reich
Die Digitalisierung benachteiligt
Wie kommen Armutsbetroffene mit der fortschreitenden Digitalisierung zurecht?
Erfahren Sie mehr auf Seite ⣠4
Notstand in der Jugendpsychiatrie
Fachpersonen verschiedener Berufsgruppen schliessen sich zusammen und lancieren ein erstes Projekt. ⣠28
Inhalt
Vielschichtige Herausforderungen: Wie die nationale Tagung Gesundheit & Armut die psychische Gesundheit in den Fokus rĂŒckt.
Foyer
4Digitalisierung â eine weitere Benachteiligung fĂŒr armutserfahrene Personen?
7Nationale Tagung «Gesundheit & Armut»
Abo-Service: b .ch/soziale-arbeit/impuls
Neue Ideen gegen den FachkrÀ emangel: Wer will nach der Pensonierung weiterarbeiten?
Aula
8 Wie wirkt Virtual Reality?
11Soziale Arbeit ist ⊠Gastbeitrag von Anna Rosenwasser
12Notizen
ForschungsstÀtte
14Können ErwerbstÀtige im Rentenalter den FachkrÀ emangel mildern?
17Fortschritte bei der Armutsbeobachtung
20Skizzen
21eingetaucht | aufgetaucht: Simone GĂ€umann âMigration und die Sehnsucht â eine Spurensuche
â¶ Gastbeitrag von Anna Rosenwasser, LGBTQ-Aktivistin, Seite 11
«Ich wĂŒnschte, man hĂ€tte uns beigebracht, dass Geschlecht nicht das zwischen den Beinen ist, sondern das zwischen den Ohren.»Adobe Stock, wetzkaz
Die Chance erkennen: Was geschieht, wenn sich eine Gemeindeabteilung mit Vielfalt beschÀ igt?
Werkstatt
22Mit einer psychischen BeeintrÀchtigung selbstbestimmt wohnen
25 Vielfalt als Chance: Eine Abteilung macht sich auf den Weg â Interview mit Alexandra Schneider, Abteilung Soziales, Gemeinde Ostermundigen
Netz
28 Notstand in der Jugendpsychiatrie: Wie ein Netzwerk Abhilfe scha en soll â mit Interview
Kalender
31Tagungen, Events, Infoveranstaltungen
31Impressum
Liebe Leser*innen
In einem GesprĂ€ch als FĂŒhrungskra realisieren, dass das GegenĂŒber nicht erreicht werden kann âist Ihnen das auch schon passiert? Möglicherweise ist die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter psychisch stark belastet und absorbiert. Die Frage, wie wir mit psychisch belasteten Mitmenschen in Verbindung kommen können, stellt sich uns in vielen, unterschiedlichen Alltagssituationen.
TscharlandDie Multikrise aus Klimawandel und Krieg belastet viele Menschen. Sie hat in der Schweiz insbesondere den Notstand in der Kinder- und Jugendpsychiatrie befeuert. Jetzt sind rasche Lösungen gefragt. Dabei spielt die Soziale Arbeit eine wichtige Rolle. Jugendliche sollten frĂŒh und niederschwellig Basisinformationen zum Thema mentale Gesundheit erhalten. Hierbei geht das Projekt «Wellguides», das wir Ihnen ab Seite 28 vorstellen, einen interessanten Weg.
Wie reagieren Sie, wenn Ihr Computer mal MĂ€tzchen macht? Die Digitalisierung ist auf dem Vormarsch, direkter Kontakt mit Menschen wird zur Ausnahme. Das kann fĂŒr Benachteiligte zu einer unĂŒberwindbaren HĂŒrde werden. Ein BFH-Projekt fragt nach den Grenzen der Digitalisierung â erfahren Sie mehr dazu ab Seite 4. Die Erkenntnisse aus diesem Projekt werden ĂŒbrigens neben anderen an der nationalen Tagung «Gesundheit & Armut» zur Diskussion gestellt. Wir laden Sie ein, im Juni gemeinsam mit uns der Frage nachzugehen, wie wir als Fachpersonen die soziale oder beru iche Integration unterstĂŒtzen können.
Aber vorerst freuen wir uns, mit Ihnen als Leser*in in Verbindung zu kommen, und wĂŒnschen Ihnen viel Inspiration bei der LektĂŒre.
Digitalisierung â eine weitere Benachteiligung
fĂŒr armutserfahrene Personen?
Die Digitalisierung verĂ€ndert viele Lebensbereiche. Diese Entwicklung fordert armutserfahrene Personen heraus und verschĂ€r ihre Benachteiligung. Die aktuelle ProDigitAll-Studie der Departemente Soziale Arbeit und Gesundheit zeigt die GrĂŒnde dafĂŒr auf und benennt Möglichkeiten, die Betro enen zu unterstĂŒtzen.
Digitale Technik vereinfacht fĂŒr viele Menschen den Alltag. Dies tri aber nicht fĂŒr alle zu. Wir bemerken, dass die Digitalisierung manche Menschen herausfordert. Das wird nicht nur im Berufsalltag der Sozialdienste erlebbar, sondern diese Beobachtung wird auch durch die Fachliteratur gestĂŒtzt. (Iske & Kutscher, 2020). Personen mit knappem und nicht gesichertem Einkommen â beispielsweise «Working Poors» oder Sozialhilfebeziehende â haben hĂ€u g weder intakte digitale GerĂ€te noch Möglichkeiten, diese regelmĂ€ssig anzuwenden oder sich fĂŒr die Anwendung weiterzubilden. Diese Personengruppe bevorzugt unter anderem deshalb eher den persönlichen Kontakt. Ein Zugticket zu lösen, kann fĂŒr sie bereits eine Herausforderung sein.
Ein Scheitern bei solchen digitalen Gehversuchen kann sogar als persönliche Niederlage wahrgenommen werden und bedeuten, dass entsprechende Automaten und GerĂ€te kĂŒn ig gemieden werden. Das kann eine schon benachteiligte Person nanziell noch zusĂ€tzlich beeintrĂ€chtigen. Um beim Beispiel Bahn zu bleiben: Ihr kann ein möglicher nanzieller Vorteil von Sparbilletten entgehen (HegedĂŒs et al., 2023).
Wie sieht es denn momentan bezĂŒglich digitaler Hilfsangebote fĂŒr Armutsbetro ene und Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen aus? Beide Gruppen verbindet, dass ihr Zugang zu UnterstĂŒtzungsangeboten erschwert ist. Gleichzeitig ist die Ho nung gross, ihre Situation mit digitalen Angeboten verbessern zu können. In den Sozialdiensten halten digitale UnterstĂŒtzungsangebote langsam, aber noch nicht Ă€chendeckend Einzug. Auf dem freien Markt und auch von gemeinnĂŒtzigen Organisationen werden, insbesondere in den USA, zahlreiche Apps fĂŒr Personen mit psychischen Erkrankungen zur VerfĂŒgung gestellt. Diese sind je nach gesundheitlichem Zustand begrenzt hilfreich.
Den Menschen nicht vergessen
Vor diesem Hintergrund haben wir gemeinsam mit weiteren Forschenden der BFH in einem interdisziplinÀren Forschungsprojekt in einem ersten Schritt die nationale und internationale Forschungsliteratur zum The-
ma Chancen und HĂŒrden der Digitalisierung fĂŒr die zwei vulnerablen Personengruppen armutserfahrene Personen und Personen mit schweren psychischen Erkrankungen aufgearbeitet. Anschliessend wurde untersucht, wie betro ene Personen diese Thematik selbst wahrnehmen und welche UnterstĂŒtzungsmöglichkeiten ins Visier zu nehmen sind. Aus dem Projekt gingen folgende zentrale Befunde hervor.
Methodisches Vorgehen
Mit einer systematischen Literaturrecherche identi zierten Forscher*innen der Departemente Soziale Arbeit und Gesundheit die relevanten Barrieren und Chancen bei der Nutzung digitaler Angebote und der Recherche nach Informationen im Netz. Der Fokus lag in der Sozialen Arbeit auf Armutsbetro enen und in der Gesundheit auf erkrankten Personen, die ambulante psychische P ege benötigen. Der Forschungsstand wurde systematisch aufgearbeitet und die Ergebnisse der zwei disziplinspezi schen Literaturrecherchen anschliessend zusammengefĂŒgt, analysiert und in Anlehnung an das Modell von Norgaard et. al. (2015) zur digitalen Gesundheitskompetenz (e-health literacy) systematisch sowie theoriebegrĂŒndet dargestellt und diskutiert.
Durch einen partizipativen Workshop mit Fachpersonen, Personen mit schweren psychischen BeeintrĂ€chtigungen und armutserfahrenen Menschen wurden die Ergebnisse der Literaturrecherche validiert und ergĂ€nzt. Die erstgenannte Personengruppe bezieht IV-Leistungen und kommt mit einem bescheidenen Einkommen aus, bezeichnet sich selbst aber nicht als arm. Die zweite, armutserfahrene Gruppe thematisiert selbst nicht, inwiefern die psychische Gesundheit ein Thema ist. Insbesondere konnten in den Workshops UnterstĂŒtzungsmöglichkeiten fĂŒr Betro ene skizziert werden. Das genutzte Vorgehen eignet sich, die Stimme der Betro enen festzuhalten und mit ihnen Lösungen zu entwerfen. Diese aktive Zusammenarbeit zwischen Betro enen und Fachpersonen, um LösungsvorschlĂ€ge gemeinsam zu entwickeln, wird als Co-Konstruktionsstufe des User-Involvements vulnerabler Gruppen bezeichnet (Chiapparini & Eicher, 2019).
Abbildung
1:
Kompetenzenmodell Interaktion
Individuum
FĂ€higkeit, Informationen zu verarbeiten
Motivation, sich fĂŒr die eigene Gesundheit einzusetzen
Motivation, sich mit elektronischen Hilfsmitteln zu beschÀ igen
GefĂŒhl von Sicherheit und Kontrolle
FĂ€higkeit, sich mit elektronischen Hilfsmitteln auseinanderzusetzen
soziale Interaktion
System
Zugang zu funktionierenden elektronischen Hilfsmitteln
an individuelle BedĂŒrfnisse angepasste elektronische Angebote
Digitale Gesundheitskompetenz von Armutsbetro enen und Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, HegedĂŒs et al. (2023)
Positive Aspekte der Digitalisierung
Im Alltag der betro enen Personen zeigen sich zwei positive Aspekte der Digitalisierung: Zum einen können digitale Medien ortsunabhĂ€ngig genutzt werden. Das ist mit einem knappen Budget fĂŒr MobilitĂ€t oder gewissen körperlichen EinschrĂ€nkungen von Vorteil. Zum anderen belegen Evaluationen im angloamerikanischen Kontext eine motivierende Wirkung, wenn betro ene Personen eine der zahlreichen Apps zur psychischen Gesundheit nutzen. Allerdings sind diese Befunde mit Vorsicht zu geniessen, weil es sich o um Untersuchungen handelt, die von Firmen geleitet wurden, die an den Apps beteiligt sind. Die zahlreichen Herausforderungen mit den Apps werden ebenfalls erwĂ€hnt. Diese spiegeln die grundsĂ€tzlichen Herausforderungen wider, denen Armutsbetro ene und Menschen mit starken psychischen BeeintrĂ€chtigungen begegnen.
Vielschichtige Herausforderungen
Die grundsĂ€tzliche Herausforderung ist, funktionierende GerĂ€te mit Netzzugang zur VerfĂŒgung zu haben. Wenn den Personen das GerĂ€t gehört, mĂŒssen sie es zudem instand halten. Gerade armutserfahrene Personen verfĂŒgen o mals nicht ĂŒber ausreichende nanzielle Mittel, um die Wartung der GerĂ€te sicherzustellen.
Die Herausforderungen können in einem Kompetenzenmodell mit drei Kategorien dargestellt werden. Abbildung 1 zeigt das Kompetenzenmodell und veranschaulicht unter dem Begri «System» als erste Voraussetzung den beschriebenen Zugang zu GerÀten. Weitere Herausforderungen fallen auf der Ebene des Individuums an. Erst wenn die Voraussetzungen dieser beiden
Kategorien gegeben sind, können die Massnahmen, auf die die Kategorie «Interaktion» hinweist, greifen (dazu mehr weiter unten).
Die Ergebnisse des Projektes zeigen, dass neben der Hard- und So ware auch die kundenfreundliche Gestaltung der Angebote einen Ein uss auf die Nutzung hat (Campellone et al., 2018).
Die Kategorie «Individuum» verweist auf digitale und damit verwandte Kompetenzen, wie Informationen rasch verarbeiten zu können. Die Literatur und die betro enen, befragten Personen nennen unter anderem fehlende Kenntnisse und gesundheitliche EinschrĂ€nkungen als Hindernisse. Ein Grund dafĂŒr ist unter anderem die schnelle Entwicklung im digitalen Umfeld. Damit werden rasche Lernprozesse nötig, die die kognitive LeistungsfĂ€higkeit der betro enen Personen herausfordern. Die Aussage einer betro enen Person aus dem Workshop verdeutlicht dies: «Die vielen Informationen erfordern eine hohe Aufmerksamkeit, ich kann diese nicht alle aufnehmen, insbesondere dann nicht, wenn es mir gesundheitlich nicht gut geht.»
Diese Herausforderungen scheinen Ungleichheiten zu verstĂ€rken und Ausschlussmechanismen zu fördern. VerstĂ€rkt wird diese Dynamik dadurch, dass Online-Ane, die aufgrund ihrer Herkun unter anderem einen schichtspezi schen Wissensvorsprung geniessen, auch stĂ€rker von der technischen Entwicklung pro tieren können und sich somit noch weiter von vulnerablen Personengruppen entfernen. Dazu kommt, dass digitale Angebote die soziale Isolation verstĂ€rken, statt soziale Kontakte zu fördern, wie es fĂŒr Armutsbetro ene und Menschen mit einer psychischen BeeintrĂ€chtigung nötig wĂ€re. â¶
Motivation ist der SchlĂŒssel
Basis- und Selbstkompetenzen zur Bedienung der GerĂ€te sind eine weitere wichtige Voraussetzung, um digitale Medien umfassend nutzen zu können. Diese Beobachtung bringt uns zu einem zentralen Aspekt unserer Erkenntnisse (vgl. Abbildung 1: Kompetenzenmodell, «Interaktion»), namentlich zu den Antworten auf folgende Fragen: Sind die betro enen Personen motiviert, digitale GerĂ€te im Alltag einzusetzen? Sehen sie fĂŒr sich darin einen Mehrwert?
Die Motivation basiert auf der BewĂ€ltigung der beiden anderen Herausforderungskategorien. Sie hĂ€ngt somit insbesondere vom Vorwissen der Befragten und von ihren Weiterbildungsmöglichkeiten ab. Hier spielen ebenfalls Vorerfahrungen eine Rolle. Die erfolgreiche Nutzung von Apps, Websites, Foren usw. hĂ€ngt also davon ab, ob die Person bereits erfolgreich ein digitales Angebot genutzt hat. Damit die Motivation, die allenfalls durch einen solchen ersten Erfolg entstanden ist, auch aufrechterhalten bleibt, muss die Nutzung auch einen Mehrwert bringen (Borghouts et al., 2021; Kalisch, 2013; Röhricht et al., 2021). Hier ist ein wichtiger Aspekt, dass die Personen bei der Handhabung unterstĂŒtzt werden, etwa durch Familienangehörige, andere nahestehende Personen oder Fachpersonen. Besteht dagegen kein entsprechendes Umfeld, kumulieren alle bisher genannten Herausforderungen und Ausschlussprozesse.
Aus der Literatur geht hervor, dass generell soziale Austauschmöglichkeiten sowohl online wie auch o ine gewĂŒnscht werden (Saeed & Masters, 2021). Der persönliche Kontakt kann motivieren, die digitalen Medien zu nutzen. Dies bestĂ€tigen auch die befragten, betro enen Personen: «Ich ziehe es vor, an den Schalter zu gehen, beispielsweise bei der Bank oder der SBB. Der direkte Kontakt ist mir wichtig.»
Rolle von Fachpersonen und Peers
Aus den Befunden geht auch hervor, dass Fachpersonen aus dem Sozialwesen eine zentrale Rolle zukommt. Sie können den Zugang zu digitalen Medien ermöglichen, Hemmschwellen abbauen und die selbstbestimmte Nutzung digitaler Medien fördern. GrundsĂ€tzlich sollten Fachpersonen zu diesem Zweck ihr eigenes Wissen ĂŒber digitale Medien aktualisieren und ausweiten. Dazu sollte ihnen eine bessere technische Ausstattung nanziert werden. Allerdings ist der Arbeitsalltag von Fachpersonen im Sozialwesen Ă€usserst dicht, und eine AlltagsunterstĂŒtzung Betro ener im Bereich digitaler Medien ist mangels Abrechnungsmöglichkeiten meist nicht vorgesehen.
