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Operation Gold (Leseprobe)

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Dietmar Arnold • Helmut Müller-Enbergs

Operation Gold

Der Spionagetunnel in Berlin

The Berlin Spy Tunnel

Edition Berliner Unterwelten • BeBra Verlag

Gewidmet der Stadt Berlin und im Gedenken an Larry Wisniewski (1956–2025) und Torsten (»Toscho«) Resag (1965–2025), der eine West-, der andere Ost-Berliner.

Beide guten Freunde sind im Entstehungsprozess dieser Publikation im Dezember 2025 viel zu früh von uns gegangen.

Allen Personen und Institutionen, die uns bei der Entstehung dieses Buches geholfen und unterstützt haben, gilt unser herzlichster Dank.

Die Autoren

See page 224

Titelbild der DDR-Propagandabroschüre »Tunnelspione«. Cover image of the GDR propaganda brochure “Tunnelspione” (Tunnel Spies).

Nachrichtendienste schreiben immer auch Geschichte. Eine der spektakulären Spionageoperationen während des Kalten Krieges war ein geheimer Tunnel, der 1954/55 von West-Berlin aus rund 330 Meter in die DDR hineingegraben wurde. Von diesem Tunnel aus, ausgestattet mit modernster Technik, sind ab Mai 1955 durch amerikanische und britische Nachrichtendienste elf Monate lang hunderttausende Telefongespräche der sowjetischen Nachrichtendienste und Militärs abgehört worden, solange, bis diese Operation GOLD bzw. STOPWATCH im April 1956 aufflog. Die Gesamtkosten dieses Projekts betrugen nach Angaben der CIA damals 6.700.000 Dollar. Insgesamt wurden fast 1.500 amerikanische und eine noch unbekannte Anzahl britische Mitarbeitende für dieses Projekt gebunden. Durch die Informationen aus den angezapften Fernsprechkabeln 150, 151 und 152 konnte ein enormes internes Wissen über die sowjetische Seite in den Jahren 1955/56 gewonnen werden, die ein klares Bild über die Absichten, Abläufe und Akteure hinter dem Eisernen Vorhang bis hin nach Prag, Warschau und Moskau ergab, darunter zu der Frage schlechthin, ob die Sowjetunion einen militärischen Angriff auf Europa vorbereitet hatte.

Die angezapften Fernsprechkabel waren Teil des bereits in den 1930er Jahren von der Wehrmacht und der Deutschen Reichspost (DRP) gemeinsam aufgebauten Fernkabelnetzes, welches Ende der 1930er Jahre zu den modernsten und leistungsfähigsten Kommunikationssystemen dieser Art weltweit zählte. Das deutsche Fernkabelnetz erreichte »bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs eine Gesamtausdehnung von 27.500 Kilometern. Auch wenn nicht alle Vorkriegsplanungen realisiert wurden, so bildete das Netz in seiner neuen vermaschten Struktur doch die alles entscheidende Basis für die fernmeldetechnische Sicherstellung der im Sommer 1939 im

Osten und im Westen anlaufenden militärischen Operationen. Es ist unbestritten, daß die Wehrmachtsführung ohne das Fern kabelnetz der Deutschen Reichspost nicht in der Lage gewesen wäre, den Krieg zu beginnen und über Jahre zu führen«.1 In der Nachkriegszeit wurde dieses Fernmeldenetz von den alliierten Siegern auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs weiterhin zu militärischen Zwecken genutzt.

Die Geschichte des Berliner Spionagetunnels wurde schon vielfach auf Basis denkbar lückenhafter Informationen in Forschung, Literatur und Film beschrieben. Das Alliiertenmuseum hält in Berlin noch Tunnelreste sichtbar bereit, das Bundesarchiv veröffentlichte einzelne Dokumente des Ministeriums für Staatssicherheit. Auch gibt es eine weitere, wenn auch nur halb so umfangreiche Fotodokumentation der DDR-Staatssicherheit zum Spionagetunnel, die sowohl in der Ausstellung im Alliiertenmuseum gezeigt wird als auch im Internet einsehbar ist.2

Diese Geschichte ist zweifellos noch nicht abschließend erzählt. Britische wie russische Nachrichtendienste haben auch nach 70 Jahren keine nennenswerten Archivalien zu dieser Operation freigegeben. Selbst die CIA hat bislang lediglich einzelne, zusammenfassende Dokumente öffentlich gemacht, jedoch die aufschlussreichen Sitzungsprotokolle und Planungsunterlagen weiterhin unter Verschluss gehalten. Deshalb kommen den bislang kaum berücksichtigten Unterlagen des MfS, die hier erstmals ausgewertet werden, ein ebenso großer Stellenwert zu, wie die hier gleichfalls erstmalig veröffentlichte Dokumentation »Spionagetunnel des amerikanischen Geheimdienstes«, die lediglich in einem einzigen Exemplar für den Minister des Innern der DDR, Karl Maron (1903–1975), überliefert ist. Offenbar wurde sie 1956/57 von jenen Mitgliedern der sowjetisch-deutschen Kommission erstellt, die mit der Analyse des Spionagetunnels beauftragt waren.

Diese Dokumentation blieb aufgrund eines Zufalls erhalten. Ein Mitglied des 1997 gegründeten Berliner Unterwelten e.V., das namentlich nicht genannt werden möchte, rettete diese Dokumentation 1990 vor der Vernichtung. In den Wirren der Friedlichen Revolution arbeitete er bei der damaligen Inspektion der Ost-Berliner Kriminalpolizei und im Ministerium des Innern. Als ein Befehl zur Vernichtung »nicht mehr benötigter Akten« kam, sollte auch die nun veröffentliche Dokumentation dem Reißwolf zum Opfer fallen. Das Vereinsmitglied brachte es jedoch nicht übers Herz, diese Rarität der Vernichtung anheim zu geben und steckte sie in einem unbemerkten Moment kurzerhand in seine Aktentasche. Viele Jahre später übergab er sie dem Vereinsarchiv des Berliner Unterwelten e.V., der sich mit (fast allen) unterirdischen Themen in seiner Stadt beschäftigt.

Diese nun vom Berliner Unterwelten e.V. herausgegebene und vom Stasimuseum in Berlin unterstützte Publikation wird durch einen Beitrag zur Geschichte dieses Spio-

nagetunnels von Helmut Müller-Enbergs eingeleitet, der sich mit den ersten Überlegungen zum Tunnel in Berlin bis hin zu seiner Enttarnung am 22. April 1956 befasst. Dann folgt der unveränderte wörtliche Abdruck der Dokumentation für den Innenminister der DDR. Daran schließt sich eine Beschreibung von Dietmar Arnold zu den Ereignissen nach der Enttarnung bis hin zur Wiederentdeckung einzelner Segmente des Spionagetunnels, den Umgang mit den Funden und deren Verbleib ab den 1990er Jahren an. Zusammen genommen erhalten die Leserinnen und Leser mit dieser Publikation erstmalig ein Panorama zur Operation GOLD, eingebettet in den aktuellen Forschungsstand zum Berliner Spionagetunnel, in den nun deutlich mehr Licht gebracht wird.

Berlin, im April 2026

Anmerkungen

1 Hans Georg Kampe: Nachrichtentruppe des Heeres und der Deutschen Reichspost. Militärisches und staatliches Nachrichtenwesen in Deutschland 1830 bis 1945. Waldesruh bei Berlin 1999, S. 344.

2 Vgl. BArch, MfS, ZAIG, Fo, Nr. 2815, Bl. 2–26; https://www.bundes archiv.de/themen-entdecken/online-entdecken/themenbeitraege/kabel krimi-im-kalten-krieg/. Die Fotodokumentation des MfS vom April 1956 enthält 59 Fotos, die Dokumentation für den Innenminister allein 108 Fotografien im Teil der Fotodokumentation. Von diesen 108 Fotos sind 54 bereits in der MfS-Dokumentation enthalten, wobei zwei Motive recht ähnlich sind. Lediglich drei Fotos in der Dokumentation des MfS sind nicht in dem Exemplar für den Innenminister aufgenommen worden, die jedoch 52 weitere, bislang unbekannte Dokumentationsfotos enthält. Überdies sind die Abzüge in der »Ministerausgabe« in der Regel qualitativ besser als in der MfS-Fotodokumentation. Nach Feststellungen des Bundesarchivs sandte der 1. Stellvertreter des Ministers für Staatssicherheit, Erich Mielke (1907–2000), nicht Minister Ernst Wollweber (1898–1967), bereits am 25. April 1956 die besagte MfSDokumentation an den 1. Sekretär des Zentralkomitees der SED, Walter Ulbricht (1893–1973), um erste Erkenntnisse über den Spionagetunnel zu präsentieren, nicht ohne ihn zugleich darum zu bitten, es alsbald zurückzugeben; vgl. Website des Bundesarchivs zum Kabelkrimi im Kalten Krieg (Stand: 30. Januar 2026).

Intelligence services always play a role in shaping history. One of the most spectacular espionage operations during the Cold War was a secret tunnel of around 330 metres dug from West Berlin into East Germany in 1954/55. From May 1955 onwards, American and British intelligence services used this tunnel – equipped with state-of-the-art technology – to intercept hundreds of thousands of telephone conversations between Soviet intelligence services and military personnel. This continued for eleven months, until Operation GOLD (also known as STOPWATCH) was exposed in April 1956. According to the CIA, the total cost of this project at the time was $6,700,000. Almost 1,500 American and an as yet unknown number of British employees were involved in this project. The tapping of long-distance telephone cables 150, 151 and 152 provided an enormous amount of internal intelligence about the Soviet side in 1955/56, giving a clear picture of the intentions, processes and actors behind the Iron Curtain as far as Prague, Warsaw and Moscow – including the crucial question of whether the Soviet Union was preparing a military attack on Europe.

Incidentally, the tapped telephone cables were part of the long-distance cable network jointly established by the Wehrmacht and the German Reichspost (DRP) in the 1930s, which by the end of the 1930s was one of the most modern and powerful communication systems of its kind in the world. By the outbreak of the Second World War, the German long-distance cable network had reached “a total length of 27,500 kilometres. Even though not all of the pre-war plans were realised, the network, with its new meshed structure, formed the crucial basis for ensuring long-distance military communications for operations launched in the east and west in the summer of 1939. It is undisputed that without the long-distance cable network of the German Reichspost, the Wehrmacht leadership

would not have been in a position to start the war and wage it for years.” 1 In the post-war period, this telecommunications network continued to be used for military purposes by the victorious Allied powers on both sides of the Iron Curtain.

The history of the Berlin spy tunnel has already been narrated many times in research, literature and film, based on inevitably fragmentary information. Remnants of the tunnel are still on display at the Allied Museum in Berlin and the Federal Archives have published individual documents from the Ministry for State Security. There also exists a further photographic documentation of the spy tunnel produced by the GDR State Security Service, although this is only half as extensive. This material is shown in the Allied Museum exhibition and is also accessible online.2

This story is by no means fully told. Even after 70 years, neither the British nor the Russian intelligence services have released any significant archival material on this operation. Even the CIA has so far only made individual summary documents public, while keeping the revealing meeting minutes and planning documents under lock and key. That is why the previously largely overlooked documents from the MfS – analysed here for the first time – are just as important as the documentation “ Spionagetunnel des amerikanischen Geheimdienstes” (Spy Tunnel of the American Secret Service), also published here for the first time. Only a single copy of this document survives, which was produced for the GDR Minister of the Interior, Karl Maron (1903–1975), and apparently compiled in 1956/57 by those members of the Soviet-German commission who were tasked with analysing the spy tunnel.

This documentation survived by chance. A member of the Berlin Unterwelten e.V. association (founded in 1997) who wishes to remain anonymous, saved it from destruc-

tion in 1990. During the turmoil of the peaceful revolution, he worked for the then East Berlin Criminal Police Inspectorate and the Ministry of the Interior. When an order came to destroy “files no longer needed”, the documentation now published was also slated for the shredder. But the association member could not bring himself to consign this rarity to destruction and, in an unnoticed moment, quickly slipped it into his briefcase. Many years later, he donated it to the association archive of Berliner Unterwelten e.V., which deals with (almost all) underground aspects of its city.

This publication, now published by Berliner Unterwelten e.V. and supported by the Stasi Museum in Berlin, be-

gins with an article on the history of this spy tunnel by Helmut Müller-Enbergs, which deals with the initial considerations for the tunnel in Berlin up to its discovery on 22 April 1956. This is followed by the unaltered verbatim reprint of the documentation for the GDR Minister of the Interior. This is followed by a description by Dietmar Arnold of the events after the tunnel was uncovered, including the rediscovery of individual segments of the spy tunnel, how the finds were handled and their whereabouts since the 1990s. Taken together, this publication provides readers with the first-ever overview of Operation GOLD, embedded in the current state of research on the Berlin spy tunnel, which is now being shed much more light on.

Berlin, April 2026

Endnotes

1 Hans Georg Kampe: Signal Corps of the Army and the German Reich Postal Service. Military and State Communications in Germany from 1830 to 1945. Waldesruh near Berlin 1999, p. 344.

2 See BArch, MfS, ZAIG, Fo, No. 2815, pp. 2–26; https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/online-entdecken/themenbeitraege/kabel krimi-im-kalten-krieg/. The Stasi photo documentation from April 1956 contains 59 photos, while the documentation for the Minister of the Interior alone contains 108 photographs in the photo documentation section. Of the 108 photographs, 54 are already included in the MfS documentation, although two of the motifs are very similar. Only three photographs contained in the MfS documentation do not appear in the copy prepared for the Minister of the Interior, which, however, includes a further 52 documentation photographs previously unknown. Moreover, the prints in the “ministerial edition” are generally of higher quality than those in the MfS photographic documentation. According to findings by the Federal Archives, the first deputy minister for state security, Erich Mielke (1907–2000), not Minister Ernst Wollweber (1898–1967), sent the aforementioned MfS documentation to the First Secretary of the Central Committee of the SED, Walter Ulbricht (1893–1973), in order to present initial findings about the spy tunnel, but not without asking him to return it as soon as possible; see the Federal Archives website on the Cold War cable thriller (as of 30 January 2026).

 Sowjetische Offiziere zeigen Vertretern der Presse am Montag, dem 23. April 1956, abends nach Sonnenuntergang die Anzapfstelle der Fernkabel an der Schönefelder Chaussee in Alt-Glienicke.

Soviet officers show representatives of the press the tapping point for the longdistance cables on Schönefelder Chaussee in Alt-Glienicke on Monday, April 23, 1956, in the evening after sunset.

 Zwei mit dem ›Sturmgewehr 44‹ bewaffnete Schutzpolizisten bewachen die Tunnelröhre nach ihrer Entdeckung vor der ersten Sandsacksperre zum amerikanischen Sektor (24. April 1956).

Two police officers armed with ›Sturmgewehr 44‹ guard the tunnel after its discovery in front of the first sandbag barrier to the American sector (April 24, 1956).

