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BIORAMA Wien–Berlin 5

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SPEZIALAUSGABE: WIEN – BERLIN

WAS IST DA IM WASSER?

Berlin und Wien sind auch unter der Oberfläche anders.

Ungeklärt: Was in den Hauptstädten mit dem Strom schwimmt.

Berechtigt: Wir stellen uns vor, auch unsere Flüsse hätten Rechte.

Festgehalten: Wirklich großes Kino folgt klaren Produktionsstandards.

Unsere Händler

ERNTEZEIT

Nicht zufällig entstehen die meisten Städte an Flüssen. Ihre Funktionen in einer Stadt sind unzählige, sich im Lauf der Geschichte auch wandelnde, unser Leben ist jedoch viel direkter mit ihnen verknüpft, als uns womöglich manchmal bewusst ist – reguliert, verbaut, teils trockengelegt, oft überbaut, sind die Flusssysteme teilweise von der Bildfläche verschwunden. Höchste Zeit, sie – gemeinsam mit dem Kanalnetz – aus der Versenkung zu holen und Aufmerksamkeit zu geben – am besten überall in der Stadt, der Stadtplanung und im Alltag in der Stadt. Die Kreisläufe, in denen sich das Wasser bewegt, sind nicht immer gleich einfach nachzuvollziehen – manchmal muss man warten, bis der nächste Regen fällt, um sich zweimal zu überlegen, was man versucht, mit Wasserhahn, Klospülung oder Waschmaschine fortzuspülen.

Wer Umweltverschmutzung und Klimawandel als menschengemachtes Problem akzeptiert, kann auch den nächsten Schritt gehen und ihnen nicht nur wie unveränderlichen Naturgewalten gegenüberstehen. Wer Bäume sät, kann Regen ernten – und nicht nur zuschauen, wie die Möglichkeiten an uns vorbeischwimmen. Die Ideen dazu sprießen sowohl in Wien als auch in Berlin aus jeder Asphaltritze, es braucht nun die Entschlossenheit, ihnen Raum zu geben. Lassen wir die Flüsse leben und uns ein Stück mitziehen, ein paar kräftige Tempi machen, an renaturierten Ufern vorbeitreiben und in der Schwammstadt ankommen.

Gute Lektüre und schönen Sommer, eure BIORAMA-Redaktion

Irina Zelewitz, Chefredakteurin zelewitz@biorama.eu

IMPRESSUM

HERAUSGEBER Thomas Weber CHEFREDAKTEURIN Irina Zelewitz AUTORiNNEN Georg Ander, Martin Mühl, Ursel Nendzig, Hanna Stummer, Thomas Weber GESTALTUNG Stefan Staller ANZEIGENVERKAUF Herwig Bauer, Michael Mazelle, Thomas Weber DRUCK Walstead Leykam Druck GmbH, Gutenbergstraße 12, 3100 St. Pölten PRODUKTION & MEDIENINHABERIN Biorama GmbH, Windmühlgasse 9/14, 1060 Wien GESCHÄFTSFÜHRUNG Martin Mühl KONTAKT Biorama GmbH, Windmühlgasse 9/14, 1060 Wien; www.biorama.eu, redaktion@biorama.eu BANKVERBINDUNG Biorama GmbH, Bank Austria, IBAN AT44 12000 10005177968, BIC BKAUATWW ABONNEMENT biorama.eu/abo ERSCHEINUNGSWEISE BIORAMA 6 Ausgaben pro Jahr ERSCHEINUNGSORT Wien.

BLATTLINIE BIORAMA ist ein unabhängiges, kritisches Magazin, das sich einem nachhaltigen Lebensstil verschreibt. Die Reportagen, Interviews, Essays und Kolumnen sind in Deutschland, Österreich und der ganzen Welt angesiedelt. Sie zeigen Möglichkeiten für ein Leben mit Qualität für den Menschen und den Planeten Erde. Ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. BIORAMA erscheint sechs Mal im Jahr. Zusätzlich erscheinen wechselnde BIORAMA-Line-Extentions.

PEFC-zertifiziert Dieses Produkt stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und kontrollierten Quellen www.pefc.at Thomas Weber, Herausgeber weber@biorama.eu @th_weber

PEFC/06-39-08

INHALT

12 LEBENSADERN

Berlin und Wien gehen bei der Wasserversorgung aufgrund verschiedener Ausgangssituationen sehr unterschiedlich vor –bisher sehr erfolgreich.

03 Editorial

06 Street Talk Berlin

09 Street Talk Wien

12 Lebensadern

Woher nehmen Wien und Berlin ihr Wasser.

16 Im Strome

Was fließt durch Wien und Berlin?

20 Naturrecht

Ist die Spree ein Lebewesen, das Rechte hat?

22 Kanalfisch

Von der Leidenschaft der Wiener DonaukanalfischerInnen.

34 Taubenmanagement

Wann ist eine Taubenpopulation ein Problem?

42 Making Of In Berlin ist »Green Shooting« Förderkriterium für Filme und Serien.

45 New Normal

In Österreich etablierte ein Bonus für nachhaltige Filmproduktuktionen ein neues Normal.

48 Die Hauptstadt als Testmarkt Urbane Milieus sind besonders empfänglich für Ökoprodukte und Neues.

52 Symbiose

Stadt und Umland ermöglichen sich gegenseitig einen erheblichen Teil ihrer Innovationskraft.

58 Kochbuchempfehlung Kochen im Gemeindebau.

63 Rezensionen

KOLUMNEN

65 Aus dem Verlag

66 Elternalltag

RECHTLOS

Aktivist Emmanuel Schlichter erklärt, warum das Ökosystem Spree mehr Raum und als Fluss Rechte bekommen sollte.

KANALFISCH

Von der Leidenschaft der Wiener DonaukanalfischerInnen – und vom Fisch, den man immer essen kann, aber nicht immer fangen darf.

42 48 58

MAKING OF

Die »Berlin Brandenburg Film Commission« ist Anlaufstelle,für nachhaltigere Filmproduktion.

STADT-UMLAND

Urbane Milieus sind nicht nur besonders empfänglich für Ökoprodukte, sondern auch für Neues.

KOCHBUCHEMPFEHLUNG

»Mahlzeit!« sammelt Klassiker der Wiener Küche sowie Rezepte, die Zugereiste mitgebracht haben.

WAS IST BESSER: HEIMISCHES FLASCHENWASSER ODER BERLINER LEITUNGSWASSER?

INTERVIEW UND BILD

GEORG ANDER

LISA

22, Studentin

Man hört immer wieder, dass das Berliner Leitungswasser das beste sein soll. Ich trinke sehr gern Leitungswasser und denke, die Qualität ist vor allem von den Rohren abhängig, durch die das Wasser fließt.

OLIVER

55, Gerichtsvollzieher

Ich trinke schon immer viel Wasser aus der Leitung und zapfe es gekühlt aus unserem Side-by-Side-Kühlschrank. Hier in Berlin ist das Wasser bestens geprüft und soll sehr gut sein. Das meinte schon mein Vater, der beim Umweltbundesamt gearbeitet hat.

RAYEN

28, Elektronikingenieur Seit ich in Charlottenburg lebe, mag ich das Leitungswasser sehr gern. Als ich noch in Lichtenberg gewohnt habe, war der Geschmack wirklich kein guter. In meinem Heimatland Tunesien trinken wir das Wasser wiederum stets aus Flaschen.

TONI

33, Lieferant

Für gewöhnlich trinke ich lieber Flaschenwasser, weil das Wasser aus dem Hahn in Berlin nicht so empfehlenswert ist. In Mazedonien, wo ich aufgewachsen bin, trinken wir das Wasser aber immer aus der Leitung.

ANDREAS

67, Rentner

In meinen Augen ist das Berliner Leitungswasser eine Katastrophe für die Gesundheit. Es enthält zu viele Rückstände von Schmerzmitteln oder Antibiotika und schmeckt mir ebenso wenig. Ich trinke mein Wasser aus der Glasflasche und würde auch ohne den Fahrstuhl die Kisten in den 5. Stock tragen. Gutes Quellwasser findet man allerdings unweit im Grunewald, in der Saubucht.

MARIOLA

63, Selbstständig

Seit zwei Jahren bevorzuge ich regionales Flaschenwasser, aber habe lange Zeit Wasser aus der Leitung getrunken. Nun bin ich aus gesundheitlichen Gründen auf Mineralwasser wegen des höheren Kalziumgehalts umgestiegen und fühle mich auch spürbar wohler damit.

RAMSHA

29, Architektin

Meines Wissens hat das Leitungswasser eine sehr gute Qualität und ist auch meine Wahl bei der Frage. Ich weiß von den hohen Standards in Deutschland und schätze die Zugänglichkeit.

GABI

58, Hausverwalterin

Auch wenn das Berliner Leitungswasser sehr gut sein soll, setze ich auf bezahlbares Flaschenwasser aus der Region. Gerade wenn man im Altbau wohnt, alte Leitungen liegen und wenig Durchlauf herrscht, können Legionellen entstehen.

LEO UND HELENA

31, Student, 31, Steuerberaterin

In unserem alten Zuhause Köln war die Qualität echt mies. Hier trinken wir beide Berliner Leitungswasser, das wir mit Kohlensäure versetzen und dann im Kühlschrank kalt stellen. Allerdings ist der Kalkgehalt sehr hoch und Wasser aus Flaschen schmeckt deutlich besser.

KONSTANTIN UND VALERIA

20 und 24, StudentInnen

Konstantin: Bei mir hängt die Entscheidung davon ab, wo ich mich gerade aufhalte. Bei mir zu Hause in Charlottenburg schmeckt das Wasser aus der Leitung echt gut. Bei einigen Freunden daheim allerdings weniger, dann bevorzuge ich Wasser aus der Flasche.

Valeria: Ich muss mich noch an das Trinken von Wasser aus dem Hahn gewöhnen. In meiner Heimat Paraguay verwenden wir ausschließlich große Wasserflaschen oder Dispenser, deshalb bevorzuge ich gefiltertes Wasser.

STREET TALK

WIR FRAGEN, 12 HYDRIERTE WIENER ANTWORTEN.

»WAS

IST BESSER:

HEIMISCHES FLASCHENWASSER

CAMILLE

28, Statistiker

Leitungswasser schmeckt hier sehr gut und kostet natürlich nichts oder kaum etwas. Plastikflaschen sind außerdem für die Umwelt schlecht, ich trinke also nur Leitungswasser.

ANNA UND MARIA

70 und 68, Pensionistinnen

Anna: Das Wiener Leitungswasser ist auf jeden Fall besser, es kommt aus einem Gebiet, wo wir noch wirklich gutes Wasser haben.

Maria: Es ist außerdem billiger und man muss es nicht extra einkaufen und heimtragen – der Aufwand ist also viel geringer für ein besseres Produkt.

INTERVIEW UND BILD

BERNHARD

55, Führungskraft

Fix Wiener Leitungswasser. Das kommt von den Bergen und ist einfach geil, außerdem glaube ich, es ist gesünder und unterstützt die Flaschenwasser-Industrie nicht.

LUKAS

27, Redakteur

Das ist mir ehrlich gesagt komplett egal, ich trinke beides.

SUDA

24, Studentin

Ich kann nicht genau sagen, wieso, aber Wiener Leitungswasser ist so unglaublich gut, besonders wenn man nach einem Urlaub in einem anderen Land wieder das erste Glas Wasser hier trinkt, ist das einfach unschlagbar.

10 STREET TALK

WIR FRAGEN, 12 HYDRIERTE WIENER ANTWORTEN.

KARIN

42, Betreuerin Leitungswasser. Ich komme aus Brasilien und es ist für mich eigentlich ein Luxus, Wasser aus der Leitung trinken zu können. Wenn man nicht hier aufwächst, weiß man vermutlich gar nicht, wie besonders das ist, man muss nicht an Krankheiten oder Verunreinigung denken.

PAULINA

28, Customer-Success-Managerin ch mag tatsächlich lieber Wasser aus der Flasche, besonders mit Kohlensäure – das empfinde ich irgendwie als erfrischender. Es ist außerdem praktischer, zum Beispiel zum Mitnehmen oder im Kühlschrank lagern, damit es besonders kalt ist.

SUSANNE

53, Marketingprojektmanagerin Eindeutig Leitungswasser. Einerseits schmeckt es super und außerdem muss ich es nicht mit irgendeinem extra Gebinde, im schlimmsten Fall noch aus Plastik, nach Hause transportieren, weil es ja schon da ist.

VINCENT

31, Student Wiener Leitungswasser. Ich bin damit aufgewachsen, Leitungswasser zu trinken, und mag auch lieber ›stilles‹ Wasser. Ich komme aus Köln, wo die Leitungen stärker verkalkt sind, und finde das Wasser in Wien im Vergleich auch besonders gut.

SYLVIA

50, ohne Beschäftigung Mir schmeckt Wasser aus der Flasche besser. Ich achte aber darauf, nur Glasflaschen zu kaufen und keine aus Plastik. Am liebsten sind mir Römerquelle und Vöslauer.

JULIAN

27, Fotograf

Ich trinke gerne Mineral-, also Flaschenwasser aus der Region. Einerseits schmeckt es mir besser, und außerdem kaufe ich zum Beispiel gerne mit Magnesium versetztes Wasser von Vöslauer, weil ich das Gefühl habe, dass mir das bei meiner Migräne ein bisschen hilft.

Kein Dunst

CO2 ?

DANN KOMM RAUS AUS DEINER BLASE! LERNE MEHR ÜBER DEN KLIMAWANDEL UND UNSERE MISSION NULL-EMISSION. Unsere Zukunft braucht frischen Wind statt heißer Luft! Deshalb reden wir nicht nur drüber – wir handeln! Begleite uns auf unserer Mission, unsere Produktionsstandorte bis 2030 emissionsfrei zu machen. Wir klären auf, was das bedeutet und an welchen Innovationen wir dafür arbeiten.

WIR KLÄREN

www.sonnentor.com/co2

LEBENSADERN

Berlin und Wien gehen bei der Wasserversorgung aufgrund verschiedener Ausgangssituationen sehr unterschiedlich vor – bisher sehr erfolgreich.

TEXT

Martin Mühl

Berlin und Wien gehören zu jenen Städten Europas, in denen man das Trinkwasser ganzjährig bedenkenlos trinken kann – ja, es ist sogar besonders sauber und geschmacklich gut. Woher das Wasser kommt, was dafür getan werden muss und welche aktuellen Herausforderungen und Themen die beiden Städte haben, ist aber höchst unterschiedlich.

GRUNDWASSERVERSORGUNG

Wasserverbrauch

In Wien liegt der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Person und Tag bei rund 130 Litern. In Berlin bei 113 Litern.

In beiden Städten wird zwischen Trink- und Nutzwasser nicht unterschieden – aus den Leitungen kommt Wasser in Trinkwasserqualität. In Berlin handelt es sich dabei um Grundwasser, für das neun Wasserwerke verantwortlich sind. Je nach Berechnung und Detailunterscheidung verschiedener Methoden sind 70 % des Wassers in Berlin Uferfiltrat. Also Oberflächenwasser von Spree und Havel, das durch natürliche Bodenschichten sickert und dabei gefiltert wird. 30 % sind natürlich gebildetes Grundwasser – das in erster Linie im Winter

versickert, während es im Sommer verdunstet. Anders als die durch Wien fließende Donau sind Spree und Havel ruhige Gewässer, die wenig Wasser führen. Um eine Breite und Tiefe zu erreichen, die die Spree mit Schiffen befahrbar macht, werden beide Flüsse an mehreren Schleusen aufgestaut – eine Entwicklung, die vor rund 250 Jahren begonnen wurde, unter anderem, um auf diesem Weg Ziegel in die sich entwickelnde Stadt transportieren zu können. Wobei Berlin damals nicht eine Stadt war, sondern sieben, die mittlerweile zusammengewachsen sind. »Berlin und Brandenburg sind reich an Gewässern, aber nicht an Wasser. Die Wasserführung der Spree liegt teilweise bei nur 5 Kubikmetern pro Sekunde – im Vergleich zu 1000 Kubikmetern des Rheins bei Köln oder rund 1500 Kubikmetern bei Mittelwasser der Donau«, erklärt Stephan Natz, Pressesprecher der Berliner Wasserbetriebe. Das liegt vor allem auch an den Quellgebieten der Flüsse, in denen das Fehlen von Gebirgen dafür sorgt, dass Regenwolken hier nicht hängen bleiben. Die

Spree kommt aus dem Lausitzer Land, nordöstlich von Dresden, die Havel aus dem Flachland nördlich von Berlin aus Mecklenburg.

AUSBAU VON WASSERWERKEN

Der Klimawandel, der Zuzug nach Berlin und andere Entwicklungen stellen die Berliner Wasserbetriebe, die für Trinkwasser, Regenwasser und Schmutzwasser gleichermaßen verantwortlich sind, vor Herausforderungen, und so gibt es in Berlin drei Bereiche, an denen aktuell gearbeitet wird: den weiteren Ausbau von Kläranlagen, deren gereinigtes Wasser im Sommer oft der wesentliche Zustrom für Spree und Havel ist, eine weiterreichende Beschäftigung mit der Nutzung von Regenwasser und die neuerliche Aktivierung aufgegebener Wasserwerksstandorte. »In Klärwerke werden in Berlin gerade Milliarden investiert, um Nähr- und Spurenstoffe zu entfernen«, so Stephan Natz, »und damit die Trinkwasseraufbereitung naturnah bleiben kann«. »In den Wasserwerken wird dem Grundwasser nur Eisen und Mang-

»Berlin und Brandenburg sind reich an Gewässern, aber nicht an Wasser.«
— Stephan Natz, Pressesprecher der Berliner Wasserbetriebe

an entnommen. Andere Minerale wie Kalzium und Magnesium sind Geschmacksträger, die wir nicht entfernen.« Wurde Regenwasser vor zehn Jahren noch in erster Linie abgeleitet, so gibt es heute eine eigene Regenwasseragentur, die Bauverantwortliche dabei berät, was sie mit Regenwasser tun können, das sie bei Neubauten und teilweise Sanierungen seit 2018 im Sinne der »Schwammstadt« sammeln müssen. Das Regenwasser wird dabei nicht Netzen zugeführt, sondern muss vor Ort genutzt werden. Würde das Regenwasser abgeleitet werden, könnte das zeitweise die Kanalisation überfordern oder auch Schäden in Tiefbauten wie Garagen verursachen.

Zwischen 1990 und 2001 wurden in Berlin mehrere Wasserwerke geschlossen, da nach der Wende die Industrie in Berlin weniger wurde, ebenso wie die Einwohner. Außerdem sorgte technische Entwicklung dafür, dass immer mehr Wasser gespart werden konnte. »Nach der Wende kam es zu einem Wasserverkaufs-

Die Baustelle eines Schieberkreuzes in Berlin Wedding: Auch in engen Straßen werden Wasserleitungen ausgebaut – und dabei Bäume erhalten

Das Wasserwerk Tegel. Uferfiltrat ist Basis für mehr als zwei Drittel des Berliner Trinkwassers.

Auf zwei Hochquellenleitungen kommt das Wasser aus den Quellgebieten in Niederösterreich und der Steiermark nach Wien – teilweise über Aquädukte

minus von 45 %«, beziffert Natz die damalige Entwicklung. Seit einiger Zeit wächst die Stadt wieder und »der Klimawandel ist stärker als noch vor 20 Jahren angenommen. Deswegen sollen zwei Wasserwerke an den alten Stellen neu gebaut werden.«

WARTEN AUF GEMEINSAME STRATEGIE

Wie Wien von Niederösterreich umgeben ist, so ist Berlin eine Insel in Brandenburg. Die Stadt ist deswegen, gerade was das Wasser betrifft, abhängig von einer Zusammenarbeit mit dem Umland. Der aus Umweltschutzgründen

Mehr zum Grundwasserkörper unter der Wiener Lobau auf BIORAMA.EU/LOBAUTUNNEL-GRUNDWASSER

begrüßenswerte Ausstieg aus Kohlekraftwerken und damit auch dem Ende des Abbaus von Kohle hat negative Auswirkungen auf die Was-

serversorgung von Berlin. Die Gruben werden vielfach mit Wasser gefüllt – und im Idealfall zu Naherholungsgebieten. Das bringt auch Jobs in der Freizeitwirtschaft für jene, die früher in der Energiewirtschaft tätig waren. »In dem Seengebiet verdunsten dank der größeren Oberfläche aber rund 100 Millionen Kubikmeter pro Jahr –also knapp die Hälfte dessen, was die Stadt Berlin braucht«, erklärt Stephan Natz. Seit einigen Jahren gibt es deswegen Gespräche zwischen Berlin und dem Bundesland Brandenburg mit dem Ziel einer gemeinsamen Wasserstrategie –bisher ohne finales Ergebnis. Natz deutet aber an, dass daran kein Weg vorbeiführt: »Und immer wieder gelesenen Theorien, in Berlin Wasser aus der Elbe zu nutzen oder aus der Ostsee, halten wir nicht für realistisch umsetzbar.« Bis andere Lösungen gefunden sind, macht Berlin deswegen einmal seine Hausaufgaben – es baut Kläranlagen aus, nutzt Regenwasser und nimmt alte Wasserwerke wieder in Betrieb.

