Pickerlintervalle.

Die Wirtschaftskammer bietet ihren Mitgliedsbetrieben viele Dienstleistungen, von der Gründung bis zur Nachfolge. Besonders möchte ich hier den Bereich Aus- und Weiterbildung hervorheben, denn ohne die Unterstützung der WKO wären viele Leistungen, wie z. B. die duale Ausbildung, für einzelne Unternehmen nicht finanzierbar. Ein gutes Beispiel ist auch die Zertifizierung für Dellentechniker, die von der Bundesinnung Fahrzeugtechnik ins Leben gerufen wurde und in der Branche sehr gut angenommen wird.

Was für alle Reparaturbetriebe positiv spürbar wird, betrifft das Tagesgeschäft. Im Lack- und Karosseriebeirat wurden gerade die Erhöhungen der Nebenkostenpauschale und der Höchstgrenze des Kleinmaterials verhandelt. Gleichzeitig wurde vereinbart, dass die Höchstbeträge in Zukunft indexiert werden. Genaue Details dazu lesen Sie bitte in unserem Artikel auf Seite 4, in dem Mst. Reinhart Clark, Leiter des KompetenzCenters Lack und Karosserie und Vorsitzender des Lack- und Karosseriebeirats, über alle Neuerungen informiert.

Ihr

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LACK UND KAROSSERIE Fünf neue Zertifizierte

LACK UND KAROSSERIE

Aus dem Lack- und Karosseriebeirat

TECHNIK

Verlängerung der Pickerlintervalle

AUSBILDUNG

Modernisierter Lehrberuf

RECHT

Service ersetzt kein Pickerl

EDITORIAL / IMPRESSUM SPLITTER Kurznews

IMPRESSUM / OFFENLEGUNG

HERAUSGEBER:

Bundesinnung der Fahrzeugtechnik Schaumburgergasse 20/4, AT-1040 Wien Tel.: 01 505 69 50-129, Fax: 01 253 30 33 93 20

E-Mail: fahrzeugtechnik@bigr2.at

VERANTWORTLICH FÜR DEN INHALT: Bundesinnung der Fahrzeugtechnik Redaktionelle Mitarbeiter: Mag. Irina Podshibyakina Satz: Blaugrau Media GmbH

Genderhinweis: Soweit im Inhalt personenbezogene Bezeichnungen nur in männlicher Form angeführt sind, beziehen sie sich auf Frauen und Männer in gleicher Weise.

LACK UND KAROSSERIE

Die Teilnehmer der Erst-Zertifizierungsprüfung für Dellentechniker im Schulungszentrum von Lack & Technik mit Prüfer Christian Lacher (1. v. l.), dem Kommissionsvorsitzenden von der Kfz-SV-Union Johann Hattinger (3. v. l.), Manuel Weismann, Business Manager von Lack & Technik (1. v. r.), Dipl. Oec. Andreas Westermeyer, MLS (2. v. r.) und BIM-Stv. Mst. Manfred Kubik (3. v. r.) von der BI der Fahrzeugtechnik.

WIR GRATULIEREN ZUR ZERTIFIZIERUNG!

Am 19. März 2026 haben fünf Dellentechniker die anspruchsvolle Erst-Zertifizierungsprüfung bestanden. Die Prüfung beinhaltete einen Multiple-Choice-Test und einen praktischen Teil, bei dem die Prüfungsanwärter zeigten, dass sie unter Zeitdruck einwandfreie Arbeitsergebnisse bei Hagel- und Parkdellen erzielen können.

Die neun Teilnehmer wurden nach den strengen Kriterien des Zertifizierungsprogramms der Bundesinnung Fahrzeugtechnik geprüft. Der Anspruch an zertifizierte Dellentechniker ist sehr hoch und setzt Wissen, Können und Erfahrung voraus. Nur die besten Dellentechniker schaffen die Erst-Zertifizierungsprüfung.