Im Sinne einer Minimallösung sollten Fachpersonen des Sozialwesens betro ene Menschen darĂŒber informieren können, wo sie entsprechende UnterstĂŒtzungsangebote nden. Interessanterweise zeigen die Befunde hier einen möglichen Weg auf. Die UnterstĂŒtzung durch Peers könnte besonders nĂŒtzlich sein. Die Idee: Personen, die selbst von Armut oder psychischen Problemen betro en sind, könnten entsprechendes Wissen weiter au auen und die Zielgruppe beraten. Entsprechende Hilfe hĂ€tte den Vorteil, dass sie bei der Zielgruppe besonders akzeptiert wĂ€re und sehr niederschwellig erfolgen könnte.
Der nĂ€chste Schritt im Forschungsprojekt ist nun, konkrete VorschlĂ€ge zu formulieren, wie armutsbetro ene und beeintrĂ€chtigte Personen unterstĂŒtzt werden können. Ăbrigens: Wir und weitere am Forschungsprojekt beteiligte Forschende freuen uns, an der Nationalen Tagung «Gesundheit & Armut» (vgl. Seite 7) die Befunde einem breiteren Publikum vorzustellen und zu diskutieren. Der im Rahmen der Tagung geplante Workshop bietet eine interessante Gelegenheit, die VorschlĂ€ge fĂŒr mögliche UnterstĂŒtzungsformen zu erweitern. âȘ
Literatur: â
Borghouts, Judith, Eikey, Elizabeth, Mark, Gloria, Leon, Cinthia, de Schueller, Stephen, Schneider, Margaret, Stadnick, Nicole, Zheng, Kai, Mukamel, Dana & Sorkin, Dara. (2021). Barriers to and Facilitators of User Engagement With Digital Mental Health Interventions: Systematic Review. Journal of medical Internet research, 23(3), e24387. doi.org/10.2196/24387
â Chiapparini, Emanuela & Eicher, VĂ©ronique. (2019). Der Ansatz User Involvement in der Sozialen Arbeit â AnknĂŒpfungspunkte fĂŒr Praxis-, Forschungs- und Ausbildungsprojekte in der Schweiz. Schweizerische Zeitschri r Soziale Arbeit, (Ausgabe), 117â134.
â Hatch, Ainslie, Ho man, Julia, Ross, Ruth & Docherty, John. (2018). Expert Consensus Survey on Digital Health Tools for Patients With Serious Mental Illness: Optimizing for User Characteristics and User Support. JMIR Mental Health, 5(2). doi.org/10.2196/mental.9777 â
HegedĂŒs, Anna, Domonell, Kristina, Willener, Daniela & Chiapparini, Emanuela. (2023). Digitalisierung. HĂŒrden und Chancen r vulnerable Personengruppen (ProDigitAll). Bern: Berner Fachhochschule.
â Iske, Stefan & Kutscher, Nadja. (2020). Digitale Ungleichheit im Kontext Sozialer Arbeit. In Nadja Kutscher, Thomas Ley, Udo Seelmeyer, Friederike Siller, Angela Tillmann & Isabell Zorn (Hrsg.), Handbuch Soziale Arbeit und Digitalisierung (S. 115â128) Weinheim & Basel: Beltz Juventa.
â Kalisch, Carolin. (2013). «Wer suchet, der ndet»: Wie inklusiv ist das Internet? Siegen: Sozial(1/2013), 30â36.
â Kessler, Dorian, Höglinger, Marc, Heiniger, Sarah, LĂ€ser, Jodok & HĂŒmbelin, Oliver. (2021). Gesundheit von Sozialhilfebeziehenden â Analysen zu Gesundheitszustand, -verhalten, -leistungsinanspruchnahme und Erwerbsreintegration: Schlussbericht zuhanden Bundesamt r Gesundheit. Bern & Winterthur: Berner Fachhochschule; ZĂŒrcher Hochschule fĂŒr angewandte Wissenscha en.
â Norgaard, Ole, Furstrand, Dorte, Klokker, Louise, Karnoe, Astrid, Batterham, Roy, Kayser, Laus & Osborne, Richard H. (2015). The e-health literacy framework: A conceptual framework for characterizing e-health users and their interaction with e-health systems. Knowledge Management & E-Learning: An International Journal, 522â540. doi.org/10.34105/j.kmel.2015.07.035
â Röhricht, Frank, Padmanabhan, Raguraman, Bin eld, Paul, Mavji, Deepa & Barlow, Sally. (2021). Simple Mobile technology health management tool for people with severe mental illness: a randomised controlled feasibility trial. BMC psychiatry, 21(1), 357. doi. org/10.1186/s12888-021-03359-z
Saeed, Sy Atezaz & Masters, Ross MacRae. (2021). Disparities in Health Care and the Digital Divide. Current psychiatry reports, 23(9), 61. doi.org/10.1007/s11920-021-01274-4
⊠forscht und lehrt zu folgenden Themen: Partizipation in der Armutspolitik, soziale Aspekte der Digitalisierung, schulergÀnzende Betreuung, Kindesschutz und Elternbildung.
Daniela Willener, Wissenscha liche Assistentin am Institut daniela.willener@b .ch
⊠forscht und lehrt im Bereich Kindes- und Erwachsenenschutz, Kinder-, Jugend- und Familienhilfe sowie Beratung in der Sozialen Arbeit.
Psychische Gesundheit
Armutsbetro ener stĂ€rken âBarrieren in der
Versorgung abbauen
Am 7. Juni 2023 fĂŒhrt die BFH bereits zum fĂŒn en Mal die nationale Tagung «Gesundheit & Armut» durch. Im Fokus steht diesmal die psychische Gesundheit âein Thema, zu dem die BFH auch eigene Projekte vorstellt, so in einem Workshop das Projekt zu Chancen und Risiken der Digitalisierung fĂŒr Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen (vgl. Artikel ab S. 4).
Zwei Hauptfragen stehen am 7. Juni 2023 im Zentrum: Die erste Frage ist jene nach den Mitteln und Wegen, die es armutsbetro enen Personen mit psychischen BeeintrĂ€chtigungen ermöglichen, möglichst niederschwellig und informell einen Zugang zu Massnahmen zu nden, die ihre psychische Gesundheit prĂ€ventiv oder unterstĂŒtzend fördern. Ist der Zugang einmal gefunden, stellt sich sogleich die zweite Frage: Wie können Armutsbetro ene mit psychischen BeeintrĂ€chtigungen durch das professionelle, institutionalisierte Versorgungssystem so unterstĂŒtzt werden, dass sie idealerweise sozial und/oder beru ich integriert bleiben oder bei Bedarf sozial und/oder beru ich reintegriert werden?
Diese beiden Hauptfragen werden von Fachpersonen mit unterschiedlichem Wissen aus Wissenscha , Praxis und erlebter Erfahrung in verschiedenen Formaten beleuchtet. So werden die akademischen Referate von Stéphane Cullati (UniversitÀt Freiburg), Claudine Burton-Jeangros (UniversitÀt Genf) und Dirk Richter (Berner Fachhochschule) durch zwei DiskussionsgefÀsse ergÀnzt: WÀhrend im einen Betro ene zu Wort kommen, die die RealitÀt eines Alltags mit psychischen BeeintrÀchtigungen erlebt haben, treten im anderen Vertreter*innen von Wissenscha , Praxis und Politik in einen Dialog zum Tagungsthema.
Ein Zeitfenster der Tagung steht fĂŒr Workshops zur VerfĂŒgung: In insgesamt sieben Workshops, die parallel durchgefĂŒhrt werden, stellen Hochschulen und
NGOs aktuelle Forschungs- und Praxisprojekte zum Tagungsthema vor und tauschen sich mit den Teilnehmenden aus. Philippe Perrenoud, Psychiater und langjÀhriger Gesundheitsdirektor des Kantons Bern, wird die facettenreiche Tagung in einer Synthese abschliessen und abrunden.
Anmeldungen fĂŒr die Tagung, die zweisprachig durchgefĂŒhrt und auch digital angeboten wird, sind bis zum 7. Mai 2023 möglich.
5. Nationale Tagung «Gesundheit & Armut»
7. Juni 2023, 9.15â16.30 Uhr, Hallerstrasse 10, 3012 Bern (Aula) oder virtuelle Teilnahme
Melden Sie sich bis zum 7. Mai 2023 an: b .ch/soziale-arbeit/gesundheit
Die Tagung steht im Zeichen des strategischen BFHThemenfelds «Caring Society», das ein besonderes Augenmerk auf die ZusammenhÀnge zwischen Gesundheit, Lebensgestaltung und sozialen Lebenslagen richtet. Bereits seit 2014 organisiert die BFH diesen Anlass in Zusammenarbeit mit zahlreichen renommierten Partnerorganisationen und -institutionen aus Zivilgesellscha , Verwaltung und Wissenscha , um verschiedenste Aspekte an der Schnittstelle von Gesundheit und Armut zu beleuchten.
Wie wirkt
Virtual Reality?
Kann Virtual Reality die Entwicklung professioneller Kompetenzen e ektiv fördern? Wie lÀsst sich die Wirkung erklÀren? Und welche Herausforderungen stellen sich in der Anwendung in der Ausbildung, Weiterbildung und Praxis? Wir berichten aus sechs Jahren Erfahrung mit unserem Virtual-Reality-Labor.
Interaktionen mit Klient*innen ĂŒben â ohne sie? Ja, klar, das geht! Immersive Virtual Reality ist eine Technologie, die es erlaubt, in virtuelle Welten einzutauchen und mit kĂŒnstlichen Personen (Avataren) zu interagieren. FĂŒr die Soziale Arbeit bietet sich dies sogar besonders an. Da durch Ăben FĂ€higkeiten und Kompetenzen erst angeeignet und entwickelt werden, ist diese simulierte Form der Interaktion ohne Klient*innen nicht nur aus praktischen, sondern auch aus ethischen GrĂŒnden angezeigt: Die Interaktion mit Klientinnen und Klienten erfordert aufgrund von deren Hilfe- und UnterstĂŒtzungsbedarf hinreichendes Können.
VielfÀltige Trainingssettings
Das Departement Soziale Arbeit hat 2017 ein VirtualReality-Labor lanciert und Trainingssettings fĂŒr die Entwicklung der professionellen Kompetenzen der Bachelor-Studierenden entwickelt. Zu Beginn stand die Beratung als zentrale Form der UnterstĂŒtzung durch die Soziale Arbeit im Zentrum. Zur Auswahl stehen heute Trainingssettings fĂŒr FĂ€lle aus der Schulsozialarbeit, der Kinder- und Jugendhilfe, der betrieblichen Sozialarbeit, der kirchlichen Sozialarbeit, der klinischen Sozialarbeit, der sozialpĂ€dagogische Familienbegleitung, der Opferhilfe und der Beratung von Menschen in der Lebensphase Alter. GrundsĂ€tzlich können sich die Verantwortlichen vielfĂ€ltige professionelle Handlungskompetenzen mit dieser Technologie aneignen und diese entwickeln. Mittlerweile wurden auch Trainingssequenzen zur Au rittskompetenz und fĂŒr BewerbungsgesprĂ€che entwickelt.
Die Trainingsumgebung
Das Virtual-Reality-Setting simuliert professionelle Handlungssituationen mit virtuell handelnden Personen in einer virtuellen Umgebung. Die ĂŒbende Person taucht in diese Welt mit einer Virtual-Reality-Brille ein. Die zwei in den beiden Seiten der Brille eingelassenen Bildschirme reprĂ€sentieren die virtuelle Umgebung und die virtuellen Personen stereoskopisch. Ein Kop örer gibt die Umgebung und das Sprechen der virtuellen Personen akustisch wieder. Die virtuelle Umgebung, die
Handlungssituationen und Interaktionen sind programmiert. Sie folgen einem Skript und sind in diesem Sinne standardisiert und wiederholbar. Das Training erfolgt im Virtual-Reality-Labor, das die Infrastruktur fĂŒr das Training bereitstellt.
Eine gewisse Skepsis, wie ein solches Trainingssetting professionelle Handlungskompetenzen fördern kann, mag angebracht sein. Die Wirkung erklÀrt sich aber nicht aus diesem Trainingssetting allein, sondern aus der Re exion des eigenen Handelns in dieser Situation. Deshalb sei das weitere Setting kurz erlÀutert.
Vorbereitung â Training â Re exion
Als Vorbereitung fĂŒr das Virtual-Reality-Training lesen die Studierenden ein Dossier mit Informationen zum Trainingssetting. Als Teil der Instruktion klĂ€rt es den Au rag im Training, besondere Themen oder Probleme, die behandelt werden, und die Frage, auf welchen Ebenen der Interaktion diese angesprochen werden sollen. In der zweiten Phase nehmen die Studierenden einzeln Termine im Virtual-Reality-Labor wahr und absolvieren das Training. Dieses dauert sinnvollerweise nicht zu lange â in unseren Trainingssequenzen sind es etwa zehn Minuten, die auf Video aufgezeichnet werden. Die aufgezeichneten GesprĂ€che stehen den Studierenden anschliessend zur VerfĂŒgung und bilden die Grundlage fĂŒr die Selbstre exion oder â wie in unseren Lehrsettings ĂŒblich â fĂŒr PeergruppengesprĂ€che mit Lehrpersonen. In diesen PeergruppengesprĂ€chen visieren die Studierenden gemeinsam mit einer Lehrperson die Aufnahmen. Die inhaltlichen Ăusserungen sowie das para- und nonverbale Verhalten der Studierenden werden gemeinsam beobachtet, re ektiert und analysiert. Gleichzeitig können die individuellen Interventionen und Reaktionen der einzelnen Studierenden verglichen werden.
Kompetenzerwerb ĂŒber kritische Selbstre exion
Die Entwicklung komplexer Kompetenzen, die nicht allein durch Wiederholung des Ganzen oder in Teilen eingeĂŒbt werden können, erfolgt ĂŒber die kritische Selbstre exion (vgl. Zdunek, im Erscheinen). Einzig in -
dem wir unser Handeln in den Aspekten unseres Tuns, Denkens und FĂŒhlens re ektieren und SchlĂŒsse in unser kĂŒn iges Handeln ein iessen lassen, können wir unsere Kompetenzen und letztlich uns als Persönlichkeiten weiterentwickeln. Alles andere wĂ€re mechanisches oder technisches Abrichten. Es besteht Einigkeit darĂŒber, dass gerade die Nicht-Standardisierbarkeit das professionelle Handeln auszeichnet. Das skizzierte Trainingssetting unterstĂŒtzt die kritische Selbstre exion sehr stark â nicht zuletzt deswegen, weil wir uns mit den Peers vergleichen. Dies erweitert das Repertoire um alternative Verhaltensweisen.
Wirkt Virtual Reality?
Diese ErklĂ€rung kann man als A-priori-Evidenz fĂŒr die Wirkung der Virtual-Reality-Technologie bezeichnen. Der wissenscha liche Anspruch verlangt jedoch auch nach empirischer Evidenz fĂŒr die Wirkung. Um herauszu nden, wie und ob das Beratungstraining wirkt, wurden die Studierenden befragt. Die Daten ĂŒber die Entwicklung der eigenen Beratungskompetenz durch das Virtual-Reality-Training wurden im Herbstsemester 2017, im FrĂŒhlingssemester 2018 und kĂŒrzlich wieder im Herbstsemester 2022 erhoben. Wir fragten die Studierenden, wie sie die eigene Beratungskompetenz nach dem Training insgesamt â also inklusive der
Auswertung im lehrpersonenbegleiteten PeergruppengesprĂ€ch â einschĂ€tzen. Schon in der ersten Erhebung 2017/18 zeigte sich, dass das Training und das begleitende PeergruppengesprĂ€ch einen statistisch signi kanten Ein uss auf die selbst eingeschĂ€tzte Beratungskompetenz vor und nach dem Training haben. Nach dem Training und dem PeergesprĂ€ch schĂ€tzen sich die Studierenden signi kant besser ein als vor dem Training (vgl. Abplanalp & Bachmann, 2019). Im Herbstsemester 2022 wurde die EinschĂ€tzung der Beratungskompetenz nur nach dem Virtual-Reality-Training erhoben. Auch diese neuen Daten bestĂ€tigen die Ergebnisse der vorangehenden Erhebungen (vgl. Bachmann, Born & Zdunek, im Erscheinen).
Herausforderung Akzeptanz
Neben der Frage, wie eine technisch unterstĂŒtzten Trainingsform wirkt, stellt sich auch die Frage nach deren Akzeptanz bei den Anwender*innen. Von der Akzeptanz hĂ€ngt schliesslich auch der strategische Umgang mit dieser neuen Technologie ab: Wollen wir in die immersive Virtual-Reality-Technologie investieren, die Technik und deren Anwendungen weiterentwickeln und diese in der professionellen Praxis, etwa im Rahmen von Weiterbildungen oder Dienstleistungen, etablieren? Die Frage der Akzeptanz stand im Zentrum der Erhebung im
Herbstsemester 2022 (vgl. Bachmann, Born & Zdunek, im Erscheinen). Wir massen sie anhand der EinschĂ€tzung, ob die Studierenden das Training auch in Zukun nutzen wĂŒrden. Die Ergebnisse zeigen ein neutrales, leicht positives Bild. Etwa die HĂ€l e der Studierenden wĂŒrde das Training auch in Zukun nutzen. Eine ErklĂ€rung fĂŒr die verhaltene Zustimmung könnte der Umstand sein, dass die Studierenden das Virtual-RealityTraining jeweils zum ersten Mal nutzten. Eine wiederholte Nutzung könnte die Akzeptanz steigern. Auf alle FĂ€lle kann die Akzeptanz der virtuellen Technologie fĂŒr Trainingszwecke auch bei der Generation der Digital Natives nicht als selbstverstĂ€ndlich vorausgesetzt werden.
