Drittmittelfinanzierte Expertisen
IW-Gutachten Industrie in Europa Industrie in Europa Manuel Fritsch, Thorsten Lang, Edgar Schmitz
Auftraggeber: Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. Kรถln, 16.02.2018
Industrie in Europa
Impressum IW Consult GmbH Konrad-Adenauer-Ufer 21 50668 Kรถln
Kontakt Tel.: 0221 4981-758 www.iwconsult.de
Autoren Manuel Fritsch, Thorsten Lang, Edgar Schmitz
Bildnachweis Titelseite shutterstock.com, Magnifier
1
Industrie in Europa
Inhaltsverzeichnis
Executive Summary
3
1
Die Industrie in Europa – Vorgehen
5
2
Bedeutung der Industrie
6
2.1
Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung
2.1.1 Direkte Wertschöpfungsanteile
6 6
2.1.2 Die Industrie im europäischen Produktionsnetzwerk
12
2.1.3 Verbundwertschöpfung des Industrie-Dienstleistungsverbundes
18
2.2
Beschäftigungseffekte des Verarbeitenden Gewerbes
19
2.3
Exporte
22
2.3.1 Position der EU im internationalen Handel
22
2.3.2 Position der EU in wissensintensiven Produkten
25
3
Produktivität im internationalen Vergleich
28
4
Der Mittelstand in Deutschland und Europa
34
4.1
Strukturdaten des Mittelstandes in Europa
34
4.2
Internationalisierung des deutschen Mittelstandes
35
Tabellenverzeichnis
37
Abbildungsverzeichnis
38
5
39
Anhang
Literaturverzeichnis
2
44
Industrie in Europa
Executive Summary Die Unternehmen der Industrie, eng definiert als Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, stellen weiter das Rückgrat der europäischen Wirtschaft dar. Der direkte Anteil der Industrie an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung in Europa lag im Jahr 2016 bei 16,2 Prozent, 2012 waren es noch 15,4 Prozent. Die Bedeutung der Industrie geht jedoch weit über den direkten Wertschöpfungseffekt hinaus:
◼ Die Industrieunternehmen in Europa sind der größte Abnehmer von Vorleistungen anderer Branchen innerhalb der Europäischen Union (EU). 2014 wurden Waren und Dienstleistungen im Wert von 1,8 Billionen Euro von anderen europäischen Branchen bezogen. Das entspricht 33,6 Prozent deren gesamter Vorleistungslieferungen an andere Branchen.
◼ Aufgrund der intensiven Vorleistungsverflechtungen mit anderen Branchen entsteht durch die Industrie zusätzlich zur eigenen Wertschöpfung eine Verbundwertschöpfung von rund 4 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung. Damit basiert mehr als ein Fünftel der Wertschöpfung auf der Industrie.
◼ Die Industrie ist ein Beschäftigungsmotor für Europa. Rund 32 Millionen Arbeitsplätze werden direkt, weitere 29,6 Millionen indirekt durch Vorleistungsbezüge garantiert. Insgesamt basieren damit rund 61,6 Millionen Jobs in der EU auf der Industrie in Europa. Die Industrie in Europa steht für rund zwei Fünftel der internationalen Warenexporte.
◼ Zwar hat sich der Weltmarktanteil Europas seit dem Jahr 2000 um rund 6 Prozent verringert, seit 2012 ist der Anteil der EU jedoch konstant geblieben. Andere klassische Industrieländer wie die USA und Japan haben zudem deutlich stärker an Bedeutung auf dem Weltmarkt verloren.
◼ Die Länder der EU zählen zu den wissensintensivsten Volkswirtschaften weltweit. Dies spiegelt sich in der relativen Exportspezialisierung auf Güter forschungsintensiver Branchen wider. Die Industrie in Europa ist vor allem auf Medium-Hightech-Güter etwa aus dem Maschinenbau oder Fahrzeugbau spezialisiert. Stand und Entwicklung der Produktivität in der EU unterscheiden sich weiter stark.
◼ Die durchschnittliche Produktivität in Euro je Stunde schwankt stark zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten. Während die Beschäftigten in der Industrie im EU-Durchschnitt 39,2 Euro je Stunde erwirtschaften, sind es in Dänemark 81,5 Euro je Stunde. In Bulgarien dagegen nur 6,7 Euro je Stunde.
◼ Seit 2000 hat sich die Arbeitsproduktivität unterschiedlich entwickelt. In der EU ist diese im Durchschnitt um 62 Prozent gewachsen, in Deutschland um 59 Prozent. Italien, das Vereinigte Königreich und Frankreich konnten ein Wachstum zwischen 41 und 45 Prozent erreichen. Der industrielle Mittelstand besitzt für die Industrie in Europa eine entscheidende Rolle:
◼ Der Mittelstand steht für 99,3 Prozent der Unternehmen, 58,4 Prozent der Beschäftigten und 42,3 Prozent der Wertschöpfung der Industrie in Europa.
3
Industrie in Europa
◼ Am Beispiel des deutschen Mittelstandes zeigt sich: Selbst kleinste Unternehmen sind im Ausland unterwegs. So sind auch die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit Exporten, Beschäftigten und sogar Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten über nationale Grenzen hinweg aktiv. Anders als bei großen Unternehmen verbleibt der Schwerpunkt der unternehmerischen Aktivitäten jedoch im Inland. Die Industrie ist ein entscheidender Faktor für das wirtschaftliche Wachstum der Volkswirtschaften in Europa. Länder mit einer höheren Industriequote haben sich in den letzten Jahren besser entwickelt, die Industrie in Europa hat seit 2013 wieder stärker an Bedeutung gewonnen. Auch wenn der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes seit 2012 um rund 1 Prozent gestiegen ist, und 2016 in Europa erstmals wieder über dem Vorkrisenniveau des Jahres 2008 liegt, ist man weiter signifikant vom Zielkorridor für das Jahr 2020 entfernt. Gerade im Zuge der Megatrends der Globalisierung, Digitalisierung und immer stärkeren Vernetzung von Industrie und Dienstleistungen stellt sich die Frage, ob die Betrachtung der Bedeutung der Industrie nicht um andere Merkmale – über den direkten Wertschöpfungsbeitrag hinaus – ergänzt werden sollte.
4
Industrie in Europa
1 Die Industrie in Europa – Vorgehen Die Industrie1 stellt weiter das Rückgrat der Wirtschaft in Europa dar. Allein durch ihre direkte Wertschöpfung stellt sie in den Ländern der EU28 eine der bedeutendsten wirtschaftlichen Branchen dar. Eine Studie von Lichtblau et al. (2013) hat zudem gezeigt, dass die Bedeutung der Industrie deutlich über ihren direkten Beitrag hinausgeht. Die Industrie ist stark mit anderen Branchen verflochten, wodurch sie etwa durch ihre Nachfrage nach Vorleistungsprodukten und Dienstleistungen in anderen Branchen im Industrie-Dienstleistungsverbund weitere Wertschöpfungseffekte generiert. Der nachfolgende Kurzbericht stellt im Kern eine Aktualisierung der zentralen Kennzahlen der Studie von Lichtblau et al. aus dem Jahr 2013 dar. Dazu werden
◼ der Impact der Industrie auf die direkte Wertschöpfung, ◼ die Vorleistungsverflechtungen, ◼ die Verbundwertschöpfung, ◼ die Exporte und ◼ die Beschäftigungseffekte betrachtet. Die Betrachtung wird ergänzt durch Produktivitätskennziffern und Kennzahlen zum industriellen Mittelstand in Europa.
1
5
In der engen Definition als Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes abgegrenzt.
Industrie in Europa
2 Bedeutung der Industrie 2.1 Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung Der Anteil der Industrie an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung soll im Folgenden in zwei Dimensionen dargestellt werden. Neben dem direkten Wertschöpfungsanteil soll die Wertschöpfung des IndustrieDienstleistungsverbundes erfasst werden.
2.1.1 Direkte Wertschöpfungsanteile Die Industrie zählt weltweit zu den bedeutendsten Branchen. Gleichwohl ist der Wertschöpfungsanteil der Industrie in den Ländern der G512 seit dem Jahr 2000 von 19 Prozent auf 17,8 Prozent gefallen. (Tabelle 2-13). Dies liegt nicht zuletzt am Erstarken des Dienstleistungssektors in den Industrieländern. Besonders in westlichen Industrieländern ist die direkte Bedeutung der Industrie rückläufig. So hat sich der Wertschöpfungsanteil des Verarbeitenden Gewerbes im Vereinigten Königreich und in Frankreich um je 4,4 Prozent reduziert. In Italien ging er um 3,3 Prozent zurück, in den USA um 3,2 Prozent. Mit Deutschland und Südkorea gab es lediglich zwei große Industrienationen, welche den Industrieanteil an der nationalen Wertschöpfung konstant halten oder sogar ausbauen konnten. Auch in China ist die Industrie seit dem Jahr 2000 nicht so stark gewachsen wie die sonstigen Branchen. Mit 29 Prozent ist der Anteil der Industrie an der nationalen Wertschöpfung jedoch weiter stark überdurchschnittlich. Zugenommen hat die direkte Bedeutung der Industrie dagegen in den Ländern Mittel- und Osteuropas. Mit 21,2 Prozent der nationalen Wertschöpfung liegen diese Länder um 0,9 Prozentpunkte über dem Wert des Jahres 2000.
2
Die G51 stellen die Länder der international bedeutendsten Volkswirtschaften und Wirtschaftsregionen dar. Auf diese entfallen rund 88 Prozent der Exporte des Verarbeitenden Gewerbes weltweit. Die Länderauswahl orientiert sich dabei an der Länderauswahl G50 der Studie von Lichtblau et al. (2013), ergänzt um das neueste Mitglied der Europäischen Union – Kroatien.
3
6
Daten zu weiteren Ländern finden sich in Tabelle 5-3 im Anhang.