HOCHQUELLENWASSER FÜR DIE STADT

In Wien führt die Donau zwar deutlich mehr Wasser – mit der Wasserversorgung der Stadt hat sie aber wenig zu tun. Das Trinkwasser kommt über zwei Hochquellenleitungen seit dem 19. Jahrhundert aus Quellgebieten in den niederösterreichischen und steirischen Alpen. Bis dahin war die Trinkwasserversorgung der Stadt mangelhaft – die Folgen waren unter anderem Typhus- und Choleraepidemien. 1864 wurde im Wiener Gemeinderat beschlossen, nicht die Donau als Trinkwasserquelle zu erschließen, sondern die 90 Kilometer lange 1. Hochquellenleitung zu bauen, die vom niederösterreichischen Kaiserbrunn über Gloggnitz bis zum Wiener Rosenhügel reichte und 1873 fertiggestellt wurde. 24 Stunden ist das Wasser im Schnitt unterwegs – größtenteils in einem gemauerten Kanal und über 30 Aquädukte. Nachdem Wien um diese Zeit stark wuchs, wurde bald eine weitere Leitung aus dem steirischen Gebirgsstock des Hochschwabs nötig. Diese wurde 1910 eröffnet, als die Stadt mit 2,1 Millionen EinwohnerInnen auch ihre bevölkerungsreichsten Jahre erreicht hatte. Seither bringt diese täglich bis zu 217 Millionen Liter Wasser über eine Strecke von 180 Kilometern nach Wien. Das Wasser ist dabei rund 36 Stunden unterwegs, der Höhenunterschied beträgt

360 Meter und es durchfließt 100 Aquädukte. Das Gefälle wird außerdem teilweise zur Stromproduktion genutzt. Gesammelt wird das Wasser in 31 streng geschützten Wasserbehältern – 29 davon in Wien – mit einem Gesamtfassungsvermögen von 1,6 Millionen Kubikmetern. Das entspricht dem durchschnittlichen Wiener Wasserverbrauch in circa 4 Tagen.

KONSTANTE AUFGABE

Zusätzlich nutzt Wien heute schon Grundwasser, das in den Wasserwerken Lobau, Moosbrunn, Donauinsel und Nußdorf gesammelt wird. Die Filter- und Reinigungswirkung des Untergrundes in den Schutzgebieten gewährleistet eine hohe Qualität des Grundwassers. Aber auch Wien wächst weiter – vor allem in Stadtentwicklungsgebieten an seinen Rändern – und auch für diese Stadt bedeutet der Klimawandel einen erhöhten Wasserbedarf. »Um dem erhöhten Wasserbedarf gerecht zu werden, arbeitet die Stadt derzeit an mehreren Maßnahmen«, erklärt Astrid Rompolt, Leiterin der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation Wiener Wasser. Dazu gehört »die Erweiterung der Wasserbehälter, um mehr Wasser zu speichern, die bessere Erschließung von Quellen und Brunnen, um mehr Wasser zu fördern, und ab 2026 die Erweiterung des Wasserwerks auf der Donauinsel, um Grundwasser filtern und aufbereiten zu können. Außerdem werden überregionale Leitungen in den Stadterweiterungsgebieten gebaut, um diese mit Wasser zu versor-

»Um dem erhöhten Wasserbedarf gerecht zu werden,

arbeitet Wien unter anderem an der Erweiterung der Wasserbehälter und an der besseren Erschließung von Quellen und Brunnen.«

Astrid Rompolt, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit bei Wiener Wasser

gen.« Stolz ist man in der Stadt außerdem auf über 1600 öffentliche Trinkbrunnen.

Zur Absicherung des Wiener Wassers und seiner Qualität gehören auch Bemühungen, die Grundstücke, auf denen die Quellen stehen, zu kaufen und den Zugang zu den Grundstücken, über denen die Hochquellenleitungen verlaufen, durch Vereinbarungen zu sichern. Oder –auch als Teil internationaler Vernetzung in Arbeitsgruppen – darauf zu achten, welche Entwicklungen es in Brüssel gibt, wo Unternehmen und ihre Lobbys daran arbeiten, den Zugriff auf Wasser weiter zu privatisieren. Seine BewohnerInnen mit bestem Trinkwasser zu versorgen, soll auch in Zukunft in Wien und Berlin selbstverständlich sein.

FLUSSABWÄRTS

Spree und Donau geht es auf dem Gebiet der Hauptstädte sehr unterschiedlich gut, manche würden sagen dreckig. Doch die Aufgaben im Gewässerschutz sind ähnlich.

TEXT Irina Zelewitz

EU-Richtlinie

2006/7/EG

Die Badegewässerrichtlinie ist eine Richtlinie der Europäischen Gemeinschaft, die die Mindestanforderungen an die Qualität der Badegewässer und deren Bewirtschaftung für die Mitgliedstaaten vorschreibt.

Alles sauber, alles sicher. Nicht nur das Trinkwasser ist in Berlin wie Wien von hoher Qualität: Wenn nicht spezielle Wetterbedingungen für Ausnahmesituationen sorgen, werden auch an den Naturbadestellen beider Städte die Grenzwerte für unbedenklichen Badespaß nicht überschritten. Die Grenzen für eine mikrobiologische Belastung, die eine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen, legen die jeweiligen nationalen Badegewässerverordnungen fest – sie sind in dieser Hinsicht die Umsetzung der 2006 auf europäischer Ebene beschlossenen (novellierten) Badegewässerrichtlinie. Erfasst werden dabei zwei sogenannte Indikatorkeime –die Bakterien Escherichia coli und Intestinale Enterokokken. Diese indizieren nämlich den Grad fäkaler Verunreinigung und die wiederum ist das Allererste, worüber man vor dem ersten Köpfler ins kühle Nass Bescheid wissen will – aber vielleicht nicht das Einzige.

Beide Städte bieten ihren BewohnerInnen online Karten mit Informationen zu allen ausgewiesenen Naturbadestellen – Berlin erfasst und veröffentlicht dabei standardmäßig auch coliforme Bakterien. Diese sind unspezifischer,

sie können sich auch durch Verrottung organischer Substanzen vermehren – und können insofern zwar, müssen aber keine gesundheitsrelevante Belastung anzeigen. Sie werden in Berlin als Teil eines Frühwarnsystems genutzt, das auch regelmäßig anschlägt. In Wien hingegen wird lieber im Anlassfall genauer nachgeschaut – das kann man sich leisten, wie’s aussieht. Die Gewässerqualität ist hier an den meisten Badeplätzen »ausgezeichnet«, an manchen »gut«.

FÜR IMMER VERBOTEN?

»Ausreichend« würde manchen in Berlin andernorts schon ausreichen: Seit Kurzem wurde die Diskussion um die Bademöglichkeit in der Spree auf Stadtgebiet wieder lauter. Schwimmen in der Stadtspree ist allerdings seit 100 Jahren ungeachtet der aktuellen Keimbelastung verboten. So weit, so normal – für viele Jahrzehnte. Was für die BewohnerInnen der meisten europäischen Großstädte lange zwischen kühn und lebensmüde angesiedelt war und oft noch ist, ist für WienerInnen – wie auch für ZürcherInnen oder PragerInnen – selbstverständlich: Schwimmen im Fluss. Nicht nur im Flusssystem, seinen Armen und Auen, sondern

Stiller Abschied im Wald

Zurück zur Natur: Warum der Wald für viele zur bevorzugten letzten Ruhestätte wird.

im Hauptstrom auf Stadtgebiet. Seit Paris im Sommer 2024 die OlympionikInnen der Bürgermeisterin nach, über einige Stolpersteine in die Seine geschickt hat, fordern europaweit StadtbewohnerInnen mit mehr Nachdruck Zugang zu ihren Flüssen ein. Nicht zuletzt als Teil eines gewandelten Verständnisses, das Naherholungsmöglichkeiten in Form naturnaher Räumen nun auch wirklich in der Näher erwartet – also auch auf Stadtgebiet.

LEGAL, ILLEGAL?

Gegen das Schwimmen sprechen vielerorts auch andere Sicherheitsaspekte – etwa Flussverbauungen, Schiffsverkehr oder schlicht starke Strömung – in den meisten Städten ließen sich jedoch auch zentrumsnah vermutlich mit überschaubarem Aufwand Wege finden, sichere Badebereiche und/oder renaturierte Uferzonen zu schaffen. Das hartnäckigere Problem wird meist die Wasserqualität sein. So führt auch der Berliner Senat diese als Hauptgrund an, das generelle Badeverbot in der Spree aufrechtzuerhalten. Dieses umfasst auch den Spreekanal, für dessen legale Beschwimmbarkeit seit über einem Jahrzehnt der Verein Flussbad kämpft und in dem der umliegende Bezirk Mitte für 2026 die Einrichtung eines Bades angekündigt hat, dessen Realisierung auf sehr wackeligen Beinen steht. Jüngst wurden erste Ergebnisse eines zweijährigen Messprojekts des Flussbads und der Senatsverwaltung für Umwelt öffent-

In einer sich immer schneller drehenden Welt wächst bei vielen Menschen der Wunsch nach einem Abschied in Einklang mit der Natur. Eine Naturbestattung ist dabei weit mehr als nur ein moderner Trend. Sie ist Ausdruck eines veränderten Verständnisses von Leben, Tod und Erinnerung. Mit dem Waldfriedhof »Waldesruh« bei Breitenfurt im Biosphärenpark Wienerwald bietet die Bestattung Wien in einem gemeinsamen Projekt mit der Stadt Wien eine naturnahe Ruhestätte, die diesen Bedürfnissen gerecht wird. Keine Grabsteine, dafür Vogelgezwitscher, Waldboden und das Rauschen der Blätter im Wind. Bei einer Baumbestattung wird die Asche Verstorbener an den Wurzeln der Bäume beigesetzt. Jeder Baum wird dabei zu einem lebendigen Symbol der Erinnerung. Trotz der naturbelassenen Umgebung werden individuelle Wünsche berücksichtigt. Die Naturbestattung »Waldesruh« bietet so viele Möglichkeiten für eine persönliche und würdevolle Verabschiedung.

Alle weiteren Infos finden Sie unter: bestattungwaldesruh.at

Qualität der Naturbadegewässer online

Die der 17 sogenannten EU-Badestellen in Wien: wien.gv.at

-> Suchfunktion »Wasserqualität von Naturbadeplätzen«

Die 39 überwachten Badestellen in Berlin auf interaktiver Karte:

berlin.de

-> Suchfunktion »Liste der Badestellen«

lich, die das Erkrankungsrisiko durch Spreeschwimmen klären sollten – und zumindest bisher aber doch wieder nicht zu einem eindeutigen Ergebnis kamen, zu schwankend die Wasserqualität, zu punktuell unterschiedlich. Wenn nach Starkregenfällen und den diesem folgenden Übertritten aus dem Kanalnetz der Sauerstoffgehalt der Spree so weit sinkt, dass tote Fische in großer Zahl an der Wasseroberfläche der Spree treiben, will aber wohl ohnehin kaum jemand ins Wasser – zur Diskussion steht unter anderem eine Ampel, die anzeigt, ob in einem bestimmten Moment aufgrund der Wasserqualität geschwommen werden darf. Die Initiativen zum Bebaden der Flüsse lenken jedenfalls zusätzliche Aufmerksamkeit auf die Frage, was da eigentlich alles mit dem Wasser vorbeischwimmt – und damit treten zwei weitere Aspekte stärker an die Oberfläche: erstens die Frage, wie der Zustand des Wasser an den Badestellen so unterschiedlich sein kann, wenn doch seit fast 20 Jahren europaweit Vorschriften zur Güte der Badegewässer existieren. Und zweitens, ob, was auch immer das Wasser kontaminiert, damit auch endgültig hinfortgespült ist.

RECHT IM FLUSS

Darf ein europäischer Fluss denn überhaupt so schmutzig sein? Die kurze Antwort lautet: Ja, und zwar noch zwei Jahre lang. Im konkreten Fall Berlins aber noch 7 Jahre lang – und womöglich darüber hinaus.

den Zustand der Uferstruktur, die Durchgängigkeit für Fische und aquatische Organismen sowie die Vielfalt der biologischen Lebensgemeinschaften. Die chemische Qualität bewertet die Belastung mit Schadstoffen wie Fäkalien, aber vor allem auch Pestiziden, Industriechemikalien oder Schwermetallen.

TROCKENE ANGELEGENHEITEN ALS BASIS

Um Fortschritte in der Umsetzung der Ziele der WRRL systematisch zu erfassen, wurden die ersten Jahre der Bestandsaufnahme gewidmet – nicht nur ein Monitoringsystem musste eingeführt werden, damit abhängig von der Region vergleichbare Daten oder überhaupt Daten erhoben werden. Und man hat sich etwa auch bis 2007 Zeit genommen, um die zentralen Probleme zu identifizieren, von denen die europäischen Gewässer typischerweise betroffen sind. Herausgekommen sind acht solcher Problemfelder – von »Grundwasserabsenkung« bis »urbane Verschmutzung«.

Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)

Die Richtlinie 2000/60/EG bildet das zentrale Instrument der EU für den Schutz und die Verbesserung der Gewässerqualität. In Kraft getreten im Jahr 2000.

Die erwähnte Badegewässerrichtlinie baut nämlich auf einer grundlegendere auf – der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) aus dem Jahr 2000, die sich viel umfassender der Gewässerqualität widmet, als nur der Frage, ob man sich aufgrund dieser beim Schwumm Erkrankungen holen kann.

Natürlich gibt es von der Stadt- bis zur Nationalpolitik Vorschriften dazu, was in die Umwelt und so letztlich auch in die Gewässer eingebracht werden darf – die Wasserrahmenrichtlinie dreht das Prinzip jedoch um: Sie verpflichtet alle EU-Mitgliedstaaten, ihre Oberflächengewässer in einen »guten ökologischen und chemischen Zustand« zu bringen – und zwar bis spätestens 2027 (EU-Kommission 2020). Die ökologische Qualität umfasst Kriterien wie

2009 begann der erste sogenannte Bewirtschaftungszeitraum zur Umsetzung, 2016 der zweite und in beiden Städten wurden während dieser unterschiedlichste und durchaus auch finanziell aufwendige Maßnahmen ergriffen: In Berlin umfasste die etwa den Ausbau der Kläranlagen (vier in der Stadt, zwei im Umland) und die Errichtung von Mischwasserentlastungsbecken – zur Entlastung des Kanalnetzes, in dem im überwiegenden Teil Berlins (dem älteren Stadtkern, rund 60 % des Gesamtnetzes) Regenwasser und Abwasser gemeinsam geführt wird. Die Donau in Wien profitierte in derselben Zeit von weiteren Uferentsiegelungen, zum Beispiel wurde ein Seitenarm (»Donau-Ostarm«) in der Lobau angeschlossen, aber es wurde auch die eine zentrale Kläranlage Wiens ausgebaut und Regenwasserspeicherkanäle gebaut – da in Wien das Kanalnetz fast ausschließlich als Mischwassersystem geführt wird und Starkregen in diesen Systemen zum Übertritt von Abwasser führen kann. Und im Falle Berlins auch regelmäßig führt.

STATUS QUO

Im aktuellen dritten Zeitraum (2021–2027) sollte die Zielerreichung greifbar werden. Die Realität schaut jedoch anders aus: In Berlin lei-

det die Spree auf beiden Ebenen. Ökologisch ist der Fluss durch Wehre, begradigte Ufer und hohen Versiegelungsgrad des Umlands stark eingeschränkt. Chemisch belasten Einträge aus Altlasten, Landwirtschaft und Verkehr das Wasser teils über die zulässigen Grenzwerte hinaus. Besonders nach Starkregenereignissen gelangen große Mengen an Schadstoffen in die Spree – das Ergebnis jahrzehntelanger Flächenversiegelung und eines überforderten Abwassersystems.

Trotz punktueller Verbesserungen verfehlen mehr als 80 % der Berliner Fließgewässer – die Spree eingeschlossen –die Umweltziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie.

Die Berliner Senatsverwaltung gibt an, dass ein guter Zustand bis 2027 nicht überall erreichbar sei – derzeit sind Ausnahmeregelungen inklusive Ersatzmaßnahmen eingereicht – mit einer Fristverlängerung bis 2033, womöglich nicht der letzten.

Anders in Wien: Die WRRL-Ziele werden voraussichtlich weitgehend erfüllt – in Wien hatte man allerdings bereits lange zuvor begonnen, in eine ähnliche Richtung zu arbeiten und nicht nur deswegen die bessere Ausgangssituation. Die Donau bei Wien führt im mittleren Abfluss über 1900 m³/s, die Spree bringt es in Berlin auf etwa 15 m³/s. Das bedeutet: Schadstoffe werden in der Donau deutlich stärker verdünnt, während sie sich in der Spree konzentrieren und – soweit sie denn abbaubar sind – langsamer abgebaut werden.

Die Donau gilt – zumindest in manchen Abschnitten – als Beispiel dafür, wie große Wirkung konsequente Umweltpolitik zeigen kann. Jenseits der Grenzwerte der WRRL steht aber auch sie, und auch schon bei Wien, unter Druck, viele Verschmutzungen, etwa die durch Mikro- und Nanoplastik – überhaupt nicht in der WRRL erfasst ist. Was allerdings nicht bedeutet, dass sich die beiden Hauptstädte des Themas nicht annehmen – einerseits in Form von Forschungsprojekten, andererseits bietet etwa das Mischwassersystem, wo und wenn es funktioniert, den Vorteil, dass auch Regenwasser (über das etwa der erhebliche Mikroplastikeintrag erfolgt, der durch Reifenabrieb entsteht), bevor es in die Flüsse gelangt, Kläranlagen passiert, die man zumindest einfacher modernisieren kann als Kanalsysteme ganzer Städte. Unklar ist jedenfalls sowohl, was dort künftig alles entfernt werden sollte – und kann. Ebenfalls in beiden Städten klar ist: Ohne einen grundlegenden Umbau in Richtung Schwammstadt, die Regen speichert, bevor er überhaupt in ein Kanalsystem gelangt, wird in Zeiten der Klimakatastrophe immer weniger gehen.

2.7.–10.8.2025 W

HELGE SCHNEIDER · KETTCAR · RIAN · LEVIN LIAM MELVINS · MIGHTY OAKS · MILKY CHANCE · ZAZ NOGA EREZ · TOCOTRONIC · WOLFMOTHER · OSKA CAMO & KROOKED · KADAVAR · FRANK TURNER & THE SLEEPING SOULS · MOONCHILD SANELLY · OSEES

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IST DIE SPREE EIN LEBEWESEN, DAS RECHTE HAT?

Im Juni 2025 fand eine »schwimmende Demonstration« anlässlich von 100 Jahre Badeverbot in der Stadtspree statt.

Aktivist Emmanuel Schlichter erklärt, warum das Ökosystem Spree mehr Raum und als Fluss Rechte bekommen sollte.

INTERVIEW

Thomas Weber

FLUSSBAD E. V.

Verein, der den Spreekanal als Badeort etablieren möchte.

flussbad-berlin.de

Ausstellung im Humboldt Forum

Unter dem Titel »On Water« widmet sich eine für zwei Jahre angesetzte Ausstellung den Rechten der Flussnatur. Besondere Berücksichtigung erfahren die »Rechte der Spree«. Eröffnung ist am 10. Oktober 2025.

humboldtforum.org

BIORAMA: Welche Beziehung haben die BerlinerInnen zu ihren Flüssen?

EMMANUEL SCHLICHTER: Eine ganz besondere. Vor allem die Innenstadt ist sehr stark zugebaut, auch die Gewässer, und im Sommer wird’s besonders heiß. Bei der Hitze flüchten die BerlinerInnen traditionell an Seen und Flüsse rundum, die alle mit der Spree verbunden sind. Die Flüsse schaffen also einen Ausgleich zum Alltag in der Stadt. Die Spree ist in der Stadt allgegenwärtig, sie fließt auch direkt durchs Zentrum. Wobei die Isar in München viel präsenter ist, weil es mehr Möglichkeiten zum direkten Kontakt und zum Baden gibt. Die Spree ist sehr abgegrenzt und eher Schauobjekt, das Verhältnis also eher distanziert.

Das soll sich ändern. Ihr Verein Rechte der Natur setzt sich dafür ein, die Spree als eigenständiges Rechtssubjekt anzuerkennen. Wozu?

