BTW21 | POSITION | FORSCHUNG & INNOVATION
#WirMachen Forschung und Innovation
Ohne konsequente Forschung und Entwicklung sowie mutige Innovationen werden weder der deutsche Standort, noch die deutschen Unternehmen langfristig bestehen. Daher ist es fundamental wichtig, dass national und europäisch Legislatoren und Innovatoren Hand in Hand an der Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft arbeiten. Nur so können die großen Herausforderungen unserer Zeit wie der Klimawandel bewältigt und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen gesichert werden.
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Die Industrie macht Forschung & Innovation Bei der FuE-Intensität liegt Deutschland im internationalen Vergleich laut Erhebung des Stifterverbands auf dem achten Platz (2018). Der Beitrag der Wirtschaft liegt dabei konstant bei über zwei Dritteln. Die deutsche Industrie entwickelt sich erfolgreich auf allen Weltmärkten, ist zentraler Bestandteil hochtechnologischer internationaler Wertschöpfungsketten und anerkannter Partner in nationalen, europäischen und internationalen Kooperationen mit der Wissenschaft. Doch der globale Wettbewerb um innovative Verfahren und Produkte wird intensiver, die Zeitspanne von der Forschung bis zur Markteinführung bei vielen Produkten immer kürzer. Die deutsche Industrie steht vor entscheidenden Weichenstellungen in der technologischen Entwicklung, nicht zuletzt in Verbindung mit der digitalen Transformation. Die Innovationskraft neuer Wertschöpfungsnetzwerke und digitaler Ökosysteme gilt es gezielt zu erschließen und mit dem Domänenwissen – den klassischen industriellen Kompetenzen – und der Forschungsstärke in der Industrie erfolgreich zu verknüpfen. Dabei kommt es vor allem auf eine starke Position im internationalen Wettbewerb an: Deutsche Unternehmen müssen ihre Kompetenzen gezielt in einem fairen Wettbewerb weiterentwickeln können. Dazu braucht es auf globaler Ebene gleiche Wettbewerbsbedingungen (Level Playing Field), eine Stärkung der Resilienz unseres Wirtschaftssystems und zugleich ein klares Bekenntnis zum internationalen Freihandel. Die weltweite COVID-19 Krise hat auch die deutsche forschende Industrie mit aller Härte getroffen. Verminderte Personalpräsenzkapazitäten in den FuE-Abteilungen und eingebrochene Forschungsbudgets sowie gestoppte Kooperationen sind einige ihrer Auswirkungen und drohen die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu schwächen. Wir brauchen als Gegenmaßnahme verlässliche und wirksame politische Unterstützung in der Forschungs- und Innovationspolitik (FuI-Politik): Dazu gehören aus Sicht des BDI v.a. folgende sieben Handlungsfelder:
Für die Zukunft von Forschung & Innovation braucht Deutschland… … eine strategische Verbindung von FuI-Politik mit der Industriepolitik: ▪
Technologie- und Innovationspolitik strategisch eng mit der Industriepolitik verzahnen: Beide Politikbereiche müssen einen gezielten Kompetenzausbau unterstützen und die Offenheit und Leistungsfähigkeit des deutschen Innovationsystems im globalen Wettbewerb stärken. Dies betrifft die Industriekerne ebenso wie die damit verbundenen Innovationskerne. Die Förderung von Schlüsseltechnologien ist von besonderer Relevanz und sollte mit einer zielgerichteten Handels- und Technologieaußenpolitik verbunden werden. Im Gegensatz zu protektionistischen Entwicklungen in anderen Regionen muss für Deutschland und Europa weiterhin gelten: Offene resiliente Systeme und gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Akteure.
