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Globaler Wachstumsausblick August 2026

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August 2026 GLOBALER WACHSTUMSAUSBLICK

Iran-Krieg dämpft globale Expansion Notenbanken stellen sich dem Inflationsschock

Wachstum 2026 schwächelt weltweit KI-Boom überdeckt strukturelle Eintrübung ▪ Das weltwirtschaftliche Wachstum dürfte dieses Jahr auf drei Prozent zurückfallen. Der Iran-Krieg führt zu einer Verschiebung der zugrundeliegenden Erholung der Weltwirtschaft, dämpft das Wachstum des Welthandels und der Industrieproduktion und beeinträchtigt die Investitionstätigkeit und die Konsumausgaben.

Der Iran-Krieg löst einen stagflationären Schock aus. Er dürfte das weltwirtschaftliche Wachstum um knapp einen halben Prozentpunkt senken und die globale Inflation um gut einen Punkt auf über 4,5 Prozent erhöhen. Die Risiken für Wachstum und Inflation bleiben angesichts des fortdauernden Konflikts hoch.

Die US-Wirtschaft dürfte dank des KI-Booms um zwei Prozent wachsen, während China mit 4,6 Prozent wohl vergleichsweise schwach zulegen wird.

Die Wirtschaft des Euroraums dürfte 2026 um 0,8 Prozent wachsen. Investitionen und Außenhandel bleiben angesichts volatiler Energiepreise schwach und das Wachstum unter seinem Potenzial.

Die deutsche Wirtschaftsentwicklung dürfte in diesem Jahr um 0,6 Prozent zulegen. Eine gewisse Stabilisierung der industriellen Entwicklung sollte ein Rezessionsszenario vermeiden helfen. Erst mit dem nächsten Jahr dürften die Impulse der Finanzpolitik dann das Wachstum auf gut ein Prozent anheben.

Die meisten Länder haben ihr finanzpolitisches Pulver im Iran-Krieg trocken gehalten. Dieses Vorgehen war richtig. Haushaltsdefizite und Schuldenquoten steigen spürbar, Renditeanforderungen der Gläubiger ziehen an. Die Haushaltsprobleme werden größer, die Konsolidierung bleibt die Ausnahme.

Die Notenbanken bleiben in einem schwierigen Spannungsfeld zwischen Wachstum und Inflation. Der Energiepreisschock hat den globalen Inflationsdruck erhöht und spricht für eine weniger unterstützende Geldpolitik in den USA, im Euroraum und in Japan, während China an einer lockeren Ausrichtung festhält.


Iran-Krieg dämpft globale Expansion | Notenbanken stellen sich dem Inflationsschock 7/08/2026

Inhaltsverzeichnis Iran-Krieg dämpft Wachstum weltweit .............................................................................................. 2 Unsicherheit auf Öl- und Gasmärkten hält an ....................................................................................... 2 Bremseffekte unterscheiden sich stark zwischen den Regionen .......................................................... 3 Investitionsboom in KI stützt Wachstum, Chinaschock dämpft es ........................................................ 3 Weltwirtschaftliche Dynamik sinkt auf drei Prozent ab ......................................................................... 4 Wachstum in den drei großen Weltregionen ......................................................................................... 4 Welthandel verliert spürbar an Schwung ............................................................................................ 10 Industrieproduktion ungleich betroffen ................................................................................................ 10 Zwischen Krisenmodus in kurzer und Konsolidierung in mittlerer Frist .................................... 12 Geldpolitik: Globale Disinflation vorerst zum Stillstand gekommen ) ........................................ 14 Finanzmärkte ..................................................................................................................................... 16 Finanzierungsbedingungen bleiben insgesamt günstig ...................................................................... 16 US-Dollar legt zuletzt gegenüber Euro und Yen leicht zu ................................................................... 16 Hohe Bewertungen erhöhen Stabilitätsrisiken .................................................................................... 17 Quellenverzeichnis ............................................................................................................................ 18

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Iran-Krieg dämpft Wachstum weltweit Die Hoffnung auf eine konjunkturelle Belebung der weltwirtschaftlichen Wachstumskräfte, die sich zum Jahresanfang eingestellt hatte, bekam durch den Iran-Krieg im Februar einen erheblichen Dämpfer. Das Wachstum der Weltwirtschaft dürfte dieses Jahr auf drei Prozent zurückfallen, sofern sich die Sicherheitslage rund um die Straße von Hormus noch im Sommer stabilisieren sollte. Bei einem fortdauernden Konflikt und entsprechenden Unterbrechungen des Schiffsverkehrs durch die Straße ist mit einem noch deutlicheren Wachstumsrückgang zu rechnen. Die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die weltweiten Energiemärkte und einige damit verbundene Kuppelprodukte bleiben weiterhin durch hohe Unsicherheit geprägt, zumal weitere Kampfhandlungen nach dem vorläufigen Abkommen stattfanden und mithin weitere Störungen der Öl- und Gasförderung bzw. -verarbeitung durch Kriegsschäden, Unterbrechungen von Transportrouten und Störungen des Schiffsverkehrs einzupreisen sind. Noch ist zudem offen, ob die Passage der Straße mit völkerrechtswidrigen Mautabgaben belegt werden wird. Die weitere konjunkturelle Entwicklung in diesem und im nächsten Jahr wird zudem durch eine allgemeine, graduelle konjunkturelle Erholung der inländischen Nachfragekomponenten, insbesondere jedoch durch eine auf die USA und die Zulieferstaaten konzentrierte Investitionsdynamik im Feld der Künstlichen Intelligenz geprägt. Während die Finanzpolitik weltweit leicht expansiv ausgelegt ist, hat die Geldpolitik bereits an vielen Stellen auf die erhöhte Inflation durch einen strafferen Kurs reagiert. Unsicherheit auf Öl- und Gasmärkten hält an Zwar hat die Weltwirtschaft die ersten fünf Monate des Iran-Konflikts und des Energiepreisschocks relativ resilient durchgestanden, da die Auswirkungen temporär höherer Öl- und Gaspreise und eingeschränkter Verfügbarkeiten in bestimmten Produktkategorien bislang zwar die Preise einiger weiterer Rohstoffe und Kuppelprodukte in Mitleidenschaft gezogen und die Inflationsraten unmittelbar hochgetrieben haben, die breiteren Auswirkungen auf Inflationserwartungen und Finanzierungskonditionen jedoch relativ mild geblieben sind. Die Preise für Öl lagen gleichwohl von Anfang März bis Anfang Juni in deutlichen Schwankungen zwischen 25 und 60 Prozent höher als vor dem Krieg und gut 50 Prozent über den Annahmen vom letzten Jahr für das Gesamtjahr 2026 und gut ein Viertel höher für das nächste Jahr. Bei Gas lag der Anstieg sogar bei rund 60 bzw. 20 Prozent. Raffinierte Produkte wie Diesel und Kerosin waren 60 -120 Prozent teurer als erwartet. Noch größere Preiseffekte waren durch den Abbau von Lagerbeständen in der Wirtschaft und die Freigabe staatlicher strategischer Reserven von rund 300 Millionen Barrel Öl abgefedert worden. Zwar ist der Ölpreis der Sorte Brent innerhalb von drei Wochen nach dem ersten Waffenstillstand vom 15. Juni von rund 90 auf knapp unter 70 US-Dollar pro Barrel Brent gefallen, teils schlicht deshalb, weil die Ölladungen von in der Straße von Hormus eingekesselten Frachtern auf den Markt kamen. Bis Ende Juli sind die Preise wieder kriegsbedingt stark angestiegen; erst Anfang August sanken sie wieder auf unter 80 US-Dollar. Eine Angebotslücke auf dem Öl- und Gasmarkt bleibt bestehen. Schätzungen zufolge dürften zumindest noch gut zehn Prozent der weltweiten Produktion von Öl (bzw. rund 15 mb/d) und 15 Prozent von LNG fehlen. Die Ölfutures signalisieren für den Rest des Jahres zwar moderate Preise von rund 85 US-Dollar (Brent), die einen Jahresdurchschnitt von knapp 80 US-Dollar für das Barrel Brent nahelegen würden, aber der Informationsgehalt ist derzeit überschaubar. Negative

