Juni 20212022 Januar GLOBALER WACHSTUMSAUSBLICK
Aufschwung – Engpass – Inflation Die Weltwirtschaft im Corona-Zyklus
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Die Weltwirtschaft dürfte dieses Jahr mit gut vier Prozent zulegen und bleibt auf dem Kurs aufholenden Wachstums. Die Beeinträchtigungen durch die Pandemie setzen sich fort, wenn auch etwas schwächer als zuvor.
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Der Welthandel sollte etwas kräftiger mit fünf Prozent wachsen.
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Das Wachstum in den Vereinigten Staaten und dem Euroraum dürfte bei moderaten 3¾ Prozent liegen, sofern die derzeitige Welle ohne massive wirtschaftliche Störungen bewältigt werden kann. In China wird die Konsolidierung wieder der Expansion weichen; Chinas Wirtschaftsleistung dürfte real mit 5¼ Prozent zulegen.
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Angebotsengpässe in einer Vielzahl von Marktsegmenten werden zumindest das erste Halbjahr noch prägen, dann jedoch allmählich nachgeben. Die starke Nachfrage wird ab Sommer zu einem Anziehen der Produktion führen.
Die amerikanische Lokomotive der Weltwirtschaft
Aufschwung im Norden, Risiken im Süden ▪ Die Pandemiefolgen haben in den USA und im Euroraum die Inflation kräftig erhöht, während die Inflation in Asien kaum angezogen hat. In den USA kamen fiskalische Impulse als Ursache hinzu. Die Notenbanken straffen die Geldpolitik, allen voran die Federal Reserve und die Bank of England. ▪
Die internationale Bekämpfung der Pandemie insbesondere in Entwicklungsländern liegt deutlich hinter dem ohnehin unzureichenden Zeitplan zurück. Dies schafft dauerhafte Risiken für die weltweite Erholung.
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Die deutsche Wirtschaft dürfte mit 3½ Prozent wachsen. Voraussetzung bleibt, dass die Pandemie bei unseren Partnerländern nicht zu massiven Beeinträchtigungen von Nachfrage, Transport und Logistik führt.
Aufschwung – Engpass – Inflation | Die Weltwirtschaft im Corona-Zyklus 22/01/2022
Inhaltsverzeichnis Weltwirtschaft im Würgegriff der Pandemie ..................................................................................... 3 Aufholendes Wachstum der Weltwirtschaft setzt sich fort ............................................................ 6 Inflation mit großer Dynamik............................................................................................................ 13 Finanzmärkte ..................................................................................................................................... 17 Industrieproduktion weltweit: Erholung verliert an Fahrt ............................................................. 19 Welthandel und ausländische Direktinvestitionen ........................................................................ 21 USA: Aufschwung verliert an Kraft ................................................................................................. 22 China: Wachstumsverlangsamung und Turbulenzen am Immobilienmarkt ............................... 25 Euroraum und EU .............................................................................................................................. 29 Angebotsengpässe bremsen deutsche Wirtschaft aus ................................................................ 30 Deutschland ....................................................................................................................................... 33 Internationale Koordination zur Überwindung der Krise sinnvoll ............................................... 34 Quellenverzeichnis ............................................................................................................................ 36
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Aufschwung – Engpass – Inflation | Die Weltwirtschaft im Corona-Zyklus 22/01/2022
Weltwirtschaft im Würgegriff der Pandemie Wider Willen muss man konstatieren, dass die lang gehegte Hoffnung, die Pandemie sei bis zum Herbst 2021 in den Industrieländern weitgehend eingehegt, sich nicht bewahrheitet hat. Vielmehr ist ein Übergang in eine endemische Lage noch nicht erfolgt. Dies könnte vielleicht 2022 gelingen, wenn nicht neue Virusvarianten auftreten, gegen die bisheriger Impfstoffe deutlich weniger wirksam wären. Insofern bewegt sich die Weltwirtschaft nach wie vor auf sehr unsicherem Terrain. Europa und die Vereinigten Staaten durchlaufen eine vierte und fünfte Welle Die weltwirtschaftliche Entwicklung stand im vergangenen Jahr noch ganz im Zeichen der Überwindung der Pandemiefolgen in den großen Volkswirtschaften. Die gesundheitspolitische Bekämpfung der Pandemie verlor dagegen über die Sommermonate in den meisten Ländern an Schwung. Weltweit sind bisher über 310 Millionen Infektionen registriert worden. 5,5 Millionen Menschen sind daran verstorben. Das weltweite Infektionsgeschehen durchlief Mitte August die Spitze der dritten Welle mit deutlich über vier Millionen Fällen und ebbte bis Anfang Oktober wieder etwas ab. Mit dem Herbst und dem Winteranfang sind die Infektionen nun wieder deutlich auf über 15 Millionen Fälle pro Woche Anfang Januar angestiegen. Das jüngste Infektionsgeschehen wurde anfänglich nahezu ausschließlich von Europa getrieben (67 Prozent der weltweit neuen Fälle Ende November), während die Lage in den amerikanischen Kontinenten stabil, in Afrika leicht ansteigend und in den anderen Weltregionen rückläufig war. Ab Mitte Dezember nahmen die Infektionen jedoch auch in den Vereinigten Staaten, in den bis zum Herbst erfolgreichen südeuropäischen Ländern, in südostasiatischen und pazifischen Ländern und in Afrika dynamisch zu, vor allem aufgrund des Auftretens der Omikron-Variante. China behielt mit kontinuierlich harten Maßnahmen und einem hohen Impftempo die Lage bisher unter Kontrolle. Japan dämmte das Infektionsgeschehen nach schwachem Start in der Gesundheitspolitik im Jahresverlauf mit einer hohen Impfquoten und Schutzmaßnahmen deutlich ein. Generell wird vor allem für Nordamerika und Europa ein sehr dynamischer Infektionsverlauf im ersten Quartal angenommen, während die Entwicklung in den großen asiatischen Ländern noch nicht durch die neue Variante geprägt ist. Weltweites Impfgeschehen noch immer unzureichend Ob die Impfstrategien und die internationalen Bemühungen ausreichen werden, eine fünfte Welle im Frühjahr zu vermeiden, ist derzeit als eher unwahrscheinlich einzuschätzen. Die Verbreitung der Omikron-Variante dürfte in all den Ländern dynamisch verlaufen, in denen die Lücke zur Herdenimmunität nicht rasch genug durch Impfungen einschließlich Boostern geschlossen werden wird. Allein einige wenige Staaten Südeuropas könnten gut genug positioniert sein, während im Rest der Welt Impfquoten oder die Wirksamkeit von Impfstoffen (China sowie die hauptsächlich mit chinesischen Vakzinen operierenden Schwellenländer wie die Türkei oder Brasilien) nicht ausreichen dürften. Insbesondere Indien dürfte weiterhin ein sehr hohes Risiko durch Omikron aufweisen, da die Impfquote schlicht zu niedrig ist (Deutsche Bank 2021). Hilfen für die Entwicklungsländer über COVAX liegen hinter Plan Die Welt hinkt hinter dem IWF/WHO/Weltbank/WTO-Fahrplan für die globale Pandemiebekämpfung deutlich hinterher, da vor allem die Lieferungen von Impfstoffen in Entwicklungs- und Schwellenländern erheblich hinter den Zusagen in der COVAX-initiative (nur ca. 1,4 von zwei Milliarden zugesagten
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Aufschwung – Engpass – Inflation | Die Weltwirtschaft im Corona-Zyklus 22/01/2022
Dosen 2021) zurückgeblieben sind (Sachverständigenrat 2021). Dieser Fahrplan forderte ein, mindestens 40 Prozent der Bevölkerung in allen Ländern bis Jahresende und 70 Prozent zur Jahresmitte 2022 geimpft zu haben, verbunden mit der Bereitstellung adäquater Diagnostik und Therapie. Die Hälfte der Länder ist dabei, das 40-Prozent-Ziel zu verpassen. In den Ländern mit niedrigem Einkommen liegt die Impfquote unter fünf Prozent (IWF 2021). Nur knapp 20 Prozent der dafür notwendigen Impfdosen sind geliefert worden. Im laufenden Jahr dürfte immerhin die Produktion zugelassener Impfstoffe deutlich anziehen, und es sollten knapp sechs Milliarden Dosen zur Verfügung stehen. Pandemieprävention unter Anforderungsniveau Gesundheitspolitisch sind die meisten Länder der Welt 2021 nicht so weit gekommen, wie es möglich und notwendig gewesen wäre. So sind vor allem die Impfquoten überall zu niedrig und weit entfernt von den Niveaus, die man aus Präventionsgründen benötigen würde. Zwar konnten die Impfquoten in den wesentlichen Industrieländern und in einigen sehr wenigen Entwicklungsländern bis zum vierten Quartal substanziell auf durchschnittlich 60 Prozent erhöht werden, aber nur weniger als 40 Prozent der Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern sind voll geimpft. Insofern bleibt nicht nur die Entwicklung der öffentlichen Gesundheit in diesen Ländergruppen ein Risiko für die Länder selbst, sondern für die gesamte Welt. Zudem besteht die Gefahr neuer Mutanten in hohem Maße fort. Auch Europa und die Vereinigten Staaten sind nicht Herr der Lage. Rechnet man die gut neun Prozent Genesenen in Europa bzw. die 19 Prozent Genesenen in den USA zu den Geimpften hinzu, bleibt immer noch eine zu große Lücke zu notwendigen Niveaus von um die 90 Prozent der Bevölkerung, die notwendig wären. Unter den größeren Industrieländern gibt es auch bedeutende Unterschiede. China, Korea, Spanien, Japan und Italien liegen gut zehn Prozentpunkte über dem deutschen Niveau an zumindest Erstgeimpften. Auch Frankreich, Brasilien und das Vereinigte Königreich weisen noch Werte von über 75 Prozent auf, Deutschland und die Vereinigten Staaten liegen bei etwa 70 Prozent. Von den großen Schwellenländern liegen immerhin Brasilien, Indien, Indonesien, Mexiko und die Türkei bei einem Anteil von über 50 Prozent Erstgeimpften. Impfquote in Prozent (Anteil an Bevölkerung) Vollständig geimpfte Personen
Personen mit Erstimpfung
China Südkorea Spanien Italien Japan Frankreich Brasilien V. Königreich V. Staaten Deutschland Türkei Indien Mexiko Indonesien Russland
Quelle: Our World in Data
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AnzahlUS-Dollar täglich bestätigter Fälle, in Millionen (IWF 2021c). 10
WHO Regionen Amerikanischer Raum Europa Südostasien östl. Mittelmeerregion
5 Westpazifik Amerikanischer Raum Afrikanischer Raum
Europa Südostasien östl. Mittelmeerregion Januar 2020
Januar 2021
Juli 2020
Westpazifik Afrikanischer Raum Juli 2021
0 Januar 2022
Quelle: WHO
Erneute Einschränkungen in Europa Das Auftreten der Omikron-Variante hat die Infektionszahlen weltweit in die Höhe getrieben. Neuer ökonomischer Schaden durch die aktuelle Welle und voraussichtlich durch die nächste Welle im Frühjahr dürfte aus heutiger Sicht nicht mehr zu vermeiden sein, insbesondere in Europa. In Deutschland wurden die Maßnahmen bei fortlaufend hohen Neuinfektionen im Herbst sukzessive verschärft. Frankreich hat seit November eine sehr dynamische Infektionswelle erlitten und die Regeln verschärft, ebenso Italien. Auch Spanien erleidet hohe Infektionszahlen. Das Vereinigte Königreich verzeichnete seit Juni ein durchweg hohes Infektionsgeschehen bei sehr wenigen Restriktionen; seit Dezember sind die Werte nochmals deutlich angestiegen. In Polen ist die Dynamik noch verhalten.
Stringenzwerte der Gesundheitspolitik in ausgewählten Ländern 120 100
100
80
80
60
60
40
40
20
20
0
0
China Japan Russland
USA Brasilien Indien
Deutschland Italien V. Königreich
Frankreich Spanien Datenreihen6
Quelle: Quelle: Hale, Thomas, Sam Webster, Anna Petherick, Toby Phillips, and Beatriz Kira (2020). Oxford COVID-19 Government Response Tracker, Blavatnik School of Government.
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Aufschwung – Engpass – Inflation | Die Weltwirtschaft im Corona-Zyklus 22/01/2022
Harte Welle in Nordamerika, günstigere Lage in Asien Auf den amerikanischen Kontinenten ist die Lage noch offener. In den USA haben bereits 61 Millionen Menschen die Infektion durchlaufen, und das Neuinfektionsgeschehen lag bis Mitte Dezember noch relativ stabil und hoch bei rund 700.000 Infektionen pro Woche, stieg dann aber auf über vier Millionen Fälle Anfang Januar an. Die Gesundheitspolitik des Bundes tritt auf der Stelle, aber viele Einzelstaaten und Städte reagieren auf die Lage. In Kanada schossen die Infektionen im Dezember in die Höhe, in Mexiko mit etwas geringerer Wucht im Januar. Die Stringenz der Beschränkungen ist in China weiterhin auf weltweitem Spitzenniveau. Japan, Brasilien und Indien fuhren mit mittleren Restriktionen bis Dezember zufriedenstellend. In Brasilien und Indien legten die Infektionen aber in den letzten vier bis sechs Wochen rasch zu. Darauf wird bald reagiert werden müssen. In den großen Schwellenländern ist durch Omikron weiterhin ein großes Gesundheits- und Konjunkturrisiko gegeben.
