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37_2022_Stadtanzeiger_Olten

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«Ich freue mich auf die überzeugende Aufwertung der Oltner Innenstadt. Ja, zwei Bäume müssen weichen, aber es kommen mehr neue Bäume hinzu!»

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Olten, Donnerstag, 15. September 2022 | Nr. 37 | 90. Jahrgang | Auflage 34 383 | Post CH AG

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Edith Scott sieht sich als Direktorin des Stadttheaters Olten mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. (Bild: Achim Günter)

«Angebot ist nicht mehr so breit wie vor Corona»

SAISONSTART STADTTHEATER Am Freitag startet das Stadttheater Olten in die Saison 2022/23. Direktorin Edith Scott hofft auf eine Spielzeit ohne neue Corona-Einschränkungen, spricht über die Nachwirkungen der Pandemie für ihr Haus und die Kulturbranche – und verrät ihre persönlichen Programmhöhepunkte. ACHIM GÜNTER

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Werke aus der guten Stube

Diese Woche starten Sie in Ihre vierte Spielzeit als Direktorin im Oltner Stadttheater. Wie optimistisch sind Sie, dass es für Sie endlich einmal eine «normale» Saison geben wird? Edith Scott: (lacht) Was heisst «normal»? Ich glaube jedenfalls fest daran, dass wir alles Geplante vorführen dürfen. Und ich hoffe sehr, dass es diesmal keine Einschränkungen für die Zuschauerinnen und Zuschauer geben wird. Wir planen mit einer normalen Saison, und ich bin optimistisch. Die ersten drei Spielzeiten unter Ihrer Leitung wurden jeweils mehr oder weniger stark beeinträchtigt von Corona. Das ist so. Manchmal vergisst man es schon fast, weil es derzeit weit weg scheint. Jedoch glaube ich auch jetzt noch, dass man nicht sagen kann: Corona ist weg. Selbst wenn in dieser Saison nicht wieder Massnahmen eingeführt werden müssten, bedeutet Corona in unserem Schaffen eine enorme Zäsur. Und es beschäftigt uns insofern weiter, als dass es bei uns sehr viele Entwicklungen beschleunigt hat – vor allem solche

in Sachen Auslastung. Wir müssen schauen, wie wir künftig dem Problem geringerer Auslastung begegnen, wie wir das abfedern können. Ohne Corona hätte uns diese Problematik nicht in dieser Härte und nicht in dieser Geschwindigkeit erreicht. Ihrer Ansicht nach hat Corona diese Entwicklungen aber nur beschleunigt, eingetreten wären sie ohnehin? Vermutlich, ja. Aber sie wären wohl sehr viel langsamer passiert. Was sprechen Sie konkret an? In der Kulturbranche spricht man schon länger davon, dass das Abonnement-System irgendwann auslaufen wird, dass es kein modernes System mehr ist. Es ist allgemein ein Abonnement-Schwund zu beobachten. Corona hat diesen Rückgang massiv beschleunigt. Wir in Olten haben innert kurzer Zeit sehr viele Abonnements verloren. Spannend ist, dass Gastspielhäuser wie das unsrige stärker davon betroffen sind als Häuser, die selbst produzieren. Auch ein StadtLand-Graben ist festzustellen. Häuser in grossen Zentren haben ein deutlich grösseres Einzugsgebiet als wir auf dem Land. Es werden also weniger Abonnements verkauft als einst? Im Vergleich zur letzten Saison ist die Anzahl Abonnements leicht gestiegen. Das ist erfreulich. Es handelt sich um Leute, die zu uns zurückkehren, aber auch um Neukunden. Für uns ist das ein schönes Feedback, weil es uns zeigt, dass unsere Arbeit ankommt. Aber insgesamt haben wir in der Corona-Zeit einen massiven Verlust eingefahren. Auf das Vor-Corona-Niveau werden wir es mit den Abonnement-Zahlen nicht mehr schaffen. Wenn wir den Saal bei den einzelnen Vorstellungen auch ohne den Grundstock an Abonnenten jeweils füllen können, brauchen wir nicht eine

