DESIGN
BMW GROUP IS PROUD PARTNER OF MCBW 2026.



EDITORIAL
Liebe Leser:innen,
wann habt ihr zuletzt etwas entdeckt, nach dem ihr gar nicht gesucht habt? Etwas ausprobiert, ohne zu wissen, wohin es führt? Genau davon handelt dieses Magazin: von jenem Zustand, in dem wir neugierig werden, experimentieren – und uns überraschen lassen.
Vom 4. bis 10. Mai 2026 wird München zum 15. Mal zum lebendigen Zentrum für Design, Innovation und kreativen Austausch. 15 Jahre mcbw – das ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Dass ein solches Format über so lange Zeit Bestand hat und die Stadt jährlich aufs Neue belebt, ist alles andere als selbstverständlich. Die mcbw ist zu einem festen Bestandteil der deutschen Designlandschaft geworden – ein Ort, an dem sich Tradition und Aufbruch begegnen, etablierte Stimmen und frische Perspektiven zusammenfinden. Das Jubiläum feiern wir mit einem Motto, das diese Essenz einfängt: „Playground of Possibilities“. Diese Seiten begleiten euch durch die Woche und darüber hinaus, immer mit der Frage im Blick: Wie können wir die Lust am Gestalten in einer Welt voller Möglichkeiten lebendig halten?
Hier ein Paradox: Wir wissen, dass Intelligenz aus Vorstellungskraft erwächst, die sich im freien Spiel bildet. Unsere Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen und unerwartete Verbindungen zu schaffen, speist sich nicht aus Effizienz. Nicht aus Perfektion. Und doch organisieren wir unsere Arbeitswelt oft genau andersherum: Optimierung vor Offenheit, Plan vor Prozess.
Spielen bedeutet Selbstwirksamkeit. Bei Kindern zeigt sich das besonders: Im Spiel erleben sie Momente, in denen sie volle Kontrolle haben und eigene Welten erschaffen. Für uns als Gestaltende gilt das genauso –wir besitzen die Kraft zu handeln, die Möglichkeit umzusetzen und sehen ein Ergebnis. Der Prozess trägt Freude in sich, das Resultat ebenfalls.
Die Unternehmer:innen und Kreativschaffenden auf den folgenden Seiten zeigen genau das: Teams, die sich etwas zutrauen, die Gestaltung als elegante Choreografie verstehen – als bewusstes Schaffen von Übergängen in neue Räume. Die Protagonist:innen dieses Magazins sind tief mit der Welt verflochten und machen sichtbar, wie Mut konkret aussieht: nicht als Theorie, sondern als gelebte Praxis.
Das Motto der mcbw 2026 entfaltet sich in vier Prinzipien: Empower. Explore. Act. Enrich. Eine ineinandergreifende Haltung, die neugierig und lustvoll im Prozess bleibt und zugleich mit wachem Gespür für die Mitwelt
agiert. Beim Lesen der Artikel werdet ihr feststellen: Leidenschaft für eine Sache zu finden heißt nicht, flüchtigen Emotionen nachzujagen, sondern eine tiefe Kraft zu entdecken, die auch in schwierigen Zeiten trägt. Gerade das Ungewisse öffnet den Raum, Zukunft als gestaltbar zu begreifen. Seid offen für die erwünschten Nebenwirkungen!
Viel Freude bei der Lektüre – und beim Spielen – wünschen Nadine Vicentini und das Team von bayern design!

INHALT

TURNING IDEAS INTO ACTION
mcbw Beirat
Dr. Dewi Schönbeck
Lebendige Systeme
Frontify
Wenn aus Mut eine neue Marke wird
Verantwortung, die Spaß macht
als Nordstern
Ausblick auf die Zukunft
mcbw Beirat Prof. Markus Frenzl Über bayern design
CREATING VISIONS THAT ENRICH
mcbw Beirat
Boris Kochan
Design in einer Welt, die nicht stillsteht
BMW
Zusammenhalt stärken
ERCO × JUNG
In München muss man kreativ denken Kreativ München Vom

WILLKOMMEN
HUBERT AIWANGER
Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesent wicklung und Energie und stellvertretender Bayerischer Ministerpräsident
Unter dem Motto „Playground of Possibilities“ lädt die 15. munich creative business week dazu ein, Chancen in einer sich wandelnden Welt zu erkennen. Wir sollten Ungewissheit nicht nur als Hindernis, sondern auch als Raum für zukunftsorientierte Gestaltung wahrnehmen. Wir möchten Sie als Designer:innen dazu ermutigen, diese Spielräume kreativ zu nutzen und zukunftsweisende Ideen zu entwickeln. Mit der Umsetzung neuer gestalterischer Lösungen geht auch große Verantwortung einher. Denn jede Veränderung im Erscheinungsbild, in der Funktionalität, der Nachhaltigkeit und auch der Nutzerfreundlichkeit beeinflusst unsere Zukunft. Werden Veränderungen also den menschlichen Bedürfnissen gerecht? Die diesjährige mcbw bietet hierzu spannende Impulse sowie Möglichkeiten, Neues zu entdecken, und stärkt aktiv den interdisziplinären Austausch.
DR. CHRISTIAN SCHARPF
Referent für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München
Willkommen zur munich creative business week 2026! Unter dem Motto „Playground of Possibilities“ erwartet Sie eine Woche voller Inspiration und kreativer Ideen. Diese Veranstaltung bietet eine einzigartige Plattform, um neue Projekte zu entwickeln und Synergien zwischen Visionär:innen, Unternehmer:innen und Kreativen zu schaffen. Die wirtschaftliche Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft für München ist enorm. Sie kreiert nicht nur Wert, schafft Arbeitsplätze und zieht Talente an, sie fördert auch Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Lassen Sie uns gemeinsam die Potenziale nutzen, die die 15. mcbw unserer Stadt als führenden Standort für Design und Co-Creation mit anderen Branchen bietet.
ROLF SCHIFFERENS
Vorsitzender bayern design forum e.V.
Design ist weit mehr als Form und Ästhetik – es gestaltet Produkte, Arbeitswelten und unser Zusammenleben. Die mcbw, nun seit 15 Jahren der Hotspot für Design und Innovation, bietet ideale Möglichkeiten, Ideen auszutauschen, Netzwerke zu knüpfen und neue Impulse zu setzen. Unternehmen, die Design strategisch einsetzen, schaffen nicht nur attraktive Produkte, sondern auch zukunftsfähige Strukturen und inspirierende Arbeitsumgebungen. Ich freue mich auf eine Woche voller Kreativität und spannender Begegnungen!




















Gestaltung zeigt sich stets in ihrer Wirkung, in dem, was sie auslöst, verändert und ermöglicht. Der „Playground of Possibilities“ steht für eine Haltung, die offen und neugierig ist und zugleich Verantwortung übernimmt. Eine Haltung, die Freude am Prozess hat – auch wenn der Ausgang ungewiss ist. „Menschen fühlen sich lebendig, motiviert, selbstwirksam und, ja, glücklich, wenn sie handeln können“, schreibt der Soziologe Hartmut Rosa. Das war vielleicht noch nie so wichtig wie heute.
Playground of Possibilities – Die neue Lust am Gestalten
Nach Jahren voller Umbrüche kristallisiert sich in der Designbranche ein kollektiver Wunsch heraus: Wir wollen vorausschauend handeln, statt nur zu reagieren. Wir wollen etwas bewegen, das sinnvoll ist und Menschen emotional erreicht. Wir wollen Herausforderungen nicht als Last, sondern als Chance sehen und die Vielfalt unserer Gesellschaft als Kraftfeld nutzen, aus dem neue Ideen entstehen. Dieser neue Gestaltungswille entspringt einerseits einer Notwendigkeit, andererseits einem neuen Selbstverständnis: Wir müssen nicht alles wissen, um etwas zu bewegen. Wir müssen nicht alle Probleme lösen, um etwas zu verbessern. Zukunft ist nicht planbar, aber gestaltbar. Zukunftsforscher:innen bezeichnen diese Haltung als „Metamoderne“: Sie folgt weder naivem Fortschrittsglauben noch lähmendem Zynismus. Sie erlaubt beides zugleich – Hoffnung und Zweifel, Sehnsucht und Realismus. Kreativität in einer Welt, die widersprüchlich bleibt und genau darin ihre Stärke findet. Die mcbw 2026 macht diese Haltung durch vier Prinzipien greifbar, als ineinandergreifende Bewegung:
Empowering the Creative Self – Zutrauen
Am Anfang steht das Vertrauen: in die eigene Gestaltungskraft, in den Prozess, in die Idee, dass Dinge besser werden können, wenn wir sie ausprobieren. Kreativität war selten so zugänglich wie heute – und selten so notwendig. Neue Technologien eröffnen beispiellose Möglichkeiten. Smarte Devices und intuitiv nutzbare Tools begleiten unseren Alltag, generative KI eröffnet neue Möglichkeiten der Co-Kreation zwischen Mensch und Maschine. Diese Entwicklungen senken die Einstiegshürden radikal und demokratisieren kreatives Schaffen. Neue Wege zu erschließen beginnt immer mit Zutrauen – in einander, in die Zukunft. Gleichzeitig entsteht eine neue Verantwortung: Wenn durch generative Tools prinzipiell jede:r gestalten kann, braucht es Menschen, die Orientierung geben, sortieren, bewerten. Kreative werden zu Mentor:innen, die die Richtung weisen.
Exploring the Creative Field – Spielraum
Wer Vertrauen gefasst hat, kann loslassen. Kreativität braucht Raum – zum Experimentieren, für Umwege, Fehler und Neuentdeckungen. Spielraum eröffnet Freiheit im Denken, im Team und im Prozess. Wer nur die kürzeste Strecke sucht, findet keine neuen Wege. Wer Kreativität lediglich als Problemlösung versteht, übersieht ihr größtes Potenzial: das Unvorhersehbare. Im Möglichkeitsraum werden Regeln flexibel, Ideen entstehen im Prozess. Hier darf etwas gebaut werden, nur um zu sehen, was passiert. Hier werden absichtlich Umwege genommen, um Neues zu entdecken.
Das kreative Spiel ist keine Spielerei. Es ist vielleicht der ernsthafteste Zugang zu Neuem: radikal offen, emotional geladen, strukturiert im Chaos – und getragen von der Freude, gemeinsam etwas herauszufinden, das niemand geplant hat.
Turning Ideas into Action – Umsetzung
Ideen entfalten ihre Kraft erst, wenn sie sichtbar werden. Nach dem Erkunden kommt das Machen – eine Haltung, die mutig losgeht, statt zu warten, bis alles perfekt durchdacht ist. Nicht alle Eventualitäten durchexerzieren, sondern mit dem starten, was schon da ist. Schnelle kreative Sequenzen statt langwierige Planungsprozesse. Heute ist das einfacher denn je. Ob 3D-Druck, OnDemand-Produktion oder Plattformökonomie – die Möglichkeiten, Ideen schnell in die Realität zu bringen, sind vielfältiger geworden – von kostengünstigen Produktionsmethoden über geteilte Anleitungen bis hin zu Community-Support.
Machen heißt: zeigen, was möglich ist. Testen, lernen, verbessern, wieder testen. Viele kleine Schritte führen oft schneller zum Ziel als wenige große. Pragmatisch und risikobereit zugleich.
Creating Visions that Enrich –Verantwortung
Am Ende geht es um Wirkung. Die Frage ist nicht nur: Was können wir gestalten? Sondern: Was wollen wir damit verbessern? Für wen? Hier bekommt Kreativität Richtung. Sie wird zum Kompass für Lebensqualität, Gemeinsinn und Nachhaltigkeit. Sozial orientierte Technologien zeigen, wie sinnstiftend Innovation wirken kann – wenn sie Menschen verbindet und in konkreten Situationen hilft. Circular- Design-Ansätze, UpcyclingInitiativen und Zero-Waste-Strategien gestalten nicht nur Produkte, sondern Werte: Langlebigkeit, Teilhabe, Verantwortung. Open-Source-Projekte stellen Teilen über Besitz, Plattformen über Eigentum.
Die Kraft von Design liegt nicht in der Neuheit, sondern in der Relevanz. Hier wird Design sozial, ökologisch und kulturell bedeutsam – Arbeit, die das Leben bereichert und Zukünfte formt, in denen wir leben wollen.
Zutrauen. Spielraum. Umsetzung. Verantwortung.
Diese vier Prinzipien befeuern sich gegenseitig und bilden zusammen die Basis für eine neue Gestaltungskultur: offen, mutig, sinnstiftend und kollaborativ. Die mcbw 2026 lädt zum 15. Mal ein, diesen Playground zu betreten. Eine Woche lang wird München zum lebendigen Labor – ein Ort, an dem kreative Köpfe mit Herz, Überzeugung und echter Neugier zusammenkommen, um Design als Haltung und Kraft sichtbar zu machen.

mcbw — Die Münchner Designwoche
Die mcbw findet im gesamten Stadtgebiet Münchens statt – die Stadtwerbung im öffentlichen Raum macht das Designevent sichtbar. Foto: bayern design/hw.design

Vor eineinhalb Jahrzehnten wagten wir erstmals die munich creative business week. Das Credo damals wie heute: Design ist mehr als schöne Oberflächen, es ist gesellschaftliche Praxis, Werkzeug für Transformation und Methode, um Zukunft zu gestalten.
2012 wurde Instagram für eine Milliarde Dollar von Facebook gekauft, das iPhone 5 kam auf den Markt. Der Skeuomorphismus prägte die digitale Gestaltung: dreidimensionale Schaltflächen, Apps, die analogen Vorbildern nachempfunden waren, Interfaces, die Vertrautheit simulierten. Gleichzeitig war das Industriedesign stark von Materialität und Fertigungslogik geprägt, Design orientierte sich an der Offline-Welt. 15 Jahre später sind Smartphones allgegenwärtig, KI gestaltet mit uns, die Grenzen zwischen digital und physisch verschwimmen. Produkte werden zu vernetzten Systemen, Räume zu Erlebniswelten. Design entsteht heute zunehmend in dynamischen Prozessen und Ökosystemen.
Was uns als bayern design, Kompetenzzentrum für Design und Veranstalter der mcbw, antreibt, ist die Überzeugung, dass München der richtige Ort ist, um das vieltfältige Potenzial von Design sichtbar zu machen. Heute ist die mcbw mit rund 65.000 Besucher:innen und über 200 Veranstaltungen das größte Designevent Deutschlands – gefördert vom Bayerischen Wirtschaftsministerium und der Landeshauptstadt München und getragen von einer Community, die Design als Haltung versteht. Die mcbw ist unsere jährliche Probe aufs Exempel: der Moment, in dem wir zeigen, was Design gesellschaftlich leisten kann.
Was die mcbw ausmacht: Offenheit als Prinzip
Die mcbw ist bewusst ein offenes Gefüge, das von der Vielfalt ihrer über 200 Partner:innen lebt – von Weltkonzernen über Hidden Champions und Start-ups bis zu Hochschulen, Museen, Galerien, Agenturen und Soloselbstständigen. Diese Heterogenität versteht sich als Kernprinzip: Wir schaffen einen Rahmen, in dem sich unterschiedlichste Akteur:innen begegnen und gemeinsam neue Perspektiven entwickeln können.
München bietet als Standort eine einzigartige Konstellation: eine starke Wirtschaft, eine dichte Hochschullandschaft, eine lebendige Kreativszene und eine kulturelle Infrastruktur vom Deutschen Museum bis zur Pinakothek der Moderne. Diese Nähe von Wirtschaft, Bildung, Kultur und Stadtgesellschaft ermöglicht Allianzen, die anderswo schwerer entstehen. Die mcbw nutzt
diese Konstellation strategisch – verteilt im gesamten Stadtgebiet: vom Kunstareal über den Viktualienmarkt bis ins Werksviertel, vom Englischen Garten bis nach Haidhausen. Für München, Bayern und Deutschland ist die mcbw damit ein jährlicher Beweis dafür, dass Design als Innovationstreiber, Wirtschaftsfaktor und gesellschaftliches Gestaltungswerkzeug funktioniert – wenn die richtigen Akteur:innen zusammenkommen. Über 15 Jahre hinweg haben wir ein Netzwerk aufgebaut, das weit über die Woche im Mai hinaus wirkt und München als Designstandort national wie international sichtbar macht.
mcbw 2026: Konkrete Planungen für den Playground
Für unser Jubiläumsjahr haben wir uns besonders viel vorgenommen. Das Motto „Playground of Possibilities“ (Seite 8) wird an verschiedenen Orten der Stadt erlebbar – durch den mcbw design summit (Seite 16), Installationen, Workshops, Ausstellungen, Talks und neue Formate, die erstmals bei der mcbw 2026 stattfinden.
mcbw hub & mcbw design shop – Zentrale Anlaufstelle am Rindermarkt
Das Ruffinihaus am Rindermarkt wird erneut zum zentralen mcbw hub, unserem Info-Point während der Woche. Hier laufen die Fäden zusammen, hier gibt es Orientierung, hier entstehen spontane Begegnungen. Neu in diesem Jahr: der mcbw design shop, den wir in Kooperation mit FrischesDesign realisieren. Ausgewählte Designer:innen aus ganz Bayern bekommen hier eine Plattform, ihre Produkte direkt an das designaffine Publikum zu verkaufen – von Anna Cerezos Porzellan über Möbel von Bally und Bally, Alessandra Pizzinis Schmuck bis zu Papeterie von Herr & Frau Rio sowie Textilien von Sylvie Ludwig. Die Designer:innen sind vor Ort präsent, im Verkauf oder bei kurzen Talks. Der Shop ist mehr als ein Verkaufsraum – er ist ein kuratierter Einblick in die Bandbreite bayerischer Designqualität und macht lebendig, was in der Region entsteht.
Die Capella Del Suono vom Innsbrucker Studio Carraldo ist eine von zwei Installationen im öffentlichen Raum. Foto: Jonas Zauels
Die Partnerveranstaltungen machen das Programm der mcbw lebendig. Foto: Lérot

mcbw public space – Die Stadt als Spielfeld
An mehreren Orten bespielen wir den öffentlichen Raum: Studio Carraldo realisiert auf der Südwiese vor der Alten Pinakothek zwei Installationen aus Holz: Cappella – eine begehbare Struktur – und Delulu, ein Labyrinth, das sich spielerisch verändert. Beide Projekte laden zum Entdecken, Verweilen und Interagieren ein und machen die Wiese zum temporären Begegnungsraum. Das Architekturstudio adpa entwickelt für uns Inflatables und Sitzmöglichkeiten, temporäre Architekturen, die zum Austauschen und Spielen einladen. Die aufblasbaren Strukturen sind flexibel, transportabel und verwandeln urbane Plätze in niedrigschwellige Begegnungsräume.
mcbw pop-ups – Gestaltung sichtbar machen
Ein prägender Bestandteil der mcbw ist seit jeher die enge Zusammenarbeit mit Hochschulen. Wir sind überzeugt: Design wird dort gedacht, entwickelt und erprobt, wo Lehre und Forschung stattfinden. Gleichzeitig braucht akademische Arbeit die Konfrontation mit der Realität –echte Nutzer:innen, echte Räume, echtes Feedback. Am Viktualienmarkt realisiert die Internationale Hochschule IU mit den Dozierenden Anders Herwig, Miriam Irle und Bettina Otto das Konzept „Stories Around“ in einem Ausstellungscontainer. Der Viktualienmarkt als Ort des täglichen Lebens wird so zur Bühne für Designdiskurs und macht Gestaltung dort sichtbar, wo Menschen ohnehin zusammenkommen. Ein zweiter Container kommt von der Technischen Hochschule Nürnberg mit dem Projekt „Light Up“. Die Container-Formate haben sich als mobile Ausstellungsarchitekturen bewährt, die Design ins Stadtbild tragen; Studierende können sich mit Konzepten für diese Formate bewerben – eine Chance, theoretische Arbeit in die Praxis zu überführen.
mcbw masterclass – Neues Format für Nachwuchskreative
Apropos Nachwuchs: Erstmals bieten wir 2026 die mcbw masterclass an, die sich gezielt an Schüler:innen, Studierende und Young Professionals mit maximal drei Jahren Berufserfahrung richtet. Unser Ziel: jungen Menschen einen authentischen Einblick in die Arbeit etablierter Designer:innen zu geben und ihnen die Möglichkeit zum direkten Austausch über Werdegänge und Perspektiven zu bieten. Jede Masterclass dauert etwa drei Stunden und findet in den Studios der Designer:innen statt. Der Ablauf gliedert sich in einen Deep Dive in Arbeit, Alltag und Ausbildung, gefolgt von einer Q&A Session; dabei ist die Teilnehmendenzahl bewusst klein gehalten, um intensiven Austausch zu ermöglichen. Mit dabei sind
der Kreativdirektor Mirko Borsche, die Illustratorin Steffi Bauer, die Produktdesignerin Ana Relvão sowie der Designer Michael Geldmacher. Die mcbw masterclass zeigt exemplarisch, was uns wichtig ist: Wir bringen Generationen zusammen, machen sichtbar, was es heute bedeutet, Designer:in zu sein.
mcbw base – Unser Büro als Veranstaltungsort
Heuer haben wir in der Gabelsbergerstraße ein neues Hinterhofbüro bezogen, daher möchten wir auch unsere eigenen Räume während der mcbw öffnen: Die mcbw base wird zum Veranstaltungsort für ausgewählte Formate unserer Partner:innen. Geplant sind Morning Talks und ausgewählte Nachmittags- oder Abendveranstaltungen – kleinere, fokussierte Formate, die Raum für vertieften Austausch bieten. Herzlich willkommen in unserem neuen Zuhause!
BEDA – Europäische Design-Community zu Gast
Die mcbw ist längst auch international vernetzt. Als Mitglied von BEDA, The Bureau of European Design Associations bringen wir europäische Perspektiven nach München und tragen bayerische Impulse in die europäische Community, die Kreative, Entscheidungsträger:innen aus Kommunikation und Werbung, Politiker:innen und Forscher:innen aus ganz Europa zusammenbringt. Ein Höhepunkt wird das am 8. Mai 2026 in München stattfindende BEDA Design Forum sein: Es erkundet die dynamischen Schnittstellen von Design, Politik und Zugänglichkeit und bietet einen ganzen Tag voller inspirierender Talks und Wissensaustausch.
Themen sind unter anderem Design Policy Mapping in Europa, Accessibility als „Extrability“ sowie europäische Advocacy in Bereichen wie Intellectual Property Rights, Artificial Intelligence und Ecodesign. Die Teilnahme ist übrigens kostenlos – ein wichtiges Signal, dass Designdiskurs offen und zugänglich sein soll.
Design als soziale Praxis
Unser Anspruch ist auch 15 Jahre später, Design erlebbar zu machen. Die mcbw definiert sich nicht als reine Leistungsschau, sondern als Ort, an dem Theorie auf Praxis trifft, Konzepte auf reale Nutzungssituationen stoßen und sich zeigt, ob Gestaltung hält, was sie verspricht. Jedes Jahr stellen wir Design auf den Prüfstand – mitten in der Stadt, vor echtem Publikum, in echter Interaktion. Wenn Unternehmen ihre Räume öffnen, Gestalter:innen Einblicke geben oder Agenturen offene Panels veranstalten, zeigt sich, was Design leisten kann: Begegnungen ermöglichen, Verhalten beeinflussen, Räume neu denken. Die Formate fragen: Funktioniert das? Stößt das auf Resonanz? Was passiert, wenn Menschen damit in Kontakt kommen? Für uns als bayern design ist die mcbw der Moment, in dem die Arbeit, die wir das ganze Jahr über leisten – Netzwerke aufbauen, Prozesse begleiten, Wissen vermitteln – öffentlich eine Einladung ausspricht: Gestaltung nicht nur zu betrachten, sondern gemeinsam zu erproben.

Future at play
Mit dem Jahresmotto öffnet die mcbw einen Denkund Erfahrungsraum, der zum Hinterfragen einlädt. Das jährliche Herzstück und Highlight stellt dafür der mcbw design summit dar, welcher internationale Stimmen vereint, die Design aus unterschiedlichsten Blickwinkeln denken: von Kunstkritik über Food Design bis zu KI-basierter Multiperspektivität, von architektonischer Praxis bis zu systemischer Innovation. Sie alle verbindet die Überzeugung, dass Design mehr kann als Probleme lösen und eine Methode bietet, die Welt zu lesen und neu zu schreiben.
Wie in den vergangenen Jahren findet der Summit im Munich Urban Colab statt. Als Ort für interdisziplinäre Zusammenarbeit, Innovation und Zukunftsfragen wird es erneut zum Knotenpunkt internationaler Designdiskurse. Vordenker:innen aus aller Welt beleuchten hier das Motto aus unterschiedlichsten Perspektiven. Eine ganztägige Konferenz voller visionärer Impulse, kritischer Reflexionen und lebendigen Austauschs – moderiert von Leonhard Nima (Studio Nima) sowie Max Fraser (Dezeen), die mit journalistischer Schärfe und systemischem Blick durch das Programm führen.
„Unser Playground schafft den Rahmen – verspielt, experimentierfreudig und voller Möglichkeiten“, sagt Verena Westernacher, die als Projektmanagerin bei bayern design den mcbw design summit mitkuratiert. „Am meisten freue ich mich auf die Menschen, deren Perspektiven und Energie den Summit erst lebendig machen.“ Der mcbw design summit 2026 folgt den vier Prinzipien des Mottos, so entfaltet sich eine narrative Reise – vom ersten Funken des Zutrauens bis zur Verantwortung für das, was wir in die Welt bringen.
ALICE RAWSTHORN
Design als Werkzeug für gesellschaftlichen Wandel
Alice Rawsthorn zählt zu den einflussreichsten Designkritiker:innen unserer Zeit. Ihre Bücher „Design as an Attitude“ und „Design Emergency“ gelten als Referenzwerke für die gesellschaftliche Rolle von Gestaltung. Über viele Jahre schrieb sie die Designkolumne der New York Times und prägte den öffentlichen Diskurs über Design weltweit. Für sie ist Gestaltung kein Selbstzweck, sondern ein Instrument sozialen Wandels.