Operation GOLD

Der Spionagetunnel in Berlin

Minister Ernst Wollweber (1898–1967)1 hätte, so erinnerte Markus Wolf (1923–2006), einer seiner Stellvertreter, von dem Spionagetunnel durch einen Anruf von sowjetischer Stelle erfahren.2 Das war am frühen Sonntagmorgen des 22. April 1956, als dieser – noch schlafend – geweckt worden ist.3 Wollweber wohnte seinerzeit in Berlin-Karlshorst, im Haus am Bodenmaiser Weg 2. Er hat sich dann von einem Mitarbeiter des Ministeriums, der in der Nachbarschaft wohnte, einen älteren Volkswagen ausgeliehen, wie Wolf weiter erinnerte. Damit soll Wollweber selbst zur im Majakowskiring 59 gelegenen Wohnung von Markus Wolf gefahren sein. Wolf hat da noch in seinem Bett gelegen, neben sich auf dem Nachttisch seine Dienstwaffe.4 Demnach hat Wollweber offenbar nicht seinen Stellvertreter angerufen oder veranlasst, ihn telefonisch zu informieren. Der Minister sei folglich die 17 Kilometer lange Strecke gefahren, um ihn abzuholen, wozu noch heutzutage sicherlich mehr als eine halbe Stunde benötigt wird. Groteskerweise fuhr Wollweber somit die entgegengesetzte Strecke zum Spionagetunnel, obgleich er selbst keine elf Kilometer vom Spionagetunnel entfernt wohnte. Wird also Wolfs Ausführungen gefolgt, wäre Wollweber zu Wolf und ferner 25 Kilometer zum Tunnel in Altglienicke gefahren.

Schwer vorstellbar – wie auch das Weitere: Überdies soll, so Wolf, der Minister den Volkswagen vor dem Haus am Majakowskiring geparkt und dann offenkundig an der Wohnung der Wolfs geläutet haben, was allein dessen Haushälterin gehört haben will. Sie klopfte dann an die Zimmertür des Ehepaares Emmi (1923–2020) und Markus Wolf: »Der Minister erwartet Sie am Gartentor«, hätte sie erklärt. Die Haushälterin hatte den Minister also nicht ins Haus gebeten. Wolf erinnerte, wie er vom Schlafzim-

merfenster aus auf der Straße einen Volkswagen – nicht wie üblicherweise die Wollweber zustehende ZIM-Limousine – gesehen hat, nicht aber das Gartentor, an dem sein Minister stand und auf ihn wartete. Wolf ist dann mit durchgeladener Dienstpistole »in der Tasche« zur Eingangstür gegangen. Da stand der Minister mit Zigarrenstummel auf den Lippen.5 Der Minister hatte, wie Wolf gegenüber der Zeit ausführte, »ein Anruf der Russen … [ich] hatte keine Zeit mehr, den Fahrer zu holen.«6

Und dem Magazin Spiegel erzählte Wolf, der Minister habe ihm gesagt: »Beeil dich, Mischa! […] Du glaubst nicht, was sie gefunden haben.«7 Wollweber sei dann »in halsbrecherischem Tempo« bis etwa einen Kilometer vor den Flugplatz gefahren, um zum Spionagetunnel zu gelangen. Wenn Wollweber es eilig gehabt hatte, wäre er dann tatsächlich allein diesen Umweg gefahren, um dann halsbrecherisch zu rasen? Angekommen, seien die beiden auf ein Trüppchen Männer gestoßen, teils sowjetische Soldaten, die eine Grube auszuheben schienen. Es habe sich um DDR-Fernmelder und »russische Soldaten (darunter hochrangige Mitarbeiter des sowjetischen Militärgeheimdienstes)« gehandelt. Will sagen, der Tunnel war noch nicht geöffnet, vielmehr wurden die beiden nun zu Augenzeugen. Und will ferner sagen, niemand sonst war vor Ort. Nach Wolf habe Wollweber bereits gewusst, worum es sich handelte. Denn erst vor Ort (»nun«) habe ihm Wollweber erläutert, dass der amerikanische und britische Nachrichtendienst die an der Landstraße verlaufenden Kabelstränge angezapft hätte, wobei vor allem der Strang zum sowjetischen Hauptquartier in Wünsdorf interessiert habe. »Inzwischen hatten die Grabenden«, erinnerte Wolf, »ein Stück der Tunnelröhre aufgeschweißt und die schwere Metalltür zum geräumigen Verstärkerraum unter der Straße geöffnet.8 Nach dieser Erzählung hätten Minister Wollweber und sein Stellvertreter Wolf

von etwa 7:00 Uhr bis 14:20 Uhr, 9 als die ersten Deutschen den Tunnel betreten haben, stundenlang den Männern beim Freischaufeln eines Zugangs zugesehen. Wolf schrieb: »Nachdem sie das Terrain nach Minen und Sprengladungen abgesucht hatten, durften wir die Anlage besichtigen. In dem recht wohnlich eingerichteten Verstärkerraum tat sich unseren staunenden Blicken ein wahres Wunderwerk der Technik auf. Sämtliche Kabel –gewiß einige Hundert – waren durchtrennt, mit einem Verstärker verbunden und wieder verkabelt zu einem Gebäude etwa 500 Meter hinter der Grenze geleitet, das eigens dafür errichtet worden war. Durch den Tunnel tappten wir bis zu der unterirdischen Stelle, wo ein amerikanischer Spaßvogel hinter einer Stacheldrahtrolle ein kleines Pappschild mit der Aufschrift ›Hier beginnt der amerikanische Sektor‹ aufgestellt hatte.«10

Eine andere Erzählung

Es gibt auch eine andere Erzählung, in der Wolf nicht vorkommt. Sie wirkt konkret und plausibel. In der hier veröffentlichten Dokumentation nimmt der 18. April 1956, ein Donnerstag, einen besonderen Platz ein. Bei einer vorgeblichen Prüfung der Kabel durch sowjetische Funk-Nachrichten-Einheiten, heißt es dort, zeigten die Kontrollmessgeräte an der Schönefelder Chaussee Störungen auf. Eine Grabung durch Soldaten der sowjetischen Funk-Nachrichtentruppen erbrachte an den Kabeln vorgenommene Abzweigungen.11 Es ist anzunehmen, dass alsbald Minister Ernst Wollweber in Kenntnis gesetzt worden sein wird, denn in der Dokumentation heißt es, noch in der Nacht von Samstag auf Sonntag am 21. zum 22. April 1956 habe Ministerpräsident Otto Grotewohl (1894–1964)12 eine Kommission zur Untersuchung der Anlage eingesetzt.

Noch am 22. April habe, gleichfalls nach dieser Erzählung, eben diese Kommission zusammen mit den »sowjetischen Organen« den Schacht freigelegt und die Untersuchungen seien begonnen worden.13 Einer später erstellten Chronik der MfS-Abteilung O nach, in der freilich die eigene Rolle am Tag der offiziellen Enttarnung betont wird, heißt es, Minister Wollweber habe den Leiter der Abteilung O, Major Adolf Viehmann (1912–2007), am 22. April 1956 darüber informiert, »daß in Altglienicke eine Aktion des MfS gemeinsam mit Angehörigen anderer bewaffne-

ter Organe durchgeführt werden soll«.14 Wollweber hatte also doch telefoniert und das mit dem in seinem Ministerium zuständigen Bereich, der Abteilung O.

Nach dieser Erzählung war also Adolf Viehmann einer der ersten Deutschen auf Seiten der DDR, die in den Tunnel eingestiegen waren. Dieser Mann hat Geschichte. Den Elektromechaniker, gebürtig im französischen Ottange (Lothringen), verschlug es nach Halle (Saale), wo er teils im Beruf arbeitete, teils arbeitslos war, und ab 1935 bis April 1951 bei den Buna-Werken in Schkopau arbeitete. Ab 1931 gehörte er dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands,15 ein Jahr später der KPD-Nebenorganisation »Kampfbund gegen den Faschismus« an,16 1945 dann zunächst der KPD, alsbald dann der SED. Viehmann trat am 2. Mai 1951 in den Dienst des MfS, war Leiter der Abhörabteilung des MfS von 1951 bis 1960. Die Thematik lag also im Beritt des Majors.17 Und überdies war er weisungsgemäß für alle Kommunikationsgeräte »feindlicher Zentren« zuständig.18 Viehmann stürzte später innerhalb der MfS-Hierarchie 1960 ab und kam, degradiert, als Referatsleiter zur Abteilung N in der MfS-Bezirksverwaltung Leipzig, wo er am 31. Juli 1964 das erste Mal aus dem MfS ausschied (»nicht mehr in der Lage«), trat wieder ein und verließ schließlich vorzeitig im September 1975 das Ministerium.19 Der politischen Sache blieb Viehmann späterhin jedoch treu, noch als 95-Jähriger gehörte er 2007 einer Gruppe an, die sich KPD nennt.20 Neben Viehmann betraten nach dieser Erzählung noch ein gegenwärtig nicht weiter bestimmbarer Mitarbeiter des MfS namens Reißner mit Minister Wollweber als »erste den Tunnel«.21 Außerdem seien Reißner und ein weiterer Mitarbeiter des MfS namens Fathke bis zur mit Sandsäcken versperrten Sektorengrenze gegangen.22 In dieser Erzählung bekam Markus Wolf keinen Platz – und Wollweber scheint in der Überlieferung der CIA ebenfalls nicht aufgefallen zu sein.

Es könnte sich bei Reißner um den gebürtigen Leipziger Wolfgang Reißner (*1931)23 handeln, der zuletzt als Oberstleutnant die Abhör-Abteilung 26/6 leitete.24 Reißner gehörte dem MfS vom 5. Februar 1952 bis zum 31. Januar 1990 an.25 Bei Fathke könnte es sich um Willy Fathke (*1932) handeln, der dem MfS vom 1. September 1952 bis zum 31. Januar 1990 angehört hat, zuletzt der Abhörabteilung 26/2.26

Die Entdeckung des Tunnels –nach amerikanischer Deutung

In der Operation GOLD waren die drei Fernsprechkabel 150, 151 und 152 angezapft worden. Am 16. April 1956 war es nachts zu heftigen Regenfällen in der Berliner Region gekommen, mit der Folge, dass eine Reihe Schächte mit Telefon- und Telegrafenkabeln überflutet worden waren.27 Im Februar gab es noch Temperaturen um minus 22 Grad in Berlin, Oberleitungen brachen, Wasserleitungen platzten. Erst Ende Februar setze mit dem Sturmwirbel »Walpurga« Tauwetter ein.28 Kaum verwunderlich, wenn nach den Regenfällen im April die Telefonverbindung zwischen Berlin-Karlshorst und Mahlow störanfällig war. Ein erster Fehler wurde am 17. April am Fernkabel 151 in Waßmannsdorf entdeckt und mit einem drei Kilometer langen Kabel hilfsweise repariert. In den Tagen vom 17. bis zum 22. April waren die Fernkabel 150, 151, 153 und 157 zeitweilig stillgelegt. Die CIA registrierte, wie sowjetische Nachrichteneinheiten und ostdeutsche Post- und Telegrafentechniker die Verbindungen wieder herzustellen versuchten. Der Handlungsdruck wird enorm gewesen sein, denn selbst die Telefonleitungen zum Oberbefehlshaber der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD), Marschall Andrej A. Gretschko (1903–1976)29 sowie zu mehreren Generälen waren unterbrochen. Auch die Verbindung vom sowjetischen Hauptquartier nach Moskau war mit dem Kabel 150 davon tangiert. Am 18./ 19. April wurde in Waßmannsdorf der nächste Fehler im Kabel 150 behoben, am 19. April ein weiterer Fehler, kaum zwei Kilometer von der Abhörstelle entfernt. Auch dort wurden am 20. April Teile des Kabels ausgetauscht, allerdings registrierte man im Spionagetunnel am 21. April den Hinweis, wonach die Verbindung weiterhin unbefriedigend sein würde, und noch weitere zwei Tage für Reparaturen am Kabel 150 veranschlagt wurden. Angesichts der Störungen auch beim Fernkabel für die Luftwarnung der GSSD war noch am 17. April die Kommunikation auf das Fernkabel 150 gelegt worden, womit die amerikanische Seite nachvollziehbar den Arbeitsschritten bei den Reparaturen folgen konnte.

Um 0:50 Uhr am 22. April registrierte der amerikanische Beobachtungspunkt auf der Radarstation rund fünfzig Männer auf der Schönefelder Chaussee, wie sie im Abstand von je einem Meter entlang des Fernkabels 150

gruben; darunter auch oberhalb der Abhörstation des Spionagetunnels. Eine Stunde später, um 2:00 Uhr morgens, stießen sie auf die Anzapfkammer.30

Nachdem der Leiter der KGB-Residentur in BerlinKarlshorst, Generalleutnant Jewgeni P. Pitowranow (1915–1999)31 diese Information erhalten hatte, begaben sich um 2:30 Uhr er und sein Stellvertreter für Nachrichtenbeschaffung, Sergej W. Patrikejew, sowie der Leiter der Englandabteilung der 2. Hauptverwaltung des KGB, Nikolai S. Mjakotnych, 32 zum in der Nähe der Anzapfkammer gelegenen Flughafen Schönefeld und warteten das Weitere ab, bis ihnen im Späteren die Information zum Tunnel mitgeteilt worden war.33

Unterhalb der Anzapfkammer befand sich ein vorsorglich im Rahmen der Operation GOLD installiertes Mikrofon, das um 2:10 Uhr russische Stimmen registrierte. Ein Loch wurde in die Platte auf der Anzapfkammer eingebracht und man konnte hineinsehen. Aus den mitgehörten Diskussionen ergab sich, dass die Meinung vorherrschte, dass es sich um einen Verstärkerpunkt handeln würde, währenddessen die Baukolonne das Loch zu vergrößern suchte. Um 2:50 Uhr traf kurzzeitig ein sowjetischer Oberst ein, der von amerikanischer Seite nicht identifiziert werden konnte, jedoch nach deren Ansicht nichts mit Fernmeldung zu tun hatte. Als das Loch um 3:00 Uhr morgens in der Abdeckplatte groß genug war, konnten die Kabel gesehen sowie darunter am Boden eine Art Falltür erkannt werden, die als Kiste gedeutet wurde. Danach war die erste deutschsprachige Stimme zu hören, aus dessen Ausführungen ersichtlich wurde, dass auf zwei Lastwagen gewartet werde, worauf ein deutsch sprechender sowjetischer Offizier erklärte, man werde bis zum Morgen warten, solange, bis Entscheidungen getroffen sein würden. Im Laufe der weiteren Ausgrabungsarbeiten erklärte ein Deutscher, dass diese Kammer mit der Kanalisation verbunden sein könnte, weshalb es ihm erforderlich schien, die entsprechenden Pläne zu beschaffen. Der sowjetische Offizier replizierte, dass diese Pläne bereits vorlägen und eine Kanalisation ausgeschlossen wäre. Etwa um 3:20 Uhr, nun schon bei verbesserter Sicht auf die Kabel, entstand bei den Anwesenden der Eindruck, als handelte es sich bei der vorgefundenen Situation um ein Relikt des Zweiten Weltkrieges. Zehn Minuten später verließen die sowjetischen Beteiligten die Fundstelle, bei der bis 5:00 Uhr morgens fortan Stille herrschte, als gäbe es vor Ort eine Arbeitspause. Aus abgehörten Gesprächen

