INTERVIEW ZELLTHERAPIE
Elisa Kieback, T-Knife
FINANZIERUNG
Schweiz vorn im Dach-raum
ORGANOIDE
Von der Spielwiese aufs Spielfeld
LABORWELT

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INTERVIEW ZELLTHERAPIE
Elisa Kieback, T-Knife
FINANZIERUNG
Schweiz vorn im Dach-raum
ORGANOIDE
Von der Spielwiese aufs Spielfeld
LABORWELT


Der Clown-Fangschreckenkrebs (Odontodactylus scyllarus) mag klein erscheinen, hat jedoch eine erstaunliche Kraft.
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> Wenn etwas wie in Heft 4/2025 mit einem Schlusspunkt endet, fängt etwas Neues wohl am Besten mit einem „A“ wie Anfang an. Es wäre schön, wenn daraus ein „Ah“ würde, dass Sie sich, geschätzte Leser, also auch weiterhin gut informiert fühlen mit den Inhalten von |transkript, mit denen wir Sie weiterhin begleiten wollen auf der Reise durch die BiotechnologieLandschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Wir haben einige Umstellungen vorgenommen, um etwas frischen Wind in das Heft einziehen zu lassen. Einen besonderen Schwerpunkt wollen wir auf die Start-ups, deren Umgebung und die vielen Akteure an den Standorten legen, die die Innovation von morgen erst möglich machen. Die kleinteiligen aktuellen Meldungen reduzieren wir stark. Diese finden Sie in unserem Online-Bereich, wo wir Sie täglich aktuell mit kurzen oder längeren Berichten auf dem Laufenden halten.
Gleichzeitig wollen wir nicht alles neu erfinden, sondern Bewährtes behutsam weiterentwickeln. Einordnen statt Schlagzeilen – |transkript bleibt |transkript mit neuer Perspektive statt dem täglich grüßenden Murmeltier. Aber wir reagieren auf veränderte Lesegewohnheiten – mit klareren Strukturen und stärkerer Gewichtung. Wer schnell einen Überblick sucht, soll ihn finden. Wer sich vertiefen will, ebenso.
Ein weiteres Anliegen ist es, Randthemen aus dem Schatten zu holen. Innovation entsteht selten im Rampenlicht. Sie wächst an Schnittstellen: zwischen Wissenschaft und Regulierung, zwischen Finanzierung und Infrastruktur, zwischen Talenten, die
kommen, und jenen, die bleiben. Diesen Übergängen wollen wir Raum geben – auch dort, wo Entwicklungen noch leise oder kontrovers sind, aber absehbar Wirkung entfalten.
Wir wollen Kontexte liefern, nicht nur Nachrichten. Gerade in Zeiten hoher Taktung und permanenter Aufgeregtheit sehen wir unsere Aufgabe darin, das Tempo gelegentlich herauszunehmen und Orientierung zu geben.
Dazu gehört auch, mehr Stimmen hörbar zu machen: Gründer, Forscher, Investoren, Politik, Ihre Stimme in |transkript. Wir verstehen uns weiterhin als Plattform für den Dialog innerhalb der Life-SciencesCommunity im deutschsprachigen Raum, mit offenem Blick nach Europa und darüber hinaus. Nicht alles davon werden wir in diesem Heft unterbringen können, viel Neues wird auch auf unserer Webseite passieren.
Als Titelbild dieser ersten Ausgabe hätte ich mir auch das Bild einer Baustelle vorstellen können, denn gefühlt befindet sich die ganze Welt im Umbruch, und wir mitten darin. Doch der Neuanfang ist kein Bruch, sondern eine bewusste Weiterführung, kein Neubau, sondern eine Renovierung.
Gestatten Sie mir den persönlichen Rückblick: vor ziemlich genau 20 Jahren schrieb ich mein letztes Editorial in „biologenheute“ des vdbiol e.V. Zukunft braucht Herkunft, nannte das der Philosoph Odo Marquard. Ein „A“ kann nun vieles bedeuten: Anfang, Aufmerksamkeit, Anspruch. Vielleicht auch das staunende „Ah“ – im besten Fall eines, das bleibt. Wir freuen uns, wenn Sie diesen Weg mit uns gehen.
