LENZBURGER WOCHE
DONNERSTAG, 4. JUNI 2026
Amtliches Publikationsorgan für den Bezirk Lenzburg und angrenzende Gemeinden.
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SALZKORN
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Too much for Lenzburg? Diese und drei weitere Bilder wurden vergangene Woche aus der Müli-Märt-Unterführung gestohlen. Fotos: Anne Morgenstern
Diebstahl am Fotofestival – Schaden von 5000 Franken Lenzburg In der Müli-MärtUnterführung wurden sechs Bilder vom Fotofestival gestohlen.
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RINALDO FEUSI
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ie Schadenssumme beträgt 5000 Franken: Sechs Fotografien von Anne Morgenstern aus der OpenAir-Ausstellung «Macht Liebe» wurden entwendet. Den Diebstahl stellten die Organisatoren vergangene Woche kurz vor einer Führung durch die Festivalausstellungen fest. Auch die Erläuterungen zu den Bildern fehlen.
Darf Kunst noch öffentlich anregen? «Kunst im öffentlichen Raum lebt von den Reaktionen der Bevölkerung», erklärt Direktorin des Fotofestivals Lenzburg Margherita Guerra. Das findet auch die betroffene Fotografin. Aber das gehe zu weit: «Wir sind tief betroffen von diesem Akt des Vandalismus.» Generell stelle sich Guerra langsam die Frage, ob Kunst im öffentlichen Raum in Lenzburg oder generell im Kanton herausfordern
und überhaupt existieren dürfe. Bei jeder Ausgabe des Fotofestivals kommt es zu Vandalismus. Für die Direktorin ist das nichts Neues. «Wir glauben aber nicht, dass Einzeltaten repräsentativ für eine ganze Stadt sind», sagt sie dazu, weswegen man in der Vergangenheit keine rechtlichen Konsequenzen gezogen hat. Dieses Mal überlege man sich die Anzeige. Die gestohlenen Bilder zeigen verschiedene Szenen: eine Frau im
«Kunst im öffentlichen Raum lebt von den Reaktionen der Bevölkerung.»
Margherita Guerra, Director Fotofestival Lenzburg.
Foto: Fritz Thut
BH, einen zugenähten Hundebauch, ein angewinkeltes Frauenbein – nicht jedermanns Sache. Bei «Macht Liebe» geht es um Liebe und Begierde. Es geht um Körper, um begehrende und begehrte Körper, um ihre Unbezähmbarkeit, ihre Zärtlichkeit und ihre Brutalität. Es geht um Macht und Politik, um die Macht, die das Fleisch ausübt, und um die Politik, die in Haut und Körper verankert ist. Guerra erkennt, dass diese Bilder für einige zu stark sein könnten. Aber dann könne man sich gerne beim Fotofestival melden. «An jeder Ausstellung bekommen wir Feedback.» Telefonisch, brieflich und auch per Mail. «Kunst soll zum Dialog einladen. Nicht zum Vandalismus», meint sie weiter. Zudem werden am Festival Führungen angeboten. Könnte es ein Lausbubenstreich gewesen sein? Den Organisatoren ist das egal: «Ob es sich dabei um eine unüberlegte Tat von Jugendlichen handelt oder um den bewussten Versuch einer Person, die sich an den Inhalten stört: Die mutwillige Zerstörung und die Entfernung von Kunstwerken sind eine Form von Zensur, die wir zutiefst bedauern», teilten sie der Redaktion mit. Das Festival ist noch bis 7. Juni geöffnet.
Mein vergangenes Salzkorn habe ich im Zug auf der Notizfunktion in meinem Handy getippt. Ich sass neben zwei älteren Damen, die über Regenjacken Claudia Rey diskutierten, und hinter mir knabberte jemand unglaublich laut etwas unglaublich Knuspriges. Ich liess mich viel zu leicht ablenken, aber irgendwann fand ich dann doch einen Schlusssatz. Weil ich keine Ahnung hatte, ob ich die passende Anzahl Zeichen getippt hatte, habe ich den Text kopiert und nach einem Zeichenzähler gegoogelt. Ich habe ein äusserst überraschendes Ergebnis erhalten. Neben der Zeichenzahl spuckte die App ungefragt noch eine weitere Aussage aus: «61 Prozent deines Textes sehen so aus, als wären sie von einer KI geschrieben.» Die KI bot mir dann höflichst an, ich könne gerne ein Abo mit ihr abschliessen und dann werde sie meinen Text humanisieren, damit er nicht mehr nach KI klinge. Ich war etwas beleidigt. Dann witterte ich einen Komplott. Also fing ich an zu recherchieren – und wurde enttäuscht. Meine Recherche ergab, dass 71 Prozent der Nutzer begeistert waren von eben dieser KI. Sie alle vergaben fünf von fünf Sternen. Doch dann fielen mir die miesen Bewertungen auf, die zwar deutlich in der Minderzahl waren, aber dafür hoch emotional geschrieben. Ein Emanuel ärgerte sich: «Habe aus Spass einmal den Zauberlehrling eingegeben. Das Gedicht stammt aus einer Zeit, wo es noch nicht mal Strom gab. 84 Prozent KI generiert.» Jemand anders schrieb: «Totaler Scam. Ihr könnt auch schreiben ‹Hallo, wie gehts dir?› Ergebnis: 92 Prozent KI generiert.» Und jemand anders schrieb, er habe jetzt gerade seinen vernichtenden Kommentar zur KI-App von ebendieser analysieren lassen. Mit dem Ergebnis, dass auch dieser laut der KI-App von einer KI generiert sei. Wirklich leid tat mir dann ein Holger. Der schrieb nämlich: «Trotz Kündigung in eine Abo-Falle gelaufen, Vorsicht bei 1 Euro Testphase!!» Die begeisterten Kommentare zur App waren am Ende das Einzige, was mir wirklich künstlich vorkam. Claudia Rey, Journalistin
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