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20_2023_Stadtanzeiger_Olten

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Olten, Mittwoch, 17. Mai 2023 | Nr. 20 | 91. Jahrgang | Auflage 34 383 | Post CH AG

Finja Basan Zeitreise

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Finja Basan, Wahloltnerin und Kommunikationsmitarbeiterin.

(Bild: Remo Buess)

N Der Kantischüler Suvirr Malli verbringt viel Zeit vor dem Schachbrett, pflegt aber noch einige weitere Hobbys. (Bild: Achim Günter)

liebe « Ich meine Mutter… …aber ich kann ihr nicht immer helfen.

»

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Die «Husi» haben nicht immer erste Priorität

SUVIRR MALLI Über das Pfingstwochenende organisiert der Schachklub Olten im Bahnhofbuffet das Finalturnier der Schweizer Jugend-Einzelmeisterschaft. Zu den Titelfavoriten zählt mit Suvirr Malli ein grosses Talent aus den eigenen Reihen. ACHIM GÜNTER

B

eim Abschied lächelt er verschmitzt, so wie er es oft tut. «Die ‹Husi› erledige ich möglichst rasch, um mich dann auf Schach fokussieren zu können.» Die «Husi» sind die Hausaufgaben. Und seine Aussage gilt in diesen Tagen noch mehr als ohnehin schon. Er trainiert fleissig. Denn über Pfingsten tritt der Oltner Kantischüler Suvirr Malli in der Kategorie U14 an der Schach-Schweizer-Meisterschaft an, als klarer Favorit; aufgrund seiner aktuellen ELO-Punkte ist er als Nummer 1 gesetzt. Es wird ein Heimspiel werden für Suvirr Malli. Die Titelkämpfe finden im Oltner Bahnhofbuffet statt, und als Organisator zeichnet sein Klub verantwort-

«Er ist sehr selbstkritisch, das hilft ihm sicher enorm. Mental ist er schon sehr weit fortgeschritten.» OLIVER ANGST, TRAINER UND TEAMKOLLEGE

lich, der Schachklub Olten. Diesem gehört der eben 14 Jahre alt gewordene Sohn indischer Eltern schon lange an. Für den Schachsport kann er sich bereits

als kleiner Junge begeistern. Damals noch als Zuschauer bei Partien seines Vaters oder seines vier Jahre älteren Bruders. Mit fünf Jahren beginnt er selber zu spielen. Sein Talent wird rasch erkannt. Er tritt dem Schachklub Olten bei und trainiert seither intensiv. Meist im Selbststudium, indem er sich Schachliteratur zu Gemüte führt. Aber auch mit einem Trainer. Schon seit acht Jahren heisst dieser Oliver Angst, ein Klub- und aktuell auch ein Mannschaftskollege Suvirrs in der zweithöchsten Liga der Schweiz. Angst, jetzt 21, empfindet es als vorteilhaft, nur ein paar Jahre älter als sein Schüler zu sein. «Dadurch kann ich ihn psychologisch gut erreichen.» Zu Beginn ihrer Zusammenarbeit sei Suvirr nicht das ganz grosse Talent gewesen. Dank seines Fleisses und seiner Disziplin habe sich das inzwischen geändert. «Er hört gut zu, ist bereit, Neues zu lernen und arbeitet viel im Selbststudium. Und er ist sehr selbstkritisch, das hilft ihm sicher enorm. Mental ist er schon sehr weit fortgeschritten.» Also ein sehr angenehmer Schüler? Angst lächelt: «Ich habe immer allen gesagt: Als Trainer kann man sich keinen besseren Schüler wünschen.»