QUALITÄTSSIEGEL FÜR DELLENTECHNIKER Fünf Prüfungsteilnehmer dürfen sich jetzt „Zertifizierter Dellentechniker“ nennen, der jüngste von ihnen ist der 18-jährige Jan Gratz. Die Prüfungskommission bestand aus den Prüfern Christian Lacher, Josef Geisler und dem Vorsitzenden Johann Hattinger von der Kfz-SV-Union. Sowohl der Vorbereitungskurs als auch die Prüfung fanden wie immer perfekt organisiert im Schulungszentrum von Lack & Technik in Linz statt. Leider ist durch einen angemeldeten und nicht erschienenen

Teilnehmer (Name ist der Redaktion bekannt) ein Prüfungsplatz „verloren gegangen“. Bei rechtzeitiger Abmeldung hätte ein Ersatzkandidat den frei gewordenen Platz nutzen können.

NACHHALTIGE REPARATURMETHODE

In den nächsten Jahren wird der Stellenwert der Dellenreparatur weiter steigen, weil z. B. Autos länger genutzt werden und kostengünstige Reparaturen gefragt sind. „Die Bundesinnung schaut darauf, dass die nachhaltige Reparaturmethode der Dellenreparatur forciert wird, denn würde man sich dagegen sperren, könnte das eine oder andere Autos aus Kostengründen gar nicht repariert werden“, sagt BIM-Stv. Mst. Manfred Kubik. Die Dellenreparatur schont Ressourcen, spart Energie- und Materialkosten und rettet viele Autos, die sonst Totalschäden wären.

Informationen über die Zertifizierung

ZERTIFIZIERTE DELLENTECHNIKER, GEPRÜFT AM 19. MÄRZ 2026

Manuel Gressenberger, Dellen- & Karossen

Werk Gressenberger e.U., Pack (St)

Klaus Foissner, Truck & Trailer Logistik GmbH, Weer (T)

Jan Gratz, Gratz GmbH, Graz (St)

Máté Monostori, Car-Rep-Profiteam Denk GmbH, Zell am Pettenfirst (OÖ)

Andreas Käfer, Grafendorf (St)

Foto: 4rad Werbeagentur
Fotos: 4rad Werbeagentur

LACK UND KAROSSERIE

ERFOLGREICHE FRÜHJAHRSSITZUNG

In der ersten Sitzung des Lack- und Karosseriebeirats unter der Leitung von Mst. Reinhart Clark, des neuen Vorsitzenden des Lack- und Karosseriebeirats und Leiters des KompetenzCenters Lack und Karosserie, wurden wichtige Neuerungen für die Schadensabwicklung beschlossen.

Die lang erwarteten Änderungen betreffen die Nebenkostenpauschale und die Höchstgrenze des Kleinmaterials. Ein weiterer Erfolg der Verhandlungen ist die Einigung der Bundesinnung Fahrzeugtechnik und der Versicherungswirtschaft darauf, dass der Höchstbetrag in Zukunft indexiert wird.

1.000-SCHILLING-GRENZE DURCHBROCHEN

Die Änderungen treten mit 1. Mai 2026 in Kraft, ausschlaggebend ist das Reparaturrechnungsdatum des Reparaturbetriebes. So wird die Nebenkostenpauschale bei der Abrechnung von Versicherungsschäden von € 42,80 auf € 44,30 angehoben. Die Nebenkostenpauschale kann nur in jenen Fällen verrechnet werden, in welchen der Schadendialog mit der Versicherung elektronisch, d. h. über das jeweilige Portal, erfolgt ist und die Reparatur tatsächlich durchgeführt wurde – nicht im Ablösefall.

NEU PER 1. MAI 2026

• Nebenkostenpauschale: € 44,30

• Höchstgrenze des Kleinmaterials: € 100,00

• Kleinteilvorbereitungspauschale (samt Lackanmischen): 0,5 Stunden AZ und € 60,99 Material.

• Abdeck-Material für geklebte Scheiben inkl. Spezialklebeband: € 8,02

Reinhart Clark, Leiter des KompetenzCenters Lack und Karosserie und Vorsitzender des Lack- und Karosseriebeirats

Die zweite Änderung hat noch mehr Bedeutung, da die Höchstgrenze des Kleinmaterials von € 73,00 noch aus der SchillingZeit stammt, umgerechnet waren es seinerzeit öS 1.000,00. Der Höchstbetrag von € 73,00 wird nun auf € 100,00 angehoben. Die Werte für die Kleinteilvorbereitungspauschale (samt Lackanmischen) betragen neu 0,5 Stunden Arbeitszeit und € 60,99 Material. Die Kosten für das Abdeck-Material für geklebte Scheiben inkl. Spezialklebeband betragen nun € 8,02.

