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Globaler Wachstumsausblick 11/2023: Weltwirtschaft wächst 2024 gleichbleibend schwach

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November Juni 2021 2023 GLOBALER WACHSTUMSAUSBLICK

Juni 2021

Keine Dynamik GLOBALER WACHSTUMSAUSBLICK Weltwirtschaft wächst 2024 gleichbleibend schwach

Juni 2022

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Das wirtschaftliche Wachstum der Weltwirtschaft wird 2024 mit 2,9 Prozent erneut auf historisch schwachem Niveau verharren. Während die USA und China an Tempo verlieren werden, wird die europäische Wirtschaft moderat und gleichbleibend zulegen.

▪

Die US-Wirtschaft dürfte eine Rezession vermeiden und auch nächstes Jahr noch mit etwa 1,5 Prozent wachsen. Chinas strukturellen Probleme werden dagegen das Wachstum auf 4,5 Prozent begrenzen.

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In der EU wird vor allem die Erholung der Kaufkraft der privaten Haushalte die gesamtwirtschaftliche Leistung mit 0,7 Prozent wachsen lassen.

Die amerikanische Lokomotive der Weltwirtschaft

▪ Deutschlands Wirtschaft dürfte bei mechanischer Umsetzung des Urteils um Aufschwung im Norden, Risiken im Süden bis zu einem halben Prozent des BIP schrumpfen. Wir erwarten derzeit Stagnation als ein mittleres Szenario. ▪

Der globale Warenhandel dürfte nach einem Rückgang in diesem Jahr um ein Prozent im nächsten Jahr um drei Prozent zulegen.

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Die Inflationsraten werden weltweit leicht sinken. In den USA und im Euroraum werden die Werte zum Ende des nächsten Jahres auf etwa drei Prozent absinken.

▪

Die geldpolitische Straffung ist weitgehend abgeschlossen, der Kurs bleibt zudem auf Jahressicht in den USA und im Euroraum restriktiv. Erste Lockerungen könnten im Laufe des zweiten Halbjahrs 2024 möglich werden.

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In der Finanzpolitik stehen die Zeichen 2024 auf Konsolidierung, vor allem in Europa. Dies hilft bei der Inflationsbekämpfung. Die Anforderungen an die Budgets durch neue Verteidigungsausgaben und die Investitionen in die doppelte Transformation bleiben jedoch hoch.


Keine Dynamik | Weltwirtschaft wächst 2024 gleichbleibend schwach 1/11/2023

Inhaltsverzeichnis Schwache weltwirtschaftliche Dynamik 2023 und 2024 .................................................................. 2 Die Inflation, verfügbare Einkommen und Konsumausgaben dämpften die Entwicklung..................... 2 Durchgehende Erholung im nächsten Jahr nicht zu erkennen ............................................................. 2 Gravierende Konjunkturrisiken bleiben zunächst bestehen .................................................................. 5 2024 ohne Dynamik .............................................................................................................................. 6 Auf Schwäche folgt nicht Stärke. Es geht seitwärts .............................................................................. 7 Inflationsraten sinken in den meisten großen Volkswirtschaften, kräftig .............................................. 8 Geldpolitik: Plateau erreicht? .............................................................................................................. 10 FED hält Füße still, Dämpfung hat eingesetzt ..................................................................................... 11 EZB wartet Wirkung ab ....................................................................................................................... 11 Britische Notenbank hält Leitzins konstant ......................................................................................... 11 Japanische Notenbank strafft leicht .................................................................................................... 12 Finanzpolitik: beginnende Konsolidierung, große Probleme in mittlerer Frist ..................................... 12 Finanzmärkte ..................................................................................................................................... 13 Wechselkurse ...................................................................................................................................... 14 Industrieproduktion weltweit: Kaum Expansion zu erwarten ....................................................... 15 Entwickelte Volkswirtschaften: Nur US-Industrie sorgt noch für Wachstum ....................................... 15 Schwellenländern: China wieder Wachstumsmotor; Rebound-Effekt in Ost-Europa ......................... 16 Welthandel ......................................................................................................................................... 17 USA ..................................................................................................................................................... 19 Drittes Quartal 2023 überraschend stark ............................................................................................ 19 Inflation geht leicht zurück, Arbeitsmarkt kühlt etwas ab .................................................................... 20 Handelsbilanzdefizit zuletzt etwas kleiner als in den Vorquartalen..................................................... 20 Hohe Staatsverschuldung stellt langfristiges Risiko dar ..................................................................... 21 CHINA ................................................................................................................................................. 21 Keine Entwarnung bei Industrie und Dienstleistung ........................................................................... 22 Förderung von Privatunternehmen angekündigt ................................................................................. 23 Geldpolitik in der Zwickmühle.............................................................................................................. 23 Außenhandel schwach trotz einzelner Highlights ............................................................................... 24 Am Rande der Deflation ...................................................................................................................... 24 Euroraum: allmähliche Erholung in Sicht ....................................................................................... 25 Deutschland ....................................................................................................................................... 25 Quellenverzeichnis ............................................................................................................................ 27

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Keine Dynamik | Weltwirtschaft wächst 2024 gleichbleibend schwach 1/11/2023

Schwache weltwirtschaftliche Dynamik 2023 und 2024 Die Inflation, verfügbare Einkommen und Konsumausgaben dämpften die Entwicklung Die weltwirtschaftliche Entwicklung hat im letzten halben Jahr Licht und Schatten aufgewiesen. In der Summe hat sich im Ausblick auf dieses Jahr wenig geändert. Die Weltwirtschaft dürfte mit historisch schwachen rund drei Prozent zulegen (IWF 2023, Europäische Kommission 2023; OECD 2023). Immerhin sind die ersten Erfolge in der Inflationsbekämpfung eingetreten, und die Monatswerte sind in den USA und im Euroraum zuletzt, wie erhofft, deutlich gesunken. Allmählich entwickeln sich auch die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte am aktuellen Rand wieder besser als die Preise, nach kräftigen realen Kaufkraftverlusten seit letztem Jahr. Die Investitionstätigkeit hat sich trotz der verschärften Finanzierungsbedingungen, der schwachen Nachfrageentwicklung und der erst allmählich abebbenden Kostenschocks relativ robust gehalten, vor allem bei Ausrüstungen. Zugleich gerieten die Indikatoren für die Immobilienmärkte in einigen wichtigen Ländern heftig unter Druck, das Neugeschäft im Wohnungsbau ist vielerorts eingebrochen. Noch ist nicht ausgemacht, ob die dämpfenden Effekte der Geldpolitik ohne größere Störungen der gesamtwirtschaftlichen Leistungen über mehrere Quartale aufgefangen werden können (OECD 2023). Allerdings ist die Weltwirtschaft von einem Rückgang des Welthandels zusätzlich gebremst worden; die Entwicklung der Handelsvolumina war deutlich schwächer als erwartet und ist nicht zuletzt auf die Baisse Chinas zurückzuführen. Trotz gewisser Entspannung in der Lieferkette und sinkender Energieund Rohstoffpreise über den Sommer dürfte der Warenhandel in diesem Jahr weltweit um ein Prozent zurückgehen. Selbst die weltweite Industrieproduktion wird wohl stagnieren (BDI 2023). Während sich die Vereinigten Staaten konjunkturell deutlich besser als erwartet behaupten konnten und somit das Jahr mit einem satten Plus von gut 2¼ Prozent beenden werden, durchlief China ein sehr schwaches zweites Quartal, bei mäßiger Erholung im dritten. Dies dürfte jedoch für das Erreichen des von der Regierung genannten Ziels von fünf Prozent Wachstum des BIP reichen; die Wirtschaftsleistung dürfte um 5½ Prozent zulegen (Sachverständigenrat 2023). In Europa wurde die Aktivität stärker als erwartet abgebremst, vor allem in Deutschland und in Mittel- und Osteuropa; dies lag hauptsächlich an den starken Dellen bei den realen Konsumausgaben. Euroraum und EU dürften dieses Jahr mit einem guten halben Prozent wachsen und im nächsten Jahr ähnlich mit 0,7 Prozent. Das Jahr hat ein gewisses Auf und Ab erlebt. Der Jahresstart war noch recht gut. Aber generell enttäuschte das zweite Quartal, und das dritte ist in den meisten Volkswirtschaften ebenfalls mau verlaufen. In diesem Umfeld überrascht es nicht sonderlich, dass bei kräftig gestiegenen Leitzinsen zunächst die Inflationsraten deutlich nachgaben. Irritationen aus Finanzmarktturbulenzen konnten rasch beseitigt werden, dagegen brachen neben dem russischen Krieg in der Ukraine weitere kriegerische Konflikte in Zentralasien und im Nahen Osten aus. Auch stiegen die Spannungen rund um Taiwan weiter an. Die Entscheidungen der OPEC+, das Ölangebot zu drosseln, haben jedoch wieder einen Preisauftrieb für Öl um ein Viertel seit Mai verursacht, der den Disinflationsprozess bremst. Zudem sind jüngst in den USA die zugrundeliegenden Maße für die Kerninflation wieder angestiegen. Durchgehende Erholung im nächsten Jahr nicht zu erkennen Die letzten Daten zu den Erwartungen der Unternehmen und Bürger in der Welt waren bislang weitgehend enttäuschend. Das Konsumentenvertrauen in den Industrieländern scheint zwar den Tiefpunkt

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überwunden zu haben, von Aufschwung ist hier aber nichts zu spüren. Die Zuversicht der Wirtschaft hat sich in den letzten Monaten auch nicht nennenswert gebessert. Wirtschaftsklimaindikatoren*, OECD 103 102 101 100 99 98 97 96

Geschäftsvertrauen (Industrie)

Konsumentenvertrauen

*saisonbereinigt (Index=100) Quelle: Macrobond

Auch die Einkaufsmanagerwerte zeigen keine grundlegende Verbesserung an. Der Wert für die Welt ist auf Stagnationsniveau gesunken, wobei der Industriewert bei Kontraktion verharrt. Im Euroraum sind Gesamt-, Dienstleistungs- und Industriewert im letzten Halbjahr kräftig gefallen und scheinen allmählich Bodenbildung aufzuweisen. Noch liegt man unter der Expansionsschwelle. In China gab es die gleiche Richtung für alle Indizes, man liegt auf der Schwelle. In den Vereinigten Staaten haben vor allem die Dienstleistungen nachgegeben und sind nun auf neutral gesunken, während sich das Verarbeitende Gewerbe aus der Kontraktion nach oben zurückkämpft. Einkaufsmanagerindex Welt 60