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Überraschungen sind keinesfalls ausgeschlossen. Die Angebotslücke auf dem Ölmarkt ist bislang nur in geringem Umfang durch alternative Produzenten aufgefangen worden, gut die Hälfte geht auf Verbrauchsreduktion zurück, ein Viertel auf die Nutzung von Reserven. Auf dem Gasmarkt ist die Lage auch nicht viel klarer. Im Herbst sollte insbesondere die LNG-Produktion zwar wieder leicht anziehen, aber die jüngsten Kriegshandlungen haben den Gaspreis in Europa schon wieder um mehr als 30 Prozent über die 50-Euro-Marke nach oben getrieben, weil sowohl die Erwartungen verlässlich und rasch steigender Angebotsmengen in den Märkten enttäuscht wurden als auch die Einkaufsstrategien für den Winter in Europa und Asien nun auf eine teure Lagerauffüllung zusteuern. Nicht nur der IWF hat zurecht gewarnt (IWF 2026b, siehe auch Bruegel 2026), dass einige der den Markt stabilisierenden Faktoren nicht für die nächsten Monate fortgeschrieben werden können, insbesondere die Nutzung privater Lagerbestände und von strategischen staatlichen Ölreserven, die zumindest in OECD-Ländern bald an Grenzen stoßen dürften. Dies gilt auch für saisonale Effekte, z. B. den Einspeisungsbedarf bei Gasspeichern, aber auch für den Startpunkt mit Überproduktion vor dem Krieg und für weitere Produktionssteigerungen einiger Ölexportländer (USA, Venezuela, Guayana, Russland). Zudem sind die erneuten Kriegshandlungen seit Mitte Juli geeignet, den Schiffsverkehr erneut drastisch zu reduzieren. Nun sind einige der Puffer aber nicht mehr vorhanden, sodass die Märkte auf andauernde Produktionsunterbrechungen mit deutlichen Preiserhöhungen reagieren dürften. Bremseffekte unterscheiden sich stark zwischen den Regionen Zudem bleibt es aufgrund der weltweiten Unterschiede in den Energiemärkten dabei, dass die ASEANStaaten mit besonders hohen Preiseffekten für Kraftstoffe getroffen worden sind, gefolgt von Europa und den USA selbst. Die Preiseffekte auf den Gasmärkten der drei dominanten Weltregionen sind auch sehr unterschiedlich. Begrenzten Preiserhöhungen in den USA von gut zehn Prozent stehen spürbare Effekte in Europa (plus ein Viertel) und drastisch teurere LNG-Preise in Asien (plus die Hälfte) gegenüber. Vor allem Europa ist etwas resilienter als vor vier Jahren beim letzten Energiepreisschock. Die Abhängigkeit der EU von fossilen Trägern ist geringer als 2022/23, der Strompreis ist kaum betroffen, Gaspreise sind nur relativ gering angestiegen, da es nur niedrige direkte Importe aus der Region gibt, die Ölmärkte hatten zudem keine Verfügbarkeitsrisiken per se aufzuweisen, aber immerhin deutliche Verknappungen und entsprechende Preissteigerungen. Unklar bleibt weiterhin, ob bei länger andauernder Störung der Öl- und Gasproduktion und Lieferung bedeutende Effekte auf chemische Grundstoffe, Düngemittel, Helium/seltene Gase, Methanol, Harnstoffe, Kupfer, Aluminium, Nahrungsmittel, Kerosin und Diesel zu erwarten sind (OECD 2026). Die kurzfristigen Effekte waren durchaus spürbar, ob und wann die Erholung auf diesen Segmenten einsetzt, bleibt weiterhin offen. Investitionsboom in KI stützt Wachstum, Chinaschock dämpft es Die weltweite Konjunktur wird durch zwei gegenläufige Großtrends geprägt. Einerseits treibt der Investitionsboom in Künstliche Intelligenz die Ausrüstungsinvestitionen, das Wachstum und die Aktienmärkte v. a. in den USA an und zieht Lieferanten aus der ganzen Welt mit, v. a. die Produzenten von Halbleitern, Transformatoren, Rechenzentren und deren Energieversorger und stützt die Konjunktur in Südkorea, Taiwan und Japan. Dies stützt auch den relativ robusten Welthandel, da diese Effekte die

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kontraktiven Wirkungen der Trumpschen Zollpolitik überkompensieren. Zudem birgt der Boom Finanzmarktrisiken aufgrund von Investitionsvolumina, Aktienemissionen, Bewertungsniveaus, Finanzinvestitionszyklen und Kapitalbeteiligungen. Andererseits sendet der China-Schock Wellen durch die OECD-Welt (u. a. OECD 2026, Europäische Kommission 2026, Tordoir und Setser 2026, Rhodium Group 2026, Deutsche Bank Research 2026, Bayoumi und Gagnon 2026, vbw 2026). Die Schere der Produzentenpreise öffnete sich 2021/22. Es entstand aufgrund der Deflation und Abwertung in China (Immobilienkrise, Nachfrageschwäche, Überkapazitäten, Wechselkursmanipulation) und der Inflation in Europa und Amerika (Ukraine-Krieg, nun Iran-Krieg) ein Delta von rund 40 Prozent bei den Produzentenpreisen zwischen USA und EU einerseits (und von ca. 20 % zu Japan, Südkorea, Taiwan) und China andererseits (in US-Dollar umgerechnet) (Bayoumi und Gagnon 2026). Dies hat über Jahre zu erheblichen Marktanteilsgewinnen chinesischer Firmen zulasten der OECD-Anbieter geführt. In den letzten Quartalen kam es zudem zu einem regelrechten Exportboom Chinas, der mit entsprechenden Verwerfungen in den Importländern einhergeht, zumal die chinesische Importe aus der OECD angesichts der Schwäche der inländischen Verwendungskomponenten nur deutlich schwächer zulegten. Zwar wertet der RMB am aktuellen Rand auf, zudem steigen die Produzentenpreise in China leicht an, aber an der Unwucht ändert dies wenig. Weltwirtschaftliche Dynamik sinkt auf drei Prozent ab Die Belebung der Nachfrage und der KI-Boom hätten die Weltwirtschaft ohne den Krieg vermutlich in Richtung 3,3 - 3,4 Prozent Wachstum anziehen lassen (von 3,2 % 2025). Der Iran-Krieg kostet die Weltwirtschaft dieses Jahr nach einhelliger Einschätzung im besten Fall einen halben Prozentpunkt Wachstum, im schlechtesten einen Dreiviertelprozentpunkt. Ein halber Prozentpunkt entspricht rund 650 Milliarden US-Dollar und dem BIP von Argentinien oder Israel. Teilweise kompensiert der stärker als erwartete KI-Investitionsboom die vom Krieg ausgehende Dämpfung, ansonsten wäre das Bild noch dunkler ausgefallen. So ist die Weltwirtschaft im ersten Quartal immerhin noch mit drei Prozent gewachsen. Auch im nächsten Jahr bleibt das Wachstum gedämpfter, als es ohne Krieg gewesen wäre. Dies liegt daran, dass der Krieg erhebliche Produktions- und Lieferstörungen bei Öl, Gas und Kuppelprodukten ausgelöst hat. Zudem hat der Anstieg der Energiepreise in den Energieimportländern zu realen Kaufkraftverlusten geführt, höhere Leitzinsen und Anleiherenditen verursacht und durch die gestiegene Unsicherheit sowohl Konsumenten als auch Investoren zunächst aus dem Tritt gebracht. Wachstum in den drei großen Weltregionen Regionale Unterschiede gibt es zuhauf. Während die USA mit gut zwei Prozent wachsen dürften, wird Europa mit 0,8 Prozent eine Schwächephase durchlaufen. Japan geht es ähnlich (0,6 %). Auch weitere Industrieländer der westlichen Welt müssen mit einem halben Prozentpunkt weniger Wachstum rechnen oder mehr. China läuft dagegen dank einer Sonderexportkonjunktur vermutlich mit 4,6 Prozent weiter. Das Wachstum in Indien und den ASEAN-Staaten wird ähnlich wie in Europa spürbar gedämpft, die Region Naher Osten und Nordafrika verliert gut vier Prozentpunkte an Wachstum, Lateinamerika und das Afrika südlich der Sahara werden kaum beeinträchtigt.

