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2015 7 8 tk leseprobe

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Life Sciences-Magazin I 21. Jahrgang

7-8/2015

Interview

ISSN 1435-5272 | A 49017

Peter Albiez, Chef von Pfizer Deutschland, über Konzernstrukturen, E-Health und Partnerschaften mit Start-ups

E B O R P LESE Bullenmärkte weltweit

Kommt die Geldflut in der Biotech-Branche an? Europa:

Österreich:

LABORWELT: Zellbiologie

Gleich zwei neue Allianzen wollen Antibiotika-Forschung international wieder deutlich voranbringen

Affiris startet nach Richtungsstreit mit neuem Vorstandsvorsitzendem und frischem Kapital durch

Neue zellbasierte Therapien und Diagnosetechniken für Krebs befeuern den Labormarkt

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Intro

Editorial

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Die Enttäuschung hinter den Kulissen war groĂ&#x;, liebe Leser, als die BioĂśkonomie als Beratungsthema fĂźr den G7-Gipfel auf Schloss Elmau doch noch abgewählt wurde. Aber dann: Der Ăźberraschende Beschluss der Regierungschefs, zwecks Erreichung des 2-Grad-Ziels im Klimaschutz bis 2050 den CO2-AusstoĂ&#x; um 70% zu verringern und bis zur nächsten Jahrhundertwende ganz auf fossile Energiequellen zu verzichten, ging wie ein Lauffeuer um die Welt. Erstmals entsteht damit politischer und vor allem wirtschaftlicher Druck, denn jetzt ist klar, dass selbst heute schon in den Bilanzen der Rohstoffkonzerne stehende Reserven eigentlich nicht mehr fĂźr den Energiemarkt ausgebeutet werden kĂśnnen. In den Tagen nach Bekanntwerden dieser Sensation konnte Andreas Mietzsch man in zahlreichen Medien Spekulationen darĂźber lesen, wie Herausgeber wir unter den neuen Bedingungen kĂźnftig leben und arbeiten werden. Zu meinem Ă„rger kamen biologische LĂśsungen dabei so gut wie nicht vor. Da traf es sich gut, dass die BIOCOM AG gemeinsam mit dem IWBio eine Ăśffentliche Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „BioĂśkonomie – Irrweg oder Industrielle Revolution?“ geplant hatte, die sich ursprĂźnglich mit den in dem Buch „Irrweg BioĂśkonomie“ von Franz-Theo Gottwald publizierten Thesen kritisch auseinandersetzen sollte. Nach dem aufsehenerregenden G7-Beschluss lag es nahe, das Thema BioĂśkonomie weniger theoretisch anzugehen. Lesen Sie dazu unseren Bericht auf Seite 26f. Da ich als Moderator aus ZeitgrĂźnden das Schlusswort, das mir auf der Zunge lag, nicht mehr anbringen konnte, kommt der dahinterstehende Gedanke jetzt hier: In den kommenden Jahrzehnten erĂśffnet sich die einmalige Chance, das wirtschaftliche Handeln des Menschen wieder in die natĂźrlichen Kreisläufe auf unserem Planeten einzugliedern. Das in der Entwicklung ungeheuer dynamische, aber schmutzige und nicht nachhaltige Kohle- und Ă–lzeitalter kĂśnnte sich in der RĂźckschau als eine historische Ausnahme erweisen. Alle Diskutanten – egal, ob aus der Wirtschaft, der Politik, dem Naturschutz oder der Wissenschaft – waren sich am Ende im Grunde einig, dass die BioĂśkonomie eine wichtige Rolle bei der LĂśsung der anstehenden Probleme spielen kann und sollte. Das ging sogar so weit, dass Professor Gottwald aus dem Publikum gefragt wurde, worin denn nun der in seinem Buch postulierte „Irrweg“ der BioĂśkonomie bestĂźnde. Der Autor wiederholte einige der Bedingungen, die seiner Meinung nach fĂźr eine gedeihliche Entwicklung der BioĂśkonomie unverzichtbar sind, und sagte schlieĂ&#x;lich mit entwaffnender Ehrlichkeit: „Im Ăœbrigen macht so einen Buchtitel der Verlag.“