50

40

30

20

PMI Verarbeitendes Gewerbe

PMI Dienstleistung

PMI gesamt

Quelle: Macrobond

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Einkaufsmanagerindizes 60

60

Euroraum

Deutschland 55

50 50 40 45

40

30

PMI Verarbeitendes Gewerbe

PMI Verarbeitendes Gewerbe PMI Diensteistung PMI gesamt

60

PMI Diensteistung PMI gesamt

USA

60

China

55 50

50

45 40 40

35

PMI Verarbeitendes Gewerbe PMI Diensteistung PMI gesamt

PMI Verarbeitendes Gewerbe PMI Diensteistung PMI gesamt

Quelle: Macrobond

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Angesichts dieser mauen Lage fällt es schwer, potenzielle Treiber für den Aufschwung zu finden. Der Ausblick für 2024 dürfte nicht spürbar besser sein. Eine Abbremsung der US-Konjunkturdynamik ist wahrscheinlich, wenn auch die weithin, u.a. von uns erwartete, kurze Rezession ausbleiben dürfte. Chinas Wachstumsperspektive ist ebenfalls getrübt, im Oktober sanken die wichtigen Einkaufsmanagerwerte wieder auf Kontraktionsniveau ab. In Europa sollte eine spürbare Belebung vor allem über die Konsumausgaben möglich werden, sofern nicht neue Schocks die Verbraucher in Mollstimmung halten. Hinzukommt, dass in den meisten Volkswirtschaften die Geldpolitik im nächsten Jahr restriktiv bleiben wird und womöglich in der zweiten Jahreshälfte wieder etwas gelockert werden könnte, während die Finanzpolitik im nächsten Jahr einen deutlicheren Beitrag zur Stabilisierung leisten und eine restriktivere Ausrichtung einnehmen wird. Sowohl in der Geldpolitik wie in der Finanzpolitik ist eine Rückkehr zu Vorkrisenverhältnissen zunehmend unwahrscheinlich. Die Leitzinsen werden sich außerhalb Japans deutlich über null einpendeln, und die Finanzpolitik kommt in das schwerste strukturelle Fahrwasser seit Jahrzehnten, weil zeitgleich mehrere strukturelle Verschlechterungen zusammenwirken werden. Auf der „short list“ stehen ein permanent höheres Zinsniveau auf den Kapitalmärkten und somit mittelfristig höhere Zinsausgaben, Mehrausgaben und Mindereinnahmen aufgrund der Alterung und ihrer sozialpolitischen Flankierung, ein Rückgang des Wachstumspotenzials (Alterung, Erosion der Produktivität), strukturell höhere Verteidigungsausgaben und Veränderungen in der internationalen Arbeitsteilung, die zu weniger Wachstum führen. Immerhin sollten sich Industrieproduktion und Welthandel allmählich wieder erholen, wenn die Konsumenten ihre gestiegenen verfügbaren Einkommen in realer Rechnung wieder stärker für Produktkäufe nutzen werden. Gravierende Konjunkturrisiken bleiben zunächst bestehen Trotz des ziemlich robusten Verlaufs der US-Konjunktur in diesem Jahr dürften die restriktive Geldund Fiskalpolitik die Aktivität im nächsten Jahr auf ein niedriges Wachstumstempo runterdimmen. Das Risiko einer deutlicheren Abschwächung der Aktivität ist angesichts der Unsicherheiten über die Wirkung der Geldpolitik jedoch noch vorhanden. Zwar wäre auch dann nicht mit einem kräftigen Einbruch am Arbeitsmarkt zu rechnen, aber Ausstrahleffekte auf den Rest der Welt über den Wechselkurs, die Aktien- und die Kreditmärkte sowie den Außenhandel wären wahrscheinlich. Zweitens schwebt eine erhebliche Unsicherheit über der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung Chinas. Die gravierenden Schwierigkeiten auf dem Immobilienmarkt schwächen die Nachfrage nach industriellen Erzeugnissen. Noch ist auch nicht klar, ob die starken Interventionen der KP in die Wirtschaft in den Corona-Jahren nicht zu Strukturbüchen im Verhalten der privaten Haushalte (zu Lasten der Konsumausgaben, der Käufe von Eigentumswohnungen) und der privaten Unternehmen geführt haben, die in der Vergangenheit eine bedeutende Rolle bei den Investitionen in moderne Dienstleistungen, neue Technologien und die wirtschaftliche Aktivität allgemein gespielt haben (Posen 2023). Zudem haben wesentliche Weichenstellungen in der Wirtschaftspolitik („duale Zirkulation“, Vorgehen gegenüber den Technologieunternehmen) zumindest kurzfristig dämpfende Effekte auf die Aktivität. Plausibel wäre eine dauerhafte Senkung des Wachstums. Drittens ist noch nicht sicher, dass die geldpolitische Straffung in den wichtigsten OECD-Ländern auch wie im Lehrbuch wirken wird und die Kalibrierung der Notenbanken wie geplant funktioniert. Die bisherige Straffung wirkte zunächst auf die zinsreagiblen Bereiche der Volkswirtschaft rasch und kräftig, ohne größere Verwerfungen und finanzielle Instabilitäten auszulösen. Gleichwohl könnte die Straffung

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und ein wahrscheinlich permanent höheres Zinsniveau insbesondere hochgradig verschuldete Unternehmen, Branchen oder Staaten vor Stabilitätsrisiken stellen. Zudem schwebt das Damoklesschwert des Nahostkonflikts – mit potenziellen Schockwirkungen auf die Energiemärkte, die Inflation und das Geschäfts- beziehungsweise Verbrauchervertrauen in den Industrieländern – über der wirtschaftlichen Entwicklung. 2024 ohne Dynamik

Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts 2024 gegenüber Vorjahr (in Prozent)

Weltwirtschaft

+2,9

Eurogebiet

+0,7

Welthandel

+3

EU

+0,7

USA

+1,5

Japan

+1

VR China

+4,5

Deutschland

0

Quelle: BDI

Die Weltwirtschaft dürfte in diesem Jahr mit gut drei Prozent wachsen; wir hatten im Sommer mit einem etwas schwächeren Verlauf gerechnet (2¾ Prozent). Dies liegt hauptsächlich an den USA, die wohl ein Wachstum von über zwei Prozent (2¼ Prozent) erreichen sollten. Auch Japan dürfte mit 1,7 Prozent zulegen (OECD 2023). Unter den größeren Schwellenländern reihten sich Brasilien (gut drei Prozent), Indien (über sechs Prozent) und Russland (zwei Prozent) aus jeweils ganz unterschiedlichen Gründen ein (gutes Wetter und hohe Ernten in Brasilien; Ölpreise und Sanktionsumgehung in Russland). Das Vereinigte Königreich dürfte eine Rezession vermeiden und um ein halbes Prozent wachsen. Enttäuscht haben andere Länder und Regionen. China dürfte einen halben Prozentpunkt schwächer abschneiden, der Euroraum und die EU einen Viertelpunkt. Unter den Ländern mit enttäuschender Konjunkturentwicklung ist vor allem Deutschland zu nennen, in dem die Schwäche der realen Konsumausgaben, der Bauinvestitionen und des Außenbeitrags deutlicher ausfiel als erwartet. Insofern sticht Deutschland mit einem zu erwartenden leichten Rückgang der Wirtschaftsleitung (mit Abwärtsrisiken) negativ hervor. Frankreich und Italien schneiden mit Wachstumsraten von einem Dreiviertelpunkt etwas robuster ab. Die Industrieländer insgesamt dürften mit 1,5 Prozent Wachstum abschneiden, die Entwicklungs- und Schwellenländer mit vier Prozent (IWF 2023).

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Prognoseübersicht: Wachstum der realen Wirtschaftsleistung 2023/24 in Prozent

2023

2024

IWF1

OECD2

EUKOM3

IWF1

OECD2

EUKOM3

Welt

3,0

2,94

3,1

2,9

2,74

2,9

USA

2,1

2,4

2,4

1,5

1,5

1,4

China

5,4*

5,2

5,2

4,6*

4,7

4,6

Japan

2,0

1,7

1,9

1,0

1,0

0,8

EU

0,6

1,3

Euroraum

0,7

0,6

0,6

1,2

0,9

1,2

Deutschland

-0,5

-0,1

-0,3

0,9

0,6

0,8

Frankreich

1,0

0,9

1,0

1,3

0,8

1,2

Italien

0,7

1,2

0,7

0,7

0,7

0,9

Spanien

2,5

2,4

2,4

1,7

1,4

1,7

V. Königreich

0,5

0,5

0,6

0,6

0,7

0,5

Indien

6,35

6,3

6,6

6,35

6,1

6,1

Brasilien

3,1

3,0

2,8

1,5

1,8

1,6

Russland

2,2

0,8*

2,0

1,1

0,9*

1,6

1: IWF (2023). Stand Oktober. *November. 2: OECD (2023). Stand November. *September. Prognose für Indien für Fiskaljahr, beginnend im April. 3: Europäische Kommission (2023). Stand November. 4: Prognose auf Grundlage von 70 Prozent des Welt-BIP (in Kaufkraftparitäten von 2013) 5: Angaben zu Indien für das Fiskaljahr und in laufenden Preisen

Auf Schwäche folgt nicht Stärke. Es geht seitwärts Der Ausblick auf das nächste Jahr dürfte ähnlich verhalten sein, jedoch einen anderen Mix aufweisen. Das Wachstumstempo wird voraussichtlich etwas nachlassen, da die größte Volkswirtschaft der Welt, die USA, an Dynamik verlieren und wohl nur mit anderthalb Prozent zulegen wird. Auch Kanadas Wirtschaft dürfte nur leicht anziehen. Zugleich wird der Auftrieb in China nachlassen und die Rate auf 4,5 Prozent fallen. Dagegen dürften der Euroraum und die EU im Zuge der erfolgreichen Stabilisierungspolitik der Geldpolitik zum Wachstum der realen Konsumausgaben bei robusten Bruttoanlageinvestitionen und einem kleinen Beitrag des Außenhandels zu etwas stärkerem Wachstum von 0,7 Prozent zurückfinden. An der europäischen Peripherie dürfte die Türkei mit drei Prozent nur moderat wachsen, während die Wirtschaft der Ukraine erneut leicht anziehen sollte (drei Prozent, nach zwei Prozent in diesem Jahr).

