Nr. 43 26. Jahrgang Donnerstag, 24. Oktober 2024
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Zehn Jahre «Dorfgeischt»
Das Beschäftigungsprogramm in Bubendorf blickt auf seine zehnjährige Erfolgsgeschichte zurück. Seite 7
Vielfalt der Kultur
Tank
- Revisionen - Mängelbehebung - Neuanlagen - Demontagen - Nutzung für Regenwasser
Neue Arztpraxis
Zum siebten Mal fand an 22 Standorten in Sissach die Kultournacht statt.
In Hölstein eröffnete die Gemeinschaftspraxis Bachtanne ihre Türen. Seite 19
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Hölstein
Tabulos und risikofreudig
Kolumne
Ich könnt’ ja krank sein…
Baselbieter Konzerte Claire Huangci, Leonid Surkov, David Castro-Balbi, CHAARTS Thomas Brunnschweiler
Wie soll man die berühmten Konzerte von Johann Sebastian Bach spielen? Im ersten Konzert der 42. Saison der Baselbieter Konzerte demonstrierten die CHAARTS, Claire Huangci (Klavier), Leonid Surkov (Oboe) und David CastroBalbi (Violine) auf jeden Fall, wie man das Publikum von den Sitzen reisst. Alle fünf Konzerte wurden in minimaler Besetzung dargeboten, ein Instrument auf eine Stimme. Wo Bach ein Continuo vorsieht, wurde das Cembalo weggelassen. Hier erklang Bach tabulos, spontan, lebendig und risikofreudig; kurz: Bach groovte, aber ohne Abstriche bei der Virtuosität, der Präzision und dem musikalischen Gespür. Das kammermusikalische Setting erwies sich dem voluminösen Sound konzertanter Aufführungen überlegen, der oft weichgespülten barocken Wohlklang ergibt. Dazu kam die hellwache Interaktion aller BeteiligPianistin Claire Huangci und die Minimalbesetzung der CHAARTS.
ten. Die amerikanische Pianistin Claire Huangci hat schon mit der Einspielung der Toccaten bewiesen, wie dramaturgisch feinsinnig, akkurat und ziseliert sie Bach zu spielen vermag. Im Klavierkonzert BWV 1054 zeigte sich Huangcis Bravour im flockigen, gut akzentuierten Anschlag mit hingetupften Staccati. Ihre Finger tanzten schwerelos über die Tasten; jeder scheint eine ganz eigene dynamische Koordination zu besitzen.
Makelloses Spiel auf schwierigem Instrument: Oboist Leonid Surkov.
Sonntag offen 27.10.24
11–17 Uhr
Schönenwerd/Aarau · fashionfish.ch
Neuer Zugang zu Bach Als zweites Stück erklang das «Italienische Konzert» F-Dur BWV 971 mit dem brillanten Oboisten Leonid Surkov. Auch dieses Konzert war transparent und äus-
serst frisch interpretiert. Es folgte das Violinkonzert a-Moll BWV 1041, dessen erster Satz mit David Castro-Balbi als Primgeiger schon wie ein wilder Ritt wirkte. Das Andante ähnelte einem musikalischen Gewebe, wie feine Spitze, filigran und differenziert. Im furiosen dritten Satz wurde etwa dasselbe hohe Tempo angeschlagen, wie weiland der Stargeiger Nigel Kennedy es anschlug, wobei der grossartige Castro-Balbi sich dessen selbstdarstellerischen Allüre enthielt, und der Gesamtklang weit durchhörbarer blieb als jener des grösseren Orchesters. Starke Innerlichkeit verströmte das Konzert für Oboe d’Amore und Streicher BWV 170 nach der Kantate «Vergnügte Ruh». Leonid Surkov über-
Fotos: T. Brunnschweiler
zeugte an der Oboe d’Amore mit einem makellosen warmen und lieblichen Klang. Nach dem fein gesponnenen Adagio folgte das Allegro moderato mit gutem Puls, groovig, aber nicht zu schnell. Im Klavierkonzert d-moll BWV 1052 konnte man nochmals Huangcis schöpferische Souveränität in den Phrasierungen bewundern, die zusammen einen Flow natürlicher wellenförmiger Bewegungen ergaben. Nach Standing Ovations spielten die CHAARTS und Claire Huangci als Zugabe den zweiten Satz von Bachs Klavierkonzerts in f-Moll BWV 1056. Musikalisch war dieses Bach-Konzert wie der erste Schöpfungstag eines neuen Zugangs zum Zentralgestirn der Musikgeschichte.
Neulich – im Rahmen meiner Tätigkeit als Tramwagenfahrer – führten mich die Schienen an einer Apotheke vorbei, wo ein grosses Schild mit der Aufschrift «dropinlab» davorstand. Die kleineren Lettern darunter konnte ich nicht lesen, da ich ja darauf achten musste, dass mir gänzlich in ihrem Smartphone versunkene Zeitgenossen (oder solche, die sich beim gebannten Anblick eines unbedeckten, bewusst zur Schau gestellten Mädchenbauches fragten, ob sie da nicht doch noch ein bisschen Babyspeck erkennen …) nicht vor das Tram laufen. «Dropinlab» – dieser Begriff brachte mich kurz zum Kopfschütteln, denn ich sah’s regelrecht vor mir, wie jemand, der gerade an seinem Bildschirmchen von einem Mikro-Spassmoment zum nächsten scrollt (in der Hoffnung, damit seiner inneren Leere zu entkommen), durch diese freundliche Apotheken-Einladung jäh aus seiner digitalen Völlerei herausgerissen wird, und sich sagt «das wär’ doch was für mich – ich könnt’ ja krank sein!». Ist das nicht alles ein bisschen pervers …?!? Nicht weit weg von hier fürchten Menschen in Todesangst den nächsten russischen Luftangriff, oder haben noch keine Ahnung, wie sie den bevorstehenden Winter überleben werden, und wir hier – übersättigt an Gutem – haben nichts anderes zu tun als sich vor dem nächsten Cappuccino noch kurz «Blutanalysen ToGo» reinzuziehen. Daniel Matzenauer
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