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Während am Tag unseres Redaktionsschlusses die europäischen Häuptlinge in BrĂźssel noch hinter militärischen Absperrungen am Place Schumann die griechische TragĂśdie unserer Tage auffĂźhrten, ging es in der unmittelbaren Nachbarschaft im Centre Albert Borschette ganz konkret um den Ausbau der BioĂśkonomie: Bio-Based Industries, das sogenannte Joint Undertaking von EU-Kommission und Wirtschaft, hatte zu einer groĂ&#x;en Informationsveranstaltung mit Partnering geladen, an der mehrere hundert „Stakeholder“ teilnahmen. Und da gab es erfreuliche Neuigkeiten: Noch in diesem Jahr werden in zwei „Calls for Proposals“ insgesamt mehr als 200 Mio. Euro FĂśrdergelder ausgelobt. Der amtierende BBI-Direktor Barend Verachtert meinte denn auch unter Bezug auf den G7-Beschluss, dass man nun dabei sei, eine wirklich starke BioĂśkonomie in Europa aufzubauen.

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Etwas sang- und klanglos ging im |transkript-Heft 5/15 eine Reihe zu Ende, die fĂźnf Jahre lang fester Bestandteil unseres Magazins war. Unter dem einprägsamen Titel „Mensch & Unternehmen“ wurden in insgesamt 50 Folgen bemerkenswerte Unternehmer und Manager zusammen mit „ihrer“ Firma vorgestellt. Trotz der hohen Beliebtheit dieser Portraits schien es uns nach so langer Zeit angebracht, einmal etwas Neues zu beginnen. Im Mittelpunkt der neuen Reihe „GrĂźndergeist“ stehen wieder mutige Menschen und ihr Projekt, doch nicht mehr die Erfahrenen und Etablierten, sondern die ganz Jungen am Beginn ihrer unternehmerischen Laufbahn. Folge 2 finden Sie auf Seite 24.

www.transkript.de Itranskript I Nr. 7-8 I 21. Jahrgang 2015

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Wirtschaft

Wagniskapitalwelle

Inhaltsverzeichnis

Wissenschaft

Aktuelles in Kürze: Nabriva / Roche / Synlab / Curevac / Biotechnologietage / Mikroroboter / Biosimilars . . . . . . . . . . . . . . . . . 6

ISO-Standards für Datenmodellierung; Schlüsselprotein bei Epstein-Barr-Virus entdeckt; Fortschritte bei PränatalScreening und Infertilität . . . . . . . . . 35

Wirtschaft Pieris‘ US-Tochter strebt an Nasdaq . . 10 Cosmo-Spin-off Cassiopea geht an SIX

11

ACHEMA: Frankfurt bleibt Mekka der Prozesstechnik . . . . . . . . . . . . . . 12

8 Die Kapitalmärkte werden mit billigem Geld geflutet, an den Börsen steigen die Aktienkurse und es wird wieder mehr Wagniskapital investiert. Davon könnte auch die Biotechnologie-Branche in Deutschland, Österreich und der Schweiz profitieren. Laut einer Umfrage der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) haben 80% der antwortenden Mitglieder „keine Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Fremd- und Eigenkapital“. Trotzdem ist das Geld bei kleinen spezialisierten Biotech-Firmen knapp – im Gegensatz zu internationalen Konzernen. Bei denen scheint wieder das Übernahmefieber ausgebrochen. So eröffnete der US-Konzern Monsanto einen milliardenschweren Poker um den Schweizer Saatgutkonzern Syngenta.

G7: Rückenwind für 40 nachhaltige Biowirtschaft Die Regierungschefs der sieben Wirtschaftsmächte haben mit ihrem Abschlusskommuniqué einer Entwicklung ihrer Volkswirtschaften in Richtung einer Bioökonomie den Weg bereitet. Bis 2050 wollen sie den Ausstoß an CO2 um bis zu 70% senken. Darüber hinaus beschlossen die G7-Länder Anfang Juni im bayerischen Elmau, mittelfristig ganz auf fossile Energie zu verzichten. Außerdem soll in die Prävention und Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten investiert werden – zum Beispiel durch die Förderung erschwinglicher Medikamente, Impfstoffe und Schnelltests. Den Klima-Versprechungen sollen im Dezember auf dem Weltklimagipfel der Vereinten Nationen in Paris konkrete Beschlüsse folgen. I4

LESEPROBE

Diabetes-Forscher bauen Biobank mit Schweinegewebeproben auf; Interview mit Thomas Hünig zu Ex-Tegenero-Wirkstoff 36