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USA: KI-Boom überdeckt Schwächen in anderen Wirtschaftsbereichen Die US-Wirtschaft sah sich Anfang 2026 mit mehreren belastenden Faktoren konfrontiert. Im Vordergrund standen dabei die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts im Nahen Osten und die damit verbundenen höheren Energiepreise; hinzu kamen die Folgebelastungen höherer Zölle, einer restriktiveren Einwanderungspolitik sowie des Personalabbaus im öffentlichen Dienst (OECD 2026; IWF 2026; Europäische Kommission 2026). Trotz dieses schwierigen Umfelds blieb die Konjunktur im ersten Quartal 2026 robust. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg nach der dritten Schätzung des Bureau of Economic Analysis (BEA) um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf das Jahr hochgerechnet; im vierten Quartal 2025 hatte das Wachstum nur 0,5 Prozent betragen (BEA 2026a). Getragen wurde die Expansion vor allem von den Unternehmensinvestitionen, die um mehr als ein Prozent zulegten, während sich die privaten Konsumausgaben schwächer entwickelten. Im zweiten Quartal wuchs die Wirtschaft nur um 1,5 Prozent (annualisiert), getragen von den robusten privaten Konsumausgaben (plus 2 %) und mit einem kleinen Plus bei Investitionen, während die öffentlichen Konsumausgaben und der Außenhandel belasteten (BEA 2026b). Auch der IWF hebt hervor, dass insbesondere Investitionen in KI und geistiges Eigentum wichtige Wachstumsimpulse lieferten (IWF 2026). Die US-Handelspolitik bleibt zugleich von Unsicherheit über die weitere Ausgestaltung der Zollpolitik geprägt. Der durchschnittliche effektive Zollsatz auf US-Importe liegt derzeit bei rund 9,6 Prozent und damit unter dem zwischenzeitlich erreichten Niveau von etwa 14 Prozent (OECD 2026). Die US-Inflation blieb trotz eines jüngsten Rückgangs erhöht. Im Juni sank der Verbraucherpreisindex gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent; die Energiekomponente ging um 5,7 Prozent zurück (BLS 2026). Im Vorjahresvergleich lag die Inflationsrate jedoch weiterhin bei 3,5 Prozent, die Kerninflation bei 2,6 Prozent (BLS 2026). Der Rückgang der Energiepreise erfolgte vor dem Hintergrund niedrigerer Ölpreise nach dem Abkommen zwischen den USA und dem Iran. Auch die von der Federal Reserve bevorzugte Inflationskennzahl, der PCE-Preisindex, deutete zuletzt auf anhaltenden Preisdruck hin: Im Mai lag die PCE-Inflation bei 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Kernrate (ohne Nahrungsmittel und Energie) bei 3,4 Prozent, im Juni ging sie auf 3,7 Prozent zurück (BEA 2026). Damit bliebt die Inflation dennoch oberhalb des Inflationsziels der Federal Reserve, und die Energiepreisinflation im Juli stellt ein Aufwärtsrisiko dar. Am Arbeitsmarkt hat sich das Beschäftigungswachstum im Verlauf des vergangenen Jahres spürbar verlangsamt, ohne dass sich daraus bislang eine deutliche Verschlechterung der Arbeitslosenquote ergeben hätte. Diese blieb im Juni 2026 mit 4,2 Prozent weitgehend stabil (FRED 2026). Nach Einschätzung der OECD (2026) ist dies vor allem darauf zurückzuführen, dass sich das Wachstum der Erwerbsbevölkerung abgeschwächt hat und dadurch weniger neue Arbeitsplätze erforderlich sind, um die Arbeitslosenquote konstant zu halten (OECD 2026). Gleichzeitig hat sich das Produktivitätswachstum leicht über seinen historischen Durchschnitt und deutlich über das Niveau der unmittelbaren Vorkrisenjahre erhöht. Die OECD (2026) führt dies unter anderem auf eine zunehmende Kapitalintensivierung im Zusammenhang mit Investitionen in Künstliche Intelligenz zurück. Die Frühindikatoren sprechen insgesamt für eine anhaltende, wenn auch weniger dynamische Expansion. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe sank im Juni von 55,1 auf 53,9 Punkte, während sich der entsprechende Index für den Dienstleistungssektor leicht auf 51,2 Punkte verbesserte. Beide Indikatoren liegen damit weiterhin oberhalb der Expansionsschwelle von 50 Punkten.

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Insgesamt dürfte die US-Wirtschaft 2026 weiter moderat wachsen. Die OECD erwartet ein Wachstum von zwei Prozent, der IWF von 2,3 Prozent und die Europäische Kommission von 2,2 Prozent (OECD 2026; IWF 2026; Europäische Kommission 2026). Stützend wirken die Rolle der USA als Nettoenergieexporteur sowie weiterhin hohe Investitionen in KI-bezogene Technologien. Belastend wirken dagegen die höheren Energiepreise, die die Kaufkraft der privaten Haushalte beeinträchtigen sowie die anhaltende Unsicherheit über den künftigen handelspolitischen Kurs (IWF 2026; Europäische Kommission 2026). Wir rechnen angesichts des schwachen zweiten Quartals und des Preisdrucks nur mit zwei Prozent realem Wachstum. Euroraum: Leichte Aufhellung trotz anhaltender Schwäche Die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum bleibt zu Beginn des Jahres 2026 verhalten. Laut Eurostat stagnierte das saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg das saisonbereinigte BIP um 0,5 Prozent. Im zweiten Quartal erwies sich die Konjunktur als unerwartet robust und zog um 0,4 Prozent gegenüber Vorquartal und um ein Prozent gegenüber Vorjahresquartal an. Rechnet man Irland heraus, blieb noch immer ein Plus von 0,3 Prozent. Deutschland, Frankreich und Italien legten jeweils mit 0,2 Prozent zu, Spanien mit 0,7 Prozent. Der Arbeitsmarkt zeigt sich trotz der schwachen Konjunkturdynamik weiterhin robust. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote hat seit März 2026 bei 6,3 Prozent gelegen (Eurostat 2026b). Gleichzeitig bleibt der Preisauftrieb erhöht. Die Inflationsrate lag im Juli 2026 bei 2,9 Prozent, nach 2,8 Prozent im Juni und mindestens drei Prozent im April und Mai. Ausschlaggebend war insbesondere ein etwas moderaterer Anstieg der Energiepreise nach dem vorläufigen Abkommen zwischen den USA und dem Iran vom 15. Juni 2026 im Juni. Die Energiepreise erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr weiterhin deutlich zehn Prozent im Juli und um 8,7 Prozent im Juni, allerdings weniger stark als in den beiden Vormonaten April und Mai, als noch Zuwachsraten von jeweils über zehn Prozent verzeichnet wurden. Die Kerninflation blieb mit 2,2 Prozent im Juni und Juli stabil (Eurostat 2026c und 2026d). Auch die Frühindikatoren deuten weiterhin bestenfalls auf eine moderate Entwicklung hin. Der S&P Flash Eurozone Composite PMI stieg im Juli auf 51,9 Punkte nach 50 Punkten im Mai. Nicht nur die verarbeitende Industrie verzeichnet ihren stärksten Wachstumsschub seit Anfang 2022, auch der Dienstleistungssektor meldet nach drei Monaten des Rückgangs eine solide Erholung der Konjunktur. Zudem sind die Preis- und Kostenindikatoren zuletzt etwas weniger stark angestiegen, was auf eine leichte Entspannung der energiepreisbedingten Belastungen hindeutet. Dennoch ist eine gewisse Vorsicht angebracht: Der Erhebungszeitraum (9. bis 22. Juli) begann noch vor der erneuten Eskalation im Nahen Osten und dem jüngsten Anstieg der Energiepreise. Die überraschend starken PMI-Daten sollten daher etwas relativiert werden; ein Rücksetzer im August ist nicht ausgeschlossen. Insgesamt hat sich der Ausblick gegenüber unserem Wachstumsausblick Europa vom Mai leicht aufgehellt. Zwar bleiben die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen schwach, die Investitionstätigkeit gedämpft und die geopolitischen Risiken hoch. Auch wenn die Energiepreise zuletzt wieder etwas gestiegen sind, liegen sie weiterhin unter den im Frühjahr beobachteten Höchstständen. Dadurch dürften die Belastungen für private Haushalte und Unternehmen etwas geringer ausfallen als noch in unserem Wachstumsausblick Europa vom Mai unterstellt. Vor diesem Hintergrund rechnen wir für den Euroraum im Jahr 2026 nun mit einem Wachstum von 0,8 Prozent und damit leicht höher als noch in