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Drastischer Protest bewegt die Politiker doch. Leichensäcke vor dem BMFTR in Berlin stoßen eine Forschungsdekade an. Doch geforscht wurde schon viel, die Betroffenen wollen endlich klinische Entwicklung sehen. Eine kleine Firma in Frankfurt/Main hat schon einen Wirkstoff im Angebot.

Organoide sind die neuen Lieblinge im Labor.
Mitochondrien bei Long COVID –Kraftwerke ohne Energie
Scharfe Messer bleiben gefragt Elisa Kieback, T-Knife
Finanzierung: Schweiz gewinnt Börsenkommentar
Sonnenschein zum Jahresstart – JPM 2026
Start-ups-Kurzporträts: Holloid, 2NA FISH, ariadne.ai, Licit solutions IP-Kommentar
Standort Basel Österreich setzt auf Biotech und Life Sciences Neues aus Saarlouis, Köln und Dresden
Analytica:
Branchen-Meldungen Produkt
BIOTECH AUSTRIA
Chemspec Europe, BioVaria, German Biotech Days, SLAS Europe, Future Labs Live
Smarte Etiketten, nachhaltige Pigmente, PilzBaustoffe, 3D-Druck, Fermentation, Reststoffe
tk-persönlich: Susanne Leonhartsberger (Axolabs) Diätspritze schützt das Klima
HAMBURG (D) 20
Indivumed-CSO Wellstein erklärt, warum Tumor-Organoide für die Wirkstoffforschung wichtig sind.
DRESDEN (D) 38
Strahlkraft im Osten – Landesstrategie Radiopharmazie stärkt nukliD-Cluster in Dresden

MÜNCHEN (D) 43
Auf der analytica dreht sich alles um die Automation des Labors. Auch ein grüner Elephant spielt mit.
BERLIN (D) 14
Zell- und Gentherapien sind nun nationale Strategie. Wie wichtig ist das für Unternehmen wie T-knife?

WIEN (A) 42
Eine neue Bundesstrategie für die Wirtschaft bis 2035 hebt ausdrücklich die Biotechnologie hervor.

BASEL (CH) 37
Immer mehr Pharmafirmen kooperieren mit BaseLaunch, was macht den Standort so erfolgreich?
Wien

Long COVID, ME/CFS und die biologische Ursache einer noch immer unterschätzten Krankheit zu finden, darum bemüht sich nur eine Handvoll Forscher, während die Betroffenen oft dem Vorwurf ausgesetzt sind, dass es sich wohl um etwas Psychosomatisches handle, und sie beispielsweise wohl einfach nicht zur Arbeit gehen wollen. Diese Arbeitsunfähigkeit ist aber kein Jux, sie entspricht viel mehr wortwörtlich einer Lebensmüdigkeit, einer pathologischen Erschöpfung. Nun hat das Bundesforschungsministerium (BMFTR) eine ganze Dekade zur Erforschung von postinfektiösen Erkrankungen ausgerufen und stellt dort gewaltige 500 Mio. Euro bereit. Doch noch mehr Grundlagenforschung sei gar nicht notwendig, sagen Experten, sondern die konzentrierte klinische Überprüfung fortgeschrittener Ansätze.