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Schlüsseltechnologien mit technologieoffenen Ansätzen verbinden: Dabei muss ein Instrumentenkasten zum Einsatz kommen, der die Förderung besonders wichtiger Schlüsseltechnologien mit technologieoffenen Ansätzen verbindet. Die deutsche und europäische Wirtschaft muss in erster Linie eine Transformation in Richtung Digitalisierung und nachhaltiger Wertschöpfung vollziehen, die gleichzeitig die internationale Wettbewerbsfähigkeit essenziell
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stärkt. Bei der Verzahnung von Innovations- und Industriepolitik muss darauf geachtet werden, dass internationalen Kooperationen ausreichend Raum verschafft wird. ▪
Forschungsförderprogramme künftig besser auf die Anforderungen der Industrie und ihrer Partner aus der Wissenschaft zuschneiden: Die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF), das Zentrale Innovationsprogramm für den Mittelstand (ZIM) und INNO-KOM haben sich in der Forschungsförderung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) bewährt. Neuerdings ergeben sich jedoch Einschränkungen bzw. Ausschlüsse für forschende kleine und mittelständische Unternehmen, die keine oder nicht ausreichende Umsätze erwirtschaften, um die Forschungsaufwendungen zu decken. Hintergrund sind die Regelungen zu „Unternehmen in Schwierigkeiten“, die zukünftig so eingegrenzt werden müssen, dass diese nicht die Beantragung von Förderungen behindern. Diese zentralen Instrumente zur Erhöhung der Zahl innovativer Unternehmen, zur Ausbildung eines praxisnah qualifizierten Ingenieursnachwuchses und zur stärkeren Kooperation von kleinen sowie mittelständischen Firmen mit der Wissenschaft sollten zudem einen erheblichen Mittelaufwuchs erfahren und weiterentwickelt werden. Daneben sollten geeignete Optionen ins Auge gefasst werden, wie größere Unternehmen ebenfalls von technologieoffenen Förderprogrammen profitieren können.
… eine enge Verzahnung der nationalen mit der europäischen FuI-Politik: ▪
Nationale Forschungs- und Innovationsprogramme komplementär mit den europäischen verknüpfen: Die künftige Bundesregierung sollte die sich aus der EU ergebenden Chancen noch wesentlich stärker in den Blick nehmen und die nationalen Forschungs- und Innovationsprogramme komplementär mit den europäischen verknüpfen. Denn von einem innovationsstarken Europa profitiert gerade Deutschland als industrieller und innovativer Motor der EU in besonderem Maße. Neben den Schlüsseltechnologien müssen vermehrt auch digitale Technologien wie KI und 5G/6G zentrale Elemente eines Modernisierungsschubs sein. Die Datenwirtschaft muss angekurbelt werden, denn sie ermöglicht es Unternehmen jeglicher Größe an der Wertschöpfung der digitalen Wirtschaft teilzuhaben. Gezielte Investments in Technologien, die Digitalisierung und Nachhaltigkeitsziele verbinden, wie beispielsweise Smart Grids und Smart Mobility, müssen mit Kraft vorangetrieben werden. Die rasanten technologischen Entwicklungen unter anderem im Bereich der Hochleistungsrechner (High Performance Computing, HPC), der Quantentechnologie und im Edge Computing können in Verbindung mit der deutschen Industriekompetenz starke Katalysatoren für positive Entwicklungen sein, an denen Deutschland in zentraler Gestalterrolle teil hat.
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Missionen aus Horizon Europe und Nachfolgeprogramm der Hightech-Strategie aufeinander abstimmen: Besonderes Augenmerk sollte auf die sinnvolle und strategische Verknüpfung von nationalen Forschungs- und Innovationsprogrammen wie beispielsweise der Nachfolgestrategie der Hightech-Strategie 2025 und dem künftigen weltweit größten öffentlich geförderten Forschungsprogramm, dem 9. EU Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizon Europe (HEU), ab 2021 gelegt werden. Hierfür bieten sich bereits jetzt einige konkrete Ansatzpunkte an. So sollten die Missionen der nächsten Hightech-Strategie mit den künftigen Missionen in HEU beispielsweise im Bereich der klimaneutralen Städte und Nachhaltigkeit synergetisch miteinander verzahnt und auf EU-Ebene hochskaliert werden. Der künftige Europäische Innovationsrat (European Innovation Council, EIC), der disruptive europäische Startups- und KMU im Rahmen von HEU fördern soll, kann erfolgreiche Projekte aus der
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Agentur für Sprunginnovationen (SprinD) über entsprechende Plug-In Fördermaßnahmen auch auf europäischer Ebene fördern und dementsprechend hochskalieren. Dadurch wird ein leistungsstarkes europäisches Innovations-Ökosystem geschaffen, von dem auch Deutschland im hohen Maße profitiert. ▪
Neuausrichtung des Europäischen Forschungsraums aktiv mitgestalten: Die geplante Neuausrichtung des Europäischen Forschungsraums (European Research Area, ERA) sollte von der künftigen Bundesregierung im Sinne einer engen Verzahnung des nationalen und europäischen Forschungs- und Innovationssystems aktiv mitgestaltet werden. Folgende inhaltliche Ziele stehen bei ERA jetzt im Vordergrund, die auch für das deutsche Wissenschafts- und Innovationssystem von hoher Relevanz sind. Zuerst sollte die Priorisierung von FuE-Investitionen und entsprechende Reformen zur Unterstützung des ökologischen und digitalen Wandels, zur Bewältigung der Corona-Pandemiefolgen und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der EU insgesamt vorgenommen werden. Zweitens sollte der effizientere Transfer und die Verwertung von Forschungsergebnissen aus der Wissenschaft (Grundlagenforschung, Erfindungen) in die Anwendung (Innovation) und drittens die Förderung der Mobilität von Forschenden und leichterer Zugang zu Forschungsergebnissen und Technologien innerhalb der EU vorgenommen werden.