Gemeinsam mit dem Symbiotic Lab und Green Legal Impact Germany e. V. engagieren wir uns für eine neue Beziehung zur Spree. Das

Beispiel München oder auch der Seine in Paris zeigt, dass die Lebensqualität steigt, wenn Flüsse renaturiert werden, es dem Ökosystem Fluss besser geht und die Menschen Zugang zum Wasser haben. Gleichzeitig geht es um die Anerkennung des Wertes eines Systems, das zentral ist für unsere Wasserversorgung und Hitzebewältigung in der Stadt. Deshalb orientieren wir uns an Vorbildern von indigenen Konzepten und Rechtsverständnissen, um eine lebenswerte Stadt für Menschen zu schaffen und um dem Ökosystem Spree mehr Raum zu geben.

Vorbilder sind der Whanganui River in Neuseeland, der kolumbianische Rio Atrato oder die Lagune Mar Menor in Spanien. Was ist dort passiert?

Jeweils sehr unterschiedliche Bewegungen haben es dort geschafft, die Rechte der Natur anzuerkennen. In Neuseeland war es die indigene Bevölkerung der Maori, die als Entschädigung den Fluss zurückbekommen sollte, aber meinte, es würde nicht ihrem Weltbild entsprechen, einen Fluss zu besitzen, weshalb die Idee

entstand, dem Whanganui River Rechte zu geben. In Spanien waren es mehrere Bewegungen, die gemeinsam Unterschriften gesammelt haben, um die Lagune zu retten. Die Lagune hat starke Symbolkraft, die Menschen waren mit vielen Seepferdchen und reichem Leben darin aufgewachsen und konnten das Sterben des Ökosystems, die massiven Belastungen durch die Landwirtschaft, selbst beobachten. Die Professorin Teresa Vicente hat einen Gesetzesvorschlag ausgearbeitet, damit die Herzen der Menschen erobert und Leidenschaft entfacht. Es ist ein starker Bewusstseinswandel zu beobachten, wobei es jetzt in die Umsetzung geht.

Braucht ein Fluss dann so etwas wie einen Vormund? Wer könnte das für die Spree sein?

Da gibt es verschiedenste Konstrukte, von einer einfachen Klagebefugnis von jedermann bzw. jederfrau bis zu einem Gremium oder mehreren Gremien. Für die Spree sehen wir ein repräsentatives Gremium und einen mit ExpertInnen besetzten Beirat als passendsten. Den Beirat braucht es, um den ökologischen Zustand zu beobachten und zu bewerten. Insgesamt sollen AkteurInnen aus Wirtschaft, Gemeinde und Umwelt, aber auch normale AnwohnerInnen vertreten sein, um – immer unter der Prämisse, dass es dem Fluss gut geht – möglichst alle Interessen zu integrieren. Wir wollen an einem Strang ziehen, um unser Ökosystem als Lebensraum zu erhalten.

Was würde sich ändern, wäre die Spree eine juristische Person?

Einiges. Einerseits durch die allgemeine Klagebefugnis. Wenn unser Gesetzesvorschlag, den wir mit renommierten ProfessorInnen und sechs ehrenamtlich arbeitenden JuristInnen erarbeitet haben, angenommen und umgesetzt wird, dann sind sämtliche Genehmigungen, die die Wassernutzung betreffen, auf die Probe zu stellen – auch, ob sie noch zeitgemäß sind. Die Spree als juristische Person würde das Verhalten von Wirtschaft, Bevölkerung und Politik nachhaltig verändern.

Der Autor Robert Macfarlane relativiert diese Vorbehalte gegen die Idee, dass ein Fluss Rechte haben könnte, mit dem Ver-

»Die Spree als juristische Person würde das Verhalten von Wirtschaft, Bevölkerung und Politik nachhaltig verändern.«

gleich mit der Unternehmen: Es ist längst selbstverständlich, dass sie juristische Personen sind. Passt dieser Vergleich?

Er ist sehr treffend, ja. Lange war es nicht selbstverständlich, dass Unternehmen juristische Personen sind oder dass es überhaupt juristische Personen gibt. Es war einfach irgendwann praktischer. So sehen wir das auch: Es ist praktisch, wenn ein Fluss eine juristische Person ist. Deshalb ist der Vergleich treffend. Gleichzeitig hinkt er auch, weil es natürlich naheliegender ist, etwas anzuerkennen, was da ist und existiert, als etwas Ausgedachtes und Konstruiertes wie eine Aktiengesellschaft oder eine GmbH.

Die Spree ist als Modellfluss gedacht, nicht nur für Havel, Dahme und andere Flüsse in der Region. Auch andere Flüsse, Moore und Naturlandschaften sollen Rechte bekommen, unser Verhältnis zur Natur insgesamt neu gestaltet werden. Wie realistisch ist das?

Die Spree ist ein Pilotprojekt. Es geht um jegliche Ökosysteme. In Holland werden gerade unterschiedlichste Modelle erprobt: GmbH oder Moore als Vereine oder Wälder als zivilrechtliche Konstrukte. Wir wollen Leute begeistern, uns zu unterstützen und mitzumachen. Gemeinsam mit dem Humboldt Forum starten wir im Herbst eine Petition, um das Anliegen auf die höchste politische Ebene zu bringen. Falls der Senat dem nicht folgt, ziehen wir einen Volksentscheid in Betracht. Wir arbeiten gerade Satzungen für unterschiedliche Rechtsebenen aus und sind auch mit vergleichbaren europäischen Initiativen vernetzt. Auch eine europaweite Initiative ist in Vorbereitung. In unserem Verein bieten wir allen Menschen die Möglichkeit, sich für ihr Ökosystem einzusetzen und innovative Ideen einzubringen. Wir wollen sie für eine ökologische und gerechte Zukunft begeistern und gewinnen.

Emmanuel Schlichter (30)

Vorstand des Vereins Rechte der Natur, Jurist mit beiden Examen.

Rechte der Natur e.V. Verein, der sich für die Anerkennung der Rechte der Natur in Deutschland einsetzt, wobei u. a. Flüsse als Rechtssubjekte anerkannt werden sollen. rechte-der-natur.org

»SIND FLÜSSE LEBEWESEN?« von Robert Macfarlane, aus dem Englischen von Frank Sievers und Andreas Jandl, Ullstein Verlag, 2025.

Eine lebensbejahende, sachlich fundierte Antwort auf die Frage, mit Poesie und Herzblut verfasst.

TEXT UND BILD

KANALFISCH

Von der Leidenschaft der Wiener DonaukanalfischerInnen – und vom Fisch, den man immer essen kann, aber nicht immer fangen darf.

Wer an einem frühen Morgen am Wiener Donaukanal entlangspaziert, sieht zwischen Graffitiwänden, gesperrten Schanigärten und JoggerInnen auch Angelruten aufragen. An den großteils versiegelten Ufern mitten in der Großstadt existiert eine kleine Gemeinschaft von FreizeitanglerInnen, die am Wasser Ruhe tanken und mit Glück eine kleine Mahlzeit mit nach Hause nehmen können.

Der heutige Donaukanal entstand im Zuge der weitgreifenden Donauregulierung in den Jahren 1870 bis 1875. Sein direkter Vorläufer war der sogenannte »Wiener Arm«, der südlichste Donauarm Wiens, der seit dem Mittelalter regelmäßig zu versanden drohte. Immer wieder versuchte man, durch wasserbauliche Maßnahmen gegenzusteuern. Heute misst der Donaukanal 17,3 Kilometer und durchfließt die Bezirke Innere Stadt, Leopoldstadt, Landstraße, Alsergrund, Simmering, Döbling und Brigittenau. Die Uferpromenaden, an denen die Stadtregierung zukünftig mehr Grünflächen und konsumfreie Räume als Lokale plant, sind für viele WienerInnen ein beliebter Freizeitund Erholungsraum. Obwohl er künstlich angelegt ist, bietet der Kanal einen überraschend vielfältigen Lebensraum für Fische – knapp 30 Arten wurden dort bisher nachgewiesen.

ARTENREICHER LEBENSRAUM

Viele Fischarten nutzen den Donaukanal als Wanderkorridor auf ihrem Weg flussaufwärts. Zur Laichzeit suchen sie obere Flussbereiche und Nebenflüsse mit feinerem Kies auf, wo bessere Bedingungen zur Eiablage gegeben sind. Auf diesem Weg stellte das Donaukraftwerk Freudenau eine künstliche Barriere dar, seit 2017 ermöglicht allerdings die Fischaufstiegshilfe in Nussdorf den Zugang zum Hauptfluss – und fördert somit die Artenvielfalt im Donaukanal. In dem innerstädtischen Flussarm lassen sich unter anderem Barben, Nasen, Karpfen, Grundlinge, Perlfische, Schiede, Hechte, Welse und sogar Forellen angeln. Auch invasive Arten wie die Schwarzmund- oder Kesslergrundel, die durch den Schiffsverkehr in österreichische Gewässer kamen, gibt es im Donaukanal, weiß Martin Genser, Sekretär des Verbands der Österreichischen Arbeiter-Fischerei-Ver-

eine (VÖAFV). Der Verband setzt sich neben der Erhaltung der Fischbestände, unter anderem durch kontrollierte Einbringung gewisser Arten, auch für ökologische Maßnahmen wie Vegetation und Uferbeschattung ein.

Besonders beliebt zum Angeln ist die Gegend rund um die Urania. Gewässerökologe und Fischer Norbert Novak, selbst Mitglied beim VÖAFV und Herausgeber des Mitgliedermagazins »Fisch und Wasser«, zufolge sind weitere Hotspots bei Otto-Wagner-Brücke Richtung Heiligenstadt oder am untersten Teil des Donaukanals bei Simmering – wobei er dort aufgrund der Nähe zur Kläranlage eher davon abrät, den Fisch zu essen. Selbst besuchte er in den Jahren, als er noch in geringer Entfernung des Kanals wohnte und dort oft die Angel auswarf, gerne die Gegend um die Friedensbrücke.

DIE DONAUKANALFISCHER i NNEN

Beim beliebten Spot nahe der Urania, hinter der Strandbar Hermann, haben sich die beiden Fischer Milenko Savic und Cirilo Toot ihren Angelplatz eingerichtet. Seit 21 Jahren kommt der 72-jährige Savic zum Donaukanal, bevorzugt an diesen ruhigen Fleck. Über die Jahre ist ihm aufgefallen, dass die Fische kleiner wurden. Auch wenn er heute noch manchmal Fische über 15 Kilo angelt, sei der Großteil um die drei bis vier Kilo schwer. »Weniger geworden sind sie auch, wahrscheinlich weil der Wasserstand niedriger ist als früher.« Am Morgen unseres Gesprächs hat gegen 7 Uhr noch nichts angebissen, Milenko Savic verbringt allerdings beinahe jeden Tag bis Mittag an dieser Stelle und ist zuversichtlich. Stolz zeigt er ein Video eines 17-Kilo-Karpfens, den er in der Woche davor gefangen, aber wieder freigelassen hat. »Aktuell sind noch die meisten Fische in der Schonzeit, die darf man also gar nicht mitnehmen, wenn einer anbeißt«, erklärt er. Solche Regeln sind wichtig für eine Fischerei, die Rücksicht auf Bestände und Fortpflanzungszeiten nimmt und in dieser Hinsicht nachhaltig erfolgt. Aber auch ein weiterer Nachhaltigkeitsaspekt ist für viele FreizeitfischerInnen bedeutend: Wer lokal fischt, schont globale Fischpopulationen. »Angesichts der weltweiten Überfischung ist es wirklich von Vorteil, die heimischen Süßwasserfische zu angeln bezie-

Koi Herpes

An der Alten Donau wurde das Virus eingeschleppt. Angelequipment, das an der Alten Donau verwendet wurde, darf (Stand Redaktionsschluss) bis auf Weiteres nirgendwo sonst verwendet werden.

»Große Schiffe wie die ›Wien‹ wirbeln viel Schlamm und Sediment auf und dann beißt weniger an«,
Fischer Cirilo Toot

hungsweise zu essen«, betont Martin Genser. In der Missachtung der Schonzeiten vermutet der 62-jährige Karim Hana, der sich sein Platzerl am Schottenring nahe des Flex eingerichtet hat, einen Grund für den Rückgang im Fischbestand, den auch er deutlich bemerkt. »Ein laichender Fisch trägt mehr als eine Million Eier, wenn der unerlaubterweise hinausgenommen wird, hat das natürlich Folgen.« Es gibt aber auch andere Auslöser für die sinkenden Fischzahlen – darunter die steigenden Temperaturen in den Städten. »Wir orientieren uns nicht an der Außentemperatur, wenn wir fischen gehen, sondern an der des Wassers. Acht bis zehn Grad sind ideal, alles, was wärmer ist, ist weniger gut«, erklärt Milenko Savic. Ein weiteres Problem sehen sie in der Schifffahrt im Donaukanal. Obwohl der Umkehrplatz der »MS Wien« beim Schottenring liege, kehre das große rote Fahrgastschiff teilweise schon bei der Urania – und stört damit die beiden Angler an ihrem Lieblingsplatz: »Die Wellen des Twin City Liner schlagen unter Wasser nicht so tief, aber große Schiffe wie die ›Wien‹ wirbeln viel Schlamm und Sediment auf und dann beißt weniger an«, ärgert sich Cirilo Toot. Milenko Savic ergänzt noch einen Verdacht, bei dem offen bleibt, wie ernst er gemeint ist: Näm-

Mehr zu den Auswirkungen des Wellenschlags durch die Donausschifffahrt auf die Tierwelt, insbesondere die Fischbestände

BIORAMA.EU/WELLENSCHLAG-AUSWIRKUNG

Seit 21 Jahren fischt Milenko Savic am Donaukanal, am liebsten an seinem Stammplatz hinter der Strandbar Hermann.

ins Wasser zu werfen. Für diejenigen, mit denen wir an diesem Maimorgen gesprochen haben, ist die Aktivität entspannend und hilft ihnen, zur Ruhe zu kommen. »Ich komme immer, wenn ich Zeit habe. Dabei bin ich an der frischen Luft und genieße die Stille, ob ich etwas fange oder nicht, ist mir egal«, sagt Karim Hana. Bisher hat bei ihm heute nur ein kleiner Schied angebissen, auch den hat er wieder zurück ins Wasser gegeben.

EIN GEWÄSSER MIT HERAUSFORDERUNGEN

lich, dass sie als Fischer womöglich der Grund für das frühere Umkehren sind: »Ich glaube fast, dass manche Kapitäne das absichtlich machen.« Beschwerden darüber beim VÖAFV hätten allerdings bislang »nichts gebracht«. Nichtsdestotrotz lassen sich die DonaukanalfischerInnen nicht davon abbringen, die Rute

Der Donaukanal ist ein urbaner Lebensraum –mit allen Vor- und Nachteilen. Für viele FischerInnen ist seine leichte Erreichbarkeit sein größter Pluspunkt. »Man hat hier alles mitten in der Stadt, nicht weit weg von der Wohnung, man kann öffentlich fahren und braucht kein Auto – und das Wasser ist auch gut«, erklärt Milenko Savic. Auch Karim Hana findet »die Wasserqualität für eine Großstadt super, auch schon damals, als ich vor 25 Jahren begonnen habe, hier zu fischen«. Die Wassergüte des Donaukanals

ANGELN IN WIEN

Wer in Wien fischen möchte, benötigt eine amtliche Fischereikarte oder »Fischergastkarte« – nach bestandener Prüfung –sowie eine vom jeweiligen Fischereiausübungsberechtigten erteilte Lizenz. Im Fall des Donaukanals ist das der Verein Donaukanal, ein Zweigverein des VÖAFV. Dieser wurde 1921 gegründet und ist heute mit rund betreuten Revieren der größte Fischereiverband Österreichs. Im Verein Donaukanal gibt es rund 320 LizenznehmerInnen, in ganz Wien knapp 7000. Die Jahreskarte für das Revier Donaukanal kostet 171 Euro, Tageskarten sind von Mai bis September um 40 Euro erhältlich (für Vereinsaußenstehende).

entspricht mit Qualitätsstufe II laut Norbert Novak »1:1 der der Donau«, strukturell unterscheide sich der Kanal jedoch stark vom Hauptarm. Durch die Bauart des Donaukanals gibt es wenige Flachwasserzonen, die besonders Jungfische benötigen. Auch die Art der Verschmutzung unterscheidet sich: Im Donaukanal gebe es eher mechanische Verunreinigungen – »da können schon einmal Fahrräder oder Einkaufswägen daherschwimmen – weil manche Menschen das Wasser als Mistkübel nutzen«.

Hinzu kommen klimabedingte und infrastrukturelle Herausforderungen, etwa durch Querbauten, also Bauten, die den Kanal queren, oder durch die Schifffahrt. »Besonders der scharfe Wellenschlag von schnellen Booten wie dem zwischen Wien und Bratislava fahrenden Twin City Liner gefährdet Jungfische in Ufernähe, die dadurch hinausgespült werden können«, erklärt Martin Genser. Auch der Klimawandel hinterlässt Spuren. Neben der grundsätzlichen Erwärmung weist Martin Genser auf das Problem der »Fernkälte« hin. Dabei entnehmen große Hotels, Bürogebäude oder Rechenzentren Wasser aus dem Donaukanal, nutzen es zur Kühlung und pumpen es wärmer wieder zurück – die Methode ist vergleichbar mit einem Kühlschrank. Das beeinflusst das Temperaturrelief des Wassers und stört so zum Beispiel das Laichverhalten der Fische. Ein Problem sei dabei, dass jede dieser Anlagen einzeln genehmigt und bewertet wird, aber »eigentlich müsste man das im Zusammenhang betrachten«, so Genser.

Cirilo Toot kommt seit vier Jahren immer wieder zur begrünten und schattigen Fläche in der Nähe der Urania.

People of Wiener Stadtwerke

Bis 2040 soll Wien klimaneutral sein. Alle 18.000 MitarbeiterInnen der Wiener Stadtwerke arbeiten in ihrem Einsatzbereich am Erreichen dieses Ziels. Sechs Porträts und Blicke in die Zukunft, ein Interview.

Michaela Deutsch, Geschäftsbereich Energiedienstleistungen

DONAUWASSER FÜR FERNKÄLTE

»Bis 2040 wollen wir unter den Top 3 der größten Fernkälteversorger Europas sein«, sagt Michaela Deutsch, die bei Wien Energie den Geschäftsbereich Energiedienstleistungen leitet.

Im Sommer 2024 gab es in der Wiener Innenstadt 53 Tropennächte. Kühlung wird deshalb immer bedeutender. »Gerade in dicht verbauten Gebieten mit hohem Kühlbedarf bietet Fernkälte da viele Vorteile«, sagt Michaela Deutsch (45). Die studierte Gebäudetechnikerin hat auch einen Abschluss in Nachhaltige Energiesysteme und leitet bei Wien Energie den Geschäftsbereich Energiedienstleistungen. »Einerseits ist die Versorgung durch Fernkälte klimaschonend, mit zirka 50 Prozent weniger CO2-Emissionen als herkömmliche Kälteversorgungen, und andererseits werden durch die zentrale Erzeugung der Kälte auch sogenannte Hitzeinseln in der Stadt vermieden.« Herkömmliche Kühlsysteme erzeugen lokal Abwärme – und erwärmen so die Umgebung. Wien Energie setzt seit einigen Jahren auf Fernkälte. Denn mit Fließgewässern, konzentrierten Geschäftsvierteln und einer dicht verbauten historischen Innenstadt bietet Wien ideale Rahmenbedingungen für Fernkälteversorgung. »Fernkälte funktioniert im Grunde genommen genauso wie Fernwärme – mit dem Unterscheid, dass an Stelle des warmen/heißen Wassers sehr kaltes Wasser an die Kundenanlage geliefert

wird«, erklärt Deutsch. In Wien gibt es mittlerweile ein 30 Kilometer umfassendes Fernkältenetz, in das bisher sieben Fernkältezentralen einspeisen. 2024 wurde – ein wichtiger Meilenstein – der Fernkältering um die Innenstadt geschlossen. »Damit haben wir nun, ähnlich wie bei Fernwärme, ein zentrales Versorgungsnetz, in das mehrere Erzeugungsanlagen einspeisen. Das führt zu einer insgesamt größeren Leistungskapazität für unsere Kunden und zu höherer Effizienz des Gesamtsystems«, so Deutsch. 2025 soll eine weitere Zentrale in Betrieb gehen, bis 2040 möchte Wien Energie unter den Top 3 der europäischen Fernkälterversorgern sein. Das Spannendste an ihrem Job sei das Entwickeln einer Vision für eine klimaschonende Kälteversorgung und diese dann Realität werden zu lassen. »Man tüftelt doch an der einen oder anderen Lösung, stößt im Laufe von Planungen auf diverse Schwierigkeiten, muss flexibel bleiben und seine Pläne immer wieder adaptieren«, sagt Michaela Deutsch. Gleichzeitig wachse aber das Gesamtsystem und vieles ergebe sich dann fast von alleine – »es macht sehr viel Spaß.«

wienenergie.at

Munira Selimovic, Gärtnerei am Zentralfriedhof

GESPÜR, MITGEFÜHL UND DER KREISLAUF DES LEBENS

»Den Verstorbenen, ihren Angehörigen und der Natur etwas Gutes tun«, kann Munira

Selimovic, die Leiterin des Kundenservice der Gärtnerei am Zentralfriedhof.