AZT PAINT PRO WIRD KOMMEN

Ein weiterer Schwerpunkt beim Lack- und Karosseriebeirat war der aktuelle Stand bei der Entwicklung des neuen Lackkalkulationssystems AZT Paint Pro. Es ist die Weiterentwicklung der Kalkulationshilfe, mit der unabhängig von Fahrzeug- und Lackhersteller auf Basis der Außenflächen von Fahrzeugteilen die reparatur- und modellspezifischen Werte für Lackierzeiten und Materialaufwand ermittelt werden können. Eine Delegation der Bundesinnung Fahrzeugtechnik mit BIM-Stv. Mst. Manfred Kubik und Mst. Reinhart Clark besuchte vor kurzem die Präsentation des AZT Paint Pro im Allianz Zentrum für Technik. Für die Ausarbeitung des neuen Systems wurde eine Studie durchgeführt, die über 5 Jahre dauerte. In ganz Europa hat man in Groß-, Klein- und Mittelbetrieben circa 700 Schäden dokumentiert, um eine durchschnittliche Bewertung der Lackierzeit und der Materialkosten zu erstellen. Die neue Version der Kalkulationshilfe ist auf Grund der technologischen Veränderungen in Lackierbetrieben nötig, da sich Arbeitsabläufe, Materialien und Geräte in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt haben.

„Die Bundesinnung beobachtet die Entwicklung des AZT Paint Pro sehr genau, damit wir unsere Mitglieder rechtzeitig darüber informieren können“, so Mst. Reinhart Clark. Österreich ist als Testland genannt – ausgewählte User werden das neue System testen und bewerten. Erst wenn alle Kalkulationsanbieter das AZT Paint Pro implementiert haben, kann es bei der Direktverrechnung mit den Versicherungen verwendet werden.

Mst.
Foto: Clark’s Karosserie-Dienst
Foto: Rita Newman

Der Ersatz der physischen „Pickerl“ durch digitale Erfassung bedeutet kein Kleben mehr, ähnlich wie bei der digitalen Maut- oder Park-Vignette.

BIM MMst. Roman Keglovits-Ackerer, BA: „Dass unser System funktioniert, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Österreich liegt in der Unfallstatistik rund 20 Prozent unter dem EU-Schnitt – ein klarer Hinweis darauf, dass regelmäßige technische Überprüfungen ihren Zweck erfüllen.“

UNSERE IDEEN ZUR ENTBÜROKRATISIERUNG

Die Kfz-Branche ist sich einig, dass die geplante Verlängerung der Pickerlintervalle von 3-2-1 auf 4-2-2-2-1 weder zur Entbürokratisierung noch zu Einsparungen führen wird. Die Bundesinnung Fahrzeugtechnik legt im Gegenzug ein Konzept vor, wie man entbürokratisieren kann, ohne die Sicherheit zu gefährden.

Die Antwort des Bundesministers für Innovation, Mobilität und Infrastruktur Peter Hanke auf die parlamentarische Anfrage betreffend der Neuregelung der Pickerl-Intervalle belegt durch Zahlen, wovor Branchenvertreter seit Monaten warnen. Bereits nach 3 Jahren beträgt der Anteil an schweren Mängeln der 2024 und 2025 überprüfen Pkws über 18 Prozent, bei Zweirädern sogar bis zu 39 Prozent. Die geplante Verlängerung der Intervalle würde bedeuten, dass diese Mängel gar nicht entdeckt wären, da die neuen Fahrzeuge erst mit 4 Jahren das erste Mal überprüft werden sollen.

WENIGER SICHERHEIT

UND HÖHERE REPARATURKOSTEN

Die geplante Änderung würde nicht nur der Sicherheit und der Umwelt schaden, sondern auch Fahrzeughaltern höhere Kosten durch spätere und dadurch umfangreichere Reparaturen bescheren. In Deutschland, wo bereits längere Intervalle gelten, zeigen die Daten des TÜV-Reports, dass fast jedes dritte überprüfte Fahrzeug Mängel aufweist. Das österreichische 3-2-1-Prüfmodell hat sich gut bewährt und sollte bestehen bleiben, sind sich alle Branchenvertreter inklusive der Autofahrer-Clubs einig.

