
MIT WERKEN VON
AMEN FEIZABADI GOLFAM KHAYAM
YAIR KLARTAG OSCAR BIANCHI
Unterstützt von:
NOA FRENKEL, ALTISTIN TITUS ENGEL, DIRIGENT BASEL SINFONIETTA

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MIT WERKEN VON
Unterstützt von:
NOA FRENKEL, ALTISTIN TITUS ENGEL, DIRIGENT BASEL SINFONIETTA

4. ABO-KONZERT SONNTAG, 29.03.2026, 19 UHR STADTCASINO BASEL Konzerteinführung um 18.15 Uhr Einzelkartenpreise: CHF 76.–/ 54.–/ 34.–
Amen Feizabadi
Ungezähmter Fluss (2026) UA
Kompositionsauftrag der Stadt Witten
Golfam Khayam
Seven Valleys of Love für Streichorchester (2023/25) CH
Pause
Yair Klartag
The unconscious is structured like a language (2026) UA Kompositionsauftrag des Westdeutschen Rundfunks
Oscar Bianchi
Zamān (2026) UA
Auftragswerk der Basel Sinfonietta, mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia
NOA FRENKEL, ALTISTIN
TITUS ENGEL, DIRIGENT
JOSEPH SIEBER, ASSISTANT CONDUCTOR
BASEL SINFONIETTA
DAUER: 23‘
DAUER: 30‘
DAUER: 15‘
DAUER: 25‘
Mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, der Isaac Dreyfus-Bernheim Stiftung und dem WDR3
Basel Sinfonietta #ONTOUR
Wittener Tage für neue Kammermusik 25.04.2026
Das Motto des heutigen Abends wird von den Werken divers und facettenreich eingefangen – überdies aktuell. Selbst Künstliche Intelligenz (KI) wird eingesetzt, um dem komplexen Themenfeld ungeahnte Perspektiven abzuringen. Nicht zuletzt werden Fragen berührt, die ganz unmittelbar unser Hier und Jetzt in den Fokus rücken. Da ist Amen Feizabadis «Ungezähmter Fluss» für Orchester und Alt-Stimme: In Teheran geboren, rückt der im Iran und in Essen ausgebildete Komponist die Begegnung zwischen persischen und jüdischen Kulturen in den Fokus.
Sie überschneiden sich in der Verwendung bestimmter modaler Skalen oder konkreten Instrumenten. Mit zeitgenössischen Mitteln reflektiert Feizabadi diese «Klangidentitäten», um eine «neue Synthese aus Klang, Sprache und Dynamik» erwachsen zu lassen. Die bis zu fünf thematisch-musikalischen Abschnitte repräsentieren jeweils eine eigene Charakteristik, womit «hybride und wechselhafte Klangräume» erschaffen werden. Dabei möchte Feizabadi ganz bewusst sowohl «harmonische Spannungen» als auch «Momente der Verschmelzung» hörbar machen. Es geht um «geopolitische Machtstrukturen», die Schicksale von Menschen verändern können. «Anhand der persischen und jüdischen Kulturen, die durch gemeinsame Erlebnisse, Austausch und politische Entwicklungen eng miteinander verbunden sind, untersucht das Werk, wie kollektive Erinnerungen
aus Kooperation und Konflikt, Nähe und Trennung die Identitäten beider Kulturen geformt haben.» Das schliesst auch aktuelle Spannungen und Beziehungen ein, während die Menschen durch eine gemeinsame Geschichte verbunden bleiben.
Mikrotonale Modi wie auch Überlagerungen diverser rhythmischer Muster lassen einen «kaleidoskopischen Poly-Modus» entstehen. Für Feizabadi symbolisiert dies die «ständigen Veränderungen und das Chaos der modernen Zeit, das zugleich die historische und symbolische Beziehung zwischen beiden Kulturen widerspiegelt». Der Text für den Gesang entstammt der mittelalterlichen Gedicht-Sammlung «Dīwān-e Shams-e Tabrīzī» des bedeutenden Sufi-Mystikers Jalāl ad-Dīn Rumi. Die Sängerin übernimmt die Rolle einer Erzählerin. Sie vermittelt zwischen Welten und verwebt zugleich Musik und Sprache.