Aufholendes Wachstum der Weltwirtschaft setzt sich fort Aufgrund der Pandemieentwicklung bleibt der Ausblick auf die weltwirtschaftliche Entwicklung 2022 mit erhöhter Unsicherheit behaftet. 2021 dürfte die weltwirtschaftliche Leistung mit gut 5½ Prozent gewachsen sein. Die Industrieländer dürften mit ca. fünf Prozent zugelegt haben, Entwicklungs- und Schwellenländer mit über sechs Prozent. Im Sommer 2021 ist das Vorkrisenniveau der globalen Wirtschaftsleistung bereits wieder erreicht worden. Die wirtschaftliche Erholung wird sich 2022 zwar fortsetzen, zumindest im Jahresanfang aber noch durch gesundheitspolitische Maßnahmen in vielen Ländern gebremst werden. Wir rechnen mit einer Jahreswachstumsrate der Weltwirtschaft 2022 von 4-4¼ Prozent 2022. Die offiziellen Prognosen für das Jahr 2022 sind unseres Erachtens in den zentralen Szenarien zu positiv (IWF: 4,9 Prozent, OECD: 4½ Prozent, Europäische Kommission: 4½ Prozent), da kaum Einschränkungen der Wirtschaftsaktivität durch die Pandemie unterstellt worden sind. Dynamische Güternachfrage stieß auf Angebotsengpässe Die wirtschaftliche Erholung verlief weltweit in den ersten drei Quartalen des Jahres 2021 etwas stärker als zu Jahresbeginn erwartet. Dies war vom Basiseffekt der Pandemie, aber auch von der starken fiskal- und geldpolitischen Reaktion in wichtigen Volkswirtschaften sowie vom Abflauen im Infektionsgeschehen getrieben. Insgesamt betrachtet ist die Weltnachfrage von Dienstleistungen wie Reisen zu Gütern wie Heimarbeitsausstattungen umgeschwenkt. Dies hat in Verbindung mit einer ganzen Reihe anderer Faktoren zu den erheblichen Engpässen auf der Angebotsseite (Rohstoffe, Metalle, Zwischengüter, Halbleiter, Containerschiffskapazitäten usw.) geführt. Diese Engpässe haben die relativen Preise für diese Güter schockartig in die Höhe getrieben, was die monatlichen Inflationsraten derzeit bestimmt. Das Wiederaufflammen der Pandemie im vierten Quartal in vielen Ländern wird nun spiegelverkehrt die Aktivität wieder dämpfen, die Engpässe etwas reduzieren und den Preisdruck abbauen. Gleichwohl ist mit einer Entspannung auf der Angebotsseite zunächst bei den Energierohstoffen ab dem zweiten Quartal 2022, bei viele Zwischengütern schrittweise im Jahresverlauf und bei Halbleitern erst allmählich bis 2024 zu rechnen. Besondere Dämpfer für die Weltautomobilproduktion Eine Besonderheit stellt die Entwicklung in der Automobilproduktion dar. Das Jahr verlief in den ersten drei Quartalen überraschend schlecht. Weltweit sanken die Verkäufe um 20 Prozent allein von April bis September, in den USA und Japan um 40 Prozent, in Deutschland um 16 Prozent. Die Produktion
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Aufschwung – Engpass – Inflation | Die Weltwirtschaft im Corona-Zyklus 22/01/2022
lag in den ersten drei Quartalen 2021 im Euroraum 26 Prozent unter Januar 2019, 30 Prozent in Deutschland, zehn Prozent in den USA und 23 Prozent in Japan. Im September lagen Produktion und Verkäufe in Deutschland mehr als 40 Prozent unter dem Niveau von Januar 2019. Die Halbleiterkrise hat weltweit und in Deutschland besonders hart zugeschlagen. Gegenüber einem normalen Produktionstrend ging Wertschöpfung in Höhe von weit über 50 Milliarden Euro verloren (OECD 2021). An Konjunkturrisiken mangelt es nicht Generell sind mögliche Störungen und Abwärtsrisiken für die weltwirtschaftliche Erholung im Jahr 2022 sehr ernst zu nehmen. Diese lassen sich nicht ausreichend quantifizieren, können aber deutlich dämpfend wirken. Erstens droht mit Omikron und möglichen weiteren Virusvarianten das Infektionsgeschehen auch 2022 wieder aufzuflammen. Zweitens dürfte dies dann zu weiteren temporären Schließungen von Produktionsanlagen und Infrastruktureinrichtungen vor allem in China führen. Dies dürfte drittens in Verbindung mit stringenteren gesundheitspolitischen Vorkehrungen zu einer erneuten Verlagerung der Nachfrage von Dienstleistungen zu Gütern mit entsprechenden Engpässen führen. Viertens können geopolitische Konflikte, z.B. ein Krieg in der Ukraine und Auseinandersetzungen in Nordostasien, generell die Risikoaversion erhöhen und die Investitionstätigkeit weltweit dämpfen. Fünftens ist schwer einzuschätzen, ob das Vereinigte Königreich den Konflikt mit der EU auf die Spitze treiben möchte und neue Störungen in den Handelsbeziehungen auftreten werden. Sechstens geht die leichte Straffung in der Geldpolitik der US-Notenbank generell mit Konjunkturrisiken für die Welt einher, so notwendig diese auch an sich sein dürfte. Siebtens zeigen sich in vielen Branchen weltweit Folgen der Pandemie auf dem Arbeitsmarkt, auf dem Engpässe bei bestimmten Berufsgruppen in kontaktintensiven Feldern sowie in ausgewählten Fachkräftefeldern bereits wieder wirksam werden, wie vor der Pandemie. Arbeitsmärkte haben sich noch nicht vollständig erholt Dies alles trifft die Weltwirtschaft in einer Lage, in der sich insbesondere die Arbeitsmärkte noch nicht vollständig vom Corona-Schock erholt haben. Allein in der OECD waren im dritten Quartal 2021 7½ Millionen Menschen weniger in Arbeit als Ende 2019, und in den meisten Ländern liegen die geleisteten Arbeitsstunden noch zwei bis fünf Prozent unter Normalniveau (OECD 2021: 14-15). Ähnlich war es um die Mobilität in Industrieländern bestellt, die seit dem Sommer in den Feldern Einzelhandel und Erholung gut fünf Punkte unter Normal notierte. Für die Arbeitsmärkte erwartet die OECD, dass sich bis Ende des Jahres in den meisten Länder die Beschäftigungslage wieder auf Vorkrisenniveau begibt, außer für die Vereinigten Staaten, wo dies noch länger andauern könnte. Zudem sollten sich die Migrationsströme mittelfristig wieder normalisieren. In der Übergangszeit dürfte es v.a. in den kontaktintensiven Branchen sowie im Gesundheitswesen noch Arbeitskräfteknappheit und überdurchschnittliche Lohnsteigerungen geben. Gesamtwirtschaftlich ist die Lohndynamik in den letzten beiden Jahren eher schwach ausgefallen, die Nominallöhne dürften zunächst noch verhalten zulegen, die Reallöhne sollten spätestens 2023 wieder zunehmen. Erholungsfortschritt weiterhin sehr unterschiedlich Der Ausblick auf das nächste Jahr ist daher gemischt. Zwar haben einige Länder schon deutlichen Fortschritt zu verzeichnen und das Vorkrisenniveau wieder 2021 erreicht. 2022 sollten jedoch noch viele hinzukommen.
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Aufschwung – Engpass – Inflation | Die Weltwirtschaft im Corona-Zyklus 22/01/2022
Indexentwicklung des realen BIP 102
116
110
101 100 Indien
101
111 Deutschland China
98
105
98 95
USA
Japan
106
102
96
100
95
100
102 97
97 101
Euroraum
2021
102
102 101 Brasilien
96 93
90
93 2020
102
V. Königreich
98
2019
Russland
2022
2019
2020
2021
2022
2019
2020
2021
2022
Quellen: IWF, eigene Berechnungen
Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts 2021 gegenüber Vorjahr (in Prozent)
Weltwirtschaft
+4,0
Eurogebiet
+3¾
Welthandel
+5,0
EU
+3¾
USA
+3¾
Deutschland
+3½
VR China
+5¼
Japan
+3½
Quelle: BDI
Die Einkaufsmanager sind noch positiv gestimmt Die Indikatoren für die nahe Zukunft signalisieren derzeit eine fortgesetzte Expansion der Aktivitäten. Die OECD-Wirtschaftsklimaindikatoren tendieren zwar insgesamt seitwärts, das Verbrauchervertrauen hat aber seit Juli wieder deutlich nachgegeben. Der Einkaufsmanagerindex für die Welt hat dagegen seit dem Sommer um gut zwei Indexpunkte zugelegt, v.a. dank des kräftigen Anstiegs bei Dienstleistungen, zuletzt aber auf einen Wert von 54 nachgegeben, während die Industriekonjunktur mit einem Wert von 54 seitwärts tendierte. Der Wert für Deutschland notierte zuletzt schwach. In den USA stabilisierten sich die einzelnen Indizes bei Werten von 57-58 in den letzten beiden Monaten, was eine starke Expansion anzeigt. Im Euroraum sank der Gesamtwert zuletzt auf 53, mit sinkenden Werten für Dienstleistungen und die Bautätigkeit bei gleichbleibend hohen Werten für die Industrie. In Japan sind die Werte aus dem Rezessionsumfeld im August auf gute Werte von 53 (Gesamtindex und Dienstleistungen) bzw. 54 (Industrie) gestiegen. In China lief das Jahr unruhig, der Gesamtindex blieb noch im positiven Territorium (51), während die Industrie lange an der Stagnationsgrenze schrammte (50) und die Dienstleistungen noch leicht expansiv waren (52). Zuletzt zogen die Werte leicht an.
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Einkaufsmanagerindex* Welt 60
50
40
30
20 PMI Verarbeitendes Gewerbe
PMI Dienstleistung
PMI gesamt
*PMI Quelle: Market Quelle: Macrobond
Einkaufsmanagerindizes* 70
75
Euroraum
Deutschland
65
60
55
50
45
40
35
30
25
20
15 Jan 20
Jun 20
Jan 21
Jun 21
Dez 21
10 Jan 20
Jun 20
Jan 21
Jun 21
Dez 21
PMI Verarbeitendes Gewerbe PMI Diensteistung PMI gesamt
PMI Verarbeitendes Gewerbe PMI Diensteistung PMI gesamt 75
China
60
USA 65
55
50
55
45 45
40 35
35 30 25 Jan 20
Jun 20
Jan 21
Jun 21
PMI Verarbeitendes Gewerbe PMI Diensteistung PMI gesamt
Dez 21
25 Jan 20
Jun 20
Jan 21
Jun 21
Dez 21
PMI Verarbeitendes Gewerbe PMI Diensteistung PMI gesamt
*PMI Quelle: Market Quelle: Macrobond
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Aufschwung – Engpass – Inflation | Die Weltwirtschaft im Corona-Zyklus 22/01/2022
Wirtschaftsklimaindikatoren*, OECD 103 101 99 97 95 93 91 Jan 20
2020 Jun 20
Geschäftsvertrauen (Industrie)
Jan 21 Konsumentenvertrauen
Jun 21 2021
Nov 21
Leading Indicator (Gesamtindikator)
*saisonbereinigt (Index=100) Quelle: Macrobond
Wachstumstreiber bleiben die USA, gefolgt von Japan und Europa Die Vereinigten Staaten werden auch im laufenden Jahr den stärksten Konjunkturmotor darstellen. Nach einem Wachstum von voraussichtlich 5¾ Prozent im letzten Jahr dürfte es im laufenden Jahr für ein Wachstum von 3¾ Prozent reichen (der IWF sieht die USA bei 5,2 Prozent, die Kommission bei 4,5 Prozent und die OECD bei nur 3,7 Prozent). Trotz konstant hoher Infektionen – die 7-Tage-Inzidenz liegt nach eine Spitze Anfang September bei 440 nun eher bei leicht über 200 - waren die gesundheitspolitischen Restriktionen im letzten Jahr auf sehr niedrigem Niveau. Japans Wirtschaft hat zuletzt eine schwächere Periode durchlaufen. Die japanischen Verbraucher sind zudem pandemiebedingt kontinuierlich zurückhaltend gewesen. Nach knapp 2½ Prozent Wachstum im letzten Jahr dürfte es dank frischer Konjunkturimpulse der neuen japanischen Regierung für ein Wachstum von 3½ Prozent 2022 reichen. Dies liegt vor allem an dem massiven Fiskalpaket der neuen Regierung unter Fumio Kishida, das sich auf über neun Prozent der Wirtschaftsleistung beläuft und Hilfen für kleine und mittlere Unternehmen, Steuererleichterungen für Unternehmen generell, Transfers an die privaten Haushalte und höhere Löhne im öffentlichen Sektor vorsieht. Die EU und der Euroraum haben eine überraschend starke Erholung durchlaufen. Beide Wirtschaftsräume dürften mit fünf Prozent Wachstum 2021 zugelegt haben. Für das laufende Jahr sehen die meisten Prognosen Werte von 4¼ - 4½ Prozent vor. Diese Prognosen lagen jedoch vor dem Ausbruch der vierten Welle. Es ist damit zu rechnen, dass zumindest moderate Einschränkungen der wirtschaftlichen Aktivität bis ins zweite Quartal hinein erforderlich werden. Diese werden in den großen Volkswirtschaften zumindest den privaten Verbrauch dämpfen und die Investitionserholung verzögern. Ob und inwiefern neue fiskalpolitische Gegenmaßnahmen erforderlich werden, ist derzeit noch nicht ausreichend einzuschätzen. Insofern ist eher mit einem Wachstum von 3¾ Prozent 2022 zu rechnen, solange sich die Omikron-Welle noch rechtzeitig und mit moderaten Einschränkungen der wirtschaftlichen Aktivität eindämmen lassen sollte. Sollte ein härteres Durchgreifen bis zum Sommer erforderlich werden, ist nicht nur mit einer erneuten technischen Rezession im ersten Halbjahr, sondern mit einem deutlichen Dämpfer des Wachstums auf eine Größenordnung von ein bis zwei Prozent im Jahresverlauf zu rechnen.
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Aufschwung – Engpass – Inflation | Die Weltwirtschaft im Corona-Zyklus 22/01/2022
China dürfte das ambitionslose Ziel, 2021 mindestens sechs Prozent Wachstums zu verzeichnen, problemlos erreicht haben und mit acht Prozent expandiert sein. 2022 dürfte das Tempo dann wieder auf ein Normalmaß von 5¼ Prozent zurückfallen. China durchläuft eine übliche Korrektur auf dem Immobilienmarkt, die typischerweise vier bis sechs Quartale lang die Aktivität bremst. Die KP steuert derzeit weder fiskal- noch geldpolitisch hart gegen, sondern hat eine neue qualitative Linie kommuniziert (sprich: keine Stützung von Immobilienmärkten in Korrekturphasen). Die jüngsten Beschlüsse der KP signalisieren sogar, dass die Führung den Hebel wieder auf leichte Stimuli umlegt.