»Ich wollte etwas ruhigeres machen«, sagt Munira Selimovic. Vor zwei Jahren wechselte sie deshalb aus dem Textilverkauf – zuletzt leitete sie die Filiale eines Modegeschäfts auf der Mariahilferstraße – in die Gärtnerei der Friedhöfe Wien. Ihre Erfahrung und ihr Gespür im Umgang mit Menschen helfen der 33-Jährigen auch dort. Seit einem Jahr leitet sie das Team des Kundenservices der Friedhofsgärtnerei am Zentralfriedhof. Die Natur ist allgegenwärtig, nicht nur wenn sie von ihrem Arbeitsplatz aus durchs Fenster immer wieder Rehe, Hasen, Eichhörnchen und Hamster sieht. Wenn Angehörige persönlich vorbeikommen, telefonisch oder mittels Mail Blumen und Kränze bestellen oder Fragen zur Trauerfloristik und Grabpflege haben, hat Selimovic stets den Kreislauf des Lebens im Blick. Denn ein Friedhof ist mehr als eine Begräbnisstätte. Ganz besonders gilt das für die 46 von der Friedhöfe Wien GmbH betreuten Friedhöfe – und damit für den Großteil der insgesamt 55 Wiener

Friedhöfe. Mit 5 Quadratkilometern machen sie 1,2 Prozent der Stadtfläche aus. Damit sind sie nicht nur ein wichtiger Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen, sondern als kühlende Klimaanlagen wichtig für das Wohlbefinden aller in Wien Lebenden. Unter dem Motto »Gemeinsam sorgsam« (so der Name der Umweltkampagne der Friedhöfe) propagiert Munira Selimovic deshalb beispielsweise die Blumenbouquets und Kränze »Pro Natur« (aus 100 Prozent biologisch abbaubaren Bestandteilen), Naturgrabarten, darunter das Wiener Naturgrab (wo – europaweit einzigartig – neben Bio-Urnen auch Bio-Särge unter Bäumen, Sträuchern und Bodendeckern bestattet werden können) und künftig auch die Blumenwiesengräber am Friedhof der Feuerhalle Simmering (ab Allerheiligen 2025). »Jetzt bin ich viel in der Natur und hab trotzdem viel mit Menschen zu tun«, sagt sie, »und die Natur immer im Hinterkopf«.

friedhoefewien.at

Denis Milosevic und Nicole Oysmüller, Fachkreis Nachhaltigkeit und Umweltangelegenheiten.

RECYCLINGBETON FÜR DIE MOBILITÄT VON MORGEN

Als technische ReferentInnen legen Denis Milosevic und Nicole Oysmüller beim größten Klimaschutzprojekt Wiens – dem Öffi-Ausbau U2xU5 – selbst Hand an. Außerdem leiten sie den Fachkreis Nachhaltigkeit und Umweltangelegenheiten.

»In 10 Jahren wird die Stadt definitiv eine andere sein,« sagt Denis Milosevic. Dann ist er 50, seine Kollegin Nicole Oysmüller 44, und ihr derzeitiges Projekt – der Öffi-Ausbau der U-Bahnlinien U2 und U5 – abgeschlossen. Beide arbeiten bei den Wiener Linien als technische ReferentInnen bei Wiens größtem Klimaschutzprojekt. Der Ausbau der beiden U-Bahnlinien schafft Kapazitäten für zusätzlich 300 Millionen Fahrgäste jährlich, ist damit die Basis für den weiteren Ausbau des Öffiverkehrs in der Stadt und die Dekarbonisierung der Mobilität. Damit lassen sich jährlich bis zu 75.000 Tonnen CO2 einsparen. Das entspricht der Umweltleistung eines 30 Jahre alten Waldes in der gesamten Donaustadt oder auf der Fläche der Bezirke eins bis elf. »Wir haben immer zwei Kapperln auf«, sagt Nicole Oysmüller. Denn beide stehen sie dem Fachkreis Nach-

haltigkeit und Umweltangelegenheiten vor, sie als Stellvertreterin, er als Leiter. Sowohl in der Planung, als auch auf den Baustellen sind sie dabei auch aktiv in FFG-Forschungsprojekte eingebunden, etwa die Verwendung von Recyclingbeton oder aktuell die Entwicklung einer neuen Ö-Norm. »Der Mix aus Papierologie und einer Umsetzung mittendrin statt nur dabei entspricht genau meinen Vorstellungen einer Aufgabe mit Sinn«, sagt Milosevic. »Mir gefällt es, gemeinsam mit meinem Team an der aktiven Weiterentwicklung der Stadt zu arbeiten und dabei mit vielen unterschiedlichen Projektbeteiligten zusammenzuarbeiten«, sagt Oysmüller. Dabei haben sie immer, »das große Ganze im Blick«: eine weiterhin lebenswerte und 2040 dann auch klimaneutrale Stadt Wien.

wienerlinien.at

Robert Brunner, Versuchsgruppe Kraftfahrzeuge

BUSSE, HERZ UND NIEREN

Testpilot der Wasserstoff-Ära: Robert Brunner, Oberwerkmeister der Versuchsgruppe Kraftfahrzeuge, testet für die Wiener Linien innovative Busse.

»Wir testen alles auf Herz und Nieren«, sagt Robert Brunner, »Diesel- und Hybrid-, Elektro- und Wasserstoffantrieb«. Zuletzt hat der gelernte KFZ-Techniker und Oberwerkmeister der achtköpfigen Versuchsgruppe Kraftfahrzeuge der Wiener Linien die Wasserstoffbusse eines südkoreanischen Herstellers intensiv getestet. Drei Jahre und 35.000 Kilometer war das Testfahrzeug in Wien im Einsatz. Mit seiner innovativen 700-bar-Technik übertrifft der H2O-Bus sogar die Reichweite von Dieselbussen: »Er hat gut performt«, sagt der 44 Jährige, der bereits sein halbes Leben den Wiener Öffis gewidmet hat. »Der Bus läuft einwandfrei, es gab keine groben Ausfälle, das Lenkpersonal war genauso zufrieden wie die Fahrgäste.« Auf Basis von Brunners Expertise und den Erfahrungen seines Teams setzen die Wiener Linien heuer erstmals auf Was-

serstoff als klimafreundliche Antriebstechnologie. Ab Herbst sind auf den Linien 2A und 3A neue Batterie-Wasserstoffbusse unterwegs. Nach einer europaweiten Ausschreibung wurde gerade in zehn italienische Rampini-Kleinbusse investiert. Das »Leiwandste« an Brunners Job: die Möglichkeit, selbst an der Zukunft einer neuen Technologie mitzugestalten. »Wir geben mit unserem Feedback wertvolle Verbesserungsideen an die Hersteller weiter«, sagt Brunner. Vergleichbare Versuchsgruppen gibt es bei den Wiener Linien auch für U-Bahn und Straßenbahn. Wobei Brunners Liebe ganz den Bussen gilt. »Eine Straßenbahn fährt 40 Jahre, Busse acht bis zwölf Jahre. Deshalb ist viel mehr Bewegung in der Busflotte«, sagt er, »uns wird nie fad.« wienerlinien.at

KRAFT DER SONNE UND DES STROMNETZES

Das notwendige »Raus aus Gas« fordert die Infrastruktur für Strom. Sabine Kubicek kümmert sich darum, dass die Wiener Netze das erforderliche Mehr an erneuerbarer Energie auch wirklich aushalten.

»Vielleicht wirken wir nach außen hin ein bisschen konservativ«, vermutet Sabine Kubicek, »aber wir probieren alles aus.« Beim Ausbau und der Erneuerung des Stromnetzes richtet die Technikerin den Blick weit in die Zukunft, denkt dabei alle Möglichkeiten der Digitalisierung mit, bleibt aber allen –auch gesetzlich definierten – Erfordernissen der Gegenwart verpflichtet. »Wir haben einen Versorgungsauftrag«, sagt Kubicek. »Alle Strukturen sind auf Langfristigkeit ausgelegt. Ein Trafo muss 50 Jahre halten und ist teuer. Deshalb brauchen wir ausgereifte Produkte und machen nicht jede Mode mit.«

Ihrem Arbeitgeber, den Wiener Netzen, kommt eine wesentliche Aufgabe in der Bewältigung der Energiewende zu: der Erhalt und Ausbau der Infrastruktur für Strom. Und, wenn es

um die Abkehr von fossiler Energie geht, auch der schrittweise Rückbau des Gasnetzes. Ihren kleinen Kindern erklärt die dreifache Mutter, »dass ich drauf schau, dass der Strom auch weiterhin aus der Steckdose kommt«; ihrem Freundeskreis, dass sie plane, dass erneuerbare Energie vollumfänglich mit eingebunden werden kann. »In den Stromkreis geraten«, wie die 33-Jährige selbst es ausdrückt, ist die Chemikerin über ihre Dissertation bei Infineon. Heute betreibt sie angewandte Forschung, publiziert dabei auch noch wissenschaftlich (zuletzt z. B. zur Erhöhung der Auslastung von Trafos) und schätzt ihren familienfreundlichen Teilzeitjob und einen Arbeitgeber, der auch Väterkarenz fördert und fordert. wienernetze.at

Sabine Kubicek, Technikerin Wiener Netze

Julia Wenin, Photovoltaik Projektplanung und strategische Projekte

STRATEGIE UND SONNENSTROM FÜR WIEN

»Gemeinsam mit meinem Team arbeite ich täglich an der Energiewende«, sagt Julia Wenin (31), Teamleiterin für die Photovoltaik Projektplanung und strategische Projekte bei Wien Energie. »Ein extrem sinnvoller Job.«

Julia Wenin gestaltet aktiv das Energiesystem der Zukunft mit. Als Teamleiterin bei Wien Energie verantwortet sie die Photovoltaik-Projektplanung und strategische Projekte für die Stadt und darüber hinaus. Ihr Antrieb: »Ich kann die Stadt, in der ich lebe, mitgestalten.« Besonders stolz ist die gebürtige Südtirolerin auf die zahlreichen Anlagen, die sie gemeinsam mit ihrem Team auf Dächern und Freiflächen realisiert hat. Ein Leuchtturmprojekt: die Photovoltaikanlage am Wiener Rathaus, die eindrucksvoll zeigt, dass Denkmalschutz und erneuerbare Energie kein Widerspruch sein müssen. Ein weiteres Herzensprojekt ist die Schafflerhofstraße im 22. Bezirk – die bislang größte Photovoltaikanlage in Wien. Auf einer ehemaligen Schotterdeponie erzeugt sie Sonnenstrom für umgerechnet rund 8.700 Haushalte und ist zudem Weidefläche für 150 Schafe. Wenin schätzt vor allem die Vielfalt ihres

Jobs. Bei jedem Projekt geht es um Maßarbeit – jedes Dach, jede Fläche bringt eigene Herausforderungen. »Kreative Lösungen sind gefragt. Vor allem in einer Stadt wie Wien, wo der Platz begrenzt ist, und viele unterschiedliche Anforderungen zusammentreffen.« Verschiedene Anforderungen gibt es auch bei den Wiener Linien – in enger Partnerschaft haben die beiden Unternehmen bereits über 20 Photovoltaikanlagen errichtet; auf U-Bahnstationen, Busgaragen oder Remisen. Und eines ist sicher: Die Arbeit wird dem Team nicht ausgehen – denn Photovoltaik bleibt ein zentrales Element auf dem Weg zur Klimaneutralität. »Erneuerbare Energien haben mich immer fasziniert«, sagt Wenin. »Heute ist meine persönliche Motivation, dass ich täglich im Team an der Energiewende arbeite. Das ist ein extrem sinnvoller Job.« wienenergie.at

Peter Weinelt, Generaldirektor der Wiener Stadtwerke.

18.000 KOLLEG i NNEN, EIN GEMEINSAMES ZIEL

»Wir haben jetzt die Chance, Wien als Vorbild für klimaneutrale Metropolen zu positionieren«, sagt Peter Weinelt, Generaldirektor der Wiener Stadtwerke.

Herr Weinelt, Wien hat sich vorgenommen, bis 2040 klimaneutral zu werden. Was braucht es, um dieses Ziel zu erreichen?

Peter Weinelt: Wir müssen jetzt mit voller Kraft in die Zukunft investieren. Das bedeutet die massive Ausweitung erneuerbarer Energien, den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und unserer Netze, wir brauchen nicht nur eine nachhaltige, sondern auch eine resiliente Infrastruktur. Jede heute gesetzte Maßnahme spart morgen Kosten und sichert die hohe Lebensqualität Wiens. In Zeiten knapper Budgets eine größere Herausforderung denn je.

Wo stehen die Wiener Stadtwerke heute beim Ausbau der erneuerbaren Energie?

Wir setzen konsequent auf regionale, nachhaltige Erzeugung. In Summe schaffen wir Ökostrom für umgerechnet über 770.000 Wiener Haushalte. Wien Energie betreibt bereits über 480 Photovoltaikanlagen und Österreichs leistungsstärksten Windpark. Aktuell stehen wir bei rund 200 Megawatt peak. Bis 2030 wollen wir 400 weitere Megawatt im Photovoltaik-Bereich schaffen. Parallel investieren wir in Speichertechnologien und grüne Wärmeversorgung, um fossile Abhängigkeiten weiter zu reduzieren.

Wie wichtig ist der öffentliche Verkehr für das Erreichen der Klimaziele?

Er ist der Schlüssel. Die Wiener Linien betreiben eines der besten Öffi-Netze Europas. Wir bieten attraktive Öffis, also werden sie auch genutzt – 2,4 Millionen

Mal am Tag. Wir dekarbonisieren unsere gesamte Busflotte und stellen auf Wasserstoff oder elektrischen Antrieb um, wir investieren in neue U-Bahn-Strecken und Taktverdichtungen. Jeder Fahrgast, der auf Öffis umsteigt, hilft CO2, Lärm und Feinstaub zu reduzieren. Ziel ist es, noch mehr Menschen zum Umstieg zu bewegen. Das gelingt uns jedes Jahr ein wenig mehr.

Was muss besonders rasch umgesetzt werden?

Der Klimawandel wartet nicht. Deshalb treiben wir Investitionen in erneuerbare Energien, Netzinfrastruktur und nachhaltige Mobilität mit Hochdruck voran – wir müssen diese Sektoren gemeinsam planen und umsetzen, nur so kann die Klimawende gelingen. Gleichzeitig müssen wir die Bevölkerung mitnehmen, wir brauchen breite Akzeptanz und smarte Lösungen, die für alle leistbar und attraktiv sind. Klar ist auch, dass für uns nicht allein der Klimaschutz im Fokus stehen kann. Unsere Dienstleistungen müssen leistbar bleiben, und über allem steht die Versorgungssicherheit – in der Energieversorgung genauso wie im öffentlichen Verkehr.

Worauf können die WienerInnen in den kommenden Jahren bauen?

Auf eines der zuverlässigsten und modernsten Infrastrukturnetze Europas. Unsere Vision ist klar: Wien soll nicht nur die lebenswerteste, sondern auch eine der nachhaltigsten Metropolen weltweit bleiben. Dafür arbeiten 18.000 KollegInnen – Tag für Tag und geben ihr Bestes.

FRAGE DER TAUBENBETRACHTUNG

Welches Problem von einer größeren Taubenpopulation in einer Stadt ausgeht, liegt zumindest auch an der Perspektive.

TEXT

Hanna Stummer

»Wer Tauben füttert, füttert Ratten« –von diesem Slogan begleitet, galt 2014 in Wien noch ein stadtweites Taubenfütterungsverbot. Nichtbeachtung wurde mit einer Strafe von 36 Euro geahndet. Damals schätzte man die Anzahl der Stadttauben auf 130.000 bis 150.000. »Wir leben in einer Großstadt, haben also ohnehin begrenzten Grünraum. Dieser soll nicht von den Tauben verschmutzt und in Folge unbenutzbar gemacht werden«, wurde die damalige Umweltstadträtin Uli Sima auf dem Nachrichtenportal des ORF zitiert.

Seit 2022 führt die Stadt Wien regelmäßig Taubenzählungen durch, man weiß nun: In puncto Taubenpopulation ist Wien nicht ganz so groß, wie es dachte, es leben nur 50.000 bis 60.000 der Vögel in der Donaumetropole. Ein kategorisches Fütterungsverbot gibt es in Wien heute nicht mehr. Auf der Website der Stadt Wien wird inzwischen betont, dass die Tiere ein wichtiger Bestandteil der Biodiversität sind und das Ziel des städtischen Taubenmanagements ein möglichst gesunder Populationsstand ist. Der Ton, mit dem den Stadttauben begegnet wird, ist also zumindest von offizieller Seite freundlicher geworden.

Ein Blick nach Berlin zeigt: Die Bundeshauptstadt verfolgt teils andere Ansätze. Der letzten

Zählung aus 2022 zufolge leben dort 17.000 bis 19.000 Tauben. Auf jede 204. EinwohnerIn Berlins kommt also eine Taube, in Wien gibt es eine pro 37 Menschen. Dennoch hat Berlin als Ziel formuliert, die Taubenpopulation zu reduzieren, und der Stadtsenat prüft dazu derzeit mögliche Methoden – mitunter solche, die von TierschützerInnen stark kritisiert werden.

DIE RATTEN DER LÜFTE

Viele fühlen sich wegen Fassadenverschmutzung oder Belästigung an Plätzen von den Tauben gestört. Doch auch für die Tiere selbst bringt unkontrollierte Ausbreitung Probleme: Wegen der ständigen Verfügbarkeit von ungeeignetem Futter leiden viele an Mangelerscheinungen – der bekannte weißliche Taubenkot ist Hungerkot, der durch falsche Ernährung entsteht. »Oft ist das Problem, dass hauptsächlich Brot oder Semmeln verfüttert werden, die für Vögel überhaupt nicht gesund sind«, erklärt Evelyn Hofer, Mitarbeiterin im Bereich Bildung und Vogelschutz bei der Tierschutzorganisation Birdlife Österreich.

Trotz weniger natürlicher Feinde beträgt die Lebenserwartung einer wilden Stadttaube nur ein Viertel der einer gesunden Haustaube. Dazu gezüchtet, sich besonders rasch zu vermehren, kann ein Taubenpaar im Jahr bis zu zehn Küken

bekommen – in Stadtgebieten allerdings bei einer Jungtauben-Sterblichkeitsrate von rund 90 Prozent.

Hofer betont, dass eine Überpopulation einer Tierart nicht standortunabhängig in Zahlen ausgedrückt werden kann. Eine gesunde Taubenpopulation sei eine sich selbst regulierende – »wo es zu keinen Kämpfen um zu wenige Nistplätze kommt und wo keine massenweisen Ansammlungen von Tauben auftreten, die für die Tiere Krankheitsaustausch und Konkurrenzkämpfe bedeuten«,

EINE KURZE

TAUBENGESCHICHTE

Die Stadttaube stammt sehr wahrscheinlich von der in Europa, Nordafrika und Südwestasien beheimateten Felsentaube (Columba livia) ab. Menschen züchteten aus dieser Vogelart zuerst Haus- und dann Brieftauben, Stadttauben sind also ihre verwilderten Nachfahren.

Noemi Dornheim, Tierärztin in Weiterbildung zur Fachtierärztin für Tierschutz, von der Berliner Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz, wo auch die derzeit nicht besetzte Landestierschutzbeauftragten-Stabstelle angesiedelt ist, erklärt, es gebe unterschiedliche Auffassungen darüber, ob ein »Taubenproblem« existiert. Manche tierlieben Personen füttern die Vögel (übermäßig), während sich andere Seiten über die großen Taubenansammlungen und ihre Hinterlassenschaften beklagen. An den Bahnhöfen der Deutschen Bahn etwa halten sich die Vögel oft in besonders großen Schwärmen auf. Dort versucht man sich immer wieder an diversen Taubenvergrämungsmethoden. Auch der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sind die Vögel ein Dorn im Auge, sie plakatierte zum Beispiel Spendenaufrufe mit Slogans wie »Wenn wir nicht aufpassen, wird auf Meisterleistungen geschissen«. Laut einer Projektskizze zur »Erarbeitung eines berlinweiten Stadttaubenmanagements« des Berliner Senats entstehen Probleme besonders dort, wo viele Tauben auf engem Raum leben. Da sich die Vögel – sowohl in Berlin als auch in Wien – nicht gleichmäßig über das Stadtgebiet verteilen, ist nicht ihre Gesamtzahl ausschlaggebend. Für Noemi Dornheim ist neben der Verschmutzung an diesen Hotspots die Gesundheit der Tauben ein wesentliches Kriterium in der Frage, ob es zu viele von ihnen gibt. Um diese steht es zurzeit nicht sonderlich gut, immer wieder haben die Vögel mit Folgen von

Die ersten schriftlichen Nachweise über die Domestizierung der Taube stammen aus Mesopotamien vor knapp 5000 Jahren. Menschen hielten die Vogelart vor allem wegen ihres Fleisches, der Eier und dem als Düngemittel geeigneten Kot. Die besonders intelligenten Tiere sind außerdem für ihren Orientierungssinn bekannt und wurden aus diesem Grund zum Versenden von Mitteilungen genutzt. Schon in der Antike war diese Kommunikationsform insbesondere im militärischen Kontext relevant und blieb es in Europa bis zur Zeit der beiden Weltkriege.

falschem Futter zu kämpfen, auch Verletzungen durch Verschnürungen durch aufgesammelten Müll sind ein Problem. Auch die Stadt Wien weist auf ihrer Website darauf hin, dass Tauben durch das übermäßige Futterangebot ihr natürliches Suchverhalten nach hochwertiger Nahrung verlernen und so an bestimmten Orten auf Futter mit geringem Nährstoffgehalt warten.

