BERLINER SPAZIERGÄNGE
BERLINER SPAZIERGÄNGE
VOLKER WAGNER
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VOLKER WAGNER



Bild S. 2: Anlässlich der Reichstagssitzung vom 20. Februar 1938 wurde die an den Großen Stern verlegte Siegessäule mit Fahnen geschmückt.
Abbildungen
AKG-Images, Berlin: 28/29. Bundesarchiv: 8 (Ugo Proietti), 11, 14 (Georg Pahl), 18, 24, 30 (Ugo Proietti), 33 (Ugo Proietti), 34, 39 (Carl Weinrother), 40, 42 (Joachim F. Thurn), 43, 44, 46, 52 (Georg Pahl), 54/55 (A. Frankl), 60 (Georg Pahl), 62 (Georg Pahl), 63 (Georg Pahl), 64 (Georg Pahl). Elsengold Verlag, Berlin: 53, 54, 56. Fotolia: Titelbild (Fontanis), 12/13 (nmann77), 24/25 (Thomas Röske), 25 (Thomas Röske), 48 (babelsberger), 49 (till beck), 50 (fotoxo), 51 (ArTo), 55 (babelsberger), 61 (ArTo). Archiv Volker Wagner, Berlin: 2, 6, 7, 10, 15, 16, 17, 18/19, 19, 20, 21, 22, 23, 26, 27, 34/35, 35, 36, 37, 38, 38/39, 41, 46/47, 47, 66. Wikimedia Commons: 9 (Willy Pragher), 45 (OTFW), 57 (Manfred Brückels), 58 (Marek Śliwecki)
Impressum
Copyright © 2018 Elsengold Verlag GmbH, Berlin Alle Rechte vorbehalten.
Gestaltung uns Satz: Felgner & Zierke, Berlin Printed in the Czech Republic
ISBN 978-3-96201-006-5
Vom Anhalter Bahnhof zum Boulevard Unter den Linden Spreebogen und Brandenburger Tor Östlich des Brandenburger Tors
Vom Prenzlauer Berg zum Scheunenviertel
Vom Messe- zum Olympiagelände
Der Anhalter Bahnhof und der Askanische Platz, um 1935
Der Anhalter Bahnhof war der „Regierungsbahnhof“ in der deutschen Hauptstadt. Nur noch der Portalrest erinnert heute an eine große Eisenbahngeschichte. Die Bahnhofsruine wurde bis 1962 gesprengt.
Am 6. Juli 1940, kurz nach der Kapitulation Frankreichs, hatte Adolf Hitler hier seinen feierlichen Einzug gehalten und ließ sich frenetisch feiern. In der „Berliner Morgenpost“ heißt es einen Tag Der Führer in seiner feldgrauen Uniform dankt lächelnd zu allen Seiten und tritt dann seine Fahrt zur Reichskanzlei an.“

Ein Jahr später berichtete die „Berliner Morgenpost“ allerdings nichts über die Abfahrt der ersten von fast 10 000 Berliner Juden, die vom Anhalter Bahnhof ab dem 2. Juni 1942 auf insgesamt 116 Transporten in das Vernichtungslager Theresienstadt deportiert wurden. Zu dieser Zeit wurden die zunächst älteren Berliner Juden in augenscheinlich normalem Reisebetrieb in regulären Personenzügen in den Tod geschickt. Gegenüber der Portalruine des Anhalter Bahnhofs erhebt sich das 1966–68 errichtete Excelsior-Haus auf den ehemaligen und einzeln parzellierten Grundstücken Stresemannstraße 68 bis 78. Heute erinnert nichts mehr an die allesamt im Krieg zerstörten

Hotels. Auf dem Grundstück Nr. 74 befand sich das Hotel Hospiz, in dem wichtige Gespräche der Berliner Mitglieder der Be kennenden Kirche statt gefunden hatten. Die Bekennende Kirche war u. a. von den Berliner Pfarrern Martin Niemöller und Dietrich Bonhoeffer gegründet worden, um den Einfluss des NS-Führerstaates auf die evangelische Kirche so weit wie möglich zu begrenzen. Der ehemalige Leipziger Oberbürgermeister Carl Goerdeler, der als Mitglied der Wider standsbewegung um Claus Schenk Graf von Stauffenberg in Berlin-Plötzensee am 2. Februar 1945 hingerichtet wurde, gehörte zu den aktiven Gesprächsteilnehmern.
In der Stresemannstraße steht an der Ecke zur Anhalter Straße ein denkmalgeschütztes Gebäude, das aus zwei sehr unterschiedlichen Teilen besteht. Direkt an der Straßenecke befindet sich das „Deutschlandhaus“ von 1926/27. Kurz zuvor war mit dem Bau des benachbarten elfgeschossigen „Europa-Hauses“ begonnen worden, in das Dienststellen des erweiterten Reichsarbeits-
Hospiz am Askanischen Platz, Postkarte von 1939

Blick auf das Deutschlandhaus, ca. 1940
ministeriums eingezogen waren. Heute sind hier das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit untergebracht. Nachbar wird die Bundesstiftung für Flucht, Vertreibung und Versöhnung.
In den Erdgeschosszonen gab es trotz der behördlichen Nutzung einige Bierlokale. Ungezählt sind die Orte und Aktionen, an und bei denen die restriktiven Sicherheitsorgane des NS-Staates überfallartige Razzien durchgeführt hatten – nicht nur gegen Juden, Kommunisten und Sozialdemokraten, sondern auch gegen eine linke Abspaltung der SPD, die 1931 gegründete Sozialistische Arbeiterpartei SAP. In Berlin führte Edith Baumann, die erste Frau des späteren DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, die nach 1933 verbotene Partei.
Der Potsdamer Platz war nach der Wiederherstellung der deutschen Einheit die größte innerstädtische Baustelle Europas. Bis zur Jahrtausendwende entstand hier u. a. mit dem Sony-Center ein neues Stück Berlin. Die heute kaum noch erkennbare Bellevuestraße ist mit dem Center überbaut. Auf einem Teilgrundstück befand sich das (Königliche) Wilhelmsgymnasium.