Prognoseübersicht: Wachstum der realen Wirtschaftsleistung 2021/22 in Prozent 2021
2022
EUKOM3
IWF1
5,64
5,7
4,9
4,54
4,5
6,0
5,6
5,8
5,2
3,7
4,5
China
8,0
8,1
7,9
5,6
5,1
5,3
Japan
2,4
1,8
2,4
3,2
3,4
2,3
IWF1
OECD2
Welt
5,9
USA
EU
OECD2
5,0
EUKOM3
4,3
Euroraum
5,0
5,2
5,0
4,3
4,3
4,3
Deutschland
3,1
2,9
2,7
4,6
4,1
4,6
Frankreich
6,3
6,8
6,5
3,9
4,2
3,8
Italien
5,8
6,3
6,2
4,2
4,6
4,3
Spanien
5,7
4,5
4,6
6,4
5,5
5,5
V. Königreich
6,3
6,9
6,9
5,0
4,7
4,8
Indien
9,55
9,4
9,0
8,55
8,1
7,8
Brasilien
5,2
5,0
4,9
1,5
1,4
2,1
Russland
4,7
4,3
3,9
2,9
2,7
2,6
1: IWF (2021). Stand Oktober. 2: OECD (2021). Stand Dezember. Prognose für Indien für Fiskaljahr, beginnend im April. 3: Europäische Kommission (2021). Stand November. 4: Prognose auf Grundlage von 70 Prozent des Welt-BIP (in Kaufkraftparitäten von 2013) 5: Angaben zu Indien für das Fiskaljahr und in laufenden Preisen
Die wirtschaftliche Entwicklung in weiteren wichtigen Industrieländern ist noch durch eine solide Erholung geprägt. Das Vereinigte Königreich dürfte mit sehr starken sieben Prozent 2021 und gut fünf Prozent 2022, Kanada mit 5½ und vier Prozent und Australien und Südkorea mit je vier und drei Prozent wachsen. Taiwan und Singapur dürften nach knapp sechs Prozent 2021 im laufenden Jahr
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Aufschwung – Engpass – Inflation | Die Weltwirtschaft im Corona-Zyklus 22/01/2022
mit gut 3¼ Prozent zulegen. Russland dürfte auf ein Wachstumstempo von knapp drei Prozent zurückfallen. Die Wirtschaft der Türkei versinkt in einer Inflations- und Lira-Krise und dürfte die vom Währungsfonds erwartete Wachstumsrate von drei Prozent nur erreichen, wenn die Notenbank gegensteuern darf. Regionaler Ausblick: Entwicklungs- und Schwellenländer kehren zu solidem Wachstum zurück Die wirtschaftliche Erholung in den Entwicklungs- und Schwellenländern verlief 2021 etwas stärker als erwartet, obwohl die Pandemie erhebliche Probleme mit sich brachte. Die Risiken für die weitere Entwicklung bleiben angesichts der begrenzten Möglichkeiten für Impfungen und Behandlungen auch 2022 weiterhin sehr hoch. Generell profitieren die Rohstoff-exportierenden Länder noch eine Weile von der weltweit starken Rohstoffnachfrage, obwohl hier der Höhepunkt überschritten sein dürfte. So ist in den Entwicklungsländern Asiens insgesamt mit einem Wachstum von über sechs Prozent zu rechnen, die fünf ASEAN-Staaten dürften ebenfalls mit diesem Tempo zulegen. Indien dürfte nach hartem Einbruch zu starkem Wachstum von acht Prozent zurückkehren und dieses Niveau auch 2022 nahezu halten können, wenn Omikron unter Kontrolle bleiben sollte. Regionaler Konjunkturausblick*
2021
2022
Europa, Fortgeschrittenen Volkswirtschaften und Entwicklungsländer
6,0
3,6
Naher Osten, Zentralasien
4,1
4,1
Israel
7,1
4,1
Sub-Sahara Afrika
3,7
3,8
Südamerika
6,3
2,3
Zentralamerika
7,7
4,6
Karibik
3,6
11,3
Asien, Fortgeschrittenen Volkswirtschaften und Entwicklungsländer
7,2
6,3
* Wachstum des realen BIP ggü. Vorjahr in Prozent Quelle: IWF (Oktober 2021)
Auf der anderen Seite des Pazifiks dürfte Mexiko nach einem kräftigen Wachstum von 6,2 Prozent 2021 dieses Jahr mit vier Prozent zulegen. Südamerikas Wirtschaftsleistung dürfte mit 2¼ Prozentzulegen, wobei die westlichen Länder einen besseren Lauf haben als die östlichen. Die größte Volkswirtschaft, Brasilien, dürfte nur mit 1½ Prozent zulegen. Argentinien und Chile können mit 2½ Prozent rechnen, die kleineren Ökonomien wie Uruguay, Paraguay, Bolivien, Ecuador mit mehr als drei Prozent, Bolivien mit vier und Peru mit 4½ Prozent. Venezuela muss mit einem weiteren Rückgang um drei Prozent rechnen. Die zentralamerikanischen Länder dürften um 4½ Prozent wachsen, die Karibikländer sogar um elf Prozent.
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Aufschwung – Engpass – Inflation | Die Weltwirtschaft im Corona-Zyklus 22/01/2022
Der Nahe Osten, Nordafrika und Pakistan dürften ebenso wie Israel und der Kaukasus sowie Zentralasien erneut mit gut vier Prozent zulegen. Afrika südlich der Sahara wird nach 3¾ Prozent Wachstum im letzten Jahr 2022 mit gleichem Tempo wachsen können, sofern die Pandemie nicht zu größeren Verwerfungen führen sollte. Südafrika ist 2021 deutlich besser aus der Krise herausgekommen als erwartet (plus fünf Prozent) und dürfte dieses Jahr mit zwei Prozent moderater zulegen. Nigeria wird erneut mit 2½ Prozent zulegen.
Inflation mit großer Dynamik Die weltweite Inflationsentwicklung ist vorrangig durch die Pandemie geprägt. Während die Industrieländer 2020 nur eine Inflationsrate von 0,7 Prozent aufwiesen, wurden 2021 gut drei Prozent erreicht; 2022 dürfte sich die Dynamik etwas abschwächen und nach Ansicht des IWFs bei knapp 2½ Prozent liegen, nach Ansicht der OECD im ähnlichen Länderkreis jedoch bei 4,2 Prozent (OECD 2021). Für die Schwellenländer hat sich die Lage nicht so stark verändert, die Inflationsrate dürfte um einen halben Punkt von 5,5 Prozent auf gut fünf Prozent abnehmen (IWF 2021). Inflationsgeschehen und Geldpolitik sehr uneinheitlich In den zurückliegenden Monaten hat sich die Inflationsdynamik in Europa und den USA weiter verstärkt, während sie in den großen Volkswirtschaften Asiens schwach war. Die Notenbanken in den Vereinigten Staaten und in den europäischen Ländern sind von der Stärke des Aufschwungs, den fortdauernden diversen Engpässen und einigen Sondereffekten etwas auf dem falschen Fuß erwischt worden, ebenso wie die Märkte selbst, die kontinuierlich ihre Prognosen nach oben revidieren mussten. Die Inflationsraten haben dabei Größenordnungen erreicht, wie sie seit über 20 Jahren nicht mehr zu beobachten waren. Infolgedessen hat auch die öffentliche Debatte um daraus resultierende Risiken – insbesondere in Deutschland – an Bedeutung gewonnen, sodass die großen Notenbanken ihre expansive Geldpolitik zunehmend öffentlich rechtfertigen müssen bzw. allmählich den Hebel umlegen und die Straffung einleiten. In anderen Ländern, vor allem in China und Japan, blieb die Inflationsrate dagegen aufgrund der wirtschaftlichen Abschwächung niedrig. In einigen Industrie- und Schwellenländern wiederum musste bereits durch eine geldpolitische Straffung auf temporären Druck reagiert werden, etwa in Australien und Neuseeland, in Brasilien, Russland und Süd-Korea sowie in einigen osteuropäischen Ländern (Polen, Ungarn, Tschechien). Das Bild bleibt weiterhin heterogen. Die USA und der Euroraum durchlaufen Inflationsschub Die verstärkte Preisdynamik in Nordamerika und in Europa wird weiterhin von dem Jojo-Effekt des Aufschwungs nach der Pandemie, dem strukturellen Nachfragewandel von Dienstleistungen zu Gütern, von einigen temporären Faktoren auf den Energiemärkten (mit kurzfristig inflationärem Einfluss) sowie pandemiebedingten Sondereffekten (wie der Schließung von Häfen, das querliegende Schiff im Suezkanal und des Logistikdurcheinanders im Containerschiffverkehr vor allem in Kalifornien) dominiert. Ergänzend kam die starke weltweite Nachfrage, gestützt durch die expansive Geld- und Finanzpolitik, insbesondere in den USA, hinzu. In einigen Ländern spielten auch wirtschaftspolitische Entscheidungen eine Rolle, etwa die halbjährige Absenkung des Mehrwertsteuersatzes und die Einführung eines nationalen Emissionshandelssystems in Deutschland bzw. das Auslaufen bestimmter Maßnahmen in der Arbeitsmarktpolitik der USA. Die meisten Sondereffekte werden im kommenden Jahr auslaufen; allein die Halbleiterkrise dürfte noch deutlich bis ins Jahr 2023 andauern.
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Inflation in den USA löst geldpolitische Reaktion aus Das Inflationsgeschehen in den USA in den letzten beiden Jahren hat seit dem Sommer eine größere Diskussion über die Geldpolitik ausgelöst. Insbesondere die Frage, ob der Preisdruck nur vorübergehend sei und daher ignoriert werden könne oder doch einem stärkeren und breiteren Inflationstrend folge, auf den zu reagieren ist, beherrscht die Debatte. In der Kommentierung herrscht vorübergehend die Meinung vor, die FED reagiere zu spät. Nun stehen die Zeichen bereits auf Straffung. Die US-Notenbank hat im Dezember letzten Jahres die geldpolitischen Zügel angezogen, um dem mittlerweile breiteren Preisauftrieb entgegenzuwirken. So wird die FED die Ankaufprogramme um monatlich 30 Milliarden US-Dollar reduzieren. Die FED hat auch das Argument, der Preisdruck sei nur temporär, ad acta gelegt und den Fokus auf die Erreichung einer maximalen Beschäftigung als zweitem Ziel neben der Inflation gelegt. Angesichts der FED-Aussagen rechnet man damit, dass das Beschäftigungsziel im Laufe des Jahres erreicht werden wird (dann bei einer Arbeitslosenquote von 3½ Prozent). Zudem ist die mittlere Erwartung von Zinsschritten der Mitglieder des zuständigen Offenmarktausschusses deutlich angehoben worden: von 0,3 Prozent auf 0,9 Prozent 2022, von einem Prozent auf 1,6 Prozent 2023 und von 1,8 auf 2,1 Prozent 2024 (FED 2021). Zugleich hat die FED die Inflationsprognose für die Preisentwicklung der privaten Konsumausgaben 2021 um einen Punkt deutlich auf über fünf Prozent (5,3 Prozent) angehoben, während die Wachstumserwartung um einen halben Punkt heruntergenommen wurden (auf 5,5 Prozent). Für das laufende Jahr wurde dagegen die Wachstumserwartung leicht auf vier Prozent erhöht; die FED erwartet eine Inflationsrate von 2,6 Prozent und eine höhere Kerninflation von 2,3 Prozent. Insofern erwartet der Markt nun ein Auslaufen der Kaufprogramme bereits im März 2022 und im Schnitt drei Zinsanhebungen von je einem Viertelprozentpunkt im laufenden Jahr, gefolgt von weiteren Schritten bis 2024/25, mit denen der Leitzins dann leicht über zwei Prozent angehoben würde. Die FED wird freilich datenabhängig agieren und die möglichen negativen Auswirkungen des Infektionsgeschehens berücksichtigen. Für die Inflationsentwicklung in den USA spielen neben den Nachhol- und den Basiseffekten bei Energie- und Rohstoffpreisen, den Lieferproblemen bei Halbleitern (und implizit dadurch die Preisentwicklung bei Gebrauchtwagen) und statistischen Sondereffekten auch die Überauslastung des Produktionspotenzials durch die expansive Finanzpolitik der Biden-Administration eine Rolle. Insofern bewahrheitet sich die Erwartung einiger führender, den Demokraten nahestehender Ökonomen, dass der Mix aus Pandemieeffekten, Lieferproblemen und expansiver Nachfragepolitik der öffentlichen Hand Inflationsprobleme verursachen und eine geldpolitische Reaktion erforderlich machen dürfte. EZB legt vorsichtig den Schalter auf Straffung um Auch die Europäische Zentralbank hat im Dezember ihre Einschätzung der Wachstums- und Inflationsentwicklung und ihre Geldpolitik leicht angepasst. So geht die EZB von einem Wachstum im Euroraum in Höhe von 4,2 Prozent 2022 aus, während sie die Inflationsrate bei 2,6 Prozent 2021 und 3,2 Prozent 2022 liegen sieht (EZB 2021). Sie hat ihre Inflationseinschätzung deutlich angehoben, für das laufende Jahr gar um anderthalb Punkte. Die EZB hat jedoch auch ein härteres Pandemieszenario betrachtet, in dem das Wachstum im Euroraum sich nur auf 1,5 Prozent 2022 (2,2 Prozent und 2,5 Prozent 2023/24) beläuft und die Inflationsrate von 3,1 Prozent im laufenden Jahr auf 1,4 bzw. 1,3 Prozent in den Folgejahren zurückgehen dürfte. Die Kernrate verbleibt der EZB zufolge im Hauptszenario jedoch über den gesamten dreijährigen Projektionsraum unter zwei Prozent.