Dieses Geschichten-Erzählen hat eine lange Tradition – in Persien und im Nahen Osten genauso wie in Europa. In «Seven Valleys of Love» («Sieben Täler der Liebe») für Streichorchester, uraufgeführt Mitte Januar in Guingamp greift auch die iranische Komponistin und Gitarristin Golfam Khayam das «Storytelling» auf. Der Werktitel verweist indirekt auf eine gleichnamige Anthologie der iranisch-dänisch-amerikanischen Autorin Sheema Kalbasi von 2007/08, die Gedichte wenig bekannter, teils unterdrückter persischer Autorinnen vom Mittelalter bis zur Gegenwart vereint. Das Werk von Khayam geht indes auf die «Versammlung der Vögel» von Fariduddin Attar zurück, einem persischen Dichter und Pionier der Mystik und des Sufismus, der um 1136 geboren und 1221 gestorben ist. Im Epos «Mantiq ut-tair» («Vogelgespräche»), das Khayam hier
reflektiert, starten Vögel eine gefährliche Reise durch sieben Täler zum Vogelkönig Simurgh. Nur dreissig Vögel schaffen es. Sie erkennen, dass sie selber der Vogelkönig sind, denn: Wenn man dessen Namen anders schreibt, nämlich «si murgh», bedeutet das «dreissig Vögel». Es sind Wortspiele wie diese, mit denen Attar in jener Tradition des GeschichtenErzählens steht, von der Feizabadi schreibt. Für Khayam ist insbesondere Attars abstraktes Konzept der Liebe interessant. Bei ihm habe Liebe weder mit Religion noch mit naiver Romantik zu tun, sondern mit einer Reise ins jeweils ureigene Sein. Diese Selbstfindung durch Liebe erwandert Khayam schrittweise durch sieben Teile (sie schreibt von Wegen, Zielen, Stufen). «Liebe ist der tiefste Kern eures Seins», zitiert sie Attar. Durch Verständnis und Wertschätzung könne Liebe heilen – auch in unserer heillos erscheinenden Gegenwart.
In seiner Musik entwirft der aus Israel stammende, auch von Georg Friedrich Haas in Basel ausgebildete Yair Klartag sinnliche Klanglandschaften, die das Unterbewusstsein widerspiegeln. Hierzu integriert Klartag in «The unconscious is structured like a language» («Das Unterbewusste ist wie eine Sprache strukturiert») auch generative KISprachsamples. Was geschieht mit dem Unterbewussten und den Identitäten, die in jeder menschlichen Kommunikation stets mitschwingen? Darum geht es Klartag im neuen Werk. Er verweist auf die slowenische Philosophin Alenka Zupančič. Sie ist Anhängerin der auf Jacques Lacans zurückgehenden «Lacanschen Philosophie», wonach das Ich massgeblich konstituiert ist durch Sprache und das Unbewusste. «Angesichts der enormen Menge an Sprache (und ‹Diskurs›), die wir in KI-Systeme hochgeladen haben,
haben wir damit auch das Unbewusste hochgeladen, das in diesen Texten wirkt – oder auf dem Spiel steht?», so Zupančič. Die in dem Stück verwendeten KI-generierten Stimmen wirken betont körperlos, um den «Orchesterklang als Ort des Unbewussten» zu erforschen.
Diese anonymen, nicht-sprachlichen Stimmspuren werden in das Orchester integriert und zu grossflächigen Klangprozessen erweitert. Gleichzeitig sollen die Ausübenden im Orchester stellenweise Konsonanten, Sprachfragmente oder Atemgeräusche flüstern. Das Sprachhafte wird selber zum Klang. Die vorgefertigten elektronischen Klänge werden über ein Keyboard eingespielt, das mit einem Computer verbunden ist. Das Ergebnis ist eine «Metapher des Unbewussten», das bewusst mit formalen Unschärfen spielt und einen Freiraum eröffnet – eine Erkundung verborgener Schichten des Orchesterklangs.