Qiagen gründet Joint Venture mit Biotype Diagnostic; Actelion setzt auf Kohlenhydrat-Impfstoffe . . . . . . . . . 14

miRNA-Muster im Urin zeigt Brustkrebs an; Autoimmunkrankheiten: neue Biomarker entdeckt; Comeback von Sanofis Tuberkulose-Wirkstoff . . . . . . . . . . 37 Schalter für Lähmung von T-Zellen gefunden; PEI stellt Standard für Mykoplasmennachweis vor . . . . . . . 38

Börse aktuell . . . . . . . . . . . . . . 15-17 Medigene erhält 46 Mio. Euro . . . . . . 19 Interview: Pfizers Deutschland-Chef Peter Albiez geht auf Tuchfühlung mit der hiesigen Start-up-Szene . . . . . . . 20

Sternas DNAzym lindert Asthma; PEI-Forscher entdecken HIV-Radar . . . 39

Politik Schweiz legt Grundlage für PID-Zulassung, EFSI stärkt innovative Firmen . . . . . . 41

Patentkommentar. . . . . . . . . . . . 21 BIO Convention Philadelphia – von Superhelden bis Pannen alles dabei . . . 22 Gründergeist: Lunaphore Technologies SA . . . . . . . 24 Biotest nutzt Albumin-Linker aus Schweden; AMP Biosimilars mit zwei Lizenzpartnern in China; Scienion zieht es in die Materialforschung . . . . . . . 25

GVO: Gesetzentwurf sorgt für Streit unter deutschen Ministern . . . . . . . . . . . 42 Pro & Kontra: Brauchen wir eine späte Nutzenbewertung? . . . . . . . . . . . . 44 VfA-Zahlen: Medizinische Biotechnologie wächst weiter; BMEL fördert Hybridzüchtungen und Bioökonomie . . 45

Regionales

Wirtschaft der Zukunft: BioökonomieExperten sehen keinen Widerspruch zwischen Hightech- und sanften Lösungen . 26

Hightech-Strategie: Drei Life SciencesCluster sichern sich 4 Mio. Euro; Posse um Pfungstädter Biotech-Park. . . . . . 46

Lohnhersteller Cevec stellt neue Expressionsplattform vor . . . . . . . . 28

Studie belegt Nutzen von Sphäroiden; Nobelpreisträgertreffen in Lindau; ZIM-Förderung für Bremerhavener Cluster, Omics-Plattform in Berlin eröffnet . . . . 47

DVFA Life Sciences Conference: Big Data aus Sicht der Finanzanalysten . . . . . . 29 Mailänder Neuroimplantatehersteller Wise sucht Erfolg in Berlin . . . . . . . . 30 Aufbruchsstimmung auf Family Day des High-Tech Gründerfonds zu spüren . 31 Ticker: Klinische Studien . . . . . . . . 32 Mixer: |transkript persönlich, Kapital-O-Meter . . . . . . . . . . . . . 33

Gastbeitrag: Smartlab – Das intelligente Labor der Zukunft . . . . 48

Verbände . . . . . . . . . . . . . 50-53 Service Personalia . Termine . . Index . . . . Preise. . . . Letzte Seite

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Itranskript I Nr. 7-8 I 21. Jahrgang 2015

Abb.: pathdoc/fotolia.com

TiTel


KMU bilden 34 Antibiotika-Allianzen

Affiris: Kapitalspritze 18 bringt neuen Schwung FĂźr die Ăśsterreichische Biotech-Firma Affiris endet ein bewegtes Jahr mit einer vertrauensbildenden Finanzierungsrunde Ăźber 10 Mio. Euro. Seit Mitte Juni hat die Wiener Firma auĂ&#x;erdem wieder einen Vorstandsvorsitzenden: Seit einem knappen Jahr im Unternehmen wurde COO Oliver Siegel jetzt der Posten des CEO anvertraut. Nach einem Richtungsstreit hatten sich die Affiris-GrĂźnder Walter Schmidt und Frank Mattner aus ihrem Unternehmen zurĂźckgezogen. In den drei Monaten nach dem Abschied hatte Siegel mit den Investoren verschiedene Strategien fĂźr die Zukunft durchgespielt. Jetzt steht der Plan und die Firma kann mit dem frischen Geld weitermachen. Je die Hälfte des Investments kommt dabei von der Santo Holding und von den MIG Fonds.

