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TopMagazin, Germany, April 2026

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Wer sich Wölfe nicht nur im Gehege anschauen und in seinem Urlaub mal etwas ganz anderes machen möchte, der kann als Spurensucher*in beim Artenschutz in Niedersachsen helfen und an einer Wolfs-Expedition teilnehmen.

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Den Wölfen auf der Spur

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Im Wolfcenter Dörverden kann man die dort lebenden Tiere beobachten

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eder Schritt von Nikki Rouse knirscht auf dem steinigen Weg. Vermischt mit den fallenden Regentropfen ergibt das eine beruhigende Geräuschkulisse. Dennoch sind alle Sinne geschärft; ihre Augen abwechselnd auf den Boden und in die Ferne gerichtet, um die Spuren eines Wolfs zu finden oder eines der scheuen Raubtiere sogar persönlich zu sehen. Die Australierin ist eine von zehn internationalen Teilnehmern einer Wolfs-Expedition in Niedersachsen, die seit 2017 von der Naturschutzorganisation Biosphere Expeditions durchgeführt wird. Die Organisation ist bekannt für ihre erfolgreiche Einbindung von Laienhelfern in weltweite Artenschutzprojekte und arbeitet seit 1999 Hand in Hand mit Menschen und Biologen in den Projektgebieten – so auch in der Lüneburger Heide. „Wir wollen Wissenschaftlern dabei helfen, ihre Forschungsprojekte über den Wolf durchzuführen – und dafür rekrutieren wir motivierte Menschen, die in ihrem Urlaub Daten sammeln“, erklärt Biosphere-Expeditionsleiterin Malika Fettak. Wölfe durchzogen Europa schon vor rund 400.000 Jahren. Sie lebten mit ihren Rudeln auch in Deutschland – bis sie vor 150 Jahren ausgerottet wurden. Doch nun sind sie zurück – und erobern sich ihren alten Lebensraum zurück. Die Rückkehr der Wölfe ist eine Erfolgsgeschichte für den Naturschutz, aber auch eine Herausforderung, denn die scheuen Raubtiere nicht überall willkommen. Es gibt viele Vorurteile – Grimms Märchen haben die Angst geschürt, und Landwirte sind um ihre Weidetiere besorgt. Gefühlt mitten im Nirgendwo, zwischen Hamburg, Bremen und Hannover, sind nun neben der Australierin auch drei Engländer, eine Brasilianerin, drei Deutsche und eine Teilnehmerin aus dem Oman täglich bis zu 20 Kilometer unterwegs, um so viele Daten wie möglich über die hier lebenden Wölfe zusammenzutragen. Diese fließen dann in das Monitoring des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz ein, um Maßnahmen rund um Naturund Artenschutz, Wolfsmanagement und Herdenschutz an der Realität auszurichten. „Durch das Wolfsmonitoring haben wir ein aussagekräftiges Bild der Population und ihrer Entwicklung erhalten“, sagt Wolfsforscherin und Wolfsbotschafterin

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Frühjahr 2026 · top magazin

Auch das Aufsammeln von Wolfslosung gehört zu den Aufgaben der Expeditionsteilnehmer

Lotte Steinberg. So wurde festgestellt: Von den in Deutschland lebenden 209 Rudeln leben insgesamt 56 in Niedersachsen. Hinzu kommen vier Wolfspaare und drei Einzelwölfe. Niedersachsen ist somit eines der Bundesländer mit der aktuell höchsten Wolfsdichte. Ein Besuch des Wolfcenters Dörverden samt Führung bildet den Start der Expedition. „So könnt Ihr Wölfe live beobachten und erhaltet viele Infos über ihr Verhalten“, erklärt Malika. Einen Tag später beginnen die Wanderungen: Ausgestattet mit GPS, Kompass, Zollstock und anderen Messgeräten, heften sich alle hochmotiviert „an die Fersen“ von Isegrim. Mit dabei auch Lotte und ihr Dalmatiner Theo. Durch die Wissenschaftlerin wissen die Teilnehmer, dass die Wolfslosungen sich meist auf Wegen, insbesondere an Kreuzungen, befinden. „Dort solltet Ihr intensiv suchen – und sie einsammeln, denn wir benötigen sie für Nahrungs- und Genanalysen. Unsere bisher gesammelten Losungen enthielten häufig Haare, Knochen und auch Zähne – und die Analysen bestätigten, dass die Nahrung hauptsächlich aus natürlichen Beutetieren wie Dam- oder Rehwild besteht und selten aus Weidetieren“, fügt Lotte hinzu. Auch Wolfsspuren gelten als Beweis für ihre Existenz: „Wölfe fallen


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