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unserer Prognose vom Mai (0,7 %). Das Wachstum bleibt damit jedoch weiterhin deutlich unter dem Potenzialwachstum des Euroraums. In Deutschland stieg das saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent. Wachstumsimpulse gingen zu Jahresbeginn von den Konsumausgaben des Staates und vom Außenbeitrag aus. Während der Wachstumsbeitrag des Konsums der privaten Haushalte neutral war, belasteten die Bruttoanlageinvestitionen das Wachstum. Insbesondere die Bauinvestitionen, die witterungsbedingt kräftig nachgaben, bremsten das BIP-Wachstum um 0,3 Prozentpunkte aus. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg das saisonbereinigte BIP um 0,8 Prozent. Dies war der dritte Anstieg in Folge. Der Arbeitsmarkt trat zur Jahresmitte auf der Stelle. Die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen lag im Juli 2026 bei 2,99 Millionen und blieb damit gegenüber Juni nahezu unverändert. Im Vorjahresvergleich stieg die Arbeitslosigkeit leicht an (+ 0,9 %). Der Preisauftrieb hat sich nach Auslaufen des Tankrabatts Ende Juni im Juli 2026 wieder beschleunigt und lag bei 2,8 Prozent (HVPI). Die Industrieproduktion war in den ersten beiden Monaten des zweiten Quartals 2026 saison- und kalenderbereinigt um 0,4 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Das Vorjahresniveau wurde aber um 2,4 Prozent verfehlt. Innerhalb der Industrie konnten die energieintensiven Branchen ihre Produktion im Mai 2026 den fünften Monat in Folge ausweiten. Die Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe ist zu Beginn des dritten Quartals um 0,2 Prozentpunkte gestiegen. Mit zuletzt 78,0 Prozent waren die Kapazitäten aber immer noch um 4,7 Prozentpunkte geringer ausgelastet als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre (82,8 %). Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe stieg nach zwei Rückgängen in den Monaten zuvor im Juni 2026 mit 0,2 Prozentpunkten leicht und im Juli mit 1,9 Prozentpunkten deutlich an. Mit 52,2 Punkten liegt der Index seit sechs Monaten in Folge oberhalb der Schwelle von 50 Indexpunkten, die eine Expansion angezeigt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex hat sich zwar nach dem Schock durch den Krieg im Iran in den letzten drei Monaten wieder etwas verbessert, befindet sich aber immer noch im Rezessionsmodus, da sowohl die Lage als auch die Aussichten von den Unternehmen mehrheitlich schlecht eingeschätzt werden. Ende Juli 2026 hat das Statistische Bundesamt eine erste Schätzung für die BIP-Entwicklung des zweiten Quartals 2026 veröffentlicht. Demnach ist die Wirtschaftsleistung in Deutschland in den Frühjahresmonaten saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Kalenderbereinigt stieg das BIP im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,9 Prozent. Dies war der siebte Anstieg in Folge. Die deutsche Wirtschaft hat damit den Schock durch den Iran-Krieg besser weggesteckt, als wir dieses noch im Frühjahr erwartet haben. Angesichts des bisherigen konjunkturellen Verlaufs und sich aufhellenden Stimmungsindikatoren werden wir unsere Wachstumsprognose etwas nach oben revidieren und rechnen nunmehr mit einem BIP-Wachstum von real 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahrszeitraum (bisher 0,4 %). China: Exporte tragen, Binnenwirtschaft bleibt schwach Die chinesische Wirtschaft verlor im zweiten Quartal 2026 spürbar an Dynamik. Das reale BIP-Wachstum verlangsamte sich auf 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach fünf Prozent im ersten Quartal. Damit lag die Wachstumsrate zuletzt unter dem von der Regierung für 2026 angestrebten Zielkorridor von 4,5 bis fünf Prozent. Auffällig bleibt vor allem die unterschiedliche Entwicklung der Nachfragekomponenten: Während die Außenwirtschaft und exportorientierte Industrien weiterhin kräftige Wachstumsimpulse liefern, bleibt die Binnennachfrage schwach (DB Research 2026). Im Juli hat sich dies

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fortgesetzt, und die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie und die Dienstleistungen sind unter die Expansionsschwelle gefallen. Die schwache Entwicklung der Binnenwirtschaft zeigt sich sowohl beim Konsum als auch bei den Investitionen. Die verfügbaren Einkommen der Haushalte stiegen im zweiten Quartal zwar um 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit so stark wie seit Ende 2024 nicht mehr, die privaten Konsumausgaben legten mit 3,8 Prozent jedoch deutlich langsamer zu. Gleichzeitig erhöhte sich die Sparquote auf 32,7 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Ende 2022. Dies deutet auf ein weiterhin schwaches Verbrauchervertrauen und eine hohe Vorsicht der privaten Haushalte hin (DB Research 2026). Auch die Investitionstätigkeit blieb schwach. Die von den chinesischen Behörden ausgewiesenen Investitionen in Sachanlagen lagen im Juni zehn Prozent unter Vorjahresniveau. Belastend wirkten vor allem der anhaltende Einbruch der Immobilieninvestitionen (minus 24,2 %) sowie rückläufige Infrastrukturinvestitionen (minus 10,2 %) (DB Research 2026). Der Immobiliensektor bleibt damit ein zentraler Belastungsfaktor für die chinesische Wirtschaft. Die Preise für Neubau- und Bestandsimmobilien sanken im Juni gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent beziehungsweise 0,3 Prozent. Trotz einer gewissen Abschwächung der jährlichen Preisrückgänge lagen die Preise weiterhin deutlich unter Vorjahresniveau (minus 3,5 % auf dem Primärmarkt und minus 5,6 % auf dem Sekundärmarkt) (DB Research 2026). Entsprechend erwartet die OECD (2026) auch für den weiteren Jahresverlauf rückläufige Immobilieninvestitionen und sinkende Immobilienpreise. Demgegenüber erwies sich die Außenwirtschaft weiterhin als tragende Säule der Konjunktur. Die Industrieproduktion beschleunigte sich im Juni auf 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erreichte damit den höchsten Zuwachs seit mehreren Monaten. Besonders exportorientierte Branchen wie Maschinen- und Anlagenbau sowie Kommunikationsausrüstung profitierten von der anhaltend hohen Nachfrage nach technologieintensiven Produkten und KI-bezogenen Anwendungen (DB Research 2026). Die OECD hebt ebenfalls die starke Rolle technologiebezogener Exporte hervor und verweist auf einen kräftigen Anstieg der Produktion und Ausfuhr von Halbleitern. Bereits 2025 stieg das chinesische Exportvolumen um rund elf Prozent, getragen von höheren Technologieausgaben und einer stärkeren Nachfrage aus Schwellenländern (OECD 2026). Auch auf der Preisseite zeigen sich erste Anzeichen einer Stabilisierung. Nach Angaben der OECD stieg die Erzeugerpreisinflation im ersten Quartal 2026 erstmals seit vielen Jahren wieder in den positiven Bereich. Dies deutet darauf hin, dass die langanhaltenden Deflationstendenzen allmählich nachlassen und die Maßnahmen zur Stabilisierung der Preisentwicklung Wirkung zeigen. Gleichzeitig bleibt die Verbraucherpreisinflation niedrig. Der IWF erwartet, dass die Inflation von ihrem sehr niedrigen Niveau aus ansteigt, während die OECD für 2026 eine Inflationsrate von 1,5 Prozent prognostiziert. Zwar haben die gestiegenen Energiepreise den Preisauftrieb zuletzt erhöht, staatliche Preisobergrenzen, strategische Reserven sowie die stärkere Diversifizierung der Energieimporte dämpfen jedoch die Auswirkungen auf die Verbraucherpreise. Dadurch bleibt der Inflationsdruck trotz der erhöhten Unsicherheit an den Energiemärkten insgesamt begrenzt (IWF 2026, OECD 2026). Für das Gesamtjahr 2026 erwarten wir ein Wirtschaftswachstum von 4,6 Prozent. Damit liegen wir gleichauf mit der Prognose des IWF (4,6 Prozent) und leicht über der OECD-Prognose (4,5 Prozent). Für diese Einschätzung sprechen die robuste Entwicklung der Exportwirtschaft sowie die Erwartung