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Japans Sonderkonjunktur läuft allmählich aus, das dritte Quartal fiel sehr schwach aus. 2024 dürfte das Land mit gut einem Prozent jedoch noch immer über den Potenzialrate wachsen. Taiwan, Südkorea und Singapur dürften nach einem schwachen Jahr 2023 nächstes Jahr wieder kräftiger zulegen, während Australien, Neuseeland und Hongkong eine schwächere Dynamik im nächsten Jahr aufweisen sollten. Brasilien, Mexiko und Russland werden ebenfalls langsamer wachen, während Indien, die ASEAN-Länder, der Nahe Osten und Nordafrika (ölpreisgetrieben), das Afrika südlich der Sahara und vor allem Südafrika anziehende Wachstumsraten aufweisen dürften. In Lateinamerika steht eine Seitwärtsbewegung mit einem Wachstum der Region in der Größenordnung von 2¼ Prozent an, wobei Südamerika mit zwei Prozent schwächer abschneiden wird als Zentralamerika mit knapp vier Prozent beziehungsweise die Karibik mit satten acht Prozent. Insgesamt wird 2024 dem Jahr 2023 sehr ähneln. Die Industrieländer kommen mit 1,5 Prozent voran, die Entwicklungs- und Schwellenländer mit vier Prozent. Dieses Bild entspricht ganz weitgehend dem Prognosekonsens der internationalen Wirtschaftsorganisationen, aber auch in Bezug auf Europa unserem europäischem Dachverband BusinessEurope (BusinessEurope 2023). Inflationsraten sinken in den meisten großen Volkswirtschaften, kräftig Der IWF (IWF 2023) prognostiziert für das Gesamtjahr einen Rückgang der weltweiten Inflation von fast neun auf knapp sieben Prozent und auf leicht unter sechs Prozent im nächsten Jahr. Das ist etwas höher für dieses Jahr und um einen guten Prozentpunkt höher für das nächste Jahr als noch im Frühjahr angenommen. Die Werte im jeweils letzten Quartal dürften von über neun auf unter sechs und auf unter fünf Prozent fallen (2022-24). Der Disinflationsprozess ist etwas langsamer als erwartet, da sich die Preisentwicklung vor allem bei Dienstleistungen als zäh erweist. Die Industrieländer kommen generell schneller voran als die Entwicklungs- und Schwellenländer. Ein wichtiger Treiber für diesen Stabilisierungsprozess sind die auch konjunkturell gedämpften Rohstoffpreise und zumindest für die erste Jahreshälfte die Energiepreise, die vor allem im Vorjahresvergleich stark nachgegeben haben. Die Inflationsrate (Median) unter den Industrie- und Entwicklungsländern ist auf unter sechs Prozent gefallen. Die Kernrate dagegen hat erst jüngst ihren Anstieg beendet und bewegt sich bei leicht über sechs Prozent derzeit seitwärts, für das nächste Jahr wird ein Rückgang auf gut fünf Prozent erwartet (OECD 2023). Gleichwohl werden die Notenbanken in den USA und in Europa noch bis mindestens 2025 brauchen, um die Inflationsraten wieder auf ein Niveau in der Nähe der Zielmarken herabzuschleusen. In den USA dürfte die Inflationsrate auf leicht über drei Prozent im vierten Quartal zurückgehen. Für das nächste Jahr ist eine weitere Korrektur, um einen guten halben Prozentpunkt zu erwarten. Der Disinflationsprozess wird jedoch nach den ersten Erfolgen nun etwas mühseliger, da die Lohnentwicklung dynamisch bleibt und die Preisentwicklungen auf dem Wohnungsmarkt und die Dienstleistungen allgemein nicht so rasch nachgeben. So sind zuletzt sogar einige Indikatoren für zugrundeliegende Inflationstrends angesichts der nach wie vor starken Arbeitsmarktlage, der kräftigen Konsumausgaben und der Dienstleistungsdynamik in den letzten zwei bis drei Monaten wieder angestiegen, obwohl die Leitzinsen schon kräftig angehoben worden sind. Preise für Transport- und Gesundheitsdienstleistungen treiben die Preise seit dem Sommer. Noch liegt der monatliche Beschäftigungsaufwuchs über dem Bevölkerungswachstum von rund einhundert Tausend pro Monat. Normalerweise hat die Notenbank die Dämpfung dann erreicht, wenn der Beschäftigungsaufwuchs zumindest einige Zeit unter diesen Wert fällt, um den Druck aus dem immer noch sehr engen US-Arbeitsmarkt zu nehmen. Die Finanzierungskosten dürften dennoch darüber hinaus weiter ansteigen, und insofern sind die Spannungen zwi-

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schen Inflationsbekämpfung und Wachstum noch einige Zeit nicht ausgestanden. Die FED selbst erwartet einen Rückgang der Inflationsrate auf 3,3 Prozent im Jahresdurchschnitt 2023 und auf 2,5 Prozent im nächsten Jahr (Kernrate: 3,7 beziehungsweise 2,6 Prozent). Der Fonds erwartet einen Rückgang der Inflationsrate von 4,1 auf 2,8 Prozent, die OECD von 3,8 auf 2,6 Prozent. Im Euroraum dagegen hat der drastische Einbruch der Energiepreise im Vergleich zu den Vorjahresmonaten bereits dazu geführt, dass die Quartalswerte von knapp zehn Prozent im Vorjahr auf gut drei Prozent im vierten Quartal dieses Jahres sinken dürften. Die EZB erwartet einen Rückgang der jahresdurchschnittlichen Inflationsrate von 5,6 Prozent in diesem Jahr auf 3,2 Prozent im nächsten Jahr (EZB 2023); zum Vergleich: der IWF von 5,9 auf 3,3 Prozent, die Kommission von 5,6 auf 2,9 Prozent und die OECD von 5,5 auf 3,1 Prozent. Die Kernrate soll laut EZB von 5,1 auf 2,9 Prozent sinken. Zuletzt war der Gesamtindex im Oktober auf 2,9 Prozent gefallen, und die Kernrate auf 4,2 Prozent. In Japan hat dagegen die expansive Geldpolitik, die dieses Jahr nur ganz leicht gestrafft wurde, zu einer kräftigen Abwertung des Yen geführt, die einerseits die Exportwirtschaft und das Wachstum angekurbelt hat, andererseits die Inflationsrate über einen Wert von drei Prozent getrieben hat. Im nächsten Jahr sollte diese wieder um einen Prozentpunkt zurückgehen (OECD 2023). Selbst die Kernrate dürfte mit 2,7 Prozent dieses Jahr hoch ausfallen und im nächsten leicht zurückgehen. In China wiederum hat die ausgeprägte Wirtschaftsflaute zu einem Rückgang des Preisniveaus in den letzten Monatswerten geführt. Für das Gesamtjahr erwartet der Fonds noch ein Plus von 0,7 Prozent, im nächsten Jahr von 1,7 Prozent, beides historisch sehr niedrige Werte. Die jüngste leichte Stabilisierung der Produktion und die expansiven Impulse der Geld- und Finanzpolitik stemmen sich dieser Entwicklung entgegen.

Inflationsprognosen* 2023 und 2024 8,4 7,7 6,3

2023

6,0

5,6

2024

5,6

4,1 3,7

3,5

3,2

2,8 2,4

2,6

2,9 1,7 0,7

USA

Euroraum

Deutschland

Frankreich

Italien

V. Königreich

Japan

China

*in Prozent gegenüber Vorjahr Quelle: IWF

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Geldpolitik: Plateau erreicht? Leitzins im internationalen Umfeld 6 5 4 3 2 1 0 -1 Europäische Zentralbank (Einlagefazilität)

Federal Reserve Bank

Bank of England

Bank of Japan

Quelle: Macrobond

Die geldpolitische Straffung ist wie erwartet nun in den meisten Ländern weitgehend abgeschlossen, wobei keine Notenbank einen weiteren Zinsschritt nach oben bereits klar ausschließen möchte. Der Anstieg der Leitzinsen in den USA, im Euroraum und im Vereinigten Königreich war auch historisch steil. Die restriktive Geldpolitik in den USA und in Europa entfaltet ihre Wirkung. Der Transmissionskanal der Geldpolitik auf die Kreditvergabe an den Privatsektor ist in den USA bereits sehr wirksam und im Euroraum im erwarteten Rahmen eingetreten. Das Neugeschäft der Geschäftsbanken mit Unternehmenskunden und privaten Haushalten ist erheblich gedämpft worden. Zeitglich zur Straffung der Finanzierungskonditionen sank auch die Kreditnachfrage aufgrund der schwachen Aktivität. Die Auswirkungen auf die Wohnungsmärkte, die Investitionstätigkeit und die Kreditaufnahme sind klar zu spüren. In Europa spielen zudem die Energiepreiseffekte des russischen Krieges noch immer eine wesentliche Rolle im Inflationsprozess, auch wenn die Überwälzung nun weitgehend abgeschlossen ist, während in den USA der enge Arbeitsmarkt der wichtigste Treiber ist. Zweitrundeneffekte höherer Löhne auf die Inflation sind weltweit kaum zu verspüren. Insgesamt hat die transatlantische Strenge schon eine deutliche Abschwächung der Inflation herbeigeführt. In Ostasien ergibt sich ein differenziertes Bild, Japan strafft eher zu zögerlich und erduldet eine Yen-Schwäche, während die chinesische Notenbank die Zügel gelockert hat, um dem Einbruch der Aktivität entgegenzuwirken. Auch in einigen Schwellenländern sind die Höchststände der Leitzinsen schon überwunden. Im Jahr 2024 wird die Geldpolitik zunächst straff bleiben, um eine zügige Anpassung der Inflationsraten und der Kernraten an die Zielmarken sicherzustellen. Erste Leitzinssenkungen könnten in den USA und im Euroraum im späteren Jahresverlauf sicherlich möglich werden, wenn auch nur zaghafte Schritte. Voraussetzung ist, dass die Kerninflationsraten über mehrere Monate klar nach unten weisen und eine Annäherung an die geldpolitischen Zielmarken erwarten lassen. Das muss in beiden Volkswirtschaften noch abgewartet werden.

