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Quartalsbericht Deutschland II-2020

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QII-2020 QUARTALSBERICHT DEUTSCHLAND

Starke Signale in harter Zeit Mit Konjunktur- und Wachstumsprogramm gegen tiefe Rezession

▪

Die Bundesregierung setzt mit ihrem Konjunktur- und Wachstumspaket ein starkes Signal für Bürger und Unternehmen. Dies wird die Wirtschaftsleistung schon im laufenden Jahr stabilisieren.

▪

Die Wirtschaftsleistung dürfte um real 6,5 Prozent sinken. Die Erholung wird sich bis weit ins Jahr 2022 erstrecken.

▪

Die Corona-Krise trifft die Wirtschaft weltweit mit voller Wucht. Dies wird in diesem Jahr zu einem Minus der deutschen Exporte um etwa 15 Prozent und zu einem Rückgang der Importe um ungefähr zwölf Prozent führen. Bei Ausrüstungsinvestitionen rechnet der BDI mit einem Einbruch von rund 20 Prozent. Den privaten Konsum erwarten wir mit sieben Prozent im Minus.

▪

Weitere Stützungsmaßnahmen müssen auf der Agenda bleiben. Trotz richtiger Konsum- und Investitionsanreize bleiben die Möglichkeiten der Verlustverrechnung zu gering. Hier muss der Gesetzgeber im Jahresverlauf deutlich nachlegen, um Liquidität zu sichern und das Insolvenzrisiko zu verringern.

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Zehnjähriges Wachstumsprogramm und Unternehmenssteuerreform müssen kommen. Um der absehbar mehrjährigen Schwäche der weltwirtschaftlichen Nachfrage, der Investitionstätigkeit und des Außenhandels kraftvoll gegenzusteuern, bleibt ein groß angelegtes zehnjährigen Investitionsprogramm im Volumen von etwa ein bis 1,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung vordringlich. Notwendig sind weiterhin die strukturelle Reform und die Senkung der Unternehmenssteuern auf 25 Prozent.


Starke Signale in harter Zeit | Mit Konjunktur- und Wachstumsprogramm gegen tiefe Rezession 09/06/2020

Inhaltsverzeichnis Konjunktur in Deutschland ................................................................................................................ 3 Wirtschaftsleistung sinkt aufgrund der Corona-Pandemie kräftig ......................................................... 3 Arbeitsmarkt Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich spürbar ................................................... 6 Auftragseingang in der Industrie: Auswirkungen der Corona-Pandemie sichtbar ................................ 7 Industrieproduktion ab Mitte März im Sinkflug ...................................................................................... 9 Kapazitätsauslastung in der Industrie in vielen Branchen auf Rekordtief ........................................... 11 Starke Umsatzeinbußen im Verarbeitenden Gewerbe ....................................................................... 11 Konjunktur- und Wachstumspaket der Bundesregierung ............................................................ 12 Konjunkturpaket zielführend ................................................................................................................ 13 Stützungsprogramm für Unternehmen, aber zu wenig Verlustverrechnung ....................................... 13 Sozialgarantie richtiger Schritt............................................................................................................. 14 Investitionsförderung im Zukunftspaket .............................................................................................. 14 Konjunkturellen Maßnahmen stützen Wirtschaft................................................................................. 15 Perspektiven ...................................................................................................................................... 15 Impressum ......................................................................................................................................... 18 Grunddaten zu den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen .................................................. 19

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Starke Signale in harter Zeit | Mit Konjunktur- und Wachstumsprogramm gegen tiefe Rezession 09/06/2020

Konjunktur in Deutschland Wirtschaftsleistung sinkt aufgrund der Corona-Pandemie kräftig Die deutsche Wirtschaft hat sich mit dem Corona-Virus infiziert. Zwar wurden die wirtschaftlichen Aktivitäten in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres kaum beeinträchtigt, aber die seit Mitte März verhängten Kontakt- und Ausgangssperren führten zu einem deutlichen Einbruch der Wirtschaftsleistung. Im Ergebnis ist das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2020 gegenüber dem vierten Quartal 2019 saison- und kalenderbereinigt um 2,2 Prozent gesunken. Das war der stärkste Rückgang seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise, als das BIP im ersten Quartal 2009 gegenüber dem Vorquartal um 4,7 Prozent einbrach. Da die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal des vergangenen Jahres bereits um 0,1 Prozent nachgegeben hat, befindet sich die deutsche Wirtschaft erstmals seit dem Jahreswechsel 2012/2013 wieder in einer Rezession.

Entwicklung des realen BIP in Prozent 4 3

2,5

2,2 2

1,5

1

0,6

0 -1 -2 -3 I

II

III

IV

I

2016

II

III

2017

IV

I

II

III

IV

I

2018

II

III

2019

IV

I

II

III

IV

2020

Veränderung ggü.Vorjahresquartal Veränderung ggü. Vorquartal, saison- und kalenderbereinigt Veränderung ggü. Vorjahr Quelle: Statistisches Bundesamt

Auch im Vorjahresvergleich hat die Wirtschaftsleistung deutlich abgenommen. Das reale BIP sank gegenüber dem ersten Quartal 2019 kalenderbereinigt um 2,3 Prozent. Nur im Jahr 2009 gab es noch höhere Rückgänge im Vorjahresvergleich, den stärksten mit minus 6,9 Prozent im ersten Quartal 2009. Da die Eindämmungsmaßnahmen gegen das Corona-Virus erst gegen Ende des ersten Quartals einsetzten und bis in den Mai zum Teil aufrechterhalten wurden, ist für das zweite Quartal 2020 mit einem noch tieferen Einbruch zu rechnen. Im europäischen Vergleich war der Wirtschaftseinbruch in Deutschland zum Jahresbeginn nur halb so stark wie in den von der Corona-Krise besonders stark betroffenen Ländern Frankreich, Italien und Spanien.