Industrie in Europa Tabelle 2-1: Anteil Wertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes G51; Angaben in Prozent; Veränderung in Prozentpunkten
Anteil nationale Wertschöpfung Verarbeitendes Gewerbe
Anteil an globaler Wertschöpfung Verarbeitendes Gewerbe
2000
2016
2000 – 2016
2000
2016
2000 – 2016
EU28
18,6
16,2
-2,4
26,7
21,2
-5,5
EU27 (ohne GBR)
19,5
17,3
-2,2
22,8
19,1
-3,8
Euroraum
19,4
17,1
-2,3
20,3
16,2
-4,1
Westeuropa
18,6
15,8
-2,8
25,1
18,8
-6,3
MOE
20,3
21,2
0,9
1,2
2,0
0,8
Gesamt
19,0
17,8
-1,2
100
100
Deutschland
23,0
22,9
-0,1
7,3
6,4
-0,9
Frankreich
15,7
11,4
-4,4
3,5
2,2
-1,3
Italien
19,5
16,3
-3,3
3,6
2,4
-1,2
Vereinigtes Königreich
14,6
10,1
-4,4
3,9
2,1
-1,8
USA
15,5
12,3
-3,2
27,8
19,2
-8,6
Japan
22,5
20,5
-2,0
19,9
7,9
-11,9
Korea
29,0
29,3
0,4
2,6
3,3
0,7
China
31,8
29,0
-2,8
6,9
30,3
23,4
Quellen: Eurostat (2018); OECD (2018); Weltbank (2018); eigene Berechnungen
Betrachtet man die Verteilung der industriellen Wertschöpfung auf die Länder der G51, fällt vor allem die gestiegene Bedeutung Chinas auf. Im Jahr 2000 entfiel mit 6,9 Prozent rund jeder fünfzehnte Euro der industriellen Wertschöpfung weltweit auf China. 2016 war es mit 30,3 Prozent fast jeder Dritte. Gleichwohl hat die Bedeutung des Dienstleistungssektors auch in den großen Schwellenländern zugenommen. So hat sich der Anteil der industriellen Wertschöpfung an der gesamten Wertschöpfung in China seit dem Jahr 2000 um 2,8 Prozent reduziert. Während vor allem die USA und Japan Weltmarktanteile verloren haben, konnten die Länder Mittel- und Osteuropas sowie Korea ebenfalls ihren Weltmarktanteil erhöhen. Der Weltmarktanteil der Länder Westeuropas reduzierte sich um insgesamt 6,3 Prozent. Innerhalb der großen europäischen Volkswirtschaften war der Rückgang in Deutschland mit nur minus 0,9 Prozentpunkten noch am geringsten.
7
Industrie in Europa Abbildung 2-1 stellt die Entwicklung des Wertschöpfungsanteils des Verarbeitenden Gewerbes in ausgewählten Regionen dar. Dabei zeigt sich, dass in den beiden Volkswirtschaften mit stark überdurchschnittlichem Industrieanteil, Korea und China, seit 2011 die Bedeutung der Industrie relativ gesehen abgenommen hat. In den meisten anderen betrachteten Regionen ist dagegen ein leichter Aufwärtstrend bezüglich der Bedeutung der Industrie zu erkennen. Seit 2011 ist der Anteil der nationalen Wertschöpfung der Industrie in den Ländern der G51 um 0,4 Prozentpunkte gestiegen.
Abbildung 2-1: Entwicklung der Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe Angaben in Prozent der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung; ausgewählte Regionen 34,0
CHN
29,0
29,3 29,0
KOR
24,0 SVK 22,9 22,6
DEU
ITA EU27 19,0 G51 EU28
17,8 17,3 16,3 16,2
FRA USA 14,0
GBR
12,3 11,4 10,1 9,0 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 G51
EU28
EU27
DEU
FRA
KOR
USA
CHN
SVK
GBR
Quellen: Eurostat (2018); OECD (2018); Weltbank (2018); eigene Berechnungen
8
ITA
Industrie in Europa Bei der Entwicklung der Weltmarktanteile zeigt sich die stetig wachsende Bedeutung der Volksrepublik China bei der weltweiten industriellen Produktion (Abbildung 2-2). Der Rückgang der Weltmarktanteile anderen Regionen sollte auch mit Bezug auf die gestiegene Bedeutung Chinas auf dem Weltmarkt betrachtet werden. Während Europa zwischen 2000 und 2004 ebenfalls stark an Bedeutung gewonnen hat, hat die USA schon früh Weltmarktanteile verloren. Am aktuellen Rand nähert sich die Bedeutung der beiden Regionen jedoch wieder an.
Abbildung 2-2: Entwicklung des Anteils an der globalen Wertschöpfung des Ver. Gewerbes Angaben in Prozent der Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe der G51-Länder; ausgewählte Regionen 35,0 EU28
EU27
DEU
FRA
KOR
USA
CHN
GBR
ITA
30,3
30,0 USA EU28 25,0 EU27
21,2 20,0
19,2 19,1
15,0
10,0 DEU CHN 5,0
GBR ITA FRA KOR
6,4
3,3 2,4 2,2 2,1
0,0 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Quellen: Eurostat (2018); OECD (2018); Weltbank (2018); eigene Berechnungen
9
Industrie in Europa Die europäische Industrie konnte jedoch auch von den neuen Absatzmärkten in China und anderen Schwellenländern profitieren. Insgesamt hat sich die industrielle Wertschöpfung in Europa seit dem Jahr 2000 um rund 550 Milliarden Euro erhöht. Von den großen europäischen Volkswirtschaften musste alleine das Vereinigte Königreich auch in absoluten Zahlen hier einen Verlust verzeichnen. Mit 16,2 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung lagen die Länder der EU28 im Jahr 2016 beim Industrieanteil jedoch noch deutlich unter dem selbstgesteckten Ziel von 20 Prozent. Betrachtet man die EU ohne das Vereinigte Königreich, erhöht sich der Anteil auf 17,3 Prozent. Abbildung 2-3 stellt die Entwicklung des Anteils der industriellen Wertschöpfung in Europa im Zeitverlauf dar. So ist seit der Wirtschaftskrise 2009 durchaus ein Wachstum des Anteils der industriellen Wertschöpfung zu verzeichnen. Mit 16,2 Prozent lag der Wert 2016 auch erstmals wieder über dem Vorkrisenniveau des Jahres 2008.
Abbildung 2-3: Entwicklung der Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe in der EU28 Angaben in Prozent der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung
18,6
18,1 17,5
17,1
16,9
16,6
16,5
16,5
16,0 15,4
15,7
15,4
15,4
15,6
16,0
16,2
14,7
2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Quellen: Eurostat (2018); OECD (2018); Weltbank (2018); eigene Berechnungen
Über alle Länder der G51 hinweg hat sich der Anteil seit 2000 zwar ebenfalls verringert, jedoch ist der Industrieanteil – mit Ausnahme der Weltwirtschaftskrise 2009 – seit dem Jahr 2002 relativ konstant geblieben. So lag er 2002 bei 17,6 Prozent – rund 0,2 Prozentpunkte niedriger als im Jahr 2016. Insgesamt schwankte der Industrieanteil seit 2002 zwischen 17,2 und 17,8 Prozent. So fiel der Rückgang der Industriequote global im Vergleich zu Europa 2009 weniger drastisch aus. Jedoch hat sich der Industrieanteil in Europa seit 2010 auch dynamischer entwickelt als über alle Länder der G51 hinweg betrachtet. Im gesamten Vergleichszeitraum seit dem Jahr 2000 gibt es jedoch nur wenige Länder, die den nationalen Anteil der industriellen Wertschöpfung erhöhen konnten. Neben Bulgarien, Polen, Ungarn, Tschechien und
10
Industrie in Europa Korea fällt hier vor allem der hohe Anteil Irlands auf. Nach Angaben des Central Statistics Office Irland entfallen Teile dieses Wachstums auf Umklassifizierungen von Dienstleistungsunternehmen in Industriebranchen. Vor allem die Chemie und Pharmabranche konnten ihre Wertschöpfung hier sprunghaft steigern4. Abbildung 2-4 stellt den Anteil der industriellen Wertschöpfung 2016 sowie dessen Veränderung seit dem Jahr 2000 dar. Dabei ist die Tendenz auszumachen, dass Länder mit einem höheren Industrieanteil diesen eher erhöhen konnten bzw. geringere Verluste verzeichnen mussten.
Abbildung 2-4: Anteil nationaler Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe 2016 in Prozent; Veränderung seit 2000 in Prozentpunkten 10 IRL
5 BGR VNM ARG IND DNK 0
GRC
0
5 CYP
LUX
POL LTU AUT
HUN
ROU
CZE
DEU LVA NOR 10 EST 15 20 25 NLD PRT HRV SVN USA JPN SVK FRA MEX PHL ESP TUR GBR ITA -5 IDN BRA BEL AUS NZL ISR ZAF CHL MYS SWE CAN
KOR THA
30
35
40
CHN
-10
RUS
FIN
MLT
-15
Korrelation zwischen Anteil industrieller Wertschöpfung und Veränderung von 0,55 Ursprung des Koordinatenkreuzes im umsatzgewichteten Mittelwert des Industrieanteils der G51Länder; Länder der EU28 in Blau. Quellen: Eurostat (2018); OECD (2018); Weltbank (2018); eigene Berechnungen
4
Da ein Großteil der irischen Firmen dieses Sektors multinational tätig ist, besteht zudem die Möglichkeit, dass der Anstieg der Wertschöpfung der Branchen auf statistische Effekte durch Gewinnverlagerungen nach Irland generiert wurde. Dies zeigt sich unter anderem im Auseinanderfallen des Bruttoinlandsprodukts und des Bruttonationaleinkommens. Der Anstieg der industriellen Wertschöpfung schlägt sich zudem nicht in einem entsprechen Anstieg der Exporte oder der Arbeitsstunden des Verarbeitenden Gewerbes in Irland nieder.
11
Industrie in Europa Die Industrie hat in den einzelnen Mitgliedstaaten der EU seit dem Jahr 2000 dabei in unterschiedlicher Größenordnung zum Wachstum beigetragen. Abbildung 2-5 stellt die unterschiedlichen direkten Beiträge der Industrie im Inland für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) dar. Während in Deutschland, Irland sowie in verschiedenen Ländern Mittel- und Osteuropas die Industrie mindestens zu einem Fünftel zum Wachstum des BIP beigetragen hat, war im Vereinigten Königreich und Finnland sogar ein geringfügiger Rückgang der nationalen Wertschöpfung in der Industrie seit dem Jahr 2000 zu beobachten.
Abbildung 2-5: Unterschiedliche Bedeutung der Industrie in den Mitgliedstaaten 40
Anteil Verarbeitendes Gewerbe am BIP-Wachstum (2000-2016) in Prozent
IRL 35 30 25
CZE DEU
20
SVN
HUN POL
SVK BGR
15 AUT
DNK 10 5 GRC 0
ESP ITA NLD PRT BEL SWE
LUX
FRA FIN
GBR -5 0
50
100
150
200
250
300
Wachstum Pro-Kopf-BIP in Prozent (2000-2016)
Blaue Linien: EU28-Durchschnitt; Blasengröße: Anteil eines Landes am Verarbeitenden Gewerbe in der EU28 in Prozent (2016). Quellen: Eurostat (2018); eigene Berechnungen
2.1.2 Die Industrie im europäischen Produktionsnetzwerk Die Bedeutung der Industrie auf ihren direkten Wertschöpfungsanteil zu reduzieren, würde jedoch zu kurz greifen. So ist die Industrie wichtiger Abnehmer von Vorleistungen anderer nationaler und internationaler Unternehmen. Sie dient dabei nicht nur als Absatzmarkt für deren Produkte, sondern integriert ihre Vorleister durch ihre hohe Exportorientierung auch in internationale Wertschöpfungsketten. Neben den eigenen Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekten werden so auch Produktion und Arbeit in einer ganzen Reihe von weiteren Branchen bedingt. 12
Industrie in Europa Die Analyse der Vorleistungsverflechtungen zwischen den einzelnen Branchen der EU28 zeigt, dass die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes im Zentrum des europäischen Wertschöpfungsnetzwerkes stehen (Abbildung 2-6). So sind die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes an 45 Prozent des Vorleistungshandels in der EU als Kunde oder Lieferant beteiligt. Rund jeder dritte Euro der branchenübergreifenden Vorleistungslieferungen der anderen neun Branchengruppen ging an die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. Größter Zulieferer der Industrie waren dabei die Unternehmen aus den Branchen der unternehmensnahen Dienstleistungen. Diese lieferten Vorleistungen im Wert von rund 783 Milliarden Euro an die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes der EU28. Insgesamt wurden durch die Industrieunternehmen der EU unionsweit Waren und Dienstleistungen im Wert von 1,8 Billionen Euro aus anderen Branchen bezogen.