„Design ist ein Motor für Veränderung“, sagt Rawsthorn, „und hilft uns, Wandel jeder Art – sozial, politisch, wirtschaftlich, kulturell, technologisch oder ökologisch – so zu gestalten, dass er sich positiv auf uns auswirkt.“
Auf dem Summit lädt sie dazu ein, über ästhetische Fragen hinauszugehen und Design als kulturelle und politische Kraft zu begreifen.

HIDEAKI OGAWA
Kunst als Labor für die Zukunft
Als Artistic Director des Ars Electronica Futurelab in Linz leitet Hideaki Ogawa eine der weltweit führenden Plattformen an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft. Hier entstehen Projekte, die Unsicherheit in kreative Möglichkeiten übersetzen und das Labor als sozialen Experimentierraum verstehen.
„Möglichkeiten an sich bedeuten noch nichts“, sagt Ogawa. „Die entscheidende Frage lautet: Möglichkeiten wofür – und für wen?“ Für ihn ist Kunst ein Ort, an dem neue Visionen jenseits von Routine und Vorhersagbarkeit entstehen können. Als Director des Sapporo International Art Festival und Creative Director der Civic Creative Base Tokyo lebt Ogawa diese Haltung auch institutionell. Seine Arbeit zeigt, wie künstlerische Prozesse Zukunft nicht nur imaginieren, sondern erfahrbar machen – als kollektive, offene und lernende Praxis.
FRIEDRICH VON BORRIES
Multiperspektivität durch KI
Prof. Dr. Friedrich von Borries zählt zu den profiliertesten Stimmen der zeitgenössischen Designtheorie. Seit 2009 lehrt er an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und verbindet gesellschaftspolitische Analyse mit gestalterischer Praxis.
Statt Künstliche Intelligenz als Bedrohung zu begreifen, plädiert er für ihren reflektierten Einsatz als Werkzeug kreativer Erweiterung. KI könne helfen, Perspektivenvielfalt sichtbar zu machen und Polarisierung abzubauen. Seine Plattform getminds.ai verfolgt genau diesen Ansatz. „Viele Menschen haben Angst vor KI“, sagt von Borries. „Dabei eröffnet sie neue Möglichkeiten für Kreativität und Multiperspektivität.“ Seine Arbeit steht für einen Designbegriff, der nicht bei Produkten endet, sondern soziale Systeme mitdenkt. Auf dem Summit zeigt er, wie technologische Innovation und humanistische Werte zusammengedacht werden können – mit analytischer Klarheit und gesellschaftlicher Verantwortung.


MARIJE VOGELZANG
Food Design als Spielfeld
Die niederländische Designerin Marije Vogelzang gehört zu den Pionier:innen des Food Design – einer Disziplin, die Essen als Material, Medium und kulturelle Praxis begreift. Seit vielen Jahren realisiert sie international Ausstellungen, Performances, Dinners und Workshops. 2025 eröffnete sie den Food Design Playground in Dordrecht – einen experimentellen Raum für Sinneserfahrungen rund um Nahrung, Gestaltung und Gemeinschaft. „Spielraum klingt vielleicht unbeschwert“, sagt Vogelzang, „aber er ist essenziell für kreative Forschung.“ Ihre Arbeit nutzt Lebensmittel als Ausgangspunkt, um komplexe gesellschaftliche Fragen zu verhandeln: zu Konsum, Nachhaltigkeit, Körperlichkeit und sozialem Miteinander. Auf dem Summit zeigt sie, wie alltägliche Erfahrungen zu Werkzeugen für Designforschung und Wissensbildung werden.
PARK ASSOCIATI
Von der Vision zur gebauten Realität
Das Mailänder Büro Park Associati, gegründet 2000 von Filippo Pagliani und Michele Rossi, zählt zu den prägenden Stimmen der zeitgenössischen Architektur. Das Studio realisiert Projekte in den Bereichen Arbeiten, Wohnen und Stadtentwicklung – stets mit Blick auf Bestand, Kontext und Transformation. Beim Summit vertritt Michele Rossi das Büro und bringt die Perspektive derjenigen ein, die Ideen in bewohnbare Realität übersetzen. „Wir verstehen unsere Arbeit als Spielplatz der Möglichkeiten“, erklärt das Studio. Architektur, Design und Forschung werden hier zu einem integrierten Prozess. Park Associati beginnt nicht bei der tabula rasa, sondern beim Vorhandenen. Bestehende Strukturen werden in neue Nutzungsmodelle übersetzt – mit Blick auf Nachhaltigkeit, Lebensqualität und langfristige Wirkung. Der Raum wird so zum Prototyp, zur gebauten Idee, zur sichtbaren Verantwortung.


EMMI SALONEN
Das Creative Ecosystem als Lebensmodell
Wie lässt sich Kreativität nicht als isolierte Leistung begreifen, sondern als Teil eines umfassenden Lebensmodells? Mit ihrem 2005 in London gegründeten Studio entwickelt die finnische Gestalterin, Autorin und Happiness-Facilitatorin Emmi Salonen seit vielen Jahren ein Designverständnis, das weit über klassische Formfragen hinausgeht. Ihr Konzept der Positive Creativity fragt danach, wie Gestaltung Menschen verbinden, Wohlbefinden fördern und nachhaltige Entscheidungen unterstützen kann. Im Zentrum steht ihr Creative Ecosystem: ein Modell, das Kreativität als interdependentes System versteht, beeinflusst von Bewegung, Beziehungen, Neugier und innerer Balance. „Kreativität hängt mit allem in unserem Leben zusammen“, sagt Salonen. „Damit wir kreativ bleiben, brauchen wir nährende Impulse.“ Dabei geht es ihr nicht um Effizienz oder Selbstoptimierung. „Mein Ansatz ist kein Produktivitäts-Tool, sondern eine Haltung gegenüber sich selbst und der Welt.“ Als Autorin des „Creative Wellbeing Handbook“ und Fellow der Royal Society of Arts verbindet sie persönliche Erfahrung mit wissenschaftlichen Erkenntnissen – unter anderem aus der Positiven Psychologie. Empowerment beginnt für sie bei der Frage, wie wir unsere kreative Energie langfristig erhalten.
ROBERTO VERGANTI
Beyond Userism – Design als Meaning Making
Der Innovationsforscher Roberto Verganti ist Professor an der Stockholm School of Economics und Visiting Lecturer an der Harvard Business School. Seine Bücher zählen zu den einflussreichsten Arbeiten im Feld der designgetriebenen Innovation.
Verganti fordert einen Perspektivwechsel: Design dürfe sich nicht auf Nutzer:innenbedürfnisse reduzieren, sondern müsse Bedeutung schaffen. Gerade im Zeitalter der KI werde diese Fähigkeit zentral. „Wir müssen aufhören, Design nur als Problemlösung zu verstehen“, sagt er. „Meaning Making wird zur Kernkompetenz.“
Seine Arbeit zeigt, wie Organisationen Design strategisch nutzen können, um kulturelle Relevanz und langfristige Wirkung zu entfalten.


JESSIE STOREY
Design als Freiheit, vom Plan abzuweichen
Es gibt eine Ernsthaftigkeit, die nur durch Leichtigkeit entsteht. Jessie Storey, Director of Product Development & Design bei Steelcase, leitet die Produktentwicklung in der EMEA-Region – an der Schnittstelle von Technologie, Verhalten und Raum. Was ihre Arbeit antreibt, ist die Überzeugung, dass spielerische Erkundung keine Vorstufe zur eigentlichen Arbeit ist, sondern ihr Kern. Für Storey beginnt jede greifbare Wirklichkeit als Skizze, die gerade gut genug ist, um eine Möglichkeit sichtbar zu machen. Was daraus wird, entscheidet sich im kollektiven Prozess: „Schwung entsteht dann, wenn eine Idee geteilt, gemeinsam geformt und von der Skizze einer einzelnen Person zur kollektiven Anstrengung wird.“ Ihr Beitrag ist ein Plädoyer für das Vorläufige, das LautGedachte, das Unfertige – als die eigentlich produktivste Form des Denkens.
Der Playground ist eröffnet!
Nach dem Tagesprogramm setzt sich der Austausch fort: Beim mcbw get-together treffen sich Speaker:innen, Teilnehmer:innen und bayern design bei Drinks und Snacks. Ein Raum für vertiefende Gespräche, neue Kontakte und gemeinsame Reflexion. Der mcbw design summit 2026 ist mehr als eine Konferenz. Er ist ein lebendiges Labor, in dem unterschiedliche Designverständnisse aufeinandertreffen, sich reiben, ergänzen und weiterentwickeln.
mcbw design summit 2026
4. Mai 2026, Munich Urban Colab Sprache: Englisch (mit Simultanübersetzung EN/DE)
Komplexität erwünscht: Was macht eigentlich der mcbw Beirat?
Keine Vision ohne Debatte – genau dafür existiert der Beirat der mcbw: als Impulsgeber, der bayern design hilft, die mcbw Jahr für Jahr neu zu schärfen, zu hinterfragen und weiterzudenken. Die Zusammensetzung folgt einem klaren Prinzip: Diversität der Blickwinkel. Nur wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen – Unternehmen, Bildungswesen, Kultur und Politik –, können die verschiedenen Dimensionen sinnvoll reflektiert werden.
Weil die mcbw als offenes Format mit über 200 Partner:innen konzipiert ist, erweist sich der Beirat als Unterstützer bei strategischen Fragen als wertvoll: Er hilft, Orientierung zu geben, ohne die Vielfalt einzuschränken. Die fünf Mitglieder, Dr. Dewi Schönbeck, Boris Kochan, Hannes Ziesler, Prof. Dr. Angelika Nollert und Prof. Markus Frenzl, beraten gemeinsam bei wichtigen Weichenstellungen – von der Entwicklung des jährlichen Mottos über die inhaltliche Ausrichtung bis zur internationalen Positionierung. Gleichzeitig fungieren sie gewissermaßen als Brand Ambassadors, die die Vision der mcbw in ihre Communitys tragen.
Wie entstehen Visionen? Ein Blick in die Praxis
Die fünf Perspektiven ergeben ein Netzwerk, das weit über München hinausreicht und fünf Ökosysteme an einen Tisch holt: Was hier diskutiert wird, wirkt in alle Richtungen weiter. Letztlich funktioniert der Beirat als flexibles Denkkollektiv, das sich jedes Jahr neu auf die Frage einlässt: Was kann Design gesellschaftlich leisten, und wie kann die mcbw dafür der richtige Raum sein?
Die Mitglieder sind Netzwerkschnittstellen, die Kontakte aus ihren jeweiligen Sphären mitbringen und so neue Synergien ermöglichen: Unternehmen, Bildungswesen, Kultur und Politik. Die Beiratsmitglieder bringen unterschiedliche Antworten mit, aber eine gemeinsame Haltung: Design ist mehr als schöne Objekte, es ist eine Methode, um Komplexität zu verstehen und Möglichkeitsräume zu öffnen. Das Projekt ist demnach ein Entwicklungsprozess, der sich diese unterschiedlichen Designverständnisse sowie die tiefe Kenntnis gesellschaftlicher Phänomene zunutze macht, um die Unterthemen inhaltlich zu untermauern.
15 Jahre gelebte Vision
Gerade zum 15-jährigen Jubiläum der mcbw zeigt sich: Das Playground-Motto ist nicht nur eine Metapher, sondern gelebte Praxis – von der Museumsarbeit über die Produktentwicklung bis zur politischen Positionierung. Deshalb haben wir für dieses Magazin entschieden, die Leser:innen in die vier Prinzipien tiefer eintauchen zu lassen: Empowering the Creative Self (Prof. Dr. Angelika Nollert, Seite 26), Exploring the Creative Field (Hannes Ziesler, Seite 52), Turning Ideas into Action (Dr. Dewi Schönbeck, Seite 74), Creating Visions that Enrich (Boris Kochan, Seite 98) sowie ein Ausblick auf die Zukunft aller vier Perspektiven (Prof. Markus Frenzl, Seite 126).

Gestaltung beginnt mit Vertrauen –in sich selbst, in andere, in den Prozess. Museen und kulturelle
Institutionen zeigen heute: Es braucht Zeit für das Spielerische, den Mut, sich von Effizienzgedanken zu verabschieden und dem Experiment Raum zu geben. Dabei entstehen neue Rollen: Kreative werden zu Möglichmacher:innen, die Design als demokratische Praxis verstehen –vom Museum in die Bevölkerung hinein. Sich etwas zutrauen – das ist der erste Schritt.

EMPOWERING THE CREATIVE SELF
Installation von I LIKE BIRDS
Nebenwirkungen ausdrücklich erwünscht
Zehn Jahre lang hat es gedauert, bis für den ikonischen Freischwinger von Verner Panton endlich ein tragfähiger Kunststoff entwickelt werden konnte. Für Angelika Nollert, Direktorin der Neuen Sammlung – The Design Museum, ist dieses Beispiel paradigmatisch für einen Designbegriff, der Experiment und Ergebnisoffenheit nicht nur zulässt, sondern geradezu voraussetzt. „Zeit ist ein wichtiger Faktor für das Spielerische. Man muss sich verabschieden von den scheinbaren Effizienzgedanken.“
Empowering the Creative Self:
Was bedeutet das mcbw-Motto für Angelika Nollert?
„Was ich beobachte, ist ein zunehmendes Öffnen in den Raum, in die Bevölkerung, hin zu einem zugänglichen Forum für alle. Ich hoffe, dass das Motto dazu auffordert, dass man im Kontext von Experiment, Ausprobieren und Prototypisieren von Design spricht.“ Die Neue Sammlung versteht sich dabei als einer der Orte, an denen genau diese Öffnung stattfinden kann – etwa

durch Studierendenprojekte, digitale Angebote oder den Dritten Ort FLUX. Das Spielerische im Design ist für Nollert kein Gegensatz zur Ernsthaftigkeit. Sie zieht Parallelen zu den Naturwissenschaften: „Man beginnt mit einem Problem. Wie könnte man das lösen? Ich versuche, gleich zehn Wege anzudenken.“ Dabei tauchen erwünschte Ergebnisse auf, mal zufällige Entdeckungen – ein „kalkulierter Zufall“, wie ihn viele Designer:innen und Künstler:innen einsetzen. Gerade in Krisenzeiten gewinnt das spielerisch-experimentelle Denken politische Dimension: „Wenn ich ergebnisoffen an Dinge herangehe, ist das im Sinne einer Verantwortlichkeit für die Gemeinschaft, für die Demokratie. In einer Zeit, die geprägt ist von Ängsten, wird es umso wichtiger zu sagen: Diversität und Komplexität sind etwas Gutes.“
Ihr Wunsch für die nächsten 15 Jahre mcbw
„Die mcbw soll Chancen bieten für alle, die Interesse haben – ganz inklusiv über alle Generationen hinweg.
Design braucht Experiment und Ergebnisoffenheit –nicht als Ausnahme, sondern als Voraussetzung.“
PROF. DR. ANGELIKA NOLLERT Direktorin Die Neue Sammlung –The Design Museum
So wird der Playground zum Raum, in dem sich jeder die Zeit nehmen darf, um spielerisch zu experimentieren. Insgesamt spiegelt der zunehmende Erfolg der mcbw auch das zunehmende Interesse der Öffentlichkeit an aktuellen Themen des Designs. Ich wünsche der mcbw, dass sie auch weiterhin ein Role Model für die Designvermittlung bleibt und ihre Besucher:innen die Inhalte in ihren Alltag integrieren.“
Über Prof. Dr. Angelika Nollert
Angelika Nollert ist promovierte Kunsthistorikerin und leitet seit 2014 mit der Neuen Sammlung – The Design Museum eines der renommiertesten Designmuseen überhaupt. Als Beiratsmitglied der mcbw stellt sie ihre Expertise an der Schnittstelle von Vermittlung und gesellschaftlicher Reflexion zur Verfügung und möchte dazu beitragen, Design nicht nur durch historische und zeitgenössische Artefakte, sondern auch als experimentellen Prozess zu verstehen, der in den Stadtraum und die Bevölkerung hineinwirkt.

STEELCASE
Auf diesem Spielplatz gelten Regeln
Was braucht es, damit Menschen sich sicher genug fühlen, um gemeinsam zu spielen, zu denken und kreativ zu sein? Bei Steelcase in München erklärt Elena de Kan, Workplace Design Director, warum Unsicherheit produktiv sein kann, warum Büros ebenso sehr Ankerpunkte wie Freiheit benötigen und warum Ästhetik niemals nur Dekoration ist.
Ein absoluter Traumjob: Als Director Workplace Design & Consulting arbeitet Elena de Kan an der Schnittstelle zwischen Raum, Kultur und Forschung.
Foto: David Barnwell

Ästhetik prägt Gedächtnis, Konzentration und emotionale Sicherheit.“
ELENA DE KAN Workplace Design Director
Im Steelcase Learning + Innovation Center in München dreht sich alles um Arbeitsplatzgestaltung und Forschung rund um New Work.

Ich treffe Elena de Kan, Director of Workplace Design and Consulting für EMEA bei Steelcase, zuerst im hauseigenen Café. Es ist später Nachmittag, und ich scheine ihr letzter Termin des Tages zu sein. De Kan sitzt entspannt und lächelnd vor mir, während ich einen Espresso trinke. „Wie war dein Tag?“, fragt sie. „Magst du woanders hingehen?“ Es wird sich gleich herausstellen, dass sie damit einen kurzen Spaziergang durch das Steelcase Learning + Innovation Center in München meint. Hier trifft die ganze Welt der Arbeitsbereiche aufeinander: bunte Ecken, Telefonkabinen, Bänke, Boxen, halboffene Räume. Ein Ort, der sich bodenständig und leicht navigierbar anfühlt, dabei aber keine offensichtliche Hierarchie aufweist. Wie sich im Gespräch mit Elena de Kan herausstellen wird, ist genau das der Punkt. De Kan, 36, ausgebildete Industriedesignerin und Designforscherin, leitet Teams in Europa, dem Nahen Osten und Afrika und arbeitet an der Schnittstelle von Raum, Kultur und Forschung. „Ich habe mich schon immer dafür interessiert, wie Räume das Verhalten beeinflussen“, sagt sie. „Von meiner Bachelorarbeit bis heute hat sich diese Fragestellung nie wirklich geändert. Ja, das ist also wirklich mein Traumjob hier.“
Unsicherheit als Ausgangspunkt
Hierzu ein passender Einstieg in unser Gespräch: Träume. Wir träumen, wir schaffen, wir spielen. Aber wie stellen wir sicher, dass die Orte, an denen wir arbeiten, unseren Ansprüchen genügen? Und gibt es so etwas wie einen professionellen Spielplatz überhaupt noch? Erleben wir – wie das diesjährige mcbw-Thema nahelegt – eine bewusst optimistische Reaktion auf Jahre der Instabilität in der Kreativbranche? Ich frage also, ob die Dinge sich wirklich zum Positiven entwickeln, ob uns tatsächlich bessere Zeiten bevorstehen. De Kan nickt, formuliert den Gedanken aber anders. „Bessere Zeiten ist ziemlich allgemein formuliert“, meint sie. „Ich glaube daran, dass Unsicherheit die Grundlage für Möglichkeiten ist. Freiheit und Gewissheit existieren
nicht nebeneinander; man braucht ein gewisses Maß an Unsicherheit, um etwas Neues zu schaffen.“ Aber ja, pflichtet sie mir bei, sie spüre durchaus eine Veränderung: „Die erste Verunsicherung darüber, wie KI unsere Arbeit verändert, ist überwunden. Jetzt ist der Moment gekommen, in dem Kreative Verantwortung übernehmen und die Zukunft bewusst gestalten, statt bloß auf sie zu reagieren.“
Ein gemeinsamer Spielplatz
Und wie wirkt sich das auf ihre Arbeit aus, denn wenn sich die Dinge verändern, dann sicherlich auch die Orte, an denen sie stattfindet? „Das wichtigste Thema ist Wellness, also Wohlbefinden“, sagt de Kan. Sie achtet darauf, Begriffe genau zu definieren: „Ich meine damit nicht Wellness im Sinne von Sportangeboten oder Massagen, sondern kognitive und emotionale Sicherheit. Erlaubt deine direkte Umgebung deinem Gehirn, sich wohlzufühlen und zu konzentrieren?“ Untersuchungen von Steelcase würden zeigen, dass das Wohlbefinden in allen Regionen abnimmt, fährt sie fort. „Der Stress steigt, die Konzentration sinkt. Die Menschen sind erschöpft. Und Räume müssen dem entgegenwirken.“ Was die Metapher des Spielplatzes angehe, sei das zwar ein Ort der Entdeckung, funktioniere aber nur, wenn er geteilt werde: „Man spielt nicht allein, sondern in einer Gemeinschaft. Und um Teil einer Gemeinschaft zu sein, muss man sich willkommen fühlen.“ Details würden einen großen Unterschied machen: eine Abschirmung von hinten, Zugang zu Tageslicht, weiche Materialien. „Diese Dinge haben einen messbaren Einfluss. Wenn man sich nicht sicher fühlt, wirkt sich das auf die Leistung aus.“
Freiheit braucht Struktur
Spielen, argumentiert sie, bedeutet nicht Chaos. „Ein Spielplatz braucht Regeln. Vielleicht nur grundlegende Regeln, aber eben dennoch Regeln.“ Einige sind ungeschrieben, andere als Hinweise eingebettet: Sand lädt

zum Bauen ein. Schaukeln zur Bewegung. Rutschen zum Nervenkitzel. „Das ist kuratierte Freiheit“, meint sie. „Eine feine Balance zwischen dem Freiraum, den Menschen brauchen, um kreativ zu sein, und einer gewissen Kontrolle. Es gibt nichts Schlimmeres im Design als keine Vorgaben.“ Arbeitsplätze funktionieren genauso. Hinweise bestimmen das Verhalten: Beschreibbare Wände, bewegliche Möbel, unterschiedliche Tischhöhen und Körperhaltungen laden zu unterschiedlichen Verhaltensweisen ein. „Wenn sich dein Körper bewegt, schaltet dein Gehirn in einen anderen Modus“, erklärt sie. „Und dieser Übergang schafft Ideen.“
Diese Denkweise erklärt auch, warum viele Großraumbüros scheiterten. „Sie versprachen Zusammenarbeit, bewirkten aber eine Art Kontrollverlust“, sagt sie. Die Menschen fühlten sich verloren, ohne Möglichkeit, ihre Umgebung zu beeinflussen. Kopfhörer wurden zu improvisierten Grenzen. Letztlich komme es auf Wahlfreiheit an: Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse, selbst im Tagesverlauf muss sich der Arbeitsort möglicherweise ändern, damit man Leistung bringen kann. Laut Steelcase-Studien ist das Wohlbefinden dort am geringsten, wo Offenheit auf mangelnde Wahlfreiheit trifft. „Die besten Umgebungen“, sagt de Kan, „sind oft jene, in denen Menschen keinen festen Schreibtisch haben, aber Zugang zu vielen verschiedenen Raumtypen und eine klare Homebase. Zugehörigkeit und Wahlmöglichkeiten müssen gegeben sein.“
Hybrid ist ein System
In Zeiten, in denen Technologie und neue Arbeitsmodelle mehr Auswahl denn je bieten, wird auch dies zur Herausforderung. Hybrides Arbeiten, betont de Kan, lässt sich nicht allein durch Technologie lösen. „Tools, Raum, Produkte und Verhalten müssen zusammen-
Laut Steelcase können Menschen am besten arbeiten, wenn sie aus Umgebungen und Orten wählen können.
Es spielt eine große Rolle, dass Möbel in Arbeitsräumen nicht nur ästhetisch ansprechend und komfortabel sind, sondern auch als Anregung für Kreativität und Spiel dienen.


wirken“, sagt sie. „Fragmentiert man sie, scheitert es – egal wie gut die Technologie ist.“ Tischformen, Kamerawinkel und Bildschirmgrößen sind entscheidend. Aber auch die Kultur. „Wenn etwa das gemütliche Sitzen auf einem Sofa im Unternehmen als Faulheit gilt, wird sich niemand auf dein schönes Sofa setzen.“ Ästhetik ist keine Option
Ein Missverständnis, das sie gerne ausräumen würde, ist die Trennung von Ästhetik und Funktionalität. „Vor allem in Deutschland hört man immer noch: ‚Wir brauchen nichts Schönes, wir brauchen etwas Funktionales.‘ Das stimmt nicht.“ Ästhetik fungiere auch als Signal, erklärt sie. Sie wirke unbewusst und präge Gedächtnis, Konzentration und emotionale Sicherheit. „Unser Gehirn sucht ständig nach Signalen. Nimmt es Gefahr wahr, schalten wir ab. Nimmt es Möglichkeiten wahr, werden wir neugierig.“ Für die Besucher:innen der mcbw 2026 wünscht sich Elena de Kan „das Gefühl, dass man zwar nicht alles kontrollieren kann, aber doch einiges.“ Design zum Beispiel, oder Verbindungen. Und irgendwo zwischen dem Café und den vielen Ecken, Kabinen und Bänken von Steelcase fühlt sich diese Idee weniger wie eine Metapher an, sondern eben eher wie ein Spielplatz voller Möglichkeiten.







































Mit mehr als 2500 eindeutig definierten Farbtönen gehören die RAL Farbpaletten heute zu den weltweit bedeutendsten Farbstandards. Entstanden in den 1920er-Jahren zur Vereinheitlichung industrieller Lacke, ist RAL längst zu einem zentralen Referenzsystem für Design, Architektur, Industrie und Handwerk geworden. Ein gigantischer Schatz –und zugleich die Grundlage dafür, dass sich RAL als Bindeglied zwischen technischer Präzision und kreativer Freiheit versteht.
Farbe als Tool