Die Entbürokratisierung und Kostenersparnis geht auch anders, wie das Konzept der Bundesinnung Fahrzeugtechnik „Ein Fahrzeug – ein Datensatz“ zeigt (siehe Kasten). „Wir sind überzeugt,

dass unser Konzept tatsächlich zur Entbürokratisierung, Digitalisierung und Kostensenkung beiträgt“, so BIM MMst. Roman KeglovitsAckerer, BA.

KONZEPT „EIN FAHRZEUG – EIN DATENSATZ“

• Zusammenlegung der Genehmigungsdatenbank, der Zulassungsevidenz und der Begutachtungsplakettendatenbank in eine zentrale Fahrzeugdatenbank.

• Verwaltung dieser zentralen Datenbank durch eine Stelle, z. B. das Bundesrechenzentrum. Dies bringt einen erheblichen Vorteil gegenüber der jetzigen Speicherung der Fahrzeugdaten in teils privaten Datenbanken mit komplexen Schnittstellen.

• Entfall der physischen Begutachtungsplakette durch die digitale Erfassung. Das bringt Kosteneinsparung sowie Entlastung der Kfz-Betriebe und Verwaltung. Ein weiterer Vorteil ist der Fälschungsschutz.

• Nutzung der ID Austria und der App eAusweise für einen digitalen Zugriff auf die §-57a-Gutachten.

Beantwortung der parlamentarischen Anfrage betreffend der Neuregelung der Pickerl-Intervalle.

Foto: Rita Newman
Foto: 4rad Werbeagentur

AUS BILDUNG

MODERNISIERUNG DER AUSBILDUNGSORDNUNG

Der neue Lehrberuf Fahrzeugtechnik hat das Ziel, unsere Branche im Bereich Ausbildung bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten. Neueste technische Entwicklungen wie Elektrifizierung, Digitalisierung und automatisiertes Fahren sind Bestandteile der neuen Ausbildungsordnung.

Die intensive Arbeit der Bundesinnung gemeinsam mit den Berufsschulen am neuen Lehrberuf Fahrzeugtechnik geht in die Zielgerade. Die neue Ausbildungsordnung befindet sich in der letzten Phase der politischen Prüfung und steht kurz vor der Umsetzung. Die Bundesinnung erwartet das Inkrafttreten der neuen Ausbildungsverordnung für September 2026, wenn alles reibungslos läuft.

SCHWERPUNKTLEHRBERUF FAHRZEUGTECHNIK

Der neue vierjährige Schwerpunktlehrberuf Fahrzeugtechnik beinhaltet gemeinsame fachliche Kompetenzbereiche (Grundlagen der Fahrzeugtechnik und Werkstatttechnik) und schwerpunktbezogene fachliche Kompetenzbereiche (Pkw-Technik, Nfz-Technik, Motorradtechnik und Karosserietechnik).

Im Vergleich zu früher wird das Kompetenzprofil des Fahrzeugtechnikers deutlich ausgeweitet. So gehören zu den Grundlagen der Fahrzeugtechnik neben Mechanik und Elektronik auch alternative Antriebe, der Umgang mit Hochvolttechnik, digitale Diagnose, Fahrerassistenzsysteme und andere moderne Technologien. Jede auszubildende Person erhält die Hochvolt-Ausbildungen HV0 bis HV2. Eine Fachkraft Fahrzeugtechnik wäre ohne diese Kompeten-

Die Ausbildung im Lehrberuf Fahrzeugtechnik beinhaltet u. a. Kompetenzen in den Bereichen Elektro-, Hybrid und alternative Antriebe.

zen zukünftig nicht mehr einsetzbar, da der Anteil an Elektro- und Hybridfahrzeugen sowie Fahrzeugen mit Brennstoffzellenantrieb in Zukunft weiter steigen wird.