Dr. Georg Kääb
Mit der Ankündigung der „Nationalen Dekade gegen postinfektiöse Erkrankungen“ hat das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Herbst 2025 und mit dem offizielleren Startschuss im Frühjahr 2026 ein deutliches Signal gesetzt: Long COVID, Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) und verwandte postinfektiöse Syndrome sollen aus dem medizinischen Randbereich in den Fokus von Forschung, Versorgung und Gesundheitspolitik rücken. Es ist ein überfälliger Schritt. Denn für Hunderttausende Betroffene in Deutschland – und Millionen weltweit – bedeutet eine Infektion nicht das Ende der Krankheit, sondern ihren Beginn
Kein Neues Phänomen Postinfektiöse Krankheitsverläufe sind kein neues Phänomen der CoronaPandemie. Schon nach InfluenzaEpidemien oder dem Auftreten des Epstein-Barr-Virus wurden langanhaltende Erschöpfungszustände beschrieben. ME/CFS ist seit Jahrzehnten bekannt, blieb jedoch medizinisch wie gesellschaftlich marginalisiert. Erst die COVID-19-Pandemie hat das Thema mit Wucht ins öffentliche Bewusstsein getragen. Long Covid wurde zum Katalysator – nicht, weil es etwas grundsätzlich Neues wäre, sondern weil es in einer Größenordnung auftrat, die nicht mehr unsichtbar bleiben konnte.
Schätzungen gehen davon aus, dass ein relevanter Anteil der Long-COVIDPatienten klinische Kriterien von ME/ CFS erfüllt. Umgekehrt sehen viele Forscher Long COVID nicht als eigene Entität, sondern die Infektion mit dem Corona-Virus als einen neuen Einstiegspfad in ein bekanntes postinfektiöses Syndrom. Damit rückt zwangsläufig die Frage in den Mittelpunkt: Was ist der gemeinsame biologische Nenner?
Viele Hypothesen – Ein Leiden
So unterschiedlich die diskutierten Ursachen sind, ein Symptom eint fast alle schwer Betroffenen: eine ausge -
prägte, nicht durch Ruhe reversible Erschöpfung, die sich nach körperlicher oder geistiger Belastung dramatisch verschlechtert. Diese sogenannte PostExertional Malaise (PEM) ist das klinische Kernmerkmal von ME/CFS – und tritt auch bei Long Covid häufig auf.
Erklärungsversuche gibt es viele: persistierende Virusreste, Autoimmunreaktionen, chronische Entzündung, neuroinflammatorische Prozesse, endotheliale Dysfunktion, gestörte Mikrozirkulation. Keine dieser Hypothesen ist falsch, aber keine erklärt für sich allein die Tiefe und Systematik der körperlichen Schwäche. Zunehmend verdichten sich Hinweise, dass viele dieser Prozesse in einem gemeinsamen Endpunkt zusammenlaufen: einem gestörten Energiehaushalt auf zellulärer Ebene.
Kraftwerke ohne Strom Im Kern einer These stehen die Mitochondrien als Ausgangspunkt der Malaise. Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zelle. Sie erzeugen den Großteil des zellulären ATP und sind damit essentiell für jede Form von Muskelarbeit. Genau
scheidend ist: Die Befunde korrelieren mit der klinischen PEM. Eine Belastung führt nicht zu Trainingseffekten, also etwa einem Muskelaufbau, sondern zu biochemischer Überforderung.
Noch weiter geht die Bildgebung: Forscher der Stanford University (alle Literaturquellen auf S. 13) nutzten PET/ MRT-Verfahren mit dem Biomarker TSPO, der unter anderem mit mitochondrialer Dysfunktion und Entzündungsprozessen assoziiert ist. In diesen Studien zeigen sich bei ME/CFS-Patienten deutliche Auffälligkeiten in der Skelettmuskulatur – ein objektivierbarer Hinweis darauf, dass die Erkrankung nicht primär psychogen oder zentralnervös ist, sondern peripher-metabolisch verankert das Ergebnis einer anhaltenden Stoffwechselstörung ist.
Sauerstoff: nicht verfügbar Ein drittes Puzzlestück liefert die vaskuläre Forschung. Die Arbeitsgruppe um Rob Wüst an der Vrije Universiteit Amsterdam konnte zeigen, dass ME/ CFS-Patienten eine endotheliale Dysfunktion in der Skelettmuskulatur auf-

Teufelskreis: Auch wenn der ursprüngliche Auslöser wie eine Virusinfektion längst verschwunden ist, treibt eine systemische Dysfunktion den Erschöpfungszustand voran.
hier setzen mehrere voneinander unabhängige Forschungsansätze an, die in den vergangenen Jahren bemerkenswert konsistente Ergebnisse geliefert haben.
