Donnerstag, 17. November 2022
113. Jahrgang Nr. 46
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Ein vergessener Arleser Tausendsassa Am 24. Dezember jährt sich der Todestag von Emil Frey, Partylöwe, Kriegsgefangener und Bundesrat, zum hundertsten Mal. Zeit, den vielleicht prominentesten Arlesheimer vorzustellen.
Münchenstein
21
Benedikt Kaiser «Die sieben Leben des Emil Frey» nennt Gregor Saladin, ehemaliger Journalist und Kommunikationschef des Bundesamts für Verkehr, seine kürzlich erschienene Biografie über den Arlesheimer Bundesrat. Betrachtet man Freys verschiedene Lebensstationen, scheint es in der Tat so, als habe der am 24. Oktober 1838 in der Domstrasse 3 geborene Frey nicht nur ein, sondern viele Leben geführt. In seiner ersten Lebensphase wies allerdings noch wenig darauf hin, dass ihm ein derart spektakulärer Lebenslauf beschieden sein sollte. Während seiner Schulzeit in Therwil, Waldenburg und Basel gilt Frey als Taugenichts, der häufig für Ärger sorgt. Auch ein von Vater und Baselbieter Regierungsrat Emil Remigius Frey organisierter Gymnasien-Wechsel ins deutsche Ulm bringt nicht die gewünschte Mässigung von Frey junior, sondern endet nur damit, dass dieser nach einigen Wochen Reissaus nimmt und unangekündigt wieder im elterlichen Haus in Arlesheim erscheint. Ohne abgeschlossene Schulbildung entscheidet sich Frey dazu, im deutschen Jena eine Ausbildung zum Agronomen zu absolvieren. Auch dort macht sich der mittlerweile 17-jährige Frey jedoch weniger als fleissiger Student, sondern mehr als Geniesser des lebendigen Studentenlebens einen Namen. «Frey war ein Tunichtgut», meint Biografieautor Saladin auf Freys erste
Mehr Regionalität: Lang ist’s her, dass die Bewohnerinnen und Bewohner Münchensteins in einem Dorflädeli einkaufen konnten. Die «Interessensgemeinschaft Dorfladen» möchte das mit modernen Ideen im Gepäck nun ändern.
Gempen
25
Lassen Frey wieder aufleben: Anlässlich Freys 100. Todestags haben Gregor Saladin (l.) und Markus Wüest eine Monografie, BROOKE KELLER respektive einen Roman veröffentlicht. Am 25. November kommen die beiden für eine Lesung in die Trotte Arlesheim. Lebensphase angesprochen und fügt lachend an, dass man Frey heutzutage wohl ADHS diagnostizieren würde.
Kriegsgefangenschaft als Wendepunkt
Mit dem Tod des Leiters des landwirtschaftlichen Instituts endet Freys Zeit in Jena abrupt. Nach wie vor ohne Abschluss entscheidet er sich 1860 dafür, in die USA auszuwandern, um die dortige Landwirtschaft kennen zu lernen. Mehr schlecht als recht hält er sich in der Folge über Wasser, bis ihm der im April 1861 ausbrechende amerikanische Sezessionskrieg einen Ausweg aus seiner Arbeitslosigkeit verspricht. Frey meldet sich als
Freiwilliger bei der Nordstaaten-Armee und wird nach kurzer Zeit zum Major befördert. Bei der blutigen Schlacht von Gettysburg gerät er in die Gefangenschaft der Südstaatenarmee und verbringt die folgenden 18 Monate im berüchtigten Libby-Gefängnis. Diese Zeit als Kriegsgefangener sei zweifellos die härteste in Freys Leben gewesen, habe aber auch einen läuternden Einfluss auf seine Persönlichkeit gehabt, sagt Saladin: «Die Gefangenschaft ist der Wendepunkt, nachdem sich Freys wiederkehrende Erfahrung des Scheiterns in einen positiven Aktivismus verwandelt.» Nach Ende der Kriegszeit kehrt der inzwischen bald 27-jährige Frey 1865 nach
Hause zurück, «ohne Ausbildung und Perspektive, sondern nur voller Energie, die er nutzbringend einsetzen will», wie Saladin sagt. Einige Monate später ernennt ihn der Kanton Basel-Landschaft zum Landschreiber und wieder ein halbes Jahr später wird Frey in den Regierungsrat gewählt. Während Frey in seinem Leben immer wieder das Glück gehabt habe, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein, habe er auch ein natürliches Talent für Politik besessen, meint Saladin. «Er muss eine Begabung für den Umgang mit Leuten und den öffentlichen Auftritt gehabt haben.» Fortsetzung auf Seite 2
Stachelige Freunde: Im Frühling hat Anja Straumann eine offizielle Igelstation in Gempen eröffnet. Sie erklärt, warum die Population rückläufig ist und wie man die kleinen Säuger unterstützen kann.
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