Digitales Arbeiten ist ein wichtiger Kompetenzbereich und beinhaltet Themen wie Datensicherheit und Datenschutz, Anwenden von digitalen Tools und digitale Kommunikation. Auch nachhaltiges und ressourcenschonendes Arbeiten ist ein Bestandteil der neuen Ausbildungsordnung.

AUS- UND WEITERBILDUNGSSTRATEGIE

DER BUNDESINNUNG

Die neue Lehrlingsausbildung dient als Basis einer umfassenden Ausund Weiterbildungsstrategie der Bundesinnung Fahrzeugtechnik. Das Ziel ist es, einen durchgängigen Bildungsweg von der Einstiegsebene bis zur höheren Berufsqualifikation zu schaffen, abgestimmt auf den Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR).

Dieses Modell sieht folgende Stufen vor:

NQR IV: Berufsausbildung (z. B. Fahrzeugtechnik-Lehre)

NQR V: Höhere Berufsbildung (z. B. Hochvolt- oder Dellentechniker)

NQR VI: Meisterprüfung in Fahrzeug- oder Karosserietechnik

Der derzeit bestehende Lehrberuf Karosseriebautechnik ist als eigener Schwerpunkt in den neuen Lehrberuf Fahrzeugtechnik integriert.
Foto: Henry Welisch Photography
Foto: 4rad Werbeagentur

RECHT §§§

Dipl. Oec. Andreas Westermeyer, MLS, Jurist der Bundesinnung der Fahrzeugtechnik

AKTUELLER RECHTS-TIPP

SERVICE ODER PICKERL?

WARUM DAS EINE DAS ANDERE NIEMALS ERSETZT.

Viele Fahrzeughalter kennen das Dilemma: Der Termin für das jährliche Herstellerservice steht an, um die Garantieansprüche zu wahren. Da liegt die Vermutung nahe, dass damit auch die gesetzliche Pflicht zur Fahrzeugüberprüfung erledigt sei. Doch Vorsicht: Rechtlich betrachtet sind das Herstellerservice und die §-57a-Begutachtung (das „Pickerl“) zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.

Der hoheitliche Charakter des Pickerls

Die wiederkehrende Begutachtung nach § 57a KFG ist kein bloßer Kundendienst, sondern eine zentrale Säule der österreichischen Verkehrssicherheit. Sie hat einen hoheitlichen Charakter. Das bedeutet: Wenn eine Werkstatt das Pickerl ausstellt, handelt sie als „beliehenes“ Organ des Staates und stellt eine öffentliche Urkunde aus. Ein herkömmliches Service hingegen ist eine rein privatrechtliche Angelegenheit zur Wartung und Werterhaltung.

Warum der Unterschied für Sie wichtig ist Es gibt drei wesentliche Gründe, warum Sie auf keines von beidem verzichten sollten:

• Unterschiedliche Ziele: Während das Herstellerservice auf den Austausch von Verschleißteilen und die Sicherung der

Garantie abzielt, prüft die §-57a-Begutachtung streng die Verkehrs- und Betriebssicherheit sowie die Umweltverträglichkeit (Lärm, Abgase).

• Strenge Objektivität: Gesetzliche Prüfer müssen absolut unparteiisch sein. Bei einem reinen Service können wirtschaftliche Interessen – etwa der Verkauf von Reparaturen – im Vordergrund stehen. Das Pickerl-Gutachten hingegen unterliegt strengen gesetzlichen Qualitätsvorgaben.

• Qualifikation & Technik: Nicht jeder Servicetechniker ist automatisch auch ein zertifizierter Begutachter. Für das Pickerl ist speziell geschultes Personal und eine staatlich geprüfte technische Ausstattung zwingend erforderlich.

Ein Serviceheft schützt nicht Mängel Wer glaubt, ein gepflegtes Serviceheft schützt vor allfälligen Mängeln, der täuscht sich. Denn ein Serviceintervall hängt sehr vom Alter, Fahrleistung und anderen Faktoren ab. Ein Blick in die Serviceumfänge von Fahrzeughersteller zeigt auf, dass vieles bei einem Service gemacht wird. Aber eben vieles – und nicht alles, was der Verkehrs- und Betriebssicherheit dienlich ist. Daher: Jede Argumentation, dass ein Service die periodische Fahrzeugüberprüfung ersetzen kann, läuft ins Leere. Zivilrecht ist nicht öffentliches Recht. Und das Öffentliche Recht hat das Allgemeinwohl im Fokus.