Ein Team der Harvard Medical School (USA) konnte in Muskelbiopsien von ME/CFS-Patienten eine reduzierte mitochondriale Biomasse nachweisen. Die Muskelfasern selbst waren strukturell weitgehend intakt – es fehlte jedoch an funktioneller Energiebereitstellung. Ent-
weisen. Die Basalmembranen der Kapillaren sind verdickt, das freie Lumen reduziert. Die Folge: ein Diffusionsproblem. Sauerstoff ist im Blut vorhanden, erreicht aber die Mitochondrien nicht in ausreichender Menge.
Diese Befunde sind besonders relevant, weil sie eine selbstverstärkende Schleife nahelegen. Reduzierte Sauerstoffversorgung verschlechtert die mitochondriale Funktion, was wiederum die Belastungstoleranz senkt und
» Lesen Sie den ganzen Artikel in der gedruckten Ausgabe.
Entscheidungsstärke unter Zeitdruck und Informationsdefiziten –Herausforderungen für Senior Management in wissensbasierten Organisationen: Denn Nicht-Entscheiden ist keine Option.
von Dr. Susanne Simon, TROCKLE Unternehmensberatung
Bei ad hoc wie bei perspektivischen Fragestellungen entsteht häufig Entscheidungsunsicherheit: Alle verfügbaren Zahlen, mögliche Handlungsoptionen und zu berücksichtigende Szenarien liegen auf dem Tisch – und dennoch entsteht eine kurze Stille. Nicht aus Unwissen, sondern aus Überfülle. Zu viele Optionen, zu wenig Orientierung im Entscheidungsfeld.
In wissensintensiven Organisationen ist eine unvollständige Informationslage bei begrenzten Ressourcen kein Ausnahmezustand, sondern der Normalfall unternehmerischer Entscheidungen. Subsumtion – das Einordnen unter vorhandene Kategorien oder Regeln –, ist oft nur vorläufig tragfähig: Wissenschaftliche Erkenntnisse verändern sich, regulatorische Rahmen verschieben sich, Märkte reagieren schneller, als vorhandene Muster sie strukturieren können.
kognitive Dissonanz
Für Entscheider entsteht daraus kognitive Dissonanz – der innere Konflikt, entscheiden zu müssen, obwohl die Faktenlage keine saubere Evidenz erlaubt. Diese Dissonanz entsteht nicht aus Unsicherheit im Sinne von Nicht-Wissen, sondern aus dem Umstand, dass Verantwortung getragen werden muss, ohne sie vollständig begründen zu können.
Haltung
Haltung ist der innere Kompass von unternehmerischer Entscheidungsverantwortung – sie bestimmt, wann Einordnung endet und Handlung beginnt. Haltung

DR. SUSANNE SIMON ist Senior Partner der TROCKLE Unternehmensberatung, sie schreibt an dieser Stelle regelmäßig über Management und Unternehmensführung. Kontakt: simon@trockle-unternehmensberatung.com
zeigt Wirkung, wenn Entscheidungen so anschlussfähig sind, dass Teams wissen, in welche Richtung sie gehen sollen, ohne jede Entscheidung erneut diskutieren zu müssen. Je nachvollziehbarer diese Muster sind, desto selbstverständlicher laufen Entscheidungen im Unternehmen – nicht identisch, aber stimmig. Haltung als Architektur hält Organisationen tragfähig, auch wenn niemand hinschaut.