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zusätzlicher wirtschaftspolitischer Unterstützungsmaßnahmen in der zweiten Jahreshälfte (DB Research 2026). Gleichzeitig geht die OECD davon aus, dass die Inlandsnachfrage 2026 lediglich um 2,9 Prozent wachsen wird, während die Exporte um 10,5 Prozent zulegen dürften. Nach einem Exportwachstum von rund elf Prozent im Jahr 2025 bliebe die Außenwirtschaft damit auch 2026 die wichtigste Wachstumsstütze der chinesischen Wirtschaft (OECD 2026). Die Wachstumsperspektiven hängen damit weiterhin maßgeblich davon ab, ob es gelingt, die anhaltende Schwäche des Immobiliensektors zu überwinden und die inländische Nachfrage dauerhaft zu stärken.

Einkaufsmanagerindex Welt 60

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PMI Verarbeitendes Gewerbe

PMI Dienstleistung

PMI gesamt

Quelle: Macrobond

Einkaufsmanagerindizes 60

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Euroraum

Deutschland 60 50

50 40

40

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PMI Verarbeitendes Gewerbe PMI Diensteistung PMI gesamt

PMI Verarbeitendes Gewerbe PMI Diensteistung PMI gesamt 60

USA

60

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PMI Verarbeitendes Gewerbe PMI Diensteistung PMI gesamt

China China

PMI Verarbeitendes Gewerbe PMI Diensteistung PMI gesamt

Quelle: Macrobond

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Welthandel verliert spürbar an Schwung Im Laufe des letzten Jahres hatte der Welthandel im Zuge einer konjunkturellen Erholung und insbesondere aufgrund des Investitionsboom in Künstliche Intelligenz kräftig zugelegt. Profitieren konnten insbesondere die Länder Ostasiens, die Vorprodukte für Rechenzentren herstellen. Auch das erste Quartal schloss in den G20-Staaten mit einem Zuwachs im Warenhandel von 5,5 Prozent kräftig ab, während der Dienstleistungshandel mit unter zwei Prozent expandierte. Der Warenhandel (Volumina) legte weltweit nur mit 3,6 Prozent gegenüber Vorquartal zu, und im März waren die Werte rückläufig (-2,3 % im Vergleich zu Februar). Das zweite Quartal dürfte spürbar schwächer ausfallen. Der Krieg im Iran hat nicht nur unmittelbar Handelsrouten, Güterströme und Dienstleistungsverkehre (Luft- und Schifffahrt) beeinträchtigt, sondern auch dämpfend auf die Nachfrage gewirkt. Insofern rechnen die internationalen Organisationen in diesem Jahr mit einer Wachstumsabschwächung von fünf auf gut drei Prozent im Welthandel (Güter und Dienstleistungen, real) in diesem Jahr. Die Expansion wird auch weiterhin durch die enormen Investitionen in KI, Rechenzentren und Vorprodukte getragen. Aufgrund Chinas makroökonomischen Rahmenbedingungen, insbesondere der kräftigen Unterbewertung des RMB, zeichnet sich ein sehr starkes Handelswachstum Chinas ab. Europas Außenhandel dürfte von den Problemen bei der preislichen Wettbewerbsfähigkeit, den Energiekosten und der geringen Partizipation an KI-Wertschöpfungsketten nur schwach ausfallen (Europäische Kommission 2026). Der US-Außenhandel wird durch niedrigere Handelsschranken (v. a. effektive Zollsätze) und den KI-Boom gestützt (OECD 2026). Industrieproduktion ungleich betroffen Die globale Industrieproduktion ist in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres im Vorjahresvergleich um jeweils mehr als drei Prozent gestiegen. Mit Beginn des Krieges im Iran fielen die Jahreswachstumsraten im März (+ 1,1 %), April (+ 1,3 %) und Mai (+ 1,0 %) deutlich niedriger aus. In der Region Afrika/Naher Osten sank die Industrieproduktion in den Monaten März bis Mai 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum jeweils um gut ein Fünftel. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres stieg die Industrieproduktion in den entwickelten Volkswirtschaften im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,2 Prozent. Das stärkste Wachstum verzeichneten die entwickelten asiatischen Volkswirtschaften (ohne Japan) mit plus 8,3 Prozent. Während die Industrieproduktion in den USA (+ 1,0 %) und in Japan (+ 1,3 %) noch expandierte, sank die Ausbringung im Euroraum um ein Prozent. Chinas Industrie (+ 5,4 %) und die der restlichen asiatischen Schwellenländer (+ 4,9 %) konnten in der Gruppe der Schwellenländer per Mai 2026 am stärksten expandieren, gefolgt von der Region Zentralund Osteuropa (+ 3,3 %). In Lateinamerika lag die Industrieproduktion nur ein Prozent über Vorjahresniveau. Für die Industrie in der Region Afrika/Naher Osten führte der Krieg im Iran zu einem Produktionseinbruch um 9,8 Prozent.

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Welt: Industrieproduktion*, Einkaufsmanagerindex 60

20

55

10

50 0 45 -10

40

Schwellenländer entwickelte Volkswirtschaften Einkaufsmanagerindex saisonbereinigt (linke Achse)

35

-20 2020

2021

2022

2023

2024

2025

2026

*Produktionsindex: 2-Monatsdurchschnitt, kalender- und saisonbereinigt in Prozent zum Vorjahr Quellen: Macrobond, Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis, eigene Berechnungen

Wachstum des realen BIP 2026 gegenüber Vorjahr (in Prozent)

Weltwirtschaft

+3,0

Eurogebiet

+0,8

Welthandel

+3¼

EU

+1,0

USA

+2,0

Japan

+0,6

VR China

+4,6

Deutschland

+0,6

Quelle: BDI

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Prognoseübersicht: Wachstum der realen Wirtschaftsleitung 2026/27 in Prozent 2026

2027

IWF1

OECD2

EUKOM3

IWF1

OECD2

EUKOM3

Welt

3,0

2,84

2,8

3,4

3,14

3,2

USA

2,3

2,0

2,2

2,2

1,8

2,1

China

4,6

4,5

4,5

4,1

4,3

4,4

Japan

0,6

0,6

0,6

0,7

0,8

0,6

EU

1,2

-

1,1

1,4

-

1,4

Euroraum

0,9

0,8

0,9

1,2

1,2

1,2

Deutschland

0,7

0,7

0,6

1,0

1,1

0,9

Frankreich

0,6

0,7

0,8

0,9

0,8

1,1

Italien

0,5

0,5

0,5

0,5

0,6

0,6

Spanien

2,1

2,2

2,4

1,8

1,7

1,9

V. Königreich

1,0

0,9

0,7

1,3

1,1

1,2

Indien

6,45

6,3

6,1

6,75

6,4

6,4

Brasilien

2,4

1,6

2,0

2,2

2,1

1,8

Russland

1,1

0,6*

1,3

1,1

0,8*

1,1

1: IWF (2026). Stand Juli. 2: OECD (2026). Stand Juni. *März. Prognose für Indien für Fiskaljahr, beginnend im April. 3: Europäische Kommission (2026). Stand Mai. 4: Prognose auf Grundlage von 70 Prozent des Welt-BIP (in Kaufkraftparitäten von 2013). 5: Angaben zu Indien für das Fiskaljahr und in laufenden Preisen.

