POSITION | FREIHANDELSABKOMMEN | EU – SÜDOSTASIEN
Forderungen der Industrie für die bilateralen FTA zwischen EU und Malaysia, den Philippinen & Thailand Notwendige Weichenstellungen für den erfolgreichen Verhandlungsabschluss
März 2026 Zusammenfassung Südostasien ist eine der dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt und gewinnt für die deutsche Industrie zunehmend an Bedeutung. In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten, Handelskriegen und Chinas wachsendem Einfluss wird die Region als Ziel für deutsche Diversifizierungsstrategien immer attraktiver. Freihandelsabkommen (FTA) sind ein entscheidender Hebel für die EU, um Exportmärkte zu sichern, Unternehmen neue Handelsmöglichkeiten zu eröffnen, Disruptionen der Lieferketten zu verhindern und damit geopolitische Risiken zu minimieren. Bilaterale FTA der EU mit Malaysia, den Philippinen und Thailand würden Handelshemmnisse abbauen, den Marktzugang für europäische Waren, Dienstleistungen und öffentliche Beschaffungswesen verbessern, den Datentransfer agiler gestalten und geistige Eigentumsrechte stärken. Als Blaupause kann das jüngst erfolgreich abgeschlossene FTA zwischen der EU und Indonesien gelten, welches genau diese Bereiche regelt. Zudem könnten diese Abkommen als Modell für Partnerschaften mit weiteren Staaten der Südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN) dazu dienen, das Geschäftsumfeld allgemein zu verbessern und die strategische Präsenz der EU in der Region zu festigen. Die ASEAN-Region ist bereits durch die Handelsabkommen wie dem Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) und dem Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (CPTPP) stark mit anderen Regionen Asiens vernetzt. Ohne vergleichbare EU-Abkommen sind europäische Unternehmen gegenüber ost- und südostasiatischen Wettbewerbern im Nachteil. Der Abschluss der FTA sowie verbindliche und von allen Parteien respektierte Investitionsschutzabkommen mit einem klaren Streitbeilegungsmechanismus zwischen der EU und den südostasiatischen Ländern würden die Wettbewerbsbedingungen für europäische Unternehmen in der Region verbessern und die (wirtschaftliche) Partnerschaft zwischen den beiden Wirtschaftsräumen erheblich stärken. Erfolgreiche Abkommen mit Malaysia, Thailand und den Philippinen wären langfristig ein Meilenstein für ein EU-ASEAN-FTA. Freihandelsabkommen bestehen bereits mit Singapur und Vietnam. Das Abkommen mit Indonesien ist inzwischen ausverhandelt. Der Text durchläuft nun auf EU-Seite die nächsten Schritte: Übersetzung, rechtliche Überprüfung und Abstimmung im Rat und EP. Es gilt, Verhandlungen pragmatischer zu führen. Die Verhandlungsparteien müssen bereit sein, sich zu bewegen und ggf. Positionen aufzugeben, die sie in anderen FTA beibehalten haben. Von der Handelsliberalisierung sollten nur die sensibelsten (unten definiert) und für die Handelspartner strategisch wichtigsten Bereiche ausgenommen sein. Es sollte dabei eine neue Balance zwischen
Moritz Fink | Internationales | T: +49 30 2028 1609 | m.fink@apa.bdi.eu | www.bdi.eu