Wir haben auch qualitative Daten bei den Dozierenden erhoben, die die PeergruppengesprĂ€che durchgefĂŒhrt haben. Hier zeigt sich, dass nicht das spezi sch Technische des Trainingssettings zentral thematisiert wurde, etwa das Erleben als beratende Person in einem Virtual-Reality-Setting und die Beratung eines Avatars statt einer Person, sondern Aspekte und E ekte des virtuellen Trainings. Dies bestĂ€rkt den Befund, dass das Virtual-Reality-Training die Re exion von Beratungskompetenzen nicht behindert. Die Beratungssituation wurde zum einen als kĂŒnstlich, die virtuelle Wirklichkeit und das Erleben in dieser aber gleichzeitig als ĂŒberraschend realistisch wahrgenommen. Irritationen ĂŒber die KĂŒnstlichkeit sollten daher nicht vorschnell als
Grenzen des Virtual-Reality-Trainings beurteilt werden. Im Gegenteil â solche Grenzen können zur Simulation und als VerstĂ€rker der Wahrnehmung und Re exion spezi scher Kompetenzen genutzt werden.
FĂŒr den Einsatz fĂŒr die professionellen Praxis etwa im Rahmen von Weiterbildungen oder Dienstleistungen ist aufgrund der Befunde zur Akzeptanz dennoch eine gewisse Skepsis angezeigt. Es wird darĂŒber spekuliert, dass Apple in naher Zukun eine Virtual-Reality/Augmented-Reality-Brille lancieren wird. Wenn wir an die Revolution durch das Smartphone denken, dann könnte sich die Situation bezĂŒglich der Akzeptanz aber schon in naher Zukun ganz anders ausnehmen. âȘ
Literatur:
âAbplanalp, Esther & Bachmann, Manuel David. (2019). Immersive Virtual Reality und Persönlichkeitsentwicklung in Hochschulausbildungen. In Stephanie Disler, Esther Abplanalp & Judith Studer (Hrsg.), Persönlichkeitsentwicklung in Hochschulausbildungen fördern: Aktuelles aus Forschung und Praxis (S. 146â161). Bern: Haupt Verlag.
âBachmann, Manuel David, Abplanalp, Esther & Born, Jonas. (2019). Erfahrungen mit Virtual Reality in der Ausbildung von Sozialarbeitenden. BFH Impuls, 2019 (1), 10â12.
âBachmann, Manuel David, Born, Jonas & Zdunek, AndrĂ©. (im Erscheinen). Förderung der Beratungskompetenz durch Immersive Virtual Reality. In Marc Weinhardt (Hrsg.), Forschen, Lehren und Lernen mit Simulation. Theoretische Konzepte und empirische Be nde aus der erziehungswissenscha lichen Professionalisierungsforschung. Weinheim: Beltz Verlag.
âZdunek, AndrĂ©. (im Erscheinen). Praxen, Tugenden und Phronesis: ein Ansatz zur inhaltlich orientierten Re exion zur Persönlichkeitsentwicklung. In Judith Studer, Shirin Sotoudeh & Esther Abplanalp (Hrsg.), Förderung der Persönlichkeitsentwicklung in Hochschulausbildungen. Band 2. Re exionsprozesse verstehen und begleiten. Bern: Haupt Verlag.
Prof. Dr. André Zdunek, Leiter Institut Fachdidaktik, Professionsentwicklung und Digitalisierung andre.zdunek@b .ch
⊠ist promovierter Philosoph und befasst sich an der BFH in Forschung und Lehre mit Professionstheorie, Hochschulbildung und Forschendem Lernen.
Prof. Dr. Manuel Bachmann, Dozent am Institut manuel.bachmann@b .ch
⊠ist promovierter Psychologe und befasst sich an der BFH mit Virtual Reality in Forschung, Lehre und Praxis. Er ist Leiter des Virtual-Reality-Labors.
Soziale Arbeit ist⊠von Anna Rosenwasser
Die Kolumne bietet eine Carte blanche fĂŒr Fachfremde und ö net den Blick fĂŒr das, was sie mit Sozialer Arbeit verbinden oder was an ihrer Arbeit sozial ist.
sich Ressourcen fĂŒr den schulischen Rahmen. In Bern gibt es einen queeren Buchladen namens «Queerbooks», wo von Fach- ĂŒber SachbĂŒcher bis hin zu Jugend- und KinderbĂŒchern alles zu nden ist (und sein Onlinekatalog ist eine gute Ausgangslage zum Schnuppern). Dazu kommen unterhaltsame Formate, wie der Zurich Pride Podcast â Beispiele fĂŒr niederschwellige Einstiege in queere Welten.
Das hier ist kein «Gay-is-okay»-Text. Denn das wissen Sie schon: Jeder Mensch soll sich selbst sein können. Ich schreibe dies alles unter der vorsichtigen PrĂ€misse, dass Leute, die im Bereich Soziale Arbeit tĂ€tig sind, grundsĂ€tzlich queerfreundlich sind. Der Grund, warum dieser Text hier steht, ist: Das reicht nicht. Weil es die Gefahr birgt, zu frĂŒh zufrieden mit sich selbst zu sein: Dass wir uns alle gern als o ene Menschen begreifen, tut zwar unserem Ego gut. Aber gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht. Wir können queere Menschen voll in Ordnung nden und trotzdem aus Versehen queerfeindlich handeln. Das ist das Fiese an Diskriminierung: Sie passiert nicht immer aus Absicht. Darum ist es wichtig, dass wir immer wieder dazulernen können. Und verzeihen, wenn Fehler passieren â uns selbst und einander.
Wir bewegen uns in einer Welt, in der wertefreies Wissen ĂŒber queere IdentitĂ€ten nur selten in der Schule beigebracht wird. Ich wĂŒnschte, ich hĂ€tte im BiologieUnterricht gelernt, dass Intergeschlechtlichkeit etwa so hĂ€u g ist wie Rothaarigkeit. Ich wĂŒnschte, wir hĂ€tten die Stonewall Riots im Geschichtsunterricht durchgenommen, BĂŒcher wie «Stone Butch Blues» im Englischund «Gegen den Hass» im Deutschunterricht gelesen. Ich wĂŒnschte, man hĂ€tte uns beigebracht, dass Geschlecht nicht das zwischen den Beinen ist, sondern das zwischen den Ohren; dass es Menschen gibt, die trans sind, und dass GeschlechtsidentitĂ€t sich auch ausserhalb mĂ€nnlicher und weiblicher Konstrukte bewegen kann.
Das alles passiert an den wenigsten Schulen, dessen mĂŒssen wir uns bewusst sein: Das Wissen ĂŒber lesbische, schwule, bisexuelle, trans, queere, intergeschlechtliche und asexuelle Menschen ist sehr unterschiedlich verteilt. Das ist der NĂ€hrboden fĂŒr Vorurteile, BerĂŒhrungsĂ€ngste und MissverstĂ€ndnisse. Und darum ist einer der wichtigsten Schritte fĂŒr uns alle, uns immer wieder neues Wissen anzueignen. Auf der Website eduqueer.ch nden
Ich werde in meinem Alltag als LGBTQ-Aktivistin o gefragt, wie man den eigenen Mitmenschen signalisieren könne, dass man queerfreundlich ist. Die Antwort lautet: besser nicht. Arbeitet man hingegen als Teil einer Institution, gibt es einige Optionen: Legen Sie queeres Informationsmaterial aus, etwa das Jugendmagazin «MilchbĂŒechli» und Flyer queerer Organisationen in Ihrer Region (Ăberblick auf der Website queer.li/ste). HĂ€ngen Sie Informationen ĂŒber unterstĂŒtzende Angebote aus, zum Beispiel fĂŒr du-bist-du.ch und die LGBTQI-Helpline. Gestalten Sie Ihre gesprochene und geschriebene Sprache so, dass sie alle Geschlechter willkommen heisst, und lernen Sie unbedingt, wie wir in der deutschen Sprache mit non-binĂ€ren Pronomen umgehen können. Gestalten Sie Anmeldeformulare so, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt (oder gar keines), und schreiben Sie innerhalb Ihres Teams die Pronomen in die Mailsignatur und online auf die Teamseite. Legen Sie Werte fest, die Sie in Bezug auf LGBTQIA vertreten. Und dann beziehen Sie Haltung, wenn es nicht einfach ist, wenn queerfeindliche VorfĂ€lle passieren. Ich persönlich glaube nicht an safe spaces; ich glaube an accountable spaces, wo Menschen Verantwortung ĂŒbernehmen fĂŒr das, was vorfĂ€llt.
Ich mache all diese VorschlĂ€ge, damit Sie sich nicht auf womöglich queere Personen konzentrieren, sondern darauf, ihre Strukturen queerfreundlich zu gestalten. Das stĂ€rkt einen queeren Menschen. Falls dieser sich irgendwann outen sollte â bei Ihnen oder im Kontext, in dem Sie arbeiten â, ist das ein Vertrauensbeweis. Outet die Person sich nicht, ist das bestenfalls ein Akt der Selbstbestimmung.
Ich weiss, das war jetzt viel. Das liegt daran, dass es noch viel zu tun gibt. Aber es liegt auch daran, dass wir viel tun können. Queere Menschen zu respektieren, ist eine Form der SuizidprĂ€vention. Ich verlange nicht, dass Sie es von Anfang an perfekt machen. Ich wĂŒnsche mir nur, dass wir alle unser Bestes geben. âȘ
Literatur:
âEmcke, Carolin. (2018). Gegen den Hass. Frankfurt am Main: S. Fischer.
âFeinberg, Leslie. (1993). Stone Butch Blues. Berlin: Krug & Schadenberg.
Neue Mitarbeitende
Daniela Willener
Was ich mag: Wasser in allen Formen, Berge, gute GesprÀche, an der Sonne sitzen, Konzerte
Was ich nicht mag: Intoleranz, zu wenig Zeit am Morgen
Daniela Willener arbeitet seit September 2022 als wissenscha liche Assistentin im Institut Kindheit, Jugend und Familie. Nach Abschluss des Bachelors in Sozialer Arbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz studiert sie aktuell im Master in Sozialer Arbeit. Sie war die letzten Jahre in unterschiedlichen Feldern der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe tÀtig. Zuletzt arbeitete sie auf einem polyvalenten Sozialdienst in den Bereichen Sozialhilfe, Kindes- und Erwachsenenschutz (AbklÀrung und Mandate) sowie im P egekinderwesen.
Tanja Stucki
Was ich mag: Familienzeit, Berge, Skifahren, Wandern und Sonnenstunden am Thunersee
Was ich nicht mag:Â Spinnen, Streit und schlechte Verlierer*innen
Mitte Oktober 2022 startete Tanja Stucki als Mitarbeiterin in der Studierendenadministration. Nach einer Detailhandelslehre mit KV war Tanja Stucki unter anderem bei der Beratungsstelle fĂŒr UnfallverhĂŒtung (bfu) und bei der Migros Klubschule tĂ€tig. Sie wird in erster Linie fĂŒr die Organisation und Administration der PrĂŒfungen im Bachelor Soziale Arbeit zustĂ€ndig sein und laufend weitere Aufgaben in der Studierendenadministration ĂŒbernehmen.
Ovian Ramanathas
Was ich mag:Â Tanzen, Musik, Zeichnen/ Animation und Mario Kart.
Was ich nicht mag:Â Datteln, negatives Denken und Social Media (leider wichtig fĂŒr meine Tanzkarriere)
Ovian «Ovi» Ramanathas hat nach Abschluss einer KV-Ausbildung an der bwd Wirtscha smittelschule ein Jahr als studentischer Mitarbeiter an der BFH im HR-Servicecenter gearbeitet. Seit Anfang Januar 2023 ist er im Departement Soziale Arbeit in der Studierendenadministration tĂ€tig und hil vorerst beim Curriculumswechsel mit. Danach wird er weitere administrative Arbeiten ĂŒbernehmen.
Alexandra von Allmen
Was ich mag: Schokobananen, Skifahren, Mountainbiken, das Meer, das Weltall und Science Fiction
Was ich nicht mag: DrÀngeln, Quitten, Ungerechtigkeit, Ober Àchlichkeit
Seit Februar ist Alexandra von Allmen als Kommunikationsspezialistin im Departement tĂ€tig. Sie verantwortet in dieser Funktion die kommunikative Begleitung von Events. Nach ihrem Abschluss in Medien- und Kommunikationswissenscha en an der Alpen-AdriaUniversitĂ€t Klagenfurt (AAU) in Ăsterreich war sie viele Jahre in der Privatwirtscha in internationalen Unternehmen engagiert. Sie war die letzten drei Jahre bei der BFH im Departement Architektur, Holz und Bau in der Kommunikation tĂ€tig.
Roberto Cassanello
Was ich mag:Â Ligurien und Piemont, gutes Essen, Podcasts, Zeit haben
Was ich nicht mag:Â DĂŒnkel, Riz Casimir, Wohnungssuche und Ungerechtigkeit
Roberto Cassanello arbeitet seit Februar 2023 als wissenscha licher Assistent am Institut Fachdidaktik, Professionsentwicklung und Digitalisierung. Vor vier Jahren hat er sein Studium mit einem Bachelor der BFH abgeschlossen. Seit 2018 arbeitete er als Sozialarbeiter in verschiedenen Sozialdiensten im Kanton Bern. Er arbeitet aktuell an seiner Masterthesis zum Thema «Empirie in der Praxis am Beispiel der gegenwÀrtigen Armutsforschung».
Nathalie Joder
Was ich mag: StÀdtereisen durch Europa, frische BettwÀsche, orientalisches Essen
Was ich nicht mag: Koriander im orientalischen Essen, Winter ohne Schnee
Nathalie Joder arbeitet seit Anfang MĂ€rz 2023 als wissenscha liche Mitarbeiterin im Institut Organisation und Sozialmanagement. Sie hat den Bachelor und Master in Sozialer Arbeit an der BFH absolviert. Zuletzt war sie mehrere Jahre fĂŒr einen Sozialdienst tĂ€tig, wo sie einerseits als fallfĂŒhrende Sozialarbeiterin, andererseits als Fachleiterin Beratung arbeitete. Im Rahmen dieser Anstellung war sie zudem am Au au eines neuen FallfĂŒhrungssystems (Citysonet) fĂŒr die StĂ€dte Bern, Basel und ZĂŒrich beteiligt.
Madlaina Jost
Was ich mag: Winter und Sommer in den Bergen, gute Diskussionen, das Leben in Bern
Was ich nicht mag: zu viel Stress, Ignoranz, Temperaturen ĂŒber 30°C â ohne AbkĂŒhlung in Sicht
Madlaina Jost ist seit dem 1. MÀrz Doktorandin am Institut Soziale Sicherheit und Sozialpolitik. Sie untersucht die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf Armut und Ungleichheit in der Schweiz mittels Steuerdaten. Davor hat sie an der UniversitÀt Bern gearbeitet und Soziologie studiert.
Mirjam KĂ€gi-Heck
Was ich mag: Schokolade, Lakritz, Tiervideos, Bewegung jeglicher Art, am liebsten draussen in der Natur
Was ich nicht mag: SUVs in der Stadt, Ignoranz, Unachtsamkeit
Mirjam KĂ€gi-Heck arbeitet seit MĂ€rz im Institut Beratung, Mediation, Supervision als Wissenscha liche Mitarbeiterin. Daneben ist sie als Paar- und Familienberaterin in der Beratungsstelle EheâPartnerscha âFamilie in Thun tĂ€tig. Sie studierte zunĂ€chst einige Semester Soziale Arbeit, ehe sie den Master in Psychologie abschloss. Erste Berufserfahrungen sammelte sie als fallfĂŒhrende Sozial- und ErlebnispĂ€dagogin im Chinderhuus Ebnit in Gstaad. Begleitend absolvierte sie die Weiterbildung zur Systemischen Beraterin (SG).
Die BFH â bald Ihre Arbeitgeberin? Interessante Jobs nden Sie unter b .ch/karriere
Bibliothek Soziale Arbeit
Notizen Informiert bleiben!