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FED hält Füße still, Dämpfung hat eingesetzt Die Geldpolitik der FED ist Gegenstand vielfältiger Kommentare, da die US-Wirtschaft sich trotz der historisch harten Straffung bislang sehr robust gehalten hat. Die FED hat nun seit Juli die Leitzinsen konstant in der Spanne von 5¼ - 5½ Prozent gehalten, da sie die Wirkung dieser Maßnahmen erst noch weiter abwarten möchte; üblicherweise dauert es –ein bis anderthalb Jahre, bis die Wirkung sich über die gesamte Wirtschaft erstreckt hat. Im November betonte der Vorsitzende Powell, dass die mittlerweile restriktiven wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen sich dämpfend auf die Aktivität und die Inflation auswirken dürften. Zumindest deutet die Abkühlung auf dem Arbeitsmarkt, bei der zuletzt nur noch knapp über einhundert Tausend neue Stellen geschaffen wurden, darauf hin, dass die Aktivität und der Teuerungsdruck nun deutlich reduziert werden konnten. Seit dem Sommer liegen die kurz- und langfristigen Realzinsen wieder klar über null, die erwarteten Zinsen sind ebenfalls positiv, und die Kreditkosten für Unternehmen und Verbraucher liegen real auf dem höchsten Niveau seit 2005, d.h. für Hypotheken und Firmenkredite bei gut fünf Prozent (OECD 2023). Zudem sind die Investitionen in den Wohnungsbau massiv zurückgegangen. Eine besondere Unsicherheit betrifft noch immer die Frage, in welchem Umfang überdurchschnittliche Ersparnisse der privaten Haushalte aus den Covid-Jahren noch weiterhin zur Glättung beziehungsweise der Stärkung der privaten Konsumausgaben herangezogen werden. Der IWF vermeldet fallende Bestände, aber Slok (2023) weist darauf hin, dass bis zum Frühjahr 2023 erst ungefähr die Hälfte der Zusatzersparnisse ausgegeben waren und insofern Puffereffekte bis weit ins Jahr 2024 wahrscheinlich sind. Diese Sondereffekte erschweren die Geldpolitik in besonderer Weise, weil die Finanzierungskonditionen nicht so schnell wie üblich auf das Ausgabeverhalten der privaten Haushalte durchschlagen. Dynan (2023) erwartet, dass die FED erst dann allmählich die Leitzinsen senken wird, wenn die Quartalsdaten für die Kernrate der Inflation (der persönlichen Konsumausgaben) unter drei Prozent gefallen sind; sie rechnet damit im vierten Quartal 2023. EZB wartet Wirkung ab Die EZB hat auf ihrer Sitzung am 26. Oktober in Athen keine weitere Straffung beschlossen, sondern betont, dass das derzeitige Niveau der Leitzinsen einen substanziellen Beitrag zur Rückführung der Inflation auf den Zielwert der EZB sicherstellen sollte, wenn man dieses lange genug aufrechterhält. Eine Abschwächung des Teuerungsdrucks sei angesichts der schwachen Konjunkturentwicklung, insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe, und der geringeren Beschäftigungsdynamik auf dem Arbeitsmarkt wahrscheinlich. Und in der Tat fiel die Wirtschaftsaktivität im Euroraum um 0,1 Prozent im dritten Quartal. Auch bei den Preisen zeigen sich Fortschritte. So fiel insbesondere die Inflationsrate im Oktober auf 2,9 Prozent. Zudem konnte das Wachstum der Kreditvergabe an Unternehmen auf nahe null und an private Haushalte auf unter ein Prozent reduziert werden. Risiken für die weitere Stabilisierung kommen vor allem aus der Sicherheitspolitik und der Lage im Nahen Osten. Britische Notenbank hält Leitzins konstant Die britische Notenbank hat den Leitzins von Dezember 2021 bis August 2023 von 0,1 Prozent aus kräftig bis auf 5,25 Prozent erhöht und nun seit drei Monaten konstant gehalten. Die Notenbank sieht zwar noch immer Risiken für eine schlechtere Entwicklung, rechnet aber ähnlich wie die EZB damit, dass die Geldpolitik auch schon auf diesem Niveau ausreichend restriktiv ist. Sie ließ wissen, dass bei ausreichender Länge der Restriktion eine Rückkehr auf das Zielniveau von zwei Prozent 2026 möglich sei. Man rechnet damit, dass die Inflationsrate auf Monatsbasis schon im April nächsten Jahres auf

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unter drei Prozent sinken wird. Die Notenbank erwartet für dieses Jahr zwar noch ein leichtes Wachstum der Wirtschaftsaktivität von einem halben Prozent, für 2024 jedoch mit Nullwachstum und für 2025 mit lediglich einem Viertelprozentpunkt. Die realen Kosten der Inflationsbekämpfung werden daher im Vereinigten Königreich mit stagnierender Aktivität bis weit ins Jahr 2026 verbunden sein. Japanische Notenbank strafft leicht Die japanische Notenbank hat jüngst ihre Geldpolitik leicht gestrafft, da sie die Kontrolle über die Zinsstrukturkurve beendet hat; bis Juli galt eine Obergrenze von 0,5 Prozent für die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen, seither von einem Prozent; seit dem 31. Oktober wird dies nur noch als Referenz betrachtet. Die Notenbank erwartet in diesem und im nächsten Jahr eine Inflationsrate in der Größenordnung von leicht mehr als drei Prozent bei überdurchschnittlichem Wachstum der Wirtschaft. 2025 sollte der Wert dann wieder der Zielmarke von zwei Prozent annähern. So argumentiert die Notenbank, dass derzeit noch die Überwälzung von Importpreisanstiegen dominant ist und die Inflation stützt, dies aber zunehmend auslaufen sollte. Finanzpolitik: beginnende Konsolidierung, große Probleme in mittlerer Frist Im Feld der Finanzpolitik ist der Kurswechsel hin zur Konsolidierung, der bereits im Frühjahr von uns konstatiert worden war, eingeleitet; in einigen Industrieländern wird die Politik zwar dieses Jahr noch leicht expansiv sein, in den meisten Ländern wird 2024 die Konsolidierung aber verankert sein (IWF 2023, Institut für Weltwirtschaft 2023). In den meisten Schwellenländern ist die Ausrichtung bereits dieses Jahr neutral. Diese Ausrichtung ist angesichts der Aufgabe, zum stabilitätskonformen Wachstum zurückzukehren, für die Jahre 2023 / 24 auch angemessen. So sollten die Defizite in den Industrieländern von 6,5 Prozent 2023 auf 5,6 und fünf Prozent in den Folgejahren zurückgehen; in den USA von 8,2 auf sieben Prozent, im Vereinigten Königreich von 4,5 auf 3,5 Prozent, im Euroraum von 3,4 auf 2,1 Prozent und in Japan von 5,6 auf 3,3 Prozent. Die Konsolidierungsanforderungen werden in den nächsten Jahren massiv sein. Neben alterungsbedingten Mehrausgaben zwischen einem und fünf Prozentpunkten der Wirtschaftsleistung in den Industrieländern (Vergleich heute mit 2040) sind höhere Verteidigungsausgaben und erhebliche Investitionen der öffentlichen Hand in die doppelte Transformation notwendig. Dies ist angesichts hoher Steuer- und Abgabenlasten, erheblich wachsenden Schuldendienstbelastungen und mittlerweile im Schnitt deutlich über 100 Prozent liegenden Schuldenquoten an sich schon eine massive Herausforderung. Der maue mittelfristige Wachstumsausblick wird zudem die harten Entscheidungen zwischen Konsum- und Investitionsausgaben und der Finanzierung über Steuern und Kredite noch zusätzlich erschweren. Höhere Belastungen von Bürgern und Unternehmen sind nicht zu vermeiden, aber Prioritätensetzung in den Haushalten könnten die Gesamtbelastung in Grenzen halten. Offenkundig ist auch, dass die strukturellen Defizite insbesondere in den USA nur von 8,8 auf 7,3 Prozent 2025 sinken werden und damit auf einem viel zu hohen Niveau verharren werden. So wird die Schuldenquote der öffentlichen Hand von 105 auf 138 Prozent von 2015 bis 2025 ansteigen. Auch in Japan steigt die Quote von 228 auf 253 Prozent in der Projektion an. Im Euroraum dürfte diese von 90 auf 85 Prozent sinken, trotz zweier massiver Krisen in der Zwischenzeit (IWF 2023).

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Haushaltsdefizite 2023/ 24 in Prozent des BIP 0 -1 -2 -3 -4 -5 -6 -7 -8 -9

2023

2024

Quelle: IWF

Finanzmärkte Die Finanzierungskonditionen für die Wirtschaft haben sich über das letzte halbe Jahr weiter verschärft. Zwar lässt sich kein klassischer „credit crunch“ feststellen, da die Nachfrage nach Finanzierung entsprechend der Wirtschaftslage nachgelassen hat, die erwünschte Bremsung funktioniert jedoch im üblichen Rahmen. So sind die Kreditvergabestandards in den USA und Europa seit Herbst 2022 von den Geschäftsbanken kräftig angehoben worden und scheinen erst jüngst ein Plateau erreicht zu haben. Entsprechend dämpfend wirkte dies auf die Kreditvergabe, die vor allem in den USA erheblich zurückging. Die Anleihemärkte haben den Anstieg der Renditen nachvollzogen, aber eine generelle Risikoaversion mit höheren Renditeunterschieden für riskantere Anlagen lässt sich nicht feststellen. Bislang sind auch bilanzielle Schieflagen von Finanz- oder Immobilienunternehmen in stabilen Industrieländern, nach dem kurzen Zwischenspiel um die Credit Suisse und einigen US-Instituten im Frühjahr, noch nicht in nennenswertem Umfang aufgetreten. Viel spricht dafür, dass dies vor allem bei Immobilienunternehmen auch erst im Verlauf der nächsten Quartale auftreten könnte, wenn allmählich die Refinanzierung auf viel teurere Konditionen umgestellt werden muss und sich Projekte und Bilanzpositionen als zu schwach erweisen. Von ganz anderer Qualität sind dagegen die Schieflagen auf dem chinesischen Immobilienmarkt, die bereits ganz erheblich zur Dämpfung der Wirtschaftsaktivität beitragen.

Anleiherenditen 6 5 4 3 2 1 0 Deutschland

Italien

Frankreich

V. Königreich

USA

China

Japan

Quelle: Macrobond

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Die Aktienmärkte weisen sehr unterschiedliche Trends auf. So haben sich die Hauptindizes auf dem US-Markt im Jahresverlauf erholt. Der S&P500 legte erst um 20 Prozent bis Mitte Juli zu und gab dann wieder acht Prozent ab. Der zyklisch bereinigte S&P500 ist sogar wieder auf Werte oberhalb von 30 für das Kurs-Gewinn-Verhältnis angestiegen. Der NASDAQ hat immerhin von Januar bis Juli gut 40 Prozent zugelegt, seither aber wieder zehn Prozent abgegeben. In Europa hat der breite Index (Stoxx 600) in der ersten Jahreshälfte kräftig zugelegt und dann die Gewinne wieder fast vollständig verloren. Die KGVs liegen nun bei rund zwölf auf moderatem Niveau. Der japanischen Nikkei hat dank der guten Konjunktur dagegen bei den KGVs von zwölf auf 15 zugelegt. Die Aktienmärkte der Schwellenländer haben die Gewinne vom Frühjahr im Herbst wieder abgegeben. Der chinesische Aktienmarkt kommt über das ganze Jahr nicht vom Fleck. Aktienmärkte (1.01.2023 – heute)

44

26 19 12

-1 Euroraum

USA (S&P 500)

China

Japan

NASDAQ-100

Quelle: Macrobond

Wechselkurse Die Leitwährungen haben im laufenden Jahr erheblichen Schwankungen unterlegen. Während der Euro vom Sommer 2022 zum Sommer 2023 kräftig zum Dollar abwertete, da die Geldpolitik der EZB in ihrer Straffung der FED folgte, zog er seit dem Sommer wieder kräftig an. Dies dämpfte die Inflation und die Wirtschaftsaktivität gleichermaßen. Das Pfund tendierte dagegen seitwärts. Entwicklung der Wechselkurse zum US-Dollar 1,25

1,00 0,90

1,20

0,80 0,70

1,15

155

7,4

145

7,2

135

7,0

125

6,8

115

6,6

105

6,4

95

6,2

0,60 1,10

0,50 0,40

1,05

0,30 0,20

1,00

0,10 0,95

0,00

Euro (linke Achse) Pfund Sterling (rechte Achse)

Renminbi (rechte Achse) Yen (linke Achse)

Quelle: Macrobond

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Die wirtschaftliche Schwäche Chinas ließ auch den Renminbi seit Herbst 2022 relativ stetig an Wert gegenüber dem Dollar verlieren. Die Währung notiert zuletzt deutlich unter sieben Renminbi zum USDollar. Aus völlig anderen Gründen entwickelte sich der Yen-Kurs parallel und wertet kräftig von gut 120 auf rund 140 Yen zum Dollar ab. Dies lag vor allem an der Geldpolitik und den wachsenden Renditedifferenzen, stützte natürlich den Export und trug zur Inflation bei.