Kleine und mittelständische Antibiotika-Entwickler aus ganz Europa kĂźndigten im Juni die GrĂźndung von gleich zwei Allianzen an. Das „Antibiotic Discovery Global Network“ will die in seinen Augen gestĂśrte F&E-Infrastruktur fĂźr Antibiotika durch FĂśrdermaĂ&#x;nahmen wieder aufbauen. Als zweite Interessengruppe formierte sich die „BEAM Alliance“, ein Zusammenschluss von 37 Antibiotika-KMU. Zu den Mitgliedern zählen Aicuris, Arsanis Biosciences und Bioversys. Mit einer gemeinsamen Stimme wollen die KMU sich politisch einbringen sowie die Zusammenarbeit der Firmen untereinander effektiver gestalten. Den groĂ&#x;en Pharmakonzernen dĂźrfte dabei die Rolle der Lizenzierung und Kommerzialisierung der von den KMU entwickelten neuen Wirkstoffkandidaten zufallen.

Ein lebendiges Netzwerk.

SPEZIAL: LABORWELT Zellbiologie III IV

Abb.: Affiris / Petra Spiola (oben), Graham Beards (Mitte)

Intro: Neue schĂśne Zell-Welt Interview: „Wir brauchen Standards fĂźr die Liquid-Biopsy“ VI Serie Labormarkt im Umbruch: Danaher – Zellteilung nach Endozytose von Pall VIII ddPCR-Technologie – Transkriptionsanalyse einzelner Zellen IX Migrationsassays – Zellen im „Live Ticker“ XI Kultivierung von Zellen unter kontrollierten Bedingungen XIV Nachrichten aus den Verbänden DiagnostikNet-BB, Ă–RRG und DGHM XV Expertenpanel: ABC der Zellphysik XVI Produkte XVIII Ausblick

Itranskript I Nr. 7-8 I 21. Jahrgang 2015

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Wirtschaft

| Lange von Analysten gefordert, ist es Ende Juni schließlich passiert: Actelion bricht auf zu neuen Ufern und gründet ein Start-up in einem neuen Therapiefeld. Als Hauptaktionär

Vaxxilons Spiritus Rector Peter Seeberger finanziert Actelion die Firma namens Vaxxilon über drei bis vier Jahre mit bis zu 30 Mio. Euro. Das Ziel des gemeinsam mit der Max-PlanckInnovation GmbH ins Leben gerufenen Startups: „Erforschung, Entwicklung und Vermarktung von synthetischen Impfstoffen auf Basis von Kohlenhydraten“. Dabei sollen vor allem Impfstoffe gegen bakterielle Infektionen ins Visier genommen werden. Großer Vorteil dieser Vakzine: ihre preiswerte Herstellung. Erfolgreiches und einziges Betätigungsfeld der Actelion Ltd war bisher der Lungenbluthochdruck. Nach zuletzt angehobener Gewinnprognose wurden gar Übernahmegelüste beim britische Pharmahersteller Shire geweckt. Dem Anschein nach sind diese aber erfolgreich abgeblockt worden. Vaxxilon hat die exklusiven Lizenzrechte für mehrere präklinische Impfstoffkandidaten sowie weitere Technologien übernommen. Die entsprechenden Patente gehen auf die Arbeit von Peter Seeberger vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam zurück. Der zeigte sich gegenüber |transkript erfreut über den Partner: „Klassische Impfstofffirmen haben sich auf ihre konservativen Ansätze versteift. Actelion hat den Mut, etwas Neues zu wagen.“ ActelionCEO Jean-Paul Clozel hofft, dass Vaxxilon „die synthetischen Impfstoffe auf Kohlenhydrat-Basis in den nächsten zehn Jahren wirtschaftlich nutzbar machen kann.“ Die Firma wird als schweizerische Aktiengesellschaft mit Firmensitz in Reinach geführt. Eine im Juli gegründete Berliner Tochter übernimmt die Forschungsarbeit. Die GmbH besteht zunächst aus vier Forschern des SeebergerTeams. Die Leitung von Vaxxilon übernimmt Actelion-Manager Tom Monroe. I 14