Abbildung 2-6: EU28 – Produktionsnetzwerk Vorleistungen 2014 mit externen Branchen; Summe aus erhaltenen und gelieferten Vorleistungen
Größe der Knoten nach Produktionswert der Branchen in den Ländern der EU28. Quellen: WIOD (2016); eigene Berechnungen
Auch zwischen den Industrieunternehmen der einzelnen Mitgliedstaaten hat sich der Vorleistungshandel in den letzten 15 Jahren innerhalb Europas signifikant erhöht. Fritsch und Matthes (2017) zeigen, dass der interregionale Vorleistungshandel in Europa im Vergleich zu anderen Regionen wie Nordamerika oder Asien seit dem Jahr 2000 besonders stark gewachsen ist. So wurden im Jahr 2014 rund 14,6 Prozent aller Vorleistungsbezüge aus anderen Staaten der EU28 bezogen. Das sind rund 3 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2000 und über 10 Prozentpunkte mehr als in Nordamerika oder Asien. 13
Industrie in Europa Die Verflechtung mit anderen Branchen, was den Wert der bezogenen Vorleistungen betrifft, ist in den Ländern der EU28 jedoch relativ konstant geblieben. Von den Vorleistungen im Wert von 3,3 Billionen Euro, die die Industrie in Europa im Jahr 2000 bezog, wurden 53,5 Prozent von anderen Industrieunternehmen zugeliefert. 2014 ist diese Quote mit 53,7 Prozent sogar geringfügig gewachsen (Abbildung 2-7).5 Gestiegen ist dabei der Anteil von industriellen Vorleistungen aus dem Ausland. Diese sind von 20,7 Prozent im Jahr 2000 auf 25,9 Prozent der bezogenen Vorleistungen der Industrie in 2014 gestiegen. Industrielle Vorleistungen aus dem Inland sind in diesem Zeitraum etwa in derselben Größenordnung gefallen. Die Industrie in Deutschland liegt mit 55,4 Prozent intraindustrieller Vorleistungen etwas über dem Schnitt der EU. 29,8 Prozent kommen davon aus dem Inland. Im Jahr 2000 lag der Anteil der intraindustriellen Vorleistungen in Deutschland noch bei 58,7 Prozent. Damit ist in der deutschen Industrie in den letzten 15 Jahren ein Outsourcing von rund 3 Prozent der Vorleistungsbezüge an den Dienstleistungssektor zu beobachten.
Abbildung 2-7: EU28 – Anteil intraindustrieller Vorleistungsbezüge im Zeitverlauf Angaben in Prozent der Vorleistungen (Linien); Vorleistungsbezüge in Billionen Euro (Balken); Ver. Gewerbe 4,5
60
4,6
4,6
4,2
53,5 50
3,3
3,4
3,3
3,3
3,6
4,6
4,5
05 53,704
4,1
3,8
05
4,5
3,7
04
40
03
32,7 30
03 27,9 02 25,9 02
20 20,7
01
10
01
00
00 2000
2001
2002
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
Vorleistungsbezug
Anteil intraindustriell - Inland
Anteil intraindustriell - Ausland
Anteil intraindustrieller Vorleistungen
2014
Quellen: WIOD (2016); eigene Berechnungen
5
Auf Basis der reinen Vorleistungsdaten lassen sich keine eindeutigen Rückschlüsse zur Herkunft der Wertschöpfung in den Produkten der Industrie ziehen. Hierfür sind weiterführende Forschungen auf Basis von Input-Output-Tabellen notwendig.
14
Industrie in Europa Innerhalb der EU stellen die großen Industrienationen Europas die wichtigsten Drehscheiben im Vorleistungsverbund der europäischen Industrie dar. Der größte bilaterale Vorleistungshandel zwischen zwei Ländern in Europa mit einem Industrieunternehmen als Abnehmer der Vorleistung wurde 2014 zwischen Deutschland und den Niederladen notiert. Insgesamt rund 87,2 Milliarden Euro Vorleistungen importierten die Industrieunternehmen der beiden Länder zusammen aus dem Nachbarland. Deutschland ist an den jeweils größten fünf bilateralen Vorleistungsverflechtungen direkt beteiligt. Mit rund 62 Milliarden Euro wurden 2014 Vorleistungen mit Frankreich ausgetauscht. Italien kommt im bilateralen Vorleistungshandel mit Deutschland auf 53,9 Milliarden Euro, Österreich auf 46 Milliarden Euro und Polen auf 41,2 Milliarden Euro. Insgesamt wurden grenzüberschreitend Vorleistungen durch die Industrie in Europa in Höhe von über 1 Billion Euro bezogen. Abbildung 2-8 stellt die Vorleistungsverflechtungen der Industrie in Europa grafisch dar.
Abbildung 2-8: Bilaterale Vorleistungsverflechtungen der Industrie in Europa 2014 Länder der EU28; Angaben in Milliarden Euro
Größe der Knoten basiert auf der industriellen Wertschöpfung der Länder; dargestellt werden alle Verbindungen ab einem Volumen von 5 Milliarden Euro; Malta und Zypern ohne Vorleistungsverflechtung oberhalb des Grenzwertes der Darstellung. Quellen: WIOD (2016); eigene Berechnungen
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Industrie in Europa Die starke Verflechtung der europäischen Industrie zeigt sich auch daran, dass 21,7 Prozent des Produktionswertes des Verarbeitenden Gewerbes 2014 in den Ländern der EU28 auf der Nachfrage nach industriellen Vorleistungen aus den anderen Ländern der EU basierten. In absoluten Zahlen entspricht dies einem Produktionswert von rund 1,4 Billionen Euro für die europäische Industrie. Der größte absolute Produktionseffekt entfällt dabei mit rund 373 Milliarden Euro auf die deutsche Industrie (Abbildung 2-9). Aber auch die anderen vier großen Volkswirtschaften in Europa (Frankreich, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich) sind mit einem durch die Vorleistungsnachfrage implizierten Produktionswert von zusammen 453 Milliarden Euro signifikant in europäische Produktionsnetzwerke eingebunden.
Abbildung 2-9: Verteilung Produktionseffekte interregionales Vorleistungsnetzwerk 2014 Implizierter Produktionswert des Verarbeitenden Gewerbes durch Nachfrage nach industriellen Vorleistungsprodukten aus dem EU-Ausland; Angaben in Milliarden Euro Deutschland Italien Frankreich Niederlande Spanien Belgien Vereinigtes Königreich Polen Österreich Tschechien Schweden Ungarn Finnland Slowakei Irland Portugal Dänemark Rumänien Slowenien Bulgarien Litauen Griechenland Estland Luxemburg Kroatien Lettland Malta Zypern
372,6 161,8 133,8 108,4 85,3 81,4 72,1 71,7 56,9 56,7 46,3 32,7 27,6 23,2 19,1 17,3 17,1 16,3 8,4 6,1 5,6 5,2 3,8 3,7 3,2 2,4 0,4 0,2
Quellen: WIOD (2016); eigene Berechnungen
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Industrie in Europa Prozentual betrachtet ist die Industrie in Luxemburg am stärksten als Vorleistungslieferant in intereuropäische Wertschöpfungsketten eingebunden (Abbildung 2-10). 42,8 Prozent des industriellen Produktionswertes des Landes basieren auf der Nachfrage aus dem europäischen Ausland. Neben den Beneluxstaaten ist vor allem die Industrie in Mittel- und Osteuropa besonders intensiv als Vorleister in europäischen Wertschöpfungsketten aktiv. Rund 29,9 Prozent ihres Produktionswertes basiert auf der innereuropäischen Vorleistungs-Nachfrage. In Westeuropa ist der Wert mit 20,7 Prozent im europäischen Vergleich leicht unterdurchschnittlich. Besonders die Länder der Visegrád-4-Gruppe profitieren mit 31,9 Prozent ihres Produktionswertes stark von den innereuropäischen Wertschöpfungsketten als Absatzmarkt ihrer Produkte.
Abbildung 2-10: Produktionseffekte interregionales Vorleistungsnetzwerk Ver. Gewerbe 2014 Angaben in Prozent des Produktionswertes des Verarbeitenden Gewerbes im Inland
Quellen: WIOD (2016); eigene Berechnungen
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Industrie in Europa
2.1.3 Verbundwertschöpfung des Industrie-Dienstleistungsverbundes Insgesamt beziehen die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes in Europa deutlich mehr Vorleistungen aus anderen Branchen innerhalb der EU, als dass sie Produkte an diese liefern. So wurden Vorleistungen im Wert von rund 1,8 Billionen Euro aus anderen Branchen bezogen, während Vorleistungen im Wert von 1,3 Billionen Euro an diese geliefert wurden. Dieser positive Vorleistungssaldo kann als Wertschöpfung im Zuge des Industrie-Dienstleistungsverbundes interpretiert werden. Die Addition der direkten Wertschöpfung der Industrie und des Industrie-Dienstleistungsverbundes wird als Joint Production bezeichnet. Hierbei zeigt sich, dass die Bedeutung der Industrie in den meisten Volkswirtschaften durch die reine Betrachtung des Industrieanteils deutlich unterschätzt wird. Betrachtet man den Industrie-Dienstleistungsverbund auf nationaler Ebene, so zeigt sich, dass in fast allen Ländern, für die Daten vorliegen, eine positive nationale Verbundwertschöpfung im Industrie-Dienstleistungsverbund vorliegt (Abbildung 2-11 und Abbildung 2-12).