Solchen gewandelten Identitäten ist auch Oscar Bianchi in «Zamān», (persisch «Zeit») für Alt-Stimme und Orchester mit umfassendem Schlagwerk auf der Schliche. In einer frühen Idee wollte der italienisch-schweizerische Komponist eine Novelle des jüdischen Autors David Grossman reflektieren. Die finale Lösung ist sehr persönlich, denn: Die Texte von Bianchi gehen auf die Tagebücher seiner Grosstante Dora Polacco zurück. Während der nationalsozialistisch-faschistischen Besetzung von Triest floh sie mit ihrer Familie in die Schweiz.
Das neue Werk möchte Bianchi nicht als Reflexion über das «Exil als historisches Ereignis» verstanden wissen, sondern über «die Zeit, in der das Exil wiederkehrt». «Dora schildert uns nicht nur eine gelebte Erfahrung, sondern einen Zustand, der – wie jüngste Ereignisse von Palästina bis zur Ukraine, von
Südamerika bis zu weiten Teilen Afrikas zeigen – immer dann wiederkehrt, wenn die Geschichte Menschen zwingt, ihre Wurzeln, ihre Angehörigen und ihr Land zu verlassen.» Bianchi spricht von einer «angehaltenen Zeit».
Die Exil-Erfahrung werde zu einem «zutiefst menschlichen Zustand». Es klaffe einerseits eine offene Wunde, die andererseits eine «zerbrechliche – und oft gequälte – Möglichkeit der Wiedergeburt» eröffne. Darin sieht Bianchi eine Parallele zum 1924 publizierten «Zauberberg»Roman von Thomas Mann. Er meint konkret das «Fieber der Materie», ein zentrales Zitat der Figur Hans Castorp. Demnach ist das Leben ein sich erhitzender, instabiler Prozess ständiger
Zersetzung und Wiederherstellung von Eiweissmolekülen.
Der verwaiste Hamburger Patrizier-Sohn Castorp weilt in einem Lungensanatorium in Davos, wo er auf allerlei Gestalten trifft. Sie alle und er selber stehen, inmitten der Zwischenkriegs-Zeit, für eine Gesellschaft und Ära, die dem Untergang geweiht ist. Das «Sein des eigentlich Nicht-seinKönnenden» von Castorp macht Bianchi hörbar in Gestalt einer ambivalenten Kraft, die betäuben und vernichten kann – oder die, im glücklichsten Fall, erweckt, wandelt und Leid überwindet.
Marco Frei

Amen Feizabadi ist ein multidisziplinärer Komponist, Musiker und Regisseur, dessen Arbeit von Ensemble- und Orchesterwerken über Musiktheater bis hin zu audiovisuellen Kompositionen reicht. Geboren 1983 in Teheran, lebt und arbeitet Amen Feizabadi derzeit in Berlin. Er studierte Integrative Komposition – u. a. an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Feizabadi wurde in den letzten Jahren mit mehreren Auszeichnungen und Stipendien geehrt, darunter als Artist in Residence an der Cité Internationale des Arts in Paris im Jahr 2025, sowie einem Auslandsstipendium der Bundesrepublik Deutschland – Villa Massimo/Casa Baldi in Rom 2024. Seine Werke werden von renommierten Klangkörpern wie Ensemble Adapter, Sonar Quartett oder den Bochumer Symphonikern aufgeführt. Seine Projekte sind auf zahlreichen internationalen Festivals weltweit vertreten, u. a. an der Deutschen Oper Berlin, dem Festival Voicing Resistance am Maxim Gorki Theater, sowie beim Festival Now! in Essen.