Luise Menzi
Was ich mag: Aha-Erlebnisse, gemeinsam Steine ins Rollen bringen, Gipfelaussichten Was ich nicht mag: nicht funktionierende Technik, GlĂŒhwein, ĂŒberfĂŒllte Trams
Luise Menzi ist seit MĂ€rz Dozentin im Institut Organisation und Sozialmanagement. Nach dem Studium in Soziologie, Geschichte und Völkerrecht an der UniversitĂ€t Göttingen promovierte sie in Geschichte zu Maritimer QuarantĂ€ne an der Uni Bern. Anschliessend half sie mit, den «Graduate Campus» zur Nachwuchsförderung von Doktorierenden und Postdocs an der Uni ZĂŒrich aufzubauen. In den letzten acht Jahren war sie Fachbereichsleiterin Rehabilitation bei ANQ â Nationaler Verein fĂŒr QualitĂ€tsentwicklung in SpitĂ€lern und Kliniken.
Rulla Sutter
Was ich mag: Polyrhythmen, GesprÀche beim Tee, clevere Aktivist*innen, Sonne im Gesicht
Was ich nicht mag: unre ektierte Privilegien und Diskriminierung
Rulla Sutter (Pronomen: keines oder sie) ist seit dem 1. MĂ€rz Doktorandin am Institut Soziale Sicherheit und Sozialpolitik. Rulla erforscht, was die stark gestiegene Nachfrage nach UnterstĂŒtzungsleistungen von NGOs wĂ€hrend Covid-19 ĂŒber die Soziale Sicherheit in der Schweiz aufzeigen kann, und promoviert ĂŒber die Themen soziale Ungleichheit, Armut und Migration im NFP-80 im Projektteam mit Oliver HĂŒmbelin und Madlaina Jost.
Die Bibliothek am Departement Soziale Arbeit ist eine wissenscha liche Spezialbibliothek. Das Angebot umfasst BĂŒcher, DVDs, Zeitschri en, Datenbanken, E-Journals und E-Books. Die Bibliothek ist ö entlich.
Ă nungszeiten: Montag bis Freitag, 8.00 bis 17.30 Uhr Hallerstrasse 8, 3012 Bern
b .ch/soziale-arbeit/bibliothek
VerkĂŒrzen Sie sich die Zeit zwischen den «impuls»-Ausgaben:
Lesen Sie ĂŒber Forschungen, spannende Veranstaltungen und Neuigkeiten aus Ihren Berufsfeldern. Abonnieren Sie den Newsletter des Departements unter b .ch/soziale-arbeit/newsletter, der zehnmal jĂ€hrlich erscheint.
Im BFH-Blog knoten-maschen.ch nden Sie noch mehr interessante Forschungsthemen der Sozialen Sicherheit. Mit einem Abo werden Sie regelmĂ€ssig ĂŒber neue BeitrĂ€ge im Blog informiert.
Folgen Sie uns auch auf LinkedIn linkedin.com/showcase/ b -sozialearbeit, um aktuelle Informationen ĂŒber die AktivitĂ€ten am Departement zu erhalten.
Können ErwerbstÀtige im Rentenalter den
FachkrÀ emangel mildern?
Der Schweizer Arbeitsmarkt kÀmp zurzeit mit verschiedenen Herausforderungen, die eng miteinander verbunden sind: die Digitalisierung und Automatisierung, der demogra sche Wandel und der FachkrÀ emangel. Ein Forschungsprojekt der BFH zeigt aktuell verschiedene Wege auf, wie ErwerbstÀtige im Rentenalter den Mangel an gut ausgebildeten FachkrÀ en lindern können.
Der FachkrĂ€ emangel in der Schweiz hat nach der BewĂ€ltigung der Corona-Pandemie einen historischen Rekordwert erreicht. Der FachkrĂ€ emangel-Index liegt 68 Prozent ĂŒber dem Vorjahreswert. Wie schon in den Vorjahren ist der FachkrĂ€ emangel im Gesundheitswesen und in der IT-Branche besonders ausgeprĂ€gt. Auf Rang drei liegen die Industrieberufe. In dieser Branche konnte im letzten Jahr ebenfalls eine markante VerschĂ€rfung des FachkrĂ€ emangels festgestellt werden (Adecco Group, 2022). Dies ist unter anderem den Megatrends der Digitalisierung und des demogra schen Wandels geschuldet, die sich in der Arbeitswelt besonders stark bemerkbar machen.
Herausforderung Digitalisierung
Durch die Digitalisierung und Automatisierung werden sich viele Berufsbilder verĂ€ndern oder ganz verschwinden, andere hingegen entstehen neu. Um die Merkmale in der digitalen Transformation zu beschreiben, wird o von der sogenannten VUCA-Welt gesprochen: volatility, uncertainty, complexity, ambiguity â auf Deutsch: UnbestĂ€ndigkeit, Unsicherheit, KomplexitĂ€t, Mehrdeutigkeit (Moskaliuk, 2019). Die VUCA-Welt fordert die Unternehmen auf verschiedenen Ebenen heraus. Sie sollten in der Lage sein, auf stĂ€ndig wechselnde wirtscha liche Rahmenbedingungen produktiv reagieren zu können, und sie sind darauf angewiesen, dass ihre BeschĂ€ igten auf allen Stufen ein hohes Mass an Anpassungs- und VerĂ€nderungsbereitscha aufweisen.
Deshalb ist es wichtig, dass Unternehmen die Sozialund Selbstkompetenzen ihrer Belegscha fördern. Dazu zĂ€hlt auch die StĂ€rkung der Resilienz der Mitarbeitenden. Wenn der Umgang mit neuen Technologien und der hohen Kadenz von Change-Prozessen als chronischer Stress empfunden wird, fĂŒhrt dies zu gesundheitlichen BeeintrĂ€chtigungen. Insgesamt nehmen die Anforderungen an BeschĂ€ igte im Zuge der Digitalisierung zu, der Bedarf an gut ausgebildeten FachkrĂ€ en steigt (Bennett et al., 2021).
Herausforderung demogra scher Wandel
Eine langanhaltende geringe Geburtenzahl bei gleichzeitig angestiegener Lebenserwartung hat unsere Gesellscha insgesamt Ă€lter werden lassen. Bei einer stabilen Wirtscha slage hat diese demogra sche Entwicklung zur Folge, dass die Zahl der Arbeitnehmenden und der FachkrĂ€ e nicht dem Bedarf auf dem Arbeitsmarkt entspricht. Dies fĂŒhrt bei den Unternehmen zu steigenden Kosten und einer aufwĂ€ndigeren Suche nach Mitarbeitenden (GrĂŒnenfelder & MĂŒller, 2017). Mit dem Eintritt der Babyboomer in das Rentenalter ist der demogra sche Wandel endgĂŒltig im Arbeitsmarkt angekommen. In den nĂ€chsten zehn Jahren treten zahlreiche ArbeitskrĂ€ e aus dem Arbeitsprozess aus und mĂŒssen adĂ€quat ersetzt werden. Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Finanzierung der Altersvorsorge, insbesondere der AHV. So nimmt die Anzahl der RentenempfĂ€nger*innen mit einem langen Rentenbezug deutlich zu. Die Zahl der Beitragszahlenden hĂ€lt damit nicht Schritt und die Finanzierung der Renten muss politisch neu ausgehandelt werden.
Der demogra sche Wandel fĂŒhrt also zu einer VerschĂ€rfung des FachkrĂ€ emangels. Von dieser Entwicklung sind jedoch nicht alle Branchen gleichermassen betro en. Die branchenspezi schen Unterschiede können mit den unterschiedlichen Altersstrukturen erklĂ€rt werden. Besonders betro en ist das Gesundheitswesen, in dem ĂŒber 28 Prozent der BeschĂ€ igten ĂŒber 50 Jahre alt sind. Im Gegensatz dazu sind in der vergleichsweise jungen IT-Branche weniger als 22 Prozent der BeschĂ€ igten ĂŒber 50-jĂ€hrig (Wunsch & Buchmann, 2019).
Der Wunsch, im Rentenalter weiterzuarbeiten
Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen gewinnt die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Menschen im Rentenalter immer mehr an Bedeutung. Dies auch deshalb, weil heute mehr Menschen als je zuvor auch nach dem Erreichen des Rentenalters die gesundheitlichen und fachlichen Voraussetzungen fĂŒr eine
Wunsch nach Weiterarbeit nach Geschlecht
Denken Sie, dass Sie nach Ihrer Pensionierung erwerbstĂ€tig bleiben, d.h. (Teilzeit) fĂŒr einen Lohn arbeiten?
GrĂŒnde fĂŒr das Weiterarbeiten GrĂŒnde gegen das Weiterarbeiten
fortgesetzte ErwerbstĂ€tigkeit erfĂŒllen. Im jĂ€hrlich durchgefĂŒhrten Barometer «Gute Arbeit» gaben im Jahr 2021 zwölf Prozent der ĂŒber 45-jĂ€hrigen Arbeitnehmenden an, nach ihrer Pensionierung auf jeden Fall weiterarbeiten zu wollen. Weitere 31 Prozent möchten dies eher tun. Personen, die nach ihrer Pensionierung weiterarbeiten möchten, sind also ungefĂ€hr gleich hĂ€ug wie Personen, die sich das nicht vorstellen können (Fritschi & Kraus, 2021).
Warum möchten die Befragten nach ihrer ordentlichen Pensionierung weiterarbeiten? Die hĂ€u gsten GrĂŒnde dafĂŒr sind der Spass an der Arbeit und das GefĂŒhl, t und gesund zu sein. Zwei Drittel der Befragten geben an, dass sie nanziell auf die Weiterarbeit angewiesen sind. Wer nach der Pensionierung lieber nicht weiter erwerbstĂ€tig bleiben möchte, gibt als hĂ€u gsten Grund an, dass er oder sie Zeit fĂŒr andere Dinge verwenden möchte. Rund ein Drittel fĂŒhlt sich gesundheitlich nicht in der Lage weiterzuarbeiten. Insgesamt kann festgestellt werden, dass das Potenzial an erwerbsfĂ€higen und motivierten Personen im Rentenalter noch lange nicht ausgeschöp ist.
Ein Forschungsprojekt gibt Gegensteuer und liefert Fakten
Die Entscheidung, ob eine Person ihre ErwerbstĂ€tigkeit nach der Pensionierung weiterfĂŒhren will oder nicht, hĂ€ngt somit von verschiedenen individuellen Faktoren ab. Dies zeigt eine systematische Literaturanalyse, die im Rahmen des Forschungsprojekts «ErwerbstĂ€tigkeit im Rentenalter» des Instituts Alter und des Instituts Soziale Sicherheit und Sozialpolitik durchgefĂŒhrt wurde. Zu den individuellen Faktoren gehören das soziale Umfeld, die nanzielle Situation, die persönliche Arbeitsgestaltung, der Gesundheitszustand sowie frĂŒhere Lebensentscheidungen, zum Beispiel eine FamiliengrĂŒndung oder Weiterbildung.
Das von swissuniversities nanzierte Forschungsprojekt legt einen besonderen Fokus auf die Ingenieurberufe. Diese Berufsgattung ist vom FachkrĂ€ emangel besonders stark betro en und zeichnet sich durch eine geringe beru iche MobilitĂ€t aus: Ingenieur*innen verfĂŒgen ĂŒber eine sehr spezi sche Ausbildung und bleiben ihrem angestammten Berufsfeld o treu. Das Potenzial fĂŒr Quer-
ForschungsstÀtte
hÀngt auch von gesetzlichen Regelungen im Bereich der AHV und der beru ichen und privaten Altersvorsorge ab (Braun-Dubler et al., 2022). Hier gilt es einiges zu beachten, wenn man ohne nanzielle Einbussen im Rentenalter erwerbstÀtig sein möchte.
Zwar scha die Rentenreform AHV 21neue Kombinationsmöglichkeiten von ErwerbstĂ€tigkeit und Rentenbezug, doch die gesetzlichen Möglichkeiten dĂŒr en dadurch noch nicht ausgeschöp sein. Mittels einer mehrstu gen Befragung internationaler Expert*innen und dreier Fallstudien will das Projekt aufzeigen, mit welchen staatlichen Massnahmen und gesetzlichen Rahmenbedingungen andere LĂ€nder die ErwerbstĂ€tigkeit im Rentenalter fördern. Dies soll ermöglichen, weitere konsensfĂ€hige und fĂŒr die Schweiz zugeschnittene Reformoptionen zu identi zieren.
Schliesslich hat das Projekt bereits einen Beitrag zur Sichtbarmachung des Themas in der Ă entlichkeit geleistet. In Zusammenarbeit mit Loopings und SIBA âSoziale Innovation Bern fand im Oktober 2022 im Berner Generationenhaus das Festival «Your Stage» zum Thema Arbeitswelten 60plus statt. Es inspirierte ĂŒber 260 Personen mit einem vielfĂ€ltigen Programm mit Workshops, Podiumsdiskussionen und Kurz-Coachings. Im kommenden Jahr ist eine Neuau age des Festivals geplant. âȘ
Literatur:
âAdecco Group (2022): FachkrĂ€ emangel Index Schweiz 2022
âBennett, Jonathan, Marti, Michael & Neuenschwander, Peter. (2021). Digitalisierung: Tausende SBB-Stellen von VerĂ€nderungen betro en. Die Volkswirtscha 1â2/2021, 37â39.
âBraun-Dubler, Nils, Frei, Vera, Kaderli, Tabea & Roth, Florian. (2022). Wer geht wann in Rente? Ausgestaltung und Determinanten des RentenĂŒbergangs. Hauptbericht. Forschungsbericht Nr. 5/22.1. Bern: Bundesamt fĂŒr Sozialversicherungen.
âFritschi, Tobias & Kraus, Simonina. (2021). Wer will nach der Pensionierung weiterarbeiten? knoten & maschen â BFH-Blog zur Sozialen Sicherheit.
âGrĂŒnenfelder, Peter & MĂŒller-Jentsch, Daniel. (2017). Es wird Ernst mit dem demographischen Wandel. Avenir Suisse.
âMoskaliuk, Johannes. (2019). VUCA-World: Was die Digitalisierung wirklich verĂ€ndert hat. In Johannes Moskaliuk (Hrsg.), Beratung r gelingende Leadership 4.0: Praxis-Tools und Hintergrundwissen r FĂŒhrungskrĂ€ e (S. 1â8). Wiesbaden: Springer Fachmedien.
âWunsch, Conny & Buchmann, Manuel. (2019). Demographischer Wandel verschĂ€r FachkrĂ€ emangel. Die Volkswirtscha 5/2019, 43â45.
einsteiger*innen ist gering. Dies macht eine weitere ErwerbstĂ€tigkeit ĂŒber das ordentliche Pensionsalter hinaus umso bedeutsamer. Anhand von Fallstudien verschiedener Ingenieurberufe werden hier bestehende Good Practices der WeiterbeschĂ€ igung im Rentenalter beleuchtet. Es werden HĂŒrden aus Mitarbeitenden- und Arbeitgebersicht identi ziert. ZusĂ€tzlich werden konkrete Handlungsempfehlungen fĂŒr Arbeitgebende formuliert und VorschlĂ€ge an politische EntscheidungstrĂ€ger*innen herangetragen.
Gesetzesreformen und à entlichkeitsarbeit nötig
Doch die ErwerbstÀtigkeit im Rentenalter wird nicht nur von individuellen Voraussetzungen und arbeitgeberseitigen Rahmenbedingungen geprÀgt, sondern sie
Prof. Dr. Peter Neuenschwander, Projektleiter & Dozent, Institut Soziale Sicherheit und Sozialpolitik peter.neuenschwander@b .ch ⊠promovierte an der UniversitĂ€t ZĂŒrich in Politikwissenscha . Er forscht und lehrt unter anderem zu den Themen Arbeitsintegration und ErwerbstĂ€tigkeit im Rentenalter.
Prof. Dr. Jonathan Bennett, Co-Leiter, Institut Alter jonathan.bennett@b .ch ⊠promovierte an der UniversitĂ€t ZĂŒrich in Psychologie. Er forscht und lehrt zur ErwerbstĂ€tigkeit im Rentenalter und weiteren Themen der alternden Gesellscha .
Fortschritte bei der
Armutsbeobachtung
ArmutsbekĂ€mpfung und -prĂ€vention benötigen fundierte Grundlagen. Das Modell fĂŒr ein Armutsmonitoring der Caritas und der Berner Fachhochschule BFH bietet dafĂŒr vielfĂ€ltige Möglichkeiten. FĂŒr den Kanton Baselland hat die BFH vor Kurzem ein solches Monitoring eingerichtet. Damit lassen sich die Armutslage erkennen und die ergri enen Massnahmen ĂŒberprĂŒfen.