Industrieproduktion weltweit: Kaum Expansion zu erwarten Nach Daten des Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis (CPB) stieg die weltweite Industrieproduktion (Produzierendes Gewerbe ohne Bau) im ersten Quartal 2023 im Vorjahresvergleich leicht um 0,5 Prozent. Im zweiten Quartal erhöhte sich der industrielle Ausstoß zwar mit plus 1,1 Prozent etwas stärker. Das Expansionstempo aus den beiden Vorjahren wurde damit aber bei weitem verfehlt. Auch im September fehlte es in der globalen Industriekonjunktur an Dynamik. Per September lag die Industrieproduktion gerade noch 0,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Für den weiteren Jahresverlauf deutet wenig auf eine Beschleunigung der industriellen Aktivitäten hin. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie stieg zwar im September das zweite Mal in Folge, gab diese Zuwächse aber im Oktober wieder ab. Mit einem Wert von 48,8 Indexpunkten befindet er sich seit etwas mehr als einem Jahr im Kontraktionsbereich. Für das gesamte Jahr ist ein Anstieg der weltweiten Industrieproduktion um knapp ein Prozent möglich, wenn das aktuelle Produktionsniveau bis zum Jahresende gehalten werden kann.

Welt: Industrieproduktion*, Einkaufsmanagerindex 60

20

55 10 50 0 45 -10 40 Schwellenländer entwickelte Volkswirtschaften 35

-20 2020

2021

2022

2023

*Produktionsindex: 2-Monatsdurchschnitt, kalender- und saisonbereinigt in Prozent zum Vorjahr Quellen: Macrobond, Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis, eigene Berechnungen

Entwickelte Volkswirtschaften: Nur US-Industrie sorgt noch für Wachstum In den entwickelten Volkswirtschaften ist die Industrieproduktion im ersten Quartal des laufenden Jahres im Vorjahresvergleich um ein Prozent gesunken. Im zweiten Quartal (minus 1,1 Prozent) und dritten Quartal (minus 2,1 Prozent) nahmen die Aktivitäten noch stärker ab. Per September lag die Industrieproduktion um 1,4 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Mit minus neun Prozent

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verbuchte die Industrie in den übrigen entwickelten asiatischen Staaten die stärksten Produktionseinbußen. Im Gegensatz dazu ging in den sonstigen entwickelten Volkswirtschaften die Industrieproduktion mit minus 0,2 Prozent nur leicht zurück. Nur die US-Industrie konnte in der Gruppe der entwickelten Volkswirtschaften ihren Ausstoß leicht erhöhen. Während die Industrieproduktion in Japan und im Euroraum mit minus 1,8 Prozent beziehungsweise 1,9 Prozent zurückging, fielen die Produktionseinbußen im Vereinigten Königreich mit minus 0,5 Prozent etwas geringer aus. Für den weiteren Jahresverlauf zeichnet sich ein weiterer Rückgang der industriellen Aktivitäten ab. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie dieser Ländergruppe ist zwar im Oktober erneut gestiegen. Er lag mit 47,5 Indexpunkten noch deutlich unterhalb der 50-Punkte-Grenze, ab der eine Expansion angezeigt wird. Wir rechnen mit Blick auf den bisherigen Verlauf und die Stimmungsindikatoren im vierten Quartal mit einer leicht abnehmenden Produktion. Dies hätte zur Folge, dass im Jahresergebnis 2023 die Industrieproduktion in den entwickelten Volkswirtschaften um mehr als ein Prozent zurückgehen dürfte. Entwickelte Volkswirtschaften: Industrieproduktion*, Einkaufsmanagerindex 60

25

55

15

50 5 45 -5 40

restliche entw. Volkswirtschaften Euroraum Japan USA Einkaufsmanagerindex saisonbereinigt (linke Achse)

35

30 2010

2021

2022

2023

-15

-25

*Produktionsindex: 2-Monatsdurchschnitt, kalender- und saisonbereinigt in Prozent zum Vorjahr Quellen: Macrobond, Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis (CPB)

Schwellenländern: China wieder Wachstumsmotor; Rebound-Effekt in Ost-Europa Die Industrieproduktion in den Schwellenländern ist zum Jahresbeginn 2023 dank des hohen Expansionstempos in China und den restlichen asiatischen Schwellenländern mit plus 1,7 Prozent im Vorjahresvergleich gestiegen. Zudem erholte sich im zweiten Quartal die Industrie in Mittel- und Osteuropa kräftig, so dass die Industrieproduktion der Schwellenländer um insgesamt 3,2 Prozent zulegen konnte. Im dritten Quartal hat die Aufwärtsbewegung etwas an Schwung verloren, so dass die Industrieproduktion per September 2023 gegenüber den ersten neun Monaten des Vorjahres nur um

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2,4 Prozent zulegte. Die chinesische Industrie hat mit einem Produktionsplus von 3,8 Prozent wieder die Rolle der Wachstumslokomotive übernommen. Aufgrund des starken Rebound Effektes stieg auch die Industrieproduktion in Mittel- und Osteuropa mit plus 3,2 Prozent überdurchschnittlich. Leicht unterdurchschnittlich war der Produktionsanstieg der Industrien in den asiatischen Schwellenländern mit Ausnahme Chinas (plus 2,6 Prozent). Die Industrieproduktion in Lateinamerika trat mit einem Plus von 0,5 Prozent in den ersten neun Monaten auf der Stelle. Auch bedingt durch die gesunkenen Preise für fossile Energieträger nahm die Produktion in Afrika und dem Mittleren Osten in diesem Zeitraum um 1,1 Prozent ab. Nach einem Jahr Pause gehen zwar von Chinas Industrie in der Gruppe der Schwellenländer wieder die stärksten Wachstumsimpulse aus. Dieser Impuls fällt aber nur halb so stark aus wie im Durchschnitt der vergangenen Dekade. Daher dürfte auch das Wachstum für die Industrie in den Schwellenländern im laufenden Jahr deutlich geringer ausfallen. Der Einkaufsmanagerindex für diese Ländergruppe ist zuletzt zwei Mal in Folge gesunken und liegt per Oktober 2023 mit 50,1 Indexpunkten nur noch knapp oberhalb der Schwelle von 50, die eine Expansion anzeigt. Angesichts des bisherigen Verlaufs dürfte, selbst bei einer Seitwärtsbewegung im vierten Quartal, die Industrieproduktion in den Schwellenländern im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr in einer Größenordnung von zwei Prozent zulegen. Schwellenländer: Industrieproduktion*, Einkaufsmanagerindex 60

20 15

55 10 5

50

0 45

-5 Afrika/Mittlerer Osten Lateinamerika Zentral- und Osteuropa Asien (ohne China) China Einkaufsmanagerindex saisonbereinigt (linke Achse)

40

35

-10 -15 -20

2020

2021

2022

2023

*Produktionsindex: 2-Monatsdurchschnitt, kalender- und saisonbereinigt in Prozent zum Vorjahr Quellen: Macrobond, Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis (CPB)

Welthandel Die weltweiten Handelsaktivitäten sind bereits zum Jahresbeginn 2023 ins Stocken geraten. Im ersten Quartal 2023 sank das Welthandelsvolumen nach Angaben des Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis (CPB) im Vergleich zum Vorquartal um 0,8 Prozent. Im zweiten Quartal setzte sich die

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Abwärtsbewegung mit etwas geringerem Tempo fort (minus 0,4 Prozent). Per September ist das weltweite Handelsvolumen im Vergleich zu den ersten neun Monaten des Vorjahres um 2,2 Prozent gesunken. Welt: Exporte nach Herkunftsregionen 30 25 20 15 10 5 0 -5 entwickelte Volkswirtschaften Schwellenländer

-10 -15 -20

2019 2020 2021 2022 Index: 2-Monatsdurchschnitt, kalender- und saisonbereinigt in Prozent zum Vorjahr

2023

Quelle: Macrobond

Die Schwellenländer exportierten in den ersten drei Quartalen insgesamt 0,3 Prozent weniger Waren als vor Jahresfrist. Die Exporte aus den asiatischen Schwellenländern (ohne China) gingen mit minus 4,5 Prozent am stärksten zurück. Die Ausfuhren aus Lateinamerika sowie aus Afrika und dem Mittleren Osten verminderten sich um 0,9 Prozent bzw. minus 1,1 Prozent. Gegen den Trend stiegen die Ausfuhren aus Zentral- und Osteuropa mit plus 5,3 Prozent kräftig. Chinas Exporte legten mit plus 1,5 Prozent ebenfalls zu. Die Exporte der entwickelten Volkswirtschaften sanken per September 2023 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um insgesamt 1,6 Prozent. Dabei verlief das Exportgeschäft in dieser Ländergruppe sehr heterogen. Japans Ausfuhren sanken in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um 1,6 Prozent. Mit minus 6,2 Prozent war der Rückgang in der Gruppe der restlichen entwickelten asiatischen Volkswirtschaften deutlich stärker. Die Exporte aus dem Vereinigten Königreich gaben um 4,2 Prozent ebenfalls deutlich nach. Aus dem Euroraum wurden 2,3 Prozent weniger Waren ausgeführt als vor Jahresfrist. Im Gegensatz dazu kamen starke Impulse von den Vereinigten Staaten, die ihre Warenausfuhren um 3,4 Prozent steigern konnten. Die Exporte aus den restlichen entwickelten Volkswirtschaften stiegen mit plus 0,7 Prozent nicht ganz so stark. Am aktuellen Rand scheint sich eine Bodenbildung abzuzeichnen. Die weltweiten Exporte stiegen im August 2023 im Vergleich zum Vormonat um 1,1 Prozent. Während die Exporte aus den entwickelten Volkswirtschaften zuletzt um 0,5 Prozent zulegen konnten, stiegen die Ausfuhren aus den Schwellenländern mit plus 2,2 Prozent etwas stärker. Sollten die Handelsaktivitäten bis zum Jahresende stagnieren, dürfte der weltweite Warenhandel im laufenden Jahr nicht wie im Frühjahr 2023 prognostiziert um mehr als zwei Prozent steigen, sondern um knapp ein Prozent zurückgehen.