TAUBEN LOSWERDEN

Die Suche nach geeigneten Maßnahmen zur Regulierung der Taubenpopulation stellt Städte weltweit vor ähnliche Fragen. Grundsätzlich ist »Tauben vergiften im Park«, wie der Liedermacher Georg Kreisler 1956 besang, genauso wie andere Tötungsmethoden in Österreich und Deutschland verboten. Zu Ausnahmeregelungen kann es in Notsituationen kommen, allerdings müssen zuvor andere Maßnahmen zur Beseitigung oder Vergrämung ergriffen werden. Anfang der 2000er-Jahre war der Versuch gängig, Taubenpopulationen mit dem gezielten Einsatz von Greifvögeln einzudämmen. Nicht nur am Trafalgar Square in London wurden Bussarde eingesetzt, die Städte Bochum und Frankfurt versuchten, die auf beliebten Plätzen beheimateten Taubenschwärme mithilfe von Falken abzuschrecken – mit durchwachsenem Erfolg.

In Wien wurde 2004 diesen Beispielen folgend im Gemeinderat ein Vorschlag zum Einsatz von Greifvögeln eingebracht – umgesetzt wurde dieser jedoch nicht. In Berlin wird die Ansiedlung von Greifvögeln derzeit als eine von mehreren Methoden zur Populationskontrolle in Erwägung gezogen.

VON EINEM SCHLAG

»Vergrämen«

Vergrämungsvorrichtungen oder Taubenabwehrsysteme sollen die Vögel vom Nisten oder Verweilen abhalten, ohne sie zu verletzen. Zu den bekanntesten Methoden gehören Taubenabwehrspitzen (»Spikes«), Netze oder Greifvogelattrappen. Bei Birdlife Österreich spricht man sich strikt gegen Taubenspikes aus, da diese oft nichts nutzen und Tauben und andere kleinere Vögel verletzen können. Ein präferierter Ansatz ist die Verbauung von Aufsitzmöglichkeiten durch Bleche oder Schrägen.

Generell gewann in den vergangenen Jahren aber vor allem das »Augsburger Modell« zur Taubenpopulationskontrolle an Beliebtheit. Seit 2008 errichtet die bayerische Stadt betreute Taubenschläge. Dort versorgt man die Vögel mit artgerechtem Futter, behandelt kranke Tiere und ersetzt ihre Eier durch Attrappen. Nicht nur Kot wird hierbei zentral gesammelt und kann so leichter entsorgt werden, das Hauptziel der Taubenschläge ist eine Stabilisierung oder leichte Verringerung der Taubenpopulation auf hohem gesundheitlichem Niveau. Auch in Wien versucht man sich am Augsburger Modell, bereits 2010 wurde im Amtshaus Meidling ein Taubenschlag eröffnet, der 2020 aber wegen ausbleibenden Erfolgs wieder geschlossen wurde. 2022 startete das Wildtierservice Wien einen neuen Versuch im Südtiroler Hof nahe des Wiener Hauptbahnhofes, ein zweiter in der Leopoldstadt soll folgen. Berlin hat aktuell an sechs Standorten betreu-

te Taubenschläge. Ein kürzlich im Bezirk Marzahn-Hellersdorf errichteter soll bald in Betrieb genommen werden. Die mittlerweile freigestellte Berliner Landestierschutzbeauftragte Kathrin Hermann sprach sich 2023 im »tierschutzgerechten Stadttaubenmanagementkonzept« stark für die Methode der betreuten Taubenschläge aus – ergänzt durch andere Maßnahmen wie tierschutzgerechte Vergrämung.

ERHALTUNGSSCHWIERIGKEITEN

Insbesondere TierschützerInnen loben das Augsburger Modell – auch die Vogelschutzorganisation Birdlife Österreich nennt die betreuten Taubenschläge neben kontrollierter, artgerechter Fütterung an anderen Orten als eine der tierschutzkonformsten Methoden.

Viele der errichteten Taubenschläge mussten mittlerweile wieder geschlossen werden, auch in Berlin. Wo es laut einer Onlineumfrage des Verbands »Menschen für Tierrechte« zu tiergerechten Stadttaubenkonzepten 2020/21 noch zehn Taubenschläge gab, sind es heute nur noch sechs. Laut der Befragung, an der 71 Städte teilnahmen, sind die häufigsten Gründe für den ausbleibenden Erfolg ungeeignete Standorte, unkontrollierte Fütterung im Umfeld der Taubenschläge sowie fehlende finanzielle Mittel und Personal.

Auch Noemi Dornheim von der Berliner Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz erklärt, dass trotz eines Taubenschlag-Budgets von 200.000

Reaktionen der Bezirke, die die se Mittel anfor dern müssen, sehr zögerlich sind. 2025 sind bislang noch keine Gelder be ansprucht worden.

Ihre Vermutung lautet, dass der lang fristige Planungshori zont für viele ein Hin dernis darstellt, Pro jekte zur Förderung einzureichen. Die Be zirke müssen nach

Tauben bevölkern Städte auf der gesamten Welt. Mitunter liegt das am übermäßigen, aber wenig artgerechten Nahrungsangebot.

der Errichtung der Schläge jährlich selbst für die Erhaltungskosten aufkommen.

Kritische Stimmen meinen außerdem, dass die betreuten Taubenschläge das Gegenteil des gewünschten Effekts erzielen und die Populationen sogar nur noch weiter vergrößern würden.

»TAUBENPILLE«

Was bei Ankündigung durch den Stadtsenat im Herbst 2024 noch für Aufsehen gesorgt hat, ist inzwischen Realität in Berlin: Der Wirkstoff Nicarbazin kommt seit dem Frühjahr 2025 zum Einsatz. Die Deutsche Bahn probt die Ausbringung des Präparats am Bahnhof Südkreuz – befristet auf drei Jahre. Bei Tauben führt Nicarbazin dazu, dass sie weiterhin Eier legen, allerdings schlüpfen daraus keine Küken. Die Präparate – in Europa als »Ovistop« bekannt – werden zusammen mit Futter verabreicht. Der Wirkstoff wurde etwa bereits in Barcelona und Hollywood zur Regulierung von Taubenpopulationen eingesetzt, auch in Deutschland nimmt die Idee Fahrt auf: Köln startete bereits im Juni 2023 ein zweijähriges Pilotprojekt, Wuppertal und Solingen testen die Präparate seit 2024.

AUSGEFLOGENE

KULTURFOLGER

Entflohene oder freigelassene Haus- und Brieftauben breiteten sich ab dem 20. Jahrhundert und besonders nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Städten aus. Heute leben auf der ganzen Welt große urbane Taubenpopulationen, die dort viel Nahrung und kaum natürliche Fressfeinde vorfinden. Schätzungen zufolge leben weltweit 165 bis 330 Millionen Stadttauben. Als ehemalige domestizierte Tiere haben sie wenig Scheu vor Menschen und sind ein Paradebeispiel für einen städtischen Kulturfolger. Die Nachfahren der Felsentaube finden in Hausfassaden idealen Ersatz für ihre ehemaligen Brutplätze.

kontrolle. Dort will man weiter auf die Methode des Eieraustausches in Taubenschlägen setzen.

HAUPTSTADTTAUBEN

Scharfe Kritik am Berliner Plan übte unter anderem Kathrin Herrmann. Einer von ihr veröffentlichten Stellungnahme zufolge verstoße die Verabreichung von Medikamenten mit Nicarbazin gegen das Artenschutzrecht – zudem handle es sich bei dem Vorhaben um einen genehmigungspflichtigen Tierversuch mit einem Mittel, das an Tauben bislang nicht ausreichend erprobt ist. In der Stellungnahme kritisiert sie unter anderem, dass sich nicht kontrollieren lasse, in welchen Mengen Tauben und andere Vögel die Futtermittel zu sich nehmen. So könne es zu Überdosierung und unerwünschter Unfruchtbarkeitswirkung bei anderen Vogelarten kommen.

Aus ähnlichen Gründen entschied sich mitunter Düsseldorf im Mai 2024 gegen den Einsatz von nicarbazinhaltigen Präparaten zur Tauben-

Wien und Berlin verfolgen unterschiedliche Wege im Taubenmanagement. Im Gegensatz zu Berlin unterliegt das Thema in Wien zentral der Magistratsabteilung (MA) 49 für Klima, Forst- und Landwirtschaftsbetrieb, insbesondere der ihr zugehörige Wildtierservice kümmert sich um die Stadttauben. Dieser ist die Anlaufstelle für BürgerInnen, die verletzte oder kranke Tiere auffinden, außerdem betreut er den Taubenschlag am Hauptbahnhof und führt die jährlichen Taubenzählungen durch. Die Zählungen sind Teil eines laufenden Forschungsprojekts, das unter anderem »den Gesundheits- und Ernährungszustand, die Bewegungsmuster und die Lebenserwartung von Stadttauben untersucht«. Es ist offensichtlich, dass sich im Bereich des Taubenmanagements etwas bewegt, auch Evelyn Hofer von Birdlife Österreich zeigt sich zuversichtlich: »Tauben gehören zur Biodiversität der Stadt dazu. Das Ziel ist, eine gesunde Population zu erhalten. Die Methode der Stadt Wien mit dem betreuten Taubenschlag geht in die richtige Richtung.« In Berlin hingegen ist man sich über die Zuständigkeiten für die dort beheimateten Tauben uneinig und es gibt unterschiedliche Ansätze seitens der Bezirke. Bis heute existiert kein Konzept zum Stadttaubenmanagement.

Parasitenschleuder?

Laut deutschem Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin geht von Stadttauben grundsätzlich ein geringes Gesundheitsrisiko für den Menschen aus. Vorsicht ist beim direkten Kontakt mit Taubenkot geboten.

»Ja! Natürlich bleibt

Impulsgeber für Bio«

Genuss, Tierwohl und Nachhaltigkeit ohne Kompromisse:

Klaudia Atzmüller und Andreas Steidl, beide GeschäftsführerInnen von Ja! Natürlich, über Bio als ganzheitliches zukunftsfähiges Konzept.

Im Vorjahr feierte Ja! Natürlich sein 30-Jahr-Jubiläum mit einer eigenen Special Edition und einigen komplett neuen Produkten. Die »schweinchenförmigen« Nudeln aus Hartweizengrieß hätten das Zeug zum Klassiker. Was bleibt denn vom Jubiläumsjahr?

Klaudia Atzmüller: Das Jubiläumsjahr war für uns Anlass, die 30-jährige Geschichte von Ja! Natürlich zu feiern – und all unseren PartnerInnen, MitarbeiterInnen und KundInnen zu danken. Die Resonanz auf die Jubiläumsprodukte – wie die angesprochenen Schweinderl-Nu-

deln – war sehr, sehr positiv. Manche davon, wie die Misopaste aus Kürbiskernen, sind bereits fixer Bestandteil im Sortiment geworden. Aber noch wichtiger ist: Wir haben 2024 genutzt, um den Pioniergeist von Ja! Natürlich wieder besonders spürbar zu machen – das wirkt heuer noch stark nach. Mit zahlreichen neuen Projekten, wie dem gerade präsentierten ersten österreichischen Kombucha auf Brennnessel-Basis oder dem Weide-Genussrind. Das Jubiläum war also nicht nur Rückblick, sondern auch Startschuss für die nächsten 30 Jahre Bio-Pionier.

»Ob bei Fleisch und Wurst oder Tofu, pflanzlichen Aufstrichen und Hülsenfrüchten aus Österreich
– wir setzen auf Vielfalt, ohne Kompromisse bei Tierwohl und Nachhaltigkeit.«
— Andreas Steidl, Ja! Natürlich

Ihr sprechendes Ferkel ist ein weltweit gefeiertes Werbemaskottchen und klärt seit Jahrzehnten – weit über die Werbung von Ja! Natürlich hinaus – über die Vorzüge von Bio auf. Gleichzeitig ist der Bioanteil gerade beim Schweinefleisch besonders gering. Wie lässt sich das erklären?

Klaudia Atzmüller: Das sprechende Schweinderl prägt seit zwei Jahrzehnten die Sympathie von Ja! Natürlich und kommuniziert immer wieder unsere Bionier-Projekte. Die Dialoge zwischen Bauern und Schweinderl ermöglichen uns, oft komplexe Inhalte auf spielerisch-charmante Weise zu vermitteln. Das schätzen unsere KundInnen besonders. Andreas Steidl: Einen Zusammenhang zwischen Ja! Natürlich-Schweinchen und dem Bioanteil bei Schweinefleisch kann ich nicht erkennen. Der relativ geringe Bioanteil bei Schweinefleisch hat mehrere Gründe: Die biologische Schweinehaltung ist besonders herausfordernd – sie erfordert viel Platz, Auslaufmöglichkeiten, spezielle Fütterung und große Investitionen in Stallumbauten. So entwickelte sich die bäuerliche Bioproduktion bisher auf einem sehr überschaubaren, dennoch kontinuierlich steigendem Niveau. Ein weiterer Grund liegt aber auch in der begrenzten Nachfrage der Bio-Zielgruppe nach Schweine-Frischfleisch, viel eher waren es bisher Wurstartikel und Schinken. In den letzten Jahren beobachten wir aber auch bei frischem Schweinefleisch einen kontinuierlichen Anstieg der Nachfrage. Tierwohldiskussionen sind dabei ein unterstützender Faktor, weil darauf gibt Ja! Natürlich eine sehr kompetente Antwort – einerseits mit einem entsprechenden Sortiment, anderseits auch mit unserem einzigartigen

KLASSIKER UND NEUE LIEBLINGSPRODUKTE VON JA! NATÜRLICH

Schmackhafte, innovative Köstlichkeiten in bester Bioqualität und ohne Kompromisse bei Nachhaltigkeit und Tierwohl.

1 Misopaste

Im Vorjahr als Jubiläumsprodukt im Rahmen der Feierlichkeiten von 30 Jahre Ja! Natürlich präsentiert und längst nicht mehr aus dem Sortiment wegzudenken: die Misopaste aus Kürbiskernen. Vielseitig einsetzbar verleiht dieses 100 % pflanzliche Ferment aus österreichischen Biokürbiskernen vielen Suppen, Salatdressings, Fleischmarinaden sowie Gemüse- und Wokgerichten ein würziges Aroma.

2 Kombucha Classic & Dirndl

Als fermentiertes Gärgetränk erlebt erfrischender Kombucha gerade eine Renaissance. Meist sind die Zutaten dafür aber weit hergeholt. Nicht so bei Ja! Natürlich. Hier kommen sie alle aus Österreich. »Statt Grüntee wird Brennnesselsud verwendet, was dem Kombucha eine besondere Note verleiht«, sagt Produzent Simon Baur. Erhältlich in zwei Varianten: Classic sowie Dirndl, Letztere mit süß-säuerlichen Dirndln bzw. Kornellkirschen versetzt. Beide sind »raw«, das heißt: unpasteurisiert, weshalb die wertvollen lebendigen Fermentationskulturen erhalten bleiben.

3

Grilltofu in Pfeffermarinade

Ob gegrillt oder gebraten: Der Tofu von Ja! Natürlich – hergestellt aus 100% Bio-Soja aus Wiener Stadtlandwirtschaft – ist eine unverwechselbare pflanzliche Ergänzung des Speiseplans. Jetzt neu in würziger Pfeffermarinade für besonders intensiven Geschmack.

4

Scharfe MiniKäsekrainer vom Strohschwein

Kleine würzige Käsekrainer mit angenehmer Schärfe abgeschmeckt und perfektioniert bereichern jeden Grillteller, lassen sich aber natürlich auch einfach in der Pfanne zubereiten. Das Fleisch stammt von Bio-Strohschweinen, der Käse fürs Würstel ist hochwertiger, aromatischer Bio-Emmentaler.

5

Edamame, tiefgekühlt

Im südlichen Weinviertel wächst das Biosoja, dessen Schoten grün geerntet, sorgfältig geputzt, schonend gewaschen, blanchiert, tiefgefroren und traditionell als »Edamame« gegessen werden. Die protein- und ballaststoffreiche Hülsenfrucht bereichert jede Küche –ob als Beilage, im Wok, Suppentopf und Auflauf oder, leicht gesalzen, als Partysnack. Erhältlich in der als Papier entsorgbaren Faltschachtel.

6 Kaspressknödel

Ein kulinarischer Klassiker aus Österreich – mit feinsten Biozutaten, ebenfalls aus Österreich: Das ist der Kaspressknödel von Ja! Natürlich. Hochwertiger, geriebener Bergkäse und knackiges Gemüse sorgen für feinsten Geschmack. Wird in der Lieblingssuppe ebenso gegessen wie als Hauptgericht, als Beilage oder zum Salat. Natürlich bio, palmölfrei und in wenigen Minuten zubereitet.

Freilandschweineprojekt, das wir bereits im Jahr 2000 gemeinsam mit Stift Geras, der Universität für Bodenkultur in Wien und der Tierschutzorganisation Vier Pfoten ins Leben gerufen haben.

Das Thema Tierwohl wird von Ja! Natürlich laufend weiterentwickelt. Gibt es heute einst erstmals von Ja! Natürlich gesetzte Schritte, die mittlerweile zum Standard für die ganze Branche geworden sind?

Andreas Steidl: In den vergangenen 20 Jahre können wir mit zahlreichen Beispielen punkten. Ob es die verpflichtende Auslaufhaltung auch bei Zuchtsauen und Mastschweinen (und der Wegfall der Sonderregelungen auf Grund einer sogenannten beengten Hoflage) war, das Verbot der Kastration ohne Betäubung, die Verpflichtung zur Weidehaltung der Rinder oder das Aufziehen der männlichen Küken, oder die Anhebung des Anteiles von Biofutter in der Schweine- und Geflügelhaltung bis hin zur heute leider noch immer nicht selbstverständlichen Haltung von Rindern in Laufställen – Ja! Natürlich war und ist hier der Impulsgeber und wünscht sich eine entsprechende Umsetzung für den gesamten Biobereich.

Seit Kurzem gibt es von Ja! Natürlich auch Fleisch vom Weide-Genussrind zu kaufen. Was unterscheidet denn ein Weide-Jungrind von einem Weide-Genussrind? Klaudia Atzmüller: Unser Weide-Jungrind ist weniger als zwölf Monate alt, wird muttergebunden aufgezogen, lebt auf der Weide und hat ganzjährig Auslauf. Es handelt sich um sehr junge Ochsen und Kalbinnen, deren Fleisch sehr zart und feinfasrig ist und bei dem der Rindfleischcharakter geschmacklich noch sehr dezent ausgeprägt ist. Somit ist es für sehr feine Gerichte geeignet. Weide-Genussrinder, also ausgewachsene Kalbinnen oder Ochsen, sind deutlich älter – 2 bis 3 Jahre – und bringen dadurch auch eine stärkere Marmorierung und einen ausgeprägteren, aromatischen Rindfleischgeschmack mit sich. Die Zartheit ist auch hier durch eine entsprechende Reifung garantiert. Somit ist dieses Fleisch geeignet für eine Vielzahl von Fleischgerichten und wenn man auf den kräftigen Rindfleischgeschmack besonderen Wert legt. Selbstverständlich gilt auch bei diesen Rindern von Ja! Natürlich die Verpflichtung zur ganzjährigen Freilaufhaltung, graslandbezogenen Fütterung und zum Weidegang.

Beim Fleisch propagiert Ja! Natürlich gewissermaßen »weniger ist mehr«, also weniger, dafür hochwertige Wurst und Fleisch in Bioqualität und als Basis eine viel-

fältige vegetarische oder pflanzliche Kost. Wie gewichtet sich denn diesbezüglich das Sortiment 2025?

Andreas Steidl: Wir bieten Fleisch und Wurst in höchster Bioqualität an, aber auch bewusst pflanzenbasierte Produkte: Unser Biotofu, pflanzliche Aufstriche, Hülsenfrüchte aus Österreich – wir setzen auf Vielfalt, ohne Kompromisse bei Tierwohl und Nachhaltigkeit.