In der Schweiz verfĂŒgen ĂŒberraschend viele Menschen nicht ĂŒber ein Einkommen, das fĂŒr ein Leben ĂŒber dem Existenzminium ausreicht. Im Jahr 2020 waren es 8,5 Prozent der Wohnbevölkerung, das sind 722 000 Menschen. Diese Menschen sind im ö entlichen Leben wenig sichtbar. In den letzten Jahren nahm die Armut sogar zu (BFS, 2022). Somit ist es einem immer grösseren Teil der Bevölkerung nicht möglich, mit dem steigenden Wohlstand Schritt zu halten. Das wir Fragen nach den Ursachen und Folgen dieser Entwicklung auf. Nur wenn VerĂ€nderungen richtig verstanden werden, können geeignete Massnahmen ergri en werden. Aus diesem Grund beau ragte das Parlament im Juni 2020 den Bundesrat, ein nationales Armutsmonitoring einzurichten (WBK SR, 2019). Bis ein solches realisiert ist, wird es jedoch noch mehrere Jahre dauern (Dubach, 2022).
Aktuell stellt das Bundesamtes fĂŒr Statistik (BFS) zwar Kennzahlen zur VerfĂŒgung, die Einblicke in die gesamtschweizerische Armutssituation ermöglichen. FĂŒr die BekĂ€mpfung von Armut sind jedoch in erster Linie Kantone, Gemeinden und StĂ€dte zustĂ€ndig. Hier ist die Datenlage meistens ungenĂŒgend. Viele Kantone wissen kaum ĂŒber die nanziellen VerhĂ€ltnisse und die Armutsbetro enheit ihrer Bevölkerung Bescheid. Deshalb hat die Caritas Schweiz zusammen mit der BFH ein Modell zur Armutsbeobachtung in den Kantonen ausgearbeitet (Fluder et al., 2020). Es nutzt Innovationen in der Datenverarbeitung und macht so eine massgeschneiderte Armutsbeobachtung auf Kantonsebene möglich. Die BFH steht mit verschiedenen Kantonen im Austausch und unterstĂŒtzt sie bei Bedarf bei der Umsetzung â bei -
spielsweise im Kanton Baselland, in dem die Grundlagen fĂŒr ein regelmĂ€ssiges Armutsmonitoring gelegt wurden (HĂŒmbelin et al., 2022). Dieses Beispiel ist besonders interessant, weil die Systematik im Umgang mit der Armutsthematik ĂŒberzeugt.
Das Monitoring als Teil einer gesamtheitlichen Armutsstrategie
Seit 2020 verfĂŒgt der Kanton Baselland ĂŒber eine fachlich fundierte Strategie gegen Armut (Basel-Landscha , 2022a). Sie umfasst 46 konkrete Massnahmen zur ArmutsprĂ€vention und -bekĂ€mpfung. Basierend auf einem breiten VerstĂ€ndnis von Armut werden verschiedene Handlungsfelder de niert und ZustĂ€ndigkeiten der Departemente festgelegt. Im Bereich Bildungschancen geht es etwa um Massnahmen der frĂŒhen Förderung im Vorschulalter. Beim Thema Erwerbsintegration sind Massnahmen zur Quali zierung von Sozialhilfebeziehenden vorgesehen. Zudem werden die Themen Wohnversorgung, gesellscha liche Teilhabe, AlltagsbewĂ€ltigung und die soziale Existenzsicherung bearbeitet. Diese Massnahmen werden durch das Armutsmonitoring gerahmt. Mit diesen detaillierten Kennzahlen liegen Grundlagen fĂŒr die ĂberprĂŒfung und Entwicklung der Massnahmen vor. Zudem scha das Monitoring Transparenz und Sichtbarkeit fĂŒr die Armutsthematik und sensibilisiert die Ă entlichkeit. So war bisher nicht bekannt, wie viele Menschen im Kanton von Armut betroffen sind. Mit dem Pilot des Armutsmonitorings liegen nun erste Fakten vor.
Die Gra k zeigt den Anteil der Menschen, die keine Sozialhilfe beziehen, obwohl sie armutsbetro en sind je Gemeinde.
Lesebeispiel: In Anwil bezieht von neun Armutsbetro enen niemand Sozialhilfe (100%).
Armutsbetro enheit im Kanton Baselland
Das Modell der Caritas und der BFH basiert auf Steuerdaten, die mit den Bevölkerungs- und Sozialleistungsdaten verknĂŒp werden. Die VerknĂŒpfung erfolgt anonymisiert und unter strikter Einhaltung des Datenschutzes. Damit ist es möglich, die nanzielle Situation der Bevölkerung zuverlĂ€ssig abzubilden. Die verschiedenen Indikatoren erfassen unterschiedliche Facetten der Armutsthematik. So orientiert sich der Indikator «absolute Armut» an der De nition des Bundesamtes fĂŒr Statistik und misst, wie gross die Zahl der Menschen mit einem Haushaltseinkommen unterhalb des sozialen Existenzminimums ist. Danach gelten 16 000 Menschen im Kanton als arm. Dies entspricht einer absoluten Armutsquote von 6,1 Prozent. Mit der «ArmutsgefĂ€hrdung» kann zudem abgebildet werden, wie viele Menschen unmittelbar oberhalb der Armutsgrenze leben. Diese Quote liegt bei 12,2 Prozent. Zu den 16000 Armutsbetro enen kommen somit gleich viele Menschen hinzu, die bei geringfĂŒgigen Einkommenseinbussen von Armut betro en wĂ€ren.
Armutsbetro ene ohne Sozialhilfe
Mit einem weiteren Indikator, dem «Nichtbezug von Sozialhilfe», wird ĂŒberprĂŒ , wie viele Armutsbetro ene ohne UnterstĂŒtzung durch die Sozialhilfe leben. Der Anteil der Nichtbeziehenden ist mit rund einem Drittel der Betro enen recht hoch. Es gibt also viele Menschen, die sich mit weniger Einkommen als dem Existenzminimum durchschlagen, ohne staatliche Hilfe zu beantragen. In dieser Gruppe sind die Working Poor besonders hĂ€u g vertreten. Die sozialrĂ€umliche Analyse zeigt, dass nichtbeziehende Armutsbetro ene besonders im östlichen Teil des Kantons, in lĂ€ndlichen Gemeinden der Periphe-
rie hĂ€u g sind (vgl. Abbildung 1). HierfĂŒr kann die fehlende AnonymitĂ€t in kleineren Gemeinden eine Rolle spielen (HĂŒmbelin, 2019). Gleichzeitig ist die Zahl der Armutsbetro enen in dieser Region deutlich geringer. In Anwil mit einer sehr hohen Nichtbezugsquote geht es um neun Menschen. Im Gegensatz dazu leben in Pratteln, das eine sehr hohe Sozialhilfequote hat, mit ĂŒber 300 Menschen auch am meisten Nichtbeziehende.
Die Koppelung von Armut und BĂŒrgerrechten
Die Indikatoren werden auch nach Bevölkerungsgruppen ausgewiesen und geben so Auskun ĂŒber besonders prekĂ€re Lebenslagen. Daraus geht hervor, dass Menschen auslĂ€ndischer Herkun und mit eingeschrĂ€nktem Aufenthaltsstatus ein besonders hohes Armutsrisiko haben (vgl. Abbildung 2). Im Vergleich zu den Schweizer*innen haben Niedergelassene (C-Ausweis) und Personen mit einer Aufenthaltsbewilligung (B-Ausweis) eine anderthalbmal höhere bzw. beinahe dreimal höhere Armutsquote. Markant höher ist die Armutsbetro enheit bei vorlĂ€u g Aufgenommen, wiederkehrenden Kurzaufenthalter*innen sowie Asylsuchenden (F-, L-, N-Ausweis). Das hat verschiedene GrĂŒnde. ZunĂ€chst erschweren mangelnde Sprachkompetenzen, fehlende oder nicht anerkannte Berufsquali kationen und divergierende kulturelle Fertigkeiten im Alltag die Integration in den Arbeitsmarkt. Zudem ist der Zugang zum System der Sozialen Sicherung fĂŒr Menschen ohne Schweizer Pass eingeschrĂ€nkt (HĂŒmbelin et al., 2021), denn mit fehlender Teilnahme am Arbeitsmarkt besteht kein Anrecht auf Leistungen der Arbeitslosenversicherung und seit der VerschĂ€rfung des AuslĂ€nderrechtes droht bei einem Bezug von Sozialhilfe die Herabstufung des Aufenthaltsstatus.
Legende:
Durchschnitt 6,7%
AuslÀnder*in C = AuslÀnder*in mit Niederlassungsbewilligung
AuslÀnder*in B = AuslÀnder*in mit Aufenthaltsbewilligung
AuslÀnder*in F+ = vorlÀu g Aufgenommene, wiederkehrende
Kurzaufenthalter*in, Asylsuchende
Durchschnitt = durchschnittliche Einkommensarmutsbetro enheit ĂŒber alle Bevölkerungsgruppen hinweg
Lesebeispiel: Die Armutsbetro enheit ist bei AuslÀnder*innen höher als im Durchschnitt. Acht Prozent der AuslÀnder*innen mit einer Niederlassungsbewilligung gelten als arm.
Literatur:
âBundesamt fĂŒr Statistik BFS. (2022). Wirtscha liche und soziale Situation der Bevölkerung: Armut Abgerufen im Februar 2023 unter bfs.admin.ch
âBasel-Landscha . (2022a). Armutsstrategie Abgerufen im Februar 2023 unter baselland.ch
âBasel-Landscha . (2022b). Erstes Armutsmonitoring r den Kanton BL; PrĂ€sentation der Informationsveranstaltung vom 28. Oktober 2022.
âDubach, Philipp. (2022). Nationales Armutsmonitoring im Au au: erster Bericht erscheint 2025. In Soziale Sicherheit CHSS (11. April 2022).
âFluder, Robert, HĂŒmbelin, Oliver, Luchsinger, Larissa & Richard, Tina. (2020). Ein Armutsmonitoring r die Schweiz: Modellvorhaben am Beispiel des Kantons Bern. Bern: Berner Fachhochschule BFH, Soziale Arbeit. . Abgerufen von arbor.b .ch/12959/
âHĂŒmbelin, Oliver. (2019). Non-Take-Up of Social Assistance: Regional Di erences and the Role of Social Norms. Schweizerische Zeitschri r Soziologie, 45(1), 7â33. Seismo 10.2478/sjs-2019-0002.
âHĂŒmbelin, Oliver, Bonvin, Jean-Michel & Lucas, Barbara. (2021). Die Grenzen des Sozialstaates. In «dĂ©codage» â Blog der SAGW (18. November 2021). Abgerufen von sagw.ch
âHĂŒmbelin, Oliver, Fluder, Robert, Richard, Tina & Hobi, Lukas Christian. (2022). Armutsmonitoring im Kanton Basel-Landscha : Bericht zuhanden des kantonalen Sozialamtes Basel-Landscha . Bern: Berner Fachhochschule, Soziale Arbeit. Abgerufen von arbor.b .ch/17819/ âKommission fĂŒr Wissenscha , Bildung und Kultur WBK SR. (2019). RegelmĂ€ssiges Monitoring der Armutssituation in der Schweiz. Motion 19.3953.
Mit dem Armutsmonitoring liegen dem Kanton nun erstmals zuverlÀssige und passgenaue Informationen zur Armutslage im Kanton und in den Gemeinden vor. Auf dieser Grundlage kann der Kanton zielgerichtete Massnahmen ergreifen, die im nÀheren Lebensumfeld der Menschen ansetzen, wo sie die beste Wirkung entfalten.
Auf dem Weg zu einer evidenzbasierten Armutspolitik
Mit dem Armutsmonitoring liegen dem Kanton erstmals zuverlĂ€ssige und passgenaue Informationen zur Armutslage im Kanton und in den Gemeinden vor. Auf dieser Grundlage kann der Kanton zielgerichtete Massnahmen ergreifen (Basel-Landscha , 2022b), die im nĂ€heren Lebensumfeld der Menschen ansetzen. Hier entfalten sie die beste Wirkung. Die Armutsstrategie sieht beispielsweise Massnahmen vor, die eine nachhaltige Erwerbsintegration von Menschen fördern, die einen erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt haben. Dazu gehören die spezi sche UnterstĂŒtzung fĂŒr schwer vermittelbare Stellensuchende und die Sensibilisierung der Unternehmen. Auch zum Thema «Nichtbezug von Sozialhilfe» sieht der Kanton Massnahmen vor. So wird neu ein kantonales Assessmentcenter gescha en. Dieses niederschwellige Angebot eignet sich insbesondere fĂŒr anonyme Beratungen und baut dadurch soziale HĂŒrden fĂŒr Menschen ab, die in kleinen Gemeinden mit hoher sozialer Kontrolle leben. Der Kanton Baselland plant, das Monitoring alle drei Jahre zu wiederholen und die getro enen Massnahmen zu ĂŒberprĂŒfen. Zu diesem Zweck hat er dem statistischen Amt die Leitung ĂŒber das Projekt ĂŒbergeben. Insgesamt zeigt das Beispiel dieses Kantons, wie wissenscha liche Erkenntnisse in Abstimmung mit lokalen Anliegen und Gegebenheiten einge-
bunden werden können. Eine solche Art der Zusammenarbeit von Praxis und Forschung scheint uns vielversprechend, um Armut möglichst prĂ€ventiv anzugehen und zu bekĂ€mpfen. âȘ
Prof. Dr. Oliver HĂŒmbelin, Dozent, Institut Soziale Sicherheit und Sozialpolitik oliver.huembelin@b .ch
forscht und unterrichtet seit 2009 an der BFH und leitete mehrere Projekte im Bereich Armut und Ungleichheit. Er promovierte 2016 an der UniversitÀt Bern in Sozialwissenscha en.
Prof. Dr. Robert Fluder, em. Dozent am Institut robert. uder@b .ch
arbeitete von 2007 bis 2015 in leitender Funktion im ehemaligen Fachbereich Soziale Arbeit. Seine Forschung widmet er bis heute dem Thema Armut.
Tina Richard, Wissenscha liche Mitarbeiterin am Institut tina.richard@b .ch
schloss 2018 an den UniversitÀten Fribourg und Bern den Master in Soziologie ab. Sie unterrichtet und forscht seither an der BFH zu Ungleichheit und Ethik.
Lukas Hobi, Wissenscha licher Mitarbeiter am Institut lukas.hobi@b .ch doktoriert an der UniversitÀt Bern in Volkswirtscha slehre. Er forscht seit 2019 an der BFH zu den Themen Armut und Arbeitsintegration.
Forschung
Nationalfondsprojekt: Auswirkungen der Pandemie auf die Armut
Die Massnahmen zur EindĂ€mmung des Coronavirus waren in der Schweiz zum Teil einschneidend, die wirtscha lichen Folgen wurden jedoch durch verschiedene Sozialleistungen abgefedert. Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogrammes «Covid19 in der Gesellscha » ĂŒberprĂŒ das hochschulĂŒbergreifende Projekt «Poverty and social security in time of crisis» unter der Leitung der Berner Fachhochschule, inwiefern die Pandemie die Ungleichheit und Armut in der Schweiz verschĂ€r hat.
Das Projekt betrachtet auf der Basis verknĂŒp er Steuerdaten, wie gut die Instrumente der Sozialen Sicherheit in den unterschiedlichen Phasen der Pandemie sozioökonomisch benachteiligte Gruppen vor Armut geschĂŒtzt haben. Zusammen mit der Caritas wird zudem ein FrĂŒhwarnsystem entwickelt, das in zukĂŒn igen Krisen zeitnahe Hinweise fĂŒr die strategische Leitung und die Politik geben kann.
Kontakt:
Prof. Dr. Oliver HĂŒmbelin, oliver.huembelin@b .ch
Nationalfondsprojekt zu Kontakten zwischen den Generationen
Die Pandemie hat unsere Gesellscha in ihren Grundfesten erschĂŒttert. Intergenerationale Kontakte waren sowohl fĂŒr den sozialen Zusammenhalt sowie fĂŒr das individuelle und kollektive Wohlergehen Ă€usserst wichtig. Auch nach der Pandemie sind diese Kontakte wertvoll, insbesondere angesichts der Herausforderungen, die mit der demogra schen Alterung einhergehen â man denke etwa an den FachkrĂ€ emangel oder der Nachhaltigkeit der AHV.
Daher untersucht die Berner Fachhochschule zusammen mit der Fachhochschule Nordwestschweiz im Rahmen des Nationalen Forschungsprogrammes «Covid-19 in der Gesellscha », wie es Menschen unterschiedlichen Alters gelungen ist, wĂ€hrend der Coronapandemie in Kontakt zu bleiben. Basierend auf den Projekterkenntnissen werden Empfehlungen formuliert, wie die soziale KohĂ€sion zwischen jĂŒngeren und Ă€lteren Menschen gestĂ€rkt werden kann.
Kontakt:
Prof. Dr. Karen Torben-Nielsen, karen.torbennielsen@b .ch
Beteiligungsstrukturen in ArmutsprÀvention und -bekÀmpfung
Die Nationale Plattform gegen Armut (NAPA) beau ragte die BFH 2019, eine Grundlagenstudie zu etablierten Modellen der Beteiligung armutserfahrener Personen in der Armutspolitik durchzufĂŒhren. Anschliessend entwickelte die BFH einen passenden Praxisleitfaden, um die Umsetzung von Beteiligungsprojekten wirkungsvoll zu unterstĂŒtzen.