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Wie erwartet hat die EZB beschlossen, Nettokäufe im Rahmen des Pandemie-Notfallankaufprogramms PEPP im März auslaufen zu lassen. Zugleich wird man die Tilgungszahlungen nun um mindestens ein Jahr länger als zuvor geplant bis Jahresende 2024 reinvestieren. Dabei wird man flexibel vorgehen und ggf. auch Nettokäufe griechischer Staatsanleihen vornehmen können. Zudem werden die Käufe im Rahmen des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (APP) von 20 auf 40 Milliarden Euro im zweiten und auf 30 Milliarden Euro im dritten Quartal erhöht. Ab Oktober sollen dann Käufe im Volumen von 20 Milliarden Euro so lange fortgeführt werden, wie die geldpolitische Flankierung es erfordert. Zudem enthielt die Entscheidung einen Hinweis darauf, dass das Liquiditätsprogramm TLTRO III, also die dritte Serie gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte (GLRG III), im Juni auslaufen dürfte. Inflationsentwicklung ebenso dynamisch wie unerwartet Die EZB war in der öffentlichen Debatte ebenfalls unter Druck geraten. Dies lag an den Monatswerten für die Inflationsrate. Diese war für den gesamten Euroraum (gegenüber dem Vorjahresmonat) im November letzten Jahres auf einen Wert von 4,9 Prozent angestiegen und hatte damit den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2008 deutlich übertroffen. Im dreimonatigen Durchschnitt (September bis November) ergibt sich eine Rate von etwas über vier Prozent. Für Deutschland erwartet die Bundesbank wiederum einen Anstieg der Verbraucherpreise (HVPI) von 3,6 Prozent im laufenden Jahr, der sich auf je 2,2 Prozent in den beiden Folgejahren abschwächen sollte. Die Spitze der Teuerungsrate sollte im Dezember letzten Jahres gelegen haben (Deutsche Bundesbank 2021). Neben den auch für die USA geltenden Basiseffekten, den Energie-, Rohstoff- und Zwischengüterpreisen, und steuer- oder klimapolitischen Maßnahmen wie in Deutschland kamen im Euroraum noch weitere Effekte für die jüngste Inflationsentwicklung hinzu. Die statistische Anpassung des Warenkorbs verstärkte den gemessenen Preisanstieg zudem um wenige Zehntel-Prozentpunkte. Die Kernrate der Inflation (ohne Berücksichtigung der Preisentwicklung für Energie und Nahrungsmittel) war allerdings deutlich niedriger, legte aber ebenfalls kräftig zu und stieg im November auf 2,6 Prozent an. Der dreimonatige Durchschnitt lag bei etwa zwei Prozent. Energiepreise von vielen Sondereffekten getrieben Der Anstieg der Energiepreise hat sich bis Oktober erstreckt, zuletzt haben teils Preisrückgänge eingesetzt, die von einem erneuten Anstieg Mitte Dezember abgelöst wurden. Der Ölpreis hat sich wieder auf das Vorkrisenniveau begeben und damit seit Juni 2020 mehr als verdoppelt. Der Gaspreis am Spotmarkt ist dramatisch gestiegen. Der Kohlepreis hat sich verachtfacht. Am Ölmarkt spielten Produktionskürzungen der OPEC, der Frost in Texas im Februar 2020 und der Hurrikan Ida im August eine limitierende Rolle. Ähnliche Sondereffekte schränkten die Kohleförderung um fünf Prozent ein. Auf dem Gasmarkt sind fünf Effekte dominant: hohe LNG-Nachfrage in China und Südamerika, harter Winter 20/21, niedrige Lagerbestände im Sommer (ca. 50 Prozent des Normalniveaus), Restocking in Russland und Flaute in der EU 2021 (und damit Gasbedarf für die Verstromung). Diese Entwicklung trägt zu einem weiterhin hohen Anstieg der Import- und Verbraucherpreise bei. Die Märkte erwarten jedoch deutlich nachlassende Notierungen für Brent und WTI im Frühjahr 2022. Der Gasmarkt dürfte noch einige Monate angespannt bleiben.
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Auch Lieferengpässe haben Anstieg der Erzeugerpreise verursacht Angebotsseitige Lieferengpässe haben zudem einen Anstieg der Input- und Erzeugerpreise verursacht, was die allgemeine Preisentwicklung zusätzlich treibt. Da mittlerweile über 90 Prozent der Unternehmen (in Deutschland) von Inputpreissteigerungen betroffen sind, schlägt sich dies auf die Erzeugerpreise nieder. Diese sind zuletzt so stark angestiegen wie lange Zeit nicht mehr: Für den Euroraum wurden mit deutlich zweistelligen Steigerungsraten die höchsten Werte seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1996 gemessen, während in Deutschland mit über 15 Prozent der stärkste Anstieg seit den 1970er Jahren zu verzeichnen ist. Der Anstieg der Erzeugerpreise wirkt sich deshalb auch auf die Verbraucherpreise und die allgemeine Teuerungsrate aus, da die Unternehmen solche Kostensteigerungen nicht allein über die Marge abfedern können. Inflationserwartungen liegen nun leicht höher Bislang sind verschiedene Messgrößen für die mittelfristigen Inflationserwartungen von Bürgern und Märkten zwar leicht angestiegen, haben aber noch keine bedenklichen Niveaus erreicht. Die mittelfristigen Inflationserwartungen haben sich kürzlich an den Zielwert von zwei Prozent angenähert. Daraus folgt, dass die Marktteilnehmer auf absehbare Zeit keinen dauerhaften oder überproportionalen Preisdruck erwarten. Lohn-Preis-Spirale unwahrscheinlich, aber Lohnentwicklung mittelfristig stärker Trotz des aktuellen Preisanstiegs lassen sich in Deutschland und in Europa noch keine Hinweise für eine Lohn-Preis-Spirale finden. Gleichwohl dürften die Lohnsteigerungen in den größeren Ländern aus mehreren Gründen zukünftig wieder ansteigen. Die Veränderung der Tariflöhne sowohl in Deutschland als auch Europa dürfte 2021 bei etwa 1,5 Prozent gelegen haben. Im laufenden Jahr dürfte die Entwicklung der Löhne im Euroraum knapp über drei Prozent liegen, da insbesondere die Erhöhung des Mindestlohns in Deutschland für eine satte Erhöhung sorgen wird; 2023 dürfte sich der Trend wieder etwas abschwächen. Auch in Frankreich dürfte ein Lohnwachstum von über 2½ Prozent realisiert werden, während die Lohnentwicklung in Italien und Spanien mit eher 1½ Prozent noch etwas schwächer ausfallen dürfte (Deutsche Bank Research 2021b, Europäische Kommission 2021). Die Erholung des Arbeitsmarkts sollte sich noch in den meisten Ländern bis 2023 hinziehen, aber sektorale Knappheiten sind bereits vorzufinden. In realer Rechnung entwickeln sich die Vergütungen dagegen weiter vergleichsweise moderat. Nach einem Zuwachs von rund einem halben Prozent 2021 dürften 2022/23 wieder Werte von rund einem Prozent erreicht werden. In Deutschland waren zusätzliche Preistreiber am Werk In Deutschland fällt der Anstieg der Inflationsraten (im November 5,2 Prozent gegenüber Vorjahr) bereits seit einigen Monaten stärker aus als im gesamten Euroraum. Dafür sind auch politisch induzierte Sondereffekte verantwortlich. Hierzu zählen insbesondere zwei Faktoren: Erstens wirkte sich die Einführung eines nationalen Emissionshandelssystems preissteigernd aus. Zweitens hat sich bis zum Ende des Jahres 2021 die Rücknahme der befristeten Senkung der Mehrwertsteuer bemerkbar gemacht. Beide Effekte sollten Anfang des Jahres zum Erliegen kommen und zu einer leichten Beruhigung der Preisdynamik beitragen.
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Finanzmärkte Die Entwicklung an den Finanzmärkten verlief in den vergangenen Monaten insgesamt ruhig. Während sich die Aufwärtsdynamik der Aktienmärkte in der zweiten Jahreshälfte 2021 global abgeschwächt hat, bewegten sich die Anleiherenditen in Europa und den USA – trotz deutlich anziehender Inflationsraten – weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Auch die Devisenmärkte waren zuletzt von einer überwiegend stabilen Entwicklung gekennzeichnet. Die positive Wertentwicklung der Aktienmärkte, die seit Frühjahr 2020 trendmäßig fortbestand, wurde in den Sommermonaten ausgebremst. Seither befinden sich die Aktienmärkte überwiegend in einer leicht aufwärtsgerichteten Seitwärtsbewegung. Dies ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen: Während steigende Unternehmensgewinne und negative Realrenditen positive Effekte auf die Aktienmärkte generierten, haben zunehmende Unsicherheiten hinsichtlich der künftigen Inflationsentwicklung sowie des weiteren Pandemieverlaufs Abwärtsrisken verstärkt. Deshalb hat sich in der zweiten Jahreshälfte insgesamt eine leicht erhöhte Volatilität bemerkbar gemacht. Hinzu kamen weitere Unsicherheitsfaktoren wie Bedenken über die wirtschaftliche Stabilität Chinas (ausgelöst durch die Evergrande-Pleite) und die Erwartung eines beschleunigten Taperings der US-FED, die sich dämpfend auf die Entwicklung der Aktienmärkte ausgewirkt haben. In Europa ergab sich im zweiten Halbjahr eine Wertsteigerung von durchschnittlich fünf Prozent, wobei der Anstieg in Frankreich und Italien stärker ausgefallen ist als in Deutschland. Dies korrespondiert mit der divergierenden gesamtwirtschaftlichen Erholung innerhalb der Europäischen Union bzw. der Eurozone. Die US-Aktienmärkte verzeichneten in der zweiten Jahreshälfte eine dynamischere Entwicklung als in Europa mit Wertzuwächsen von durchschnittlich zehn Prozent, wobei der Anstieg der Technologiewerte überdurchschnittlich ausgefallen ist. In Japan setzte sich hingegen die seit Anfang 2021 bestehende Seitwärtsbewegung fort. Ein ähnliches Bild ergibt sich in China, wo die Indizes seit einigen Monaten auf der Stelle treten. Diese Entwicklung dürfte vor allem auf steigende Unsicherheiten im Zuge der Evergrande-Pleite und einen verstärkten Interventionismus der chinesischen Führung zurückzuführen sein. Für die restlichen Emerging Markets (MSCI Emerging Markets) stellte sich im zweiten Halbjahr sogar ein Rückgang von etwa zehn Prozent ein. Im Zuge der verringerten Dynamik an den Aktienmärkten und den steigenden Unternehmensgewinnen kam es in den zurückliegenden Monaten zu einem Rückgang der Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGVs). Dabei verringerte sich beispielsweise das KGV des S&P-500-Index – nach neuen Höchstständen im Frühjahr – auf etwa 25. Auch in Europa sind die KGVs in den letzten Monaten von Werten über 22 auf unter 18 gefallen. In Japan liegen die Werte seit gut acht Monaten bei rund 14 auf normalem Niveau. Die Renditen an den Anleihemärkten unterlagen einigen Schwankungen, verblieben aber – trotz einer deutlich ausgeprägteren Inflationsdynamik in den letzten Monaten – auf niedrigem Niveau. Nach einem Anstieg zu Beginn des Jahres befanden sich die Anleiherenditen im weiteren Jahresverlauf in einer Seitwärtsbewegung. Die Entwicklung der Staatsanleihemärkte war stark geprägt von der pandemischen Lage und damit einhergehenden Anpassungen beim Umgang der Investoren mit ihren Portfolien. Bei einer verbesserten Pandemiesituation mit geringeren Fallzahlen bei COVID-19 Neuinfektionen wurden Anleihen vermehrt durch Aktien ersetzt, was zu einem Anstieg der Renditen führte. Bei Bekanntgabe von ansteigenden Neuinfektionen wurden jedoch wieder sichere Anlageformen gesucht, was in einem Absinken der Renditen resultierte. Zudem dürften die Aussicht auf ein beschleunigtes Tapering der US-FED und eine anziehende Inflationsdynamik dort zuletzt zu einem leicht gestiegenen Renditeniveau beitragen haben. In Europa verblieben die Renditen dagegen auf einem niedrigeren
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Niveau, da sowohl die geldpolitischen Anpassungen als auch die Preisdynamik schwächer ausgefallen sind als in den USA. Während die Staatsanleihen im Rest Europas leicht positive Renditen mit sich bringen, weist die Anleiherendite in Deutschland noch immer negative Vorzeichen auf, wobei sich die Spreads innerhalb der Eurozone kaum verändert haben. Im Bereich der Unternehmensanleihen blieben die Risikoaufschläge für Unternehmen mit einer besseren Bonität weitgehend stabil, während sich jene von risikoreicheren Unternehmen vergrößerten (Europäische Kommission 2021). Da die Renditen von Unternehmensanleihen im Durchschnitt relativ stabil waren, was auch auf deutlich verbesserte Geschäftszahlen zurückzuführen ist, haben viele Unternehmen nach dem Sommer diese Situation genutzt und sich mit ausreichend Liquidität versorgt. Im Bereich der Bankfinanzierungen war die Stimmung für Unternehmen und Verbrauchern aufgrund von weiterhin historisch niedrigen Kreditkosten ebenfalls entspannt, sodass die gesamtwirtschaftliche Expansion gestützt wurde (EZB 2021b). Darüber hinaus hat sich der Trend für die Ausgabe von „grünen Anleihen“ verstärkt.
Entwicklung der Wechselkurse zum US-Dollar 1,25
1,00
7,4
120
0,90 1,20
0,80
7,2
115
0,70 1,15
0,60
7,0 110
0,50 1,10
0,40
6,8 105
6,6
0,30 1,05
0,20
100
6,4
95
6,2
0,10 1,00
0,00
Euro (linke Achse) Pfund Sterling (rechte Achse)
Renminbi (rechte Achse) Yen (linke Achse)
Quelle: Macrobond
Im Bereich der Devisenmärkte gaben die letzten Monate keine großen Überraschungen her. Der Euro verlor im letzten Quartal gegenüber seinen 42 wichtigsten Handelspartnern 0,9 Prozent an Wert. Der Euro notierte schwächer gegenüber dem Dollar (minus 1,8 Prozent), dem britischen Pfund (minus 1,2 Prozent), dem Renminbi (minus 2,8 Prozent), dem Schweizer Franken (minus 1,8 Prozent) und dem russischen Rubel (minus 5,5 Prozent). Wertzuwächse waren hingegen gegenüber der türkischen Lira und dem brasilianischen Real zu verzeichnen, da beide Länder mit hohen Inflationsraten zu kämpfen haben. Der Euro wertete zu den Währungen Ungarns, Polens und Tschechiens auf, was größtenteils auf die Anpassungen der dortigen Geldpolitik zurückzuführen sein dürfte.