Golfam Khayam ist eine iranische Komponistin und Improvisatorin. Ihre Arbeit entfaltet eine eigenständige musikalische Sprache, die Elemente persischer Musik in einen zeitgenössisch-experimentellen Kontext integriert. Sie initiierte ein Forschungsprojekt zu Technikadaptionen persischer Regionalinstrumente («Tradition and Synthesis») über Ornamentik und Schaffensprozesse und forscht zu Fragen kultureller Synthese im zeitgenössischen Komponieren. Sie studierte u. a. in Cincinnati und Genf. Ihre Werke wurden vom Iceland Symphony Orchestra, Orchestre de Radio France und dem London Symphony Orchestra aufgeführt. Auftritte führten sie in die Elbphilharmonie, zur Royal Festival Hall London und zum Ojai Festival und ausgezeichnet wurde sie u. a. beim International Rostrum of Composers (Paris) sowie mit dem Arvo-Pärt-Stipendium. Sie ist Gastprofessorin an der Kunstuniversität Teheran.
Yair Klartag ist ein israelischer Komponist, dessen Musik eine subjektive Semantik mit einer sinnlichen Untersuchung klanglicher Phänomene verbindet. Seine Werke kreisen oft um die Fragilität von Klang als Bedeutungsträger und um Wahrnehmungsprozesse kontinuierlicher Klangereignisse; aus der Idee des nur periodischen Hörens langer Töne entwickelt er Strukturen schneller Wiederholungen bei langsamen Klangveränderungen. Er studierte in Tel Aviv, Basel und an der Columbia University u. a. bei Ruben Seroussi und Georg Friedrich Haas. Aufträge erhielt er u. a. von den Donaueschinger Musiktagen und der Münchener Biennale; Aufführungen erfolgten durch RSB Berlin, ORF RSO Wien und Ensemble Musikfabrik. Zahlreiche Preise und Stipendien wurden ihm verliehen, darunter der Kompositionspreis Stuttgart und ein DAAD-Stipendium. Seine Werke erscheinen bei Ricordi; er lehrt an der Universität Tel Aviv.
Oscar Bianchi ist ein in Berlin lebender Komponist italienischer und schweizerischer Herkunft. Seine Musik erforscht Klang als Spannungsfeld und Transformationsraum. Er studierte Komposition, Chorleitung und elektronische Musik in Mailand, absolvierte das IRCAM-Programm in Paris und promovierte an der Columbia University bei Tristan Murail und George Lewis. Seine gemeinsam mit Joël Pommerat entstandene Oper «Thanks to My Eyes» wurde beim Festival d’Aix-enProvence uraufgeführt und international auf Tournee gespielt. Seine Werke wurden vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Rundfunk-Sinfonieorchester und dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin sowie vom Ensemble Modern, dem JACK Quartet und Quatuor Diotima aufgeführt. Er ist Professor für Komposition an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und künstlerischer Leiter der International Young Composers & Conductors Academy (IYCA) im Tessin.
Noa Frenkel ist eine vielseitige Künstlerin mit ausgeprägter stilistischer Offenheit. Ihr Konzertrepertoire reicht von der Renaissance bis zur zeitgenössischen Musik. Zuletzt war sie mit dem Ensemble Intercontemporain beim Festival d’Automne in Paris, mit Gubaidulinas «Stunde der Seele» im Wiener Konzerthaus, mit «Berios Sinfonia» in der Elbphilharmonie Hamburg, Nonos «Prometeo» an der Scala in Mailand, beim Holland Festival und beim Lucerne Festival sowie Mahlers «Das Lied von der Erde» in Kanada und mit dem Orchestre Symphonique de Mulhouse zu erleben. Auf der Opernbühne war sie u. a. in Nonos «Al Gran Sole Carico d’Amore» (Basel), Czernowins «Heart Chamber» (Deutsche Oper Berlin), «Stockhausens Sonntag aus Licht» (Köln), bei den Salzburger Festspielen sowie an Häusern in Paris, Antwerpen, Gent, Mannheim, Rotterdam und Stuttgart zu erleben. Sie arbeitete mit Ensembles wie Ensemble Modern, Klangforum Wien, Musikfabrik, Ensemble Intercontemporain und dem Experimentalstudio Freiburg (SWR) zusammen. Als Mitbegründerin des Kassiopeia-Quintetts nahm sie sämtliche Madrigalbücher Gesualdos auf. Zu ihren jüngsten Veröffentlichungen zählen Berios «Folk Songs» sowie Czernowins «Shu Hai» (mit dem Experimentalstudio Freiburg).