Um diesen Projekten KontinuitĂ€t zu verleihen, sind bestĂ€ndige Beteiligungsstrukturen nötig. DafĂŒr erarbeitet nun bis Ende 2023 ein Team der BFH und der Hochschule fĂŒr Soziale Arbeit Freiburg (HES-SO) ein Konzept mit Betro enen und ihren Organisationen. Dies erfolgt in RĂŒcksprache mit Fachpersonen und im Auftrag der NAPA. Der Bericht geht zuhanden des Bundesrats.
Kontakt: Prof. Dr. Emanuela Chiapparini, emanuela.chiapparini@b .ch
eingetaucht | aufgetaucht
Migration und die Sehnsucht â eine Spurensuche
Simone GĂ€umann, lic.phil.I in Sozialanthropologie, Sozial- und Wirtscha sgeschichte sowie Religionswissenscha en
Migration als gesellscha liches PhÀnomen trieb mich bereits wÀhrend meines Studiums um. Wenn ich Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrungen begegnete, beschÀ igten mich ihre persönlichen Aushandlungsprozesse von Zugehörigkeit inmitten einer verÀnderten Lebenswelt sowie im Kontext prÀgender Migrationsdiskurse und gesellscha licher Ungleichheiten. In meinem Dissertationsprojekt gehe ich der emotionalen Dimension dieser biogra schen Situierungsprozesse nach. Insbesondere interessiert mich, inwiefern Sehnsucht eine Rolle spielt und welche Bedeutung sie einnimmt.
Lange standen Emotionen nicht im Fokus sozialund kulturwissenscha licher Aufmerksamkeit. Seit dem ausgerufenen emotional turn wird aber zusehends ĂŒber Emotionen geforscht â auch in der Sozialen Arbeit. Obwohl es zahlreiche Untersuchungen zu IdentitĂ€ts- und Verortungsstrategien von Menschen im transnationalen Kontext gibt, ist insbesondere im deutschsprachigen Raum die emotionale Seite von Migrationsprozessen bisher kaum explizit analysiert worden (Albrecht, 2017).
Sehnsucht ist eine universale Emotion, bei der sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukun gegenseitig durchdringen. Ich verstehe sie nicht im romantischen Sinn, sondern als Emotionskonzept, das im sozialen Raum zu verorten ist und sich im Wechselspiel zwischen innen (Emp ndungen) und aussen (Handlungen) realisiert. Ich fasse Emotionen in Anlehnung an Scheer (2016) als sprachlich, rĂ€umlich und körperlich wirkende Handlungen auf. Durch Emotionen erfahren und interpretieren Individuen den gesellscha lichen Wandel, positionieren sich gegenĂŒber anderen und formen ihre SubjektivitĂ€t (SvaĆĄek, 2010). In meiner empirischen Arbeit untersuche ich AusprĂ€gungen von Sehnsucht und ihren Entstehungszusammenhang, damit verbundene Alltagspraktiken und Auswirkungen auf das subjektive VerstĂ€ndnis der sozialen Positionierung. Wichtig ist mir, kein vorgefasstes VerstĂ€ndnis von Sehnsucht einzubringen und auch keine Setzung einer Sehnsucht nach «Heimat» oder dem Herkun sland im Zusammenhang mit Migration zu reproduzieren. Ziel meiner Arbeit ist herauszu nden, wie und unter welchen Bedingungen Sehnsucht konstruiert wird und welche unterschiedlichen Szenarien von Sehnsucht im Kontext von Migration entwickelt werden.
Dem Thema habe ich mich mit einer ethnograschen Haltung genÀhert und als Erhebungsmethoden
eingetaucht â aufgetaucht
Wer forscht zu welchem Thema am Departement? Ob Dissertation, Nationalfonds oder Master-Thesis: Jenseits von Fachbegri en schreiben in dieser Reihe Lehrpersonen und Nachwuchs, was am eigenen Projekt bewegt, ins Stolpern bringt oder einen Schritt weiterfĂŒhrt.
teilnehmende Beobachtung sowie narrative Interviews gewĂ€hlt: Ich habe Menschen mit unterschiedlichen Migrationsgeschichten an bedeutsame SchauplĂ€tze ihres Lebens begleitet, in vertrauensvoller AtmosphĂ€re zu Hause interviewt oder an ihren alltĂ€glichen Ereignissen teilgenommen. Aus dem Stegreif ĂŒber Emotionen zu erzĂ€hlen, ist schwierig, daher setzte ich in den Interviews bei Praktiken, persönlichen Artefakten sowie RĂ€umen an, die jene GefĂŒhle mobilisieren, die mit diesen verbunden sind. Dadurch werden im Verlauf des ErzĂ€hlprozesses tiefer liegende Schichten der Erfahrung und Emotionen ausgeleuchtet. Das hat zu meinem eigenen Erstaunen gut funktioniert. Die Unmittelbarkeit der Emotionen, die durch den ErzĂ€hl uss hervorgerufen wurden, hat mich bei jedem Interview beeindruckt.
Inzwischen be nde ich mich im Schreibprozess und versuche, die herausgearbeiteten Sehnsuchtsszenarien im lebensweltlichen Kontext und ihre gesellscha lichen VerschrĂ€nkungen darzustellen. Eine Herausforderung und Motivation zugleich, denn ich bin ĂŒberzeugt, dass diese vertie en Einblicke in Emotionsarbeit anschlussfĂ€hig sind, um das VerhĂ€ltnis von Emotionen und professionellem Handeln in der Sozialen Arbeit noch besser zu verstehen. âȘ
Literatur:
Simone GĂ€umann arbeitet seit 2016 als wissenscha liche Mitarbeiterin am Departement Soziale Arbeit. Sie hat an der UniversitĂ€t ZĂŒrich studiert und wĂ€hrend mehrerer Jahre in transkulturellen und sozialrĂ€umlichen Kontexten der Sozialen Arbeit gearbeitet. Seit 2016 ist sie am Departement Gesellscha swissenscha en der UniversitĂ€t Basel Doktorandin in Kulturanthropologie. im
âAlbrecht, Yvonne. (2017). Ge hle Prozess der Migration. Transkulturelle Narrationen zwischen Zugehörigkeit und Distanzierung Wiesbaden: Springer VS.
Scheer, das & Ingo
âScheer, Monique. (2016) Emotionspraktiken. Wie man ĂŒber das Tun an die GefĂŒhle herankommt. In Matthias Beitl & Ingo Schneider (Hrsg.), Emotional Turn?! ethnologische ZugĂ€nge zu Ge hlen & welten (S. 15â36).
âSvaĆĄek, MaruĆĄka. (2010). On the move. and Human Mobility. In Journal of Migration Studies, 36 (6), 865â880.
«Die Unmittelbarkeit der Emotionen, die durch den ErzÀhl uss hervorgerufen wurden, hat mich bei jedem Interview beeindruckt.»
Werkstatt
Mit einer psychischen BeeintrÀchtigung
selbstbestimmt wohnen
In der Schweiz wird jede zweite Person im Verlauf ihres Lebens einmal psychisch krank. Dies kann die SelbstĂ€ndigkeit stĂ€rker oder schwĂ€cher beeintrĂ€chtigen. WĂ€hrend manche schnell wieder allein leben können, trauen sich andere dies nicht zu. Ein Au ragsprojekt der BFH zeigt, wie Erwachsene unterstĂŒtzt werden können, damit sie möglichst selbstbestimmt wohnen können.
Selbstbestimmtes Wohnen bedeutet, die Wohnform und den Wohnort wĂ€hlen zu können und zu entscheiden, mit wem man zusammenleben will (Art. 19a UNBRK). In der Schweiz sind diese Möglichkeiten der Selbst- und Mitbestimmung fĂŒr Menschen mit BeeintrĂ€chtigungen noch nicht ausgeschöp (Hess-Klein & Scheibler, 2022; INSOS, 2019).
Das Projekt «Wohnen mit Vielfalt» zeigt, wie das selbstĂ€ndige und selbstbestimmte Wohnen mit einer lĂ€ngeren oder vorĂŒbergehenden psychischen BeeintrĂ€chtigung gefördert werden kann (fĂŒr Informationen zu den au raggebenden VerbĂ€nden, vgl. Kasten). DafĂŒr hat die BFH bedeutende Beispiele inklusiver Wohnangebote gesammelt sowie die BedĂŒrfnisse und WĂŒnsche verschiedener Zielgruppen erhoben. Menschen mit psychischen BeeintrĂ€chtigungen, FachkrĂ€ e in Institutionen aus dem Sozialbereich, Hauswartpersonal und die
Nachbarscha â sie alle können wichtige BeitrĂ€ge fĂŒr ein gelingendes und respektvolles Leben und Wohnen leisten.
Die Ergebnisse der umfangreichen Angebotsanalyse und Interviews sind in praxisnahe Hilfsmittel eingeossen. Entstanden sind eine Ăbersicht an «Guten Beispielen» sowie InformationsblĂ€tter, Handlungsimpulse und Checklisten. Alle Ergebnisse sind auf der Website wohnen-mit-vielfalt.ch verfĂŒgbar. Die Website wird von INSOS und YOUVITA, BranchenverbĂ€nde der Föderation ARTISET, sowie dem nationalen Fachverband Anthrosocial betrieben.
Im Projekt zeigte sich, dass manche HĂŒrde ĂŒberwunden werden muss. Davon erzĂ€hlten dem Projektteam unter anderem Menschen, die einmal selbst psychisch erkrankt waren und deshalb aus eigener Erfahrung darĂŒber berichten können.
«Das grosse Problem ist der Abschluss einer Wohnung. Man geht vielleicht vier bis fĂŒnf Wohnungen besichtigen, und dann ist man dermassen frustriert, dass man eigentlich gar keine mehr anschauen möchte. Das ist das Dilemma, in dem ich mir mehr UnterstĂŒtzung wĂŒnschte.» Lisa Hilafu, Expertin aus Erfahrung
«Es geht darum, Menschen bewusst zu machen, dass es nicht egal ist, wie sie miteinander umgehen. Wie kann man Vertrauen gewinnen? Wie können Menschen das Miteinander so gestalten, dass es auch in Herausforderungen und unerwarteten Situationen wieder dahin kommt, dass man zu einem guten Miteinander ndet?» Uwe Bening, Psychologe und Experte aus Erfahrung
HĂŒrde 1: Wohnungssuche
Der erste Schritt zum Wohnen in den eigenen vier WĂ€nden ist besonders anspruchsvoll. Steht ein Umzug an, muss zunĂ€chst eine passende und preiswerte Wohnung gefunden werden. Verschiedene Kriterien wie Grösse, Mietzins, Lage, Li oder erlaubte Haustiere mĂŒssen bei der Suche bedacht werden. Danach stehen Besichtigungen â möglicherweise mit Dutzenden anderen Bewerber*innen â an. GefĂ€llt die Wohnung, muss ein möglichst persönliches Bewerbungsschreiben mit Strafregisterauszug, Bescheinigung der Einkommenssituation, Ha p ichtversicherung und manches mehr fristgerecht und sauber eingereicht werden.
Informationen zum Projekt
«Wohnen mit Vielfalt» ist ein Umsetzungsprojekt des nationalen Aktionsplans zur UN-Behindertenrechtskonvention (2019â2023). 2021 hatten INSOS Schweiz (heute Branchenverband der Föderation ARTISET) und VAHS Schweiz (heute Anthrosocial) die BFH mit der inhaltlichen Entwicklung des Projekts beau ragt. Finanzielle UnterstĂŒtzung erhielt das Projekt vom Eidgenössischen BĂŒro fĂŒr die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (EBGB).
Projekt-Website mit zahlreichen Handlungsinputs zu Wohnungssuche und zum Wohnen: wohnen-mit-vielfalt.ch
HĂŒrde 2: Alltag in der eigenen Wohnung
Ist die passende Wohnung gefunden, sind tĂ€glich neue Herausforderungen zu bewĂ€ltigen. Begegnungen und Small Talks mit Nachbar*innen stehen an, die Hausund Waschregeln mĂŒssen eingehalten, vielleicht bald auch MĂ€ngel gemeldet oder erste kleine Reparaturen durchgefĂŒhrt werden. Letztendlich sind auch der Mietzins und die Nebenkosten regelmĂ€ssig zu begleichen. FĂŒr viele Menschen mit einer psychischen BeeintrĂ€chtigung sind die Herausforderungen in einer neuen sozialen Umgebung gross. Vielfach sind sie mit WiderstĂ€nden, Vorbehalten oder auch eigenen BefĂŒrchtungen konfrontiert. Damit das Zusammenleben gelingt, ist das Umfeld wichtig.
«Wir stellen seit einigen Jahren fest, dass die Nachfrage nach eigenem Wohnraum und Kleinstwohnraum im Vergleich zu geteilten Wohnformen und heim-Ă€hnlichen Settings enorm zunimmt.» Karin Hofmann, GeschĂ€ sfĂŒhrerin von Wohnenbern
Was Institutionen tun können Werden die von Expert*innen aus Erfahrung geschilderten HĂŒrden abgebaut und vielfĂ€ltige Angebote aufgebaut, steigt die Wahrscheinlichkeit, das Recht auf selbstbestimmtes Wohnen zu verwirklichen. Allerdings stehen den vielen Menschen mit psychischer BeeintrĂ€chtigung, die gerne eine selbstĂ€ndigere Wohnform hĂ€tten, nur wenige Optionen o en: Einerseits gibt es zu wenige Angebote, andererseits auch nur eine geringe Auswahl passender Wohnformen. Auch Beratungs- und Begleitungsmöglichkeiten bestehen in den wenigsten Gemeinden.
Der Verein «Wohnenbern», der einen Leistungsvertrag mit der Stadt Bern und weiteren Gemeinden in der Agglomeration von Bern hat, ĂŒbernimmt in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle. Sein Angebot umfasst unterschiedliche Wohnformen fĂŒr Erwachsene mit psychischen und sozialen EinschrĂ€nkungen. Dazu gehören betreutes, teilbetreutes, begleitetes Wohnen oder eine externe professionelle Wohnbegleitung in der eigenen Wohnung. Dabei wird die UnterstĂŒtzung immer individuell auf die BedĂŒrfnisse und WĂŒnsche der Menschen abgestimmt. Das Ziel der professionellen Wohnbegleitung ist es, die sogenannte WohnfĂ€higkeit von Menschen zu erhalten oder wiederherzustellen.
Das Beispiel zeigt, in welcher Form sich Gemeinden fĂŒr geeigneten Wohnraum und niederschwellige Beratung einsetzen können. Damit können sie einen wesentlichen Beitrag zur LebensqualitĂ€t und zum guten Zusammenleben in der Gemeinde leisten. Wie erwĂ€hnt, erleidet statistisch jede zweite Person irgendwann im Leben eine problematische psychische Belastung (Hengartner, 2017). In einer solchen Situation sind wir alle froh, wenn wir auf ein gutes Miteinander und naheliegende UnterstĂŒtzungsangebote zĂ€hlen können. Insbesondere
dann, wenn wir nur eine kurzfristige oder sporadische Begleitungen benötigen. In einem solchen Fall sind niederschwellige Beratungsangebote und Begleitungen wichtig. Gemeinden und Kantone sind hier in der P icht, das Angebot an sozialem Wohnraum und Beratungsangeboten zu ĂŒberprĂŒfen und zu ergĂ€nzen. âȘ
Literatur und weiterfĂŒhrende Informationen:
âHengartner, Michael Pascal. (2017). LebenszeitprĂ€valenzen psychischer Erkrankungen (Obsan Bulletin 5/2017, xây. âHess-Klein, Caroline & Scheibler, Eliane. (2022). Aktualisierter Schattenbericht: Bericht der Zivilgesellscha anlĂ€sslich des ersten Staatenberichtsverfahrens vor dem UN-Ausschuss r die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Bern: Inclusion Handicap.
âINSOS, Curaviva & VAHS. (2019). Aktionsplan UN-BRK 2019â2023: Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention bei VerbĂ€nden und Dienstleistungsanbietern r Menschen mit Behinderung. Abgerufen von aktionsplan-un-brk.ch/admin/data/ les/hero_asset/ le/3/191021_a4_ap_lang_de_web_ nal.pdf?lm=157165760
Dr. RenĂ© RĂŒegg, Wissenscha licher Mitarbeiter und Projektleiter, Institut Organisation und Sozialmanagement rene.rueegg@b .ch ... forscht und lehrt zu den Themen Gesundheitskompetenzen, gesundheitsbezogene Soziale Arbeit und QualitĂ€t sozialer Dienstleistungen.
Vielfalt als Chance:
Eine Abteilung macht sich auf den Weg
Was geschieht, wenn sich eine Gemeindeabteilung mit Vielfalt beschĂ€ igt? Die Abteilung Soziales in Ostermundigen hat sich vorgenommen, dies herauszu nden. Den Start machte eine Weiterbildungsretraite. Im Interview schildert Alexandra Schneider, eine der Verantwortlichen, wie es dazu kam und was sie sich von der Bearbeitung des Themas fĂŒr ihre Organisation erho .