LESEPROBE

Multiplex-PCR Qiagen gründet mit Biotype Diagnostic ein Joint Venture Diagnostik-Spezialist Qiagen in Hilden hat ein Gemeinschaftsunternehmen mit der in Dresden ansässigen Biotype Diagnostic GmbH gegründet: Die Biotype Innovation GmbH solle die Entwicklung von Molekulardiagnostik-Produkten vorantreiben, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung Ende Juni. Die neuen Testverfahren basieren dabei auf Qiagens Modaplex-Plattform zum Nachweis und zur Charakterisierung von bis zu 100 Genen sowie den Test-Sets von Biotype Innovation. Der Vertrieb in Deutschland, Österreich und der Schweiz obliegt der Biotype Innovation, die Belieferung des Rests der Welt übernimmt Qiagen. Der Firmensitz des Gemeinschaftsunternehmens ist in Dresden, wo 2016 etwa 15 Arbeitsplätze entstehen sollen. „Sachsen ist ein guter Standort für uns“, betont Qiagen-Chef Peer Schatz. In Leipzig befindet sich Qiagens weltweites Kompetenzzentrum für Veterinärdiagnostik und gemeinsam mit Biotype Diagnostic wurde die globale Kommerzialisierung eines Testportfolios für die Forensik verwirklicht. „Die Tatsache, dass wir nun zum dritten Mal ‚Innovation Made in

Sachsen‘ weltweit vermarkten, spricht für die sächsische Forschungs- und Entwicklungskraft. Deshalb haben wir positive Erwartungen an diese Partnerschaft“, so Schatz. Biotype Diagnostic ist ein privat geführtes Unternehmen mit 30 Mitarbeitern, Qiagen ein Konzern mit 4.300 Angestellten an 35 Standorten. Die Zusammenarbeit der Partner geht auf einen Rechtsstreit im Jahr 2009 zurück. Biotype vertrieb damals seine Forensik-Tests auch außerhalb Deutschlands und verletzte dadurch Rechte Dritter. Qiagen focht damals den Streit für Biotype aus. Dafür verkaufte Biotype seine Sparte forensische Analysesysteme an Qiagen, konnte aber Hersteller seiner Produkte bleiben. Geleitet wird Biotype Innovation von Karim Tabiti, der den Aufbau der Plattform wie folgt beschreibt: „Sie verwendet zwei etablierte Verfahren – die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zur Vervielfältigung und die Kapillarelektrophorese (CE) als analytische Trennmethode. DNA- und RNA-Ziele können in einem einzigen Arbeitsgang erkannt und quantifiziert werden.“

Ministerpräsident von Sachsen Stanislaw Tillich (links), Geschäftsführer der Biotype Diagnostics Wilhelm Zörgiebel und Vorstandsvorsitzender der Qiagen Holding NV Peer M. Schatz (rechts) Itranskript I Nr. 7-8 I 21. Jahrgang 2015

Abb.: Biotype Innovation GmbH (oben), Ulrich Kleiner

Impfstoffe Actelion sichert sich zweites Geschäftsfeld


Wissenschaft

KMU: BEAM me up, Scotty Antibiotika Big Pharma hat das Thema Antibiotika mit der Innovative Medicines Initiative (IMI) auf die EU-Agenda gebracht. Nun schließen sich die kleinen Biotech-Unternehmen zusammen, die meist die neuen Wirkstoffe erdenken. Im Juni starteten sie zwei Allianzen. sagte Sir Anthony Coates, CSO von Helperby Therapeutics, anlässlich der Gründung des „Antibiotic Discovery Global Network“ in London. Ziel sei es, die „derzeit gestörte F&E-Infrastruktur für Antibiotika durch Fördermaßnahmen für Forschungsgruppen und kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) wiederaufzubauen.“ Die Rolle großer Pharmafirmen sieht er dabei in der Lizenzierung und Kommerzialisierung der von den Allianzmitgliedern entwickelten neuen Wirkstoffkandidaten.

