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39_2022_Stadtanzeiger_Olten

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Olten, Donnerstag, 29. September 2022 | Nr. 39 | 90. Jahrgang | Auflage 34 383 | Post CH AG

Finja Basan

Hey hoi, wie gohts?

Finja Basan, Wahloltnerin und Kommunikationsmitarbeiterin.

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Am Empfang im Standort des Projekts Restwert nimmt Selin Erdogan gebrauchte Ware entgegen. (Bild: Cyrill Pürro) Anova Swiss AG Mühlethalstrasse 77 (JHCO-Gebäude), 4800 Zofingen, T 062 752 30 30, www.anova.swiss

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Restwert für Gebrauchtes SECONDHAND DAY Der nationale Secondhand Day letzten Samstag war auch dieses Jahr ein Weckruf, den täglichen Konsum nachhaltig zu verändern. Der Idee schloss sich auch der Standort des Projekts Restwert in Wangen an. 14 gebrauchte Artikel wurden online verkauft. CYRILL PÜRRO

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n der Dorfstrasse 21 in Wangen herrscht Hochbetrieb. Hier nehmen die Mitarbeitenden des Projekts Restwert gebrauchte Ware entgegen, prüfen sie auf ihren Zustand, sortieren sie und verkaufen sie anschliessend auf der OnlinePlattform Ricardo. Das SecondhandFranchiseunternehmen gibt dem alten Geschirrspüler oder dem SpielzeugLastwagen, der nicht verkauft werden konnte, also eine zweite Chance. «Kurz gesagt übernehmen wir das Präsentieren und Verkaufen von gebrauchten Waren von Privatpersonen und Unternehmen auf der Plattform Ricardo», erklärt die Standortleiterin Selin Erdogan. Die 20-Jährige betreut den Standort Wangen erst seit Kurzem. Als Standortleiterin kümmert sie sich um die Angestellten, führt sie in die Arbeiten ein und ist auch für die KV-Lernenden verantwortlich. Dass eine so junge Person nach nur kurzer Zeit zur neuen Standortschefin aufsteigt, sei selten. Es habe sich einfach so ergeben, da der vorherige Leiter letzten Sommer in Pension gegangen und sie gerade zu diesem Zeitpunkt mit dem Praktikum am Projektstandort in Suhr fertig geworden war. «Daraufhin wurde mir die Stelle angeboten. Ich sagte sofort zu», fügt die Berufsmaturandin an. Dass ihr die neue Position gefällt, kauft man der Standortleiterin sofort ab. Fast heller als die Sonne strahlt sie, wenn sie durch den Büroraum führt und das Sys-

tem hinter dem Projekt Restwert erklärt. Um die zehn bis zwölf Arbeitnehmende beschäftigt der Standort in Wangen aktuell. «Die Zahl der bei uns Beschäftigten wechselt stetig, liegt aber immer bei über zehn Personen», erläutert Erdogan.

Zurück in den Arbeitsmarkt finden

Das Projekt Restwert ist nicht nur eine Sammel- und Verkaufsstelle für gebrauchte Gegenstände. Es ist auch ein Beschäftigungsprogramm mit geschützten Arbeitsplätzen für Menschen in besonderen Lebenslagen, die ihren Weg zurück in den ersten Arbeitsmarkt finden wollen. Die Arbeitsplätze dienen also zur sozialen und beruflichen Wiedereingliederung und werden von offiziellen Stellen in die einzelnen Standorte platziert. Von da an läuft eine sogenannte «Programmzeit», die in der Regel bis zu drei Monaten dauert. «Nach der Programmzeit schauen wir dann mit unseren Mitarbeitern an, wo die Möglichkeiten liegen und ob eine Anschlussmöglichkeit besteht. Die meisten finden nach der Programmzeit eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt», führt die Standortleiterin aus. Die Programmzeit könne aber ohne Weiteres verlängert werden, manchmal tue sich auch ein Türchen innerhalb des Projekts auf. Der geschützte Arbeitsplatz soll den Leuten gemäss Erdogan die Möglichkeit geben, auszuprobieren und Neues zu entdecken. «Was kann ich alles? Was traue ich mir zu? Das sind Fragen, die sie nach ihrer Zeit hier beantworten können sollen», kommentiert Erdogan. Der Zyklus eines eingehenden recycelbaren Produkts startet mit der Erfassung

Z U S A M M E N G E G E N CO 2 Diverse Unternehmen machten dieses Jahr beim dritten nationalen Secondhand Day mit, der letzten Samstag stattfand. Sie boten an diesem Tag spezielle Angebote an, um den CO2-Ausstoss des täglichen Konsums zu reduzieren und auf Möglichkeiten der Wiederverwertung von verschiedensten Waren aufmerksam zu machen. (CKP)

in einem Computer-System, nachdem es vom Personal beim Empfang entgegengenommen wurde. Erdogan führt zum Empfangstisch. «Hier kommen Privatpersonen und Vertreterinnen oder Vertreter von Unternehmen vorbei und liefern uns die Ware ab», informiert sie. Dann gibt es einen Funktionstest, ob beispielsweise Lampen, Laptops oder Handys noch funktionieren. «Eine grobe Prüfung ist vor allem bei elektronischen Geräten nötig», fügt Erdogan an. Fällt ein Produkt durch den ersten Test, wird es gleich wieder retourgegeben.