In der kommenden Saison ist sie u. a. bei der Dresdner Philharmonie zu Gast, mit einem Nono-Konzert in New York sowie mit Uraufführungen bei den Donaueschinger Musiktagen und den Schwetzinger Festspielen zu erleben.
Titus Engel studierte Musikwissenschaften und Philosophie in Zürich und Berlin und erlernte sein Dirigierhandwerk in Dresden bei Christian Kluttig. Der Schweizer ist nicht nur der Mann für die komplizierten OpernpartiturFälle, er beweist auch in seinen Konzertprogrammen eine Repertoireund Stilistik-Bandbreite wie kaum ein Zweiter. Der Principal Conductor der Basel Sinfonietta ist stets auf der Suche nach dem nicht Offensichtlichen, einer Subebene der Partitur, die er offenlegen und in ihrer (gesellschaftlichen) Relevanz dem Hörer vor Ohren führen möchte. Und das mit aussergewöhnlichem Erfolg – nicht nur in der Presse, sondern und vor allem beim Publikum.
Die Basel Sinfonietta ist ein auf zeitgenössische Musik spezialisiertes Orchester mit sinfonischer Besetzung – und insofern ein in der klassischen Musikszene einzigartiger Klangkörper. Getragen vom Anspruch, Musik am Puls der Zeit zur Aufführung zu bringen, überwindet die Basel Sinfonietta seit ihrer Gründung im Jahr 1980 klassische Konzertkonventionen und zeigt sich in ihren Programmen erkundungsfreudig gegenüber anderen Genres und Kulturen. Die Basel Sinfonietta arbeitet mit den führenden Komponist:innen der Gegenwart zusammen. Das Orchester hat zahlreiche Werke in Auftrag gegeben und konnte seit seiner Gründung mehr als 240 Uraufführungen und nationale Erstaufführungen präsentieren.
Violine 1
Simone Zgraggen 1
Renate Hofstetter
Nadia Strijbos
Claudine Ostermann
Marzena Treiber-Toczko
Zoé Pouri
Sylvia Oelkrug
Violine 2
William Overcash 2
Friedemann A.Treiber
Alicja Pilarczyk
Iliana Hristova-Schierer
Simone Flück
Mirjam Sahli
Viola
Elise Lehec 2
Anja Martin-Glatthard
Elia Portabales Rodríguez
Sara Barros
Tatiana Kunz
Violoncello
Jan-Filip Ťupa 2
Lisa Hofer
Josep Oriol Miró Cogul 2
Ursula Kamber-Schaub
Kontrabass
Mariona Mateu Carles
Philippe Dreger
Lukas Burri
Flöte
Julian Cawdrey
Franziska Stadelmann
Oboe
Kelsey Maiorano
Luísa Bandeira Melo dos Santos
Klarinette
Hanna Langmeier Stenz
Mariella Bachmann
Fagott
Elise Jacoberger
Timm Kornelius
Horn
Christian Schweizer
Udo Schmitz
Trompete
Noe Nillni
Jens Bracher
Posaune
Stephen Menotti
Anita Kuster
Tuba
Sophia Nidecker
Schlagzeug
Kai Littkopf
Fran Lorkovic
Klavier
Dmitry Batalov
Harfen
Estelle Costanzo
La mia casa.
Non mi sono voltata. Sono partita.
E cominciò l’esilio. L’esilio. E non mi voltai.