zeichnete sich jedoch ab, dass der sowjetische Fernmeldebereich die Kommunikation vom Fernkabel 150 auf ein anderes umgeleitet hatte, was die amerikanischen CIAAnalytiker im Nachgang zu der Annahme veranlasste, dass zwischen 3:30 Uhr und einem um 4:15 Uhr abgehörten Telefonat die sowjetische Seite über den Fund der Kammer unterrichtet worden war. Ab 6:35 Uhr fanden sich sowjetische Offiziere ein. Einer von der Baukolonne betrat die Kammer und auf amerikanischer Seite wurde die Feststellung registriert: »Das Kabel wird abgezapft.« Ein Deutscher erklärte daraufhin auf Russisch, dass die Ankunft einer Kommission erwartet werde, weshalb weiter gegraben und auch gefilmt werden dürfe. Das letzte Telefonat wurde von amerikanischer Seite gegen 9:00 Uhr abgehört. Der Kasten selbst wurde noch nicht als Zugang zum Tunnel gedeutet, gleichwohl wurde eine Sprengfalle nicht ausgeschlossen. Einen »Durchgang« zu diesem Kasten galt in den vor Ort geführten Diskussionen noch als »höchst unwahrscheinlich«. Um 11:45 Uhr war klar, »die Kiste ist ein Eingang zu einem Schacht«, man begann, die Falltür zu öffnen. Um 12:30 Uhr wurde die Anzapfkammer betreten, wobei das Vorhängeschluss als von britischer Herkunft identifiziert worden war. Nachdem der Zugang groß genug war, wurde um 13:00 Uhr erkannt, dass es sich dahinter um einen Tunnel handelte. Weitere Filmaufnahmen wurden veranlasst. Um 14:20 Uhr betraten nach amerikanischer Wahrnehmung die sowjetischen Offiziere Oberst Zolochko, Major Nikolai I. Aplatov und Hauptmann Bartasch die Abhörkammer, während die sowjetisch-deutsche Kommission unterdessen am Fundort eingetroffen war. Tatsächlich konnten die Amerikaner mit dem Mikrofon russische Stimmen im Tunnel verzeichnen, und die ersten deutschen Stimmen betrafen zwei Männer, die sich mit Hans (phonetisch) und Kurt ansprachen, und gelegentlich ihre Körpergrößen vorstellten, um die Höhe des Tunnels zu schätzen. Einer war 1,67 Meter, der andere 1,70 Meter. Sie erkannten eine Installation als Mikrofon.34 Die beiden sind es auch, die den Tunnel gegen 15:00 Uhr abgelaufen waren, 35 und gegen 15:15 Uhr begonnen hatten, die abgezweigten Telefonkabel zu durchtrennen und gegen 15:50 Uhr das Mikrofon abzuschalten.36 Bis zu diesem Zeitpunkt waren offenkundig von deutscher Seite lediglich Hans und Kurt im Spionagetunnel zu hören gewesen. Die Anwesenheit von Wollweber und Wolf ist somit durch dieses Abhörprotokoll nicht belegt. Allerdings ist die gemeinsame Besichtigung des

Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck (1876–1960), und des Innenministers Karl Maron nach dem 22. April 1956 dokumentiert.37

Im Zuge der Planungen der Operation GOLD war Sprengstoff für den Fall der Entdeckung des Tunnels am Übergang zum sowjetischen Sektor angebracht worden, der in einem zwölf Meter langen Gartenschlauch eingebracht war.38 Der Sprengstoff war so dimensioniert, dass bei einer Explosion zwar der Tunnel auf amerikanischer Seite einstürzen würde, ohne aber auf der Erdoberfläche größere Folgen entstehen zu lassen.39 Doch wurde die Zündung des Sprengstoffs von amerikanischer Seite noch vor Öffnung des Tunnels am 22. April 1956 verworfen.40 Im Nachgang gelangte die CIA zu der Schlussfolgerung, dass die Entdeckung des Tunnels zufällig erfolgt war, mithin ließ ihr das Vorgehen der Sowjets in Altglienicke keinen anderen Schluss zu. Nach dem Wortprotokoll der CIA zu urteilen, das von Beginn der ersten Arbeiten am Fernkabel 150 an technisch aufgezeichnet worden ist, waren bis 15:35 Uhr die ersten Deutschen eben ein Kurt und ein Hans – ein Hinweis auf Adolf Viehmann findet sich nicht.

Der Anfang in Wien

Seit Anbeginn technischer Kommunikationsverbindungen war es nachrichtendienstlicher Ehrgeiz, mitzuhören und mitzulesen. Es begann mit der Möglichkeit des Morsens um 1830, des Telefonierens in den 1860er Jahren, des Telegrafierens in den 1890er Jahren, des Einbaus von Wanzen in den 1920er Jahren und findet stets eine Verfeinerung. Mithin gehört es zum nachrichtendienstlichen Alltag, in die technische Kommunikation anderer Staaten oder Botschaften einzudringen.41 Dies gilt auch in der nach dem Zweiten Weltkrieg in vier Sektoren geteilten Stadt Wien, in der es amerikanische wie britische Absicht der Nachrichtendienste war, in die Kommunikation der sowjetischen Nachrichtendienste zu gelangen. Die dort gesammelten Erfahrungen bildeten beinahe die Folie, nach welcher der Berliner Spionagetunnel entworfen wurde. In der österreichischen Metropole war es vor allem der Zweite Sekretär der britischen Botschaft, Peter Lunn (1914–2011),42 der für den britischen Nachrichtendienst als SIS-Stationschef die Kommunikationskanäle des sowjetischen Sektors ab 1950 durch die Operationen CON-

FLICT, SUGAR und LORD abhören ließ; das Kooperationsprojekt wurde seitens der CIA SILVER genannt.43 Über ein Telefonkabel in der Wiener Aspangstraße verlief der größte Teil des sowjetischen militärischen Telefonverkehrs und die Telefonleitungen nach Budapest, Bukarest, Prag und Sofia. Abgehört wurden diese Telefonate in der Operation CONFLICT ab 1948 bis 1951 von der 291. Field Security Section (FSS) unter dem Kommando von Captain John Ham-Longman.44 In der Operation SUGAR lag der Fokus auf dem Sitz der sowjetischen Militärverwaltung, der unterirdisch vom Imitatschmuckgeschäft Gablons abgehört wurde. Der längste Spionagetunnel wurde bei der Operation LORD in der Simmeringer Hauptstraße gegenüber dem sowjetisch besetzten Schwechat gegraben, bei der ein unterirdisches Kabel vom Hotel Imperial, dem sowjetischen Hauptquartier, angezapft wurde, das mit dem Kommando der Roten Armee in St. Pölten verbunden war.45

Im Hauptquartier des britischen Nachrichtendienstes SIS wertete zunächst die Sektion N das abgehörte Material aus, solange, bis 1953 im Haus Nr. 2 in Carlton Gardens in London außerhalb des Stammhauses die Sektion Y unter der Leitung von Colonel Tom Gimson eingerichtet wurde, in der wesentlich auch der Spionagetunnel in Berlin konzipiert worden ist. Stellvertreter Gimsons war George Blake (1922–2020)46 der den sowjetischen Nachrichtendienst im Oktober 1953 über diese Aktivitäten informierte. Diese Tunneloperationen endeten 1955, als Österreich unabhängig und neutral wurde.47

Berlin-Pläne

Im Januar 1951 gab es innerhalb der CIA Diskussionen zum nachrichtendienstlichen Informationseinbruch, seitdem die Sowjets auf Funkverkehr verzichteten und die Kommunikation mit Überlandleitungen organisierten, die gut gesichert waren.48 Der Fall lag anders bei den Erdkabeln, bei denen jeweils zu klären war, wo sie verliefen, und welche Kommunikationen über sie abgewickelt wurden, um jene Stelle zu ermitteln, die angezapft werden könnte. In der Folge konzentrierte sich die operative Arbeit der CIA in West-Berlin (wie auch des britischen SIS) diesbezüglich auf die Gewinnung von Quellen in Ost-Berlin, die entsprechende Informationen beschaffen konnten. So lieferte ein Mitarbeiter eines Fernmeldeamtes Bücher

zur Nutzung der Fernsprechkabel. Ein Jurist des Ministeriums für Post- und Fernmeldewesen bot Einblicke in die von sowjetischer Seite genutzten Erdkabel; der russische Chefdolmetscher des Ministeriums informierte über Verhandlungen seines Dienstherrn mit den Sowjets, und dann fand sich eine Quelle innerhalb dieses Ministeriums, welche die amtlichen Karten für den Verlauf der Kabel verschaffte, und dann jene Quelle, die insbesondere die sowjetischen Nutzer der Anschlüsse verkartete. Nach und nach zeichnete sich ein Bild der von sowjetischer Seite aus genutzten Erdkabel ab. Aus freigegebenen Unterlagen der CIA ist ersichtlich, dass noch am 3. August 1953 ein allgemeines, lediglich punktuell präzises Bild über das Ministerium für Post- und Fernmeldewesen bestanden hat, so etwa von der Hauptabteilung IV, in der die juristische Abteilung, die für Lohn- und Sozialpolitik wie auch die Pressestelle angesiedelt war. Der Pressereferent Heinz Senneider (SED) oder der Leiter der Bildungsabteilung, Otto Kästner (SED) konnten bereits benannt werden, doch den Leiter der Abteilung konnte lediglich phonetisch mit Boden (SED) angegeben werden.49 Mithin war die amerikanische Seite zu diesem Zeitpunkt operativ lediglich eingeschränkt im Bilde. Das stellte sich bis Dezember 1954 vollständig anders dar, als nahezu das Organigramm rekonstruiert worden war.50

Ab September 1952 war seitens der CIA deshalb William/Bill Harvey (1915–1976)51 in West-Berlin eingesetzt worden, der offiziell als Sonderreferent dem Leiter der Abteilung Berlin bei der Hohen Kommission für Deutschland in West-Berlin zugewiesen war, tatsächlich aber die Berlin Operation Base (BOB) der CIA, PASTIME genannt, leitete. Es konnte der Nachweis erbracht werden, dass die Sowjets ihre Kommunikationen überwiegend über Erdkabel abwickelten. Mehrere Testläufe im Januar 1953 bestätigten das, als eine Quelle der CIA in einem Ost-Berliner Telefonamt die sowjetische Kommunikation für einige Zeit auf West-Berliner Leitung schaltete.52

Auf dieser Basis nahm das Projekt des Berliner Spionagetunnels immer konkretere Formen an. Noch im Frühjahr 1953 war nicht entschieden, wo die Kabel in OstBerlin angezapft werden sollten.53 Selbstredend gab es Deckbezeichnungen für dieses Unternehmen, die offenkundig variieren. Bekannt sind die Bezeichnungen Operation GOLD aus amerikanischer Perspektive und STOPWATCH aus britischer Perspektive. In CIA-Unterlagen finden sich jedoch Bezeichnungen, die schlussfolgern las-

sen, dass die Bezeichnung PBJOINTLY für das »Berlin Tunnel Project« selbst zunächst verwendet wurde, während das aus dem abgehörten Material entstandene Informationsaufkommen als REGAL bezeichnet worden ist.54 Die Bezeichnungen Operation SILVER oder GOLD scheinen später ins Spiel gekommen zu sein – und haben sich gesellschaftlich durchgesetzt, woran hier angeknüpft wird.

Die konkreten Planungen 1953

Wesentlich für den Berliner Spionagetunnel waren die gesammelten Erfahrungen in Wien, die eben mit dem Namen Peter Lunn verbunden sind, der dort »Anzapfspezialist« für die sowjetisch genutzten Telefonleitungen war. Er wurde 1953 als Leiter des SIS in West-Berlin eingesetzt, wo er eine Abteilung einrichtete, die sich mit dem Telefonnetz in Ost-Berlin befasste. Auf Basis nachrichtendienstlich gewonnener Erkenntnisse gab es in der Folge mehrere Vorschläge, in das sowjetisch genutzte Kommunikationsnetz zu gelangen. Einer der Vorschläge betraf drei von sowjetischer Seite genutzte Fernsprechkabel in Altglienicke, das zum amerikanischen Sektor zählte.55

Am 28. August 1953 wurde der Plan konkret unter den britischen wie amerikanischen Nachrichtendiensten diskutiert. Die darauf entstandene Vorlage ging dann am 16. September 1953 von der CIA-Station in Frankfurt/ Main an den Direktor der CIA, Allen Dulles (1893–1969).56 Im Ergebnis der Diskussionen im August waren sich alle Beteiligten sicher, dass das Informationspotenzial des Tunnelprojekts die damit verbundenen Risiken und Kosten rechtfertigen würde, weshalb ein Aktionsplan entworfen und zur Genehmigung und Umsetzung vorgelegt wurde. Man hatte sich auf den Zugriff der relevanten Fernkabel in Altglienicke festgelegt und war bereit, einen Tunnel in den sowjetischen Sektor Berlins mit einer Länge von 550 Metern (1.800 Feet) zu graben, davon die Hälfte unter der Erde Ost-Berlins. Geplant war, nach einer längeren Trockenperiode, etwa im Spätsommer 1954, die Fernkabel anzuzapfen.57

Im Ergebnis dieser Überlegungen fiel die Entscheidung, die dort liegenden Fernsprechkabel 150, 151 und 152 der Deutschen Post anzuzapfen.58 Zwei waren in einem guten, eines in einem schlechten Zustand.59 Das Fernkabel 150 verband Berlin-Karlshorst mit dem sowjetischen Militär-

standort Wildpark (Kaserne am Großen Entenfänger-See bei Werder/Potsdam, wo sich einst das Hauptquartier des Oberkommandos der Luftwaffe befand), 151 das von Karlshorst bis zum »Schacht Mahlow« und dann weiter zum Wildpark führende Kabel, und 152 das ebenfalls von Karlshorst zum Schacht Mahlow verlegte Fernkabel. Die anvisierte Abhörstelle war rund zehn Kilometer von Karlshorst entfernt. Die britisch-amerikanische Operation GOLD wird sicherlich über die präzisen Planungsunterlagen für diese Fernkabel verfügt haben, denn die im Uhrzeigersinn angelegte Zählweise der Kabel von Mahlow zur Dottistraße in Berlin-Lichtenberg (faktisch die sowjetische Telefonzentrale) stimmte exakt mit den abgezweigten Adern aus den Kabeln überein.60 Die drei Fernsprechkabel enthielten 274 Fernkabelleitungen (150: 63, 151: 114 und 152: 97).61 In der Dokumentation werden jedoch andere Angaben gemacht: Zwei der Fernsprechkabel enthielten je 98, eines lediglich 63 Leitungspaare. In der Summe konnten demnach 259 Leitungspaare angezapft werden.62 Die Fernkabel 151 und 152 enthielten hinsichtlich der Fernsprechleitungen 93 Leitungen für den öffentlichen Verkehr, 39 für sowjetische Dienststellen und 52 für Sonderleitungen; ferner an Telegrafenleitungen 42 Leitungen für den öffentlichen Verkehr, 36 Leitungen für sowjetische Dienststellen und elf Sonderleitungen, und schließlich Rundfunkleitungen, von denen vier Meldeleitungen und sieben Übertragungsleitungen waren. Das zuständige Ministerium hatte, nachdem das Fernkabel 150 an die sowjetische Besatzungsmacht vermietet war, selbst keine Kenntnis von dessen Beschaltung;63 folglich ist anzunehmen, dass dies auch zunächst bei der britisch-amerikanischen Seite der Fall war. Allerdings dürfte bekannt gewesen sein, dass das Fernsprechkabel 150 an die sowjetischen Streitkräfte vermietet worden war, und dieses die Gruppe der sowjetischen Streitkräfte, die Nachrichtendienste und den Kommandanten in Berlin-Karlshorst mit den Garnisonen im Süden der DDR und insbesondere mit Moskau verbunden hat.64

Von amerikanischer Seite wurden später gänzlich andere Dimensionen der Abhörmöglichkeiten angegeben. Demnach hätten die drei Fernsprechkabel 1.200 Kommunikationskanäle zugänglich gemacht, von denen bis zu 500 zugleich genutzt worden wären. Im Schnitt wären stets 28 telegrafische und 121 telefonische Verbindungen angezapft worden.65 Sicherlich wurden sämtliche Leitungen sowjetischer Dienststellen abgehört.66

Die offenbar günstigste Stelle für das Anzapfen dieser drei Fernkabel befand sich an der Sektorengrenze in Altglienicke bei Schönefeld. Dort gab es überwiegend Felder und Kleingartenanlagen, insgesamt also kaum besiedelt. Die Kabel verliefen dort etwa 19 Meter entlang der Mauer des Friedhofes Altglienicke und jeweils etwa 60 Zentimeter parallel zur anliegenden Schönefelder Chaussee.67 Am 20. Januar 1954 hat CIA-Direktor Dulles für die amerikanische Seite den Tunnelbau genehmigt.68

Das von der CIA benötigte Anwesen lag am Schönbergweg 11 und gehörte Landwirt Hermann Massante (1889–1965). Er verpachtete das 37.000 Quadratmeter große Grundstück 1954 für eine Laufzeit von zehn Jahren an die amerikanische Besatzungsmacht, damit sie, wie ihm erläutert wurde, darauf drei für eine Radarstation benötigte Gebäude stellen konnte.69 Von seinem Grundstück im amerikanischen Sektor war die Sektorengrenze immerhin noch 137 Meter entfernt. Auf sowjetischer Seite befand sich zwischen Sektorengrenze und den drei relevanten Fernsprechkabeln an der Schöneberger Chaussee noch eine Strecke von 350 Metern. Dieses Areal gehörte Landwirt Paul Noack in Altglienicke, der dort mit Obstbäumen wirtschaftete,70 und nicht ahnen konnte, was in seinem Boden passierte.