Jeder Tag ein Secondhand Day

Die Mitarbeitenden fotografieren die kontrollierten Produkte anschliessend, um sie später auf Ricardo präsentieren zu können. Kleidungsstücke werden beispielsweise an Puppen gezeigt. Dann wird das Produkt ein zweites Mal kontrolliert. «Wir haben bei uns ein Vieraugenprinzip, um die Fehlerquote möglichst tief zu halten», erklärt die 20-Jährige dazu, während sie vom Lagerraum zurück in den Büroraum läuft und die Kisten mit Produkten zeigt, die auf ihre Weiterverarbeitung warten. Nach der Kontrolle erstellen die Mitarbeitenden das Online-Inserat, auch dieses wird nochmals von einer anderen Person überprüft. Sind alle diese Schritte erledigt, kann das Inserat online gestellt werden und das Produkt ist zum Verkauf bereit. Das Inserat wird dann für zehn Tag online geschaltet. «Die Personen oder die Unternehmen, die uns gebrauchte Ware abgegeben haben, erhalten mindestens 70 Prozent vom Erlös aus dem Verkauf», erklärt Erdogan. Was denn jetzt am Secondhand Day letzten Samstag für das Projekt Restwert so besonders war? Eigentlich nichts, wie Erdogan bemerkt: «Bei uns ist jeder Tag ein Secondhand Day.» Um aber dennoch ein Zeichen für den Restwert zu setzen, sammelten die Mitarbeiter über 50 Inserate und timten deren Ablaufdaten auf den 24. September, also letzten Samstag. Erdogan zieht ein Fazit: «Wir haben mit 14 Verkäufen weniger verkauft als am Secondhand Day letztes Jahr. Trotzdem zählt in der Kreislaufwirtschaft jeder Beitrag zur Nachhaltigkeit.»

egentropfen glitzern über Olten. Bunte Regenschirme ziehen an mir vorbei und es duftet nach Fondue, Churros und Knoblauch. Es ist MIO. Und während die Tropfen auf dem Asphalt tanzen, reise ich gedanklich in die Vergangenheit. Auf der rechten Aareseite zog ich vor fünf Jahren in meine erste Oltner Wohnung. Entlang der Friedenskirche radelte ich täglich zur Arbeit. Vorbei ging es am Bifang-Schulhaus und durch die Aarauerstrasse. Und vor fünf Jahren war ich auch das erste Mal auf der MIO. Seitdem hat sich viel getan. Auch, dass ich mich bei diesen Kleinstadtevents nicht mehr fremd fühle. Denn ich musste sie lieben lernen, die Feste der Stadt. MIO, Fasnacht, Chilbi: Diese Events leben auch vom Wiedersehen. Nur wer neu ist, sieht nicht wieder, sondern zum ersten Mal. Wer neu ist, sieht Unbekannte. Und wer neu ist, steht daneben, wenn die wenigen Freunde, die man hat, eine nach der anderen aus der Schule oder dem Verein erkennen und quatschen. In der Kleinstadt kennt man sich, das weiss ich mittlerweile. Das schätze ich sehr und finde ich nur selten mühsam. Man kennt sich. Nur nicht, wenn man neu ist. Fünf Jahre später sehe ich immer noch Unbekannte, aber auch viele Freunde, halte an, plaudere. Ich grüsse alte – also so fünf Jahre alte – Bekannte, erfahre, wie es ihnen geht, und finde es schön, wenn das Update erfreulich ist. Ich entdecke neue und mir bekannte Projekte und Geschäfte aus der Region, gehe in die mir bekannten Festzelte, freue mich auf Crêpes und Raclette. Und hier zeigt sich einmal mehr: Ich befinde mich im Land der Vereine. In denen schweissen Leidenschaften zusammen, hier findet sich Anschluss. Auch ich habe viele der mir bekannten Gesichter in Vereinen kennengelernt. Und ich freue mich diese auch während Adventsdorf und Fasnacht wiederzusehen, freue mich auf das nächste ehrliche «Hey hoi, wie gohts?».


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