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Olten, Donnerstag, 18. August 2022 | Nr. 33 | 90. Jahrgang | Auflage 34 383 | Post CH AG
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L Auch dieses Jahr war das Riesenrad an der Oltner Chilbi gut besucht. Die neue Überkopf-Attrakion «Burner» machte ihr aber Konkurrenz. Die Warteschlange war beim «Burner» definitiv grösser. (Bilder: Cyrill Pürro)
Endlich wieder Chilbi OLTNER CHILBI Die Sehnsucht nach der Chilbi ist Geschichte: Nach zwei Jahren coronabedingter Pause sorgten am Wochenende Fahrgeschäfte und Feierfreudige für ordentlichen Tumult in der Stadt. Ein Besuch zeigt, wie sehr sich Besucherinnen und Besucher nach Adrenalinkicks und dem Schlemmen sehnten. CYRILL PÜRRO
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s wird äuä räble», so prognostizierten viele Passantinnen und Passanten den Ansturm auf die diesjährige Chilbi in Olten, wenn man sie nach ihren Erwartungen an den Megaevent fragte. Dass es einen grossen Andrang auf die drittgrösste Chilbi der Schweiz geben würde, konnte man ahnen. Denn auch in Olten mussten die Fahrgeschäfte pandemiebedingt zwei Jahre lang ruhen, das Chnoblibrot und die «brönnte Mandle» blieben in Bäckereien und Läden, statt dass sie auf den Gassen verdrückt wurden. Und natürlich blieb auch das fröhliche Beisammensein zu guter Musik und feinem Bier aus, in der Stadt war es stiller, als sich das Oltnerinnen und Oltner vom letzten Wochenende der Sommerferien sonst gewohnt sind. Kein Wunder also, dass auch am Samstag die Oltner Gassen noch vor dem eigentlichen Beginn um 14 Uhr gut gefüllt sind. Mann und Frau scheinen auch nach dem ersten Chilbi-Tag kaum darauf warten zu können, durch die Gassen zu schlendern und sich hie und da eine Leckerei zu gönnen oder einen Schwatz mit lange vermissten Freunden abzuhalten.
Unter anderem sind es Stadtpräsident Thomas Marbet, Regierungsrätin Susanne Schaffner und Chilbichef Christoph Koch, die zusammen auf eine «möglichst unfallfreie», entspannte und erfolgreiche Chilbi anstossen. Koch kündigt gleich auf Marbets Eröffnungsrede an, dass die diesjährige Ausgabe seine letzte sein werde. Denn im Zuge seiner Frühpension zieht es ihn zusammen mit seiner Frau nach Ungarn. Eine Stunde später auf dem Munzingerplatz, die Chilbi hat soeben begonnen: Das Poltern der Autoscooter ist bereits von weitem zuhören sowie die giggelnden Kinder, die zusammen mit ihren Müttern oder Vätern hinter dem Steuer sitzen. Und natürlich sind es auch Jugendliche, die in die Scooter sitzen, um einander zu rammen. Nicht weit weg stehen Alisha Graf und Luana Hofer. Ein Knoblibrot essend, beobachten sie das Treiben gespannt. Hofer schaut alle Jahre wieder an der Oltner Traditionschilbi vorbei, wenn sie denn stattfindet. Und das, obwohl sie eigentlich aus dem Aargau stammt. «Ich habe Verwandte in Gösgen und komme daher schon seit dem Kindesalter hierher», erklärt sie dazu. Graf hingegen ist zum ersten Mal
hier, auch sie kommt aus dem Aargau. «Ich bin eben eher an Aarau orientiert», gibt sie lachend zu. Die beiden wollen an diesem Samstag hauptsächlich in den kulinarischen Genuss der Chilbi kommen. «Und ab und zu noch Bahnen fahren», wie Hofer ergänzt. Und natürlich wird heute Abend noch so richtig gefeiert. Froh, dass wieder einmal Chilbi ist, sind Graf und Hofer definitiv. Ein paar Meter weiter, die Mühlegasse hinab auf der Schützenmatte: Hier ist das fröhliche Treiben schon so richtig angelaufen. Geschrei ertönt von der neuen Kopfüber-Attraktion «Burner». Beliebt ist sie allemal, wie die Warteschlange vor dem Fahrgeschäft beweist. Gleichzeitig werden Raclette, Burger oder Pommes geschlemmt. Eine Tüte der gesalzenen Fritten hat sich auch Mona Joss geholt. Wie sie sagt, besucht sie die Oltner Chilbi immer, ihre Freundin Lynn Kaufmann hingegen ist zum ersten Mal zu Besuch. Auch sie sind aus dem Aargau angereist. Sie sind sehr froh, dass dieses Jahr wieder eine Chilbi stattfindet, sie haben das ausgelassene Treiben vermisst. Oder wie Mona Joss sagt: «Endlich läuft wieder etwas.» Fortsetzung auf Seite 3
«Endlich läuft wieder etwas»
So ist auch der traditionelle Chilbi-Apéro an diesem Samstagmittag gut besucht.
Alisha Graf (links) und Luana Hofer sind vor allem hier, um zu essen und zu feiern.
etzte Woche genoss ich mit meinem Freund Rico im Gryffe einen Sommerabend. Selig schlürfen wir unseren Tempranillo, blasen blaue Zigarrenwölklein in den Nachthimmel, philosophieren und erfreuen uns des Lebens. Noch vor wenigen Jahren fuhr ich für so ein Lebensgefühl über den Gotthard. Jetzt schlendere ich in Flipflops und kurzer Hose seit Mitte Mai zum Apéro in die Kirchgasse, trinke meinen Morgenkaffee im Ring draussen und schwimme täglich durchs Chessiloch. Dank Sonnenschein, Aare, Badi, kühlenden Wäldern ringsum, innovativen Gastrobetrieben und verführerischen Gelaterias hat sich Olten zu einem sommerlichen Sehnsuchtsort gemausert. Aber, könnte man jetzt einwenden: dieser Sommer ist die Folge des Klimawandels, der Stadtbaumeister warnt vor den Gefahren im Fluss, in der Kirchgasse fehlen die Bäume – SP-Stadtoberhäupter in unserem Kanton zeichnen sich ja nicht durch Dendrophilie aus, die aufgespannte Schattenblache ist ein Witz und warum findet in der Marktgasse kein täglicher Gemüsemarkt statt, wo wir Regionales ohne Plastikverpackung kaufen können? Ja und warum pulsiert das Leben in der Kirchgasse, während sich in der zu Tod geschützten Altstadt schon Krankenkassenfilialen in Sockelgeschosse einnisten, die Bewohner der Altersresidenzen Bornblick und St. Martin immer noch auf etwas mehr Ruhe dank Temporeduktion hoffen, die Verkehrssituation für alle rund um den Postplatz unzumutbar ist und am Bahnhof vier Parkplätze gesperrt sind, weil den Bauarbeitern der Arbeitsweg zur Schützi nicht zuzumuten ist? Stimmt alles! Aber zum neuen Oltner Lebensgefühl gehört halt eben auch eine gewisse mediterrane Gelassenheit. So hat mir Rico an diesem besagten Abend ans Herz gelegt, für einmal nur Positives zu schreiben. Das habe ich versucht und wünsche allen weiterhin einen ganz schönen, frohen Sommer!