Was haben Sie von der Weiterbildung erwartet?
Wie entstand die Idee, das Thema Diversity anzugehen? In unserer Abteilung arbeiten viele verschiedene Mitarbeitende mit teilweise unterschiedlichen beru ichen, persönlichen und auch kulturellen HintergrĂŒnden. Die GeschĂ€ sleitung (GL) hat festgestellt, dass diese Unterschiede eine Chance sind, jedoch auf der Suche nach einer gemeinsamen Haltung auch hinderlich sein können. Darau in fragte die GL alle Mitarbeitenden der Abteilung an, wer Interesse hĂ€tte, in einer Arbeitsgruppe zum Thema Diversity mitzuarbeiten. Zu sechst trafen wir uns dann zwei- bis dreimal, um die Rahmenbedingungen abzustecken und zu besprechen, was wir wollen. Wir hatten weitestgehend freie Hand und sind auf die Idee gekommen, anlĂ€sslich der Abteilungsretraite ein*e externe Referent*in einzuladen, um eine gemeinsame Basis zu scha en und alle Mitarbeitenden ins Boot zu holen.
Ihnen war wichtig, dass bei der Retraite der Fokus auf der Erarbeitung einer gemeinsamen Haltung innerhalb der Abteilung Soziales liegt. Warum?
Als Begri ist Diversity uns allen bekannt. Trotzdem haben wir unterschiedliche Erfahrungen damit gemacht und ein nicht ganz deckungsgleiches VerstĂ€ndnis davon. Die eigenen PrĂ€gungen und die eigene Auseinandersetzung mit DiversitĂ€t spiegeln sich in der Zusammenarbeit mit Kolleg*innen wie auch in der Arbeit mit Adressat*innen wider. Um sich der ganzen Bandbreite der Thematik bewusst zu werden, braucht es erstmal eine gemeinsame Grundhaltung. Diese mĂŒssen wir entwickeln, bevor wir die Adressat*innen in einem zweiten Schritt miteinbeziehen.
Wir erho en uns, dass uns die Augen geö net werden, wo und wie DiversitĂ€t ĂŒberall mithineinspielt. Es gibt ganz viele Aspekte â um exemplarisch ein paar wenige zu nennen: Geschlecht, Alter, kulturelle oder religiöse HintergrĂŒnde, körperliche EinschrĂ€nkungen oder das Aussehen. In der Tiefe ist die Thematik viel komplexer, als wir dies vielleicht im ersten Moment wahrnehmen. Es stellen sich Fragen, zum Beispiel: Wo haben wir blinde Flecken â sowohl als Privatpersonen wie auch als Organisation? Wo haben sich Gewohnheiten eingeschlichen? Wo bin ich o en, wo nicht und warum nicht? Was brauche ich von wem? Womit muss ich mich selbst auseinandersetzen, womit wir als Organisation? Die Erwartung war, dass die Weiterbildung Denkanstösse gibt, die diese Re exion ins Rollen bringt.
Wie haben Sie die Weiterbildung erlebt?
Sie war sehr abwechslungsreich. Es gab zum Einstieg und als Abschluss einen Fachinput der beiden Dozierenden der BFH. In der Zwischenzeit haben wir Beispiele aus dem Praxisalltag in Kleingruppen bearbeitet. Ich fand den Grad der Vertiefung, den die Inputs geboten haben, genau richtig. Jede Person im Team stand in der Auseinandersetzung mit Diversity an einem anderen Punkt. Die Dozierenden der BFH scha en es, alle Mitarbeitenden abzuholen, indem sie ihnen im Vorfeld die Möglichkeit boten, Beispiele einzusenden. Diese wurden durch die beiden Dozierenden aufgearbeitet, damit wir sie in Kleingruppen anonymisiert bearbeiten konnten. So wurden die Mitarbeitenden durch persönliche Erlebnisse in die Weiterbildung miteinbezogen. Alle konnten erkennen, dass DiversitĂ€t uns alle angeht und jede*r hier an einem anderen Punkt steht. Wir wollten die Mitarbeitenden fĂŒr die folgende Haltung sensibilisieren: Wir mĂŒssen bereit und o en sein fĂŒr das andere, um einen Konsens zu nden und eine gemeinsame Haltung zu etablieren. Das war uns wichtig.
Wie waren die RĂŒckmeldungen von Ihren Mitarbeitenden auf die Retraite?
Wir haben viele positive RĂŒckmeldungen erhalten in Form von Postkarten, die am Schluss der Veranstaltung au agen. Diese waren wichtig, da sie uns sowohl thematisch, als Hinweis, woran wir weiterarbeiten sollen, wie auch generell zur Thematik Diversity Aufschluss gaben. In GesprĂ€chen im Anschluss sagten uns mehrere Mitarbeitende, es sei gut gewesen, Diversity zu thematisieren. Es wurde klar der Wunsch geĂ€ussert, dass wir die Thematik nicht versanden lassen dĂŒrfen. Viele wollen den eigenen Umgang mit Diversity vermehrt re ektieren und haben sich geö net. Die Mitarbeitenden sehen aber auch Handlungsbedarf auf den FĂŒhrungsebenen und wĂŒnschen sich, dass die Thematik nochmals ĂŒber die FĂŒhrung in die Organisation eingebracht wird. «Othering» als theoretisches Konzept fand Anklang. Weiter möchten die Mitarbeitenden eine diversitĂ€tssensible Haltung bei uns installieren. Sie wollen also dahin kommen, dass sich im Team alle zu fragen beginnen: In welchen Situationen bin ich selbst Teil der
Haben wir Ihr Interesse geweckt?
Das Institut Soziale und Kulturelle Vielfalt bietet sozialen Organisationen massgeschneiderte Weiterbildungen im Bereich DiversitĂ€t an. Im Institut sind Dozierende tĂ€tig, deren Expertise darin liegt, DiversitĂ€t zu verstehen, sie erfahrbar zu machen und sie zu gestalten. Prof. Dr. Eveline Ammann Dula und Prof. Dr. Stefanie Duttweiler haben die Weiterbildung fĂŒr das Team der Sozialabteilung der Gemeinde Ostermundigen entwickelt und durchgefĂŒhrt.
Zum Angebot gehören ein dem BedĂŒrfnis der Organisation angepasster Fachinput und die Bearbeitung von Beispielen aus dem Praxisalltag der Organisation. Damit gelingt es, den Zuhörenden die eigene Betro enheit und den Zusammenhang zwischen DiversitĂ€t und sozialen Ungleichheiten aufzuzeigen. Das Ziel ist, damit ein duales Denken von «richtig» und «falsch» zu ĂŒberwinden und einen gemeinsamen Ă nungsprozess anzuregen.
Im Beispiel Ostermundigen wurde zur theoretischen Orientierung das Konzept des «Othering» eingefĂŒhrt. Der Begri ist vom Englischen unbestimmten Determinativ «other» (auf deutsch «anders») abgeleitet. Othering ist ein Terminus aus den postkolonialen Theorien (vgl. Said, 1987) und beschreibt die Di erenzierung und Distanzierung vom sogenannten «Anderen». Diesem Anderen werden vor allem negative Eigenscha en zugeschrieben, um ihn von der als «normal» wahrgenommenen eigenen Gruppe zu unterscheiden. Damit werden Ausgrenzungen gerechtfertigt (vgl. vielfalt-mediathek.de/othering). Die BeschĂ€ igung mit dem Konzept regt an, die eigenen Positionierungen und die damit verbundenen Privilegien oder Ausgrenzungserfahrungen zu re ektieren.
«Gelebte DiversitÀt lÀsst sich nicht erzwingen oder vordiktieren. Bei uns geht der Prozess durch alle Ebenen. Die Thematik sollte gemeinsam aufgearbeitet und auf den Weg gebracht werden. Sonst funktioniert es nicht.»
«Wir-Gruppe»? Wann gehöre ich zu «den Anderen»? Diesen Prozess haben wir angestossen. Nun gilt es, da anzusetzen.
Was haben Sie mitgenommen?
Dass die Thematik sehr vielschichtig und vielfĂ€ltig ist und man sich eigentlich nie abschliessend damit beschĂ€ igt hat. Weiter wurde uns bewusst, dass man immer mehr tun kann und dass es auf jede einzelne Person ankommt. Wichtig ist, sich auf den Weg zu machen, selbstkritisch, o en und ehrlich zu sein und sich auch selbst zu hinterfragen: Wo kann ich etwas nicht annehmen oder wo habe ich Vorurteile? Es ist eine Au orderung, ehrlich mit sich selbst zu sein. O sind Ăusserungen ja nicht unbedingt böse gemeint, können jedoch beim GegenĂŒber rasch etwas auslösen. Dann muss ich bereit sein, mir selbst zu sagen: Ja, ok, ich habe an einem gewissen Punkt Schwierigkeiten. Hier muss ich mich dem «Warum?» stellen. Aber wichtig ist auch, sich als Organisation zu fragen: Wo haben wir blinde Flecken? Wie können wir diese gemeinsam angehen?
Gibt es schon VerĂ€nderungen in der Abteilung Soziales? Konkrete VerĂ€nderungen sind noch nicht spĂŒrbar, dafĂŒr ist seit der DurchfĂŒhrung noch zu wenig Zeit vergangen (Anm. d. Red.: Das Interview fand zehn Wochen nach der Retraite statt). So ist es eben in grösseren Organisationen: Es braucht Mitarbeitende, die anderen den Weg ebnen und sie mitnehmen. Wir sind erst mit dem Prozess gestartet und haben das Fass geö net. Wir haben weiterhin unterschiedliche SensibilitĂ€ten: FĂŒr die einen gibt es ein wichtiges Thema, das fĂŒr die anderen weniger relevant ist. Es war ein Anstoss. Uns wurde bewusst, was alles zu Diversity dazu gehört, uns aber im Alltag nicht sofort ins Auge springt und womit wir uns trotzdem auseinandersetzen sollten. Das haben wir erreicht. Eine gemeinsame Haltung mĂŒssen wir erst entwickeln, und das braucht Zeit.
Woran wĂŒrden Sie denn eine VerĂ€nderung erkennen? Konkrete VerĂ€nderungen wĂŒrden in erster Linie au allen, wenn sie schri lich formuliert sind. Ich denke dabei zum Beispiel an Stellenausschreibungen. Denkbar sind auch mĂŒndliche Formulierungen, die man standardisiert. Schnell erkennbar wĂŒrden auch optische VerĂ€nderungen, wenn es beispielweise ĂŒberall barrierefreie ZugĂ€nge gĂ€be. Ein weiterer Schritt wĂ€re, eine Veranstaltung innerhalb der Gemeinde zu planen, an der zum Beispiel eingeschrĂ€nkte Personen ungehindert teilnehmen können.
Wie soll es in der Abteilung Soziales in Sachen DiversitÀt weitergehen?
Wir haben die Arbeitsgruppe nochmals geö net, um allen Mitarbeitenden auf allen Ebenen die Möglichkeit zu bieten, mitzuarbeiten. Sobald die Arbeitsgruppe steht, wird gemeinsam der Ist- und der Soll-Zustand ermittelt. Wir wollen kurz-, mittel- und langfristige Ziele festlegen. Die Ziele gehen dann an die GL zurĂŒck. Ich bin selbst Mitglied in der GL und ĂŒberzeugt, dass wir die entsprechenden Ressourcen dafĂŒr erhalten werden.
Was empfehlen Sie anderen Fachpersonen, die in ihrer eigenen Organisation das Thema Diversity angehen möchten?
Gelebte DiversitÀt lÀsst sich nicht erzwingen oder vordiktieren. Bei uns geht der Prozess durch alle Ebenen. Die Thematik sollte gemeinsam aufgearbeitet und auf den Weg gebracht werden. Sonst funktioniert es nicht. Der Wille muss gemeinsam da sein. Es bringt nichts, wenn nur die HÀl e einer Organisation mitmacht, so scha man keine gemeinsame Haltung. Der Wunsch nach einer VerÀnderung kann aber von einer Einzelperson kommen, unabhÀngig der Position.
Warum sollten sich Organisationen dem Thema widmen?
Der Ruf nach Anerkennung von Vielfalt ist laut. Die Gesellscha wandelt sich und wird immer o ener. Wir sind Teil davon und frĂŒher oder spĂ€ter wird man sich mit DiversitĂ€t in den Organisationen und Institutionen auseinandersetzen mĂŒssen. Menschen sind vielfĂ€ltig, und wir arbeiten ja auch mit Menschen zusammen. Deshalb ist dieses Thema so wichtig âȘ
Literatur:
âCastro Varela, Maria do Mar & Dhawan, Nikita. (2005). Postkoloniale Theorie. Eine kritische Ein hrung. Bielefeld: Transcript Verlag.
âInformations- und Dokumentationszentrum fĂŒr Antirassismusarbeit e. V. (IDA). (undatiert). Othering. Abgerufen von vielfaltmediathek.de/othering.
âSaid, Edward Wadie. (1987). Orientalism. Phanteon Books: New York.
Prof. Dr. Eveline Ammann Dula, Leiterin Institut Soziale und kulturelle Vielfalt eveline.ammann@b .ch
⊠forscht und lehrt zu den Themen IntersektionalitÀt, Migration und internationale Dimension von Sozialer Arbeit.
Alexandra Schneider
Notstand in der Jugendpsychiatrie: Wie ein Netzwerk Abhilfe scha en soll
Junge Menschen mit psychischen Problemen bleiben in akuten Krisen zu o sich selbst ĂŒberlassen. FĂŒr sie gibt es zu wenige therapeutisch ausgebildete FachĂ€rztinnen und Psychologen oder PlĂ€tze in geeigneten Institutionen. Schnelle Lösungen tun not. Ein Netzwerk, an dem die BFH beteiligt ist, sucht nach Wegen fĂŒr niederschwellige Hilfe und PrĂ€vention.
StationĂ€re Aufenthalte im Spital, die auf psychische Erkrankungen zurĂŒckgehen, sind 2021 in «beispielloser» Weise angestiegen, insbesondere bei MĂ€dchen und jungen Frauen (BfS, 2022). Wie das Bundesamt fĂŒr Statistik Ende 2022 mitteilte, hatten die Spitaleinweisungen aufgrund von Suizidversuchen in der Altersgruppe der 10- bis 24-JĂ€hrigen um 26 Prozent zugenommen. Einen Zuwachs gab es auch bei mĂ€nnlichen Jugendlichen (6%). Insgesamt waren im Jahr 2021 schweizweit 19 532 Personen der genannten Altersgruppe wegen psychischer Erkrankungen hospitalisiert worden. Auch wurden deutlich mehr ambulante psychiatrische Behandlungen im Spital verzeichnet (+16% gemĂ€ss BfS, 2022).
Diese Zahlen sind Ausdruck einer grossen Notlage und zeigen, dass jetzt schnell nach Lösungen gesucht werden muss. Wichtig sind dabei nicht zuletzt Sozialarbeitende â aber der Reihe nach ...
Welche Entwicklungen stecken hinter den Zahlen?
Rund 15 Jahre dauert die Ăbergangsphase, in der sich der Mensch vom Kind zum Erwachsenen entwickelt. Diese Zeit bringt zahlreiche VerĂ€nderungen mit sich und verlangt der Person viel ab: Sie muss sich immer wieder anpassen, orientieren und nden. Dies fordert jeden Einzelnen anders, kann verunsichern und psychisch belasten (Wieber et al., 2021; Schweizerische Ărztezeitung). Werden entsprechende Symptome nicht behandelt, können sich Krankheiten entwickeln und chronisch werden. Neben dem individuellen Leiden belastet dies das gesamte Umfeld der Person in hohem Mass und generiert enorme volkswirtscha liche Kosten.
Entwickelt ein Kind Au Àlligkeiten, bemerken dies zuerst Menschen in seinem unmittelbaren Umfeld wie Familienangehörige, Lehr- und Betreuungspersonen oder KinderÀrzt*innen. Die nÀchsten Schritte können ein GesprÀch mit eine*m*r Schulsozialarbeitenden, eine*m*r Jugendarbeitenden im Quartier, einer Erziehungsberatungsstelle, einer psychologischen Fachperson oder eine*m*r psychiatrisch-psychotherapeutischen FachÀrzt*in sein.
Es gÀbe also eine ganze Reihe von Institutionen, die aktiv werden können, bevor ein Kind wegen psychischer
Probleme stationĂ€r behandelt wird. Niederschwellige Angebote gibt es in den Bereichen Bildung, Soziales und Gesundheit. Allerdings sind einige dieser Stellen stark gefordert. So geht es beispielsweise den UniversitĂ€ren Psychiatrischen Diensten (UPD) des Kantons Bern, die in ihrem Ambulatorium fĂŒr Kinder und Jugendliche in Bern seit Dezember 2022 keine neuen FĂ€lle mehr aufnehmen können (Bund/Berner Zeitung, 2022). â¶
Warum es aus Sicht einer FachÀrztin das multiprofessionelle Netzwerk braucht
Dr. med. Cornelia Hediger ist FachĂ€rztin fĂŒr Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie FMH mit selbststĂ€ndiger Praxis im Kanton Bern. Sie ist Delegierte der Gesellscha fĂŒr Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie und Mitglied der Kommission Psychiatrie im Kanton Bern. Derzeit absolviert sie den CAS Public-Health der UniversitĂ€ten Basel, Bern, ZĂŒrich.