Zwischen Krisenmodus in kurzer und Konsolidierung in mittlerer Frist Ein kriegsbedingter stagflationärer Schock stellt für die Finanzpolitik ein Problem dar. Jedwede zusätzliche Stimulierung des Wachstums geht zulasten der Preisniveaustabilität. Insofern sollten Regierungen und Parlamente nur sozial gezielte und temporäre Schutzmaßnahmen für Haushalte mit sehr niedrigem Einkommen bzw. für energieintensive Unternehmen ergreifen, Preissignale wirken lassen, Preiskontrollen möglichst vermeiden und ihre makroökonomische Steuerung unter Kontrolle halten (IWF 2026b). Tatsächlich sind die finanzpolitischen Reaktionen auf den Iran-Krieg und die Energiepreisentwicklungen überschaubar geblieben, bei etwa 0,1 Prozent der Wirtschaftsleistung weltweit und in der EU (IWF 2026c). Es bleiben jedoch Risiken für die nächsten Quartale bestehen, sollten die Ölund Gasmärkte nun ohne Puffer weiter unter Stress stehen und Regierungen weitere Schutzmaßnahmen für politisch erforderlich halten. Die finanzpolitische Ausrichtung wird weltweit weitgehend neutral sein, mit leichter Expansion in vielen Industrieländern und leichter Restriktion in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern. Der Iran-Krieg

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selbst wird zu einer Erhöhung der Haushaltsdefizite in diesem Jahr um gut einen Viertelprozentpunkt auf 4¾ Prozent führen (IWF 2026), infolge schwächeren Wachstums und energiebezogener Sonderausgaben. Schwächeres Wachstum und höhere Defizite wiederum sorgen für leicht ansteigende Schuldenquoten. Dies ist angesichts der Vor-Krisen-Perspektive, allmählich den Corona-Sprung in der Schuldenquote durch Wachstum und allmähliche Konsolidierung wieder zurückzuführen, erneut ein Rückschlag. Es droht zwar keine imminente Krisengefahr, es ist aber auch klar erkennbar, dass neben den überfälligen Konsolidierungsländern USA und China nun auch Deutschland einen expansiven Kurs in der Finanzpolitik zugunsten von Militär- und Infrastrukturausgaben verfolgt, der zumindest mittelfristig Konsolidierungsschritte erforderlich macht. In den USA ist die Perspektive einer plausiblen Rückführung der Haushaltsdefizite auf Größenordnungen von deutlich weniger als vier Prozent (bei Potenzialwachstum und Zielinflation von jeweils 2 %) überhaupt nicht absehbar, vielmehr dürften die Defizite 2026/27 deutlich über sieben Prozent verharren. In China erschwert die inländische Wirtschaftskrise jedwede Konsolidierung, was das vergleichbare Defizit des Gesamtstaats kräftig ansteigen lässt. Indien und Brasilien haben vor allem Energiemaßnahmen verabschiedet, die den Haushalt belasten. Japan hat Stimuli in diesem Jahr eingeführt, will aber nächstes Jahr wieder konsolidieren. Im Vereinigten Königreich ist trotz des moderaten Haushaltskurses unter Starmer die Finanzpolitik noch nicht tragfähig genug. Die OECD sieht Konsolidierungsbedarfe zur kurzfristigen Stabilisierung der Schuldenquote in Höhe von nahe vier Prozent der Wirtschaftsleistung in den USA, Brasilien, Polen und Estland und von deutlich über zwei Prozent der Wirtschaftsleistung in 13 weiteren Ländern, einschließlich Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Deutschland und Korea (OECD 2026). Deutschland verfügt über etwas größeren Spielraum angesichts der Ausgangslage, muss aber gleichwohl im EU-Regelwerk mittelfristig außerhalb von Verteidigung und Infrastruktur kräftig konsolidieren. In der EU sind seit einem Jahr im Semesterprozess neue Fiskalregeln in Kraft, deren Start zunächst weitgehend erfolgreich verlaufen ist. Die Finanzpolitik ist dieses Jahr leicht expansiv orientiert, nächstes Jahr wieder neutral und aus Sicht der europäischen Institutionen so angemessen. Die Defizite im Euroraum werden von 2,9 auf 3,3 und 3,5 Prozent (2025 - 2027) ansteigen (EU: 3,1; 3,5; 3,6 %), v. a. aufgrund schwächerer Steuereinnahmen und höheren Zinsausgaben infolge steigender Leitzinsen bzw. Anleiherenditen (Europäische Kommission 2026). Gleichwohl bleiben die finanzpolitischen Herausforderungen in Ländern mit sehr hohen Defiziten und/oder Schuldenquoten sehr groß, v. a. unter einigen osteuropäischen Staaten (Polen, Rumänien, Ungarn, Slowakei), aber auch bei Frankreich und Belgien, die alle Defizite von mehr als fünf Prozent aufweisen. Die Perspektiven der Haushaltskonsolidierung in Frankreich bleiben wahlbedingt unklar. In Italien und Spanien wird das Ende der Aufbaufazilität haushaltspolitisch verarbeitet werden müssen. Zudem belastet der Hochlauf der Verteidigungsausgaben in einigen Ländern mit oder ohne Bereichsausnahme die fiskalische Tragfähigkeit und dürfte die Ausgabenquote für Verteidigung in der EU von 1,6 auf zwei Prozent bis 2027 erhöhen. Die finanzpolitische Ausrichtung im Euroraum bleibt zwar kurzfristig im Lot, die mittelfristigen Probleme von erneut wieder anwachsenden Schuldenquoten (rund plus 3 Prozentpunkte von 2025 - 2027) deuten jedoch darauf hin, dass ein schmerzhafter Konsolidierungsprozess das Ende des Jahrzehnts dominieren und die Zahl der Länder mit Verfahren wegen übermäßiger Defizite über das jetzige Niveau hinaus ansteigen dürfte. Angesichts der realen Herausforderungen in den Feldern Verteidigung, Transformation der Wirtschaft sowie dem demografiebedingten Anstieg von Sozialausgaben wird die Steuerung der öffentlichen Haushalte in Richtung Konsolidierung inmitten populistischen Drucks von den Rändern des politischen Spektrums politisch schwierig werden, sollten nicht strukturelle Reformen das Wachstum spürbar und rasch stärken.

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Haushaltsdefizite 2026/27 in Prozent des BIP 0 -1 -2 -3 -4 -5 -6 -7

2026

2027

-8 -9

*Zentralhaushalt, ohne Verschuldung Provinzen und Staatsunternehmen

Quelle: IWF

Geldpolitik: Globale Disinflation vorerst zum Stillstand gekommen Die seit Anfang 2024 beobachtete globale Disinflation ist 2026 vorerst zum Stillstand gekommen. Ausschlaggebend hierfür waren vor allem die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten auf Energieund Rohstoffpreise. Der IWF erwartet, dass die weltweite Gesamtinflation von 4,1 Prozent im Jahr 2025 auf 4,7 Prozent im Jahr 2026 steigt, bevor sie 2027 wieder auf 3,9 Prozent zurückgeht (IWF 2026). Auch die OECD ging in ihrem Anfang Juni veröffentlichten Wirtschaftsausblick von einem Anstieg der Verbraucherpreisinflation in den G20-Staaten von 3,4 Prozent im Jahr 2025 auf vier Prozent im Jahr 2026 aus, bevor diese 2027 wieder auf 3,1 Prozent zurückgehen dürfte (OECD 2026). Da die OECD-Projektionen noch vor der Verständigung zwischen den USA und Iran vom 15. Juni erstellt wurden, dürften sie die nachfolgende Entspannung an den Energiemärkten nur teilweise berücksichtigen. Nach Einschätzung des IWF sind die Auswirkungen des Konflikts über die Kanäle Rohstoffpreise, Inflationserwartungen und Finanzierungsbedingungen bislang zwar geringer ausgefallen als zunächst befürchtet. Gleichzeitig befindet sich die Transmission weiterhin in einem frühen Stadium. Zudem haben die zuletzt wieder aufgekommenen Spannungen zwischen den USA und dem Iran trotz des Abkommens gezeigt, dass weiterhin erhebliche Risiken für die Energieversorgung und damit verbundene Preisbewegungen bestehen. Die globalen Inflationszahlen verdecken zugleich erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Volkswirtschaften. Zwar sind die internationalen Öl- und Gasmärkte eng miteinander verflochten, die tat-