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Innovationspotenzial von europäischen Reallaboren und Experimentierräumen ausschöpfen: Wie auch im nationalen Kontext spielen auf europäischer Ebene Reallabore eine große Rolle. Mit ihrer Hilfe können Erkenntnisse aus der Forschung rasch in die Anwendung gelangen und Anpassungen im Regulierungsrahmen erprobt und später implementiert werden. Dies muss künftig auch außerhalb des engen Korsetts der Beihilferegelungen ermöglicht werden. Reallabore und Experimentierräume haben großes Potenzial und sollten fortlaufend weiterentwickelt werden. Die 27 EU-Mitgliedstaaten haben im Rahmen der deutschen Ratspräsidentschaft gemeinsame Ratsschlussfolgerungen zu Reallaboren (englisch: "regulatory sandboxes") und Experimentierklauseln mit konkreten Schritten zur Förderung ab 2021 beschlossen.
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Entstehung von IPCEI und die Beteiligung von deutschen Unternehmen fördern: Important Projects of Common European Interests (IPCEI): Mit den IPCEI hat die EU-Kommission ein Instrument geschaffen, um Freiräume für Innovationen zu schaffen, insbesondere für solche mit hohem transformatorischen Charakter für einzelne Sektoren sowie Wertschöpfungsketten von großem strategischen Interesse. Es ermöglicht Mitgliedstaaten die engen beihilferechtlichen Grenzen zu erweitern. Beispiele sind das IPCEI zur Mikroelek-tronik, das IPCEI zum Aufbau einer Batteriewertschöpfung und das geplante IPCEI zum Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Europa. Die künftige Bundesregierung sollte die Entstehung von IPCEI und die Beteiligung von deutschen Unternehmen daran noch stärker förden. Denn zukünftig sollte das Instrument eines IPCEI auch für weitere Schlüsseltechnologien und Schlüsselindustrien genutzt werden, um bei fairen innovationspolitischen Rahmenbedingungen weltweit technologisch führend bei Schlüsseltechnologien und -industrien zu werden.
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… neue Formen agiler Forschungszusammenarbeit und Projekteffizienz: ▪
Innovationen und technische Lösungen für die Gesellschaft schneller bereitstellen: Deutschland gehört weltweit zu den technologischen Spitzenreitern. Es mangelt jedoch häufig an einer schnellen Übersetzung von Forschungserkenntnissen in marktfähige Produkte und Dienstleistungen. Die Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie wichtig es ist, als Volkswirtschaft, aber auch auf betrieblicher Ebene, reaktionsfähig und flexibel zu sein. Hierfür sind Strukturen notwendig, die Innovationen Raum geben und in denen es möglich ist, nachhaltige Erfindungen mit Marktpotenzial nicht nur zu entwickeln, sondern auch zügig in Innovationen umzusetzen. Die COVID-19 Pandemie hat auch gezeigt, dass die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Wirtschaft, Wissenschaft, NGOs, Behörden und Politik beispielsweise bei der raschen Entwicklung von Impfstoffen sehr hilfreich und fruchtbar sein kann. Künftig sollte aus diesen Erfahrungen gelernt und dafür geeignete neue Kooperationsformate entwickelt werden, damit Innovationen und technische Lösungen für die Gesellschaft rasch bereitgestellt werden können.