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USA Drittes Quartal 2023 überraschend stark Den USA scheint die „weiche Landung“, also die Inflationsbekämpfung ohne eine zu starke Dämpfung der wirtschaftlichen Aktivität, bisher zu gelingen. So zeigten sich der private Konsum und die Investitionstätigkeit im dritten Quartal sogar besonders stark. Das US-BIP wuchs im dritten Quartal 2023 auf das Jahr gerechnet überraschend deutlich um 5,2 Prozent. Hierbei handelt es sich um die zweite Schätzung des Bureau of Economic Analysis (BEA). Dieses Wachstum ist auf einen Anstieg des privaten Konsums, der privaten Lagerinvestitionen (bedingt durch Steigerungen im Verarbeitenden Gewerbe und Einzelhandel) und der öffentlichen Ausgaben (Bund, Einzelstaaten und kommunale Ebene) zurückzuführen. Private Anlageinvestitionen stiegen ebenfalls an. Importe und Exporte nahmen zu. Insgesamt trugen die Nettoexporte leicht negativ zum BIP-Wachstum bei. Bei einem genaueren Blick auf den privaten Konsum im dritten Quartal lässt sich sagen, dass sowohl Güter als auch Dienstleistungen stärker nachgefragt wurden. Unter den langlebigen Gütern trugen Freizeitartikel und -fahrzeuge besonders zu dem Anstieg bei (BEA 2023a). Experten weisen zudem darauf hin, dass der Spätsommer traditionell konsumstark ist, da viele Urlaubsreisen stattfinden und Ausstattungen für das neue Schuljahr gekauft werden (De Thier 2023). Im Jahresverlauf wurden die Zahlen für das US-BIP-Wachstum in der ersten Jahreshälfte nach oben korrigiert. Während wir in der Juni-Ausgabe des Globalen Wachstumsberichts noch von einem annualisierten Wachstum von nur 1,3 Prozent in Q1 berichtet hatten, gibt das BEA inzwischen einen Wert von 2,2 Prozent an. Das zweite Quartal verlief ähnlich stabil mit einem Wachstum von 2,1 Prozent.

US- BIP-Wachstum nach Quartalen (annualisiert) 8

7,0

7 6

7,0 5,2

5,2

5 4

3,3 2,7

3

2,6

2,2

2,1

2 1 0 -1

-0,6

-2 -2

-3 Q1

Q2

Q3 2021

Q4

Q1

Q2

Q3 2022

Q4

Q1

Q2

Q3

2023

Quelle: Bureau for Economic Analysis

Auch die Prognosen für die USA für die Gesamtjahre 2023 und 2024 wurden inzwischen deutlich nach oben korrigiert. Die OECD erwartete im September 2023 – noch vor Veröffentlichung der Zahlen für das starke dritte Quartal – ein BIP-Wachstum von 2,2 Prozent (2023) beziehungsweise 1,3 Prozent (2024) (OECD 2023). Für 2023 waren das 0,6 Prozentpunkte mehr als noch im Juni, für 2024 immerhin

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0,3 Prozentpunkte. Der IWF erwartet inzwischen (Stand Oktober 2023) für die USA ein Wachstum von 2,1 Prozent im laufenden und 1,5 Prozent im kommenden Jahr (IWF 2023). Auch wir rechnen inzwischen mit einem realen Wachstum von gut 2 ¼ Prozent im laufenden Jahr. Inflation geht leicht zurück, Arbeitsmarkt kühlt etwas ab Die Inflation ist weiter zurückgegangen. Laut Angaben des Bureau of Labor Statistics (BLS) stieg der Consumer Price Index (All Urban Consumers, CPI-U) im September 2023 um 3,7 Prozent und im Oktober um 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat (nicht saisonbereinigt). Im Vergleich zum Vormonat blieb der Index im Oktober unverändert (BLS 2023a). Nichtsdestotrotz ist die Inflation noch immer weit vom Zwei-Prozent-Ziel entfernt. Gleichwohl deuten die neuesten Arbeitsmarktdaten an, dass die Federal Reserve auf eine Leitzinserhöhung bei ihrer nächsten Sitzung im Dezember verzichten könnte. So wurden im Oktober 2023 mit 150.000 neuen Jobs (Landwirtschaft nicht eingerechnet) nicht mehr so viele Jobzuwächse verzeichnet wie in den vorigen Monaten. Die Arbeitslosenquote lag im Oktober bei 3,9 Prozent, ein leichter Anstieg im Vergleich zu 3,8 Prozent im August und September (BLS 2023b). Auch das Lohnwachstum schwächte sich in den letzten Monaten etwas ab: Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen zwischen August und September um 0,3 Prozent. Inflationsbereinigt sanken sie in diesem Zeitraum sogar um 0,1 Prozent. Zwischen September und Oktober stiegen die durchschnittlichen Stundenlöhne um 0,2 Prozent bei gleichbleibendem Verbraucherpreisindex (BLS 2023c). Die privaten Konsumausgaben stiegen seit April kontinuierlich leicht an, im September um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat. Die Sparquote der privaten Haushalte (in Prozent des verfügbaren Einkommens) war in der ersten Jahreshälfte noch gestiegen bis auf 5,3 Prozent im Mai, sie nahm seither jedoch kontinuierlich ab bis auf 3,4 Prozent im September (BEA 2023b). Da der Konsum in den USA traditionell einen sehr großen Anteil am BIP von rund 70 Prozent hat (zuletzt, im dritten Quartal 2023 waren es 67,8 Prozent), ist eine entscheidende Frage für den wirtschaftlichen Ausblick, wie er sich in den kommenden Monaten weiterentwickelt. Eigentlich wurde erwartet, dass die pandemiebedingten Überersparnisse, die die Erholung der US-Wirtschaft nach der Pandemie vorangetrieben hatten, inzwischen aufgebraucht sein dürften. Dies scheint jedoch nicht der Fall zu sein. Neuesten Schätzungen zufolge besitzen US-Haushalte immer noch etwa eine Billion US-Dollar an Überersparnissen (Economist 2023). Sobald jedoch die Überersparnisse aufgebraucht sind und Verbraucher wieder verstärkt Kredite aufnehmen müssen, werden sie die hohen Zinsen zu spüren bekommen. Eine weitere Frage für den konjunkturellen Ausblick ist, wann sich die gestiegenen Zinsen verstärkt auf die Investitionstätigkeit der Unternehmen niederschlagen. Kleinere Unternehmen, deren Kredite häufig kürzere Laufzeiten haben, sind bereits jetzt unter großem Druck, was an den gestiegenen Insolvenzzahlen erkennbar ist (Economist 2023). Das Risiko einer Rezession in den USA ist somit nach wie vor nicht gänzlich ausgeschlossen. Handelsbilanzdefizit zuletzt etwas kleiner als in den Vorquartalen Die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen gingen zwischen dem ersten und zweiten Quartal 2023 zurück und stiegen im dritten Quartal 2023 wieder etwas, während die Einfuhren im bisherigen Jahresverlauf im ersten Quartal am höchsten waren. Zuletzt, im dritten Quartal 2023, exportierten die USA Waren und Dienstleistungen im Wert von 768 Milliarden US-Dollar. Die Importe beliefen sich im selben Zeitraum auf 953 Milliarden US-Dollar. Das Außenhandelsdefizit (Waren und Dienstleistungen) lag somit im dritten Quartal bei 185 Milliarden US-Dollar (BEA 2023c).

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Hohe Staatsverschuldung stellt langfristiges Risiko dar Die expansive Fiskalpolitik der letzten Jahre, darunter die Corona-Hilfen und der Inflation Reduction Act, hinterlässt deutliche Spuren. Im kürzlich abgeschlossenen Haushaltsjahr 2023 belief sich das Haushaltsdefizit auf Bundesebene laut dem Congressional Budget Office (CBO) auf fast 1,7 Billionen US-Dollar. Dies entsprach 6,3 Prozent des BIP, womit es über dem 50-Jahres-Durchschnitt von 3,7 Prozent lag. Gegenüber dem Defizit des Vorjahres stieg es um 320 Milliarden US-Dollar (oder 23 Prozent) (CBO 2023). Die Staatsverschuldung erreichte laut dem US-Finanzministerium zum Ende des Haushaltsjahres einen neuen Rekordwert von 33,17 Billionen US-Dollar (Treasury 2023). Auch wenn die USA nach wie vor als ein äußerst sicherer Anlageplatz gelten, wachsen angesichts dieser Entwicklungen Sorgen vor einem Zahlungsausfall. So stufte die Ratingagentur Fitch die Bonität der USA im August vom Top-Rating AAA auf AA+ herab. Dies erklärte Fitch mit der erwarteten Verschlechterung der Haushaltslage in den kommenden drei Jahren, der hohen und wachsenden Staatsverschuldung und der „Erosion der Regierungsführung“ („erosion of governance“) in den letzten zwei Jahrzehnten. Letztere wird damit begründet, dass sich die Regierung wiederholt um die Festlegung der Schuldenobergrenze gestritten habe, dass die USA im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern nicht über einen mittelfristigen finanzpolitischen Rahmen verfüge und dass der Haushaltsplanungsprozess komplex sei. Fitch ist die zweite große Ratingagentur, die den USA das höchste Rating entzogen hat – nach S&P, deren Herabstufung allerdings 2011 stattfand (Fitch Ratings 2023). Der US-Kongress hat bisher keinen regulären Haushalt für das Haushaltsjahr 2024 verabschiedet, das bereits am 1.Oktober 2023 angebrochen ist. Zunächst einigte sich der Kongress am 30. September – wenige Stunden, bevor es zu einem „Government Shutdown“ gekommen wäre – auf eine Übergangsfinanzierung („continuing resolution“) bis zum 17. November. Am 15. November verabschiedete der Kongress eine weitere übergangweise Finanzierung des Haushalts, die in einigen Bereich am 19. Januar und in anderen Bereichen am 2. Februar 2024 auslaufen wird. Der aktuelle Übergangshaushalt hält die Regierungsausgaben weitgehend konstant, enthält jedoch keine zusätzlichen Hilfsgelder für die Ukraine. Es droht weiterhin ein Shutdown, sollte es im Januar beziehungsweise Februar zu keinen rechtzeitigen Lösungen kommen. Insbesondere innerparteiliche Spaltungen und Streitigkeiten innerhalb der Republikanischen Partei im Repräsentantenhaus verkomplizieren die Verabschiedung eines endgültigen Haushalts für das Haushaltsjahr 2024 erheblich.