Abbildung 2-11: Wertschöpfung Verarbeitendes Gewerbe und Verbundwertschöpfung 2014 Angaben in Prozent der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung; erfasste Länder außerhalb der EU Südkorea China Taiwan Türkei Indonesien Mexiko Indien Brasilien Schweiz Japan Russland Kanada USA Norwegen Australien
32,2 31,8 31,3 30,3 27,4 25,3 24,3 20,7 20,6 18,2 15,7 13,8 13,6 11,2
Verarbeitendes Gewerbe Verbund
6,9
Quellen: WIOD (2016); eigene Berechnungen
Lediglich Zypern, Luxemburg, Malta, das Vereinigte Königreich und Japan weisen eine leicht negative Verbundwertschöpfung der Industrie auf. Mit Ausnahme von Japan handelt es sich hierbei um Volkswirtschaften, in denen die Industrie – auch in der Betrachtung des direkten Effektes – eine relativ gesehen geringe Bedeutung besitzt. In Japan basiert der auf den ersten Blick nicht intuitive Befund des negativen nationalen Vorleistungssaldos der Industrie vor allem auf der Öl- und Pharmabranche. Beide Branchen setzten einen relativ hohen Anteil ihrer Produkte als Vorleistungen an andere nationale Branchen ab. So liefert die Pharmaindustrie Japans in großem Umfang Waren an den nationalen Gesundheitssektor. Gleichzeitig werden etwa von den Raffinerien die Rohstoffe zur Produktion ihrer Güter vielfach aus dem Ausland bezogen. Am höchsten ist die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Industrie in Tschechien. Mit 36,8 Prozent basiert hier mehr als jeder dritte Euro der nationalen Wertschöpfung 2014 auf der Industrieproduktion im Inland. 10,3 Prozent stammen dabei aus dem Industrie-Dienstleistungsverbund. Auch in Deutschland entfällt mit 9,1 Prozent der nationalen Wertschöpfung ein signifikanter Anteil der nationalen Wirtschaftsleistung auf die Verbundwertschöpfung der Industrie. 18
Industrie in Europa Abbildung 2-12: Wertschöpfung Verarbeitendes Gewerbe und Verbundwertschöpfung 2014 Länder der EU28; Angaben in Prozent der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung Tschechien Deutschland Rumänien Ungarn Slowenien Slowakei Polen Kroatien Litauen Estland Österreich Bulgarien Irland Italien Finnland Schweden Belgien Dänemark Lettland Portugal Griechenland Spanien Frankreich Niederlande Vereinigtes Königreich Malta Luxemburg Zypern
10,3 8,8
36,8 31,8 30,6 29,6 28,6 27,0 25,8 25,5 24,7 24,6 23,8 22,7 22,5 22,4 22,1 21,4 19,2 18,3 18,0 17,6 16,5 16,3 15,0 14,2 Verarbeitendes Gewerbe Verbund
4,5 3,9
Quellen: WIOD (2016); eigene Berechnungen
Betrachtet man die Länder der EU28 für die Berechnung der Joint Production als eine gemeinsame Volkswirtschaft, ergibt sich für das Jahr 2014 ein direkter Wertschöpfungsanteil von 15,6 Prozent sowie eine Verbundwertschöpfung von rund 4 Prozent. Damit basieren insgesamt rund 19,5 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung der EU28 auf der Produktion des Verarbeitenden Gewerbes. Betrachtet man die Länder der EU ohne das Vereinigte Königreich (EU27) ergibt sich eine direkte Wertschöpfung von 16,5 Prozent sowie eine Verbundwertschöpfung von 5,1 Prozent. Beide Werte liegen um je rund 1 Prozent über dem Wert der EU28. Insgesamt entfallen damit rund 21,6 Prozent der Wertschöpfung in der EU27 auf die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes.
2.2 Beschäftigungseffekte des Verarbeitenden Gewerbes In den Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes in Europa waren 2016 nach Angaben von Eurostat (2018) rund 32 Millionen Erwerbstätige beschäftigt. Das entspricht einem Anteil von 13,8 Prozent der Arbeitnehmer in der EU28. Der Impact der Industrie geht jedoch deutlich über die direkt in den Betrieben tätigen Personen hinaus. Durch den Einkauf von Vorleistungen werden weitere 29,6 Millionen Arbeitsplätze in der EU garantiert. Durch diese indirekten Beschäftigungseffekte werden noch einmal rund 12,8 Prozent der europäischen
19
Industrie in Europa Arbeitsverhältnisse gesichert6. Insgesamt basieren damit rund 61,6 Millionen oder 26,5 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse in der EU auf der inländischen Produktion der Industrie (Abbildung 2-137).
Abbildung 2-13: Direkte und indirekte Beschäftigungseffekte Verarbeitendes Gewerbe 2016 EU28; Angaben in Tausend Erwerbstätigen
Vorleistungsverflechtungen am aktuellen Datenrand 2014; Erwerbstätige 2016 einzelner Branchen und Länder approximiert auf Basis der Beschäftigungsentwicklung der Obergruppe 2016/2015; absolute Beschäftigungszahlen der Branchen vgl. Tabelle 5-4 im Anhang. Quellen: WIOD (2016); Eurostat (2018); eigene Berechnungen
6
Die hier verwendete Impact-Berechnung unterscheidet sich konzeptionell von der Sicht der Joint Production. Während die Verbundwertschöpfung Vorleistungsbezüge zwischen einzelnen Branchen saldiert, berechnet die ImpactAnalyse die abhängigen Beschäftigungsverhältnisse auf Basis der gesamten Vorleistungsbezüge der Industrie aus den jeweiligen Branchen.
7
Eine Auswertung weiterer regionaler Impact-Berechnungen der Industrie findet sich in Tabelle 5-5 im Anhang.
20
Industrie in Europa Besonders die Unternehmen aus den Bereichen unternehmensnahe Dienstleistungen, Logistik, Energieversorgung, Bergbau sowie Land- und Forstwirtschaft profitieren von der innereuropäischen Nachfrage der Industrie. Jeweils mehr als ein Viertel ihrer Beschäftigten wird durch die innereuropäische Nachfrage nach Vorleistungsprodukten der Industrie impliziert. Besonders die Landwirtschaft liefert einen Großteil ihrer Produktion direkt oder indirekt an die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. Fast die Hälfte ihrer Produktion wird direkt an Industrieunternehmen, vor allem zur Nahrungsmittelherstellung, geliefert. Hinzu kommen indirekte Vorleistungslieferungen, etwa Futtermittelhersteller, die ihre Produkte an Betriebe zur Tierhaltung liefern oder die Hersteller energiereicher Pflanzen, deren Produkte als Ökostrom auch in der Industrieproduktion Verwendung finden. Die indirekten Beschäftigungsanteile gehen entsprechend über die Anteile der direkten Vorleistungsbeziehungen hinaus. Insgesamt werden für jeden Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe der EU28 rund 0,92 weitere Stellen in anderen Branchen außerhalb der Industrie geschaffen.8
8
Die Impact-Berechnungen basieren auf den Vorleistungsverflechtungen der gesamten multiregionalen Input-OutputTabellen. Dabei werden auch Wertschöpfungsketten, die einen Produktionsschritt außerhalb der EU28 beinhalten, mitberücksichtigt. Dadurch, dass diese Vorleistungsverflechtungen nicht an der EU-Außengrenze abgeschnitten werden, ist eine genauere Erfassung möglich. Die Effekte sind entsprechend signifikant größer als die Summe nationaler Input-Output-Berechnungen für jedes einzelne Mitgliedsland auf Basis nationaler Input-Output-Tabellen.
21
Industrie in Europa
2.3 Exporte Ein weiteres Messkonzept, welches die Bedeutung der Industrie für Europa unterstreicht, ist der Anteil der nationalen Wertschöpfung in den Exporten der Industrie. So entfielen nach Angaben der OECD (2018) rund drei Viertel der Ausfuhren der Länder der OECD auf Warenexporte. Berechnungen auf Basis von Daten der OECD (2016) zeigen für Europa, dass der Anteil der nationalen Wertschöpfung an den Exporten des Verarbeitenden Gewerbes mit durchschnittlich 64,7 Prozent deutlich über der durchschnittlichen direkten Wertschöpfungsquote9 des Verarbeitenden Gewerbes der EU28 in Höhe von rund 27,9 Prozent liegt. Durch die hohe Exportorientierung des Verarbeitenden Gewerbes besteht somit auch für die nationalen Dienstleister die Chance der Integration ihrer Produkte in internationale Wertschöpfungsketten. Dadurch können auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Europa, welche durchschnittlich niedrigere Internationalisierungskennziffern besitzen (vgl. Tabelle 4-2), am Wachstum in den internationalen Schwellenländern als Absatzmärkte partizipieren.
2.3.1 Position der EU im internationalen Handel Tabelle 2-2 zeigt die Entwicklung der Weltmarktanteile der Exporte des Verarbeitenden Gewerbes in zentralen Ländern und Ländergruppen. Dabei zeigt sich, dass mit Ausnahme von Deutschland der Anteil der großen Industrieländer Europas, der USA und Japans an den weltweiten Exporten seit dem Jahr 2000 signifikant rückläufig ist. So sank der Anteil der Länder Westeuropas von 43,1 Prozent im Jahr 2000 auf aktuell 34,9 Prozent. Der Anteil der USA reduzierte sich um rund ein Drittel auf 10,8 Prozent, der Weltmarktanteil Japans halbierte sich sogar von 9,7 Prozent auf rund 5 Prozent. Zulegen konnte dagegen vor allem China. Im Jahr 2000 betrug der Weltmarktanteil bezogen auf die Länder der G51 noch 5 Prozent. 2016 hatte er mit 17,3 Prozent mehr als den dreifachen Wert erreicht. Auch Südkorea und die Länder Mittel- und Osteuropas konnten ihren Weltmarktanteil steigern. Letztere profitierten dabei stark von der gestiegenen Vernetzung innerhalb der EU28. Fritsch und Matthes (2017) zeigen, dass bereits 2014 in den einzelnen Ländern Mittel- und Osteuropas jeweils mehr als 10 Prozent der nationalen Arbeitsplätze auf der Vorleistungsnachfrage aus anderen europäischen Ländern basieren. In Tschechien basierte mit 19,8 Prozent sogar rund jeder fünfte Arbeitsplatz auf der grenzüberschreitenden Vorleistungsnachfrage in europäischen Wertschöpfungsketten.
9
Durchschnittliche Wertschöpfung in Prozent des Produktionswertes.
22
Industrie in Europa Tabelle 2-2: Weltmarktanteil Exporte des Verarbeitenden Gewerbes G51; Angaben in Prozent; Veränderung in Prozentpunkten
2000
2016
Veränderung 2000 – 2016
EU28
46,1
40,9
-5,2
EU27 (ohne GBR)
40,9
37,9
-3,0
Euroraum
36,2
31,7
-4,5
Westeuropa
43,1
34,9
-8,2
MOE
2,2
4,9
2,7
Deutschland
11,0
10,7
-0,3
Frankreich
6,0
3,9
-2,1
Italien
4,9
3,7
-1,1
Vereinigtes Königreich
5,2
3,0
-2,2
USA
14,9
10,8
-4,1
Japan
9,7
5,0
-4,7
Korea
3,6
4,1
0,5
China
5,0
17,3
12,3
Quellen: OECD (2018); WTO (2018); eigene Berechnungen
Abbildung 2-14 zeigt Stand und Entwicklung der Anteile im Welthandel des Verarbeitenden Gewerbes für die einzelnen Länder der EU28. Während alle Länder Mittel- und Osteuropas ihre Weltmarktanteile steigern konnten, ging der Weltmarktanteil bei nahezu allen Ländern Westeuropas zurück. Portugal, Österreich, Spanien, die Niederlande und Deutschland konnten ihre Position im Welthandel trotz des Wachstums Chinas nahezu konstant halten. Von den großen europäischen Volkswirtschaften musste vor allem das Vereinigte Königreich Verluste hinnehmen. So sank der Weltmarktanteil des britischen Verarbeitenden Gewerbes um rund 42 Prozent. In absoluten Zahlen konnten hingegen alle 51 betrachteten Länder einen Zuwachs ihrer Exportzahlen verzeichnen. So stieg das gesamte Handelsvolumen der Länder der G51 seit dem Jahr 2000 um rund 109 Prozent.