Die Farben des RAL COLOUR FEELING sind so kuratiert, dass sie unendlich viele spannende Kombinationen ergeben – von dynamischen Kontrasten bis hin zu subtilen Farbverläufen.
Foto: Timo Rieke
„Man kann nicht nicht farblich gestalten“, sagt Laura Kilian von der RAL gGmbH – und paraphrasiert dabei augenzwinkernd das berühmte Diktum des Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick. Jede gestalterische Entscheidung ist immer auch eine Entscheidung für oder gegen eine Farbe. Selbst das vermeintliche Weglassen ist ein Statement. Farbe ist nie neutral. „Wir definieren Farbe nicht als starres Regelwerk, sondern als Arbeitstool“, erklärt Markus Frentrop, Leiter des Bereichs Farben bei RAL. „Unsere Farbtöne sind zunächst ein sehr abstraktes Produkt. Sie werden erst in der konkreten Gestaltung lebendig.“
Ob Architektur, Innenarchitektur, Produktdesign, Grafik, Mode oder Mobilität – Farbe verbindet Disziplinen. RAL positioniert sich genau an dieser Schnittstelle: zwischen Norm und Ausdruck, zwischen technischer Reproduzierbarkeit und individueller Handschrift. „Wir betrachten uns als das Bindeglied vom nüchternen Standard in die Gestaltung hinein“, sagt Frentrop. „Standards geben Kreativen Sicherheit. Egal, wie ich arbeite, welches Material ich nutze oder welchen Stil ich verfolge – ich weiß, worauf ich mich beziehen kann.“
Die Paradoxie ist also Programm: „Wir sind der Standard – aber die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, sind eigentlich unendlich.“
Blau ist nicht gleich Blau
„Wenn wir versuchen würden, 2500 Farbtöne allein mit Sprache zu beschreiben, hätten wir ein massives Kommunikationsproblem“, sagt Laura Kilian. „Ein ,mittleres Blau‘ kann für jeden etwas anderes bedeuten. RAL 5015 Himmelblau dagegen ist eindeutig.“ Standardisierung schafft Verständigung und eine gewisse Sprachfähig-
keit, denn sie übersetzt subjektive Wahrnehmung in objektive Referenzen – und wird damit zum Fundament professioneller Gestaltung. Gerade in einer globalisierten Arbeitswelt gewinnt diese Präzision an Bedeutung. Projektteams sind heute international, interkulturell, verteilt über verschiedene Zeitzonen, erklärt Kilian. „Da steigt die Komplexität enorm. Farbe muss trotzdem überall gleich verstanden werden.“ RAL sorgt nicht nur durch Farbstandards, sondern auch durch Schulungen, Beratung und technisches Know-how für Konsistenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Idee bis zur Serienproduktion.
Zwischen digitalem Entwurf und physischem Produkt liegt oft ein weiter Weg. „Wie übertrage ich eine Farbe vom Bildschirm auf Metall, Kunststoff oder Textil? Funktioniert das überhaupt? Und wenn ja, wie reproduzierbar ist sie?“ Genau hier setzt RAL an: als Übersetzer zwischen Vision und Materialität.
Trends mit Tiefgang
Auch Nachhaltigkeit gehört längst zum Gestaltungsauftrag. Doch zwischen Anspruch und Realität klafft eine Lücke. „Wir erleben, dass Nachhaltigkeit zwar eingefordert wird, aber kaum jemand bereit ist, dafür mehr zu bezahlen“, sagt Frentrop. „Gerade in öffentlichen Ausschreibungen werden umweltfreundliche Materialien verlangt – aber zum niedrigsten Preis.“
RAL DESIGN SYSTEM plus Grid: Arbeiten im RAL DESIGN Farbraum zwischen Kreativität und Methodik



Farb- und Materialworkshops: Experimentieren, diskutieren und gemeinsam weiterdenken. Foto: Angie Hagedorn
Material, Farbe, Textur: Die RAL Trendbox ist ein DesignTool und ermöglicht farbliche Gestaltung und Farbkonzepte, die über Materialgrenzen hinweg konsistent umgesetzt werden können.
Dieser Widerspruch trifft die Kreativwirtschaft besonders. RAL ist seit Jahrzehnten in der Vergabe von Umweltzeichen wie dem Blauen Engel oder dem EUEcolabel aktiv und kennt die strukturellen Herausforderungen. „Umso wichtiger sind Formate wie die mcbw“, betont Frentrop. „Sie halten das Thema präsent, schaffen Diskursräume und erinnern daran, dass nachhaltiges Gestalten kein Luxus ist, sondern Voraussetzung für Zukunftsfähigkeit.“
Apropos Zukunft, während viele Marken jährlich eine „Farbe des Jahres“ ausrufen, verfolgt RAL einen anderen Ansatz. Kein schneller Hype, keine kurzfristigen Marketingeffekte. „Wir arbeiten mit einem Farbraum aus 15 Tönen, der sich evolutionär weiterentwickelt“, erklärt Kilian. „Farben bleiben, werden angepasst, ergänzt, weitergedacht.“ Der jährlich erscheinende RAL COLOUR FEELING Trend Report basiert auf ge sellschaftlichen, technologischen und kulturellen Analysen. Aus diesen Beobachtungen entstehen Themenwelten und Farbpaletten, die langfristig nutzbar sind. „Wir wollen zeigen: Du kannst auf Bestehendem aufbauen. Du musst nicht jedes Jahr alles neu erfinden.“ Zugleich betont Laura Kilian die Bedeutung
von Kontext: Eine Farbe funktioniert nie allein, sie lebt vom Zusammenspiel mit Material, Licht, Raum und Umgebung. „Deshalb greifen einfache Trendparolen zu kurz.“
Come and Play: Lernen durch
Experimentieren
Im Rahmen der mcbw lädt RAL zu Workshops unter dem Titel „Come and Play“ ein – eine bewusste Anlehnung an das diesjährige Motto. „Wir wollen den spielerischen Umgang mit Farbe fördern“, sagt Frentrop. „Ohne Leistungsdruck, ohne fertige Lösungen.“ In Kooperation mit dem Materialpartner Gabriel wird der Farbstandard direkt ins Material übersetzt. Die Teilnehmenden experimentieren, kombinieren, testen. „Uns geht es um eine offene, entspannte Atmosphäre“, im Zentrum stehe nicht das Ergebnis, sondern der Prozess. Und da ist RAL wieder beim Wesen des Farbfächers: Es ist ein System, das Komplexität übersetzt, Orientierung bietet und Gestaltung ermöglicht. Ein Werkzeugkasten für bewusste Entscheidungen. „Wir machen den Möglichkeitsraum auf“, so Frentrop. „Und wir erweitern ihn.“



European Trademark and Design Attorney seit 1996, Partner bei WEICKMANN seit 2004, gestaltet regelmäßig mcbw-Work shops und übersetzt komplexes IP-Recht in praxisnahe Strategien für Kreative.
Wandel ist kein Risiko, sondern eine Chance. Wenn wir uns vernetzen, Ideen teilen und Neues zulassen, können wir Zukunft positiv gestalten.“ CHRISTINE LANGE
Kreativität verdient Respekt und Schutz. Während der mcbw ermöglichen wir Schöpfern einen unkomplizierten Zugang zu juristischer Expertise, um innovative Ideen frühzeitig und nachhaltig abzusichern.“
DR. UDO W. HERBERTH, LL.M.

Seit den Anfängen der mcbw bringt Christine Lange Perspektiven aus Wirtschaft, Technologie und Kreativszene zusammen. Als Veranstalterin des Deutschen Innovationsgipfels und Gründerin des crossindustriellen CIMT-Netzwerks setzt sie auf Austausch, Offenheit und interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Der Deutsche Innovationsgipfel bildet den jährlichen Höhepunkt dieses Netzwerks: ein Ort für neue Denkansätze, relevante Impulse und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Zum Jubiläum der mcbw zeigt sich, wie wichtig diese kontinuierliche Verbindung für eine innovative und optimistische Zukunft ist.
An einem langen Tisch in Sendling schneiden
Menschen Gemüse, lachen, diskutieren über Rezepte. Manche sind hier aufgewachsen, andere erst seit kurzem in Deutschland. Was sie verbindet: Für diesen Abend sind sie nicht allein. Um Einsamkeit im urbanen Raum entgegenzuwirken, förderte die Mars Wrigley Foundation das Projekt Über den Tellerrand kochen München wie auch das FLUX im Kunstareal.
Zusammen ist man weniger allein
Zwischenmenschliche Beziehungen gehören zu einem der stärksten Schutzfaktoren gegen Einsamkeit.1 Doch auch in einer zunehmend digitalen und individuellen Gesellschaft braucht es Orte, an denen echte Nähe entsteht. 2 Oft liegen diese Räume außerhalb der eigenen vier Wände und jenseits des Büros – in sogenannten Dritten Orten. Der amerikanische Soziologe Ray Oldenburg prägte diesen Begriff für Räume zwischen Zuhause und Arbeitsplatz: Cafés, Bibliotheken, Kulturzentren, Nachbarschaftstreffs. Orte ohne Konsumzwang, an denen zufällige Begegnungen möglich werden, Gespräche entstehen und Beziehungen wachsen.
1 Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Einsamkeitsbarometer 2024
2 Vgl. Markiewicz, Ewa: Third Places in the Era of Virtual Communities (2019) sowie Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung & Körber-Stiftung: Dritte Orte. Begegnungsräume in der altersfreundlichen Stadt (2023), die beide zeigen, dass informelle Begegnungsorte („Dritte Orte“) in einer zunehmend digitalen Gesellschaft entscheidend für soziale Nähe und Gemeinsinn sind.
Neue Begegnungsorte für München
Mit der Initiative „Zusammen.Halt“ will das internationale Familienunternehmen Mars, Incorporated, bekannt für Marken wie SNICKERS®, TWIX®, EXTRA®, M&M’S®, BE-KIND®, Ben’s Original™, CESAR® und SHEBA®, Menschen in Deutschland näher zusammenbringen, die
MARS

Am FLUX kommt man schon allein ob der strahlenden Farben im Kunstareal nicht vorbei. FLUX an der Pinakothek der Moderne, Morag Myerscough, Foto: Marcus Kämpf
Gemeinschaft fördern und soziale Nähe erlebbarer machen. Im Großraum München wird diese Initiative durch die Mars Wrigley Foundation gestärkt, deren weltweites Förderprogramm „Community Connection“ darauf abzielt, Gemeinschaftsräume zu unterstützen, die soziale Verbindungen stärken und gleichzeitig lokale Bedürfnisse adressieren.
Genau hier setzen zwei Münchner Projekte an, die von der Mars Wrigley Foundation mit insgesamt 100.000 US-Dollar gefördert werden. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein – und zeigen gerade deshalb, wie vielfältig Gemeinschaft entstehen kann.
Kochen als soziale Praxis
Über den Tellerrand kochen München e. V. macht sich seit 2017 eine einfache Wahrheit zunutze: Essen verbindet. Der Verein bringt Menschen mit und ohne Flucht- oder Migrationserfahrung an einen Tisch. Beim gemeinsamen Kochen entstehen Gespräche auf Augenhöhe, Begegnung wird selbstverständlich, Vielfalt Teil des Alltags.
Bislang war das Team in ganz München unterwegs – mit Kochabenden, Sprachcafés und Nachbarschaftsaktionen an wechselnden Orten. Nun entsteht in München-Sendling erstmals ein fester Ort für die Community: ein Kitchen Hub mit offener Küche und großem Gemeinschaftstisch. Auf rund 100 Quadratmetern finden künftig bis zu 40 Personen Platz. Mitmachen ist kostenlos, um möglichst vielen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen. „Über den Tellerrand München ist für uns mehr als ein Projekt“, erklärt Lea Fellner, Mitgründerin und Vorstandsmitglied. „Es ist ein Ort gelebter Gemeinschaft und Ausdruck unserer Vision, eine Gesellschaft mitzugestalten, in der alle Menschen gleichwertige Mitglieder sind.“
Der neue Begegnungsraum soll im Frühjahr 2026 eröffnen und jährlich über 3000 Menschen erreichen –nicht nur in Sendling, sondern im gesamten Stadtgebiet. Kooperationen mit Partnern wie Young Caritas, dem Kulturzentrum LUISE, der Volkshochschule München und dem Alten- und Service-Zentrum Westend machen den Ort zu einem Knotenpunkt für Nachbarschaft. Was hier entsteht, ist kein Integrationsprojekt im klassischen Sinn, sondern ein Raum, in dem Gemeinschaft aktiv gelebt wird – beim Schneiden, Abschmecken und gemeinsamen Essen.
Kunst im öffentlichen Raum als Einladung
Das zweite geförderte Projekt, FLUX, spricht die Sprache von Kunst, Architektur und öffentlichem Raum. Seit dem Sommer 2025 gibt es im Außenbereich der Pinakothek der Moderne einen offenen Treffpunkt – unabhängig von den Öffnungszeiten des Museums, frei

Über den Tellerrand kochen München e. V. bringt Menschen mit und ohne Migrationserfahrung zusammen.
Der neue Begegnungsraum soll jährlich über 3000 Menschen erreichen.
Carsten Simon setzt sich für Orte ein, an denen Menschen echte Gemeinschaft erleben können.


zugänglich. Die farbenfrohe Installation der britischen Künstlerin Morag Myerscough verbindet Kunst, Natur und Gemeinschaft zu einem Ort des Verweilens, Austauschs und Mitgestaltens für Studierende auf dem Weg in die Bibliothek, Familien mit Kindern, Anwohner: innen aus der Maxvorstadt, Tourist:innen aus dem Kunstareal. In den ersten sechs Monaten waren bereits über 60.000 Besuchende im FLUX.
Dank der Förderung wird der Ort nun gezielt weiterentwickelt. Ein neues Bewässerungssystem sorgt dafür, dass die Pflanzen im Außenbereich nachhaltig mit Wasser versorgt werden. Das Grün schafft nicht nur eine einladende Atmosphäre, sondern verbessert auch das Mikroklima: Es spendet Schatten, kühlt die Umgebung und lädt dazu ein, länger zu verweilen. Ergänzend entsteht ein öffentlicher, barrierefreier Trinkbrunnen, der allen Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser bietet – unabhängig von Einkommen oder Konsum.
„FLUX ist ein offener Treffpunkt, ein Ort der Ruhe und Freiheit, generations- und kulturübergreifend“, sagt Dr. Markus Michalke, Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Pinakothek der Moderne. „Dieser schwellenlose Zugang ist nur dank der Unterstützung unserer Partner möglich.“
Begegnung als Gestaltungsaufgabe
Was beide Projekte verbindet: Sie verstehen Gestaltung im weitesten Sinne – als Entwurf von Räumen, Routinen und Beziehungen. Der Kitchen Hub in Sendling organisiert Nähe durch die Architektur der offenen Küche, durch die Rituale des gemeinsamen Kochens, durch bewusste Niedrigschwelligkeit. FLUX gestaltet mit Farbe, Form und Funktion einen Ort, der Menschen anzieht und ihnen erlaubt, einfach da zu sein.
„Mit der Förderung solcher Begegnungsstätten schaffen wir Orte, an denen Menschen sich austauschen und Gemeinschaft erleben können“, so Carsten Simon, Geschäftsführer von Mars Wrigley DACH. „Solche Orte entstehen nur, wenn wir gemeinsam handeln. Da wir in der Region München stark verwurzelt sind, freuen wir uns sehr, dass der Community Connection Grant dazu beitragen wird, Menschen zusammenzubringen und so die Gemeinschaft dort zu stärken, wo wir leben und arbeiten.“ Die Mars Wrigley Foundation versteht ihre Unterstützung als Investition in langfristige soziale Verbindungen – nicht als kurz fristige Aktion. Räume für Gemeinschaft sind demnach auch Investitionen in den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Architektur als offenes System
Drei Geschäftsführer, ein Credo: Architektur muss inspirieren, nicht inszenieren. Bei CSMM ist man überzeugt, dass uns nichts unmittelbarer beeinflusst als der Raum, der uns umgibt. Architektur wirkt auf Identifikation, Wohlbefinden, Motivation, Arbeitsabläufe, erzählen uns Sven Bietau, Timo Brehme und Malte Tschörtner, das mache sie nie neutral und immer gesellschaftlich relevant.
Text von SONJA PHAM

Managing Partner
CSMM
(v.l.n.r.):
Sven Bietau, Timo Brehme, Reiner Nowak, Malte Tschörtner
„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich was verändert.“ Sven Bietau zitiert Einstein, während er über die Zukunft des Bauens spricht. Draußen vor dem Fenster des CSMM-Büros in der Münchner Atelierstraße hat das Team die Transformation des Werksviertels über zehn Jahre live miterlebt, davon achteinhalb Jahre als Baustelle, erzählt Malte Tschörtner und lacht. „Reiner Masochismus, dass wir uns jetzt, wo es fertig ist, den nächsten Ort suchen“, man siedelt bald um in die Lindwurmstraße. Vielleicht ist es genau diese Rastlosigkeit, dieser Drang nach Veränderung und Entwicklung, was CSMM – architecture matters ausmacht. Ein Büro mit über 100 Köpfen an sechs Standorten, das sich nicht damit zufriedengibt, nur Gebäude zu planen. Das Architektur als gesellschaftlichen Auftrag versteht.

Vom Städtebau bis zur Teeküche
„Playground of Possibilities“ könnte kaum treffender beschreiben, wie die geschäftsführenden Gesellschafter Sven Bietau, Timo Brehme und Malte Tschörtner arbeiten. Ihr aktuelles Bookazine „Build to Belong“, das beim Gespräch rot leuchtend vor uns liegt, spannt den Bogen vom Städtebau bis zur Teeküche. Weil es aktuelle Projekte abbildet, fasst es gleichwohl zusammen, welche Fragen ihrer Arbeit zugrunde liegen: Was braucht es, damit ein Ort wohltuend, identitätsstiftend wirkt? Und was steht der Entwicklung dahin im Weg?
„Gute Architektur gestaltet Möglichkeitsräume für Menschen, sie antizipiert Wandel, denn die Anforderungen von heute sind selten die der Zukunft“, erklärt Brehme, oft baue man für Nutzer:innen, die man noch nicht kenne. „Ein Bebauungsplan entspricht manchmal schon nach fünf Jahren nicht mehr aktuellen Bedürfnissen. Das erleben wir gerade im Sugar Valley in Obersendling, wo wir beratend tätig sind. Ein ehemaliger Industriestandort wird zum Stadtquartier umgestaltet. Aktuell ist der Bedarf an Wohnraum höher als an Büroflächen, das wurde anders fixiert. So lässt sich dieser Wandel schwer umsetzen.“ Es ist diese Starrheit, gegen die CSMM anarbeitet. Die Überzeugung, dass Architektur zu deterministisch geplant wird. „Wir legen uns im Städtebau fest: Ist das ein Wohnhaus, ein Büro, ein Hotel? Und fixieren das quasi für immer“, kritisiert Brehme. „Das kann nicht das Ziel von Architektur sein, sich in solche Korsetts zu legen.“ Projekte wie die Revitalisierung der Mollstraße in Berlin oder der Leopoldstraße in München zeigen, wie CSMM diese Haltung umsetzt: Es geht um ganzheitliche Transformation – kulturell, energetisch, strukturell.
Beratung als Schlüssel
Wie überzeugt man also Investoren davon, dass Flexibilität wirtschaftlich sinnvoll ist? Wie plant man für ebenjene Nutzer:innen, die es noch gar nicht gibt? „Die Beratung steht für uns ganz weit vorne“, betont Sven Bietau. „Bevor man überhaupt über eine architektonische Lösung nachdenkt, geht man in den Diskurs.“ Der Kunde habe meist nur ein Bild, eine einzige Lösung vor Augen. „Dieses Befähigen seines Gegenübers, in dem Diskurs Neues zu entwickeln, ist einer der wichtigsten Schritte am Anfang. In dem Moment, wo die Parameter fixiert sind, das Geld verplant ist, rollt der Zug und ist nur in wenigen Fällen noch kreativ aufzuhalten.“
Es ist sein Wunsch, mit guter Beratung an der Schnittstelle zwischen Raum und Verhalten zu wirken. Sein Terrain: Workplace-Strategien, die sich für die Arbeitswelt seit der Pandemie fundamental verändert haben. „Relativ einfach gesagt ist nichts mehr, wie es vorher war“, fasst Malte Tschörtner zusammen. „Was für uns extrem positiv ist: Ein durchschnittliches Büro


Revitalisierung Bestand: Leopoldstraße, München
Transformation & Erweiterung: Mollstraße, Berlin
Workplace Design: CSMM Office, Berlin


hat überhaupt keine Chance mehr. Das Büro muss ein Gegengewicht zum Homeoffice sein, ein Gegenargument.“ Tschörtner, der sich selbst als Generalist bezeichnet, ist der originären Architektenrolle vielleicht am treuesten geblieben.
Alle drei sind sich einig, dass es in Büroräumen nicht um Abarbeitung, sondern um Inspiration gehen muss. Um Orte des Zusammenkommens, der Kommunikation und des Austauschs: „70 Prozent der Bevölkerung benötigen das Büro, um einen sozialen Anschluss an die Gesellschaft zu haben. Die Arbeit hat einen sozialisierenden Auftrag“, so Bietau. Die Gefahr, dass Menschen im Homeoffice vereinsamen, dass kreative Prozesse verloren gehen, ist real.
Die Qualität von Togetherness
„Togetherness und Zugehörigkeit“ nennt CSMM als gesellschaftliche Qualität. Aber wie plant man dafür? Wie schafft man Räume, die Menschen zusammenbringen, ohne sie zu zwingen? Es geht um die Balance, meint Timo Brehme: Architektur muss verschiedene Bedürfnisse antizipieren und Optionen schaffen. CSMM denkt Gebäude, Stadträume und
Innenräume als offene Systeme – als Möglichkeitsräume, die aus dem Bestehenden heraus gedacht und für die Zukunft weiterentwickelt werden. Architektur entsteht nicht als fertiger Zustand, sondern als wandelbares, lernfähiges System. „Mit Neugier und Respekt Strukturen schaffen, die Veränderung ermöglichen statt sie zu begrenzen“, so beschreibt CSMM es selbst. Und die zugleich Togetherness und Zugehörigkeit als gesellschaftliche Qualität unterstützen. Raumgestaltung spielt dabei eine zentrale Rolle. Es geht um Visualisierung, die Fähigkeit, Möglichkeitsräume sichtbar zu machen. Auf Makround Mikroebene braucht man die passenden Planungswerkzeuge, um Vorhaben greifbar zu machen, nur so können unterschiedliche Szenarien durchgespielt, Optionen frühzeitig erkennbar und Flexibilität als Kern von Werthaltigkeit verankert werden.
„Die mcbw ist eine feste Größe in der Kunst- und Kreativszene“, so Tschörtner. „sie schafft mit ihren offenen Ateliers und Studios eine zentrale Plattform für lebendigen Austausch zwischen Kreativschaffenden und der Stadtgesellschaft. Für München, das in seinem engen Korsett wenig Freiraum lässt, sind solche Formate super wichtig für die Stadtgesundheit.“
Christine, worauf freust du dich am meisten bei der mcbw und warum hältst du Designwochen wie diese für relevant?

Christine Moosmann ist Chefredakteurin des Grafikmagazins, einer zweimonatlich erscheinenden Fachzeitschrift über Kommunikation und Grafikdesign. Sie bietet praktische Einblicke, beleuchtet bemerkenswerte Arbeiten aus Typografie, Illustration, Corporate Design, Druck und Produktion und stellt dabei die kreativen Köpfe und Ideen dahinter vor.
Was macht Live-Events aus eurer Sicht als Fachmagazin besonders wichtig und wie bedeutend sind sie für den Austausch innerhalb der Branche?
Anne Kaiser: Während Begegnungen im digitalen Raum immer seltener und soziale Medien immer KI-lastiger werden, verlangt es uns nach allem, was echt ist. Gemeinsame Momente, Haptik, real ausgetragene Diskussionen. Und für die Kreativbranche ist dieser Live-Austausch essenziell, um gemeinsame Lösungen zu entwickeln, die nicht das Geschäft, sondern auch die Menschen dahinter fördern.
Stefan Lara Torres: In einer Branche, die ständig sendet, sind Live-Events die wenigen Orte, an denen wieder echtes Zuhören, Reibung und Freude am gemeinsamen Denken entstehen.
Es ist ein Luxus, eine Veranstaltung wie die mcbw in der Stadt zu haben und in dieser Woche in so viele Events, Vorträge, Ausstellungen wie möglich einzutauchen. Am schönsten ist, dass man in ganz unterschiedliche Designbereiche hineinschnuppern kann und mit vielen neuen Menschen und Ideen in Berührung kommt. Ein kurzer Impuls-Talk, bevor man zur Arbeit geht, eine Installation, die man in der Mittagspause besucht, und abends eine Ausstellung oder ein Studio-Event – auf diesen kreativen Input freue ich mich das ganze Jahr.

Anne Kaiser und Stefan Lara Torres bilden gemeinsam die Chefredaktion der PAGE, ein Fachmedium der Kreativbranche, das Fachwissen sowie Begeisterung für Design vermitteln möchte – digital, im Print, auf Social Media sowie bei Academy-Angeboten und Events. Im Zentrum steht eine interdisziplinäre Community aus allen Bereichen der Designbranche, mit der an der Zukunft des Designs gearbeitet wird.

Kreativität braucht Freiraum sowie die Bereitschaft, nonlinear zu denken und dabei auch Umwege zuzulassen. Große Organisationen stehen vor der Herausforderung: Wie erschließt man das gesamte Spielfeld, wenn Strukturen nach Effizienz verlangen? Die Antwort liegt in einer Haltung, die nicht starre Pläne in den Vordergrund stellt, sondern die Fähigkeit, trotz wirtschaftlicher Herausforderungen einzigartige Möglichkeiten zu erkennen und Mitarbeitenden mit Transparenz, Vertrauen und echten Gestaltungsspielräumen zu begegnen.

EXPLORING THE CREATIVE FIELD
Installation von I LIKE BIRDS
Kontext statt Dogma
Für Hannes Ziesler, Head of Design Communication, Media, Artwork bei der BMW Group, ist der metaphorische Spielplatz kein Rückzugsort, sondern eine Haltung. Vielleicht sogar der einzige Weg, der Realität ernsthaft zu begegnen. Er beruft sich auf die Designkritikerin Alice Rawsthorn, die schrieb, dass bedeutender Fortschritt dort entsteht, wo sozialer Wandel, Technologie, Politik und künstlerische Impulse zusammenkommen. „Das ist die eigentliche Aufgabe von Designer:innen. Nicht aus dem Nichts zu erfinden, sondern vorhandene Impulse zu etwas Neuem zu verbinden.“
Exploring the Creative Field: Wer das Spielfeld erkennt, kann selbstwirksam handeln
„Kund:innen sehen oft nur das Ziel. Designer:innen müssen das ganze Terrain sehen und für sich erschließen – trotz Einschränkungen, trotz Druck.“ Die mcbw kann genau dieser Ort sein: ein Spielfeld, auf dem verschiedene Branchen, Disziplinen und Perspektiven sichtbar werden.

