Skip to main content

Die EU zwischen Handlungsrisiken und Wachstumschancen

Page 1

RESEARCH-PAPIER | EUROPA | WACHSTUMSPERSPEKTIVEN

Die EU zwischen Handelsrisiken und Wachstumschancen Außenwirtschaftliche Belastungen und neue Chancen durch Binnenmarkt, Abkommen und langfristige Integrationsperspektiven

20. April 2026 Executive Summary Die europäische Wirtschaft sieht sich Anfang 2026 einem globalen Umfeld gegenüber, das von handelspolitischer Unsicherheit, geopolitischer Volatilität, deutlich erhöhten Handelsbarrieren und verschärftem Wettbewerbsdruck geprägt ist. US-Zölle, der Wettbewerbsdruck aus China und der Nahostkrieg belasten den Außenhandel, aber der Binnenmarkt, neue Handelsabkommen und die Erweiterung der EU bieten mittelfristig Chancen. Hohe US-Zölle belasten Exporte und Investitionen und mindern das Wachstum im Euroraum zwischen 2025 und 2027 kumuliert um rund 0,7 Prozentpunkte. Zudem verschärft sich der Wettbewerbsdruck aus China, der insbesondere exportorientierte Industriezweige trifft. Für Deutschland kann sich ein dämpfender Effekt von etwa einem halben Prozentpunkt ergeben. Hinzu kommen geopolitische Risiken im Energie- und Lieferkettenbereich, die die Kosten erhöhen und die kurzfristigen Wachstumsaussichten zusätzlich schwächen. Deutschlands Außenhandel könnte jedoch mittelfristig von zwei Treibern profitieren: einer Vertiefung des Binnenmarkts und neuen Freihandelsabkommen. Die Vertiefung des Binnenmarkts bleibt dabei der zentrale Hebel: Bereits moderate Verbesserungen, etwa eine leichte Reduktion verbliebener Barrieren, könnten ausreichen, um die wachstumsdämpfenden Effekte der US-Zölle vollständig auszugleichen. Darüber hinaus liefern neue Handelsabkommen – etwa mit Indien, Australien, Mercosur oder weiteren Partnern – zusätzliche Impulse. Die in der Analyse betrachteten Partnerländer stehen zusammen für rund 300 Milliarden Euro bzw. zwölf Prozent der Extra-EU‑Warenexporte – mehr als nach China und nahezu so viel wie ins Vereinigte Königreich. Hiervon entfallen rund 90 Milliarden Euro auf Deutschland. Auch eine EU-Erweiterung könnte darüber hinaus langfristig zusätzliche Potenziale eröffnen, unter der Voraussetzung tragfähiger Governance-Strukturen, weiterer Reformfortschritte und politischer Einigung. Vor diesem Hintergrund sollte die EU strukturelle Überkapazitäten und Wettbewerbsverzerrungen Chinas adressieren, stabile und planbare Handelsbedingungen im Verhältnis zu den USA sichern, zentrale Handelsabkommen zügig abschließen und umsetzen, die handelspolitische Agenda gegenüber weiteren Partnern weiterentwickeln, regulatorische Fragmentierung und verbleibende Binnenmarkthürden abbauen sowie Investitionen durch verlässliche Rahmenbedingungen erleichtern.


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Die EU zwischen Handlungsrisiken und Wachstumschancen by Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. - Issuu