23
Industrie in Europa Abbildung 2-14: Europäische Position im Welthandel Verarbeitendes Gewerbe Angaben in Prozent 200
Veränderung Weltmarktanteil 2000 - 2016 LTU
SVK
LVA 100
CHN
POL
150 ROU
CZE BGR
SVN 50 EST
-02
HUN
HRV AUT ESP GRC PRT 00 DNK 02 00 CYP IRL BEL MLT SWE -50 LUX FIN
DEU
NLD 04 ITA FRA
06
08
10
Weltmarktanteil 2016
GBR
-100
–– Größe der Punkte nach Weltmarktanteilen Exporte des Verarbeitenden Gewerbes; Werte für China zum Vergleich: Weltmarktanteil 17,6 Prozent, Wachstum 246,1 Prozent. Quellen: OECD (2018); WTO (2018); eigene Berechnungen
24
12
USA
Industrie in Europa
2.3.2 Position der EU in wissensintensiven Produkten Eine große Stärke der Länder Europas ist die hohe Wissensintensität der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe. Eine hohe Wissensintensität ist aufgrund der stark überdurchschnittlichen Lohnstückkosten in Europa, etwa im Vergleich zu den USA (vgl. Schröder, 2017), für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Hochlohnstandorte entscheidend. Ein Indikator, welcher die Wissensintensität von Volkswirtschaften auf Basis von Handelsdaten berechnet, ist der am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelte Economic Complexity Index (ECI). Der Index misst auf Basis der relativen Exportanteile einzelner Länder in den verschiedenen Produktarten die durchschnittliche Wissensintensität der Volkswirtschaft.10 Er ist dabei normiert auf einen Mittelwert von 0 mit einer Standardabweichung von 1. Ein Wert größer 0 bedeutet entsprechend eine überdurchschnittliche Ausstattung mit Wissen der jeweiligen Volkswirtschaft. Den höchsten Wert am aktuellen Datenrand 2015, der die kompletten Handelsdaten aller Länder enthält, besitzt Japan mit einem Wert von 2,34 (Tabelle 2-3). Bestes Land der EU28 ist Deutschland mit einem Wert von 1,92.
Tabelle 2-3: Economic Complexity Index (ECI) 2015 Top 10-Länder
Rang
Land
ECI 2015
1
Japan
2,35
2
Schweiz
2,12
3
Korea
1,97
4
Deutschland
1,92
5
Singapur
1,72
6
Österreich
1,66
7
Schweden
1,61
8
Tschechien
1,56
9
Finnland
1,46
10
Ungarn
1,41
Quelle: MIT (2018)
10
Die Annahme ist, dass komplexe Produkte wie etwa Turbinen oder optische Instrumente für ihre Herstellung eine breite Wissensbasis benötigen. Der Weltmarkt für solche Produkte wird entsprechend von wenigen Volkswirtschaften mit dem entsprechenden Know-how dominiert. Betrachtet werden dabei alle Volkswirtschaften weltweit, die mindestens 1,25 Millionen Einwohner und ein Exportvolumen von mindestens 10 Milliarden Dollar besitzen sowie alle Warengruppen deren globales Handelsvolumen mindestens 1 Milliarde Dollar beträgt. Für eine genaue mathematische Beschreibung der Berechnungsmethoden vgl. Simones und Hidalgo (2011).
25
Industrie in Europa Insgesamt liegen 19 der 25 betrachteten Länder der EU28 unter den besten 30 Ländern, was die Wissensintensität der Volkswirtschaft angeht. Mit Griechenland hat nur ein Land der EU einen negativen ECI. Dieser liegt mit minus 0,15 Punkten auf Rang 54 von 109 betrachten Ländern. Schlusslichter sind mit einem Wert von weniger als minus 1,77 Punkten die Länder Guinea, Nigeria und der Sudan. Die Wissensorientierung der Länder der EU28 zeigt sich auch in der Exportstruktur des Verarbeitenden Gewerbes in Europa. So sind die Länder der EU28 vor allem in besonders wissensintensiven Branchen des Verarbeitenden Gewerbes aktiv (Tabelle 2-4). Mit 46,8 Prozent des weltweiten Handelsvolumens entfällt fast die Hälfte des Weltmarktes für Güter mittlerer und hoher Technologien – wie Maschinen, Autos oder chemische Erzeugnisse – auf die europäische Industrie. Die Klassifikation der Branchen wird dabei nach dem Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Verhältnis zur Wertschöpfung berechnet11. Deutlich wird die Spezialisierung auf wissensintensive Produkte vor allem bei der Betrachtung des relativen Exportanteils (RXS12) in den einzelnen Technologieklassen der EU28. Ein positiver Wert des RXS-Indikators deutet auf eine relative Spezialisierung innerhalb der Produktgruppe hin, während negative Werte eine geringere Bedeutung der Produktgruppe implizieren. Betrachtet man die Zahlen für die Länder der EU28 wird die relative Konzentration auf die Branchen des Segmentes mittlerer und hoher Technologien deutlich. Besonders Deutschland ist in diesen Branchen überdurchschnittlich stark spezialisiert. Hinzu kommt eine leichte Spezialisierung im Bereich mittlerer und niedriger Technologien. Hier sind vor allem die Staaten aus Südeuropa sowie die Niederlande, Polen und weitere Länder Mittel- und Osteuropas überdurchschnittlich aktiv. Der Weltmarkt wird hier vor allem von China dominiert, welches auch einen positiven Spezialisierungskoeffizienten in diesem Bereich besitzt. Jedoch haben sich die Spezialisierungskoeffizienten in China seit dem Jahr 2000 verstärkt in die Bereiche Hightech und Medium-Hightech verschoben. Ähnliches gilt in geringerem Maße auch für die Länder der EU28. Beide RXS-Veränderungen weisen in den forschungsintensiven Branchen einen positiven Saldo aus. Besonders in den Ländern Mittel- und Osteuropas ist diese Veränderung zu beobachten. So liegt die RXSVeränderung der MOE im Bereich Hightech bei plus 70,2 Punkten und im Bereich Medium-Hightech bei plus 17,5 Punkten.
11
Für die Klassifikation der Branchen des Verarbeitenden Gewerbes in die einzelnen Cluster vgl. Tabelle 5-1 im Anhang.
12
Der RXS wird als logarithmiertes Verhältnis des Weltmarktanteils in einer Technologieklasse im Vergleich zum Weltmarktanteil über alle betrachten Güterklassen des Verarbeitenden Gewerbes berechnet. Ein Wert größer 0 induziert eine relative Spezialisierung in der jeweiligen Technologieklasse, während ein Wert kleiner 0 eine unterdurchschnittliche Spezialisierung in der Technologieklasse darstellt. Je größer der Wert des RXS ist, desto stärker ist die relative Spezialisierung der betrachteten Region in dieser Technologieklasse.
26
Industrie in Europa Tabelle 2-4: Weltmarktanteile Güterexporte nach Technologieintensität Angaben in Prozent der G51-Länder
Hightech
Medium-high
Medium
Medium-low
EU28
34,6
46,8
35,6
41,5
MOE
3,0
5,4
4,7
5,6
Deutschland
9,2
14,7
8,5
7,4
USA
14,2
11,4
8,3
8,4
Japan
3,8
8,0
5,4
1,3
Korea
5,2
4,4
4,9
2,3
China
23,9
12,1
17,3
20,2
EU28
-16,9
13,4
-14,1
1,5
MOE
-48,4
11,3
-1,7
14,6
Deutschland
-14,8
31,7
-22,6
-36,9
USA
27,8
5,7
-25,7
-24,7
Japan
-28,2
47,1
8,0
-135,4
Korea
23,7
7,2
17,5
-58,7
China
32,3
-36,0
-0,3
15,4
Weltmarktanteile 2016 in Prozent
RXS 2016
Veränderungen RXS 2000 bis 2016 in Prozentpunkten EU28
2,3
5,3
-18,3
-6,0
MOE
70,2
17,5
-41,7
-37,0
Deutschland
16,2
-0,2
-17,1
-6,9
USA
-6,9
3,1
6,6
14,6
Japan
-47,8
16,6
10,3
20,1
Korea
-12,0
44,1
-6,7
-52,4
China
46,3
24,8
-26,4
-43,7
RXS definiert als logarithmierte Differenz des Weltmarktanteils im jeweiligen Technologiesegment im Vergleich zum Weltmarktanteil der jeweiligen Region über alle Technologiefelder. Quellen: OECD (2018); eigene Berechnungen
27
Industrie in Europa
3 Produktivität im internationalen Vergleich Der Erfolg der Industrie in den einzelnen Ländern Europas und weltweit hängt stark mit der erzielten Produktivität der Unternehmen zusammen. Länder mit hohen Produktionskosten – etwa für Löhne und Gehälter – müssen dies über eine entsprechend höhere Produktivität der Beschäftigten in entsprechendem Umfang kompensieren, um im internationalen Standortvergleich wettbewerbsfähig zu bleiben. Abbildung 3-1 gibt die Produktivität je Stunde für die einzelnen Volkswirtschaften auf Basis international vergleichbarer Daten wieder.
Abbildung 3-1: Arbeitsproduktivität Gesamtwirtschaft im internationalen Vergleich Bruttowertschöpfung je geleistete Stunde in Euro Norwegen Luxemburg USA Dänemark Belgien Schweden Niederlande Frankreich Deutschland Finnland Österreich Euroraum Vereinigtes Königreich Kanada Japan Italien EU28 EU27 Spanien Zypern Slowenien Malta Korea Portugal Griechenland Slowakei Tschechien Estland Kroatien Litauen Lettland Ungarn Polen Rumänien Bulgarien
79,1 75,5 59,7 59,3 52,4 51,7 49,3 48,0 47,8 45,2 45,1 40,3 40,2 39,3 37,5 35,2 35,2 34,3 31,4 23,4 21,9 21,8 21,3 18,6 18,3 18,2 17,0 15,6 14,0 13,6 12,9 12,3 11,4 10,1 7,3
EU27 definiert als EU28 ohne das Vereinigte Königreich; Arbeitsstunden für Japan insgesamt auf Basis der Arbeitsstunden „Employment“ approximiert; Daten für die USA für 2015; Wertschöpfung Kanada für 2016 fortgeschrieben; für China liegen keine vergleichbaren Daten vor. Quellen: Schröder (2017); Eurostat (2018); OECD (2018); eigene Berechnungen
28
Industrie in Europa Abbildung 3-2 stellt die Arbeitsproduktivität der Industrie im internationalen Vergleich dar. Dabei zeigt sich, dass die durchschnittliche Arbeitsproduktivität im Verarbeitenden Gewerbe in den Industrieländern deutlich höher liegt als in den Ländern Mittel- und Osteuropas. Mit rund 81,5 Euro je Stunde ist die Industrie in Dänemark rund doppelt so produktiv wie der Durchschnitt der Länder der EU28.