Mit ersten konkreten technischen Überlegungen war John Taylor in West-Berlin befasst, der das Anzapfen der Kabel konzeptionieren sollte,71 sowie Oberst Balmain, der sich mit Fragen des Tunnelbaus auseinandersetzen sollte.72 Nach den Erinnerungen Blakes wurde erst danach der amerikanische Auslandsnachrichtendienst CIA in die Überlegungen eingebunden,73 dessen Direktor Allen W. Dulles sich aufgeschlossen zeigte. Diskutiert wurde, ob schwere Betonblöcke beim Tunnelbau zum Einsatz kommen sollten, was die britische Seite favorisierte, während die amerikanische Seite für runde miteinander verschraubbare Stahlplattensegmente plädierte, was sich letztendlich durchgesetzt hat.74

Im Februar 1954 reiste eine fünfköpfige Gruppe aus den USA ins Haus der Sektion Y nach London, darunter Frank B. Rowlett (1908–1988),75 Leiter der Sektion Sowjetunion bei der CIA, sowie William/Bill Harvey, Leiter der CIA in West-Berlin. Die Sektion Y war neben ihrem Leiter Tom Gimson durch Peter Lunn und dem Direktor für Beschaffung des SIS, George Young, vertreten. Das Protokoll führte George Blake.76 Verabredet wurde die Finanzierung des Projekts durch die CIA, den Tunnelbau sowie die

Bereitstellung der Arbeitskräfte. Die britische Seite sollte die technischen Ausrüstungen stellen. Die gemeinsame Auswertung sollte unter britischer Leitung in London stattfinden, den Stellvertreter sollte die CIA stellen. Die Tonbänder sollten durch einen eigenen Luftkurierdienst zur weiteren Auswertung nach London gebracht werden.77

Sichtweise des KGB

An den gemeinsamen Sitzungen von CIA und SIS am 15., 17. und 18. Dezember 1953 nahm auch George Blake für den britischen Nachrichtendienst teil. Er verfasste dienstlich das Protokoll und gab davon einen Durchschlag konspirativ an seinen Vorgangsführer von der 1. Hauptverwaltung des KGB, Generalleutnant Sergej A. Kondraschow (1923–2007) weiter, der offiziell an der Londoner Botschaft als 1. Botschaftssekretär für kulturelle Beziehungen fungierte.78 Blake hatte sich rund zwei Jahre zuvor zur nachrichtendienstlichen Kooperation mit dem KGB verpflichtet, wo er unter dem Decknamen DIOMID (= Diamant) geführt wurde.79 Er übermittelte auch Informationen aus dem Aufkommen der britischen Abhöraktivitäten gegen die UdSSR in Wien.80 Auf diese Weise war der KGB auch detailliert über die beabsichtigten britisch-amerikanischen Planungen für einen Spionagetunnel informiert und stellte sich offenbar darauf ein. Blake erklärte später, er habe überdies den Verlauf des Tunnels sowie die vorgesehenen Fernkabel auf einer Skizze übergeben.81 Den vollständigen Bericht zur Tunnelplanung übergab Blake erst am 12. Februar 1954. Der Resident des KGB in Berlin-Karlshorst, Jewgeni P. Pitowranow, erhielt dienstlich Kenntnis von der Quelle DIOMID und den Planungen der Operation GOLD (weshalb es Bemühungen gab, die Kommunikation der 1. Hauptverwaltung des KGB herauszuhalten, hingegen liefen Telefonate seitens der GRU und der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte ungestört in die Abhöraktion ein).82 Pitowranow ließ das Areal in Rudow offenkundig dezent beobachten und veranlasste operative Ermittlungen zu den Anrainern.83 Das blieb von CIA und SIS, die das grundsätzlich in Betracht gezogen und Sicherungsmaßnahmen vorbereitet hatten, gleichwohl unbemerkt.84 Zugleich wurde seitens des KGB im Dezember 1955 eine Gruppe Spezialisten nach Berlin unter Leitung von Wadim F. Gontscharow (*1921), genannt »Gorelow«, 85

entsandt, die – ohne über die Operation GOLD und den konkreten Abhörort informiert worden zu sein – mit der Haupt verwaltung der Fernmeldeeinheit der GSSD die Kom munikationssicherheit zu überprüfen hatte und nach amerikanischen Abhöraktionen ermitteln sollte. Im Januar 1956 lokalisierte die Gruppe als mutmaßliche Abhörstelle des amerikanischen Nachrichtendienstes tatsächlich jene Stelle, von der aus durch den Spionagetunnel in Rudow abgehört wurde, womit die Ausgangsinformation von Blake als Ersthinweis abgedeckt war. In der Folge wurde eine Fernmeldesonderkompanie seitens des KGB aufgestellt und ausgebildet.86

Vorbereitungen

Mit dem Bau des Tunnels sollte eine Pioniereinheit des US Army Corps of Engineers betraut werden. Zu diesem Zweck wurde der Leiter des Nachrichtendienstes der US Army (G 2), Generalmajor Arthur Trudeau (1902–1991)87 eingebunden, der die Pioniere einen Versuchstunnel auf dem Raketentestgelände White Sands Missile Range (WSMR) in New Mexico mit einer Länge von 150 Metern bauen ließ.88 Ferner war im August 1953 geplant worden, dass die Militärpost Berlin ein Pionierprojekt zur Errichtung der drei Lagerhäuser aufzustellen hatten, von dem aus der Zugang organisiert werden sollte. Während des Baus der erforderlichen Gebäude wurden Teams für die Arbeiten ausgebildet. Zur Ausbildung sollte Fahren, Umgang mit Elektrowerkzeugen, der Tunnelbau und die persönliche Sicherheit trainiert werden.89

Eine zehnköpfige britische Pioniereinheit übte derweil auf einer Militärbasis in Hampshire, Longmoor Camp, bis September 1954 den Bau eines senkrechten Schachtes, der für das Erreichen der Anzapfstelle erforderlich war.90 Die Stahlbogensegmente, aus denen die Tunnelröhre zusammengesetzt werden sollte, wurden in den USA hergestellt, bei der Armee in Virginia eingelagert, von Norfolk nach Bremerhaven verschifft und mit beinahe zwei Güterzügen nach West-Berlin transportiert. Das Gewicht wird von amerikanischer Seite mit 125 Tonnen, von ostdeutscher Seite mit 139 Tonnen angegeben. Entsprechend des Charakters der Radarstation trugen die sechzehn Pioniere Uniformen der 9539. Technical Support Unit.91 Am 2. September 1954 sollte mit den Grabungen des Tunnels begonnen werden.

Es war erforderlich, den genauen Zielpunkt des Tunnels für die Anzapfstelle zu ermitteln, wozu es zwei ähnlich klingende Erzählungen gibt. Einerseits wäre ein Fahrzeug mit zwei CIA-Agenten zum Zuge gekommen, das an der beabsichtigen Stelle auf der Schönefelder Chaussee eine Reifenpanne vortäuschte, um während der Reparatur einen Reflektor zu installieren, der dann vom Lagerhaus aus über einen Lichtstrahl auf diesen Punkt eingemessen werden konnte.92 Andererseits erinnerte ein beteiligter Techniker sich so: »Unter Nutzung der damals besten technischen Möglichkeiten wurden mehrere fotografische Überflüge angeordnet. Bei einem Flug wurden Glasplatten verwendet, um höchste Genauigkeit zu erzielen. […] Wir verwendeten außerdem ein neu entwickeltes elektronisches Distanzmesssystem (EDMS). Ein Mitarbeiter täuschte einen platten Reifen am Straßenrand in der Nähe des Zielpunktes vor. Während er am Reifen arbeitete, platzierte er ein kleines Gerät auf der Motorhaube des Fahrzeuges. Dieses Gerät empfing und übermittelte Daten an das EDMS-System. So konnten die Koordinaten der Zielkabel mittels Luftbild-Fotogrammetrie und elektronischer Messung bestimmt werden.«93

Die Radaranlage

Der Aufbau des Spionagetunnels lässt sich in drei Abschnitten beschreiben. Auf dem Grundstück von Hermann Massante wurde ein Gebäude in Gestalt einer überdimensionierten Garage erstellt. Offiziell firmierte sie als Radarstation der US Air Force, hatte eine Länge von 26 Metern und diente tatsächlich dazu, das Miniergut aus dem zu erstellenden Tunnel zunächst zu lagern und von dort abtransportieren zu lassen. Das Hauptgebäude hatte ein tiefes Kellergeschoss, Unterkunftsräume, Küche und einen Speisesaal. Ein weiteres Gebäude enthielt drei Dieselgeneratoren für die Stromerzeugung. Ein deutsches Bauunternehmen hatte die Gebäude erstellt und am 17. August 1954 übergeben.94 Sie wurden dann mit einem Hochsicherheitszaun umschlossen, an welchem Mikrofone angebracht waren, um Gespräche aufzuzeichnen. Fortan wurde das Gebäude selbst wie alle Bewegungen bis hin zur Schönefelder Chaussee überwacht, teilweise mit Infrarot-Nachtsichtgläsern.95

Am 28. August 1954 übernahm die vorgesehene Einheit (deren Deckname offenbar KURBAK lautete) den

Standort. Die erste Lieferung von Ausrüstungsgegenständen traf mit ihr an diesem Tag ein und war am nächsten Tag verstaut; die letzten Ausrüstungsgegenstände trafen am 7. September 1954 ein. Zwischen dem 29. August und dem 1. September 1954 erfolgte die Inbetriebnahme der neuen Anlagen. Am 2. September begann KURBAK mit den eigentlichen Ausgrabungsarbeiten.

Am 8. September 1954 begannen die Ausgrabungen innerhalb des Lagerhauses. Es war ein sechs Meter tiefer Schacht mit einem Durchmesser von fünf Metern eingebracht worden, bei dem sich zeigte, dass der Grundwasserspiegel nicht knapp zehn Meter, sondern fünf Meter betrug. Schon am ersten Tag waren schon nach 2,5 Metern geringe Wassermengen festgestellt worden. Es wurden sofort Pumpen beschafft und in Betrieb genommen. Es zeigte sich, dass in den Tagen vom 8. bis zum 15. September 1954 täglich 1.500 Liter (400 Gallonen) aus einer Tiefe von 3,6 Metern abgepumpt werden mussten, ohne ein relevantes Nachlassen des Wasserflusses registrieren zu können. Nach einem internen Diskussionsprozess wurde die Einbautiefe geändert.96 Die Höhe des Tunnels wurde daher auf 2,7 Meter unter der Oberfläche korrigiert.97 Die Analysten in der DDR ermittelten nach der offiziellen Enttarnung Anfang Oktober 1954 als Beginn des Tunnelbaus.98 Es wurde dann ein Tunnelvortriebsschild installiert, das etwas größer als der geplante Durchmesser des Tunnels war, um damit die Erde abzutragen.99 Am 11. Oktober 1954 sind die tatsächlichen Arbeiten am Tunnel aufgenommen worden und die Fertigstellung des Tunnels wurde auf den 22. Januar 1955 projektiert, falls keine weiteren Überraschungen eintreten würden.100

Der Tunnel selbst

Der Stollen führte etwa 2,80 Meter unter der Erdoberfläche entlang und war so gewählt, dass sich der Tunnel wegen des Lehmbodens nicht absenken konnte, zugleich aber die Vegetation nicht beeinflusste. Das Grundwasser liegt dort unterhalb von fünf Metern. Der Stollen hat eine Länge von 436 Metern und wurde durch 948 Rundbögen gehalten, die jeweils aus fünf Millimeter starkem und gewelltem Stahlblech erstellt waren. Die innere Höhe betrug 1,94 Meter. Jeder der nummerierten Rundbogen hatte eine Breite von rund 46 Zentimetern und enthielt jeweils fünf

Segmente, die ineinandergeschoben und mit Schrauben verbunden waren. Jeder Rundbogen hat für sich genommen ein Gewicht von 147 Kilogramm.101

Wenn ein Rundbogen eingebaut war, wurde abermals ein halber Meter Erde ausgehoben und dabei ein Schild waagerecht gehalten, um vor Erdeinbrüchen sicher zu sein. Dann setzte man den nächsten Bogen ein, und mittels einer Pressluftleitung konnte der Raum zwischen Rundbogen und Erdreich wieder vollständig mit Erde ausgefüllt worden. Für den Abtransport der Erde gab es einen umgebauten, elektrisch betriebenen Gabelstapler, dessen Anhänger auf gummierten Rädern liefen, die sich auf einer Art Holzgleis von einem halben Meter Breite bewegten. Auf ihnen konnte auch gelaufen werden.102

Von der Decke hingen Glühbirnen, die den Tunnel beleuchteten. An den Seiten und angelehnt an die Rundbögen wurden Sandsäcke gelegt, was teils dem Verstauen von Erdreich nutzte (dadurch wurde der Abtransport von etwa 200 Kubikmetern Sand eingespart), dem Abdämpfen von Geräuschen, dem Abfangen von Schwitzwasser und auch dem Schutz der Kabel.103 So verblieb im Tunnel etwa ein Achtel des Sandes, der in Säcke gefüllt wurde, die wiederum mit Stahlseilen an den Seiten stabilisiert waren.104 Außerdem sind auf der rechten Seite, mit Blickrichtung zum Anzapfpunkt, zwei gummierte Rohrleitungen angebracht worden, die mit Watte und Folie umwickelt waren; eine Leitung führte heißes Wasser in die Nähe der Anzapfstelle, die andere Leitung leitete das abgekühlte Wasser ab. Es gab weitere Leitungen auf den Säcken: zwei für Pressluft, dann ein Blechrohr mit 25 Zentimeter Durchmesser, das frische Luft zuführte, zwei Starkstromkabel, um den Pumpenmotor anzutreiben und eine weitere Leitung, die das abgepumpte Sickerwasser vom tiefsten Punkt des Tunnels ableitete.105

Nach dem Urteil der seitens der Kommission eingesetzten Gutachter wurde vermutet, dass für den Eingangsschacht vielleicht vierzehn Tage Bauzeit benötigte worden sind. Mit dem Bau des Stollens wurde, wie Oberst Sonnet rekonstruierte, am 15. Oktober 1954 begonnen und etwa am 15. März 1955 bis zum geplanten Ort für die Verstärkeranlage geführt.106 Nach amerikanischen Angaben begannen die Arbeiten im April 1954 und endeten am 25. Februar 1955, wobei in den Analysen der Kommission die Zeitverluste durch Eindringen von Grundwasser sowie die eine entdeckte Lehmlinse nicht einkalkuliert werden konnten. Im Durchschnitt konnten täglich sieben Rund-

bögen gesetzt werden, mithin etwas über drei laufende Meter Erdreich abgetragen werden.107

Ventilations- und Verstärkeranlage

Es handelt sich um zwei Räume, für die in der Summe drei Stahltüren vorgesehen waren. Ein Raum enthielt die Ventilation, der andere Raum die Verstärker der Signale aus den Fernkabeln. Die erste Stahltür befand sich am Eingang zur Ventilationsanlage, wurde er vom Stollen aus betreten. Diese Tür war in eine zehn Zentimeter starke Betonwand eingebaut und konnte nur von der Seite des Stollens aus geöffnet werden. Die zweite Tür für den Übergang vom Ventilationsraum zum Verstärkerraum war eine Luftschutztür, zwar vorhanden, jedoch noch nicht eingebaut. Die dritte Tür, ebenfalls eine Luftschutztür, befand sich zwischen Verstärkerraum und dem Kabelschacht, war mit einer Gummidichtung versehen, und führte in den Bereich, wo die Abzweigungen von den Fernsprechkabeln installiert worden sind.