Bei der BMW Group spricht man von der Prämisse „Context over Dogma“. Statt „Das haben wir schon immer so gemacht“ betrachte man den Kontext der Welt, in der Menschen heute leben. Wie das konkret aussieht? „Mit der Neuen Klasse begannen wir nicht mit der Frage ‚Wie soll der nächste BMW 3er aussehen?‘, sondern ‚Welche Erfahrung soll jemand mit diesem Fahrzeug in der Zukunft machen?‘“
Wie aber nimmt man eine große Organisation mit auf diesen neuen Weg? Es braucht vor allem drei Dinge: Transparenz, Vertrauen und Gestaltungsspielraum.
„Wenn Menschen nicht verstehen, warum sich etwas verändert, verteidigen sie das alte Dogma.“ Deshalb müsse Kontext immer wieder geteilt werden – offen und konsequent. Das funktioniere nur mit echtem Vertrauen und Selbstwirksamkeit: „Die unbefriedigenste Kultur ist die, in der man Verantwortung trägt, aber keinen Einfluss hat.“ Wenn Ziele offen geteilt werden und Menschen spüren, dass sie Ergebnisse mitgestalten können, entstehe Momentum. Leichtigkeit, Optimismus und Neugier seien dabei keine romantischen Ideen, sondern Voraussetzungen: „Das sind die Bedingungen, unter denen Designer:innen überhaupt sinnvoll beitragen können.“
Großes entsteht nur, wenn man an eine Vision glaubt und sie mit Leidenschaft und Ausdauer stetig weiterentwickelt.“
HANNES ZIESLER
Head of Design Communication, Media, Artwork bei der BMW Group
Ein Wunsch für die mcbw
„Großes entsteht nur, wenn man an eine Vision glaubt und sie mit Leidenschaft und Ausdauer stetig weiterentwickelt. Die mcbw hat genau das bewiesen. Als Partner der ersten Stunde feiern wir nun 15 Jahre, in denen sich die munich creative business week als herausragende Designwoche in Deutschland und international etabliert hat. Die BMW Group freut sich, Teil dieser lebendigen Community zu sein und gemeinsam die Zukunft des Designs aktiv mitzugestalten.“
Über Hannes Ziesler
Hannes Ziesler ist Head of Design Communication, Media, Artwork bei der BMW Group. Er übersetzt komplexe Designprozesse in Narrative, die innerhalb des Unternehmens Orientierung geben und nach außen Haltung zeigen, und begleitet den strategischen Designdiskurs. Im Beirat bringt er Perspektiven an der Schnittstelle von Design, Kommunikation und gesellschaftlicher Verantwortung ein – geprägt von der langjährigen Partnerschaft zwischen der BMW Group und der mcbw.
Einer, der Außenmedien und OOH-Content als „Playground of Possibilities“ zwischen Demokratie und Digitalisierung versteht, ist Alexander Stotz. Wir sprachen mit dem CEO der Ströer Media Deutschland GmbH über das vielleicht inklusivste aller Medien, die Renaissance eines 170 Jahre alten Prinzips und die Weise, wie digitale Litfaßsäulen und Screens im öffentlichen Raum der Meinungsbildung dienen.
Die Zeitung der Straße

„ Seit jeher sind Kunst und Kultur sowohl Ausdruck als auch Instrument, um wichtige Gesellschaftsthemen zu transportieren“, so Alexander Stotz. Foto: n-ost photo
STRÖER
Die Geschichte beginnt mit Ernst Litfaß, dem Berliner Drucker und Verleger, der 1854 eine Lösung für das Chaos der sogenannten „Plakatpest “ fand. Als damals drei gesellschaftliche Entwicklungen zusammenkamen – die Gewerbefreiheit, die Industrialisierung und die Entstehung des Parteiensystems –, waren Städte übersät mit wild geklebten Plakaten. Litfaß’ Idee war revolutionär einfach: „Annoncier-Säulen“ aufstellen, auf denen geordnet plakatiert werden konnte. „Und das ist im Kern auch das, was wir heute noch machen“, so Alexander Stotz; das Litfaß-Prinzip hat sich also seit 170 Jahren bewährt. Heute ist Ströer freilich weit mehr als ein Plakatkleber. Mit rund 300.000 Außenmedien im Bereich Out-of-Home ist das Unternehmen Deutschlands führender Außenwerber und als versatiles Medienhaus auch im Journalismus zu Hause – den Inhalten von Redaktionen wie t-online oder Watson, die zur Gruppe gehören, kann man nun von der Bushaltestelle bis zur digitalen Litfaßsäule begegnen.
Hier spricht Stotz von einer überraschenden Entwicklung: Während die Digitalisierung für Zeitungen und TV-Sender teils zur existenziellen Bedrohung wurde, erweist sie sich für die Außenmedien geradezu als Katalysator. „Für das Fernsehen brachte die Digitalisierung

, erklärt Stotz. „Bei uns wiederum schafft sie an den besten Standorten Das Geschäftsmodell wird flexibler und niederschwelliger: Statt eine Woche lang analoge Medien zu buchen – und das oft weit im Voraus –, kann nun etwa ein Bistro um die Ecke gezielt nur dienstags und donnerstags von 9 bis 11 Uhr den Mittagstisch bewerben. Oder ein weiteres Beispiel aus der programmatischen Vermarktung: „Apotheken könnten etwa, wenn der Pollenflug eine gewisse Intensität hat, den Zeitpunkt für die Anzeigenschaltung für Allergiemittel auf Screens exakt steuern.“ Solche datengetriebenen Ansätze erlauben Werbetreibenden, ihre Botschaften effizienter zu platzieren.
Content als demokratische Pflicht
Einblicke in die Ausstellung „Next Station Ukraine“. Foto: n-ost photo
Das Netzwerk von Screens ermöglichen präzisen, lokal relevanten Content. „Wir finden es wichtig, dass etwa Kulturveranstaltungen und ortsspezifische Infos hierbei einen großen Anteil einnehmen“, so Stotz. Dieser Ansatz
wurzelt in der historischen Gattung Außenwerbung: „Wenn früher der Plakatierer an die Säule kam, plakatierte er auch eilige Depeschen oder Amtsmitteilungen und las sie den Leuten vor, weil viele nicht lesen konnten.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg, als kein Papier vorhanden war und die Rechtslage bei den Verlagen noch unklar war, formierte sich die Außenwerbung als erstes intaktes Medium: „Die Besatzer brauchten natürlich Mittel, um mit der Bevölkerung zu kommunizieren: Wann ist Ausgangssperre? Wo gibt es was zu essen?“
Diese elementare Funktion erlebt durch die Digitalisierung eine Renaissance. Seit 2018 hat Ströer eine Vereinbarung mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und ist offizieller Multiplikator für Warnungen, was sich zur Coronazeit als nützlich erwies. Bundesweit sind die Krisenstäbe der Feuerwehren oder des Deutschen Wetterdienstes an das System angeschlossen und können Warnmeldungen ausspielen. Für Stotz liegt darin die Zukunft der kommunalen Kommunikation: „Wenn ich mir als Stadt darüber Gedanken machen muss, wie ich mit meinen Bürgern kommuniziere, und die Tageszeitungen weniger verkauft werden, dann bleiben ja sonst nur die amerikanischen Plattformen.“ Oder eben digitale Außenmedien als Alternative, bei der die Stadt
Vertragspartner ist: „Nächste Woche ist Marathon. Achtung, Sperrung! Wir suchen Wahlkampfhelfer. Der neue Abfallkalender ist da. Also alles, was ich sinnvoll an Bürger:innen kommuniziere.“ Der entscheidende Unterschied zu Social Media: „Bei uns erreichst du alle, solange die Leute mobil sind.“ Keine Social-Media-Bubble, keine Follower – nur die Realität des öffentlichen Raums, ohne Eintrittsbarrieren. Und noch einen Vorteil erwähnt Stotz: Anders als bei Medien, die mit reißerischen Überschriften um Aufmerksamkeit buhlen müssen, ergibt sich die Reichweite nicht aus der Einschaltquote, sondern schlicht daraus, „dass Sie zur Arbeit fahren, jemand zur Schule muss“. Diese Freiheit ermöglicht es, auch eine langjährige Kooperation mit Unicef zur Unterstützung der Kinderrechte zu realisieren oder eine fotojournalistische Arbeit aus den U-Bahnen in Kyjiw zu zeigen.
Zukunft zwischen Individualisierung und Kampagne
Und was bringt die Zukunft? Die technologischen Möglichkeiten, prognostiziert Stotz, werden die Außenmedien weiter verändern, künftig wird KI nicht nur den richtigen Moment für eine Botschaft finden, sondern auch

die Botschaft selbst individualisieren. „Sogar das Motiv ließe sich durch den Kontext des Umfeldes anpassen.“ Diese Individualisierung habe auch ihren Preis und könne die Wahrnehmung des Mediums ändern. „Kampagnen, an die wir uns alle erinnern – ich denke etwa früher diese tollen, auch kritischen Kampagnen von Benetton – lebten auch davon, dass sie in der ganze Stadt eine Woche plakatiert waren.“ Umso mehr freut sich Stotz über die Vielfalt und historische Bedeutung der Außenmedien, die Ströer in einem Archiv in München aufbewahrt – samt erster Plakatmotive von 1870, 1880. „Es ist wirklich ein Schatz, eine Reise durch die grafische Geschichte vom Allerfeinsten, von künstlerischen Motiven bis hin zu Sachplakaten mit sofort erkennbaren Produkten. Besonders spannend für mich: die Parteiplakate.“ Teilweise, das gebe ihm zu denken, zeigten sie bereits vor über 100 Jahren ähnliche Parolen zu Themen wie Gleichberechtigung, die wir bis heute noch lösen müssen.
Am Ende des Gesprächs bleibt also vor allem die Erkenntnis, dass OOH-Content weit mehr ist als bunter Konsum im öffentlichen Raum, sondern Dialogmarketing im ursprünglichen Sinne – ein Spiegel dessen, was die Öffentlichkeit beschäftigt. Die Litfaßsäule mag 170 Jahre alt sein, doch ihr Prinzip ist aktueller denn je: einen Ort zu schaffen, an dem Informationen für alle zugänglich sind, ohne Vorbedingungen, ohne Ausschlüsse. „Zutiefst demokratisch“, das Wort fällt im Gespräch mehrmals. Und tatsächlich: In Zeiten, in denen soziale Medien ihre User:innen in Echokammern separieren, in denen Paywalls entscheiden, was wir sehen, wirkt die simple Bushaltestelle mit ihrem Screen fast schon subversiv. Sie ist das Gegenteil der algorithmischen Selektion: öffentlich und für alle zugänglich. Die Vision, die Ernst Litfaß vor 170 Jahren hatte – Ordnung ins Chaos zu bringen und einen verlässlichen Ort für öffentliche Information zu schaffen –, lebt weiter.

Der öffentliche Raum ist der letzte Ort, an dem Kommunikation noch allen gehört.“
ALEXANDER STOTZ CEO Ströer Media Deutschland GmbH

Digitale Außenmedien sind Information, Plakat, Film, Banner und Soziales Medium in einem. Bundesweit oder hyperlokal, onlinegesteuert und extrem skalierbar. Weil es die Mitte der Gesellschaft in Sekunden erreicht.
Die Kunst des Offenbleibens

Es gibt Projekte, die sich nicht in eine Schublade stecken lassen wollen. Ist Public Possession denn nun Label? Agentur? Oder Kulturplattform? „Die Frage ‚Was ist Public Possession?‘ konnten wir noch nie richtig beantworten“, sagen die Gründer Valentino Betz und Marvin Schuhmann selbst. Was vor über einem Jahrzehnt als DJ- und Party-Kollektiv begann, hat sich zu einem vielschichtigen Organismus entwickelt, der Musik, Grafikdesign, Textilproduktion und kuratorische Arbeit zusammenbringt.
von SONJA PHAM
Dass dabei das Projekt bewusst fluid ist, passt natürlich perfekt zum Motto der mcbw – ein Katalysator, wie die Macher es nennen, für alles, was sie interessiert: „Grafik, Musik, Text, Design, Architektur, Humor, Geschichte, Bildung.“ Public Possession nutzt seit Jahren die Stadt als Experimentierfeld, um Formate zu erfinden und Menschen zusammenzubringen. Von Vinyl-Releases über Club-Nächte bis zu Ausstellungen im Haus der Kunst: Das Kollektiv bewegt sich nomadisch durch Münchens Kulturlandschaft und bespielt dabei so unterschiedliche Orte wie das Charlie, den legendären Blitz Club oder eben das ehrwürdige Museum an der Prinzregentenstraße.
Flexibilität als Prinzip
Diese räumliche Flexibilität ist kein Zufall, sondern Programm. „Genauso wie wir mit verschiedenen Medien arbeiten – Textil, Papier, Objekte, Musik –, ist auch die Abwechslung von Räumlichkeiten, die wir nutzen können, ein total wichtiges Privileg“, erklären die Macher. „Es hilft, neue Dinge auszuprobieren, neugierig zu bleiben.“ Was nach spielerischer Leichtigkeit klingt, ist natürlich auch eine durchdachte Strategie. Jeder Raum eröffnet andere Möglichkeiten, zieht ein anderes Publikum an, fordert andere ästhetische Entscheidungen. Im Club gilt die Logik der Nacht, der Körper, des Tanzes. Im Museum treten konzeptionelle und kuratorische Dimensionen in den Vordergrund. Diese Vielseitigkeit hält das

Projekt lebendig und schützt vor der vielleicht größten Gefahr kreativer Arbeit: der Routine. So gibt es mal mit dem Kunden Victorinox eine große Schnippelparty im Laden, mal eine T-Shirt-Kollektion in Kollaboration mit Uniqlo, mal eine Serie von Grafiken und Animationen für die DLD Conference, für man mit dem Studio Wiegand von Hartmann zusammenarbeitete.
Kultur für alle – zumindest in der Theorie
Dabei ist Public Possession auch die soziale Dimension ihrer Arbeit wichtig. Bei den monatlichen „BONUS“-Veranstaltungen im Haus der Kunst, die im Rahmen des Open-Haus-Formats stattfinden, ist der Eintritt frei. „Generell sollte Kultur unbedingt für alle zugänglich sein“, betonen die Gründer. Gleichzeitig zeigen sie sich realistisch: „Es ändert natürlich nichts daran, dass man dennoch oft auf ein gewisses Zielpublikum beschränkt ist. Wir denken viel darüber nach, wie man da auch mal über den eigenen Tellerrand hinausschauen kann.“
Diese Selbstreflexion ist symptomatisch für die Haltung des Kollektivs. Man weiß um die eigenen Grenzen und Privilegien, will sie aber nicht als unveränderlich hinnehmen. Es geht darum, Räume zu öffnen – nicht nur physisch, sondern auch sozial und kulturell. Die Entwicklung von Public Possession liest sich wie eine organische Wachstumsgeschichte: Ein Plattenlabel entstand, das heute Musik von Künstlern aus aller Welt
Was als PartyKollektiv begann, hat sich mittlerweile weiterentwickelt; gefeiert wird natürlich trotzdem noch.
Foto: Nikolai Rusu
Im Haus der Kunst kuratiert Public Possession regelmäßig diverse
Formate für Groß und Klein.
Foto: Hannes Rohrer


veröffentlicht, eine Designagentur formierte sich, Merchandising kam hinzu, kuratorische Projekte. „Mit der Zeit ergab sich so etwas wie ein externer Auftrag“, erklären die Gründer. „Durch die Art und Weise, wie unsere Arbeit wahrgenommen wird, freuen wir uns zunehmend darüber, dass wir im Rahmen von P.P.Aktivitäten Menschen zusammenbringen können.“
Dieser Punkt ist zentral: Public Possession hat nicht einfach das Medium gewechselt, sondern die ursprüngliche Mission – Menschen zusammenbringen, Begegnungsräume schaffen – auf verschiedene Formate übertragen. „In gewisser Weise bringt uns das auch wieder zum Anfang zurück. Da haben wir genau das als DJs und Party-Veranstalter gemacht.“ Die vier Phasen des mcbw-Mottos – Zutrauen, Spielraum, Umsetzung, Verantwortung – treffen den Kern kreativer Prozesse; für Public Possession ist dabei der Spielraum besonders wichtig. „Es ist auf jeden Fall wichtig, sich Zeit für das Testen zu nehmen“, sagen die Macher. „Wenn es nur noch um die Umsetzung und Ausführung, die Deadlines geht, dann wird es fade.“
Diese Haltung ist in einer durchökonomisierten Kreativbranche, in der Effizienz oft über Experiment geht, fast schon radikal. Public Possession insistiert darauf, dass gute Arbeit Zeit und Raum zum Atmen braucht. „Der Kern von unserer Arbeit bei Public Possession war immer schon das Offensein. Die Möglichkeiten nutzen, wie sie kommen. Neue Sachen ausprobieren. Dann fühlt
sich das Ganze in den besten Momenten auch weniger wie Arbeit und mehr wie Spiel an.“
München als Labor
Die Stadt München spielt in dieser Konstellation eine besondere Rolle. Einerseits gilt sie nicht unbedingt als Hotspot progressiver Clubkultur, andererseits bietet München genau deshalb Freiräume: weniger Konkurrenz, dafür mehr Möglichkeiten, eigene Strukturen aufzubauen. Public Possession hat diese Position produktiv genutzt und sich als Knotenpunkt zwischen lokaler Szene und internationalen Netzwerken etabliert.
„Wir freuen uns sehr über alles, was da ist, und versuchen möglichst viel davon zu verbinden“, sagen die Gründer über die lokale Kreativszene. „Ein Austausch ist mit das Wichtigste, man gerät ja schnell mal in die Versuchung, zu sehr die eigene Suppe zu kochen.“ Und sie blicken mit großem Optimismus auf die Szene selbst: „Das, was fehlt, wird kommen, irgendwer wird es machen – intuitiv!“
Diese Gelassenheit speist sich aus einer tiefen Überzeugung: dass Kultur nicht von oben verordnet, sondern von unten entwickelt wird. Dass die interessantesten Dinge oft dort entstehen, wo niemand sie erwartet. Und dass es wichtiger ist, offen und neugierig zu bleiben, als einen fertigen Masterplan zu verfolgen – ob nun als Label oder Community, Kulturplattform oder Versuchslabor – Hauptsache, lokal verwurzelt und global vernetzt.
Der zentrale Raum lässt sich wirkungsvoll für Präsentationen und Kundenevents umgestalten.

Ein Raum, viele Möglichkeiten
„Was für ein tolles Thema“, ruft Sabine Kraus, als wir sie auf das diesjährige mcbw-Thema ansprechen und Metin Seyrek ergänzt: „Für uns passt das gerade wie Topf und Deckel.“ Gemeinsam mit Katharina Kraus und Leif Geuder führen die beiden die BECC Agency. Vor etwa einem Jahr sind sie mit ihrer Marken- und Designagentur in eine alte Triebwagenhalle im Münchner Süden gezogen und erleben seither, was es bedeutet, nicht nur gedanklich, sondern auch räumlich seinen eigenen „Playground of Possibilities“ zu schaffen.
Eigentlich hatten sie sich verkleinern wollen, doch als sie bei der Bürosuche auf den Isarwinkel stießen, war klar, hier kann buchstäblich Großes entstehen. Termingerecht zur mcbw 2025 weihten die BECC-Kreativen die neuen Räume ein und wissen heute, etwas Besseres hätte ihnen nicht passieren können. Die 700 Quadratmeter große alte Triebwagenhalle, die idyllisch im Grünen unweit der Isar liegt, war eine echte Spielwiese mit vielen Möglichkeiten. Danach hatten sie zwar gar nicht gesucht, aber Metin Seyrek sagt: „Dieser Ort hat uns gezeigt, dass wir auch aus der Agentur viel mehr machen können als bisher.“
Im Isarwinkel arbeiten inzwischen nicht nur die rund 40 Mitarbeitenden der Agentur, die Räume werden auch für verschiedenste Business-Events genutzt und können frei angemietet werden. BECC gestaltet schon seit vielen Jahren Events für Kunden wie Vodafone, BMW oder Personio, nun kann die Agentur ihre eigenen Räume als Veranstaltungsort nutzen und die Fläche auch für andere öffnen. Für BECC ist damit ein weiteres Standbein hinzugekommen, die Markenagentur ist nun auch Event Location. Was Sabine Kraus und Metin Seyrek aber am meisten begeistert, ist das, was dieser Raum mit ihnen, ihrem Team und allen Menschen, die in den Isarwinkel kommen, macht.
Wie ein Raum Menschen verändert
„Wir hatten schon mit der alten Agentur den Wunsch, ein offenes Haus zu sein“, sagt Metin Seyrek, „doch in einem klassischen Bürogebäude ist das natürlich etwas anderes als in diesem Gartenloft.“ Vor allem der lange Tisch und die offene Küche würden dazu einladen zu reden, zu kochen, kreativ zu sein oder auch nicht, zu diskutieren, zu streiten und miteinander zu lachen. Durch die neuen Räumlichkeiten ist die Agentur jetzt viel mehr als ein Arbeitsplatz.

Und woran sieht man das konkret? „An der Fröhlich keit, die man jedem anmerkt, der hereinkommt“, sagt der Gestalter. „Diese Fröhlichkeit spüren wir bei uns selbst und unseren Kunden. Es kommen aber auch oft Spaziergänger spontan herein und sogar der Postbote bleibt gern länger. Der Raum vermittelt ein heimeliges Gefühl und jeder fühlt sich hier willkommen, ohne dass jemand Willkommen sagt.“ Dieser Wohlfühleffekt habe auch das Verhältnis zu den Kunden sehr verändert, man begegne sich jetzt viel mehr auf Augenhöhe, es sei ein stärkeres Miteinander entstanden.
Ein Umfeld, das guttut
Dass sich das Verhalten aller maximal verändert habe, bestätigt auch Sabine Kraus. „Die Menschen kommen wahnsinnig gern hierher“, sagt sie, „und sie bleiben gern. Wir essen gemeinsam mit den Kunden, manche kommen morgens für einen Termin und setzen sich dann einfach irgendwohin, um bis abends bei uns weiterzuarbeiten.“ Es sei fast wie eine Patchworkfamilie, lacht Sabine Kraus. Doch nicht nur der Umgang mit Kunden habe eine andere Qualität bekommen, auch mit anderen Agenturen, die am gleichen Projekt arbeiteten, habe man jetzt einen viel direkteren und freundschaftlicheren Austausch. „Es tut gut“, bestätigt Seyrek, „wenn auch wir Agenturen uns mal die Hände reichen.“ Für die BECC Agency hat der Isarwinkel auch
Der Charme einer alten Industriehalle trifft auf das kreative Umfeld der BECC Agency im Münchner Süden, Isarwinkel 16.
mcbw oder kulinarisches Community Event – der Isarwinkel als „ Playground of Possibilities“

Dieser Ort hat uns gezeigt, dass wir auch aus der Agentur viel mehr machen können als bisher.“
METIN SEYREK Mitinhaber BECC Agency

im eigenen Team viel bewirkt. „Das Umfeld ist kreativer“, sagt Sabine Kraus, „und fördert ein viel offeneres Miteinander. Man sitzt nicht nur im Homeoffice, sondern kommt einfach gern hierher und so sind auch die Teams wieder mehr zusammengewachsen.“
Wie das Miteinander die Kreativität fördert
„Dieser Ort ist wirklich eine Spielwiese der Möglichkeiten“, meint Kraus, „und die Arbeit ist zu einem großen Teamspiel geworden.“ Ein ganz wichtiger Teamplayer ist die Kaffeemaschine. Zehn Jahre habe er dafür gekämpft, lacht Seyrek, jetzt mache aber gerade sie einen großen Unterschied, weil es selbstverständlich geworden sei, bei jedem, der kommt, in die Gastgeberrolle zu schlüpfen. Dass die Küche offen ist, es den langen Tisch gibt, verschiedene Räume, die Tribüne und Sofas, macht einerseits mobil und lädt andererseits ein, sich zusammenzusetzen. Das tut der Kreativität sehr gut, hat man bei BECC gemerkt. Statt an einem festen Arbeitsplatz zu sitzen, bewegen sich alle mehr und tauschen sich aus. Davon profitieren vor allem die Jüngeren, die jetzt auch Dinge mitbekommen, die in anderen Gruppen passieren, und so nebenbei hinzulernen. „Die Ideenfindung und der inhaltliche Austausch, der zwischen den Disziplinen stattfindet, aber auch zwischen Kunden und Mitarbeitern, ist ein ganz anderer geworden“, fasst Sabine Kraus zusammen.
Der Mut, Neues auszuprobieren
Nach Corona seien zeitweise ganze Geschäftsbereiche weggebrochen, man habe zu Hause gearbeitet und die neuen Räumlichkeiten sollten helfen, damit das Team wieder mehr zusammenwächst. Im Rückblick sieht man diese Disruption bei BECC positiv, da man so für neue Wege offener wurde. „Man darf nicht sagen, das habe ich schon immer so gemacht“, meint Sabine Kraus, „man muss sich mit dem Markt mitbewegen und ohne Angst scannen, Neues lernen und schauen, was daraus entstehen kann.“ Im Isarwinkel ist tatsächlich etwas ganz Besonderes entstanden. Wer kommt, ist gern hier und bekommt Lust, sich über das Geschäftliche hinaus mit anderen auszutauschen.
Auf die mcbw freut man sich bei BECC besonders. Das finale Thema für die Designwoche ist noch in Planung. Auf jeden Fall wird der Fokus auf Menschlichkeit und Miteinander liegen, zentrale Werte für die inhabergeführte Agentur, die in diesem Jahr 20 Jahre alt wird. An der mcbw schätzen Kraus und Seyrek, dass sie einen Rahmen bietet, um so viele unterschiedliche Menschen nach München zu bringen, mit der Location ISARWINKEL erweitert BECC das Angebot nun um eine ganz besondere kreative Spielwiese.
Die Architektur der Bewegung