CHINA Mit einem Wachstum von 4,9 Prozent im dritten Quartal schlug Chinas Wirtschaft die Erwartungen der Analysten. Seit Jahresanfang hat das BIP insgesamt um 5,2 Prozent zugelegt. Damit würde laut dem Nationalen Statistikamt ein Anstieg von 4,4 Prozent im letzten Quartal reichen, um das diesjährige Wachstumsziel der Regierung von fünf Prozent zu erreichen. Mit Blick auf die schwache Vergleichsbasis des von Covid-19-Lockdowns geprägten Vorjahreszeitraums sollte dies durchaus machbar sein. Im Quartalsvergleich konnte die chinesische Wirtschaftsleistung von Juli bis September um 1,3 Prozent zulegen, nach 0,5 Prozent für das zweite Quartal. Damit deutet sich eine Stabilisierung der Wirtschaft an. Die strukturellen Probleme aber bleiben: Die Immobilienkrise ist nach wie vor ungelöst, wie die jüngsten Zahlungsausfälle der beiden Schwergewichte Evergrande und Country Garden nochmals verdeutlichen. Das Verbrauchervertrauen bleibt fragil, die Impulse aus dem Außenhandel bleiben schwach. Zudem sind die ausländischen Direktinvestitionen nach dem Rekordjahr 2022 in den ersten

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sechs Monaten um 8,5 Prozent eingebrochen. Die deutschen Unternehmen jedoch halten dem Standort die Stange: Mit 10,3 Milliarden Euro an Investitionen bis Ende Juni lagen sie über dem langjährigen Durchschnitt und kamen dem Spitzenwert des Vorjahreszeitraums von zwölf Milliarden Euro noch einmal recht nahe. Auch wenn China nicht zuletzt aufgrund seiner massiven industriepolitischen Förderung rasche Fortschritte bei Hochtechnologien und moderner Fertigung macht, so steht der Übergang von einer einseitig investitionsgetriebenen Wirtschaft zu einem konsumorientierten Wachstumsmodell nach wie vor aus. Die Verbraucher bleiben nach der Erfahrung von drei Jahren ungezügelter Null-Covid-Politik und angesichts der anhaltenden Krise am Häusermarkt weiterhin verunsichert. Abzuwarten bleibt, ob die im Sommer angekündigte wirtschaftspolitische Kurskorrektur mit Maßnahmen zur Förderung von Privatunternehmen zu greifbaren Veränderungen führen wird. Der IWF geht indes davon aus, dass das Land in den nächsten vier Jahren durchschnittlich nur um vier Prozent wachsen wird, was einer Rücknahme von 0,6 Prozentpunkten gegenüber der Prognose von vor einem Jahr entspricht. Neue Impulse für die Wirtschaft könnten vom bevorstehenden dritten Plenum des 20. Zentralkomitees ausgehen. Traditionell legt die chinesische Führung auf dieser Konferenz rund ein Jahr nach dem Parteitag den grundlegenden Wirtschaftskurs für die kommenden Jahre fest. Zwischenzeitlich hat Peking Ende Oktober die Ausgabe von einer Billionen Renminbi (135 Milliarden Euro) an Sonderstaatsanleihen zur Stützung der Lokalregierungen und ihrer Infrastrukturausgaben bekanntgegeben. Damit wird für das diesjährige Haushaltsdefizit das selbstgesetzte Maximum von drei Prozent durchbrochen und erstmals ein Wert von 3,8 Prozent erreicht. Keine Entwarnung bei Industrie und Dienstleistung Das Wachstum der Industrie lag in den ersten neun Monaten mit vier Prozent (erstes Halbjahr: 3,8 Prozent) unter dem der Gesamtwirtschaft. Das Verarbeitende Gewerbe konnte immerhin um 4,4 Prozent zulegen, zuletzt fünf Prozent im September. Die Anbieter für Produktionsausrüstung verzeichneten einen Zuwachs von sechs Prozent, was für dieses Segment als vergleichsweise niedrig gilt. Weiterhin fehlt es an Impulsen von den privaten Unternehmen. Während die staatlichen Industriebetriebe ihre Wertschöpfung von Januar bis September um 4,6 Prozent steigern konnten, waren es bei den Privatunternehmen nur 2,3 Prozent. Schwierig ist nach wie vor die Ertragslage. Die Profite der Industrie fielen über die ersten drei Quartale um 11,7 Prozent. Zumindest verlangsamt sich hier der Negativtrend. Im ersten Halbjahr war es noch ein Minus von 16,8 Prozent. Der Dienstleistungssektor wuchs bis September um sechs Prozent. Herausragendes Segment war das Hotel- und Gaststättengewerbe mit einem Plus von 14,4 Prozent. Allerdings ist dieser Zuwachs vor dem Hintergrund einer sehr niedrigen Basis aus dem Vorjahr zu sehen, als die Lockdowns ihren Höhepunkt erreichten, wodurch Restaurantbesuche und Reisen teilweise unmöglich gemacht wurden. Tatsächlich bleibt auch in diesem Segment die Geschäftsaktivität trotz einer Rückkehr zur Normalität hinter den Erwartungen zurück. So wurde während der Oktoberfeiertage zwar ein Reiseaufkommen verzeichnet, dass mehr als 71 Prozent über dem des Vorjahres lag und selbst 4,1 Prozent über dem von 2019. Die Tourismuseinnahmen stiegen aber nur um 1,5 Prozent im Vergleich zu dem Jahr vor dem großen Pandemie-Ausbruch. Wie schon während der beiden großen Reisewellen zu Jahresanfang und im Frühjahr waren damit die Pro-Kopf-Ausgaben der Reisenden rückläufig. Trotz der gestiegenen Aktivität üben sich die Verbraucher in Sparsamkeit.

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Auch bei den Einkaufsmanagerindizes (PMI) gibt es keine Entwarnung. Im September gelang es zwar dem offiziellen PMI für das Verarbeitende Gewerbe erstmals seit März wieder die Expansionsschwelle von 50 Punkten zu überwinden. Doch nach diesem Zwischenhoch von 50,2 Zählern fiel der Index im Oktober entgegen den Analystenerwartungen bereits wieder darunter zurück auf 49,5 Punkte. Der vom Wirtschaftsmagazin Caixin erstellte PMI, der vor allem die Aktivität von kleineren und mittleren Privatunternehmen wiedergibt, fiel im Oktober ebenfalls auf 49,5 Zähler. In den Monaten zuvor hatte es hier etwas besser ausgesehen. Im September lag dieser Index für das Verarbeitende Gewerbe bei 50,6 und im August noch bei 51 Punkten. Im Dienstleistungssektor konnte der Caixin PMI seinen seit März bestehenden Abwärtstrend durchbrechen und kletterte im Oktober nach seinem Tief im September von 50,2 auf 50,4 Zähler. Der offizielle Service-PMI rutschte indes von 50,9 auf 50,1 Punkte ab – nur noch knapp über der Expansionsschwelle. Förderung von Privatunternehmen angekündigt Preisbereinigt zogen die Festanlageinvestitionen in den ersten drei Quartalen um sechs Prozent an. Darunter wurde ein Plus bei den Mittelzuflüssen in die Infrastruktur und in das Verarbeitende Gewerbe von jeweils 6,2 Prozent verzeichnet. Die industriepolitische Förderung von Spitzentechnologien spiegelt sich in einem Investitionsplus von 11,3 Prozent bei Industrien im Hightech-Segment und von 11,8 Prozent bei den Dienstleistungen in diesem Segment wider. Zuletzt schwächte sich das Wachstum jedoch ab. So lag das Plus in der Hightech-Industrie im September nur noch bei 2,3 Prozent. Vor allem aufgrund der Belastung durch die weiter anhaltende Immobilienkrise gingen die Investitionen von Privatunternehmen um 0,6 Prozent zurück. Die Immobilienwickler reduzierten die Mittelzuflüsse in ihre Bauprojekte um 9,1 Prozent. Die verkaufte Fläche von Gewerbegebäuden fiel in den ersten neun Monaten im Vorjahresvergleich um 7,5 Prozent. Die Anzahl neuer Bauprojekte brach sogar um 23,4 Prozent ein. Die Förderung speziell von Privatunternehmen hat die Regierung mit einem im Juli veröffentlichten Katalog von 31 Maßnahmen ins Visier genommen. Weitab von konkreten regulatorischen oder fiskalpolitischen Impulsen wurde mit dem Katalog in erster Linie ein Signal an Lokalregierungen und Behörden gesendet, die ideologisch bedingte Benachteiligung von Privatunternehmen fürs Erste zu beenden. Dafür sollen die Privatbetriebe künftig enger den Vorgaben der Partei folgen. Ob damit das Vertrauen des verunsicherten Privatsektors zurückgewonnen werden kann, bleibt abzuwarten. Im August veröffentlichte der Staatsrat darüber hinaus 24 Maßnahmen zur Förderung von ausländischen Direktinvestitionen. Auch hier wird eine fairere Behandlung und verschiedene Erleichterungen beim Marktzugang versprochen. Konkret werden für den grenzüberschreitenden Datenverkehr Schritte zur Erhöhung der Transparenz der regulatorischen Vorgaben angekündigt. Dies würde für viele ausländische Investoren eine deutliche Vereinfachung darstellen. Geldpolitik in der Zwickmühle Die People’s Bank of China (PBOC) steckt in dem Dilemma, auf der einen Seite die Voraussetzungen für eine leichtere Kreditvergabe an die Unternehmen zu schaffen, auf der anderen Seite einen vermehrten Abfluss von Kapital ins Ausland zu unterbinden. Darüber hinaus muss die Zentralbank die ausufernden Schulden der Lokalregierung im Auge behalten und den Bankensektor vor den Auswirkungen der Immobilienkrise schützen.

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Zur Stabilisierung der Wirtschaft hat die PBOC im September den Mindestreservesatz des Bankensektors zum zweiten Mal in diesem Jahr gesenkt. Durch die Rücknahme um 25 Basispunkte flossen schätzungsweise 500 Milliarden Renminbi (68 Milliarden Euro) in das Finanzsystem. Davor hatte die Zentralbank bereits im August mit einer Senkung des Leitzinses für einjährige Kredite von 3,55 auf 3,45 Prozent versucht, den Unternehmen unter die Arme zu greifen. Im September kündigten die großen Geschäftsbanken zudem niedrigere Hypothekenzinsen für Erstkäufer von Eigenheimen an. Der Senkung von Zinssätzen sind jedoch enge Grenzen gesetzt, da das höhere Zinsniveau in den USA bereits anhaltend Kapitalabflussdruck in China erzeugt. Nach einer kurzen Pause im zweiten Quartal zogen ausländische Investoren in jüngster Zeit wieder vermehrt Geldmittel aus den Aktien- und Anleihemärkten ab. Kapitalabflüsse haben dazu beigetragen, dass der Chinesische Yuan im Verlaufe des Jahres bereits über fünf Prozent gegenüber dem US-Dollar abgewertet hat. Außenhandel schwach trotz einzelner Highlights Angesichts einer von internationalen Krisen und Konflikten belasteten Weltkonjunktur kann der Außenhandel derzeit keine wesentlichen Wachstumsimpulse für die chinesische Wirtschaft liefern. In den ersten neun Monaten gingen die Ausfuhren auf US-Dollar-Basis um 5,7 Prozent zurück. Aber auch die Nachfrage nach Waren, Vorprodukten und Rohstoffen aus dem Ausland bleibt anhaltend schwach, die Einfuhren schrumpften um 7,5 Prozent. Damit öffnet sich die Schere im Außenhandel noch weiter. Der Handelsüberschuss stieg in den ersten drei Quartalen auf 630 Milliarden US-Dollar, nur eine Milliarde US-Dollar unter dem Vergleichswert des Rekordjahres 2022. Unter den Handelspartnern stieg das relative Gewicht der ASEAN-Länder. Während das Außenhandelsvolumen mit der südostasiatischen Staatengemeinschaft unterdurchschnittlich um 5,5 Prozent zurückging, wurde bei der EU ein Minus von 7,7 und bei den USA sogar ein Minus von 14 Prozent verzeichnet. Geopolitische Einflussfaktoren sind bei einzelnen Ländern und Regionen bestimmend. Angetrieben von einem Zuwachs bei den Exporten stieg der Handel mit dem engsten strategischem Partner Russland um 29,5 Prozent. Die US-Sanktionen im Halbleiterbereich wirken sich auch auf den Handel mit Taiwan und Südkorea aus. Hier wurde ein Minus von 20 beziehungsweise 23 Prozent in den ersten drei Quartalen gemeldet. Dagegen stellt der Automobilsektor mit einem Plus von fast 84 Prozent gegenüber den ersten neun Monaten des Vorjahres das Highlight der chinesischen Exportwirtschaft dar. Dies geht in erster Linie auf Stärke im Elektrofahrzeugsegment zurück. Dort dominieren allerdings nicht nur chinesische Anbieter, sondern auch der US-Hersteller Tesla und europäischen Marken haben einen wesentlichen Anteil. Am Rande der Deflation Beim Einzelhandelsumsatz meldete das Nationale Statistikbüro (NBSC) für die Zeit von Januar bis September ein Umsatzwachstum von 6,8 Prozent, getrieben vor allen durch den Nachholbedarf im Gaststättenbereich. Dennoch bleibt die Stimmung der Verbraucher weiterhin gedämpft. Gründe hierfür liegen neben der Immobilienkrise, in den teilweise sinkenden Löhnen und Gehältern sowie den Arbeitsplatzsorgen insbesondere bei der Jugend. Dies findet auch in den Preisindizes seinen Niederschlag. In den ersten drei Quartalen stieg der Verbraucherpreisindex um lediglich 0,4 Prozent, weit unter der offiziellen Schwelle von bis zu drei Prozent Preiswachstum pro Jahr. Seit April bewegen sich die Preise nur noch knapp über der Null-Prozent-Marke am Rande der Deflation. Im Juli wurde sogar ein Rückgang der Verbraucherpreise um 0,3 Prozent gemeldet. Die Erzeugerpreise für Industrieprodukte fielen in den ersten neun Monaten um 3,1 Prozent.