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Innovationspolitische Instrumente und Förderprogramme auf den Prüfstand stellen: Das Förderinstrumentarium der FuI-Politik sollte angesichts der teilweise bereits sehr langen Laufzeiten einzelner Programme und Initiativen und auch angesichts der Erfahrungen aus der COVID-19 Pandemie grundsätzlich auf den Prüfstand gestellt werden. Angesichts der sehr dynamischen Weiterentwicklung des deutschen und europäischen FuI-Systems in den letzten 15 Jahren ist es Zeit, das vorhandene Instrumentarium kritisch zu hinterfragen. Eine solche Systemevaluation Ende der 1990er Jahre hat wesentlich zur Auflage damals neuer Programme und Initiativen beigetragen, die das deutsche Innovationssystem in den letzten 20 Jahren gestärkt und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit untermauert haben. Auch heute wird wieder ein konstruktiver Einschnitt benötigt, der den aktuellen Herausforderungen taugliche Formate für die nächsten Jahre zur Seite stellt.
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Projektförderung dynamisieren: Wichtig ist darüber hinaus eine höhere Agilität in der Projektförderung – konkret eine schnellere Antragsbearbeitung, digitalisierte nutzerfreundliche Prozesse sowie die Fähigkeit, schnell passende Förderprogramme für neue Technologien zu etablieren. Diese müssen wenn notwendig erhöht werden, um den schnelleren Innovationszyklen, denen sich die deutsche Industrie auf dem Weltmarkt ausgesetzt sieht, gerecht zu werden.
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Regionalförderung und Clusterwettbewerbe weiterentwickeln: Zur Stärkung lokaler und regionaler Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft über Branchennetzwerke sowie Transfer- und Kompetenzzentren sollten Regionalförderung und Clusterwettbewerbe konsequent weiterentwickelt werden.
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Sprunginnovationen gemeinsam national und europäisch voran bringen: Bei der Umsetzung des Forschungsförderinstruments für Sprunginnovationen (SprinD) spricht sich die Industrie dafür aus, die Anforderungen und Erfahrungen der Industrie insbesondere bei der Themenwahl in noch größerem Maße einzubeziehen. Das Förderinstrument und die Einzelprojekte sollten von der Wirtschaft mitgestaltet und unterstützt sowie von Fachbeiräten gesteuert werden. Die Organisation muss politisch unabhängig sein. Sie sollte eine geeignete und und transparente Schnittstelle mit den Bundesressorts und auf europäischer Ebene mit dem EIC aufweisen, damit der Einsatz an Fördermitteln über eine direkte Abstimmung der
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Fördermaßnahmen effektiviert wird. Besonders wichtig ist die Auswahl geeigneter Themen, die wirtschaftliche Relevanz und klar disruptives Potenzial besitzen müssen.
…einen konsequenten Ausbau der FuI-Finanzierung: ▪
Schlüsseltechnologien mit vorhandenen Stärken verknüpfen und zu technologischen Zukunftsfeldern ausbauen: Noch nie hat Deutschland so viel für Forschung und Entwicklung (F&E) ausgegeben wie vor der COVID-19 Krise. 2018 betrugen die Ausgaben von Wirtschaft und Staat 3,13% am Bruttoinlandsprodukt. Bei der Auswahl von staatlichen Förderschwerpunkten muss die künftige Bundesregierung an die vorhandenen Stärken des deutschen Industriestandortes anschließen und gemeinsam mit der Industrie relevante Schlüsseltechnologien identifizieren, auf die klar fokussiert wird, darunter: industrielle KI, Digitaler Zwilling, 5G/6G, Cybersecurity, Edge-/Cloud-Technologien, Quantentechnologien und Next Generation Computing, Sensorik, Biotechnologie, Wasserstofftechnologien, synthetische Kraftstoffe (e-fuels), automatisiertes und vernetztes Fahren, Produktionstechnologien sowie Materialund Werkstofftechnologien. Hier liegen für die nächsten Jahrzehnte gerade im internationalen Wettbewerb große Chancen und Potenziale. Die Förderung muss daher über einzelne Schlüsseltechnologien hinausgehen und sie mit vorhandenen industriellen Stärken sowie neuen Finanzierungs- und Geschäftsmodellen zu technologischen Zukunftsfeldern verknüpfen helfen. Die Förderung von Forschung und Innovation muss sich zur Aufgabe machen, sowohl die Resilienz der Wirtschaft als auch die Position der Unternehmen auf dem Weltmarkt zu stärken.