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Die Wirtschaftsleistung des ersten Quartals wurde von rund 45 Millionen Erwerbstätigen erbracht. Das waren 147.000 Personen oder 0,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Je nach Betroffenheit einzelner Wirtschaftsbereiche wirkten sich die Kontakt- und Ausgangssperren, die die Verbreitung des Corona-Virus eindämmen sollten, auf die wirtschaftlichen Aktivitäten aus. Im Verarbeitenden Gewerbe sank die Bruttowertschöpfung mit minus 6,4 Prozent am stärksten. Neben den Vorsichtsmaßnahmen dürften hier die Lieferkettenunterbrechungen mit dazu beigetragen haben. Der Produktionsrückgang im Verarbeitenden Gewerbe wirkte sich auch auf einzelne Dienstleistungssektoren aus. So sank die Wertschöpfung der Unternehmensdienstleister um 1,2 Prozent und die der sonstigen Dienstleister um 2,8 Prozent. Im Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe nahmen die Aktivitäten um drei Prozent ab. In einzelnen Wirtschaftsbereichen hat die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im Vergleich zum Vorjahr sogar zugenommen. Sie stieg im Informations- und Kommunikationssektor um 1,5 Prozent, bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern um 1,4 Prozent und bei den öffentlichen Dienstleistern um 0,6 Prozent. Insgesamt ging die Bruttowertschöpfung im ersten Quartal 2020 um 1,8 Prozent zurück. In der verwendungsseitigen Betrachtung bremste vor allem der Private Konsum das Wirtschaftswachstum aus. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte gingen im ersten Quartal 2020 preisbereinigt um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Die Konsumenten schränkten vor allem ihre Ausgaben für Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen (minus 12,1 Prozent) sowie für Bekleidung und Schuhe (minus 11,9 Prozent) ein. Auch die Ausgaben für Verkehr und Nachrichtenübermittlung sowie für Freizeit, Unterhaltung und Kultur sanken mit minus vier bzw. minus 4,5 Prozent überdurchschnittlich. Während die Ausgaben für Wohnen, Einrichtungs- und Haushaltsgegenstände nahezu konstant blieben, wurde für Nahrungs- und Genussmittel deutlich mehr Geld ausgegeben (plus 4,4 Prozent). Entgegen dem Trend stiegen die staatlichen Konsumausgaben um 2,2 Prozent, sodass in der Summe der Konsum das Wirtschaftswachstum nur um 0,7 Prozentpunkte ausbremste. Mit minus 0,2 Prozent sind erstmals seit fünf Jahren die Bruttoanlageinvestitionen gesunken. Zwar verzeichneten die Bauinvestitionen über alle Bausparten hinweg ein ausgewogenes kräftiges Plus von 4,8 Prozent. Auch die Investitionen in sonstige Anlagen (Patente; Lizenzen) wurden um 2,7 Prozent ausgeweitet. Dafür gab es bei den Ausrüstungsinvestitionen mit minus 9,2 Prozent den stärksten Rückgang seit sieben Jahren, was in der Summe bei den Investitionen zu einem kleinen Minus führte. Der Export von Waren und Dienstleistungen sank im ersten Quartal um 3,2 Prozent. Die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen gingen in ähnlichem Umfang zurück. Die Importe fielen mit minus 1,7 Prozent deutlich langsamer. Der Bezug von Waren aus dem Ausland sank mit minus 1,1 Prozent deutlich schwächer als der von Dienstleistungen mit minus 3,8 Prozent. In der Summe bremste der Außenbeitrag das BIP-Wachstum um 0,9 Prozentpunkte aus. Außenhandel nach Ländern Im ersten Quartal 2020 sind die Exporte von Waren und Dienstleistungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach vorläufigen Berechnungen (saisonbereinigte Werte mit Länderdifferenzierungen sind nicht verfügbar) um insgesamt 10,9 Milliarden Euro oder 3,2 Prozent gesunken. Der mit Abstand stärkste Rückgang betraf den Handel mit Großbritannien. Die Ausfuhren dorthin sanken um 3,27 Milliarden Euro oder 14,3 Prozent. Auch das Ausfuhrgeschäft nach China gab mit knapp zwei Milliarden Euro bzw. 8,3 Prozent deutlich nach. Die Exporte in die fünf größten Euro-Partnerländer Frankreich, Niederlande, Italien, Österreich und Spanien gingen in der Summe um knapp sieben Milliarden Euro bzw. um 7,1 Prozent zurück. Während die Ausfuhren nach Japan um 10,2 Prozent bzw. 557 Millionen

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deutlich nachgaben, fiel der Rückgang der USA-Exporte mit minus 1,2 Prozent bzw. 352 Millionen Euro moderat aus. Mit einem Plus von etwas mehr als einer Milliarde Euro haben sich die Exportgeschäfte mit Südkorea (plus 26,4 Prozent) und Polen (plus 6,6 Prozent) gegen den Trend deutlich belebt. Der Anstieg der Exporte um 821 Millionen Euro oder 18,1 Prozent in die Türkei und um 481 Millionen Euro oder 39,3 Prozent nach Saudi-Arabien waren hingegen eine technische Reaktion auf die starken Rückgänge von vor einem Jahr. Deutsche Ex- und Importe im 1. Quartal 2020 nach ausgewählten Ländern Veränderung gegenüber Vorjahresquartal Exporte Zu- (+) bzw. Abnahme (-)

Importe Zu- (+) bzw. Abnahme (-)

in Million Euro Südkorea

in %

5 206,0

+ 1 088,5

+

26,4

Polen

17 052,6

+ 1 055,1

+

Schweiz

14 837,0

+

857,0

Türkei

5 345,0

+

Saudi-Arabien

1 703,3

Taiwan

2 190,9

USA

in Million Euro

in %

USA

18 648,3

+

940,4

+

5,3

6,6

Schweiz

12 533,7

+

800,0

+

6,8

+

6,1

Irland

5 029,5

+

651,7

+ 14,9

821,1

+

18,1

10 407,4

+

557,8

+

5,7

+

480,7

+

39,3

+

241,9

+

12,4

Slowakei

3 747,7

-

360,9

-

8,8

Brasilien

1 585,1

-

393,6

-

19,9

Spanien

8 226,7

-

416,5

-

4,8

Großbritannien

28 789,3

-

352,2

-

1,2

VGB 1)

0,3

-

427,9

-

99,9

Österreich

10 525,7

-

572,7

-

5,2

Japan

4 880,4

-

556,6

-

10,2

Norwegen

2 622,9

-

682,0

-

20,6

Spanien

10 676,6

-

946,9

-

8,1

Finnland

1 998,5

-

697,6

-

25,9

Österreich

15 956,1

-

975,8

-

5,8

Frankreich

16 162,2

-

740,5

-

4,4

Italien

16 483,5

- 1 319,8

-

7,4

Tschechien

11 188,1

-

965,2

-

7,9

Niederlande

22 353,6

- 1 452,0

-

6,1

Niederlande

24 526,9

- 1 172,0

-

4,6

China

21 544,0

- 1 952,2

-

8,3

Belgien

10 306,2

- 1 487,5

-

12,6

Frankreich

25 594,8

- 2 300,0

-

8,2

China

25 789,2

- 1 509,0

-

5,5

Großbritannien

19 545,1

- 3 269,2

-

14,3

Russland

6 873,8

- 2 113,7

-

23,5

325 030,1

- 10 907,0

-

3,2

Insgesamt

273 196,7

- 8 130,9

-

2,9

Insgesamt 1)

Britische Jungferninseln

Quellen: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

Die deutschen Importe sind im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahr um insgesamt 8,13 Milliarden Euro oder 2,9 Prozent gesunken. Der nominal stärkste Rückgang (minus 2,11 Milliarden Euro bzw. minus 23,5 Prozent) stammte aus dem Russlandgeschäft. Hierbei dürfte, wie auch bei

