Krampfadern?
Nr. 28 27. Jahrgang Donnerstag, 9. Juli 2026
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Nachwuchssuche der anderen Art
Kolumne
Vom Bader zum Arzt
Fünf Tage, fünf Berufe Bescheidene Resonanz auf ein tolles Ferienpass-Angebot Meinrad Stöcklin
Eine gute Sache für das Gewerbe und für die teilnehmenden Kinder: Im Rahmen des regionalen Ferienpasses bauten Kinder während einer Woche ihr eigenes Trottinett. Das fertige Gefährt, im Volksmund auch «Trottifäger» genannt, wurde an einem Abschlussanlass ausgiebig getestet und ging danach ins Eigentum der Kinder über. Hinter diesem attraktiven Angebot für einer bescheidenen Teilnahmegebühr von 50 Franken stehen die fünf regionalen Berufsverbände Metallbau, Polymechanik, Holzbau, Schreiner sowie das Autogewerbe (werkberufe.ch). Sie steckten viel Aufwand in dieses Projekt «5 Tage, 5 Berufe», mit welchem Werkberufe vorgestellt wurden und praktisch ausprobiert werden konnten – durchaus mit dem legitimen und löblichen Hintergedanken, junge Menschen in ihrer Berufswahl zu unterstützen und wenn möglich für einen solchen Beruf zu begeistern. Sieger aus Füllinsdorf So arbeiteten die Kinder unter kundiger Anleitung mit Holz und Metall, planten, massen, sägten, hobelten, schweissten, schraubten und montierten an fünf Vormittagen in einer Woche ihr eigenes Trotti. Zum Abschluss stand auf dem Gelände des Bildungszentrums Autogewerbe in Sissach ein Geschicklichkeitstest auf dem Programm. Dabei gab es zwei Läufe zu absolvieren mit dem Ziel, die beiden Durchgänge möglichst zeitgleich zu fahren. Alle Teilnehmenden (siehe Rangliste am Ende des Artikels) erhielten schliesslich eine entsprechende Urkunde. Den Sieg holte sich Lenny Schärer aus Füllinsdorf, dessen Laufzeiten gerade-
Der Geschicklichkeitsparcours bot viel Action und Unterhaltung.
Fotos: M. Stöcklin
mal 0,29 Sekunden auseinander lagen. Er zeigte sich danach glücklich und überrascht. «Diese Woche war sehr toll, lehrreich und interessant und ich kann mir vorstellen, dereinst einen Beruf aus dem Spektrum, das ich kennenlernen durfte, zu lernen», so Lenny Schärer. Sein Vater bezeichnete die Woche gar als «granatenmässiges Angebot» und zeigte sich erstaunt und negativ überrascht, dass die Woche nur gerade von acht Kindern (alles Knaben) besucht wurde.
Der Bader war ursprünglich der Besitzer einer Badestube, der die Badenden zu Ader liess, sie schröpfte und ihre Haare pflegte. Bader waren die «Ärzte der kleinen Leute», die sich keinen «Medicus», einen studierten Arzt, leisten konnten. Mit der Zeit zählte man Bader zu den «unehrlichen Berufen», zumal die Badestuben auch Orte der Prostitution waren und die Bader mit «unreinen» Krankheiten in Kontakt kamen. An mittelalterlichen Universitäten konnte man Medizin ab dem 11. Jahrhundert studieren. Medizin («medicina») war neben Theologie, Recht und Philosophie eine der zentralen Fakultäten. Mediziner lasen vor allem die Abhandlungen antiker Ärzte und waren in praktischer Hinsicht den Badern oft unterlegen. Der Begriff «Medicus» dürfte den meisten seit dem gleichnamigen Weltbestseller von Noah Gordon und dem Film von Philipp Stölzl aus dem Jahr 2013 bekannt sein. Zu einer praxisnahen Wissenschaft entwickelte sich die Medizin ab dem 16. Jahrhundert, und im 19. Jahrhundert entwickelte sich erst das moderne Medizinstudium. Die Herleitung des Begriffs «Arzt» ist weniger offenkundig. Arzt geht auf das griechische «archíatros» zurück, was Erzheiler, Haupt- oder Oberarzt heissen konnte. Archiater hiessen die Hof- und Leibärzte bei den Seleukiden, die Stadt- und Hofärzte in der Kaiserzeit und die Ärzte am fränkischen Königshof. Aus dem chi oder ci wurde ein Zischlaut, sodass im Mittelhochdeutschen aus dem Archiater der «arzât» wurde. Von dort entwickelte sich das Wort weiter zum heutigen Arzt.
Fortsetzung auf Seite 3
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