Schreckensnachrichten über die künftige Ausbreitung antibiotikaresistenter Keime reißen nicht ab. So zitierten etwa Anfang Juni zahlreiche Tageszeitungen eine Studie der hochrangigen Charité-Antibiotika-Expertin Elisabeth Meyer, die für das Jahr 2050 jährlich 10 Millionen Todesfälle durch multiresistente Erreger vorhersagt. Indes war keine Rede davon, dass es sich um ein Spiel mit fiktiven Zahlen handelte – nämlich um die Modellierung der wirtschaftlichen Auswirkungen erdachter Resistenzszenarien durch Wirtschaftsprüfer von KPMG und Politikberater von RAND Europe im Auftrag der britischen Regierung. Denn verlässliche Daten außerhalb Europas und Nordamerikas, wo die Seuchenzentren CDC und ECDC jährlich 50.000 resistenzbedingte Todesfälle zählen, gibt es schlichtweg nicht. Gleichwohl muss das Problem Experten zufolge jetzt angegangen werden. „Ich bin kein Freund von Panikmache, aber man sollte den Ernst der Lage nicht unterschätzen“, so Marc Gitzinger, CEO des Schweizer Antibiotika-Entwicklers Bioversys gegenüber |transkript. „Wir haben nur noch wenige Medikamente, gegen die bakterielle Erreger keine Resistenz entwickelt haben. Fakt ist auch, dass resistente Pathogene wie MRSA zunächst in Intensivstationen auftreten, dann aber nachweislich auf die Bevölkerung übergreifen. Wie schnell das geht, kann niemand sagen – das Risiko ist aber da.“ Zwei Szenarien haben KPMG und RAND Europe untersucht und die wirtschaftlichen Konsequenzen errechnet: den Fall, dass im I 34

LESEPROBE

Jahr 2050 rund 40% oder aber 100% der Erreger resistent geworden sind. Ein Verlust von 2,5% bis 3,5% aller Bruttoinlandsprodukte der Welt wäre die Folge. Auch deshalb fordern die von Jim O’Neill angeführten Autoren des Ende Dezember veröffentlichten ersten „Review on Antimicrobial Resistance“, einen globalen 2 Mrd. US-Dollar-Fonds für die Entwicklung neuer Antibiotika zu schaffen. Dieser war auch ein Diskussionsthema auf dem G7Gipfel Anfang Juni im bayerischen Elmau (vgl. S. 40). Und Mitte Juni gab die Europäische Kommission zusammen mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) Forschern und Unternehmen eine Steilvorlage für die risikoreiche frühe klinische Entwicklung völlig neuer Antibiotika, für die Banken nie und nimmer Geld verleihen würden: Rund 100 Mio. Euro stehen im Rahmen des neugeschaffenen Kreditinstrumentes InnovFin Infectious Diseases in einer dreijährigen Pilotphase zur Verfügung. Die über sieben Jahre laufenden Kredite von 7,5 Mio. bis 75 Mio. Euro müssen mit Eigeninvestitionen unterlegt werden. Zusammen mit der Annahme eines globalen Aktionsplans der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegen Antibiotika-Resistenz wirkten die Maßnahmen wie eine Art Initialzündung. Fast zeitgleich kündigten kleine und mittelständische Antibiotika-Entwickler Mitte Juni die Gründung gleich zweier Allianzen, mit zum Teil identischen Mitgliedsfirmen an: „Wenn wir einen globalen Fonds wollen, müssen wir die Leute, die diese Unterstützung leisten können, mit den Entwicklern zusammenbringen“,

Als zweite Interessengruppe formierte sich die BEAM Alliance, ein Zusammenschluss von 37 europäischen Antibiotika-KMU. Zu den neun Gründungsmitgliedern zählen die deutsche Aicuris, die österreichische Arsanis Biosciences und die Schweizer Bioversys. „Mit der BEAM Alliance wollen wir den Firmen, durch deren Hände quasi jedes Antibiotikum der aktuellen globalen Pipeline gegangen ist, eine gemeinsame Stimme geben: den in der Frühphase der Antibiotikaentwicklung tätigen KMU“, erklärt Gitzinger. „Wir wollen politisch mitgestalten und uns als Partner bei den anstehenden Antibiotikainitiativen einbringen sowie die Zusammenarbeit von KMU untereinander effektiver gestalten.“ Die geringe Innovation in den vergangenen 50 Jahren sieht er als Teil des aktuellen Resistenzproblems. „Was wir brauchen, ist eine Förderung auch gewagterer Ansätze, um neue Angriffspunkte anzusprechen. Hier kann die BEAM Alliance helfen. Denn viele Wirkstoffe ihrer Mitglieder befinden sich genau in dieser translationalen Entwicklungsphase.“ Viele Fragen wie die Preisbildung seien noch offen. Sie sollen in einem Ende dieses Sommers erscheinenden Weißbuch der BEAM Alliance diskutiert werden. „Wir brauchen ein Preis-Modell für Antibiotika, das deren Wert für die Gesundheitssysteme würdigt. Ob durch Einmalzahlung, höhere Preise oder F&EFörderung, dabei wollen wir mitreden.“ Bereits Ende Mai hatte das Europäische Parlament in einer Resolution gefordert, den Preis für Antibiotika von deren Absatz zu entkoppeln. t.gabrielczyk@biocom.de Itranskript I Nr. 7-8 I 21. Jahrgang 2015