Der neue Claim von Ja! Natürlich lautet »Gut für mich – und die Natur«. Nun gibt es viele gute Gründe und teils auch sehr unterschiedliche Motive, um Biolebensmittel zu kaufen. Hedonismus und die eigene Gesundheit ebenso wie die positiven Auswirkungen der Biolandwirtschaft auf die Natur. Ein wenig klingt »Gut für mich – und die Natur« aber auch nach einem neuen Egoismus und »Me First«. Muss man Bio heute anders kommunizieren und verkaufen als noch vor ein paar Jahren?

Klaudia Atzmüller: Wenn wir über den Tellerrand schauen, hochwertige Bioprodukte genießen und damit gleichzeitig auf die Natur, die Tiere und die Umwelt achten, dann klingt das doch nach einer perfekten Kombination. Bio ist eben nicht egoistisch, sondern ganzheitlich. Unser Claim bringt genau das auf den Punkt. Natürlich hat sich die Kommunikation in den letzten 30 Jahren verändert: Heute zählen Emotion, Genuss und Authentizität mehr als früher. Es geht nicht um Verzicht, sondern um bewussten, genussvollen Lebensstil.

Trotzdem ist Bio alles andere als ein egoistisches Konzept. Wer Bioprodukte kauft, schützt beispielsweise auch einen gesunden, lebendigen Boden. Lässt sich diese Komplexität vermitteln?

Klaudia Atzmüller: Wir versuchen, Komplexität erlebbar zu machen – über unsere Produkte, unsere Kommunikation und unsere Partnerschaften mit den LandwirtInnen. Wenn wir Biotofu aus österreichischen Edamame-Bohnen anbieten, steckt dahinter nicht nur ein hochwertiges, genussvolles Biolebensmittel, sondern ein agrarökologisches System: Leguminosen wie Soja binden Stickstoff im Boden, fördern die Fruchtfolge und ersetzen synthetischen Dünger. Genau diese Geschichten erzählen wir – sei es am Etikett, online oder über unsere Werbung. Denn wer Ja! Natürlich kauft, entscheidet sich nicht nur für Genuss, sondern auch für Zukunftsfähigkeit.

Seit Jahrzehnten setzt sich Ja! Natürlich auch für die naturnahe Haltung und Zucht von Biokarpfen im Waldviertel ein. Nun wurde die Karpfenteichwirtschaft

»Wenn wir Tofu aus österreichischen Edamame-Bohnen anbieten, steckt dahinter nicht nur ein hochwertiges, genussvolles Biolebensmittel, sondern ein agrarökologisches System: Leguminosen wie Soja binden Stickstoff im Boden, fördern die Fruchtfolge und ersetzen synthetischen Dünger.«

Klaudia Atzmüller, Ja! Natürlich

auch als landwirtschaftliches Weltkulturerbe anerkannt. Fühlen Sie sich dadurch bestätigt?

Andreas Steidl: Es ist ein schönes Zeichen für das jahrzehntelange Engagement unserer Partner im Waldviertel – und für uns als Marke. Die extensive Biokarpfenzucht in naturbelassenen Teichen steht exemplarisch für das, was wir unter Nachhaltigkeit verstehen: Kreislaufwirtschaft, Artenvielfalt, regionale Wertschöpfung. Dass diese Form der Landwirtschaft jetzt als Weltkulturerbe anerkannt wurde, freut uns sehr – und motiviert uns, noch stärker für solche Projekte einzutreten.

Nicht nur die Karpfenteiche im Waldviertel werden wärmer. Der Klimawandel beeinflusst die Landwirtschaft insgesamt massiv. Wirken sich die nötigen Anpassungen an den Klimawandel auch auf Ihr Sortiment aus?

Andreas Steidl: Der Klimawandel verändert die Bedingungen für unsere Landwirtschaft – Trockenheit, Extremwetter und Schädlingsdruck nehmen zu. Die Biolandwirtschaft ist zwar besser gerüstet, wird aber zusätzliche Anstrengungen bei angepassten Sorten, vielfältigeren Fruchtfolgen und auch bei Anbauverfahren (Mischkulturen, Dammkulturen etc.) unternehmen müssen, um die negativen Effekte des Klimawandels zu bewältigen. Das wird alle BioproduzentInnen fordern, aber wir sind überzeugt, dass der Biobereich für diese Herausforderung entsprechend motiviert und gerüstet ist.

MAKING OF

Wes Anderson hat seinen letzten Film » Der phönizische Meisterstreich« in Berlin und im Studio Babelsberg unter Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien gedreht.

Die Serviceeinrichtung »Berlin Brandenburg Film Commission« ist auch Anlaufstelle, wenn es um nachhaltigere Filmproduktion geht.

TEXT

Martin Mühl

Filme und Serien prägen die Bilder und Eindrücke, die wir von Städten haben – gerade von jenen, in denen wir nicht leben. Doch nicht nur die Bilder sind einflussreich, sondern auch die Art, wie sie entstehen, hinterlässt Spuren. Als Kulturtechnik sind Filme und Serien meist aufwendig in der Produktion, es sind viele Personen und Abteilungen involviert. Will man eine Produktion nachhaltiger gestalten, gibt es eine große Zahl an Maßnahmen, die man ergreifen kann: die Nutzung von Ökostrom statt Benzin, energiesparende Technik, ein Personen- und Materialtransport, der möglichst ohne Flüge auskommt, Bioverpflegung und vegetarisches Catering, ein ressourcenschonender Materialeinsatz oder auch

die Erstellung einer umfassenden CO2-Bilanz. In beinahe allen Bereichen einer Produktion kann umweltschonender agiert werden – und mittlerweile ist das in immer mehr Ländern auch Standard, beschrieben in ausführlichen Regelwerken.

DRAUSSEN IN DER STADT

Wird nicht in erster Linie im Studio gedreht oder die Bilder mittels Computertechnik generiert, bedarf es prinzipiell und auch in Fragen der Nachhaltigkeit großer Abstimmung zwischen den Drehorten und dem Filmteam. Egal, ob diese aus der Region sind oder ob es sich um internationale Produktionen handelt. Als Schnittstellen zwischen den Produktionen

und den Behörden der Kommunen fungieren in vielen Regionen die »Film Commissions«. 1989 wurde die Film Commission Bayern als eine der ersten Film Commissions gegründet. 1999 hat Berlin die Initiative »Filmfreundliche Stadt« ins Leben gerufen und als Teil dieser wurde die »Berlin Brandenburg Film Commission« (BBFC) gegründet. »Wir arbeiten nach internationalen Standards«, erklärt Christiane Krone-Raab, Leiterin der BBFC. Und weiter: »Unsere Serviceleistungen sind kostenfrei und es gibt eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden und Motivgebenden. Gemeinsam arbeiten wir an der Vereinheitlichung von Drehgenehmigungsverfahren und unterstützen sehr konkret die Professionalisierung der Antragstellung.« Film Commissions unterstützen Produktionen bei der Suche nach Motiven und Drehorten, bei Anträgen für Drehgenehmigungen und auch beim Lösen operativer Probleme bzw. dem Vermitteln in komplexen Motivsituationen vor Ort. Die BBFC hat hier sehr viel standardisiert, bietet umfangreiche Informationen und Ausfüllhilfen online. Seit der Neuauflage der Senatsinitiative Filmfreundliche Stadt Berlin in 2022 ist sie außerdem eine »Lotsenstelle«. Anträge – etwa an die Straßenverkehrsbehörde – gehen in Kopie an die BBFC. Im Fall von nicht genehmigungsfähigen Anträgen unterstützt die BBFC die Produktionsfirmen. Das soll sich langfristig als Entlastung für die Behörden erweisen und im Umkehrschluss kürzere Antragsfristen für die Produktionen nach sich ziehen. Die BBFC verfolgt damit auch das Ziel, den Aufwand für alle Beteiligten zu verringern, die Qualität der Anträge zu erhöhen und so mehr Filmproduktionen in der Stadt zu ermöglichen. Eine weitere Aufgabe der BBFC ist das Thema Filmtourismus. »Filmtourismus bedeutet, dass man Drehorte von Filmen und Serien nachhaltig nutzt. Wir schaffen Events mit oft wunderbarer Atmosphäre, freuen uns, dadurch den Städten und Drehorten etwas zurückzugeben und das Drehklima nachhaltig positiv zu erhalten oder auch zu gestalten«, sagt Krone-Raab. Ende Juni fand die Filmpremiere der ZDF-Produktion »Für immer Freibad« Open Air und mit mehr als 1000 Gästen in der Stadt Forst im Südosten Brandenburgs statt. Der Film war zu 100 % in Forst gedreht worden. Die Produktion hatte sich zudem in Bezug

auf die ökologische Nachhaltigkeit hervorgetan, denn bereits im Februar gewann sie den »Eisvogel – Preis für nachhaltige Filmproduktionen«, verliehen vom deutschen Bundesumweltministerium und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

FÖRDERKRITERIUM

Die BBFC stellt einen umfangreichen Guide und viele Informationen und Kontakte zum Thema »Green Production« online zur Verfügung. Gut gegliedert, übersichtlich und mit vielen Details bis hin zu Bio-Caterings und -Lieferservices. Anders als in Österreich ist in Deutschland die Einhaltung von Richtlinien für »Green Shooting« ein Grundkriterium für die Förderung von Filmproduktionen durch deutsche Filmförderinstitutionen. Dies gilt auch für internationale und Koproduktionen. 2017 wurde – ausgehend von der baden-württembergischen Filmförderung MFG und der Hamburger Filmförderung MOIN – der Arbeitskreis »Green Shooting« gegründet, dem sich Produktionsunternehmen wie Bavaria Fiction, Constantin, Studio Babelsberg, UFA, aber auch Sender wie ARD, Arte, Mediengruppe RTL, ProSiebenSat.1, Sky, SWR und ZDF und die Streamingdienste Disney+ und Netflix, die Deutsche Filmakademie und weitere Verbän-

Die ZDF-Produktion »Für immer Freibad« wurde in Forst in Brandenburg gedreht und heuer mit dem »Eisvogel – Preis für nachhaltige Filmproduktionen« ausgezeichnet.

»Wir bemühen uns derzeit um aktiven Austausch mit Stromnetz Berlin, damit Filmproduktionen öfter auf Feststrom zurückgreifen, statt auf mit Benzin oder Öl betriebene Generatoren.«

— Christiane Krone-Raab, Leiterin der BBFC

de und Dienstleister angeschlossen haben. Der mittlerweile überarbeitete Katalog für »Green Shooting« enthält 22 Mussvorgaben und weitere Sollvorgaben. Diese werden immer wieder evaluiert – unter anderem, weil sich auch ändert, welche Technik Dienstleister zur Verfügung stellen können.

INTERNATIONALER AUSTAUSCH

Die BBFC ist Teil dieser Bemühungen – unter anderem mit der Veranstaltungsreihe »Keen to be Green« als gemeinsame Nachhaltigkeits-In-

itiative der German Film Commissions, deren Talks auch online zur Verfügung stehen und im Rahmen derer es internationalen Austausch gibt. Immer wieder gibt es konkrete Themen: »Wir bemühen uns derzeit um aktiven Austausch mit Stromnetz Berlin, damit Filmproduktionen öfter auf Feststrom zurückgreifen, statt auf mit Benzin oder Öl betriebene Generatoren«, erzählt Christiane Krone-Raab. Auf der Berlinale im Februar 2025 wurde ein international einsetzbarer CO2-Rechner vorgestellt, mit dem Produktionen ihren ökologischen Fußabdruck berechnen können.

Von den Früchten dieser Arbeit profitieren bereits Filmproduktionen jeder Größenordnung. »The Phoenician Scheme«, der aktuelle Film von Wes Anderson, wurde, wie etwa auch die letzte Staffel von »Babylon Berlin«, in Berlin und im Babelsberger Studio gedreht. Die Filmstandorte stehen mitunter in einem Konkurrenzverhältnis zueinander, mit dem Auftrag, möglichst viele Produktionen in ihre Stadt oder Region zu bekommen. Sie arbeiten aber auch zusammen und lernen voneinander, nicht zuletzt, wenn es darum geht, Dreharbeiten ökologischer zu gestalten.

VOM BONUS ZUM STANDARD

Die Filmförderung in Österreich gewährte für nachhaltige Produktionen einen Bonus. Ansprechpartner für Drehs in Wien ist die Vienna Film Commission.

Sind nachhaltige Kriterien einmal etabliert und eingeführt, werden diese zu einem neuen Standard, der bleibt. »Österreich war ein Vorreiter beim Thema Green Filming«, sagt Marijana Stoisits, Geschäftsführerin der 2009 gegründeten Vienna Film Commission. Die Einhaltung nachhaltiger Kriterien bedeutet in Österreich seit

1.1.2023 die Möglichkeit, zusätzliche Fördergelder zu bekommen: einen Bonus von 5 %. Geld, das sich viele nicht entgehen lassen wollten und das dazu geführt hat, dass Produktionen sich in diese Richtung verändert und entwickelt haben – und dass dies nun zum neuen Standard geworden ist. »Eine Branche wie die Filmbranche arbeitet nicht mit verschiedenen

TEXT Martin Mühl

Auf der modern bebauten Wiener Donauplatte wurde 2022 der Actionfilm »Extraction 2« mit Chris Hemsworth gedreht.

Standards: Es mag bei Einführung von Kriterien schwierig gewesen sein, etwa die benötigte Menge an E-Autos und -Transportern und diverse andere Ausstattung von Dienstleistern zu bekommen. Doch ab einem gewissen Punkt ist das der neue Standard, mit dem alle Produktionen arbeiten.« Auch viele Produktionsfirmen selbst haben mittlerweile eine »green« Zertifizierung. Das Österreichische Filminstitut (ÖFI) hat einen Kriterienkatalog mit Muss- und Sollvorgaben für alle Bereiche einer Filmproduktion entwickelt, die mit einem Punktesystem bewertet werden, um als nachhaltige Produktion zu gelten. »Das Angebot, mit einer Produktion nach nachhaltigen Standards mehr Geld zu bekommen, war schlicht verlockender, als es eine reine Must-Have-Verpflichtung gewesen wäre«, schätzt Marijana Stoisits. Seitdem gibt es in Österreich auch eine neue Berufsgruppe: Die Arbeit mit einer oder einem Green Film Consultant ist ein Muss-Kriterium für »Green Filming« in Österreich. Eine Frage, die in Berlin in Bezug auf Nachhaltigkeit gerade adressiert wird, hat Wien übrigens bereits gelöst: In ganz Wien kann ohne Generatoren gedreht werden, da sich Filmteams an bestehende öffentliche oder private Stromleitungen einfach anschließen können. Der Verbrauch wird dann abgerechnet.

SERVICE

In ihrer Kernaufgabe ist die Vienna Film Commission eine Servicestelle, die für jede Art von

Film- oder TV-Produktionen, von Studierendenprojekten bis zu Hollywood-Blockbustern, als Ansprechpartnerin zwischen Stadt und Filmbranche agiert. Anders als andere Film Commissions ist die Vienna Film Commission aber auch zuständig für Drehgenehmigungen, sie stellt Empfehlungsschreiben aus und arbeitet eng mit der Stadt und deren Magistratsabteilungen in ihrer Rolle als Liegenschaftseigentümerin zusammen. Dass sie bei ihrer ebenso klar definierten Aufgabe, (auch große, prestigeträchtige) Produktionen in die Stadt zu bekommen, von den Förderungen anderer abhängig ist, war im Frühjahr 2025 Thema in den österreichischen Medien. Internationale Produktionen, wie etwa eine Staffel von HBOs »The White Lotus« oder ein Dreh des neuen Teils von »Tribute von Panem«, waren im Gespräch und scheiterten an fehlenden Fördermitteln. Marijana Stoisits rechnet nach einem massiven Anstieg in der Vergangenheit nun mit weniger Produktionen in näherer Zukunft.

STANDARDS VERSCHIEBEN

Als Drehort ist Wien, nicht nur, aber auch wegen seiner historischen Bausubstanz beliebt. Die große Netflix-Produktion »Extraction 2« – ein eher einfach gestrickter Actionfilm mit Chris Hemsworth – rückte die modernen Bauten auf der Donauplatte ins Bild.

Der Jungbrunnen in »Fountain of Youth«, dem neuen Film von Guy Ritchie mit Natalie Portman, steht am Wiener Schwarzenbergplatz

»Eine Branche wie die Filmbranche arbeitet nicht mit verschiedenen

Standards: Ist einmal ausreichend entsprechendes Material und Gerät vorhanden, sind diese der neue Standard, mit dem alle Produktionen arbeiten.«

— Marijana Stoisits, Geschäftsführerin Vienna Film Commission

Immer wieder wird Wien auch benutzt, um andere Städte »darzustellen«. »In den letzten Monaten wurden in Wien Produktionen gedreht, die in Berlin, Prag oder auch München spielen«, weiß Marijana Stoisits. Eine der größten aktuellen Produktionen ist die zweite Staffel der Netflix-Serie »Crooks« vom Wiener Regisseur Marvin Kren mit Frederick Lau, deren zweite Staffel ihren inhaltlichen Schwerpunkt von Berlin nach Wien verlegt. Nachhaltigkeit ist – zumindest als Kriterium – in allen Belangen einer Filmproduktion dabei immer selbstverständlicher, und was sie bedeutet, muss sich laufend weiterentwickeln.

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DIE HAUPTSTADT ALS TESTMARKT.

Urbane Milieus sind nicht nur besonders empfänglich für Ökoprodukte, sondern auch für Neues. So auch in Berlin.

Mit bald vier Millionen Menschen ist Berlin der weltgrößte Absatzmarkt für Bioprodukte. In der Metropolregion Berlin-Brandenburg leben sogar sechs Millionen Menschen. Für die 1169 Brandenburger Biobetriebe – sie bewirtschaften 225.245 Hektar ökologisch – bietet die nahe Hauptstadt Potenziale, die bei Weitem nicht ausgeschöpft werden. Das zeigt der 2024 vorgestellte »Bio-Marktbericht Brandenburg/Berlin« des Brandenburger Landwirtschaftsministeriums. Zwar ist Brandenburg bereits jetzt das Flächenbundesland mit dem höchsten Bioanteil (mit 17,36 %, vor Hessen mit 16,3 %). Bei den Ausgaben der VerbraucherInnen für Frischeprodukte liegen Berlin und Brandenburg aber erst bei einem Anteil von 12,5 %. »Hier gibt es Luft nach oben«, sagt Michael Wimmer,

Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL). Urbane Milieus sind besonders empfänglich für Ökoprodukte und lassen sich eher dazu begeistern, neue Produkte auszuprobieren. Auch größere Erzeugerbetriebe im Umland nutzen Berlin deshalb als Testmarkt und probieren, wie Produktinnovationen ankommen. Vom Strukturwandel bleibt auch Berlin nicht verschont: Die Bedeutung des Fachhandels sinkt. »Viele der früher typischen kleinen inhaberInnengeführten Bioläden brechen durch den anstehenden Generationswechsel weg«, sagt Wimmer. Trotzdem gebe es nirgendwo auf der Welt ein derart dichtes Netz an Bioläden und Biosupermarktketten. Dass der Bioanteil im konventionellen Handel weiter wächst, habe aber eine »disruptive Qualität«.

NEU GESTARTET IN NEUKÖLLN

Bioregionale Haferdrinks aus der alten Wurstfabrik.

Das vierte Produkt – ein Baristagetränk auf Haferbasis aus regionalen Biozutaten – war fast marktreif, da musste die Genossenschaft im Herbst 2022 die Produktion einstellen. Erst ein Jahr davor war diese in eine größere Produktionsstätte übersiedelt, man hatte in Brandenburg an der Havel eine ehemalige Wurstfabrik bezogen. Doch die ursprüngliche Idee hinter »Havelmi« – ein bioregionales, rein pflanzliches, dabei leistbares, das heißt: konkurrenzfähiges Grundnahrungsmittel, das Kuhmilch ethisch, ökologisch, aber auch geschmacklich und in der Weiterverarbeitung überlegen ist – war bereits in die Welt gesetzt. In der produktionsfreien Zeit quartierte man sich zwischenzeitlich im Impact Hub Berlin in Neukölln ein, um einen Neuanfang vorzubereiten – mit einer GmbH fürs operative Geschäft neben der Genossenschaft. »Im Rahmen des Projektes ›Nachhaltiges Wirtschaften‹ saßen wir mit spannenden Firmen wie Kaffee Kooperative und Conflict Food zusammen in einem Büro«, sagt Nina Sturm, eine der beiden nunmehrigen GeschäftsführerInnen, »wir haben viel voneinander gelernt.« Mittlerweile gibt es den Havelmi-Haferdrink wieder und sogar bundesweit in vielen Bioläden: in der 0,75-Liter-Mehrwegflasche aus Glas und in Bioland-Qualität, nicht mehr als Frischeprodukt, sondern länger haltbar. Die Metropolregion ist nicht nur wichtigster Zielmarkt geblieben, sondern mit ihrer Dynamik auch Inspirationsquelle für neue Ideen. »Wir sind eng mit anderen Genossenschaften und mit der Mehrweg- und Unverpackt-Szene in Berlin und Brandenburg verbunden«, sagt Sturm. »Unsere Werte – wie Bioqualität, kurze Zutatenliste, Mehrweg, Kreislaufwirtschaft, Tierschutz, pflanzliche Produkte, Mitbestimmung – finden natürlich in Berlin besonders viel Anklang.«

2024 wagte man auch eine neue Kreation, das Havelmi Hafer Jogu, eine fermentierte Joghurt-Alternative, die dem Team den Brandenburger Innovationspreis bescher-

& BERLINER SCHNAUZE

für Berlin und den Rest der Welt.