Der 2,5 Meter lange Raum, in dem sich die Ventilationsanlage befand, war wie der Tunnel aus gewelltem Stahlblechsegmenten gebaut, allerdings mit 2,5 Millimeter starkem Sperrholz verkleidet. Der Boden war betoniert und mit Linoleum belegt. Mit der Ventilationsanlage wurde Frischluft durch das benannte 25 Zentimeter starke Rohr angesaugt, wodurch der Stollen belüftet wurde.

Auch der Verstärkerraum war wie der Ventilationsraum mit Sperrholz verkleidet. Hier befanden sich die Verstärker und fernsprechmäßige Einrichtungen. Es waren Leuchtstoffröhren angebracht, die den Raum ausleuchteten. Gegenüber der Verstärkeranlage befand sich eine Bankreihe, von wo aus die Fernsprechanlagen bedient werden konnten. Dort waren auch Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmessgeräte angebracht.108

Im Verstärkerraum befanden sich acht Verstärkergestelle mit einer Kapazität von 432 Verstärkern, deutlich mehr, als tatsächlich in den Fernkabeln an Adern vorhanden war. In den Fernkabeln befanden sich neben den tatsächlich genutzten Leitungen 399 Phantomstromkreise, die gleichfalls angezapft waren, um gegebenenfalls doch darüber geführte Telefonate oder Telegrafie abhören zu können.109 Von diesem Verstärkerraum wurden vier Verbindungskabel durch den Tunnel in den amerikanischen Sektor geleitet.110 Im Verstärkerraum befanden sich zwei

Fernsprechgeräte, eines davon ein Feldfernsprecher der US Army, die mit Kabeln in den amerikanischen Sektor führten. Die Verstärker selbst, die Stromversorgung wie auch die Messeinrichtungen stammten aus britischer Produktion von Siemens Brothers & Co. aus Woolwich und U. T. C. Southern Limited in London. Die Anodenstromversorgung war aus amerikanischer Produktion. Erst zu einem späteren Zeitpunkt, durch den Wintereinbruch bedingt, wurde die Klimaanlage eingebaut.111 Es war wegen des im Februar 1956 einsetzenden Schneefalls befürchtet worden, dass oberhalb des Tunnels der Schnee aufgrund der Stauwärme im Stollen selbst schmelzen könnte, weshalb eilig eine Kühl- bzw. Klimaanlage installiert werden musste.112

Kabelschacht

Der Bau der Abzweigkammer begann am 10. März 1955, lag gänzlich in britischer Hand, und wurde am 28. März 1955 mit der Freilegung der drei Zielkabel abgeschlossen.113 Aus den der Operation GOLD vorliegenden Plänen ergab sich, dass die Fernkabel an der Schönefelder Chaussee etwa 70 Zentimeter unter der Erde entlang liefen. Die Oberseite des vertikalen Schachts lag folglich knapp neben der Straße und nur 30 Zentimeter unter der Oberfläche, damit das Team, das die Kabel anzapfen sollte, genügend Platz zum Arbeiten hatte. Immerhin musste die Konstruktion so beschaffen sein, dass sie einem am Straßenrand parkenden Fahrzeug standhalten konnte.114 Der nächste Bereich war zunächst waagerecht und dann anschließend senkrecht angebracht. Der waagerechte Bereich befand sich unter der Schönefelder Chaussee. Dieser Bereich war mit vier stärkeren Stahlrundbögen ausgekleidet und hatte einen inneren Durchmesser von 2,10 Meter. Die Bereiche zwischen den einzelnen Bögen waren mit Beton vergossen. Daran schloss sich, etwa nach zwei Dritteln der Straßenbreite, ein Bereich mit Beton, Doppel-TTrägern und Eichenbohlen an. Dem folgte ein Rohrgestell, um Abbröckelungen durch Vibrationen auf der Straße abzufangen. Im Anschluss daran folgte ein senkrechter Schacht nach oben, der ebenfalls mit Eichenbohlen versteift wurde, und ging dann in einen waagerechten Bereich zur Anzapfstelle. Auch dieser Bereich war mit Rohren und Doppel-T-Trägern versehen. Das Treiben dieses Schachtes bis 60 Zentimeter unter der Erdoberfläche ob-

lag, wie bereits erwähnt, der britischen Seite, die eine 60 mal 90 Zentimeter große stählerne Kiste entwickelt hatten, die oberhalb wie ein Grill geöffnet und unten offen war. Sie wurde hydraulisch nach oben gedrückt.

Getarnt als amerikanische Armeeangehörige (bis hin zur Frisur) begannen sie am 10. März 1955 damit, den Schacht zu graben und trafen wie geplant die Anzapfstelle.115 Binnen vier Stunden waren die Abzweigungen von den drei Fernsprechkabeln installiert.116 Dieser Bauabschnitt wurde von Seiten der DDR später mit vier Wochen Arbeitszeit veranschlagt.117 Es waren jedoch gut acht Wochen.118 An anderer Stelle heißt es seitens der CIA: Die drei Kabel wurden am 11. Mai 1955, am 21. Mai 1955 und am 2. August 1955 angezapft. Die gesamte Ausrüstung zum Isolieren und Vorverstärken der Signale sowie das Weiterleiten dieser Signale in den Tunnel zur Aufzeichnung war vor jedem Anzapfen bereitgestellt worden, sodass mit der Überwachung jedes Leitungspaares sofort nach dem Anzapfen begonnen werden konnte.119

Die Fernkabel wurden an der Anzapfstelle getrennt und dazwischen Kabel in der Länge von 1,45 Metern installiert. Jede einzelne Ader ist dabei angezapft und zum Verstärkerraum geleitet worden.120 Innerhalb des Kabelschachts war das bereits erwähnte Mikrofon angeschlossen, das eben für den Zweck gedacht war, einen ungeplanten Einstieg in den Kabelschacht zu registrieren. Zugleich wurde mittels Fühlsonden die Temperatur ermittelt, ein Hygrometer stellte die Luftfeuchtigkeit fest, worauf die elektrisch gesteuerte Klimaanlage reagieren konnte.121 Die ersten Gespräche konnten am 11. Mai 1955 aufgezeichnet werden.

Informationsvolumen

Zur Aufzeichnung des Materials wurden nach Angaben der CIA etwa 50.000 Magnetbandspulen verwendet, was einem Gewicht von 25 Tonnen entspricht. Im Sprachverarbeitungszentrum in London beschäftigten sich bis zu 317 Mitarbeitende mit der Aufarbeitung der zwanzigtausend Zwei-Stunden-Sprachbänder, deren 368.000 sowjetische Gespräche vollständig transkribiert wurden. Das galt nicht für die 13.500 auf Deutsch erfassten Zwei-StundenSprachbänder, von denen nur 5.500 Bänder mit 75.000 Gesprächen aufgearbeitet und von denen wiederum 17.000 Gespräche vollständig transkribiert wurden. Kaum

geringer war der Aufwand, um die Fernschreiben zu verarbeiten, womit teils bis zu 350 Mitarbeitende befasst waren. Sie transkribierten die 18.000 sowjetischen Fernschreibrollen mit einer Länge von sechs Stunden und 1.000 deutsche Fernschreibrollen mit gleicher Länge vollständig. Das Potenzial einer solchen sechsstündigen Fernschreibrolle betrug etwa 216 Stunden mit Fernschreibnachrichten, darunter unverschlüsselte wie auch verschlüsselte Nachrichten.122

Die in Berlin stationierte zwei- bis vierköpfige Verarbeitungseinheit überwachte die technischen Schaltkreise des Projekts vor Ort, um möglichst die wichtigsten Informationen sofort zu verarbeiten. Sie erstellte täglich Berichte, die nach Washington und London übermittelt wurden. Bis zum 30. September 1958 entstanden auf diese Weise 1.750 Berichte, für die 90.000 Nachrichten bzw. Gespräche übersetzt wurden.123 Die CIA bewertete dieses Informationsaufkommen als authentisch und schloss aus, dass darunter seitens des KGB oder der GRU »Spielmaterial« eingestreut war. Die CIA hatte darauf keine Hinweise.124 Von den bis zum 22. April 1956 erfassten Angaben blieb zuletzt eine halbe Million Stunden Gesprächsaufzeichnungen unbearbeitet.125

Der Wert der Informationen

Eine Analyse der CIA zu den beschafften Informationen gelangte allgemein zu dem Schluss, dass die USA und Großbritannien in den Jahren 1955/56 einzigartig aktuell über den sowjetischen Einflussbereich in einer Qualität unterrichtet worden seien, wie das seit 1948 nicht mehr der Fall gewesen wäre. Die Operation GOLD wurde als wichtigste und zuverlässigste Quelle für Frühwarnungen über sowjetische militärische Absichten in Europa und darüber hinaus angesehen126 Politisch lieferte die Operation zu allem, was sich in Berlin ereignete, Insiderinformationen, die nicht selten von anderen Quellen abwichen. So etwa, dass die Sowjetunion keinesfalls daran interessiert war, ihre Vorrechte gegenüber den drei westlichen Alliierten über Berlin an die DDR abzugeben, obgleich SED-Führung und DDR-Regierung darauf drängten, um ihre eigene Souveränität auszubauen. Im Oktober 1955 wurde ferner durch diese Quelle die beabsichtigte Aufstellung der Nationalen Volksarmee in der DDR bekannt, im Februar 1956 die Beschlüsse des XX. Parteitages der

KPdSU und deren Folgen, insbesondere die bis dahin unvorstellbare Kritik des Vorsitzenden der KPdSU, Nikita S. Chruschtschows (1894–1971), an seinem verstorbenen Vorgänger, dem Diktator Josef W. Stalin (1876–1953) und dessen politischen Entscheidungen, was als eigene Sondermeldung mit der Überschrift »Chruschtschow verunglimpft Stalin« vermerkt wurde.127 Gesondert bemerkt wurde auch das vergebliche Bemühen des sowjetischen Verteidigungsministers, Marschall Georgi K. Schukow (1896–1974), die Rolle der Politoffiziere innerhalb der sowjetischen Streitkräfte einzuschränken. Das Material erlaubte überdies Einblicke in die vielschichtigen Beziehungen zwischen Militär und Politik in der sowjetischen Hierarchie, auch bei den sowjetischen Streitkräften in der DDR und in Polen.128

Unter dem Blickwinkel eines stets kalkulierten Angriffskrieges der Sowjetunion konnte – wie schon bei den Informationen aus den Tunneloperationen in Wien – Entwarnung gegeben werden, da es ausreichend Informationen über die Reorganisation des sowjetischen Verteidigungsministeriums, zu den Plänen zur Umsetzung des Warschauer Vertrages durch verstärkte militärische Koordinationsbemühungen zwischen der Sowjetunion und ihren osteuropäischen Staaten gab, und vor allem, wie ernsthaft die veröffentlichte Absicht war, die sowjetischen Streitkräfte zu reduzieren. Naheliegend war schließlich die Identifizierung von mehreren tausend sowjetischen Offizieren.129

Im Rahmen der Operation GOLD konnte zeitnah verfolgt werden, wie die sowjetische Luftwaffe in der DDR ihre nuklearen Trägersystemkapazität entwickelte, wie die Neuausrüstung mit neuen Bombern und zweimotorigen Abfangjägern mit Luftradarkapazität aussah, die verdoppelte sowjetische Bomberstärke in Polen und das dortige Auftauchen einer neuen Jagdfliegerdivision erfolgte.130 Es konnten einhundert sowjetische Luftwaffenstützpunkte in der UdSSR, DDR und Polen nebst einigen wichtigen Flugzeugfabriken identifiziert werden. Es konnte die Kampfaufstellung der sowjetischen Bodentruppen innerhalb der UdSSR, sowjetische Ausbildungspläne in DDR und Polen und auch mehrere tausend sowjetische Feldpostnummern ermittelt werden, die zur Erstellung sowjetischer Schlachtordnungen verwendet wurden.131 Durch das Informationsaufkommen entging auch nicht die Reduzierung des Status und der Personalstärke sowjetischer Seestreitkräfte, die Beobachtung der Verwaltungsabläufe

des Hauptquartiers der sowjetischen Ostseeflotte und der sowjetischen Marinestützpunkte an der Ostseeküste. Auch mit Blick auf das sowjetische Atomenergieprogramm konnten mehrere hundert damit befasste Personen ermittelt werden, was die Kenntnis über Organisation und Aktivitäten des Uranabbaus der Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft in Wismut einschloss. Nicht zuletzt erlaubten die Informationen Kenntnisse über mehrere hundert sowjetischer Nachrichtendienstler in der DDR und UdSSR, allein beim sowjetischen Militärnachrichtendienst GRU konnten 350 Mitarbeitende erkannt werden.132 Es fand sich sogar in einem abgehörten Telefonat der Hinweis auf eine Quelle im britischen Nachrichtendienst, die erst 1961 mit Georg Blake enttarnt wurde.133 Auf diese Weise wurde bekannt, dass der KGB seinerseits von Potsdam aus das von den USA genutzte Fernkabel angezapft hatte.134 Oder es konnten Abhöroperationen des KGB zum Funkverkehr zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik dokumentiert werden.135 Das Material reichte aus, um dem Leiter der KGB-Residentur in Berlin-Karlshorst, Generalleutnant Jewgeni P. Pitowranow, in seinen privaten und dienstlichen Alltag über die Schulter zu sehen.136