Eindrücklicher Sieg an EU-Meisterschaft

Die Erfolge stellen sich rasch ein – auch national. Suvirr Mallis grösste Erfolge lesen sich schon mal nicht schlecht: 2019 Silber an der Schweizer Jugendmeisterschaft U10 und an der Schweizer Jugend-Rapidmeisterschaft U10, 2021 Bronze an der Schweizer Jugendmeisterschaft U12, 2022 Gold an der Schweizer Jugend-Rapidmeisterschaft U14 sowie Silber an der Schweizer Jugendmeisterschaft U14. Und ebenfalls im Vorjahr wird er als Schweizer Vertreter vom Schweizerischen Schachbund für die auf klassische Weise ausgetragene sogenannte EU-Meisterschaft in Österreich selektioniert – und triumphiert auch

dort. «Die habe ich ziemlich überzeugend gewonnen», findet er. Auch das wird im Gespräch mit ihm immer wieder deutlich: An gesundem Selbstvertrauen fehlt es dem Teenager mit Wurzeln im südindischen Tamil Nadu nicht. Seit einigen Monaten setzen Suvirrs Eltern neben Oliver Angst als Trainer zusätzlich auf einen in Deutschland leben-

Obwohl Schach ein zeitintensives Hobby ist, pflegt er noch einige weitere. Er spielt auch ambitioniert Tischtennis, liest gerne, spielt Klavier, löst Logikaufgaben. den ukrainischen Grossmeister. Der 36-jährige Konstantin Tarlev, derzeit auf Position 206 der Weltrangliste klassiert, unterrichtet seinen Oltner Schüler wöchentlich mittels Online-Schaltung. Das Hobby ihres Sohnes wird für seine Eltern also auch langsam kostspielig. Gegen seinen Vater tritt er übrigens nicht mehr an. «Ich wäre zu gut», sagt der 14-Jährige und ergänzt mit seinem verschmitzten Lachen: «Die Partien wären zu einseitig.» Suvirr Malli kann es sich übrigens leisten, die «Husi», die Hausaufgaben, nicht immer zu priorisieren. Der Kantischüler schreibt fast ausnahmslos gute bis ausgezeichnete Noten. Seine Lieblingsfächer sind Mathematik, Physik und Informatik. Aber auch die Sprachfächer mag er sehr. Schon jetzt spricht oder lernt er neben seiner indischen Muttersprache Saurashtra auch Tamil, Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Und obwohl Schach ein zeitintensives Hobby ist, pflegt er noch einige weitere. Er spielt auch ambitioniert Tischtennis, liest gerne, spielt Klavier, löst Logikaufgaben. Fortsetzung auf Seite 3

eben meinem Bruder sitze ich auf dem Boden des Dachstocks im Norden Bayerns. Im Haus unserer Oma fühle ich mich wie in einer gut sortierten Brocki. Hier ist die Zeit stehen geblieben. Und auch die Bücher, durch die wir gerade blättern, entspringen einer anderen Zeit: leicht vergilbte aber sehr gut erhaltene Seiten aus den 60ern berichten über Reisen nach Italien, erzählen Liebesgeschichten oder erklären dir, wie Frau sich in den 60ern ohne Mann einen Platz in der Gesellschaft erkämpft. Wie sie einen Job findet, finanziell unabhängig wird, mit der Ehe wartet oder sie ganz sein lässt und sich der Schmach durch die Gesellschaft dafür mutig entgegenstellt. Wie ist es bei euch eigentlich mit dem Gendern, fragt mich meine Mutter am Vorabend, als wir alle bei einem Wein im Wohnzimmer meiner Oma sitzen. Ich könne nicht für ein ganzes Land sprechen, aber in meiner Umgebung werde grösstenteils gegendert, entgegne ich, als meine Oma in Richtung meines Bruders loswettert, warum man das denn machen müsse, es habe doch bisher auch ohne funktioniert. Meine Mutter möchte nicht mehr nur mitgemeint sein, wirft sie ein, und mein Stiefvater ergänzt ironisch, dass sie das sowieso nie gewesen sei. «Weil sich die Welt verändert», beginnt mein Bruder die Argumentation, die von Oma mit einem herzlichen «Ach hör doch auf!» und einem Handwedeln im Keim erstickt wird. Auf dem Dachstock blicke ich nun auf viele sehr schlecht gealterte Sätze und überlege, wann Oma wohl aufgehört hat zu hinterfragen. Denn so sehr ich mir bei vielen Passagen die Hände über dem Kopf zusammenschlage, so fortschrittlich muss das Werk mal gewesen sein. Ich frage Oma, ob ich das Buch haben darf, und hoffe gleichzeitig, dass ich den Wandel der Zeit in 60 Jahren mit einem positiven «Schade, dass es das früher nicht gab» bewerte.


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