Setzung
Setzung ist der Moment, in dem Führung Verantwortung für das Unternehmen übernimmt – nicht weil alle Informationen vorliegen, sondern trotz offener Fragen und unvollständiger Daten. Es
ist die bewusste Wahl eines Handlungswegs, auch wenn Alternativen bestehen. Sie gibt Mitarbeitern Orientierung auch ohne absolute Gewissheit. Setzungen machen Organisationen handlungsfähig. Entscheidungstheoretisch bestimmt Haltung, wann genug Wissen vorliegt, um Verantwortung zu übernehmen. Setzung beschreibt die bewusste Wahl eines Pfades unter begrenzter Rationalität; sie beendet Suchprozesse, ohne auf vollständige Sicherheit zu warten. Unsicherheit wird nicht durch mehr Wissen aufgelöst, sondern durch begrenzte Suchräume, erkennbare Muster und verantwortete Entscheidungen. Führungsarbeit wird dabei nicht als Optimierung wahrgenommen, sondern als bewusste Handlung unter wirtschaftliche Verantwortung bei unvollständiger Informationsbasis.
Nicht-Entscheidung Kostet
Wo Haltung fehlt, entsteht ein Entscheidungsvakuum. Nicht-Entscheidung ist keine Schonung, sondern eine Verantwortungslücke, die kostet. Das Entscheidungsvakuum wird informell kompensiert durch Klärungsschleifen und Mikropolitik, entlang persönlicher Netzwerke, Machtgefälle und Ressourcenhoheit.
Ein erheblicher Teil der Energie fließt in Absicherung, nicht in Ergebnisse. Unternehmerisch hat das Auswirkung: Ineffizienz und Intransparenz nehmen zu, Performance sinkt schleichend, Vertrauen erodiert, Chancen bleiben ungenutzt. Nur wo Verantwortung getragen wird, können Entscheidungen wirksam werden. •
Zum Jahresauftakt zählt man die externen Geldmittel zusammen, die im Vorjahr in die Branche geflossen sind. Deutschland hat zwar den höchsten Betrag vorzuweisen, doch auf die Bevölkerung heruntergerechnet, führt die Schweiz um viele Längen. Und selbst Österreich kann pro Kopf den großen Nachbarn deutlich übertrumpfen.
Die deutsche Biotechnologiebranche hat 2025 bei der Finanzierung deutlich besser abgeschnitten als man beim allgemeinen Klagelied über die schwierigen Rahmenbedingungen und die Zurückhaltung der Investoren hätte erwarten können.
Milliardenströme
Der Branchenverband BIO Deutschland hat in seiner Erhebung in Kooperation mit EY das als Eigenkapital anzusehende Finanzierungsvolumen gezählt und kommt dabei auf die Gesamtsumme von 1,787 Mrd. Euro. Man kann aber auch bei der Betrachtung sämtlicher Einwerbung von externem Kapital (Eigen- und Fremd-
kapital wie Kredite und Wandeldarlehen) für das vergangene Jahr insgesamt 2,034 Mrd. Euro ermitteln (Quellen: eigene Erhebung und iito Business Intelligence).
Bei BIO Deutschland lag das Volumen um rund sieben Prozent unter dem Vorjahreswert von 1,917 Mrd. Euro, zeigte aber nach den deutlich schwächeren Jahren 2022 und 2023 eine Stabilisierung auf dem hohen Niveau von damit wiederum fast 2 Mrd. Euro.
Die Erhebung von |transkript wertet Kapital vor allem als „Working Capital“, womit die Firmen also an ihren Produktentwicklungen konkret weiterarbeiten können. Hier sehen rund 2 Mrd. Euro Geldmittel in 43 nachvollziehba-

ren Finanzierungsereignissen und damit durchschnittlich rund 47 Mio. Euro je publizierter Mitteilung auf den ersten Blick nicht so schlecht aus.
Angetrieben wurde das Ergebnis vor allem von börsennotierten Unternehmen, die mehr als die Hälfte des Finanzvolumens über Kapitalerhöhungen und andere Maßnahmen auf dem Aktienmarkt erzielen konnten, während die Finanzierungen durch VC-Gesellschaften etwas schwächer als im Jahr 2024 ausgefallen sind.
Die Schwierigkeit der Einteilung nach Eigen- oder Fremdkapital wird am Beispiel Qiagen deutlich. Das Unternehmen trägt mit einem Wandeldarlehen über 643 Mio. Euro den mit großem Abstand größten Betrag für das Segment der börsennotierten Firmen bei. Doch ist dieses Darlehen zunächst eigentlich Fremdkapital, das mit Zinsen bezahlt werden muss, und wird erst in seiner späteren Form des Wandels in Aktienpapiere zum Eigenkapital.