Regierungskommission der DDR

Es gab offenkundig eine Kommission, teils Regierungskommission, teils sowjetisch-deutsche Kommission genannt, am 21./22. April 1956 eingesetzt durch Ministerpräsident Otto Grotewohl, die sich noch vor der eigent lichen Öffnung des Spionagetunnels mit ihm zu befassen hatte. Das geht aus der Dokumentation hervor.137 Auf diese Kommission wird auch im Abhörprotokoll der CIA am 22. April 1956 hingewiesen, die um 7:00 Uhr am Tunnel erwartet wurde und auch eingetroffen war. Ihre Existenz muss somit als gegeben erachtet werden, auch wenn bislang lediglich einzelne Fragmente des entsprechenden Aktenvorganges vorliegen. Der Zeitpunkt seiner Bildung lässt jedoch den Eindruck aufkommen, als seien noch vor der tatsächlichen Öffnung des Tunnels selbst auch auf ostdeutscher Seite organisatorische Maßnahmen eingeleitet worden, um unmittelbar nach der offiziellen Entdeckung des Tunnels agieren zu können. Mithin werden folglich Minister Wollweber wie auch Ministerpräsident Grotewohl vorab, mindestens in der Nacht vom 21./22. April 1956, von sowjetischer Seite ins Bild gesetzt

worden sein. Ob das telefonisch erfolgte, wie Markus Wolf gehört haben will, mag mit Blick auf den Gegenstand selbst als weniger wahrscheinlich angesehen werden. Abgesehen davon, werden sich Wollweber und Grotewohl wie auch Innenminister Karl Maron, Postminister Friedrich Burmeister (1888–1968)138 sowie Verteidigungsminister Willi Stoph (1914–1999)139 abgestimmt haben, um die Kommission zu organisieren, bevor Wolf aus dem Schlaf gerissen worden sein wird. Sicherlich wird diese Kommission von sowjetischer Seite dominiert worden sein und der bereits erwähnte Gontscharow eine Schlüsselperson eingenommen haben.140

Allerdings gibt es in der hier vorgestellten Dokumentation141 wie auch im Stasi-Unterlagen-Archiv Dokumente, die auf Arbeitsergebnisse dieser Kommission schließen lassen. Auf den 27. April 1956 ist das »Bautechnische Sachverständigen-Gutachten über die Anlage an der Straße Altglienicke – Schönefeld« datiert, das zweifelsohne als ein Ergebnis der Kommission angesehen werden sollte. Verfasst wurde es von Oberst Erich Sonnet (1913–1989) und Oberkommissar Leuschner.142 Sonnet war keinesfalls Mitarbeiter des MfS oder des MdI, sondern Offizier der Wochen zuvor gebildeten Nationalen Volksarmee. Die Wahl fiel gewiss nicht zufällig auf ihn. 1934 trat er nach seinem Studium an der TH Stuttgart in den Dienst der Reichswehr, war 1937 Leutnant, 1939 Oberleutnant und Zugführer beim 1. Pionierbataillon 25. 1940 besuchte er die Pionierschule II, ab 1942 war er Hauptmann. Als Kommandeur des 295. Pionierbataillons kam er im Januar 1943 in Stalingrad in sowjetische Kriegsgefangenschaft und gehörte dort dem 1943 gegründeten Nationalkomitee Freies Deutschland an. Am 1. Mai 1945 gehörte er zur von Moskau aus eingeflogenen Gruppe von Gustav Sobottka (1886–1953)143, eine von drei Gruppen, die jeweils mit zwanzig Personen in Deutschland landeten; Sobottkas Gruppe allerdings in Sagan (heute Żagań in Polen). Sonnet war zunächst Stellvertreter des Oberlandrats in Cottbus, danach Oberbürgermeister in Guben. Im Juli 1952 trat er in den Dienst der Kasernierten Volkspolizei, dann der NVA. In den Tagen des Spionagetunnels war er allerdings Oberst im Ministerium für Nationale Verteidigung, und als Oberst Leiter des Pionierwesens der NVA.144 Er war wie geschaffen für den Fall dieses Tunnels, denn er konnte mit Blick auf seine militärischen Spezialkenntnisse sachverständig wirken. Es darf vermutet werden, dass dieser Kommission seitens des MfS auch der Leiter der

Abteilung O, Adolf Viehmann, angehörte wie vielleicht auch Willy Fathke und Wolfgang Reißner, denen, so wird aus der Dokumentation geschlussfolgert, Oberst Gustav Borrmann (1895–1975), der die Abteilung Allgemeines leitete.145 Von Seiten des Ministeriums des Innern gehörte sicherlich Hauptmann Leuschner vom »Kriminaltechnischen Institut der Hauptverwaltung Deutsche Volkspolizei« der Kommission an. Es war im Juli 1952 gebildet worden und hatte seinen Sitz im obersten Stockwerk des Präsidiums der Volkspolizei in der Neuen Königstraße (heute Otto-Braun-Straße).146 Leuschner und Borrmann werden als Verfasser der Dokumentation ausgewiesen, die sich teilweise auf Unterlagen der Kommission stützt.147 Neben MfS, MdI und MfNV waren überdies die Hauptverwaltung Fernmeldewesen des Ministeriums für Postund Fernmeldewesen mit Egon Zirzow und Heinz Witascheck (1914–1982) als Mitglieder dieser Kommission ausgewiesen.148 Sie dürften keine unerhebliche Rolle gespielt haben, denn sie lösten Untersuchungsaufträge an das Institut für Technik und Prüfwesen Groß-Berlins149 sowie an den VEB Fernmeldekabel-Anlagenbau aus.150 Zirzow leitete, wie die CIA 1951 ermittelt hatte, innerhalb der Hauptabteilung des Ministeriums die Abteilung für Fernmeldetechnik,151 war dann aber Leiter der Hauptabteilung für Fernmeldetechnik im Ministerium.152 Der ihm unterstellte und gelernte Fernmeldemonteur Witascheck153 gehörte ab 1929 dem kommunistischen Jugendverband an, arbeitete als Hauptreferent des Zentralkomitees der SED im Bereich von Franz Dahlem (1892–1981)154 und war 1953 innerhalb der Hauptabteilung I des Ministeriums zuständig für die Funksprechsicherheit,155 leitete dann in der Abteilung für Sonderfragen das Referat FE S I (Gebührenstelle für Dienststellen der Sowjets und der Volkspolizei) sowie das Referat FE S IV (Fernkabelsonderfragen) an.156

Aus der Arbeit dieser Regierungskommission entstand die Dokumentation »Spionagetunnel des amerikanischen Geheimdienstes«, die nachstehend veröffentlicht wird. Sie soll wesentlich von Oberst Borrmann und Hauptmann Leuschner für den Minister des Inneren, Karl Maron, zusammengestellt worden sein. Ein Datum ist nicht angegeben, doch geht aus ihrem einleitenden Inhalt hervor, dass sie nicht vor Oktober 1956 abgegeben worden sein kann, wobei offenkundig die 108 Fotos unmittelbar am 22. April 1956 sowie in den Folgetagen vor Ort gemacht worden sind, von den ausgebauten Teilen des Tunnels vielleicht

etwas später. Die Einführung in die Dokumentation erscheint angesichts ihrer orthographischen wie auch inhaltlichen Fehler (es ist die Rede von »Juni 1954«, als der 17. Juni 1953 gemeint war) sehr schnell verfasst und unkorrigiert ausgegeben worden zu sein. Sie stützt sich zwar erklärtermaßen auf Unterlagen der Kommission, doch lediglich auf solche, die deutlich hinter dem tatsächlichen Kenntnisstand zurückgeblieben sind. Möglicherweise war an die Rezeptionsfähigkeit des Adressaten gedacht worden.

Fazit

Das Graben von Spionagetunneln, um an die Telekommunikation relevanter Zielobjekte zu gelangen, wird als nachrichtendienstliche Daueraufgabe anzusehen sein. Insoweit dürften sowjetische oder osteuropäische diplomatische Vertretungen stets von löchrigem Erdreich umgeben gewesen sein. Der berühmteste Tunnel jedoch ist mit Abstand der in Berlin-Rudow gewesen, der in der Operation GOLD bzw. STOPWATCH 1954/55 erstellt worden ist. Die Gesamtkosten des Projekts GOLD beliefen sich nach Angaben der CIA auf 6.700.000 Dollar.157 Insgesamt wurden fast 1.500 US-Mitarbeitende für das Projekt freigegeben, zu denen eine noch unbekannte Anzahl britischer Staatsangehöriger dazukommen. Darüber hinaus sind weitere 1.000 Mitarbeitende seitens der USA zu zählen, die mehr oder weniger unwissentlich beteiligt waren.158 Es ist zu fragen, ob sich diese Kosten bei einer aktiven Laufzeit von elf Monaten gelohnt haben. Das amerikanische Urteil fällt hier eindeutig positiv aus.159

Letzthin bestätigte diese aufwändige Operation einen der ältesten Spionagetheoretiker namens Sun Tzu (544–496), der einst in »Die Kunst des Krieges« geschrieben haben soll: Spionage sei entscheidend für den Sieg über den

Feind wegen seiner Informationen, was die kostengünstigste Methode sei, in den militärischen Vorteil zu gelangen und somit militärische Konfrontationen zu vermeiden. Da Kriege teurer seien, könne mittels Spionage der Krieg mit möglichst geringen Kosten gewonnen werden, bestenfalls ohne physische Zerstörung.160

Es war durch die Operation SILVER anhand diverser Anhaltspunkte deutlich geworden – und bereits im Oktober 1953 auf britischer und amerikanischer Seite bekannt –, dass die sowjetische Seite einen militärischen Angriff auf Europa 1953/54 nicht vorbereitet hat. Durch die Informationen aus den angezapften Fernsprechkabeln 150, 151 und 152 in den Jahren 1955/56 wurde diese Feststellung unterstrichen. Mithin war Entwarnung angesagt, von sowjetischer Seite sogar betont durch die kritische Würdigung des verstorbenen sowjetischen Diktators Josef W. Stalins.

Die Geschichte des Spionagetunnels ist noch nicht abschließend geschrieben. Britische wie russische Nachrichtendienste haben auch nach 70 Jahren keine nennenswerten Archivalien hierzu freigegeben. Selbst die CIA hat lediglich einzelne, zusammenfassende Dokumente öffentlich gemacht, jedoch die aufschlussreichen Sitzungsprotokolle und Planungsunterlagen weithin noch unter Verschluss gehalten. Allein deshalb kommen den bislang kaum berücksichtigten Unterlagen des MfS, die hier erstmals ausgewertet wurden, ein ebenso großer Stellenwert zu wie eben jene hier erstmalig veröffentlichte Dokumentation »Spionagetunnel des amerikanischen Geheimdienstes«, die lediglich in einem einzigen Exemplar für den Minister des Inneren, Karl Maron, offenbar 1956/57 von jenen Mitgliedern der Kommission erstellt wurde, die mit der Analyse des Spionagetunnels befasst waren. So gesehen gibt es nun im Spionagetunnel in Berlin deutlich mehr Licht.

Anmerkungen

1 In keiner der biografischen Skizzen zu Ernst Wollweber finden sich Ausführungen zu dessen Rolle im Zusammenhang mit dem Spionagetunnel; vgl. Jan van Flocken, Michael F. Scholz: Ernst Wollweber. Saboteur – Minister – Unperson, Berlin 1994; Roger Engelmann, Silke Schumann: Der Ausbau des Überwachungsstaates. Der Konflikt Ulbricht – Wollweber und die Neuausrichtung des Staatssicherheitsdienstes der DDR 1957, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 43. Jg. (1995) Nr. 2, S. 341–371; Roger Engelmann: Ernst Wollweber (1898–1967). Chefsaboteur der Sowjets und Zuchtmeister der Stasi, in: Dieter Krüger, Armin Wagner (Hrsg.): Konspiration als Beruf. Deutsche Geheimdienstchefs im Kalten Krieg, Berlin 2003, S. 179–206; Ilko-Sascha Kowalczuk: Wollweber, Ernst, in: Neue Deutsche Biographie, Berlin 2024, Bd. 28, S. 491–493. In den bislang publizierten Auszügen aus seinen Erinnerungen findet sich gleichfalls nichts zur Thematik; vgl. Wilfriede Otto: Ernst Wollweber: Aus Erinnerungen. Ein Porträt Walter Ulbrichts, in: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung 32. Jg. (1990) Nr. 3, S. 350–378.

2 Vierzig Jahre später erinnerte sich der ehemalige KGB-Resident der DDR, Jewgeni P. Pitowranow, nicht nur daran, in den geöffneten Tunnel selbst eingestiegen zu sein, sondern auch, dass er noch nachts den Stellvertreter des Ministers, Erich Mielke (1907–2000) angerufen und diesen aufgefordert hätte: »Melden Sie sofort Walter Ulbricht, daß wir einen Spionagetunnel in der Nähe von Schönefeld entdeckt haben«; Klaus K. Sondermann: »Operation Gold«, in: die tageszeitung vom 22.4.1996. Das wirkt mit Blick auf das Einrichten einer dann noch nachts gebildeten deutsch-sowjetischen Kommission plausibel.

3 Vgl. Markus Wolf: Spionagechef im geheimen Krieg. Erinnerungen, Düsseldorf 1997, S. 110.

4 Vgl. Beste West-Qualität, in: Die Zeit (2006) Nr. 14 vom 30.3.2006.

5 Diese Erzählung wird wiederholt unkritisch wiedergegeben; vgl. Herbert Kierstein: Heiße Schlachten im Kalten Krieg, Berlin 2007; S. 71; David Stafford: Berlin underground. Wie der KGB und die westlichen Geheimdienste Weltpolitik machten, Hamburg 2003, S. 23 und 193.

6 Beste West-Qualität, in: Die Zeit (2006) Nr. 14 vom 30.3.2006.

7 Vgl. Klaus Wiegrefe: »Operation Gold«, in: Der Spiegel, 51. Jg. (1997) Nr. 39 vom 21.9.1997.

8 Wolf: Spionagechef, S. 110.

9 Vgl. Stafford: Berlin underground, S. 193.

10 Wolf: Spionagechef, S. 110 f.

11 Vgl. hier in der Dokumentation Spionagetunnel, S. 54.

12 Zur Person vgl. Dierk Hoffmann: Otto Grotewohl (1894–1964). Eine politische Biographie. München 2009.

13 Vgl. Dokumentation Spionagetunnel, S. 54.

14 Vgl. Operative Aufgabenstellung der Abteilung O nach der Entdeckung des Spionagetunnels in Altglienicke; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 59.

15 Zum KJVD vgl. Barbara Köster: »Die Junge Garde des Proletariats«. Untersuchungen zum Kommunistischen Jugendverband Deutschlands in der Weimarer Republik, o. O. 2005.

16 Zur KdF vgl. Andreas Wirsching: Vom Weltkrieg zum Bürgerkrieg? Politischer Extremismus in Deutschland und Frankreich 1918–1933/39. Berlin und Paris im Vergleich, München 1999, S. 561–570.

17 Zur Rolle der Abteilung O vgl. Roland Wiedmann: Die Diensteinheiten des MfS 19501989, Berlin 2012, S. 5.

18 Vgl. Generalleutnant Erich Mielke: Anordnung über den Verwaltungsweg von Nachrichtenübermittlungen an den Leiter der Hauptabteilung S vom 19.12.1953; BArch, MfS, BdL Dok.-Nr. 2298. Die Hauptabteilung S war Vorläufer der Abteilung O.