Fitness
fristete lange ein Schattendasein in der Architektur – versteckt in Kellern, auf Funktion ausgelegt statt auf Erlebnis. Heute wandern
Trainingsräume auf Dächer, in Hotels, an Arbeitsplätze, in Wohnungen und sogar auf Kreuzfahrtschiffe, die Steigerung unseres Wohlbefindens wird immer mehr
zu einem integralen Bestandteil unseres Alltags. Technogym hilft dabei, Fitness neu zu definieren.
Text von DAVID BARNWELL
Noch vor nicht allzu langer Zeit war Fitness etwas, zu dem man hinging. Man betrat einen Raum, irgendwo fernab des Alltags, absolvierte sein Programm und ging wieder. Heute wird Fitness allmählich zu einer Aktivität, mit der wir leben: eingebettet in die Orte, an denen wir arbeiten, reisen und Kontakte pflegen. Mit anderen Worten: Das Fitnessstudio ist kein Ziel mehr, stattdessen wird es Teil unserer alltäglichen Umgebung.
Für Cristian Brugnoli, Architecture & Interior Design Director bei Technogym, ist dieser Wandel fundamental architektonisch. „Architektur spielt eine zentrale Rolle dabei, wie Menschen zu körperlicher Aktivität finden“, erklärt er. „Eine gut gestaltete Umgebung enthält Bewegung nicht nur, sie inspiriert und motiviert aktiv dazu.“ Eine einfache, aber kraftvolle These: Wenn Umgebungen intuitiv, komfortabel und energetisierend wirken, bewegen sich Menschen mehr. Nicht, weil man es ihnen sagt, sondern weil es sich natürlich anfühlt, so Brugnoli: „Wenn Architektur sowohl räumliche als auch Nutzerbedürfnisse vereint“, sagt er, „entsteht eine Atmosphäre, in der Bewegung natürlich statt erzwungen wirkt.“
Equipment als Teil der Architektur
Hier unterscheidet sich Technogym grundlegend von traditionellem Fitness-Design. Statt Equipment nachträglich hinzuzufügen, wird es von Anfang an Teil des architektonischen Konzepts. „Equipment auszuwählen, das wirklich zu den Trainingszielen passt, verbessert das gesamte Erlebnis“, sagt Brugnoli. „Aber die richtigen Tools, am richtigen Ort platziert, ermöglichen es Nutzern, nahtlos und effizient mit dem Raum zu interagieren. Fast so, als würde die Umgebung selbst Teil des Workouts.“
Um dies zu ermöglichen, arbeitet Technogym mit Architekt:innen und Kund:innen von der frühesten Projektphase an eng zusammen und stimmt Technologie, Nutzererlebnis, Design und digitale Features aufeinander ab. „Dieser ganzheitliche Ansatz ist Teil des Technogym-Ökosystems“, erklärt Brugnoli. „Das Equipment soll die architektonische Vision verstärken, nicht mit ihr konkurrieren.“
Von der Performance zum Wohlbefinden
Eine der größten Veränderungen, die Brugnoli beobachtet: Fitnessräume entwickeln sich von leistungsorientierten Umgebungen zu ganzheitlichen Wellbeing-Destinationen. „Menschen, besonders jüngere Generationen, suchen nach Räumen, die funktional sind, aber auch schön zum Leben“, sagt er. „Sie wollen vom Training emotional eingebunden werden, nicht eingeschüchtert.“
Natürliche Materialien, warme Töne und taktile Oberflächen spielen dabei eine wichtige Rolle. Technogyms Sand Stone Collection spiegelt diese Richtung wider. Inspiriert von mediterranem Sandstein, führt sie ruhige, naturnahe Farben und raffinierte Oberflächen ein, die mit Holz, Stein und architektonischen Innenräumen verschmelzen.
„Natürliche Elemente nach innen zu bringen, schafft eine warme, vertraute Atmosphäre“, erklärt Brugnoli. „Diese Räume sind nicht mehr nur Fitnessstudios, sie sind soziale Wellness-Hubs, in denen Community und Komfort genauso zählen wie Performance.“
Die veränderte Rolle von Fitness zeigt sich auch darin, wo diese Räume platziert werden. Einst in Kellern versteckt, wandern Trainingsbereiche heute in die sichtbarsten und begehrtesten Teile von Gebäuden und des
Alltags: „Fitnessräume wurden früher in sekundären Bereichen untergebracht“, sagt Brugnoli. „Heute befinden sie sich auf Dächern, an Premium-Standorten, integriert in Luxuszonen.“
Die Logik ist einfach nachzuvollziehen und tatsächlich sehr überzeugend, denn wenn Training sichtbar und architektonisch zelebriert wird, engagieren sich Menschen mehr, bleiben länger und nehmen Fitness als Teil ihres Lifestyles wahr – nicht als separate Verpflichtung.
Erlebnisse, die bleiben und bestehen
Eine Philosophie mit breiterer Wirkung, als man zunächst denken mag. Denn wenn Menschen mehr Zeit im Fitnessstudio verbringen, steigen auch die Anforderungen an das Equipment. Es muss nicht nur funktional sein, sondern auch länger halten. „Langlebigkeit ist fundamental“, erklärt Brugnoli. „Langlebige Produkte reduzieren die Verschwendung und gewährleisten eine konstante Performance über die Zeit.“
Gleichzeitig operiert Technogym in einem zutiefst digitalen Ökosystem. Aber Brugnoli ist vorsichtig damit, wie Technologie in physische Räume eintritt. „Digitale Integration muss sich nahtlos anfühlen“, sagt er. „Technologie soll das Erlebnis verstärken, nicht überwältigen.“
Dafür gibt’s eine App
Solche erweiterten Erlebnisse sind heute typischerweise digital. Bei Technogym ist das nicht anders. Durch das Technogym-Ökosystem und die App können Nutzer:innen konsistente Trainingsroutinen über verschiedene Standorte hinweg aufrechterhalten: zu Hause, in Hotels oder in Clubs weltweit – alles unterstützt durch intuitive, diskrete Interfaces.
Im größeren Kontext sieht Brugnoli, dass Fitnessräume eine größere soziale Rolle übernehmen. „Sie können zu Ankern sozialer Verbindung werden“, sagt er. „Sie fördern gesündere Lebensstile, schaffen CommunityHubs und tragen zu aktiveren urbanen Umgebungen bei.“
Mit Blick nach vorne sieht er den Aufstieg sozialer Wellness-Clubs: hybride Räume, die Training, gesunde Ernährung, Regeneration und Lifestyle verbinden. „Wellness wird sich weiter in unterschiedliche Umgebungen ausbreiten“, sagt Brugnoli. „Die Chance liegt darin, bedeutungsvolle Wellness-Erlebnisse zu schaffen, wo immer Menschen leben, arbeiten oder reisen.“ Vielleicht fasst das die Ambition von Technogym am besten zusammen: nicht bessere Fitnessstudios zu entwerfen, sondern Umgebungen zu gestalten, in denen Bewegung ganz selbstverständlich Teil des Alltags wird.

Eine natürliche Verbindung: Die Grenzen zwischen Training und Lifestyle verschwimmen Schritt für Schritt.
Ästhetik trifft Funktion: Heute gehen Equipment und Architektur Hand in Hand und prägen die Art, wie Menschen Bewegung erleben.
Cristian Brugnoli arbeitete für mehrere der renommiertesten italienischen Luxusmöbelmarken, bevor er 2018 zu Technogym wechselte.

Die Chance liegt darin, überall dort sinnvolle WellnessErlebnisse zu schaffen, wo Menschen leben, arbeiten oder reisen.“
CRISTIAN BRUGNOLI Architecture & Interior Design Director Technogym


TURNING IDEAS INTO ACTION

Ideen entfalten ihre Kraft erst, wenn sie Sichtbarkeit erlangen – in Form von Prototypen, Pop-ups oder räumlichen Interventionen. An der Schnittstelle zwischen Design und Business wird besonders deutlich: Es geht nicht darum, perfekt zu starten, sondern zu zeigen, was da ist, um daraus weiterzudenken. Heute können wir schneller denn je ausprobieren, dazulernen, iterativ verbessern und skalieren. Die Herausforderung liegt darin, kreative Welten und wirtschaftliche Realität zusammenzubringen, damit Gestaltung als Mehrwert für alle erkennbar wird.
Mit echter Neugier auf die Welt zugehen
„Das Motto ‚Playground of Possibilities‘ heißt für mich, dass Unternehmen Möglichkeitsräume schaffen müssen – Räume, in denen Ideen entstehen, Vielfalt willkommen ist und Unvoreingenommenheit zählt“, sagt Dewi Schönbeck. Die promovierte Architektin ist Vice President bei Steelcase und lebt diesen Ansatz täglich: Im Münchner Learning + Innovation Center arbeiten über 200 Mitarbeitende aus 24 Nationen –der EMEA-Hub ist bewusst als Labor konzipiert.
Turning Ideas into Action: Welche Assoziation weckt das Motto?
„Wenn wir an neuen Produkten arbeiten, laden wir Architekt:innen und Designer:innen ein, unsere Prototypen zu testen. Daraus entwickelt sich der Prozess weiter.“ Dieser iterative Ansatz spiegelt das mcbwMotto wider: vom Zutrauen über den Spielraum zur Umsetzung. „Es geht nicht darum, perfekt zu starten, sondern zu zeigen, was da ist, um daraus weiterzudenken.“ Das bewusste Zulassen von Unvollständigkeit

ist für Schönbeck Gegenpol zu lähmender Perfektionskultur. „Wir brauchen mehr Mut zum Stolpern, zum Ausprobieren. Erst im Machen lernen wir wirklich.“
Die Brücke zwischen Design und Business
Als Beiratsmitglied sieht Schönbeck ihre Rolle klar: „Wir können die besten Gestalter:innen haben, aber wenn es nicht erkannt wird oder nur in kreativen Kreisen bleibt, dann ist es schade. Wie bringt man diese Welten so zusammen, dass es ein Mehrwert für beide ist?“ Für sie ist die mcbw genau dieser Ort der Begegnung. Räume spielen für Schönbeck eine Schlüsselrolle, ihr Ansatz basiert auf dem Konzept der Multimodalität: „Gute Arbeitsumgebungen sind wie Städte mit verschiedenen Bezirken. Mitarbeiter:innen haben die Auswahl und Kontrolle – je nach Aufgabe oder persönlicher Präferenz.“ Diese anregende Umgebung entsteht durch bewusste Gestaltung: „Funktionale Raumsettings, die das Arbeiten produktiv machen und den gezielte
Arbeits- und Lebensräume sind keine starren Orte, sondern dynamische Umgebungen für Kreativität.“
DR. DEWI SCHÖNBECK Managing Director Steelcase
Einsatz von Materialitäten fördern das Wohlbefinden und die Lust am Arbeiten.“
Dewi Schönbecks Vision für die mcbw
Für die mcbw wünscht sie sich, dass sie als konkrete Einladung verstanden wird, Handlungsspielräume eröffnet und Veränderungen anstößt: „Wenn Besucher:innen mitnehmen, dass Arbeits- und Lebensräume keine starren Orte sind, sondern dynamische Umgebungen für Kreativität, hat sie ihre Kraft entfaltet.“
Über Dr. Dewi Schönbeck
Dewi Schönbeck ist promovierte Architektin und Managing Director bei Steelcase, einem der weltweit führenden Anbieter für Büromöbel und Arbeitsplatzlösungen. Sie gestaltet Arbeitswelten, die Kreativität, Austausch und Innovation fördern. Mit ihrer Expertise an der Schnittstelle von Transformation und Gestaltung trägt sie zur Entwicklung der mcbw bei.
Lebendige Systeme
Globale Teams, endlose Kommunikationskanäle, rasante kulturelle Veränderungen – die heutige Arbeitswelt bewegt sich schnell. Den Markenkern prägt längst nicht mehr eine einzige Wahrheit, sondern ein Geflecht von Nuancen über Märkte und Disziplinen hinweg. Wir sprachen mit Patrick Hummel, Senior Product Designer bei Frontify, über eine spielerische Denkweise, die Orchestrierung von Markendesign und darüber, warum moderne Markensysteme sich weniger wie Regelwerke und mehr wie lebendige Systeme verhalten müssen.


Das Thema der mcbw 2026 lautet „Playground of Possibilities“. Was bedeutet das für dich?
Das bringt mich sofort zurück zu etwas sehr Grundlegendem: meiner Kindheit. Ich habe kürzlich neben meinem Job als Designer eine Schauspielausbildung abgeschlossen, und im Theater herrscht die feste Überzeugung, dass wir alle noch Kinder sind – vielleicht nur mit einer etwas geschwächten Vorstellungskraft. Kinder akzeptieren Ideen ohne Widerstand. Sie spielen Dinge durch, auch wenn sie unmöglich sind.
Für mich als Designer ist diese Denkweise unglaublich kraftvoll. Spielen ermöglicht es, Ideen bis zum Ende durchzudenken, auch wenn sie noch nicht realistisch oder technisch umsetzbar sind. Ein Spielplatz hat Regeln, aber nur so viele, dass Menschen zusammen spielen können. Innerhalb dieser Regeln werden sie ermutigt, Dinge auszuprobieren, zu scheitern und mutig zu sein. Das Design braucht dringend wieder mehr davon.
Das Design von heute wird oft von Systemen und Rahmenbedingungen bestimmt. Gibt es da noch Platz für Spiel?
Man kann Regeln nur dann sinnvoll brechen, wenn man sie überhaupt versteht. Gutes Design entsteht oft, wenn jemand bewusst beschließt, eine Regel nicht zu befolgen – und genau weiß, warum. So schafft man Spannung, Charakter und Differenzierung, selbst innerhalb strukturierter Systeme. Gefährlich wird es, wenn man Regeln blind befolgt, nur weil es sie gibt. Je globaler und standardisierter Marken werden, desto wichtiger wird es,
bewusste, manchmal unbequeme Entscheidungen zu treffen. Struktur ist nicht der Feind der Kreativität. Das Fehlen von Absicht ist es.
Du sagst, dass Marken „mehr als nur visuell“ sind. Was meinst du damit?
Eine Marke ist nicht das, was man auf einer Website sieht. Sie ist das, was Menschen sich beim Kaffee über sie erzählen. Eine Marke ist die Erfahrung, an die sich Menschen erinnern, nicht nur die Bilder, die sie konsumieren. Wir vergessen oft, dass Marken außerhalb der von uns kontrollierten Kanäle entstehen.
Das kann eine Herausforderung sein, aber es ist unglaublich wirkungsvoll, wenn man es versteht und richtig umsetzt. Es bedeutet auch, dass jeder innerhalb einer Organisation die Marke mitgestaltet – nicht nur Designer oder Markenmanager. Eine großartige Marke ist heute wie ein lebendiges, atmendes System. Sie wächst ständig und entwickelt sich kontinuierlich weiter.
Du arbeitest an einer Plattform, die selbst ein System ist. Wie ermöglicht Frontify, dass diese lebendigen Systeme zum Leben erweckt werden?
Wir betrachten Marken wie Orchester. Viele Menschen spielen verschiedene Instrumente, aber sie brauchen ein gemeinsames Verständnis des Stücks. Frontify basiert auf dieser Überzeugung.
Unser Ziel ist nicht Kontrolle, sondern Klarheit. Wir möchten Markenwissen sichtbar und zugänglich machen, damit Menschen selbstbewusst handeln können,
Frontify hilft Marken, beim Wachstum konsistent zu bleiben. Die Plattform verbindet Menschen, Tools, Inhalte und Systeme.
Frontify bietet einen Ort, an dem Markenstrategie, Designsysteme und Assets zusammenkommen, abgestimmt bleiben und sich kontinuierlich weiterentwickeln.
Das Frontify-Ökosystem vereint Markenstrategie, Designsysteme und Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Raum und macht es Teams leichter, Marken aufzubauen, zu managen und nachhaltig zu skalieren.


ohne Angst zu haben, etwas falsch zu machen. Ein gutes Markensystem sagt nicht, was man nicht tun soll. Es hilft zu verstehen, warum Dinge funktionieren. Echte Selbstbestimmung entsteht durch das Verständnis der Marken-DNA, nicht durch die Durchsetzung von Regeln. Wenn Menschen den Kern einer Marke verstehen, können sie experimentieren, ohne ihn zu verlieren. Frontify hilft dabei, dieses Verständnis aufzubauen, und gibt die Werkzeuge an die Hand, um es zu pflegen und zu erweitern.
Markensysteme müssen heute global skalierbar sein und dennoch lokal und menschlich wirken. Ist das realistisch?
Das muss es sein. Die Kultur verändert sich zu schnell für statische Richtlinien. Formate ändern sich, Plattformen ändern sich, die Aufmerksamkeit ändert sich. Was Marken heute brauchen, ist keine strengere Kontrolle, sondern Selbstvertrauen – ein tiefes Verständnis dafür, wer sie sind und was ihre Identität wirklich ausmacht. Konsistenz entsteht heute nicht durch Durchsetzung. Sie entsteht durch gemeinsames Verständnis.
Du sprichst viel über kulturelle Relevanz. Warum ist das deiner Meinung nach gerade jetzt so wichtig? Aufmerksamkeit ist ein knappes Gut. Marken konkurrieren nicht mehr nur miteinander, sie konkurrieren mit allem. Kulturelle Relevanz ist kein Nice-to-have mehr –sie ist eine Überlebensfähigkeit.
Wichtig ist auch, dass kulturelle Relevanz nicht mehr nur von westlichen Märkten definiert wird. Wir sehen starke Marken und Identitäten aus Südamerika, Afrika und Asien entstehen, die oft tief in Tradition und lokaler Kultur verwurzelt sind. Globale Marken müssen viel genauer zuhören als früher, um global relevant zu bleiben.
Besteht die Gefahr, als Marke zu viel zu „spielen“? Natürlich. Experimente bergen immer Risiken, aber Vortäuschen ist weitaus gefährlicher. Trends zu verfolgen, die nicht zur eigenen DNA passen, kann echten Schaden anrichten.
In diesem Sinne funktioniert Spielen nur, wenn es auf Authentizität basiert. Menschen spüren sofort, wenn etwas unecht ist. Marken sollten sich eher wie Menschen verhalten: neugierig, unvollkommen, manchmal falsch – vor allem aber ehrlich.
Wenn du morgen eine Regel aus der Markenarbeit streichen könntest, welche wäre das?
Ich würde die endlosen Freigabeschleifen abschaffen. Jeder Review verwässert etwas. Ich habe so viele großartige Ideen in Prozessen untergehen sehen. Manchmal schützt das die Qualität, aber oft raubt es einer Idee auch ihre Seele. Vertrauen und Eigenverantwortung führen immer zu besserer Arbeit als Konsens.
Meine letzte Frage an dich: Wo gehst du selbst hin, um zu spielen?
Ins Theater. Auf der Bühne zu stehen erinnert mich daran, was es bedeutet, Mensch zu sein – letztendlich sind wir alle schön, unbeholfen und fehlerhaft. Es gibt einen Anfang, ein Ende und einen gemeinsamen Moment. Das ist unglaublich befreiend und hilft mir, mit mir selbst und damit auch mit meiner Arbeit in Kontakt zu bleiben.

Als Verantwortlicher für Produktdesign und Innovation bei Frontify verbindet Patrick Hummel Marken, Menschen und Kulturen miteinander.
Eine Marke ist nicht das, was man auf einer Website sieht. Sie ist das, was Menschen sich bei einem Kaffee über sie erzählen.“
PATRICK HUMMEL Senior Product Designer

Naturgewaltige Inszenierung einer Hospitality-Fläche für die Fachmesse
Inhorgenta Munich

VIOX-DESIGN
Wenn aus Mut eine neue Marke wird
im Trio.

Es gibt Momente im Leben einer Agentur, die weit über eine Namensänderung hinausgehen. Wenn ARNO Design sich nach drei Jahrzehnten von seiner Mutterfirma löst und als ViOX-Design neu erfindet, dann ist das auch ein neues Bekenntnis zu dem, was das Team aus Designer:innen und Architekt: innen im Kern schon immer ausgemacht hat: zum Mut, neue Wege zu gehen.
„Zutrauen ist die Basis jedes gestalterischen Prozesses“, sagt Peter Haberlander, einer der drei Geschäftsführer. „Und Kreativität beginnt dort, wo wir uns erlauben, ins Unbekannte zu gehen.“ Diese Haltung prägt nicht nur die Projekte der Designagentur, sondern auch ihre eigene Geschichte. Die Unabhängigkeit kam nicht über Nacht – sie ist das Ergebnis eines kontinuierlichen Wachstums, das München längst zum operativen Herzstück gemacht hatte. Der Firmensitz an der Bavariastraße nahe der Theresienwiese, zentral gelegen und gut mit der U-Bahn erreichbar, wurde vor einigen Jahren um eine weitere Etage erweitert – ein sichtbares Zeichen für die positive Entwicklung.
Das Messebau-Klischee aufbrechen
„Wenn die Leute das Wort Messebau hören, haben sie so ein Klischee im Kopf – manchmal ein negativ behaftetes“, erklärt Claus Neuleib unverblümt. Um dieses Klischee neu zu besetzen, dafür setzt sich das Team seit Jahren ein. „Viele Menschen wissen einfach nicht, was alles vorstellbar ist“, ergänzt Mirka Nassiri. „Und das können wir Kunden hier vor Ort am besten beweisen.“ Der neue Name ist auch eine Antwort auf diese Wahrnehmung: Die Vielfalt dessen, was die Agentur
leistet – von klassischen Messeständen über InteriorProjekte wie Shops und Showrooms bis zu hybriden Virtual-Reality-Lösungen –, passte längst nicht mehr in die alte Schublade.
Dass namhafte Unternehmen aus Mode und Industrie auf die Münchner Designagentur setzen, spricht für sich. Ob Julius Blum, LEGO oder die Messe München selbst – die Bandbreite der Projekte ist beeindruckend. „Für mich ist jedes Thema und jedes Produkt, egal wie unsexy es ist, perfekt zu präsentieren“, sagt Neuleib. „Mit viel oder weniger Budget, indoor oder outdoor, mit viel oder wenig Platz.“
Vier Buchstaben, unendliche Möglichkeiten
ViOX ist dabei kein zufälliges Akronym. Jeder Buchstabe steht für mehrere Assoziationen: V für Vitalität und Vision, i für Innovation und Inspiration, O für Oxygen –„wir wollen Sauerstoff reinbringen“, lacht Neuleib – und X für Exposition und Exzellenz. Das kleine i mit dem Punkt darüber? „Das ist das Pünktchen auf dem i“, erklärt Mirka Nassiri. „Erst wollten wir es großschreiben, aber dann war da dieser Punkt – und der hat’s ausgemacht.“ Die vier Buchstaben repräsentieren auch die

Gelebter Teamgeist bei ViOX-Design
Scaffold-Installation im Eingang West der Messe München
„vier Welten“, in denen die Designagentur arbeitet: Messedesign, Expo Development, also individuelle Hallenbebauungen, Interior & Spaces von Büros bis Museen und Virtual, sprich digitale Showrooms und Hybrid-Formate. „Ein Designprozess kann in vielen verschiedenen Welten stattfinden, da gibt es keine Grenzen“, sagt Nassiri. Diese Spielräume sind mehr als nur Geschäftsfelder – sie sind Experimentierfelder.
„Messe ist immer auch Playground“
„Messe ist ein Playground“, sagt Neuleib mit Überzeugung. Das Thema liegt ihm merklich nahe; das spürt sofort, wer sein Büro betritt und in seine stattliche Sammlung der berühmtesten Fashion-Kult-Puppe eingeführt wird, die er akribisch auf der ganzen Welt zusammensucht und zu jeder er eine Geschichte zu erzählen weiß. „Man kann auf der Messe viel mehr möglich machen, als nur einen Messestand zu platzieren. Wir mögen sehr gern diese große Freiheit, mit Formaten und Ideen zu spielen.“ Diese emotionale wie technische Freiheit nutzt das Team konsequent – und überträgt sie auf die eigenen Räume.
Das flexibel eingerichtete, helle Büro selbst ist Programm, und inhaltlich ist auch das Team mit seinen Interessen breit aufgestellt: „Von Surfer:innen bis Häkelmeister:innen haben wir hier alles“, lacht Neuleib, „Kunst, Mode, Musik – jeder hat seinen Hintergrund, und das fließt alles ein.“ Die Diversität des Teams spiegelt sich in der Vielseitigkeit der Entwürfe. „Wir sind alle sehr unterschiedlich“, ergänzt Peter Haberlander, „das ergibt automatisch eine Vielseitigkeit, die wenige Firmen haben.“ Nach 30 Jahren gemeinsamer Arbeit könne man sich das schon sagen: „Man kann in der Sache auch mal verschiedener Meinung sein, das ist ja okay. Im Verhältnis ist es dennoch sehr harmonisch.“
Die Krise als Katalysator
Die Pandemie beschleunigte die Entwicklung hybrider Lösungen. „Heute gestalten wir alle Projekte hybrid“, erklärt Mirka Nassiri. „Virtuell, Social Media – das funktioniert schon ganz gut. Aber natürlich kann diese Entwicklung unendlich weit gehen.“ Gleichzeitig wuchs die Sehnsucht nach physischen Erlebnissen, sagt sie: „Das Networking, der Austausch – gerade beim Thema Dekarbonisierung ist die Messe ein BrainstormingBereich.“ Apropos, die Positionierung zum Thema Nachhaltigkeit ist für ViOX-Design kein Verkaufsargument, sondern gelebte Praxis. Das Re-Use-Prinzip gehörte von Anfang an zur DNA. 2025 folgte die Zertifizierung nach ISO 14067, die Klimastrategie 2050 zeigt die langfristige Ausrichtung. „Jede Lösung berücksichtigt automatisch Nachhaltigkeitsaspekte“, sagt Nassiri. „Da brauchen wir keine Anforderungen vom Kunden, das machen wir von uns aus.“ Aktuell arbeite
man an Datensicherheit und digitaler Souveränität –Themen der Zukunft.
Von der Präsentation direkt zur Party
Für die mcbw hat sich das Team vorgenommen, ihre Büroräumlichkeiten an zwei Nachmittagen zu öffnen – nicht für steife Präsentationen, sondern für lockere Begegnungen. „Bisher ist es bei uns immer mit einer kleinen Party geendet“, freut sich Neuleib. Dabei lässt es sich toll zu verschiedenen Projekten ins Gespräch kommen, die mit analogen Pinnwänden oder digitalen Einblicken vorgestellt werden sollen: „Alle Besucher: innen sollen sich wohlfühlen und selbst entscheiden, ob sie tiefer ins Gespräch kommen oder lieber nur ein Glas Wein trinken wollen.“
Für die Agentur ist es ein emotionaler Moment, schließlich wird das neue Baby, der Name ViOX, erstmals offiziell der Öffentlichkeit präsentiert. „Wir freuen uns wahnsinnig auf diese Möglichkeit, face to face mit den Leuten über diese Transformation zu sprechen“, sagt Peter Haberlander. „Und das ist natürlich ganz toll, weil das persönlich einen ganz anderen Mehrwert hat.“
Mit frischem Markenauftritt, klarem Profil und München als strategischem Zentrum schreibt ViOXDesign sein neues Kapitel – spielerisch, verantwortungsvoll und mit der Energie eines Teams, das nach 30 Jahren motivierter ist denn je.