»Berlin hat als der Markt für vegetarische und vegane Lebensmittel in Deutschland eine enorme Bedeutung für uns«, sagt Lars Strenge. »Durch die Offenheit und das Andersdenken der Menschen ist Tempeh dort bereits gut etabliert, wohingegen man unsere Produkte anderswo oft noch erklären muss.« Wie Tofu ist Tempeh ein pflanzliches Ferment, proteinreich und vielseitig verwendbar. Seine Konsistenz ist deutlich fester als die von Tofu, oft hat Tempeh einen leicht nussig-pilzigen Geschmack. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Marcel war Lars Strenge (36) auf der Suche nach einer natürlichen, geschmackvollen und tierleidfreien Proteinquelle – und wurde schließlich in der indonesischen Kochtradition fündig. 2017 gründete das Brüderpaar Peaceful Delicious in Beeskow, 80 Kilometer südöstlich von Berlin. Mittlerweile wird ihr Tempeh auf Basis von Hülsenfrüchten (Sojabohnen, schwarzen Bohnen oder Kichererbsen) auch in einige europäische Länder exportiert; nach Frankreich, Litauen, in die Schweiz, die Slowakei und nach Österreich, wohin Peaceful Delicious das Tempeh für »Vega Vita«, die vegane Eigenmarke von Billa (Rewe Österreich), liefert. Im deutschen Biofachhandel ist Peaceful Delicious bereits fast flächendeckend verfügbar, immer öfter auch im konventionellen Handel. Aktuell 100.000 Stück Tempeh (25 Tonnen) werden monatlich in einem umgebauten alten Getränkemarkt hergestellt. »Die Produktion wird gerade stark ausgeweitet«, sagt Strenge, »wir können gar nicht liefern, was nachgefragt wäre. Wie unsere Mitbewerber auch sind wir an der Kapazitätsgrenze.« Zuletzt wuchs der Markt für Tempeh in Deutschland um 100 Prozent. Peaceful Delicious möchte sich als einer der drei wichtigsten Tempehproduzenten in Europa etablieren. Laufend werden in Beeskow auch neue Rezepturen ausprobiert – und in Berlin getestet. »Die Berliner Schnauze ist nicht nur charmant, sondern für uns auch sehr hilfreich: Die Leute sagen uns unverblümt, was sie von unseren Produkten halten.«

peacefuldelicious.de

PEACEFUL DELICIOUS BISSFEST
Tempeh

WÜNSCH DIR MAHL

GENUSS AUS DEM SCHRAUBGLAS

Vegane Fertigprodukte.

Wenn Analea Günzel sagt, »wir produzieren mitten in der Stadt«, dann meint sie nicht Berlin, sondern Müncheberg, eine ländliche Kleinstadt kurz vor dem Oderbruch. »Unser Herz aber gilt Berlin«, sagt die Sprecherin von »Wünsch dir Mahl«, »das ist neben Brandenburg unser Hauptfokus. Und Berlin ist unser Testmarkt, in dem wir unseren HandelspartnerInnen neue Produkte präsentieren, Feedback und Verbesserungsvorschläge einholen«. Der Firmenname WDM lässt sich als Abkürzung von »Wünsch Dir Mahl« lesen, dem Markennamen, unter dem das 25-Personen-Unternehmen mittlerweile flächendeckend im Fachhandel vertreten ist. Die derzeit acht Fertigprodukte – Bestseller ist ein Linsendal, neu gibt es beispielsweise eine Süßkartoffelsuppe – sind alle vegan und bei der Bio Company, bei Denns, Ebl Naturkost und im LPG Biomarkt erhältlich. Im konventionellen Handel –bei Rewe, Edeka, Kaufland und dm – ist WDM unter dem Namen »Daily Soup« vertreten. Der Fokus aber gilt ganz klar »Wünsch dir Mahl«, man legt Wert auf Regionalität und kurze Lieferwege, engagiert sich in der Regionalwert AG. Die Produkte sind zeitgemäß. »Gute Convenienceprodukte sind gefragt«, sagt Günzel, »wir können zwei Jahre Haltbarkeit garantieren. Der Absatz ist gut steigend. Wir produzieren jeden Wochentag, ab und zu sogar am Wochenende.«

wdm.bio

MIT WEIDERINDERN

Wo Berliner Fleischgourmets fortschrittliche Rinderhaltung ermöglichen.

Gut Kerkow liefert frisches Biofleisch täglich in seine Fleischereien in Berlin-Mitte, Schöneberg, Friedrichshain und Zehlendorf. Demnächst dann auch in die Feinkost- und Fleischtheken »Vom Einfachen das Gute«. Ohne die Hauptstadt wäre ein Betrieb wie Gut Kerkow nicht denkbar. Er ist mit 900 Hektar und 400 Rindern einer der größten Biobetriebe in Brandenburg – und einer der fortschrittlichsten. Ein Gutteil der Rinder wird direkt auf der Weide erlegt. Das Töten von im Freiland lebenden Weidetieren mit dem Kugelschuss aus dem Gewehr – der sogenannte »Weideschuss« – gilt als schonendste Form der Schlachtung. Ohne Stress, ohne Tiertransport. Gemeinsam mit einem Partnernetzwerk aus weiteren Biobetrieben und Forschungseinrichtungen soll er zum neuen Standard weiterentwickelt werden. Bekannt wurde Gut Kerkow durch seine Gründerin, die TV-Köchin, Gastronomin und zwischenzeitliche Grünen-Europapolitikerin Sarah Wiener. 2024 zog sie sich nicht nur aus der Politik zurück, sondern

Wien ist nicht Paris – oder doch?

Geht es um die Transformation europäischer Metropolen von der autozentrierten Stadt zu menschenorientierter Mobilität wird oft Paris als erstes genannt.

gab auch ihre Anteile an Gut Kerkow ab. Das entwickelt sich auch ohne sie gut weiter – und vermarktet längst auch das Fleisch anderer gleichgesinnter Biobetriebe aus dem Umland. »Unser Zielmarkt ist klar Berlin«, sagt Kooperationspartner David Henke, vom Gut Temmen, wo ganzjährig 1500 Rinder auf der Weide stehen. »Gemeinsam können wir zeigen, dass Weideschuss auch in größerem Stil geht.« Um diese erlebbar zu machen, holt Nachfolger Jörg Reuter auch Gäste aufs Landgut. »Wir sehen Gut Kerkow als Sehnsuchtsort auf dem Land und haben große Freude an der Stadt-Land-Thematik«, sagt Reuter. Seit Kurzem gibt es im Gutshaus acht Ferienwohnungen, »Spaced Out«-Kunstausstellungen und die kulinarische Eventreihe »Farm to Fire«. »Wir wollen die Leute aus der Hauptstadt aufs Land locken«, sagt Reuter, »aber man muss sich dafür auch was einfallen lassen, denn hervorragend essen kannst du in Berlin an jeder zweiten Ecke«.

gut-kerkow.de

Wirkt doch Vieles in der Stadt der Liebe besonders revolutionär.

Wien dominiert weniger die Schlagzeilen.

Dabei ist die Transformation hier ebenso spürbar. An der Donau geht sie vielleicht etwas entspannter und dialogorientiert von statten als an der Seine.

In den vergangenen fünf Jahren wurden so viele neue Radwege wie nie zuvor auf den Weg gebracht – insgesamt knapp 100 Kilometer. Was Wien auszeichnet, ist dass das Zu-Fuß-Gehen und Radfahren gemeinsam gedacht und geplant werden. Wird ein neuer Radweg errichtet, werden auch die Gehsteige größer, grüner und schöner gestaltet.

So gesehen ist Wien vielleicht doch ein wenig wie Paris. Und dass Wien eine Stadt der Liebe ist, wissen wir doch spätestens seit der Filmromanze »Before Sunrise«.

mobilitaetsagentur.at

Petra Jens, Beauftragte für Fußverkehr, und Martin Blum, Radbeauftragter der Stadt Wien.

SYMBIOSE

Stadt und Umland ermöglichen sich gegenseitig einen erheblichen Teil der Innovationskraft, vor allem im Bereich Biolebensmittel.

153.500 Hektar werden im Wien umgebenden Bundesland Niederösterreich biologisch bewirtschaftet. »Wien ist für NÖ in Sachen Bioabsatz natürlich das Zentrum«, sagt Walter Klingenbrunner, Obmann der Landesstelle Wien und Niederösterreich des Bioverbands Bio Austria. Wien ist allerdings nicht nur Zielmarkt, sondern auch auf Stadtgebiet gibt es über 6000 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche, was immerhin etwa 15 % der Gesamtfläche der Stadt entspricht – 26 % davon werden biologisch bewirtschaftet. Im Bioverband sind Wien (das wie Berlin Stadt und Bundesland ist) und Niederösterreich zusammengefasst – der Ballungsraum Wien sei allerdings innerhalb Niederösterreichs und weit darüber hinaus gerade für »Pionierbetriebe, die Produkte oder Vermarktungssysteme weiterentwickeln, unverzichtbar«, sagt Klingenbrunner – seiner Erfahrung nach können diese sich nur über den Markt der Großstadt entwickeln. »Es handelt sich um eine lebensnotwendige Symbiose, die allerdings zunehmend aus dem Bewusstsein vieler verschwindet – nicht nur der breiten Bevölkerung, sondern auch in der Landwirtschaft: »Die innovativen Betriebe am Land muss man nicht mehr schubsen, die wollen nach Wien und wir können vielleicht noch Türchen öffnen und Kontakte herstellen«, weiß Klingenbrunner. Die klassischen Direktvermarktungsbetriebe seien mitunter sehr schwer »für Aktionen in Wien zu bekommen«, für das jährlich im Herbst stattfindende Erntedankfest in etwa habe der Bioverband eine Fläche angemietet und Schwierigkeiten gehabt, ausreichend unterschiedliche Landwirtschaftsbetriebe von der Teilnahme zu überzeugen – um dem Publikum die gewünschte Bandbreite landwirtschaftlicher Bioerzeugnisse aus der Region präsentieren zu können. Das Risiko, dass es mal schiefgehen kann, schrecke viele Betriebe ab, die ohnehin oft an der Kapazitätsgrenze arbeiten – doch, auch in Richtung der eigenen Mitgliedsbetriebe betont Klingenbrunner: »Alle Großstädte bieten eine einzigartige Möglichkeit, interessierte KundInnen für spannende Produkte zu finden, die es sonst kaum gibt.« Und eben diesen interessierten KonsumentInnen möchte er sagen: »Nur wer mit offenen Augen – online und offline – auch an weniger frequentierte Plätze geht, wird das Besondere finden.«

25 JAHRE BIOKISTEN IN DIE STADT

Familie Zoubek beliefert Wien, Niederösterreich und mittlerweile Graz mit Bio-»Kistln« für Alltag und Büro.

Vor 25 Jahren haben Sigrid und Gerhard Zoubek begonnen, die Erzeugnisse ihrer Biolandwirtschaft in Biokisten und Abos zu verkaufen. Sie waren damit früh dran mit einer Entwicklung, die noch heute anhält: Biobäuerinnen und Biobauern gehen den Weg der Direktvermarktung, verarbeiten teilweise ihre Erzeugnisse selbst und verkaufen sie auf möglichst kurzem Weg ihren KundInnen. 2021 gab es bei Adamah einen Generationenwechsel – die Kinder haben übernommen. Den Ausbau der Direktvermarktung hat Adamah immer konsequent verfolgt: »Wir geben unsere Wurzeln in der Biolandwirtschaft nicht auf und vergessen nicht, wo wir herkommen, entwickeln uns aber zu einem vollwertigen E-Commerce-Betrieb«, erklärt Elisabeth Zoubek. Dazu gehören eigene Produkte wie Pestos, Nudeln oder Gewürze, der Verkauf nicht nur eigener Erzeugnisse oder auch saisonale Angebote wie das »Sommerkistl«. Mittlerweile liefert Adamah zweimal die Woche auch nach Graz in die Steiermark. Der Zielmarkt Nummer 1 ist immer Wien gewesen –und geblieben. Mehr als die Hälfte der Biokisten geht nach Wien: »Wir sind 15 Kilometer von der Stadtgrenze entfernt und Wien hat als Ballungszentrum den Vorteil, dass wir sehr effizient liefern können.« Gemeinsam mit den KundInnen wird einmal im Jahr beim Adamah-Hoffest gefeiert – diesmal das Jubiläum, am 30. und 31. August 2025. MARTIN MÜHL adamah.at

ADAMAH

ÖSTERREIS

REISNISCHE

Im niederösterreichischen Gerasdorf bei Wien wird Reis im Trockenanbau angebaut.

Gregor Neumeyer war ein Quereinsteiger aus der IT-Branche, als er 2016 die Landwirtschaft seiner Eltern übernommen hat. Bereits ein Jahr zuvor ist bei einem Bier die Idee entstanden, doch in Österreich Reis anzubauen – in Gerasdorf bei Wien: Bio musste er sein, arsenfrei und im Trockenanbau produziert. Diese Methode ist extensiver als die klassische Flutung der Reisfelder und benötigt weniger Wasser und Energie. Sie hat außerdem den Vorteil, dass der Reis dabei weniger Schwermetalle aus dem Boden aufnimmt. Der erste Anbauversuch brachte noch wenig Ernte, doch das hat sich geändert und mittlerweile vermarktet »Österreis« auch den Reis anderer österreichischer Biolandwirtschaften. Zu kaufen bekommt man ihn im Direktvertrieb, aber mittlerweileauch bei vielen Partnerbetrieben. Und auch die Gastronomie – darunter »Mraz und Söhne« in Wien – hat den Reis für sich entdeckt. Verkauft wird grundsätzlich nach ganz Österreich, wobei »Wien aufgrund der Nähe und als Ballungszentrum natürlich eine besondere Rolle spielt«, sagt Gregor Neumeyer.

oesterreis.at

MARTIN MÜHL

FARMENTO

EIN BIOSOJAACKER FÜR DEN BALLUNGSRAUM

Natto made in Austria. Näher an Bratislava als an Wien entsteht hierzulande Seltenes aus der japanischen Küche, in Bioqualität.

In Prellenkirchen, nahe der slowakischen Grenze, wird ein in Europa eher ungewöhnliches Produkt japanischen Ursprungs hergestellt: Natto – mit Bacillus subtilis fermentierte Sojabohnen. »Unser Kernprodukt, das Natto, ist ein ungewöhnliches Produkt, etwas schleimig, aber voller Umami«, sagt Wolfgang Wurth, der mit Partnerin Verena Pizzini 2019 Farmento gegründet hat und gemeinsam mit Pizzini und einer Mitarbeiterin betreibt. Die verwendete Bohnensorte ist eine kleine, in Japan gezüchtete Variante, die in Europa kaum angebaut wird. Sie eignet sich besonders gut für die Fermentation, da sie das nötige Verhältnis von Oberfläche zu Volumen bietet.

Am Anfang stand Wurth zufolge der Wunsch, dieses Produkt herzustellen, doch die Entscheidung, die Bohnen selbst anzubauen, war sowohl praktisch als auch prinzipiell motiviert: »Ohne eigene Landwirtschaft hätten wir das Produkt nicht gemacht«, erklärt der Gründer, und gerät ins Schwärmen von der Beziehung zum Lebensmittel, die die vollständige Kontrolle über den Anbau bis zum fertig verpackten Produkt ermögliche.

Die Überzeugung, dass sich dafür ein Markt finden würde (und ein Investment aus einer einschlägigen Fernsehshow), hat dem Paar als Arbeitsgrundlage gereicht, um loszulegen. Inzwischen hat sich bestätigt dass die größte Nachfrage in städtischen Gebieten liegt. Rund zwei Drittel des Absatzes entfallen auf Wien. »In Wien gibt es die nötige Dichte an Menschen, die das Produkt schätzen – sowie die passenden Verkaufsstellen mit entsprechender Frequenz«, sagt Wurth. In ländlichen Regionen sei die Nachfrage zwar vorhanden, aber oft zu gering, um eine flächendeckende Versorgung wirtschaftlich zu betreiben.

Die Kundschaft ist vielfältig: Menschen mit japanischem Hintergrund, gesundheitsbewusste KonsumentInnen (Natto enthält unter anderem Vitamin K2 und Spermidin) sowie eine fermentieraffine Szene. Vertrieben wird über Bioläden, asiatische Lebensmittelmärkte und den Direktvertrieb. Für die kommenden Jahre plant der Betrieb eine Expansion in den DACHRaum. Ziel sind vor allem größere Städte, in denen sowohl eine japanische Community als auch eine bioaffine Zielgruppe vorhanden ist. »Wir wollen dorthin, wo es kulinarische Offenheit gibt – und wo sich ein kleineres Nischenprodukt wie unseres nachhaltig tragen kann.«

farmento.at

JETZT NEU! Tiroler Bergkäse g.U. von BIO vom BERG biovomberg.at

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KOCHEN IM GEMEINDEBAU

Rund 500.000 Menschen leben im Gemeindebau – rund ein Viertel der Bevölkerung Wiens. Sie sind mit die Grundlage der Lebensqualität in Wien: kommunale Bauten, die einerseits sozial Schwächeren das Wohnen in der Stadt erleichtern sollen und ein großer Baustein der Bemühungen, die Mietpreise in Wien insgesamt moderat zu halten. Andererseits spiegelt sich in ihnen auch Fortschritt (teilweise auch vermeintlicher Fortschritt) in Architektur, Wohnkomfort und Organisationsformen gemeinschaftlichen Wohnens. Sie sind also vor allem auch Treffpunkte, in denen sich Gemeinsamkeiten nutzen lassen, aber

auch Unterschiede bemerkbar machen – von denen manche Aufmerksamkeit und Moderation brauchen. Wohnpartner heißt das Nachbarschaftsservice im Wiener Gemeindebau, in dem Annäherung und gegenseitiges Verständnis auch über gemeinsames Kochen vermittelt werden. »Mahlzeit!« sammelt nun Rezepte aus diesen gemeinsamen Erfahrungen, Klassiker, die der Wiener Küche zugerechnet werden, genauso wie Rezepte der Zugereisten, die diese mitgebracht haben. Als Kochbuch ist »Mahlzeit« zugänglich und einladend gehalten. Zu manchem der Rezepte gibt es auch Videos zum Mitkochen online.

TEXT
Martin Mühl

KOSHARI

ZUTATEN

• 250 g Hörnchen

• 4 Zwiebeln

• 2 EL Mehl

• 200 g grüne Linsen

• 500 g Reis

• 125 g Fadennudeln

• Öl zum Braten

• Salz

• gemahlener Kreuzkümmel

• gemahlener Koriander

• 100 g Kichererbsen

Tomatensauce:

• 2–3 Knoblauchzehen

• etwas Salz

• 1 leicht scharfe grüne Pfefferoni

• 2 EL Tomatenmark

• 1 Pkg. passierte Tomaten

• Kreuzkümmel

Scharfe Essigsauce

• 2–3 Knoblauchzehen

• Kreuzkümmel

• scharfes Chilipulver

• Tafelessig

ZUBEREITUNG

1. Die Hörnchen in reichlich Salzwasser kochen.

2. Zwiebeln schälen, in Streifen schneiden und in Mehl wälzen.

3. Die Linsen abspülen und ebenfalls kochen.

4. Den Reis waschen.

5. Jetzt Nudeln und Linsen abgießen.

6. Reichlich Öl in einer Pfanne erhitzen und die Zwiebeln darin frittieren.

7. Nun etwas Öl in einem Topf erhitzen und die Fadennudeln anbraten, bis sie Farbe annehmen. Den gewaschenen Reis und die Linsen daruntermischen. Mit Salz, Kreuzkümmel und Koriander würzen. Noch Wasser hinzufügen, Deckel draufgeben und köcheln lassen, bis der Reis gar ist.

8. Für die Tomatensauce zuerst Knoblauch mit Salz mörsern. Pfefferoni fein schneiden, in den Mörser dazugeben.

9. Öl in einem Topf erhitzen, die Knoblauch-Pfefferoni-Mischung darin anrösten und mit Salz und Kreuzkümmel würzen. Als Nächstes Tomatenmark, ein wenig Chilipulver und die Tomaten untermischen. Noch etwas Wasser hinzufügen und einkochen lassen.