19 Vgl. Zur Person Adolf Viehmann vgl. BArch, MfS, BV Leipzig, KS Nr. 101/74; BArch, MfS, KS II 262/78; Kaderbefehl Nr. 63/52 in: BArch, MfS, HA KuSch Nr. 1066; Kaderbefehl Nr. 97/53, in: ebenda, Nr. 1358; Kaderbefehl Nr. 323/53, in: ebenda, Nr. 1359; Kaderbefehl Nr. 2975/55, in: ebenda, Nr. 1068; Kaderbefehl Nr. 299/57, in: ebenda, Nr. 1073; BArch, MfS, HA IX, AU Nr. 587/60; BArch, MfS, SED-KL Nr. 4152; BArch, MfS, Diszi Nr. 6892/92; Kristie Macrakis: Seduced by Secrets. Inside the Stasi’s Spy-Tech World, Cambridge 2008, S. 150. Ferner Angela Schmole: Abhören; Beobachten, Verwanzen und Markieren. Die Abteilung 26 des MfS, in: Zeitschrift des SED-Forschungsverbundes 19. Jg. (2006), S. 95–106, hier 95, worin auf den Bericht des Majors Viehmann zu »Kabeltrennaktionen 1956« verwiesen wird; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 192, Bl. 8–54; dies.: Abteilung 26. Telefonkontrolle, Abhörmaßnahmen und Videoüberwachung, Berlin 2009, S. 5, 21–24 und 44.

20 Vgl. Protokoll des 25. Parteitages der KPD am 21. April 2007 in Berlin, in: Die Rote Fahne vom 21.4.2007.

21 Vgl. Operative Aufgabenstellung der Abteilung O nach der Entdeckung des Spionagetunnels, o. D.; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 59 f., hier 59.

22 Vgl. BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 59 f., hier 60. Im Tagesverlauf seien noch weitere Mitarbeiter des Ministeriums erschienen, darunter Reinhard von der Hauptabteilung V des MfS sowie Heinz Witaschek vom Ministerium für Post- und Fernmeldewesen sowie Mitarbeiter

der Abteilung KO des MfS; ebenda. Zur Abteilung KO vgl. Wiedmann: Diensteinheiten, S. 22.

23 Zur Person Wolfgang Reißner vgl. BArch, MfS, KS Nr. 12379/90.

24 Vgl. Schmole: Abteilung 26, S. 10 und 49.

25 Zur Person Wolfgang Reißner vgl. Kaderbefehl Nr. 63/52; BArch, MfS, HA KuSch Nr. 1066; Kaderbefehl Nr. 97/53; BArch, MfS, HA KuSch Nr. 1358; Kaderbefehl Nr. 41/54; BArch, MfS, HA KuSch Nr. 1360; Kaderbefehl Nr. 299/57; BArch, MfS, HA KuSch Nr. 1073; Kaderbefehl Nr. 304/57; BArch, MfS, HA KuSch Nr. 1073.

26 Zur Person Heinz Fathke vgl. Kaderbefehl Nr. 135/54; BArch, MfS, HA KuSch Nr. 1360; Kaderbefehl Nr. 299/57; BArch, MfS, HA KuSch Nr. 1073.

27 Die weiteren Ausführungen stützen sich wesentlich auf Discovery by the Soviets of PBJOINTLY, 15.8.1956; Appendix A, in: Clandestine Services History. The Berlin Tunnel Operation 1952–1956, 24.6.1968, S. 1–15; https://www.cia.gov/readingroom/docs/CIARDP07X00001R000100010001-9.pdf; vgl. die Übersetzung von Ingmar Arnold: Zum 65. Jahrestag. »Die Entdeckung des Spionagetunnels durch die Sowjets«, in: Schattenwelt. Magazin des Berliner Unterwelten e.V., 7. Jg. (2001) Nr. 1, S. 71–83; ferner in geschwärzter Fassung als Dokument V 4 in: Donald P. Steury (Hrsg.): On the Front Lines of the Cold War. Documents on the Intelligence War in Berlin, 1946 to 1961, Washington 1999, S. 351–365.

28 Vgl. Paul Schlaak: Wetter in Berlin von 1950 bis 1961, in: Berlinische Monatsschrift (2001) H. 3, S. 180–192, hier 188.

29 Zur Person vgl. Jan Foitzik: Gretschko, Andrej A., in: Helmut Müller-Enbergs u. a. (Hrsg.): Wer war wer in der DDR. Ein Lexikon ostdeutscher Biographien, Berlin 2010, Bd. 1, S. 426 f.

30 Vgl. Dokument V 5, in: Steury: Frontlines, S. 367–393, hier 371, 377 und 379.

31 Zur Person vgl. http://www.knowbysight.info/ PPP/07768.asp.

32 Nikolai S. Mjakotnych war offiziell 1. Sekretär in der Botschaft der UdSSR in Berlin; vgl. Hans-Michael Schulze: Spuren vom »Berliner-Kreml«. Wie die Sowjets fast fünfzig Jahre lang Berlin-Karlshorst geprägt haben, in: Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat, (2004) H. 16, S. 59–69, hier 66.

33 Vgl. George Bailey, Sergej A. Kondraschow, David E. Murphy: Die unsichtbare Front. Der Krieg der Geheimdienste im geteilten Berlin, Berlin 1997, S. 284.

34 Vgl. Dokument V 5, in: Steury: Frontlines, S. 367–393, hier 371, 377 und 379.

35 Vgl. Stafford: Berlin underground, S. 196.

36 Arnold: 65. Jahresstag, S. 81.

37 Vgl. Sächsisches Staatsarchiv, 20250 Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei Leipzig,

Nr. 5587, dort 47; BArch, MfS, ZAIG, Fo Nr. 560; abgedruckt in Stafford: Berlin underground, S. 213.

38 Vgl. Clandestine Services History. The Berlin Tunnel Operation 1952–1956, 24.6.1968, S. 21; Stafford: Berlin underground, S. 148.

39 Vgl. Dokument V 3 (Memorandum for the record, 29.11.1954), in: Steury: Frontlines, S. 347–350, hier 347 f.

40 Vgl. Stafford: Berlin underground, S. 194.

41 Vgl. exemplarisch Sandro Gaycken, Constanze Kurz: 1984.exe. Gesellschaftliche, politische und juristische Aspekte moderner Überwachungstechnologien, Bielefeld 2009.

42 Zur Person vgl. Richard C. S. Trahair, Robert L. Miller: Encyclopedia of Cold War Espionage, Spies, and Secret Operations, Westport 2004, S. 176 f.

43 Vgl. George Blake: No Other Choice. An autobiography, New York 1990. Im Weiteren aber George Blake: Keine andere Wahl. Die Autobiographie des wichtigsten Doppelagenten in der Ära des Kalten Krieges, Berlin 1995, S. 27–29. Ferner Stafford: Berlin underground, S. 27–43.

44 Vgl. Thomas Riegler: Auf der Suche nach den britischen Spionagetunneln von Wien, 26.6.2024; https://thomas-riegler.net/2024 /06/26/auf-der-suche-nach-den-britischenspionagetunneln-von-wien.

45 Vgl. ebenda. Ferner Erwin A. Schmidl: Österreich im frühen Kalten Krieg 1945–1958. Spione, Partisanen, Kriegspläne, Wien 2000, S. 96; Stafford: Berlin underground, S. 44–59.

46 Zur Person George Blake vgl. Simon Kuper: Spies, lies and exile the extraordinary story of Russian double agent George Blake, New York, 2021; Steve Vogel: Betrayal in Berlin. George Blake, the Berlin Tunnel and the greatest conspiracy of the Cold War, London 2020; Roger Hermiston: The greatest traitor. The secret lives of Agent George Blake, London 2014; Edward Henry Cookridge: Traitor betrayed. The true story of George Blake, London 1962; ders.: Shadow of a spy. The complete dossier on George Blake, London 1967; ders.: The many sides of George Blake. The complete dossier, Princeton (1970); Seán Bourke: The Springing of George Blake, London 1971; ders.: Der Ausbruch. Die Befreiung des Doppelagenten George Blake, Hamburg 1972; ders.: Chrysanthemen für George Blake, Stuttgart 1974; Harford Montgomery Hyde: George Blake. Superspy, London 1987; Michael Randle, Pat Pottle: The Blake Escape. How we freed George Blake and why, London 1989; Georg Blake: No other choice. An autobiography, New York 1990; ders.: Keine andere Wahl. Die Autobiographie des wichtigsten Doppelagenten aus der Ära des kalten Krieges, Berlin 1995; Roger Hermiston: The greatest traitor. The secret lives of Agent George Blake, London 2014; Steve Vogel: Betrayal in Berlin.

George Blake, the Berlin Tunnel and the greatest conspiracy of the Cold War, London 2020; Simon Kuper: The Happy Traitor. Spies, Lies and Exile in Russia. The Extraordinary Story of George Blake, London 2021; Michael Randle: Rebel Verdict. The remarkable story of how two peace activists took on the British government – and won, London 2022; Kurt F. Jensen: Spies, lies and exile. The extraordinary story of Russian double agent George Blake, in: Intelligence and national security 38. Jg. (2023) Nr. 2, S. 302–304.

47 Vgl. Stafford: Berlin underground, S. 24.

48 Vgl. Clandestine Services History. The Berlin Tunnel Operation 1952–1956, 24.6.1968, S. 4; https://www.cia.gov/readingroom/docs/CIARDP07X00001R000100010001-9.pdf; Bailey: Unsichtbare Front, S. 261; G.: Engineering the Berlin Tunnel, in: Studies in Intelligence, 52. Jg. (2008) H. 1, S. 17–23, hier 17.

49 Vgl. Titel geschwärzt, 6.8.1953; https://www. cia.gov/readingroom/docs/CIA-RDP8000810A001700680006-3.pdf.

50 Vgl. Organization of the Government, political Parties, and Mass Organizations of the German Democratic Republic, 1.12.1955, S. 359–369; https://www.cia.gov/readingroom/ docs/CIA-RDP78-02646R000500100002-0. pdf.

51 Zur Person William Harvey vgl. Bayard Stockton: Flawed Patriot. The Rise and Fall of CIA Legend Bill Harvey, Washington 2006.

52 Vgl. Bailey: Unsichtbare Front, S. 263–265; Stafford: Berlin underground, S. 69–79.

53 Vgl. Engineering the Berlin Tunnel, in: Studies in Intelligence, 52. Jg. (2008) H. 1, S. 17–23, hier 19.

54 Vgl. The Berlin Tunnel Operation 1952–1956, 24.6.1968; https://www.cia.gov/readingroom /docs/CSHP-The Berlin Tunnel. Im Übrigen lautet der amerikanische Deckname LCPROWL für den Technischen Dienst im Bund Deutscher Jugend (BDJ), der von der Frankfurt Operation Base (FOB) in den Jahren von 1950 bis 1953 von der CIA als eine Art Staybehind-Netz genutzt wurde.

55 Vgl. Blake: Autobiographie, S. 42 f.

56 Zur Person Allen Dulles vgl. Steven L. King: Allen Dulles. Mastermind of american intelligence, o. O. 2024; James Srodes: Allen Dulles. Master of Spies, Washington D.C. 1999.

57 Dokument V 3 (Schreiben vom FOB-Chef an den Direktor des Central Intelligence Agency, 16.9.1953), in: Steury: Frontlines, S. 333–335.

58 Vgl. Bautechnisches Sachverständigen-Gutachten über die Abhöranlage an der Straße Altglienicke – Schönefeld, 27.4.1956; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 28–36, hier 28.

59 Vgl. G.: Engineering the Berlin Tunnel, in: Studies in Intelligence, 52. Jg. (2008) H. 1, S. 17–23, hier 20.

60 Vgl. Schreiben des VEB Fernmeldkabel-Anlagenbau an das Ministerium für Post- und

Fernmeldewesen, 30.4.1956; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 4 f., hier 5.

61 Vgl. Gutachten über die fernmeldetechnischen Anlagen des Anschaltepunktes für Mithörleitungen, 27.4.1946; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 10–14, hier 10.

62 Vgl. Dokumentation Spionagetunnel, S. 55.

63 Vgl. Gutachten über die fernmeldetechnischen Anlagen des Anschaltepunktes für Mithörleitungen, 27.4.1946; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 10–14, hier 11.

64 Vgl. Dokumentation Spionagetunnel, S. 54.

65 Vgl. Clandestine Services History. The Berlin Tunnel Operation 1952–1956, 24.6.1968, S. 25; https://www.cia.gov/readingroom/docs/ CIA-RDP07X00001R000100010001-9.pdf ; Stafford: Berlin underground, S. 156.

66 Vgl. Gutachten über die fernmeldetechnischen Anlagen des Anschaltepunktes für Mithörleitungen, 27.4.1946; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 10–14, hier 11.

67 Vgl. Dokumentation Spionagetunnel, S. 54.

68 Vgl. Bailey: Unsichtbare Front, S. 274.

69 Vgl. Martin Mende: Massante, Rudow und der Wissenschaftspreis des Vereins für die Geschichte Berlins, in: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, 120. Jg. (2024), H. 2, S. 143–147, hier 146.

70 Vgl. Dokumentation Spionagetunnel, S. 62. Ferner Bauer Noack verklagt Senat. USASpionagetunnel in Altglienicke gefährdete seine Existenz, in: Neues Deutschland vom 24.1.1957; Erst noch die Amis fragen, in: Neues Deutschland vom 30.6.1957; Justiz deckt Ami-Wühlmäuse, in: Neues Deutschland vom 12.1.1958; Bonner »Rechtsstaat«, in: Neues Deutschland vom 11.2.1958.

71 Vgl. Stafford: Berlin underground, S. 42.

72 Vgl. Blake: Autobiographie, S. 44.

73 Vgl. David Stafford: Spies Beneath Berlin. The Extraordinary Story of Operation Stopwatch/Gold, the CIA’s Spy Tunnel Under the Russian Sector of Cold War Berlin, London 2003; William Durie: British Garrison Berlin 1945–1994. No where to go, Berlin 2012; Steve Vogel: Betrayal in Berlin. The True Story of the Cold War’s Most Audacious Espionage Operation. Custom House, New York 2019.

74 Vgl. G.: Engineering the Berlin Tunnel, in: Studies in Intelligence, 52. Jg. (2008) H. 1, S. 17–23, hier 19.

75 Zur Person Frank B. Rowlett vgl. Frank B. Rowlett, 90, Wizard In Making and Breaking Codes, in: The New York Times vom 1.7.1998.

76 Vgl. Blake: Autobiographie, S. 44.

77 Ebd., S. 44 f.

78 Zur Person Sergej A. Kondraschow, in: Helmut Roewer, Stefan Schäfer, Matthias Uhl (Hrsg.): Lexikon der Geheimdienste im 20. Jahrhundert, München 2003, S. 245; Christopher Andrew, Wassili Mitrochin: Das Schwarzbuch des KGB. Moskaus Kampf gegen den Westen, Berlin 1999, S. 493 f.; Stafford: Berlin under-

ground, S. 99–101 und 125 f.; Helmut Trotnow: Die Entstehung des AlliiertenMuseums, Berlin 2023, S. 304 f.

79 George Blake: Keine andere Wahl. Die Autobiographie des wichtigsten Doppelagenten in der Ära des Kalten Krieges, Berlin 1995, S. 219. Ferner Nigel West: George Blake, in: The A to Z of Sexspionage, Lanham 2009, S. 21–26, hier 24; ders.: The Kremlin’s long reach, in: The Article vom 27.2.2020; Rupert Cornwell: George Blake. The last of Britain’s ›ideological‹ double agents who retained faith in communism to the end. The spy served in the Secret Intelligence Service (or MI6) from the early years of the Second World War until his unmasking as a Soviet informant in 1961, in: Independent vom 26.12.2020.