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den Einfuhren aus Norwegen (minus 20,6 Prozent), die Preisentwicklung für fossile Rohstoffe die wesentliche Ursache gewesen sein. Die Importe auch China sanken um 1,51 Milliarden bzw. 5,5 Prozent ebenfalls deutlich. Von unseren westlichen Nachbarn Niederlande, Belgien und Frankreich wurden mehr als sechs Prozent weniger Waren und Dienstleistungen bezogen. Gegen den Trend sind die Einfuhren aus den USA um 940 Millionen Euro (5,3 Prozent) gestiegen. Ursache hierfür war der außergewöhnlich starke Import von Personenkraftwagen, vorwiegend mit Elektroantrieb. Gestiegen sind auch die Einfuhren aus Irland (plus 652 Millionen Euro bzw. 14,9 Prozent) und Großbritannien (plus 558 Millionen Euro bzw. plus 5,7 Prozent). Der Bezug von pharmazeutischen Produkten und der Kauf von Gold für nichtmonetäre Zwecke waren die Ursache für den Anstieg der Importe aus der Schweiz um 800 Millionen Euro bzw. 6,6 Prozent. Arbeitsmarkt: Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich spürbar Bereits heute zeichnet sich ab, dass die Auswirkungen der Corona-Krise und des damit verbundenen Lockdowns auf den Arbeitsmarkt heftiger sein werden als während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Dies schlägt sich vor allem in der sehr hohen Zahl der Betriebe nieder, die Kurzarbeit angezeigt haben. Im März wurde nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit für 2,64 Millionen. und im April für 8,02 Millionen. Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet. Vom 1. bis einschließlich 27. Mai gab es zusätzlich Anzeigen für 1,06 Millionen. Personen. Zwar werden die endgültigen Zahlen niedriger liegen, da nicht alle Anzeigen tatsächlich in Kurzarbeit resultieren. Ein Anstieg der realisierten Kurzarbeit lässt sich allerdings schon für März beobachten. Nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur erhielten hier 2,02 Millionen. Menschen konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Im Februar lag die Zahl der Kurzarbeiter noch bei 132.000. Damit wird das Niveau deutlich über dem des Jahres 2009 liegen. Damals gingen laut Bundesagentur für Arbeit im gesamten Jahr Anzeigen für 3,3 Millionen. Menschen ein. Die Bundesagentur rechnet im Jahresdurchschnitt 2020 mit etwa 2,2 Millionen. Kurzarbeitern. Dabei sind anders als in der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht nur das Verarbeitende Gewerbe, sondern auch flächendeckend Branchen aus dem Dienstleistungsbereich betroffen. Die Beschäftigten aus dem Einzelhandel, der Gastronomie und der Herstellung von Kraftfahrzeugen machen laut Bundesagentur für Arbeit etwa ein Fünftel der Personen aus, für die im März und April Kurzarbeit angezeigt wurde. In den Branchen Beherbergung und Gastronomie, bei Reiseveranstaltern und in der Luftfahrt wurde für jeweils mehr als drei Viertel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Kurzarbeit angezeigt. Vor diesem Hintergrund ist es auch richtig, dass die Große Koalition im Rahmen ihres Konjunkturpakets beschlossen hat, im September die geltenden Regelungen beim Bezug von Kurzarbeitergeld zu prüfen und für die Zeit ab 1. Januar 2021 eine verlässliche Regelung vorzulegen. Bis dahin können auch die mittelfristigen Folgen der Pandemie für den Arbeitsmarkt besser abgeschätzt werden. Auch bei Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit zeigen sich inzwischen deutliche Bremsspuren. Die Zahl der Erwerbstätigen (Inlandskonzept) lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im April bei 44,90 Millionen. und damit um 218.000 unter dem Vorjahreswert. Saisonbereinigt ist ihre Zahl von März auf April um 275.000 gesunken. Daten über die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung liegen nur bis März vor. Hier haben sich die Effekte des Lockdowns noch nicht vollständig niedergeschlagen. Nach vorläufigen, hochgerechneten Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im März im Vergleich zum Vorjahr noch um 330.000 auf 33,62 Millionen. gestiegen. Saisonbereinigt ist jedoch von Februar auf März ein Rückgang um 21.000 zu verzeichnen, nach einem leichten Plus von 10.000 von Januar auf Februar.

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Arbeitsmarkt in Deutschland* 34

4 Arbeitslose (rechte Achse)

33

3 32 31

2 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (linke Achse)

30

1 29 2

28 2012

2013

2014

2015

2016

2017

2018

2019

0

2020

Veränderung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zum Vorjahresmonat (rechte Achse)

*saisonbereinigt in Million Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Deutliche Effekte der Corona-Krise sind bei der Zahl der Arbeitslosen und der Nachfrage nach Arbeitskräften zu sehen. So wurden im April nur noch 76.000 offene Stellen gemeldet, im Mai 102.000. Zusammengenommen waren dies im April und Mai 176.000 oder 50 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen stieg laut Bundesagentur für Arbeit im Mai gegenüber April um 169.000 auf 2,81 Millionen, saisonbereinigt sogar um 238.000. Gegenüber dem Vorjahr gab es eine Zunahme um 577.000 Personen. Die Arbeitslosenquote stieg von 5,8 auf 6,1 Prozent. Die Bundesagentur schätzt den Effekt, den die Corona-Krise auf Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung hat, bis Mai auf insgesamt 578.000 Personen. Dabei spielt der Zugang in Arbeitslosigkeit eine Rolle, aber auch die Tatsache, dass weniger Menschen aus der Arbeitslosigkeit heraus eine neue Stelle gefunden haben oder wegen des Lockdowns an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen konnten. Auftragseingang in der Industrie: Auswirkungen der Corona-Pandemie sichtbar In den aktuellen Daten für den Auftragseingang hat die Corona-Pandemie erneut deutliche Spuren hinterlassen. Die Bestellungen im Verarbeitenden Gewerbe sind im Vergleich zum Vormonat saisonund kalenderbereinigt nach minus 15 Prozent im März im April um 25,8 Prozent gesunken. Solch einen starken Absturz hat es seit Beginn der Zeitreihe im Januar 1991 noch nicht gegeben. Der bisher tiefste Wert lag im Januar 2009 bei minus 7,5 Prozent. Im Vergleich zum April des Vorjahres betrug das Minus 36,6 Prozent und war damit noch etwas stärker als während der weltweiten Finanzkrise vor zehn Jahren. Damals sanken die Auftragseingänge in der Spitze um 36,4 Prozent. Damit weist der kalender- und saisonbereinigte Auftragseingang im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorquartal ein Minus von 2,5 Prozent aus. In- und Auslandsnachfrage sanken dabei gleich stark. Im Vergleich zum Vorjahr gab die Nachfrage um 5,2 Prozent nach, was vor allem an der schwachen

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Inlandsnachfrage (minus 7,7 Prozent) lag. Die Auslandsnachfrage sank im Vorjahresvergleich nur um 3,3 Prozent.

Auftragseingang, Verarbeitendes Gewerbe 115

10

110

5

105

0

100

-0,2 -1,0

-5

-2,5

95

-10

90

-15

85

-20

80

-25

75

-33,9

70

-30 -35

2016

2017

2018

2019

2020

Veränderung zum Vorjahr, 2-Monats-Vergleich, in Prozent (rechte Achse) Index des Verabeitenden Gewerbes, 2-Monats-Durchschnitt, saisonbereinigt (linke Achse) Veränderung im Vergleich zum Vorquartal (q-o-q), in Prozent Quelle: Statistisches Bundesamt

Unter den einzelnen Hauptgütergruppen gingen bei den Herstellern von Vorleistungsgütern im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorquartal entgegen dem Trend 2,6 Prozent mehr Aufträge ein. Der Vorjahresvergleich weist ein kleines Plus von 0,1 Prozent aus. Die Nachfrage aus dem Inland fiel 2,3 Prozent geringer aus als vor einem Jahr. Dafür stiegen die Bestellungen aus dem Ausland um 2,4 Prozent. Die Nachfrage nach Investitionsgütern brach im ersten Quartal 2020 regelrecht ein. Im Vergleich zum Vorquartal betrug das Minus 6,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr waren es sogar minus 9,3 Prozent. Die inländischen Unternehmen schränkten ihre Ordertätigkeit mit minus 13,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr deutlich stärker ein als die ausländischen (minus 6,9 Prozent). Bei den Konsumgüterproduzenten erhöhten sich die Bestellungen im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorquartal um 0,7 Prozent. Dem war bereits ein Anstieg zum Jahresende 2019 vorausgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr betrug das Auftragsplus sogar 2,3 Prozent. Während die Nachfrage aus dem Inland das Vorjahresniveau mit plus 0,2 Prozent knapp übertraf, stiegen die Orders aus dem Ausland um 3,8 Prozent. Nachdem sich in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres der Auftragseingang wieder leicht erholte, schien die seit dem Jahreswechsel 2018/2019 anhaltende Auftragsflaute zu enden. Dies war

