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Donnerstag, 16. Januar 2025

116. Jahrgang

Nr. 3

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Zwischen Reinach, Rom und Ohio Aus keiner Gemeinde im Baselland stammen so viele Schweizergardisten wie aus Reinach. Ein Historiker und eine Nachfahrin erforschen das Leben des ersten bekannten Gardisten aus der Gemeinde.

Arlesheim

Fabia Maieroni «Hier im alten Dorfkern muss das Haus gestanden sein, das den Rüetschlins einst gehörte», sagt Antonio Russo zu seinen Gästen. Sie nicken und betrachten die historischen Bauten interessiert. Eileen und Laura Mössle besuchen Reinach zum ersten Mal. «Endlich lernen wir die Gemeinde kennen», sagt Eileen Mössle. Der Grund für ihren Besuch: eine familienhistorische Recherche, die ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Ihr Stadtführer ist Antonio Russo, der aus Reinach stammt und in der Schweizergarde in Rom gedient hat. Der Kunsthistoriker und Lehrer wohnt zurzeit in Dornach und schreibt für die Publikationsreihe des Gardemuseums eine Arbeit über Schweizergardisten in Basel und der Nordwestschweiz. Bei seinen Recherchen entdeckte Russo, dass Reinach von den Gemeinden rund um Basel bisher mit Abstand die meisten Schweizergardisten stellte. «Im Wallis wäre es Naters, wo sich auch das Gardemuseum befindet. Reinach wäre quasi das Naters von Basel», sagt Russo mit einem Schmunzeln. Das sei nicht verwunderlich, denn Reinach war wiederholt die grösste katholische Gemeinde des Kantons. Bei seinen Recherchen entdeckte Russo den ersten bekannten Basler Schweizergardisten: Franz Johann Rüetschlin.

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Aesch

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Auf den Spuren Rüetschlins: (v. l.) Kunsthistoriker Antonio Russo zeigt Eileen Mössle und ihrer Tochter Laura Mössle FOTO: FABIA MAIERONI die Heimatgemeinde ihrer Vorfahren. Doch Russo war nicht der Einzige, der sich für den Reinacher interessierte. Bei seinen Recherchen lernte der Kunsthistoriker Eileen Mössle kennen, die zeitgleich Nachforschungen über ihre Vorfahren betrieb. «In unserer Familie ging die Geschichte um, ein Vorfahre, der aus Reinach stammte, habe in der Schweizergarde in Rom gedient. Seine GardeUrkunde, die meine Grossmutter noch hatte, lässt sich leider nicht finden», sagt Mössle. Russo und Mössle forschen seither gemeinsam über das Leben von Rüetschlin.

Familie wandert nach Amerika aus

Der Reinacher Franz Johann Rüetschlin war der erste bekannte Basler Gardist

(Reinach gehörte bis 1833 zu Basel). In Rom diente er bis ins Jahr 1830. Die Rüetschlins gehörten in Reinach zu den angesehenen Familien – auch wegen ihrer Beziehung zu anderen alteingesessenen Familien: Sein Vetter etwa war Bürgermeister Heinrich Dollinger, Paten und Verwandte gehörten den Familien Feigenwinter, Martin, Meier, Kury, Glaser und Grellinger an. Doch die Rüetschlins hielt es nicht in Reinach. «Die Familie ist heute in Reinach in der männlichen Linie nicht mehr vertreten, und die Spuren der meisten verlieren sich ab den 1830er-Jahren, was mich stutzig machte», erklärt Russo. «Wie ich vermutet hatte, war die siebenköpfige Familie 1832 zusammen

mit Heinrich Dollinger, dem gleichnamigen Sohn des Grossrats, nach Amerika ausgewandert. Dollinger heiratete später eine Rüetschlin.» Gemeinsam mit weiteren Siedlern, fast ausnahmslos Familien aus der Deutschschweiz und Süddeutschland, gründeten sie am Black Fork Mohican River die katholische Siedlung Shelby in Ohio, die heute etwas mehr als 9000 Einwohner zählt. Sie gehörten damit zu den ersten 4000 nachweisbaren Schweizern, die ab 1800 nach Amerika auswanderten. «Doch Franz Johann war nicht auf der Passagierliste nach Amerika», erklärt Mössle. Die Spur verliert sich nach seinem Dienst bei der Schweizergarde 1830. Fortsetzung auf Seite 2

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