Eravamo inermi.
Sotto voce parlavamo, a frammenti.
Ci guardavamo negli occhi per capire cosa dire, cosa fare.
Eravamo inermi. Eravamo i vermi. Eravamo inermi.
In cinque.
Siamo soltanto in cinque.
Miracoli non attendo. Segni non aspetto.
Fuori la voce. Non ti abbandono.
Fuori, la paura. Fuori, la voce.
Che cos’è la vita.
Il prodotto caloric di una sostanza sostenitrice di forme.
Siamo vivi.
Siamo ancora. Avevamo ancora la pelle
Mein Zuhause. Ich habe mich nicht umgedreht. Ich bin gegangen.
Und das Exil begann. Das Exil.
Und ich habe mich nicht umgedreht.
Wir waren wehrlos.
Wir sprachen leise, in Bruchstücken.
Wir schauten uns in die Augen, um zu verstehen, was wir sagen, was wir tun sollten.
Wir waren hilflos.
Wir waren Würmer. Wir waren hilflos.
Zu fünft.
Wir sind nur zu fünft.
Ich erwarte keine Wunder. Ich warte nicht auf Zeichen.
Raus mit der Stimme. Ich lasse dich nicht im Stich.
Raus mit der Angst. Raus mit der Stimme.
Was ist das Leben?
Der Kaloriengehalt einer Substanz, die Formen stützt.
Wir sind am Leben. Wir sind noch da. Wir hatten noch unsere Haut.
Restammo fermi. Nessuno parlò. Guardavamo, osservavamo, nell’ansia.
Sotto voce parlavamo, a frammenti. Ci guardavamo per capire cosa dire, cosa fare.
Pensieri che tornano. Pensieri ricorrenti. Un timore inarrestabile.
Facevamo.
Rifacemmo. Provavamo. Riprovavamo.
Provavamo a non fermarci. Senza voltarci indietro.
Qui ci muovevamo.
Un passo dopo l’altro. Provavamo a non fermarci, senza voltarci indietro.
Non siamo più inermi. Non più. Non più.
Ora mordiamo. (interludio)
Non è una storia sola. È una storia che ritorna.
Wir blieben stehen. Niemand sprach. Wir schauten, beobachteten, voller Angst.
Wir sprachen leise, in Bruchstücken. Wir schauten uns an, um zu verstehen, was wir sagen und was wir tun sollten.
Gedanken, die wiederkehren. Wiederkehrende Gedanken. Eine unaufhaltsame Angst.
Wir taten es. Wir taten es erneut. Wir versuchten es. Wir versuchten es erneut.
Wir versuchten, nicht stehen zu bleiben. Ohne zurückzuschauen.
Hier bewegten wir uns. Ein Schritt nach dem anderen. Wir versuchten, nicht stehen zu bleiben, ohne zurückzuschauen.
Wir sind nicht mehr wehrlos. Nicht mehr. Nicht mehr.
Jetzt beissen wir zu. (Zwischenspiel)
Es ist nicht nur eine Geschichte. Es ist eine Geschichte, die wiederkehrt.
«UNGEZÄHMTER FLUSS»
Textauszüge
aus dem «Dīwān-e Shams-e Tabrīzī» von Jalāl ad-Dīn Rumi (13. Jahrhundert) aus Ghazal 1855
1
che dâ-nes-tam ke in sow-dâ ma-râ zeen-sân ko-nad maj-noon
Wie hätte ich wissen können, dass diese Sehnsucht mich so verrückt machen würde
2
de-lam râ doo-ze-khi sâ-zad do chash-mam râ ko-nad jey-hoon
Dass sie mein Herz zu einem Gefängnis und meine Augen zu einem Fluss machen würde
3
che dâ-nes-tam ke se-lâ-bi ma-râ nâ-gâh ber-bâ-yad
Wie hätte ich wissen können, dass Tränen wie eine Sturzflut mich fortreissen würden
5
za-nad mo-ji bar ân kesh-ti ke takh-te-takh-te be-shkâ-fad
Dass Wellen gegen dieses Boot schlagen und es Planke für Planke zerschlagen würden,
6
ke har takh-te fo-roo-ree-zad ze gar-desh-hâ-ye goo-nâ-goon
Bis jede einzelne Planke unter all dem Druck zerbricht?