Vertrauensvorschuss
Die Tatsache, dass es Qiagen relativ einfach möglich war, eine so große Summe über die Börse mobilisieren zu können, sollte daher stärker in den Fokus gerückt werden als finanzinstrumentelle Feingliedrigkeit. In diesem Bereich solcher Wandeldarlehen, Anleihen oder auch des sogenannten Stand-by-Equity (SEPA) haben einige deutsche BiotechUnternehmen (inklusive Qiagen) die gewaltige Summe von 1,05 Mrd. Euro
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Die europäische Technologietransfer-Community hat den Termin längst fest im Ka-
Die Teilnehmer der German Biotech Days am 20./21. April 2026 in Leipzig können ein buntes Programm erwarten, das die gesamte Bandbreite der Biotechnologie und Bioökonomie abbildet. Geplant sind Fachvorträge, Podiumsdiskussionen und immer wieder Möglichkeiten, um neue Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. Die Konferenzsprache ist Englisch.
https://german-biotech.day/

lender: am 27. und 28. April findet die 18. BioVaria im Sofitel Munich Bayerpost statt. Dort treffen Investoren und Entscheider aus der Biotech-, Medtech- und Pharmabranche mit führenden Wissenschaftlern, Gründern und Technologietransfer-Experten aus ganz Europa zusammen, um Partnerschaften anzubahnen.
Attraktives Portfolio
Ascenion und zehn Technologietransferpartner präsentieren rund 65 zukunftsweisende Innovationen mit besonderem medizinischem und kommerziellem Potential.
Die Schwerpunktthemen in diesem Jahr sind unter anderem neue Ansätze auf den Gebieten der Immunologie, Onkologie und Infektionsforschung.
Early-Stage Innovations
In dieser Session erhalten Forscher die Gelegenheit, ihre vielversprechenden Frühphasenprojekte, darunter auch von
Vom 19.–21. Mai trifft sich die europäische Life-Sciences- und Labortechnologie-Community in Wien . Die Veranstaltung bietet einen Blick hinter die Kulissen der Technologieanbieter im Vienna BioCenter. Wissenschaftliche Vorträge und Diskussionsrunden beschäftigen sich mit den spannendsten Innnovationen in den Bereichen Laborautomatisierung und Biotechnologie.
www.slas.org/events-calendar

„GO-Bio initial“ geförderte, erstmals einem Publikum aus Industrievertretern und VCs vorzustellen und wertvolles Feedback zu sammeln.
Startup Pitch & Partner
Gerade Forscherinnen und Forscher, die den Weg in die Gründung wagen, stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Das Startup Pitch & Partner-Programm bietet zehn von einer renommierten Jury ausgewählten Start-ups die Chance, vor erstklassigen Risikokapitalgebern zu pitchen und im Speed-Dating wichtige Kontakte zu knüpfen. Industrievertreter und Investoren können dabei Start-ups in verschiedenen Entwicklungsphasen kennenlernen.
Anmeldung
Tickets sind auf www.biovaria.org erhältlich. Die BioVaria ist eine Veranstaltung von Ascenion und weiteren führenden Technologietransfer-Organisationen Europas. •
Die branchenübergreifende Lab Live-Reihe bringt am 27./28. MaI 2026 im Kongresszentrum Basel führende Experten aus den Bereichen Pharma, Biotechnologie, Chemie, Lebensmittel und Getränke, Konsumgüter, Materialwissenschaften, Landwirtschaft, Energie und Medizin zusammen . Ihr gemeinsames Ziel: das KI-fähige Labor.
https://terrapinncom/conference/future-labs-live

Smarte Etiketten. Schweizer Forscher haben im Projekt Greenspack smarte Etiketten entwickelt, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit in Echtzeit messen und erkennen können, ob die Temperatur von 25° C überschritten wurde. Sie funktionieren ähnlich wie ein RFID-Chip, sind siliziumfrei und biologisch abbaubar. Damit können empfindliche Güter wie Impfstoffe, Medikamente oder Lebensmittel überwacht werden
nachhaltige Pigmente. Forschern der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist es gelungen, aus Kohlendioxid und Lichtenergie mit Hilfe eines biotechnologischen Verfahrens gelbe Naturfarbstoffe herzustellen. Dazu nutzten sie Cyanobakterien und übertrugen ihnen RoteBete-Gene.