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Die Beurteilung der Situation am Arbeitsmarkt wird durch die sich verschlechternde Datenlage erschwert. Nachdem im Juni die Arbeitslosenquote für die Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen mit 21,3 Prozent einen Rekordwert erreicht hatte, stoppte das NBSC die weitere Veröffentlichung dieses seit 2018 monatlich gemeldeten Wertes. In diesem Jahr sind die Herausforderungen besonders hoch, da seit dem Sommer mit rund 11,6 Millionen Hochschulabgängern eine Rekordzahl von jungen Leuten auf den Arbeitsmarkt drängt. Hingegen bewegte sich die gesamte städtische Arbeitslosenquote mit einem Durchschnitt von 5,3 Prozent über die ersten drei Quartale im üblichen Rahmen. Dahinter verbirgt sich allerdings eine angespannte Situation von Unterbeschäftigung, prekären Arbeitsplätzen und sinkenden Löhnen.

Euroraum: allmähliche Erholung in Sicht Die konjunkturelle Entwicklung im Euroraum hat im Laufe des letzten halben Jahres die im Frühjahr gehegten Erwartungen doch deutlich enttäuscht. Der Jahresauftakt war mit einer Quartalswachstumsrate von null Prozent schon schwach, im Sommer gab es immerhin ein leichtes Plus (0,2 Prozent), aber im Herbst ging es gleich wieder abwärts (minus 0,1 Prozent, auf der Basis von erst elf Berichtsländern). Die EU schnitt ähnlich ab (0,1; 0; 0,1 Prozent). Deutschland, Frankreich und Italien lagen um die null im dritten Quartal, nur Spanien wies unter den größeren Volkswirtschaften mit 0,3 Prozent überhaupt nennenswertes Wachstum auf. Die ersten Indikationen für das vierte Quartal deuten eine sehr leichte Belebung an. Insgesamt dürfte der Euroraum das Gesamtjahr mit einem guten halben Prozent Wachstum abschließen (Kommission: 0,6 Prozent, IWF: 0,7 Prozent, OECD: 0,6 Prozent). Spanien und Italien dürften etwas stärker zulegen, Frankreich in etwa im Schnitt wachsen und Deutschland mit einem leichten Einbruch der Aktivität zum Vorjahr aufwarten. Die konjunkturelle Schwäche ist vor allem der schwachen Entwicklung der Konsumausgaben geschuldet, da die privaten Haushalte trotz der steigenden Beschäftigung, der positiven Lohnentwicklung und der geringen Arbeitslosigkeit unter der Inflation litten und sich bei Käufen zurückhielten; insofern liegt die Sparquote mit über 13 Prozent nach wie vor auf sehr hohem Niveau. Die rückläufigen Preise für Energie konnten dies nicht kompensieren. Die Investitionstätigkeit wurde wiederum zusätzlich durch die steigenden Finanzierungskosten beeinträchtigt, die sich zunächst auf den Wohnungsmarkt und die Bauwirtschaft auswirkten, aber auch generell zu einer kräftigen Abschwächung der Kreditvergabe an den privaten Sektor geführt haben. Vom schwächelnden Welthandel gingen insgesamt auch keine Impulse aus. Erst im nächsten Jahr dürften sich einige der Faktoren allmählich ins Positive wenden. So sollten die Konsumausgaben real wieder anziehen, da die Löhne im Euroraum stärker als die Preise zulegen dürften. Die Investitionstätigkeit wird voraussichtlich erst zeitverzögert wieder zulegen. Eine moderate Belebung des Welthandels ist auch zu erwarten, was den Außenbeitrag des Euroraums ins Positive heben sollte. Insgesamt sollte dies für ein reales Wachstum der wirtschaftlichen Aktivität im Euroraum von 0,7 Prozent ausreichen. Spanien wird weiterhin etwas über dem Schnitt wachsen.

Deutschland Im Winterhalbjahr 2022 / 2023 gab es nach den letzten Berechnungen und Revisionen des Statistischen Bundesamtes zwar keine Rezession. Dennoch tritt die deutsche Wirtschaft seit Jahresbeginn auf der Stelle. Der Mix aus hohen Zinsen, die den Wohnungsbau ausbremsten, dem rückläufigen privaten Konsum aufgrund der hohen Inflation und die Exportschwäche sind die wesentlichen Gründe

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dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2023 um 0,4 Prozent im Vorjahresvergleich sinken dürfte. Damit würde die Wirtschaftsleistung in realer Rechnung in den vergangenen vier Jahren gleich zwei Mal sinken. Abgesehen von den Krisen-Jahren 2002 und 2003 muss man schon weit in die deutsche Wirtschaftsgeschichte zurückblicken, um eine so lang andauernde Schwächephase vorzufinden. Im Jahr 2024 sollte die deutsche Wirtschaft zwar wieder wachsen. Die zuletzt veröffentlichten Prognosen von IWF und Europäischer Kommission versprechen aber einen deutlich schwächeren Expansionspfad als die noch deren zur Jahresmitte vorgelegten Projektionen. Die Bundesregierung und die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute mit ihrer Gemeinschaftsdiagnose rechneten selbst noch im Frühherbst für das Jahr 2024 mit einem BIP-Wachstum von über einem Prozent. Im Vergleich dazu waren die letzten Prognosen von IWF, Europäische Kommission, OECD und Sachverständigenrat mit in einer Bandbreite von 0,5 bis 0,7 Prozent nur noch halb so hoch. Zudem sind einige geplante staatliche Ausgaben für investive Zwecke durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Haushalt 2021 nun fraglich, da deren Finanzierung nicht sicher ist. Die Ausgangslage ist in der Tat nicht vielversprechend. Mit abnehmenden Preissteigerungsraten dürften die hohen Nominallohnabschlüsse aus der Vergangenheit im Jahr 2024 in realer Rechnung die Kaufkraft zwar erhöhen. Auch die auf ein neues Rekordhoch gestiegene Zahl der Erwerbstätigen dürfte mit zu einem Anstieg der privaten Konsumausgaben beitragen. Trotz des hohen Bedarfs erwarten wir bei den Bruttoanlageinvestitionen kaum Wachstumsimpulse. Bei den Ausrüstungen stehen zwar Investitionen in die ökologische und digitale Transformation an. Diese könnten aber durch das neuste Urteil des Bundesverfassungsgerichtes über die Umwidmung der Mittel für die Corona-Hilfen für den Klima- und Transformationsfonds einen Dämpfer bekommen. Investitionen in militärische Waffensysteme und der Nachholbedarf bei Investitionen in den Fuhrpark dürften aber einen Rückgang verhindern. Bei den Bauinvestitionen überlagert der dramatische Rückgang im Wohnungsbau aufgrund der stark gestiegenen Zinsen die positiven Entwicklungen vor allem im gewerblichen Tiefbau und in die Infrastruktur. Zu guter Letzt dürfte Deutschland nur unterdurchschnittlich am wieder steigenden Welthandel teilhaben, so dass bei wieder steigenden Importen vom Außenbeitrag her kaum Wachstumsimpulse zu erwarten sind. Alles in allem hätten wir vor dem Karlsruher Urteil mit einer Entwicklung des wirtschaftlichen Wachstums in der Größenordnung von 0,8 Prozent gerechnet. Eine verlässliche Prognose ist derzeit angesichts der unklaren Nachfolgeregelungen für den Haushalt 2024, den Klima- und Transformationsfonds und weitere Sondervermögen von Bund und Ländern noch nicht möglich. Eine mechanische Streichung der über die regulären Einnahmen hinausgehenden Planausgaben von KTF und WSF im Umfang der als nichtig erklärten Finanzmittel würde die wirtschaftliche Aktivität um rund einen Prozentpunkt des BIP (0,75-1,25 Prozent) an direkten und indirekten Folgewirkungen senken und vermutlich Deutschland 2024/25 jeweils erneut leicht in der Rezession verharren lassen bzw. bestenfalls für Stagnation reichen. Dabei ist nur rechnerisch unterstellt, dass ca. 25 - 30 Milliarden Euro an Minderausgaben gegenüber Plan vor Karlsruhe (ca. zehn - 15 Milliarden Euro real im KTF und 16 Milliarden Euro im WSF) eintreten und lediglich ein geringer Multiplikator auf die Investitionen wirkt. Eine vollständige Ausgabenkonsolidierung zugunsten der Investitionen wiederum dürfte eine Reduktion des Wachstums hin zur Stagnation 2024/25 mit sich bringen. Ein vollständiger Ersatz von nun nichtigen Finanzierungen durch eine verfassungskonforme Nettokreditaufnahme im erforderlichen Umfang wiederum würde die Erholung stützen. Für das letztere Szenario wäre eine rasche Grundsatzentscheidung erforderlich (grundgesetzliche Änderung der Schuldenbremse, Einrichtung eines grundgesetzlich abgesicherten Sondervermögens mit qualifizierter Mehrheit oder Beschluss über eine Notlage 2024). Da derzeit nicht absehbar ist, welche der Lösungswege in welcher

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Ausgestaltung politisch beschritten werden, kann derzeit nur mit einem Szenario einer mittleren Konsolidierung gearbeitet werden. Dies dürfte eine Erholung im Jahr 2024 auf lediglich Nullwachstum gerade noch zulassen.

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