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vor allem bei den Herstellern von Konsumgütern und Vorleistungsgütern sichtbar. Die Investitionsgüterhersteller verbuchten zwar im gleichen Zeitraum weniger Aufträge, verfügten aber über einen hohen Auftragsbestand. Dieser ging zwar zu Beginn des zweiten Quartals nach Angaben des ifo Instituts etwas zurück, lag aber mit 3,6 Produktionsmonaten weiterhin oberhalb des zehnjährigen Durchschnitts. Die Hersteller von Vorleistungsgütern befinden sich in einer anderen Situation. Bei ihnen sank der Auftragsbestand bereits das dritte Quartal in Folge. Derzeit haben diese Unternehmen Aufträge im Umfang von 2,4 Produktionsmonaten in ihren Büchern stehen und damit weniger als im zehnjährigen Durchschnitt. Bei den Konsumgüterproduzenten beträgt die Reichweite der Auftragsbestände 1,9 Monate. Auch dieser Wert liegt unterhalb des Zehnjahresdurchschnitts. Seit dem Jahr 2015 erfasst das Statistische Bundesamt wieder die Auftragsbestände im Verarbeitenden Gewerbe. Diese Statistik fiel zuvor dem Bürokratieabbau zum Opfer, wurde aber nach der Finanzkrise wieder eingeführt, um das Phänomen der Auftragsstornierungen mit abbilden zu können. Die Daten am aktuellen Rand weisen nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im März einen saison- und kalenderbereinigten Rückgang der Auftragsbestände um 0,9 Prozent gegenüber Februar aus. Der Bestand an Aufträgen aus dem Inland ging dabei um 1,3 Prozent zurück, der an Auslandsaufträgen verringerte sich um 0,6 Prozent. Damit dürften die Industriebetriebe zumindest im März aufgrund der Corona-Pandemie noch keine außergewöhnlich umfangreichen Auftragsstornierungen registriert haben. Industrieproduktion seit Mitte März im Sinkflug Die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe ist im April 2020 nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes preis-, kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 17,9 Prozent gesunken, nachdem im März bereits ein Rückgang um 8,9 Prozent zu verzeichnen waren. Die Energieerzeugung nahm am aktuellen Rand um 7,2 Prozent ab. Die Aktivitäten im Baugewerbe legten mit plus 0,9 Prozent leicht zu. In der Industrie brach die Produktion im April mit minus 22 Prozent so stark ein wie noch nie seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1991. Unter den industriellen Hauptgruppen sank die Produktion von Konsumgütern mit minus 8,7 Prozent am geringsten. Die Herstellung von Vorleistungsgütern ging um 13,8 Prozent zurück. Die Investitionsgüterfertigung brach mit minus 35,3 Prozent regelrecht ein. Produktion, Verarbeitendes Gewerbe 10 108 5 103

0

98

-5

-2,3

-10

93

-15

-12,9

88

-20 -20,1

83

-25 -27,9

78 2016

2017

2018

2019

-30

2020

Veränderung zum Vorjahr, 2-Monats-Vergleich in Prozent (rechte Achse) Index des Verarbeitenden Gewerbes, 2-Monatsdurchschnitt, saisonbereinigt (linke Achse) Veränderung im Vergleich zum Vorquartal (q-o-q), in Prozent Quelle: Statistisches Bundesamt

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Nach einer leichten Revision der März-Zahlen sank die Industrieproduktion im ersten Quartal 2020 gegenüber dem vierten Quartal 2019 saison- und kalenderbereinigt um 2,3 Prozent nach zuvor minus 1,7 Prozent. Dies war gleichzeitig der siebte Quartals-Rückgang in Folge. Auch im Vergleich zum Vorjahr sinkt die Produktion seit sieben Quartalen. Mit einem Minus von sieben Prozent hat die Fallgeschwindigkeit weiter zugenommen. In den einzelnen industriellen Hauptgruppen übertrafen die Hersteller von Vorleistungsgütern erstmals seit sechs Quartalen wieder das saison- und kalenderbereinigte Ergebnis aus dem Vorquartal (plus 0,9 Prozent), produzierten aber deutlich weniger als vor einem Jahr (minus 3,5 Prozent). Die Investitionsgüterproduktion sank im Vergleich zum Vorquartal um fünf Prozent und im Vergleich zum Vorjahr um 10,8 Prozent. Die Konsumgüterproduktion nahm gegenüber dem Vorquartal um zwei Prozent ab und im Vorjahresvergleich war ein Rückgang von 3,8 Prozent zu verzeichnen. Nachdem sich in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres eine Erholung angedeutet hatte, hat sich die seit Jahresmitte rezessionsgeschwächte Industrie zum Ende des ersten Quartals mit dem Corona-Virus infiziert. Mit Blick auf die Dauer befindet sich die deutsche Industrie schon jetzt in der längsten Rezession seit der Wiedervereinigung. Der April dürfte den Tiefpunkt des Konjunkturzyklus darstellen. Schließlich waren zu der Zeit die Einschränkung der gesellschaftlichen und der wirtschaftlichen Aktivität am stärksten. Mit der schrittweisen Lockerung der Schutzmaßnahmen und der Wiederaufnahme der Produktion in der Automobilindustrie dürfte sich im Mai die Industriekonjunktur zwar wieder etwas beleben. Dennoch ist im zweiten Quartal erneut mit einem deutlichen Rückgang der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe zu rechnen. Produktionsentwicklung im Produzierenden Gewerbe Vergleich zum Vorjahr in Prozent 2018 2019 2019 2020 Jahr Q3 Q4 Q1 Ursprungswerte kalenderbereinigt

Vergleich zum Vorzeitraum in Prozent 2019 2020 Q3 Q4 Q1 Feb Mrz Apr saison- und kalenderbereinigt

Produzierendes Gewerbe

0,9

-3,3

-3,7

-4,0

-5,2

-0,8

-1,1

-1,1

0,3

-8,9

-17,9

Industrie

1,1

-4,2

-4,3

-5,0

-7,0

-0,8

-1,7

-2,3

0,4

-11,0

-22,0

Vorleistungsgüter

0,6

-3,6

-4,4

-4,6

-3,5

-1,2

-0,8

0,9

1,8

-7,2

-13,8

Investitionsgüter

0,9

-4,5

-2,9

-6,7

-10,8

-0,4

-3,2

-5,0

-1,2

-15,6

-35,3

Konsumgüter

2,9

-4,7

-7,7

-1,3

-3,8

-1,0

0,3

-2,0

1,8

-7,3

-8,7

Energie

-1,5

-7,2

-13,0

-5,6

-8,7

-3,2

3,1

-2,7

0,9

-6,3

-7,2

Baugewerbe

0,2

3,3

2,6

1,8

7,3

0,0

0,1

5,3

-0,3

1,0

-4,1

Bauhauptgewerbe

7,7

5,9

4,5

5,1

9,0

0,4

0,8

4,6

-1,3

-2,0

-0,2

Ausbaugewerbe

-5,5

1,0

0,9

-0,6

5,7

-0,3

-0,5

5,9

0,5

3,9

-7,7

Quellen: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

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Starke Signale in harter Zeit | Mit Konjunktur- und Wachstumsprogramm gegen tiefe Rezession 09/06/2020