Pilz-Baustoffe. Fast die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen stammen aus der Baubranche. Nachhaltige Baustoffe sind daher unabdingbar. Der neu bewilligte Sonderforschungsbereich 1743 „MYCO-BUILD“ untersucht neuartige Baumaterialien auf Pilzbasis. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Vorhaben in den kommenden vier Jahren mit rund 10,3 Mio. Euro.
3D-Druck. Das Biotech-Unternehmen Cellbricks und Forscher vom Berlin

Fermentation. Das Biotech-Start-up Kynda hat Ende Januar sein neues Labor- und Produktionszentrum in Jelmstorf (Lüneburger Heide) in Betrieb genommen. Auf einer Fläche von 720 m² entstehen mittels Fermentation aus ungenutzten Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie hochwertige Proteine. Mit einer modularen Fermentationstechnologie, die sich in die bestehende Infrastruktur integrieren lässt, können diese Nebenströme innerhalb von 48 Stunden direkt an der Quelle in proteinreiches Pilzmyzel umgewandelt werden.
Institute of Health in der Charité haben gemeinsam einen 3D-Drucker entwickelt, der passgenaue biologische Pflaster drucken kann. Die Plfaster aus Biotinte können großflächige Wunden verschließen und für Brandopfer eine Alternative zur Eigenhauttransplantation sein. In zwei Parabelflügen zeigten die Wissenschaftler, dass der Druck der Biopflaster auch in der Schwerelosigkeit funktioniert. Somit könnten auch Raumfahrer damit versorgt werden.
Reststoffe. Die Münchner Twogee Biotech GmbH entwickelt maßgeschneiderte Enzymlösungen zur Umwandlung von bisher kaum genutzten Biomasserest- und -nebenströmen in nachhaltige Rohstoffe, beispielsweise Zucker für die industrielle Nutzung. Dabei setzt die prädiktive Enzymentwicklungsplattform von Twogee auf Enzym-Screening, StammEngineering und Fermentation. In einer Finanzierungsrunde warb das Start-up nun rund 2 Mio. Euro ein.
Impressum
Das Magazin |transkript erscheint vierteljährlich im Verlag der Knowbio GmbH, Jacobsenweg 61, 13509 Berlin | Germany Tel.: 030 / 26 49 21-0 | transkript@knowb.bio | www.knowb.io
Redaktion: Dr. Georg Kääb (V.i.S.d.P.), Maren Kühr www.transkript.de
Anzeigen: Oliver Schnell, Christian Böhm, Andreas Macht Tel.: 030/264921-45, -49, -54
Vertrieb: Nancy Weinert, Tel.: 030/264921-40
Herstellung: Martina Willnow
Gestaltung: Michaela Reblin/Martina Willnow
Druck: Möller Pro Media® GmbH
32. Jahrgang 2026, ISSN 1435-5272, Postvertriebsstück A 49017
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SUSANNE LEONHARTSBERGER CEO Axolabs GmbH
Die promovierte Biologin Susanne Leonhartsberger wechselte nach gut 20 Jahren bei der Münchner Wacker Chemie AG als CEO und Managing Director zu Axolabs mit Standorten in Kulmbach, Berlin und Petaluma (USA). Gleichzeitig wurde sie Executive Vice President und General Manager von LGC Axolabs. Bei Wacker leitete sie zuletzt den Bereich Biosolutions.
Was sehen Sie momentan, wenn Sie aus Ihrem Bürofenster schauen?
Den Himmel über Berlin.