Abbildung 3-2: Arbeitsproduktivität der Industrie 2016 im internationalen Vergleich Bruttowertschöpfung je geleistete Stunde in Euro Dänemark USA Belgien Schweden Norwegen Niederlande Finnland Deutschland Österreich Frankreich Luxemburg Euroraum Vereinigtes Königreich Japan Kanada EU28 EU27 Spanien Italien Korea Slowenien Griechenland Slowakei Tschechien Portugal Lettland Ungarn Litauen Zypern Estland Polen Kroatien Rumänien Bulgarien
81,5 78,6 68,2 65,4 62,8 61,4 60,3 59,6 55,9 54,8 51,8 48,8 45,9 43,7 42,6 39,2 38,5 37,9 36,2 30,7 25,4 22,2 18,9 17,7 16,9 16,5 16,4 16,0 14,8 12,5 11,4 11,3 11,0 6,7
Korea: Daten beziehen sich auf das Jahr 2014; EU27 definiert als EU28 ohne das Vereinigte Königreich; für China liegen keine vergleichbaren Daten vor. Quellen: Schröder (2017); Eurostat (2018); OECD (2018); eigene Berechnungen
Die Unterschiede in der nationalen Arbeitsproduktivität des Verarbeitenden Gewerbes basieren auf verschiedenen Faktoren. Einen hohen Einfluss hat etwa das durchschnittliche Qualifikationsniveau der Mitarbeiter der Betriebe. So erzielen Personen mit einer höheren beruflichen Qualifikation in der Regel sowohl ein höheres Gehalt als auch bedingt durch ihre Tätigkeiten eine höhere Produktivität pro Stunde. Jedoch spielen im internationalen Vergleich sowohl Wechselkurse als auch die Kapitalintensität der nationalen Branche bzw. deren Branchenzusammensetzung eine wichtige Rolle. So besteht etwa die Industrie in den USA zu größeren 29
Industrie in Europa Teilen aus kapitalintensiven, prozessorientierten Industrien – wie der Chemie, der Pharmazie oder Raffinerien –, welche mit einem hohen Kapitaleinsatz pro Kopf eine stark überdurchschnittliche Arbeitsproduktivität aufweisen.
Abbildung 3-3: Entwicklung der Arbeitsproduktivität der Industrie Bruttowertschöpfung je geleistete Stunde in Euro; ausgewählte Länder 80
DEU
EU28
FRA
ITA
GBR
70 60 50 40 30 20 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 80
EU27
Euroraum
ESP
USA
70 60 50 40 30 20 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
EU27 definiert als EU28 ohne das Vereinigte Königreich; für China liegen keine vergleichbaren Daten vor; für Korea liegen keine Zeitreihendaten vor; Produktivitätsentwicklung der USA und des Vereinigten Königreichs enthält Wechselkurseffekte. Quellen: Schröder (2017); Eurostat (2018); OECD (2018); eigene Berechnungen
Die Arbeitsproduktivität in den vier größten Volkswirtschaften Europas hat sich dabei seit dem Jahr 2000 unterschiedlich entwickelt (Abbildung 3-3). So ist die durchschnittliche Arbeitsproduktivität in Euro je Stunde in der EU28 um rund 62 Prozent gestiegen. In Deutschland lag der Anstieg bei 59 Prozent, in Frankreich bei 45 Prozent, in Italien bei 44 Prozent sowie bei 41 Prozent im Vereinigten Königreich. Spanien hat sich mit einem Anstieg von 87 Prozent in den letzten Jahren sukzessiv dem EU-Durchschnitt angenähert. Während in 30
Industrie in Europa Deutschland und dem Vereinigten Königreich im Zeitraum zwischen den Jahren 2007 und 2009 ein deutlicher Einbruch zu verzeichnen ist, verläuft die Kurve in der EU sowie Frankreich und Italien konstanter. Deutschland konnte seine Produktivität seit dem Krisenjahr 2009 jedoch schneller wieder steigern, als dies in den anderen Ländern der Fall war. Die großen Schwankungen der Werte des Vereinigten Königreiches zwischen den Jahren 2014 und 2016 basieren vor allem auf Änderungen des Wechselkurses. Dies gilt auch für die Produktivitätsentwicklung der USA. Der signifikante Anstieg der letzten Jahre ist hier außerdem auf eine Ausweitung der Anteile der kapitalintensiven Prozessindustrien Öl, Chemie und Pharma zurückzuführen. Die Arbeitsproduktivität ist dabei nur einer der Faktoren, welcher das gesamtwirtschaftliche Wachstum einer Volkswirtschaft bestimmen. Neben der Qualität des Arbeits-Inputs hat auch die Quantität des Arbeits-Inputs signifikanten Einfluss auf das Wachstum der nationalen Wertschöpfung. So haben etwa die Anpassung der vertraglichen wöchentlichen Arbeitszeit sowie die Integration ausländischer Spezialisten gerade in Volkswirtschaften mit Fachkräfteengpässen eine starke Hebelwirkung auf die Entwicklung der nationalen Wertschöpfung. Zudem spielen Investitionen, also die Kapitalausstattung, eine wichtige Rolle. Betrachtet man den Einfluss der Faktoren Arbeit und Kapital auf das Wachstum der nationalen Wertschöpfung, verbleibt ein Residuum, welches nicht durch die beiden Faktoren erklärt werden kann. Dieses Residuum wird auch als Totale Faktorproduktivität (TFP) bezeichnet. Die TFP lässt sich als technischer Fortschritt in der Produktion einer Volkswirtschaft deuten. Abbildung 3-4 stellt die Entwicklung der Totalen Faktorproduktivität in ausgewählten Ländern und Regionen seit dem Jahr 2000 dar. Zur Berechnung der Ergebnisse wurde auf die „Adjusted-Version“ der Total Economy Database des Conference Boards (2017) zurückgegriffen. Diese berücksichtigt nach Angaben der US-Forscher in ihren Berechnungen die fallenden Preise für gängige IKTTechnologien besser als die bisherigen Versionen der Datenbank. Für die Wachstumsrate der TFP in China wurde zudem auf die Zeitreihe auf Basis der geschätzten Wachstumsraten des Conference Boards für die Volksrepublik zurückgegriffen.
31
Industrie in Europa Abbildung 3-4: Entwicklung der Totalen Faktorproduktivität Index 1990 = 100
120
Welt
EU28
DEU
USA
JPN
KOR
115
114,9 114,2
110
109,2
105
105,4 101,4
100 95 90
88,6
85 80 1990 160 150
1992
1994
1996
1998
2000
FRA
ITA
ESP
GBR
Euro
CHN
2002
2004
2006
2008
2010
2012
2014
2016
143,8
140 130 120 110
106,1 100
97,8 94,2
90 80 1990
87,8 85,8 1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
2010
2012
2014
2016
Datengrundlage: Total Economy Database – Adjusted-Version; China: Daten basieren auf alternativen Wachstumsschätzungen des Conference Boards; der indizierte Wert der TFP auf Basis der Daten der chinesischen Regierung liegt für 2016 bei 248,8 Punkten. Quellen: Conference Board (2017); eigene Berechnungen
Dabei ergeben sich deutlich Unterschiede zwischen den einzelnen betrachteten Volkswirtschaften und Regionen. So ist die Entwicklung der totalen Faktorproduktivität in Japan vor allem zwischen den Jahren 1990 und 2000 negativ verlaufen. Dieser im ersten Moment überraschende Befund lässt sich mit der Definition 32
Industrie in Europa des Indikators als Restgröße begründen. So hat sich in Japan der Beitrag der Kapitalausstattung zum Wirtschaftswachstum deutlich überdurchschnittlich entwickelt. Trotz des demografisch bedingten Rückgangs an Arbeitskräften ist die japanische Wirtschaft deutlich gewachsen. Gemessen am Kapitaleinsatz und unter Berücksichtigung der sinkenden Preise für IKT-Technologien hätte dieses Wachstum jedoch noch deutlich höher ausfallen müssen. Ähnlich entwickelte sich die TFP in den großen europäischen Volkswirtschaften Italien, Spanien und Frankreich. Lediglich im Vereinigten Königreich konnte seit 2000 ein Wachstum der TFP um insgesamt 6,1 Prozent gemessen werden. Weltweit ist die Totale Faktorproduktivität seit dem Jahr 1990 um 5,4 Prozent gewachsen. Die Länder der EU28 kommen im Schnitt nur auf 1,4 Prozent. Vor allem in den Jahren 2006 bis 2009 hat sich die Totale Faktorproduktivität in der EU schwächer entwickelt als im internationalen Vergleich. Auch in Deutschland sind ähnliche Tendenzen zu beobachten. Jedoch hat sich hier seit der Finanzkrise 2009 die Gesamtwirtschaft deutlich besser entwickelt als dies die Faktoren Arbeit und Kapital alleine erklären würden. Insgesamt ist die Totale Faktorproduktivität in Deutschland seit 1990 um 9,2 Prozent gewachsen. Größer war das Wachstum der Totalen Faktorproduktivität in den entwickelten Volkswirtschaften im betrachteten Zeitraum in den USA und Korea. Hier ist im Vorfeld der Finanzkrise nur ein jeweils geringer Rückgang der Totalen Faktorproduktivität zu beobachten, verbunden mit einer überdurchschnittlichen Entwicklung seit dem Jahr 2009. Insgesamt ist die Totale Faktorproduktivität in den beiden Volkswirtschaften im Zeitverlauf um 14,2 bzw. 14,9 Prozent gewachsen. Am stärksten von den in der Studie betrachteten 51 Volkswirtschaften ist die Totale Faktorproduktivität in China gewachsen. Durch die intensive Nutzung fortschrittlicher Technologien und dem noch geringen Startniveau 1990 hat sich die Totale Faktorproduktivität im Reich der Mitte um 143,8 Prozent erhöht.
