POSITION | MITTELSTANDSPOLITIK | MID-CAPS
Mid-Caps ergänzend zu KMU als Unternehmenskategorie einführen Gezielte Politik für den industriellen Mittelstand erleichtern
27. Juni 2023 Einführung Deutschland beheimatet – regional in Dichte, Breite und Tiefe unterschiedlich – einen in vieler Hinsicht besonders ausgeprägten unternehmerischen Mittelstand mit vielen Familienunternehmen. Dieser schafft auch abseits von Ballungszentren und oftmals in teilweise grenzüberschreitenden Wertschöpfungsverbünden von kleinen, mittleren und großen Unternehmen sowie gemeinsam mit der Wissenschaft vielseitige Produkte und passende Dienstleistungen. Lösungen, die teilweise weltweit nachgefragt werden. Grundsätzlich gilt: Differenzierte Branchen- und Unternehmensstrukturen sind ein Garant für die dynamischen Wettbewerbsvorteile der deutschen Industrie. Unternehmerische Ökosysteme, Cluster und Netzwerkstrukturen, die steter Überprüfung und dynamischer Veränderung standhalten, haben eine besondere Bedeutung, um Kompetenzbündel und Synergien – und damit Wettbewerbsvorsprünge – entwickeln zu können (BDI: Zehn Punkte für faire und nachhaltige Zuliefererbeziehungen, S. 2). Wenn Politik in Brüssel und Berlin für die globale Wettbewerbs- und strategische Widerstandsfähigkeit der EU genauso wie für Investitionen, Arbeitsplätze und Wachstum vor Ort eintreten will, bieten praxisnahe und zukunftsorientierte Unternehmenskategorien vielfältige Chancen. Nationale und europäische Mittelstandspolitik erhält klare Orientierung, um strategische Konzepte und konkrete Maßnahmen treffsicher zu entwickeln. Bei Unternehmen können übergreifende Zielsetzungen (Innovation; Klimaschutz; …) angereizt beziehungsweise größenbedingte Nachteile oder Verwundbarkeiten bedarfsgerecht ausgeglichen werden, etwa per finanzieller Förderung und regulatorischer Entlastung. Für eine gezielte Mittelstandspolitik, die auch in der Breite spürbar wird, sollten Entscheider in Brüssel und Berlin nicht nur Mid-Caps als Kategorie einführen, sondern auch die finanziellen Schwellenwerte der KMU-Definition überprüfen. Die europäische KMU-Definition gilt seit 2005, hat schon lange Reformbedarf und wird aktuellen und absehbaren Entwicklungen nicht gerecht. Denn teilweise dramatische Preisentwicklungen etwa für Energie, Rohstoffe, Materialien und Arbeit bringen Umsatzsprünge, die nicht die eigentliche Entwicklung der Wertschöpfung spiegeln. Reformvorschläge zur europäischen KMU-Definition hat der BDI bereits im April 2018 vorgelegt (BDI: Die europäische KMU-Definition zukunftsfest machen).
Fabian Wehnert | Mittelstand und Familienunternehmen | T: +49 30 2028-1470 | f.wehnert@bdi.eu | www.bdi.eu