7
na-hang-i ham ba-râ-rad sar khorad ân âb dar-yâ râ
Dass das Seeungeheuer sein Haupt erheben und das Meer verschlingen würde
8
cho-nân dar-yâ-ye bi-pâ-yân sha-vad bi-âb choon hâ-moon
Dass ein so gewaltiges Meer austrocknen würde wie eine Wüstenebene?
9
she-kâ-fad niz ân hâ-moon na-hang-e bah-r far-sâ râ
Dass das verschlingende Seeungeheuer dann diese Ebene spalten würde,
10
ka-shad dar ghar nâ-gâ-hân be dast-e ghahr choon gâ-roon
Und mich plötzlich im Zorn in eine Grube hinabreissen würde, wie Qarun? 11
cho in tab-dil-hâ â-mad na hâ-moon mând o na dar-yâ
Als diese Verwandlungen geschahen, blieb nichts zurück; 12
che dâ-nam man de-gar choon shod ke choon ghar-gh ast dar bi-choon
Was weiss ich, wenn sich Warum und Was gegenseitig verschlingen?
che dâ-nam-hâ-ye bes-yâr ast ley-ken man na-mi-dâ-nam
Oh wie viele «Ich weiss nicht» es gibt – doch ich weiss es nicht. 14
ke khor-dam az da-hân-ban-di dar ân dar-yâ ka-fi af-yoon Denn ich trank vom Schaum des Opiums, um dieses Meer zu vergessen.
aus Ghazal nr. 14
3
gar seyl-e â-lam por sho-vad har mowj choon osh-tor sha-vad
Ist die Welt von Flut erfüllt, wird jede Woge zum Kamel.
5
mâ rokh ze sho-ker af-rookh-te bâ mowj o bahr âmookh-te Wir haben unser Antlitz mit Zucker erleuchtet und von Woge und Meer gelernt.
6
zân sân ke mâ-hi râ bo-vad dar-yâ o too-fân jân-fa-zâ
Wie dem Fisch Meer und Sturm zum Leben gereichen.
7
ey sheykh mâ râ foo-te deh vey âb mâ râ ghoo-te de
Oh Scheich, gib uns ein Lendentuch und tauche unser Wasser ein.
8
ey moo-si-ye em-rân bi-yâ bar âb-e dar-yâ zan a-sâ
Oh Moses, Sohn Imrans, komm, schlage deinen Stab auf das Meerwasser.
10
so-dâ-ye ân sâ-ghi ma-râ bâ-ghi ha-me ân-e sho-mâ
Jenes Mundschenks Leidenschaft ist mein, der Rest ist dein.
11
dee-rooz mas-tân râ be rah ber-bood ân sâ-ghi kol-ah
Gestern entriss jener Mundschenk den Betrunkenen unterwegs den Hut.
12
em-rooz mey dar mi-da-had tâ bar-ka-nad az mâ gha-bâ
Heute reicht er Wein, um uns die Kleider zu zerreissen.

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KULTUR-POOL DER PLATTFORM LEIMENTAL
Biel-Benken, Binningen, Bottmingen, Burg, Ettingen, Oberwil, Schönenbuch, Therwil
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Elena D’Orta, Orchestermanagerin elena.dorta@baselsinfonietta.ch
Luca Romiti, Notenverwaltung und Interim Orchestertechnik luca.romiti@baselsinfonietta.ch
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Sarina Leuenberger sarina.leuenberger@baselsinfonietta.ch Pressekontakt
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Texte: Dr. Marco Frei
Gestaltung: Christophe Caffier
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Cartoon: Magi Wechsler
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