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sächlichen Importpreise und ihre Weitergabe an Verbraucher unterscheiden sich jedoch je nach Beschaffungsstruktur, Lieferbeziehungen, Sanktionsregimen sowie nationalen Steuer-, Subventions- und Regulierungsstrukturen. Entsprechend verzeichneten insbesondere die Schwellenländer Asiens deutliche Anstiege der Kraftstoffpreise, während sich höhere LNG-Preise vor allem in Asien und Europa bemerkbar machten (IWF 2026). Die höheren Energiepreise schlugen sich nicht nur unmittelbar in den Gesamtinflationsraten nieder, sondern beeinflussten auch die Inflationserwartungen. Während die Gesamtinflation zwischen Februar und April deutlich anstieg, erhöhten sich insbesondere die kurzfristigen Inflationserwartungen. Die Kerninflation blieb dagegen in vielen Volkswirtschaften bislang vergleichsweise begrenzt (IWF 2026). Vor diesem Hintergrund dürfte die Geldpolitik weltweit weniger unterstützend ausfallen als noch zu Jahresbeginn erwartet. Der IWF geht davon aus, dass die Leitzinsen in den USA und im Euroraum (trotz möglicher weiterer nominaler Zinsschritte) in realer Rechnung weitgehend stabil bleiben, während sich die Geldpolitik in Japan schrittweise in Richtung eines neutraleren Niveaus bewegt. Gleichzeitig betonen IWF und OECD, dass die angemessene geldpolitische Reaktion entscheidend davon abhängt, ob sich die aktuellen Preisimpulse als vorübergehend erweisen oder über Inflationserwartungen und Zweitrundeneffekte breiter in der Wirtschaft verankern. Wo Inflationsrisiken sichtbar bleiben, könnten restriktive geldpolitische Bedingungen länger aufrechterhalten werden; bei einer deutlichen Abschwächung von Nachfrage und Preisauftrieb entstünde dagegen wieder Spielraum für eine weniger restriktive Ausrichtung (IWF 2026, OECD 2026). In den Vereinigten Staaten haben sich die Inflationsaussichten zuletzt spürbar nach oben verschoben. In den Projektionen der Mitglieder des Federal Reserve Board und der Präsidenten der Federal Reserve Banks vom Juni 2026 wird für dieses Jahr eine PCE-Inflation von 3,6 Prozent erwartet, nach 2,7 Prozent in den Projektionen vom März. Die Kerninflation wird auf 3,3 Prozent veranschlagt (Federal Reserve 2026). Der IWF erwartet, dass die Kerninflation in den USA erst gegen Ende des Jahres 2027 zum Zielwert zurückkehrt. Die Markterwartungen deuten derzeit auf eine Zinserhöhung der Federal Reserve bis Ende 2026 hin. Vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Inflation sehen wir das Risiko einer etwas restriktiveren Geldpolitik ebenfalls als erhöht an. Auf ihrer Sitzung Ende Juli ließ die USNotenbank die Leitzinsens unverändert, deutete aber an, dass im September ein Zinsschritt nach oben notwendig werden könnte. Die Marktreaktion darauf war scharf, die Anleiherenditen zogen kräftig an. Für den Euroraum erwartet die EZB in ihren Projektionen vom Juni 2026 eine Inflationsrate von drei Prozent für das laufende Jahr. Da die Projektionen auf einem Datenstand vom 21. Mai beruhen, berücksichtigen sie die spätere Verständigung zwischen den USA und Iran nicht. In einem milderen Szenario, das bei einer nachhaltigen Beruhigung der Energiepreise näher an der tatsächlichen Entwicklung liegen könnte, läge die Inflation 2026 um 0,1 Prozentpunkte niedriger und würde 2027 nochmal deutlich stärker zurückgehen als im Basisszenario. In einem ungünstigen Szenario könnte die Inflation hingegen auf rund vier Prozent steigen (EZB 2026). Innerhalb des EZB-Rates wird weiterhin auf die hohe Unsicherheit hinsichtlich möglicher Zweitrundeneffekte sowie auf die noch nicht vollständig absehbaren Folgen des Energiepreisschocks verwiesen. Vor diesem Hintergrund hat die EZB die Leitzinsen in ihrer Sitzung am 23. Juli 2026 unverändert belassen. Die Markterwartungen deuten derzeit auf einen Anstieg des EZB-Einlagensatzes auf rund 2,75 Prozent bis Ende 2026 hin, wobei bereits für die Septembersitzung ein weiterer Zinsschritt eingepreist wird. Die Zinserwartungen haben zuletzt allerdings deutlich auf die schwankende Energiepreisentwicklung reagiert und lagen nach dem zwischenzeitlichen Rückgang der Ölpreise zeitweise lediglich bei 2,50 Prozent (DB Research 2026c). Aus unserer Sicht erscheint ein Einlagensatz von 2,50 Prozent zum Jahresende plausibler, da die jüngsten

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Inflationsdaten bislang keine breiten und anhaltenden Zweitrundeneffekte des Energiepreisschocks erkennen lassen. In Japan weist die Bank of Japan trotz einer zuletzt unter zwei Prozent liegenden Verbraucherpreisinflation auf zunehmende Aufwärtsrisiken hin. Sie verweist insbesondere auf die fortschreitende Weitergabe höherer Energiepreise in der Unternehmenspreissetzung sowie auf steigende mittel- und langfristige Inflationserwartungen. Dadurch bestehe das Risiko, dass die zugrunde liegende Inflation das Inflationsziel von zwei Prozent überschreitet (Bank of Japan 2026). Vor diesem Hintergrund erwartet der IWF, dass die japanische Geldpolitik ihren graduellen Kurs hin zu einem neutraleren Zinsniveau fortsetzt (IWF 2026). Die Finanzmärkte erwarten mehrheitlich einen Anstieg des Leitzinses auf 1,25 Prozent bis Ende 2026. Vor dem Hintergrund zunehmender Inflationsrisiken und steigender Inflationserwartungen halten wir dies für plausibel, aber nicht stark genug. Ende Juli hielt die Notenbank die Füße still und beließ den Leitzins bei einem Prozent, sie deutete jedoch weitere Zinsschritte an. Zudem intervenierten die japanische Notenbank und die US-Regierung zur Stabilisierung des Yen, im US-Fall unter Einsatz von Euroverkäufen. Angesichts der nervösen Lage auf dem US-Anleihemarkt sendete dies ein negatives Signal für den US-Anleihemarkt (Eichengreen 2026). China bleibt demgegenüber von einer schwachen Binnennachfrage geprägt. Die chinesische Zentralbank hält daher an einer unterstützenden geldpolitischen Ausrichtung fest und verweist auf das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage sowie auf anhaltende geopolitische und außenwirtschaftliche Unsicherheiten. Gleichzeitig erwartet der IWF, dass die Inflation in China von ihrem niedrigen Niveau aus allmählich ansteigt (IWF 2026).