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3,5%-Ziel konsequent weiterverfolgen: Das Ziel, bis 2025 die 3,5%-Marke als Anteil der nationalen Forschungsausgaben am BIP zu erreichen, ist trotz der Pandemie weiter richtig. Zugleich ist es eine große Herausforderung. Bund und Länder müssen ihre FuE-Investitionen deutlich aufstocken, um ihren Anteil von einem Drittel der deutschen FuE-Aufwendungen wieder zu erreichen und zu halten. Zugleich sollten die Unternehmen, die bereits mehr als zwei Drittel zu den nationalen FuE-Ausgaben beitragen, ihre hohen Investitionen weiter gezielt steigern.
… Technologietransfer und Reallabore auf neuem Niveau: ▪
Neue Formate des innovativen Erprobens dauerhaft einrichten: Der Transfer von Erkenntnissen aus der Wissenschaft, die Kommunikation zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sowie das Finanzierungsökosystem für Unternehmenswachstum in FuE müssen weiter verbessert und ausgebaut werden. Neue strategische Kooperationen zwischen den Akteuren des Innovationssystems und kreative Formate der Zusammenarbeit sind dabei der Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit des Standorts. Der Staat sollte gezielt Freiräume schaffen und Öffnungsprozesse in Forschung und Innovation unterstützen. Hilfreich sind hierbei Reallabore, in denen Erkenntnisse aus der Forschung in die Anwendung gelangen und Anpassungen im Regulierungsrahmen erprobt und später implementiert werden können. Dies muss auch außerhalb des engen Korsetts der Beihilferegelungen ermöglicht werden. Reallabore und Experimentierräume haben großes Potenzial und sollten fortlaufend eingerichtet werden. Das bereits vom BMWi in der noch laufenden Legislaturperiode eingerichtete Netzwerk Reallabore sollte als Best-Practice-Plattform dienen und kontinuierlich weiterentwickelt werden.
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Etablierten und jungen innovativen Unternehmen Wachstumskapital bereitstellen: Technologieorientierte Gründungen sowie Technologieentwicklungen von industriestrategischer Bedeutung (u.a. die Batteriezellfertigung und medizinische Biotechnologie) sind ein wichtiger Erneuerungs- und Wachstumsmotor für Deutschland. Es ist richtig, dass Bund und Länder ihre Förderung für die Vorgründungs- und Gründungsphase ausgebaut und die überfällige Reform des Körperschaftsteuergesetzes umgesetzt haben. Bislang ist es aber nicht ausreichend gelungen, den Markt für Wachstumskapital zu beleben. Der 10 Mrd. Euro Zukunftsfonds muss mutig vorangebracht werden, damit nicht immer mehr innovative Pioniere Deutschland den Rücken kehren. Das Programm sollte dabei nicht nur auf Startups oder KMU beschränkt werden, denn Innovationen entstehen durchaus auch in sogenannten Bestandsunternehmen. Der Fonds und die enthaltenen Maßnahmen müssen neben digitalen Themen auch die Bedürfnisse innovativer Unternehmen aller Branchen berücksichtigen, die bei langen Entwicklungszeiten einen hohen Kapitalbedarf haben.
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Wissenstransfer erleichtern: Durch den Transfer von Ideen und Erkenntnissen in die Wirtschaft trägt die Wissenschaft zur Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit bei. Leider stehen Gründern aus Wissenschaftseinrichtungen dabei oft bürokratische Hürden u.a. im Beihilfeund Gemeinnützigkeitsrecht im Weg. Deshalb stimmen wir dem Hightech-Forum zu: Deutschland benötigt eine Initiative für mehr Freiheit im Transfer, um diese Barrieren abzubauen und den größtmöglichen gesellschaftlichen Nutzen von Spitzenforschung zu ermöglichen.