33
Industrie in Europa
4 Der Mittelstand in Deutschland und Europa Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten gelten nach der Definition der Europäischen Union als kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Eine einheitliche europäische Mittelstandsdefinition gibt es nicht. Die deutsche Bundesregierung orientiert ihren Mittelstandsbegriff an höheren Schwellenwerten für Unternehmen. Gemeinhin werden zudem die Einheit von Eigentumsstrukturen und Geschäftsführung als Merkmale des Mittelstands gesehen. Für die statistische Betrachtung wird jedoch im Folgenden die Unternehmensgruppe KMU als synonym für den Mittelstand verwendet. Der Mittelstand in Europa bringt nicht nur über junge Start-ups neue innovative Geschäftsmodelle und Ideen in den Markt ein, sondern ist auch ein wichtiger volkswirtschaftlicher Faktor.
4.1 Strukturdaten des Mittelstandes in Europa Auch für die Industrie in Europa besitzt der Mittelstand eine hohe Bedeutung. Über 99 Prozent der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes in Europa zählen zum Mittelstand (Tabelle 4-1). Dabei unterscheiden sich die Anteile bei der Anzahl der Unternehmen zwischen den einzelnen Ländern in Europa nur geringfügig. Größere Unterschiede gibt es beim Anteil der Beschäftigten in mittelständischen Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. Während in der EU insgesamt 58,4 Prozent der Beschäftigten des Verarbeitenden Gewerbes im Mittelstand tätig sind, ist die deutsche Industrie stärker von großen Unternehmen geprägt. Hier entfällt mit 53,2 Prozent mehr als die Hälfte der Industriebeschäftigten auf große Unternehmen. In Italien dagegen sind mit 75,8 Prozent der Industriebeschäftigten mehr als drei Viertel der Personen im Mittelstand tätig. Seit 2008 hat der Anteil der im industriellen Mittelstand tätigen Personen im europäischen Durchschnitt leicht abgenommen. Er sank von 59,7 auf 58,4 Prozent. In den einzelnen Ländern ist jedoch keine einheitliche Tendenz zu erkennen. So nahm der Anteil in Italien und Frankreich ab, während er im Vereinigten Königreich von 56,8 auf 58,4 Prozent stieg. In Deutschland blieb die Bedeutung des industriellen Mittelstandes als Arbeitgeber etwa konstant. Damit ist die Beschäftigung im deutschen Mittelstand etwa genauso schnell gewachsen wie in den großen Unternehmen.
Tabelle 4-1: Bedeutung Industrieller Mittelstand in Europa Angaben in Prozent des Verarbeitenden Gewerbes
Unternehmen
Beschäftigte
2008
2016
2008
2016
2008
2016
EU28
99,2
99,3
59,7
58,4
46,4
42,3
MOE
99,1
99,3
57,9
58,3
43,4
42,5
Westeuropa
99,2
99,2
59,9
58,1
46,5
42,1
Deutschland
97,9
98,1
46,9
46,8
35,1
32,6
Frankreich
99,3
99,5
57,0
54,0
46,9
40,7
Italien
99,7
99,7
77,2
75,8
67,4
65,3
Vereinigtes Königreich
98,7
99,0
56,8
58,4
44,8
45,0
KMU nach EU-Definition als Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten. Quellen: DIW Econ (2017); eigene Berechnungen 34
Wertschöpfung
Industrie in Europa Eine andere Sicht zeigt sich beim Blick auf die Wertschöpfungsanteile. Diese haben sich in fast allen betrachteten Ländern der EU28 zugunsten der großen Unternehmen entwickelt. Da der Anteil der Wertschöpfung bei den großen Unternehmen zudem stärker gestiegen ist als der Beschäftigungsanteil, lässt sich schlussfolgern, dass die Produktivität in den großen europäischen Industrieunternehmen schneller gewachsen ist als dies im Mittelstand der Fall war. Daten zu einer möglichen erweiterten Definition des Mittelstandes als Unternehmen mit bis zu 499 Beschäftigten liegen nicht vor. Für Deutschland ist auf Basis der Industriestatistik (Destatis, 2018), welche Daten zur Anzahl der Beschäftigten nach Größenklassen der Betriebe enthält, eine ungefähre Abschätzung der Bedeutung eines erweiterten industriellen Mittelstandes möglich. Rechnet man die in den Betrieben mit 250 bis 499 Beschäftigten erfassten rund eine Million tätigen Personen dem Mittelstand zu, steigt der Anteil der Beschäftigten im industriellen Mittelstand um gut 13,7 Prozent auf insgesamt 60,5 Prozent. Für den Anteil der Wertschöpfung ist mit einem Effekt in vergleichbarer Größenordnung auszugehen. Damit entfielen rund 56 Prozent der industriellen Wertschöpfung in Deutschland auf den erweiterten Mittelstand.13
4.2 Internationalisierung des deutschen Mittelstandes Der Mittelstand in Europa nimmt vor allem im Inland wichtige Funktionen entlang nationaler und internationaler Wertschöpfungsketten war. So zeigen Befragungsergebnisse des deutschen Mittelstandes, dass schon kleine Unternehmen aus Industrie und industrienahen Dienstleistungen häufig einen signifikanten Teil ihres Umsatzes durch Exporte ins Ausland realisieren. Rund jedes dritte Unternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern der betrachteten Branchen setzt seine Waren und Dienstleistungen auch im Ausland ab. Rund jeder zehnte Euro wird hier bereits im Ausland erwirtschaftet. Der Anteil der Unternehmen mit Exporttätigkeit steigt bei mittleren und großen Unternehmen auf rund zwei Drittel. Rund ein Viertel der Umsätze der Unternehmen dieser Größenklasse wird mit dem Ausland realisiert.
13
Die Berechnung stellt eine grobe Abschätzung der Bedeutung des industriellen Mittelstandes in Deutschland dar. Es bestehen konzeptionelle Unterschiede zwischen den Zahlen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und der Industriestatistik etwa in der betrachteten Einheit (Betriebe bzw. Unternehmen) der Statistik. Der Anteil der Beschäftigten einer Größenklasse kann als grober Indikator für die Wertschöpfung genutzt werden, da diese zu zentralen Teilen aus den Entgelten der Beschäftigten sowie dem Gewinn vor Steuern (EBIT) und Abschreibungen der Unternehmen besteht. Da das Entgelt je Beschäftigten statistisch mit der Unternehmensgröße steigt, sind die angegebenen 56 Prozent als obere Schätzung anzusehen.
35
Industrie in Europa Tabelle 4-2: Internationalisierung deutscher Unternehmen 2017 Industrieunternehmen und unternehmensnahe Dienstleister
Beschäftigte
Mikro unter 9
Kleine 10 bis 49
Mittlere 50 bis 249
Große ab 250
Gesamt
Anteil der Firmen mit Auslandsaktivität in Prozent Exporte
32,5
42,3
63,0
67,8
65,2
Produktion
7,0
5,8
10,3
33,3
21,0
Beschäftigte
2,9
11,4
16,0
49,4
33,5
Forschung und Entwicklung
6,7
6,1
8,3
25,1
16,2
Umfang der Auslandsaktivität in Prozent der unternehmerischen Tätigkeit Exporte
10,6
12,6
22,9
27,2
21,9
Produktion
4,9
4,3
2,1
9,2
6,3
Beschäftigte
1,5
2,4
2,7
14,7
8,5
Forschung und Entwicklung
0,9
1,0
0,9
2,2
1,5
Gesamtergebnisse umsatzgewichtet. Quellen: IW Zukunftspanel (2017); eigene Berechnungen
Die Auslandsaktivitäten unterscheiden sich bei den anderen befragten Tätigkeiten zwischen den einzelnen Größenklassen stärker. Während rund jedes dritte große Unternehmen auch im Ausland produziert, ist es bei mittleren Unternehmen nur jedes zehnte. Auch der Umfang der Auslandsproduktion ist bei großen Unternehmen mehr als doppelt so hoch wie im Mittelstand. Ähnliches gilt für Beschäftigte. Rund jedes zweite große Unternehmen hat Mitarbeiter im Ausland, während etwa bei kleinen und mittleren Unternehmen nur jedes achte bis zehnte Unternehmen Personen im Ausland beschäftigt. Auch bei Forschung und Entwicklung sind große Unternehmen im Ausland aktiver. Rund jedes Vierte große Unternehmen betreibt Forschung und Entwicklung auch im Ausland. Das Zentrum der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten bleibt aber bei allen Größenklassen klar das Inland. Nur 1,5 Prozent des Forschungsumfangs der Unternehmen wird im Ausland realisiert.
36
Industrie in Europa
Tabellenverzeichnis Tabelle 2-1: Anteil Wertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes .............................................................7 Tabelle 2-2: Weltmarktanteil Exporte des Verarbeitenden Gewerbes ...................................................... 23 Tabelle 2-3: Economic Complexity Index (ECI) 2015 .................................................................................. 25 Tabelle 2-4: Weltmarktanteile Güterexporte nach Technologieintensität ................................................ 27 Tabelle 4-1: Bedeutung Industrieller Mittelstand in Europa ...................................................................... 34 Tabelle 4-2: Internationalisierung deutscher Unternehmen 2017 ............................................................ 36 Tabelle 5-1: Wirtschaftszweige nach Forschungs- und Entwicklungsintensität......................................... 39 Tabelle 5-2: G51-Länder ............................................................................................................................. 40 Tabelle 5-3: Anteil Wertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes .......................................................... 40 Tabelle 5-4: Absolute Beschäftigte der Branchen in der EU 2016 ............................................................. 41 Tabelle 5-5: Direkte und indirekte Beschäftigungseffekte Verarbeitendes Gewerbe 2016 ...................... 42 Tabelle 5-6: Weltmarkteinteile Güterexporte nach Technologieintensität ............................................... 43
37
Industrie in Europa
Abbildungsverzeichnis Abbildung 2-1:
Entwicklung der Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe ........................................8
Abbildung 2-2:
Entwicklung des Anteils an der globalen Wertschöpfung des Ver. Gewerbes .................9
Abbildung 2-3:
Entwicklung der Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe in der EU28 ................. 10
Abbildung 2-4:
Anteil nationaler Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe.................................... 11
Abbildung 2-5:
Unterschiedliche Bedeutung der Industrie in den Mitgliedstaaten............................... 12
Abbildung 2-6:
EU28 – Produktionsnetzwerk Vorleistungen 2014 ........................................................ 13
Abbildung 2-7:
EU28 – Anteil intraindustrieller Vorleistungsbezüge im Zeitverlauf .............................. 14
Abbildung 2-8:
Bilaterale Vorleistungsverflechtungen der Industrie in Europa 2014 ............................ 15
Abbildung 2-9:
Verteilung Produktionseffekte interregionales Vorleistungsnetzwerk 2014................. 16
Abbildung 2-10: Produktionseffekte interregionales Vorleistungsnetzwerk Ver. Gewerbe 2014 ........... 17 Abbildung 2-11: Wertschöpfung Verarbeitendes Gewerbe und Verbundwertschöpfung 2014 .............. 18 Abbildung 2-12: Wertschöpfung Verarbeitendes Gewerbe und Verbundwertschöpfung 2014 .............. 19 Abbildung 2-13: Direkte und indirekte Beschäftigungseffekte Verarbeitendes Gewerbe 2016 .............. 20 Abbildung 2-14: Europäische Position im Welthandel Verarbeitendes Gewerbe .................................... 24 Abbildung 3-1:
Arbeitsproduktivität Gesamtwirtschaft im internationalen Vergleich .......................... 28
Abbildung 3-2:
Arbeitsproduktivität der Industrie 2016 im internationalen Vergleich ......................... 29
Abbildung 3-3:
Entwicklung der Arbeitsproduktivität der Industrie ...................................................... 30
Abbildung 3-4:
Entwicklung der Totalen Faktorproduktivität ................................................................ 32
38
Industrie in Europa
5 Anhang Tabelle 5-1: Wirtschaftszweige nach Forschungs- und Entwicklungsintensität Verarbeitendes Gewerbe; WZ08; Sortierung nach FuE-Intensität
Hightech
30.3 – Luft- und Raumfahrzeugbau 21 – Herstellung von pharmazeutischen Erzeugnissen 26 – Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen
Medium-high
25.2 – Herstellung von Metalltanks und -behältern; Herstellung von Heizkörpern undkesseln für Zentralheizungen 29 – Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen 32.5 – Herstellung von medizinischen und zahnmedizinischen Apparaten 28 – Maschinenbau 20 – Herstellung von chemischen Erzeugnissen 27 – Herstellung von elektrischen Ausrüstungen 30.2;30.4;30.9 – Schienenfahrzeugbau, Herstellung von militärischen Kampffahrzeugen, Herstellung von Fahrzeugen a. n. g.