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Industrieproduktion weltweit: Erholung verliert an Fahrt Der durch die Corona-Pandemie bedingte Produktionseinbruch in der Industrie dürfte im Jahr 2021 mehr als kompensiert werden. Nach Angaben des Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis (CPB) stieg die weltweite Industrieproduktion im ersten Quartal 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,8 Prozent. Im zweiten Quartal nahmen die Aktivitäten bedingt durch das niedrige Vorjahresniveau sogar um 15 Prozent zu. Zur Jahresmitte dürfte die Industriekonjunktur aber ihren Zenit überschritten haben. Nachdem die Aktivitäten in den Schwellenländern im zweiten Quartal gegenüber dem Vorzeitraum zurückgingen, begann die Produktion in den entwickelten Volkswirtschaften im dritten Quartal zu stagnieren. Die weltweite Industrieproduktion ist zwar in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,7 Prozent gestiegen. Für den weiteren Jahresverlauf zeichnet sich aber angesichts mangelnder Frachtkapazitäten sowie Lieferengpässen eine eher verhaltene Entwicklung ab. Unsere Wachstumsprognose für die weltweite Industrieproduktion von acht Prozent aus dem Frühjahr halten wir weiter aufrecht. Entwickelte Volkswirtschaften: Erholung gerät seit Sommer ins Stocken In den entwickelten Volkswirtschaften stieg die Industrieproduktion erst zur Jahresmitte 2021 wieder auf das Niveau vom Februar 2020, bevor in den meisten Industrieländern erneut Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie einsetzten. Während die Industrien im Euroraum sowie im Vereinigten Königreich noch immer weniger produzierten als vor Ausbruch der Pandemie, lag der Output der Industrien in den entwickelten asiatischen Staaten ohne Japan bereits seit August 2020 über dem Vorkrisenniveau. Die Industrieproduktion dieser Ländergruppe erhöhte sich in den ersten zehn Monaten
Entwickelte Volkswirtschaften: Industrieproduktion* 25 20
15 10 5 0 -5 -10 -15 -20
restliche entw. Volkswirtschaften Euroraum Japan USA
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*Produktionsindex: 2-Monatsdurchschnitt, kalender- und saisonbereinigt in Prozent zum Vorjahr Quellen: Macrobond, Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis (CPB)
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des laufenden Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,8 Prozent. Selbst bei stagnierender Produktion bis zum Jahresende dürfte das Produktionsplus dieser Ländergruppe für das gesamte Jahr 2021 bei plus acht Prozent liegen. Die japanische Industrie dürfte ihre Produktion im Jahr 2021 um etwas mehr als vier Prozent gesteigert haben. Damit wäre aber nicht einmal die Hälfte des pandemiebedingten Rückgangs vom minus zehn Prozent aus dem Vorjahr kompensiert. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Vereinigten Königreich, wo nach einem Rückgang von mehr als acht Prozent im Jahr 2020 die Industrieproduktion nur um etwas mehr als vier Prozent zulegen dürfte. In den USA produziert die Industrie bereits seit Jahresmitte 2021 über Vorkrisenniveau und dürfte ihren Ausstoß im Jahresergebnis um 5 ½ Prozent ausweiten. Im Euroraum dürfte das Produktionsplus mit knapp sieben Prozent sogar noch etwas höher ausfallen. In der Gruppe der sonstigen entwickelten Volkswirtschaften lag die Produktion seit Jahresbeginn 2021 über Vorkrisenniveau. Für diese Länder erwarten wir im Schnitt ein Produktionsplus von 7 ½ Prozent. Damit fiele die Jahresproduktion etwa drei Prozent höher aus als im Jahr 2019. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die entwickelten Volkswirtschaften bewegte sich in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres weiterhin im Expansionsbereich. Selbst bei Stagnation bis Jahresende ist ein Anstieg der Produktion um mehr als sechs Prozent zu erwarten. Schwellenländern: Asien stark, Afrika und Lateinamerika fallen weiter zurück Die Industrieproduktion in den Schwellenländern lag aufgrund der schnellen wirtschaftlichen Erholung in den asiatischen Staaten bereits ab November 2020 wieder auf Vorkrisenniveau. In der ersten Jahreshälfte 2021 setzte sich die konjunkturelle Erholung in dieser Ländergruppe mit Wachstumsraten von 9,1 Prozent im ersten Quartal und 15 Prozent im zweiten Quartal (Vorjahresvergleich) weiter fort. Zur Jahresmitte setzte eine Seitwärtsbewegung ein. Dabei war die Entwicklung in den einzelnen Ländergruppen recht unterschiedlich. Schwellenländer: Industrieproduktion* 20
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Afrika/Mittlerer Osten Lateinamerika Zentral- und Osteuropa Asien (ohne China) China
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*Produktionsindex: 2-Monatsdurchschnitt, kalender- und saisonbereinigt in Prozent zum Vorjahr Quellen: Macrobond, Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis (CPB)
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Das stärkste Wachstum war in den asiatischen Schwellenländern ohne China zu beobachten. Hier stieg die Industrieproduktion in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13,6 Prozent. Obwohl das Wachstumstempo zuletzt nachgelassen hat, dürfte das Produktionsplus für das gesamte Jahr 2021 mit plus 13 Prozent nicht nur im zweistelligen Bereich liegen, sondern auch höher ausfallen als in China (plus zehn Prozent). In den Ländern Zentral- und Osteuropas erreichte die Industrieproduktion erst im zweiten Quartal 2021 das Vorkrisenniveau. Das Erholungstempo ließ zur Jahresmitte jedoch wieder nach, so dass wir im Jahresergebnis nur mit einem Produktionsanstieg in einer Größenordnung von vier Prozent rechnen. Damit würde die Jahresproduktion etwa ein Prozent höher ausfallen als im Jahr 2019. In Lateinamerika produzierte die Industrie seit Jahresbeginn 2021 zwar knapp unter Vorkrisenniveau, konnte dieses Niveau aber bis zum aktuellen Rand halten. Wir rechnen für das gesamte Jahr 2021 mit einem Anstieg der industriellen Aktivitäten um knapp acht Prozent. Die jährliche Industrieproduktion Lateinamerikas wäre damit aber immer noch um 1 ½ Prozent niedriger als im Jahr 2019. In der Region Afrika und Mittlerer Osten dürfte die Produktion im Jahr 2021 um etwas mehr als drei Prozent gestiegen sein. Damit dürfte aber nur ein geringer Teil des starken Einbruchs von knapp zehn Prozent aus dem Vorjahr kompensiert worden sein. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie in den Schwellenländern bewegte sich von August bis Jahresende 2021 im Expansionsbereich. Selbst bei Stagnation in den letzten beiden Monaten dürfte die Industrieproduktion dieser Ländergruppen im Jahr 2021 um neun Prozent im Vorjahresvergleich zunehmen.
Welthandel und ausländische Direktinvestitionen Nach Einschätzung des IWF vom Oktober hat der Welthandel 2021 um 9,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Damit konnte sich der Welthandel von seinem Corona-bedingten Einbruch im Jahr 2020 (minus 8,2 Prozent) erholen, der globale Warenverkehr ist im Jahr 2021 wieder recht rund gelaufen. Allerdings war im dritten Quartal 2021 ein Rückgang zu verzeichnen, das Netherlands Bureau for Economic Policy geht von minus 1,1 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal aus. Ausschlaggebend war eine rückläufige Nachfrage, vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern (minus 1,9 Prozent Importe gegenüber dem zweiten Quartal). Der RWI/ISL-Containerumschlag-Index, mit dem die Entwicklung des Welthandels auf Grundlage der Auslastung der weltweit wichtigsten Containerhäfen prognostiziert wird, weist dennoch mit einem Wert von mittlerweile 125,3 (Dezember) ein hohes Niveau auf. Der Containerumschlag hatte sich gegen Jahresende deutlich erhöht, was zur Überwindung der weltweiten Lieferengpässe beiträgt. Allerdings sind durch die rasche Ausbreitung der Omikron-Variante des Corona-Virus erneute Belastungen des Containerumschlags nicht unwahrscheinlich. Im Oktober ging der IWF allerdings noch von einem Wachstum des Welthandels in Höhe von 6,7 Prozent aus. Im Zuge der globalen Corona-Pandemie waren die weltweiten Investitionsströme im Jahr 2020 um dramatische 42 Prozent eingebrochen. Im Jahr 2021 hat die grenzüberschreitende Investitionstätigkeit aber wieder erheblich zugenommen, laut UNCTAD konnte im ersten Halbjahr des Jahres 70 Prozent der Verluste des Vorjahres aufgeholt werden. Besonders stark haben die Industrieländer vom FDIZustrom profitiert, die EU lag zuletzt nur noch knapp unter dem Vorkrisenniveau. Die UNCTAD geht von einer weiteren Erholung der Investitionstätigkeit aus.
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USA: Aufschwung verliert an Kraft Konjunkturelle Entwicklung Nachdem die US-Wirtschaft im Jahr 2020 stark von der Corona-Krise getroffen wurde, deutete sich zunächst eine konjunkturelle Erholung für das Jahr 2021 an. In den ersten beiden Quartalen 2021 stieg das BIP saisonbereinigt annualisiert um jeweils 6,3 beziehungsweise 6,7 Prozent. Laut erster Schätzungen des Bureau of Economic Analysis (BEA) ist das Wachstum im dritten Quartal 2021 allerdings mit einer annualisierten Wachstumsrate von 2,3 Prozent deutlich abgeflacht. Dies ist auf wieder steigende Covid-19-Fallzahlen zurückzuführen, die neue Restriktionen mit sich brachten oder Unternehmen dazu veranlassten, Öffnungspläne zu verschieben. Gleichzeitig gingen Transferleistungen der Regierung an Unternehmen und Privathaushalte zurück (BEA 2021a). Lagen die Wachstumsschätzungen der OECD für das Jahr 2021 im Mai 2021 noch bei 6,9 Prozent, so fällt die Prognose im Dezember 2021 mit 5,6 Prozent etwas niedriger aus. Für die Jahre 2022 und 2023 wird ein Wachstum von jeweils 3,7 Prozent und 2,4 Prozent erwartet (OECD 2021). Für das Jahr 2021 gehen der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäische Kommission ebenfalls von einem kräftigen Wachstum von jeweils sechs beziehungsweise 5,8 Prozent aus. Für das Jahr 2022 wird vom IWF ein ebenfalls deutliches Wachstum von 5,2 Prozent prognostiziert, während die Europäische Kommission von einer etwas niedrigeren Wachstumsrate von 4,5 Prozent ausgeht (IWF 2021, Europäische Kommission 2021). Wir rechnen mit 3¾ Prozent realem Wachstum. Die US-Arbeitslosenzahlen stellen die drastischen Auswirkungen der Corona-Krise auf die US-Wirtschaft besonders deutlich dar. Kurz vor Beginn der Corona-Krise im Februar 2020 lag die Arbeitslosenquote noch bei 3,5 Prozent. Im April 2020 stieg sie dramatisch auf 14,8 Prozent an. Seit diesem Höchstwert ist die Zahl der Arbeitslosen zwar deutlich gesunken, liegt aber mit einem Wert von 4,2 Prozent im November 2021 noch immer über dem Vorkrisenniveau (Bureau of Labor Statistics 2021a). Die Arbeitslosenquote von mehreren Minderheitengruppen und Jugendlichen liegt dabei teils deutlich über dem Durchschnittswert (Bureau of Labor Statistics 2021b). OECD-Schätzungen zufolge soll die Arbeitslosenquote im Jahr 2022 weiter sinken (auf 3,8 Prozent) und im Jahr 2023 mit 3,4 Prozent sogar etwas unter das Vorkrisenniveau fallen (OECD 2021). Nach einem deutlichen Einbruch der Stimmung der US-Konsumenten im Jahr 2020 war sie bis Mitte 2021 laut U.S. Consumer Confidence Survey, einem Barometer für die Verbraucherlaune, wieder merklich auf einen Wert von über 120 Punkte gestiegen. Im weiteren Jahresverlauf konnte sich dieser hohe Wert allerdings nicht halten und lag im Dezember 2021 mit 115,8 Punkten etwas unter dem Jahreshöchstwert. Im Vergleich zum Wert des Vormonats (111,9 Punkte) war aber ein leichter Anstieg der Konsumlaune zu vermerken. (The Conference Board 2021). Auch die US-Konsumausgaben steigen stetig an: Im November zeigte sich ein Anstieg von 0,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im Oktober 2021 war dieser Anstieg mit 1,4 Prozent verglichen mit dem Vormonatswert noch deutlicher. Auch das private verfügbare Haushaltseinkommen ist im Oktober und November jeweils leicht um 0,4 Prozent gestiegen, nachdem es im September um 1,3 Prozent gesunken war (Werte jeweils im Vergleich zum Vormonat (BEA 2021b)). Seit dem Frühjahr 2021 steigen die Preise und die Inflation in den USA signifikant an. Laut Angaben des Bureau of Labor Statistics kletterte der Consumer Price Index im November 2021 um fast 6,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dies stellt den größten 12-Monats-Anstieg seit Juni 1982 dar. Insbesondere stark steigende Rohstoffpreise sorgen für einen starken Inflationsdruck: Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Preise für Benzin im November 2021 um 58,1 Prozent und die Heizölpreise um 59,3 Prozent an (Bureau of Labor Statistics 2021c).
