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40_2023_Stadtanzeiger_Olten

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PIRMIN BISCHOF WIEDER

Am 22. Oktober 2023 Franziska Roth in den Ständerat. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Olten, Donnerstag, 5. Oktober 2023 | Nr. 40 | 91. Jahrgang | Auflage 34 383 | Post CH AG

IN DEN STÄNDERAT

Jacqueline Straub

Grossraumbüro-Lärm, Homeoffice-Stille

STÄNDERATSWAHLEN, 22. OKTOBER 2023 pirmin-bischof.ch

Nationalratswahlen vom 22. Oktober 2023 LISTE 9

Jacqueline Straub, Journalistin, Theologin und Buchautorin.

Die Mitte Kanton Solothurn

(Bild: Melanie Wetzel)

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so.die-mitte.ch

Alexander Muhm, Leiter Güterverkehr und Mitglied der Geschäftsleitung bei der SBB, beehrte den Anlass. (Bilder: Achim Günter)

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Eine etwas andere Blaue Stunde

AUSSTELLUNG In der Oltner Galerie 23 ging am frühen Freitagabend die Vernissage einer nicht alltäglichen Kunstausstellung über die Bühne. Der angekündigte Stargast, SBB-CEO Vincent Ducrot, sagte seine Teilnahme kurzfristig ab. ACHIM GÜNTER

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otografinnen und Fotografen kennen sie bestens: die Blaue Stunde. Wikipedia erklärt den Begriff so: «Der Begriff Blaue Stunde bezieht sich auf die Zeitspanne innerhalb der abendlichen oder morgendlichen Dämmerung, während der sich die Sonne so weit unterhalb des Horizonts befindet, dass das blaue Lichtspektrum am Himmel noch beziehungsweise schon dominiert und die Dunkelheit der Nacht noch nicht eingetroffen beziehungsweise schon vorbei ist.» Eine Blaue Stunde gab es am vergangenen Freitagabend auch in der Galerie 23 in Olten – allerdings eine der anderen Art. Um 17 Uhr wurde dort die nationale Ausstellung des Vereins Rail-Art eröffnet. Die vielfältige Werkschau, die bis 21. Oktober dauert, steht heuer unter dem Motto «Blau». Die eingereichten Kunstwerke – vor allem Bilder, aber auch Skulpturen oder Webereien – sollen allesamt in irgendeiner Weise Bezug nehmen zur Farbe Blau. Der Verein Rail-Art existiert bereits seit 1952. Ihm gehören kunstaffine SBB-Angestellte oder deren Angehörige an; derzeit weist der Verein 48 Mitglieder aus der ganzen Schweiz auf. Meist jährlich fanden oder finden Ausstellungen statt,

in denen Werke von Vereinsmitgliedern präsentiert werden. 18 von ihnen beteiligen sich 2023 mit einem oder maximal zwei ihrer Kunstwerke an der Ausstellung.

Premiere fällt ins Wasser

Als Präsident fungiert seit rund einem Jahrzehnt der in Olten wohnhafte Rudolf Paul Renfer, der bei der SBB als Baustellenplaner in Bern arbeitet. Renfer – wie könnte es anders sein? – trat im blauen Hemd und mit blauer Krawatte vor die rund 50-köpfige Festgemeinde. Zu Beginn musste er gleich einen Wermutstropfen verkünden: Der angekündigte Stargast, der SBB-CEO Vincent Ducrot, musste sich kurzfristig wegen einer Terminkollision entschuldigen. Er wurde jedoch würdig vertreten von Alexander Muhm, seines Zeichens Leiter Güterverkehr und Mitglied der SBB-Geschäftsleitung. Renfer bedauerte die Absage Ducrots selbstredend – zumal es sich um eine Premiere gehandelt hätte. Nie zuvor war ein SBB-Chef zu einer Rail-Art-Vernissage erschienen. «Aber er hat sich persönlich bei mir entschuldigt», meinte Renfer. «Und Alexander Muhm ist ja auch nicht nur ein Trostpreis.» Muhm betonte in seiner kurzen Ansprache, dass «Kunst ein sehr relevantes

Vereinspräsident Rudolf Paul Renfer vor zwei eigenen Werken.