… technologische Antworten auf Nachhaltigkeitsherausforderungen: ▪
Technologische Innovationen zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele nutzen: Der Forschungspolitik muss es gelingen, technologieoffene Antworten auf die großen Nachhaltigkeitsherausforderungen unserer Zeit mit höchster Effizienz zu fördern und dabei gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu stärken. Dies gilt im besonderen Maße für den Klimaschutz: Für die ökologische Transformation der Wirtschaft hin zur Klimaneutralität werden massive Investitionen benötigt. Dafür müssen jetzt die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden, denn die Energiewende wird nicht allein durch Regulierung zu schaffen sein, sondern erfordert technologische Innovationen. Ohne wettbewerbsfähige Energiekosten und einen massiven Ausbau erneuerbarer Energien kann die deutsche Industrie ihren Weg zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Industrie nicht entschlossen vorangehen. Das aktuelle Momentum sollte genutzt werden, um den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft zügig zu ermöglichen. Zudem sollte der Ausbau der Digitalisierung im Energiebereich vorangetrieben werden, um Effizienzpotenziale auszuschöpfen.
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Entwicklung von exportfähigen Low/Zero-Emission-Technologies unterstützen: Die Entwicklung von exportfähigen Low/Zero-Emission-Technologies muss am Standort Deutschland durch Investitionen in zukunftsfähige Technologiestränge unterstützt und ihre Tauglichkeit in Demonstrationsanlagen erprobt werden. Bei solchen branchenübergreifenden Herausforderungen von globaler Dimension muss es in der neuen Legislaturperiode gelingen, die technologischen Lösungswege einerseits weit offen zu halten, andererseits aber auch konkrete Lösungsansätze in Demonstratoren unter „Reallaborbedingungen“ mit geeigneten Finanzierungsinstrumenten und smarten Regulierungen schlagkräftig in Anwendung zu bringen.
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Wettbewerbsverzerrende Umsetzung von Maßnahmen vermeiden: Technologieentwicklung und Innovation müssen mit einer nicht wettbewerbsverzerrenden Umsetzung (internationales Level-Playing-Field) in der heimischen Industrie Hand in Hand gehen. Die FuI- und Industriepolitik muss diese Balance künftig aus einem Guss liefern. Die gemeinsame Strategie von FuI- und Industriepolitik muss lauten: Technologieoffene agile Förderung mit finanzieller Substanz zur Lösung strategischer Nachhaltigkeitsherausforderungen unserer Zeit bei gleichzeitiger Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.
… ein leistungsfähiges Hochschul- und Wissenschaftssystem: ▪
Ökosystem aus Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Wissenschaftseinrichtungen und innovierenden Unternehmen stärken: Angesichts der weltweiten und nationalen Herausforderungen müssen notwendige strukturelle Anpassungen erfolgreich bewältigt und aus unserer weltweit einmaligen Forschungslandschaft mit ihrer Breite an Themen und Exzellenz neue Marktchancen geschöpft werden. Dafür muss die gesamte Forschungslandschaft im Sinne eines Ökosystems gestärkt werden.
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Potenzial aller Forschungsarten ausschöpfen: Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung – gefördert durch den Pakt für Forschung und Innovation – muss ihr Potenzial künftig noch erfolgreicher in Ausgründungen, Transferprojekten, Clusterinitiativen oder Reallaboren als Wissensquelle für Open Innovation oder als Bestandteil von Sprunginnovationen entfalten. Dabei gilt es grundsätzlich, die Förderlinien kritisch auf erzielte Erfolge zu prüfen und dem dafür eingesetzten Mittelvolumen gegenüberzustellen. Statt Ziele für alle Wissenschaftsorganisationen anzugleichen, sollten Kooperationen entlang der Spezialisierung der Forschungsorganisationen untereinander noch stärker gefördert werden.
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Hochschulen auch jenseits des Zukunftsvertrags stärken: Der „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“ in der Nachfolge des Hochschulpakts hat die Hochschullehre gestärkt und die Planungssicherheit für die Hochschulen verbessert. Dennoch muss jenseits des Zukunftsvertrags die originär von den Ländern verantwortete Grundfinanzierung der Hochschulen verbessert werden. Insbesondere Herausforderungen wie der Sanierungsstau im Hochschulbau und die Digitalisierung in Forschung und Lehre sowie die damit verbundenen Schwierigkeiten, hierfür Fachkräfte zu rekrutieren und marktgerecht zu bezahlen, machen dies dringend notwendig.
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Exzellenz Vorrang gewähren: Die Mittel der Exzellenzstrategie sollten wieder eine konzentrierte Stärkung weniger Hochschulen im internationalen Wettbewerb der Besten ermöglichen.