grosse Zahl an verkauften Abonnements. Momentan sind manche Anlässe ein Selbstläufer, andere bringt man nicht voll. Für diese Fälle bietet der Abonnement-Verkauf natürlich eine gewisse Sicherheit und erleichtert uns die Arbeit. Die 84 Prozent Auslastung über die gesamte Saison aus den Vor-Corona-Zeiten erreichen wir im Moment nicht mehr. Mit welcher Auslastung kalkulieren Sie in der kommenden Saison? Mit 70 Prozent? Nein, ich habe tiefer kalkuliert. Wobei wir uns natürlich bemühen, dass ich mit meiner Kalkulation nicht recht haben werde (schmunzelt). Die Pandemie ist momentan in den Hintergrund getreten und wird überlagert vom Krieg in der Ukraine oder der Energiekrise. Für die Stadttheater Olten AG insgesamt dürfte Corona jedoch noch spürbar nachwirken. Im Tagungsbereich merkt man davon nicht mehr viel, die Nachfrage ist sehr gross. Wir haben sehr viele Stammkunden. Alles wird zwar ein wenig kurzfristiger gebucht als früher, aber im Seminarbereich ist die Entwicklung sehr erfreulich. Wir sind schon fast wieder auf Vor-Corona-Niveau. Was uns aber ebenfalls stark trifft, sind die steigenden Strom- und Gaspreise. Bis unsere Säle, die sehr hoch sind, beheizt sind, dauert es. Und wir haben eine Gasheizung – momentan ist das mit sehr hohen Kosten verbunden. Im Hinblick auf den kommenden Winter bereitet uns das Sorgen. Und man muss wissen: Das Haus ist alt, es ist nicht so isoliert, wie es sein sollte. Ganz viel Energie verpufft ohne Nutzen. Uns schmerzt das, denn wir betreiben das Haus und müssen diese Energie bezahlen. Am Umstand etwas ändern können wir aber nicht, denn das Gebäude gehört uns nicht. Fortsetzung auf Seite 3

chwatzend stand ich vor ein paar Tagen mit zwei älteren, liebenswerten Freunden kurz vor Mittag auf der Hauptgasse. Was konnten meine beiden Kameraden schimpfen über die Schülerinnen und Schüler, die das Velofahrtverbot missachtend mit Volldampf durch die Altstadt brausten. Nicht dass ich für den Groll der beiden kein Verständnis habe – wenn schon unsinnige Verkehrsregeln missachten, dann mit Respekt und im Schritttempo –, aber irgendwie ist der Ärger über die Jugend im Herbst des Lebens verschwendete Lebenszeit. Egal ob für die Natur oder für uns Menschen, der Herbst ist die Zeit der Milde, der Ernte, der Fülle und des Genusses. Vielleicht sind unsere Sinne für das Schöne in dieser Jahreszeit besonders geschärft, weil wir um die Begrenztheit und Vergänglichkeit dieser goldenen Zeit wissen. Olten mit seinem einladenden Angebot, seiner Lebendigkeit, der fussgängerfreundlichen Altstadt, den unzähligen Stammtischen und der gelebten Gastfreundschaft der Oltner Wirtinnen und Wirte ist ein wunderbarer Ort, um den Herbst und das Älterwerden in aller Vielfalt zu geniessen. Und wenn die Senioren im Bornblick und St. Martinsheim dank reduziertem Tempo auf der Solothurner Strasse dann endlich in Ruhe schlafen können, ist Olten geradezu die perfekte Stadt für ältere Menschen. Was die Dauer des Herbstes anbelangt, ist das so eine Sache. Wenn mein lieber Freund und Sitznachbar im Kantonsrat Daniel Probst neulich im Rat erwähnt, ich werde mit meinem Jahrgang 61 als Babyboomer schon bald in Rente gehen, so könnte er sich so was von täuschen. Vergänglichkeit ist relativ und kann sich sehr lange hinziehen. Auch im Alter kann man noch zu Höchstform auflaufen, Grossartiges leisten und selbst mit 73 noch König von England werden.


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