Kapazitätsauslastung in der Industrie in vielen Branchen auf Rekordtief Mit dem Produktionseinbruch ging auch eine geringere Kapazitätsauslastung einher. Im Verarbeitenden Gewerbe sank diese im zweiten Quartal 2020 um 12,5 Prozentpunkte auf einen Wert von 70,6 Prozent. Nur im zweiten und dritten Quartal des Jahres 2009 war die Auslastung mit 70,3 und 70,4 Prozent geringer. Für das Verarbeitende Gewerbe ohne Nahrungs- und Genussmittel lag die Auslastung mit 70 Prozent nur knapp über dem Allzeittief von 69,6 Prozent aus dem Jahr 2009. Unter den einzelnen Branchen hat es den Fahrzeugbau schwer erwischt. Hier brach die Auslastung regelrecht ein und erreichte mit 44,9 Prozent ein neues Allzeittief. Der bisherige Tiefpunkt lag während der weltweiten Finanzkrise bei 62,9 Prozent. Auch bei den Herstellern von Textilien (64,5 Prozent) und Möbeln (70 Prozent) sank die Auslastung auf ein neues Allzeittief. Unter Volldampf läuft derzeit die Pharmazeutische Industrie. Hier stieg die Kapazitätsauslastung auf ein neues Allzeithoch von 91 Prozent. Starke Umsatzeinbußen im Verarbeitenden Gewerbe Erste konkrete Auswirkungen der Corona-Krise zeigen sich auch in den Umsatzzahlen der Betriebe im ersten Quartal 2020. Der Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe ist von Januar bis März um vier Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zurückgegangen, wobei der Auslandsumsatz mit minus 5,2 Prozent einen fast doppelt so hohen Rückgang verzeichnete wie der Inlandsumsatz (minus 2,7 Prozent). Bereits zu Jahresbeginn mussten die Unternehmen mit negativen Wachstumsraten kämpfen, der Rückgang im März fiel aber infolge des einsetzenden Lockdowns ab der zweiten Märzhälfte mit minus 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr deutlich stärker aus. Der Auslandsumsatz sank um 10,4 Prozent und der Inlandsumsatz um 4,6 Prozent. Die Mehrheit der großen Branchen verzeichnete zum Teil kräftige Umsatzeinbußen. Besonders stark betroffen war die Bekleidungsindustrie mit einem Umsatzrückgang von 28,4 Prozent im März. Ähnlich kräftig sanken die Umsätze in der Automobilindustrie (minus 23 Prozent). Auch der Maschinenbau und die Metall- und Elektroindustrie entwickelten sich deutlich schlechter. Dagegen konnten vor allem die Lebensmittelindustrie und die Chemie- und Pharmaindustrie noch moderate Wachstumsraten aufweisen. Der Umsatz in der Chemischen Industrie stieg im März 2020 um 2,6 Prozent und in der Pharmaindustrie um 1,4 Prozent, wobei sich jedoch infolge der schwachen Vormonate das erste Quartal mit minus 0,6 Prozent bzw. minus 5,2 Prozent insgesamt rückläufig entwickelte und sich damit der Abschwung der Vorquartale, nun verstärkt, fortsetzt. Ifo-Geschäftsklima: Nach Absturz etwas Erholung im Mai Das ifo-Geschäftsklima Deutschland hat sich im Mai etwas aufgehellt, nachdem es im April auf ein Allzeittief gefallen war. Zwar hat sich die Lageeinschätzung weiter eingetrübt. Dafür haben sich die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate deutlich verbessert. Die Erwartungskomponente stieg dabei mit 10,7 Indexpunkten so stark wie noch nie. Unter den einzelnen Sektoren hat sich die Stimmung bei den Dienstleistern nach dem historischen Tief im April wieder deutlich aufgehellt, was vor allem an den gestiegenen Erwartungen lag. Auch der Indikator zur aktuellen Lage legte leicht zu. Im Handel machte sich ebenfalls Zuversicht breit. Lageeinschätzungen und Erwartungen haben sich spürbar erholt. Insbesondere im Einzelhandel stieg aufgrund der Lockerungen die Stimmung wieder an. Im Bauhauptgewerbe ist der Geschäftsklimaindex erstmals nach mehr als einem halben Jahr Flaute wieder gestiegen. Grund hierfür waren die deutlich besseren Geschäftserwartungen der Bau-

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unternehmer. Ihre aktuelle Lage schätzten die Baufirmen allerdings etwas schlechter ein. Im Verarbeitenden Gewerbe war das Geschäftsklima – anders als die Stimmung in der gesamten gewerblichen Wirtschaft – im April nicht auf ein historisches Tief abgesackt. Auch das kräftige Plus um 3,8 Indexpunkte im Mai stellte keinen neuen Rekordwert dar. Im Einzelnen schätzten die Industrieunternehmen ihre aktuelle Lage nochmals deutlich schlechter ein als im April. Dafür haben sich ihre Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate deutlich verbessert. Auch die Exporterwartungen in der Industrie machten einen kräftigen Sprung nach oben und im Vergleich zum April hat sich die Zahl der Pessimisten halbiert.

ifo Konjunktur-Uhr Deutschland ifo Geschäftsklima-Index im Verarbeitenden Gewerbe*

30

Erwartungen für die nächsten 6 Monate

20

Jan 2011

Aufschwung

Boom

Jan 2014

Jan 2010

10

Jan 2018

Jan 2017

0

Jan 2020

-10

Jan 2016 Jan 2015 Jan 2012 Jan Jan 2019 2013

-20 Mai 2020

-30 -40 -50

Jan 2009 Abschwung

Rezession

-60 -60

-50

-40

* Salden, saisonbereinigt

-30

-20

-10

0

10

20

30

40

50

60

Beurteilung der Geschäftslage

Quelle: ifo Institut

Konjunktur- und Wachstumspaket der Bundesregierung Angesichts dieser dramatischen Entwicklung kommt das von der Großen Koalition beschlossene Konjunktur- und Zukunftsprogramm zur rechten Zeit. Es setzt ein starkes Signal für Bürger und Unternehmen, Konsum- und Investitionsausgaben noch dieses Jahr zu erhöhen. Es umfasst ein Volumen von 130 Milliarden Euro und ist konjunkturell für die Jahre 2020 bis 2022 ausgelegt. Die wachstumsförderlichen Maßnahmen sind auch für längere Zeiträume dotiert worden. In der Kürze der Zeit ist für das Zukunftsprogramm zwar noch kein ausreichendes Volumen bereitgestellt worden, es enthält jedoch eine Vielzahl an positiven investiven Elementen.