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Qualitätspakt Lehre aufstocken: Der Qualitätspakt Lehre ist unterfinanziert und muss aufgestockt werden. Dies gilt insbesondere im Angesicht der zahlreichen Herausforderungen, die die zunehmende Digitalisierung der Lehre mit sich bringt.
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Fachhochschulen personell und in der Anwendungsforschung unterstützen: Das „Programm zur Förderung der Gewinnung und Entwicklung von professoralem Personal“ an Fachhochschulen greift zu Recht die Problematik auf, dass einerseits die Nachfrage nach einem Fachhochschulstudium stark gestiegen ist, es andererseits aber immer schwieriger geworden ist, diesen Bedarf zu decken. Fachhochschulen sind regional häufig ausgezeichnet mit der
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lokalen Wirtschaft verbunden und leisten wichtige Beiträge in der anwendungsorientierten Forschung. Ihre Stärkung sollte daher auch in Hinblick auf das Programm zur Förderung der Fachhochschulforschung weiter vorangetrieben werden. ▪
Fachkräfteinitiativen mit hoher Priorität vorantreiben: Eine zentrale Ressource unseres Wissenschafts- und Innovationssystems sind gut ausgebildete Fachkräfte. Die Industrie unterstützt alle Initiativen, die auf das Ausbilden, Gewinnen und Halten von qualifiziertem Personal auf sämtlichen Karrierestufen abzielen. Dazu gehören neben durchlässigen Karrierewegen zum Beispiel das Tenure-Track-Programm des Bundes oder die Alexander von Humboldt-Professuren im Bereich der künstlichen Intelligenz sowie die Bioökonomie-Strategie des Bundes. Wissenschaft, Politik und Unternehmen müssen Fachkräfteinitiativen mit hoher Priorität gemeinsam vorantreiben. Nur so kann die dringend notwendige Fachkräftesicherung in Deutschland gewährleistet werden.
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Transfer- und Anwendungsgedanken schon in Schule und Studium verankern: Im Sinne eines offenen Innovationsklimas in der Gesellschaft sollte der Transfer- bzw. der Anwendungsgedanke von Erfindungen bereits fester Bestandteil von Studieninhalten in Schule und Hochschulstudium werden. Gespräche zur verbindlichen Verankerung in den Curricula dazu könnten unter anderem auf Ebene der Kultusministerkonferenz der Länder und mit der Hochschulrektorenkonferenz erfolgen.
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Hochschulen zu Orten wissenschaftlicher Weiterbildung machen: Wissenschaftliche Weiterbildung ist als Kernaufgabe der Hochschulen neben Forschung und grundständiger Lehre gesetzlich verankert. Mit zunehmender Digitalisierung steigt die Nachfrage nach wissenschaftlichen Weiterbildungsformaten (Studiengänge, Zertifikatskurse oder auch einzelne Module). Die Hochschulen bleiben allerdings vielerorts hinter ihren Möglichkeiten zurück. Die neue Bundesregierung ist daher aufgefordert, gemeinsam mit den Ländern Rahmenbedingungen zu schaffen, die Hochschulen bei der Erfüllung dieser Kernaufgabe unterstützen. Hindernisse wie starre Strukturvorgaben oder uneinheitliche Auslegungen des EU-Beihilferechts müssen ausgeräumt werden.
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Das Duale Studium sichern: Das Duale Studium mit seinen Formaten ausbildungsintegrierend und praxisintegrierend ist ein Erfolgsmodell. Die aktuelle Vielfalt an dualen Studiengängen entspricht dabei den Bedarfen der kooperierenden Hochschulen, Unternehmen, Studierenden sowie regionalen Rahmenbedingungen und muss zwingend erhalten bleiben.
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Für MINT-Fachkräfte auf allen Qualifikationsstufen sorgen: Hochqualifizierte Wissenschaftler, Ingenieure sowie Fachkräfte aus der beruflichen Bildung sind der Schlüssel für Innovation und technischen Fortschritt. Qualifizierte MINT-Fachkräfte sind für einen starken Industriestandort wie Deutschland unerlässlich. Der größte Anteil an der MINT-Fachkräftelücke entfällt auf die beruflich qualifizierten Fachkräfte. Es gilt deshalb, die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildungswege zu betonen und die Durchlässigkeit zu gewährleisten.
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