Abb.: Abb.: Graham Beards

KMU bündeln Kräfte


Firmenindex

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IMPRESSUM Das Life Sciences-Magazin |transkript erscheint monatlich (mit zwei Doppelausgaben pro Jahr) im Verlag der BIOCOM AG Lützowstraße 33 – 36 10785 Berlin | Germany Tel.: 030/264921-0 Fax: 030/264921-11 E-Mail: transkript@biocom.de Internet: www.biocom.de Herausgeber: Dipl.-Biol. Andreas Mietzsch Redaktion: Dipl.-Biol. Thomas Gabrielczyk Dr. Bernd Kaltwaßer (V.i.S.d.P.) Maren Kühr Dr. Martin Laqua Anzeigen: Oliver Schnell, Christian Böhm, Andreas Macht Tel. 030/264921-45, -49, -54 Vertrieb: Marcus Laschke Tel. 030/264921-48 Herstellung: Benjamin Röbig Druck: H. Heenemann GmbH & Co. KG Bessemerstraße 83 – 91 12103 Berlin 21. Jahrgang 2015 Hervorgegangen aus BioTechnologie Das Nachrichten-Magazin (1986 – 88) und BioEngineering (1988 – 94) ISSN 1435-5272 Postvertriebsstück A 49017 |transkript ist nur im Abonnement beim BIOCOM-Verlag erhältlich. Der Jahresbezugspreis beträgt für Firmen und Institutionen 186 €, für Privatpersonen 94 € und für Studenten unter Vorlage einer gültigen Immatrikulationsbescheinigung 48 €, jeweils inkl. Mwst. und Porto. Auslandstarife auf Anfrage. Eine Abo-Bestellung kann innerhalb von zwei Wochen bei der BIOCOM AG schriftlich widerrufen werden. Das Abonnement gilt zunächst für ein Jahr und verlängert sich jeweils um ein weiteres Jahr, falls es nicht spätestens sechs Wochen vor Ablauf gekündigt wird. Bei Nichtlieferung aus Gründen, die nicht vom Verlag zu vertreten sind, besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung vorausbezahlter Bezugsgelder. Gerichtsstand, Erfüllungs- und Zahlungsort ist Berlin. Mitglieder der BIO Deutschland, der Deutschen Gesellschaft für Proteomforschung DGPF, der Fachabteilung LifeScience Research im VDGH, der VBU sowie der Biotechnologischen Studenteninitiative btS erhalten die Zeitschrift im Rahmen ihrer Mitgliedschaft. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stehen in der inhaltlichen Verantwortung der Autoren. Alle Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung darf kein Teil in irgendeiner Form reproduziert oder mit elektronischen Systemen verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Beilage: Fördergesellschaft IZB GmbH/ EBD Group/Deutsche Messe AG Titelbild: kasto/fotolia.com © BIOCOM AG ® BIOCOM ist eine geschützte Marke der BIOCOM AG, Berlin

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LESEPROBE

2mag 4Gene 4SC AG

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A Accanis Biotech GmbH 18 acCELLerate GmbH VII, XVI Actelion Ltd 14 AFFiRiS AG 18 AHF Analysentechnik AG XVI AiCuris GmbH & Co KG 34, 54 Alga Pangea GmbH 18 amp biosimilars AG 54 Anergis SA 54 Antares 30 Apo asset Management GmbH 29 Arsanis Biosciences GmbH 34 Atlante Seed 30 ATMI LifeSciences VII AyoxxA Biosystems GmbH 10, 31