10. Für die scharfe Essigsauce Knoblauch pressen, mit Salz anrösten und mit Kreuzkümmel und reichlich Chilipulver würzen. Dann mit Essig aufgießen.

11. Die Kichererbsen abseihen und abspülen.

12. Alles auf einer Platte anrichten, zuerst das Reisgemisch, dann die Hörnchen, die Kichererbsen, die beiden Saucen und die gerösteten Zwiebeln.

REZEPTE AUS:

»MAHLZEIT! GEMEINSAM KOCHEN IM GEMEINDEBAU« Claudia Huemer, Josef Cser (Hrsg.), 2025, Echomedia.

GEFÜLLTE PAPRIKA

ZUTATEN FÜR 4 PORTIONEN

• 4–6 Paprikaschoten

• 130 g Reis

• 2 Zwiebeln

• 250 g Faschiertes (vom Schwein)

• etwas Öl

ZUBEREITUNG

• 2 Karotten

• 4–5 Tomaten

• 1 EL Zucker

• 1 Bund Petersilie

• 2 Lorbeerblätter

• etwas Salz und Pfeffer

1. Aus den Paprikaschoten den Strunk herausschneiden und die Schoten entkernen.

2. Den Reis halbgar kochen und abkühlen lassen.

3. Die Zwiebeln klein würfeln, in einer Pfanne mit Öl goldbraun dünsten und das Faschierte dazugeben. Die grob geraspelten Karotten und den Reis daruntermischen. Mit Salz und Pfeffer würzen.

4. Für die Sauce Tomaten im Topf erhitzen, salzen, pfeffern und etwas Zucker hinzufügen und einköcheln lassen.

5. Das Backrohr auf 150 °C (Ober- und Unterhitze) vorheizen, Petersilie fein hacken und zur Fülle geben.

6. Die Fülle in die Paprika geben und mit dem Löffel etwas anpressen. Die Paprika in eine Pfanne setzen und den Deckel daraufsetzen.

7. Die Sauce zu den Paprikaschoten gießen, die Lorbeerblätter hinzufügen und noch mit etwas Wasser auffüllen.

8. Die Pfanne eine gute Stunde ins Backrohr schieben, die letzten 15 Minuten die Hitze auf 180 °C erhöhen.

HINWEIS

Die gefüllten Paprika werden in der Ukraine ganz ähnlich zubereitet wie Holubzi (traditionelle ukrainische Kohlrouladen). Übrigens: Je dünnwandiger die Paprika sind, desto besser. Am besten eignen sich die tennisballgroßen grünen Paprika, die auch das leicht bittere Aroma dieser Speise zur Geltung bringen.

TIPP

Damit die Paprika an der Oberseite nicht zu schwarz werden, kann man sie zum Schluss mit Alufolie abdecken.

KAROTTENTORTE

ZUTATEN

Torte

• 250 g Karotten

• 1 Prise Salz

• 250 g Staubzucker

• 250 g geriebene Mandeln

• 1 Zitrone (Saft und Zesten)

• 80 g Vollkornmehl

• 1 EL Backpulver

ZUBEREITUNG

1. Karotten schälen und reiben.

2. Eidotter vom Eiklar trennen.

Glasur

• 250 g Staubzucker

• 2 EL Zitronensaft

• 4 EL Wasser

3. Eiklar mit einer Prise Salz steif schlagen.

4. Eidotter und Zucker schaumig rühren.

5. Die geraspelten Karotten löffelweise dazugeben.

6. Geriebene Mandeln, Zitronensaft und Zitronenzesten untermischen.

7. Mehl mit Backpulver dazusieben und gut verrühren.

8. Den Eischnee unterheben.

9. Masse in eine gefettete, mit Mehl bestreute Form füllen.

10. Bei 180 °C (Ober- und Unterhitze) ca. 50 Minuten backen.

11. Für die Glasur Staubzucker, Wasser und Zitronensaft glattrühren und über die Torte gießen.

HINWEIS

Die Karotten machen die Torte sehr saftig und bringen gleich ein paar Vitamine und Mineralstoffe auf den Tisch. Auch Mandeln stecken voller Nährstoffe, sie schützen das Herz und können den Cholesterinspiegel günstig beeinflussen. Auch wenn sie ähnlich aussehen, Mandeln sind keine Nüsse, sondern die Kerne einer Frucht, und zwar der vom Mandelbaum.

TIPP

Wer es nicht zu süß möchte, nimmt weniger Zucker für die Glasur.

BIO FÜR UNSERE ZUKUNFT

Es ist Zeit, dass wir umdenken. Für unseren Planeten. Für unsere Kinder. Für uns selbst.

Wir beweisen seit 25 Jahren, dass es anders geht. Landwirtschaft in Kreisläufen statt Kunstdünger und Gift. Für eine echte Beziehung zwischen Boden und Teller. Gerhard Zoubek, ADAMAH Gründer www.adamah.at

Musikalische Vielfalt auf höchstem Niveau –jetzt die neue Saison entdecken.

Das vollständige Programm finden Sie auf rso.ORF.at

MUSIK UNSERER ZEIT FÜR MENSCHEN UNSERER ZEIT

NEU ODER NOCH GUT

Empfehlungen, Warnungen, warnende Empfehlungen. Von Neuentdeckungen und alten Perlen. Auf dass uns Weghören und -sehen vergeht.

GAEA SCHOETERS / »DAS GESCHENK« / Zsolnay, 2025

Vorgelesen für alle, die sich über ein belletristisches Gedankenexperiment amüsieren wollen: dass in Berlin plötzlich 20.000 afrikanische Elefanten leben.

Bereits Gaea Schoeters im Vorjahr erschienener Roman »Trophäe« war ein fesselndes Gedankenexperiment, düster und realistisch, für viele LeserInnen schockierend und sehr erfolgreich. Mittlerweile ist er in der 15. Auflage. Vordergründig ein Buch über Großwildjagd und Artenschutz, legte es den europäischen weißen Blick auf Afrika bloß. Auch »Das Geschenk« (aus dem Niederländischen von Lisa Mensing) ist ein Gedankenexperiment und hat dasselbe Themenfeld als Hintergrund. Freilich mit einem höchst realen und für belletristische Verhältnisse aktuellen Anlass: Weil einige europäische Länder den Import von Jagdtrophäen geschützter Tierarten verbieten wollten, bot der Präsident von Botswana 2024 an, der Republik Deutschland 20.000 »überschüssige« Elefanten zu schenken. Nur für die Transportkosten müsse Deutschland sorgen, so das Angebot (»Wir akzeptieren kein Nein!«), und garantieren, dass die Tiere auch in Europa unangetastet in freier Wildbahn leben. Hier setzt »Das Geschenk« an: Über Nacht tauchen an der Spree wie deus ex machina Elefanten auf und stellen ganz Berlin auf den Kopf. Der Kanzler, im Vorwahlkampf eigentlich damit beschäftigt, sich gegen radikale Populisten zu behaupten, wird zum Krisenmanager im Umgang mit der Megafauna, die bald die ganze Bundesrepublik in Aufruhr versetzt (und mit den Samen in ihrem Dung auch einige neue invasive Pflanzenarten beschert). Manches ist absurd und bleibt abstrus, vieles aber sehr unterhaltsam; allein die Vorstellung, dass in Deutschland eine »Ministerin für Elefantenangelegenheiten« ernannt werden muss. Dass

viele Charaktere skizzenhafte Statisten bleiben, hat System. Zumindest die Hauptfigur – der Kanzler, den seine Umfragewerte plagen und der nachts im Kanzleramt mit seiner Frau die Leidenschaft wiederfindet – wird lebendig. Im erzählerischen Grundton eher nüchtern und beschreibend, bieten vor allem die zahlreichen Dialoge Einblick in unterschiedliche Blickwinkel und Abwägungen (»Muss ich zurücktreten?«). Die rasante Story erstreckt sich über knapp 140 Seiten. Die Kapitel beginnen mit einem »Paukenschlag« (am Tag 1 der ersten Elefantensichtung), münden in »Verzweiflung« (Tag 45), bringen »Veränderung« (Tag 125) und verursachen »Verrat« (Tag 392). Als literarischer Schnellschuss nicht annähernd so ausgereift, durchdacht und psychologisch packend erzählt wie »Trophäe«, aber ein böses Vergnügen und schnell zu lesen. THOMAS WEBER

FLORIAN OPITZ / »CAPITAL B« / Klett-Cotta, 2025

Vorgelesen für alle, die sich den letzten 35 Jahren der Geschichte von Berlin – und dessen Ausverkauf – über eine Oral History nähern wollen.

Florian Opitz ist bekannt als Dokumentarfilmer, der sich kapitalismuskritisch gesellschaftspolitischen Themen annimmt. Bereits 2019 hat er die Arte-Doku-Serie »Capital B« veröffentlicht, zu der nun das Buch erscheint. Darin experimentiert er gelungen mit dem Format des Zitats und er lässt – wie in Dokus üblich – InterviewpartnerInnen zu Wort kommen, deren Aussagen er so aneinanderschneidet, dass sich eine Erzählung ergibt. Eine Erzählung, die sich aufbaut und in der es zu Widersprüchen kommt.

Derlei gibt es auch als Buch hin und wieder – vor allem, wenn es um Geschichte der näheren Vergangenheit geht und in der Erzählung die ProtagonistInnen – hier HausbesetzerInnen, Senatoren, DJs, Nachrichtenmoderatoren und viele andere

direkt zu Wort kommen sollen. »Capital B« erzählt vom Berlin der letzten 35 nach der Wende. Vom Aufbruch, Freiräumen, der Bedeutung von Musik und Kultur, dem Bestreben, Berlin zur Metropole zu machen – und von Geld und Macht. Ökologische Nachhaltigkeit spielt dabei für ihn eine fast schon überraschend kleine bzw. keine Rolle. Er erzählt aber eine andere Geschichte: die von Aufbruch und Ausverkauf.

terschiedliche Weise zugedeckt hat – sieht sie gelichtet. Endlich ist wieder was vom alten Glanz da, nur neuer oder so –Das stimmt so sehr, dass es teilweise wehtut, vor allem aber längst selbstverständlich ist.

Auch als Buch ist »Capital B« durch die Kleinteiligkeit höchst kurzweilig zu lesen und dank der vielen Zitate absolut lebendig und emotional bewegend – wenn man mit Aussagen mitfühlt oder sie einen ärgern und aufwühlen.

MONIKA CZERNIN / »GEBRAUCHSANWEISUNG FÜR WIEN« / Piper, 2024

Vorgelesen für BesucherInnen, die sich via Namehopping durch die Kaiserstadt bis zur Falcostiege bewegen wollen.

Die vierte Auflage der 2003 erschienenen Gebrauchsanweisung für Wien ist in Details aktualisiert und erweitert, und doch ließe sich das Datum der Erstverfassung bei der Lektüre erraten. Die Öffnungszeiten sind also aktualisiert, doch die Orte sind nicht mehr, was sie waren. So weit, so normal nach 20 Jahren und nur konsequent, wenn einem schon auf der ersten Seite ein Wien angekündigt wird, das »hipp« und »cool« ist und – es steht wirklich da! – »ein zweites Berlin«, »besonders in Deutschland« sei man darüber verwundert. Im Großen und Ganzen aber kann man diese Museumstour durchs Wien von Gestern auch heute noch ganz vorzüglich mit Blick fürs Vorgestrige durchziehen. Fin de Siècle, Kaiserschmarren, Kapuzinergruft – da ist im Kompaktformat und grundsätzlich angenehm lesbar alles reingepackt, was sich viele KurzgebraucherInnen der Stadt nachvollziehbarerweise zumindest auch erwarten.

Czernin kritisiert grundsätzlich die mangelnde Sensibilität der WienerInnen im Umgang mit ihrer eigenen historischen Schuld, wählt dafür mitunter etwas eigenwillige Beispiele. Sie beschreibt die Nachkriegsjahrzehnte und den Bevölkerungsschwund der Stadt als »Jahre des Niedergangs« und die beklemmende Schicht aus Nostalgie und Geschichtslügen, die Wien in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts auf un-

Thematisch ist die Gebrauchsanweisung breit und abwechslungsreich (aber nicht übersichtlich – sie ist kein Reiseführer im klassischen Sinn) angelegt. Es handelt sich um eine Vorbereitungs- und Reisebegleitungslektüre für an der österreichisch(-ungarischen) (und tschechischen und …) Kunst und Kultur Interessierte, die auch André Heller kennen, aber besser nie in Österreich gelebt haben. Die Lektüre fühlt sich sonst an wie die ZeugInnenschaft einer Erklärung davon, was ein Schnitzel ist und wie es _in Österreich_ gegessen werden _sollte. IRINA

DAVID GERSTMEIER, TOBIAS MILTENBERGER & HANNAH GÖTTE / »EIN JAHR MIT DEN

BIENEN« / Kosmos, 2024

Vorgelesen für Kinder (ab 6 Jahren), die wissen wollen, was Honigbienen außer Bestäuben, Honigsammeln und Stechen sonst machen.

Schon wieder ein Buch über Bienen? Ja, auch wenn zuletzt zig Bücher über die Honigbiene erschienen sind, auch viele Kinderbücher: Ein Buch wie »Ein Jahr mit den Bienen« hat trotzdem noch gefehlt. Darin vermitteln die beiden Demeter-Imker David Gerstmeier und Tobias Miltenberger (Imkerei »Summtgart«) und die angehende Pädagogin Hannah Götte in gut fassbar aufbereiteten Happen wirklich Wissenswertes über unser wichtigstes Nutztier. Viele Bilder, kurze Steckbriefe (auch zu den häufigsten Wildbienen) und Illustrationen machen das fundiert Beschriebene anschaulich. Oft führen Fragen, die unsere Neugier wecken, hin zu Detailwissen, das doch immer in größere Zusammenhänge eingebettet bleibt; beispielsweise »Wie wird man eigentlich Bienenkönigin?«, »Ein Stich! Und nun?«, »Was machen Bienen im Winter?« oder »Wie schaffen es Bienen, bei absoluter Dunkelheit in der Beute perfekte Zellen aus Wachs zu bauen?«. Auch komplexe Zusammenhänge werden gut verständlich erklärt. Einfache Rezepte mit Honig, Experimente und Tipps zum Beobachten bzw. ein beigeklebtes Säckchen mit »Samen für deine Bienenwiese« erwecken das Thema auch über das Buch hinaus zum Leben. THOMAS WEBER

ZELEWITZ

UND SONST SO, IM BIORAMA-

UNIVERSUM ...

3 AUSGABEN 10,–

AGENTURLEISTUNG

UNTERRICHTSMATERIALIEN

Bio (und Bienen) kindgerecht erklärt

Alle Jahre wieder können in Österreich Kinder der 4. Volksschulklassen im Herbst Bio auf vielfache Weise kennenlernen. Dafür bereitet Bioinfo – die Biosparte der Agrarmarkt Austria (AMA) – Unterrichtsmaterialien vor, die PädagogInnen für den Unterricht verwenden können. Teil davon ist auch wieder eine Kurzgeschichte, die kindgerecht die Vorzüge von Biolandwirtschaft und regionalen Bioprodukten erklärt. Heuer widmet sich die von BIORAMA-Herausgeber Thomas Weber verfasste Geschichte unter dem Titel »Die Göttin, der Helm und die Königin auf Herbergsuche« unterschiedlichen Biosiegeln, Demeter und der Natur der Honigbiene.

Auch die bereits in den Vorjahren veröffentlichten Kurzgeschichten für Kinder (z. B. »Nachts in der Ferkelbucht«, »Opas Haustier und die sieben Hügel«, »Emma und die Riesenwurzel« oder »Der Apfel, der Wurm und der kackende Bär«) sind online als PDF verfügbar.

bio.amainfo.at -> downloads

UPCOMING

BIORAMA BIOKÜCHE 2026

BIORAMA IM KURZ-ABO

BIORAMA zum Kosten: 3 Ausgaben direkt in deinen Briefkasten!

Auch wenn biorama ein Gratismagazin ist, kannst du es abonnieren. Das klassische Kennenlernabo ist zurück – mit dem du drei Ausgaben bekommst, dir ein Bild von unserem Magazin machen kannst und unsere unabhängige redaktionelle Arbeit unterstützt.

biorama.eu/abo

Das BIORAMA-Bookazine für alle ÖsterreicherInnen, die Wert auf biologische Küche legen, geht in die sechste Runde! Wir zeigen die Vorzeigebetriebe der Bioverpflegung genauso wie jene, die deren Grundlagenarbeit machen: BioproduzentInnen von Vorarlberg bis zum Neusiedler See. Bei uns erzählen sie, worauf sie stolz sind und womit sie hadern. Richtig viele, richtig gute Produktempfehlungen, Küchentipps und Rezepte gibt’s wie immer obendrauf! Die nächste Ausgabe erscheint Ende 2025. Die bisherigen Ausgaben der BIORAMA BIOKÜCHE sind auch online. biorama.eu/ausgaben

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Ursel Nendzig

DER GENDERACTION-GAP

Mutter, Vater, Söhne. Und ein Spalt, mit dem wir nicht gerechnet haben.

IAutorin Ursel Nendzig, Mutter zweier Söhne, berichtet live aus der Achterbahn.

ch weiß, es sind schon viel zu viele Gender-Gaps, mit denen wir uns herumschlagen müssen. Care, Pay, Pension, und ich habe einen weiteren Spalt ausgemacht. Darauf gestoßen hat mich meine Freundin L., Mutter zweier bezaubernder Jungs am Rande der Pubertät (die Jungs, nicht sie): L. und ihr Mann, der Vater der Kinder, hatten sich einst feierlich und fest versprochen, sich die elterlichen Sorgepflichten fair aufzuteilen. So ganz hat das leider nicht hingehauen. Wie es bei den meisten Paaren, seien wir ehrlich, nicht so ganz hinhaut. Vom Wochenbett rutschen die meisten Frauen diretissima über die Still-Rutsche in den Care-Arbeit-Pool, so schnell kann man gar nicht schauen, ist man für alles zuständig, was keinen Spaß macht. Impftermine, Kindergarten, neue Schuhe, Hautausschläge. Und wenn man es einmal gemacht hat, klebt es an einem wie Kaugummi in Kinderhaar. Die Jungs von L. sind langsam aus dem Alter raus, in dem es nur um basale Bedürfnisse geht, um Wickeln, Füttern, Aufpassen. Und zuerst hat das alles vereinfacht. Größere Kinder sind leichter abzugeben, können sich auch mal alleine beschäftigen, unbeaufsichtigtes Fernsehen bringt sie nicht mehr auf der Stelle um. L. und ihr Mann teilten die Kinderbetreuungszeiten – fair, wie vereinbart – zwischen sich auf. Die Zeiten, ja, aber nicht die Aktivitäten. Und irgendwie ist es passiert, dass L. schon

wieder auf den unangenehmen Dingen sitzt (Zimmer aufräumen, Hausübungen erledigen, Handyzeit überwachen, Haare waschen) und ihr Mann zum Action-Hero wurde. Papa geht mit ihnen Mountainbiken, bastelt tolle Elektrosachen und bringt ihnen bei, wie man Fahrräder repariert oder mit einer Drohne fliegt. Mama ist dann für den ganzen mühsamen Rest zuständig.

Unfair! Ein Gender-Action-Gap, kurz: GAG! Ein Witz, jawohl! Kann doch nicht sein, dass

»Kann doch nicht sein, dass man die schnarchlangweilige Mutti wird, während der Papi immer Spaß und Action verspricht! «

man die schnarchlangweilige Mutti wird, während der Papi immer Spaß und Action verspricht! Und das Ganze als Vater-Söhne-Bonding-Ding verpackt, weil Jungs ja angeblich männliche Vorbilder brauchen, die ihnen zeigen, wie sie ihre Energie sinnvoll kanalisieren. Ja, mag schon sein. Trotzdem ist es unfair. Trotzdem ist da das Gefühl, dass man sich den Bauch ausgeleiert, den Rücken krummgetragen und die Augenpartie gefaltet hat, um jetzt, Fräulein Rottenmeier gleich, die Spielverderberin zu sein.

Wartet ab, ihr Action-Helden, bald, ganz bald kommt der erste Liebeskummer. Und dann werden wir ja sehen, an wen sie sich vertrauensvoll wenden, wenn die Pubertät erst so richtig kickt.

Naheliegend gut: bi good

Warum wir rund 80 % der bi good Produkte in Österreich herstellen?

Weil es Sinn macht! Es gibt hier einfach so viel Gutes, das Körper und Geist verwöhnt – und wir verkürzen so die Transportwege. Das finden wir einfach naheliegend.

Gut für mich. Gut für meine Welt.

Hergestellt Österreichin

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