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Staatsschulden In Anbetracht der fiskalischen Maßnahmen und Konjunkturpakete ist ein Anstieg des US-Haushaltsdefizits nicht überraschend. Das Congressional Budget Office (CBO) veröffentlichte im Juli 2021 eine aktualisierte Einschätzung über die Staatsfinanzen im Fiskaljahr 2021. Laut dieser wird die US-Verschuldung die Wirtschaftsleistung des Landes übersteigen und Ende 2021 eine Schuldenquote von 103 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreichen. Demnach wird das Haushaltsdefizit im Jahr 2021 etwa drei Billionen US-Dollar betragen, was 13,4 Prozent des US-BIP entspricht. Dies wäre die zweithöchste relative Neuverschuldung seit 1945. Aufgrund des Corona-Konjunkturpaketes Ende des Jahres 2020 betrug das Haushaltsdefizit im Jahr 2020 sogar 14,9 Prozent des US-BIP. In den Projektionen des CBO wird das Haushaltsdefizit bis 2024 zwar sinken (2,9 Prozent des BIP in 2024), danach wird es Schätzungen zufolge allerdings wieder steigen und im Jahr 2031 5,5 Prozent des US-BIP erreichen. Damit wird der Wert wieder deutlich über dem 50-Jahres-Durchschnitt von 3,3 Prozent liegen (CBO 2021). Außenhandel Der US-Außenhandel war im Corona-Krisenjahr 2020 ebenfalls eingebrochen. Im dritten Quartal konnte sich der Abwärtstrend allerdings schon wieder umkehren und seither steigen sowohl Exporte als auch Importe kontinuierlich. Die US-Exporte von Waren und Dienstleistungen betrugen BEA-Angaben zufolge im dritten Quartal 2021 saisonbereinigt etwa 632 Milliarden US-Dollar – verglichen mit dem Vorjahresquartal hat sich das Exportvolumen deutlich um 20,9 Prozent gesteigert. US-Importe von Waren und Dienstleistungen hingegen betrugen im dritten Quartal 2021 über 857 Milliarden USDollar, was ebenfalls einem signifikanten Zuwachs von 20,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal entspricht (BEA 2021c). Die OECD prognostiziert für 2021 einen Zuwachs an US-Exporten von Waren und Dienstleistungen von 3,8 Prozent und für das Jahr 2022 einen Anstieg von 3,4 Prozent. Für US-Importe von Waren und Dienstleistungen wird ein Anstieg von 13,4 Prozent im Jahr 2021 und ein Plus von sechs Prozent erwartet (OECD 2021). Fiskalische Maßnahmen der Biden-Administration Einige fiskalische Maßnahmen und Notfallpakete zur Unterstützung sowohl privater Haushalte als auch von Unternehmen während der Corona-Pandemie, die von den Trump- und Biden-Administrationen eingeführt wurden, sind inzwischen ausgelaufen oder wurden zurückgefahren. Hierzu gehören beispielsweise der Child Tax Credit im Januar 2022, die Ausweitung der Arbeitslosenversicherung im September 2021 oder das Paycheck Protection Program im September 2021 (New York Times 2022). Diese Änderungen wirken sich auch auf die Wirtschaftsleistung des Landes aus. Neben einer Reihe von Notfallmaßnahmen legte US-Präsident Joe Biden während seines ersten Jahres im Amt einige Gesetzespakete vor, die ein historisches Maß an Sozial- und Infrastrukturausgaben vorsehen. Einige dieser Gesetzespakete konnten bereits vom Kongress verabschiedet werden und in Kraft treten. Hierzu gehören der American Rescue Plan, der im März 2021 in Kraft getreten ist und ein Gesamtvolumen von etwa 1,9 Billionen US-Dollar, insbesondere für Sozialausgaben, umfasst (White House 2021a). Im November 2021 wurde nach monatelangen Verhandlungen ein Infrastrukturpaket, der sogenannte Infrastructure Investment and Jobs Act, mit breiter Zustimmung aus beiden Parteien verabschiedet.
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Laut Angaben des Weißen Hauses wird das Gesetzespaket dazu beitragen, den Inflationsdruck zu mindern, Lieferketten zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen. Das Paket umfasst ein Gesamtvolumen von über einer Billion US-Dollar für Infrastruktur- und Sozialausgaben, unter anderem Infrastrukturinvestitionen von: ▪
▪ ▪ ▪ ▪
110 Milliarden US-Dollar für die Sanierung und den Ausbau von Straßen und Brücken sowie insgesamt 42 Milliarden US-Dollar für die Modernisierung der Hafen- und Flughafeninfrastruktur, Insgesamt 120 Milliarden US-Dollar für den Ausbau der Wasserversorgung und der Breitbandinfrastruktur, 39 Milliarden US-Dollar für die Modernisierung und den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel sowie 66 Milliarden US-Dollar für den Ausbau des US-Schienenverkehrs, 65 Milliarden US-Dollar für die Modernisierung der Stromnetze, 50 Milliarden US-Dollar zur Stärkung der US-Infrastruktur zum Schutz vor Folgen des Klimawandels, Wetterereignissen oder Cyberattacken (White House 2021b).
Im Oktober stellte Präsident Biden seinen Vorschlag für den sogenannten Build Back Better Act vor. Das Gesetzespaket umfasst ein Gesamtvolumen von 1,75 Billionen US-Dollar. Kern des Gesetzespaketes sind vor allem Ausgaben für Kinderbetreuung und Gesundheitsvorsorge sowie Investitionen in den Klimaschutz. Unter anderem sind folgende Ausgaben und Investitionen geplant: ▪ ▪ ▪ ▪
400 Milliarden US-Dollar für Kinderbetreuung und Vorschule, 200 Milliarden US-Dollar für Steuererleichterungen, insbesondere für Familien, 555 Milliarden US-Dollar für Investitionen in saubere Energie und Klimaschutz, 130 Milliarden US-Dollar für die Ausweitung des Affordable Care Acts (ACA).
Finanziert werden soll dieses Paket durch Steuererhöhungen für große Unternehmen und private Spitzenverdiener, die vor allem von den Steuersenkungen der Trump-Administration profitiert haben. Individuelle Einkommen unter 400.000 US-Dollar sollen nicht höher besteuert werden. Während das Gesetzt bereits vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde, konnte es im Senat bisher nicht verabschiedet werden, nachdem Senator Joe Manchin (Demokrat aus West Virginia) kurz vor Weihnachten mitteilte, nicht für das Gesetz in seiner aktuellen Form stimmen zu wollen. Er begründete diesen Schritt mit Sorgen über eine weiter steigende Staatsverschuldung sowie der steigenden Inflation (New York Times 2021). Somit ist derzeit unklar, wann und in welcher Form dieses Gesetzespaket verabschiedet werden kann, das einen zentralen Baustein von Präsident Bidens innenpolitischer Agenda darstellt.
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U.S. BIP Wachstum nach Quartalen (annualisiert) 40
33,8
30 20 10
4,5
6,3
Q4
Q1
6,7
2,3
0 -10
-5,1
-20
-30 -31,2 -40 Q1
Q2
Q3 2020
Q2
Q3 2021
Quelle: Bureau for Economic Analysis
China: Wachstumsverlangsamung und Turbulenzen am Immobilienmarkt Das chinesische Wirtschaftswachstum verlangsamt sich weiter. Während im Jahresverlauf ein Wachstum von 8,1 Prozent zu verzeichnen war, wuchs Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2021 im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent. Eine restriktivere Kreditvergabe hat vor allem die wachstumsstarken Sektoren belastet. Unterbrechungen in den Lieferketten und bei der Energieversorgung führten zu höheren Kosten und setzten Chinas Produzenten weiterhin unter Druck. Aufgrund der schwachen Binnennachfrage konnten die steigenden Produzentenpreise nur begrenzt an die inländischen Verbraucher weitergegeben werden. Der chinesische Exportsektor ist trotz steigender Inputkosten und Unterbrechungen der Versorgungskette nach wie vor der wichtigste Wachstumstreiber. Dies könnte sich jedoch ändern, sobald sich der globale Wettbewerbsdruck wieder erhöht. Für 2022 wird für China ein Wachstum von etwas über fünf Prozent erwartet. Kreditwachstum dämpft Aktivität Chinas Politik konzentriert sich wieder verstärkt auf den Schuldenabbau und die Verringerung der Abhängigkeit der Wirtschaft vom schuldenfinanzierten Wachstum. Die neuen inländischen Kredite beliefen sich im September auf rund 29,7 Billionen US-Dollar (191,2 Billionen Renminbi) und wuchsen damit im Jahresvergleich nur um 11,7 Prozent, was das langsamste inländische Kreditwachstum seit über zehn Jahren darstellt. Das belastet vor allem die Wirtschaftstätigkeit im Immobilien- und Industriesektor. Gerade für kleinere Privatunternehmen ist es schwierig, sich zu finanzieren. Immobilienmarkt in einer Anpassungskrise Die Wachstumsdynamik in der Immobilien- sowie in der Baubranche ist 2021 weiter zurückgegangen. Die Verlangsamung des Einkommenswachstums der privaten Haushalte und die Ungewissheit über
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die Auswirkungen von Chinas regulatorischem Durchgreifen im Immobiliensektor haben die Verbrauchernachfrage nach Wohnraum gedämpft. Die verkaufte Nutzfläche von Geschäftsgebäuden erreichte fast 1,8 Milliarden Quadratmeter, ein Anstieg von nur noch 1,9 Prozent. Der Gesamtumsatz von Geschäftsgebäuden belief sich auf fast 18,2 Billionen Yuan, ein Anstieg um 4,8 Prozent. Die Verkaufsschwäche ist für chinesische Immobilienentwickler problematisch, da sie Schwierigkeiten haben, neue Barmittel zu beschaffen, um die Ende 2020 eingeführten aufsichtsrechtlichen Anforderungen zu erfüllen. Im Fokus der medialen Aufmerksamkeit steht dabei der mit über 300 Milliarden US-Dollar verschuldete Branchenriese Evergrande, der zuletzt die letzte Frist für eine Rückzahlung von Zinsen für Auslandsanleihen in Höhe von 82,5 Millionen US-Dollar verstreichen ließ und damit de facto zahlungsunfähig ist. Infrastrukturinvestitionen auf sehr niedrigem Niveau Infrastrukturinvestitionen bleiben gedämpft, da die lokalen Regierungen mit geringeren Steuereinnahmen konfrontiert sind und die chinesische Zentralregierung versucht, das Schuldenwachstum der lokalen Regierungen einzudämmen. Die Anlageinvestitionen in die Infrastruktur verlangsamten sich 2021 weiter, und lagen nur um 0,4 Prozent über denen des Vorjahres. In den strukturschwachen westlichen Provinzen Chinas war der Rückgang der Infrastrukturinvestitionen besonders stark. Die wirtschaftliche Kluft zu den weiter entwickelten östlichen Provinzen hat sich nochmal vergrößert. Industrieproduktion verliert an Schwung Das Wachstum des chinesischen Industriesektors verlangsamte sich ebenfalls, wobei die industrielle Wertschöpfung 2021 noch um 9,6 Prozent stieg. Vor allem das exportorientierte Verarbeitende Gewerbe expandierte weiter, um die Nachfrage aus dem Ausland zu befriedigen. Dennoch belasten das langsamere Wachstum in der Schwerindustrie und im Automobilsektor die chinesische Wirtschaft, während zeitweilige Energieknappheit und von der Regierung verordnete Stilllegungen energieintensiver Produktionen diese Verlangsamung noch verschärft haben. Betrachtet man einzelne Produktgruppen, ist die Produktion von Elektrofahrzeugen, Industrierobotern, integrierten Schaltkreisen und Mikrocomputern um jeweils 145,6 Prozent, 44,9 Prozent, 33,3 Prozent bzw. 22,3 Prozent besonders stark gewachsen. Exporte und Direktinvestitionen weiter auf hohem Niveau 2021 ist Chinas Außenhandel deutlich um 21,4 Prozent gestiegen, wobei die Exporte um 21,2 Prozent und die Importe um 21,5 Prozent zugenommen haben. Die hohe Exporttätigkeit war auch eine Hauptstütze der chinesischen Wirtschaft im Jahr 2021. Der Handelsbilanzüberschuss lag im Jahr 2021 bei rund 688 Milliarden US-Dollar. Während der Preisauftrieb bei Rohstoffen und Vorprodukten zum Wertanstieg von Ein- und Ausfuhren beitrug, konnten Chinas Exporteure im Verlauf der Pandemie vor allem auch die anhaltenden Verwerfungen in der weltweiten Industrieproduktion für sich nutzen, um Marktanteile auszubauen. So konnte China bereits 2020 erstmals Deutschland als Exportweltmeister im Maschinenbau ablösen. Allerdings dürften die Wachstumsimpulse für die chinesische Wirtschaft durch die Ausfuhren im Laufe des Jahres 2022 deutlich nachlassen, sobald sich andere exportorientierte Nationen erholen und wieder verstärkt auf den internationalen Märkten konkurrieren. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den ausländischen Direktinvestitionen (FDI). Hier erschien die im Vergleich zu anderen Märkten stabile chinesische Wirtschaft attraktiver und zog verstärkt Investitionsströme an. Bis zum November 2021 verzeichnete China FDI in Höhe von 157 Milliarden US-Dollar, ein
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Anstieg von 15,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch hier dürfte das Wachstum wieder abflachen, sobald die Weltwirtschaft wieder in Gang kommt. Dienstleistungen noch Corona-bedingt schwach Chinas Dienstleistungssektor legte 2021 mit einem Wachstum von 8,2 Prozent zwar weiter zu, jedoch ist mit einer neuen Verlangsamung der Wachstumsdynamik zu rechnen. Aktuell dürften neue Verbote, um die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen, vor allem während der anstehenden Reisezeit rund um das chinesische Neujahr sowie für die Dauer der Olympischen Winterspiele im Februar 2022 weiter auf die Ausgaben für den Tourismus drücken. Insbesondere in einigen südlichen und westlichen Regionen beeinträchtigen die Reisebeschränkungen den Tourismus weiter. Im abgelaufenen Jahr gingen auch die Ausgaben im Gaststättengewerbe aufgrund der COVID-19-bedingten Beschränkungen zurück. Im Dienstleistungssektor sind die Beschäftigung und das Wachstum der Haushaltseinkommen insgesamt zurückgegangen. Einkommen und Konsum der privaten Haushalte legen nur moderat zu Das Wachstum des verfügbaren Pro-Kopf-Einkommens lag 2021 bei 9,1 Prozent. Das reale Wachstum lag nach Abzug der Preisfaktoren bei 8,1 Prozent. Angesichts des schwächeren Wachstums der Haushaltseinkommen und der Tatsache, dass die chinesischen Verbraucher aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheit eher zum Sparen neigen, bleibt der Konsum in der chinesischen Wirtschaft weiterhin schwach. Die Einzelhandelsumsätze, eine wichtige Kennzahl für den Konsum, stiegen zwar insgesamt noch um 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wobei aber im Dezember der Gesamtumsatz bei Konsumgütern im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 1,7 Prozent angestiegen ist. Der OnlineEinzelhandelsumsatz hat 2021 mit einem Wachstum von 14,1 Prozent zwar weiter angezogen, blieb aber unter dem Durchschnitt der Jahre zuvor. Ein belastender Faktor für den Konsum ist auch die fragile Situation auf dem Arbeitsmarkt. Hier ist die Aussagekraft der offiziellen nationalen Statistik aufgrund der politischen Sensibilität des Themas wenig zuverlässig. Laut den offiziellen Daten lag landesweit die städtische Arbeitslosigkeit im November 2021 bei 5,1 Prozent. Es ist aber davon auszugehen, dass vor allem die abrupten regulatorischen Eingriffe bei den Internet-Plattformen, das politisch motivierte und abrupte Abwürgen des kommerziellen Nachhilfesektors mit seinen schätzungsweise zehn Millionen Beschäftigten oder die Krise des Immobiliensektors unvermeidlich Bremsspuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen haben. Hinweise hierauf ergeben sich aus lokalen Statistiken: So stieg die Zahl der Arbeitslosenbezieher in Shanghai, die in den Jahren von 2013 bis 2019 im Schnitt bei 100.000 Personen lag, 2021 bis zum dritten Quartal um mehr als das Sechsfache auf über 650.000. Chinas Zentralbank hält Geldpolitik straff Chinas Zentralbank konzentriert sich darauf, das schwächelnde Wachstum zu stützen, ohne die Bemühungen um einen Schuldenabbau zu verringern oder die Inflationssorgen zu verschärfen. Während Beamte der Zentralbank nach dem Ausbruch von COVID-19 in China noch lautstark auf die Bekämpfung des Inflationsdrucks und die Normalisierung der Geldpolitik hinwiesen, hat die People's Bank of China (PBoC) zwischenzeitlich erstmals einige expansive Maßnahmen wie die Senkung des Mindestreservesatzes im Juli und Dezember und größere Liquiditätsspritzen im Oktober durchgeführt. In ihrem Bemühen, den Inflationsdruck einzudämmen, hatte die PBOC jedoch die Leitzinsen für Unternehmensund Haushaltskredite seit dem Frühjahr 2020 nicht gesenkt, obwohl die Investitionen in den wachstumsstarken Sektoren erheblich zurückgingen. Erst in der zweiten Dezemberhälfte 2021 senkte die