Verantwortung, die Spaß macht

Bei Studio adpa verfolgen die Gründer Dominic Ahn, Matthew Dueck und Lukas Prestele einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Architektur und Design ineinandergreifen. Alles, was man sieht, fühlt, was man erleben und anfassen wird, fließt in ihre Konzepte ein. Seine Lösungen findet das insgesamt siebenköpfige Team durch spielerisches Experimentieren und möchte allen Mut machen, über das Offensichtliche hinauszudenken.

adpa ist ein Studio für Architektur und Design, was unterscheidet euch von anderen?
Lukas: Unsere eigentliche Spezialisierung liegt darin, dass wir uns maximal divers aufstellen möchten. Unsere Projekte sind sehr unterschiedlich, so können wir uns mit immer neuen Dingen auseinandersetzen und mit einem frischen Blick an Herausforderungen herangehen.
Dominic: Ein Alleinstellungsmerkmal ist sicher, dass wir immer versuchen, jeden Bau und jede Designaufgabe komplett zu verstehen und zu hinterfragen. Also, macht es überhaupt Sinn, das so umzusetzen, oder gibt es vielleicht andere, bessere Lösungen? Durch unsere Vielseitigkeit können wir ein sehr breites Spektrum an Blickwinkeln einbringen.
Ihr habt alle drei nach dem Studium teils im Ausland bei renommierten Architekturbüros gearbeitet. Was habt ihr da Positives mitgenommen? Was macht ihr jetzt anders?
Lukas: Große Büros sind oft wie eine Maschine, in der jeder seine feste Position hat. Wir haben gemerkt, dass wir bessere Ergebnisse erzielen, wenn die Hierarchien flach und alle im Austausch sind.
Matthew: Bei adpa ist es uns wichtig, jede Aufgabe von Anfang bis Ende zu betrachten. Wir begleiten Projekte von der ersten Skizze über die Baustelle bis hin zum fertigen Gebäude. Wir sind nicht groß, aber wir bilden das ganze Spektrum ab.
Dominic: Nichtsdestotrotz haben wir viel gelernt, über den Umgang mit Architektur, wie man auch größere Projekte plant, strukturiert und baut und wie man unternehmerisch denkt.
Matthew: Wir haben auch sehr davon profitiert, dass wir in anderen Ländern gearbeitet haben, denn in jedem Land geht man anders mit Architektur oder urbanen Räumen um. Diese verschiedenen Typologien versuchen wir auch nach München zu bringen.
Wo hat Deutschland in der Architektur noch Entwicklungsbedarf?
Lukas: Wie wir den Blick von außen hereinholen, lässt sich vielleicht am plakativsten bei unserem Pferdestallprojekt sehen. Hier kam die Bauherrenschaft mit einer fertigen Skizze auf einem Karoblock zu uns. Die haben wir dann erst mal zur Seite gelegt und das ganze Projekt neu gedacht. Gemeinsam haben wir neue Wege beschritten und viel ausprobiert. Der Stall, der jetzt


gebaut worden ist, ist etwas völlig Neues und sorgt schon jetzt im Pferdesport für viel Aufmerksamkeit.
Als Architekten verstehen wir Räume, Prozesse und Abläufe und so konnten wir gemeinsam mit den Bauern ein Konzept und eine Architektur entwickeln, die es so noch nicht gibt. Es ist eine neue Art der Pferdehaltung entstanden, aber auch ein Mehrwert für die Betreiber, die Reiter und die Dorfgemeinschaft.
Dominic: Bei diesem Projekt war es so, wie wir das aus anderen Ländern gewohnt sind. In China, Dänemark oder der Schweiz kommen Leute in die Architekturbüros und sagen: Ich habe ein Problem, schlagt mir eine Lösung vor. In Deutschland ist man da oft etwas verkopfter, dabei liegt das Können unseres Berufsstandes ja gerade darin, der Bauherrenschaft ein breiteres Spektrum aufzumachen.
Matthew: Nicht nur wir, sondern viele jüngere Architekten versuchen heute Dinge anders zu machen. Wir haben nicht nur kreative Ideen, sondern auch den Mut, bei den Bauherren dafür zu werben und die Verantwortung dafür zu übernehmen.
Apropos Verantwortung. In der Architektur stehen Gebäude jahrzehntelang, oft noch länger. Wie

geht ihr mit dieser Verantwortung auch in puncto Nachhaltigkeit um?
Dominic: Gerade weil Gebäude sehr teuer sind, wird in der Architektur schon im Vorfeld sehr genau geschaut, was funktioniert und was nicht. Wir verlassen uns hier auf unseren eigenen Erfahrungsschatz und informieren uns über aktuelle Entwicklungen.
Lukas: Und wir betreiben einen sehr hohen Aufwand, um unsere Ideen auszuprobieren, zu validieren und um zu sehen, ob sie tatsächlich den Effekt erzielen, den wir uns erhoffen. Wir bauen Modelle und arbeiten mit verschiedenen Visualisierungen, etwa durch VR-Brillen, um zu sehen, ob wir auf der richtigen Spur sind.
Matthew: Wir spielen möglichst viele Szenarien durch, denn je mehr man sich mit der Bauaufgabe beschäftigt, umso eher wird der Entwurf zukunftsfähig sein.
Das Spielerische, das auch bei der mcbw im Vordergrund steht, wie sehr prägt das eure Arbeit?
Lukas: Am Ausprobieren, Rumspielen und Rausfinden haben wir einfach unfassbar viel Spaß, und unsere Architektur zeigt das. Das Play beginnt mit dem Hinterfragen, wenn wir in 28 verschiedene Richtungen gehen und dann am Ende auf eine Lösung stoßen, an die vorher noch keiner gedacht hat.
Matthew: Wir versuchen immer, uns vorzustellen, wie wir selbst in einem Raum agieren würden, und so kommt das Spielerische bei uns in Bauaufgaben hinein. Dominic: So gelingt es uns auch, die Bauherren davon zu überzeugen, etwas mehr zu wagen. Einerseits weil wir sie mit 3D-Modellen und Virtual Reality schon sehr konkret abholen können, andererseits durch unseren Enthusiasmus. Gerade weil wir so viel experimentieren und ausprobieren, können wir dann zu 100 Prozent hinter unseren Lösungen stehen.
Wenn ihr an die Zukunft denkt, was würdet ihr euch für die nächsten zehn Jahre wünschen?
Matthew: Wir stehen gesellschaftlich vor sehr vielen Herausforderungen und ich denke, Architektur und Design können ein sehr gutes Vehikel sein, um wirklich neue Ideen zu entwickeln und die Art, wie wir wohnen, wie wir Stadträume gestalten und wie wir bauen, neu zu denken.
Dominic: Natürlich ist Rendite beim Bauen auch wichtig, aber ich würde mir wünschen, dass in Zukunft mehr Wert darauf gelegt wird, was ein Vorhaben den Menschen bringt und ob es die Stadt besser macht.
Lukas: In Deutschland können wir Normen und Gesetze super gut, aber wir haben jetzt andere Probleme als vor 10, 20 oder gar 100 Jahren, dementsprechend muss sich die gebaute Umwelt anpassen.
Matthew: Die Moderne ist vorbei und vielleicht beginnt jetzt eine neue Epoche, die auf die Herausforderungen unserer Zeit neue Antworten gibt.


Ein Septemberabend 2025: Zwischen São Paulo und Seoul beantworten 906 Designer:innen Fragen zu ihrer Arbeit. Figmas State of the Designer 2026 Report offenbart eine Profession im Wandel –zwischen Aufbruch und Unsicherheit, technologischer Beschleunigung und menschlicher Kreativität. Und während künstliche Intelligenz die Werkzeuge revolutioniert, avanciert ausgerechnet Handwerkskunst zum entscheidenden Unterscheidungsmerkmal.
Craft als Nordstern
Zu Beginn ein paar beeindruckende Zahlen: 72 Prozent aller Designer:innen nutzen regelmäßig generative KITools, bei fast allen (98 Prozent) hat sich die Nutzung im vergangenen Jahr intensiviert. 89 Prozent arbeiten dadurch schneller, 80 Prozent kollaborieren effektiver, und bemerkenswerte 91 Prozent attestieren, dass KI die Qualität ihrer Arbeit steigert. Doch was macht die Arbeit von Designer:innen wertvoll, wenn jede:r mit einem Prompt ein Interface erstellen kann?
Die Antwort könnte in Figmas eigener Geschichte und seiner Hingabe zur Craft liegen – jener Sorgfalt und Aufmerksamkeit hinter allen Designentscheidungen. Dylan Field und Evan Wallace gründeten Figma 2012 und revolutionierten Designprozesse, indem sie sie vollständig in den Browser verlagerten. Anders als klassische Desktop-Tools machte Figma kollaboratives Arbeiten selbstverständlich – Product Manager, Entwickler:innen und Designer:innen teilen sich seither eine gemeinsame Datei.
Was als webbasiertes Design-Tool begann, ist heute eine Plattform für den gesamten Produktprozess; mittlerweile wird sie täglich von Teams in Konzernen wie BMW oderSiemens genauso genutzt wie von Agenturen und Selbständigen. 2022 versuchte Adobe, Figma für 20 Milliarden Dollar zu übernehmen, ein Deal, der letztlich an kartellrechtlichen Bedenken scheiterte. Seitdem agiert Figma unabhängig und erweitert kontinuierlich die Grenzen kollaborativen Designs – zunehmend KI-basiert, wie die kürzlich akquirierten Start-ups zeigen.
Was ist Craft – und warum ist es wichtig?
Rund die Hälfte der Befragten versteht Craft als „visuelle Perfektion und Liebe zum Detail“ oder „durchdachte Problemlösung und systemisches Denken“. Ein indischer Designer bringt es so auf den Punkt: „Für mich bedeutet ‚Craft‘ Können, Detail und intentionalen Einsatz. Es geht nicht nur darum, kreativ zu sein, sondern mit Sorgfalt, Präzision und Fingerspitzengefühl zu gestalten.“ Entscheidend hierbei: Designer:innen, die ihr Handwerk mit emotionaler Wirkung und visueller Qualität verbinden, sind signifikant zufriedener. Sie erleben ihre Arbeit als sichtbarer und wertgeschätzter – wer Craft rein analytisch versteht, erfährt seltener Anerkennung. „Craft ist erwachsen geworden“, so ein italienischer Freelancer. „KI hat viel oberflächliche Designarbeit automatisiert. Der Wert liegt jetzt in systemischem Denken und der Fähigkeit, Komplexität in Klarheit zu übersetzen.“

Bei der jährlichen Config kommen Kollaboration, Kreativität und Zukunftsdenken zusammen.
Figma-CEO und Mitgründer Dylan Field spricht zur Rolle von Design zwischen Präzision, Haltung und neuer Technologie.
Haptische Tools wie Siebdruck bleiben auch im Zeitalter von Automatisierung relevant.
Wenn die Führung Craft ernst nimmt
Der stärkste Zusammenhang der Studie zeigt sich zwischen Führung und Design-Exzellenz. Designer:innen sind doppelt so zufrieden, wenn ihre Unternehmen Craft priorisieren – 60 Prozent berichten von größerer Zufriedenheit, sobald Führungskräfte echtes Interesse an Design zeigen. Konkret bedeutet das: Design mit Geschäftsergebnissen verknüpfen, Designer:innen Raum für Entwicklung geben und eine Kultur schaffen, in der sie stolz auf ihre Arbeit sein können.
Die Rechnung geht auf, Unternehmen, die auf Craft setzen, wachsen laut ihren Designer:innen schneller als der Branchendurchschnitt. Und ihre Designer:innen blicken optimistischer in die Zukunft. Hierin liegt eine zentrale Erkenntnis: KI und kreative Exzellenz schließen sich nicht aus – im Gegenteil. KI beschleunigt die Exploration, während die kreative Entscheidungshoheit bei Designer:innen verbleibt.
Die Zahlen belegen, dass Designer:innen, die KI adaptieren, 25 Prozent zufriedener sind und ihre Unternehmen schneller wachsen (41 Prozent versus 33 Prozent). Entscheidend: Diese Gewinne gehen weder zulasten von Craft noch von Autonomie. Im Gegenzug berichten 40 Prozent jener, die ihre KI-Nutzung nicht steigern, von sinkender Jobzufriedenheit – mehr als doppelt so viele wie unter den Adaptierenden (18 Pro -

zent). Die Botschaft: Nicht KI ist das Problem, eher die Angst davor. „Für mich spiegelt der Bericht das wider, was ich in Teams überall beobachte: KI sollte unseren kreativen Horizont erweitern, nicht einengen. Und echtes Handwerk – getragen von Neugier, Klarheit und kontinuierlicher Iteration – bleibt auch in Zukunft essenziell“, so Loredana Crisan, Chief Design Officer bei Figma.
Figma: Plattform und Reflexionsraum
In diesem Transformationsprozess nimmt Figma freilich eine Doppelrolle ein: als demokratisierende Plattform und als Forschungsinstanz, die Branchentrends erspürt. Seit seiner Gründung verfolgt das Unternehmen die Vision, Designprozesse zugänglich und kollaborativ zu gestalten. Der Report zeigt: Die Designer:innen, die 2026 und darüber hinaus erfolgreich sein werden, verstehen KI als Katalysator für höherwertige Arbeit und betrachten zugleich Craft als ihren Nordstern – als Qualität, Intention und emotionale Resonanz. Die Profession befindet sich also im Fluss, Gestaltende rekalibrieren ihre Praxis, experimentieren mit Tools und bekräftigen zugleich die menschliche Natur ihrer Arbeit. „Die zunehmende Nutzung von KI-Tools macht alles viel schneller, aber auch zu perfekt und zu generisch“, beobachtet ein brasilianischer Designer. „Was den Unterschied macht, ist eine präzise kreative Vision.“







Open
Design Week
Frankfurt RheinMain
05.–14.06.2026






Frankfurt RheinMain ist World Design Capital 2026. Ein Jahr lang rückt die Region die gesellschaftliche Rolle gestalterischer Praxis in den Fokus. Einen der zentralen Höhepunkte dieses Programms bildet die Open – Design Week im Juni. Die Veranstaltung macht Gestaltung dort erlebbar, wo sie entsteht. In Studios, Unternehmen, Werkstätten und Industriehallen zeigen regionale und internationale Mitwirkende, wie Design wirtschaftliche Prozesse prägt, Innovation ermöglicht und gesellschaftliche Fragen aufgreift. Vor Ort werden aktuelle Arbeitsweisen, Haltungen und Projekte erlebbar. In Talks, Ausstellungen und o enen Formaten werden Perspektiven auf Demokratie, Zusammenleben und die Arbeitswelt von morgen erö net.




Von München nach Frankfurt RheinMain. Dem Design folgen: Zur Open – Design Week Frankfurt RheinMain.





Mirko Borsche, ein international ausgezeichneter deutscher Grafikdesigner, Creative Director des ZEIT-Magazins und Gründer des Bureau Mirko Borsche, ist bekannt für Editorial Design und Magazingestaltung. Foto: Martina Borsche
Steffi, warum freust du dich auf die Masterclass? Ich freue mich auf die Masterclass, weil ich Gestaltung als etwas zutiefst Lebendiges verstehe. Mich interessiert der ehrliche Austausch, das kritische Hinterfragen unseres Feldes und vor allem, Menschen zu ermutigen, ihr eigenes Potenzial ernst zu nehmen. Das alles jenseits von Erwartungen, Ängsten und äußeren Stimmen. Gestaltung braucht Mut. Und genau darum geht es mir.
Was würdest du Designstudierenden gern mit auf den Weg geben?
Mirko, was würdest du Designstudierenden gern allgemein mit auf den Weg geben?
Habt keine Angst davor, euren eigenen Blick zu entwickeln und auch Fehler zu machen. Gute Gestaltung entsteht nicht aus Trends, sondern aus Durchhaltevermögen, Neugier und harter Arbeit. Lernt zuzuhören, Dinge wirklich zu verstehen und nicht alles sofort neu erfinden zu wollen.
Was erhoffst du dir von der Masterclass?
Ich wünsche mir einen offenen Austausch, bei dem es weniger um fertige Antworten geht, sondern darum, gemeinsam Fragen zu stellen, Prozesse sichtbar zu machen und Mut zum eigenständigen Denken zu vermitteln. Wenn die Teilnehmenden am Ende ein klareres Bild davon haben, was der Beruf wirklich bedeutet, hat die Masterclass ihr Ziel erreicht.

Designstudierenden würde ich mitgeben, neugierig zu bleiben, viel zu erkunden und sich möglichst wenig zu vergleichen. Sich nicht vollständig mit der eigenen Arbeit zu identifizieren, schafft Freiheit. Gute Gestaltung entsteht für mich oft aus Emotionen und braucht manchmal Distanz und Leichtigkeit, um diese in eine klare Form zu übersetzen. Offen, ehrlich – vor allem sich selbst gegenüber – und nicht zu gewollt.
Steffi Bauer ist eine Münchner Illustratorin und Textildesignerin, deren Arbeiten sich durch lebendige Farben und expressive Formen auszeichnen und häufig Alltagsmomente und Natur einfangen. Foto: Jana Geissler

Design geht über handfeste Problemlösung hinaus. Es formt unsere Vorstellungskraft und zeigt sich als Möglichkeitsraum, der das Leben vieler berühren kann. Die Tradition von Werkbund und Bauhaus erinnert daran: Gestaltung war in Deutschland schon immer mit politischem Engagement und gesellschaftlicher Verantwortung verbunden. Die Frage ist nicht nur: „Was geht?“ Sondern auch: „Was bringt es? Wem kann es dienen?“ Kreative Verantwortung heißt, begeistert nach vorne zu gehen und Designvermittlung als wirkmächtiges Instrument für Veränderung zu verstehen.

CREATING VISIONS THAT ENRICH
Installation von I LIKE BIRDS
Für gute Ergebnisse ist eine gewisse Leichtfüßigkeit wichtig
Boris Kochan hat sich von Beginn an in die mcbw eingebracht – mit seiner Agentur in der Gestaltung, mit Konferenzformaten und schließlich als Beirat. Das diesjährige Motto begeistert ihn, weil es Menschen sofort mitnehme und zum Spielen und Aktivsein auffordere.
Creating Visions that Enrich: Begeistert nach vorne gehen
„In den letzten Jahren ging es im Design viel um Verantwortlichkeiten und Innovationsorientierung. Jetzt den spielerischen Zugang in den Vordergrund zu rücken, finde ich wichtig“, beobachtet Kochan. Alle guten Gestalter:innen seien verantwortungsbewusste Menschen, aber auch eine gewisse Leichtfüßigkeit sei wichtig, um zu guten Ergebnissen zu gelangen. „Wir können nur vorankommen, wenn wir begeistert nach vorne gehen und erzählen, was wir können und welche Potenziale in der Gestaltung stecken.“ Für ihn ist die mcbw genau diese Bühne – eine Woche, die zeigt, wie durch gemeinsames, proaktives Handeln Dinge verbessert werden können. Kreativen gibt Boris Kochan den Rat an die Hand, sich

noch stärker mit anderen Branchen, mit Kunden und der Politik zu vernetzen. Er selbst engagiert sich an unterschiedlichen Stellen dafür, die Rahmenbedingungen für die Branche zu verbessern, und setzt sich dafür ein, dass Design als wichtiger Aspekt des Regierungshandelns anerkannt wird. Auf die Frage, was der oder die Einzelne tun könne, antwortet er: „Organisiert euch!“ Es sei wichtig, die eigene Wirkmächtigkeit zu erkennen und sich politisch einzubringen. „Schon seit dem Werkbund und dem Bauhaus ist Gestaltung in Deutschland mit politischem Engagement verbunden. Wir können nicht nur Visionen entwickeln, sondern haben auch das Vermögen, sie wahr werden zu lassen.“ Es liege also eine Chance darin, sich auf diese Tradition zurückzubesinnen und Gestaltung in ihrer gesellschaftlichen Wirkmacht zu zeigen – begeistert, leichtfüßig und verantwortungsvoll zugleich.
Boris Kochans Vision für die mcbw
„Ich stelle mir die mcbw als den Treffpunkt der deutschen Wirtschaft mit dem Design vor, an dem die beiderseitigen Mehrwerte zelebriert werden. Und so unendlich viel ge -
Gestaltung ist für mich immer das Ergebnis einer Gruppe.“
BORIS
KOCHAN Senior Advisor Kochan & Partner
genseitige Inspiration entsteht. Gleichzeitig nutzt die mcbw der Zukunft das Potenzial von München als europäische Standortwahl internationaler Tech-Konzerne wie Google, Apple, OpenAI, damit diese gemeinsam mit weltweit führenden Gestalter:innen designgetriebene Innovationen und gesellschaftliche Entwicklungsfelder vorantreiben. Sozusagen das Davos von Design und Wirtschaft.“
Über Boris Kochan
Boris Kochan ist Designer, Unternehmer und Experte für strategische Kommunikation und Kreativprozesse. Er begleitet Unternehmen dabei, komplexe Ideen klar zu vermitteln und wirksame Narrative zu entwickeln. Neben seiner Beratungstätigkeit ist er publizistisch und kuratorisch aktiv. In seiner Rolle als Präsident des Deutschen Designtags vertritt er Anliegen der Designbranche vor der Politik. Als Beiratsmitglied der mcbw bringt er Perspektiven aus den Bereichen Design, Kultur und gesellschaftliche Entwicklungen ein und unterstützt damit die Verbindung von Kreativität und strategischem Denken.
Oliver Heilmer, Leiter Design für die BMW Kompaktklasse, Neue Klasse und BMW M, sprach mit uns über das Entwerfen von Erlebnissen, das Navigieren durch Komplexität und das Finden von Freude an neuen Orten.
Design in einer Welt, die nicht stillsteht


Das Design des neuen BMW iX3 begann mit einer großen Frage: Wie sollen sich Fahrer:innen fühlen?
Neue Interfaces schaffen jeden Tag digitale Momente für Fahrer:innen mit Klarheit und Sinn.
Frühe Designskizzen des neuen BMW iX3 deuten auf eine völlig neue Designrichtung der ikonischen Marke hin.


