Standort Deutschland stärken – Unternehmensbesteuerung weiterentwickeln Aktuelle Positionen der deutschen gewerblichen Wirtschaft Die deutsche Wirtschaft steht vor der Herausforderung, die Folgen der Corona -Pandemie und des Angriffskrieges von Russland gegen die Ukraine sowie die Transformation hin zu einer digitalen und nachhaltigen Wirtschaft zu meistern. Gleichzeitig muss sie sich dem Wettbewerb mit Unternehmen an anderen Standorten stellen, die massive Subventionen erhalten (vgl. den Inflation Reduction Act in den USA). Die Spitzenorganisationen der deutschen Wirtschaft halten es für dringend notwendig, dass die Bundesregierung bei den in diesem Kontext geplanten Unterstützungsmaßnahmen Belastungen der Unternehmen mit Steuern und Bürokratie als Standortfaktor einbezieht. Aus Sicht der Wirtschaft sollte die Bundesregierung bei der Unternehmensbesteuerung Strukturreformen angehen, die das gesamte Besteuerungssystem systematischer gestalten und es vor allem deutlich vereinfachen. Den Unternehmen ist bewusst, dass Weiterentwicklungen des Steuerrechts mitunter Zeit brauchen – insbesondere dann, wenn internationale Abstimmungen erforderlich sind. Es gibt aber auch eine Reihe von Maßnahmen, welche die Bundesregierung und die Länder noch in dieser Legislaturperiode umsetzen können. Wir möchten mit den konkreten Vorschlägen in diesem Schreiben noch einmal nachdrücklich dafür werben, auch mit den Mitteln der Unternehmensbesteuerung zu einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Unternehmen und damit des Wirtschaftsstandorts beizutragen. Zur Beschreibung der Ausgangslage gehört die Feststellung, dass die Steuerbelastung der hiesigen Kapitalgesellschaften und Personenunternehmen (inkl. Ergänzungsabgaben) im internationalen Vergleich hoch ist. Die nominelle Steuerbelastung für Kapitalgesellschaften liegt bei durchschnittlich etwa 30 Prozent. Im OECD-Durchschnitt liegt die Steuerbelastung bei lediglich 23,1 Prozent, in der EU sogar nur bei 21,2 Prozent. Bei Personengesellschaften liegt die Steuerbelastung regelmäßig deutlich über 30 Prozent und in der Spitze bei bis zu 45 Prozent. Diese Nachteile für die hiesigen Unternehmen machen sich bei Investitionsentscheidungen immer stärker bemerkbar, nachdem Deutschland auch bei weiteren Standortfaktoren wie Energiekosten, Fachkräften, Digitalisierung und Infrastruktur zurückfällt. Dies gilt nicht nur im Vergleich zu Deutschlands unmittelbaren Nachbarländern, sondern insbesondere auch im Vergleich zu den USA. 1/4