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Zentralbank die einjährige Loan Prime Rate (LPR) um fünf Basispunkte auf 3,80 Prozent. Die fünfjährige LPR beließ sie hingegen unverändert. Anfang 2022 wurde dann der Leitzins nochmal leicht um 0,1 Prozent gesenkt. Letztendlich zeigt das Vorgehen der PBOC, die Liquidität in erster Linie über Senkungen der Mindestreservesätze zu erhöhen und möglichst lange eine Senkung der Leitzinsen zu vermeiden, ihre Absicht, kurzfristige wirtschaftliche Probleme zu lindern und gleichzeitig eine groß angelegte monetäre Expansion zu vermeiden. Allerdings könnten die Zinssenkungen zum Jahreswechsel erste Vorboten für weitere Zinsschritte im Laufe des Jahres 2022 sein. Anstieg der Verbraucherpreise moderat, Erzeugerpreise jedoch sehr dynamisch Die Kluft zwischen den steigenden Erzeugerpreisen und dem sich verlangsamenden Wachstum der Verbraucherpreise hat gegen Ende 2021 ein Rekordniveau erreicht und verschärft den Kostendruck auf die chinesischen Produzenten. Der chinesische Erzeugerpreisindex (PPI), der die Steigerungsrate der Inputpreise für die inländischen Unternehmen Chinas misst, ist seit Mai 2020 stark gestiegen. Darin spiegeln sich auch die weltweit anziehenden Rohstoffpreise und die erhöhten Transportkosten. Weitere preistreibende Faktoren sind die zusätzlichen Kosten von Lieferunterbrechungen, die durch Stromausfälle und staatlich verordnete Produktionsdrosselungen bei energieintensiven Inputgütern, wie zum Beispiel Stahl oder Beton, verursacht wurden. Nach Angaben des chinesischen Statistikamtes stieg 2021 der chinesische Erzeugerpreisindex im Jahresvergleich um 8,1 Prozent, während die Verbraucherpreise lediglich einen Anstieg um 0,9 Prozent verzeichneten. Die steigenden Exportpreise deuten darauf hin, dass die Hersteller in den exportorientierten Industrien begonnen haben, die steigenden Kosten auf die ausländischen Märkte zu übertragen und damit zum globalen Inflationsdruck beitragen. Aufgrund der schwachen Inlandsnachfrage haben die chinesischen Hersteller bisher davon abgesehen, die höheren Preise an die inländischen Verbraucher weiterzugeben, so dass die Verbraucherpreisinflation gedämpft bleibt. China: Inflationsentwicklung* 2020/2021 15
13,5 12,9 10,7 Konsumentenpreise
10
9,0 8,8 9,0
9,5
10,3
Produzentenpreise 6,8 4,4
5 5,4 5,2 1,7
4,3 0,1 0
3,3 -0,4 -1,5
2,4 2,5 2,7 2,4
0,3
2,3 -0,5 0,2 1,7 1,5 1,3 1,1 1,0 0,9 0,8 0,7 0,4 -2,4 -2 -2,1 0,5 -0,4 -0,3 -0,2 -3 -3,1 -3,7 -1,5 -2,1
1,5
-5 2020
2021
*Veränderung ggü. Vorjahr in Prozent Quelle: National Bureau of Statistics of China
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Ausblick für 2022: moderates Wachstum Nachdem Chinas Wirtschaft besser durch das Krisenjahr 2020 gekommen ist als die meisten anderen großen Ökonomien, war das Wirtschaftswachstum im Jahr 2021 insgesamt wieder sehr stark. Allerdings war gerade das letzte Quartal 2021 verhältnismäßig schwach, so dass der Ausblick für 2022 durchwachsen bleiben dürfte. Ende des Jahres schlugen nicht nur konjunkturelle Faktoren zu Buche, sondern auch harte regulatorische Eingriffe, vor allem in den Tech-Sektor oder am überhitzten Immobilienmarkt. Besonders große und teilweise systemrelevante Immobilien-Entwickler wie Evergrande oder Kaisa stehen seit Monaten unter finanziellem Druck. Auf der Zentralen Wirtschaftsarbeitskonferenz der chinesischen Regierung im Dezember 2021 stand deswegen vor allem Stabilität im Mittelpunkt. Zwar ist erstmal nicht mit einer neuen Welle an großen wirtschaftlichen Stimuli zu rechnen, aber es dürfte zumindest mehr Zurückhaltung geben, was regulatorische Eingriffe betrifft, die sich negativ auf das Wachstum auswirken könnten. Zudem dürfte die Finanzpolitik nicht mehr so bremsend ausgerichtet sein. Auch ist es unwahrscheinlich, dass die chinesische Regierung die großen Immobilienentwickler unkontrolliert in die Zahlungsunfähigkeit gehen lassen würde, da dies zu negativen wirtschaftlichen Wellen- und Schneeballeffekten führen könnte. An einzelnen fiskal- und geldpolitischen Stellschrauben wird auch mit weiterer Unterstützung in Form von öffentlichen Investitionen oder Erleichterungen für Kreditnehmer zu rechnen sein. Dies alles dürfte für eine leichte Erholung bei den Konsumausgaben der privaten Haushalte und bei den Investitionen reichen. Auch der Außenhandel dürfte einen Wachstumsbeitrag beisteuern. Allerdings muss sich die chinesische Regierung generell die Frage stellen, woher in den nächsten Jahren das Wachstum kommen soll. Sowohl Infrastrukturprojekte als auch Immobilien- und Bauprojekte fallen aufgrund der Sättigung nach der jahrelangen Boom-Phase zunehmend aus der Gleichung. Der Binnenkonsum bleibt nach wie vor hinter den Erwartungen und bei den Exporten muss sich zeigen, inwieweit Chinas Außenhandelspartner in Zukunft noch gewillt sind, Chinas harte, und stark auf Unabhängigkeit gerichtete Außenhandelspolitik zu akzeptieren.
Euroraum und EU Die starke Nachfragedynamik bei fortbestehenden Angebotsengpässen wird auch das laufende Jahr konjunkturell prägen. Der heftige Ausbruch der Omikron-Infektionswelle wird jedoch die Konsumausgaben und die Investitionstätigkeit zumindest im ersten Quartal dämpfen und die Auftriebskräfte erst zeitverzögert wirken lassen. Sollte es zu keinen erheblichen Produktions- und Transportproblemen im Euroraum und der EU kommen, ist ein Wachstum von 3¾ Prozent 2022 zu erwarten. Der private Verbrauch erholte sich in im zweiten und dritten Quartal 2021 deutlich, blieb aber im dritten Quartal noch 2,4 Prozent unterhalb des Vorkrisenniveaus (EZB 2021a). Nichtsdestotrotz waren die europäischen Verbraucher die tragende Kraft der wirtschaftlichen Erholung. Für das Gesamtjahr 2021 ist mit einem Anstieg des privaten Konsums von 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu rechnen (EZB 2021a). Die verbesserte Konsumlage ist vor allem auf die Fortschritte der Impf-Kampagnen und die Verbesserung der allgemeinen wirtschaftlichen Situation zurückzuführen. Damit einher ging ein starker Rückgang der Sparquote, der sich in 2022 – wenn auch weniger stark – fortsetzen soll. Der private Verbrauch dürfte sich in diesem und im nächsten Jahr kontinuierlich erholen, wobei die Erho-
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lung im ersten Quartal 2022 zeitweise langsamer verlaufen dürfte. Ursächlich hierfür sind Unsicherheitsfaktoren wie die erhöhten Energiepreise und mögliche Auswirkungen infolge der Ausbreitung der Omikron-Variante. Die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen war im zweiten Halbjahr 2021 aufwärtsgerichtet, getragen von vollen Auftragsbüchern der Unternehmen infolge einer erstarkten innereuropäischen und globalen Nachfrage. Jedoch sorgten die Lieferengpässe für Gegenwind. Dieser war besonders in der Automobilbranche zu spüren. Zu den Lieferengpässen, die in diesem Jahr und 2023 nur langsam abklingen werden, kommt ein zunehmender Fachkräftemangel. Diese Engpässe zusammen mit hohen Energiekosten und der Unsicherheit in der Pandemieentwicklung stellen die Hauptrisiken für die Europäische Wirtschaft 2022 dar. Dem entgegen stehen positive Auswirkungen eines weiterhin günstigen Finanzierungsumfelds und Sondereffekten wie dem europäischen Ausgaben- und Investitionsprogramm NextGenerationEU, die die gesamtwirtschaftliche Entwicklung stützen. Die Bautätigkeit stand bereits im zweiten Quartal 2021 zwei Prozent über dem Niveau des vierten Quartals 2019 und wies damit in der ersten Jahreshälfte eine gute Entwicklung auf. Ähnlich wie bei den Bruttoanlageinvestitionen kam es aber auch hier zu Wachstumseintrübungen durch verlängerte Lieferzeiten und einen Fachkräftemangel. Dieser Trend dürfte auch 2022 anhalten und in Verbindung mit einem Nachfrageanstieg, beispielsweise durch das Abschmelzen von Spareinlagen, höhere Baukosten und einen Anstieg der Immobilienpreise hervorrufen. Bei den Exporten setzte sich der Erholungsprozess 2021 weiter fort. Die Exporte haben in der Eurozone im vergangenen Jahr um 9,3 Prozent zugelegt (EZB 2021a). Dies ist auf eine erstarkte globale Nachfrage im Gütermarkt und auch auf eine Ausweitung der Aktivitäten im Dienstleistungssektor, beispielsweise durch einen belebteren Tourismus, zurückzuführen. Eine dämpfende Wirkung haben erneut der Material- und Fachkräftemangel entfaltet. Dagegen hat sich die moderate Abwertung des Euro – insbesondere gegenüber den wichtigsten Handelspartnern – positiv auf die Exporte ausgewirkt. Der Anstieg der Importe wird auf sieben Prozent geschätzt. Der Leistungsbilanzsaldo ist somit weiterhin positiv, sodass für 2021 mit einem Überschuss von zwei Prozent des BIP gerechnet werden kann. Für 2022 ist ein ähnlicher Wert zu erwarten (EZB 2021a).
Angebotsengpässe bremsen deutsche Wirtschaft aus In den zurückliegenden Monaten haben die angebotsseitigen Engpässe weiter zugenommen. Dadurch wurden die konjunkturelle Erholung und die Wertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland zunehmend negativ beeinträchtigt. Ende 2021 waren über 70 Prozent der produzierenden Unternehmen von entsprechenden Engpässen betroffen. Eine branchenspezifische Betrachtung zeigt, dass die Automobilindustrie (inkl. Zulieferer), der Maschinenbau, die Metallindustrie sowie große Teile der Kunststoff- und Chemieindustrie im Laufe des Jahres 2021 besonders von den Engpässen in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Ein breiter Mix an Ursachen Die Engpässe lassen sich dabei auf vielschichtige Entstehungsfaktoren zurückführen, die sich gegenseitig verstärken: An erster Stelle stehen die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Auf der Angebotsseite haben pandemiebedingte Maßnahmen (z.B. regionale Lockdowns) zu einer temporären Re-
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duktion von Produktions- und Transportkapazitäten beigetragen. Dadurch wurden die globalen Lieferketten zeitweise empfindlich gestört. Gleichzeitig ist es zu erheblichen Schwankungen auf der Nachfrageseite gekommen, was dazu beigetragen hat, dass vorhandene Kapazitäten innerhalb kürzester Zeit entweder kaum ausgelastet oder überlastet waren. Die pandemiebedingten Effekte werden durch strukturelle Faktoren zusätzlich verstärkt. Dabei spielen neben kurzfristig rigiden Produktionskapazitäten auch eine langfristig steigende Nachfrage (z.B. nach elektronischen Ausrüstungen) und ein zunehmender Fachkräftemangel im Transportwesen eine entscheidende Rolle. Hier kann beispielhaft der Mangel an LKW-Fahrern in vielen europäischen Staaten angeführt werden. Zusätzlich haben politische Faktoren – beispielsweise bestehende Handelskonflikte zwischen China und den USA – oder starke zyklische Schwankungen der globalen Konjunktur die Engpass-Problematik verschärft. Und nicht zuletzt hat die chinesische Regierung zum Teil die Produktion von einigen Metallen durch die Stromrationierung gedrosselt. Viele Branchen betroffen Die Engpässe manifestieren sich in unterschiedlichen Bereichen: Die angebotsseitige Verfügbarkeit von Roh- und Vorprodukten hat sich im Jahresverlauf substanziell verschlechtert. Davon sind nahezu alle Rohstoffklassen betroffen, die für das Verarbeitende Gewerbe von Bedeutung sind. Hierzu zählen in erster Linie Eisen, Metalle und Kunststoffe. Auch die für die doppelte Transformation der Wirtschaft bedeutsamen Rohstoffe (z.B. Lithium und Kobalt) stellen vermehrt Engpassfaktoren dar. Als besonders schwerwiegend erweist sich allerdings die mangelnde Verfügbarkeit von Halbleitern und Chips. Die deutsche Automobilindustrie ist davon, auch im internationalen Vergleich, in besonderer Weise getroffen. Darüber hinaus haben sich auch im Transportwesen nennenswerte Engpässe herausgebildet, die neben pandemiebedingten Auswirkungen durch Sondereffekte beispielsweise durch die temporäre Sperrung des Suez-Kanals ausgelöst wurden. Davon sind der Schiffs- und Straßenwarenverkehr betroffen, was sich in Wartezeiten und sprunghaft steigenden Transportkosten widerspiegelt. Infolge der Wartezeiten im Schiffsverkehr waren phasenweise über zehn Prozent der weltweiten Container-Kapazitäten gebunden. Produktionseinbußen gegenüber Normalbetrieb deutlich spürbar Mit den Engpässen gehen spürbare Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland einher. Erstens trugen die Engpässe maßgeblich zu einer rückläufigen Produktion in der zweiten Jahreshälfte 2021 bei, obwohl sich die Auftragslage durchweg positiv entwickelt hat. Die Engpässe sind deshalb als wesentlicher Treiber des Auseinanderklaffens von Produktion und Auftragseingängen anzusehen. Ohne die bestehenden Engpässe hätte die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe Ende 2021 schätzungsweise um sieben bis zehn Prozentpunkte über dem tatsächlichen Niveau gelegen. Dies entspricht einem Wertschöpfungsverlust von weit über 50 Milliarden Euro 2021. Allein die Engpässe in der Automobilindustrie dämpften das deutsche BIP 2021 um etwa 1,5 Prozent. Entspannung erst im Jahresverlauf Aufgrund der kurzfristig fortbestehenden Engpässe ist damit zu rechnen, dass es erst im Verlauf dieses Jahres zu einer schrittweisen Erholung der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe kommt. Das Vorkrisenniveau wird infolge der sich nur schrittweise schließenden Produktionslücke vermutlich auch 2022 noch nicht wieder vollständig erreicht. Deshalb werden die gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfungsverluste auch 2022 fortbestehen und erst 2023 abgebaut.