Medium
22 – Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren 30.1 – Schiff- und Bootsbau 32.1 bis 4;32.9 – Herstellung von sonstigen Waren ohne medizinischen und zahnmedizinischen Apparate und Materialien 23 – Herstellung von Glas und Glaswaren, Keramik, Verarbeitung von Steinen und Erden 24 – Metallerzeugung und -bearbeitung 33 – Reparatur und Installation von Maschinen und Ausrüstungen
Medium-low
13 bis 15 – Herstellung von Textilien, Bekleidung, Schuhen 17 – Herstellung von Papier, Pappe und Waren daraus 10 bis 12 – Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln, Getränkeherstellung, Tabakverarbeitung 25.1;25.3 bis 9 – Herstellung von Metallerzeugnissen ohne Metalltanks und -behälter sowie Heizkörpern und-kesseln für Zentralheizungen 19 – Kokerei und Mineralölverarbeitung 31 – Herstellung von Möbeln 16 – Herstellung von Holz-, Flecht-, Korb- und Korkwaren (ohne Möbel) 18 – Herstellung von Druckerzeugnissen; Vervielfältigung von bespielten Ton-, Bildund Datenträgern
Quelle: Galindo-Rueda/Verger (2016)
39
Industrie in Europa Tabelle 5-2: G51-Länder nach Regionen
EU28
Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich, Zypern
Sonstige Länder
Argentinien, Australien, Brasilien, Chile, China, Indien, Indonesien, Israel, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Norwegen, Philippinen, Russland, Südafrika, Südkorea, Schweiz, Thailand, Türkei, USA, Vietnam
Eigene Darstellung
Tabelle 5-3: Anteil Wertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes G51; Angaben in Prozent; Veränderung in Prozentpunkten; Auswahl weiterer europäischer Länder
Anteil nationale Wertschöpfung Verarbeitendes Gewerbe
Anteil an globaler Wertschöpfung Verarbeitendes Gewerbe
2000
2016
2000 – 2016
2000
2016
2000 – 2016
Spanien
17,8
14,2
-3,7
1,7
1,4
-0,3
Irland
26,0
34,7
8,7
0,4
0,9
0,5
Polen
18,2
20,4
2,2
0,5
0,8
0,3
Niederlande
15,3
12,1
-3,1
1,0
0,8
-0,3
Schweden
23,0
15,3
-7,7
1,0
0,6
-0,3
Österreich
20,4
18,2
-2,2
0,6
0,6
-0,1
Belgien
19,6
14,3
-5,3
0,7
0,5
-0,2
Tschechien
25,9
27,1
1,2
0,3
0,4
0,2
Dänemark
16,4
15,3
-1,1
0,4
0,4
-0,1
Rumänien
22,1
21,4
-0,6
0,1
0,3
0,2
Ungarn
22,4
23,5
1,2
0,2
0,2
0,1
Slowakei
23,9
22,6
-1,3
0,1
0,2
0,1
Quellen: Eurostat (2018); OECD (2018); Weltbank (2018); eigene Berechnungen
40
Industrie in Europa Tabelle 5-4: Absolute Beschäftigte der Branchen in der EU 2016 EU28; Angaben in Tausend Erwerbstätigen
Land- und Forstwirtschaft
10.405
Bergbau
627
Verarbeitendes Gewerbe
32.027
Energieversorgung, Wasser, Entsorgung
2.931
Bauwirtschaft
14.676
Logistik
11.608
Information und Kommunikation
5.936
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
8.496
Unternehmensnahe Dienstleistungen
29.379
Private und öffentliche Dienstleistungen
81.769
Handel
33.916
Quellen: Eurostat (2018); eigene Berechnungen
41
Industrie in Europa Tabelle 5-5: Direkte und indirekte Beschäftigungseffekte Verarbeitendes Gewerbe 2016 in der jeweiligen betrachteten Region; Angaben in Tausend Erwerbstätigen
EU27
Euroraum
Deutschland
Frankreich
Verarbeitendes Gewerbe
29.541
20.817
7.539
2.626
Land- und Forstwirtschaft
6.303
3.146
511
505
Bergbau
269
55
9
0
Energieversorgung, Wasser, Entsorgung
726
468
129
56
Bauwirtschaft
803
523
177
30
Logistik
2.751
2.027
748
217
Information und Kommunikation
666
492
165
57
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
979
769
227
112
Unternehmensnahe Dienstleistungen
6.599
5.632
1.968
724
Private und öffentliche Dienstleistungen
1.944
1.487
406
264
Handel
6.058
4.061
1.428
376
Gesamt
56.639
39.477
13.308
4.966
Italien
Ver. Königreich
Spanien
Verarbeitendes Gewerbe
3.861
2.486
2.060
Land- und Forstwirtschaft
617
186
490
Bergbau
3
24
1
Energieversorgung, Wasser, Entsorgung
81
41
48
Bauwirtschaft
91
67
33
Logistik
352
213
224
Information und Kommunikation
103
81
32
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
189
76
64
Unternehmensnahe Dienstleistungen
873
557
532
Private und öffentliche Dienstleistungen
240
136
213
Handel
599
363
414
Gesamt
7.009
4.229
4.110
Vorleistungsverflechtungen am aktuellen Datenrand 2014; Erwerbstätige 2016 einzelner Branchen und Länder approximiert auf Basis der Beschäftigungsentwicklung der Obergruppe 2016/2015; EU27 definiert als EU 28 ohne das Vereinigte Königreich; Angaben zu einzelnen Ländern beziehen internationale Wertschöpfungsketten mit ein und sind deshalb größer als Betrachtungen auf Basis nationaler IOTs. Quellen: WIOD (2016); Eurostat (2018); eigene Berechnungen
42
Industrie in Europa Tabelle 5-6: Weltmarkteinteile Güterexporte nach Technologieintensität Angaben in Prozent der G51-Länder; weitere ausgewählte Länder
Hightech
Medium-high
Medium
Medium-low
Spanien
0,9
2,5
2,0
2,8
Polen
0,8
1,6
1,8
2,2
Tschechien
1,0
1,7
1,2
1,0
Slowakei
0,5
0,8
0,6
0,5
Ungarn
0,7
1,2
0,5
0,5
Schweden
0,8
1,2
0,9
1,3
Österreich
0,8
1,3
1,4
1,3
Spanien
-84,5
17,3
-7,0
26,9
Polen
-66,0
0,1
11,3
34,6
Tschechien
-25,5
27,5
-10,1
-22,2
Slowakei
-18,2
27,7
-9,8
-30,1
Ungarn
-13,0
37,1
-40,8
-45,5
Schweden
-25,8
9,7
-21,1
18,3
Österreich
-51,0
2,6
5,7
-0,2
Weltmarktanteile 2016 in Prozent
RXS 2016
Veränderungen RXS 2000 bis 2016 in Prozentpunkten Spanien
14,8
-5,1
-29,2
8,2
Polen
-66,0
0,1
11,3
34,6
Tschechien
81,5
8,7
-48,8
-40,1
Slowakei
149,1
9,7
-60,6
-55,4
Ungarn
-28,8
32,4
1,6
-40,3
Schweden
-33,2
18,3
-10,6
4,5
Österreich
-2,1
-1,5
-27,6
-19,1
RXS definiert als logarithmierte Differenz des Weltmarktanteils im jeweiligen Technologiesegment im Vergleich zum Weltmarktanteil der jeweiligen Region über alle Technologiefelder. Quellen: OECD (2018); eigene Berechnungen
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Industrie in Europa
Literaturverzeichnis Conference Board (2017). Total Economy Database, November 2017 Destatis (2018). Beschäftigte und Umsatz der Betriebe im Verarbeitenden Gewerbe nach Beschäftigtengrößenklassen DIW Econ (2017). SME Performance Review 2017 Eurostat (2018). Eurostat National Accounts Database. http://ec.europa.eu/eurostat/data/database [Datenabruf 03.01.2018] Fritsch, Manuel / Matthes, Jürgen (2017). Factory Europe and its Ties in Global Value Chains Galindo-Rueda, Fernando / Verger, Fabian (2016). OECD Taxonomy of Economic Activities Based on R&D Intensity, OECD Science, Technology and Industry Working Papers, 2016/04, OECD Publishing, Paris Lichtblau, Dr. Karl / Matthes, Jürgen / Fritsch, Manuel / Bertenrath, Dr. Roman / Grömling, Dr. Michael / Busch, Dr. Berthold (2013). Industry as a growth engine in the global economy MIT (2018). The Atlas of Economic Complexity Database. https://atlas.media.mit.edu/ [Datenabruf 06.02.2018] OECD (2016). OECD Trade in Value Added (TiVA) Database: December 2016. http://stats.oecd.org/Index.aspx?DataSetCode=TIVA_2016_C1 [Datenabruf 13.02.2018] OECD (2018). OECD National Accounts Database. http://stats.oecd.org/ [Datenabruf 03.01.2018] Schröder, Christoph (2017). Lohnstückkosten im internationalen Vergleich. IW-Trends 4. 2017 Simones, AJG / Hidalogo CA (2011). The Economic Complexity Observatory: An Analytical Tool for Understanding the Dynamics of Economic Development. Workshops at the Twenty-Fifth AAAI Conference on Artificial Intelligence Weltbank (2018). The Worldbank Data. https://data.worldbank.org/ [Datenabruf 03.01.2018] WIOD (2016). World Input Output Database Release November 2016. http://www.wiod.org/database/wiots16 [Datenabruf 19.01.2018]
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