Finanzmärkte Finanzierungsbedingungen bleiben insgesamt günstig Die globalen Finanzierungsbedingungen haben sich seit der Eskalation des Nahostkonflikts zwar etwas verschlechtert, bleiben im historischen Vergleich jedoch weiterhin vergleichsweise günstig. Unternehmensanleihe-Spreads sind trotz gestiegener Unsicherheit niedrig, die Kreditvergabe in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften entwickelte sich zuletzt robust und die Aktienmärkte konnten die zwischenzeitlichen Verluste weitgehend wieder wettmachen. Unterstützt werden die Finanzmärkte weiterhin durch solide makroökonomische Fundamentaldaten sowie Erwartungen an Produktivitätsgewinne durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (IWF 2026, OECD 2026). Gleichzeitig haben die Finanzmärkte höhere Inflationsrisiken und eine längere Phase erhöhter Leitzinsen eingepreist. Dies führte insbesondere zu steigenden Staatsanleiherenditen. In den USA sowie in den großen europäischen Volkswirtschaften erhöhten sich die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen seit Beginn des Iran-Krieges um rund einen halben Prozentpunkt oder mehr und liegen weiterhin auf erhöhtem Niveau. Auch in Japan setzte sich der Renditeanstieg fort, während die Renditen in China mit rund 1,7 Prozent weitgehend stabil und auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau blieben. Insgesamt sind die Finanzierungskosten damit etwas gestiegen, ohne die grundsätzlich günstigen Finanzierungsbedingungen bislang substanziell zu gefährden (OECD 2026). US-Dollar legt zuletzt gegenüber Euro und Yen leicht zu An den Devisenmärkten gewann der US-Dollar seit der Eskalation des Nahostkonflikts gegenüber dem Euro und dem japanischen Yen an Wert. Gegenüber dem Euro legte er zwischen Mitte April und Mitte

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Juni um rund drei Prozent zu. Gegenüber dem britischen Pfund blieb der Wechselkurs weitgehend unverändert, während der US-Dollar gegenüber dem chinesischen Renminbi leicht nachgab. Die Dollaraufwertung steht im Zusammenhang mit der gestiegenen geopolitischen Unsicherheit und höheren Energiepreisen. Anders als in früheren Energiepreiskrisen profitieren die USA inzwischen teilweise von steigenden Öl- und Gaspreisen, da sie sich in den vergangenen Jahren zu einem Nettoexporteur von Energie entwickelt haben. Höhere Energiepreise verbessern damit tendenziell die außenwirtschaftliche Position der USA und können den US-Dollar stützen. Für viele Schwellenländer verschärft ein stärkerer US-Dollar hingegen die Finanzierungsbedingungen, da sich die Bedienung von Fremdwährungsschulden verteuert, Importkosten steigen und Kapitalabflüsse zunehmen können (OECD 2026). Entwicklung der Wechselkurse zum US-Dollar

1,30

0,84

170

7,5

0,82

1,20

7,3 0,80

160

1,10 0,78

7,1

1,00 0,76

150 6,9

0,90

0,74

0,80

0,72

Euro (linke Achse) Pfund Sterling (rechte Achse)

140

6,7

Yen (linke Achse) Renminbi (rechte Achse)

Quelle: Macrobond

Hohe Bewertungen erhöhen Stabilitätsrisiken Die Risiken für die Finanzmarktstabilität bleiben erhöht. Eine erneute Eskalation des Nahostkonflikts könnte über steigende Energie- und Rohstoffpreise, höhere Marktvolatilität sowie neue Belastungen in den Lieferketten zu einer merklichen Verschärfung der globalen Finanzierungsbedingungen führen. Besonders betroffen wären Länder mit hohen öffentlichen oder externen Finanzierungsbedarfen und begrenzten wirtschaftspolitischen Spielräumen (IWF 2026). Darüber hinaus erscheinen die Bewertungen an vielen Vermögensmärkten weiterhin ambitioniert. Die Aktienmärkte werden zunehmend von wenigen großen Technologie- und KI-Unternehmen getragen. Sollte sich der Optimismus bezüglich der erwarteten Produktivitäts- und Gewinnzuwächse als überzogen erweisen, könnte eine abrupte Marktkorrektur folgen. Höhere Risikoprämien, Kapitalabflüsse und

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eine allgemeine Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen würden die Folgen einer solchen Neubewertung zusätzlich verstärken (IWF 2026). Zusätzliche Verwundbarkeiten bestehen in Teilen des Nichtbankensektors. Insbesondere stark gewachsene Private-Credit- und Private-Equity-Fonds stehen angesichts hoher Bewertungen, steigender Refinanzierungskosten und ihrer teils engen Verflechtung mit dem Technologiesektor zunehmend im Fokus der Aufsicht. Abrupte Anpassungen an den Finanzmärkten könnten deshalb über einzelne Marktsegmente hinausgehende Auswirkungen entfalten (OECD 2026).

Quellenverzeichnis Bank of Japan (2026). Change in the Guideline for Money Market Operations. Juni. Tokio. Bayoumi, Tamim und Joseph E. Gagnon (2026). Prospects for Global Imbalances in 2026 and Beyond: Another China Shock?. Februar. Peterson Institute for International Economics. Washington, D.C.. Bruegel (2026). Europe must prepare for a possible oil price crunch. 15. Juni. Brüssel. Bureau of Economic Analysis (BEA) (2026). GDP (Third Estimate), Industries, Corporate Profits, State GDP, and State Personal Income, 1st Quarter 2026. Suitland. Chong-En Bai, Gita Gopinath, Hélène Rey, Axel Weber (2026). G7 Economists Memo on Global Imbalances. Evian G7 meeting. Evian. Deutsche Bank Research (2026). Europe and China Shock 2.0. Juni. Frankfurt am Main. ---(2026b). Q2 GDP: Catalyzing a Policy Pivot. China Macro. Juli. Frankfurt am Main. ---(2026c). ECB Preview: Hike-Pause-Hike and the ‘measured’ tightening strategy. Juli. Frankfurt am Main. Eichengreen, Barry (2026). Yen intervention contains troubling message for dollar. Financial Times. 5. August. S. 9. Europäische Zentralbank (2026). Eurosystem staff macroeconomic projections for the euro area, June 2026. Juni. Frankfurt am Main. Eurostat (2026a). GDP down by 0.2% and employment up by 0.1% in the euro area. Juni. Luxemburg. ---(2026b). Unemployment statistics. Juli. Luxemburg. ---(2026c). Euro area annual inflation down to 2.8%. Juli. Luxemburg. ---(2026d). Euro area annual inflation up to 2.9%. Juli. Luxemburg. Federal Reserve Bank of St. Louis (2026). Unemployment Rat e. Juni 2026. St. Louis, Missouri.

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Internationaler Währungsfonds (2026a). World Economic Outlook June Update. Global Economy in Crosscurrents of War and Technology. Washington, DC. ---(2026b). IMF Blog. The oil market absorbed the war shock, but buffers are running low. 15. Juli. Washington, D.C.. ---(2026c). Euro Area Policies. IMF Country Report 26/177. Washington, D.C.. OECD (2026). Economic Outlook. Juni. Paris. Europäische Kommission (2026). European Economic Forecast. Spring. Mai. Brüssel. Rhodium Group, US Chamber of Commerce (2026). China’s Next Generation Industrial Policy. Mai. Washington, D.C.. Tordoir, Sander, Brad Setser (2026). China Shock 2.0. The cost of Germany’s complacency. CER. London. US Bureau of Economic Analysis (2026a). Personal Income and Outlays, May 2026. News Release. Juni. Washington, DC. ---(2026b). GDP Advance Estimate. 2nd Quarter 2026. Juni. Washington, D.C.. US Bureau of Labour Statistics (2026). Consumer Price Index Summary. Economic News Releases. Juli. Washington, DC. Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) (2026). Handels- und Industriepolitik für eine neue Zeit. IW-Studie. Jürgen Matthes. München. Impressum Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) Breite Straße 29 10178 Berlin T: +49 30 2028-0 www.bdi.eu Lobbyregisternummer R00053 Autoren

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Frederik Lange T: +49 30 2028 1734 f.lange@bdi.eu Thomas Hüne T: +49 30 2028 1592 t.huene@bdi.eu

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