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Zweitens treiben die Engpässe die Preise für Vor- und Rohprodukte, wobei der Preisanstieg für Öl, Gas und metallische Rohstoffe besonders dynamisch ausfällt. Entscheidend hierfür ist die Kombination aus einem zunehmenden Nachfragedruck in der zweiten Jahreshälfte 2021 und einem kurzfristig unelastischen Angebot sowie beschränkten Kapazitäten. Die Lage an den Öl- und Gasmärkten sollte sich trotz der derzeitigen Preisausschläge im Frühjahr sowohl saisonal als auch angebotsbedingt wieder entspannen. Die Unternehmen sind dem Preisanstieg branchenübergreifend ausgesetzt. Dabei sind die anziehenden Inputpreise in der zweiten Jahreshälfte verstärkt auf die Erzeugerpreise durchgeschlagen, die Ende 2021 mit einer Rate von über 15 Prozent so stark gestiegen sind wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr. Die Preisdynamik dürfte sich aufgrund kurzfristig persistenter Engpässe zu Beginn des Jahres zunächst fortsetzen und anschließend langsam beruhigen. Insgesamt ist nicht mit einer schnellen Entspannung der Engpass-Problematik zu rechnen. Dies ist neben anhaltenden Unsicherheitsfaktoren in Folge der Corona-Pandemie darauf zurückzuführen, dass strukturelle Entstehungsfaktoren und bestehende Engpässe zunächst abgebaut werden müssen. Hierzu ist teilweise eine Ausweitung von Angebots- und Transportkapazitäten über eine gesteigerte Investitionstätigkeit notwendig, um vorhandene Rigiditäten zu beseitigen. Dieser Prozess erweist sich jedoch als zeit- und kostenintensiv. Vor diesem Hintergrund wird sich die Gesamtlage 2022 kurzfristig nur langsam verbessern, wobei ein spürbarer Effekt erst in der zweiten Jahreshälfte wahrscheinlich ist. Mittelfristig wird die Abschwächung der pandemiebedingten Auswirkungen und eine Ausweitung der Angebotskapazitäten zu einer Verbesserung sowie Normalisierung der Gesamtlage beitragen. Neue Maßnahmen in China mit Risiken für den weltweiten Lieferverkehr Seit Ende Dezember 2021 gilt für die chinesische Metropole Xi‘an ein strikter Lockdown, in dessen Folge auch die wirtschaftlichen Aktivitäten zurückgefahren wurden. Es handelt sich dabei um den schärfsten und regional umfangreichsten Lockdown in China seit Ausbruch des Corona-Virus in Wuhan 2020. Anfang des Jahres 2022 sind dann in der Hafenstadt Tianjin die ersten Fälle der neuen Omikron-Variante aufgetaucht. Auch hier wurde das Stadtgebiet unter einen stufenweisen Lockdown gesetzt. Zwar ist derzeit noch nicht vorhersehbar, inwiefern logistische Unterbrechungen in chinesischen Produktionsbetrieben oder Teilschließungen in chinesischen Häfen sich im Laufe des Jahres auf die globalen Lieferketten und die Versorgung in Europa auswirken werden. Dennoch ist zu befürchten, dass die Lockdowns die globalen Lieferketten beeinträchtigen könnten. Gleichzeitig sind ähnlich schwere Auswirkungen wie nach dem ersten Lockdown Anfang 2020 unwahrscheinlich, da die Unternehmen erhebliche Lerneffekte generiert haben und somit besser auf Pandemiemaßnahmen der chinesischen Führung reagieren können. Allerdings sind weitere Faktoren zu berücksichtigen, die die Dauer und die Implementierung der Lockdowns beeinflussen können: Erstens bleibt abzuwarten, wie stark und wie schnell sich die OmikronVariante in China ausbreitet. Die chinesische Führung könnte dazu tendieren, nicht nur härtere Maßnahmen umzusetzen, sondern diese auch länger und großflächiger anzuwenden. Sollte sich die Omikron-Variante, wie bereits befürchtet, auch in China schneller und leichter übertragen, könnte das erneut zum Flaschenhals für globale Lieferketten werden und eine Rezession in bestimmten Branchen der deutschen Industrie anheizen. Zweitens müssen in diesem Zusammenhang die Olympischen Winterspiele einbezogen werden. Die chinesischen Behörden haben bereits damit begonnen, im Vorfeld der
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Aufschwung – Engpass – Inflation | Die Weltwirtschaft im Corona-Zyklus 22/01/2022
Olympischen Spiele strengere Auflagen zu erlassen. Die Regierung wird aller Voraussicht nach an ihrer Zero-COVID-Strategie festhalten und bereit sein, die wirtschaftlichen Kosten dafür zu tragen. Vor diesem Hintergrund ist mit weiteren Abriegelungen in China zu rechnen, die Produzenten und Exporteure, und somit auch Unternehmen am Ende der Lieferketten, vor neue Herausforderungen stellen können. Mit den Engpässen würden vermutlich auch höhere Preise einhergehen, die sich weiter auf die Inflation auswirken. Die Corona-Entwicklung in China stellt somit ein Risiko für den Erholungsprozess der Industrie dar. Unternehmen sollten sich deswegen bereits zu Beginn des Jahres auf unterschiedliche Szenarien vorbereiten, und, falls möglich, entsprechende Vorkehrungen treffen.
Deutschland Material- und Lieferengpässe werden zumindest in der ersten Jahreshälfte in weiten Teilen des Verarbeitenden Gewerbes das Wachstum ausbremsen, so dass auch das Exportgeschäft erst mit Verzögerung wieder Tritt fassen dürfte. Für das gesamte Jahr 2022 rechnen wir mit einem Anstieg der Exporte von Waren und Dienstleistungen um real vier Prozent. Damit bleibt die Exportwirtschaft unter dem erwarteten Expansionstempo für den Welthandel. Importseitig wird der Bezug von Vorleistungsgütern leicht zulegen. Der Importsog könnte noch verstärkt werden, sollte es den Unternehmen gelingen, die im Zuge der Pandemie abgebauten Lagerbestände wieder aufzufüllen. Wenn im Frühjahr die pandemiebedingten Einschränkungen abnehmen, dürften bei zunehmender Reiseaktivität ins Ausland auch
BDI Prognose für 2021: Veränderung der realen Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorjahr in Prozent BDI
OECD
2022
2022
Bruttoinlandsprodukt
3,5
4,1
Konsumausgaben
3,5
-
- Private Konsumausgaben
5,0
6.8
- Staatsverbrauch
0,0
0,7
3,2
1.8
- Ausrüstungsinvestitionen
5,0
-
- Bauinvestitionen
2,0
-
- Sonstige Anlagen
3,0
-
Exporte
4,0
4,1
Importe
4,5
4,9
Außenbeitrag, Wachstumsleistung
0,1
-0,1
Bruttoanlageinvestitionen
Quellen: OECD (Dezember 2021), eigene Berechnungen
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die Dienstleistungsimporte steigen. Somit dürften die Importe von Waren und Dienstleistungen preisbereinigt um 4 ½ Prozent etwas stärker steigen als die Ausfuhren. In der Summe geht damit vom Außenbeitrag ein kleiner Wachstumsimpuls von 0,1 Prozentpunkten auf das BIP aus. Auch die Binnenwirtschaft könnte nach Überwindung der fünften Welle im Frühjahr Tritt fassen. Die Beschäftigtenzahlen sind zuletzt weiter gestiegen. Bei der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wurde bereits im Juni des vergangenen Jahres das Vorkrisenniveau überschritten. Aufgrund der hohen Sparquote spricht vieles dafür, dass beim Privaten Konsum nachfrageseitig keine Probleme zu erwarten sind. Wir rechnen daher für das laufende Jahr mit einem kräftigen Anstieg der Privaten Konsumausgaben um fünf Prozent. Da von den öffentlichen Konsumausgaben in diesem Jahr keine weiteren Steigerungen zu erwarten sind, resultiert hieraus ein Anstieg der Konsumausgaben um 3,5 Prozent. Bei steigendem Exportgeschäft dürfte auch die Investitionstätigkeit weiter anziehen, zumal die Kapazitätsauslastung in vielen Branchen des Verarbeitenden Gewerbes noch oberhalb des langjährigen Durchschnitts liegt. Auch Bauinvestitionen und Investitionen in sonstige Anlagen (Software, Forschung und Entwicklung) dürften im Jahresverlauf wieder zulegen. Alles in allem ist mit einem Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 Prozent zu rechnen. In der Summe rechnen wir damit, dass das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2022 gegenüber dem Vorjahr in realer Rechnung um 3,5 Prozent steigt. Wir gehen bei unseren Einschätzungen davon aus, dass bis zum Herbst ein großer Teil der Bevölkerung einen Impfschutz bekommen hat, pandemiebedingte Vorsichtsmaßnahmen die wirtschaftlichen Aktivitäten nicht mehr beeinträchtigen und sich die Lieferkettenproblematik in der zweiten Jahreshälfte entspannt.
Internationale Koordination zur Überwindung der Krise sinnvoll Eine engere Zusammenarbeit und Abstimmung der wirtschafts-, finanz- und gesundheitspolitischen Maßnahmen zumindest in den großen Demokratien bleibt im Hinblick auf die Überwindung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sicherlich ein Gebot der Stunde. Deutschland kann dabei im Rahmen der G7-Präsidentschaft eine konstruktive Rolle spielen. Dosierte Rettungs- und Wachstumsmaßnahmen dürften erforderlich werden Im Frühjahr wird überprüft werden müssen, ob die wirtschafts- und finanzpolitische Antwort auf die vierte und voraussichtlich fünfte Welle in ausreichendem Maß eingeplant ist oder weitere Schritte zur Stabilisierung erforderlich werden. Die Wachstumserwartungen der Regierungen für dieses Jahr werden voraussichtlich in fast allen G-7-Ländern nicht erreicht werden können, da die fünfte Welle viel zu stark ausfallen dürfte. Ein erneuter Rückgriff auf Liquiditäts- und Solvenzmaßnahmen zur Stützung von Unternehmen bleibt damit unverzichtbar. Zugleich erhöht sich der Schwierigkeitsgrad, da diejenigen kontaktintensiven Branchen, die erneut in Mitleidenschaft gezogen werden dürften, aus einer schwächeren betriebswirtschaftlichen Situation heraus agieren müssen. Insofern dürften zwar Liquiditätshilfen in bewährtem Stil kurzfristig helfen, ggf. wird aber stärker als in den letzten Wellen auch mit einfachen Eigenkapitalhilfen operiert werden müssen, sofern die Unternehmen grundsätzlich solvent sind. Weitere Wachstumsstimuli sind angesichts der ambitionierten Programme in den europäischen G-7-Ländern zwar nicht in gleichem Umfang wie 202/21 sinnvoll oder angemessen, könnten aber gleichwohl helfen, den Verlust an wirtschaftlicher Leistung zu kompensieren. Diese sollten gezielter
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zur Verstärkung der doppelten Transformation vor allem über die Förderung privater Investitionen eingesetzt werden, zumal in der EU die Aufbau- und Resilienzprogramme mit einem Fokus auf öffentlichen Investitionen gut angelaufen sind und nicht kurzfristig hochskaliert werden können. In Deutschland stehen ohnehin noch geplante Maßnahmen zur Stärkung der Investitionstätigkeit gemäß Koalitionsvertrag an. In den USA dürften v.a. arbeitsmarktpolitische Instrumente erneut benötigt werden. Japan hat bereits ein größeres Paket verabschiedet. In Frankreich könnte ggf. noch nachgesteuert werden. Italien ist mit der Umsetzung eines großen Pakets schon stark engagiert. Kanada hat im Fall der Fälle noch Spielraum. Zudem sollten die G7-Regierungen hervorheben, wie sie mittelfristig die Heilung der öffentlichen Finanzen angehen wollen. Notenbanken können nicht im Gleichschritt marschieren Dies würde zudem den Notenbanken das Leben erleichtern, die bereits jetzt auf die vielfältigen Angebotsschocks und die sehr partiellen positiven Nachfrageschocks reagieren müssen. Aufgrund der etwas unterschiedlichen konjunkturellen und pandemischen Lage werden die Notenbanken in der G7 differenziert vorgehen müssen, mit einer früheren Straffung – und ggf. adäquaten Reaktion auf das Pandemiegeschehen – in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich als im Euroraum und in Japan.
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