80 Vgl. Mitrochin: Schwarzbuch, S. 493; Stafford: Berlin underground, S. 227 f.

81 Vgl. Stafford: Berlin underground, S. 230.

82 Vgl. Mitrochin: Schwarzbuch, S. 494.

83 Vgl. ebenda.

84 Vgl. Stafford: Berlin underground, S. 184 f. Eine Quelle gibt er nicht an.

85 Zur Person Wadim F. Gontscharow vgl. Joseph Fitsankis: Faszinierendes Porträt des wenig bekannten Technikgenies des sowjetischen KGB, in: intelNews vom 24.12.2022; https://intelnews.org/2012/12/24/01-1161/#more-9753

Der spätere Oberst Gontscharow, heißt es dort, sei wissenschaftlicher und technischer Chefberater der 5. Sonderabteilung des KGB gewesen, die später als Operations- und Technologiedirektion bezeichnet worden sei.

86 Vgl. Bailey: Unsichtbare Front, S. 281–283. Als Quelle wird dort (S. 545) ein Interview von Sergej A. Kondraschow angegeben, dass er mit Gontscharow am 21. November 1994 geführt habe; Stafford: Berlin underground, S. 185, übernahm diese Angabe; Peter F. Müller, Michael Mueller: Gegen Freund und Feind. Der BND. Geheime Politik und schmutzige Geschäfte, Reinbek 2002, S. 240, ohne jedoch auf Bailey bzw. diese Quelle hinzuweisen.

87 Zur Person vgl. https://www.cia.gov/readingroom/docs/CIA-RDP80B01676R0012000 80047-2.pdf.

88 Vgl. G.: Engineering the Berlin Tunnel, in: Studies in Intelligence, 52. Jg. (2008) H. 1, S. 17–23, hier 19; Stafford: Berlin underground, S. 129.

89 Vgl. Dokument V 3 (Schreiben vom FOBChef an den Direktor des Central Intelligence Agency, 16.9.1953), in: Steury: Frontlines, S. 333–335.

90 Vgl. G.: Engineering the Berlin Tunnel, in: Studies in Intelligence, 52. Jg. (2008) H. 1, S. 17–23, hier 19; Stafford: Berlin underground, S. 129 f. und 139.

91 Vgl. Lori Stewart: Berlin Tunnel Ceases Operations, in: https://www.dvidshub. netnews/442731/berlin-tunnel-ceases-operations, 17.4.2023; Vgl. Clandestine Services History.

The Berlin Tunnel Operation 1952–1956, 24.6.1968, S. 17; https://www.cia.gov/reading room/docs/CIARDP07X00001R0001000 1000 1-9.pdf.

92 Vgl. David C. Martin: Wilderness of Mirrors, New York 1981, S. 80 f.; Jonathan Collier: The story of the Berlin Tunnel. What the operations narrative teaches us about covert conflict in an ongoing Cold War, 2018, S. 35; https:// digitalcommons.butler.edu/cgi/viewcontent. cgi?article=1500&context=grtheses.

93 Vgl. G.: Engineering the Berlin Tunnel, in: Studies in Intelligence, 52. Jg. (2008) H. 1, S. 17–23, hier 20.

94 Vgl. Clandestine Services History. The Berlin Tunnel Operation 1952–1956, 24.6.1968, S. 17; https://www.cia.gov/readingroom/docs/CIARDP07X00001R000100010001-9.pdf.

95 Vgl. Bailey: Unsichtbare Front, S. 267 f.; Stafford: Berlin underground, S. 127–129.

96 Vgl. Dokument V 2 (Progress Report – the Central Intelligence Agency, 18.10.1954), in: Steury: Frontlines, S. 338–344, hier 338 f. und 344.

97 Vgl. Clandestine Services History. The Berlin Tunnel Operation 1952–1956, 24.6.1968, S. 18; https://www.cia.gov/readingroom/docs/CIARDP07X00001R000100010001-9.pdf ; Stafford: Berlin underground, S. 131–135.

98 Vgl. Bautechnisches Sachverständigen-Gutachten über die Abhöranlage an der Straße Altglienicke – Schönefeld, 27.4.1956; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 28–36, hier 36.

99 G.: Engineering the Berlin Tunnel, in: Studies in Intelligence, 52. Jg. (2008) H. 1, S. 17–23, hier 21.

100 Vgl. Dokument V 2 (Progress Report – the Central Intelligence Agency, 18.10.1954), in: Steury: Frontlines, S. 338–344, hier 338 f. und 344.

101 Vgl. Bautechnisches Sachverständigen-Gutachten über die Abhöranlage an der Straße Altglienicke – Schönefeld, 27.4.1956; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 28–36, hier 29.

102 Vgl. Ebenda, Bl. 30; Stafford: Berlin underground, S. 136.

103 Vgl. Bautechnisches Sachverständigen-Gutachten über die Abhöranlage an der Straße Altglienicke – Schönefeld, 27.4.1956; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 28–36, hier Bl. 31.

104 G.: Engineering the Berlin Tunnel, in: Studies in Intelligence, 52. Jg. (2008) H. 1, S. 17–23, hier 22.

105 Vgl. Bautechnisches Sachverständigen-Gutachten über die Abhöranlage an der Straße Altglienicke – Schönefeld, 27.4.1956; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 28–36, hier Bl. 31.

106 Vgl. Ebenda, Bl. 35.

107 Vgl. Ebenda, Bl. 35. Die CIA gibt selbst den 28. Februar 1955 an; vgl. Clandestine Services History. The Berlin Tunnel Opertion 1952–1956, 24.6.1968, S. 19; https://www.cia.gov/readingroom/ docs/CIA-RDP07X00001R000100010001-9.pdf

Vgl. Bautechnisches Sachverständigen-Gutachten über die Abhöranlage an der Straße Altglienicke – Schönefeld, 27.4.1956; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 28–36, hier 30.

108 Vgl. ebenda, Bl. 31.

109 Vgl. Gutachten über die fernmeldetechnischen Anlagen des Anschaltpunktes für Mithörleitungen, 27.4.1956; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 10–14, hier 11.

110 Vgl. ebenda, Bl. 12.

111 Vgl. Gutachten über die fernmeldetechnischen Anlagen des Anschaltpunktes für Mithörleitungen, 27.4.1956; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 10–14, hier 13.

112 Vgl. G.: Engineering the Berlin Tunnel, in: Studies in Intelligence, 52. Jg. (2008) H. 1, S. 17–23, hier 23; Stafford: Berlin underground, S. 188.

113 Vgl. Clandestine Services History. The Berlin Tunnel Operation 1952–1956, 24.6.1968, S. 19; https://www.cia.gov/readingroom/docs/CIARDP07X00001R000100010001-9.pdf.

114 Vgl. Clandestine Services History. The Berlin Tunnel Operation 1952–1956, 24.6.1968, S. 14; https://www.cia.gov/readingroom/docs/CIARDP07X00001R000100010001-9.pdf.

115 Vgl. Stafford: Berlin underground, S. 143.

116 Vgl. ebenda.

117 Vgl. Bautechnisches Sachverständigen-Gutachten über die Abhöranlage an der Straße Altglienicke – Schönefeld, 27.4.1956; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 28–36, hier 32 f.

118 Vgl. Stafford: Berlin underground, S. 146.

119 Vgl. Clandestine Services History. The Berlin Tunnel Operation 1952–1956, 24.6.1968, S. 21; https://www.cia.gov/readingroom/docs/CIARDP07X00001R000100010001-9.pdf.

120 Vgl. Gutachten über die fernmeldetechnischen Anlagen des Anschaltpunktes für Mithörleitungen, 27.4.1956; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 10–14, hier 10.

121 Vgl. Gutachten über die fernmeldetechnischen Anlagen des Anschaltpunktes für Mithörleitungen, 27.4.1956; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 10–14, hier 12 f.

122 Vgl. Clandestine Services History. The Berlin Tunnel Operation 1952–1956, 24.6.1968, S. 25; https://www.cia.gov/readingroom/docs/CIARDP07X00001R000100010001-9.pdf; Stafford: Berlin underground, S. 160–169.

123 Vgl. Dokument V 7, in Steury: Frontlines, S. 399 f.; Clandestine Services History. The Berlin Tunnel Operation 1952–1956, 24.6.1968, S. 26; https://www.cia.gov/readingroom/docs/ CIA-RDP07X00001R000100010001-9.pdf ; ebenso in Bailey: Unsichtbare Front, S. 293 und 546; Mitrochin: Schwarzbuch, S. 494 f.

124 Vgl. Dokument V 7, in Steury: Frontlines, S. 400; Stafford: Berlin underground, S. 227.

125 Vgl. Stafford: Berlin underground, S. 164.

126 Vgl. Appendix B: Recapitulation of the Intelligence Derived, o. D., S. 1–6; Clandestine Services History. The Berlin Tunnel Operation

1952–1956, 24.6.1968, https://www.cia.gov/ readingroom/docs/CIA-RDP07X00001R000 100010001-9.pdf

127 Vgl. Stafford: Berlin underground, S. 172.

128 Vgl. Dokument V 8 (Appendix B: Recapitulation of the Intelligence Derived. o. D.), in: Steury: Frontlines, S. 401–406, hier 403; ferner Stafford: Berlin underground, S. 175.

129 Vgl. Steury: Frontlines, ebenda.

130 Vgl. ebenda.

131 Vgl. ebenda, 404.

132 Vgl. ebenda, S. 405. Bailey: Unsichtbare Front, S. 297; Stafford: Berlin underground, S. 173–175 und 177.

133 Vgl. Mitrochin: Schwarzbuch, S. 495; Andrew, Gordiewsky: KGB, S. 571.

134 Vgl. Bailey: Unsichtbare Front, S. 299.

135 Vgl. Stafford: Berlin underground, S. 180–184.

136 Vgl. Soviet Intelligence and Security. Lieutenant General Evgenii P. Pitrovranov, 23.7.1958; https://www.cia.gov/readingroom/docsDOC_ 0001510415.pdf; vgl. Stafford: Berlin underground, S. 180–184.

137 Vgl. Dokumentation Spionagetunnel, S. 54.

138 Zur Person Friedrich Burmeister vgl. Andreas Herbst, Helmut Müller-Enbergs: Burmeister, Friedrich, in: Wer war wer?, Bd. 1, S. 196.

139 Zur Person Willi Stoph vgl. Bernd-Rainer Barth, Helmut Müller-Enbergs: Stoph, Willi, in: Wer war wer?, Bd. 2, S. 1282 f.

140 Vgl. Klaus K. Sondermann: »Operation Gold«, in: die tageszeitung vom 22.4.1996.

141 Vgl. Dokumentation Spionagetunnel, S. 54–67.

142 Vgl. Bautechnisches Sachverständigen-Gutachten über die Abhöranlage an der Straße Altglienicke – Schönefeld, 27.4.1956; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 28–36.

143 Zur Person Gustav Sobottka vgl. Peter Erler, Helmut Müller-Enbergs: Sobottka, Gustav, in: Wer war wer?, Bd. 2, S. 1241.

144 Vgl. National Archives and Records Admi-

nistration (NARA), T 78 (Aufzeichnungen des deutschen Oberkommandos des Heeres) R 943–2813, R512-0535; BArch, Militärarchiv, Pers 6/67127 (PA/53095); BArch, DO 1/101702 (17044); BArch, DG 11/352; vgl. ferner Hans-Erich Sonnet: Im Strudel des 20. Jahrhunderts. Erinnerungen, Berlin 2013; Daniel Niemetz: Das feldgraue Erbe. Die Wehrmachtseinflüsse im Militär der SBZ/ DDR (1948/49), Berlin 2006, S. 39, 179 und 195 f.

145 Zur Person Gustav Borrmann vgl. Borrmann, Gustav (1895–1975), in: Hermann Weber, Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945, Berlin 2008, S. 114 f.; Jens Giesecke: Gustav Borrmann, in: Wer war wer?, B. 1, S. 156; Jeannette Michelmann: Aktivisten der ersten Stunde. Die Antifa in der Sowjetischen Besatzungszone, Köln 2002, S. 127.

146 Vgl. Von Kriminaltaktik und -technik, in: Neues Deutschland vom 1.7.1962, S. 6; Remo Kroll: Die Kriminaltechnik in der DDR. Eine Übersicht, in: Konrad Bressem, Harald Broer (Hrsg.): Die Zentrale der Kriminalpolizei im Ministerium des Innern der DDR, Berlin 2020, S. 147–171, hier 147 f.

147 Vgl. Dokumentation Spionagetunnel, S. 53.

148 Vgl. Gutachten über die fernmeldetechnischen Anlagen des Anschaltpunktes für Mithörleitungen, 27.4.1956; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 10–14, hier 10.

149 Vgl. Gutachten über die zeitliche Entstehung des Spionagetunnels in Altglienicke an der Schönefelderstraße [sic!], 27.4.1956; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 26 f., hier 26.

150 Vgl. Schreiben des VEB Fernmeldekabel-Anlagenbau an das Ministerium für Post- und Fernmeldewesen, 30.4.1956; BArch, MfS, Abt. 26, Nr. 183, Bl. 4 f., hier 4.

151 Vgl. Notes on DDR-Post-Ministerium in Berlin,

19.10.1951, S. 3; https://www.ciagovreadingroom/docs/CIA-RDP8300415R0095001400 06-5.pdf; Titel geschwärzt, 6.8.1953; https://www. cia.gov/readingroom/docs/CIA-RDP8000810A001700 680006-3.pdf.

152 Vgl. Organization of the Government, political Parties, and Mass Organizations of the German Democratic Republic, 1.12.1955, S. 359–369, hier 359 und 365 f.; https://www.cia.gov/readingroom/docs/CIA-RDP78-02646R000 500100002-0.pdf.

153 Zur Person Heinz Witascheck vgl. HansJoachim Fieber (Hrsg.): Widerstand in Berlin gegen das NS-Regime 1933 bis 1945. Ein biographisches Lexikon, Berlin 2002, Bd. 8, S. 217 und 261.

154 Zur Person Franz Dahlem vgl. Bernd-Rainer Barth, Helmut Müller-Enbergs: Dahlem, Franz, in: Wer war wer?, Bd. 1, S. 213 f.

155 Vgl. Titel geschwärzt, 6.8.1953; https://www. cia.gov/readingroom/docs/CIA-RDP8000810A001700680006-3.pdf.

156 Vgl. Organization of the Government, political Parties, and Mass Organizations of the German Democratic Republic, 1.12.1955, S. 359–369, hier 366; https://www.cia.gov/readingroom/ docs/CIA-RDP78-02646R000500100002-0. pdf.

157 Vgl. Steury: Frontlines, S. 400.

158 Vgl. Clandestine Services History. The Berlin Tunnel Operation 1952–1956, 24.6.1968, S. 29 f.; https://www.cia.gov/readingroom/docs/CIARDP07X00001R000100010001-9.pdf.

159 Vgl. Harry A. Rositzke: CIA’s Secret Operations. Espionage, counterespionage, and covert action, New York 1977, S. 146; Martin: Wildernes, S. 89; John Ranelagh: The Agency. The Rise and Decline of the CIA, New York 1986, S. 288–296.

160 Vgl.: Ssun-ds’ Traktat über die Kriegskunst, Berlin 1957.

 Luftbild (Aufnahme nach dem Mauerbau, etwa um 1963) der mit einer Doppelzaun anlage gesicherten Radarstation, Blickrichtung Osten. Die Zufahrt erfolgte von Süden.

Aerial photo (taken after the construction of the Wall around the year 1963) of the radar station secured by a double-fence system, looking east. Access was from the south.

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