Interview: Beatrice Schild, Kommunikation, gefĂŒhrt im MĂ€rz 2023
Cornelia Hediger, wie kam es zur Idee fĂŒr ein multiprofessionelles Netzwerk?
Als FachĂ€rztin erlebe ich deutlich, wie psychische Belastungen junger Menschen und die Versorgungskrise zunehmen. Nach lĂ€ngeren Ăberlegungen entstand die Idee, wegen der knappen psychiatrisch-psychotherapeutischen Ressourcen ein Netzwerk zu initiieren, um Fachwissen, Ressourcen und Projektideen zu multiplizieren. Wenn sich verschiedene Player im Jugendbereich intensiver koordinieren, werden Angebote und Anliegen besser kommuniziert.
Sie wollten erreichen, dass alle an einem Strang ziehen? Ja, denn aufgrund meiner jahrelangen Berufserfahrung war mir klar, dass, neben einer Ausbildungso ensive beim psychiatrisch-psychotherapeutischen Nachwuchs, dringend auch bei der Gesundheitsförderung, der PrĂ€vention, der FrĂŒherkennung und der FrĂŒhintervention angesetzt werden muss. In der aktuellen Versorgungskrise braucht es eine alltagsnahe koordinierte Vermittlung von Wissen zu psychischer Gesundheit und Angebote von frĂŒhen Hilfen. Bestehende Angebote mĂŒssen bekannter und der Versorgungspfad optimiert werden. Dadurch wird die nachfolgende Versorgungskette auch lĂ€ngerfristig entlastet. Direkte wie indirekte wirtscha liche Folgekosten können eingespart und psychisches Leid vermindert werden.
Warum geht es den Jungen heute so schlecht? Junge Menschen haben Ressourcen, doch Mehrfachbelastungen können psychische Symptome auslösen, wie Ăngste, depressive Stimmung, Gereiztheit, sozialen RĂŒckzug, Kopf- oder Bauchschmerzen, Leistungsabfall, ein GefĂŒhl der Ausweglosigkeit. Schlimmstenfalls fĂŒhren diese Symptome zu psychischen Erkrankungen und zu Krisensituationen mit Suizidgedanken. Die Ein ussfaktoren auf die psychische Gesundheit sind vielfĂ€ltig, komplex und auch gesellscha lich beein usst. Gerade das Kindes- und Jugendalter ist wegen vielfĂ€ltiger Entwicklungsaufgaben besonders herausfordernd.
Was hil Kindern und Jugendlichen in dieser Situation?
Um eine Chroni zierung zu verhindern, mĂŒssen psychische Belastungsanzeichen frĂŒh erkannt werden. Das ist herausfordernd, braucht ein sensibilisiertes Umfeld und Zugang zu frĂŒhen adĂ€quaten Hilfen. Doch Schulsozialarbeit ist noch nicht Ă€chendeckend verankert, ambulante Angebote und Zuweisungswege sind zu wenig bekannt und die Wartezeiten sind zu lang.
Warum das?
Der bestehende FachkrĂ€ emangel, kombiniert mit kantonalen Sparmassnahmen im Bereich der Gesundheitsversorgung, tri auf eine zunehmende Anzahl FachĂ€rzt*innen, die sich dem Pensionsalter nĂ€hern oder dieses bereits erreicht haben. So ging es auch mir: Nach der Pensionierung meiner Arbeitskollegin konnten wir keine Nachfolge nden. Wegen der Multikrisen steigt der Bedarf nach psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlungen, was die langen Wartezeiten akzentuiert. Dies wiederum belastet Betro ene, ihre Familien und involvierte FachkrĂ€ e noch stĂ€rker. Es kommt zu Krisensituationen, die schliesslich stationĂ€rer psychiatrischer Behandlung bedĂŒrfen.
Die Netzwerktre en waren bisher nicht nanziert. Was bedeutet das fĂŒr Sie?
Es bedeutet fĂŒr mich einen sehr grossen Einkommensausfall. Bisher habe ich weit mehr als 300 unbezahlte Arbeitsstunden in den Au au des Netzwerks, dessen Weiterentwicklung und in gewisse daraus entstandene Arbeitsgruppen investiert. Doch ich bin positiv und denke, dass es der Co-Projektleitung gelingen wird, eine Finanzierung fĂŒr die fĂŒnf selbstĂ€ndig tĂ€tigen Ărzt*innen, die sich im Netzwerk engagieren, aufzutreiben, oder vielleicht melden sich Sti ungen aufgrund dieses Artikels.
Was erho en Sie sich von der weiteren Zusammenarbeit im Netzwerk?
Dass das Potenzial des Netzwerks als fachlicher Wissens- und Ideenpool von kantonalen und nationalen EntscheidungstrĂ€ger*innen rechtzeitig erkannt wird. Es treibt die Entwicklung interdisziplinĂ€rer Strategien und Massnahmen zu psychischer Gesundheit koordinierter voran. Es kann Grundlagen sowie Informationen fĂŒr politische EntscheidungstrĂ€ger*innen scha en, damit möglichst viele Betro ene und auch die Wirtscha davon pro tieren können.
Anm. d. Redaktion: Die Finanzierung des Netzwerks war bis Redaktionsschluss nicht geklÀrt. Interessierte Sti ungen und Stellen melden sich bitte bei regina.jenzer@b .ch
Ein Grund fĂŒr den Notstand ist der FachkrĂ€ emangel, der auch die psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung betri . Gesellscha liche Krisen verstĂ€rken das Problem: Uns alle bedrĂŒckt eine Multikrise aus Klimawandel, Pandemie und Ukrainekrieg. Arbeitnehmende leiden unter einer zunehmenden Verdichtung der Erwerbsarbeit, die auch Eltern verstĂ€rkt unter Druck setzt. Nicht zuletzt ist der Bereich PrĂ€vention unzureichend ausgestattet.
Was kann ein Netzwerk bewirken?
«Zurzeit ist die Angebotslandscha zur PrĂ€vention und UnterstĂŒtzung von Jugendlichen mit psychischen Belastungen unĂŒbersichtlich», sagt Regina Jenzer, BFHDozentin im Kindes- und Erwachsenenschutz. Doch nun bewegt sich etwas: Im November 2021 kontaktierte die im Kanton Bern selbstĂ€ndig praktizierende FachĂ€rztin fĂŒr Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie FMH Dr. med. Cornelia Hediger verschiedene Institutionen, darunter die BFH. Hediger hatte die Idee, Fachpersonen aus relevanten Bereichen zusammenzubringen und ein multiprofessionelles Netzwerk fĂŒr psychische Gesundheit im Jugendalter im Kanton Bern zu grĂŒnden. Gemeinsam mit weiteren Beteiligten wurde Ende 2021 ein erstes Netzwerktre en organisiert.
Mittlerweile sind ĂŒber vierzig SchlĂŒsselfachpersonen dabei: selbstĂ€ndig tĂ€tige Ărzt*innen, Vertretungen aus Hochschulen und Institutionen. Dazu kommen Verantwortliche seitens der Behörden aus den Bereichen Soziales, Bildung und Gesundheit. Diese Fachleute haben sich 2022 viermal getro en. Die Tre en fanden am Departement Soziale Arbeit statt, organisiert und durchgefĂŒhrt von Dr. med. Cornelia Hediger (Bernische Gesellscha fĂŒr Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie BGKJPP), Regina Jenzer (BFH), Prof. Dr. Frank Wieber (ZĂŒrcher Hochschule fĂŒr angewandte Wissenscha en ZHAW), Urs Ammon (Kinder- und Jugendfachstelle Aaretal) und Cristina Spagnolo (Berner Gesundheit). Bisher sind die Netzwerktre en nur möglich, weil sich einige der beteiligten Fachpersonen in bemerkenswerter Weise engagieren (vgl. Interview auf S. 29).
Einen Notstand, wie es ihn im Kanton Bern gibt, kennen auch andere Kantone. ZĂŒrich ist dabei, ein Ă€hnliches Netzwerk aufzubauen. Mit dieser Vernetzung soll insbesondere die BrĂŒcke von der Bildung und der Sozialen Arbeit zu FachkrĂ€ en im medizinischen und psychiatrisch-psychotherapeutischen Fachbereich geschlagen werden. Die Netzwerktre en werden fĂŒr fachliche Inputs zu spezi schen Themen sowie zur Bekanntmachung von Angeboten genutzt.
Ziel ist, dass alle Beteiligten durch die gewonnenen Erkenntnisse und die Vernetzung in der Lage sind, ihren Klient*innen die passenden Hilfen anzubieten oder Angebote zu vermitteln. Dem Notstand wird also mit niederschwelligen Angeboten, guter Vernetzung und PrĂ€vention begegnet. Sofortmassnahmen, die das Netzwerk anstrebt, zielen unter anderem darauf, Jugendliche und junge Erwachsene in ihrer Freizeit besser zu erreichen. Zudem hat das Netzwerk 2022 diverse Arbeitsgruppen sowie Fallbesprechungen oder Supervisionen fĂŒr Lehrpersonen und das Symposium der Berner Gesundheit angestossen und mitumgesetzt.
Peer-to-Peer-Projekt fĂŒr 16- bis 25-JĂ€hrige
Es entstanden verschiedene Projektideen. Am weitesten fortgeschritten ist das Projekt «wellguides.ch â Junge Menschen informieren ĂŒber psychische Gesundheit und Angebote», ein Peer-to-Peer-Projekt, das von der Sti ung Gesundheitsförderung Schweiz nanziell unterstĂŒtzt wird. Die BFH und die ZHAW haben gemeinsam die Leitung ĂŒbernommmen. Darin werden Jugendliche und junge Erwachsene als Multiplikator*innen ausgebildet, um Gleichaltrige ĂŒber Angebote und Gesundheitskompetenzen zu informieren. Das Projekt zielt auf die Sekundarstufen 1 und 2 (Volks-, Berufs- und Mittelschulen) sowie Hochschulen ab.
Als erstes erarbeiteten die Projekt-Verantwortlichen eine digitale Ăbersicht zu Angeboten, die die psychische Gesundheit Jugendlicher und junger Erwachsener fördern. BerĂŒcksichtigt wurden spezi sche Hilfen bei psychischen Belastungen fĂŒr die Kantone ZĂŒrich und Bern sowie nationale Angebote, die online verfĂŒgbar sind.
Da es sehr viele niederschwellige Angebote gibt, sei die Bestandsaufnahme der erste Schritt, sagt Co-Projektleiterin Regina Jenzer. Nun soll die AngebotsĂŒbersicht in Form einer Website zugĂ€nglich gemacht werden. Parallel dazu werden Schulungsmaterialien konzipiert, und es wird ein E-Learning-Modul entwickelt. Gemeinsam mit den jungen Menschen entwickeln Forschende und am Netzwerk beteiligte Fachpersonen Grundlagen, damit SchĂŒler*innen als Multiplikator*innen fĂŒr psychische Gesundheit und Gesundheitskompetenzen andere SchĂŒler*innen sensibilisieren und Informationen zu frĂŒhen Hilfsangeboten vermitteln können. Anfang 2024 soll das Pilotprojekt starten. FĂ€llt dieses erfolgreich aus, kann es als Grundlage fĂŒr eine Ausweitung des Angebots auf weitere Kantone dienen. âȘ
Informationen zum Projekt Wellguides sowie eine Liste der am Netzwerk beteiligten Organisationen nden Sie unter b .ch/soziale-arbeit/wellguides
Literatur:
âBundesamt fĂŒr Statistik. (2022). Psychische Störungen: beispielloser Anstieg der Hospitalisierungen bei den 10- bis 24-jĂ€hrigen Frauen. Medienmitteilung vom 12. Dezember 2022. Abgerufen von bfs.admin.ch/asset/de/23772011
âKing, Jessica. (19.12.2022). UPD mĂŒssen ein ambulantes
Angebot streichen. In Der Bund, 19. Dezember 2022. Abgerufen von derbund.ch/upd-muessen-ambulantes-angebot-streichen-582934587568
â Pro Juventute. (o. J.).Corona-Report: Die Pandemie tri Kinder und Jugendliche hart, Abgerufen von projuventute.ch/de/coronareport
âSchweizerisches Gesundheitsobservatorium (Obsan). (2022). Psychische Gesundheit. Kennzahlen mit Fokus Covid-19. OBSAN. Abgerufen von obsan.admin.ch/de/publikationen/2022-psychische-gesundheit
âWieber, Frank, Passalacqua, Silvia, Zysset, Annina, Crameri, Aureliano, KĂŒnzler, Alfred & von Wyl, Agnes. (2021). PrĂ€vention psychischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Schweizerische Ărztezeitung, 102 (38), 1228â1230. doi.org/10.4414/ saez.2021.20015
Beatrice Schild, Kommunikation beatrice.schild@b .ch
⊠ist Redaktionsleiterin des «impuls» und als solche interessiert an spannenden Interviewpartner*innen, HintergrĂŒnden zu aktuellen Themen und Geschichten aus dem Sozialwesen.
In meinen Augen â Wie Ă€ltere Menschen ihr Quartier wahrnehmen
Es gibt viele Aspekte, die ein altersfreundliches Quartier ausmachen. Dienstleistungen vor Ort, nahe ö entliche Verkehrsmittel oder einfach eine Bank, um sich kurz hinzusetzen. Die dreitÀgige Foto-Ausstellung im Kornhausforum Bern dokumentiert SpaziergÀnge von Àlteren Menschen durch ihr Quartier.
12. Mai 2023, 17.30 Uhr Erö nung mit Podiumsdiskussion (bitte anmelden), an den Folgetagen ohne Anmeldung frei zugÀnglich
Informationen und Anmeldung zur Podiumsdiskussion: b .ch/in-meinen-augen
Online-Impuls Arbeitsmarkt 45+ Zu Fuss neue beru iche Perspektiven entwickeln
Das Lau ahnseminar «Neue Schritte wagen» ndet unterwegs an der frischen Lu statt. Mit diesem bewĂ€hrten Format werden Menschen in der Lebensmitte in ihren persönlichen und beru ichen VerĂ€nderungen begleitet. In der Natur spĂŒren sie Interessen, FĂ€higkeiten und Ressourcen auf und entwickeln neue beru iche Perspektiven â und das bei jedem Wetter.
Im Online-Impuls erfahren Sie, wie das Seminar konkret ablĂ€u . Er richtet sich an Studien- und Lau ahnberatende, Fachund FĂŒhrungspersonen aller Branchen sowie weitere Interessierte.
Weitere Informationen und Anmeldung: b .ch/alter/zu-fuss
6.
Sozialbehörden-Forum 2023 zu Sozialrevisorat und FachkrÀ emangel
Die Abendveranstaltung gibt Impulse fĂŒr die Strategiearbeit und AufsichtstĂ€tigkeit der Behörden. Sie bietet Möglichkeiten zum Austausch mit anderen Behördenmitgliedern und den Referierenden der BFH und des Kantons.
Die BFH fĂŒhrt das Forum im Au rag des Kantons durch. Eine Ăbersetzung ins Französische ist gewĂ€hrleistet. FĂŒr Mitglieder von Sozialbehörden ist der Besuch kostenlos.
Weitere Informationen und Anmeldung: b .ch/sozialbehoerdenforum-2023
Impressum impuls 2/2023
Herausgeberin: Berner Fachhochschule BFH, Departement Soziale Arbeit Erscheinungsweise: 3-mal jÀhrlich
Au age: 7700 Exemplare
Redaktion: Martin Alder, Beatrice Schild, Denise Sidler, Oliver Slappnig, Katalin SzabĂł Fotos: Adobe Stock (Titelseite, 2 rechts, 7, 16, 28 ), iStock (2 links, 3), Oliver Slappnig (9, 10, 22â25 ); Restliche: zVg
Layout: Oliver Slappnig
Korrektorat: Anne-Kathrin Lombeck, satzbausatz
Informationen zu unseren Info- und Fachveranstaltungen: b .ch/soziale-arbeit/veranstaltungen
Druck: Vögeli AG, Langnau
Copyright: Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschĂŒtzt. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Redaktion.
Abonnement: b .ch/soziale-arbeit/impuls
ISSN 1661-9412 (print), ISSN 2624-666X (online)
Höchster Standard fĂŒr ĂkoeffektivitĂ€t. Cradle to Cradle CertiïŹedÂź-Druckprodukte hergestellt durch die Vögeli AG.
Berner Fachhochschule
Soziale Arbeit
Hallerstrasse 10
3012 Bern
Telefon +41 31 848 36 00
soziale-arbeit@b .ch b .ch/soziale-arbeit