Man würde vielleicht erwarten, dass Oliver Heilmer mit der Ästhetik beginnt, wenn er beschreibt, wie sich das Automobildesign verändert hat. Stattdessen wendet er sich dem viel ganzheitlicheren Konzept des Erlebens zu. „Früher haben wir primär das Objekt gestaltet. Oberflächen, Linien, Haltung, Details“, erklärt er mir in unserem Gespräch darüber, wie sich eine stärkere Fragmentierung, sich rasant entwickelnde strukturelle Veränderungen und neue Herausforderungen für Designer:innen und Autohersteller auf den Kreativprozess auswirken. „Heute gestalten wir vielmehr das Erlebnis rund um das Auto, sprich: Interaktion, digitale Momente, Klarheit, Atmosphäre. Die Menschen trennen Materialien nicht von Licht oder UX“, fährt er fort. „Sie erleben alles als eine Realität. Heute ist es also unmöglich, das Physische und das Digitale voneinander zu trennen. Beides definiert sich gegenseitig. Und das verändert unsere Arbeitsweise im Designprozess grundlegend.“
Von Fragen zu Erfahrungen
Die Neue Klasse und der neue BMW iX3 sind eindrucksvolle Beispiele für diesen Wandel. Der Designprozess, erzählt Heilmer, begann nicht mit einem Strich, sondern mit einer Reihe grundlegender Fragen: Was soll man hier empfinden? Wo sollte Komplexität sich auflösen? Was macht das Erlebnis in diesem Fahrzeug gleichzeitig ruhig, intuitiv und unverkennbar zu BMW? „Nehmen wir mal das BMW Panoramic
Vision“, sagt er. „Es gibt einen klaren, fast philosophischen Grund, warum es genau dort sitzt, schließlich ist die Windschutzscheibe der beste und intuitivste Ort, um Informationen anzuzeigen. Und wenn man es ausschaltet, ist es nicht nur ein totes Display. Es beeinflusst den Raum, die Aufmerksamkeit, das Raumgefühl – nicht als Bildschirm, sondern als Teil der Architektur.“ Was nach einer methodischen Veränderung klingt, ist also eigentlich eine veränderte der Weltanschauung, bei der es letztlich nicht darum geht, Dinge „ neu aussehen zu lassen“, sondern konsequent zu definieren, wie BMW in einer neuen Realität existieren soll. Design wird damit zu einer Frage der Identität in einer Welt, in der ein Fahrzeug längst mehr ist als nur ein Produkt. „ Die Erinnerung an die Marke ist wichtig“, sagt Heilmer. „ Aber diese Erinnerung darf einen nicht einschränken.“ Das Gleichgewicht, das er anstrebt, ist Kontinuität ohne leere Nostalgie. „ Der iX3 fühlt sich immer noch unverkennbar wie ein BMW an, auch wenn er etwas völlig Neues einführt. Es passiert weniger – aber es passiert etwas anderes. Was zählt: Er ist zu 100 Prozent ein BMW, auch wenn wir die Definition dessen erweitern, was das bedeutet.“
Die sich entwickelnde Sprache von FREUDE
Die verbindende Kraft hinter diesem „anderen“ ist jedoch etwas erfrischend Konstantes, selbst wenn man


auf die mehr als 100-jährige Geschichte der Marke zurückblickt: FREUDE. „FREUDE entsteht heute aus dem Gesamterlebnis“, betont Heilmer. „Aus den kleinen Momenten, die den großen Unterschied ausmachen. Das hat auch eine praktische Seite: Freude am Fahren entsteht durch Dinge wie bessere Aerodynamik und größere Reichweite. Aber es muss immer noch wie ein BMW aussehen und sich auch so anfühlen.“ Wenn das Physische und das Digitale verschmelzen, können wir für diese neue Realität designen – und haben ganz neue Möglichkeiten, FREUDE zu schaffen, selbst in den kleinsten Momenten der Interaktion.“ Eine Geste auf einem Bildschirm kann beispielsweise die Wahrnehmung eines Materials beeinflussen, eine Lichtanimation die Bedeutung einer Form verändern. Hardware und Software sind nicht mehr parallele Ebenen, sondern stehen in ständigem Austausch – mit dem Ziel, unsere Beziehung zum Auto neu zu definieren. Anders gesagt: Das Objekt ist wichtig, aber das Verhalten, das es hervorruft, ist noch wichtiger. Das klingt einfach, ist es aber natürlich nicht. Die Einführung der Neuen Klasse war ein Wendepunkt für BMW und zwang die Teams, auch ihre Zusammenarbeit
Heute entsteht FREUDE aus dem Zusammenspiel aller Erlebnisse.“
OLIVER HEILMER
Leiter Design für die BMW Kompaktklasse, Neue Klasse und BMW M
neu zu denken. Die UX bestimmte die Proportionen, die Technik beeinflusste die Beleuchtung, die Markenidentität prägte die Materialität. „Wir haben gemeinsam die Spielregeln geändert“, sagt Heilmer. Hierbei sei Kommunikation der Schlüssel. „Ohne Dialog bleibt jeder in seiner eigenen Spur. Wir mussten unsere Zusammenarbeit überdenken – mit dem Bewusstsein, dass wir eine Kultur brauchen, in der Regeln als Möglichkeiten statt Einschränkungen gesehen werden.“
Zusammenarbeit: Der neue kreative Motor
Das bringt uns zurück zum „Playground of Possibilities“, dem diesjährigen Thema der mcbw. Es suggeriert Freiheit, Entdeckung und Bewegung. In Heilmers Welt bedeutet ein Spielplatz nicht die Abwesenheit von Regeln – sondern deren bewusste, absichtliche Gestaltung. Die Überzeugung, dass Design weder in Traditionen erstarren noch sich in Innovation verlieren muss, sondern im Wandel zwischen beiden lebendig wird. „Die Zukunft liegt vor uns, nicht hinter uns“, sagt Oliver Heilmer. „Die Frage ist nicht, ob wir schützen, was wir haben, sondern wie mutig wir voranschreiten.“
Fotos: BMW AG










Ana Relvão ist eine portugiesisch-deutsche Industriedesignerin und hat mit ihrem Partner Gerhardt Kellermann das Studio Relvãokellermann gegründet, das Designlösungen mit gesellschaftlichem Fokus und kollaborativen Prozessen entwickelt.
Foto: Paul Seethaler
Ana, was würdet ihr Designstudierenden heute gern mit auf den Weg geben?
Im Laufe der Jahre haben wir in unserem Büro so viel gelernt und sind immer auf der Suche nach Möglichkeiten, einen Beitrag zur Designausbildung zu leisten. Indem wir einen Blick hinter die Kulissen unserer Arbeit gewähren, hoffen wir, Designstudierende dazu zu inspirieren, ihre eigene Stimme zu finden und eine Position zu entwickeln, die über Trends hinausgeht.
Kannst du verraten, worauf ihr euch bei der Masterclass besonders freut?
Wir freuen uns auf die Gespräche, die entstehen, wenn die Studierenden mit der Realität der Designpraxis konfrontiert werden und beginnen, diese zu hinterfragen.

Michael, was ist dir aus deiner eigenen Studienzeit besonders im Kopf geblieben?
So richtig verkürzt Erzählenswertes aus der Studienzeit gibt es weder bei Stefanie noch bei mir. Eher so etwas wie ein Gefühl, das bei ihr am Royal College und auch bei mir an der FH München vorherrschte. Ein Gefühl der Hingabe, der vollen Widmung den Inhalten des Studiums, aber auch des Lebens innerhalb der Hochschule. Das wäre auch das, was wir uns von einer Masterclass erhoffen würden: dass wir vermitteln können, wie fesselnd so ein Studium sein kann, was man darin lernen kann, nicht nur über Design, sondern auch über sich selbst und die Gesellschaft. Daher unser Tipp an Studierende: Immerse yourself, explore yourself, exhaust yourself!
Michael Geldmacher und Stefanie Kubanek sind die Gründer des 2019 ins Leben gerufenen Designstudios MUCNYC. Mit internationalen Erfahrungen aus Industrie-, Möbel- und Strategiedesign verbinden sie funktionales Denken mit interkultureller Perspektive und kollaborativer Arbeitsweise.

Fotos von AMELIE NIEDERBUCHNER
Eine gemeinsame Idee wird Wirklichkeit: Mariusz Furtak, Regionalleiter bei ERCO (links), und Jürg Meier, Regionalverkaufsleiter bei JUNG, im Showroom in München
Text von DAVID BARNWELL

Der neue ERCO x JUNG Showroom kann im Ledigenheim im Münchner Westend besucht werden.
Foto: Henrik Schipper
Zusammenhalt stärken
In einer ehemaligen Bankfiliale im Münchner Westend trifft man heute weder auf Geldautomaten noch auf Kassierer hinter dem Tresen. Stattdessen betritt man einen außergewöhnlichen Showroom, in dem Licht, Material und menschliche Begegnung eine ungewöhnliche Verbindung eingehen. Wir haben den experimentellen Ort besucht, den ERCO Lighting und JUNG, der Premiumanbieter für moderne Gebäude- und Elektroinstallationstechnik, gemeinsam ins Leben gerufen haben.

Der Keller der alten Bank wurde in ein beeindruckendes Lichterlebnis verwandelt.
Wiebke Becker, Head of Pre Marketing Management bei JUNG
Foto: Henrik Schipper
Tommy Rube, Head of Field Marketing bei ERCO
Foto: Henrik Schipper
Bewusst spielerisch:
Besucher:innen des Showrooms können Produkte beider Marken anfassen, fühlen und ausprobieren.
Foto: Henrik Schipper
Die offenen Flächen und hohen Decken des Showrooms wirken, als wären sie dafür geschaffen, von Gästen erkundet zu werden.


Experimente gelingen nur, wenn Vertrauen vorhanden ist.“
Wiebke Becker Head of Pre-Marketing Management at JUNG

Die Partnerschaft, die das Gebäude im vergangenen Herbst erstmals öffnete, bringt zwei Unternehmen zusammen, deren Hauptsitze keine zehn Kilometer voneinander entfernt im Sauerland liegen. Dennoch brauchte sie Zeit zum Reifen. Was heute selbstverständlich wirkt – Licht und Schalter, das eine untrennbar vom anderen –, ist das Ergebnis eines langen Prozesses: gemeinsame Werte entdecken, Vertrauen aufbauen und schließlich den Mut finden, über das einzelne Markenerlebnis hinauszudenken.
„Wir wollten unsere Produkte nicht einfach isoliert präsentieren“, sagt Tommy Rube, Leiter Field Marketing bei ERCO. „Für uns beide zählte das Erlebnis, das entsteht, wenn alles zusammenfindet: Raum, Licht, Steuerung und die Menschen, die sich darin bewegen. Das war die eigentliche Chance – etwas völlig Neues, das wir nur gemeinsam erreichen konnten.“
Taktile Auslöser
Das in den 1920er-Jahren von Theodor Fischer entworfene Ledigenheim scheint mit seinen offenen Etagen, hohen Decken und Panoramafenstern wie geschaffen für genau dieses Erlebnis. Die Großzügigkeit des Raums korrespondiert auf natürliche Weise mit seinem neuen Zweck. Und es funktioniert: Nachbar:innen schauen vorbei, Kund:innen und Partner:innen treffen sich auf einen Kaffee, neugierige Passant:innen bleiben stehen und stellen Fragen. Allen begegnen Schalter, Dimmer, konfigurierbare Beleuchtungssysteme, Installationen, Materialmuster und noch vieles mehr.
Die Erkundung ist zutiefst körperlich. Schalter werden gedrückt, Szenen ausgelöst, das Licht verändert seinen Charakter. Man läuft nur wenige Minuten durch den Raum – und hat dennoch das Gefühl, die Möglichkeiten seien schier unbegrenzt. Genau darum geht es. „Wir wollten keine Barrieren“, sagt Jürg Meier, Regional Sales Director bei JUNG. „Wer sich willkommen fühlt, ist eher bereit zu erkunden und zu fragen.“
Eine leuchtende Idee
Was den Münchner Showroom auszeichnet, ist nicht allein seine Neuartigkeit. Viele Marken betreiben Showrooms und sprechen von Kooperationen. Der Unterschied liegt darin, wie bewusst das Experimentieren hier zum Konzept gehört. Ein Beispiel: das Untergeschoss, der ehemalige Banktresorraum, dessen Wände noch immer mit persönlichen Schließfächern gesäumt sind. Heute ist er eine immersive Lichtumgebung. Gäste finden hier eine Reihe von Lichtfiguren und Steuerungselementen vor, mit denen sie spielen, lernen und erleben können, wie Licht Stimmung und Atmosphäre verändert. Im Obergeschoss lässt sich in einem abgeschirmten Bereich mit einer schlichten In stallation als Anker die Farbtemperatur und Ausrichtung des Lichts frei erkun-

den. Der Raum ist zum Spielen und Reflektieren gedacht: Was bewirkt diese Art der Interaktion bei denen, die sie erleben? Wie verändert sie die Beziehung zu beiden Marken? „Experimente gelingen nur, wenn Vertrauen vorhanden ist“, sagt Wiebke Becker, die bei JUNG den Bereich Pre Marketing leitet. „Nicht nur zwischen Marken, sondern auch zwischen Menschen. Man braucht Offenheit, Ehrlichkeit und die Freiheit zu sagen: Probieren wir es aus, schauen wir, was passiert.“
Langsamkeit zelebrieren
Das Gespräch wird unweigerlich grundsätzlicher. Welche Rolle spielen physische Räume noch in einer Welt, die von Beschleunigung, KI und bildschirmbasierter Abstraktion geprägt ist? „Digitale Tools sind unverzichtbar“, sagt Mariusz Furtak, Regional Manager bei ERCO. „Aber sie ersetzen nicht die Präsenz. Man kann Licht endlos beschreiben – doch solange man es nicht erlebt hat, bleibt es Theorie.“ Der Showroom setzt dem üblichen Markenkontakt etwas entgegen. Dieser Raum verlangt Zeit und Aufmerksamkeit. Dafür hinterlässt das taktile, immersive Erlebnis einen bleibenden Eindruck. „Die Menschen erinnern sich an das, was sie berührt haben“, ergänzt Becker. „An das, was sie gefühlt haben. Das bleibt.“
Bleiben Sie neugierig!
Auf die Frage, ob die Zusammenarbeit beide Marken mutiger macht, kommt die Antwort rasch: Der Mut war immer schon da. Was sich verändert hat, ist die Art, wie er zum Leben erwacht. „Wir entwickeln Dinge jetzt gemeinsam“, sagt Rube. „Im Austausch werden Ideen besser. Man fordert sich gegenseitig heraus – respektvoll – und gelangt zu stärkeren Lösungen.“ Der Münchner Raum könnte durchaus Schule machen. Es gibt Diskussionen, Ideen, Möglichkeiten. Doch vorerst liegt der Fokus auf dem, was bereits geschieht: ein Ort, an dem Licht nicht nur gezeigt, sondern gespürt wird; an dem Technologie mehr ist als ein Werkzeug – nämlich ein Erlebnis; und an dem Zusammenarbeit weniger Strategie als gelebter Alltag ist. Am Ende misst sich der Erfolg dieses Raums nicht an Quadratmetern oder Systemen, sondern an den Menschen, bei denen Neugier geweckt wird.


Max Fraser ist Editorial Director von Dezeen und seit über zwei Jahrzehnten als Designjournalist, Autor und Kurator tätig. Er schrieb mehrere Designbücher und war stellvertretender Direktor des London Design Festivals.
Katharina, weshalb unterstützt ihr die mcbw als Medienpartner?
Die mcbw macht Design als strategische Kraft für Innovation und gesellschaftliche Transformation sichtbar. Ein Anspruch, den wir als German Design Council teilen. Als Medienpartner stärken wir diese Plattform, weil sie interdisziplinären Dialog ermöglicht und neue Perspektiven zusammenbringt. Mit unserem Online-Magazin Design Perspectives tragen wir diese Impulse weiter. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Mit klarem Mehrwert für die Design-Community.
Worauf freut ihr euch bei der mcbw am meisten?
Auf den Austausch mit internationalen Vordenker:innen, die das Motto „Playground of Possibilities“ mit Leben füllen. Gerade in Zeiten tiefgreifender Transformation braucht es Räume, in denen Ideen aufeinandertreffen und weitergedacht werden. Die mcbw schafft genau diesen Rahmen. Und setzt damit Impulse für die Zukunft des Designs.
Max, welche Inspiration erhoffst du dir, die Menschen aus den Veranstaltungen und Zusammenkünften der mcbw mitnehmen sollen?
In dieser von Krisen geprägten Zeit verzweifelt man leicht. Dabei ist es einfach, über Hoffnung zu sprechen. Viel schwieriger ist es jedoch, Verzweiflung und Hoffnung in Taten umzusetzen. Ich hoffe, dass sich das Publikum – von den Bescheidenen bis zu den Ehrgeizigen – von den Menschen und Organisationen hinter der munich creative business week inspirieren lässt, die gemeinsam an bedeutenden Veränderungen arbeiten.

Katharina de Silva ist Chefredakteurin des Designmagazins Design Perspectives beim German Design Council und schreibt frei über Design, Kunst und Kultur. Foto: Maria Poursanidou
In München muss man kreativ denken
Text von CHRISTINE MOOSMANN

Team Kreativ München. Reihe hinten: Magdalena Matzinger (3. v.l.) und Olaf Kranz (2. v.r.). Foto: Anne Bonsack
Die Kultur- und Kreativwirtschaft schafft nicht nur
Werte, Wachstum und Arbeitsplätze, sie ist auch ein wichtiger Innovationstreiber und fördert die Attraktivität einer Stadt. Deshalb hat München 2014 eine Einrichtung geschaffen, um Kulturschaffende und Kreative zu fördern – ein Punkt, an dem sie dringend Unterstützung brauchen können, sind bezahlbare Räume.
„Wir von Kreativ München haben uns als Fördereinrichtung auf die Kultur- und Kreativwirtschaft spezialisiert“, sagt Olaf Kranz, der Leiter des Kompetenzteams. „Diese Branche ist besonders, denn hier entstehen aus menschlicher Kreativität Kulturprodukte, die auf die Attraktivität einer Stadt einzahlen und von deren Innovationsleistung auch andere profitieren.“ In diesem Bereich eine Kompetenz aufzubauen, sei also sehr sinnvoll und man habe mit Kreativ München bewusst auf ein breit aufgestelltes Team gesetzt, das viel Expertise in kommunalen Belangen sowie der Wirtschafts- und Kulturförderung besitzt. Mit diesem interdisziplinären Fachwissen unterstützt Kreativ München die nicht minder vielfältige Branche, die von Bildender Kunst, Musik und Film bis hin zu Architektur, Games und Design reicht.
Leistbare Flächen sind das A und O
Die Problematik kennen viele Städte, doch in München trifft es die Branche besonders schwer. „Ich würde sagen, dass München die Stadt in Deutschland ist, wo der größte Mangel an langfristig leistbaren Flächen herrscht“, meint Olaf Kranz. Die Stadt sei geografisch recht klein, der Flächendruck extrem, fast alles zugebaut und es gebe kaum Konversionsflächen. Kreative könnten bei den hohen Gewerbemieten oft nicht mithalten, weshalb sich einige umorientierten. Seit 2016 hat München 18 Prozent der Selbständigen und Unternehmen in der Kultur- und Kreativwirtschaft verloren. Ein großer Verlust für die Stadtgesellschaft, weiß Kranz: „Die Selbständigen und die kleinen Unternehmen dieser Branche bilden eine Art kreativen Humus und stellen ihre Kreativität auch in den Dienst größerer Corporate-Strukturen. Dieser positive Spill-over-Effekt für die Wirtschaft und die Stadt geht verloren. Und wenn Kreative nach dem Studium München verlassen, dann erlahmt die Unternehmensgründungsdynamik und es gibt einen Braindrain.“ Die gute Nachricht ist: Bei Kreativ München hat man das Problem erkannt und steuert aktiv dagegen.
Kreative Ökosysteme
Mit dem Ruffinihaus ist in bester Innenstadtlage 2020 ein Inkubator entstanden. Hier bekommen Kreativ-Startups für jeweils zwei Jahre günstige und repräsentative Büroräume zur Verfügung gestellt, können netzwerken und werden durch Mentoring-Angebote gefördert. 2025 brachte Kreativ München den Tumblinger Creative Hub
an den Start – ein Pilotprojekt, das erstmals dauerhaft leistbare Flächen für Kreative anbietet. Das Team kooperierte mit den Münchner Märkten und konnte über 600 Quadratmeter Bürofläche in einen Creative Hub verwandeln, in dem jetzt 18 Unternehmen aus elf Kreativbereichen arbeiten. Die Durchmischung spielte hier eine zentrale Rolle, wie Projektleiterin Magdalena Matzinger sagt: „Für uns ist ein Creative Hub mehr als die Summe der Teile, sondern es ist ein kreatives Ökosystem, das Austausch, Inspiration und Ko-Kreation ermöglicht.“
Damit die Mischung stimmt, sucht Kreativ München nicht nur Mieter:innen, sondern kuratiert eine Community. Für Matzinger ist es wichtig, die Leute persönlich kennenzulernen, denn während das Ruffinihaus über ein Community-Management verfügt, organisiert sich der Tumblinger Creative Hub selbst. Vom Branding bis zur Raumgestaltung, von Veranstaltungen bis hin zum Weißwurstfrühstück – alles wird von den Kreativen vor Ort selbst geleistet. Das senkt die Kosten, es fördert aber vor allem das Miteinander und den Austausch.


Die Anwesenheit eines starken kreativen Milieus in einer Stadt hat viele segensreiche Wirkungen.“
OLAF KRANZ Leitung Kreativ München

Studio Seidel –stories, film, photography, digital content
pong & pengo e.V. – kulturelle Bildung, Soziokultur, alltägliche Räume, Städtebau, Konzept & Partizipation
BÜRO BÏEN –Designstudio + Martin Steiner –Digital Product Design im Tumblinger Creative Hub

„Wir haben noch ein paar Eisen im Feuer“
Aktuell versucht Kreativ München verstärkt, die Immobilienwirtschaft ins Boot zu holen. In zentralen Lagen entstehen zwar noch immer neue Luxusbüroflächen, doch in den Randbezirken gibt es auch Leerstand. Wenn also die Innenstadt zu teuer ist und stattdessen in der Peripherie Gebäude leer stehen, warum nicht eins und eins zusammenzählen? „Wir suchen nach WinWin-Situationen“, sagt Olaf Kranz, „und schauen, ob es zwischen Immobilienunternehmen, uns und der Kultur- und Kreativwirtschaft eine Überschneidung von Interessen gibt.“
Kreativ München übernimmt bei der Planung von Creative Hubs in Randlagen eine Mittlerrolle, denn die Immobilienwirtschaft tickt – bisher noch – ganz anders als die Kreativen. Zum Beispiel ist man es gewohnt, großteilig zu vermieten, also ganze Geschosse oder Häuser an Generalmieter abzugeben, nicht aber an viele Einzelne mit heterogenen Bedarfen für Art und Größe der Räume. Mit Modellen, die den Verwaltungsaufwand reduzieren, und mit einem kostenfreien Ser-
vice, der das Projektmanagement im Vorfeld abdeckt, versucht Kreativ München zu überzeugen. Doch auch die Kultur- und Kreativwirtschaft findet es nicht per se attraktiv, in gesichtslose Bürogebäude am Stadtrand zu ziehen. Hier kann das Team mit dem CommunityVersprechen und einem inspirierenden Umfeld punkten. Die neuen Creative Hubs – vier sind in Planung – sind eine vielversprechende Lösung für das Raumproblem in München.
Die positiven Effekte dieser Projekte würden zunehmend erkannt, sagen Kranz und Matzinger, denn sie seien eine Win-Win-Win-Situation für Kultur- und Kreativschaffende, die Immobilienwirtschaft und für die Stadtgesellschaft. Analog zum Jahresmotto hat auch Kreativ München einen „Playground of Possibilities“ geschaffen und Magdalena Matzinger sagt: „Manchmal scheitern wir, aber daraus können wir wieder Neues entwickeln, und mit vielen unterschiedlichen Akteuren gemeinsam zu denken und zu arbeiten macht einfach nur Spaß und wird langfristig Früchte tragen.“ Das Spannende und Spielerische sei es, immer wieder Räume neu zu denken, sagt auch Olaf Kranz – „wo andere nichts sehen, sehen wir einen Creative Hub“.
Büro für Innenarchitektur Dani Schneider Interiors und Atelier83 im Tumblinger Creative Hub. Foto: Dani Schneider

Darstellende Kunst
Buch
Architektur
Film
Design
Presse
Rundfunk
Bildende Kunst
Software/Games
Werbung
Jetzt informieren: kreativ-muenchen.de @kreativmuenchen

WAGNER
Vom Stuhl in den Raum
Arbeiten und Leben nicht nur ergonomisch und funktional, sondern auch ästhetisch und designbewusst zu machen, das ist der Markenkern von WAGNER Living. In Zusammenarbeit mit renommierten Designern wie Stefan Diez, Hadi Teherani oder Steven Dahlinger entstanden Möbel wie das d2 Raumsystem oder das W-Lounge Nesting Sofa, die nicht als statische Objekte auftreten, sondern die Schnittstelle zwischen Mensch und Raum bilden.

„Es geht nicht darum, das Sitzen zu ersetzen, sondern es neu zu denken und stärker in die Raumplanung zu integrieren“, sagt Peter Wagner von WAGNER Living. Räume müssen heute Bewegung ermöglichen, unterschiedliche Nutzungen zulassen und Menschen intuitiv zu aktiverem Verhalten anregen. Vor der Frage „Wie bewegt sich der Stuhl?“ muss man sich fragen „Wie bewegt sich der Raum?“, so Wagner: „Ein Raum muss Menschen zusammenbringen und Interaktionen bieten.“ Beim Konzept der Moving Spaces von WAGNER Living geht es um Freiheit und Bewegung: Offene Räume ohne unnötigen Stauraum statt Überfüllung schaffen Platz für Aktivität, Austausch und neue Ideen. Das Projekt der Wohnungsbaugruppe in Augsburg dient hier als Beispiel für modernes Arbeiten und dessen Bedürfnisse: „Häufig reicht im Kern das Wesentliche, und genau daraus entsteht Freiheit für Bewegung, Austausch und kreative Nutzung.“ Das Raumsystem „d2 bespoke inter-
ior system“ baut auf diesem Prinzip auf: Mit minimalem Materialeinsatz und maximaler Flexibilität schaffen die Möbel offene Räume, die sich allen Bedürfnissen anpassen. So wird jeder Raum zu einem lebendigen Ort, der Bewegung, Kreativität und neue Möglichkeiten fördert. Bewegung ist der Schlüssel zur Gesundheit. Wenn der Mensch sich bewegt, bleibt der Körper fit und der Geist offen. Deshalb setzt WAGNER Living auf weniger Möbel, mehr Freiraum und bewegte Sitzmöbel mit dem einzigartigen Dondola®-Gelenk. Individuell gestaltete Räume ermöglichen einzigartige und individuelle Arbeitswelten, im Einklang mit Mensch und der Umwelt.
Das d2-Raumsystem: Kreislauf statt Konsum
Die starke Reduzierung gilt im Hause WAGNER Living auch für Materialien: Aluminium und Karton – mehr
Peter Wagner, Marken- und Designverantwortlicher Gesellschafter von WAGNER Living auf dem d1 von Stefan Diez
#wagnerdesignlab: Blick in den WAGNER Moving Space am Firmenstandort in Langenneufnach
Design trifft Produktionstechnologie: W3D – Design by Hadi Teherani, printed #wagnerdesignlab × Thorsten Franck


braucht das d2 Raumsystem neben dem patentierten Steckverbinder, Design von Gonzalez Haase AAS & Diez Office, nicht. Da das d2-Raumsystem Teil der Innenarchitektur ist, lassen sich durch die Aluminiumplatten oder den Karton bis zu 40 Prozent Material einsparen. Ein perfektes Beispiel hierfür ist der Airstream Bambi aus dem Jahr 1960, der komplett mit d2 ausgestattet ist. „Wir können den Raum jetzt komplett umbauen und das Material wieder nutzen“, sagt Wagner. „Wir verwenden keine Kleber oder sonstiges“, alles wird gesteckt. Das biete im OfficeBereich große Chancen, sagt Peter Wagner, in diesem Moment liegt die Chance: „Eine schöne Umgebung zu haben, sich wohlzufühlen, eine tolle Atmosphäre – das ist das, was wir mit unseren Raumkonzepten schaffen.“
Post New Work bedeutet: aufhören zu romantisieren und anfangen, flexibel die zeitgenössische Arbeitskultur zu gestalten.
Qualität, die Zukunft schafft
Gutes Design spielt eine entscheidende Rolle in der Nachhaltigkeit, weil es Produkte funktional wie ästhetisch ansprechend macht. Durch die Kombination mit hochwertigen Materialien wird die Lebensdauer der Produkte verlängert, was einen positiven Einfluss auf die Umwelt hat. Design und Nachhaltigkeit betrachten das Team und die Designer von WAGNER als Selbstverständnis und absolut untrennbar. Die mcbw beschreibt Wagner deshalb als gute Voraussetzung, um mit designaffinen Menschen mit Qualitätsbewusstsein ins Gespräch zu kommen: „d2 definieren wir als eine Infrastruktur, die wir zur Verfügung stellen wollen, damit andere planen können.“ Die Marke WAGNER ist in München, Augsburg, Köln, Berlin, Hamburg und Mailand zu finden. „Wir gehen immer weiter in den Raum hinein“, dieser Satz beschreibt also eine Philosophie. Die Bewegung geht weiter.