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Konjunkturpaket zielführend Ein Großteil der beschlossenen Maßnahmen wird noch in diesem Jahr Wirkung entfalten. Vor allem die Stützung der privaten Konsumausgaben soll die drohende Rezession deutlich abmildern. Ein zentrales Element ist die für den Zeitraum vom 1. Juli 2020 bis Jahresende 2020 vorgesehene Absenkung der Umsatzsteuersätze von 19 Prozent auf 16 Prozent bzw. von sieben Prozent auf fünf Prozent. Die erwarteten Steuerausfälle dieser Maßnahme belaufen sich auf 20 Milliarden Euro. Dadurch entstehen voraussichtlich substanzielle Kaufkraftzuwächse der privaten Haushalte. Auch der Erwerb langlebiger Konsumgüter wird dadurch angeregt, u. a. für Kraftfahrzeuge, Möbel oder andere teurere Anschaffungen. Dies ist sicherlich zielführend, da die extreme Kaufzurückhaltung der privaten Haushalte in den letzten Wochen zu einem scharfen Nachfrageeinbruch in diesen Segmenten geführt hatte. Mit diesen Maßnahmen soll eine Normalisierung rascher herbeigeführt werden. In kleinem Umfang könnte es auch in einigen Branchen zur Stärkung der Margen der Unternehmen beitragen. Zudem wird die private Kaufkraft mit einem einmaligen Kinderbonus in Höhe von 300 Euro je Kind, der im Jahr 2020 ausgezahlt werden soll, gestärkt. Dieser wird mit dem Freibetrag verrechnet und stützt daher Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen mit 4,3 Milliarden Euro. Zudem erhalten Alleinerziehende einen Entlastungsbeitrag, der ihr Einkommen um eine dreiviertel Milliarde Euro stützt. Mit diesen Maßnahmen wird der private Verbrauch gestärkt; wichtig ist dabei auch der konsumpsychologische Aspekt, da die Pandemie-Maßnahmen die Verbraucher teilweise direkt eingeschränkt haben, darüber hinaus aber auch Zukunftssorgen zur Zurückhaltung geführt haben. Dies alles kann leicht zu einem Teufelskreislauf werden, da einbrechende Umsätze Geschäftsschließungen und Einkommenseinbußen mit sich bringen. Dem muss sich die Wirtschaftspolitik entgegenstemmen. Zudem dürften die diversen Lockerungen der Beschränkungen auch eine gewisse Normalisierung beim Neustart ermöglichen, zum Beispiel in der Gastronomie, dem Tourismus und dem stationären Einzelhandel. Dies dürfte die Wirtschaftsleistung allein um gut 0,7 Prozent verbessern. Darüber hinaus soll im September eine verlässliche Regelung für den Bezug von Kurzarbeitergeld ab dem 1. Januar 2021 vorgelegt werden. Je nach Ausgestaltung könnte das Kurzarbeitergeld auch im nächsten Jahr zur Einkommensstabilisierung beitragen.

Stützungsprogramm für Unternehmen, aber zu wenig Verlustverrechnung Der Bund will zudem ein weiteres Stützungsprogramm für Unternehmen beschließen. Bis zu 25 Milliarden Euro werden im laufenden Jahr zusätzlich für Überbrückungshilfen an Unternehmen zur Unterstützung bei sehr starken Umsatzeinbußen bereitgestellt. Dies hilft vor allem Selbständigen und kleinen Unternehmen, dürfte somit einige Insolvenzen vermeiden und dazu beitragen, dass die Ausgaben von Unternehmen und ihren Beschäftigten nicht einbrechen. Da die Finanzierung des Programms noch nicht klar ist, dürfte davon allein kein zusätzlicher konjunktureller Impuls ausgehen; die Maßnahme verhindert jedoch einen zusätzlichen Einbruch von Einkommen. Zudem verschafft der Staat durch veränderte Zahlungstermine für die Einfuhrumsatzsteuern den Unternehmen einen weiteren Liquiditätspuffer von fünf Milliarden Euro. Bei den Maßnahmen zu den Unternehmen ist die Koalition in einigen Punkten jedoch hinter den Notwendigkeiten zurückgeblieben. So fällt die leichte Erhöhung des steuerlichen Verlustrücktrags für die Jahre 2020/21 weit hinter die Notwendigkeit zurück, die drastisch gesunkene Leistungsfähigkeit von Unternehmen durch eine weitreihende Möglichkeit des Verlustrücktrags zu stabilisieren. Die Ausweitung um nur ein Jahr und die Deckelung auf fünf Millionen Euro dürften bei weitem nicht ausreichen, vielen von der Insolvenz bedrohten Unternehmen über die CoronaUmsatzlücke hinwegzuhelfen.

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Sozialgarantie richtiger Schritt Wichtig für Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen ist die von der Koalition beschlossene „Sozialgarantie 2021“. Danach soll die Beitragssatzsumme in den Sozialversicherungen bis 2021 bei maximal 40 Prozent stabilisiert werden. Eine Erhöhung der Beitragssätze würde die Personalzusatzkosten der Betriebe erhöhen und auch die Nettoeinkommen der Arbeitnehmer reduzieren. Das wäre konjunkturell völlig verkehrt. Es ist daher richtig, pandemiebedingte Mindereinnahmen und Mehrausgaben der Sozialversicherungsträger durch höhere Bundeszuschüsse auszugleichen. Hierfür sind gut fünf Milliarden Euro vorgesehen worden. Zudem wird der Bund mit elf Milliarden Euro über zwei Jahre den ansonsten zu erwartenden Anstieg der EEG-Umlage aus Haushaltsmitteln finanzieren. Dies vermeidet eine weitere Belastung der Wirtschaft. Zudem werden für einige besonders hart getroffene Bereiche zusätzliche Programme zur Stabilisierung der Wirtschaftslage bereitgestellt, u. a. für gemeinnützige Organisationen, Kunst und Kultur sowie die Forstwirtschaft.

Investitionsförderung im Zukunftspaket Darüber hinaus sieht das Paket auch eine Reihe von investiven Maßnahmen vor. Kurzfristig soll die degressive Abschreibung für die Abnutzung von Wirtschaftsgütern (Faktor 2,5 und maximal 25 Prozent) für dieses und nächstes Jahr eingeführt werden. Damit sollen etwa sechs Milliarden Euro als Vorzieheffekt mobilisiert werden. Die Koalition hat sich jedoch nicht auf Sonderabschreibungen für bestimmte Investitionsbereiche verständigen können. Diese wären zielführend gewesen. Kurzfristig sollen auch bereits beschlossene öffentliche Investitionen vorgezogen und bis Ende nächsten Jahres ausgabewirksam werden (Volumen: zehn Milliarden Euro). Zudem erhöht der Bund die Finanzierung von Investitionen in den Bildungssektor (3,5 Milliarden Euro) und erhöht die Dotierung des CO2-Gebäudesanierungsprogramms um je eine Milliarde Euro in 2020/21; dies ist zwar immer noch zu wenig, um die selbstgesteckten Klimaziele in diesem Bereich erreichen zu können, aber immerhin ein richtiger Schritt. Im Zukunftspaket der Regierung sind eine Vielzahl von Fördermaßnahmen enthalten, die im Einzelnen hier nicht diskutiert werden können. Das Volumen beläuft sich insgesamt auf 50 Milliarden Euro. Die Fördermaßnahmen im Bereich Mobilität umfassen ein Volumen von rund 14 Milliarden Euro, die für den Klimaschutz zehn Milliarden Euro. Weitere Mittel werden für die Digitalisierung (15 Milliarden Euro) und Gesundheit (knapp zehn Milliarden Euro) bereitgestellt. Positiv ist auch die Verdopplung der Forschungszulage für Unternehmen (eine Milliarde Euro), die erhöhte Kofinanzierung von Forschungsprojekten der außeruniversitären Einrichtungen mit Unternehmen sowie der projektbezogenen Forschung (zusammen 1,3 Milliarden Euro) und die Erhöhung der Gemeinschaftsaufgabe um eine halbe Milliarde Euro. Der Bund hat zudem beschlossenen, die Gemeinden von einigen Kosten zu entlasten, um die ansonsten prozyklische Kürzung von investiven und konsumtiven Ausgaben abzumildern. So wird der Bund die Kosten für Unterkunft und Heizung in der Grundsicherung für Arbeitssuchende mit bis zu 75 Prozent (Erhöhung um 25 Prozentpunkte) unterstützen (vier Milliarden Euro), zudem werden Bund und Länder Gewerbesteuermindereinnahmen ausgleichen (knapp sechs Milliarden Euro), und der Bund wird mit 2,5 Milliarden Euro die ÖPNV-Mindereinnahmen durch Zuschüsse an die Länder stützen. All dies dient hauptsächlich dazu, die notwendigen und in den letzten Jahren viel zu niedrigen kommunalen Investitionen zu schützen.