Thema ist bei der SBB». Er wies insbesondere auf die vielen Kunstwerke in Bahnhöfen hin. «Diese tragen zur Einmaligkeit dieser Orte bei. So ein Kunstwerk verleiht einem Bahnhof eine gewisse Identität, eine gewisse Einmaligkeit.» Und bezugnehmend aufs Thema der Ausstellung meinte er, dass die Farbe Blau zur DNA der SBB gehöre. Als Laudatorin trat Isabelle Bitterli, Leiterin Haus der Fotografie Olten und Autorin, auf. In ihrer Rede ging sie auf zahlreiche «Blau»-Formulierungen in unserer Sprache ein, etwa «das blaue Wunder», «blaumachen», «mit einem blauen Auge davonkommen», «den blauen Brief erhalten». Und sie versuchte eine Brücke zwischen Bahn und Kunst zu schlagen. «Das hat ziemlich viel miteinander zu tun. Die Bahn befördert Personen oder Güter von A nach B, man kann mit ihr eine Reise machen. Mit der Kunst kann man auch eine Reise machen – einfach mit dem Geist. Jeder, der malt, weiss, wie man mit seiner Fantasie irgendwo in eine völlig andere Welt abtauchen kann.»

Auszeichnung für die besten Werke

Eine kleine Jury, bestehend aus Peter Niklaus und Galeristin Katharina Menin, gab danach die heurigen Preisträger bekannt. Wobei «Preis» womöglich etwas irreführend ist: Ausser Ruhm und Ehre gibt es für die Schöpfer der besten Werke nämlich jeweils nichts zu gewinnen. Anschliessend neigte sich die besondere Blaue Stunde auch schon ihrem Ende entgegen – bei einem Apéro. Und auch damit lässt sich «Blau» durchaus in Verbindung bringen. Wie hatte doch Isabelle Bitterli zum Schluss ihrer Ansprache gesagt: «Ich wünsche allen viel Vergnügen bei dieser schönen Ausstellung. Geniesst auch den Apéro – und achtet darauf, dass ihr danach nicht blau seid!»

önnen Sie sich noch erinnern, als in der Schweiz im Frühjahr 2020 während der Corona-Krise der nationale Notstand ausgerufen wurde? Wurden Sie daraufhin auch ins Homeoffice geschickt? Noch am Tag zuvor sass ich im Grossraumbüro. Mein Tischnachbar führte ein telefonisches Interview, meine Arbeitskollegin besprach ein Thema mit meiner Vorgesetzten. Ab und zu bellte der Hund einer Arbeitskollegin, der jeden Tag ins Büro mitkommen darf. Als Journalistin bin ich es gewöhnt, im lauten Newsroom oder im völlig überfüllten Zug zu arbeiten und meine Texte zu schreiben. Mit dem Laptop auf dem Schoss am Boden mitten in Menschenmassen zu sitzen, ist für mich kein Problem. Ich kann mich voll und ganz konzentrieren und alles andere für einen Augenblick ausblenden. Und plötzlich sass ich dann im Homeoffice. Da gab es keinen Lärm mehr. Einzig das Zwitschern der Vögel vor meinem Fenster. Keine Störgeräusche. Kein Stimmengewirr im Hintergrund, keine Telefone, die ständig klingelten. Auf einmal im Homeoffice nahm ich das Klingeln meines Handys und das Tippen auf der Tastatur viel bewusster wahr. Es fühlte sich zu Beginn gar gespenstisch an. Was ich in dieser Zeit lernen durfte: Manchmal tut es sogar sehr gut, rauszugehen aus all der Hektik und dem Alltagslärm, hinein in eine Ruhe, eine Stille, die für manche sogar beängstigend ist. Aber dennoch finde ich Stille grossartig. Sie entschleunigt mich. Sie konfrontiert mich auch mit meinen Gedanken. Wer rastet und Stille zulässt, kann Dinge hören, die einem sonst verborgen bleiben und gar nicht so auffallen. Wenn ich still werde, wird mein Herz manchmal ganz laut. Dann sagt es mir, was für Gefühle in mir sind, wovor ich Angst habe oder was mich richtig glücklich macht. Es kann hilfreich sein – nicht nur im Homeoffice – manchmal einen kurzen Augenblick zu rasten.


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