B b-to-v Partners 30 Baader Bank 15 Bankhaus Lampe 15 BASF SE 10 Bayer AG 15 Bayer HealthCare 30, III, IV 16 BB Biotech AG Bio-Rad Laboratories GmbH VIII, XIII BioCampus Cologne Grundbesitz 35 BIOCOM AG 12, 26, XX, 31, 53, U3 BioCon Valley GmbH 54 Biofrontera AG 18, 33 BioLAGO e V 54 Bionicure 57 BioPark Regensburg GmbH 54 BioRegio STERN Management 54 biosaxony e V 39 BioTOP Berlin-Brandenburg 5 Biotype Diagnostic GmbH 14 Biotype Innovation GmbH 14 BioVersys GmbH 34 Boehringer Ingelheim 32 Boston Consulting Group 45 Brain AG 12, 26 Bristol-Myers Squibb 15 Bruker Daltonics Inc XVIII

C Calyxt Inc 43 Cassiopea 9 Cellectis SA 43 CEM GmbH VI, XVI, 32 CEVEC Pharmaceuticals 13, 28 Chubb Insurance Company Europe 3 Cibus Inc 42 Citibank III co don AG 54 Cosmo Pharmaceuticals 9, 11 Curevac GmbH 6 CytoTools AG 33

Danaher Group VII Dentons 21 Dermatools Biotech GmbH 18 Deutsche Börse AG 10, 15, 18 Deutsche Messe AG Beileger Devicor Medical Products VII Dimension Therapeutics 15

E Earlybird Venture Capital EBD Group Epigenomics AG Eppendorf AG Evivecare Evonik AG EY

31 Beileger 18, 33 XI, XIX 30 12, 15 22

F F3F 30 Finox Biotech AG 18 First Berlin Equity Research GmbH15 Flying Health GmbH 29 Fördergesellschaft IZB 7, 23, Beileger

G Global Bioenergies SA Glyconic GNA Biosolutions GmbH Grünenthal GmbH

18, 35 57 18, 33 54

MVM Life Science Partners LLP Myopowers

31 30

N Nabriva Therapeutics AG 6, 9, 54 New Brunswick XII New England Biolabs GmbH U2 Nobel Biocare VII Novartis AG 32, 33 Noxxon Pharma AG 32

O OMNI Life Science GmbH III, IX, XVI Oryx GmbH & Co KG 32 Otto Bock Healthcare GmbH 30 Oxford Nanopore Technologies 36

P Pall Corporation Pfizer Deutschland GmbH Pfizer Ltd PIERIS AG Pieris Pharmaceuticals Inc Piqur Therapeutics AG PricewaterhouseCoopers Promega GmbH

VII 20, 21 15 9 10 32 9 XV

Q Qiagen NV Qmilch Deutschland GmbH

14 33

R

H Haplogen GmbH III HIC Discovery GmbH 31 High-Tech Gründerfonds 30, 31 Hirschmann Laborgeräte GmbH 12 HMW Innovations AG U4

RAND Europe 34 Retsch GmbH X Riemser Pharma GmbH 54 Roche AG 6, 15, III, 32 Roche Diagnostics GmbH 35

I/J

S

llumina Inc Isarna Therapeutics GmbH Johnson & Johnson

III 32 IV

K Kimberly-Clark Professional Köttermann GmbH & Co KG KPMG KWS SAAT AG

V 12 34 10

L Labco-Gruppe Leica Biosystems GmbH Life Science Nord Management LLS Rowiak Laserlabsolutions Lunaphore Technologies AG

6 VII XI 30 24

M Medical Adhesive Revolution Medigene AG Medistad Holding BV Memmert GmbH & Co KG Merck & Co Merz & Co GmbH & Co MIG Verwaltungs AG Mivenion GmbH Mologen AG Monsanto MorphoSys AG

30 18, 33 VII 12 15 54 10 31 15 10 15

Sanofi SA 37 Santhera Pharmaceuticals AG 16, 54 SAP AG 29 Sarstedt AG & Co IX, XVI Satorius AG 12 Sigma-Aldrich 35 Société Générale S A 15 SoloHill Corp VII Spark Therapeutics 15 sterna biologicals GmbH & Co KG 35 Syngenta 10 Synlab-Gruppe 6

T Taconic Biosciences II TeGenero Immuno Therapeutics 38 TheraMAB GmbH 38 ThermoFisher Scientific III Technische Universität München XVII

V Valneva SE Vaxxilon Veridex LLC Volterion

16, 18 14 IV 57

W Waldner Laboreinrichtung GmbH 57 Wise Srl 30

Itranskript I Nr. 7-8 I 21. Jahrgang 2015


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