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Konjunkturellen Maßnahmen stützen Wirtschaft Für eine vollständige Einschätzung der konjunkturellen Wirkung der Maßnahmen sind die Koalitionsbeschlüsse noch nicht genau genug dargelegt worden, dies wird erst mit Vorlage des Nachtragshaushalts und einer genaueren zeitlichen Zuordnung der finanzwirksamen Maßnahmen auf die Jahre 2020 bis 2022 möglich sein. Schon heute lässt sich aber abschätzen, dass die Maßnahmen in diesem Jahr einen Impuls von einem bis 1½ Prozent des BIP auslösen werden. Während die den Konsum stimulierenden Maßnahmen zeitnah wirken, werden investive und strukturpolitischen Maßnahmen erfahrungsgemäß erst mit Verzögerung umgesetzt. Wann diese Maßnahmen ihre konjunkturstützende Wirkung entfalten, ist daher nicht genau vorhersehbar. Dies ist aber auch nicht so entscheidend, da die Erholung sich ohnehin weit ins nächste und übernächste Jahr erstrecken wird und insofern ein konjunktureller Impuls aus dem jetzigen Paket auch im Jahr 2021 noch zielführend sein wird. Entscheidend war und ist, die Belebung nicht zu spät einsetzen zu lassen, damit nicht vermeidbare Insolvenzen zu einer dauerhaften Schwächung von Produktion und Beschäftigung führen. Diese Gefahr ist durch das Maßnahmenpaket auch nur abgemildert, aber nicht vollständig gebannt. Das ist nicht als Vorwurf zu verstehen, sondern angesichts der hohen Unsicherheit über die Normalisierung des Wirtschaftsgeschehens und den weiteren Verlauf der Pandemie unvermeidbar. Insofern muss selbstredend in den nächsten Monaten immer neu geprüft werden, ob die Maßnahmen ausreichen. Insbesondere droht aus einem erhöhten Insolvenzgeschehen Ungemach. Es ist aber auch nicht möglich, dies verlässlich ex-ante einzuschätzen, da die Kombination aus Liquiditätsreserven von Unternehmen, Förderkrediten, normalen Eigenkapital- und Fremdkapitalmaßnahmen im Kreditwesen und am Kapitalmarkt und Erholung des Geschäfts nicht verlässlich prognostizierbar ist. Die Europäische Kommission hat mit der Vorlage der Vorschläge den Bedarf z.B. an neuem Eigenkapital zum Auffangen der coronabedingten Verluste auf ein Volumen von 720 bis 1.200 Milliarden Euro in Europa geschätzt, eine durchaus plausible Zahl.

Perspektiven Mit dem Ausbruch der Corona-Krise in China stellte sich zuerst die Frage, wie mit den Produktionsund Transportunterbrechungen umzugehen ist, die die Lieferkettenverflechtungen mit dem Reich der Mitte mit sich bringen. Schnell breitete sich das Corona-Virus nach Europa, Nordamerika und die ganze Welt aus. Jetzt stehen andere Probleme im Fokus. Während die chinesische Wirtschaft aktuell wieder Fahrt aufnimmt, fragt man sich in Europa, wie der Neustart gestaltet wird. Sicher ist, der Welthandel wird für längere Zeit massiv gestört werden; ein zweistelliger Einbruch wird nicht zu vermeiden sein. Die weltweite Rezession wird die Investitionstätigkeit weiter schwächen und damit auch die weltweite Industrieproduktion deutlich ausbremsen. Die letzten Prognosen für die weltwirtschaftliche Rezession in diesem Jahr gehen von einem Einbruch zwischen fünf und gut sieben Prozent aus. Europa dürfte dabei am unteren Rand liegen, was für Deutschland aufgrund der engen Handelsverflechtung besonders dämpfend wirken wird. Die Folgen der weltwirtschaftlichen Schwäche für Deutschland dürften immens sein. Knapp die Hälfte der Wirtschaftsleistung hängt vom Außenhandel ab und da das wirtschaftliche Wachstum bei nahezu allen Handelspartnern dramatisch einbricht, wird auch die Nachfrage nach Waren „Made in Germany“ deutlich sinken. Wir rechnen für dieses Jahr mit einem Rückgang der Exporte von Waren und Dienstleistungen um real 15 Prozent. Da dies einen geringeren Bezug von Vorleistungsgütern nach sich

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ziehen wird und auch die Binnennachfrage schwach bleibt, sinken die Importe mit minus zwölf Prozent ebenfalls kräftig. In der Summe dürfte vom Außenbeitrag ein negativer Wachstumsimpuls in einer Größenordnung von 2,2 Prozentpunkten auf das BIP ausgehen. Obwohl diese Einbrüche bereits dramatisch sind, setzt dies eine deutliche Erholung im zweiten Halbjahr voraus. Höhere Einbrüche der Exporte um gut zwanzig Prozent liegen durchaus im Bereich des Möglichen. Die Bundesregierung und die Europäische Kommission rechnen nur mit einem Einbruch von gut zehn Prozent, aber die Prognosen liegen auch schon etwas zurück. BDI-Prognose für 2020: Veränderung der realen Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorjahr in Prozent IST

BDI

Bundesregierung

2019

2020

2020

Europäische Kommission 2020

Bruttoinlandsprodukt

0,6

-6 ½

-6,3

-6,5

Konsumausgaben

1,8

-4,1

-

-

- Private Konsumausgaben

1,6

-7,0

-7,4

-8,3

- Staatsverbrauch

2,6

4,0

3,7

2,8

2,6

-6,4

-5,0

-5,8

- Ausrüstungsinvestitionen

0,6

-20,0

-15,1

-17,0

- Bauinvestitionen

3,9

0,0

-1,0

-

- Sonstige Anlagen

2,7

1,0

2,0

-

Exporte

0,9

-15,0

-11,0

-12,1

Importe

1,9

-12,0

-8,2

-9,2

Außenbeitrag, Wachstumsleistung

-0,4

-2,2

-2,1

-1,9

Bruttoanlageinvestitionen

Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesregierung (Mai 2020) Europäische Kommission (Mai 2020), eigene Berechnungen