Welches Ereignis hat Ihre Karriere geprägt?
Das Angebot, in die USA zu ziehen, um dort den regionalen Geschäftsbereich zu übernehmen. Das wollte ich machen, obwohl mein Sohn erst sechs Wochen alt war.
Was ist Ihre Motivation: „What makes you tick“?
Mit meinem Team Wirkstoffe entwickeln und herstellen, die schwere Krankheiten heilen können.
Wo kommen Ihnen die besten Ideen?
An der frischen Luft beim Bahnenschwimmen im Olympiabecken des Münchner Dantebads
Was war Ihr bisher größter Fehler?
Bei einer wichtigen beruflichen Entscheidung nur auf den Kopf gehört zu haben.
Welches Buch lesen Sie gerade bzw. haben Sie zuletzt gelesen?
„Zwei Leben“ von Ewald Arenz hat mich zuletzt begeistert und „No way home“ von T.C. Boyle.
Was ist die wichtigste ungelöste Frage der Biologie?
Wie auch Männer endlich Kinder auf die Welt bringen können. Das wäre ein großer Schritt Richtung wirkliche Gleichberechtigung.
Woran glauben Sie, das Sie nicht beweisen können?
Ich habe den tollsten Sohn der Welt.
Haben Sie ein Motto? Welches?
Meine Zukunft ist, was ich selbst daraus mache.
Flugscham? Von wegen!
Was früher leichtere Sitze und gestrichene Snacks bringen sollten, erledigt nun die Spritze: Laut einer Analyse von Jefferies könnten Abnehmmedikamente den großen US-Airlines bis zu 580 Mio. US-Dollar Treibstoffkosten sparen – einfach, weil die Passagiere leichter werden. Im Fokus der durchaus ernstgemeinten Analyse stehen unter anderem United Airlines und Delta Air Lines.
Die vier größten US-Fluggesellschaften werden 2026 voraussichtlich rund 38,6 Mrd. US-Dollar für Kerosin ausgeben. Schon eine Reduktion des durchschnittlichen Passagiergewichts um zehn Prozent könnte den Treibstoffverbrauch um bis zu 1,5 Prozent senken – und den Gewinn pro Aktie um rund vier Prozent steigern.
Wird der Amerikaner tendenziell leichter? Airlines kalkulieren ihren Spritbedarf mit standardisierten Durchschnittsgewichten. Wenn sich diese real verringern, fliegt rechnerisch weniger Masse mit – ganz ohne Umbau der Kabine. Jefferies verweist zudem auf sinkende Adipositasraten in den USA und eine stark gestiegene Nutzung von Abnehmpräparaten, inzwischen auch in Tablettenform.
Was dem Klima hilft, könnte der Bilanz der Fluggesellschaften schaden: Denn nicht eingepreist ist ein möglicher Nebeneffekt, wenn weniger Snacks verkauft werden. Dann könnte ein Teil der Einsparung durch Umsatzverluste in der Bordküche wieder verlorengehen. Ob man daher zum Aktienkauf von Fluggesellschaften raten sollte oder eher nicht, gehört glücklicherweise nicht zu den redaktionellen Kompetenzfeldern der |transkript-Redaktion – und wird von der Leserschaft hoffentlich auch nicht erwartet. •
Die nächste Ausgabe von |transkript wird sich unter anderem einem sträflich vernachlässigten Organ widmen: der Nase. Während das Geruchsempfinden je nach gewohnter Lebensumgebung abgestumpft oder feinziseliert sein mag, rückt die Nase als Ort für die Wirkstoffabgabe neu in den Fokus. Dies betrift nicht nur die naheliegenden Infektionserkrankungen der Atemwege, sondern – und das ist das Neue – auch eine einfachere Zugangsmöglichkeit zum Gehirn für Diagnostik und Therapie. Weitere Schwerpunkte sind geplant zu klinischer Entwicklung (CROs) und zu den DACHBiotech-Clustern. Anzeigenschluss ist der 4. Juni. Das Heft erscheint am 18. Juni 2026. www.transkript.de/werbung