Foto: Rita Newman
Foto: Rita Newman

RABATT AUF DIE SERMI-ZERTIFIZIERUNG

Noch bis Jahresende 2026 können Mitglieder der Bundesinnung Fahrzeugtechnik im Rahmen einer Sonderaktion für Erstanmeldungen beim Zertifizierungsanbieter KIWA mit dem Rabattcode 10WKO26 das SERMI-Zertifikat mit 10 Prozent Rabatt erwerben.

Auf der KIWA-Website können Sie eine Zertifizierung für Ihr Unternehmen und eine Zertifizierung für Ihre Mitarbeitenden erwerben.

Der Zugang zu sicherheitsrelevanten Fahrzeugdaten wird für freie Werkstätten zunehmend wichtiger. Die dafür notwendige SERMIZertifizierung ermöglicht Betrieben den offiziellen Zugriff auf entsprechende Herstellerinformationen. Aus dem Erfahrungsaustausch mit technischen Experten aus ganz Österreich gibt es erfreuliche Rückmeldungen: Der Zertifizierungsprozess wird von vielen Betrieben als unkompliziert, transparent und gut begleitet beschrieben.

NEUER

LANDESINNUNGSMEISTER

IN OÖ

MMSt. Daniel Holzinger ist seit Jahresbeginn neuer Landesinnungsmeister Fahrzeugtechnik in Oberösterreich. Er hat in dieser

Foto: Röbl

Funktion Jörg Silbergasser abgelöst. Der doppelte Meister (KfzTechnik und Lack) führt eine freie Werkstätte in Desselbrunn (OÖ). Er hat den Betrieb 2016 neu übernommen und daraus einen Meisterbetrieb unter dem Namen „KFZ – Autoglas Pichler – Holzinger GmbH“ gegründet. Das Unternehmen ist auf Autoglas spezialisiert und bietet ausserdem Kfz-Reparaturen für alle Marken, Service, §-57a-Überprüfungen, Automatikgetriebespülungen, Reifendienst, Autoersatzteile und vieles mehr.

WIR GRATULIEREN ZUM 40ER!

Benjamin Pfeil, Ausschussmitglied der Bundesinnung Fahrzeugtechnik aus Niederösterreich, feierte am 14. Feber 2026 seinen 40. Geburtstag.

ERSTE KI-ASSISTENTIN FÜR KFZ-BETRIEBE

Sie heisst Lisa und kennt sich in Ihrem Betrieb bestens aus, weil sie extra dafür entwickelt wurde. Willkommen in der KI-Welt!

Im Podcast der Bundesinnung AUTOFUNK stellen Mag. Michael Holub und Vladislav Smolyanoy von der Vienna AI ¬Company die erste KI-Assistentin für die Kfz-Branche vor: „Wir haben festgestellt, dass in einem Autohaus oder in einer Kfz-Werkstätte 50 bis 60 Prozent der Zeit ganz einfach verloren gehen, durch sinnlose administrative Tätigkeit, die für die Kunden keine positive Wirkung hat. Und das muss ganz aufhören. Dafür gibt es eine künstliche Intelligenz, die jedem Mitarbeiter, jeder Mitarbeiterin zur Seite steht und helfen kann.”

Informieren Sie sich unter https://aicompany.at/de über den Rollout von Lisa in der zweiten Jahreshälfte 2026.

Im Podcast erzählen auch zwei Pilotpartner über ihre ersten Erfahrungen mit Lisa. Manuel Weitmann vom Autohaus Weitmann nutzt Lisa als „digitalen Spickzettel“, um Preislisten und Aktionen blitzschnell für das Kundengespräch aufzubereiten.

Maximilian Hummel vom Autohaus Hummel schlägt mit Lisa die Brücke zwischen oft starren DMS-Systemen und moderner Digitalisierung.

Hören Sie mehr über Lisa in der AUTOFUNKFolge vom 20. März 2026.

MMSt. Daniel Holzinger

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