Die außenwirtschaftliche Schwäche überträgt sich auch auf große Teile der Binnenwirtschaft. So drohen nicht nur den Beschäftigten, die in Wirtschaftsbereichen, welche von Ausgangs- und Kontaktsperren betroffen waren, Einkommenseinbußen aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit, sondern auch denen in exportorientierten Branchen. Wie stark sich die Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt auswirkt, dürfte sich erst in ein paar Monaten zeigen, weil Unterbeschäftigung derzeit über die Kurzarbeiterregelung abgefangen wird. Trotzdem ist die Arbeitslosigkeit am aktuellen Rand gestiegen, so dass die Angst vor einem möglichen Jobverlust neben den Einkommenseinbußen ein wesentliches Konsumhemmnis darstellt. Dies spiegelt sich auch im von der Gesellschaft für Konsumforschung ermittelten Konsumklima wider. Dieses hatte sich zwar im Mai ein wenig vom Schock, der durch die CoronaPandemie ausgelöst wurde, erholt, bewegt sich aber nur etwas über dem Stimmungstief der letzten

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zwei Monate. Bei der Nachfrage nach Gütern des täglichen Bedarfs sind keine erheblichen Einbußen zu erwarten. Wir rechnen aber damit, dass sich die Verbraucher bei der Anschaffung von langlebigen Konsumgütern zurückhalten werden. Die im Juli anstehende Erhöhung der gesetzlichen Altersbezüge von mehr als drei Prozent dürfte wenig zur Besserung der Lage beitragen. Alles in allem wären die realen Privaten Konsumausgaben im laufenden Jahr wohl ohne Stimuli um 8,5 bis zehn Prozent eingebrochen. Nach Überschlagsrechnung sanken die Ausgaben real in der zweiten Märzhälfte um rund 15 Prozent. Daten für April und Mail liegen noch nicht vor, man kann aber kaum von einer deutlichen Erholung ausgehen. Die vom Gesetzgeber beschlossenen Stützungsmaßnahmen werden den Rückgang beim Privaten Konsum nur teilweise kompensieren; wir rechnen daher mit einem Rückgang im Jahresverlauf gegenüber dem Vorjahr in Höhe von noch sieben Prozent. Dies setzt jedoch voraus, dass sich das Ausgabeverhalten der privaten Haushalte tatsächlich wieder deutlich belebt. Wir rechnen zudem damit, dass die Konsumausgaben des Staates um vier Prozent steigen werden. Hieraus ergibt sich in der Summe ein Rückgang der Konsumausgaben um 4,1 Prozent. Der Cocktail aus angebotsseitiger Behinderung, einbrechender weltwirtschaftlicher Nachfrage und rekordverdächtiger Unterauslastung von Produktionskapazitäten dürfte die Investitionstätigkeit der Unternehmen zum Erliegen bringen. Da hilft es wenig, wenn finanzierungsseitig aufgrund des weiter anhaltenden Niedrigzinsumfeldes kaum Hindernisse bestehen. Wir rechnen daher bei den Ausrüstungsinvestitionen mit einem Rückgang, der mit minus 20 Prozent noch stärker ausfallen wird als im Jahr der Finanzkrise 2009. Bei den Bauinvestitionen stellt sich die Lage etwas anders dar. Die Bauunternehmen profitieren derzeit noch von einem hohen Auftragspolster. Dank niedriger Zinsen wird die Nachfrage nach Wohnraum noch eine Zeit lang stabil bleiben. Beim Wirtschaftsbau spielen die konjunkturreagiblen Industrieunternehmen nicht mehr die Rolle, die sie in der Vergangenheit hatten, sodass die weltweite konjunkturelle Schwäche auf die Aktivitäten im Wirtschaftsbau ausstrahlen dürfte. Zudem ist es politisch gewollt, dass die Deutsche Bahn AG auch weiterhin ihre Investitionen in Schienenwege aufrechterhält. Im öffentlichen Bau ist ebenfalls eine stabile Investitionstätigkeit zu erwarten, zumal hier zusätzliche konjunkturstützende Maßnahmen wahrscheinlich sein werden. In der Summe erwarten wir bei den Bauinvestitionen keinen Rückgang. Die Investitionen in sonstige Anlagen (Software, Forschung und Entwicklung) sind erfahrungsgemäß weniger konjunkturreagibel, dürften aber mit plus einem Prozent nicht mehr ganz so stark steigen wie in den Jahren zuvor. Zusammen ergibt sich hieraus ein Rückgang bei den Bruttoanlageinvestitionen im Vergleich zum Vorjahr um 6,4 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt des Jahres 2020 dürfte in realer Rechnung um 6 ½ Prozent zurückgehen. Das wäre der stärkste Rückgang seit Bestehen der Bundesrepublik.

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Impressum Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) Breite Straße 29 10178 Berlin T: +49 30 2028-0 www.bdi.eu Autoren Dr. Klaus Günter Deutsch T: +49 30 2028-1591 k.deutsch@bdi.eu Thomas Hüne T: +49 30 2028-1592 t.huene@bdi.eu Solveigh Jäger T: +49 30 2028-1533 s.jaeger@bdi.eu Petra Küntzel T: +49 30 2028-1454 p.kuentzel@bdi.eu Redaktion/Grafiken Marta Gancarek T: +49 30 2028-1588 m.gancarek@bdi.eu

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Grunddaten zu den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen Verwendung des Bruttoinlandsproduktes (preis-, saison- und kalenderbereinigt) Veränderung zum Vorzeitraum in Prozent 2019

2020

2018

2019

Q1

Q2

Q3

Q4

Q1

1,3

1,8

1,0

0,2

0,5

0,0

-2,2

-Private Konsumausgaben

1,3

1,6

0,9

0,2

0,2

0,0

-3,2

-Konsumausgaben des Staates

1,4

2,6

1,1

0,5

1,4

0,1

0,2

3,5

2,6

1,6

-0,3

-0,1

-0,4

-0,2

-Ausrüstungsinvestitionen

4,4

0,6

1,1

0,0

-1,4

-2,0

-6,9

-Bauinvestitionen

2,5

3,9

2,6

-0,9

0,4

0,1

4,1

-sonstige Anlagen

4,3

2,7

-0,6

0,9

1,0

1,1

-0,3

Inländische Verwendung

2,1

1,0

0,3

0,3

-0,5

0,3

-1,5

Exporte

2,1

0,9

1,7

-1,4

1,3

-0,6

-3,1

Importe

3,6

1,9

1,4

-0,3

-0,3

0,1

-1,6

Insgesamt

1,5

0,6

0,5

-0,2

0,3

-0,1

-2,2

Konsumausgaben

Bruttoanlageinvestitionen

Wachstumsbeiträge zum preisbereinigten BIP (in Prozentpunkten) Konsumausgaben

1,0

1,3

0,7

0,2

0,4

0,0

-1,6

-Private Konsumausgaben

0,7

0,8

0,5

0,1

0,1

0,0

-1,7

-Konsumausgaben des Staates

0,3

0,5

0,2

0,1

0,3

0,0

0,0

0,7

0,6

0,3

-0,1

0,0

-0,1

0,0

-Ausrüstungsinvestitionen

0,3

0,0

0,1

0,0

-0,1

-0,1

-0,5

-Bauinvestitionen

0,3

0,4

0,3

-0,1

0,0

0,0

0,4

-sonstige Anlagen

0,2

0,1

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

Vorratsveränderungen u. Ä.

0,3

-0,9

-0,8

0,2

-0,9

0,3

0,3

Inländische Verwendung

2,0

0,9

0,3

0,3

-0,5

0,3

-1,4

-0,4

-0,4

0,2

-0,5

0,8

-0,4

-0,8

Bruttoanlageinvestitionen

Außenbeitrag

Quelle: Destatis

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Quartalsbericht Deutschland II-2020 by Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. - Issuu