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LBA 7 / 2026 vom 19. Februar

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LENZBURGER WOCHE

DONNERSTAG, 19. FEBRUAR 2026

Amtliches Publikationsorgan für den Bezirk Lenzburg und angrenzende Gemeinden.

PP 5600 Lenzburg · Nummer 8 · Post CH AG

SALZKORN Repräsentation

SCHLAFWOCHEN

In der Stadtbibliothek gibt es ein neues Angebot für Menschen mit Lese- und Schreibschwäche.

Foto: Fritz Thut

Neu in Lenzburg: praktische Hilfe in der SchreibBAR 079 263 29 62

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Heizöl

Lenzburg Der Verein «Lesen und Schreiben für Erwachsene Aargau» startet die SchreibBAR in Lenzburg. ■

DEBORA HUGENTOBLER

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acqueline Gabi Pauli ist zuständig für die Administration und Organisation sämtlicher Angebote des Vereins. Zusammen mit der Bibliothekarin Barbara Hediger hat sie die SchreibBAR in der Stadtbibliothek Lenzburg realisiert. Der Startschuss fiel am 13. Februar – erschienen ist niemand. «Wahrscheinlich auch wegen der Fasnacht», sagt Gabi Pauli. Die Standortausweitung entstand auf Anfrage der Regionalen Integrationsfachstelle (RIF). Begonnen hat die SchreibBAR in Aarau, seither gibt es das Angebot auch in Brugg, Zofingen und Möhlin. Parallel startete die RIF in Lenzburg eine Zusammenarbeit mit dem Schreibdienst des Roten Kreuzes. Ob es beide Angebote braucht, ist derzeit offen. Der Verein bietet ausserdem Grundund Aufbaukurse im Lesen und Schreiben sowie Einzellektionen an – allerdings nicht

in Lenzburg. Die SchreibBAR versteht sich vielmehr als niederschwelliger Erstkontakt, mit dem Ziel, Personen mit Bedarf auf die Kurse aufmerksam zu machen.

sehe. Wie viele Menschen das Angebot in Lenzburg am Freitagabend künftig besuchen werden, wird sich zeigen.

Formulare, Tipps und ein offenes Ohr Hemmungen überwinden – Hilfe annehmen Die Hauptzielgruppe des Angebots sind Illettristen – Menschen, die zwar Buchstaben erkennen, jedoch keine komplexeren Texte verstehen oder verfassen können. In der Schweiz ist rund jede sechste erwachsene Person betroffen. Dennoch wird der Verein nicht überrannt. Im Gegenteil: Laut Gabi Pauli stossen ihre Angebote im Verhältnis zur Zahl der Betroffenen nur auf geringes Interesse. Man erreiche die betroffenen Menschen kaum. Die Hemmschwelle sei zu hoch, das Thema noch immer schambehaftet. Viele meldeten sich erst, wenn der Druck zu gross wird – etwa aus beruflichen Gründen. Menschen mit nichtdeutscher Muttersprache stehen ebenfalls im Fokus. «Wir sind für alle Menschen im Aargau da», betont Gabi Pauli. Pro Abend ist jeweils eine Fachperson in der SchreibBAR im Einsatz – für sie sei der Einsatz spannend, da jeder Abend anders aus-

Dass es die SchreibBAR auch im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz noch braucht, ist für Gabi Pauli selbstverständlich. Viele Betroffene haben Mühe mit der Anwendung eines Computers. Die Menschen kommen hauptsächlich, um Texte korrigieren zu lassen, Formulare auszufüllen oder Bewerbungen zu verfassen – oder einfach für einen Schwatz auf Deutsch. «Es ist erstaunlich, wie viel Zeit Betroffene für Aufgaben investieren müssen, die für andere selbstverständlich sind – und welche Strategien sie dafür entwickeln», so Gabi Pauli. Als zusätzlicher Gewinn beim Angehen eigener Probleme werde zudem das Selbstwertgefühl gestärkt. Jacqueline Gabi Pauli richtet eine klare Botschaft an Betroffene: «Die SchreibBAR ist ein geschützter Ort, an dem man seine Hürden nicht öffentlich zur Schau stellt. Man soll einfach kommen, ohne Hemmungen.» Denn: «Wenn man Dinge anpackt, kann man im Leben nur gewinnen.»

Das Museum Burghalde widmet die aktuelle Sonderausstellung Lenzburger Pionierinnen der letzten 200 Jahren. Unter den Porträtierten finden sich Kathrin Steinmann zahlreiche Musikerinnen, Malerinnen und Dichterinnen. Dabei fällt auf, dass die meisten dieser Künstlerinnen aus wohlhabenderen Familien stammten. Die Porträts zeigen, dass die Frauen ihren Platz behaupten oder sich die Zeit für ihre Kunst nebst Berufstätigkeit und Familienarbeit erringen mussten. Vorwiegend lesen wir aber doch von Frauen, die dank ihrer familiären Herkunft Bildung geniessen konnten und über finanzielle und zeitliche Ressourcen verfügten, um sich künstlerischen Tätigkeiten zuzuwenden. Es fällt auf, dass wir nicht von Frauen lesen, die in Fabriken gearbeitet hatten, Haushaltshilfen oder Bäuerinnen waren. Kunstwerke, die über die Zeit weitergetragen werden, prägen das Weltbild und die Identität einer Gesellschaft entscheidend mit. Deshalb ist es nicht nebensächlich, wessen Werke entstehen können, welche rezipiert, archiviert und in einen Kunstkanon aufgenommen werden. Wessen Erzählungen oder Kompositionen über Jahrzehnte wahrgenommen werden, wessen Gemälde ins kulturelle Gedächtnis eingehen, prägt unser Selbstverständnis. Die Frage der Repräsentation stellt sich dabei nicht nur bezüglich Geschlecht, sondern unter anderem auch bezüglich sozialer Schicht oder Herkunft der Kunstschaffenden. Wer die Ressourcen hat, sich künstlerisch auszudrücken und gehört zu werden, ist eine heute nicht minder aktuelle Frage. Der Aargauer Grosse Rat hat eine geplante Erhöhung der Kulturfördergelder aus dem Budget 2026 gestrichen. Damit zieht die Förderung nicht wie vom Regierungsrat vorgesehen mit dem Bevölkerungswachstum des Kantons mit und dementsprechend gross bleibt die Herausforderung, im Kulturbereich mittels Förderung ein möglichst umfassendes Abbild der Gesellschaft zu ermöglichen. Kathrin Steinmann, Lenzburg

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