THE FUTURE OF PLAY: EIN AUSBLICK AUF DIE ZUKUNFT

Die vier Prinzipien des mcbwMottos sind keine Checkliste, sondern eine Haltung – neugierig, mutig, lustvoll im Prozess. In der Lehre wird besonders deutlich: Wir diskutieren oft auf einer kleinteiligen Ebene, dabei sollten wir das große Ganze in den Blick nehmen. Design ist Andersmöglichsein – die Fähigkeit, Systeme grundsätzlich infrage zu stellen und wünschenswerte Zukünfte zu denken. Jetzt ist die Zeit, den Playground zu betreten – nicht aus Angst vor der Zukunft, sondern gerade weil die Welt formbar ist.
In größeren Kontexten denken
Das Spielerische, Experimentelle gehört zur DNA des Gestaltens. Wie viel Nutzwert muss im Design stecken, wie viel „Play“ ist erlaubt, Herr Frenzl?
Im Design stehen klassisch der Nutzwert und die Funktion im Vordergrund, aber natürlich weiß jeder, dass es auch immer um Emotionen und um spielerische Aspekte geht. In der öffentlichen Wahrnehmung wird allerdings das Spielerische, das Verrückte, das Andersartige von Design als Normalfall angesehen, während die kulturelle und gesellschaftliche Relevanz vielen noch nicht bewusst ist.
Haben sich die Kreativen zu sehr auf Nutzen und Verantwortung konzentriert und das Spielerische ein Stück weit verlernt?
Das Motto signalisiert klar: Lasst uns wieder auf unsere spielerischen Wurzeln besinnen und darauf, dass eine freie, offene Herangehensweise zu interessanten Ergebnissen führen kann.

Die gesellschaftliche Relevanz ergibt sich daraus, was etwa Politik und öffentliche Diskurse vom Design lernen können: die Bereitschaft zum Experiment. Gerade von der Politik würde ich mir wünschen, dass es weniger oft heißt, „wir haben alles im Griff“, sondern dass man auch bereit ist zu experimentieren. Und das ist eine der großen Stärken der Designdisziplin, das iterative Arbeiten, neue Ansätze zu wagen.
Welche Kompetenzen versuchen Sie Ihren Studierenden mitzugeben?
Annette Geiger hat den schönen Begriff geprägt, Design ist Andersmöglichsein. Es geht also nicht nur darum, Dinge anders aussehen zu lassen, sondern grundlegend anders zu denken und auch Prozesse neu zu gestalten. Dazu gehört es, Systeme grundsätzlich infrage zu stellen, was schwierig ist, weil man dafür einen größeren systemischen Kontext heranziehen muss. Es ist aber zugleich die wirklich spannende gestalterische Arbeit, über größere Kontexte nachzudenken und sich auch die Frage zu erlauben: Was sind wünschenswerte Zukünfte?
Wie können wir Dinge nicht nur formalästhetisch anders gestalten, sondern so, dass sich gesellschaftliche Prozesse und Systeme verändern?
Es ist die wirklich spannende gestalterische Arbeit, über größere Kontexte nachzudenken und sich auch die Frage zu erlauben: Was sind wünschenswerte Zukünfte?“
PROF.
MARKUS
FRENZL Professor für Design- und Medientheorie
Was wird in Zukunft relevant? Was beschäftigt die mcbw in den nächsten 15 Jahren?
Meiner Meinung nach kann keiner eine seriöse Auskunft geben, wie der Markt in fünf Jahren aussehen wird, aber vielleicht werden wir das, was menschliche und gestalterische Kompetenzen sind, gerade durch die KI noch mal neu entdecken. In Zukunft werden Inhalte sicher eine größere Rolle spielen. Die KI ist sehr gut darin, reproduzierend zu arbeiten. Doch das, was vorhanden ist, neu zu spielen, andere Patterns zu entwickeln und Dinge grundsätzlich neu zu denken – ich glaube, dafür werden menschliche und gestalterische Kompetenzen immer benötigt, und das ist eigentlich auch das, worauf wir uns in unserer Arbeit konzentrieren sollten.
Über Prof. Markus Frenzl
Markus Frenzl ist Professor für Design- und Medientheorie, Prodekan und Institutsleiter an der Hochschule München. Sein Anliegen: Design nicht nur als formale Disziplin zu verstehen, sondern als Methode, gesellschaftliche Prozesse und Systeme grundlegend neu zu denken – vom Kleinteiligen hin zum großen Ganzen.
Wir sind bayern design
Team bayern design, Reihe hinten v.l. Barbara de la Jara, Natalie Beck, Verena Westernacher, Kilian Fabich, Marek Gornowicz, Lisa Braun, Christian Fayek, Patricia Biebrich. Reihe vorne, v.l. Laura Kniesel, Sebastian Freudenberger, Nadine Kussinger, Marie Prötzsch, Nadine Vicentini, Thorsten Buch, Kathrin Schäfer, Annie Kuschel (nicht im Bild)


Eine Designerin arbeitet mit einem Maschinenbauer an ressourcenschonenden Produktionsprozessen. Ein Start-up entwickelt gemeinsam mit einer Stadtverwaltung neue Beteiligungsformate. Ein Möbelhersteller stellt soziale Nachhaltigkeit in seinen Lieferketten neu zur Diskussion. Solche Begegnungen entstehen nicht zufällig. Deshalb schaffen wir von bayern design gezielt Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Hier setzen wir an: als Infrastruktur für Kollaboration, als Resonanzraum für neues Denken und als Ort, an dem Gestaltung praktisch erprobt wird.
Seit unserer Gründung im Jahr 2001 auf Initiative des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft haben wir uns stetig weiterentwickelt. Aus einer klassischen Förderinstitution ist eine Organisation geworden, die weit über die Stärkung von Design hinausgeht. Mit Standorten in Nürnberg und München verstehen wir uns heute als Kompetenzzentrum für Wissenstransfer, Netzwerkbildung und strategische Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik, Kultur und Bildung. Dabei begreifen wir Design nicht als reine Formfrage, sondern als Denkweise, als Werkzeug und als Handlungsansatz, um komplexe gesellschaftliche Herausforderungen anzugehen.
„Was kann Design?“ – Ausstellung, Publikation, Wissenstransfer
Ein Schlüsselmoment unseres Selbstverständnisses ist die Ausstellung „Design connects – Was kann Design“ im Neuen Museum Nürnberg. Seit dem 11. Juli 2025 zeigen wir dort, wie Design in Feldern wie Stadtgestaltung, erneuerbare Energien oder Gesundheitsumgebungen wirksam wird. Anhand konkreter Projekte – etwa innovativer Mobilitätskonzepte – machen wir deutlich: Design geht weit über ästhetische Gestaltung hinaus. Es leistet einen Beitrag zu Alltagsfragen ebenso wie zu zentralen Zukunftsthemen.
Begleitend zur Ausstellung haben wir die gleichnamige Publikation herausgegeben. Darin beleuchten Expert:innen aus Wissenschaft, Gestaltung und Praxis das Potenzial von Design in Transformationsprozessen – von sozialen Innovationen bis hin zu nachhaltigen Geschäftsmodellen. Unser Fokus liegt dort, wo Design vermittelt, übersetzt und verbindet: zwischen unterschiedlichen Interessen, Disziplinen und Entscheidungsebenen. Mit klaren Anknüpfungspunkten für Praxis und Politik.

Gutes Design stärkt den Erfolg von Produkten, Dienstleistungen und Marken und kann den Weg in eine verantwortungsvolle, ressourcenschonende Zukunft ebnen.“
NADINE
VICENTINI Geschäftsführerin bayern design


bayern design Academy – Weiterbildung für Entscheidungsträger:innen
Wissen weiterzugeben ist ein zentrales Anliegen unserer Arbeit. Ein wichtiges Format dafür ist die bayern design Academy. Mit ihr richten wir uns an Professionals, Führungskräfte, Gestalter:innen sowie Entscheider:innen aus Wirtschaft und Verwaltung. In kompakten Seminaren und Webinaren vermitteln wir Designmethoden als strategische Werkzeuge – für Organisationsentwicklung, Innovationsprozesse und zukunftsorientierte Planung. Unsere Inhalte reichen von praxisnahen Workshops zur Barrierefreiheit bis zu methodischen Formaten wie den wegweisenden Design Fitness Checks, mit denen Unternehmen ihre eigene Designkompetenz gezielt weiterentwickeln können. Dabei verbinden wir Theorie immer mit Praxis und schaffen Raum für Austausch, Vernetzung und gemeinsames Lernen.
Ausstellung „Design connects – Was kann Design“ im Neuen Museum Nürnberg. Foto: Annette Kradisch
Eröffnungsevent der Sonderausstellung. Foto: Maria Bayer
Dieses Projekt zeigt die neue Nutzung von alten Tankstellen, zum Beispiel als Grünanlagen oder soziale Treffpunkte. Foto: Annette Kradisch
Design trifft Wirtschaft – Kooperationen mit den IHKs
Ein weiterer tragender Pfeiler unserer Arbeit sind die langjährigen Kooperationen mit den Industrie- und Handelskammern. Gemeinsam entwickeln wir Formate, die Unternehmen, Gestalter:innen und soziale Innovator:innen miteinander ins Gespräch bringen. Ein Beispiel dafür sind die Social Design Days, die wir seit 2023 jährlich in Nürnberg veranstalten. Das Festival widmet sich sozialer Innovation durch Gestaltung. In Workshops, Talks und einem interaktiven Design Jam greifen wir reale gesellschaftliche Fragestellungen auf und bearbeiten sie gemeinsam.
„Die Social Design Days zeigen eindrucksvoll, wie Design wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen vorantreiben kann“, so Christian Fayek, der für die Projektleitung zuständig ist. „Mit der Kampagne 27 % von uns (#KeineWirtschaftOhneWir) macht die DIHK den wichtigen Beitrag von Menschen mit Migrationsgeschichte zum deutschen Wohlstand sichtbar – ein zentraler Grund, warum wir so gerne mit den bayerischen IHKs und insbesondere im Rahmen der Social Design Days mit der IHK Nürnberg zusammenarbeiten.“ Die Social Design Days sind bewusst als Cross-InnovationPlattform angelegt. Wir bringen Akteur:innen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Kreativwirtschaft zusammen, um gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln. Fallbeispiele werden präsentiert, Erfahrungen geteilt und Themen wie Gemeinschaft, soziale Teilhabe oder Innovationskultur diskutiert – offen für Fachpublikum und Öffentlichkeit zugleich.
International vernetzt – BEDA und die mcbw: Das Design Forum in München
Auch über Bayern hinaus sind wir aktiv. Als Mitglied im Bureau of European Design Associations (BEDA) sind wir europaweit vernetzt und positionieren Design gemeinsam mit anderen Designinstitutionen als strategischen Akteur in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. BEDA fördert den europäischen Austausch, identifiziert politische Handlungsfelder und macht Design als Transformationskraft sichtbar – etwa durch Publikationen wie den European Design Report. Diese internationale Perspektive bringen wir gezielt nach Bayern zurück und verknüpfen lokale Debatten mit globalen Impulsen.
Im Rahmen der mcbw findet am 8. Mai 2026 das BEDA Design Forum in München statt. Das ganztägige Forum – kostenfrei und offen für alle Interessierten – widmet sich Themen wie Designpolitik, Zugänglichkeit, Urheberrecht, künstliche Intelligenz und Ökodesign. Wir schaffen damit Raum für europäische Perspektiven und grenzüberschreitende Zusammenarbeit.
Auch wenn viele unserer Aktivitäten im sichtbarsten Format von bayern design ihren Höhepunkt finden – der mcbw –, liegt unsere eigentliche Stärke in der kontinuierlichen Arbeit über das ganze Jahr hinweg. Wir bauen Netzwerke auf, initiieren Kooperationen, vermitteln Methoden und stoßen Debatten an. So entstehen Allianzen, die langfristig wirken. Im Dialog zwischen Wirtschaft, sozialen Herausforderungen und kulturellen Fragestellungen. Und mit echtem Veränderungspotenzial.
Am Ende ist es diese Haltung, die uns auszeichnet: Wir verstehen Design nicht als fertiges Ergebnis, sondern als gemeinsamen Prozess. Als Nachdenken. Als Ausprobieren. Als Neuentwerfen. Als eine Praxis, die Allianzen formt – und Zukunft gestaltbar macht.
Bei
bayern design engagieren wir uns für Design, weil es den Menschen und seinen Bedürfnissen gerecht wird – und gleichzeitig Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt nachhaltig prägen kann.“
NADINE VICENTINI Geschäftsführerin bayern design
Der mcbw design summit versammelt international renommierte Speaker:innen und macht Design erlebbar. Foto: Hannes Rohrer
Die bayern design Academy bietet hochwertige Seminare für Professionals, Agenturen und Unternehmen, die ihre Kompetenzen in Sachen Design gezielt erweitern möchten. Foto: Lukas Barth


publisher opinion leader networker books magazines
*latest edition #47

Zum Weiterlesen
Play the System
Die Spannung zwischen Struktur und Variation prägt Design eigentlich schon immer. „Play the System“, herausgegeben von Heike Grebin, macht diese Spannung produktiv – als Einladung, die systemische Kompetenz von Grafikdesign bewusst zu erleben, die Werkzeuge digitalen Designs kritisch zu nutzen und die unsichtbaren Strukturen zu erkennen, die dahinterstecken.
Zentral ist die These, dass Design ein regelbasierter, systematischer Prozess ist. Designer:innen gestalten heute also die Systeme, aus denen Ergebnisse entstehen. Mal programmieren sie diese selbst, mal entwickeln sie sie gemeinsam mit Entwickler:innen. Immer aber schaffen sie Parameter, innerhalb derer Form dynamisch entsteht. Was das konkret bedeutet, zeigt „Play the System“ anhand von Stimmen wie Luna Maurer, Anja Groten, Frieder Nake, Tom Bieling und Andreas Trogisch. Sie alle stellen fundamentale Fragen: Wie fördern – oder beschränken – Systeme Kreativität? Wie beeinflussen Tools ästhetische Entscheidungen? Und wie kann Design auf gesellschaftliche Strukturen reagieren?
„Play the System“ ist zudem mehr als ein Buch. Es übersetzt die Website www.play-the-system.xyz ins Papierformat – ein reich illustriertes Archiv, das von mittelalterlichen Seitenlayouts bis zu responsiven Grafiken reicht und zeigt, wie aus einfachen Regelsets komplexe, parametergesteuerte Designprozesse werden. Animierte Poster, selbst programmierte Maschinen, responsive Typografie: Hier wird sichtbar, wie Regeln Vielfalt erzeugen. Ein wunderbares Kompendium aus Diskurs, Pädagogik und Praxis, zum Nachschlagen, zum Vertiefen, und ja, zum Weiterspielen.

Play the System – Parametric Approaches in Graphic Design
Herausgegeben von Heike Grebin
Design: Finn Reduhn, Lukas Siemoneit, Andreas Trogisch
320 Seiten, 16,4 × 24 cm
Slanted Publishers, 2026
37 €
ISBN 978-3-948440-97-8

Situation und Konstellation
Der Soziologe Rosa benennt den Verlust unserer Handlungsspielräume; Richtlinien, Algorithmen und Apps zeichnen unsere Wege zur Entscheidungsfindung minutiös vor. Wenn hier die Kreativität menschlichen Handelns eliminiert wird, verkümmert die Handlungsenergie als solche, beobachtet er. Für Designer:innen ist Rosas Diagnose besonders relevant: Wer Systeme gestaltet, gestaltet auch Spielräume – oder deren Verschwinden.
Situation und Konstellation – Vom Verschwinden des Spielraums
Hartmut Rosa
247 Seiten
Suhrkamp Verlag, 2026
25 €
ISBN 978-3-518-58833-8

Spielen
SITUATION UND KONSTELLATION HARTMUT ROSA
Vom Verschwinden des Spielraums Suhrkamp
Spielen ist ein Verb, und Verben verlangen nach Handlung: Köhler schreibt anschaulich über ihre eigene unbändige Lust am Spiel, über das Gewinnenwollen, über Dopamin und Endorphine. Dabei fordert sie die aktive Teilhabe von Leser:innen ein. Für Kreative macht sie Spielen als Erkenntnismethode fruchtbar. Nicht als Gegenpol zur Arbeit, sondern als Modus, in dem wir anders wahrnehmen, anders gestalten können.
Spielen
Karen Köhler
224 Seiten
Hanser Berlin, 2025
22 €
ISBN 978-3-446-28413-5
The Creative Wellbeing Handbook
Emmi Salonen hat selbst erlebt, wie neue Spielräume der Erschöpfung entgegenwirken können, und zeigt, wie ein kreatives Leben mit inspirierenden Impulsen und einem ganzheitlichen Blick auf das kreative Ökosystem von neuer Energie und Freude erfüllt wird. Ihr Handbuch ermutigt etwa dazu, zwischenmenschliche Verbindungen zu pflegen und Staunen als Praxis zu kultivieren.
The Creative Wellbeing Handbook
Emmi Salonen
176 Seiten, 21 × 14,8 cm
BIS Publishers, 2025
23,99 €
ISBN 978-9-063698-67-6

Die mcbw lebt von der Begegnung – von Menschen, die zusammenkommen, um Ideen Form zu geben, die an eine Zukunft glauben, in der gemeinsame gestalterische Entscheidungen und gute Kommunikation den Unterschied machen. Das gilt auch für dieses Magazin, das zum 15-jährigen Jubiläum entstand: Es ist selbst das Ergebnis vieler Begegnungen aller, die daran mitgewirkt haben. Ein Blick hinter die Kulissen.
Die Summe der einzelnen Teile

I Like Birds mag den spielerischen Umgang mit Designelementen – perfekt für diese Aufgabe also.
I Like Birds

Vom Konzept zum Möglichkeitsraum
Ein Magazin ist immer ein Gemeinschaftswerk – dieses noch ein bisschen mehr als andere – und bedarf somit selbst vielen gestalterischen Entscheidungen zu Haltung, Dramaturgie, Material, Rhythmus. Für die visuelle Grundlage sorgte das Corporate Design der Münchner Agentur hw.design, die das Erscheinungsbild der mcbw entwickelt hat. Ihre gestalterischen Leitplanken – Shapes, Farbwelt, Formensprache – legten die Spielregeln dieses Heftes fest, gaben Orientierung und gleichzeitig Raum für Interpretation.
Das Corporate Design von hw.design gab die Spielregeln für das Layout vor, und zugleich die Freiheit, sie zu interpretieren. Foto: David Barnwell
Was nach Bildschirm aussieht, ist bei I Like Birds echte Handarbeit. Foto: I Like Birds
I Like Birds baute die Motive als reale Installationen — aus lasergeschnittenen
MDF-Platten, selbst bemalt, Schicht für Schicht. Foto: I Like Birds
Inhaltlich war schnell klar: Zum 15-jährigen Jubiläum sollte ein Magazin entstehen, das das Spek trum der mcbw in seiner ganzen Breite zeigt. Dafür hat sich die Fachredaktion vom Grafikmagazin mit Studio Butik zusammengetan – einer Boutique-Agentur für Branded Storytelling –, um Design nicht nur als Disziplin, sondern als kulturelle Kraft zu betrachten. An diesem kreativen Prozess beteiligt waren außerdem erfahrene Freelancer wie der Art Director und Designer João Telmo. Es folgten viele Gespräche, Abstimmungen, Bildauswahlen. Geschichten wurden neu gedacht, zugespitzt. Parallel dazu liefen Interviews mit allen Partner:innen und Sponsoren, die das Herzstück dieses Magazin bilden. Ihnen gilt unser ausdrücklicher Dank – ebenso wie dem gesamten Team von bayern design, das die mcbw mit großem Engagement trägt. Unser Lektor Markus Zehentbauer begleitete diesen Prozess mit präzisem Blick für Stringenz und Klarheit. Für die kommunikative Begleitung danken wir zudem der Presseagentur Sweet Communication und der SocialMedia-Agentur 99needs, die die Geschichten dieses Jubiläums nach außen tragen, sowie der Digitalagentur Pheenetz, die alle Beiträge auch digital zugänglich macht. Produziert wurde dieses Magazin zwischen Timings, Freigaben, Layoutrunden und Bildabstimmungen – aber vor allem zwischen Menschen. Zwischen Redaktion und Gestaltung, zwischen Konzept und Umsetzung, zwischen Idee und Material. Genau darin spiegelt sich das diesjährige Motto: Ein Playground ist kein fertiger Ort, sondern ein Möglichkeitsraum. Er entsteht erst durch die, die ihn nutzen.
Der Charme des Analogen
Das Designstudio I Like Birds ist bekannt für seine kreativen und meist humorvollen Bildideen. Was die Arbeiten von André Gröger und Susanne Kehrer darüber hinaus so reizvoll macht, ist ihre Entstehungsgeschichte. Denn viele Animationen, Bilder und Illustrationen sehen zwar so aus, als wären sie am Computer entstanden, tatsächlich basieren sie aber auf realen Installationen und Modellen. Diesen visuellen doppelten Boden fanden wir für das mcbw magazine und vor allem begleitend zum aktuellen Thema sehr reizvoll und luden I Like Birds ein,
die Motto-Seiten in diesem Heft zu bebildern. „Das Motto beinhaltet für uns einen freieren Umgang und spielerischen Ansatz – die Dinge, die wir in der Gestaltung sehr mögen“, erklären Gröger und Kehrer. „Auch die Idee einer komplett analogen Umsetzung, also in Handarbeit produzierten Settings für die Motive, kam uns und unserer Arbeitsweise sehr entgegen. Wir sind große Fans von ‚klassischer‘ Herstellung der Fotosets, gerade in Zeiten von haufenweise KI-generierten Bildern.“ Das Gestaltungssystem und die Formensprache der mcbw 2026 nutzten die beiden als Spielregeln und plazierten die Shapes als reale Objekte 1:1 im Raum. Hergestellt wurden sie aus mit dem Laser zugeschnittenen MDF-Platten, die die Kreativen selbst bemalten. Hier war es wichtig, die Farben der Corporate Identity genau abzubilden und eine glatte Oberfläche zu erzielen. „Da die Formen teilweise sehr komplex waren“, sagt André Gröger, „mussten wir zur Sprühdose greifen und alle Teile nach und nach in dünnen Schichten umsprühen. Durch den Lasercut hatten alle Objekte dunkle Schnittkanten und gerade bei den hellen Farbtönen dauerte es sehr lange, bis die Farbe gleichmäßig deckte.“
Auch der Aufbau der Motive erforderte viel Feinarbeit, nicht zuletzt, um die schweren Holzelemente sicher zu fixieren.
Doch André Gröger und Susanne Kehrer sind sich einig, dieser Auftrag hat von der ersten Skizze bis hin zur finalen Umsetzung viel Spaß gemacht und dass es eine sehr reizvolle Erfahrung war, das Thema „Play of Possibilities“ mit einem analogen Ansatz umzusetzen.


Ein spürbares Plus
Auch wenn unsere heutige Kommunikation immer digitaler wird, ein gedrucktes Magazin ist immer noch ein im wahrsten Sinne nachhaltiges Medium. Das analoge Lesen spricht all unsere Sinne an, Inhalte werden intensiver wahrgenommen und dauerhafter im Gedächtnis gespeichert. Es spricht also viel für Print.
Bei der Produktion dieses Magazins haben wir dem haptischen Aspekt viel Beachtung geschenkt und ein Naturpapier ausgewählt, das sich besonders angenehm und warm anfühlt. lona®jet von OVOL wirkt natürlich und doch elegant und seine matte Optik verleiht Druckobjekten eine authentische Wertigkeit – ganz ohne aufdringlich zu sein. Neben seinen ästhetischen Pluspunkten bringt das Papier durch sein 1,3-faches Volumen auch wirtschaftliche Vorteile und es ist dank FSC-Zertifizierung und EU-Ecolabel auch eine sehr nachhaltige Option.
Wir wünschen euch viel Vergügen beim Entdecken und Erspüren dieses Magazins. Und hoffen, dass euch die mcbw viele Anregungen für eigene kreative Projekte bietet.

Viele Gespräche, Abstimmungen, Bildauswahlen später ein Heft, das zeigt, dass gutes Design ein Gemeinschaftswerk ist. Foto: David Barnwell
Die Formensprache der mcbw 2026 wurde nicht interpretiert, sondern wortwörtlich in die Hand genommen. Foto: I Like Birds

Paper Playground.
Ideen beginnen oft digital –aber sie wirken erst voll in ihrer gedruckten Umsetzung.
Mit starken Lösungen in Papier & Bedruckstoffe, Verpackung und Großformatdruck bringt OVOL Marken dorthin, wo sie spürbar werden.

Unser Portfolio umfasst etablierte Marken und maßgeschneiderte Lösungen für die gesamte Print-Wertschöpfungskette. Branchenübergreifend unterstützen wir
Unternehmen mit passgenauen Produkten und Services – und liefern Ideen, die den Handel der Zukunft ermöglichen.
Jetzt QR-Code scannen und Vielfalt entdecken.































IMPRESSUM
Veranstalter
Veranstalter der munich creative business week (mcbw) ist die bayern design GmbH
Herausgeber
Nadine Vicentini
Geschäftsführung der bayern design GmbH
Autor:innen
David Barnwell (Studio Butik)
Christine Moosmann, Sonja Pham (Grafikmagazin)
Kreativdirektion
Franziska Goppold (Studio Butik)
Tobias Holzmann (Grafikmagazin)
Konzept, Redaktion und Gestaltung
Grafikmagazin, www.grafikmagazin.de
Phoenix Verlag für Grafikdesign UG
Studio Butik, www.studiobutik.com
Artworks Kapitelseiten
I Like Birds, www.ilikebirds.de
Papier
Umschlag: lona®jet, 300 g/qm
Innenteil: lona®jet, 120 g/qm
Exklusiv erhältlich bei OVOL Papier Deutschland www.ovol.de
Druck und Bindung
F&W Druck- und Mediencenter GmbH
Holzhauser Feld 2
83361 Kienberg
Lektorat
Markus Zehentbauer, www.markuszehentbauer.de
Übersetzung
Sonja Pham
Pressekontakt
Sweet Communication Kolosseumstraße 1a 80469 München
Tel. +49 89 450 290-0
E-Mail contact@sweet-office.com
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